Fliegenmaden - Extras Springer

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F
Fannia canicularis
Fliegenmaden
Fasciola
Erregerbezeichnung
Fasciola spec.
Synonym
Große Leberegel, Riesenleberegel
Morphologie
Bis zu 40 mm lange und 13 mm breite Saugwürmer (Trematoden). Dorsoventral abgeplattete
Hermaphroditen mit zwei Saugnäpfen (Mundund Bauchsaugnapf) und blind endendem Gabeldarm. Darm und Testes stark verzweigt.
Taxonomie
Klasse:
Ordnung:
Familie:
Arten:
Digenea
Echinostomatida
Fasciolidae
Fasciola hepatica, F. gigantica
Historie
F. hepatica war bereits Linné bekannt (1758)
und gehört damit zu den ersten Helminthen, die
taxonomisch eingeordnet wurden. Die Erstbeschreibung liegt allerdings deutlich weiter zurück (de Brie 1379). F. hepatica war auch der erste Trematode, dessen Entwicklungszyklus vollständig aufgeklärt wurde (Leuckart 1882, Thomas 1883). F. gigantica wurde erstmals 1855 von
Cobbold beschrieben.
Erkrankungen/Symptome
Fasciolose: Beide Fasciola-Arten sind als Adultwürmer Bewohner der großen und mittleren
Gallengänge, deren Infektionsstadien (Metazerkarien) im Duodenum aus der Zystenhülle freigesetzt werden und über Darmwand, Bauchhöhle und Leberkapsel ins Leberparenchym
einwandern, sich zu Subadulten entwickeln, die
Gallengänge aufsuchen und dort zum Adultwurm heranwachsen. Migration verursacht Perihepatitis, eosinophile nekrotische Abszesse,
Zerstörung des Parenchyms, Hyperplasie des
Gallengangepithels, Cholangitis, Cholecystitis,
Cholelithiasis. Akutes Krankheitsbild selten;
nur bei starkem gleichzeitigen Befall; dann 2–6
Wochen p.i. Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchbeschwerden, allergische Erscheinungen. Die
chronische Phase beginnt nach einigen Monaten: Kolikartige Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Ikterus, Fieber. Bakterielle Sekundärinfektionen komplizieren das Krankheitsbild.
Nicht selten auch ektopische Ansiedlung mit
entzündlichen Reaktionen und Abszessbildung
der betroffenen Organe.
Differenzialdiagnose
Differenzialdiagnostisch ist von Leberkrankungen anderer Genese mit entsprechenden Symptomen zu unterscheiden, so z.B. Opisthorchose,
Schistosomose, Echinokokkose u.a.
Labordiagnostik
Mikroskopie. Durch Nachweis der 130–150×63–
90 µm großen gedeckelten Eier in Stuhl oder
Galle, gegebenenfalls auch im Punktat (Zysten,
Abszesse). Die Eiausscheidung beginnt ca. 3–4
Monate p.i. (Präpatenz).
Serologie. Als Nachweisverfahren kommen der
indirekte Immunfluoreszenztest und Enzymim239
Fasciola
muntests in Frage, die jedoch noch wenig spezifisch sind und nur von Speziallaboratorien ausgeführt werden.
hängt. Erste Symptome können 2–6 Wochen p.i.
auftreten.
Therapie
Die durch Leberegel hervorgerufene Immunantwort führt weder zur Abtötung des Parasiten
noch schützt sie vor Reinfektionen.
Immunantwort
Praziquantel (Biltricide®) ist unwirksam. Erfolgversprechend scheint eine Behandlung mit
dem in der Veterinärmedizin eingeführten Triclabendazol (Fasinex®). Bisher erprobte Dosierung: 10mg/kg postprandial, einmalig oder an
zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Prüfung
noch nicht abgeschlossen.
Wirtsbereich
Spezifische Merkmale
Die Infektion mit Fasciola ist primär eine Zoonose herbivorer Säugetiere und hat ein weites
Wirtsspektrum. Gegenüber den z.T. sehr hohen
Prävalenzen bei diesen Tieren tritt die Befallshäufigkeit beim Menschen deutlich zurück.
Transmission
Risikogruppen
Infektion des Menschen ausschließlich durch
Verzehr von metazerkarienbehafteten Pflanzen,
unter denen die Brunnenkresse (Nasturtium officinale) die wichtigste ist.
Personen, die Wasserpflanzen oder in Gewässernähe wachsende Pflanzen in rohem oder ungarem Zustand verzehren.
Vermehrung und Inkubationszeit
Der Befall des Menschen mit Fasciola kommt
überall dort vor, wo mit Metazerkarien behaftete Brunnenkresse oder andere Wasserpflanzen
geerntet und verzehrt werden. Dies trifft auf
zahlreiche Länder in Europa, Afrika, Asien und
Amerika zu, vor allem solche, in denen Rinder
und Schafe die Gewässer kontaminieren. In Europa wurden in Frankreich wiederholt kleinere
Epidemien beim Menschen beobachtet.
Epidemiologie
Entwicklungszyklus: Ausscheidung der Eier mit
dem Stuhl → Schlüpfen der Larve (Miracidium)
im Wasser → Befall des 1. Zwischenwirts (aquatische oder amphibische Schnecken der Familie
Lymnaeidae) → Larvenentwicklung (Sporozyste → Redie → Zerkarie) in der Schnecke
→Ausschwärmen der Zerkarien und Festsetzen
an Pflanzen → Enzystierung und Umbildung
zur Metazerkarie → Infektion des Endwirts
durch orale Aufnahme und Befall der Leber
(u.a. Organe) → Heranwachsen zum Adultwurm → Beginn der Eiproduktion ca. 3–4 Monate p.i. (= Präpatenz, Präpatentperiode).
Die Hauptvermehrungsphase der Fasciola-Arten findet auf dem Larvenstadium im 1. Zwischenwirt (Schnecke) statt. Im Endwirt
(Mensch, herbivore Säugetiere) entspricht die
Zahl der beherbergten Adultwürmer derjenigen
der aufgenommenen Infektionsstadien (1 Metazerkarie → 1 Adultwurm). Die Vermehrung im
Endwirt besteht lediglich in der Produktion von
Eiern, die zur Weiterentwicklung ins Freie gelangen müssen.
Eine Inkubationszeit lässt sich in der Regel
nicht präzise definieren, da das Entstehen von
Krankheitserscheinungen von der Zahl der – in
der Regel akkumulativ – aufgenommenen Metazerkarien und der Dauer der Infektion ab240
Prävention
Eine Fasciola-Infektion kann vermieden werden, wenn Brunnenkresse u.a. im oder am Wasser gedeihende Pflanzen nur in abgekochtem
Zustand verzehrt werden.
Strategien zur Krankheitsvorbeugung und
Kontrolle
Die Bekämpfung der Fasciolose muss bei der
Behandlung der herbivoren Säugetiere ansetzen, um eine Kontamination der Gewässer und
damit die Infektion der Schnecken zu verhindern. Maßnahmen zur Schneckenbekämpfung
sind problematisch.
Meldepflicht
Nach §§ 6 und 7 Infektionsschutzgestz (IfSG)
gehört Fasciolose nicht zu den meldepflichtigen
Filarien
Krankheiten wie auch der Nachweis der Krankheitserreger nicht meldepflichtig ist.
Referenzzentren, Expertenlaboratorien und
Web-Adressen
Offizielle Referenzzentren existieren nicht; als
fachlich qualifiziert anzusehen sind sämtliche
parasitologische und tropenmedizinische Institutionen.
Expertenlaboratorien
◗ Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin,
Bernhard-Nocht-Str. 74, 20359 Hamburg
◗ Hygiene-Institut, Abteilung Parasitologie, Im
Neuenheimer Feld 324, 69120 Heidelberg
◗ Institut für Medizinische Parasitologie, Sigmund-Freud-Str. 25, 53105 Bonn
◗ Institut für Parasitologie, Rudolf-BuchheimStr. 2, 35392 Gießen
◗ Institut für Parasitologie, Bünteweg 17, 30559
Hannover
◗ Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin, Königsweg 65, 14163 Berlin
◗ Institut für vergleichende Tropenmedizin
und Parasitologie, Leopoldstr. 5, 80802 München
◗ Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, Wiederholdstr. 15, 70174 Stuttgart
2. Dalton JP (ed) (1998) Fascioliasis. CAB International,
Wallingford
3. Janitschke K et al (1998) Qualitätsstandards in der
mikrobiologisch-infektiologischen Diagnostik:
Parasitosen. MiQ 4. Fischer, Stuttgart et al
4. Mehlhorn H, Eichenlaub D, Löscher T, Peters W (1995)
Diagnostik und Therapie der Parasitosen des Menschen. 2.
Aufl. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart
5. Rommel M et al. (Hrsg) (2000) Veterinärmedizinische
Parasitologie. Paul Parey, Berlin
Fasciolopsis
F
Darmegel
Filaria bancrofti
Wuchereria bancrofti
Filaria demarquayi
Mansonella ozzardi
Filaria malayi
Brugia
Web-Adressen
Deutsche Gesellschaft für Parasitologie:
http://www.dgp.parasitologie.de
Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und
Internationale Gesundheit:
http://www.dtg.mwn.de
Robert Koch-Institut Berlin: http://www.rki.de
Universität Berlin: Lehrstuhl für molekulare Parasitologie:
http://www.biologie.hu-berlin.de/molpara
British Society for Parasitology:
http://www.abdn.ac.uk/bsp/
American Society of Parasitologists:
http://www.museum.unl.edu/asp
CDC-Center for Disease Control and Prevention: http://www.cdc.gov/
WHO-World Health Organization:
http://www.who.int/
Schlüsselliteratur
1. Beaver PC, Jung RC, Cupp EW (1984) Clinical Parasitology.
9th Edition. Lea & Febiger, Philadelphia
Filaria medinensis
Dracunculus medinensis
Filaria oculi
Loa loa
Filaria volvulus
Onchocerca volvulus
Filarien
Brugia spec.; Loa loa; Mansonella ozzardi; Mansonella streptocerca; Mansonella
perstans Onchocerca volvulus; Wuchereria bancrofti
241
Filoviren
Filoviren
virus wurde 1989 bei Affen entdeckt, die aus den
Philippinen stammten.
Erregerbezeichnung
Erkrankungen/Symptome
Marburgvirus, Ebolavirus
Mit Ausnahme des Reston-Stammes führen
Marburgvirus und Ebolavirus beim Menschen
zu schwerem hämorrhagischem Fieber mit Letalitätsraten zwischen 30% und 90%. Die klinischen Symptome sind in beiden Fällen ähnlich.
Nach einer Inkubationszeit von 3–16 Tagen
kommt es zum plötzlichen Krankheitsausbruch
mit Fieber, Kopfschmerz, Schüttelfrost, Übelkeit und Muskelschmerz. In der Folge treten
Schwindel, Erbrechen, Bauchschmerzen und
Durchfall auf. Bei der Mehrzahl der Patienten
treten nach 5–7 Tagen schwere hämorrhagische
Erscheinungsbilder mit multiplen Blutungen
auf. Am häufigsten betroffen sind der Gastrointestinaltrakt, die Lunge und das Zahnfleisch.
Blutungen sind die Vorboten für einen tödlichen Ausgang, der im Allgemeinen nach 7–16
Tagen in einem schweren Schockzustand eintritt. Filoviren zeigen einen ausgeprägten Tropismus für Zellen des retikuloendothelialen Systems, Fibroblasten und interstitielles Gewebe.
Die Infektion breitet sich über den gesamten
Organismus aus, wobei Leber, Niere, Milz und
Lunge besonders stark befallen sind.
Synonym
Keine Daten vorhanden.
Morphologie
Die Viruspartikel sind filamentös, verzweigt, Uförmig, 6-förmig oder zirkulär. Die Länge kann
bis zu 14 µm erreichen, der Querschnitt beträgt
80 nm. Die Viren besitzen eine Lipidhülle mit
Spikes, die 7 nm lang sind und einen Abstand
von 10 nm voneinander haben. Im Inneren liegt
das Nukleokapsid, das eine helikale Struktur
mit einer zentralen Axe von 20 nm Durchmesser besitzt. Das Virusgenom besteht aus unsegmentierter, linearer, einzelsträngiger RNS mit
negativer Polarität. Es kodiert in der Reihenfolge der einzelnen Gene für das Hauptnukleokapsidprotein NP, das vermutlich zum PolymeraseKomplex gehörende VP35, das Matrixprotein
VP40, das Oberflächenglykoprotein GP, ein
zweites Nukleokapsidprotein VP30, ein zweites
Matrixprotein VP24, sowie das Polymeraseprotein L.
Taxonomie
Differenzialdiagnose
Marburgvirus und Ebolavirus bilden die Familie Filoviridae, die das Genus Ebolavirus mit den
Spezies Sudan, Zaire, Reston und Elfenbeinküste sowie das Genus Marburgvirus umfasst.
Differenzialdiagnostisch sollten bei viral bedingtem hämorrhagischem Fieber Infektionen
mit Hanta-Virus, Lassa-Virus, Krim-Kongo Virus bzw. Gelbfiebervirus ausgeschlossen werden. Darüber hinaus ist auch an Malaria, Typhus und Kala-Azar zu denken.
Historie
Marburgvirus wurde 1967 als erstes Filovirus bei
einem Ausbruch von hämorrhagischem Fieber,
von dem ca. 30 Patienten in Deutschland und
Jugoslawien betroffen waren, isoliert. Infektionsquelle waren grüne Meerkatzen (Cercopithecus aethiops), die aus Uganda stammten. Vereinzelte Marburgvirusepisoden traten 1975,
1980 und 1987 in Süd- und Ostafrika auf. Ebolavirus wurde zum ersten Mal 1976 im Sudan und
in Zaire beobachtet. In den gleichen Ländern
kam es 1977, 1979 und 1995 zu weiteren Ausbrüchen, bei denen jedesmal mehrere hundert Personen betroffen waren. Kleinere Ausbrüche traten an der Elfenbeinküste und in Gabun auf.
Das vermutlich nicht humanpathogene Reston242
Labordiagnostik
Wegen der hohen Pathogenität dieser Viren
müssen beim Umgang mit infektiösem Material
besondere Sicherheitsvorkehrungen beachtet
werden. Virus kann aus dem Serum akut erkrankter Patienten in Vero-Zellen angezüchtet
werden, sowie aus Leber, Milz, Lymphknoten,
Niere und Herz von Verstorbenen. Während
der virämischen Phase können Viruspartikel
elektronenmikroskopisch nachgewiesen werden. Serumantikörper lassen sich durch indirekte Immunfluoreszenz und ELISA nachweisen. Zum Genomnachweis hat sich die RT-PCR
bewährt.
Filoviren
Therapie
Es gibt keine spezifischen immuntherapeutischen oder antiviralen Behandlungsmethoden.
Die symptomatische Behandlung richtet sich
gegen disseminierte intravaskuläre Koagulopathie, Schock, Hirnödem, Nierenversagen, Superinfektionen, Hypoxie und Hypotonie. Bei
der Behandlung ist auf strikte Isolierung der Patienten und Schutz des klinischen Personals
(Schutzkleidung, Respiratoren) zu achten.
Spezifische Merkmale
Infektionen mit Marburgvirus und Ebolavirus
gehören zu den gefährlichsten übertragbaren
Erkrankungen beim Menschen. Arbeiten mit
diesen Erregern können deswegen nur in Hochsicherheitslaboratorien (L4) durchgeführt werden. Marburgvirus und Ebolavirus sind typische Vertreter der sog. „emerging viruses“.
Pathogenität, Virulenz und Antigenvariabilität
Eine Infektion mit Marburg- oder Ebolavirus
führt zu Läsionen in Leber, Milz, Nieren und
Lymphknoten. Im Spätstadium der Infektion
kommt es zu Hämorrhagien in fast allen Organen, so auch in den Nierentubuli, wo auch Ablagerungen von Fibrin und Fibrinspaltprodukten
festgestellt werden können. Zugleich ist die
Blutgerinnung gestört.
Transmission
Filovirusinfektionen sind Anthropozoonosen.
Die Übertragung von Mensch zu Mensch, vermutlich aber auch vom Tier auf den Menschen,
erfolgt in erster Linie über den Kontakt mit Blut
oder Körperflüssigkeiten, obwohl Aerosolinfektionen nicht auszuschließen sind. Während der
Übertragungsweg nur bei wenigen Primärfällen
identifiziert werden konnte, haben Sekundärfälle in der Regel nosokomiale Ursachen oder
gehen auf engen Kontakt mit Patienten zurück.
In einem Fall wurde die sexuelle Übertragung
einer Marburgvirusinfektion 60 Tage nach der
Erstinfektion beobachtet.
Vermehrung und Inkubationszeit
Der Wirtszelltropismus der Filoviren fokussiert
sich auf die Zellen des retikuloendothelialen Systems, die Fibroblasten und interstitiellen Gewebe. Bevorzugt findet die Vermehrung in den
Epithelzellen der Leber statt. Im Spätstadium
der Infektion sind fast alle Gewebe betroffen,
neben der Leber besonders auch Niere, Milz
und Lunge. Die Inkubationszeit beträgt 4–16
Tage.
Resistenz
Keine Daten vorhanden.
Immunantwort
Eine humorale Immunantwort kann 10–14 Tage
nach der Infektion festgestellt werden. Die Antikörper sind hauptsächlich gegen die viralen
Oberflächenglykoproteine gerichtet. Bislang ist
nicht klar, ob sie auch neutralisierend wirken.
Auch hinsichtlich einer zellulären Immunantwort ist wenig bekannt.
Wirtsbereich
Das natürliche Reservoir dieser Viren ist unbekannt, obwohl in Einzelfällen die Übertragung
von Primaten (grüne Meerkatzen, Schimpansen) auf den Menschen nachgewiesen werden
konnte. Als Tiermodelle dienen Primaten,
Meerschweinchen und Mäuse, für die die Infektion, u.U. nach mehreren Passagen, in der Regel
tödlich ist.
Risikogruppen
Hierzu gehören in erster Linie Ärzte, Pflegepersonal und Mitpatienten infizierter Patienten, im
weiteren Sinne aber auch allgemein Ärzte und
Pflegepersonal in endemischen Gebieten.
Epidemiologie
Ebolavirus und Marburgvirus kommen in Afrika endemisch vor. Durch Affenexport können
die Viren in andere Länder übertragen werden.
Bei den afrikanischen Ebolavirus-Ausbrüchen
wurde die Infektion in der Regel vom Primärfall
auf die nächsten Angehörigen übertragen. Nach
der Einlieferung infizierter Patienten in ein
Krankenhaus kam es dort in der Regel zu massiver Ausbreitung der Krankheit durch kontaminierte ärztliche Instrumente und direkten
Blut- und Sekretkontakt. Durch Verbesserung
der hygienischen Bedingungen kam es dann regelmäßig zum Erliegen des Ausbruchs.
Genetik
Das Filovirus-Genom ist eine einzelsträngige,
nichtsegmentierte Minus-Strang-RNA von ca.
19 kb Länge, die nicht infektiös ist (siehe auch
Morphologie).
243
F
Fischbandwurm
Accession-No. der viralen Nukleinsäuresequenzen:
Marburgvirus, (Stamm Musoke, Kenya 1980):
J04337
Ebolavirus, Zaire: J04337
Prävention
3. Tidona, C.A., Darai, G. (Eds.) (2001), The Springer Index of
Viruses, Springer Berlin, Heidelberg, New York, Tokio
Fischbandwurm
Diphyllobothrium latum
Chemotherapie- oder Immunisierungsansätze
zur prä- oder postexpositionellen Prophylaxe
von Filovirusinfektionen sind nicht bekannt.
Flaviviren, seltene humanpathogene
Strategien zur Krankheitsvorbeugung und
Kontrolle
Strikte Isolierung der Patienten und Schutz des
behandelnden Personals durch Sicherheitskleidung und Respiratoren sind geeignete Mittel gegen die Ausbreitung der Krankheit.
Erregerbezeichnung
Institut für Virologie, Philipps-Universität, Robert-Koch-Str. 17, D-35037 Marburg, Tel.: 06421/
28-4313, -5360, -3691, Fax: 06421/28-8962, EMail: [email protected]
Die humanpathogenen Flaviviren, die als Arboviren von Vertebraten auf Nicht-Vertebraten
und umgekehrt übertragen werden, sind mit ihren klinischen und epidemiologischen Eigenschaften in Tabelle 1 (durch Zecken übertragene
Flaviviren) und Tabelle 2 (durch Moskitos übertragene Flaviviren) zusammenfassend dargestellt. Frühsommer-MeningoenzephalitisVirus und Russische Frühjahrs-Sommer-Enzephalitisvirus, Gelbfiebervirus, Japanisches
Enzephalitisvirus und Dengueviren werden
wegen ihrer herausragenden medizinischen Bedeutung in eigenen Abschnitten abgehandelt.
Neben diesen relativ häufig vorkommenden Erregern gibt es seltene humanpathogene Flaviviren, die im folgenden kurz beschrieben werden
(mit * gekennzeichnete Viren in Tabelle 1 und
Tabelle 2).
Web-Adressen
Synonym
Meldepflicht
Meldepflichtig bei Verdacht, Erkrankung und
Tod.
Referenzzentren, Expertenlaboratorien und
Web-Adressen
Konsiliarlaboratorium für Bunyaviren, Filoviren
Institut für Virologie, Philipps-Universität,
Marburg (http://www.med.uni-marburg.de/
wwwmzh/viro.htm)
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin,
Hamburg (http://www.bni.uni-hamburg.de/)
Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e.V. (http://www.dvv-ev.de)
Gesellschaft für Virologie e.V. (http://www.
medizin.uni-koeln.de/projekte/gfv/)
Centers for Disease Control and Prevention:
http://www.cdc.gov/
Keine Daten vorhanden.
Morphologie
Die seltenen humanpathogenen Flaviviren gleichen morphologisch dem Gelbfiebervirus.
Taxonomie
Alle hier erläuterten Viren gehören zum Genus
Flavivirus aus der Familie Flaviviridae.
Historie
Schlüsselliteratur
1. Klenk, H.-D., Slenczka, W., and Feldmann, H.:
Encyclopedia of Virology, pp 827–832, Academic Press,
1994
2. Peters, C.J., Sanchez, A., Rollin, P.E., Ksiazek, T.G., and
Murphy, F.A.: Filoviridae: Marburg and Ebola Viruses.
Fields Virology, Third Edition, pp 1161–1176, LippincottRaven, New York, 1996
244
Im Sommer 1933 wurden Kansas City und St.
Louis in den USA von einem Enzephalitis-Erreger heimgesucht. Nach Inokulation von infiziertem Gewebe in Rhesus-Affen und Albino-Mäuse konnte ein Virus isoliert werden, welches als
St.-Louis-Enzephalitis-Virus (abgek. SLE-V)
benannt wurde. Das Murray-Valley-Enzephali-
Flaviviren, seltene humanpathogene
Tabelle 1
Durch Zecken übertragene humanpathogene Flaviviren. aVakzine ist in Entwicklung. FSME = Frühsommermeningoenzephalitis; RSSE = Russische Frühjahrs-Sommer-(Russian Spring Summer-) Enzephalitis. * Seltene humanpathogene Flaviviren. # Vektor ist Ixodes ricinus; menschliche Infektionen sind äußerst selten
(meist infolge eines direkten Kontaktes mit infizierten Schafen)
Virus
natürlicher Wirt
FSME
Nager und andere
Säugetiere
RSSE
Nager und andere
Säugetiere
Powassan*
Nager
Kyasanur*
Affen, Nager
Louping ill #
Nager, Schafe
Omsker-Hämorrhagi- Nager und andere
sches-Fieber
Säugetiere
Verbreitungsgebiet Krankheit
Vakzine
Zentral- und Westeu- Enzephalitis
ropa
Asiatisches Russland Enzephalitis
ja
Nordamerika
Indien (Kartanaka)
Großbritannien
Westsibirien
nein
ja
nein
nein
Enzephalitis
Fieber, Enzephalitis
Enzephalitis
Hämorrhagisches Fieber
neina
F
Tabelle 2
Durch Moskitos übertragene humanpathogene Flaviviren; HF = Hämorrhagisches Fieber; SS = Schocksyndrom. * Seltene humanpathogene Flaviviren
Virus
natürlicher Wirt
Verbreitungsgebiet Krankheit
Gelbfieber
Affe, Mensch
Afrika, Südamerika
Japanische Enzephali- Vögel, Schwein
tis
Dengue-Serotypen 1– Mensch
4
St.-Louis-Enzephalitis*
West-Nil-Fieber*
Vögel
Murray Valley Enzephalitis*
Rocio*
Wesselsbron*
Vögel
Ostasien
Europa, Mittelmeer,
Ostasien, Westindien,
Nordafrika
Nord- und Südamerika, Jamaica, Haiti
Afrika, Asien, Europa
Vakzine
Fieber, Gelbsucht, HF, ja
SS
Enzephalitis
ja
Fieber, Exanthem,
Myalgien, HF, SS
nein
Enzephalitis
nein
nein
Vögel
Fieber, Exanthem,
Enzephalitis
Australien, Neuguinea Enzephalitis
unbekannt
Schaf
Südostbrasilien
Afrika, Thailand
nein
nein
tis-Virus (abgek. MVE-V) wurde 1917/18 in
Queensland und im Murray Valley entdeckt.
Die Stadt Powassan im nördlichen Ontario gab
dem Powassan-Virus (abgek. POW-V) seinen
Namen. Dort konnte es aus dem Gehirn eines 5jährigen Jungen, der an Enzephalitis verstorben
war, zum ersten Mal isoliert werden. Im Jahre
1975 konnte das Rocio-Virus (abgek. ROC-V)
während einer Enzephalitis-Epidemie in der
südlichen Küstenregion des Staates Sao Paulo
(Brasilien) aus dem Gehirn eines Opfers isoliert.
Das West-Nil-Virus (abgek. WN-V) wurde erst-
Enzephalitis
Fieber
nein
mals in der West-Nil-Provinz von Uganda gefunden. Das Wesselsbron-Virus (abgek. WSLV) wurde 1957 aus einem Schaf in dem Dorf
Wesselsbron (Südafrika) isoliert. Die erste Isolierung des Kyasanur-Forest-Disease-Virus (abgek. KFD-V) gelang 1957 aus einem toten Affen,
der im Kyasanur-Waldgebiet des heutigen Staates Karnataka in Indien gefunden wurde. Das
Omsker-Hämorrhagisches-Fieber-Virus (abgek. OHF-V) konnte 1947 in der Region Omsk
(Zentral-Russland) erstmals nachgewiesen werden.
245
Flaviviren, seltene humanpathogene
Erkrankungen/Symptome
Die seltenen humanpathogenen Flaviviren lassen sich nach den von ihnen hervorgerufenen
Krankheitsbildern in 3 Gruppen einteilen: Enzephalitis-assoziierte (SLE-V, MVE-V, POW-V,
ROC-V), hauptsächlich mit Fieber, Arthralgien
und Exanthem einhergehende (WN-V, WSL-V)
und mit hämorrhagischem Fieber assoziierte
(KFD-V, OHF-V) Krankheitserreger.
SLE-V. Über 99% der Infektionen verlaufen
asymptomatisch. Bei klinisch manifester Infektion tritt abrupt Fieber auf, das von anderen unspezifischen Symptomen (Abgeschlagenheit,
Schwindelgefühl, Erbrechen und Kopfschmerzen) begleitet wird. Das ZNS kann in Form von
aseptischer Meningitis oder Enzephalitis betroffen sein (Nackensteife, Benommenheit, Ataxie, Verwirrungszustände und Desorientiertheit). Die Mortalität bei manifest Erkrankten
beträgt bei über 50-Jährigen 7–24%; bei Personen unter 50 Jahren ist sie kleiner als 5%. Als
Spätfolgen können Müdigkeit, Vergesslichkeit,
Konzentrationsstörungen und Ataxie auftreten.
MVE-V. In der Mehrzahl der Fälle asymptomatische Verläufe wie bei den meisten ArbovirusInfektionen. Die Letalität bei Erkrankung wird
mit 20–40% beziffert. Symptome sind Fieber,
Schwindelgefühl, Erbrechen und schwere Kopfschmerzen im Frontalbereich. Mild bis schwer
verlaufende Enzephalitiden (Koma, Paraplegie,
Atemlähmung) können sich entwickeln. Bei
Überlebenden einer schweren Enzephalitis bleiben in der Regel neurologische Defekte zurück.
POW-V. Es kann Enzephalitis, Meningoenzephalitis und aseptische Meningitis verursachen.
ROC-V. Die Erkrankung beginnt mit Fieber,
Kopfschmerzen und Erbrechen. Darauf können
Symptome einer Enzephalitis auftreten. Fulminante Verläufe mit letalem Ausgang sind beschrieben. Die Mortalität beträgt etwa 10%. In
20% der Fälle bleiben nach der Infektion schwere neurologische Schäden zurück.
WN-V. Die Inkubationszeit beträgt 3–6 Tage. In
den meisten Fällen handelt es sich um eine relativ mild verlaufende fiebrige Erkrankung, die
plötzlich beginnt. Nach dem Fieber treten Kopfschmerzen, Schwindel und Erbrechen auf. Über
246
okuläre Schmerzen und Pharyngitis wird häufig
berichtet. Einige Tage nach Fieberbeginn zeigt
sich bei ca. 50% der Erkrankten ein makulopapuläres, nicht juckendes Exanthem. Gewöhnlich erscheint das Exanthem zuerst am Stamm,
um sich schließlich auch auf Gesicht und Extremitäten auszubreiten. Der Ausschlag kann für
eine Woche bestehen bleiben. Kinder erholen
sich rasch. Dagegen kann bei Erwachsenen die
Rekonvaleszenzphase protrahiert verlaufen.
Die Prognose ist insgesamt gut. Nur selten ist
das Zentralnervensystem am Krankheitsgeschehen beteiligt. Todesfälle wurden bei älteren
Personen vereinzelt beobachtet.
WSL-V. Nach Infektion treten plötzlich Fieber,
schwere Kopfschmerzen und retroorbitaler
Schmerz auf. Lichtphobie und Hyperästhesie
der Haut sind weitere Symptome. Nicht selten
wird ein Exanthem beobachtet. Arthralgien und
Myalgien sind ebenfalls häufig. In schweren Fällen können Zeichen einer Enzephalitis hinzukommen. In der Regel erholen sich die Patienten jedoch ohne bleibende neurologische Defekte.
KVD-V. Nach einer Inkubationszeit von 3–8 Tagen tritt plötzliches Fieber (bis 40°C) auf; Weitere Symptome sind: Kopfschmerzen, Muskelschmerzen (hauptsächlich Rücken, Nacken); im
akuten Stadium papulovesikuläre Schleimhautläsionen im Bereich des weichen Gaumens; zervikale und axilläre Lymphadenopathie; hämorrhagische Diathese mit Blutungen aus der Nase
und dem Gastrointestinaltrakt. Die Mortalität
beträgt 5–10%.
OHF-V. Plözlicher Beginn mit Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen; hämorrhagische
Diathesen (Epistaxis, gastrointestinale Blutungen, Urogenitalblutungen); Bronchopneumonie als häufige Komplikation; seltener Meningitis mit psychomotorischen Langzeitfolgen;
meist gutartiger Verlauf mit einer Letalität von
etwa 1%.
Differenzialdiagnose
Enzephalitiden und fieberhafte Hämorrhagien
in Endemiegebieten.
Flaviviren, seltene humanpathogene
Labordiagnostik
SLE-V. Virusisolationen aus Serum oder Liquor
sind meist nicht möglich, können aber aus Autop-sie-Material (Hirngewebe) gelingen. Für die
Anzüchtung werden Babymäuse verwendet. Die
Diagnose kann serologisch ab dem 3. bis 5. Tag
durch den Nachweis von virusspezifischen IgMAntikörpern im ELISA gestellt werden. Nach
etwa 2 Monaten sind die viruspezifischen IgMAntikörper in der Regel wieder verschwunden;
sie können aber in 25% der Patienten bis zu 1
Jahr persistieren. Andere serologischen Verfahren (HHT, KBR) sind wegen der Kreuzreaktivität mit anderen Flaviviren schwer zu interpretieren.
MVE-V. Die Virusisolierung aus Blut oder Liquor ist nicht erfolgreich. Nach Inokulation von
infiziertem Gehirngewebe in Babymäuse, Hühnerembryonen oder geeigneten Zellkulturen
kann Virus isoliert werden. Der serologische
Nachweis durch IF, HHT, NT ist möglich, wobei
jedoch Kreuzreaktionen mit anderen Flaviviren
(u.a. Dengueviren) auftreten können. Der
Nachweis von virusspezifischen IgM-Antikörpern in Serum und Liquor ermöglicht die frühe
Diagnose.
ROC-V. Viren können nur nach Inokulation
von infiziertem Hirngewebe in Babymäuse oder
geeignete Zellkulturen (z.B. Verozellen) isoliert
werden. Bei der Serodiagnose mittels HHT, KBR
und NT müssen Kreuzreaktionen mit anderen
Flaviviren berücksichtigt werden.
WN-V. Für die serologische Diagnose werden
als Testverfahren HHT, NT, ELISA und IF verwendet. Da Kreuzreaktionen mit anderen Flaviviren auftreten, kann die Interpretation der serologischen Untersuchungen bei Patienten mit
einer früheren Flavivirenexposition Schwierigkeiten bereiten. Die Virusisolierung aus dem
Blut in der virämischen Phase kann erfolgreich
sein, wenn geeignete Zellen für die Inokulation
verwendet werden.
WSL-V. Die Diagnose wird in der Regel serologisch gestellt. Eine Virusisolierung aus dem Blut
des infizierten Patienten kann versucht werden.
KVD-V. Für die serologische Diagnostik werden
HHT, KBR und NT eingesetzt. Die Virusisolie-
rung kann durch Inokulation von Babymäusen
oder unterschiedlichen Vertebraten-Zellkulturen versucht werden.
OHF-V. Das Virus kann am Anfang der Fieberphase isoliert werden (aus Blut oder Urin). In
der Regel wird die Diagnose jedoch serologisch
gestellt, wobei die Verwandtschaft zum Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus und Russisches Frühjahrs-Sommer-Enzephalitis-Virus
Probleme bereiten kann.
Therapie
Eine spezifische Therapie der Infektionen mit
seltenen humanpathogenen Flaviviren existiert
nicht. Es sind lediglich supportive Maßnahmen
möglich.
Spezifische Merkmale
Pathogenität, Virulenz und Antigenvariabilität
Aufgrund der Antigenstruktur, die derjenigen
des Japanischen Enzphalitisvirus ähnlich ist,
werden das SLE-V, das WN-V und das MVE-V
zu der Gruppe der durch Moskitos übertragenen Enzephalitis-assoziierten Flaviviren gerechnet. Allerdings sollte bei dieser strukturell
begründeten Gruppierung berücksichtigt werden, dass das WN-V nur selten eine Enzephalitis
verursacht und hauptsächlich mit Fieber, Arthralgien und Exanthem einhergeht. Über die
Pathogenität und Virulenz der seltenen humanpathogenen Flaviren ist noch wenig bekannt.
Untersuchungen mit monoklonalen Antikörpern haben gezeigt, dass das JE-V eine gewisse
Antigenvariabilität aufweist; die pathogenetische und epidemiologische Bedeutung dieses
Befundes ist jedoch vermutlich gering.
Transmission
SLE-V: Verschiedene Culex-Moskitos sind an
der Übertragung beteiligt. MVE-V: Culex annulirostris wird als der Hauptvektor betrachtet.
POW-V: Hauptvektor in Nordamerika ist die
Schildzecke Ixodes cookei. ROC-V: Der Transmissionszyklus des Virus ist noch nicht aufgeklärt. WN-V: Das Virus wird meistens durch
Moskitos des Genus Culex übertragen. WSL-V:
Hauptvektoren sind Aedes-Moskitos. KFD-V:
Der Hauptvektor ist die Zecke Haemaphysalis
spinigera. OHF-V: Zecken der Spezies Derma247
F
Flaviviren, seltene humanpathogene
centor reticulatus werden als Vektor verdächtigt.
ein Überschwappen der ausgeprägten epizoonotischen Aktivität des Virus unter Vögeln dar.
Vermehrung und Inkubationszeit
WSL-V. Als Wirte fungieren in der Regel Schafe.
Menschen infizieren sich durch Moskitostiche
oder durch direkten Kontakt mit infizierten
Tierleichen bzw. Gewebeproben.
Bei Erkrankungen, die durch das SLE-V hervorgerufen werden, beträgt die Inkubationszeit 4
bis 21 Tage. Es ist anzunehmen, dass die durch
andere seltene humanpathogene Flaviviren hervorgerufenen Erkrankungen ähnliche Inkubationszeiten aufweisen. Spezifische Fakten über
die Vermehrung dieser Flaviviren sind nicht bekannt.
Resistenz
Keine Daten verfügbar.
Immunantwort
Bei Personen, die mit dem SLE-V infiziert wurden, lassen sich wie bei anderen Flavivirus-Infektionen IgM- und IgG-Antikörper nachweisen. Es ist anzunehmen, dass auch eine T-ZellAntwort generiert wird.
Wirtsbereich
KFD-V. Neben Affen können auch andere Vertebraten wie Ratten, Fledermäuse und Vögel infiziert sein.
OHF-V. Als virämische Wirte fungieren in erster Linie Nager, insbesondere die Bisamratte.
Menschen infizieren sich durch Zeckenbiss
oder durch direkten Kontakt mit Urin, Fäzes
oder Blut von infizierten Bisamratten.
Risikogruppen
Die meisten Infektionen mit OHF-V in Westsibirien betreffen Jäger von Bisamratten und deren Angehörige.
Epidemiologie
SLE-V. Als Virusreservoir dienen Vögel, die jedoch keine Symptome zeigen. Beim Saugakt an
virämischen Vögeln wird das Virus auf Mücken
übertragen; diese Vektoren bleiben lebenslang
infiziert und geben den Erreger beim Saugen
weiter. Übertragungen von Mensch zu Mensch
wurden bisher nicht beobachtet. Im primären
Infektionszyklus spielen Säugetiere keine Rolle.
Möglicherweise sind jedoch Fledermäuse für
die Vektoren während der Überwinterung
wichtige Wirte.
SLE-V. Dieses Virus wird als die Hauptursache
von viral bedingten Enzephalitis-Epidemien in
den USA betrachtet. Die Erkrankung tritt in den
Sommermonaten auf. Folgende Gebiete sind
betroffen: Ohio-Mississippi-Becken, Osten von
Texas, Florida, Kansas, Colorado und Kalifornien. In Zentral- und Mittelamerika können gelegentlich Fälle von SLE auftreten. Seit 1955 wurden in den USA 5000 SLE-Erkrankungen registriert. Im Jahre 1994 wurden in den USA 20 gesicherte Fälle von SLE-V-Erkrankungen
verzeichnet.
MVE-V. Insbesondere große Wasservögel (z.B.
Reiher, Pelikane) sind die wichtigsten virämischen Wirte.
MVE-V. Die durch den Erreger hervorgerufene
Enzephalitis ist eine seltene menschliche Erkrankung (weniger als 1000 Fälle), die bisher
nur in Australien und Neuguinea aufgetreten
ist. Ausbrüche fanden bisher immer in den
Sommermonaten statt. Die letzte Epidemie
wurde 1974 registriert; seitdem wurde nur noch
über sporadische Fälle berichtet.
POW-V. In der Regel werden Säugetiere infiziert.
WN-V. Dieses Virus wird hauptsächlich in
Wildvögeln amplifiziert. Daneben kann es auch
eine Reihe anderer Haus- und Wildtiere und
den Menschen infizieren. Beim Menschen ist
die Virämie nach Infektion wenig ausgeprägt,
so dass eine Übertragung von Mensch zu
Mensch praktisch nicht vorkommt. Ausbrüche
in menschlichen Populationen stellen daher nur
248
POW-V. Nur weniger als 50 Fälle (in Kanada,
USA und Russland) wurden bisher weltweit bekannt.
ROC-V. Erkrankungen traten bisher nur in einem Küstenbereich des südlichen Teils des
Flaviviren, seltene humanpathogene
Staates Sao Paulo in Brasilien auf. Zwischen 1975
und 1978 wurden 821 Fälle registriert. Seit 1980
sind keine weiteren Erkrankungen vorgekommen.
WN-V. In Afrika ist die WN-V-Infektion die
weit verbreitetste Arbovirusinfektion. Das WNFieber kommt jedoch auch im mittleren Osten
(z.B. Israel), in Südosteuropa (Mittelmeerraum,
Portugal, Südfrankreich, Zypern und westliche
Gebiete der früheren Sowjetunion) und in Indien vor. Ausbrüche der Erkrankung beim Menschen werden wie bei anderen Arbovirusinfektionen auch von klimatischen Faktoren stark
beeinflusst. Schwere Regenfälle und hohe Temperaturen im Sommer führen zu einer dramatischen Zunahme der Aktivität der Culex-Moskitos und einem entsprechend hohen Risiko der
Übertragung auf den Menschen. Eine saisonale
Häufung im Sommer wird insbesondere in
Ägypten und Israel beobachtet.
WSL-V. Es tritt außer in Südafrika auch in anderen Teilen Afrikas auf: Simbabwe, Kamerun, Nigeria, Zentralafrikanische Republik, Senegal,
Elfenbeinküste, Uganda, Kenia und Madagaskar. Darüber hinaus wurde das Virus in Thailand gefunden. Da WSL-V den Tod von neugeborenen Lämmern verursacht, besitzt es – insbesondere in Südafrika – veterinärmedizinische
Bedeutung.
KFD-V. Die Krankheit ist bis jetzt auf den indischen Bundesstaat Karnataka begrenzt. Es treten jedes Jahr etwa 500 Fälle auf. Laborinfektionen sind in Indien und den USA vorgekommen.
OHF-V. Naturherde kommen hauptsächlich in
Westsibirien vor.
Genetik
Das Genom der seltenen humanpathogenen
Flaviviren besteht aus einzelsträngiger RNA mit
einer Länge von ungefähr 11 000 Basen (MVE-V:
11 014 Basen; WN-V: 10962 Basen). Prinzipiell
gleichen die genetischen und biochemischen Eigenschaften der seltenen humanpathogenen
Flaviviren denjenigen des Gelbfiebervirus. Für
das JE-V wurden unterschiedliche Genotypen
definiert. Die Accession-Nummern für das virale Genom bzw. das Vorläufer-Protein sind: NC_
001563 bzw. NP 041724 für WN-V und
NC_000943 bzw. NP 051124 für das MVE-V.
Prävention
Wegen der relativ geringen medizinischen Bedeutung der seltenen humanpathogenen Flaviviren gab es bisher keinen Anreiz für die Entwicklung von lizensierten Impfstoffen. Allerdings gab es Impfkampagnen gegen die
Kyasanur Forest disease in Indien. Dabei wurde
ein Formalin-inaktiviertes KFD-V, welches in
Fibroblasten von Hühnerembryonen hergestellt
wurde, als Vakzine verwendet.
Strategien zur Krankheitsvorbeugung und
Kontrolle
SLE-V. Die Bekämpfung der Vektoren stellt die
wichtigste prophylaktische Maßnahme dar. Zur
Überwachung werden die Moskitos auf virale
Nukleinsäuren mit Hilfe der PCR untersucht.
Hühner werden als Indikatoren der Virusverbreitung eingesetzt, um drohende Epidemien
unter Menschen vorherzusagen. Als persönliche Prophylaxe kommen Schutz vor Mückenstichen durch mückenabweisende Mittel und
durch die Verwendung von Moskitonetzen insbesondere nachts und in der Dämmerung in Betracht.
WN-V. Als biologisches Frühwarnsystem für
den Menschen werden oft Tiere (Hamster,
Meerschweinchen, Ziegen, Hühner oder Tauben) an strategisch wichtigen Plätzen gehalten.
Die Moskitos befallen zuerst die Tiere. Daher
wird deren Blut in regelmäßigen Abständen auf
virusspezifische Antikörper untersucht. Nach
Auftreten von Antikörper in den „Sondentieren“ können die Behörden gezielt prophylaktische Maßnahmen ergreifen (Einsatz von Insektiziden, Vorsichtsmaßnahmen seitens der gefährdeten Bewohner). Persönliche Prophylaxe
kann auch hier durch Schutz vor Mückenstichen betrieben werden.
WSL-V. Es gibt keine besonderen Empfehlungen, um menschliche Infektionen zu vermeiden.
Besondere Vorsicht ist jedoch beim Umgang
mit WSL-V im Labor geboten, um Laborinfektionen zu verhindern.
OHV-V. Vermeidung von Zeckenbissen und
Vorsicht im Umgang mit infizierten Tierlei249
F
Flaviviren, seltene humanpathogene
chen. Möglicherweise verleiht die FMSE-Vakzine aufgrund der großen Verwandtschaft beider
Viren auch Schutz gegen OHF-V.
Meldepflicht
Nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 des neuen Infektionsschutzgesetzes (IfSG) – seit dem 1. Januar 2001
in Kraft – ist vom feststellenden Arzt bei Krankheitsverdacht, Erkrankung sowie Tod an virusbedingtem hämorrhagischen Fieber der Patient
namentlich dem Gesundheitsamt zu melden
(unverzüglich, spätestens innerhalb von 24
Stunden). Die seltenen humanpathogenen Flaviviren stellen zwar in Deutschland derzeit keine Gefahr für die Allgemeinheit dar. Nach § 7
Abs. 2 des IfSG besteht jedoch Meldepflicht bei
Krankheitserregern, die örtlich und zeitlich so
gehäuft auftreten, dass mit einer schwerwiegenden Gefahr für die Allgemeinheit gerechnet
werden muss. Mit Hilfe dieser Regelung sollen
neu auftretende Krankheitserreger möglichst
schnell identifiziert werden, um Gefahr für die
Allgemeinheit abzuwenden. Weiterführende
Informationen zum IfSG sind auf der unten aufgeführten Web-Adresse des Robert-Koch-Instituts zu finden.
Referenzzentren, Expertenlaboratorien und
Web-Adressen
Institutionen in Deutschland
Hamburg
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin,
Bernhard-Nocht-Straße 74, 20359 Hamburg,
Tel.: 00 49 (Vorwahl Deutschland) 40 (Vorwahl
Hamburg) 42818-401/-460 (Institut)
Berlin
Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, Diedersdorfer Weg 1, Tel.: 00 49 (Vorwahl Deutschland) 30
(Vorwahl Berlin) 8412-2261 (Institut)
Institutionen in Österreich
Wien
Institut für spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Universität, Kinderspitalgasse 15,
1095 Wien, Tel.: 00 43 (Vorwahl Österreich) 1
(Vorwahl Wien) 404 90 380 (Institut)
250
Institutionen in der Schweiz
Basel
Schweizerisches Tropeninstitut, Socinstraße 57,
4002 Basel, Tel.: 00 41 (Vorwahl Schweiz) 61
(Vorwahl Basel) 284 8111 (Institut)
Web-Adressen
Centers for disease control and prevention
(Empfehlungen und Standards in der Kontrolle
und Diagnostik von Infektionen):
http://www.cdc.gov/
Introduction to virology:
http://www-micro.msb.le.ac.uk/109/
introduction.html
All the virology on the www:
http://www.virology.net/
Virus databases on-line:
http://life.anu.edu.au/viruses/
WHO World Health Organization (Aktuelles
über Infektionskrankheiten, Empfehlungen
und Programme der WHO):
http://www.who.int/
Institut für Klinische und Molekulare Virologie,
Universität Erlangen:
http://www.virology.uni-erlangen.de/hyp.htm
Links to further information on viruses:
http://www2.rki.de/infekt/enivd/rs1.htm
National center of biotechnology information:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/
The International Commitee on Taxonomy of
Viruses: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/ICTV/
The big picture book of viruses:
http://www.virology.net/Big_Virology/
BVHomePage.html
Der reisemedizinische Infoservice der Universität München: http://www.fit-for-travel.de/
Robert-Koch-Institut (RKI) (Infektionsschutzgesetz, IfSG): http://www.rki.de/INFEKT/IFSG/
IFSG.HTM
Robert-Koch-Institut (RKI): http://www.rki.de
Robert-Koch-Institut (RKI) (Steckbrief seltener
und „importierter“ Virusinfektionen, u.a. Gelbfiebervirus: http://www.rki.de/INFEKT/
STECKBRF/STBR_HOM.HTM)
Robert-Koch-Institut (RKI) (Epidemiologisches Bulletin):
http://www.rki.de/INFEKT/EPIBULL/EPI.HTM
Rote Liste (Medikamente):
http://www.rote-liste.de/
Gesellschaft für Virologie: http://www.
medizin.uni-koeln.de/projekte/gfv/index.html
Flavobacteriacea
Schlüsselliteratur
Erkrankungen/Symptome
1. Traavik, T. (1999). Tick-borne Encephalitis and
Wesselsbron Viruses. In: Webster, R.G. and Granoff, A.
(eds.) Encyclopedia of Virology (2nd edition), p. 430.
London: Academic Press Limited.
2. Schoub, B.D. and Blackburn, N.K. (2000). Flaviviruses. In:
Zuckerman, A.J., Banatvala, J.E. and Pattison, J.R. (eds.)
Principles and Practice of Clinical Virology (4rd edition),
p.485. Chichester: John Wiley & Sons.
3. Monath, T.P. and Heinz, F.X. (1996). Flaviviruses. In:
Fields, B.N., Knipe, D.M., Howly, P.M. et al. (eds.) Virology
(3rd edition), p.961. Philadelphia: Lippincott-Raven
Publishers.
4. Monath, T.P. and Heinz, F.X. (1995). Flaviviruses (Yellow
fever, Dengue, Dengue haemorrhagic fever, Japanese
encephalitis, St. Louis encephalitis, tick-borne
encephalitis). In: Mandell, G.L., Benett, J.E., Dolin, R. (eds.)
Principles and practice of Infectious Diseases (4th edition),
p.1465. New York: Churchill Livingstone Inc.
5. Tidona, C.A., Darai, G. (Eds.) (2001), The Springer Index of
Viruses, Springer Berlin, Heidelberg, New York, Tokio
„Flavobakterien“ kommen als Erreger menschlicher Erkrankungen nur selten vor. Am bekanntesten sind Neugeborenen-Meningitiden
(auch epidemisch) durch C. meningosepticum
und Kolonisierung/Infektion des Respirationstrakts nach antimikrobieller Therapie, vor allem durch C. indologenes.
Flavobacteriacea
Erregerbezeichnung
Chryseobacterium, Empedobacter, Myroides,
Sphingobacterium, Weeksella, Bergeyella
Synonym
Nicht bekannt.
Labordiagnostik
Mikroskopie. Unbewegliche gramnegative
Stäbchen. Chryseobacterien sind oft in den zentralen Abschnitten weniger weit als in den peripheren und können Fäden bilden.
Anzüchtung. Nur auf aerob bebrüteten festen
und flüssigen (nicht auf enterischen) Medien
zwischen 20° und 37°C.
Biochemische Differenzierung. Durch eine Reihe von Merkmalen wie Pigmentbildung, BetaGalaktosidase, Indolbildung, Urease, Aeskulinspaltung, oxidative Bildung von Säure aus Zuckern. Alle „Flavobakterien“ sind obligat aerob
und Oxidase-positiv.
Pathogenitätsmechanismen. Bisher nicht bekannt.
Gramnegative, unbewegliche Stäbchen.
Typisierung. Serotypisierung von C. meningosepticum.
Taxonomie
Therapie
Morphologie
Die Taxonomie der medizinisch wichtigen „Flavobakterien“ ist im Fluss. Bernardet et al. (1994,
1996) unterscheiden die folgenden Gattungen:
Chryseobacterium mit den Spezies C. meningosepticum, C. indologenes, C. gleum; Myroides
v.a. mit M. odoratus; Empedobacter mit E. brevis; Sphingobacterium mit S. thalpophilum,
S. mizutaii, S. yabuuchiae, S. spiritivorum und
S. multivorum; Weeksella mit W. virosa; und
Bergeyella mit B. zoohelcum.
„Flavobakterien“ (mit Ausnahme von Bergeyella und Weeksella) sind multiresistent. Rifampicin, Sulfamethoxazol-Trimethoprim, Clindamycin, Erythromycin und Ciprofloxazin werden allein und in Kombination verwendet.
Spezifische Merkmale
Pathogenität, Virulenz und Antigenvariabilität
Nicht bekannt.
Transmission
Historie
Das frühere Genus Flavobacterium, das gramnegative, oxidative, gelb pigmentierte gramnegative Stäbchen umfasst, wurde 1923 von Bergey
et al. kreiert. Seitdem sind mehrere Genera
(s.o.) definiert worden.
Vorwiegend von der Umgebung (Wasser, Boden) auf den Menschen bei Chryseobacterium,
Myroides und Sphingobacterium. B. zoohelcum
hingegen wird meist durch Biss vom Hund auf
den Menschen übertragen. W. virosa kommt
vor allem in Urin- und Vaginalproben vor und
251
F
Fliegenmaden
wird möglicherweise auf sexuellem Weg übertragen.
Fliegenmaden
Vermehrung und Inkubationszeit
Erregerbezeichnung
Vermehrung wie P. aeruginosa, Inkubationszeit
nicht bekannt.
Fliegenmaden
Synonym
Resistenz
Myiasis-Erreger
Nicht bekannt.
Morphologie
Immunantwort
Nicht bekannt.
Wirtsbereich
Mit Ausnahme von B. zoohelcum (im Respirationstrakt von Hunden), W. virosa (die nur beim
Menschen vorkommt) und C. meningosepticum, das auch bei Vögeln beobachtet wurde,
sind „Flavobakterien“ Umgebungskeime.
Risikogruppen
Neugeborene sowie Patienten im Spital unter
Antibiotikatherapie.
Epidemiologie
Siehe Typisierung, Transmission, Wirtsbereich.
Genetik
Nicht bekannt.
Prävention
Bisher keine wirksamen Maßnahmen bekannt.
Strategien zur Krankheitsvorbeugung und
Kontrolle
Als Maden bezeichnet man die Larvenstadien
der höheren Fliegen. Der Madenkörper ist keiloder spindelförmig und von einem dicken widerstandsfähigen Chitinmantel umgeben. Maden sind fußlos und besitzen keine Kopfkapsel.
Ihre Mundöffnung ist mit Chitinhaken als
Mundwerkzeugen ausgestattet. Das Körperhinterende ist meist breiter als das Vorderende und
trägt Afteröffnung und Stigmen. Der Körper ist
gewöhnlich in Segmente unterteilt und mit Chitinborsten oder -dornen besetzt. Die Größe der
Larven variiert je nach Larvenstadium und Fliegenspezies. Sie kann zwischen wenigen mm und
3 cm Körperlänge betragen, wobei die großen
Maden einen Durchmesser von 5–8 mm erreichen.
Taxonomie
Die als Myiasis-Erreger des Menschen in Frage
kommenden Maden gehören der Insektenordnung Diptera an und sind überwiegend in den
Familien Muscidae, Calliphoridae, Gastrophilidae, Oestridae, Phoridae, Piophilidae und Syrphidae zu finden.
Nicht bekannt.
Historie
Meldepflicht
Keine Meldepflicht nach IfSG.
Referenzzentren
Keine offiziellen Zentren. An „Flavobakterien“
arbeiten vor allem: Laboratorium voor Microbiologie, Universität Gent, B-9000 Gent.
Schlüsselliteratur
1. Köhler, W., H. J. Eggers, B. Fleischer, R. Marre, H. Pfister,
G. Pulverer (Hrsg.) Medizinische Mikrobiologie, 8.
Auflage. Urban & Fischer, München, 2000
2. Murray, P., E. J. Baron, M. Pfaller, F. Tenover, R. H. Yolken
(eds.) Manual of Clinical Microbiology, 7th edn. Amer.
Soc. Microbiology, 1999
3. Burkhardt, F. (Hrsg.) Mikrobiologische Diagnostik. Georg
Thieme Verlag Stuttgart, 1992
252
Der Begriff „Myiasis“ wurde bereits 1840 von
Hope für den Befall des Menschen mit Dipteren-Larven eingeführt. Zumpt (1965) definierte
Myiasis als Befall lebender Wirbeltiere mit Dipteren-Larven, die sich zumindest für eine bestimmte Zeit von den Körperflüssigkeiten, dem
lebenden oder abgestorbenen Gewebe oder
auch der aufgenommenen Nahrung des Wirtes
ernähren.
Erkrankungen/Symptome
Je nach Lokalisation des Erregers wird der Befall
als Urogenitalmyiasis, Analmyiasis, Intestinalmyiasis, Beulenmyiasis, Ophthalmomyiasis etc.
bezeichnet.
Fliegenmaden
Anal- und Urogenitalmyiasis. Der Befall der
Analregion oder des Urogenitalbereichs erfolgt
in Mitteleuropa meist während der Sommerzeit,
in wärmeren Gebieten dagegen auch ganzjährig.
Gewöhnlich sind es die Weibchen der Stubenfliege (Musca domestica) und der mit ihr verwandten Arten (Muscina stabulans, Fannia canicularis), die ihre Eier in der Anal- oder Genitalregion ablegen. Die geschlüpften Larven
dringen dann in die Vagina und die Urethra bis
zur Blase oder in das Rectum vor. Exkrete und
Darminhalt dienen als Nahrung. Innerhalb weniger Tage wachsen die Maden zu einer Größe
von 7–11 mm heran und lassen sich dann mit
dem Eintreten der Verpuppungsreife mit dem
Urin oder Stuhl ausscheiden. Eine leichte Zystitis und brennende Schmerzen beim Harnlassen
sowie Abgeschlagenheit im Allgemeinbefinden
sind die vorherrschenden Symptome der Urogenitalmyiasis. Bei analer (rektaler) Myiasis treten gewöhnlich keine speziellen Symptome außer leichtem Juckreiz im Analbereich und vereinzelt auch Diarrhöen auf.
Intestinalmyiasis. Bei der Mehrzahl der als Intestinalmyiasis beschriebenen Fälle handelt es
sich tatsächlich aber um Analmyiasis. Vereinzelt können aber auch Fliegenlarven mit verdorbener Nahrung aufgenommen werden und aufgrund ihres Chitinmantels die Magen-DarmPassage unbeschadet überstehen. Sofern es zu
keiner Weiterentwicklung der Larven im Darmtrakt gekommen ist, handelt es sich um eine
Pseudomyiasis. Sie ist von der echten Myiasis,
die zu einer Weiterentwicklung der Fliegen
führt, zu unterscheiden.
Dermal- oder Beulenmyiasis. Furunkuloide
Form der Myiasis, bei der sich eine junge Fliegenmade unbemerkt in die Haut des Wirtes eingebohrt und im Laufe der Entwicklung eine furunkelähnliche Hautbeule hervorgerufen hat.
Solche Beulen weisen stets eine zentral gelegene
Öffnung auf, die mit seröser Flüssigkeit gefüllt
ist und der Larve die für ihre Entwicklung erforderliche Sauerstoffzufuhr garantiert. Die Larven
können je nach Spezies auf eine Länge von bis
zu 2,5 cm heranwachsen und die Hautbeulen
Walnussgröße erreichen. Lokal juckende und
stechende Schmerzen veranlassen den Patienten zu heftigem Kratzen. Komplikationen sind
Sekundärinfektionen. Typische Erreger der
Dermalmyiasis sind Cordylobia anthropophaga
(Tumbufliege) in Afrika und Dermatobia hominis in Süd- und Mittelamerika.
Nasalmyiasis. Der Befall des Nasen-RachenRaums wird meist durch die obligatorisch parasitisch lebenden Larven der Nasenfliegen von
Wild- und Haustieren, so z.B. des Schafes
(Oestrus ovis), verursacht. Die Weibchen dieser
Arten spritzen ihre Larven während des Fluges
in die Nüstern der Wild- oder Haustiere, gelegentlich aber auch in die Nähe der Nasenlöcher
oder Augenhöhlen des Menschen. Die Larven
wandern und können schmerzhafte Entzündungen und katarrhähnliche Krankheitsbilder
hervorrufen. Infestationen des Nasen-RachenRaums mit Fliegenmaden sind in Mitteleuropa
seltener, treten in Südeuropa und in wärmeren
Ländern aber häufiger auf. Die Dauer des Befalls
beschränkt sich auf wenige Tage bis 2 Wochen.
Oral- und Dentalmyiasis. Der Befall der Mundhöhle bzw. der Wurzelhaut des Zahns mit Fliegenmaden tritt bei Menschen mit fehlender
Mundhygiene, mit Abszessen in der Mundhöhle
oder mit faulenden Zähnen auf. Durch den üblen Mundgeruch angelockt, setzen die Fliegenweibchen je nach Spezies Eier oder Larven direkt am Mundwinkel ab. Die schnell schlüpfenden jungen Maden wandern in die Mundhöhle
und penetrieren das eitrige oder faulige Substrat, wobei sie bis zur Zahnwurzel vordringen
können. Die Patienten klagen über stechende
und juckende Schmerzen und einen verstärkten
Mundgeruch.
Ophthalmomyiasis externa. Auf den Augapfel
gelangende Maden mancher Fliegenarten halten sich vorwiegend auf der Oberfläche der Augenschleimhäute auf, wo sie eine recht schmerzhafte Konjunktivitis hervorrufen können. Die
Reizwirkung geht auf die Sekretabsonderung
und auf die mechanische Reizung durch die
Mundhaken und Hautdornen der Maden zurück. Gelegentlich können Maden in die Tränendrüse eindringen und dort eine Dakryozystitis hervorrufen.
Ophthalmomyiasis interna. Wird z.B. durch
Larven von Dasselfliegen (Hypoderma) verursacht. Normalerweise entwickelt sich diese Fliegenbrut subkutan und im Rückenmarkskanal
253
F
Fliegenmaden
verschiedener Wild- und Haustiere. Der
Mensch ist ein Fehlwirt, bei dem die Maden, sofern sie in die Augenhöhle gelangen, sich durch
Bindehaut, Sklera oder Kornea hindurchbohren. Subretinale gangförmige Depigmentierungen oder klumpige Pigmentveränderungen mit
toxischen oder mechanischen Schädigungen
der Netzhaut und Uveitis sind typische Markmale, die mit dem Parasitenbefall einhergehen.
Otomyiasis. Ursache dieser selten zu beobachtenden Myiasisform ist meist eine eitrige Ohrentzündung, die bei fehlender Hygiene Fliegenweibchen zur Eiablage am äußeren Gehörgang
anlockt, wo sich die Larven entwickeln. In seltenen Fällen kommt es zu malignen Entartungen,
d.h. zur Penetration des inneren Gehörgangs.
Wundmyiasis. Angelockt durch spezifischen
Wundgeruch setzen Fliegenweibchen auf der
Wunde und oder in unmittelbarer Nähe des
Wundgebiets je nach Art entweder Eier oder bereits kleine Larven ab. Die Maden dringen dann
in die Wunde oder das Geschwür ein. Aufgrund
günstiger Brutbedingungen (hohe Temperaturen bei ausreichendem Nahrungsangebot)
wachsen sie innerhalb weniger Tage zu 8–15 mm
großen Tieren heran. Je nach Spezies begnügen
sich die Maden mit dem Wundsubstrat, oder
aber sie fermentieren auch gesundes Gewebe
und können dann schwere Zerstörungen bis
zum Funktionsverlust des betroffenen Organs
hervorrufen. Außer Wunden werden auch Gangräne und Ulzera befallen. Länger anhaltende
und deshalb gefährliche Wundmyiasis setzt
eine Indolenz oder Immobilisation des Patienten und fehlende Wundversorgung voraus. Die
Maden einiger Fliegenarten, so z.B. von Wohlfahrtia magnifica, sind in der Lage, auch intakte
Haut zu durchbohren und selbst Wunden zu erzeugen. Diese sind meist nur knapp 1 cm im
Durchmesser, gehen aber bis zu 5 cm tief und
sind im Umkreis von 10 cm unterminiert. Der
Befall ruft sehr starke Schmerzen hervor und
kann zum Verlust des befallenen Organs führen.
pungsreife Maden werden mit dem Stuhl oder
Urin ausgeschieden und dabei entdeckt. Verwechselungen mit Helminthen (z.B. Bandwurmsegmenten) sind bei oberflächlicher Betrachtung möglich, wenn die Parasiten mit dem
Stuhl abgesetzt werden.
Bei der Haut- und Beulenmyiasis wird die Hautbeule nicht selten mit einem Furunkel verwechselt und zunächst antibiotisch behandelt. Die
zentrale Öffnung in der Hautbeulung, gefüllt
mit seröser Flüssigkeit und den darin erkennbaren Bewegungen der Made, ermöglichen eine
einfache Diagnosestellung.
Die Nasalmyiasis wird aufgrund ihrer unspezifischen Beschwerden meist nur zufällig als solche
erkannt, insbesondere wenn die Maden mit Husten oder Niesen ausgeschieden und vom Patienten entdeckt werden.
Oral- und Dentalmyiasis werden ebenfalls meist
nur als Zufallsbefunde diagnostiziert. Extrem
fauliger Mundgeruch bei bestehendem Abszess
sollte vor allem in warmen Regionen mit hoher
Fliegendichte auch an eine Myiasis denken lassen. Ein Auswaschen der Abszesshöhle mit einem Antiseptikum treibt die Larven aus ihrem
Versteck.
Bei der Ophthalmomyiasis interna weisen subretinale gangförmige Depigmentierungen oder
klumpige Pigmentanhäufungen auf den Befall
mit einer Hypoderma-Larve hin, auch wenn die
Made nicht sofort im Auge zu erkennen ist.
Im Wundbereich sind größere Maden aufgrund
ihrer lebhaften Bewegungen leicht identifizierbar. Dringen sie aber tief in ein Ulcus ein, weisen nur noch gelegentlich schwache Bewegungen im Eiter auf einen Parasitenbefall hin. Sofern der Patient aus warmen Regionen mit hoher Fliegendichte stammt oder sich dort
aufgehalten hat, sollen schwer heilende Ulzera,
die keine ausreichende Wundversorgung erhalten haben, auch auf einen Befall mit Fliegenmaden überprüft werden.
Labordiagnostik
Keine Daten verfügbar.
Therapie
Differenzialdiagnose
Bei Anal-, Intestinal- und Urogenitalmyiasis ist
nur in seltenen Fällen mit einer gezielten Diagnose die Myiasis zu identifizieren. Meistens
handelt es sich um Zufallsbefunde, d.h. verpup254
Sofern die Myiasis als solche erkannt ist, können die Fliegenmaden mechanisch mit einer
Pinzette entfernt werden. In den meisten Fällen
ist der Befall ohnehin zeitlich begrenzt, da die
Tiere innerhalb weniger Tage/Wochen den Wirt
Fliegenmaden
verlassen, um sich zu verpuppen. Eine Ausnahme stellt die Ophthalmomyiasis interna dar; die
Entfernung der gelegentlich sehr mobilen Larve
kann Probleme bereiten. Hält die Made sich in
der Vorderkammer des Auges auf, ist sie nach
einer Inzision zu entfernen; wandert sie jedoch
am Fundus oder am Glaskörper, ist möglicherweise eine Lichtkoagulation angeraten, sofern
ein Visusverlust bereits eingetreten ist. Besteht
dagegen Symptomfreiheit, kann zunächst auch
abgewartet werden, da gelegentlich der Parasit
das Auge auch spontan verlässt.
Prävention
Zu den Maßnahmen der individuellen Prophylaxe zählen Körper-, Wund- und Kleidungshygiene.
Referenzzentren, Expertenlaboratorien und
Web-Adressen
Offizielle Referenzzentren existieren nicht; als
fachlich qualifiziert anzusehen sind sämtliche
parasitologische und tropenmedizinische Institutionen.
Expertenlaboratorien
Spezifische Merkmale
Transmission
Bei der Anal- und Urogenitalmyiasis setzen die
Fliegenweibchen Eier oder Larven direkt in der
Nähe des Befalls ab. Die Ursache der intestinalen Myiasis kann auf mit Fliegenmaden verunreinigte Nahrung (verdorbenen Käse, faulige
Früchte etc., die z.B. von kleinen Kindern gegessen werden), und eine unbeschadete MagenDarm-Passage der Fliegenlarve zurückzuführen
sein. Bei Wund-, Nasal-, Ophthalmo- und Otomyiasis werden die Eier oder Maden in unmittelbarer Nähe des späteren Befalls von den Fliegenweibchen abgesetzt. Bei der Beulenmyiasis,
hervorgerufen durch die afrikanische Tumbufliege (Cordylobia anthropophaga) erfolgt die
Eiablage auf mit Schweiß oder Urin verunreinigtes Substrat, z.B. auf Wäsche. Die auf der
Wäsche schlüpfenden Larven bohren sich dann
beim nächsten Körperkontakt beim Menschen
ein. Die neotropische Dasselfliege (Dermatobia
hominis) klebt anderen Stechinsekten ihre Eier
an, die diese zum Wirt tragen, wo die Fliegenmaden dann in dessen Haut eindringen.
Wirtsbereich
Myiasis tritt nicht nur beim Menschen, sondern
auch bei verschiedenen Wirbeltierarten einschließlich einheimischer Haus- und Wildtiere
auf.
Risikogruppen
Besondere Risikogruppen sind nicht bekannt.
Epidemiologie
Myiasis kann überall dort auftreten, wo ein enger Kontakt zwischen bestimmten Fliegenpopulationen und dem Menschen gegeben ist.
◗ Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin, Leopoldstr. 5, 80802 München
◗ Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin,
Bernhard-Nocht-Str. 74, 20359 Hamburg
◗ Hygiene-Institut, Abteilung Parasitologie, Im
Neuenheimer Feld 324, 69120 Heidelberg
◗ Hygiene-Institut, Abteilung Tropenmedizin,
Im Neuenheimer Feld 324, 69120 Heidelberg
◗ Institut für Medizinische Parasitologie, Sigmund-Freud-Str. 25, 53105 Bonn
◗ Institut für Parasitologie, Rudolf-BuchheimStr. 2, 35392 Gießen
◗ Institut für Parasitologie, Bünteweg 17, 30559
Hannover
◗ Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin, Königsweg 65, 14163 Berlin
◗ Institut für vergleichende Tropenmedizin
und Parasitologie, Leopoldstr. 5, 80802 München
◗ Institut für Tropenmedizin, Wilhelmstr. 31,
72074 Tübingen
◗ Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, Wiederholdstr. 15, 70174 Stuttgart
◗ Landesinstitut für Tropenmedizin, Engeldamm 62/64, 10179 Berlin
Web-Adressen für Parasiten
◗ Deutsche Gesellschaft für Parasitologie:
http://www.dgp.parasitologie.de
◗ Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft: http://www.dvg.net u.a. Infos zur
Fachgruppe „Parasitologie und parasitäre
Krankheiten“
◗ Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin
und Internationale Gesundheit:
http://www.dtg.mwn.de
◗ British Society for Parasitology:
http://www.abdn.ac.uk/bsp/
255
F
Fort Sherman Virus
◗ American Society of Parasitologists:
http://www.museum.unl.edu/asp
◗ Universität Berlin: Lehrstuhl für molekulare
Parasitologie:
http://www.biologie.hu-berlin.de/molpara
◗ CDC-Center for Disease Control and Prevention: http://www.cdc.gov/
◗ WHO-World Health Organization:
http://www.who.int/
Schlüsselliteratur
1. Hall MJR, Smith KGV (1993) Diptera causing myiasis in
man. In: Lane RP, Crosskey RW (eds) Medical insects and
arachnids; pp 429–469. Chapman & Hall, London
2. Hall M, Wall R (1995) Myiasis of humans and domestic
animals. Adv Parasitol 35: 257–334
3. Zumpt E (1965) Myiasis in man and animals in the Old
World. Butterworths, London
Fort Sherman Virus
Bunyaviren
Francisella tularensis
Erregerbezeichnung
Francisella (F.) tularensis. Hierbei wird unterschieden zwischen F. tularensis subsp. tularensis, F. tularensis subsp. holarctica (Biogruppe I,
II und Japonica) und F. tularensis subsp. mediaasiatica.
Synonym
F. tularensis Typ A bzw. F. tularensis subsp.
nearctica für F. tularensis subsp. tularensis.
F. tularensis Typ B bzw. F. tularensis subsp. palaearctica für F. tularensis subsp. holarctica
Biogruppe I (Erythromycin empfindlich) und
Biogruppe II (Erythromycin resistent),
F. tularensis var. palaearctica japonica für F. tularensis subsp. holarctica Biogruppe Japonica.
Morphologie
F. tularensis ist ein gramnegatives, strikt aerob
wachsendes, unbewegliches, kokkoides Kurzstäbchen von der Größe 0,2×0,2–0,7 µm.
Taxonomie
Der Gattung Francisella werden gegenwärtig
außer F. tularensis auch noch die Spezies F. no256
vicida (zunehmend als Biogruppe III von F. tularensis subsp. holarctica diskutiert) sowie die
halophile Spezies F. philomiragia (frühere Bezeichnung Yersinia philomiragia) zugeordnet.
Historie
1912 erfolgte durch McCoy und Chapin aus Organmaterial von im Bezirk Tulare, Kalifornien,
verendeten Erdhörnchen die pestähnliche Veränderungen aufwiesen, die Anzüchtung von
Bakterien, die als Bacterium tularense bezeichnet wurden. 1914 isolierten Wherry, Lamp und
Vail in Ohio die gleichen Bakterien aus Konjunktivalabstrichen erkrankter Personen. In
den folgenden Jahren wurden durch E. Francis
die epidemiologischen Zusammenhänge zwischen den pestähnlichen Erkrankungen bei Nagern und dem „Deer Fly-Fever“ beim Menschen
aufgeklärt. Seit 1974 wird diese Bakterienspezies
offiziell als Francisella tularensis bezeichnet
und gilt als Erreger der Tularämie (syn. in Japan
Ohara's Disease, Yatobyo; in den USA Francis
Disease, Market Men's Disease, Rabbit Fever,
Deer Fly Fever, Pahyvant Valley Plaque und in
Norwegen Lemming-Fieber).
Erkrankungen/Symptome
Erkrankungen durch F. tularensis lassen sich in
die sog. äußere Form (ca. 85–90% der beschriebenen Fälle) und in die sog. innere Form der Tularämie unterscheiden.
Äußere Form. An der Eintrittspforte des Erregers entsteht eine Hautpapel (Primärläsion).
Diese nimmt an Größe zu, schmilzt ein und zerfällt geschwürig. Innerhalb von 2–4 Tagen Bildung eines Primärkomplexes, begleitet von Fieber. Die regionären Lymphknoten schwellen erheblich an, vereitern u. U. und schmelzen ulzerös ein (= ulzero-glanduläre Form). Bei
unbehandelten Fällen kann die Letalitätsrate bis
zu 5% betragen. Gelegentlich Fehlen des Primäraffektes möglich, sodass nur Schwellungen
der Axillar- oder Inguinallymphknoten auftreten (= glanduläre Form).
Dringt der Erreger über die Konjunktiven ein,
dann entsteht das Bild der sog. Parinaudschen
Konjunktivitis (= okulo-glanduläre Form).
Innere Form. Nach Inhalation des Erregers
kann es zum Entstehen einer Lungen- und/oder
Rippenfellentzündung (= pulmonale oder tho-
Francisella tularensis
rakale Form) kommen. Dieses Krankheitsbild
geht als unproduktiver Husten, mit oder ohne
radiologischen Zeichen einer Pneumonie einher.
Die orale Aufnahme von F. tularensis kann, je
nach Organmanifestation, zu Entzündungen
der Rachenschleimhaut (= oropharyngeale
Form), zu Milzschwellung oder Durchfall, verbunden
mit
starken
Leibschmerzen
(= abdominale Form) führen. Bei der Generalisation treten während des langwierigen Verlaufs intermittierende Fieberschübe (= typhöse
Form) auf. Bei unbehandelten Fällen beträgt die
Letalitätsrate ca. 30%.
In vereinzelten Fällen wurde im Zusammenhang mit einer F. tularensis-Infektion das Auftreten von Schmerzen, ähnlich wie bei Angina
pectoris, verbunden mit EKG-Veränderungen,
beobachtet. Infektionen mit F. novicida wurden
bislang nur sehr selten, insbesondere bei immunsupprimierten Patienten, nachgewiesen.
Differenzialdiagnose
Bei den vielfältigen klinischen Krankheitsbildern müssen differenzialdiagnostisch vor allem
Tuberkulose, Katzenkratzkrankheit, Lymphogranulomatose, Aktinomykose, infektiöse Mononukleose, Virusgrippe, atypische Pneumonie, Typhus, Q-Fieber, Ornithose, Brucellose sowie evt. auch Rattenbissfieber, Malaria und Pest
ausgeschlossen werden.
Labordiagnostik
Die Diagnose der Tularämie erfolgt in den meisten Fällen serologisch.
Antikörpernachweis. Hierbei erweist sich die
Mikroagglutination, unter Verwendung eines
gefärbten Antigens, zuverlässiger als die Röhrchenlangsamagglutination. Frühestens 8–10
Tage nach erfolgter Infektion fällt die Langsamagglutination positiv aus und die höchsten
Titer werden in der 4.–5. Krankheitswoche
nachgewiesen. Titer von 1:80 und höher oder ein
4facher Titeranstieg während der serologischen
Verfolgsuntersuchung gelten als Hinweis für
das Vorliegen einer Infektion mit F. tularensis.
Diese Bakterienspezies weist allerdings mit Brucellen, Yersinia enterocolitica 0:9 sowie Proteus
vulgaris 0X19 Antigengemeinschaften auf, die
zu serologischen Kreuzreaktionen führen und
u.U. die serologische Diagnostik der Tularämie
erschweren können.
Die getrennte Erkennung von IgA-, IgM- und
IgG-Antikörpern ist mittels ELISA-Test möglich, der zunehmend in der Serodiagnostik der
Tularämie zur Anwendung kommt.
Weitere einsetzbare serologische Verfahren
sind der indirekte Hämagglutinationstest und
die Komplementbindungsreaktion.
Mikroskopie. Die mikroskopische Untersuchung von Ausstrichpräparaten oder Gewebeschnitten, jeweils gefärbt nach Gram, hat keinen
großen diagnostischen Wert. Mittels fluoreszierender Antikörper ist dagegen ein Nachweis
von F. tularensis möglich.
Kultur. Der kulturelle Erregernachweis erfordert infolge der hohen Infektiosität von F. tularensis die strenge Einhaltung besonderer Hygiene-Schutzmaßnahmen von Seiten des Laborpersonals und sollte daher nur in entsprechend
eingerichteten Laboratorien (L3) durchgeführt
werden! Neuerdings ist auch mittels PCR ein
Nachweis von F. tularensis möglich.
Als Untersuchungsmaterial eignen sich, je nach
Krankheitsbild, Ulkusmaterial der Primärläsion, Eitermaterial, Exzisionsmaterial von vergrößerten Lymphknoten, Konjunktivalsekret,
Sputum oder Heparinblut. Die Anzüchtung von
F. tularensis ist nur unter Verwendung von
Blut-Glukose-Zystin-Agar oder koagulierten Eidotternährböden möglich. Nach 2–5tägiger aerober Bebrütung bei 37°C bilden sich 1–2 mm
große, runde, feuchte, milchig-weiße Kolonien.
Deren erste Identifizierung erfolgt mittels
Gram-Färbung (dicht zusammengelagerte, aber
einzeln liegende, schwach angefärbte, gramnegative, zarte, kokkoide Stäbchen) und einer positiven Objektträgeragglutination mit monospezifischem F. tularensis-Antiserum. Die serologische Untersuchung erlaubt keine Unterscheidung der verschiedenen Biogruppen von
F. tularensis, dies ist nur mittels Bunter Reihen
möglich.
Biochemische Differenzierung. Stämme, die
kein Glyzerin spalten – trifft vorwiegend für Isolate in Europa, Iran und Japan zu – werden F. tularensis subsp. holarctica zugeordnet, während
Stämme, die Glyzerin spalten – trifft hauptsäch257
F
Francisella tularensis
lich für Isolate in Nordamerika zu – F. subsp. tularensis angehören.
naten kann F. tularensis in Oberflächenwasser
bei +4oC überleben.
Therapie
Immunantwort
Mittel der Wahl ist Streptomycin, täglich 0,5–
1,0g, mindestens 10–14 Tage lang (i.m.) verabreicht u.U. in Kombinationmit Doxycyclin, täglich 0,2g oral. Auch Gentamicin (3–5mg/kg/Tag)
ist wirksam. Behandlung in jedem Falle bis mindestens 5 Tage nach der Entfieberung durchführen.
Antikörper gegen F. tularensis können jahrelang persistieren. Mittels ELISA ist eine Unterscheidung von frischen bzw. chronischen Infektionen möglich, durch Erfassung von IgM- bzw.
IgG-Antikörpern.
Spezifische Merkmale
Pathogenität, Virulenz und Antigenvariabilität
F. tularensis bildet neben dem klassischen Endotoxin, das in seiner Wirkung dem der Enterobacteriaceae entspricht, auch ein thermolabiles
Toxin. Die Antigene von F. tularensis enthalten
Lipopolysaccharide, welche die Immunantwort
der befallenen Wirte stimulieren.
Transmission
Die Ansteckung des Menschen mit F. tularensis
erfolgt in den meisten Fällen durch direkten
Kontakt mit Ausscheidungen, Blut oder Organen beim Aufbrechen, Zerlegen oder Abhäuten
infizierter Tiere (Hasen!). Im amerikanischen
Schrifttum werden zunehmend infizierte Katzen als direkte Ansteckungsquellen für den
Menschen beschrieben. Außerdem ist die Erregerübertragung auf den Menschen durch Bisse
oder Stiche blutsaugender Arthropoden möglich; ferner durch Inhalation von erregerhaltigem Staub, z.B. bei Verarbeitung von Getreide,
das mit Sekreten und Exkreten infizierter Nager
kontaminiert ist. Durch Verzehr von infizierten
Hasen oder Wildkaninchen sowie durch Genuss
von kontaminiertem Trinkwasser kann es ebenfalls zu einer Infektion mit F. tularensis kommen.
Wirtsbereich
F. tularensis wurde bislang außer beim Menschen bei mehr als 125 Säugetierarten, aber auch
bei Vögeln, Reptilien, Fischen und insbesondere bei Arthropoden nachgewiesen. Vor allem
Hasen, Wildkaninchen, Mäuse, Ratten, Biber
und Erdhörnchen gelten als die wichtigsten Erregerreservoire.
Risikogruppen
Personen, wie z.B. Jäger, Wildbrethändler, die
aufgrund ihrer Tätigkeit intensiven Kontakt mit
Wildtieren (Hasen!) haben, sind besonders gefährdet, außerdem Menschen in ländlichen Gegenden.
Epidemiologie
Das Vorkommen der Tularämie beim Menschen entspricht weitgehend der Verbreitung
von F. tularensis bei Tieren. Die epidemiologisch wichtigsten Naturherde sind derzeit in
den USA, in Japan und in Gebieten der ehemaligen UdSSR anzutreffen. Europäische Endemiegebiete sind vor allem in Schweden, in der ehemaligen CSSR, in Österreich, in der Schweiz und
in Deutschland (Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Mainfranken) bekannt. Jährlich werden in
den USA ca. 300 Erkrankungen beim Menschen
(Inzidenzrate 0,6–1,3/Million Einwohner) erfasst, in Deutschland sind es 2–3 Fälle (Inzidenzrate 0,02–0,06/Million Einwohner) pro
Jahr.
Inkubationszeit und Vermehrung
Die Inkubationszeit beträgt 2–10 Tage, in seltenen Fällen 1–14 Tage. Die Vermehrung von
F. tularensis erfolgt intrazellulär.
Resistenz
In toten Tieren kann der Tularämie-Erreger
mindestens 133 Tage, in Tierhäuten mindestens
40 Tage vermehrungsfähig bleiben. Bis zu 5 Mo258
Genetik
F. tularensis enthält nicht nur viel Lipide (21%
des Trockengewichtes), sondern auch 2 Phospholipide, Phosphatdylethanolamin und Phosphatdylglcerol, sowie verschiedene ungewöhnliche, langkettige Fettsäuren wie 2–Hydroxyhexadeconat und 3-Hydroxyoctadeconat. Der
GC% beträgt 33–36%, im Vergleich 40–45% bei
Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus und Russisches Frühjahrs-Sommer-Enzephalitis-Virus
Pasteurellen, 46–50% bei Yersinien und 55–58%
bei Brucellen.
Accession-No. der Nukleinsäuresquenz: Derzeit
liegen keine offiziellen Angaben vor.
Accession-No. der Proteinsequenzen: Derzeit
liegen keine offiziellen Angaben vor.
Prävention
Personen (siehe Risikogruppen), die aufgrund
ihrer Tätigkeit besonders gefährdet sind, sollten
beim Umgang mit Wildtieren, insbesondere
Hasen, stets arbeitshygienische Maßnahmen
beachten. Verzehr nur von gekochtem bzw.
durchgebratenem Hasen- oder Wildfleisch. Bei
Untersuchung von Tularämie-verdächtigem
Material müssen im L3-Labor unbedingt die gesetzlich vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen
eingehalten werden.
Expertenlaboratorium
Bundesanstalt für Tierseuchenbekämpfung,
Robert Koch Gasse 11, A 2340 Mödling/Österreich.
Web-Adressen
http://yellow-fever.rki.de.INFEKT/STECKBRF/
STBR_B/TULA.HTM
http://yellow-fever.rki.de/INFEKT/NRZ/
NRZ01.HTM
Schlüsselliteratur
1. Ohara, Y., Sato, T., Fujita, Uenoo, T., Homma, M., Clinical
manifestations of tularemia in Japan Analysis of 1355 cases
observed between 1924 and 1987, Infection (1991) 19:14–21.
2. Pearson, A., Tularemia. In Palmer, S.R., Soulsby, L.,
Simpson, D.i.H.: Zoonoses, Oxford University Peress
(1998), 267 - 279.
3. Wong, J.D., Shapiro, D.S., Francisella. In: Murray, P.R. (ed.
Chief): Manual of Clinical Microbiology, 7th. Ed., ASM
Press, Washington, (1999) 647–651. 333.33.33.
Strategien zur Krankheitsvorbeugung und
Kontrolle
Schutzimpfungen sind möglich, mittels LVS,
ein attenuierter russischer F. tularensis-Stamm,
aber im deutschsprachigen Raum derzeit nicht
erforderlich. Bei Verdacht einer möglichen Ansteckung sind serologische Kontrolluntersuchungen, jeweils im Abstand von 8–10 Tagen
angebracht (Titeranstieg). In „Risikojahren“
mit extremer Mäuseplage ist in Endemiegebieten die serologische und/oder bakteriologische
Untersuchung erlegter Hasen zu empfehlen.
Frühsommer-MeningoenzephalitisVirus und Russisches FrühjahrsSommer-Enzephalitis-Virus
Erregerbezeichnung
Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus (abgek. FSME-Virus) und Russisches FrühjahrsSommer-Enzephalitis-Virus (abgek. RSSE-Virus)
Meldepflicht
Nach § 7 des Infektionsschutzgesetzes, gültig ab
01.01.2001, ist in Deutschland der direkte oder
indirekte Nachweis von F. tularensis beim Menschen namentlich zu melden, soweit ein entsprechender Nachweis auf eine akute Infektion
hinweist.
Der Nachweis der Tularämie bei Tieren unterliegt nach dem Tierseuchengesetz in Deutschland der Meldepflicht.
Referenzzentren, Expertenlaboratorien und
Web-Adressen
Synonym
FSME-Virus: engl. Central European encephalitis virus (CEE virus), Tick-borne encephalitis
(TBE)-Central European subtype. RSSE-Virus:
engl. Russian spring-summer encephalitis virus
(RSSE virus), Tick-borne encephalitis (TBE)Far Eastern subtype
Morphologie
FSME- und RSSE-Virus gleichen morphologisch dem Gelbfiebervirus.
Taxonomie
Referenzzentrum
Nationales Referenzlaboratorium für die Epidemiologie der Zoonosen, Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV), Diedersdorfer Weg 1, 12777
Berlin (Tel.: 030/8412-2220).
Das FSME- und RSSE-Virus sind Mitglieder des
Genus Flavivirus in der Familie der Flaviviridae.
Der Prototyp dieser Erreger ist das Gelbfiebervirus. FSME-Virus und RSSE-Virus unterscheiden sich nur im E-Protein und in einem NichtStrukturprotein. Beide Erreger gehören zum
259
F
Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus und Russisches Frühjahrs-Sommer-Enzephalitis-Virus
Zeckenbissenzephalitis-Komplex (engl. tickborne encephalitis, abgek. TBE). Der TBE-Komplex umfasst eine Untergruppe von Viren innerhalb des Genus Flavivirus: u.a. das FSME-Virus,
das RSSE-Virus und einige seltene humanpathogene Flaviviren (Omsker-hämorrhagischesFieber-Virus, Kyasanur-Forest-Virus, Powassan-Fieber-Virus). Diese sind hinsichtlich der
Antigendeterminanten enger miteinander verwandt als mit anderen Flaviviren. RSSE- und
FSME-Virus können durch monoklonale Antikörper, die gegen das E-Protein der Hülle gerichtet sind, voneinander unterschieden werden. Beide Viren unterscheiden sich auch hinsichtlich der Vektoren und des Verlaufs der im
Menschen hervorgerufenen Erkrankung.
Historie
Im Jahre 1932 kam es im fernöstlichen Teil Russlands zu einem Ausbruch von Enzephalitis-Fällen. Weitere Fälle traten in den nächsten Jahren
auf. Schließlich konnte Silber et al. 1937 das verantwortliche Virus aus menschlichem Gehirn
isolieren und den Übertragungsweg (Zecken)
aufklären. Das Virus bekam den Namen Russisches Frühjahrs-Sommer-Enzephalitis-Virus
(RSSE-Virus). In westlichen Teilen Russlands
konnte man aus Zecken ein ähnliches Virus isolieren. Die folgenden Jahre zeigten nun, dass das
zweite Virus für viele Enzephalitis-Fälle in Zentraleuropa und Skandinavien verantwortlich
ist. Dieses Virus wurde in Abgrenzung von dem
zuerst entdeckten RSSE-Virus als FrühsommerMeningoenzephalitis-Virus (FSME-Virus) bezeichnet.
Erkrankungen/Symptome
Die Angaben über die Häufigkeit von klinischen
Manifestationen schwanken und liegen zwischen 5% und 30% der Infizierten. Der Krankheitsverlauf ist biphasisch. Zunächst treten
grippeähnliche Symptome auf: Fieber (meist
nicht über 38°C), Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Erbrechen. Gelegentlich gibt es bereits
jetzt neurologische Symptome. Insbesondere
das Sehvermögen kann dann betroffen sein
(z.B. Diplopie). Diese erste Phase der Krankheit
dauert 4–6 Tage. Danach lassen die Beschwerden für 2–3 Tage nach. Der größte Teil der Patienten (70–80%) macht nur diesen unspezifischen Teil der Erkrankung durch. In der zweiten Phase der Erkrankung, die nur 20–30% der
260
Patienten erleiden, stellen sich meningeale
Symptome ein. Es kommen Zeichen der Enzephalitis hinzu (Meningoenzephalitis, in ca. 80%
der Fälle mit einer zweiten Phase). Vor allen
Dingen bei älteren Patienten kann sich zusätzlich eine Myelitis entwicklen (Gefahr der Bulbärparalyse und Phrenikusparese). In diesen
schweren Fällen beträgt die Letalität ungefähr
1–2% und die Gefahr von bleibenden Schäden
besteht. Extrapyramidale und zerebelläre
Symptome können oft noch Monate nach Rekonvaleszenz persistieren. Gewöhnlich kommt
es aber selbst bei schweren Verläufen zur völligen Heilung ohne bleibende neurologische Ausfälle (in 10–20% der schwereren Verläufe muss
mit bleibenden psychomotorischen Defekten
gerechnet werden). Insgesamt betrachtet sind
die Krankheitsbilder, Paresen und bleibenden
Schäden bei Erwachsenen ausgeprägter als bei
Kindern. Die RSSE beginnt weniger akut als die
FSME. In der Prodromalphase kommt es zu Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen, Anorexie, Photophobie und Nackensteife. Schließlich können
sich unterschiedliche neurologische Symptome
entwickeln (sensorische und visuelle Ausfälle,
Paresien, Paralysen, Krämpfe). Die Mortalität
liegt mit etwa 20% wesentlich höher als bei der
FSME. Einen weiteren Unterschied zur FMSE
stellt die Tatsache dar, dass Kinder schwerer erkranken als Erwachsene. Auch die Rate der bleibenden neurologischen Schäden ist mit 30% bis
60% höher als bei der FSME.
Differenzialdiagnose
Die Differenzialdiagnose der durch Flaviviren
hervorgerufenen Meningitis/Enzephalitis umfasst viele andere virale Erreger. Häufig sind Enteroviren als Ursache anzuschuldigen. In Nordamerika sind das LaCrosse-Virus (Bunyaviren)
und das St.-Louis-Enzephalitis-Virus (seltene
humanpathogene Viren) die häufigsten durch
Arthropoden übertragenen Enzephalitis-Erreger. Auch an die therapierbare Herpes-Enzephalitis (Herpes-simplex-Virus) muss gedacht
werden, obwohl sie nur selten auftritt. Andere
Herpesviren (CMV, VZV, EBV, HHV-6) können
vor allem bei immunsupprimierten Patienten
eine ZNS-Symptomatik verursachen. Darüber
hinaus kommen als Ursache einer Meningitis/
Enzephalitis Masern-, Mumps-, Röteln- und Influenzaviren in Betracht. Epidemiologische
Hinweise wie Jahreszeit und Wohnort in einem
Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus und Russisches Frühjahrs-Sommer-Enzephalitis-Virus
bekannten Endemiegebiet erleichtern die Diagnose einer Flavivirus-Enzephalitis.
Labordiagnostik
Die Diagnose wird in der Regel aufgrund des
Nachweises von virusspezifischen IgM-Antikörpern im Serum und ggf. im Liquor durch das
ELISA-Verfahren gestellt. Berücksichtigt werden müssen mögliche Kreuzreaktionen durch
Antikörper gegen andere Flaviviren (Gelbfiebervirus, Dengueviren, Japanisches Enzephalitisvirus und seltene humanpathogene Flaviviren). Kreuzreaktionen können durch Neutralisations-Testverfahren ausgeschlossen werden,
die allerdings nur Speziallaboratorien durchführen. Andere serologische Testverfahren wie
KBR und HHT spielen keine Rolle mehr. Bei der
Befundinterpretation muss auch daran gedacht
werden, dass FSME-Impfungen zu lange Zeit
nachweisbaren Spiegeln von FSME-spezifischen
IgM-Antikörpern führen können. Die Virusisolierung aus dem Blut von Infizierten ist für die
Routinediagnostik bedeutungslos, da sie nur
selten gelingt und sehr aufwändig ist.
Therapie
Es kommen nur supportive Maßnahmen in Betracht, da eine spezifische antivirale Therapie
nicht zur Verfügung steht.
Spezifische Merkmale
Pathogenität, Virulenz und Antigenvariabilität
FSME-Virus und RSSE-Virus sind hinsichtlich
ihrer Antigenstruktur eng verwandt und nur
durch spezielle Techniken unterscheidbar, obwohl sie unterschiedliche biologische Eigenschaften aufweisen. Sie besitzen unterschiedliches pathogenes Potenzial im Tierexperiment:
Mit RSSE-Virus infizierte Schafe und Affen entwickeln schwerere Symptome als mit FSME-Virus infizierte Tiere. Auch beim Menschen verlaufen Infektionen mit RSSE-Virus schwerer als
FSME-Virus-assoziierte Erkrankungen.
Transmission
Das Auftreten der Infektionen mit FSME- bzw.
RSSE-Virus spiegelt die geographische Verteilung der Hauptvektoren wieder. Im Falle des
FSME-Virus ist dies die Schildzecke Ixodes rici-
nus. Das RSSE-Virus wird durch Ixodes persulcatus übertragen. Nach dem Biss der Schildzecken gelangen die Viren über den infizierten
Speichel in das Blut des Wirtes. Die Zecken sind
besonders im Frühjahr und frühen Sommer aktiv, so dass in dieser Periode auch die meisten
Erkrankungen auftreten. In Endemiegebieten
der FSME sind etwa 1% der Vektoren durchseucht. Dagegen wird bei RSSE die Durchseuchungsrate der Zecken auf 20% geschätzt. Ixodes ricinus, auch Holzbock genannt, hat für jedes Lebensstadium unterschiedliche Wirte
(Larvenstadium: Kleinsäuger, Eidechsen, Vögel; Nymphenstadium: Igel, Eichhörnchen,
Mäuse, Vögel und der Mensch; adultes Stadium:
u.a. Füchse, Ziegen, Schafe, Rehe, Hasen, Rinder). Um einen Wirt zu erreichen, kriechen Zecken an Pflanzen hoch, jedoch in der Regel nicht
höher als 50 cm bis 70 cm. Es trifft also nicht zu,
dass Zecken sich aus der Höhe von Bäumen auf
ihre Opfer fallen lassen. Etwa 10–20% der
FSME-Infektionen werden nicht durch Zeckenbiss, sondern über Rohmilchprodukte von infizierten Kühen, Schafen und Ziegen übertragen.
Dieser letzte Infektionsweg ist jedoch in
Deutschland ohne praktische Bedeutung. Laborinfektionen kommen ebenfalls vor.
Vermehrung und Inkubationszeit
Nach dem Zeckenstich vermehrt sich das inokulierte Virus zunächst lokal in Endothelzellen, Makrophagen, Langerhans-Zellen und Granulozyten. Über das lymphatische System gelangen die Erreger in das Blut (erste Virämie).
Nach weiterer Vermehrung im retikulohistiozytären System kommt es zur zweiten Virämie, die
die Ausbreitung in das zentrale Nervensystem
ermöglicht. Die Inkubationszeit beträgt 7–14
Tage.
Resistenz
Keine Daten verfügbar.
Immunantwort
Gegen das Glykoprotein der Hülle werden
hämagglutinationshemmende und neutralisierende Antikörper gebildet. In der Regel werden
zunächst IgM-Antikörper produziert und erst
danach IgG-Antikörper. Auch eine zelluläre Immunantwort wird generiert.
261
F
Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus und Russisches Frühjahrs-Sommer-Enzephalitis-Virus
Wirtsbereich
Wie alle Flaviren besitzen das FSME-Virus und
das RSSE-Virus ein weites Wirtsspektrum und
infizieren unterschiedliche Zelllinien.
Risikogruppen
Das Infektionsrisiko ist für Personen am höchsten, die permanent in FSME-Endemiegebieten
wohnen bzw. dort beruflich tätig sind (Landund Forstwirtschaft). Aber auch Freizeitaktivitäten (Wandern, Campen, etc.) in Endemiegebiten kann selbst bei kurzer Aufenthaltsdauer zur
Infektion führen. Die Zeckensaison dauert etwa
von März bis Oktober. Außerhalb dieser Zeitspanne besteht an warmen Tagen ein gewisses
Infektionsrisiko.
Epidemiologie
Im Gegensatz zu denjenigen Arboviren, die
durch Moskitos übertragen werden, kommen
die zum TBE-Komplex gehörenden Arboviren
bis auf wenige Ausnahmen nur in Asien, Osteuropa und Westeuropa vor. Das Verbreitungsgebiet der FSME erstreckt sich von Russland im
Osten, über Finnland und Schweden im Norden, nach Deutschland und Frankreich im Westen bis herunter nach Italien, Griechenland
und dem ehemaligen Jugoslawien im Süden.
Naturherde in Deutschland befinden sich größtenteils in Baden-Württemberg, Bayern und in
den östlichen Bundesländern. Die RSSE ist vorwiegend in der russischen Taiga und in Westsibirien lokalisiert. FSME und RSSE stellen endemische Erkrankungen dar, die hauptsächlich in
den Sommermonaten auftreten. Die hier herrschenden Temperaturen und die Feuchtigkeit
fördern die Aktivität der Zecken. Besonders
waldreiche Flusstäler sind potenzielle Zeckengebiete. Oberhalb von 1000 Metern ist keine Zeckengefahr mehr gegeben. In Zentraleuropa
gibt es zwei Häufigkeitsgipfel der FSME-Infektion: Mai/Juni und September/Oktober. Der Erkrankungsgipfel hinkt entsprechend etwa 3–4
Wochen hinterher. FSME-Fälle treten in geographischen Foci auf, deren Verteilung relativ
konstant ist und mit den natürlichen Habitaten
der Zecken korreliert.
Genetik
Das Genom des FSME-Virus besteht aus einzelsträngiger RNA mit einer Länge von 10.477 Basen. Prinzipiell gleichen die genetischen und
262
biochemischen Eigenschaften von FSME- und
RSSE-Virus denjenigen des Gelbfiebervirus. Die
Accession-Nummer für das virale Genom bzw.
das Vorläufer-Protein des FSME-Virus sind
NC_ 001672 bzw. NP 043135.
Prävention
Die FSME-Impfung ist eine Indikationsimpfung
und betrifft Personen, die sich in Risikogebieten
aufhalten oder beruflich gefährdet sind (z.B.
Forstarbeiter). Für die Impfung wird ein komplettes, Formol-inaktiviertes Virus verwendet,
welches auf Hühnerfibroblastenzellkulturen
angezüchtet und anschließend gereinigt wurde.
3 Impfungen sind für einen vollständigen Impfzyklus notwendig, wobei die Effizienz des Impfschutzes bei 97% bis 98% liegt. Auffrischimpfungen sollten alle 3–4 Jahre durchgeführt werden. Früher beobachtete Nebenwirkungen
(Kopfschmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit)
treten heute nicht mehr auf, da die Vakzine nun
durch einen Ultrazentrifugationsschritt hochaufgereinigt wird. Frühzeitige Gabe von FSMEHyperimmunglobulin innerhalb von 96 Stunden nach Zeckenbiss kann möglicherweise eine
Erkrankung verhindern. Nach Ablauf von 96
Stunden ist die Gabe von FSME-Hyperimmunglobulin nicht mehr sinnvoll. Da Berichte
über schwere Krankheitsverläufe nach postexpositioneller passiver Immunisierung vorliegen, sollte die Indikation genau geprüft werden.
Wegen möglicher Nebenwirkungen bei Kindern
ist die passive Immunisierung bis auf weiteres
auf Erwachsene und Jugendliche nach der Vollendung des 14. Lebensjahres eingeschränkt.
Strategien zur Krankheitsvorbeugung und
Kontrolle
Der sicherste Infektionsschutz besteht darin,
Zeckenhabitate zu meiden. Ist dies nicht möglich, sollte geschlossene Kleidung getragen werden. Repellentien wie beispielsweise Autan haben eine zeitliche begrenzte Wirkung (2 Stunden) gegen Zecken. Nach Risikoaufenthalten
sollte der Körper nach Zecken abgesucht werden (bevorzugte Zeckenlokalisationen: Unter
den Armen, im Nacken, am Haaransatz des
Kopfes und generell an dünnen, gut durchbluteten Hautpartien).
Fuchsbandwurm, kleiner
Meldepflicht
Nach § 7 Abs. 1 Nr. 1 des neuen Infektionsschutzgesetzes (IfSG), welches seit dem 1. Januar 2001 in Kraft ist, muss das Labor jeden direkten oder indirekten (serologischen) Nachweis
von FSME durch das Labor dann namentlich
melden, wenn er auf eine akute Infektion hinweist. Weiterführende Informationen zum IfSG
sind auf der unten aufgeführten Web-Adresse
des Robert-Koch-Instituts zu finden.
Referenzzentren, Expertenlaboratorien und
Web-Adressen
Essen
Universitätsklinikum Essen, Institut für Virologie, 45122 Essen, Tel.: 00 49 (Vorwahl Deutschland) 201 (Vorwahl Hamburg) 723 3550 (Institut)
The big picture book of viruses:
http://www.virology.net/Big_Virology/
BVHomePage.html
Der reisemedizinische Infoservice der Universität München: http://www.fit-for-travel.de/
Robert-Koch-Institut (RKI) (Infektionsschutzgesetz, IfSG):
http://www.rki.de/INFEKT/IFSG/IFSG.HTM
Robert-Koch-Institut (RKI): http://www.rki.de
Robert-Koch-Institut (RKI) (Steckbrief seltener
und „importierter“ Virusinfektionen):
http://www.rki.de/INFEKT/STECKBRF/
STBR_HOM.HTM
Robert-Koch-Institut (RKI) (Epidemiologisches Bulletin):
http://www.rki.de/INFEKT/EPIBULL/EPI.HTM
Rote Liste (Medikamente):
http://www.rote-liste.de/
Gesellschaft für Virologie: http://www.
medizin.uni-koeln.de/projekte/gfv/index.html
Berlin
Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, Diedersdorfer Weg 1, Tel.: 00 49 (Vorwahl Deutschland) 30
(Vorwahl Berlin) 8412-2261 (Institut)
Web-Adressen
Centers for disease control and prevention
(Empfehlungen und Standards in der Kontrolle
und Diagnostik von Infektionen):
http://www.cdc.gov/
Introduction to virology:
http://www-micro.msb.le.ac.uk/109/
introduction.html
All the virology on the www:
http://www.virology.net/
Virus databases on-line:
http://life.anu.edu.au/viruses/
WHO World Health Organization (Aktuelles
über Infektionskrankheiten, Empfehlungen
und Programme der WHO):
http://www.who.int/
Institut für Klinische und Molekulare Virologie,
Universität Erlangen:
http://www.virology.uni-erlangen.de/hyp.htm
Links to further information on viruses:
http://www2.rki.de/infekt/enivd/rs1.htm
National center of biotechnology information:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/
The International Commitee on Taxonomy of
Viruses: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/ICTV/
Schlüsselliteratur
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Wesselsbron Viruses. In: Webster, R.G. and Granoff, A.
(eds.) Encyclopedia of Virology (2nd), p. 430. London:
Academic Press Limited.
2. Schoub, B.D. and Blackburn, N.K. (2000). Flaviviruses. In:
Zuckerman, A.J., Banatvala, J.E. and Pattison, J.R. (eds.)
Principles and Practice of Clinical Virology (4rd edition),
p.485. Chichester: John Wiley & Sons.
3. Monath, T.P. and Heinz, F.X. (1996). Flaviviruses. In:
Fields, B.N., Knipe, D.M., Howly, P.M. et al. (eds.) Virology
(3rd edition), p.961. Philadelphia: Lippincott-Raven
Publishers.
4. Monath, T.P. and Heinz, F.X. (1995). Flaviviruses (Yellow
fever, Dengue, Dengue haemorrhagic fever, Japanese
encephalitis, St. Louis encephalitis, tick-borne
encephalitis). In: Mandell, G.L., Benett, J.E., Dolin, R. (eds.)
Principles and practice of Infectious Diseases (4th edition),
p.1465. New York: Churchill Livingstone Inc.
5. Tidona, C.A., Darai, G. (Eds.) (2001), The Springer Index of
Viruses, Springer Berlin, Heidelberg, New York, Tokio
FSME-Virus
Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus
und Russisches Frühjahrs-Sommer-Enzephalitis-Virus
Fuchsbandwurm, kleiner
Echinococcus multilocularis
263
F
Fusarium
Fusarium
Erregerbezeichnungen
Fusarium solani, Fusarium oxysporum. Über 40
weitere, als Infektionserreger in der Humanmedizin weitaus seltenere Fusarium-Arten.
Synonym
F. solani: Teleomorph: Haematonectria
haematococca = Nectria
haematococca = Nectria haematococca var. brevicona
Morphologie
Im Wirtsgewebe. Radiär wachsende, hyaline,
septierte, sich spitzwinklig (30 bis 50° verzweigende Myzelien einheitlichen Kalibers (3 bis 4
µm). Gut anfärbbar mit Grocott-Gomorri-Versilberung oder Perjodsäure-Schiff-Reagenz
(PAS). Ohne Immunhistologie nicht von Aspergillus und Scedosporium (Pseudallescheria) unterscheidbar.
In der Kultur. Nach 3 bis 5 Tagen auch bei 37°C
auf Sabouraud-Glucose-Agar wachsende, weißliche bis cremefarbene Kolonie mit reichlich
Luftmyzel.
Fusarium solani: Rückseite der Kultur grün bis
bläulich-braun. Mikroskopische Merkmale: Die
Traghyphen (Konidophoren) entspringen seitlich vom Luftmyzel. Schon nach wenigen Tagen
finden sich massenhaft kleine, längliche Mikrokonidien (1 × 3 µm), die jeweils einzeln terminal
an einer Traghyphe gebildet werden. Nach 5 bis
10 Tagen treten zahlreiche terminale oder intercalare, glatt- oder rauhwandige, einzeln oder
paarweise liegende Chlamydosporen auf. Nach
10 bis 30 Tagen schließlich werden charakteristische Makrokonidien auf kürzeren, verzweigten Konidophoren gebildet. Diese sind spindelförmig, leicht gebogen, zugespitzt und 3- bis 5zellig.
Fusarium oxysporum: Das weiße Luftmyzel
wird gewöhnlich bereits nach wenigen Tagen
purpurfarben. Rückseite der Kultur farblos bis
dunkelblau oder dunkelpurpurn. Mikroskopische Merkmale: Die Traghyphen (Konidophoren) sind kurze, einzelne, seitliche Monophialiden am Luftmyzel. Mikrokonidien, Chlamydosporen und Makrokonidien unterscheiden
sich nicht von denjenigen bei F. solani.
264
Taxonomie
Abteilung: Ascomycota
Klasse:
Euascomycetes
Ordnung: Hypocreales
Familie: Hypocreaceae
Gattung: Fusarium
Die Taxonomie auf Spezies-Ebene wurde in den
letzten Jahren aufgrund molekulargenetischer
Untersuchungen der ITS-rDNA, der 26S-rDNA,
der mitochondrialen DNA und der Sequenz des
Beta-Tubulin-Gens neu definiert. Danach wurden bis heute mehr als 40 Spezies unterschieden. Bei F. oxysporum wurden darüber hinaus
über 30 wirtsspezifische Varianten beschrieben.
Historie
Mykotoxikose. In der ehemaligen UdSSR starben 1944 bis 1947 mehr als 100.000 Menschen an
einer Nahrungsmittelvergiftung durch verschimmeltes Getreide (Marasas et al. 1984; Fusarium sporotrichoides und Fusarium poae).
Invasive Fusariose. Der erste Fall einer disseminierten invasiven Fusariose wurde 1973 von Cho
et al. bei einem Kind mit einer akuten lymphatischen Leukämie beschrieben.
Erkrankungen/Symptome
Mykotoxikose. Alimentäre, toxische Agranulozytose.
Fusarium-Infektionen. Auge: Keratitis, Endophthalmitis; Haut: kutane und subkutane Infektion bei Verbrennungswunden oder Hautulzera, Onychomykose; Sinusitis; invasive, disseminierte Fusariose: Peritonitis bei kontinuierlicher ambulanter Peritonealdialyse (CAPD),
zentralvenöse Katheterinfektion, Endokarditis,
Myokarditis.
Differenzialdiagnose
Invasive pulmonale und disseminierte Aspergillose, Scedosporidiose, Zygomykose. Die Klärung der Differenzialdiagnose wird erst bei erfolgreicher Kultur möglich.
Labordiagnostik
Untersuchungsmaterial. Hornhaut vom Auge,
Glaskörperpunktat, Hautbiopsien, Nagelmaterial, Peritonealflüssigkeit, Blutkulturen, Katheterspitzen.
Fusarium
Histologie. Die histologische Untersuchung von
Biopsiematerial befallenen Gewebes erlaubt die
Diagnose Hyalohyphomykose (z.B. Aspergillose, Fusariose, Scedosporidiose).
Kultur. Die Ätiologie kann nur durch eine erfolgreiche Isolierung des Erregers gesichert
werden. Das Untersuchungsmaterial wird auf
Sabouraud-Glucose-Agar-Platten mit antibakteriellen Zusätzen ausgestrichen und 3 Wochen
bei 28°C und bei 37°C inkubiert. Nach 3 bis 5 Tagen wachsen auch bei 37°C weißliche bis cremefarbene Kolonie mit reichlich Luftmyzel. Die
Identifizierung erfolgt mikromorphologisch
(siehe Morphogie) oder molekulargenetisch (in
Speziallaboratorien).
Serologische Teste sind nicht verfügbar. Über
die Entwicklung spezieller Nukleinsäurenachweisverfahren gibt es Berichte, bisher ist aber
kein kommerzieller Test verfügbar.
Resistenz
Die Fusarien zeichnen sich durch eine schlechte
in vitro Empfindlichkeit (im Vergleich zu anderen Pilzen relativ hohe MHK-Werte) gegenüber
allen bisher verfügbaren Antimykotika (Amphotericin B, Flucytosin, Fluconazol, Itraconazol) aus.
Immunantwort
Keine Daten verfügbar.
Wirtsbereich
Fusarium spp. sind weit verbreitete Pflanzenpathogene oder leben als Saprophyten auf abgestorbenen Pflanzenteilen und im Erdboden. Einige Arten finden sich regelmäßig auf Pflanzensamen, speziell auf Getreide. Fusarien stellen
zusammen mit Cladosporium-, Alternaria- und
Aspergillus-Arten einen Großteil des „MykoPlanktons“ der Luft.
Therapie
Risikogruppen
Amphotericin B hat von allen gängigen Antimykotika noch die größte in vitro-Aktivität gegenüber Fusarium-Arten. Die klinische Erfolgsrate
ist dennoch sehr bescheiden, tatsächlich noch
schlechter als bei invasiver Aspergillose.
Alimentäre Mykotoxikose. Hungernde Bevölkerungsgruppen in der Dritten Welt.
Spezifische Merkmale
Pathogenität, Virulenz und Antigenvariabilität
F. solani und F. oxysporum sind in Risikogruppe
2 eingeordnet. Ein Grund für die Humanpathogentität dieser beiden Arten ist ihre Fähigkeit
bei 37°C zu wachsen. Alimentäre Vergiftungen
sind durch die Produktion von Mykotoxinen
der Fusarien bedingt.
Transmission
Alimentäre Mykotoxikose. Verzehr verdorbenen Getreides.
Fusariose. Auge: Mikrotraumata der Hornhaut
durch Verletzung mit Pflanzenteilen; aerogen
verbreitete Mikrokonidien, die sich auf Haut
und Kathetern absiedeln bzw. inhaliert werden.
Vermehrung und Inkubationszeit
In vitro zeichnen sich die humanpathogenen
Fusarien durch rasches Wachstum aus. Die Inkubationszeiten der humanen Fusariosen sind
unbekannt.
Keratitis. Gärtner, Waldarbeiter.
Invasive, disseminierte Fusariose. Immunsupprimierte Patienten, z.B. nach Steroidbehandlung oder zytotoxischer Chemotherapie, mit
Agranulozytose, Leukämie, AIDS; Patienten mit
intravenösen oder intraperitonealen Dauerkathetern, Verbrennungspatienten.
Epidemiologie
Die alimentäre Mykotoxikose durch FusariumToxine (T-2-Toxin) hat große historische Bedeutung (>100.000 Tote in der ehemaligen
UdSSR 1945) sowie aktuelle Bedeutung in einigen Entwicklungsländern. Die invasive Fusariose wird in den letzten Jahren zunehmend häufiger bei immunsupprimierten Patienten beschrieben (1000 Fälle weltweit, Juni 1996).
Genetik
Fusarium spp. sind eukaryonte Organismen,
deren Genomgröße – je nach Spezies – etwa 27–
30 Megabasenpaare beträgt. Das Genom verteilt
sich auf 6–9 Chromosomen mit einer Größe
zwischen 0,4 bis 6,5 Mb. Da Fusarien in der
Pflanzenpathologie eine große Rolle spielen,
sind die Sequenzen einer Reihe von Genen und
265
F
Fusobacterium
Proteinen bekannt. Die Accession-Numbers
sind unter http://www.ncbi.nlm.nih.gov abrufbar.
Prävention
Mykotoxikose. Vernichtung verschimmelten
Getreides.
Keratitis. Tragen von Schutzbrillen bei Arbeiten
mit Verletzungsgefahr durch Pflanzenteile.
Invasive Fusariose. Hochrisikopatienten, z.B.
Knochenmarktransplantierte, sollten die Inhalation von Fusarium-Konidiosporen vermeiden. Dies ist in Räumen, die mit R3-Luftfiltern
ausgestattet sind, gewährleistet. Bei unumgänglichem Transport für diagnostische Maßnahmen, muss die Passage durch stark Konidienhaltige Luft (wie sie z.B. bei Baumaßnahmen
entsteht) vermieden werden, bzw. die Patienten
müssen einen Mundschutz tragen. Sorgfältige
Pflege von Langzeitkathetern.
Strategien zur Krankheitsvorbeugung und
Kontrolle
Keine Daten verfügbar.
Meldepflicht
Im Rahmen gehäuft auftretender nosokomialer
Infektionen (gleichzeitig in einem Stationsbereich 2 oder mehr invasive Fusariosen) besteht
eine nichtnamentliche Meldepflicht an das zuständige Gesundheitsamt.
Referenzzentren, Expertenlaboratorien und
Web-Adressen
◗ Centraalbureau voor Schimmelcultures, PO
Box 273, NL-3740 AG Baarn, The Netherlands.
Phone +31–35–5481211, fax +31–35–5416142, EMail: [email protected]
◗ Fusarium Research Center, Department of
Plant Pathology, The Pennsylvania State University, University Park, Pennsylvania 16802,
USA. Phone +1–814–865–9773, Fax +1–814–
863–7217.
◗ National Center of Biotechnology Information: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/
Schlüsselliteratur
1. De Hoog GS, Guarro J, Gene J, Figuera MJ. 2000. Atlas of
Clinical Fungi, 2nd ed. Fusarium, pp. 681–705.
Centraalbureau voor Schimmelcultures, Utrecht.
266
2. Boutati EI, Anaissie EJ. 1997. Fusarium, a significant
emerging pathogen in patients with hematologic
malignancy: ten years' experience at a cancer center and
implications for management. Blood 90: 999–1008.
3. Nelson PE, Dignani MC, Anaissie EJ. 1994. Taxonomy,
biology, and clinical aspects of Fusarium species. Clin
Microbiol Rev 7: 479–504.
Fusobacterium
Erregerbezeichnung
Fusobacterium spp.
Synonym
Entfällt
Morphologie
Fusobakterien sind gramnegative, obligat anaerobe, unbewegliche, nicht sporenbildende,
schlanke, 0,2–0,3 µm breite, spindelförmige
Stäbchen mit einer wechselnden Länge von 0,5–
10 µm. F. nucleatum hat spitzzulaufende Enden
und zeigt im mikroskopischen Präparat aufgrund zahlreicher intrazelluläre Granula ein gekörntes Aussehen. F. periodonticum hat eine
vergleichbare Morphologie, während F. naviforme kahnförmig imponiert. Zellen von F. necrophorum sind pleomorph, oft gekrümmt mit teilweise sphärischen Ausstülpungen, es kommt
häufig zu filamentösen Formen (bis zu 70 µm
Länge).
Taxonomie
Familie: Bacteroidaceae
Genus:
Fusobacterium
Spezies: F. alocis, F. gonidiaformans, F. mortiferum, F. naviforme, F. necrogenes, F. necrophorum (ssp. necrophorum, ssp. funduliforme),
F. nucleatum (ssp. animalis, ssp. fusiforme, ssp.
nucleatum, ssp. polymorphum, ssp. vincentii),
F. periodonticum, F. russii, F. sulci, F. ulcerans,
F. varium, „F.“ prausnitzii, (F. perfoetens, F. simiae).
Historie
In der letzten Dekade des 19. Jahrhunderts wurden von zahlreichen Wissenschaftlern (Bang,
Löffler, Miller, Plaut, Schmorl, Vincent, Veillon
und Zuber) spindelförmige und fusiforme Stäbchenbakterien aus dem Mund von gesunden
und erkrankten Menschen, sowie von verschiedenen Tierarten beschrieben. Die meist pleo-
Fusobacterium
morphen Bakterien wurden verschiedenen Spezies zugeordnet, bis 1923 von Knorr für obligat
anaerobe gramnegative fusiforme Stäbchenbakterien der Gattungsname Fusobacterium innerhalb der Familie der Bacteroidaceae vorgeschlagen wurde. Derzeit gehören zu dieser Gattung 13 humanpathogene Arten (F. perfoetens
wurde bislang ausschließlich im Stuhl von
Schweinen, F. simiae aus dem Mund von Makaken isoliert), wobei allerdings „F.“ prausnitzii
aufgrund phylogenetischer Studien nicht mehr
zur Gattung Fusobacterium gezählt werden
wird, allerdings bislang noch nicht endgültig
klassifiziert ist (die wahrscheinliche Zuordnung
wird zu der Gruppe Clostridium oder Eubacterium erfolgen). Bei den beiden Spezies F. necrophorum und F. nucleatum sind zudem mehrere
Subspezies beschrieben, deren endgültige taxonomische Stellung ebenfalls noch nicht endgültig geklärt ist. Der ursprünglich beschriebene
Biotyp C von F. necrophorum, der zwischenzeitlich als eigene Spezies F. pseudonecrophorum
eingeordnet wurde, ist identisch mit F. varians.
Erkrankungen/Symptome
Zusammen mit Arten der Bacteroides fragilissowie Porphyromonas melaninogenicus-Gruppe ist F. nucleatum das gramnegative anaerobe
Bakterium, das am häufigsten bei menschlichen
Infektionen isoliert wird. Ebenso ist F. necrophorum eindeutig menschenpathogen, in der
Vorantibiotikaära war es ein häufiger Erreger
von eitrigen Infektionen der Mundhöhle und
des oberen Respirationstraktes. Fusobakterien
treten typischerweise bei Infektionen mit Nekrosebildung und Ulzerationen auf. Sie sind am
häufigsten bei Infektionen im Kopf- Halsbereich, Hirn- und Leberabszessen, sowie nach
Tier- und Menschenbissen nachweisbar. Finegold fand 1977, dass ein Viertel aller Isolate von
aneroben pleuropulmonalen Infektionen zur
Art F. nucleatum gehörten. Die sicherlich bekannteste Infektion, mit der F. nucleatum assoziiert ist, ist die Angina Plaut-Vincent oder Fusospirochätose. Weiterhin spielt F. nucleatum
neben P. gingivalis, P. intermedia, B. forsythus,
E. corrodens, Capnocythophaga spp., A. actinomycetemcomitans und Eubacterium spp. eine
herausragende Rolle bei Periodontalerkrankungen. Bei einer ganzen Reihe weiterer Infektionen wurden Fusobakterien als Erreger beschrieben, wie tropische Hautulcerationen (z.B. No-
ma), Peritonsillarabszesse, Pyomyositis und
septische Arthritis, Septikämie und Leberabszesse, intrauterine Infektionen, bakterielle Vaginose, Harnwegsinfektionen, Meningitis, sowie Peri- und Endocarditis. F. necrophorum ist
der Verursacher der humanen Nekrobazillose
oder Lemierreschen Erkrankung, einer seltenen, aber lebensbedrohlichen Sepsis mit Halsschmerzen, Fieber und septischer Lungenembolie ausgehend von einer akuten Pharyngotonsillitis oder Tonsillarabszess. F. necrophorum
spielt ebenfalls in der Veterinärmedizin eine außerordentlich wichtige Rolle und wird dort häufig isoliert bei nekrotisierenden und gangränösen Infektionen bei Rindern, Schafen und
Schweinen, während Carnivore offensichtlich
nicht empfänglich für Infektionen durch diese
Erregergruppe sind. Die übrigen Fusobakterienarten werden ebenfalls gelegentlich aus humanen klinischen Materialien isoliert, sind aber
offensichtlich von untergeordneter Bedeutung.
Differenzialdiagnose
Abszesserkrankungen,
gen, Pyomyositis.
Peridontalerkrankun-
Labordiagnostik
Zum optimalen Wachstum benötigen Fusobakterien eine Temperatur von 37°C und nährstoffreiche Medien, speziell mit Trypticase, Pepton
oder Hefeextrakt. Sie sind nichtfermentativ bis
schwach fermentativ. Glukose kann durch Einbau in zelluläre Komponenten verwertet werden. Die Koloniemorphologie auf Blutagar der
einzelnen Arten ist unterschiedlich, wobei diese
Unterschiede meist nicht für eine eindeutige
Identifizierung ausreichen: F. nucleatum bildet
flache, unregelmäßige und glänzende Kolonien,
F. necrophorum kreisrunde, flache bis konvex,
rauhe und oft β-hämolysierende Kolonien mit
einem Durchmesser von 1–4 mm, die Koloniefarbe ist je nach Biotyp von metallisch grau
(ssp. necrophorum), gelblich (ssp. funduliforme) oder graugelb (Biotyp AB). F. varians bildet
nach 3tägiger Bebrütung knopfförmige, am
Rand gewellte, rauhe, gräuliche, durchscheinende Kolonien mit einem Durchmesser von 2–
3 mm. Kolonien von F. ulcerans haben ebenfalls
einen Durchmesser von 2–3 mm, sind rund,
flach, nichthämolysierend und von cremeweißer Farbe. Metabolische Endprodukte sind vor
allem Acetat und Butyrat. Propionat, Succinat,
267
F
Fusobacterium
Laktat, Formiat wird in geringeren Mengen und
speziesunterschiedlich gebildet. Gemeinsam ist
neben dem Vorkommen von geradkettigen, gesättigten und einfach-ungesättigten, langkettigen zellulären Fettsäuren der Aufbau der Peptidoglykanschicht sowie die Glutamatstoffwechsel (Glutamat-dehydrogenase-positiv). Differenzierende biochemische Charakteristika sind
u.a. der Indolabbau (nur F. mortiferum und
F. russii sind negativ), Wachstum in Gegenwart
von 20% Galle und Äskulinhydrolyse (nur
F. mortiferum ist positiv), Nitratreduktion
(F. ulcerans ist positiv) sowie die Hippurathydrolyse (F. periodonticum ist positiv).
Resistenz
Resistenz besteht gegen Vancomycin, Aminoglykoside (außer Kanamycin) und Erythromycin. Unterschiedlich ist die Empfindlichkeit gegen Tetrazyklin. Da diese Substanz häufig bei
periodontitischen Infektionen eingesetzt wurde, kam es zur zunehmenden Ausbildung von
resistenten F. nucleatum-Stämmen, so dass der
Einsatz von Tetrazyklinen nicht mehr uneingeschränkt gerechtfertigt ist. F. nucleatum kann
eine β-Laktamase produzieren, ist aber dann
voll empfindlich auf β-Laktam/β-Laktamaseinhibitor-Kombinationen. F. varium und F. mortiferum sind resistent gegen Rifampicin.
Immunantwort
Therapie
Neben der chirurgischen Abszessbehandlung
muss immer eine Antibiotika-Therapie erfolgen. Fusobakterien sind empfindlich gegen eine
Vielzahl von Antibiotika wie Penicilline, Cephalosporine, Peneme, β-Laktam/β-Laktamaseinhibitor-Kombinationen, Metronidazol, Clindamycin, Linezolid und Chloramphenicol.
Spezifische Merkmale
Pathogenität, Virulenz und Antigenvariabilität
Natürlich vorkommende Infektionen durch
F. necrophorum und F. nucleatum belegen die
Infektiosität und Pathogenität für Mensch und
Tier. Tierexperimentelle Untersuchungen zeigten die Bedeutung eines synergistischen Mechanismus in der Pathogenese von Mischinfektionen mit Fusobakterien. Bisher sind wenige spezielle Pathogenitäts- bzw. Virulenzfaktoren von
Fusobakterien im Detail untersucht und beschrieben. Sie umfassen Zellwandlipopolysaccharide mit Endotoxin-ähnlicher Wirkung,
Hämagglutinine (F. nucleatum), Outer-membrane-Proteine (F. nucleatum) und Leukocidin
(F. necrophorum).
Transmission
Es handelt sich meist um endogene Infektionen.
Exogene Übertragung möglich durch Tier- und
Menschenbiss.
Vermehrung und Inkubationszeit
Inkubationszeit variabel, da meist eine endogene Infektion.
268
Bei Infektionen mit Fusobakterien sind verschiedentlich spezifische Serumantikörper gegen diese Bakterien beschrieben.
Wirtsbereich
Fusobakterien kommen natürlicherweise bei
Menschen und Warmblütlern vor, jedoch sind
auch Fusobakterien-ähnliche Arten im Gastrointestinaltrakt von Wanzen und Heuschrecken
beschrieben. Der Standort beim Menschen ist
der Oropharynx (F. nucleatum, F. alocis, F. naviforme, P. periodonticum und F. sulci) und der
Gastrointestinaltrakt (F. necrophorum, F. gonidiaformans, F. mortiferum, F. necrogenes, F. russii und F. varium). F. ulcerans wurde bisher lediglich bei chronischen tropischen Ulzera beschrieben, gleichzeitig allerdings auch aus
Schlammproben, so dass hier evt. ein Standort
außerhalb des Menschen in Betracht kommt.
Im Speichel wird die Keimzahl von Fusobakterien auf 5×104 geschätzt und in der Zahnplaqueflora machen sie zwischen 0,4 und 7% der anzüchtbaren Erreger aus. Allerdings liegen erhebliche individuelle Unterschiede vor und besonders bei fortgeschrittenen chronischen
Periodontalerkrankungen und akuter ulzerierender Gingivitis kommt es zum Überwiegen
von F. nucleatum mit Keimzahlen zwischen
3,3×107 bis 9,5×107 pro Gramm Feuchtgewicht.
In der Darmflora machen Fusobakterien nur einen kleinen Teil aus, der je nach Diät zwischen
1% und 7% beträgt. Hauptvertreter sind F. mortiferum, F. russii und „F.“ prausnitzii, wobei
letztere Art insgesamt der zweithäufigste Keim
der Darmflora nach B. fragilis ist. Inwieweit Fusobakterien zur normalen Flora des menschli-
Fusobacterium
chen Urogenitaltraktes gehören, ist noch unklar. In verschiedenen Untersuchungen ließen
sich F. necrophorum bzw. F. nucleatum intravaginal, in der Klitorisregion als auch in Vorhautsekreten isolieren. In ähnlicher Weise wie beim
Menschen kommen Fusobakterien im Oropharynx und Gastrointestinaltrakt von einer Vielzahl von Tierarten vor und spielen dort wohl
auch eine ähnliche Rolle als Bestandteil der
Normalflora und als Erreger von endogenen Infektionen.
Referenzzentren, Expertenlaboratorien und
Web-Adressen
Konsiliarlaboratorium für anaerobe gramnegative Stäbchen, Abteilung für Medizinische Mikrobiologie, Hygieneinstitut Universität Tübingen, Silcherstr. 7, 72076 Tübingen (Herr Prof.
Dr. I. B. Authenrieth, Frau Priv. Doz. Dr. med.
U. Schumacher)
Web-Adressen
Außer den unter „Wirtsbereich“ gemachten
Ausführungen sind keine weiteren Untersuchungen bekannt.
http://merops.sanger.ac.uk/speccards/
SP002291.htm
http://www.cbs.dtu.dk/services/GenomeAtlas/
Bacteria/Fusobacterium/nucleatum/
ATCC25586/
http://www.hon.ch/HONselect/RareDiseases/
C01.252.400.110.375.html
http://www.bacterio.cict.fr/f/
fusobacterium.html
Genetik
Schlüsselliteratur
Risikogruppen
Nicht näher bekannt.
Epidemiologie
Nukleotidsequenzen ca. 104, Proteinsequenzen
ca. 53, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/
query
Prävention
Es sind keine spezifischen Präventionsmaßnahmen bekannt.
Strategien zur Krankheitsvorbeugung und
Kontrolle
Nicht bekannt.
Meldepflicht
Keine.
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nucleatum. Clin. Microbiol. Rev. 9:55–71.
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Syst. Bacteriol. 41:347–354.
269
F
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