Blumen als Symbole von Gefühlen und Erinnerungen Dorothee

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Blumen als Symbole von Gefühlen und Erinnerungen
Dorothee Wächter, Essen
Pflanzen werden nicht nur zum Begrünen von Flächen verwendet, sondern auch um Gefühle
mitzuteilen. Man ordnet Pflanzen eine tiefere Bedeutung zu. „Die Symbolik hat sich daraus
entwickelt, dass den Menschen an Pflanzen besondere Dinge aufgefallen sind“, sagt
Christiane James, Autorin zahlreicher Bücher zum Thema Grabgestaltung. „Die Eibe
beispielsweise ist auf der einen Seite giftig, daher gilt sie traditionell als Totenbaum und ist
Symbol für den Tod“, so James. „Gleichzeitig ist das Holz sehr hart und die Pflanze langlebig.
Folglich ist die Eibe gleichzeitig Symbol für die Unsterblichkeit und Wehrhaftigkeit.“ In
beiden Bedeutungen macht die Verwendung von Säuleneiben auf dem Grab also einen Sinn.
Die Pflanzensymbolik war lange Zeit in Vergessenheit geraten, obwohl sie bereits in der
frühen Geschichte der Menschheit von Bedeutung gewesen ist und sich in den
verschiedenen Kulturkreisen herausgebildet hat. „Pflanzensymbolik ist eine der wenigen
Sprachen, die international sind“, sagt Andreas Mäsing, Vorsitzender des Vereins zur
Förderung der Deutschen Friedhofskultur (VFFK) e.V.. „Die rote Rose als Symbol für die Liebe
versteht jeder auf Anhieb.“ Häufig sind es Heilkräfte und Eigenschaften, die in der Symbolik
verschlüsselt werden. Darüber hinaus versteckt sich eine Mischung aus Naturwissenschaft,
Religion, Kulturgeschichte und Philosophie hinter den Symbolen. „Die herbstblühende Heide
steht für Blut und Leid“, sagt James und erläutert, dass früher Kriege und Kämpfe auf
offenen Flächen, auf denen vielfach Heidekraut wächst, stattgefunden haben. „Wenn sich
das Schlachtfeld im Herbst zur Zeit der Blüte rot färbte, so meinten die Menschen, dass es
sich um das Blut der verwundeten und gefallenen Soldaten handelte.“
„Wenn man in der Situation ist, ein Grab zu bepflanzen, wird die Pflanzensymbolik zur Tür
für das Handeln“, erläutert Mäsing. Die Pflanzenauswahl bietet die Möglichkeit, den
verstorbenen Menschen zu beschreiben, und Dinge, die einem am Herzen liegen,
auszudrücken. Ein wichtiges Symbol stellt beispielsweise die Form der Blätter dar. „Das
dreiteilige Blatt der Waldsteinie wird im christlichen Umfeld als Symbol der Heiligen
Dreifaltigkeit angesehen“, sagt die Gärtnerin James. „Die Dreiteilung kann auch für Vater,
Mutter, Kind oder Sonne, Mond und Sterne stehen“, ergänzt Mäsing. Auch die Wuchsform
bringt Gefühle zum Ausdruck. „Am deutlichsten wird das bei den hängenden Bäumen, die
ein Symbol für die Trauer sind“, so James.
Die Umsetzung der Pflanzensymbolik für die Grabgestaltung ist nicht allzu schwer. „Man
kann beispielsweise erstmal anfangen Lieblingspflanzen oder Pflanzen, mit denen man
besondere Erlebnisse verbindet, zu pflanzen“, ermuntert James und ergänzt, dass es sich
dabei um aktive Trauerarbeit handelt. Nun kann man über die Formen und Farben weitere
Aspekte ausdrücken. „Im Herbst blühen Chrysanthemen, die vor allem im japanischen
Kulturkreis die Blumen des Kaisers sind“, sagt James. „Sie stehen auch für ein langes Leben
und die Liebe über den Tod hinaus.“ Gleichzeitig kann man in der gelben Farbe, die für die
Herbstblüher typisch ist, eine Bedeutung sehen. „Gelb ist die Farbe des Frühlings und Symbol
für den Reichtum des Lebens“, ergänzt Mäsing.
Im Herbst werden Früchte und Zapfen auf den Gräbern platziert. Natürlich sind sie jetzt reif
und überstehen die kalte, nasse Jahreszeit besser als Schnittblumen. Aber sie stecken voller
Aussagekraft. „Früchte stehen für Ernte und Neubeginn“, so Mäsing. Darin steckt sowohl die
Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod also auch der Glaube an die Wiedergeburt. Selbst
hinter dem Brauch, Gräber mit Bodendeckern zu bedecken, steht nicht nur der praktische
Gedanke Unkräuter abzuwehren, sondern auch das Symbol der schützenden Decke.
„Bewährte Pflanzen wie der Ilex mit stacheligen Blättern haben im Volksmund den Ruf, das
Böse fern zu halten“, führt Mäsing aus.
Meist besteht eine Grabbepflanzung aus drei verschiedenen Bereichen, dem Rahmen, den
Bodendeckern und der Wechselbepflanzung. Letztere wird dreimal im Jahr gewechselt und
bietet so zahlreiche Möglichkeiten, die Pflanzensymbolik umzusetzen. „Das Wechselbeet
kann man als Experimentierbeet ansehen, um auszuprobieren, was für mich persönlich von
Bedeutung ist“, so James. „Bei einem Familienvater kann man zunächst auf Farb- und
Pflanzenvorlieben eingehen. Früchte, als Symbol für die Kinder, dürfen nicht fehlen. War er
Jäger, kann man ein Stück Baumrinde oder einen Ast auf dem Wechselbeet platzieren. Mit
zarten Gräserrispen deutet man an, dass die Seele wie ein Schmetterling davon fliegt.“
INFO-KASTEN: Die Symbolik der Farben
Farben wirken nicht nur optisch, sondern beinhalten eine symbolische Aussagekraft. „Rot,
steht klassisch für die Liebe“, erläutert Christiane James, Buchautorin und Gärtnerin. „Gelb
ist in der japanischen Kultur die Farbe des Kaisers und gleichzeitig steht sie als Farbe der
Sonne für Wärme und Glück“, so James. Himmel und Wasser sind Blau. „Blau ist die Farbe
der Treue“, sagt Andreas Mäsing, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der deutschen
Friedhofskultur e.V. „Das spiegelt sich in den Namen vieler blaublühender Pflanzen wie
Männertreu, Vergissmeinnicht und Gedenkemein wieder.“ Der Frieden und die Unschuld
werden mit weißen Blüten, meist Lilien ausgedrückt. Grün wird vor allem im Koran als Farbe
des Lebens angesehen. „Zugleich steht alles Immergrüne als Symbol für die Hoffnung“,
ergänzt Mäsing. Im Lila mischen sich das als warm empfundene Rot und das kühle Blau
harmonisch. „Man kann sagen, dass sich in der Farbe Lila Liebe und Treue in vollkommener
Harmonie treffen“, so Mäsing.
Bei Rückfragen:
FGG Friedhofsgärtner Gelsenkirchen eG
Andreas Mäsing
Middelicher Str. 89
45892 Gelsenkirchen
Tel.: 02 09 / 31 80 80
Fax: 02 09 / 31 80 850
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