2015-53 Der Bananentriebbohrer

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Pflanzenschutzinformation
Pflanzengesundheitskontrolle 53/2015
Pflanzenschutzdienst
des Landes Brandenburg
Müllroser Chaussee 54
15236 Frankfurt (Oder)
Tel.: (033702) 2113629
Fax: (0331) 275483984
[email protected]
Bearbeiter: Herr Pfannenstill
14.08.2011
Der Bananentriebbohrer – eine Gefahr für Kulturen unter Glas !
Seit einigen Jahren wird mit Zierpflanzenarten subtropischer und tropischer Herkunft wiederholt und
an Standorten in ganz Deutschland ein neuer gefährlicher Schädling eingeschleppt. Hier schädigt und
vernichtet er Pflanzenbestände unter Glas in Tropenhäusern und Freizeitanlagen mit entsprechender
Bepflanzung. Er ist aus Gründen wie unten beschrieben auch eine große Gefahr für unsere
herkömmliche Zierpflanzen- und Gemüseproduktion in Gewächshäusern.
Der Schädling
Opogona sacchari (Bojer), Ordnung Lepidoptera, Familie Tineidae (Echte Motten)
Bananentriebbohrer, Banana moth, Sugarcane moth (§§ 3, 13 und 13a Pflanzenbeschauverordnung).
Bei Befall oder Befallsverdacht besteht gemäß § 1a der Pflanzenbeschauverordnung eine Meldepflicht
an den Pflanzenschutzdienst.
Herkunft und Verbreitung
Opogona sacchari wurde erst außerhalb seiner afrikanischen Heimat zu einem bedeutenden
Schädling; zunächst bei Bananen auf den Kanarischen Inseln, später in Teilen Süd- und
Mittelamerikas. Mittlerweile kommt er auch in Europa (einschl. Deutschland und Nachbarländer) in
Gewächshäusern vor. Neben der Einschleppung mit Zierpflanzenware aus subtropisch-tropischen
Gebieten wird der Schädling bereits schon von europäischen Ländern aus weitergetragen, wie
Lieferungen befallener Ware aus den Niederlanden nach Brandenburg zeigen.
Wirtspflanzen
Der Schädling ist sehr polyphag, d.h. zur Einschleppung bzw. als Wirt zum Weiterleben kann eine
Vielzahl von Pflanzengattungen dienen, die in Deutschland eingeführt, kultiviert, produziert und
gehandelt werden: z.B. Dracaena, Yucca, Arecaceae, Bambusa, Bromeliaceae, Cactaceae,
Chamaedorea und andere Palmen, Ficus, Maranta, Musa, Strelizia sowie häufige Arten des
einheimischen Produktionssortiments wie z.B. Begonia hybrids, Dieffenbachia maculata,
Euphorbia pulcherrima, Hippeastrum hybrids, Monstera, Philodendron, Saintpaulia ionanthai,
Sansevieria trifasciata, Tillandsia oder die Gemüsearten Capsicum annuum und Solanum melongena.
Auch von Schäden an Cyclamen-Knollen wird berichtet.
Beobachtungen in der Praxis zeigen, dass v.a. Pflanzen mit verdickten Stängeln, Knollen, starken
Rhizomen oder fleischigen Wurzeln als Wirt angenommen werden. Ebenso findet man Larven an
verholzten Baumteilen und auch an Verpackungsmaterial, sogar an Holzstäben in Blumentöpfen,
Totholz und Rindenmulch.
Aussehen der Entwicklungsstadien
Falter: Körperlänge ca. 11 mm; Flügelspannweite 18-25 mm, Vorderflügel hell gelblich-braun mit
dunkler Längsbänderung, bei Männchen mit dunklem Fleck; lange Fühler. (Abb.1 und 2)
Larve: ca. 21-26 mm lang und 3 mm dick; schmutzig-weiß, leicht transparent (Innereien sichtbar);
rötlich-braune Kopfkapsel. (Abb. 3)
Puppe: eingesponnen in einem Kokon, weniger als 10 mm lang, braun; charakteristisch sind zwei
gebogene Haken am Ende des Hinterleibes.
Lebensweise
Die Falter leben etwa 5-7 Tage und benötigen keine Nahrungsaufnahme zur Reife. Sie sind
dämmerungs- und nachtaktiv (v.a. in den frühen Morgenstunden). Die Eier werden an Spalten in
Gruppen von etwa 5 Stück in das Pflanzengewebe abgelegt. Die sehr gefräßigen Larven bohren im
Pflanzengewebe, sind überaus mobil und meiden Licht. Die Entwicklungsdauer ist
temperaturabhängig. Unter günstigen Bedingungen können jährlich bis zu 8 Generationen auftreten.
In unserer Region überlebt der Schädling als tropische Art nur unter Gewächshausbedingungen.
Ohne Zustimmung ist die Weitergabe an Dritte –auszugsweise oder im Original- nicht gestattet.
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Schadbilder
Die Schadbilder variieren je nach Wirtspflanze. Eiablagen und die ersten Larvenstadien sind kaum
aufzufinden. Die Larven fressen an der Oberfläche wie innerhalb befallener Pflanzen und auch an
holzigen Pflanzenteilen. Auf Fraßschäden im Inneren von Pflanzen einschl. der Wurzeln deuten u.a.
äußerlich Einbohrlöcher, eingesunkene weiche Stellen, Aushöhlungen oder welke und abfallende
Blätter hin. Der Schaden kann bis zum Ab- oder Zusammenbrechen der Pflanzen führen und Fäule
verursachen. (Abb.: 4 bis 6) An den Fraßstellen sind Bohrmehl und Kotkrümel auffällig.
Überwachung
Pflanzenzugänge müssen genau untersucht und zur weiteren Beobachtung separat unter
Quarantänebedingungen gehalten werden. Blaulichtfallen und gelbe Leimtafeln zeigen ggf. das
Auftreten von Faltern an. Chemische Bekämpfungsmaßnahmen sind aufgrund der verborgenen
Lebensweise der Larven und wegen bereits bestehender Resistenz gegenüber Insektizidwirkstoffen
schwierig. Alternativ ist der Einsatz von Nematoden möglich.
Bei Anfragen oder Befallsverdacht bitte an den Pflanzenschutzdienst wenden.
Bekämpfungsmaßnahmen
Befallsfreie Pflanzenbestände sind von befallenen Pflanzen zu trennen. Für die befallenen Pflanzen
nutzt man dafür am besten eine spezielle Unterbringung in einem Quarantäne-Gewächshaus. Diese
Vorgehensweise ist besonders bei importierten Pflanzen aus Nicht-EU-Ländern und von den
Kanarischen Inseln anzuwenden. Ebenfalls sind Pflanzen, die aus Gebieten Europas, die günstige
Lebensbedingungen für den Schädling bieten, genau zu kontrollieren. Eine weitere
Einschleppungsquelle ist Gewächshausware aus EU-Staaten wie Italien und den Niederlanden. Über
Sicherheitsmaßnahmen, wie engmaschige Netze (Gaze) und evtl. Schleusen, sollte eine
Verschleppung des Schädlings in andere Gewächshäuser oder im Sommer ins Freie unterbunden
werden. Auch auf Waren aus weniger gefährdeten Ländern (auch bei innerhalb Deutschlands
zugekaufter Ware) sollte ein besonderes Augenmerk gelegt werden.
Abb.1: Falter
Foto: LELF Brandenburg
Abb.3: Larve
Foto: LELF Brandenburg
Abb.2 Falter
Foto: LELF Brandenburg
Abb.4: Fraßschaden an Ficus
Foto: LELF Brandenburg
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Abb.5: Fraßschaden an Monstera
Foto: LELF Brandenburg
Abb.6: Fraßschaden an Sansevieria
Foto: LELF Brandenburg
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