Gehrke-Schneider Zusammenfassung

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Gehrke-Schneider Zusammenfassung
1.
Kulturen des klassischen Altertums- mediterrane Kulturen : Primäres und genuines
Lebensgebiet im Naturraum d. Mittelmeers
Osten/ Südosten: Mesopotamien und Ägypten (4.Jahrtausend v. Chr. )
M : Land zwischen Euphrat und Tigris, günstig angrenzend zum Mittelmeeraum und über
Niloasengebiete nach Ägypten
Günstige Zone für Regenfeldbau
Ä: lebhafte zivilisatorische Austauschprozesse u. vielschichtiger soziopolit. Konfigurationen
Herausbildung des Hethiterreichs (knüpfte an Traditionen alter Imperien an) teilte politische
Dominanz an der Levante (Mittelmeerländer östlich von Italien) im 13. Jh. vor Chr.
Dadurch verbreiten sich nahöstliche Zivilisationen in Anatolien bis hin an der Agäis
Nördlich: Gebirgszonen (Balkan, Alpen Pyrenäen) erst später erschlossen
Schwarzes Meer: Zur Zeit der griechischen Zivilisationen seit dem 7 Jh. v Chr. erste Verbindung zwischen mediterranen Zivilisationen u. nomadischer Welt
wichtige Passagelinien: noch heute binnenländische Verkehrswege, Nord Süd Verbindungen
Mediterranes Klima:
Vorteil: keine große klimatischen Veränderungen seit damals
Subtropisch, halbtrockenes (semiarides) Klima
Sommerzeit herrschen stabile Hochdruckgebiete
Winterzeit meist Starkregenfälle (Menge ungefähr gleich wie Jahresdurchschn. Mitteleuropa)
Keine großen Temp. Unterschiede zwischen Sommer und Winter sowohl Tag und Nacht
Geographische Fakten:
Virulente tektonische Prozesse:
Einst befand sich ein größeres Meer anstelle des Mittelmeeres namens Typhes
„
Kalkablagerungen (Entstehung Faltentektonik)
„
Bildung Atlasgebirge, Pyrenäen usw. (Orogenese = Gebirgsentstehung)
Bruchtektonik u. Vulkanismus
Östliche Teil d. Mittelmeerraumes: Schiebung der afrikanischen Kontinentalplatte, vor der sich bereits
Inseln wie Rhodos u. Kreta aufgestaut haben, unter die eurasiatische Platte.
Vulkanismus in Unteritalien (Vesuv , Ätna )
Durch tektonische Dynamik entstehen Grabenbrüche, die bereits gebildetes Festland zerreißen.
(Entstehung Syrischer Graben mit dem Toten Meer , der Jordansenke, Golf von Korinth)
Weitere Besonderheiten:
Ablagerung des leicht abträglichen Kalkgestein (Erosion u Sedimentation)
Neogene Sedimente: Entstehung neuer Sandsteinarten ( Bsp: Flysch)
Höhlenbildung durch Morphologie des Kalks
Kalkfelsen meist recht hohe schroffe Gebirgszüge mit steilem Relief
Kalböden wenig fruchtbar Steppen u Wüstengebiete
Stare Abtragung durch Regenfälle in höheren Gebieten Ablagerung in niederer Ebenen
Entstehung fruchtbarem Schwemmland.
Fruchtbarsten Böden bildeten sich jedoch erst nach Antike, auf Grund Versumpfung weil Küstennähe
Wasserhaushalt:
Pflanzen meist angepasst ( xenophil – trockenliebend )
Nur kleinen Veränderungen der Niederschlagsmenge gefährden Getreideanbau
Flüsse u. Bäche führen meist nur in Regenzeit Wasser
Wälder:
eher selten, meist Macchie
Kulturlandschaft u. Ökologie:
Terrassenbildung Kultivierung nachhaltiger Anbau auch in höheren Gebieten
Küstengebiete begünstigste Regionen
Deutlich am Beispiel Italiens- große Bevölkerungszahl-Vormachtstellung Roms
Nutzung der Ressourcen :
Ergiebiger Anbau ertragreiche agrarische Produktion, Jagd, Weidewirtschaft, Wildbeuterei
Erste Kolonisationsbewegungen u Expansion:
Erste Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. maritimer Natur : Phöniker und Griechen
Führend Phöniker: jedoch nur Küstenverlaufs entlang
Nautische Erfahrung einzelner Bevölkerungsgruppen durch Spezialisierung und mit Hilfe der Gestirne
ermöglichten später größtmöglichere Strecken
Große zusammenhängende Landflächen wurden ausgehend von Eroberung u Eingliederung Italiens
im Imperium Romanum kultiviert u. politisch integriert
Ort, wo sich Interessen und Einflüsse kreuzten und überschnitten
Expansion über Seewege bis Eroberung Galliens durch Caesar . Erschließung der Alpen, des
nördlichen Voralpenraum, nördliche Balkaninseln bis hin Donau, Zentral Kleinasiens, Ägyptens und
Nordafrikas durch Kaiser Augustinus.
Natürliche Grenzen: Rhein, Euphrat, Donau Wüste und das Meer
Ende der Antike gleichgesetzt mit Aufhebung dieser geographischen Limitierung des Landes
Herausbildung drei neuer Machtzentren u. Kulturregionen, die sich alle auf altes Imperium bezogen:
Frankenreich in Mittel/Westeuropa
Byzantinische Reich auf den Balkanhalbinseln und in Kleinasien
Kalifats in Bagdad bzw. der islamisch geprägten Welt an der Levante, Nordafrika u. Spanien.
Grundelemente des sozialen Lebens:
Landwirtschaft im Regenfeldbau, Bauernhof (oikos)bestehend aus Familie Knechte Sklaven
Arbeitsform: Subsistenzwirtschaft (Produktion des Eigenbedarfes, Selbstversorgung)
Selbständige wirtschaftende unabhängige Bauern bildeten sowohl in griech. wie auch röm.
Reich idealisierte Grundfigur
Bäuerliche Leben auch Entstehungsort der politischen Organisation
In Familie (familia) herrschte klare Hierarchie (patriarchalisch)
Bei Römern besonders: väterliche Gewalt (patria potestas) herrschte über Leben und Tod Aufgabe
Mutter Herstellung Textilien, Kinderbetreuung, Verrichtung organisatorischer und anderer Aufgaben im
Haushalt, rechtlich Mann untergeordnet, im Falle der Scheidung oder Tod des Mannes zurück zu
eigenem Vater.
Heirat pragmatisches und wirtschaftliches Interesse, Liebesheirat Ausnahmefall.
Töchter werden zu weiblichen Pflichten erzogen
Söhne wurden je nach Wohlstand privat oder öffentlich in Lesen und Schreiben unterrichtet.
Die reicheren Familien schickten ihre Söhne danach zu einer sprachlich rhetorischen Ausbildung.
Totenkult: vornehme Pflicht der Kinder gegenüber verstorbener Eltern
Oikos geht über Familie: Kontinuität und Überlieferung soll bewahrt werden
Instrument Adoption: familiäre Traditionspflege: Fortleben sozialer Beziehungen über Lebenszeit
hinaus. Besonders in Oberschicht
Nächstmögliche Form von Gemeinschaftsbildung: Nachbarschaft und Dorfgemeinde
Solidaritätsbeziehung
Reziprozität der Beziehungen unterstrichen durch materiellen Austausch, Rituale, Symbolik
(Symposium, convivium)
Grundlage von Freundschaft: Entstehung von Männerbunde (Hetairien)
Bildung griechischer Phylen und römischer Tribus- Formierung politischer Einheiten
Eigenständigkeit des Haus u damit Unabhängigkeit sehr wichtig
Rigide gesellschaftliche Kontrolle, dass Mechanismen gegenseitiger Solidarität nicht ausgenutzt
wurden. Sparsamkeit und Fleiß galten als wichtige Normen
Ehre und Anerkennung große Bedeutung für soziale Existenz
Elitebildung: Spannungsfeld Unabhängigkeit des Hauses u Hausherrn und zwischen Individium und
Gemeinschaft. Etablierung auf persönlichen Rang und Einfluss ausgerichtet
In archaischer Zeit formierte sich in Griechenland eine Adelsschicht, bei der der Habitus
der Untätigkeit als wesentliches distinktives Merkmal herrschte.
Zur-Schau-Stellen des Müßiggangs, des aufwendigen Lebensstils u zweckfreier Tätigkeiten
Sport, Literatur, Muße)---bestmögliche Vergemeinschaftung: Hetairie)
Wohingegen römische Elite die Nichtmuße (negotium) als einzig legitime Lebensweise sah.
Durch erblichen Adelsstand wohl nicht zur Präsentation gezwungen, deshalb Merkmal hier:
Tätigkeiten für Gemeinschaft. (res publica) auf Kohärenz und Konsens bedacht. Bildung einer eher
vertikalen Solidarität („Adel mit Adel“) deutliches soziales Gefälle. Klientelverhältnis
zwischen sozial stark und sozial schwach.
Bei den Griechen kam es so oftmals zu gewaltätigen Auseinandersetzungen innerhalb der
Gemeinschaft, was zur Bildung der Polis mit einem Regelwerk führte und sich später dann zu
kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Polis verwandelte.
In Rom herrschten dagegen Ständeunruhen und Kämpfe, die man zu schlichten verstand, um
weitere außerhalb der Grenzen bevölkerte Gruppen zu integrieren und das Land zu erweitern.
Die Dynamik des sozialen Wandels was für die Moderne geradezu konstitutiv ist, war in der Antike
deutlich begrenzt. Ohne dass deshalb die gesellschaftliche Situation völlig statisch und hieratisch
(priesterlich, heilige Gebräuche oder Heiligtümer betreffend) war.
2.
• Antike Gesellschaften in sozialen Beziehungen konstant
->keine großen strukturellen Veränderungen i.d. Familien,Dorf- u.
Stadtgemeinschaften
Wirtschaft u. Technik in der Antike
Moderne Industriegesellschaft:
• Durch Industr. Revolution tiefgreifender technischer,wirtschaftl.,sozialer
u. kult. Wandel
• Enorme Produktivitätssteigerung durch Maschinisierung d. gewerblichen
Produktion =>Massenproduktion
• Schnelles Wachstum d. Industriestädte durch hohen Bedarf d. Fabriken an
Arbeitskräften
• Maschinisierung d. Landwirtsch.,künstliche Düngung,chem.
Schädlingsbekämpfung =>Produktivitätssteigerung
• Neue Wirtschaftselite=Industrielle u. Bankiers,nicht mehr
Großgrundbesitzer
• Industr. Entw.:Textilproduktion -> Schwerindustrie -> Elektroindustrie ->
Chemische Industrie
Antike Gesellschaften (=Prämoderne Agrargesellschaften):
• Ca. ¾ d. Bev. Arbeitete i.d. Landwirtschaft
• Selbstversorger
• Geringe Erträge
• Ernten wetterabhängig
• 3 wichtigsten Grungnahrungsmittel=Getreide,Wein,Olivenöl
• damalige großen Städte = urbane Zentren
->Versorgung durch Getreideimport
. Einsatz v. Sklaven aus Mangel an Arbeitskräften
. Häufigste Energiequelle = menschl. U. tierische Arbeitskraft
. Handwerke: Waffen- u. Keramikherstellung,Glasblasen etc.
. Städtewachstum
. Steigendes Handelsvolumen
. Wachsende Geldmenge u. viele weitere techn.Fortschritte
Die Dark Ages
Stadtstaat („polis“):
=geschlossene,souveräne u. autonome soziopolit. Einheit
->eigene Institutionen,Regierungsorgane
->eigene polit.rel. Identität
„peer policy interaction”:
. enge Bez. zw. D. einzelnen „Politien“,ständiger gegens.
Kontakt
. dadurch:gleiche Sprache,Schrift,Religion,Architektur,Wertevorstellungen
. Austausch v. Gütern,Ideen,Innovationen,oft intensiver Handel
. Besondere Dynamik d. Beziehungen
. Aber auch:häufige Konkurrenzkämpfe u. Kriege zw. den „Politien“
. Agora=Zentrum d. Polis
->freie Fläche,öffentl. Raum
->Ort d. Versammlung d. souveränen Bürgerschaft
Die Mykenische Kultur u.das Problem ihres Untergangs
. Myken. Blütezeit:14.u. 13. Jh.v.Chr.
. Monumentale,miteinander vernetzte Paläste m. gewaltigen Mauern u.
Verteidigungsanlagen
. „palatiales System:->komplexe,hierarchische Palastherrschaft
->myken. König („Wanaka“) = Herr d.
Palastes
. Palast = Zentrum d. polit. Macht
. Kulte,Opferrituale
. Zentral gelenktes ökon.System d. Distribution un Produktion
. Wichtigstes Produkt = bemalte Gefäße aus Ton
. Um 1200 v.Chr.: Zusammenbruch d. myken. Palastkultur
. Ursachen bis heute nicht ganz geklärt,da vielfältig:
->Naturkatastrophen wie z.B. Erdbeben
->Konkurrenz d. einzelnen Zentren untereinander
->knapper werdende Ressourcen,Rohstoffe
->kriegerische Konflikte mit anderen Völkern (z.B.Seevölker)
3
• Zentralisierung und Konzentration der Ökonomie und Verwaltung in Pylos waren Maßnahmen zur
Abwehr äußerer Bedrohung. Die ungewöhnlich intensive Bautätigkeit stellte eine immense Belastung
der Ressourcen der Palaststaaten dar.
• Intensive, spezialisierte und krisenfällige Landwirtschaft war in der ersten hälfte des 13.Jh.
überfordert-es gibt archäologische Indizien für ein Absinken der Qualität der Bodenerträge durch
Erosion oder Überschwemmungen. → Missernten, Versorgungsschwierigkeiten, kritischer Mangel an
importierten Rohstoffen z.B. Metallen.
• Jede Unterbrechung des Austausches von Rohstoffen und Gütern oder eine Störung der
mediterranen Vernetzung der Zentren des Festlandes mit Kreta und der östlichen Ägäis stellte eine
unmittelbare Gefahr für die Balance einer Palastwirtschaft dar.
• Dies geschah gegen Ende des 13. Jh, als der gesamte ostmediterrane Raum bis vor die Tore
Ägyptens durch weiträumige Raubzüge der „Seevölker“ erschüttert wurde und das große Reich der
Hethiter sogar unterging.
• Möglich, dass Gruppen der Seevölker zum griechischen Festland vorstoßen und direkt zur
Zerstörung der Palastkultur beitrugen. Hinzu kamen möglicherweise kriegerische Einfälle von Norden
aus dem Adria-und Balkanenraum her.
• Missernten konnten wegen der Unterbrechung der Handelswege nicht mehr durch Importe
kompensiert werden.→ Verschärften Konkurrenz, kriegerische Konflikte, immer knapper werdenden
Ressourcen. In Tiryns musste man mit den Folgen von Naturkatastrophen wie Erdbeben fertig
werden.
• Palaste wurden nirgendwo wieder aufgebaut und mit ihnen ging auch das „palatiale System“ unter.
Mit diesem zentralistisch-bürokratischen System verschwand auch die Schrift.
• In Kerngebieten der ehemaligen Palaststaaten ging die Bevölkerung deutlich zurück, besonders in
Messenien und im östlichen Boiotien. Die Zentren Pylos, Theben und Orchomenos wurden verlassen.
• Materielle Kultur sank auf ein niedriges Niveau. Untergang des Palaststaates war kein totaler
Kulturbruch und bedeutete nicht das Ende der mykenischen Zivilisation.
•Von etwa 1200 bis 1050 v. Chr (Späthelladikum IIC) lebten die Kulturen weiter. Im Einzelfall wurden
diese Siedlungen sogar größer als zuvor in der Palastzeit z.B. in Tiryns, Euboia, den ionischen Inseln
und den Kykladen, auf Zypern, Kos, Rhodos, im kleinasiatischen Kilikien Achaia, im nördlichen Elis, in
anderen Teilen der Peloponnes, in der Phokis und Ostkoris in Miettelgriechenland im Gebiet des
ehemaligen Palastes von Iolkos in Thessalien, in Makedonien und auf Kreta.
• Zweite Blüte um 1100, in der Zentren enstanden, jedoch ohne Palast z.B bei Perati im östlichen
Attika. Etablierung einer Reihe von Herrschaften oder Fürstentümer in Mykene und Tiryns, in Achaia,
Arkadien und Lakonien, und auf Eboia und Paros. Lebensstil war durch einen nostalgisch wirkenden
Rückgriff auf typische Ausdrucksformen der Palastkultur „höfisch“. Freskenmalereien wurden wieder
belebt, mykenische Gräber und noble Keramik wirderverwendet.
• Wichtige Funktionsträger in z.B. Knossos waren Aufseher (lokale Mannschaftsführer) oder basileús
(politisch-soziale Terminus für König und Aristokrat). Eine damo war eine Landgemeinde oder
Personengruppe als Siedlungsgemeinschaft weit vom Zentrum und démos
(Volk).
• Anderthalb Jahrhunderte nach 1200: Epoche der allgemeinen Unsicherheit, permanent von Krieg
und Zerstörung bedroht. Allgegenwart von Krieg, Kampf und Tod machte sich auch im Repertoire der
Bilder auf Prunkgefäßen bemerkbar. Im Gegensatz zu den friedlichen Prozession, Opfer, Jagd und
Spielszenen der Keramik (höfische Ideale) kamen Kampf und Krieger in Streitwagen und zu Fuß
hinzu.
• Wie gefährlich die Zeiten tatsächlich waren, zeigt sich an den vielen Zerstörungsschichten. Brände
und Zerstörungen waren z.T. verursacht durch Erdbeben, Gewalt und Krieg.→ Zerstö- rungen,
allgemeinen Verarmung und endgültiger Niedergang materieller Kultur. Architektur verschwand
ebenso wie Keramik und Bildkunst.
• Um 1050 bis 1000 begannen die „Dunklen Jahrhunderte“.In Nichoria (Messenien) war anscheinend
zur Zeit des Palastes von Pylos ein lokales Zentrum, das in den „Dunklen Jahrhunderten“ ständig
besiedelt blieb; sogar kontinuirlich in der Übergangsphase am Ende der spätmykenischen Epoche und
wurde mitte des 8.Jh. verlassen.
• In Lefkandi auf Euboia gab es um 1000 einen glanzvollen Aufschwung, der ihn im 10. und 9. Jh. zu
einer der bedeutendsten Siedlungen des gerade sich erst neu entwickelnden griechischen
Kulturraumes werden ließ. In den Gräbern (Toumba-Nekropole) fand man Schmuck aus Gold,
Glasperlen, Stempelsiegel, Ketten, Gefäße aus Fayence, Bronzegeräte, Scherben attischer Vasen
und Keramik.
• Zu den Bestattungsritualen der Fürsten von Lefkandi gehörte die Verbrennung auf einem
Scheiterhaufen, Bergung der Asche in Tüchern und dann in wertvollen Gefäßen.
• Kultivierung des Olivenbaumes zur Gewinnung von Öl, das in Wirtschaft und Handel der Paläste
eine zentrale Rolle gespiegelt hatte, ging seit dem 11. Jh. Stark zurück: das Holz des Olivenbaumes
wurde als Bau- und sogar Brennmaterial benutzt. Das Öl wurde in „Pithoi“ (große Vorratsbehälter)
gelagert. Getreide wurde in „Silos“(Tonbehälter) gelagert.
Seit dem frühen 8. Jh spielten Öl, Getreide, Wein und andere Produkte des Acker und Gartenbaus
wieder eine wichtige Rolle. Es drang eine agrarisch orientierte Wirtschafts-und Lebensweise vor und
Besitz und Land war wieder von zunehmender Bedeutung.
• Die Gemeinschaften waren nicht sehr bodenständig, denn sie mussten zu bestimmten Jahreszeiten
mit ihren Herden entfernte Weideplätze suchen. Es entstand eine Kultur von Viehzüchtern und Hirten,
die von Mobilität und einer saisonalen Transhumanz geprägt war.
• Es entstand eine Vielzahl von Dialekten z.B. der „dorisch-nordwestischen“ Gruppe, die „ionischattische“ Dialekte, due „aiolische“ Gruppe und die „arkadischen“. Die ionische Kolonisation besiedelte
die kleinasiatische Küste. Im 11. Jh. entstanden „griechische Siedlungen“ z.B. Alt-Smyrna, das seit
1050 kontinuierlich besiedelt war und früh rudimentäre „urbane“ Züge annahm. Es gab weiterhin
sesshafte Gemeinschaften.
4.
Dunkle Jahrhunderte
in Kleinasien entstanden schon Mitte des 11.Jhdt. griech. Siedlungen
Dunkle Jahrhunderte differenziert:
-einerseits Wanderungen/Nomaden mit Viehzucht
-andererseits sesshafte Gemeinschaften mit partiell agrarischer Wirtschaftsweise
Athen seit 11.Jhdt ungebrochene Bevölkerungs -und Siedlungskontinuität
Im 10.Jhdt entstanden neue Siedlungen auf Inseln Paros, Tenos, Andros
Urbanistischer Aufschwung setzte also schon vor 8.Jhdt (Renaissance am Ende
der dunklen Jhdte)ein
Keine kulturelle und kommerzielle Isolierung während dunklen Jhdte, sondern:
- Kontakt zum Orient
- Tradition der Seefahrt seit spätmykenischer Zeit erhalten
- ununterbrochener Kontakt zu Zypern, Ägypten, Phönikern
Ædiese Kontakte waren Voraussetzung für Neuerung des 8.Jhdt
Renaissance des 8.Jhdt
Übernahme des phönikischen Systems um 800 im Nahen OstenÆEntstehung
Alphabet
Rasche Verbreitung des Alphabets nach WestenÆregionale Dialekte entwickelten
sich
Verbreitung der VasenmalereiÆregionale Stile entwickelten sich
Entwicklungen als Indiz für dichtes Netz von Begegnung, Austausch und
gegenseitiger Beeinflussung zwischen Regionen
Netz gewann im 8.Jhdt an Weiträumigkeit über gesamten Mittelmeerraum
Dialekte und Stile der Vasenmalerei als Ausdruck der Abgrenzung und eigener
Identität von Regionen im Rahmen eines allgemeinen kulturellen Zus.hangs
Verdichtung der innergriechischen Beziehungen und Kontakte ausserhalb als
Geflecht von Voraussetzungen und Bedingungen, die Heiligtümer zu überregionalen und
panhellenischen religiösen Zentren werden liessen
Heiligtümer wurden zu Knotenpunkten einer kulturellen und politischen Vernetzung
Frage des Verhältnisses Diskontinuität und Kontinuität in griech. Frühgeschichte
Kultur der Paläste als begrenztes Phänomen, nicht notwendiges Stadium auf dem
Weg zu Höheren, modernen Formen der gesellschaftlichen Organisat
Zusammenbruch des Palastsystems erfasste nicht Religion und Kult
- Fakten der Kontinuität:
- Siedlungskerne ausserhalb der Zentren schon in vorpalatialer Zeit
- Grundgegebenheiten wie Verschiedenheit und Vielfalt der geographischen
- Bedingungen und Nähe des Meeres als Voraussetzung für differenzierte Entwicklungen
Heiligtümer, panhellenische religiöse Zentren zurück auf mykenische Zeit zu
schliessen
Homer
Oral poetry
Epen Odysse und Illias sind älteste überlieferte liter. Werke in griech. Sprache->
schriftliche Fixierung um 700
Gehören eigentlich zur Gattung der Oral poetry (weisen jahrhundertelange
Überlieferungsgeschichte vor)
professionelle Sänger tragen mit mnemotechnischen Hilfsmitten -standardisiertes
Repertoire von Versen, Versguppen metrisch und semantisch benutzt -ihre Lieder vor
über Generationen tradierte Gedichte
an aktuelles Publikum angepasst, sogar neu komponiert Æbis zur Niederschrift
immer wieder verändert
Epen
Archaisierung und Hereoisierung der eigenen Zeit
nicht als historische Quellen nutzbar
Aber Kolonisation, Malerei, Tempel, Heiligtümer, Weihgaben, Bestattungsrituale
archäologisch und in Epen nachweisbar
In Epen geschilderte Rituale werden in Gegenwart nachgelebt
ÆVersuch Verbindungslinien zwischen heroischer Vergangenheit und Gegenwart zu
schaffen und diese sozial, politisch und ideologisch zu instrumentalisieren
Ordnung der Gesellschaft in Epen
Elite (agathoi) hebt sich deutlich von Masse des freien Bauern (laoi, demos) ab
in sich differenziert: Helden wie Agamemnon, Achilleus, Hektor in Spitzengruppen
Ahnenstolz, können bis 4 Generationen nachverfolgen (z.T. göttliche Ahnherren)
Binnengliederung in einzelne Häuser (oikoi)
oikos=soziale Einheit-Kleinfamilie des Oikosherren- und wirtschaftliche Einheit –
Besitztümer
Anzahl Sklaven und Gefolgsleute (folgen dem Oikosherren in Krieg) bestimmen
Rang des Herrn
Besitz/Reichtum heisst gute Verteidigung ->demonstriert militärische Tüchtigkeit
Nr.5
Felder u. Herden
Könige besitzen großes Landgut (temenos basileion)
in Epen: wenn großer Reichtum der Könige von Sängern besungen wird, verweise
sie stets auf die Größe der Viehherd
Besitz von Vieh wird als größer erachtet als der von Land
Geometrische Häuser und epische Paläste
Haus spiegelt Reichtum wieder
in Epen: Anwesen mit ummauerten Innenhof, Stallung, Vorratskammer, Vorhalle,
u. dem Megaron :eine Halle mit ringsum verlaufenden Sitzbänken und
zentraller Herdstelle
geometrische Häuser in Zagora: Einraumhäuser, wo Familie aß, schlief,
kochte, Vorräte aufbewahrte auf Podesten entlang der Wände in tönernen
Vorratsbehältern (pithoi)
Pithoi: kostbar mit qualitätvollen Reliefs
solche Gefäße nur für Reiche erschwinglich, wurden gut sichbar plaziert
waren Zeichen von Tüchtigkeit, Reichtum und Ranges des Oikosherren
Epen schildern luxuriöse Innenausstattung in Häusern der Helden
Unterschied zw. homerischen Palästen und geometrischen Häuser ist gravierend
in Epen wurden teure Gefäße nicht genutzt, sondern nur zu Anschauungszwecken
genutzt
Adeliger Lebenstil
A. gekennzeichnet durch großen Besitz, kriegerische Tüchtigikeit, physische
Kraft, Schönheit
A. arbeiten nicht für Unterhalt, beherrschen aber handwerkliche Arbeiten
besondere Freizeitbeschäftigungen z.B. Wettkämpfe, Jadgt, Pferdezucht
besonders imposanter, luxuriöser Lebensstil, dem sie anderen nicht
vorenthalten
Gastfreundlichkeit: Gabentausch/ Gastmähler
Adelige untereinander in manigfacher Beziehung der Gastfreundschaft
beschenken sich gegenseitig, achten auf Äquivalenz der Geschenke
(Gesellschaftsnorm) z.B. als Belohnung von Loyalität
nicht nur auf Stadt od. einzelne Gebiete beschränkt
Gastmähler mit kultureller Unterhaltung nicht selten: Musik, Gesang,
Wettkämpfe sportlicher/ musischer Art mit wertvoller Preisvergabe
bei Hochzeiten etc. werden Gästen der gesamte Überfluss präsentiert, den man
hat
Agone
Beziehung zw. Adeligen von ständiger Konkurrenz geprägt; es geht darum in
allem besser zu sein (kompetitive Ethos der Elite)
Wettkämpfe= funktionale Äquivalenz der Friedenszeit zu Kampf im Krieg
Ruhm, Macht
Das Agonale (Wettkampfmäßige/ Agone): Grundstruktur des greich. Lebens
überhaupt
nicht zu unterschätzende integrierende Funktion: Reziprozität des
Gebens/Nehmens schuf Verpflichtungen, stiftete neue Bindungen und erneuerte
Loyalität
Epos u. bäuerliche Lebenswelt
Rolle der Bauern in Epen nur maginale Rolle, unscharfer Hintergrund zur
Glorifizierung der Heroen
Texte gewähren nur wenig Einblick in bäuerliches Leben
Bsp. in Epen: Beschreibung Laertes, Vater von Odysseus: einfacher, hart
arbeitender Mann, lebt in gut eingerichtetm Haus, mit Sklavenpaar und seien
6 Söhnen, die in Nebengebäude wohnen
Arbeisteilung: Frau für haushalt zuständig, Mann,Söhne bestelleb Felder
Unterschied zu Aristokraten oikos: Anzahl der Sklaven, Fehlen von
Statussymbolen, Arbeit mit Sklaven zusammen auf dem Feld, bescheidener
Lebenstil und rustikale Kleidung
Hesiods Oikos
Gedichte von H. ergänzen Bild von bäuerlichem Leben
H. selber Bauer, seine 800 Verse umfassendes Gedicht "Werke und Tage"
erzählt von seinem Leben im Oikos und hält zu entsagungsvoller Arbeit an
lebte mit Frau, Kind, 2 männl. Sklaven und Dienerin im Haus
baute (wie Laertes) Getreide, Oliven an. Wein und Mehl produzierte er selbst
besitze paar Tiere: Ochsen, Maultier
Ehrgeiz, Neid sind bei H.´ bäuerlicher Lebenswelt zentrale Handlungsmotive
Wettkampf auch zw. Bauern
Bauern und Basileus
keine feudalen Verhältnisse
leisteten gelegentliche Abgaben
manchmal finanzielle Leistungen, die bei Bedarf auch eingetrieben wurden
dafür richten Aristokraten Feste für Gemeinschaft aus
Gabe und Gegengabe entsprechen einander nicht: keine Reziprozität
Könige und Volk: die Ordnung der Herrschaft
Könige u. Aristokraten
König- basileus
in Epen keine Differenzierung zw. König und Angehörigem einer mehrköpfigen
Führungsschicht
7/8 Jh. Königtum geht fast überall in Griechenl. in Adelsherrschaft über
K. bekommt von Gemeinschaft Land (temenos), haben anspruch auf besten Teil
der Kriegsbeute und auf Geschenke
dynastische Erbfolge, jedoch abhängig von Machtverhältnisse/ kriegerischen
Erfolgen
Aufgabe der basileis
Funktion: Heeresführer, Opferhandlung
Einberufung des Ältestenrats, in dem Oberhäupter (gerontes) der
Adelsfamilien sitzen, und Volksversammlung
Erfüllung der öffentlichen Funktionen des Gemeinwesens
Rechtssprechung u. Streitschlichtung
das Richten teilt K. mit anderen Adeligen, also kein Privileg des basileus
Pflege der Beziehung zu den Führern der anderen Gemeinwesen u. die
Initiative zur Oragnisation v. Kriegs- und Beutezügen sind in Epen nicht
alleine einem basileus vorbehalten
Nebeneinander zw. dem basileus und anderen basileis reflektiert
gesellschaftl. Wandlungsprozess bei dem eine hierachische strukturierte
Elite von einer egaltären Führungsschicht abgelöst wird
Epos und demos
wg. Konzentration auf Heroen, kaum Raum für Darstellung breitere
Bevölkerungsschichten in Epen
d.h. nicht, dass sie deshalb keine Bedeutung im politischen und
militärischen Leben hatten
Kriegsführung
freie Bauern (laoi) auch in Illias nicht unverzichtbar
Laoi scheinen nicht mehr zu sein als "Futter für die Lanzen"
dahinter Kampfmodus, der laoi intensiv/aktiv an Krieg partizipieren lässt
zw. Anführern und Soldaten entsteht durch Abhaängigkeit gegenseitiger
Respekt
fürsorgliches Verhalten von Führern gegnüber Soldaten
gleiches Muster im zivilen Bereich: Männer treffen sich regelmäßig auf Agora
zum Austausch von Infos und zur Beratung
Rat
König u. Adelige entscheiden über gemeinsame Angelegenheiten m Rat
wichtigste Funktion: Gericht
Volksversammlung
unregelmäßig einberufen
Adelige (gerontes) über Themen, die alle angehen z.B Herannahen eines Heeres
Einberufung durch allgemeine Bekanntmachung durch Herolde
Teilnehmer versammeln sich an öffentlichen Platzin der Mitte der Stadt
festgelegte Sitzordnung: Ranghöhere in der Mitte, Rest in Peripherie
Herolde: zuständig für rechte Ordnung
in Epen: es werden keine Beschlüsse gefasst, eher Meinungserkundungen
zw. Königtum, Adel u. Volksversammlung kein geregelter institutioneller
Zusammenhang
Rede und Überredung
in der Regel reden nur basileis und gerontes, laoi (freie Bauern) eher
selten
Redner - Rhetoriker: muss Zuhörer überreden können und so Zustimmung
erhalten für jeweilige Position
daher entscheidend: rhetorische Fähigkeit des Redners
Ende der Versammlung wird Beschluss gefällt gemäß des Konsens, jedoch kein
formaler Beschluss aber erhält faktische Verbindlichkeit
Agenda
Streitschlichtung
Verteilung von Kreigsbeute
Gemeinschaftbetreffende Angelegenheit werden mit demos (Volk) erörtert
demos wichtig, wenn basileis sich uneinig sind
es wird erwartet, das basileus Zustimmung/Ablehnung der laoi und des demos
ernst nimmt und nicht sein privates Interesse verabsolutiert, weil
Fehlverhalten des b. wirkt sich auf Gemeinwohl aus
Konkurrenz u. Kooperation
obwohl Konkurrenz und individualistisches Streben nach Ruhm Teil der
Gesellschaft ist,
ist dennoch das Gemeinwohl von Bedeutung, so wird von basileus Gemeinschafts
bezogene Verhaltensweisen erwartet
Helden in Epen = Identifikationsfiguren
verhalten diese sich wider dem Allgemeinwohl, werden sie in mehreren Szenen
in Epen öffentlich gerügt
Die Entstehung der Polis: Vorraussetzung und Bedingung
homerische Polis
in Epen ist Polis bereits allgegenwärtig
Helden leben in Polis; P. Bezugspunkt ihrer Identität
herrschen über sie als Könige (Priamos-Troja)
oder Kämpfer, Heerführer, um P. zu zerstören
wesentliches Merkmal der P.:
Architektur: Mauern, Türme
dadurch wird Polis zu geschütztem Raum vor Außenwelt, fallen Mauer- geht
Polis und alle Oiken mit unter
Die Polis als Raum
Mauer gleichzeitig Methaper für die Einengung des Raums, der von
Siedlungsgemeinschaft u.a. auch Götter dauerhaft reserviert wurde
P. als Raum durch planvolle Ausgestaltung gekennzeichnt:
nicht nur Häuser, sondern auch Straßen, Plätze, ausgebaute Burg
(Akropolis), Häfen, Tempel
homerische Agorai
Agora: zentraller, öffentlicher Platz mit steinernen sitzen und arrangierten
Reihen
Funktion: Versammlung der Gemeinschaft zur Debatte, Reden, Rechtssprechung,
Streitbeilegung
Göttersitz mit heiligen Bezirken, Opferstätte, Tempel, daher auch Platz für
religiöse Zeremonien, Feste, athletische Spiele
frühe Stadtanlage
in Epen erwähnte, sagenhafte Städte haben reale Entsprechungen und spiegeln
Verhältnisse des 8Jh wieder z.B. Scheria in Epen entsp. Poleis in
Unteritalien, die nach einheitlichem Schema angelegt waren
öffentliche Räume
schon in den "Dunkelen Jahrhunderten" reservierte Freiflächen -Vorläufer der
Agora- , die zw. gräßtem hauskomplex und dem Megaron, dem
Siedlungsheiligtum, lag
schon um 700 bei entstehenden Siedlungen des Festlands, gibt es planvolle
Anlagen für Zentren, die Indizien für Polisentstehung darstellen
Agorai: Anfänge und Ausbau
älteste architektonische gestaltete Versammlungsanlage: 550 errichtete
"Ekklesiasterion" auf Agora von Metapont- indiziert allg. Tendenz zu
repräsentativer Ausgestaltung eines zentralen, öffentlichen Raums
jedoch Ausnahme, eigentliche Entwicklung erst im 8Jh.
Monumentalisieung der Agora kulminiert erst in klassischer, hellenistischer
Zeit und erreicht letztes Stadium einer langen Entwicklung
frühe Tempel
um Wende vom 8. zu 7. Jh: entstehung von Heiligtümern für wichtigste
Gottheiten der jeweiligen Siedlung
Götterverehrung nicht mehr ausscließlich in Palästen (mykenische Zeit),
Altären oder heiligen Plätzen
Entwicklung zu "poliadischen" Gottheiten, d.h Kultstätte nun in eigenen
freistehenden Bauten an zentraller Stelle auf Akropolis oder bei Agora, die
außschließlich für Kult reserviert waren
frühe Tempel wirkten monumental wg. Größenverhältnis zum Rest der Siedlung
Entwicklung einer typischen, für Tempel reservierten Architektur
Nr. 6
Wir befinden uns etwa um die Wende vom 8. zum 7. Jh.
Tempel und Polis
Tempel bilden Zentrum der Polis, etablierte die Polis. Tempel der wichtigsten Gottheit war das
Monument, welches die Identität der Polis als Kultgemeinschaft stärkte. Tempel konnten intellektuell
wie materiell nur als kollektive Leistung der Polis als Ganzer, also eines gefestigten Gemeinwesens,
zu bauen sein.
Wandel der Weihungen
Im 8 Jh. gehen die privaten Weihungen in Form von Grabbeigaben zurück. In den neuen Tempeln
werden neue, betont öffentliche Wirkung der Weihungen häufiger. Ein demonstrativer Aufwand.
„Extraurbane“ Heiligtümer, Nekropolen (Grabstätten)
(ca. 8. Jh.) Heiligtümer oder Tempel außerhalb der Siedlungen, bis zur Grenze des bewohnten
Umlandes (chóra). Im Westen gab es auch „suburbane“ Heiligtümer, näher an den Siedlungen:
Heraion von Samos, im frühen 8.Jh. der erste „Hekatompedos“, im 6.Jh. Heraia von Perachora und
von Argos.
Im 8.Jh. werden in den zusammenwachsenden Städten die Nekropolen außerhalb der Wohnbereiche
verlegt. Bei neu entstehenden Siedlungen vom Raum der lebenden Menschen an getrennte Orte
verwiesen.
Topographie der Polis
Vernetzte politisch-religiöse Topographie aus Agorai und Akropolen, zentralen und/oder sub- bzw.
extraurbanen Heiligtümern und Nekropolen und Mauern-> Verankerte Bürgerschaft. Komplexe,
symbolische Repräsentation der Territorialität nicht in jeder Stadt gleich, hing von der Lage, den
naturräumlichen Bedingungen, Göttern, deren Gestalt und Kulte, lokale Mythen und Traditionen ab.
Diese Entfaltung ist Teil des komplexen Prozesses der Entstehung und Konsolidierung der Polis als
„Stadtstaat“. Zu der Identität der Bürger trug diese Territorialität wesentlich bei. Auch Räumliche
Trennung von religiösen(Tempel) und politischen Räumen(Agora).
Polis als Verband
Poleis: Kultgemeinschaften und politische Gemeinschaften. Es gab auch Beratungen und
Entscheidungen über Angelegenheiten, die die ganze Gemeinschaft betrafen. Zentraler Ort hier war
die Agora (“öffentlicher Raum“) als erste Versammlung, die die Bewohner als Verband und
„Bürgerschaft“ annehmen konnte.
Untergliederungen der Abstammung der Bewohnergruppen in den Poleis, Phylen
Bei dorischen und vielen ionischen Poleis (Stadtstaaten) waren drei oder vier Phylen (Stämme, später
entstanden: regionale Verwaltungsbezirke) typisch, Phratrien (Bruderschaften) und Hetairien,
Demen(aus Dörfern) und Komen gab es in den Systemen, als typisches gemeinsames Merkmal.
Entstehung von Poleis, Funktionen
Wanderungsgruppen: einfache Organisationsmuster, auf der Basis lokaler Zusammengehörigkeit und
Beziehung. Solche Beziehungen für die Entstehung sesshafter Siedlungsgemeinschaften
überlebenswichtig: Grundlage, Absicherung, Kooperation, Hilfe und Schutz. Auf die Loyalität der
Mitglieder angewiesen. Solche Wanderungsgruppen bekamen ihre historische Funktion kultischer,
gesellschaftlicher und administrativer Art. (Phylen organisierten oft die Rekrutierung und die
Aufstellung des Heeres)
Phratrien in Athen
Sie wurden vor allem für Aufgaben wie Kulten, opfern, auch gegenseitige Rechtshilfe und
Unterstützung im Konfliktfall eingesetzt (damals verschaffte man sich sein Recht durch Selbsthilfe).
Hier wurden auch Geburten bekannt gegeben, Volljährigkeit und Hochzeit gefeiert. Eine
legitimierende, öffentliche Instanz für alle wichtigen Ereignisse im Leben eines Bürgers. Ursprünglich
wurden hier die Bürgerlisten geführt-> Zugang zur Polis kontrolliert. Nur wer einer Phratrie angehörte
war ein vollwertiger/berechtigter Bürger Athens.
Demen
Wie genossenschaftliche Personenverbände, mit starker lokaler Verankerung. Eigene Funktionäre,
Zentren, Feste Kulte, Kultstätten sowie Versammlungen. Ihnen wurde später die Führung der
Bürgerlisten übertragen.
Verschiedenen Einheiten: keine Hierarchie. vielmehr in einem horizontalen Geflecht von
Zugehörigkeiten und Aufgaben, die durch Überschneiden eine Verdichtung der alltäglichen
Sozialbezüge bewirkt. Auch vertikale Verflechtungen, die die kleinsten Gemeinschaften oberhalb des
oikos mit der Polis insgesamt verbanden.
INSTUTIONALISIERUNG: INSTITUTIONEN UND VERFAHREN
Struktur der Institutionen
Es entwickelte sich eine typische Grundstruktur von zentralen Institutionen, welche den oligarchischen
wie den demokratischen Varianten prinzipiell gemeinsam war. Bestehend aus:
1. den permanenten Ämtern mit festen, funktional differenzierten sachlichen Zuständigkeiten,
deren Inhaber nach Regeln periodisch neu bestimmt wurden.
2. einem oder mehreren Ratsorganen mit festen, vorberatenden, geschäftsführenden und
kontrollierenden Funktionen.
3. der regelmäßig zusammentretenden Versammlung der politisch vollberechtigten Bürger, mit
dem Recht allgemein gültige (auch Beamten und Ratsorgane betreffende) Beschlüsse zu
fassen.
Begriff der „Stadtstaatlichkeit“
Die
Institutionen sind direkt
aufeinander
bezogen und abhängig.->Stadtsaatlichkeit.
Entscheidungsprozesse sind öffentlich: jedes politische Handeln ist sichtbar für alle (geschieht in der
agorá, als open-air Forum), Öffentlichkeit wird so selbst eine Institution, aktiv politisch und als
Bürgerschaft mit der Polis selbst identisch.
Entstehung: Prozess muss in jeder Polis unterschiedlich verlaufen sein.
Institutionalisierung: Herrschaftsfunktionen
Basileís früher- Heerführer, Vermittler zwischen Göttern und Menschen, Wortführer in Rat und
Versammlung, Schlichter und Schiedsrichter in großen und kleinen Streitfällen.
Ende des 7.Jh.:. In Athen und anderen Städten wird der basileús zu einem Magistrat, welcher sich um
die sakralen Funktionen und die ältesten Kulte kümmert. Oberste Beamte der Stadt ist dann der
árchon. Den Oberbefehl des Heeres hat nun ein Beamte, genannt polémarchos.
Diese 3 Beamten und sechs Thesmotheten(Rechtssetzer) bildeten das kollegiale Archontat
Gesetz des Drakon (Gesetz über die unvorsätzliche Tötung, im Text nicht weiter erläutert)
Phylobasileís – Vorsteher der Phylen, zusammen mit dem basileus eine ganz spezisfische, richterliche
Funktion in Mordprozessen.
Gesetz von Dreros (etwa nach Mitte des 7.Jh)
Es besagt, dass das Amt des kósmos (Ordner) innerhalb eine Zeitraums von zehn Jahren nicht erneut
mit derselben Person bekleidet (Iteration) werden darf. Der kósmos wurde jährlich neu bestimmt. ->
Institutionalisierung, Überwindung der ungeregelten, lebenslangen und selbstverständlichen
Herrschaft des basileus: Befristung der Herrschaft, periodische Neubestellung der Träger. Grund:
Rivalisierung der nachfolgeinteressierten Aristokraten.
Institutionalisierung: Ämter
Prozess der Entpersonalisierung und Objektivierung von Macht. Befristung der Ämter auf meist ein
Jahr, Beschränkung oder Verbot der Iteration -> geregelte Rotation. In anderen Städten waren die
Aufgaben des kósmos aufgeteilt, es wurde ein mehrstelliges Organ. Später mit bis zu 10 Mitgliedern,
wobei der ranghöchste der „eponymos“ war. Funktionsträger waren auch die dámioi (Beamtentitel),
die títai in Gortyn(eine Stadt), die tamíai und kolakrétai in Athen, welche für die Abgaben, Bußen und
das „öffentliche“ Vermögen zuständig waren. Ende des 7 Jh. wurde der Besitz der ganzen politischen
Gemeinschaft von eigenen zentralen Organen verwaltet.
Rechtssprechung
Vor dem 6. Jh. waren außer den Archonten, den baileus, dem eponymen Archon mehrere Magistrate
an der Rechtssprechung beteiligt. Die sechs Thesmotheten und das Kollegium der Epheten(Zulasser)
waren für bestimmte Verfahren und Delikte (Morde) zuständig. Die kosmoi verkündeten Urteile und
verhängten Strafen. In Gortyn gab es sogar den xénios kósmos, welcher ausschließlich für Streitfälle
zwischen Bürgern und Fremden zuständig war.
Differenzierung der Funktionen
Die Herrschaftsverteilung, die periodische Neubestellung der Ämter, die Volksabstimmungen uvm.
half, dass niemand über ein Amt zu mächtig und womöglich zum Tyrannen wurde. Die Etablierung der
Rechtssprechung sicherte den inneren Frieden und festigte die Bürgerschaft, vor allem wegen des
großen Potenzials an Konflikten zu dieser Zeit.
Institutionalisierung: die Ratsorgane
In Homer ist der Rat eher nur ein Kreis einflussreicher Aristokraten, wo Prestige und Geld zählten und
keine festen Beschlüsse getroffen wurden. In der Ilias sind es schon die „Alten“.
Athen: Aeropag
= „Rat vom Ares-Hügel“, gerichtliche Kompetenz, bei Fällen von religiösem Frevel oder
„Staatsverbrechen“. Verfestigte sich im 7.Jh. vom Adelsrat zu einer Institution. Archonten mussten hier
nach ihrem Amtsjahr Rechenschaft geben. Waren sie „sauber“, rücktendie Archonten in den Aeropag
ein, und blieben auf Lebenszeit. Fixierung der Zahl der Sitze, wie beim „Rat der 500“ in Athen.
Sparta: Gerusia und ihre Kompetenzen
Gerusía - Rat der Alten, rhetra - Beschluss, Rechtssatzung; die „große Rhetra“: Satzung über religiöse
und politische Einrichtungen. Legte deren Verfahren und Gültigkeit ihrer Beschlussfassung in der
Volksversammlung fest. Gerusia machte die „Vorberatung“ zu den Anträgen, Recht zur Kassierung
falscher Urteile-> Autonome Instanz gegenüber der Versammlung und den Königen, „höchster
Gerichtshof“. Mitglieder des Rates auf Lebenszeit, ohne Rotation und nicht rechenschaftspflichtig.
Chios: „Volksrat“(bolê demosíe),
Im 6.Jh Zentrum politischer Ordnung in Chios, von den Bürgern gewählt. Gerichtshof:
Appelationsinstanz (es konnte gegen Urteile und Magistrate Berufung eingelegt werden); konnte
selbst Strafen verhängen (sogar gegen Magistrate-> Kontrollbefugnis). Kompetenz eines
geschäftsführenden Ausschusses der Volksversammlung.
Institutionalisierung: die Volksversammlung, Volksgericht
Versammlung der Gesamtheit der Politen, institutionalisierte Instanz gerichtlicher und politischer
Entscheidungen, Gerichtshof. In Athen: Heliaia (Volksgericht)
Athen: Solons Reformen, Wahlen
Solon wollte die sozialen Probleme in Athen des ausgehenden 7.Jh lösen und richtete die Heliaia ein.
Solon scheint vom Volk direkt gewählt worden zu sein. Er, als Archon und Schlichter (diallaktés) setzte
die Wahl -und später, aufgrund der Kunkurrenz der Bewerber untereinander, die Auswahl- durch.
Stimmenzählung und Mehrheitsprinzip
Akklamation wird später zugunsten der einfacheren Form der Stimmzählung verdrängt. Es setzt sich
das Prinzip des Mehrheitsbeschlusses mit Bindungswirkung durch. Wird angewandt bei Wahlen und
Urteilssprüchen in Volksversammlungen bzw. –gerichten und bei der Gesetzgebung.
Gesetzgebung
Das Mehrheitsprinzip ermöglicht es ihr, allen ihren Mitgliedern individuell wie kollektiv als Bürgerschaft
und (damit) sich selbst verbindliche Regeln und Normen aufzuerlegen. -> Die Volksversammlung wird
zum Zentrum der Polis. Polis und konstituierende Bürgerschaft sind nun autonome Institutionen. Die
Polis ist nun die beschließende Versammlung wie in Chios, die „große Rhetra“ in Sparta und die
„damos“ in anderen Städten, oder auch Agora.
Verbindlichkeit der Beschlüsse
Alle Beschlüsse sind verbindlich. Magistrate: für die Umsetzung, die Verfolgung bei Verletzungen
zuständig.
Schriftlichkeit und Veröffentlichung
Gesetze werden in der noch eher mündlichen, griechischen Welt schriftlich auf dauerhaften Trägern
(Stein) niedergelegt und im öffentlichen Raum der Polis demonstrativ zur Schau gestellt. Die
Beschlüsse erhalten dadurch den besonderen Status eines Gesetzes -> Ein normatives Gebot/Verbot
wurde gültig, dauerhaft, wurde respektiert und umgesetzt.
Institutionalisierung
Das alles war nicht reibungslos und keine automatische Konsequenz aus d. Entwicklung des
Kriegswesens. Eher aufgrund der in den Kriegen hohen Zahl von benötigten Männern aus der Polis. > Die Kriegsführung wurde eine Sache der Polis, politische Gewichte wurden verschoben, der demos,
der mehrheitlich aus Hopliten bestand musste über Krieg oder Frieden oder sie Bestellung der Führer
mitentscheiden dürfen-> wurde zur Institution.
Auch war der Grund für die Institutionalisierung der rasch wachsende Bedarf an Mitteln zur
Bewältigung drängender Probleme , zur Kanalisierung von Streit und zur Kontrolle von Konflikten. Das
Gesetz und die Polis wurden zu einer Urheberin und Garantin, die alle Beteiligten band und sie auf
eine Regelung festlegte.
Mit der Möglichkeit der Verfügung der Bürgerschaft über sich selbst und ihre Einrichtungen als Ganze
durch Gesetzgebung war die Institutionalisierung der Polis vollendet und sie gewann die souveräne
Entscheidungsgewalt über ihre innere Ordnung.
7.
Krise und Konsolidierung der Polis
Soziale und politische Spannungen
•
•
•
•
Bauernschaft → Armut, Verschuldung, Versklavung
Aristokraten → Rivalitäten um Reichtum, Status und Macht; immer wieder Kriege und
blutige Machtkämpfe
Probleme der Bauern:
1. Vererbung zu gleichen Teilen → Aufsplitterung des Bodens - keine ausreichende
Subsistenzgrundlage; z.B. Hesiod berichtet, dass das Landgut (kléros) des Vaters
nach dessen Tod zwischen ihm und seinem Bruder aufgeteilt wurde
2. Überbevölkerung
3. Dürreperioden → Hungersnöte
Athen um 600 v. Chr.:
Solon betreibt allgemeine Schuldentilgung und schafft Schuldknechtschaft ab
→ er stoppt damit die Entwicklung der Polis zu einer Herrschaft der Reichen
über eine abhängige, an die Scholle gebundene Landbevölkerung
Aristokraten: Vorliebe für Luxusgüter steigerte sich
literarische und archäologische Zeugnisse (Elegien der Lyriker, Vasenbilder,
kórai/kúrai = monumentale Standbilder junger Männer und Frauen) zeigen das Bild
einer Elite, die einen opulenten und kultivierten Lebensstil pflegte (Feste, Spiele,
•
•
•
•
•
•
Gastmähler, Schönheitskonkurrenzen, athletische/musische Agone...)
einige der Aristokraten bereicherten sich auf Kosten ihrer Schuldner und vergrößerten
ihren Grundbesitz; andere gerieten durch Kinderreichtum (und somit Aufsplitterung des
Grundbesitzes) in dieselben Schwierigkeiten wie die Bauern
die Elite beteiligte sich auch am Fernhandel: Abenteuerlust und Erkundungsdrang
vermischten sich mit "kommerziellen Interessen" → Eintausch von erwirtschafteten
Überschüssen (keimélia) in der Ferne
rasante Aufstiege in der Hierarchie = Neureiche (z.B. Artemon, der ursprünglich arm und
in Lumpen gekleidet, jetzt mit Goldschmuck ausstaffiert)
stáseis = Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppen innerhalb der
Bürgerschaft, die häufig mit der Verbannung und Enteignung der unterlegenen Gruppen
endete
(z.B. der Dichter Alkaios - Lesbos um 600 v. Chr. - beschreibt sein Leben im Exil: Armut,
soziale Deklassierung, Verzicht auf jegliche politische Aktivität)
Tyrtaios - Mitte 7. Jh. in Sparta - übt in seinen Gedichten (genau wie Xenophanes) Kritik
am Verhalten der Aristokraten → kollektive Leistungen der Bürger entscheidend für das
Schicksal der Stadt
Solon führt die Notlage der Bauern auf Habgier der Aristokraten zurück
Reaktionen I: Kolonisation (um 750 v. Chr.)
•
Kolonien wurden wegen Landknappheit, vielerorts herrschender Unzufriedenheit, ungleiche
Land- Machtverteilung oder aufgrund von stáseis gegründet
•
Oikisten (Anführer) = Aristokraten, die militärische Anführer und Organisatoren der Kolonie
waren
•
Legitimation einer Kolonisation durch Segen der Götter durch das Orakel
•
Erste Siedler waren 100-200 wehrfähige Männer (Frauen und Kinder kamen nach)
•
der Siedlungsplatz brauchte sichere Anlegeplätze, ausreichende Wasserversorgung,
fruchtbares
Umland und musste gut zu verteidigen sein
•
Siedlungsplatz wurde zuerst von einer Verteidigungsanlage umgeben, dann wählte der Oikist
Plätze für den Bau von Heiligtümern und Tempeln aus, die meist höher gelegen, weithin
sichtbar und gut zu verteidigen waren
•
Land wurde zu gleichen Teilen unter den Siedlern aufgeteilt
•
Neugründungen riefen oft auch feindliche Reaktionen der Indigenen hervor (z.B. in Syrakus
wurden die Einwohner vertrieben, in anderen Fällen unterworfen und versklavt)
•
Kolonien waren vom Tag ihrer Gründung an eigenständig (Kolonisten gaben das Bürgerrecht
ihrer Heimatstadt auf), waren aber im Kriegsfall natürliche Verbündete der Mutterstädte
•
Es fand bald auch Interaktion und Austausch zwischen den Kolonien und den Mutterstädten
statt, anstatt nur Imtitation traditioneller mutterländischer Sitten
Reaktionen II: Die Tyrannis (7.und 6. Jahrhundert)
•
Einzelne Aristokraten usurpierten die politische Macht und monopolisierten sie für einen
gewissen Zeitraum
•
z.B. Herrschaft des Kypselos über Korinth: er stürzte eine kollektiv regierende Adelsgruppe
(die Bakchiaden), Handel und Handwerk florierten unter dem Tyrannen; nach 30-jähriger
Herrschaft starb er
•
sein Sohn Periander folgte, dieser konnte seine Herrschaft nur mit Gewalt aufrecht erhalten
(erließ ein Versammlungsverbot und schränkte den Zugang der Bürger zum städtischen
Zentrum ein)
•
nach Perianders Tod kam dessen Neffe Psammetichos an die Macht, der durch eine
Adelsverschwörung gestürzt wurde
•
an die Stelle der Tyrannis trat nun die Oligarchie
Nr. 8
™
Periander
Periander war ein Tyrann in Korinth; unter sein hartes Regime wurde die Kolonisations-politik
fortgesetzt und Korkyra zurück erobert. Ein Gesetzt zum Versammlungsverbot wurde erlassen.
Periander hat Tempel, Brunnenhäuser und Wege bauen lassen. Sein Nachfolger wurde nach drei
Jahren gestürzt und die Oligarchie als Regierungsform eingeführt.
™
Megara: Theagenes und die Bauern
Theagenes stürzte mit Hilfe der Volksversammlung die aristokratische Führungsschicht, bekam eine
Leibwache und richtete eine Alleinherrschaft ein. Obwohl die Institutionalisierung in Megara schon
fortgeschritten war gelang es ihm, das Vertrauen des Volkes zu erlangen. Diese waren unzufrieden
mit ihren Lebensbedingungen, weil ihr Ackerland durch Weideland zunehmend ersetzt wurde. Das
Weideland nahmen ihnen die Reichen zur Wolleproduktion weg. Er soll die Viehherden der Reichen
abgeschlachtet und diese getötet haben. Wasserleitungen und Brunnenhaus gebaut. Hat die Situation
des demos nicht verbessert. Um 630 durch Aristokraten gestürzt.
Athen: Aristokratische Machtkämpfe
™
Laut Herodot1 tobte ein Machtkampf unter drei Aristokraten, diese vereinten unter sich jeweils eine
lokale Parteiung: - Megakles („Küstenbewohner“)
(Allen dreien ging es
- Lykurgos („Leute aus der Ebene“)
um die Errichtung
- Peisistratos („Bergbewohner“)
einer Tyrannei.)
Peisistratos setzte auf die Unterstützung breiter Schichten; um 560 gelangte er zum ersten mal mit
Hilfe der Volksversammlung an die Macht, wurde jedoch kurze Zeit später von seinen Gegnern
gestürzt. Nach einem zweiten gescheiterten Versuch mit Hilfe von Megakles die Macht zu ergreifen
verließ er Athen. Im Pangaiongebirge bildete er eine Söldnerarmee, die er mit Edelmetallvorkommen
von dort finanzierte. Außerdem erhielt er Unterstützung aus Eritrea, Argos und Theben. 546 eroberte
er Athen. Diesmal ging seine Herrschaft bis zu seinem Tod 526, eine Phase des inneren und äußeren
Friedens. Er war der erste Aristokrat der Athen unter einer Tyrannei gebracht hat. Unter sein Regime
wurde:
die Volksversammlung und den Aerophag belassen
seine Gegner ins Exil geschickt (diejenigen die blieben, durften keine öffentlichen Ämter
bekleiden)
Maßnahmen auf dem Gebiet von Religion und Kultur
Athene, die Stadtgöttin wurde wieder hochgehalten (Tempel gebaut und Münzen geprägt)
athletische und musische Wettbewerbe aufgewertet
religiöse Integration der Bürgerschaft
der Aspekt „Herrschaft über das Ganze“ betont
Die Herrschaft ging an sein Sohn weiter, der eine härtere Politik betrieb. König Kleomenes aus Sparta,
von den Gegnern des Peisistratos herbeigerufen, befreite Athen von dessen Nachfolger.
Tyrannis und Institutionalisierung
™
Die Tyranneien entstanden alle in einem Zeitraum mit sozialen, wirtschaftlichen und
politischen Problemen. Die innere Ordnung war zwar in einem bestimmten Entwicklungsstadium,
jedoch nicht gefestigt. Die Volksversammlung bot den Aristokraten wie Theagenes und Peisistratos
Raum für ihre Selbstdarstellung und somit konnten sie das demos für ihre Zwecke mobilisieren. Die
versprochenen Reformprogramme sind von keinem umgesetzt worden; d.h. keine Verbesserung der
wirtschaftlichen und rechtlichen Situation, keine Neuverteilung des Bodens, keine Umkehrung der
gesellschaftlichen Hierarchien.
™
Tyrannis und Demokratie
Bei der Absetzung der Tyrannis ergriff man Maßnahmen zur Stabilisierung der Institutionen und der
Bürgerrechte. Es gab jedoch keinen direkten Weg zur Demokratie.
Begriffe wie eunomia („Wohlordnung“), isonomia („Ordnung des gleichen Rechts“) und demokratia
(„Herrschaft des Volkes“) wurden entwickelt.
Reaktionen III: Reorganisation und Konsolidierung der Bürgerschaften
Die „Welt der Poleis“ im 6. Jh.:
Anwachsen der Bürgerschaften
Institutionen die immer mehr Dinge zu erledigen hatten
o
in Zentralen Gremien mussten Dinge beraten und entschieden werden
o
wer, Teilnahmeberechtigt war und seine Funktion, musste geregelt werden
o
alltägliche Kommunikation und praktischer Interessenausgleich
auf dem Gebiet der Kriegsführung stieg auch der Regelungsbedarf
1
Herodot aus Halikarnassos (5. Jh.v. Chr.) “Vater der Geschichtsschreibung” schrieb u. a. über die Perserkriege
Hoplitentaktik: die Bürgerschaft kämpften in der Phalanx ; die Gemeinschaft verteidigte ihr
Territorium und ihre Interessen
Reformieren der Zugehörigkeiten durch Neustrukturierung der Phylen2
Sikyon: Reorganisation durch den Tyrannen
™
Der Tyrann Kleisthenes von Sikyon wollte, durch seine Reformen, die Bindung an Argos lösen. Der
nannte die dorischen Phylen der Hylleer, Pamhyler und Dymanen um.
Seine eigene Phyle Aigialeis, die aus der Urbevölkerung bestand, nannte er in Archelaoi
(„Volksbeherrscher“) um. Somit entmachtete er die ersten drei zugunsten einer Minderheit.
Neukonstituierung der Bürgerschaft unter Kleisthenes Herrschaft
Durch die neuen Namen wollte er sie religiös legitimieren
Kyrene: Integration durch Restrukturierung
™
Kyrene war eine nordafrikanische Kolonie der dorischen Stadt Thera die unter der Führung des
Okisten Battos I, nur langsam wuchs. Also warb 570 Battos III um weitere Siedler.
=> das Land wurde knapp und die benachbarten Lybier rebellierten
Die Niederlage gegen die libysch-ägyptische Koalition sorgte für unstabile Verhältnisse.
Es gab 3 gegnerische Lager: die Dynastie der Battiaden, die Alt- und die Neusiedler. Neuordnung der
Bürgerschaft war erforderlich. Denomax wurde als Schlichter der Konflikte ins Land gerufen. Dieser
teilte die Bürgerschaft in drei Teilgruppen (moirai) ein:
a) der Ursprüngliche Kern (Nachkommen der ersten Kolonisten)
b) perioikoi (Umwohner) Theraier, die später dazukamen
c) nesiotai (Leute von den Inseln) Dorier und Ionier, die auch später kamen
Er verteilte die drei Gruppen gleichmäßig auf drei Phylen und erreichte eine Befriedung der
Verhältnisse durch Zusammenbinden der Altsiedler und Neusiedler, Dorier und Ionier, Theraier,
Inselgriechen und Peloponnesier
Athen: Politisierung durch Konsolidierung
Nach dem Sturz der Tyrannis kämpften zwei Dynasten, Kleisthenes und Isagoras, um die
Vorherrschaft. Sie wurden üblicherweise von Hetairien (Vereinigungen von Gefährten) unterstützt. Die
Bauernschaft unterstützte nur manchmal die Aristokraten, denn die Volksversammlungen fanden
nur selten und unregelmäßig statt. Außerdem war nur ein kleiner Teil der Bevölkerung bereit oder in
der Lage nach Athen3 zu reisen. Trotzdem gelang es manchen Aristokraten (Solon, Peisistratos) das
Volk für sich zu gewinnen und damit sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. 509 wollte Isagoras, mit
militärischer Hilfe aus Sparta, eine Oligarchie errichten. Das Volk vereitelte seine Pläne und vertrieb
Isagoras aus Athen.
Kleisthenes brachte das Volk auf seine Seite mit der Neugestaltung des Bürgerverbandes:
508/509 reorganisierte er die ca. 139 Landgemeinden, Demen4 indem er:
die bestehenden Strukturen erst mal beließ und sie stärkte
mehr Selbstverwaltung gewährte d.h.: Demenversammlungen, eigene Gemeindekassen,
eigene Kulte und Priester und eigene Vorsteher (demarchos)
Entscheidungsbefugnisse z.B.: die Bürgerlisten, Bestellung der Richter
Die139 Demen bildeten die Basis für die Unterteilung in 30 Trittyes und diese in 10 Phylen:
Trittyen
Demen
Wurden auf die Trittyen verteilt, 10 städtische (Asty) die Stadt Athen
so dass die gleiche Zahl
das Umland ca. 10 km
erwachsener Männer auf diese 10 aus der Küstenzone Paralia
entfiel.
=>
10 aus dem Binnenland Mesogeia
=>
Phylen
10 Phylen
Je 1 Trittye aus den
drei Gruppen,
bildete eine Phyle
Die Phylen bekamen Aufgeben in Kult, Militär und Politik zugewiesen und ein Regiment.
Ein Bürgerheer wurde gegründet, die 1000 Schwerbewaffnete enthielt.
2
Bezeichnung für einen Teil der Gesamtheit, konkret für die drei oder mehr Unterabteilungen der
Bürgerschaften der dorischen und ionischen Poleis.
3
Das Athenische Staatsgebiet war bereits 2600qkm groß. 25-30000 Vollbürger lebten zu zwei drittel außerhalb
des Städtischen Zentrums und hatten bis zu 50km lange Wege zu gehen.
4
Die Größe der Demen variierte von kleinen Siedlungen, mit ein Dutzend Häuser, bis zu städtischen Zentren,
mit 1000 Einwohnern; Sie waren natürlich gewachsene Strukturen.
50 Ratsherren (buleutai) aus jeder Phyle bildeten das „Rat der Fünfhundert“5.
Die Ratsherren wurden bei den Demenversammlungen für ein Jahr gewählt. So standen alle Bürger
in formaler und fest verankerter Verbindung mit dem Zentrum. Mitsprache breiter Schichten war
gewährleistet; die Politisierung der Bürgerschaft wurde von Kleisthenes vorangetrieben.
Die Phylenreformen als Lösungsversuche für die spezifischen Probleme der archaischen Zeit. Damit
war die politische Grundlage für die klassischen Zeit geschaffen.
Die Griechische Staatenwelt in klassischer Zeit (500 - 336 V.CHR.)
Die „klassische“ Zeit als Epoche der griechischen Geschichte
Die Perserkriege zu Beginn des 5. Jh. markieren den Anfang, Thronbesteigung des
Makedonenkönigs Alexander des Großen im Jahre 336 hingegen das Ende der Epoche.
Dieser Zeitraum unterscheidet sich deutlich von den vorhergehenden und den nachkommenden. Die
Grenzen der Epoche sind jedoch Subjektiv zu sehen.
Klassik als Epochenbegriff
™
Kunsthistorisch gesehen war die bildende Kunst und die Literatur höchst vollendet. Trotzdem waren
die Entwicklungen in Politik, Kultur und Gesellschaft sehr vielfältig.
Athen und einige andere Poleis waren maßgebend. Thukydides6 nannte Athen die „Schule
Griechenlands“.
Räumliche Dimensionen
™
Politische und kulturelle Zentren wie Athen und Sparta, Theben und Korinth waren im Blickpunkt. Es
gab ca. 800 Staatswesen die politisch eigenständig, teilweise miteinander verbunden oder verfeindet
waren. Die Konflikte drehten sich um Landgebiete wie Epidamnos, Poteidaia und Megara. =>
Peloponesischer Krieg, indem fast alle Staaten beteiligt waren.
™
Staatliche Vielfalt
Klassik als „Zeitalter der griechischen Polis“, trotzdem gab es auch andere bundesstaatliche
Formationen z.B. auf der Peloponnes, in Mittel und Nordgriechenland.
Stilgeschichtlich bedeutend in Literatur, Kunst und Philosophie.
1
1
Es war eine Art Koordinierungsinstanz für die Arbeit der Volksversammlung.
Thukydides aus Athen, Lebte zu Zeiten des Peloponnesischen Krieges und schrieb darüber
9.
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5
6
Die schon in Summary Nr. 8 angesprochene „Staatliche Vielfalt“ wird teilweise durch die
Dominanz von Athen bzw. Sparta überschattet, als jedoch nach dem Peleponnesischen Krieg
der Erste Attische Seebund und der spartanische Machtblock zusammenbrachen konnten viel
Poleis nach ihren eigenen Interessen handeln (politische Selbstbestimmung).
So lebten auch verschiedene Verfassungsformen wie die Monarchie und die
tyrannische Herrschaftsform neben der Demokratie wieder auf.
Im 5. Jh. entstand die Historiographie (=Geschichtsschreibung). Wichtigste Vertreter: Herodot
aus Halikarnassos (ca. 485 – 424) und Thukydides aus Athen (ca. 460 – 400) und später
Xenophon (ca. 430 – 355). → weitaus bessere Quellengrundlage
Kolonisationsbewegung beschrieben von Sokrates in Platos Phaidon: Von Phasis bis zu den
Säulen des Herakles (von den äußersten Winkeln des Schwarzen Meeres bis nach Gibraltar)
sitzen die Griechen wie Frösche um einen Teich.
Die meisten Kolonialstädte hatten sich aber vom Mutterland gelöst und führten ihre eigene
Politik. Dennoch zeigten sie sich ihrem Mutterland mit Weihgaben, Bau von Schatzhäusern
etc. verbunden.
Politischer Wandel auch in Kolonialstädten (z.B.: Gela, Syrakus und Akragas in Unteritalien,
wo die Tyrannis von der Demokratie im 2. drittel des 5. Jh. abgelöst wurde. Gegen Ende des
5. Jh. kam jedoch eine neue Tyrranis auf. Ähnlicher Verlauf in der Nordägäis und rund ums
Schwarze Meer.)
Es war eine Art Koordinierungsinstanz für die Arbeit der Volksversammlung.
Thukydides aus Athen, Lebte zu Zeiten des Peloponnesischen Krieges und schrieb darüber
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Bürgerkriege im Verlauf des 6. Jh.: Kämpfe um Verteilung d. politischen Macht und um die
Teilhabe an der Entscheidungsgewalt. Poleis die kleineren Staaten zur Hilfe kamen, konnten
durch ihre innenpol. Einmischung ihre Machtsphäre ausbauen.
Vor allem die Spartaner hatten während des 6. Jh. viele Tyrannenregime durch milit.
Interventionen gestürzt (sie verfolgten eine sog. „aggressive Expansionspolitik“). So hatten sie
ihren Einflussbereich bis weit über die Peleponnes ausgedehnt → Sparta wird zur Führungsund Ordnungsmacht im griechischen Raum. Es gelang aber nicht, Athen enger an Sparta zu
binden
Athen gründete um 500 Bürgerkolonien (=Kleruchien) auf den Ländern der Chalkidier (nach
dem Sieg über Chalkis 506), auf Salamis Lemnos und Imbros. Durch diese und weiter
innenpol. Maßnahmen erstarkten die Athener immer mehr. Es entwickelte sich ein starkes
machtpolitisches Selbstbewusstsein→ Man bot der persischen Großmacht die Stirn und griff
499 in den Ionischen Aufstand ein
Persien: In der zweiten Hälfte des 6.Jh. gelang es den Persern in wenigen Jahrzehnten ein
Reichsgebilde aufzubauen, dessen Umfang alle bis dahin bekannte Ausmaße sprengte. Kyros
II. eroberte 550 die medische Hauptstadt Ekbatana, somit band er das gesamte Mederreich
(östl. Kleinasien, Teile des Iran) an Persien. Das vom lydischen König beherrschte Kleinasien
konnte Kyros II. 447/446. In den Jahren zwischen 446 und 439 erweiterte er sein Reich bis in
die Steppengebiete des heutigen Usbekistan und bis in die Gebirgswelt des Hindukusch. 539
brachte er das Neubabylonische Reich (von der Levanteküste bis zur Mündung des Euphrat
und des Tigris) unter seine Gewalt. Dort baute er Tempel wieder auf und erlaubte deportierten
Menschen die Rückkehr in ihre Heimat, so auch die Juden, die nach 70jährigem Exil wieder
nach Israel zurückkehrten. Kyros II. fiel im Kampf mit skythischen Reitern in Zentralasien
(steht nich im Gehrke wann genau, schätze 530!!!)
Sein Nachfolger Kambyses (König von 529 – 522) führte die Expansionspolitik bruchlos fort
und unterwarf nach einem aufwendigen Kriegszug das Pharaonenreich. Ein geplanter Feldzug
gegen Karthago scheiterte im Vorfeld, ein Zug zur Oase Siwa endete mit einer Katastrophe in
einem Sandsturm, somit blieben ihm weiter militärische Erfolge versagt.
Die Innenpolitik Spartas konnte mit der rasanten Expansion nicht mithalten. Reichsteile
konnten nicht fest miteinander verbunden werden→ finanzielle Belastung (durch die vielen
Kriege) führt zu Usurpationen und Aufständen, die sich rasch in viele Reichsteile ausbreiten
Dareios wird Nachfolger des Kabmyses (mit Hilfe des spartanischen Adels, er ist kein
Nachfahr non Kyros II. und Kambyses). Innerhalb eines Jahres gelingt es ihm alle Aufstände
gewaltsam zu beseitigen, so dass Ende 520 seine Herrschaft in allen Reichsteilen
unumstritten war. Er versuchte in der Folgezeit ein stabileres System der Reichsverwaltung zu
schaffen um damit die eroberten Gebiete besser zu kontrollieren.
In Folge dessen wurde der gesamte Herrschaftsbereich in Steuer- und Verwaltungsbezirke (=
Satrapien) aufgeteilt mit jeweils einem Satrapen an der Spitze. Jeder Satrapie wurde je nach
Wirtschaftskraft ein fixer jährlich zu leistender Steuerbetrag (in Edelmetallen zu zahlen)
auferlegt. Zudem wurde ein einheitliches Währungssystem mit dem goldenen Dareikós als
Grundeinheit (dominierende Münze im Mittelmeerraum bis weit ins 4.Jh.). Dazu gehörte auch
der Aufbau eines Beamtenapparats, welches von einer bemerkenswerten Balance zwischen
Zentralität und Hierarchie einerseits und lokaler Autonomie andererseits gekennzeichnet war
(auf königlich. Ebene klare Hierarchie, Zuständigkeiten bei den Satrapien nicht eindeutig).
Im Zentrum der Persis begann Dareios mit dem Bau von Persopolis, einer riesigen
Palaststadt. Alleine der Thronsaal war 17 m hoch und hatte eine Grundfläche von mehr als
3.600 m². Weitere Residenzen des „Großkönigs“ befanden sich in Ekbatana und in Sua.
Außerdem ließ er ein hervorragendes „Straßennetz“ ausbauen, unter anderem den
„Königsweg“ von Sua nach Sardeis, was die Kommunikation zwischen den Satrapien
einfacher gestaltete.
Das Reich der Perser erlangte unter Dareios seine größte Ausdehnung (in Zentralasien
bekämpfte er skythische Volksstämme; das abtrünnig gewordene Ägypten kam wieder hinzu,
genauso wie die Westen (bis zur Kyrenaika) und im Osten (bis zum Industal) angrenzenden
Gebiete. Dem Seefahrer Skylax gelang offenbar als erstem westlichen Seefahrer die
Umsegelung Arabiens und damit die Entdeckung des direkten Seeweges zwischen Indien und
der Mittelmeerwelt, den Dareios durch den Bau eines Kanals auszubauen versuchte
(Vorgänger des Suez – Kanals)
513/512 rückte Dareios über den Hellespont und über die Donau nach Norden vor um erneut
gegen die Skythen (allg. Bezeichnung für „asiatische Steppenvölker“) zu kämpfen. Die
Mission schlug fehl, es konnte aber ein Teilerfolg erzielt werden: Makedonien und weite Teile
-
-
-
Thrakien gelangten unter die persische Hoheit, ebenso die ägäischen Inselstaaten Lemnos,
Lesbos, Chios, Samos, Rhodos und Zypern.
In dieser Zeit entstanden immer mehr politische Interessenkonflikte, die das Verhältnis der
Griechen zu den Persern grundsätzlich berührte. Der Weltherrschaftsanspruch der Perser
geriet immer mehr in Widerspruch mit dem politischen Selbstbewusstsein der griechischen
Bürgerschaft. Städtische Tyrannen und Lokalherren verloren zusehends an Einfluss. → Im
Jahr 500 hat sich Aristagoras von Milet wegen einer gescheiterten Militäroperation gegen die
Insel Naxos mit seinem persischen Oberherrn überworfen. Daraufhin legte er seine Tyrannis
nieder, propagierte die Einführung freiheitlicher Ordnung und rief die ionischen Griechenstädte
Kleinasiens zum Widerstand gegen die Perser auf.
Der Ionische Aufstand breitete sich in kürzester Zeit auf die gesamte Küste und die
vorgelagerten Inseln aus. Hilfe aus dem Mutterland kam aber nur aus Athen und aus dem
euboiischen Eretria. Die Perser wurden von den Aufständen offenbar gänzlich unvorbereitet
getroffen. 498 konnten die Aufständischen gar bis nach Sardeis vorstoßen und die Stadt
zerstören, auf dem Rückzug erlitten sie aber eine erste Niederlage. 494 schließlich war man
mit den Kräften am Ende, ihre Flotte wurde bei der kleinen, Milet vorgelagerten Insel Lade
vernichtend geschlagen und mit der anschließenden Zerstörung Milets war das Ende des
Ionischen Aufstandes besiegelt.
Nach diesen Ereignissen geriet auch das griechische Festland in das Visier der
Eroberungspolitik Persiens. 492 dehnte Mardonis, Schwiegersohn des Dareios, die
Einflusssphäre wieder bis nach Makedonien aus und nahm die Insel Thasos ein. 491
stellte Dareios den Griechen ein letzes Ultimatum sich dem persischen Reich zu
unterwerfen. Während viele Poleis der Forderung zustimmten, waren es vor allem
Sparta, deren peleponnesiche Verbündete und Athen die sich weigerten dem
Ultimatum Folge zu leisten.
10.
Ionischer Aufstand
Im Jahr 500 wirft der von den Persern unterstützte Tyrann Aristagoras von Milet sein Amt
demonstrativ nieder und ruft die ionischen Griechenstädte zum Widerstand gegen die Perser auf.
-kaum Hilfe aus dem Mutterland, nur Athen und Eretria unterstüzen den Aufstand ein Jahr lang.
-insgesamt dauert der Austand drei Jahre, nach drei Jahren können die Perser die Vorherschaft im
besagten Gebiet zurückgewinnen.
492.v.Chr. Schwiegersohn des Dareios weitet die persische Expansionspolitik auf das gr. Festland
aus, auch als Rache gegen Eretria und Athen.
-Thasos wird erobert
-persische Seeflotte sinkt, da sie in einen Sturm gerät
491v.Chr. Dareios stellt den Griechen ein Ultimatum sich zu unterwerfen.
-Viele Poleis stellen sich.
-Nur Athen, der Peloponesische Bund und einige wenige weigern sich.
Persische Feldherren Dalis und Artaphenes:
-20.000 Mann starke Truppe
-zerstören Eretria, versklaven die Bevölkerung
Perser landen in Euboia und belagern den Zugang zu Athen
-Athen bittet Sparta um Hilfe, diese können jedoch aufgrund eines religiösen Festes nicht antreten
-Athen gewinnt trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit die Entscheidungsschlacht bei Marathon
--> Sieg stärkt das politische Selbstbewusstsein Athens
Innenpolitische Entwicklung in Athen
Kleisthenes strebt die gleichmäßige Verteilung der Macht an.
-Abstimmungsverfahren des Osakismos, geht 487 in die Hände der Gesamtbürgerschaft über.
-das führende Beamtenkollegium der 9 Archonten wird nicht mehr gewählt, sondern ausgelost.
483 Flottenbauprogramm des Themistokles
-Bau von 200 Schiffen ( 200 Mann pro Schiff)
Durch die Erhöhung an Marinepersonal, wächst auch deren Macht im politischen Alltag
481 nach Abschluß der Kriegsvorbereitung für den anstehenden Feldzug gegen die Griechen und
einem Heer von 100.000 Mann und 600 Schiffen,
fordern die Perser die Griechen nochmals ultimativ zur Unterwerfung auf.
-481 wird zum Schutz gegen die Perser der Hellenenbund gegründet.
Mitgleider: Athen, die Staaten der Peloponnes und einige andere Poleis.
Kriegsverlauf:
-Perser erobern Mittelgriechenland
-Bei Salamis kommt die gr. Flotte zu einem entscheidenen Sieg über die gegnerische Flotte.
-> ohne die Unterstüzung der Flotte verlieren die Perser auch die anderen, zuvor eroberten Gebiete
an die Griechen.
Samos Konferenz
-nach dem Sieg der gr. Flotte und dem Vordringen in die Ägais.
-> gr.Staaten in Kleinasien und der Ägias bitten um beitritt in den Hellenenbund, als Schutz vor den
Persern.
Differenz zwischen Athen und Sparta:
Athen ist dafür, Sparta jedoch dagegen.
Man einigt sich darauf die Staaten der Ägais beitreten zu lassen.
Die Zeit der Pentekontatäetie
-Die 50 Jahre zwischen den Perserkrieg und dem Peloponesischen Krieg
-Neuordnung der machtpolitischen Struktur der griechischen Welt
-Machtblöcke Sparta und Athen und die Mittelmächte, die sich nicht bedingungslos an einen der
Blocks anschließen wollen.
-Viele Bürgerkriege und politsiche Unruhen in den übrigen Poleis
Die Großmächte (auch Persien) versuchen aus diesen innenpolitischen Konflikten Kapital zu
schlagen.
-> durch Unterstüzung freundlich gesinnter Gruppen.
Delisch Attischer Seebund
Bündnis der ägaischen Poleis mit den Athener.
-die Athener nehmen dadurch Sparta die Oberherrschaft im Hellenenbund ab.
Das neue Bündnissystwem ist straffer organisiert als der Hellenenbund und basiert auf "Anerkennung
der gleichen Freunde und Feinde".
Die Spartaner waren damit beschäftigt, ihre Herrschaft über die Pelopenes zu stabilisieren und
verfolgeten ersteinmal keine expansive Politik.
Kimos, Sohn des Marathonsiegers Miltiades prägte die 70er und 60er Jahre nachhaltig: Kimonische
Ära
Athener verfolgen offensive Politik um ihren Machtbereich zu erwietern:
dazu instrumentalisierten sie den Delisch-Attischen Seebund.
Konfrontation mit Sparta wird verhindert.
-bis Ende der 60er Jahre die antispartanische Stimmung zunimmt.
-alle Kontrollrechte werden dem Areopag entzogen und auf den Rat der 500, der Volksversammlung
und dem Volksrat übergeben.
461 Aufkündigung des Hellenenbundes durch Athen
Geschickte Bündnispolitik führt zum Anschluß Thesaliens, Megara und den spart. Erzfeind Argos zu
Athen.
457 Nach heftigen Auseinandersetzungen mit den Spartaner herrscht Athen fast über den gesamten
mittelgriechischen Raum.
Auch der Krieg gegen die Perser wird mit Hilfe des Seebundes wieder aufgenommen.
Nach dieser schnellen und weiten Ausbreitung Athens, bekommen diese bald das Problem des
Machterhalts.
451 Athen kann den zwei Fronten Krieg nicht weiter durchführen und man einigt sich auf einen 5jährigen Waffenstillstand mit Sparta.
Der Krieg gegen Persien wird forciert- 454 aber abgebrochen aufgrund Kimos Todes.
449 Kallias-Friede zwischen Athen und Persien, vermittelt durch den Athener Kallias.
Der persische Großkönig verzichtet auf militärische Aktionen in der Ägais / westklainasiatischen Küste
- im Gegenzug respektieren die Athener die persische Oberhoheit über Ägypten, Zypern und die
Levante
In der Folgezeit unter Perikles: Sicherung des eigenen Machtbereichs.
Ende des ersten Peloponesischen Kriegs
446 Nach Verlust der Macht in vielen Teilen Mittelgr. kommt es zu einem 30-jährigen Friedensvertrag
zwischen Athen und Sparta Athen verzichtet auf alle gewonnen Bereiche der Pelopones, beide Seiten grantieren die
Untastbarkeit der jeweiligen Bündsnissysteme.
->Anerkennung der Vormachtstellung Athens zur See.
In Zeiten des Kriegs ist der Attische Seebund brüchig geworden und nun wurde versucht Athen
das Bündnis zu stabilisieren.
Athen weitet seine Machtssphäre weiterhin aus.
Perikles provoziert den offenen Konflikt mit Sparta:
-Megara (Mitglied im peloponesischen Bund) wird der Zugang zu allen Häfen des athenischen
Hohheitsgebiet gesperrt.
-Poteidaia, Kolonie Korinths und Mitglied des Attischen Seebundes, wird aufgefordert alle
Beziehungen zu Korinth abzubrechen.
432 Sparta eröffnet nach Drängen der Bündner den Krieg mit Athen.
-"Freiheit und Selbstbestimmung" aller Poleis, Propagandaformel um möglichst viel Unterstüzung
gegen Athen zu bekommen.
Sparta setzt auf Landkrieg - direkte Angriffe auf Attika
Athen auf Seekrieg - Blockade der Seewege um der Peloponnes die Zufuhr abzuschneiden.
-Archidamischer Krieg:
431-425 Peloponnesische Truppen fallen jährlich in Attika ein und verwüsten Äcker.
->bennant nach König Archimados.
Im Gegenzug: athenische Seeoperationen gegen die Peloponnes.
427 Entsendung eines athenischen Schiffskontingents nach Sizilien
426 vergeblicher Versuch Athens mit Landoperation in Mittelgriechenland Fuß zu fassen.
Kleon schwört Athen auf einen brutalen Kriegskurs ein.
425 fällt ein Hoplitenaufgebot in die die Hände der Athener - Sparta signalisiert Friedensbereitschaft Athener lehnen ab, wollen totalen Sieg.
Die gespannte Kriegslage erschöpft die Kräfte Athens.
422 nach dem Tod von Kleon und dem spartanischen Kriegsherren Brasidas- Kriegsmüdigkeit.
421 -> "Nikias-Friede" auf 50 Jahre angelegt, Korinth, Elis und Mantineia ( Bündnispartner Spartas)
ratifizieren den Vertag nicht.
421 unterzeichnet Sparta ein Verteidigungsbündnis mit Athen.
-> Korinth, Elis und Mantineia bilden nach Initiative von Argos ein Gegenbündnis.
420 Alkibiades, Gegenspieler des Nikias kann Volksversammlung überzeugen und Athen wechselt die
Seiten- 100 jähriges Bündnis.
418 Nach einem Sieg Spartas über das neue Bündnis, zerfällt dieses.
11)
o Sizilische Expedition: 415 v. Chr.: Alkabiades vesucht mit Athenern Sizilien einzunehmen; 413 v.
Chr.: Abberufung des Alkibiades, Niederlage der Athener
o Wiederausbruch des Krieges mit Sparta, Verwerfung mit Persien
o 411 v. Chr.: Verfassungsumsturz in Athen (Einführung einer oligarchischen Verfassung)
o 410 v. Chr.: Sturz der Oligarchie, Wiederherstellung der Demokratie
o 406 v. Chr.: Ionischer Krieg; Zerfall des athenischen Seereichs, Athen im spartanischen
Würgegriff
o 404 v. Chr.: Kapitulation Athens
o Auflösung des spartanischen Bündnissystems→ Destabilisierung der gr. Staatenwelt
o Bürgerkrieg in Athen (Regime der 30); dann ehemals spart. Partner verbünden sich mit Athenern
o Neuer Krieg; Unterstützung Persiens gegen Sparta
o 395/94 v. Chr.: Korinthische Allianz: Militärbündnis gegen Sparta
o 395-386 v. Chr.: Korinthischer Krieg (Landkrieg)
o Frontenwechsel: Persien und Sparta zusammen
o Koiné eirenè (Königsfriede): Autonomieprinzip für gesamte gr. Staatenwelt; umfassende Friedensund Sicherheitsordnung für den gesamten östlichen Mittelmeerraum zu schaffen
Die griechische Staatenwelt in der Krise
o Königsfriede als spartanisches Herrschaftsinstrument
o 378 v. Chr.: 2. attischer Seebund; zielte gegen Sparta
o Zusammengehens Athens mit Sparta
o 375 und 371 v. Chr.: abermals Königsfriedenbeschluss koiné eirinè
o Theben als neue Führungsmacht; Zerbruch des pelop. Seebunds→ friedlicher Ausgleich zwischen
Athen und Sparta; 369 v. Chr.: förmliches Bündnis
o Schlacht bei Mantineia; Unordnung, Verwirrung in Hellas
o 365- 355 v.Chr.: Bundesgenossenkrieg: neue Politik: Finanzwesen, Wirtschaftspolitik, Flotte,
Seemacht, außenpolitische Zurückhaltung
o PhilippII von Makedonien: Spaltung in pro- und antimakedonische Partei→ Verhältnis zu
Makedonien als bestimmender Faktor für das Verhalten der gr. Staaten
o Ordnung Griechenlands in den Händen Makedoniens
o 337 v. Chr.: fast alle Poleis des gr. Mutterlandes in Händen des maked. Königs→ Korinthischen
Bund (Makedonien nicht in Bund); Basis als Rachefeldzug gegen Persien
Rechtliche und gesellschaftliche Gruppen
o Freie und Unfreie→ Sklaven: weder politische noch persönliche Rechte
o Zwischen Freien und Ungleichen: Metöken; Xenoi: Gruppierungen, die sich weder den Freien
noch den Unfreien eindeutig zuweisen ließen (Nähe der Sklaverei)
Nr.12
BÜRGER IN DEN POLEIS:
- Im antiken Griechenland war der Rechtsstatus nicht gleich dem Sozialstatus
- selbst Fremde oder Sklaven konnten unter Umständen gesellschaftl. höher
als mancher freie Bürger stehen
-Voraussetzung für die Zugehörigkeit zur Polis: Besitz des Bürgerrechts. Der
Erwerb war zunächst kaum reglementiert, ab 451 (Bürgerrechtsgesetze des
Perikles) hatten nur noch die Anspruch auf Bürgerrecht, deren beide
Elternteile auch das Bürgerrecht besaßen
- entscheidendes Kriterium für den Erwerb war die Abstammung
- in demokratischen Staaten hatten alle, außer den Frauen, politische Rechte
- gr. Bürger besaßen Privilegien, z.B. Recht auf Eheschließung mit einer
fremden Bügerin, Erwerb von Land- und Hausbesitz etc.
- den Privilegien standen auch Pflichten gegenüber, z.B. Wehrpflicht,
Bekleidung polit. Ämter, Übernahme öffentl. Aufgaben etc.
- Bürger mussten keine Steuern zahlen
- nur in dringenden Notfällen Abgaben leisten
- mussten Leiturgien (Dienstleistungen für das Volk) leisten
STELLUNG DER FRAUEN:
- Frauen waren grundsätzlich von allen polit. Rechten ausgeschlossen.
- Frau in Sparta: sehr eigenständig und oft auch gleichberechtigt zu ihrem
Mann, weitreichende Rechte
- Frau in Athen: abhängig von ihrem Vormund (entweder Vater oder Ehemann),
wenige Rechte
--> es ist aber nicht richtig, von dieser Rechtsstellung auf eine
entsprechende Minderstellung der Frau zu schließen
AUSGESTALTUNG DES BÜRGERRECHTS:
- für FREMDE galten die Regeln des Fremdenrechts
- Privilegien für die Fremden nur dann, wenn ihre Heimatstadt mit der Polis
einen Rechtsvertrag geschlossen hat
- besondere Gruppe: METÖKEN ( "Mitbewohner"):
fremde Staatsbürger, besaßen
besondere Rechte: keine Einschränkungen für berufl. Tätigkeit, volle
Rechtsfähigkeit u. Rechtsschutz wie alle übrigen Bürger. Aber: wurden der
Fremdgerichtsbarkeit unterworfen, Kriegsdienst, Zahlungen in Notfällen. Im
täglichen Leben kaum Abgrenzungen zu anderen Bürgern, doch Status des
Fremden blieb klar erkennbar: jährl. Kopfsteuer, Verbot des Erwerbs von
Grundbesitz, Wahl eines Patrons u. Bürgen
- SKLAVEN:
- Eigentum ihrer Herren
- allerdings gewisse Sicherheit für Sklaven im Oikos ihres Herrn
- Tätigkeitsfelder bestimmten oft das soziale Ansehen in der Öffentlichkeit
- Staatssklaven: unterstützen die Magistrate bei der Erfüllung ihrer
Aufgaben
- es gab kein Gewerbe, dem ausschließlich Sklaven nachgingen
- unter bestimmten Umständen konnten sich Sklaven auch freikaufen: entweder
unentgeltlich oder durch Freikauf. Freigelassener erhielt nur Rechte des
Metöken, gegenüber seinem Freilasser war der ehemalige Sklave bis zu seinem
Tod zu vertraglich festgelegten Diensten verpflichtet
WIRTSCHAFTL. GRUNDLAGEN:
- 80 % der Erwerbstätigkeit in der Landwirtschaft
- man baute meist nur für die eigene Selbstversorgung an
- Ackerbau: Getreide, Wein u. Oliven
- Viehhaltung: Schweine, Ziegen, Schafe. Fleisch war teuer, deshalb aß man
eher Fisch
- die Ausweitung urbaner Siedlungs- und Lebensformen führte zur Entstehung
einer arbeitsteiligen Gesellschaft
- Gewinnung von Rohstoffen war wichtiger Wirtschaftszweig, z.B. Marmor,
Schiffsbauholz etc.
--> neben der Landwirtschaft wohl der Wirtschaftszweig mit den meisten
Arbeitskräften ---> Entwicklung eines weit verzweigten Verkehrswegesystems,
Entstehung von Fern- und Seehandel
STAATS- UND VERFASSUNGSFORMEN:
- Polis: dominierende gesellschaftl. u. polit. Organisationsform
- stammesstaatliche Strukturen wurden durch die Polis abgelöst
- Poleis waren die Grundlage für die im Hellenismus entstandenen
Bundesstaaten
- jede Polis besaß ein umgrenztes Territorium, Umland u. Siedlungsraum, der
sowohl kultisches als auch administratives Zentrum war
- wesentl. Merkmal: Identität von Siedlungsgemeinschaft u. politischer
Gemeinschaft: der eigene Lebensraum bildete für die Bürger einzigen
Bezugspunkt für ihr polit. Handeln
- Büger beanspruchten außenpolitische Freiheit u. Möglichkeit zur Gestaltung
der inneren Ordnung
- es gab keine bestimmte Verfassungsform, sondern Bürger nahmen selbst
darauf Einfluss, welche Verfassung ihre Polis erhalten würde
- z.B. Sparta: - Zusammenwirken von Königen, Rat und Volksversammlung als
wichtigste Entscheidungsgremien
- Eingrenzung der monarchischen Gewalt durch die 5 Ephoren
- unbedingte polit. Gleichheit, trotzdem oligarchischer Zuschnitt der
Verfassung
- Ausschluss weiter Bevölkerungsteile vom spartanischen Bürgerrecht:
HELOTEN ("Gefangene"): unterworfene vordorische Bevölkerung. Wurde in eine
unfreie Rechtsstellung hinabgedrückt, unterstanden der Verfügungsgewalt der
Spartaner. Helotie: Herrschafts- und Unterdrückungsinstrument der Spartaner
PERIÖKEN ("Umwohner"): dorische Bevölkerung, die mit der Landnahme durch die
Spartaner in den Staatsverband integriert wurden. Ebenfalls vom
Vollbürgerrecht ausgeschlossen. Heerespflicht, Abhängigkeit von den
Spartanern in allen außenpolitischen Fragen, Zugang zu den polit.
Entscheidungsgremien blieb den Periöken in Sparta verweigert, Autonomie bei
der Regelung ihrer internen Angelegenheiten, freie Verfügbarkeit über
Landbesitz
Nr. 13
Die Verfassung Athen
demokratische Tendenzen für eine Teilhabe breiter Bevölkerungsschichten im 5/6 Jhd.
Demokratischer Grundgedanke am radikalsten in Athen verwirklicht
461 Entmachtung des Areopags = endgültige Gestalt der Verfassung für 1 ½ Jhd.
Politische Gewalt in Händen aller athenischen Bürger
Begünstigt durch: Perikles Einführung von Tagegeldern
Tagegelder: Bekommt man für Teilnahme an Rat, an Gerichten, bei öffentl. Ämtern
Seit Beginn des 4 Jhd auch für Teilnahme an Vollversammlung
Grundpfeiler der demokratischen Verfassung:
Rat ( bulé), Volksgericht (heliaía), Vollversammlung (ekklesiá, und ein
umfangreicher Beamtenapparat
Jedoch keine Gewaltenteilung, da alle Entscheidungen, Kontrollen bei der
Gesamtbürgerschaft lagen
Volksversammlung
Aufgaben: Gesetzgebung, Wahl der Strategen, der Schatzmeister...Beschlüsse über Krieg
und Frieden, Abschluss von Staatsverträgen, Verleihung des Bürgerrechts, alle Fragen der
öffentlichen Ordnung...
Teilnehmen durften alle männlichen Bürger Athens ab 18
Sie hatten volles Rede-, Antrags-, und Stimmrecht
Vorbereitung, Einberufung und Leitung lagen beim Rat
Ohne dessen Beschlussvorlagen (probuleúmata) waren auch keine Abstimmungen möglich.
Im 4jhd trat die Volksversammlung 40 mal im Jahr zusammen (zuvor weniger)
Abstimmung per Handzeichen (cheirotoniá) od. geheim mit Stimmmarken (pséphoi)
Um möglichst breite Abstimmungsbasis zu haben wurde Quorum von 6000 stimmen
festgelegt
(20% aller stimmberechtigten)
Ratsversammlung
proportional ausgewogene Vertretung (Küste, Land, Stadt----durch Kleisthenes)
führt zu dauernden Ausgleich der unterschiedlichen Interessen
Prytanien (prytaneía): Ausschuss von den 50 Ratsherren einer Phyle
Jede Prytanie hatte 1/10 des Jahres den geschäftsführenden Vorsitz des Rates und der
Volksversammlung.
Der Vorsteher (epistátes) wurde täglich neu ausgelost
Im 4Jhd neu: - Einführung von 9 próhedroi ( Vorsitzenden), die ausgelost wurden aus den
nicht geschäftsführenden Prytanien
Geleitet von einem Vorsteher
Zuständig für Ratssitzungen und Volksversammlungen
Aufgaben des Rates:
Finanzkontrolle, Überwachung der Beamtentätigkeit, Festlegung der Tagesordnung der
Volksversammlung
Alle zur Entscheidung vorgelegten Anträge in der Volksversammlung benötigen einer Vorberatung
und Beschlussfassung durch den Rat—sonst keine Abstimmung möglich
Vorbeschluss des Rates = probúleuma
Also: Zusammenwirken von Rat und Volksversammlung garantiert Beteiligung aller Bürger an
politischen Entscheidungen, weil Rat repräsentiert (durch die Phylen Einteilung...) auch die Bürger die
nicht an Volksversammlungen teilnehmen konnten (Bsp.wg. Entfernung)
Gerichtswesen
keine Berufsrichter
-
in den Händen von Geschworenen ohne Parteilichkeit
6000 Geschworene jährlich ausgelost (mind. 30 Jahre alt)
Volksgericht untergliedert in versch. Gerichtshöfe
Geschworene wurden denen durch Auslosung zugeteilt
Im 4 Jhd. Täglich neue Zuteilung an Gerichtshöfe
Amtsrichter
öffentliche Ämter (archaí) zugeteilt durch Losung od. Rotation
Wahl selten, z. B. aber im militärischen Bereich
Zuständigkeiten der Beamten (5jhd: 600 losbeamte, 100 Wahlbeamte...) klar definiert
Beamte in der Verwaltung, Militär, Rechtspflege, Polizei, Marktaufsicht..
Kontrolle der Beamten durch Rat und Volksversammlung
Verfassungsform und Herrschaftspolitik
Demokratische Verfassungsmodell Athens:
fand im 5jhd. Weite Verbreitung
gefördert durch Athens Herrschaftspolitik ( Delisch- Attische Seebund)
Athen versuchte demokratische Regierungen in den Bündnerstaaten an die Macht zu bringen
Aber nicht konsequent
Verfassungsform war eine Frage der Macht!
abhängig von persöhnlichen Konstellationen od. Reichtum
(weiterhin bestehend blieben auch Oligarchie und Aristokratie)
Konflikt zwischen demokratischen und oligarchischen Parteien führt im 4 Jhd. Zur sog.
„jüngeren Tyrannis“
(Dionysois I in Sizilien: längste und größte Tyrannenherrschaft
Iason von Pherai Herrschaft über ganz Thessalien
Im 4Jhd. Zunahme monarchischer Vorstellungen
(Bsp. Schrift des Xenophon:Kyros II = idealer Herrscher)
Zwischenstaatliche Beziehungen und Herrschaftssysteme
Gastfreundschaft (proxenía) war wichtig, beruht auf festen Regeln
Zum Schutze des Bürgers wurden außerhalb der Polis Rechtshilfeverträge (sýmbolai)
abgeschlossen
Erleichterung des wirtschaftlichen Austausch
Ständige Vertreter in auswärtigen Staaten gab es nicht, aber sog. Gastfreunde(próxenos)
Für Beilegung zwischenstaatlicher Konflikte: Schiedsgerichtsverfahren (Urteile von Richtern
aus unbeteiligten Staaten)
Amphiktyonie (amphiktýonis = „Umwohner“) = Zusammenschluß mehrerer Staaten um ein
Heiligtum:
Aufgaben:
Pflege des gemeinsamen Kultes
Verpflichtung auch im Konfliktfall bestehende Regeln zwischen einander einzuhalten
Also: Amphiktyonien = „frühe Instanz zur Stabilisierung zwischenstaatlicher Beziehungen“
Symmachien (symmachía = Kampfgemeinschaft) = Zusammenschluß mehrerer Staaten aus
vorrangig militärischen Zielen
Aufgaben:
zur gemeinsamen Verteidigung
oder um gemeinsamen Angriffskrieg durchzuführen
Symmachieverträge auch zur Absicherung der Vormachtstellung eines Staates, eher
allgemeine Zweckbindung: gleiche Freunde/ gleiche Feinde
Bedeutendste: „hegemoniale Symmachie“:
Peloponnesische Bund:
Spartas Machtausdehnung durch Aufbau einer hegemonialen Symmachie
Im 5 Jhd. Alle Staaten der Peloponnes außer Argos und Achaia = Peloponnesiche Bund
Nach dem Peloponnesischen Krieg Ausdehnung bis Mittelgriechenlang
Obwohl eigentlich alle Polis gleichberechtigt sein sollten hatte Sparta Vormachtstellung
Erste und zweite attische Seebund
Nach Perserkrieg: Athen 478/77 Zusammenschluss mit Polis an der kleinasiatischen Küste
und auf den Inseln (Symmachieverträge)
Festere Organisationsform als der Peloponnessichen Bund
Rückgrat des Seebundes = regelmäßige Mitgliedsbeiträge (pelobund nur im krieg)
Bundesversammlung und Bundeskasse in Delos
Eigentlich jeder Mitgliedsstaat eine Stimme---aber deutliche Vormachtstellung Athens
(deshalb auch Delisch-Attischer Seebund)
454 Veränderung der Organisatonsstruktur im Seebund:
Bundeskasse nach Athen
Bundesversammlung aufgelöst und Entscheidungsrecht für athenische Volksversammlung
Athen= Gerichtsort für Verbrechen im Bundesgebiet
Also: Starke Ausdehnung Athens--- wird beendet durch Niederlage Athens im pelokrieg
378 Erneuter Aufbau Athens eines Seebund
etwas demokratischer als der erste: Mitgliedstaaten wurde Autonomie zugesichert und hatten
mehr Mitbestimmungsrecht
Athen verfällt aber wieder ins alte Muster und versucht seine Vormachtstellung wieder
auszubauen---- scheitern des zweiten Seebundes
Besondere zwischenstaatliche Beziehungen:
Isopolitie = gleiches Bürgerrecht
Verleihung des Bürgerrechts einer Polis an eine andere, aber staatliche Unabhängigkeit
bleibt
Sympolitie = gemeinsames Bürgerrecht
Aufhebung der staatlichen Unabhängigkeit
Zusammenschluß zu neuer politischer Einheit
Politische Landkarte Griechenlands im 3Jhd.:
= viele kleine autonome Bundesstaaten
Wechselbeziehungen zw. einzelnen Polis und Zentrum
Bundesversammlung für alle Bürger
Wichtiger: Bundesrat, in dem alle „Gliedstaaten“ proportional zu ihrer Größe durch
Abgeordnete vertreten sind
Also: in der Antike bereits die Idee von Proportionalität und Repräsentative
(Bsp. Einer bundesstaatlichen Ordnung : Boiotische Bund = zwischen 447 und 386 Zusammenschluß
aller Polis Boiotiens)
Kulturgeschichtliche Grundlinien
aus kunstgeschichtlicher Sicht = Perserkriege als Übergang von Archaik zu Klassik
Athen hatte das Geld neue Ideen zu verwirklichen
Athen = Treffpunkt von Künstlern , Philosophen und Wissenschaftlern
Athen = „Schule Griechenlands“
Athen = Vorbild auch in Sachen Kunst und Literatur
Architektur und bildene Kunst
Bauprogramm des Perikles: Neugestaltung der Akropolis
Baus des Pantheon (von Iktinos...) = größer als alle üblichen Tempel, trotzdem ausgewogen
und harmonisch
Eines der gelungensten Bauwerke der Klassik: der Tempel „Erechtheion“ (nördlich vom
Pantheon):
Außergewöhnliche und Einzigartige Form
Erechtheion = Aufbewahrungsort,Verehrungsstätte, Heimstatt für Götter und Heroen Athens
Tragödie und Komödie
athenische Schöpfung
Anfänge in Achaik--- eng verbunden mit Kultfeiern zu Ehren Gottes Dionysos
Theater war Wettstreit (6Jhd)
Aufführungen erst nur von Tragödien, ab 486 auch Komödien
14)
In Tragödien Thema: Grundkonflikte menschlichen Daseins. Spannungsgefüge zwischen göttlicher
Weltordnung bzw. dem allgemeinen ethisch-moralischen Normengefüge und dem individuellen
Entscheiden und Handeln. Bezug zu bekannten MythenÆ Nähe zur Gegenwart gesichert. Erregen
Mitleid und Furcht, sollen „ sinnstiftende Reinigung „bewirken.
Gegensatz: Komödie. Sie war politisches Kabarett. Prangerte an und kritisierte herb.
Aufgeführt wurden weit über 2000 Tragödien, Komödien und Satyrspielen. Vollständig vorhanden: nur
noch ein Bruchteil davonÆ heutiges Wissen darüber fragmentarisch(gilt auch für die Musik)
Philosophie
Wechselwirkung zwischen neuen Formen in Musik, Kunst und Literatur und neuen Ideen der
Philosophie. Gesucht: Antworten auf die Herausforderung der Zeit.
Ionische Naturphilosophie ebnete die Bahnen. Neue Aufklärungsphilosophie durch Anaxagoras:
rationalistische und skeptische Überdenkung der Normen.
Sophistik
Zur gleichen Zeit: Entwicklung der Sophistik(Weisheitslehre). Waren zwar alten Traditionen
verpflichtet, konzentrierten sich aber auf den Menschen und sein Handeln im praktischen Leben.
Wollten eine konkrete Lebensbewältigung schaffen-> Umwandlung der Philosophie ins Pragmatische.
Verstanden sich als Lehrer, ließen sich bezahlenÆ Wissen wurde zur Ware
Da Sophisten Wanderlehrer waren unterschieden sie sich, aber folgende Gemeinsamkeiten:
1. Pragmatik und Nützlichkeit:
Oft Technik der Anwendung des Wissens wichtiger, als der Gegenstand des Wissens per se.
Wichtig dabei in Athen: Rhetorik +DialektikÆ die von Gorgias +Antiphon begründete athenische
Rhetorik stilbildend für alle späteren.
2. Denkweise
Mensch als erkennendes Subjekt. Bezeichnet durch Homo-Mensura-Satz. Er rührte am Fundament
jeder großen Polis, welche fest in der Religion mündete-> Vorwurf der Gottlosigkeit
Sokrates ärgster Gegner der Sophisten, dennoch als solcher von Bevölkerung bezeichnetÆ derselbe
Vorwurf(Gottlosigkeit) + Angewohnheit den athenischen Bürgern einen Spiegel vorzusetzen
+Rigorismus seines Denkens und HandelnsÆTod durch Schierlingsbecher. Nach Hinrichtung
kümmerte sich Platon um dessen geistiges Erbe. In Form von Dialogen, Gegenposition zur Sophistik.
Forderte radikale Rückbesinnung auf das wesentliche. Überzeugung: Erkenntnis und ethische
Handeln sind nach objektivierbaren Maßstäben zu bewerten. Entwarf ein am Tugendideal der
Gerechtigkeit orientiertes Staatsmodell.
Aristoteles(Schüler Platos) erweiterte sokratisch – platonische Lehren: er versuchte dieselben
Grundfragen mit einem neuen Zugang zu untersuchen /hinterfragen. Durch empirische
Erfahrungswerte +logisch abgeleitete Beobachtungen.
Die allgemeinen philosophischen Fragen führten zu neuer Betrachtungsweise der Zeit. Statt
kosmographischen Beschreibungen, analytische Untersuchungen.
Herodot legte Wurzeln für wissenschaftliche Geschichtsschreibung. 2. Wegbereiter: Thukydides:
monographische Schilderung des Peleponnesischen Krieges. Viele FortsetzerÆ Entwicklung zu
ersten regional -und lokalgeschichtlich geprägten Studien.(ÆAtthis)
Prototyp der Universalgeschichte: Werk von Ephonorós verfasst(um 350) : Geschichte des
Mittelmeerraums von der mythischen Frühgeschichte bis auf die eigene Zeit)Æ nahm Sicht -und
Denkweise des Hellenismus vorweg.
Hellenismus 330-30 V. Chr.
Seit Johann Gustav Droysen:
Hellenismus_ Bezeichnung einer Epoche der Griechischen Geschichte: Entscheidendes Merkmal:
Synthese der griechischen und orientalischen Kultur= Vorraussetzung für Entstehung und Verbreitung
des Christentums. Lange galt „ Verschmelzung“ griechischer und nahöstlicher Elemente es
Erkennung. Forschung zeigte: Uniformität geht am Kern vorbei.
Noch heute Hellenismus= spezifische Epoche der Antike. Wird heute aber differenzierter,
facettenreicher gesehen.
Entscheidend: massive Expansion der Griechen und der griechischen Zivilisation.--> Neugründung
zahlreicher Städte großen Typs
Reaktion der Indigenen
Eliten: Positiv: sie hellenisierte sich selbst. Übernahme großer Urbanistik und Architektur, Sprache und
Lebensgewohnheiten.
Bevölkerung in ländlichen Gebieten: blieben bei ihren Traditionen
Konstellation verschiedener Regionen unterschiedlich.
Einerseits: einheitliches Bild
Andereseits: kulturelle Vielschichtigkeit
Ausprägung einer durch und durch griechisch geprägten Zivilisation: von den Grenzen Indiens bis
nach Spanien
Neben Vereinheitlichung unterschiedliche EigentraditionenÆ Diskrepanz. Führte zu Prozessen
kulturellen Austausch und reichen Wechselbeziehungen(vor allem auf religiösem Gebiet). Diese
Akkulturationsprozesse kennzeichnen die hellenistische Epoche.
Einordnung des Hellenismus
Beginn der Epoche Entscheidend: Eroberungszug Alexander von MakadonienÆ Regierungsantritt
336 v. Chr = Beginn der hellenistischen Zeit
Ende der Epoche 30 v. Chr
Der politische Rahmen
Alexander der Große
Alexanders große Bedeutung für Hellenismus.
Grundlagen:
-sein Vater(336 Opfer eines Attentats) Philipp II schuf Monarchie.
-im korinthischen Bund 338/37 brachte er nahezu alle gr0ßen Staaten unter seine Herrschaft. Seine
Rechtfertigung: P. als Vorkämpfer des Hellenismus als Rächer für Unrecht und Frevel( nach Xerxes)
Æ Beschluss zum Krieg (Frühjahr 337) und Aufnahme von Operationen in Kleinasien( 336)
-Schwächeperiode des persischen Reiches im 4. Jh
-Ermordung des Großkönigs Artaxerxes III Ochos und seines SohnesÆ dynastische KriseÆ
Makedonen wurden offensiv
Æ Bahnen waren vorgezeichnet. Alexander wollte jedoch nicht nur Prestige und Geländegewinn,
sondern auch Herrschaft über Europa und Asien.
Alexander war schon zu Lebzeiten Mythos. Nachwelt machte ihm zum Träger bestimmter Ideen. Mit
ihm myth. Formen von Macht und Herrschertum verbunden.
Auch moderne Deutungen nicht frei von solch extremen Betrachtungen.
Interpretationen sagen viel über Weltbild der Urheber aus.
Um die Fakten darzustellen minimalistische Forschungsrichtung notwendig.
Alexander markierte mit symbolischen Handlungen seine Etappen.
Seine „Herkunftsvorstellung“:
Herakles= Urahne väterlicherseits
Olympias =Mutter
Æ große Heroen des mythisch-archetypischen Kampfes um Troja und Protagonisten in der Ilias.
Alex in prägender Zeit ( 14-17J) unter Aristoteles Einfluss. Lektüre und Interpretation der Ilias von
starker Bedeutung. Durch sie Vermittlung von zentralen Werten und normen:
• hohes Ehrbewusstsein
• kompromissloses Prestigedenken
• “immer der 1. zu sein“
• -striktes Freund-Feind-Denken
Æ starke Wirkung auf Alex, da:
*Zustand Makedoniens ähnlich Welt der homerischen Kriegshelden
*in Ilias sein Ahnherr Hauptfigur
*
Positive Indizien:
*Ziel der Bildung: areté(Tüchtigkeit)Æ Aristoteles Helden als Vorbild. Gebraucht dafür das Wort
póthosÆ Sehnsucht und Leidenschaft
Æ Alex auf der einen Seite:
Irrationale Antriebskräfte, persönliches Verhältnis zum Mythos „Ilias“, eine Welt von der ihn(nach
Alex) eigentlich nichts Wesentliches trennte
Auf der anderen Seite:
Rationalität, konnte Machtkalkül und seine Wirkung, Elemente der Kriegsführung, planmäßige
Organisation… unmittelbar studieren
Nach Tod des Vaters:
*exemplarisch brutale Unterdrückung von Widerstand
*planmäßiges Vorgehen
*Schnelligkeit
*Überraschung
Feldzüge =Demonstrierung von Macht
In Griechenland Bestätigung als Nachfolger seines Vaters in Position des Hegemon des
korinthischen Bundes.
Revolte in ThebenÆ systematische Zerstörung der Stadt
Sympathisierung AthensÆ demonstrative Schonung
1 1/2 Jahre nach Thronbesteigung Beginn des Perserfeldzuges(Frühjahr 334)
Zu Beginn des Feldzuges symbolisch-rituelle Handlungen. Opfer vor und während der ÜberfahrtÆ
Beziehung zum trojanischen Krieg und zum XerxeszugÆ Auseinandersetzung = Konflikt zwischen
Europa
uns
Asien,
zw.
Griechen
und
Barbaren.
Übergang auf asiatischen Boden markiert durch Lanzenwurf vom Schiff aus. Bedeutung: kriegerische
Zugriff auf gegnerisches Land.
In Polis Ilion, Platz des Troja, Opfer an Athena. Auch Xerxes erwies ihr ReferenzÆ Widerspiegelung
der erwähnten Linie und persönliche Komponente durch Sühneopfer.
Offene Feldschlacht am Fluss Granikos ,Mai 334 gegen Dareios III. Kampftaktik für Alex
charakteristisch:
Griff überraschend dort an, wo das Terrain am schwierigsten und Gegner am stärksten waren-->folgte
seinem heroischen Kriegsideal
Nach Erfolg fiel ihm nahezu ganz Kleinasien zu.
Alex setzte auf gewachsene Strukturen, stellte sie als Wiederherstellung alter Traditionen dar.
Er übernahm Elemente persischer Reichsorganisation.
Anfang November 333, bei Issos Entscheidungsschlacht. Sieg gegen 2-3fach überlegenen Gegner->
Angliederung der phönikischen Küstenstädte.
Belagerung von Tyros. Währendessen Verhandlungen Dareios mit Alex. Bot ihm Teilung des Reiches
an. Alex lehnte ab, wollte gesamtes persisches Reich unterwerfenÆ Anspruch auf Weltherrschaft.
In Ägypten Anerkennung als Pharao, Gründung der Stadt Alexandria: Zentrum des Warenumschlags (
Anfang 331)
Marsch zur Oase Siwa. Dort wird er in göttliche Sphäre gerückt. Somit, griechisch gesprochen, Sohn
des ZeusÆ auf gleicher Stufe wie Herakles.
15
Im folgenden Verlauf wird deutlich, dass Alexander die Grenzen zwischen seiner und der mythischen
Welt immer mehr verschwimmen. Er agiert wie ein Halbgott.
Der Krieg selbst war noch lange nicht entschieden.
Die Schlacht vom 1. Oktober 331 verlief noch dramatischer, aber im Prinzip ähnlich wie die von Issos.
Durch einen Kavallerieangriff auf das Zentrum mit dem Großkönig, schlug Alexander diesen erneut in
die Flucht. Seine Truppen riefen ihn noch auf dem Felde zum „König von Asien“ aus.
Das war er denn auch, und er praktizierte und demonstrierte dies in den folgenden Monaten mit
deutlichen Akten. In Susa, einer der Hauptstädte des Perserreiches, bestieg er demonstrativ den
Thron: Der Herr von Asien war an seinem Platz. Diese Symbolische Geste ließ jedoch offen, ob er
sich als – noch – als Eroberer, oder – schon – als Nachfolger verstand. Jedenfalls wurde deutlich,
dass er nach altorientalischer Königsideologie als Herrscher der Welt galt.
Alexander rückte in die Nachfolge der Achämeniden.
In diesen Jahren kam es zu Konflikten, die wenigstens mittelbar mit Alexanders neuer Stellung und
seinem Selbstverständnis zusammenhingen, das bei einigen auch seiner höchsten Offiziere und
engen Freunden auf Unverständnis stießt. Bei solchen Konflikten duldete Alexander selbst im engen
Umfeld keinen Widerstand und schrack auch vor Meuchelmord nicht zurück.
Widerstand fand er aber auch im Osten des Reiches. Drei Jahre schwierigster Kämpfe, die eher an
einen Kleinkrieg erinnerten, waren nötig, bis sich der neue König auch hier definitiv durchsetzte. Dies
gelang trotz militärischer Erfolge letztlich auch nur, weil Alexander sich mit einem Teil der
ostiranischen Aristokratie verbündete. Er heiratete Roxane, die Tochter eines der angesehensten
sogdischen Fürsten, und nahm diesen in seinen Führungszirkel auf.
Griechische Horizonte hat Alexander längst hinter sich gelassen. Auch nach persischen Vorstellungen
war nun ein Ende erreicht.
Aber es gab noch eine Region, von der die Griechen seit Herodot nur ganz märchenhafte Kunde
hatten, das aber wenigstens zeit- und teilweise Bestandteil des Achämenidenreiches war, nämlich
Indien (das Gebiet des Punjab im nördlichen Pakistan).
Im Sommer 327 brachten etliche Fürsten aus diesem Gebieten Alexander ihre Huldigung entgegen.
Der begnügte sich damit jedoch nicht. Jetzt wurde endgültig klar, dass es ihm um die konkrete
Weltherrschaft ging, also darum, wirklich zu den Grenzen der Welt vorzustoßen.
Zudem verlor er sich immer mehr im Mythischen.
Ein groß angelegter Feldzug im Sommer 327 führte ihn in den Punjab.
Das militärisch wichtigste Ereignis, das folgt, ist der Sieg über den indischen König Poros.
Noch aber war kein Ende in Sicht, da immer mehr Informationen deutlich machen, dass die Enden der
Welt noch weit entfernt sind.
Von noch mächtigeren Gegnern war zu hören – da meuterten die Truppen und es gibt den ersten
großen Konflikt, in dem Alexander allein nahezu seinem gesamten Heer gegenüberstand. Er musste
den Zug hier abbrechen.
Im März 324 war der große Feldzug beendet. Es war deutlich, dass sein Imperium ein ganz neues und
spezifisches Gebilde war. Es war vollständig auf seine Person ausgerichtet.
Wichtig war, dass in der Aristokratie und beim Militär im wesentlichen makedonische und iranische
Elemente verbunden waren bzw. verbunden werden sollten.
Alexanders nächstes großes Ziel war die Eroberung der arabischen Halbinsel. Der Feldzug war durch
Erkundungsfahrten, Rüstungen und Flottenbau bereits geplant, als der König unmittelbar vor dem
Aufbruch erkrankte (wahrscheinlich an Malaria) und kurz darauf, am 10. Juni 323 verstarb.
Alexanders Persönlichkeit:
Zweifellos bezeichnete der Name Alexander „das Ende einer Weltepoche, den Anfang einer neuen“,
eben der hellenistischen (J.G. Droysen).
Aber es war keine übergeordnete Idee oder gar ein Programm, das ihn leitete – es sei denn, man
nimmt sein Ego als Programm.
Er ließ auf seinem rücksichtslos verfolgten Weg viele Opfer zurück. Er hatte seine politisch-militärisch
Fähigkeiten, mit denen sich eine unerhörte charismatische Ausstrahlung und nie erlahmende Energie
verbanden, einem einzigen Ziel untergeordnet.
Da ihm die Zeitumstände zuarbeiteten und er auf die Loyalität seiner Freunde, Offiziere und Soldaten
nahezu unbegrenzt zählen konnte, war er in einem unerhörten Maße erfolgreich.
Solche Exzeptionalität war nötig, damit Griechen und Makedonen den gesamten Orient erobern
konnten. Damit waren die Vorraussetzungen für die Entfaltung jener Prozesse gegeben, die die
Epoche des Hellenismus kennzeichnen.
Die Genesis der hellenistischen Staatenwelt (323 – 272 vor Chr.)
Alexander hinterließ bei seinem Tod keine Nachkommen.
Roxane gebar einige Monate später einen Sohn, Alexander IV., der gemeinsam mit einem geistig
behinderten Halbbruder seines Vaters, Philipp III. Arrhidaios, offiziell König wurde. → keine Lösung.
Beide Herrscher brauchten einen Vormund, das Reich einen Verweser; und rasch zeigte sich, das die
engsten Gefährten und mächtigsten Offiziere Alexanders untereinander darum kämpften, wer sein
wirklicher Nachfolger (griechisch: diádochos) werden würde. In den Kämpfen der Diadochen und der
auf sie folgenden Generation (der Epigonen), wurde die Welt, von Alexander auf den Kopf gestellt,
noch einmal kräftig durchgeschüttelt.
In diesen Jahrzehnten hat sich eine Ordnung herausgebildet, die bis gegen Ende des 3. Jh. relativ
stabil war.
Die Diadochenkriege
Es sind zwei Elemente, die zur Strukturierung des Geschehens geeignet sind: die Zielsetzung der
Akteure und die Typik des Ablaufes.
Die Mächtigen waren zum einen Vertreter der älteren Generation, die schon unter Philipp II. hohe und
höchste Würden bekleidet hatten.
Vor allem aber waren es Leute, die zum Teil gemeinsam mit Alexander erzogen worden waren, zu
seinen engsten Freunden und Vertrauten gehörten und dementsprechend hohe Positionen
bekleideten.
Ihre Orientierung wird sich nicht prinzipiell von der Alexanders unterschieden haben und durch das
gemeinsame Erlebnis der phantastischen Eroberungszuges noch wesentlich verstärkt worden sein.
Auch wenn sie seine Identifizierung mit der mythischen Welt nicht teilten, sahen sie Alexander doch
als großes Vorbild. Ihr Drang der erste zu sein, war ebenso dominant wie ihre Fähigkeit zum
Nachgeben unterentwickelt. Letztlich ging es ihnen darum, das ganze Reich selber zu beherrschen
oder wenigstens nicht unter einem der ihren nur an zweiter Stelle zu stehen. So kamen die letzten
Argeaden unter die Räder: Philipp III. wurde 317, Alexander IV. 311 ermordet.
Nach dem Tode des Antipatros (319), der loyal als Reichsverweser amtiert hat, ergab sich immer
wieder
eine bestimmte Konstellation, ähnlich derer, die sich schon nach Alexanders Tod
herausgebildet hatte: Einer der Diadochen war so stark und mächtig, dass sich die anderen gegen ihn
verbündeten. Dazwischen gab es gelegentlich Friedensschlüsse und ebenso kurzfristig wechselnde
Allianzen.
Dies darf man nicht so sehen, als habe nur einer nach der Macht über das ganze Alexanderreich
gestrebt, während die anderen mit dem ihnen zugefallenen Teil zufrieden waren. Auch diese gingen
aufs Ganze, sobald sich ihnen die Möglichkeit bot.
Antigonos war allerdings faktisch am ehesten in der Lage das Erbe Alexanders zu übernehmen (Er
hatte die besseren Machtmittel, war geschickter und kreativer als seine Gegner).
So war er es, der sich im Sommer 306 als erster, gemeinsam mit seinem Sohn zum König
proklamieren ließ. Seine Konkurrenten folgten ihm in den folgenden Monaten, die so das „Jahr der
Könige“ bildeten.
Deshalb war der Tod Antigonos`, der bei der Schlacht von Ipsos im Jahre 301 fiel, ein bedeutsamer
Einschnitt.
Danach war definitiv, wie sich zeigen sollte, die Einheit des Reiches keine realistische Möglichkeit
mehr, auch wenn sie manchem noch vorschwebte und 20 Jahre später noch einmal für kurze Zeit fast
wiederhergestellt war.
Nun folgte eine Zeit voller Kämpfe, vor allem um Makedonien, die bis ins Jahr 272 reichten.
Dann haben sich nunmehr drei Großreiche herausgebildet, die Reiche der Ptolemäer, Seleukiden
und Antigoniden.
Großreiche und Machtpolitik (272 – 205 vor Chr.)
Dir Großmächte standen einander über Jahrzehnte hinweg im großen ganzen gleich stark und
gleichrangig gegenüber → Gleichgewichtspolitik.
In Zeiten nach einem Herrscherwechsel kam es fast regelmäßig zu kriegerischen
Auseinandersetzungen.
Es waren vorwiegend die Ptolemaer, die agil, expansiv und aggressiv waren. Das heißt jedoch nicht,
dass die Herrscher der anderen Großreiche besonders zurückhaltend waren.
Das Reich des Ptolemaios III. blieb jedenfalls auch in den folgenden Jahrzehnten das mächtigste der
drei hellenistischen Imperien.
Einer der wichtigeren Kriege scheint der 1. Makedonische Krieg (von 215 bis 205) gewesen zu sein.
Hier kämpfte Philipp V. von Makedonien gegen die Römer bzw. den mit Rom verbündeten Aitolern.
Diese arrangierten sich 206 mit Philipp → Friede von Phoinike
Im Schatten Roms (205 – 30 vor Chr.)
Obwohl die hellenistischen Herrscher, als auch die Griechen begriffen erst spät, dass sie es in Gestalt
Roms mit einer inkommensurablen Größe zu tun haben.
Philipp V. und Antiochos III. Verkörperten den Typus des hellenistischen Königs mit seiner
umtriebigen Ausrichtung auf Macht, Ruhm und Prestige. Ein Konflikt zwischen beiden war keineswegs
auszuschließen, aber der Tod Ptolemaios IV. im Jahre 204 sorgte für eine überraschende Wende.
In Alexandria gab es nach dem Herrscherwechsel erhebliche Unruhen. In dieser Situation einigten
sich die beiden anderen Könige in einem geheimen Abkommen, das wahrscheinlich die Teilung des
Reiches vorsah. Sie brachten das Ptolemäerreich als dritte Großmacht nicht ins Spiel und verstoßen
so gegen ihre eigenen ungeschriebenen Regeln.
201 informiert eine Gesandtschaft Rom über die Störung des Gleichgewichts im Osten und weisen auf
die Gefährdung Roms durch Philipp V. hin.
Rom versucht im Folgenden Antiochos diplomatisch in die Schranken zu weisen → „Kalter Krieg“, der
heiß wird als die Spannungen zwischen den Römern und den Aitolern eskalieren.
Antiochos nimmt in diesem Krieg dir Rolle eines Vorkämpfers griechischer Freiheit an. Doch schnell
zeigt sich der Widerspruch zwischen der realen Macht der Römer und der im Vergleich dazu eher
demonstrativen Größe Antiochos´.
Der wird im Jahre 189 besiegt („Frieden von Apameia“).
16.
Indirekte römische Dominanz über griech. Staaten:
Rom ist mit vielen griech. Städten befreundet. Diese bitten zur Erreichung ihrer Ziele häufig die Römer
zu Hilfe
→ Abhängigkeit von Römern mit gleichzeitigem lästig Werden des ständigen Eingreifens
→ Griechen begrüßen Widererstarken der makedonischen Monarchie
Perseuskrieg:
Nachfolge Philipps durch Sohn Perseus 179 v. Chr.
Ausweitung seiner Position durch dynastische Verbindung mit Seleukiden und symbolische
Gesten in Delphi→ Ansehen, Popularität bei Griechen
Stimmungsmache von Eumenes gegen Perseus im röm. Senat 172 v. Chr.
→ 3. Makedonischer Krieg oder Perseuskrieg 171-168 v. Chr.
→ zugrunde gehen der makedonischen Monarchie in der Schlacht von Pydna 168 v. Chr.
→ Ermordung und Deportation der Freunde und Verbündeten von Perseus, nur noch
Romfreunde haben das Sagen in griech. Staaten
Antiochos IV. (Herrscher des Seleukidenreichs) versucht im 6. Syrischen Krieg (170-168)
Ptolemäerreich unter seine Kontrolle zu bringen
→ röm. Machtwort bringt ihn zum Rückzug
→ Rom ist nun bereits Weltmacht
Römische Herrschaft über Griechenland:
Pax Romana- kein noch so geringer Widerstand in Griechenland ist mehr möglich
148 v. Chr. Makedonien gerät als Provinz unter röm. Herrschaft
146 v. Chr. Krieg mit Achaiern → Zerstörung Korinths, eine der bedeutendsten Städte
Griechenlands
133 v. Chr. König von Pergamon stirbt → Reich fällt Römern zu
Massive ökonomische Ausbeutung durch Römer
→ verhasste röm. Herrschaft
→ Vesper von Ephesos 88. v. Chr. : Massaker an Römern und Italikern
Lage im Ptolemäerreich und im Seleukidenreich:
Hellenistische Herrscher hatten zwar an Tradition der alten Großreiche des Orients angeknüpft,
hatten damit jedoch keinen nachhaltigen Erfolg
innere Schwierigkeiten im 2. Jh. v. Chr. nehmen zu
→ indigene Bevölkerung entwickelt Widerstand gegen hellenistisches System
→ hellenistische Könige können sich im Inneren nicht mehr konsolidieren, oder Römern Paroli
bieten
Jüd. Oberschicht will sich griech. Lebens- und Organisationsform öffnen →Antiochos erobert
167 Jerusalem und versucht wesentliche Bräuche der jüd. Identität zu unterdrücken
Revolte vor allem der jüd. Landbevölkerung und Rückeroberung Jerusalems durch
Aufständische unter Führung von Judas Makkabäus
→ Entwicklung eines fast 30-jährigen Kleinkriegs zwischen Seleukiden und der schließlich zur
Etablierung eines eigenständigen jüdischen Staats führt
-
Partherreich: • Wachsende Expansion der Parther unter ihrem König
Mithridates I.
• Eroberung Seleukeias, eines der Zentren im Seleukidenreich
und Eroberung ganz Mesopotamines nach Tod von Antiochos VII. 129 v. Chr.
→ das einst so mächtige Reich der Seleukiden versinkt aufgrund
von Thronstreitigkeiten in der Bedeutungslosigkeit
nach Tod von Ptolemaios VI. 146 v. Chr. folgt ein Dauerkonflikt zwischen Ptolemaios VIII. und
seiner Schwestergemahlin Kleopatra II.
→ Ptolemäer werden zur Marionette Roms
→ letzte Königin dieses Geschlechts Kleopatra VII. erwarb sich Herrschaft nur in Betten der
römischen Potentanten
→ Selbstmord Kleopatras 30. v. Chr. um königliche Würde zu bewahren
Soziale Ordnung und politische Organisation
Die neuen Monarchien
Monarchie = Spezifisch politische Organisationsform der hellenistischen Epoche
König = Mitte des Staats
• regelt die Angelegenheiten souverän und erlässt Verfügungen,
Privilegien (wird auch das belebte Gesetzt genannt)
→ vergleichbar mit absolutistischer Monarchie
• muss ein kompetenter Heerführer und erfolgreicher Politiker sein
→ Orientierung auf Erfolg
→Herrscher entwickeln Ideologie und Gestik des Sieges und der
Sieghaftigkeit
Reiche = basileia (Königreich, Königtum) und sind unmittelbare Erben der Monarchie
Alexanders
• sind keine Flächenstaaten, sondern bestehen aus einzelnen
Territorien mit hoher Eigenständigkeit und Komplexität
(Stammeseinheiten, Tempelstaaten)
→ schwere Zuordnung v. a. in Randgebieten (somit der Außengrenze des Reichs)
→ Könige versuchen v. a. in diesen Randgebieten in Einflussbereich anderer Monarchen
einzuwirken
Hellenistische Monarchien waren sehr stark auf Akzeptanz ihrer Herrschaft durch Untertanen
angewiesen, um Legitimität und somit Stabilität ihrer Herrschaft zu sichern. Schwer war dies dadurch,
dass es viele verschiedene Gruppen von Untertanen gab
Verhältnis zu griech. Städten:
• Griechen sehen die Tyrannis als das Zeichen der Unterdrückung → die Polis wird,
um Akzeptanz der Griechen zu erhalten, von Monarchen als eigenständige Einheit angesehen
→ Verhältnis zu Städten gleicht völkerrechtlicher Allianz
• das Instrument des Gabentausches wird eingeführt und somit der König als
Wohltäter und Beschützer geehrt und respektiert
• Euergetismus= System der Wohltaten
Leistungen in Form von finanziellen Zuwendungen in Notzeiten und
Errichtung von Bauten
→ Monarchen sind häufig konkurrierend im Stadtbild präsent
nichtgriechische Bevölkerungsgruppen sind an herrschaftliche Organisationsform gewöhnt
es gibt unterschiedliche Traditionen in den verschiedenen Gebieten. Dies fordert
unterschiedliches Verhalten/ unterschiedliche Riten/Respekt der Könige in den jeweiligen Gebieten
→ unterschiedliche Legitimitätsstrategien, die sich teilweise widersprechen
Herrschaft:
•allein auf Erfolg gestützte Herrschaften sind unstabil
→ Erhalt von dynastischer Stabilität durch binden an eine Familie mit
göttlicher Abstammung Bsp. Seleukiden geben sich als Abkömmlinge von Apollon
•es gibt keine klare Hierarchie der Erbfolge→ Konflikte,
Geschwistermord
• Bemühung der Herrscher Vorstellungen von einem religiös
überhöhten Königtum durchzusetzen werden durch
Mysterienreligionen und Herrscherbeinamen unterstützt
Bsp.: Epiphanes - der Ansehnliche, der Erscheinende
→ götterähnliche Verehrung der Herrscher
Königshof:
•äußeres Erscheinungsbild der Monarchie ist wichtig
→ Fördern von Tätigkeiten, die nicht dem Herrschaftszweck dienen,
sondern Ansehen bringen Bsp.: Förderung von Intellektuellen und
Dichtern (Bsp.: Museion in Alexandria)
→ Entwicklung von bestimmten Gattungen von Literatur und
Wissenschaft ist möglich.
• Ausgestaltung der königlichen Paläste, Herausbildung eines
höfischen Zeremoniells
• Symposion= Trinkgelage des Königs mit wichtigsten Würdenträgern,
Beratern und den erwähnten Literaten und Intellektuellen
→ Loyalität, wechselseitige Unterstützung , aber keine Herausbildung einer stabilen
Führungsschicht
Heer:
• Heere der hellenistischen Könige sind überwiegend Söldnertruppen
→ geschäftliches Verhältnis, Offiziere wie Truppen können den
Auftraggeber wechseln
• Antigonidenreich: Militärordnung bleibt intakt, makedonische Phalanx sind auf Herrscher
eingeschworen
• im Ptolemäerreich scheitert der Versuch mit Hilfe von Land gegen milit. Dienstpflicht, das
Heerwesen auf eine andere Grundlage zu stellen. Die diese sog. Kleruchen an milit. Wert verloren
→ Mobilisierung von Ägyptern
@Die hellenistische Monarchie litt an struktureller Schwäche die von Glanz und Erfolg lange Zeit
überdeckt wurde und die besonders in Konfrontation mit der römischen Macht sichtbar wird.
Die Reiche im Einzelnen
Ptolemäerreich:
Ägypten, große Teile der Levanteküste, ( Palästina bzw. Judäa, südliches Syrien, Koilsyrien), Zypern,
große Teile der kleinasiatischen Südküste, viele Inseln der Ägäis und Poleis, Kyrene
König hat seinen Sitz in Alexandreia mit ca. 1 Mio Einwohner im ausgehenden 1. Jh. v. Chr.
Verantwortung für das Funktionieren des Lebens in der Stromoase des Nils liegt beim
Herrscher
Strikte Gliederung des Landes in je Bezirke(nomoi) in Ober- und Unterägypten
Königliche Beamte sind für Finanzverwaltung, Buchhaltung, wirtschaftl. Produktion zuständig
(Nomarch, Oikonomos (Hausverwalter), Grammateus (Sekretär))
Alle Fäden der Administration laufen beim Dioiketes (Verwalter, Finanzminister) zusammen
Strategen sind dem König direkt zugeordnet und für Gerichtsbarkeit und öffentl. Ordnung in
den Bezirken zuständig
Ägyptische Bevölkerung= überwiegende Mehrheit der dörflichen Bevölkerung
• bebauen das Bewässerungsland
• Hälfte des Ertrags, Grundsteuern und weiter Abgaben müssen an den
König abgegeben werden
→ Königsbauern auf Königsland
→ König geht es nicht nur um gewährleistete Versorgung seiner
Untertanen, sondern darum möglichst viel aus seinem Land
herauszuholen
Steuersystem:
• Einzug der Steuern durch privatwirtschaftliche Unternehmer
→ Unternehmer sind selbst für Erhebung bei steuerpflichtiger
Bevölkerung zuständig
→ doppeltes System hat große Vorteile für den König: wechselseitige
Kontrolle, überschaubares Budget
• sehr kompliziertes System.
• aufgrund des großen finanziellen Aufwands für Kriegsführung,
Wohltaten zur Prestigemehrung und opulenter Hofhaltung erhöhte sich der Abgabendruck
→ elementare Bedrohung für die Bauern, die sowieso schon am
Existenzminimum lebten
→ Untertanen versuchen Druck zu entgehen und stellen sich in Dienst des Tempels,
um somit von den Privilegien zu profitierten
17
Bevölkerung im Ptolemäerreich
• bunte Zusammensetzung der Bevölkerung des Nillandes: Juden (besonders in Alexandreia),
Makedonen, Thraker, verschiedene orientalische Gruppen und Griechen --> überwiegend friedliches
Zusammenleben
• Griechen als königliche Funktionsträger auf verschiedenen Ebenen, Entrepreneurs, Kolonisten und
besonders als Kleruchen tätig --> sozial und politische dominierende Gruppe --> bildeten die
eigentliche Bürgerschaft als einzige Vollbürger --> im 2.Jh. verstärkte Spannungen zwischen den
Bevölkerungsgruppen aufgrund der daraus resultierendem sozialen Gefälle
Wechselbeziehungen und Koexistenz
• enges Zusammenleben in den Dörfern
• griechischer Einfluß: Symposion, Sport
• ägyptischer Einfluß: Religiösität, Kultpraxis
• bemerkenswerte Offenheit der Juden gegenüber dem Griechischen
• Entwicklung einer partiell hellenisierten ägyptischen Mittel- und Oberschicht
• Gruppen blieben jedeoch getrennte rechtskreise --> Hellenismus als eine Epoche der Koexistenz
und Konvivenz
• im Seleukidenreich entwickelte sich eine noch größere Vielfalt der Traditionen
Gründungen in Syrien
• Gründung der 4 Städte: Antiocheia, LaodIKEiA, Apameia, Seleukeia (neue Zentrum Babyloniens,
gegründet durch Seleukos Nikator (311 – 281) --> eine der bedeutendsten hellenistischen
Metropolen)
• Seleukiden stützten sich auf die griechische Polis, hielten jedoch bewährte Traditionen einzelner
Regionen aufrecht (besonders Babylon, Uruk, Medien) --> sehr unterschiedlich beeinflusstes Reich
• Seleukiden: Steuer- und Abgabensystem; Bemühungen um Verbesserung der Infrastruktur
• ptolemäische Ägypter: System der Steuerpacht; Reichsorganisation stark am persischen Reich
orientiert
Antigodenreich
• Antigodenreich = Makedonien, Thrakien und Teile Griechenlands
• hält an einheitlichen Traditionen fest
• Erbe des von Philipp II. reorganisierten Makedonenreichs
• Gliederung des Landes in Poleis
• In Thrakien deutlicher Prozess der Hellenisierung durch Städtegründungen und Neuorganisation
Attaliden von Pergamon
• enge Bindung an Rom
• Begründer Attalos I. feiert Erfolge gegen die Galater --> Anknüpfug an die Tradition der
Perserkriege
• Homogenität des pergamonischen Reichs
• beispielhafte Repräsentation der Könige durch die Palastanlage auf dem Burgberg des Pergamon
GRIECHISCHE STÄDTE UND BUNDESSTAATEN
Bedeutung der griechischen Polis
• Polis weiterhin typische Form der griechischen Vergemeinschaftung --> breites Spektrum der
Polisformen (Bsp. die unabhängig operierende Republik Rhodos und die Residenzstädte Alexandreia
und Pergamon)
• Gemeinsamkeiten zwischen den Städten: Selbstverständnis, Habitus --> städteübergreifende
Kommunikation, wechselseitige Annerkennung der Kulte
• Hellenismus als Blütezeit der Polis
Städtebild
• wehrhafte und kunstvoll errichtete Stadtmauer
• hochentwickelte städtische Infrastruktur (Straßenbau, Wasserversorgung)
• Gebäude mit monumentalen Zuschnitt (Tempel, Heiligtümer, Theater, Gymnasien, Stadien,
Bäder, Bibliotheken, Marktplatz mit den wichtigsten administrativen Gebäuden)
• Bautyp der Stoa
• Festkultur: elementare Form der gesellschaftlichen Kommunikation (gemeinsames Opfer,
Wettkämpfe etc.)
Selbstverwaltung
• Poleis = Republiken mit Institutionen wie Volksversammlung, Räte, Magistrate und Beamte -->
informellen Sinn Demokratie, tatsächlich jedoch Dominanz der führenden Schichten
• Privater Reichtum finanzierte öffentliche Aufgaben --> Wettkampf im Euergetismus
• Entwicklung aristokratischer Eliten und Familien --> massiver Konflikt
• Konfliktpotential des Poleis um Land und Grenzen --> neutrale Polis als Streitschlichter
Städte als Handelszentren
• weitreichender Handel mit Arabien und Indien
• Städte mit günstigen Hafenplätzen besonders wichtig
• Sicherheit der Seeflotte durch die rhodische Flotte gewährleistet
• Aufblühen der Piraterie --> Kidnapping, Menschenhandel
Bundesstaaten (koina)
• Verbände, in dene Poleis als Grundeinheiten miteinander verbunden waren, jedoch keine
Herrschaftsmacht --> Eigenständigkeit der Poleis
• zentrale Instanzen: Direktversammlung, Ratsgremien, Führungsbeamte
• Bundesstaaten waren offen, d.h. andere Poleis oder Bundesstaatten konnten sich anschließen -->
weite Ausdehnung des Aitolischen Bundes und der Achaier
• Bundesstaaten als republikanische Alternative zur monarchischen Dominanz
• keine langfristige Bewährung der Bundesstaaten
INDIGENE MILIEUS
Kulturelle Austauschprozesse
• Aufrechterhaltung der Traditionen und Lebensstile der nichtgriechischen Bevölkerung -->
unterschiedliche Austauschprozesse (Beispiel der Phöniker auf Zypern: viele Phöniker waren
zweisprachig, trugen Doppelnamen; phönische Elemente im Kult der Aphrodite)
• resistent gegenüber der Einflüsse blieben die religiösen Praktiken in Ägypten und Mesopotamien
• enges Nebeneinander von Griechen und Makedonen in der Tempelstadt Uruk --> Doppelnamen
etc.
18
•
Die jüdische Geschichte ist ein instruktives Beispiel die Reichweite wie Grenzen der
Hellenisierung.
¾ Dem Hellenismus gegenüber setzte die jüdische Lebensweise durch ihren
Monotheismus und ihre speziellen Regeln einer kulturell- religiösen Überformung
Barrieren entgegen. Darauf hin wurde die hellenistisch- jüdische Kultur zu einem
„Testfall“ für Modi und Umfang der Akkulturationsprozesse. Diese sind durch Texte
des hellenistischen Judentums bekannt, sowie der Makkabäerbücher. Wichtigstes
Referenzwerk darüber ist Martin Hengels Buch „Judentum und Hellenismus“.
¾ Hierbei ist wichtig zu betrachten, dass es unterschiedliche Lebensformen gab. Den
Tempel, Jerusalem und die umliegenden Dörfer, sowie Juden in der Diaspora (=
andere Lebensmilieus). Als Stadt war auch Alexandreia wichtig. Darüber hinaus
fanden sich Juden vor allem in Handelszentren, wie zum Beispiel Rhodos, Delos oder
Rom.
¾ Trotz aller Unterscheide vereinten sie die Jahwe- Verehrung und die Beachtung der
religiösen Vorschriften, ob man weit von Jerusalem entfernt war oder nicht, der Bezug
und die Treue zu Jerusalem blieben.
¾ Jerusalem und Judäa waren im 3. Jhd Teil des Ptolemäerreichs und in religiösen
Traditionen und Gesetzen wurden sie nicht eingeschränkt. Die wesentliche
Verantwortung lag beim Hohepriester, in welchem die Oberschichten vertreten waren.
Neben ihm stand ein „Vorsteher des Heiligtums“ (porstátes tou hieroú). Dieser war
verantwortlich für die Finanzen und dem König verantwortlich. Dies hatte die
Einführung des Systems der Steuerpacht zur Folge. Das griechische System war aber
auch Juden attraktiv und sie hatten starke Aufstiegschancen. Bestes Beispiel bietet
Tobias aus dem Ostjordanland.
¾ Griechische Sprache und Zivilisation waren in der Diaspora von besonderer
Wichtigkeit. Im 3. Jhd vor Christus wurde bereits die Thora ins Griechische übersetzt.
Vor allem die Stadtbewohner öffneten sich dem Griechischen sehr stark, während auf
dem Land an den traditionellen Glaubensregeln festgehalten wurde, wo vermutlich
auch Abgabendruck und die Gefahr der Verschuldung eine Rolle gespielt haben
mögen. Aber auch die unteren Schichten Judäas hingen stärker an den
Überlieferungen, als die oberen. Sie besaßen also die Tendenz zur Abgrenzung vom
Fremden, also dem Heidnischen.
¾ Diese Situation wurde auch von verschiedenen religiösen Schriften reflektiert. In
solchen Schriften wurden oft Bilder der Endzeit aufgegriffen, woraus eine Apokalyptik
der Gerechtigkeit, als Vision vom nahen Ende, entstand. Später spielte dabei der
Messias eine besondere Rolle. Die Chassidim („ Die Frommen“ trugen diese Lehren
ins Volk
¾ Die hellenistischen Juden versuchten in der weiteren Entwicklung immer mehr an die
die griechischen Ideenwelten anzuknüpfen. Jerusalem wurde Hierosolyma, heilige
Solymerstadt, genannt (Verknüpfungen mit Erzählungen Homers)
Die monotheistische Verehrung Jahwes widersprach jedoch dem extrem
anthropomorphen Polytheismus der Griechen. Ließen sich aber als Philosophie
plausibel machen.
Nach dem 5. Syrischen Krieg im Jahre 200 kam der jüdische Tempelstaat unter die Herrschaft
der Seleukiden und Antiochos III garantierte alle Privilegien.
¾ Erst mit der Herrschaft Antiochos IV. erreichte die Hellenisierung ihren Höhepunkt.
Angehörige der hellenistischen Oberschicht trugen griechische Namen (Jason von
Joschua- Jesus). Es existierten dabei religiöse, politische und soziale Konzepte: der
Himmelsgott konnte Jahwe, Zeus- Olympios oder Baal Schamem (phönikisch)
genannt werden. Unter dem Namen Antiocheia sollte Jerusalem eine große Polis
werden.
¾ Man sprach bereits von der Volkserhebung und den Makkabäerkriegen, welche die
Herausbildung eines unabhängigen jüdischen Staates unter der Dynastie der
Hasmonäer zur Folge hatten. Dies bedeutete aber nicht den Sieg über den
Hellenismus, sondern es kam zur weiteren Hellenisierung.
¾ Der neue jüdische Staat zeigt durchaus charakteristische Elemente der
hellenistischen Monarchie. Herrscher führen Königstitel bleiben aber weiterhin
Vorkämpfer des Judentums. Das Heer zeigt in Kampfesweise und Zusammensetzung
hellenistische Züge. Pilgerfahrten nahmen zu und die Anzahl der Juden, die
griechisch sprachen.
¾ Politisierung und „Säkularisierung“ bewirkten Widerstand unter den Glaubenstreuen,
was die Entwicklung zweier neuer religiöser Gruppen zur Folge hatte. Die „asketische
Gemeinschaft“ und die Gruppe des Volkes um die Pharisäer. Die Situation war voller
Spannungen, aber nicht nur unter den zwei Gruppen, sondern auch unter den
Pharisäern. Dies wurde in der Regierungszeit der Herodes (40- 4) deutlich.
¾ Herodes war jüdischer Herrscher, römischer Klientelfürst und hellenistischer König.
Einerseits gründete er jüdische Tempel, andererseits Städte in hellenistischer
Herrschermanier. Was zeigt, dass sein Staat ein spätes, aber instruktives Beispiel für
ein hellenistisches Reich, aber auch für die Buntheit und Lebendigkeit der kulturellen
Kontakte wurde.
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Wahrnehmung, Deutung, Wertvorstellung: Der Hellenismus als kulturelles Phänomen
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Zentraler Gegenstand dieses Kapitels sind mentale Dispositionen.
¾ Es wird ein Blick auf den Hellenismus und auf Phänomene des Religions- und
Geistesgeschichte geworfen. Dies bedeutet, dass hellenistische Religion, Philosophie,
Literatur und Kunst eingehend erforscht werden.
Grunderfahrungen und Lebenswelten
Prägend waren für den Hellenismus der weltumstürzende und alle Vorstellungen sprengende
Zug des Alexanders und die an raschen Wendungen reichen Auseinandersetzungen der
Diadochen, sowie deren Feldkriege
Persönliche Veränderungen konnten sich schnell ergeben, wozu Migration in Form von
Kolonisation stark beitrug.
Obwohl Herrscher generell Zurückhaltung gewahrten, wurden wesentliche Entscheidungen in
deren Herrschaftsgebieten nicht mehr vom Rat oder der Vollversammlung der einzelnen
Poleis geschlossen.
¾ Alle Untertanen litten unter dem Druck, den die Könige durch machtpolitische
Ambitionen und ihren aufwendigen Lebensstil erzeugten
¾ Eine zunehmende Bedeutung gewinnt deshalb für die Menschen die Schicksalsgöttin
Tyche. Die Untertanen verlieren durch den Glauben an sie sämtliches Gefühl des
ausgeliefert seins.
Viele Menschen, vor allem Kaufleute u.ä. waren mit anderen Regionen, Kulturen und
Vorstellungen konfrontiert und entweder sie empfanden sie als völlig abstoßend, oder aber als
anziehend. Diese Auseinandersetzungen führten zum in Frage stellen der Traditionen und der
Identitäten, wie zum Beispiel des hellenistischen Judentums.
Die Menschen lebten immer noch in fest gefügten Einheiten. Dies galt in dem Poleis, aber
erstrecht in den Dörfern, vor allem in Ägypten.
¾ Die Städte waren zunehmend griechische geprägt und es entwickelte sich ein StadtLand- Gefälle. Die Stadt lebte auf die Kosten des Landes.
In der Stadt wurde griechisch gesprochen und auf dem Land die traditionellen
Dialekte und Sprachen
Die Ehe war in klassischer Zeit ein Zweckverband. In der hellenistischen Zeit gewannen die
eheliche Verbindung aus Liebe und die Treue zunehmend an Wichtigkeit. Dies hatte letzten
Endes auch Auswirkungen auf die Stellung der Frau. Dieses Phänomen ist vorwiegend aus
Ägypten bekannt.
¾ Die verbesserte Stellung der Frau und ähnliche Phänomene lassen den Begriff
„Emanzipation“ ins Spiel kommen. Dies ist aber bei weitem nicht richtig, da die
hellenistische Gesellschaft immer noch patriarchalisch war. Die Frau war also immer
noch beschränkt auf die Rolle der Gattin und Mutter.
Auch das Institut der Sklaverei blieb bestehen.
¾ Dieses war auch im Orient bekannt, wo der Sklave Höriger und Königsbauer genannt
wurde. Doch die Lage war kaum besser als die der Sklaven in Griechenland und der
jüdischen Sphäre.
¾ Die Sklaven durften auf Freilassung hoffen oder sogar damit rechnen.
¾ Problematisch war nur die Massensklaverei. Diese Sklaven konnten gefoltert werden
und hatten mit schlimmen Strafen zu rechnen. Von der Zwangsarbeit bis zur
Kreuzigung.
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Religiöse Veränderungen
Die Beeinflussungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen, ihren Vorstellungen
und Praktiken war auf dem religiösen Gebiet am Größten.
¾ Überlieferte Kulte wurden nahtlos weitergeführt, sowie die ägyptisch- orientalische
Götterverehrung. Außerdem bleiben die Götter Zentrum der städtischen Riten.
¾ Generell waren die Griechen anderen Gottheiten über offen. Die Integration fremder
Götter war leicht möglich. (interpretatio graeca)
¾ Ihre Hauptgötter konnten auch lokale Eigentraditionen rezipieren. Deshalb sind uns
heute auch die vielen verschiedenen Beinamen (Epiklesen) der Götter überliefert.
Es gab aber Veränderungen auf zwei Gebieten. Den Mysterienreligionen und dem
Herrscherkult. Die Religion war stark auf die Polis orientiert und die Götter wurde mit Opfern
und Gebeten günstig gestimmt. Darüber hinaus gab es für die Gottheiten der Vegetation und
der Fruchtbarkeit zwei andere Merkmale: sie wurden in Verbindung gebracht mit der
Überwindung des Todes und dem besseren Leben im Jenseits.
Bestimmte Kulthandlungen waren eingeweihten vorbehalten und unterlagen strengster
Geheimhaltung. Aus diesem Grund wurden sie auch Mysterien genannt.
¾ Im Leben von Mysten (=Eingeweihten) ist die Gottheit mehr als ein „bloßer“ Polisgott.
¾ Mit den Mysteriengottheiten wurden überwältigende- eindrucksvolle Kulte des Ostens
verbunden, vor allem, wenn deren Gestalten an bekannte Gottesvorstellungen
erinnerten. Speziell in Kleinasien wurde damit die weit verbreitete Muttergottheit
(Kybele) verbunden. Die Griechen verbanden sie mit Rhea oder Meter.
¾ Die engsten eingeweihten dieser Muttergottheit wurden Gallen genannt und ihr
männliches Pendant war Attis, ein schöner Jüngling.
¾ Dieser Kult wurde bis ins römische Reich verbreitet und Kultzentren der Gottheit
wurden auch von Seitens der Herrscher verehrt.
Aber wichtiger als der Mysterienkult war der Kult der Isis, deren Gestalt und Mythos die
ägyptische Grenzziehung zwischen Fruchtland und Wüste, sowie Leben und Tod und die
nährende Schwemme des Nils, reflektieren. Ihr Gatte ist Osiris und ihr Sohn Horus.
Die geheimen Kultpraktiken bei der Priesterweihe erinnern auch an die Mysten des Isiskultes.
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¾ Potelmäische Herrscher wandten diesem Kult Aufmerksamkeit zu, wobei sie einen
neuen Kunstgott, den Sarapis, schufen. Dieser wurde zum Retter vor Krankheiten,
Schutzgott der Polis Alexandria und des Herrscherhauses.
™ Der Isiskult fand rasche Ausbreitung über Ägypten hinaus.
™ Isis verkörperte die gesamte kosmische Ordnung, die liebende Frau und
Mutter und die Beschützerin der Erde.
Dionysos ist ein verehrter Mysteriengott, sowie Garant und Beschützer herrschaftlicher Macht
Mithras ist der Licht- und Sonnengott, Retter und Lebensstifter. Er tötete einen Stier und nahm
diesen toten Stier als Zeichen für das stiften von Leben.
¾ Besondere Bedeutung entfaltete er erst in der römischen Kaiserzeit, also in der Zeit
die auch Vollender des Hellenismus genannt wird.
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Die Mysterien- bzw. Erlösungsreligionen wurden oft mit dem Christentum verglichen, wobei
die Differenzen deutlich überwogen, da das Christentum ja eher im Milieu des hellenistischen
Judentums lag. Die Kultgemeinschaften der Mysten waren örtlich beschränkt und
polytheistisch, während die Gemeinschaft des Christentums weltweit war und vor allem
monotheistisch.
Die Herrscher waren mit der göttlichen Sphäre auf vielfältige Weise verbunden, schon
deshalb, weil sie die unterschiedlichsten Kulte fortführten und förderten.
¾ Die ägyptischen Pharaonen zum Beispiel waren mit göttlicher Kraft begabt.
¾ Dies ist einer herrschaftlich- göttliche Verbindung, die es auch in Griechenland gab.
Zeus wurde Vater Alexander des Großen genannt und Apollon Vater des Seleukos
Nikator und Stammvater der Seleukiden.
¾ Wahrscheinlich haben auch hier die Dynastiekulte, die göttliche Verehrung der
Vorfahren des Ptolemaios II., ihren religionsgeschichtlichen Ort.
Eine charakteristische Variante ist die Vergöttlichung der Herrscher, die auch
„Gottmenschentum“ genannt wird.
Die Trennung göttlicher und menschlicher Sphäre war bei den Menschen nicht absolut
ausgeprägt. Ein Beispiel dafür ist Herakles, der als sterblicher Göttersohn Unsterblichkeit
erlangt.
¾ Wenn man jemandem besonderen Dank und Ehre erweisen wollte, konnte man ihn
verehren, wie einen Gott.
¾ Schon Aristoteles spricht von gottgleichen Ehrungen für Herrscher. Aus diesen
Ehrungen entstehen auch später die Herrscherkulte, die die höchste Form der Ehrung
darstellen.
¾ Ob sich jedoch mit dem Herrscherkult Religiosität verband ist fraglich. Viel mehr
stellen sie eine Art Loyalitätsakt dar.
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Religiosität
- religiöse Einbettung des Königtums
=> Instrumentalisierung von Erwartungen und Vorstellungen der Untertanen zur religiösen
Legitimierung der Herrschaft
Unterschiedliche Formen des herrschaftlichen Auftretens:
Schützling, Diener, Verehrer, Anbeter, Söhne und Abkömmlinge von Göttern, deren Inkarnation, als
Götter selbst.
ABER: in Not: - Rückgriff der Bevölkerung auf Zauber und magische Beschwörung
- Rückwendung zu „alten“ Göttern
Ö
haben Macht in Extremsituationen zu helfen
Bsp.: Isisgebete aus hellenistischer Zeit, Juden vertiefen ihren traditionellen Glauben angesichts der
hellenistischen Herausforderung, verbreiten diesen im Volk
Die hellenistische Philosophie
Sozialer Kontext von Philosophie und Kunst
Behandlung mit Vorbehalt, da Prozesse im intellektuell-künstlerischen Milieu Zeitphänomene
nicht direkt abbilden
→ starke Eigengesetzlichkeit, Rückgriffe auf ältere Vorgänge, Rezeptionen, intertextuelle Bezüge
Ö
Brüche oder Kontinua in der politisch-sozialen Entwicklung entsprechen nicht unbedingt den
Paradigmenwechsel oder Entwicklungslinien in Philosophie, Literatur und Kunst.
ABER: Zusammenhänge meist nachweisbar
Die griechische Philosophie
elitäre Tätigkeit, den Oberschichten vorbehalten → grch. scholé = Muße
Aufgabe der Philosophie: Ermittlung des eigentlichen, wahren Kerns der Dinge hinter den
bloßen Anschauungen
Gezielte Abwendung der Sophisten des 5. Jh. von abstrakter Denkweise, da Diskrepanz zu
herkömmlichen Vorstellungen
ABER: Platon führt alte Grundsätze wieder ein: Äußerungen zu ethischen und politischen Fragen,
sowie religiöse Vorstellungen stehen jenseits der realen Welt
- 4.Jh.: Diskussion innerhalb der Gemeinschaften kleiner Philosophenschulen: Platons Akademie,
Aristoteles´ Lykeion/ Peripatos
→ Diskurs = gedankliche Auseinandersetzung mit Vorgängern, epochenübergreifend
Erweiterung des Systems der Philosophengemeinschaften durch Einrichtung neuer Schulen:
Auseinandersetzung mit Gedankengut philosophischer Vorgänger, interne Diskussion, Gedankenstreit
mit anderen Schulen
→ selbstreferentielles System, wenig Verbindung mit alltäglichem Leben
Literatur
- seit homerischer Epik und Dichtern wie Hesiod situativ, auf Darbietung und Performance im Rahmen
von Symposien, im öffentlichen Raum und Theater orientiert
- 4.Jh. : individuelle Lektüre ist verbreitet → wachsendes Lesepublikum
- Hellenismus: elitär- artistischer Charakter der Literatur
→ Museion von Alexandreia: Orientierung am Vorbild der attischen Philosophenschulen: literarische
Diskurse, Auseinandersetzung mit berühmten Autoren der Vergangenheit
ABER: Deutliche, z.T. epochale Differenzen zur Klassik feststellbar.
Ö
Philosophie und Literatur haben festen Platz in der Lebensrealität
Rhetorik
Angehörige der Oberschicht müssen formelle literarische Schulung in der Schule des Rhetors
durchlaufen
→ Rhetorik festes Element der höheren Erziehung
Lernen des perfekten sprachlichen Ausdrucks und Technik des Redens
Literarisch-philosophische Kenntnisse und Studien dazu notwendig
Rückwirkung auf Literatur, besonders auf Prosa
Öffentliche Rede = wesentliches Element der Kommunikation, in der Politik, vor Gericht
Prunkreden zur allgemeinen Unterhaltung immer beliebter
→ Massenveranstaltungen, keine elitäre Beschäftigung:
einfache Bürger verfügen, zumindest als Publikum, über nötiges Urteilsvermögen
Philosophie und Öffentlichkeit
Abrundung des Bildungsgangs der Griechen mit Besuch von Philosophenschule
→ philosophisch Gebildete in Honoratiorenschichten
- öffentliche Anerkennung der Schulen in Athen = Hauptstadt der Philosophie
Schulbesuch fester Bestandteil der Ausbildung der Epheben ( = wehrfähige Jünglinge)
→ bilden Führungsnachwuchs von Athen
viele Philosophen suchen Kontakt mit der Öffentlichkeit (vgl.Sokrates)
→ Stoa, nach Stoa Poikile (= öffentliches Gebäude an der athenischen Agora) benannt, in der
Begründer der Schule, Zenon von Kition/Zypern, seine Lehrtätigkeit begann.
stand in Tradition der Kyniker→ oft aufrüttelnde, an Kapuzinerpredigten erinnernde Reden
Typus des philosophischen Wanderpredigers in Kaiserzeit gut bezeugt
Ö
Vorliebe für philosophische Diskussionen in breiten Schichten
Bsp.: Erfreuung an Demonstration geistiger Überlegenheit des Philosophen Diogenes von Sinope
gegenüber Alexander dem Großen
Ö
hohes gesellschaftliches Ansehen der Philosophie
Könige empfinden es als Ehre mit Philosophen zu kommunizieren
ABER: Fraglich inwiefern philosophische Lehren wirklich wirkten und umgesetzt wurden.
→ Polybios, Politiker und Historiker, zeigt mit vielen Erörterungen, z.B. zur Staatstheorie, wie solche
Bildung vorzustellen ist
Ethische Grundorientierung
Ausrichtung der Philosophenschulen: Auskunft über gesellschaftliche Strömungen,
Anziehungskraft
→ Schulen beantworten drängende Fragen einer verwirrenden und unkontrollierbar gewordenen Zeit
→ Ansatz beim individuellen Verhalten des Einzelnen
Ö
Schwerpunkt: Ethik bzw. praktische Philosophie
→ innerlich-moralische Bewältigung dessen, was man nicht kontrollieren kann
Ö
Gemeinsame Zielsetzung der unterschiedlichen Schulen: Gewinnen der ataraxía =
Unerschütterlichkeit, Seelenruhe
→ Wege dorthin verschieden, aber ethische Anstrengung wird vorausgesetzt
Kyniker
radikalste Schule
geht auf Sokrates Schüler Antisthenes zurück
erste Vertreter: Diogenes von Sinope, Krates von Theben
Tendenz zur provozierenden Umkehrung der Werte
Es kommt nur auf die Tugend (=areté), d.h. ob man gut oder schlecht lebt, an, alles andere
ist bedeutungslos
Der „wahre Weise“, der wirklich Vernünftige, führt ein Leben in areté
Reichtum, Ansehen und Macht sind schlecht
Weise steht über den materiellen Dingen, nur damit erlangt er echte Freiheit
Politik wird „nicht nach dem gesetzten Recht, sondern nach dem der Tugend“ (Diogenes
Laertios 6, 11) betrieben
→ Steigerung individualistischer, der Lebensrealität der Polis widersprechender Ethik zum Ideal der
Bedürfnislosigkeit
Ö
Kyniker = Aussteiger aus den gesellschaftlichen Normen, allein sich und ihrer Einsicht
verpflichtet
Stoiker
Begründer: Zenon, kyprischer Kaufmannssohn, hatte in Athen Krates gehört und Chrysipp,
scharfsinniger Dialektiker
→ geben der kynischen Radikalposition philosophische Grundierung im metaphysischen Weltbild,
sowie in erkenntnistheoretischer Begründung
Rückgriff auf Lehre Heraklits: Welt und Leben ist vom logos, der Vernunft, bestimmt
→ Vernunft = entscheidendes Wesensmerkmal des Menschen
Ö
Vernunft verbindet Menschen mit dem Prinzip, das die Welt zusammenhält, der
Weltvernunft
→ Mensch muss der Vernunft folgen, wenn er seiner Bestimmung gemäß leben will: homologuménos
zen (=in Übereinstimmung leben)
Ö
Leben des Weisen; ist tugendhaft, da Herstellung von Harmonie mit der Weltvernunft
Weise wird von der Einsicht geleitet, dass er in vernünftiger und sinnvoller Ordnung lebt, ist
durch Schicksalsfügung (heimaméne), nicht durch Zufall bestimmt.
→ Unerschütterlichkeit wird gewonnen, da Einklang mit Schicksalsfügung, d.h. was faktisch passiert
ist unerheblich, ein adiáphoron (= gleichgültig). Vgl. Kyniker
Auswirkung in sozialen Zusammenhängen:
Alle Menschen haben teil am logos, d.h. sie sind von Natur aus prinzipiell gleich
Reale soziale Situation gehört zum Indifferenten, d.h. materielle Dinge sind unwichtig; es zählt
in wie weit man seiner Vernunft folgen kann
Nur der Weise ist wirklich frei
Menschliche Gleichheit gilt über ethnische Grenzen hinweg
→ Zenon: Welt, unter Einschluss der Götter, ist eine Polis, ein idealer Staat, dessen Gesetz die
Vernunft ist.
Epikureer
Epikur (341-271 v.Chr.), erlebt Unsicherheit der Zeit
Anknüpfen an Lehre der Atomisten Demokrit und Leukipp
Radikaler Materialismus
Welt, Lebewesen, auch Seele bestehen aus kleinsten, unteilbaren Teilchen (atomos), die sich
ohne erkennbares System miteinander verbinden und wieder lösen
→ Leben entsteht und vergeht
→ Tod = natürlicher Vorgang
Ö
Möglichst angenehme Gestaltung des Lebens: Vermeidung von Schmerz und Belastung,
Suchen von Freude und Vergnügen
→ Heraushalten aus „Stress“ politischer Aktivitäten, zurückgezogenes Leben, im Kreis der Gefährten
Müßiges Leben führende Götter, die sich nicht um Menschen kümmern, als Vorbild
→ verfügen über ruhige Abgeschiedenheit, die lustvolles Leben frei von körperlichem und seelischem
Schmerz garantiert
Ö
extrem individualistische Lehre
Gegensatz zu Stoiker: Ignorieren der Wechselfälle des Schicksals, anstatt Erklärung durch
Schicksalsfügung; Schicksal gibt es nicht, Zufall kann man nicht kontrollieren
Peripatos
Aristoteles Interesse an allen Wissensgebieten dominiert
Schüler Theophrast, Universalgelehrter
Philosophisch-metaphysischer Zusammenhang geht langsam
Einzelforschungen und klassifizierende Beschreibungen dominieren
verloren,
empirische
Praktische Philosophie: Aristoteles Ethik des Ausgleichs zwischen den Extremen besteht
weiterhin
Akademie
Schulhaupt Polemon (314-270 v.Chr.) betont Vorrang der Ethik, aber metaphysische
Spekulationen überwiegen
Nachfolger Arkesialos revolutioniert Schule durch Rückgriff auf Platons Frühdialoge
→ Fragenstellender Sokrates, der keine Antworten gibt
Aufbau auf Phyrrons „skeptische“ Lehren
→ 2.Jh.: neue Richtung findet Höhepunkt mit Karneades
Hinweis Phyrrons auf Konventionalität vieler Wahrnehmungen (vgl. Sophisten) und
Verhaltensweisen
Beitrag der, durch Teilnahme am Alexanderzug gewonnenen Weltkenntnis
Ö
Dinge sind nicht eindeutig erfassbar; strikte Ablehnung von Dogmen
skeptische Richtung der Akademie:
Ö
Grundsatz, dass Gewissheit überhaupt nicht möglich ist, selbst Grundsatz ist ungewiss
Ö
Nur Wahrscheinlichkeitsüberlegungen möglich
wichtigstes Anliegen: Kritik an Positionen anderer Schulen
Entwicklung der Stoa
Kritik der Akademiker ist Herausforderung für dogmatische Stoiker
→ Chrysipps Bemühung um logisch-dialektische Begründung der stoischen Lehre
ursprüngliche Orientierung an Ethik z.T. verloren gegangen
Konfrontation der Stoiker mit vielen offenen Fragen bezüglich der Ethik, z.B. nach Definition
von ethischem Leben, nach Orientierungshilfen für Menschen im praktischen Leben
→ Panaitios von Rhodos, Schulhaupt der Stoa (129 -109 v.Chr): Antwort durch Entwicklung einer von
praktischer Vernunft geleiteten Pflichtenlehre
Systematisierung von relativ guten, „angemessenen“ Verhaltensweisen (kathékonta) im
Bereich des ursprünglich Indifferenten
→ starke Beeinflussung der Römer; standen in engem Kontakt, evtl. Anregung zu Systematisierung
→ Cicero, de officiis (= von den Verpflichtungen): Übertragung von Panaitios Hauptwerk über
kathékonta in die römische Vorstellungswelt
Römer und Philosophie
hellenistische Philosophie wirkt nicht direkt auf konkrete Politik
Intellektuelle an Fürstenhöfen und als Gesetzgeber tätig, aber keine direkt Umsetzung ihrer
Doktrine → oft nicht für Bedürfnisse der Realpolitik geeignet
primäres Ziel: Glück des Einzelnen, Ruhe seiner Seele
ABER: Änderung durch Kontakt mit Römern
2.Jh. : Römer entwickeln Vorliebe für Philosophie, aber Verhaltenskodex stellt politisches Geschäft in
Vordergrund
negotium < > otium, scholé, Muße
→ Cicero etabliert deutlich praxisbezogene Philosophie bei den Römern
→ seine Schriften vermitteln bestes Bild der hellenistischen Philosophie
frühe Kaiserzeit: Stoa, bedeutendester Vertreter Seneca, gibt römischen Senatorenstand
wichtigste geistige Orientierung
Juden und griechische Philosophie
Beispiel für interkulturellen Kontakt zwischen mental und normativ verschieden orientierten
Gesellschaften
Spekulativ gewonnene Gottesvorstellung griechischer Philosophen mit Tendenz zu einer
Gottheit bzw. dem Göttlichen ist Dialog mit Juden förderlich
Stoische Weltvernunft kann theologisch beschrieben werden
→ Nachfolger Zenons, Kleanthes: Hymnus auf Zeus
Zeus = inkarnierte, religiös imaginierte Weltvernunft, Schöpfer der Weltordnung, ist mehr als
Göttervater im griechischen Mythos
→ entspricht Gott der jüdischen Reformer: Verbindung Jahwes mit phönikischem Himmelsgott Baal
Schamem und griechischem Zeus
Aufnahme orientalischer Lehren und Gottesvorstellungen in Konzeption der stoischen Lehre
→ Herkunft Zenons aus Zypern, Chrysipp aus Kilikien
Griechen: jüdische Religion hat Qualität einer Philosophie
Jüdisch-hellenistische Autoren: neben Weisheitslehren aus dem Orient und iranischen
Vorstellungen, Kenntnis über und Auseinandersetzung mit Konzepten hellenistischer, auch stoischer
Philosophie.
→ z.T. Übernahme, oft unbewusst, da zuvor vielfach rezipiert und adaptiert.
Philon von Alexandreia
wichtiger Zeuge für geistige Auseinandersetzungen dieser Art zu Beginn der Kaiserzeit
Bewahrung vieler Gedanken aus hellenistischem Judentum
Darstellung der jüdischen Theologie in Kategorien von platonischen und stoischen Konzepten
auf Grundlage der Septuaginta und mit Rückgriffen auf ägyptische Isisvorstellungen
Beinhaltet ausgeprägte Lehre vom logos, logos = „Sohn Gottes“
Starke Beeinflussung der christlichen Kirchenväter durch Verbindung der Septuaginta mit
platonisch-stoischen Gedanken
→ klare Linie in Römische Kaiserzeit
Literatur und Bildende Kunst
4. Jhd.: Entwicklung einer Lesekultur
Aber: Dichtung bleibt Gegenstand der Darbietung
→ enorme Verbreitung von Theatern in Städten und Heiligtümern
Aufführung von älteren Stücken, Euripides sehr beliebt:
Psychologisch genau gezeichnete Personen, überraschungsreiche Handlungsabläufe, unerklärliche
Götterfiguren, deren Willen man ausgeliefert ist
→ Publikum erscheint dies innerlich plausibel
Neue Attische Komödie (néa)
originelle Variante der Komödie (→ politische Gattung), wirkt stark auf europäische
Theaterliteratur
Entwicklung in Athen zur Zeit des frühen Hellenismus
Von Dramatik des Euripides beeinflusst
Hauptvertreter: Menander, Philemon, Diphilos
Werke, außer Menander, nur fragmentarisch erhalten
Nachdichtung durch Römische Autoren, Plautus und Terenz
Handlung durch Überraschung und Unerwartetes bestimmt
Motive: plötzliches Wiedererkennen eines ausgesetzten Kindes; Verlust und Gewinn von
Vermögen; komplizierte, durch äußere Hemmnisse erschwerte, Liebesbeziehungen, mit happy end.
Feste Charaktertypen: geldgieriger Geizhals, trotteliger Alter, verschwenderischer Jüngling,
selbstbewusste Hetäre (= Buhlerin), pfiffiger Sklave
→ beruhen auf scharfer Beobachtung; sehr lebendige Figuren
=> Psychologie, Ethos der Menschlichkeit
- Bewährung von Freundschaft, Zuneigung, Respekt, Liebe in Peripetie und Wandlungen der äußeren
Umstände
→ Versprechen gewisse Stabilität in unsicheren Zeiten
Nähe zu Epikur erkennbar (gemeinsamer Militärdienst Menanders und Epikurs)
Mimos
knappere dramatische Form
Ziel: genaue Nachahmung der Wirklichkeit
Darstellung von drastischen Szenen aus Alltagsleben
Bsp.: Herondas/Herodas: schwer erziehbarer Knabe wird von seiner Mutter einem prügelfreudigen
Lehrer anvertraut
Imitation von Elementen des Alltäglichen, besonders im Sprachlichen
Literarische Überformung der Szenen, Reden metrisch gebunden
Ö
stilisierter Realismus → Verismus (= Drang nach Wahrheitstreue)
Bukolik
charakteristisch für hellenistisches Kunstwollen
Theokrit, Meister des Mimos: Ansiedelung seiner Gedichte im Milieu der Hirten;
→ Allgemeine Betrachtung der naturnahen Lebensweise als primitiv, verächtlich
plastische Beschreibung durch Theokrit, sinnliches Hervorrufen
Hexameter, Metrum des Epos und Heldengedichts; den Hirten als Gesprächsmetrum geläufig
Artifizielle Literatur, Hirtenwelt = Kunstwelt, Landschaft = Kunstlandschaft
→ seit Römern Beeinflussung der europäischen Poesie
Vorliebe für spielerische Elemente, Tendenz zur Verfremdung/zum Paradoxen, zum
Parodistischen, zur Travestie (= Umgestaltung von ernsthaftem, in possenhaftes Gedicht)
Museion von Alexandreia
Artistentum ist spezifischer Ausdruck hellenistischer Literatur
→ Rahmenbedingungen:
Herrscher berufen Schriftsteller an Höfe: Garantie von sorgenfreiem Leben zu beidseitigem
Ruhm
Autoren können sich ihrer Muße widmen, stehen im Austausch mit Kollegen, permanente
Lektüre und Relektüre älterer Texte zur Verfeinerung ihrer Ausdrucksweise
→ berühmtestes Zentrum: Museion im Palast von Alexandreia
Kritik, z.B. Timon, Schüler Phyrrons: „Musenkäfig“ (Athenaios 1, 22d)
Ausstattung: Bibliothek: Sammlung aller literarischen Werke in allen Sprachen
Leiter der Bibliothek = Erzieher der ptolemäischen Prinzen
→ Literatur = Philologie:
Katalogisieren, Kategorisieren, Kommentieren und Interpretieren alter Texte ist wichtiger Bestandteil
der literarischen Tätigkeit, wirkt auf eigene Werke zurück
→ Autoren = „Dichter und Gelehrte zugleich“, Philitas von Kos, 1. Leiter des Musenvereins
besonders Arbeit an Homer
Vorgehensweise:
1.
Konstitution von Text aus vielen und unterschiedlichen Handschriften
2.
literarische Analyse und sachliche Kommentierung
Ö
Homerexegese
Neue literarische Tendenzen
Zusammenhang mit Identität, Selbstvergewisserung in neuem, kolonialen Milieu
ABER: nicht primäres Motiv, da auch Sammlung und Bearbeitung von fremdsprachlichen Texten
Ö
genaues Studium sprachlicher, grammatischer, metrischer und stilistischer Phänomene
Übertreffen der „Klassiker“ durch besseren Ausdruck etc.
→ Kallimachos von Kyrene: pinakes (=Kataloge): Enzyklopädie der griechischen Literatur
Hang zur literarischen Innovation → Umgewichtung der literarischen Vorbilder, Suche nach
seltenen Ausdrücken zur Ausschmückung der Werke
Problem: werden oft nicht verstanden
Spiel mit den Gattungen, Übertragen der einzelnen Elemente
Kallimachos: Epyllion = Kleinform des großen und langen Epos
Schilderung alltäglicher Szenen (vgl.Theokrit) im Hexameter, mythisches Milieu
Helden = Nebenfiguren
Bsp: Kleinepos Hekále: basiert auf attischer Lokalsage um Tötung des Stiers von Marathon. Im
Zentrum steht nicht der Held, sondern alte, arme Frau.
Apollonios von Rhodos
2. Leiter der Bibliothek von Alexandreia, Schüler des Kallimachos
Apollonios Agronautiká einziges bekanntes Werk, das von Großepik erhalten
Langes Epos über Zug der Argonauten zum Schwarzen Meer zur Suche nach goldenem
Vlies, bekannter Gegenstand des griechischen Mythos
Mit Liebesgeschichte von Jason und Medea verbunden
→ verletzt fast alle Regeln des epischen Genres: Verbreitung von geographischer und mythistorischer
Gelehrsamkeit, zahlreiche Exkurse und Beschreibungen, z.B. Bauten, die Eigenleben entfalten.
Psychische Vorgänge im Mittelpunkt (Gestalt Medeas)
→ Übersteigerung des Dramatischen ins Pathetische
Lehrgedicht
Anknüpfung an Hesiod, Parmenides, Empedokles
Arat von Soloi: Tätigkeit am antigonidischen Hof in Pellea , später in Antiocheia
Phainómena (=Erscheinungen): Epos über den Sternenhimmel
→ literarisches Meisterwerk und Lehrbuch auf neuestem Stand der Astronomie
Rückgriff auf griechische Sternsagen, Demonstration von Kenntnis über stoische Kosmologie,
Spielen mit Praxis navigatorischer Orientierung der Seefahrer
→ Wiederspiegelung von Lebensrealität ABER: Ausdruck von Künstlichkeit
Bedeutung der Literatur
spezialistische Literatur, l´art pour l´art: hohe Ansprüche an Leser, aber keine hermetische
Angelegenheit
Wertschätzung und Kenntnis des Literarischen weit verbreitet
Polis: Pflege der Tradition der großen Dichter und ihrer Werke
Bsp.: Odyssee → „Odysseia“ wichtigstes Polisfest
- Arat gehört zum Kanon der Schullektüre
Epigramme auf Grabsteinen → fiktive Epigramme, z.T. Parodie der Gattung: Ersetzen von
Ehrwürdigem durch geringschätzig-ironisches
Anthologia Palatina: in byzantinischer Zeit zusammengestellte Sammlung von Epigrammen
Geschichtsschreibung
- auch Prosagattung findet Verbreitung
- 4.Jh., unter Einfluss des Isokrates von rhetorischer Fachausbildung der Autoren bestimmt
- frühhellenitische Historiker, z.B. Duris von Samos, Abwenden von stilisierten Werken
- Kritik an Oberflächlichkeit der rhetorischen Geschichtsschreibung, Orientierung am Dramatischen
- Appell an Emotionen und Leidenschaften des Publikums, Erregung von Anteilnahme, Ängstigung der
Zuhörer
- Herausarbeitung des Unglaublichen, Mirakulösen, Paradoxen; plötzliche Peripetie, Unwägbarkeiten
der Tyche (= Zufallsgöttin)
Ö
„tragische Geschichtsschreibung“
→ Übertragung realer Fakten ins Mythisch-Überirdische, Unerklärbare, Irrationale
Alte Historiographen: Rationalisierung mythischer Ereignisse
→ vgl. Philosophie, Poesie; hängt mit Grunderfahrungen zu Beginn der Epoche zusammen
Bsp.: Mythische Zeichnung Alexanders des Großen durch Kallisthenes und Kleitarch
schwülstig-manieristische Stilmittel
< > Gegenposition: Geschichtsschreibung im Sinne pragmatischer Nüchternheit
→ Polybios, repräsentiert hellenistische Historiographie, aber ist für diese nicht charakteristisch
Roman
neues Genre, Entwicklung im Hellenismus, aber Erlangung von Bekanntheit erst in Kaiserzeit
Liebesgeschichten: liebende Paare in unerschütterlicher Treue verbunden, werden durch
widrige Umstände getrennt, finden wieder zusammen.
Betont Konstanz menschlicher Beziehungen hinsichtlich dramatischer Wendungen des
Zufalls, Rückprojektion plastischer Zeichnungen aus der Lebenswelt in vergangene Zeiten
Grenzt ans Triviale
→ charakteristisch für Produktion und Rezeption hellenistischer Literatur
Geographie
ambivalentes Verhältnis zu Praxis und Lebensrealität kennzeichnet auch hellenistische
Wissenschaft
Eratostehnes: Nachfolger von Apollonios als Leiter der alexandrinischen Bibliothek, großer
Homerforscher, bedeutender Gelehrter
Bemühung um genaue Vermessung der Erde durch astronomische Beobachtungen und
Berechnungen, sowie Nutzen der Informationen von Reisenden und Seefahrern
ABER: Forschungen dienen nicht praktischer Orientierung, sondern wissenschaftlicher Erkenntnis
Technik und Mechanik
Erreicht hohes Niveau im Hellenismus, gestützt auf naturwissenschaftlich- mathematische
Überlegungen
Ö
keine anwendungsorientierte Wissenschaft
Sinn für Spielerisches und Gedankliches dominant
Praktische Umsetzung technischer Berechnungen nur in Militärtechnik, bei Belagerungs-und
Verteidigungsmaschinen und im Schiffsbau
→ Zusammenhang mit Repräsentationsbedürfnis der Monarchen
Bsp.: Archimedes
bedeutendster Mathematiker und Physiker der Antike
Beitrag zur Verteidigung seiner Heimatstadt durch militärtechnische Erfindungen, als diese
während des Hannibalkrieges von den Römern belagert wird (212 v.Chr.)
ABER: als Römer Stadt einnehmen, soll er mit geometrischen Konstruktionen beschäftigt gewesen
sein.
Bildkunst
deutlicher „Sitz im Leben“
spielerische Neigung, „Lust zur Variation , ja zum Widerspruch“
Kombination unterschiedlicher Formen: Rundes mit Orthogonalem
Verstecken unterschiedlicher Elemente hinter einer gleichgearteten Fassade, Integration von
natürlichen Landschaftsbildern in städtisches Ambiente
Bsp.: Heiligtum des Hirten- und Herrschergottes Pan in Alexandreia in Form eines Felsenberg
Ö
Künstliche Einfassung der Natur (vgl. Leben in der Literatur)
Architektur und Urbanistik
Stadtbild durch Dauerpräsenz der Kunstwerke geprägt
zahlreiche Statuen überall vorhanden
Wohnbereich: bestimmte Räume für gesellschaftlichen
ausgestaltet
Ausgeprägter Repräsentationsstil herrscherlicher Paläste
Verkehr
offen,
künstlerisch
Verismus in der Kunst
Verismus und Pathos – Kennzeichen der hellenistischen Bildkunst
→ es geht um den Effekt des „Naturwahren“, nicht um dieses selbst (→ vgl. Klassik)
Lysipp, Begründer der hellenistischen Plastik: Menschen werden nicht so gestaltet wie sie
waren (quales essent), sondern welchen Eindruck sie machten (quales viderentur)
→ Erzielen von Wirkung, Darstellung des Menschen bringt seinen bestimmenden Charakter, seine
Leidenschaft zum Ausdruck
Bsp: Alexanderbild des Lysipp
Ö
Abbildung und Nachahmung der Wirklichkeit, zugleich Veränderung durch Spielen mit ihr
Plastik:
Generelle Neigung, extreme, ungewöhnliche z.T. unmögliche Positionen von Körpern
darzustellen
Stilisierung bzw. Übersteigerung der Realität führt zum Zug ins Pathetische
Pathos = Leid, Schmerz
→ Bsp.: Möglichkeit der Demonstration von Schonungslosigkeit des Siegers
- Herausarbeitung der Pose des Machthabers in Herscherdarstellungen
20
Rom von den Anfängen bis zum Sieg über Pyrrhos
Die Quellen zur frühen Geschichte Roms
y Keine direkte Überlieferung von der Frühzeit Roms
y Vorstellungen über Gründung Roms, Zeit der Könige und der frühen Republik sind in einem
langen Prozss der Mythenbildung entstanden
y Sagenhaften Erzählungen wurde Form von ernsthafter Geschichtsschreibung verliehen
⇒ keine glaubhafte histographische Überlieferung
Der Gründungsmythos
y Innere Widersprüche der antiken Berichte im Mythos selbst
y Gründungsmythos führt auf Entstehung der Stadt durch Trojaner unter Führung Aeneas
zurück
y Aeneas Sohn der Venus →Göttliche Abstammung Roms
y Jedoch :
Rom ca. 6. Jh v. Chr.
Fall Trojas ca. 12. Jh. v. Chr.
y Darum Verbindung durch sagenhafter Erzählung von Stadt Alba Longa und deren Herrscher,
die von Aeneas abstammen
Über Romulus und Remus, die von Wölfin gesäugt
Gründung Roms durch Romulus
Nach ihm Herrschaft durch 7 Könige
y Auch in dieser Erklärung chronologische Unstimmigkeiten (z.B. Regierungszeit von 7 Königen
nur 240 Jahre lang)
Fehlen einer schriftlichen Überlieferung
y Vor Einnahme Roms durch Gallier 390 v. Chr. keine bzw. kaum schriftl Überlieferung
y Aufgrund von geringen Schriften und Brand beim Überfall
y Annalen des Pontifex Maximus einzig größeres Schriftstück
y Jedoch Lobreden verfälschen, zeigt nur Weihung von Tempeln etc.
y Entstehung und frühe Geschichte Roms bis zur Eroberung durch Gallier liegt weiterhin im
Dunkeln
y Lässt sich nur durch vorsichtige Auswertung von archäologischen Funden und literarischen
Überlieferungen skizzieren
Urbane Strukturen im archaischen Rom
y Archäologisch nachweisbar waren schon früh urbane Strukturen zu erkennen
y z.B. ein Versammlungsort von Bürgern
Große Patrizierhäuser in Tempel (Ahnlehnung an griech. Baustil
Baufähigkeit in anderen Städten Mittelitaliens
y Rom ähnelte anderern Städten Latiums
y Roms Baufähigkeit blieb im Rahmen der Aktivitäten anderen Städte
⇒ kein Zeichen in den Bauten für Hegemonialanspruch Roms → Rom war nur eine politisch wenig
bedeutsame Stadt mit kleinem Territorium im Grenzgebiet zwischen Etrurien und Latium
Politische Situation im frühen Rom
y Anfänglich Königtum
y im 5 Jh. v. Chr ähnlich wie etruskische Städte und das griech. Kyme von einer Aristokratie
beherrscht
Das Zwölftafelrecht
y Eminente Bedeutung für Kenntnis über die sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen
Verhältnisse Roms
y Für lange Zeit in Kraft
y Wahrscheinlich später auch verändert
y Regelte Beziehung zwischen röm. Bürgern und das Verfahren für eine Urteilsfindung im
Rechtsstreit
Tafel I- II Prozessrecht:
ƒ Verfahren durch Kläger eingeleitet, der den Beklagten -notfalls gewalttätig- vor Gericht bringt
ƒ Differenzierung von recht gemäß des sozialen Status:
ƒ Nur Landbesitzer (adsiduus) konnte einen adsiduus als verteidiger (vindex) vor Gericht vertreten
ƒ Jeder Bürger konnte inen Besitzlosen (proletarius) als vindex vertreten
ƒ Möglichkeit Zeugenaussage zu erzwingen
Tafel III Schuldrecht
ƒ Gläubiger kann Schuldner 30 Tage nach Anerkennung der schuld in Gewahrsam nehmen
ƒ Bei nicht Auslösung des Schuldners nach 60 Tagen Möglichkeit des Verkaufs in die Sklaverei
Tafel IV-V Recht des Pater familias und Erbrecht
ƒ z.B. Recht des Vaters zur Tötung seines Missgebildeten Kindes
Verkauf seines Kindes in die Sklaverei
ƒ z.B. beim Erbrecht Frau durch Testament Vormundschaft (tutela) eines männlichen
Verwandten unterstellt, kann Vermögen nicht ohne Erlaubnis verkaufen, das der tutela unterstellt
ist
Fehlendes Testament = nächste männl. Verwandte erbt
Tafel VI Kauf und Eigentum
ƒ Mündliche Vertragsbindungen sind verbindlich
ƒ Unangefochtener Besitz einer Sache wird nach 1 oder 2 Jahren das Eigentumsrecht gewährt
ƒ Diebstahkl rechtfertigt nicht neuen schaden anzurichten
Tafel VII Landnutzung
ƒ Beziehung zwischen Nachbarn im ländlichen Raum z.B. Grundstücksgrenzen
Tafel VIII Strafgesetzt
ƒ Gesetze zu verschiedenen Straftaten z.B. Rufschädigung, Körperverletzung, Schädigung der
Ernte durch schadenszauber etc.
ƒ Töten eines Diebes bei Nacht oder eines bewaffneten Diebes ist kein Delikt
ƒ Eigentum einer gestohlen Sache ist ausgeschlossen
ƒ Beziehung zwischen Patronus und Cliens
Tafek IX Bestimmungen bei Vergehen gegen die Stadt
ƒ z.B. Richterbestechung, Hochverrat
Tafel X Vorschriften zur Bestatungen
ƒ z.B. Bestattungen nicht in der Stadt
Tafel XI und XII
ƒ Sollen später hinzugefügt worden sein
ƒ Tafel XI berühmte verbopt von Eheschließung zwischen Patriziern und Plebeiern
y Strafen waren oft sehr hart z.B. Verbrennung eines Brandstifters
y Viele Bestimmungen zeigen die archaische Welt: Rolle der Nachbarschaft, Ländereien,
Bestrafung von magischen Praktiken, große Rolle der Familie
y Harte schuldrecht hatte zur Folge, dass Verschuldungen zu politischen Problem wurde
y Beschränkung der Zinsnahme und Bestrafung eines betrügerischen Patropns machen
deutlich, dass Zwölftafekrecht nicht nur einseitig nach Interesse der Oberschicht ausgerichte war
y In Gesetzen werden verschieden Personengruppen aufgeführt:
y Kategorie Familie und Verwandschaft wie Vater (Pater), Sohn (Filius) und Verwandte
väterlicherseits (agnati) im Vordergrund
y Rechtsstatus der Freigelassenen (liberti) im Erbrecht
y Bei Körperverletzung Unterscheidung zwischen Freien (liber) und sklaveb (servus)
y Gegenüberstellung von
adsiduus -proletarius
Patronus -cliens
⇒Existenz einer deutlich sozialen Differenzierung schon im frühen Rom
y Im direkten Umfeld war Rom im Norden mit etruskischen Städten insbesondere Veii und
Caere und im Süden mit Städten des Latiums konfrontiert
y Vaii grenzte direkt ans röm. Territorium und kontrollierte den Tiber
y Caere beherrschte im 6. Jh. Meer zwischen Italien, Sardinien sowie Korsika
Städte Latiums
y Bildeten Bund mit eigenen Beamten und Heiligtümern
y Latium war keine abgeschiedenen Landschaft , sondern besaß wichtigen Kontakt mit dem
Osten (kulturelle Beeinflussung)
y Städte führten Krieg gegeneinander und gegen Völker der gebirgsregion
Einblick in die damalige politische Situation am Bsp. Aristodemos von Kyme
y Aristodemos: in jungen Jahren im Kampf gegen die Etrusker ausgezeichnet
y 20 jahre später Kampf gegen Etrusker die Arcia belagerten
⇒
Kriegsführung zur Erweiterung des eigenen Machtbereichs
Rom wurde nicht um Hilfe gegen die Etrusker gebeten sondern Kyme → war zu schwach um
eigene Politik zu führen
Eroberung von Veii
y Änderte machtpolitische Situation Roms total (anfang 4. Jh v. Chr)
y Ein Territorium das doppelt so groß war, wie Rom zuvor wurde annektiert und an röm. Bürger
verteilt →Präsedenzfallder das Problem der besitzlöosigkeit und wachsenden Bevölkerung
entschärfte
y Außerdem war Rom damit gelungen, das Eingreifen anderen etruskischen Städte zu Gunsten
veeis zu verhindern
⇒ Rom errang Vorrmachtstellung in Mittelitalien
Eroberung Roms durch die Gallier
y Einfall der Senonen 8gall. Stamm9 in etruskisches und röm. Gebiet 390 oder 387 v. Chr.
y Niederlage der Römer in Schlacht bei Allia
y Einnahme Roms durch Gallier
y Demütigende Friedensbedingungen ( “vae vidicis” “Wehe den besiegten”)
⇒konnte Aufstieg Roms zur Hegemonialmacht nur verzögern
Bau einer Stadtmauer
y Wiederaufbau Roms
y Lernten aus Überfall →Bau Stadtmauer u.a. Befestigungsanlagen
⇒ nach Fertigstellung gegn Mitte 4. Jh. V. Chr war Rom eine der größten urbanen Zentren im
gesamten Mittelmeerraum
Quellenlage zur röm. Geschichte im 4. Und frühen 3. Jh. v. Chr.
y Mit Wiederaufbau setzt glaubwürdige histographische Überlieferung ein
y Obwohl bis zu punischen Kriegen zeitgenössische Geschichtsschreibung fehlte
y Doch Gesetze, Verträge und Senatsabschlüsse wurden schriftlich aufbewahrt
y Auch Inschriften auf Bauten etc. nahmen zu
Expansion Roms
y Erhielt im verlauf 4. Jh. Bisher unbekannte Dynamik die nicht nur auf militärische Erfolge
zurückzuschreiben ist
y Entscheiden war Bereitschaft Roms Verbündete und Ex-Gegner durch Verkleihung eines
eingeschränkten röm. Bürgerrechts als civitates sine suffragio (Gemeinden ohne Stimmrecht) in
röm. Bürgerschaft zu integrieren
y Noch größere Bedeutung hatte die Neuordnung Latiums nach den Latinerkrieg( 340-338)
Beziehung zu Städten Latiums
y Nach Sieg über Städte Latiums im Latinerkrieg, welche sich gegen Vorherrschaft Roms zur
Wehr setzten wollten, wurde Latinerbund aufgelöst
y Einige Städte bekamen röm Bürgerecht
y Selbständige Städte wurden durch bilateralen Bündnis an Rom gebunden (338)
y Durch Regelung Wende in innere Struktur der Republik
y Vorher: Stadt, die Umland beherrschte
y Nach: bis Golf v. Neapel Einflussbereich durch bilaterale Verträge ausgdehnt
⇒ stärkste politische Macht Italiens
Jedoch keine stabilen Verhältnisse in Italien
y Züge gallischer Stämme
y Expansion v. Samniten und Lucani
y Interesse an Unteritalien durch Herrscher von Syrakrus
Rom betrieb Politik der Sicherung des Ereichten, jedoch neue Konflikte unvermeidlich
Kämpfe um die Hegemonie in Italien
Konflikt mit Samniten
y Samniten versuchten Einfluss in Campanien zu stärken und zu expandieren
y Städte wandten sich an Rom um Hilfe
y Samnitenkrieg 326-304 v.Chr.
y Trotz anfangs schwerer Niederlagen und Rückschläge, sowie Verbündung der Samniten mit
Etruskern → kurzer, erfolgreicher Feldzug gegen die Etrusker →Siege in samnien
y Frieden bestätigte Status quo und stärkte Position der Römer durch Präsenz in Unteritalien
y
y
y Samniterkrieg 298-290 v. Chr.
295 v. Chr. Sieg über verbündeten etruskische, gallische und samnische Truppen
290 v. Chr. Endgültiger Sieg
Kämpfe gegen die Gallier, Gründung von Sena Gallina (285-282)
y Senonen einfall 285 v. Chr. In Etrurien
y Rom versuchte Norditalien gegen gallische Vorstöße endgültig zu sichern, in dem sie:
y Gallier vertrieben
y Ex-gallische Gebiet annektierten (ager Gallicus)
y Röm Kolonie Senica Gallica an Adriaküste gründeten
Pyrrhos in Italien
y Konflikt zwischen Tarentum und Rom
y Bündnis von Tarentum und Pyrrhos
⇒lokaler Konflikt wird zum ersten größeren Krieg zwischen Rom und einem hellenistischen Herrscher
des Ostens
y Herr der Griechen war Römern kriegstechnisch und strategisch weitaus überlegen
y König von Pyrrhos siegt in mehreren Schlachten
y Drang bis Latium vor
→ war jedoch nichtig der Lage Unabhänigkeit der griech. Städte in Unteritalien durchzusetzen
y Erreichte trotz Unterstützung vieler Völker und Städte nicht sein Ziel, zog sich 275 v.Chr
zurück
y 272 v. Chr wurde Tarentum Rom übergeben
⇒
selbst Intervention eines hellenistischen Königs konnte Rom nicht stoppen
Stärkung Roms nach Krieg durch Gründung von Städten in Süditalien und an der Adriaküste
Mehr als 50 Jahre lang (326-272 v. Chr.) in Italien fast ununterbrochen Krieg.
In diesem Zeitraum wurde Italien zu einer politischen Einheit, beruhend auf das Bündnissystem Roms.
Durch politische Ordnung von Rom kam allgemeiner Frieden nach Italien.
Äußere Feinde (ausnahme Hannibal) immer ferngehalten.
Mit Unterbrechung von nur wenigen Jahren (Sulla, Nero) eine Friedensperiode Italiens in der Antike
von mehr als 400 Jahren in Sicherheit und Prosperität.
Innere Entwicklung
y Zeit der Kriege auch Zeit der inneren Entwicklung
y Zwischen 367/66 und 287 v. Chr. wichtige Gesetze verabschiedet
y Veränderung des politischen Systems
y Entschärfung der sozialen Probleme
y Tendenz neue Schichten in politische Elite einzubeziehen
Ämterrecht derPlebeier und Entstehung der Nobilität
y Vorher Bekleidung von Ämtern und Senatzugehörigkeit nur für Patrizier (Adelsgeschlechter
y Durch mannigfache Herausforderungen (Expansion Roms, Bevölkerungswachstum etc.):
y Geringe Gruppe der Patrizier war ihrer Aufgabe nicht mehr gewachsen
y Plebeier gewannen an Selbstbewusstsein
y Also: höchste Amt das Consulat durch eine lex licinia sextia auch plebejischen Familien
eröffnet
y Jedoch keine allgemeine Chancengleichheit:
y Passive Wahlrecht und Senatszugehörigkeit earen vom Census (Nachweis best.
Vermögens) abhängig
⇒einer neuen politischen Elite, der Nobilität, aus Patriziern und reichen Plebeiern
leistungs- und karriereorientiert, für den Ruhm der Familie
lex Ogulnia (300 v. Chr.)
y Plebeier in collegia derPontifeces und Auguren (Priesterkollegien
y Wichtige religiöse und politische Position
y Sowie viel Ehre
lex Publik (399 v. Chr.) lex Hortensia ( 287 v.Chr)
y Verhältnis politischer Institutionen zugunsten der Volksversammlung und des Plebs verändert
y Einschränkung der Vetorechte des Senats gegenüber Beschlüssen der Volksversammlung (lex
Publik)
y Beschluss eines concilium plebis (Versammlung des Plebs), das plebiscitum kommt einem Gesetz
gleich (lex Hortensia)
→Volkstribunen erhielten entscheidenden Einfluss auf Gesetzgebung
lex Licinia (367 /366 v. Chr.)
y Beschränkung des Landbesitzes auf 500 Morgen
⇒ Verhinderung der Verdrängung der Kleinbauern
Erleichterung der Situation der Schuldner
348 v. Chr - Zinssenkung
Lex Poetilia (326 v. Chr)l
y Aufhebung der Schuldknechtschaft
lex Valeria ( 300 v. Chr.)
y Recht des röm. Bürgers gegen Bestrafung durch das Magistrat Berufung an das Volk einlegen
zu dürfen (Provokationsrecht)
Beginn der Münzprägung
y In diese zeit fällt Beginn der Münzprägung
y Wirtschaftlich bedeutsamer Vorgang
Innenpolitische Entwicklung bis zur lex Hortensia (287 v. Chr.) wird als Ständekampf zwischen
Patriziern und Plebeiern gesehen
y Patrizier haben bestimmt nicht Verlust ihrer Privilegien ohne Widerspruch hingenommen
y Aber Vorstellung, dass sich zwei feindliche Gruppen gegenseitig bekämpft haben,
unwahrscheinlich
y Vielmehr war es ein Prozess in der Struktur des Gemeinwesens
y Einerseits gesellschaftliche Entwicklung: durch zunehmend soziale Differenzierung in den
plebeischenSchichten geprägt
y Andererseits Expansion: wacshende militärische aufgaben und äußere Verpflichtungen
Die Censur des Appius Claudius (312 v. Chr.)
y War Einleitung des planmäßigen Ausbaus der röm. Infrastruktur
y Infrastruktur 2. Funktionen:
y Wasserversorgung größerer Städte
y Erleichterung desVerkehrs/Güteraustausches durch bau von Häfen und Straßen
y Wobei Straßen primär zum militärischen Zweck gebaut wurden
y
y
y 2 Bauwerke mit appius Claudius verbunde
via Appia - Verbindung von Rom und Campanien
Aacqua Appia - 16 km lange Wasserleitung nach Rom
y
y 40 Jahre (362 v. Chr) später Bau einer 60 km langen Wasserleitung Anio
Darausfolgt das Rom auch in den Jahren des Krieges weiter gewachsen war
21
Neue Themen der Kultur in hellenistischer Zeit
Kunst:
Nicht mehr nur prachtvolle Heldendarstellungen, sondern neue Vorliebe für Hässliches/ Primitives
(z.B. Darstellung von Sklaven, Fischern, etc.)
Literatur: „alexandrinische Poesie“
Hohes Grad an Künstlichkeit
Thematik:
Philosophie
Religion (die Ausgesetztheit der Menschheit an „Große Mächte“)
Lebensbewältigung durch Spiel (Theater/ Lektüre als Mittel zur Ablenkung)
Generelle Tendenzen im kulturellen Bereich:
Akkulturationsprozesse (z.B. mit dem Judentum)
Schaffung eines einheitlichen (landschaftlichen) Bildes gefördert durch die Vereinigung unter
römischer Herrschaft
Vereinheitlichungstendenzen innerhalb der Poleis gefördert durch Übernahme der griechischen
Organisations- und Lebensform durch die Römer
Neue Stadtgründungen
„Grieche sein“ wird nicht an Abstammung gekoppelt, sondern vom Grad der Bildung
(griechische Sprache und Lebensweise wird als gebildet angesehen) abhängig gemacht
polisübergreifende Feste stärken Zusammenhalt und bilden ein gemeinsames Forum für
Philosophie/ Literatur/ Kunst
⇒ relativ einheitliche Weltkultur zur Zeit des Hellenismus, aber facettenreich (vergleichbar
mit heutigem Globalisierungstrend)
Rom von den Anfängen bis zum Ende der Republik (≈ archaische Zeit bis Begründung des
Principats unter Augustus)
Anfangszeit Roms mit archaischer Polis vergleichbar (4./3. Jh.); sonst aber keine Parallelität zur
Entwicklung in Griechenland!
Ab dem 2. Jh. stärkere Einbindung in den Hellenismus (politisch, kulturell und wirtschaftlich)
Zur Geschichte Roms:
Lex Hortensia (287 v. Chr.): Gesetzgebung zur Schaffung eines Ausgleichs zwischen den Patriziern
und der Plebs
Abschluss der römischen Expansion innerhalb Italiens
⇒ Ende der frühen Republik
Punische Kriege (Beginn 264 v. Chr.) ≈ Zeit der klassischen „mittleren“ Republik
Volkstribunat des Tiberius Sempronius Gracchus löst innenpolitische Krise aus
⇒ Bürgerkriege (49-30 v. Chr.), Zusammenbruch der politischen Ordnung
außenpolitisch jedoch weiterhin Expansion: Annexion Galliens/ Syriens/ Ägyptens
⇒ Imperium entsteht, dass fast gesamten Mittelmeerraum umfasst
Anpassung an Griechenland im wirtschaftlichen und kulturellen Bereich
Das frühe Rom
Situation westlicher Mittelmeerraum (= Iberische und Apenninen-Halbinsel, Südfrankreich, Küste
Nordafrikas, Sizilien, Sardinien, Korsika): unbekannter fremder Raum, bis zu diesem Zeitpunkt nicht
urban besiedelt
Wandel mit Einsetzen von Schifffahrt aus dem Osten:
→ überregionaler Handelsaustausch
→ Gründung von Handelsstationen und Städten durch Griechen und Phönizier
→ Entstehung des etruskischen Städtewesens
→ Wanderung keltischer Stämme und Ansiedlung (zwischen Pyrenäen und Rhein, Süddeutschland,
Norditalien und Kleinasien)
Phönizier
Kaufleute mit Zielsetzung eines regelmäßigen Handelsaustausches, Handel mit Luxusgütern,
Austausch mit Einheimischen und daher Errichtung fester Niederlassungen vor Ort- vorrangiges Ziel
aber: Metall nach Phönizien zu importieren
Ab 9./8. Jh.: auch Inbesitznahme des Hinterlandes, wie z.B. auf Sardinien
Einforderung von Abgaben an Stadt Tyros
⇒ Betreiben von Expansion
wichtige Städte der Phönizier:
Tyros als Verwaltungsstadt
Römisches Gades (heutiges Cadíz): prosperierendes Handelszentrum
Karthago- Gründung (810 v. Chr.)
730/ 700 v.Chr.: tiefgreifender Wandel in phönizischen Siedlungen
starkes Bevölkerungswachstum (angenommene Zuwanderung aus dem Osten)
Indiz für Bildung einer aristokratischen Oberschicht: „Tophet“ = Opfer- und Kultstätte
Karthago erklärt sich nach militärischen Erfolgen eigenständig; Vorbereitung einer Herrschaft
über gesamte Küstenregion unter 1. karthagischem Feldherrn Malchus
Aufeinandertreffen mit den Griechen: Karthager mit Etrusker bilden Bündnis gegen die Phokaier
(540 v.Chr.), welche den Seehandel durch Piraterie blockieren; Krieg gegen Kyme (wichtigste
griechische Stadt) mit Sieg durch Hieron (syrakusischer Tyrann) über etruskische/ karthagische Flotte
Verstärkung der Präsenz der Griechen: Polisbildungen
Wichtigste Städte: Kyme, Sybaris, Rhegion, Kroton, Tarentum, Poseidonia, Syrakus und Akragas,
Marsallia
Trotz vereinzelten Spannungen: Zusammengehörigkeitsgefühl und Fähigkeit zur gemeinsamen
militärischen Aktion
Etrusker
Handelsbeziehungen der Griechen mit Italien: gegenseitige kulturelle Beeinflussung
- etruskische Kunst (Vasen- und Wandmalerei, Plastik nach griechischem Vorbild) bis hin zur
Übernahme der griechischen Schrift
- Rezeption etruskischer Kulte (Eingeweideschau, Gladiatorenkämpfe, Herrschaftsinsignien) und der
Literatur in Rom- Nachbarstadt Etruriens
Einfall der Gallier verändert Herrschaftsgebiet: Aufgabe de Städte in der Poebene- Siedlungen bleiben
nur in Volterra, Arrezzo und am Tiber bestehen
4. Jh.: Eingreifen Roms in innere Verhältnisse (Bevölkerung polarisiert und geschwächt)
Gallier und Samniten
Situation Italien nach 500 v.Chr.: expansives Vordringen der Gallier in den Norden
Schrittweise Okkupation: Gebiete um Bologna und entlang der Adriaküste
Im Süden: Einnahme Kyme/ Poseidonia/ Pompeji durch die Samniten
Zusammenfassend:
Römische Welt zwischen 8. und 4. Jh. keinesfalls statisch (≠„Idylle der Kleinbauern“)
Trotzdem bleibt Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftssektor und bildet weiterhin das Fundament
der Familie und des Reichtums der Aristokraten
22
Die römische Republik im Zeitalter der außeritalischen Expansion
Karthago im 4. und frühen 3. Jh. v. Chr. mächtig aufgrund:
- Überlegenheit der karthagischen Flotte
- Bündnis mit zahlreichen Städten Nordafrikas (u.a. mit dem phönizischem Utica)
- großes Herrschaftsgebiet (Südwesten Spaniens, Korsika, Sardinien, Westen Sizilien)
- Heer vor allem aus Söldnern
- Reichtum aus dem Handel
politische Verhältnisse auf Sizilien:
- kathargische Gebiete im Westen Sizilien waren oft Angriffen des griech. Syrakus (im Südosten der
Insel) ausgesetzt, diese müssen aber immer wieder das Herrschaftsgebiet Karthagos (bis zu den
Flüssen Himeras und Halykos) in verschiedenen Friedensverträgen anerkennen
- Kathargo kann innergriech. Konflikte nicht für eigene Machtsicherung auf der Insel nutzen
Agathokles von Syrakus
- 311 v. Chr. Krieg gegen die Katharger
- 310 v. Chr. landet in Afrika Æ kontrolliert Umland von Kathargo und erobert einige Städte (u.a. Utica)
- gleichzeitiger Krieg auf Sizilien und in Afrika überfordert Syrakus – andere griech. Städte versagen
Agathokles die Unterstützung, da er für seine Grausamkeit bekannt war
Æ 306 v. Chr. Frieden, Agothokles bringt in den folgenden Jahren aber einen Teil Unteritaliens unter
seine Herrschaft
- Kriege zeigen: Unteritalien, Sizilien und Afrika in politischer Hinsicht eine Einheit – pol.
Entwicklungen auf Sizilien müssen Auswirkungen auf Afrika und Unteritalien haben
- unter Agathokles ist Syrakus zu einer expansiven Politik übergegangen – wird von anderen Städten
und Völkern als Bedrohung angesehen
Pyrrhos setzt Politik von Agathoklos fort Æ erobert fast alle Festungen und Städte der Katharger auf
Sizilien(diese können nur Lilybion halten) – bereitet Invasion Afrikas vor, die aber aus wirtschaftlichen
und polit. Druck der anderen griech. Städte abgebrochen wird
- Mamertiner (camapanische Söldner des Agathokles) haben sich in Messana festgesetzt, plündern
den Osten Siziliens Æ Syrakus geht unter Hieron militärisch gegen sie vor Æ Mamertiner bitten Rom
und Kathargo um Hilfe Æ Karthager besetzen Festung von Messana – haben damit strategisch
wichtigen Punkt der Insel und einen direkten Zugang zur ital. Halbinsel Æ Rom sieht das als
Bedrohung Æ Verhandlungen scheitern Æ 1. Punischer Krieg (264 – 241 v. Chr.)
Beziehungen zw. Kathargo und Rom vor dem Krieg
- im 4 Jh. v. Chr. mehrer Verträge: Interessensphären in Afrika und Italien genau definiert
- Kathargo soll sich von Italien, Rom von Sizilien fernhalten
- Handelsvereinbarungen etc.
Konflikt um Messana Æ radikale Veränderung der Beziehungen
- Kathargo betrachtete das östliche Sizilien als sein Interessensgebiet
- Rom operierte seit Beginn des 3. Jh. v. Chr. in Unteritalien – kann Einfluss anderer Mächte nicht
mehr tolerieren
Æ Rom überquert die Strasse von Messana
- Krieg v.a. auf Sizilien, Hieron von Syrakus verbündet sich mit Rom – Versorgung der röm. Truppen
verbessert
- röm. Versuch einer Invasion in Afrika scheitert 256/55 v. Chr. unter Atilius Regulus
- Rom ist der Seeflotte Kathargos gewachsen – erster Erfolg der röm. Flotte in der Seeschlacht bei
Mylae (260 v. Chr.)
- Entscheidung des Krieges 241 v.Chr. durch einen Sieg der röm. Flotte vor der Küste Westsiziliens,
bei der Insel Aigussa
- Rom hat es geschafft, den Krieg finanziell besser durchzuhalten als Kathargo und ihn deshalb
gewonnen
- Friedensvertrag: Kathargo muss Sizilien ganz an Rom abtreten und eine Kriegsentschädigung von
3.200 Talenten (76,8 Mio. Sesterzen) zahlen
nach dem Krieg: Aufstand der kathargischen Söldner, die nicht sofort bezahlt werden konnten Æ
weitet sich auf Sardinien aus Æ Aufstand in Afrika kann niedergeschlagen werden – müssen aber auf
Wiederherstellung ihrer Herrschaft auf Sardinien verzichten, weil Rom sie dazu zwingt
- Schwäche Kathargos ermöglicht Rom die Annexion von Sardinien und Korsika
-Gebiete außerhalb Italiens können nicht mehr durch die traditionellen Mittel (Bündnisvertrag und
Bürgerrechtsverleihung) beherrscht werden Æ Schaffung der Provinzen Sizilien und Sardinien/Corsica
Æ werden jeweils einem Praetor unterstellt, der die dortigen Truppen befehligte und Rechtsprechung
und Steuereinziehung verantwortete
- Syrakus behält seine Unabhängigkeit
Æ Beginn der außeritalischen Expansion Roms
- Karthago will Verluste durch Expansion nach Spanien kompensieren (unter dem Feldherr Hamilkar,
dann Hasdrubal und Hannibal)
- Gründung von Karthago Nova (heute Cartagena)
- Rom verfolgt das besorgt Æ Verhandlungen Æ Ebro-Vertrag: Karthager dürfen den Ebro nicht
überschreiten
- Aber: röm. Bündnis mit der Stadt Saguntum – greifen in Geschehen südlich des Ebro ein
- Hannibal belagert die Stadt Æ Konfrontation mit Rom Æ Verhandlungen scheitern Æ Rom erklärt
Karthago den Krieg
- Hannibal geht in die Offensive, will Rom in Italien angreifen, geht über die Alpen und kommt von
Norden, pirscht sich an wie eine wilde Raubkatze und schlägt zu:
Æ 2. Punischer Krieg (218 – 201 v.Chr.)
- Karthager besiegen die Römer in mehreren wichtigen Schlachten in Nord- und Mittelitalien: am
Ticius und am Trebia (218 v.Chr.), am Trasimenischen See 217 v.Chr.
- 216 v.Chr. in Süditalien bei Cannae vollständige Niederlage des röm. Heeres Æ wichtige Verbündete
Roms (bspw. die Städte Tarentum und Capua) wenden sich Karthago zu; Philipp von Makedonien und
Hieronymus (Syrakus) treten 215 v.Chr. für Karthago in den Krieg ein
- aber: röm. Bündnissystem bleibt stabil, die meisten socii bleiben Rom treu
- Rom gelingt es, Makedonien durch ein Bündnis mit den Aitolern in Griechenland zu binden, Syrakus
(212 v.Chr.) und Tarentum (209 v.Chr.) zu erobern und auch in Spanien erfolgreich gegen Karthago
vorzugehen
- röm. Sieg am Metaurus südl. von Rimini (207 v.Chr.) Æ der kathargische Feldherr Hasdrubal kann
sein Heer nicht mit dem von Hannibal vereinigen
- Publius Cornelius Scipio setzt mit einem Heer nach Afrika über Æ Hannibal muss zurückkehren
- Entscheidungsschlacht bei Zama (202 v.Chr.) – Scipio besiegt Hannibal – Ende des Kieges
zugunsten Roms
- Spanien für Karthago verloren, muss Flotte ausliefern, darf keinen Krieg mehr ohne Roms
Zustimmung führen
Æ Rivalität im Mittelmeerraum für Rom entschieden; Karthago bleibt wichtiges Handelszentrum, erholt
sich von der Niederlage, Landwitrtschaft trägt zum Recihtum der Stadt bei
- um politische Entwicklung in Afrika kontrollieren zu können: Enge Beziehungen Roms zu Masinissa
(König der Numider)
- fünfzig Jahre nach dem 2. Punischen Krieg: Numider besetzen mehrmals karthagische Gebiete –
Senat reagiert nicht auf Proteste Karthagos Æ beginnt vertragswidrigen Feldzug gegen Masinissa Æ
im Senat setzen sich die Politiker durch, die einen Krieg gegen Karthago und die Zerstörung der Stadt
forderten – wichtig hierbei M. Porcius Cato (das ist der Junge, von dem gesagt wird, er habe jede
Rede mit den Worten „Und übrigens: Karthago muss vernichtet werden!“ beendet) Æ dreijährige
Belagerung Karthagos – Zerstörung 146 v.Chr. Æ röm. Provinz in Nordafrika (Africa)
Die Römer in Spanien
- Rom annektiert nach dem 2. Punischen Krieg die kathargischen Gebiete in Spanien – zwei neue
Provinzen: Hispania citerior (im Norden) und Hispania ulterior (im Süden) – auch wirtschaftliche
Interessen (reiche Silber- und Eisenvorkommen, Verpachtung der Bergwerke etc.) –
Aufstandsbewegungen der Bevölkerung rasch niedergeschlagen
- kurzer Krieg mit den Keltiberern Æ Frieden von 178 v.Chr. (von Tiberius Sempronius Gracchus
geschlossen) ist dauerhaft
- ab 154 v.Chr. verlustreiche Kriege gegen die Keltiberer im Norden und die Lusitaner im Süden –
keine wirkliche Bedrohung für die röm. Herrschaft im Gebiet
-Punische Kriege bedeuten einen Wandel der röm. Politik: von einer auf Bündnissen beruhenden
Vormachtstellung in Italien zu direkter Herrschaft über die ehemals kathargischen Gebiete in
Nordafrika, Spanien, Sizilien, Korsika und Sardinien als Provinzen
- Verwaltung wurde den Praetoren übertragen – somit keine neuen Ämter geschaffen, aber vier neue
Praetorenstellen: zwei für Sizilien und Sardinien 227 v.Chr. und zwei für die spanischen Provinzen
197 v.Chr.
Rom und der griech. Osten
- nach Erlangung der Hegemonie über Italien – wendet sich der Adria zu: 3. Jh. v.Chr. mehrere
Kolonien an der Ostküste Italiens
- Bekämpfung der Piraterie auf der Adria: 229/28 v.Chr. geht Rom gegen die Illyrer vor – aber keine
weitreichenden politischen Ziele
- Bündnis zwischen Philipp von Makedonien und Karthago
Æ 1. Makedonischer Krieg 215 – 205 v.Chr. – nur Nebenkriegsschauplatz im Krieg gegen Karthago
– es entstehen aber die politischen Konstellationen, die für die Beziehungen zwischen Rom und dem
griech. Osten bis zum Ende des Ptolemäerreiches 30 v.Chr. bestimmend bleiben
- an Stelle der bilateralen Bündnisse in Italien – im Osten ein System freundschaftlicher Beziehungen
mit einzelnen griech. Städten, den Städtebünden (koinon) oder den lokalen Herrschern
- Rom forderte oft in ultimativer Form den verzicht auf expansive Bestrebungen – die Griechen wollten
das nicht Æ durchaus auch militärische Intervention Roms
Ziele der röm. Politik
- zunächst kein Interesse an Annektionen oder direkter Herrschaft
- zur Sicherung Roms musste das Entstehen anderer Großreiche verhindert werden – durch
Diplomatie und militärische Intervention, aber ohne dauerhafte Präsenz
- Rom wurde aber immer öfter in innergriech. Konflikte hineingezogen
- wachsender Einfluss Roms Æ antiröm. Ressentiment in der Bevölkerung
- expansive Politik Philipps von Makedonien Æ 2. Makedonischer Krieg 200 – 197 v.Chr.
- dieser begann 202 v.Chr. damit, die ptolemaischen Gebiete im Agäisraum zu erobern
- Bündnis von Rhodos und Pergamon gegen ihn – sehen ihre Interessen v.a. im Gebiet der
Meerengen bedroht – Athen tritt diesem bei – wenden sich an Rom um Hilfe
- Rom verlangt Verzicht auf Eroberungen Æ Philipp will aber Æ Rom erklärt den Krieg
- Röm. Legionen vertreiben ihn innerhalb von zwei Jahren aus Mittelgriechenland
- röm. Feldherr Titus Quinctius Flaminius (ich sollte mir auch so einen Namen zulegen) gibt Freiheit
der Griechen als vorrangiges Ziel Roms aus – kann griech. Bevölkerung für sich gewinnen
- besiegt das makedonische Heer bei Kynoskephalai in Thessalien im Frühsommer 197 v.Chr. Æ
Ende des Krieges
- Friedensvertrag: Rom setzt Forderungen konsequent durch, Philipp muss außerdem seine ganze
Flotte ausliefern; makedonische Monarchie bleibt aber bestehen
- das Jahr darauf: bei den Isthmischen Spielen erklärt Flaminius die Griechen für frei und autonom –
194 v.Chr.verlassen die röm. Legionen Griechenland
- Aitoler enttäuscht, weil sie keine Vormachtstellung in Griechenland bekamen, obwohl sie schon im 1.
Makedonischen Krieg mit Rom verbündet waren
- Spannungen zwischen Antiochos III. und Rom, das auch die Unabhängigkeit der griech. Städte in
Thrakien und Kleinasien forderte – der erhebt aber Anspruch auf alle einst zum Seleukidenreich
gehörenden Städte und Gebiete Æ jahrelange Verhandlungen: Rom anerkennt Kleinasien als
Interessengebiet Antiochos III., will aber den Verzicht auf Besitzungen in Europa – Antiochos III. will
nach erfolgreichen Feldzügen im Osten und in Syrien seinen Plan der Wiederherstellung des
Seleukidenreiches nicht aufgeben Æ lehnt alle Angebote ab Æ landet nach Aufforderung der Aitoler
192 v.Chr. bei Demetrias in Thessalien
- Mehrheit der griech. Städte will nicht gegen Rom in den Krieg ziehen; auch Philipp unterstützt Rom
gegen Antiochos III. Æ röm. Legionen, die 191 v.Chr. nach Griechenland übergesetzt waren, können
Heer des Antiochos III. an den Thermopylen schlagen Æ zwingen ihn zum Rückzug nach Kleinasien
- Entscheidungsschlacht im Winter 190/89 v.Chr. bei Magnesia im westlichen Kleinasien Æ
vollständige Niederlage Antiochos Æ Frieden von Apameia: muss sämtliche seleukidischen
Besitzungen in Kleinasien westlich Taurus abtreten; darf nie wieder mit Truppen nach Europa
kommen; militärische Schwächung durch Übergabe der Kriegselefanten und der Flotte
- großer Gewinner: Eumenes II. von Pergamon – erhält weite ehemals seleukidische Gebiete in
Kleinasien
Æ Rom konnte sich gegen zwei führende hellenistische Königreiche durchsetzen – militärische
Überlegenheit durch kurze Dauer der Kriege deutlich – brauchte keine Jahrzehnte wie bei Karthago
Æ Rom ist führende Macht im Mittelmeerraum geworden; hat aber auf Annexionen verzichtet –
primäres Ziel: nicht Eroberung sondern Sicherung der eigenen Vormachtstellung und Ausschaltung
konkurrierende Mächte
- Finanzierung der Kriege v.a. aus den sehr hohen Kriegsentschädigungen
Das Ende Makedoniens
- Perseus (ab 179 v.Chr. König von Makedonien) will im Osten eine Allianz gegen Rom errichten,
festigt Beziehungen zu Seleukiden und Bithynien durch Eheschließungen der Herrscherfamilien –
Rhodos nähert sich langsam an – scheitert an diplomatischen Aktivitäten Roms Æ im Krieg ab 171
v.Chr. ist Perseus isoliert
- Lucius Aemilius Paullus führt die Legionen zum Sieg über die makedonische Phalanx bei Pydna 168
v.Chr. Æ Ende der makedonischen Monarchie – das Land wird in vier unabhängige Gemeinwesen
aufgeteilt; die Makedonen mussten einen Tribut an Rom zahlen und die Bergwerke wurden
geschlossen
- Antiochos IV. will Ägypten mit dem Seleukidenreich vereinigen Æ röm. Gesandte Popillius Laenas
fordert den ultimativ König auf, Ägypten sofort zu verlassen – der will das Risiko eines Krieges mit
Rom nicht eingehen und beugt sich den Forderungen
Æ Rom konnte also durch reines Drohen mit seiner militärischen Überlegenheit seine Positionen
durchsetzen
Æ die hellenistischen Königreiche waren von der Bühne der Geschichte verschwunden, einzig das
Ptolemäerreich blieb, das aber durch seine innere Schwäche außenpolitisch ungefährlich war und sich
nur durch eine enge Anlehnung an Rom zu sichern vermochte
Wandel der röm. Politik gegenüber Griechenland
- Abweichungen von den Positionen Roms nicht mehr geduldet, politische Gegner wurden nun gerne
bestraft oder ausgeschaltet
- Andriskos versucht ein letztes Mal an die Tradition der makedonischen Monarchie anzuknüpfen Æ
hat keine Chance Æ nach dem Sieg zieht Rom die Konsequenzen – Makedonien röm. Provinz (148
v.Chr.)
- antiröm. Stimmung in der griech. Bevölkerung erreicht Höhepunkt – Politiker des Achaiischen
Bundes setzen Kriegsbeschluss gegen Rom durch – Rom will militäisches Eingreifen eigentlich
vermeiden – dann aber doch Krieg: Zerstörung und Plünderung Korinths 146 v.Chr., der Achaiische
Bund wird aufgelöst, Griechenland Teil der Provinz Macedonia
Æ Griechenland hat seine Freiheit verloren, Rom ist zur direkten Herrschaft übergegangen
- Attalos III. (König von Pergamon) sieht keine politische Persepektive mehr für die Griechen Æ macht
das röm. Volk zum Erben seiner Besitzungen, Rom nimmt dieses 133 v.Chr. an
- in Kleinasien weitere Provinz Roms: Asia – gehörte zu den reichen Gebieten des östlichen
Mittelmeerraumes – hohes Steueraufkommen – große finanzpolitische Bedeutung
Die röm. Republik, Italien und die Stadt Rom
- ab der Zeit der Punischen Kriege: Rom wichtigstes politisches Zentrum im Mittelmeerraum Æ großer
Machtzuwachs des Senats
- Ehrgeiz, schnell in hohe Ämter zu gelangen v.a. bei den jungen Politikern groß – wollen sich kaum
noch an Regeln der Ämterlaufbahn halten, streben schnell den Consulat an
- Erhöhung der Praetorenstellen von zwei auf sechs Æ größere Zahl von Senatoren, die die Praetur
bekleidet hatten und sich zur Consulatswahl stellen können: Konkurrenzdruck wird größer
Æ genaue Bestimmungen über die Ämterlaufbahn werden nötig Æ lex Villia Annalis 180 v.Chr. regelt
auch das Mindestalter für ein Amt
- Lucius Calpurnius Piso: Gesetz zur Schaffung eines ständigen Gerichtshofs, der für die Delikte der
Statthalter in den röm. Provinzen
- erster senatorischer Gerichtshof, das Gerichtswesen wurde dann im 1. Jh. v.Chr. reformiert, aber
das Prinzip der quaestiones perpetua, die jeweils für ein bestimmtes Delikt zuständig waren, wurde bis
zur Principatszeit beibehalten
- 139 v.Chr. lex Gabina: Einführung der geheimen Stimmabgabe bei den Wahlen höherer Magistrate
- 137 v.Chr. lex Cassia: geheime Abstimmung bei Urteilen in Prozessen, die vor dem Volk geführt
wurden
- 131 v.Chr. lex Papiria: geheime Abstimmung über Gesetze
- während des 2. Punischen Krieges röm. Gebiet auf Kosten der italischen Verbündeten stark
angewachsen, insbesondere derer, die Hannibal unterstütz hatten
- Hegemonialstellung Roms in Italien durch erfolgreiche Führung im Krieg gegen die Gallier (die 225
v.Chr. nach Süden vorgestoßen waren und von den Römern und den Verbündeten bei Telamon
geschlagen wurden) und im Krieg gegen Hannibal gestärkt
- Senat trifft zunehmend Entscheidungen, die in die Angelegenheiten der Verbündeten eingreifen und
Gültigkeit für ganz Italien beanspruchen (z.B. Senatsbeschluss über die Bacchanalia)
- Forderung von Leistungen von den Städten und bei Nichterfüllung harte Bestrafung
Æ antiröm. Ressentiments – die sich aber nicht politisch äußern
- viele socii versuchen durch Übersiedlung nach Rom das Bürgerrecht zu erwerben oder lassen sich
illegal in die Bürgerlisten eintragen
- Dienst der Verbündeten im röm. Heer, zunehmende Verbreitung der lateinischen Sprache,
Gemeinsamkeit kultureller Entwicklungen Æ neues und starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit in
der italischen Bevölkerung Æ ab dem späten 2. Jh. v.Chr. Bezeichnung Italici für die Bewohner
Italiens; kulturelle und auch politische Einheit zeichnen sich ab.
23
Roms Anspruch, Entscheidungen für ganz Italien zu treffen
Entscheidungen d. Senats über die verbündeten Städte/Völker, welche in die inneren Verhältnisse
eingriffen mit Geltung für ganz Italien.
z.B.: Bacchanalia (orgiastischer Geheimkult), der auf Grund Verbrechen verboten wurde
Problem: Die Magistrate verhielten sich gegenüber den Verbündeten (socii) oft kritisch in Form von
überhöhten Leistungsforderungen, die bei nicht Leistung mit hohen Strafen geahnt worden.
Folge: antirömische Haltung ( Ressentiment), jedoch ohne politische Auswirkung
Socii hatten außerdem im römischen Heer kein Provokationsrecht, sonder nur Bürger Roms, in Folge
dessen beschafften sich diese das Bürgerrecht z.B. durch Umsiedlung oder illegale Einschreibung.
Die lateinische Sprache wurde durch die Verbündeten im röm. Heer mehr und mehr verbreitet. So
entstand eine gemeinsame kulturelle Entwicklung bis hin zu einem starken Gefühl der
Zusammengehörigkeit.
Seit dem 2Jhr v.Chr. besteht die Bezeichnung „Italici“ für die Einwohner Italiens und somit wurde
Italien kulturell und politisch eine Einheit.
Römische Kolonien in Norditalien
Nach dem 2.Punischen Krieg folgte die politische Erschließung durch die Gallier bewohnte Poebene.
Rom hegte ein großes Interesse dieses Gebiet zu sichern auf Grund der kriegerischen Haltung der
Gallier.
Gründungen von Bonina (heutiges Bologna um 189 v.Chr.), Mutina ( Modena), Parma (183 v.Chr.)
und Aquita (181 v.Chr.), die das Stadtwesen der Poebene bildeten, aber noch nicht als Teil Italiens
galten, sondern als Provinz.
Der Straßenbau
Der Straßenbau war entscheidend für militärische, politische, wirtschaftlich und kulturelle Verbreitung /
Entwicklung Italiens nach dem 2. Punischen Krieg.
Beginn des Ausbaus röm. Straßen durch Censor Appius Claudius. (ganzjährig befahrbare Straßen)
Integration der Poebene in das röm. Italien auf Grund enger Verbindung mit dem Straßennetz durch
Caesar
Bautätigkeit in Rom
Ausrichtung auf eine stark anwachsende Bevölkerung. Errichtung von Nutzbauten und zwischen 184
und 169 v.Chr. Umgestaltung der Zentren in Rom. Die Bautätigkeiten kamen fast nie zum erliegen,
auch nicht während der politischen Krise des 1.Jhr. V.Chr.
Das politische System, Wirtschaft u. Gesellschaft
Das politische System der römischen Republik
Politische Institutionen: Rat, Volksversammlung und die Ämter (senatus, comitia, magistratus)
Die Institutionen können nicht von einer einzigen dominiert werden auf Grund der Annuität, Collegität
und Vorschriften zum cursus honorum (Ämterlaufbahn).
Romulus gab als Gründer der Stadt die Gesetze, schuf den Senat, teilte das Volk in 30 curiae und
bildete die drei centuriae der Reiter (equites)
Polybios Sicht der Republik lehnt sich an Platons Theorie der Mischform an von Monarchie,
Aristokratie und Demokratie.
Der Senat bildet als politisches System das Zentrum der Republik. Er verkörpert als Institution das
kollektive, politische Wissen Roms. Er wird durch den Censoren aufgestellt und setzt zur Aufnahme
ein größeres Vermögen (Landbesitz) voraus. Senator ist ein Amt auf Lebenszeit. Der Senat kann nur
durch einen höheren Magistrat einberufen werden.
Die Nobilität (nobilitas) bezeichnet Senatoren, deren Familien bereits Consuln gestellt hatten. Im 3.
und 2.Jhr.v.Chr. entstammten führende Senatoren ausschließlich der Nobilität.
Rangunterschiede: Bereits Consuln gewesene Senatoren besitzen höchstes Ansehen und somit auch
höchste Einflussnahme im Senat. Unter ihnen stehen, nicht Nobilität enstammte Senatoren, die durch
Wahlen dem Senat beiwohnen.
Kompetenz des Senats
• Beschlussfassung zu allen politischen und militärischen Fragen
• Weisung der Amtsbereiche für Consuln und Praetoren
• Verhandlung mit auswärtigen Gesandtschaften (Außenpolitik)
• Öffentliche Finanzen, wie Steuern und Zölle
• Verfügung über Ein- und Ausnahmen
• Eingriff in öffentliche Kulte bei Krisen
Aber! Kein Gesetzesanspruch, nur mit Bewilligung eines Volkstribunals.
Rechte des Volkes
• Wählt den Magistrat, die Praetoren und die Consuln
• Abstimmung über Gesetzesanträge
Ursprüngliche Versammlung des Volkes = Centuriatcomitien
Centuriatcomitien= Aufteilung des Volkes nach verschiedenen Vermögensklassen, womit die reiche
Oberschicht eine gewichtigere Stimme besitzt.
3 Jhr.v.Chr. Reformation der Centurienordnung durch die lex Hortensia
Die Centuriatcomitien verlieren durch sie ihre Funktion als Gesetzgebung.
Lex Hortensia: Gleichsetzung der Entschlüsse der Plebs (Volk) mit den Gesetzen der
Centuriatcomitien. Abstimmungsvorgang der Plebs nach Stimmbezirken und nicht nach
Vermögensklassen. Gesetzesbeschluss somit durch Plebs.
Concilia Plebis= Einberufung durch Volkstribune. Konnte in allen Punkten der Politik eingreifen und
war dem Senat rechtlich überlegen (tribunizische Politik). Jeder Bürger besaß nun gleiches
Stimmrecht (mit Einschränkung).
Folge: Konkurrenz zwischen Senat und Volkstribunen, welche sich aber schnell entschärfte.
Zusammenarbeit zwischen Senat und Volkstribunen.
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Wahl und Gesetzgebung beruht auf unterschiedlichen Verfahren
Ungleiche Beteiligung der Bürgerschaft
Centuriatcomitien= dominierende Oberschicht
Tribunizische Politik= abhängig von Stellungnahem des Senats
Röm. Bürger= kein Recht auf freie Rede in Volksversammlung
Legitimität von Wahlentscheidungen und Gesetzen beruht auf dem Votum des Volkes
Ämterwesen
Consuln
• höchstes Amt der Republik, das nur zu zweit bestritten wird und nur zu zweit
Entscheidungsfähig ist.
• Leitung des Senats.
• Imperium (umfassende Amtsgewalt, welche sich aus militärischen, juristischen und religiösen
Kompetenzen zusammensetzt)
Praetur
• Rechtssprechung in Rom
• Evt. Unterstellung einer Provinz mit imperium
• Insgesamt sechs Praetoren bis zu Sullas Diktatur
Niedere Ämter: Aedilen und Quaestoren (jeweils ohne imperium)
Aedilen sind zuständig für die Stadt Rom, deren Getreideversorgung und Spiele. Sie haben das
Recht Geldstrafen zu vergeben, bei vergehen der Bürger.
Quaestoren verwalten die öffentlichen Gelder der röm. Politiker, führen Senatsbeschlüsse aus,
unterstützen die Consuln in ihre Tätigkeit und vertreten gegebenenfalls die Praetoren.
Legitimiert wird die Staatsgewalt außerdem durch den göttlichen Willen, es wurde darauf geachtet,
dass das die göttlichen Vorzeichen stets mit dem Handeln der Staatsgewalt übereinstimmen.
Reihenfolge der Ämter (Ämterlaufbahn : curus honorum)
Bevor ein Amt angenommen werden kann ist min. ein zehnjähriger Militärdienst zu verrichten. Darauf
folgt in chronologischer Reinfolge:
• Quaestur
• Aedilität
• Praetur
• Consultat
Die Dictatur ist ein außerordentliches Amt, welches nur in militärischer Notlage oder bei
Abwesenheit der Consuln eintritt. Max sechsmonatige Amtszeit
Die Censur ist ein Amt, das nur alle fünf Jahre gewählt wird. Zwei Censoren sorgen dann für die
Aufstellung der Bürgerliste, die Verteilung in Vermögensklassen und Stimmbezirke, Auflistung
aller Bürger und die Ergänzung der Senatoren. Außerdem sind sie auch Prüfer der equites equo
und haben die Aufsicht über die Besitztümer der Republik. Ihre Amtzeit läuft mit der Erledigung
ihrer Aufgaben aus (ca. 18 Monate)
Das römische Militärwesen
Die politische Stellung einer Stadt beruht im wesentlichen auf ihrer militärischen Stärke.
24
Krieg und Gewalt:
„ Die politische Stellung einer Stadt beruhte wesentlich auf ihrer militärischen Stärke.
„ Dies hatte erheblichen Einfluß auf die politische Entwicklung Roms:
Traumatische Erfahrung für die Römer: Niederlage gegen die die Kelten; Einnahme und Zerstörung
Roms 390/89 v.Chr.
Livius über die miltärische Stärke Roms:
„ Die Römer verfügten, anders als die Makedonen, in jeder Generation über mehrere herausragende
Feldherren
„ Die „Kunst des Krieges“ folgte festen Regeln: So lagen z.B. die während eines Feldzuges
notwendigen Entscheidungen nicht allein in der Macht eines einzelnen Feldherren.
„ Polybos betonte, dass die Römer immer nach einem vorher exakt bestimmten Plan vorgehen und
stets eine feste Ordnung einhalten.
Auszeichnungen und Strafen...
waren ein wichtiges Element zur Aufrechterhaltung der militärischen Disziplin.
Bsp:
-„Corona Civica“, der Bürgerkranz wurde für die Rettung eines römischen Bürgers verliehen.
- Im 2.Jhrdt. v. Chr. erhielten die römischen Soldaten Sold.
- Die Versorgung mit Nahrung und Waffen wurde ebenfalls gestellt, wurde aber vom Sold abgezogen.
- Es war die Augabe des Senats und der Magistrate, die Vesorgungzu sichern
-Aussichten auf militärischen Aufstieg:
Einfache Soldaten konnten „centurio“ werden (Befehlshaber über 80 Soldaten)
höhere Offiziere („tribuni militium“) stammten aus dem „ordo equester“
Die Legion wurde von „Consuln“ und „Proconsuln“ geführt.
- Jeder Römische Bürger musste 10 Jahre Militärdienst geleistet haben, um sich um ein politisches
Amt bewerben zu dürfen
-Heerführer waren an Senatsbeschlüsse gebunden: Kriege konnten also nur aufgrund eines
Senatsbeschlusses geführt und beendet werden.
Die Legion
Stärke: 5000 Fußsoldaten, 300 Reiter
Aufteilung in 3 Schlachtreihen (principes, hastati, triarii)
Bewaffnung: Langschild, Schwert, 2 Wurfspeere
Panzerung: Helm, Brustpanzer, Beinschienen
Gliederung der Legion in 30 Manipel.: Jeweils zehn principes, hastati und triarii
Spätes 2. Jhrdt. v.Chr.. Ablösung der Manipel durch die Einheit der Cohorte (480 Mann unter dem
befehl eines Centurio)
Das römische Heer war ein Bürgeraufgebot, der Militärdienst war verpflichtend
Dies stellte eine erhebliche Belastung für die Landwirtschaft dar, da während der Feldzüge die Felder
oft nicht bewirtschaftet werden konnten.
Im römischen Heer kämpften Bürger Roms und Verbündete Seite an Seite: Dies trug natürlich sehr
zur „Völkerverständigung“ zum Vorteil Roms bei: Latein setzte sich als wichtigste Sprache im
italischen Raum durch.
Die Stärke Roms beruhte entscheidend auf der Fähigkeit, die Potentiale ganz italiens miltärisch
einzusetzen. (auch aus logistischen Gründen).
Rom, Italien und die Provinzen- Die Organisation der römischen Herrschaft
Aus den zwischen 340 und 270 v.Chr. geführten Kriegen gegen Samniten und Etrusker war Rom als
die mächtigste Stadt Italiens hervorgegangen.
Die Römer verfolgten eine Politik, die sich situationsbedingt auf unterschiedliche Formen polit.
Organisation stützte:
-Annexion fremder Gebiete
-Aufnahme von Städten in das römische Gemeinwesen
-Koloniergründungen
-Abschluß von Bündnisverträgen
Das römische Bündnissystem
Städte,die Mitglied des Bundes waren, wurden durch einen Bündnisvertrag (der Defensivcharakter
hatte) an Rom gebunden:
-Die Städte waren verpflichtet im Kriegsfall Rom Beistand zu leisten, sie mussten also auf eine eigene
Außenpolitik verzichten.
-Rom verplichtete sich, diese Städte militärisch zu schützen.
-Ziel Roms war es, Bündnisse der Städte untereinander zu unterbinden.
Kolonien (Coloniae)
Eine Kolonie hatte nicht den Rechtsstatus einer römischen Bürgergemeinde, sondern den eines
latinischen Verbündeten
Es wurden hauptsächlich Römer in einer neuen Kolonie angesiedelt, die damit aber das römische
Bürgerrecht verloren und zu Bürgern dieser Kolonie wurden.
Es musste nicht immer eine neue Kolonie gegründet werden. Manchmal wurden auch einfach Römer
in eroberten Städten angesiedelt, um die Loyalität der Stadt gegenüber Rom zu sichern.
Jede Kolonie verfügte über einen Rat und Magistrate: Ihr Kompetenz war jedoch auf die
Selbstverwaltung beschränkt.
In Süditalien waren 3 coloniae pfeiler der römischen Herrschaft: Luceria, Venusia und Benevetum
Im frühen 3.Jhrdt. v. Chr. konzentrierten sich die Römer auf die Adriaküste (289.v.chr. Gründung von
Hadria und Castrum Novum)
Im Norden war Arminium (seit 268 v. Chr. wichtiges Zentrum römischer Macht)
Kurz: Die Gründung von Kolonien erlaubte es Rom, seine Herrschaft in vielen Teilen Italiens fest zu
etablieren, ohne das eigene Verwaltungssystem zu überlasten.
Verleihung des Bürgerrechts
Die Städte, die das römische Bürgerrecht erhielten, bideten ein neues Gemeinwesen, das municipium.
Das municipium gehörte rechtich und politisch zu Rom, verfügte aber über eine eigene, von Rom
respektierte, Verwaltung.
Bündnissystem und militärisches Potential
Das militärische Potential über das Rom 70 v. Chr. Verfügte, war allen anderen Mächten überlegen.
Polybos Überblick über das römische Heeresaufgebot: über 200.000 Soldaten (Hannibal drang mit nur
20000 Soldaten in Italien ein)
Der Galliereinfall 225v.Chr. beeinflusste stark die politische Entwicklung Italiens: Alle Völker Italiens
fühlten sich bedroht und handelten deshalb gerne unter der Führung Roms.
Verwaltung der Provinzen
241 v.chr.: Friedensverrtrag mit Karthago: Sizilien fiel an die Römer
Sizilien war seit dem 5. Jhrdt. v. Chr. immer Schauplatz blutiger Kriege gewesen; also ein potentieller
„Unruheherd“
Es stellte sich also die Frage, welche politische Struktur wohl zu Sizilien passen würde.
Die Provinz Sicilia
Sizilien wurde zur „Provinz auf Dauer“ erklärt und einem Praetor unterstellt.
Die griechischen Städte Siziliens behielten zwar ihre Selbstverwaltung, wurden aber besteuert
Nach dem zweiten Punischen Krieg (in dem sich mehrere Städte Siziliens mit Karthago verbündet
hatten), bestand kein einheiticher Rechtsstatus mehr. Rom belohnte die „Loyalen“ und bestrafte die
„Verräter“
Sizilien trug einen großen Teil zur Versorgung der Truppen mit Getreide bei. Cato sprach von Sizilien
als „Der Ernährerin der stadtrömischen Bevölkerung“
„Provinzrecht“
Die Magistrate, die eine Provinz verwalteten, waren an die Beschlüsse des Senats gebunden.
Die Magistrate waren jeweils für ein oder zwei Jahre mit der Verwaltung betraut.
Die Provinzen waren aber der Willkür der Magistraten nicht hilflos ausgeliefert: 149. V. Chr. wurde ein
ständiger Gerichtshof geschaffen, der für Klagen gegen die Provinzstadthalter zuständig war. (Lex
Calpurnia de repetundis)
Cicero meinte in der Provinzverwaltung sei alles darauf auszurichten, dass diejenigen, die dem
Imperium eines Stadthalters unterstehen möglichst glücklich sind.
Wirtschaftliche Folgen der Expansion
168 v. Chr.: Den Römischen Bügern wird die Grundsteuer, das tributum, erlassen. (Dank des enormen
Anstiegs der öffentlichen Einnahmen)
Die ständig wachsenden Ressourcen führten in Rom zu einer Art Wirtschaftsboom:
Viele Öffentliche Aufgaben, wie z.B. die Einziehung von Steuern, oder die Erhebung von Zöllen,
wurden in Rom „versteigert“: Die Pächter hatten Rom Sicherheiten zu bieten, verdienten aber gut an
ihren Ämtern. Die Inhaber dieser Aufgaben gehörten der Gesellschafsklasse der „publicani“ an.
Senatoren konnten keine publicani werden, da der Senat über die Vergabe der Ämter entschied.
Militärdienst und Landwirtschaft
Die fast permanente Kriegsührung zwischen 264 und 146v. Chr. hat die Landwirtschaft stark
beansprucht.
Die lange Abwesenheit der männlichen Arbeiter konnte zur Verschuldung der Höfe führen: Hieraus
resultierte eine Abwanderung in die Städte.
Vorteile für die bäuerlichen Familien waren einerseits der Erlaß des tributums, andererseits wurden
Soldaten mit der Zuteilung von Land belohnt.
Die Städte
In den Städten existierte differenziertes Handwerk.
Einzelne Städte waren für bestimmte Qualitätsprodukte bekannt.
Das Anwachsen der städtischen Bevölkerung hatte Auswirkungen auf die Landwirtschaft, die nun
began in großem umfang Nahrungsmittel zu produzieren und zu verkaufen
Die Städte entwickelten eine „Zwei Klassen Gesellschaft“
Die reiche Oberschicht und die „Plebs urbana“
Die Lebensbedinungen der plebs urbana waren duch schlechte Wohnverhältnisse, hohe Mieten und
stark schwankende Getreidepreise geprägt.
Dies führte 150 v. Chr. zu einem Konflikt zwischen dem Senat und der armen Bevölkerung
Sklavenwirtschaft
Mit dem Aufstieg Roms ist der Aufstieg der Sklaverei in Italien untrennbar verbunden
Die Urbanisation Italiens wäre ohne Sklavenarbeit nicht möglich gewesen.
Zentrum des Sklavenhandels war Delos ( bis zu 10000 Sklaven wurden hier täglich verkauft)
Die Sklaverei war in allen Bereichen der röimschen Wirtschaft existent.
Es bestand die Möglichkeit der Freilassung ( entweder durch die Zufriedenheit des „Besitzers“, oder
durch Freikaufen)
Freigelassene waren jedoch nie völlig unabhängig von ihrem patronus.
Die Gruppe der Freigelassenen war eine wirtschaftlich sehr aktive Gruppe
Wer Pech hatte, wurde Sklave m Bergbau. Wer Glück hatte, wurde Hauslehrer. Die
Lebensbedingungen der Sklaven konnten sehr unterschiedlich sein.
In Verbindung mit der allgemeinen Verarmung der plebs urbana, stellten Sklavenaustände eine
permanente Bedrohung dar (196 v. Chr. Sklavenaufstand in Etrurien; 185 v. CHr. Aufstand in Apulien)
25.
Die Sklavenwirtschaft
Sklaverei in allen bereichen der römischen Wirtschaft existent ( Land & Stadt )
Sklaven galten als Eigentum: Nahrung bekamen sie nur soweit, dass sie wieder genug Kraft
für ihre jeweilige Tätigkeit hatten. Die Arbeitszeiten wurden soweit wie möglich ausgedehnt. Strafen
konnten jederzeit nach ermessen des Besitzers verhängt werden. Um die Disziplin aufrechtzuerhalten
wurden die Sklaven streng beaufsichtigt – Nach einem Fluchtversuch mussten Sie in Ketten
weiterarbeiten.
Seit dem 1 Jh. V. Chr. Tendenz dazu, Sklaven durch Belohnungen oder Überlassung von
Besitz ( z.B. Vieh ) zu motivieren. In den Städten bestand die Möglichkeit nach dem erreichen des 30.
Lebensjahres freigelassen zu werden.
Die Freigelassenen
Um freigelassen zu werden mussten Sklaven zur zufriedenheil ihrer Besitzer arbeiten
Sie mussten nach ihrer Freilassung jedoch weiterhin bestimmte Dienstleistungen für ihre
ehemaligen Besitzer erbringen.
Sklavenaufstände und Sklavenflucht
Durch unterschiedliche Bedingungen auf dem Land und in der Stadt war ein gemeinsames
handeln aller Sklaven nicht möglich.
Einzelne Aufstände gab es vor allem von Hirten, die unbeaufsichtigt und zum Schutz der Tiere
bewaffnet waren. Meist begannen diese mit organisiertem Straßenraub und führten dann schnell zu
einer Revolte.
Viele Sklaven nutzten die Aufstände zur Flucht.
Die Entwicklung der Landwirtschaft
Durch das halten von Sklaven konnten große Landgüter entstehen und es entwickelte sich schnell
eine marktorientierte Produktion im Agrarbereich.
Catos Schrift über die Landwirtschaft
Wichtigstes Zeugnis zur römischen Agrargeschichte des 2. Jh. V. Chr.
Inhalt der Schrift: Ausstattung ( Arbeitskräfte und Lagerungsmöglichkeiten ) und Lage des
Gutes, Pflichten des Verwalters, Empfehlungen für den Anbau sowie exemplarische Verträge für den
Verkauf der Ernte oder der Verapachtung.
Schriften wie die Catos lösten immer mehr das Erfahrungswissen der bäuerlichen Familien
ab. Man stützte sich zunehmend auf Kompetenz und Sachkenntnis derartiger Werke.
Im Laufe dieser Entwicklung setzte im frühen 2. Jh. v. Chr. Eine überregionale Arbeitsteilung
ein ( z.B. Anbau von Wein und Oliven in Mittelitalien wohingegen Getreide zunehmend aus den
Provinzen Sardinien und Sizilien kam ).
Transhumanz, Großgrundbesitz und ager publicus
Mit der Entwicklung der überregionalen Arbeitsteilung entsteht auch das System der
italienische Transhumanz, d.h. Vieh wurde im Sommer in die Wälder der Apenninen gebracht und im
Sommer in den Küstengebieten geweidet.
Große, spezialisierte Güter brachten hohes Einkommen. So setzte zunehmend eine
Expansion
des Großgrundbesitzes ein: Landbesitzer vertrieben wiederrechtlich Bauern von
öffentlichem Land ( ager publicus ) und eigneten sich dieses an. Der Senat versuchte zwar dagegen
vorzugehen, scheiterte jedoch am Ende.
Voraussetzung für diese Expansion war das stetige anwachsen der Städte und der somit
gesteigerte bedarf. Dies stürzte die kleinen bäuerlichen Betriebe in eine wirtschaftliche Krise, was
wiederum Einfluss auf das römische Militärwesen hatte: Die Bauern stellten zu jener Zeit nämlich die
meisten Soldaten der römische Legionen.
Kulturelle Entwicklung als Rezeptionsprozess
Die römische Kultur des 3. bis 1. Jh. v. Chr. war stark durch die Rezeption (Übernahme) der
griechischen Kutur geprägt.
Die Anfänge der römischen Literatur
Im 5. und 4. Jh. v. Chr.: Keine mit den Griechen vergleichbare Dichtung.
Autoren des 3. und 2. Jh. v. Chr. Konnten sich nur auf griechische Vorbilder stützen
Zur Zeit der römischen Republik war literarisches
Schaffen eng mit den politischen und sozialen Strukturen verbunden. Die Tragödie und
Komödie standen daher hoch im Kurs. Bei den ersten Aufführungen (unter Leitung von Llivius
Andronicus) handelte es sich wahrscheinlich um die lateinische Überarbeitung griechischer Stücke.
Selbst jene Komödien der späteren Zeit die in Rom aufgeführt werden und nicht gr. Ursprungs
sind, spielen meist in Athen, was einen schonungsloseren Umgang mit den Autoritäten und den
Verhältnissen antiker Gesellschaften gewährleistet.
Die Epen des Naevius und des Ennius
Im lateinischen Epos wurde im Vgl. zum griechischen die jüngere Geschichte Roms
behandelt.
Naevius machte den 1. Punischen Krieg zum Thema seines Epos.
Ennius führt den Hexameter als episches Versmaß ein. Seine Erzählung Annales beginnt mit
der Zerstörung Trojas. So verbindet er griechischen Mythos mit römischer Geschichte.
Lucretius
Titus Lucretius Carus: Bietet im Vgl. zu Ennius und dessen Epos eine systematische
Darstellung der epikureischen Philosophie.
Satire
Das Alltagsleben wird zum Thema der Dichtung und hat durchaus eine kritische Funktion
Cattulus
Bei Cattulus wird Lyrik zum Ausdruck von Gefühlen und Stimmungen, zum persönlichen
Bekenntnis. Seine vollendet formulierten Epigramme weisen in Form und Inhalt bereits auf die spätere
römische Elegie hin.
Rhetorik
Die Rhetorik war ein im politischen und gesellschaftlichen system der römischen Republik
unerlässliches Gut (Bsp.: Senat, Volksversammlung oder vor Gericht).
Als Lehrmeister dienten hier bereits im 2. jh. V. Chr. die Griechen.
Wichtigster Vertreter dieser Kunst war Cicero („Geschichte der römischen Beredsamkeit“)
Geschichtsschreibung und Bibliotheken
Cicero beschreibt die römische Geschichtsschreibung als dürftig.
Bibliotheken wurden vor allem von wohlhabenden Senatoren errichtet welche sie mit
griechischen Büchern (hauptsächlich Kriegsbeute) füllten und somit die Vorraussetzung der Rezeption
der gr. Kultur erst ermöglichten.
In gleicher Weise eignete man sich auch die gr. Kunst ( Statuen, aber auch Baukunst) an.
Der Zusammenbruch der römischen Republik
Mit dem Volkstribunat des Tiberius Sempronius Gracchus begann 133. v. Chr. eine neue Epoche in
der Geschichte der röm. Rep.
Die Krise des politischen Systems
Nach 133. v. Chr.: Lösung politischer Konflikte mittels Gewalt, später auch auf militärischem
Wege.
Phase der Bürgerkriege nach Caesars Überschreitung des Rubicon 49. v. Chr.
Ende dieser Phase erst mit dem Sieg des jüngeren Caesars über Marcus Antonius
Entstehung eines neuen politische Systems in dem die Macht von einem Imperator ausgeführt
wurde.
Tiberius Sempronius Gracchus und die Agrarfrage
Tiberius Sempronius Gracchus erarbeitete ein Gesetz welches vorsah Ländereinen auf dem
ager publicus welche die größe von 500 Morgen überschritten einzuziehen und sein an besitzlose
Bürger zu verteilen.
Dies führte zu einem Aufschrei im Senat, denn die mesiten dieser Ländereien befanden sich
im Besitz von Senatoren.
TSG legte das Gestz daher nicht erst dem Senat vor, sondern versuchte es gleich in der
Volksversammlung durchzusetzen.. Der Senat verhinderte durch sein Veto jedoch eine Abstimmung.
Weitere versuche der Umsetzung der Agrarreform scheiterten woraufhin TSG sich, gänzlich
gegen das römische Rechtsempfinden, zur Wiederwahl als Volkstribun stellen wollte - Kurz darauf
wurde er erschlagen.
Als der von TSG einberufenen Agrarkommission schließlich die Kompetenzen entzogen
wurden, war die Reform faktisch am Ende.
Gaius Sempronius Gracchus
Jüngerer Bruder von Tiberius. Setzte dessen Politik fort und klegte ein Umfassendes
Reformprogramm vor:
Dies sah vor innerhalb der Provinzen Kolonien für besitzlose Bürger zu errichten.
Auch das Rechtssystem sollte geändert werden. So solle nur noch ein vom Volk gewählter
Gerichtshof Leute zum Tode verurteilen dürfen. Die Senatoren verloren überdies ihre Sitze in den
Gerichtshöfen und wurden durch Angehörige der röm. Oberschicht, die kein politisches Amt ausübten,
ersetzt.
Verbündete Roms sollten die Möglichkeit haben das römische Bürgerrecht zu erhalten - Senat
sieht seine Chance und appelliert an den Egoismus der röm. Bürger. Folge: Alle Italiker werden aus
Rom ausgewiesen. Der Senat versuchte die gacchischen Gesetze aufzuheben. Darafhin kam es zu
vereinzelten Gewalttaten und der Senat forderte den Consul Lucius Opimius auf die Republik zu
schützen. Nach diesem Senatsbeschluss besetzte GSG mit seinen Anhängern den Aventin, wo er in
einer blutigen Schlacht gegen die Truppen des Consuls sein Leben ließ.
Popularen und Optimaten
Als Popularen bezeichnete man in der späteren republik Senatoren die in der Tradition des
GSG handelten.
Auf der anderern Seite standen jene die das Bestehende beibehalten wollten und soziale
Maßnahmen aus finanziellen Gründen ablehnten. Sie bezeichnete man als Optimaten.
Die Volkstribunate des Lucius Appuleius Saturninus ( 103. und 100. v. Chr. )
Da das gesamte ager publicus mittlerweile, zumindest solang es sich um Anbaufläche
handelte, in Privatbesitz war und Besitzlose im Heer dienten, plante LAS nicht Land zu konfiszieren
und an Besitzlose zu übergeben, sondern er plante Veteranen in Kolonien Roms in Afrika
anzusiedeln.
Um die Stadtbevölkerung für seine Pläne zu gewinnen reduzierte LAS den Preis für Getreide.
Politische und soziale Probleme in Rom nehmen weiterhin zu – eine Lösung scheint
aussichtslos.
Es entsteht erneut streit über die Frage der Gerichtsbarkeit ( Oberschicht oder Senatoren ) –
Die Senatoren fordern diese zurück.
Gleichzeitig verlangen die italischen Verbündeten an politischen Entscheidungen beteiligt zu
werden sowie das römische Bürgerrecht.
Marcus Livius Drusus ( Volkstribun 91 v. Chr., Optimat )
Konzipierte 91. v. Chr. ein Reformprogramm das allen sozialen Schichten und pol. Gruppen
zukommen sollte:
Ein wichtiger Punkt seiner Reform war die Verleihung des Bürgerrechts an die italischen
Verbündeten.
Doch auch dieses Reformprogramm wurde vom Senat abgelehnt.
Dies führte letztlich zum Aufstand der italischen Verbündeten. Sie schufen nach dem Vorbild der röm.
Rep. Ein italisches Gemeinwesen, ernannten einen Senat sowie Feldherren. Zwei Jahre lang tobte der
Krieg bis Rom schließlich das Angebot machte, den Italikern das Bürgerecht zu erteilen, welches
diese auch annahmen.
26.
Publius Sulpicius Rufus
- Italiker (Bundesgenossen Roms) haben Ziel der röm. Bürgerrechte erreicht, aber es gibt
Streit um Stimmgewichtung ihrer Bezirke (alle 35 oder nur die vier tribus)
- Publius Sulpicius Rufus (=Sulpicius) setzt sich für die Italiker ein; es kam zu Konflikten mit
den Consuln, wodurch Sulpicius die Unterstützung des Feldherrn Marius sucht
- dies fällt zeitlich mit einem der längsten Kriege in der röm. Geschichte zusammen:
Mithridates, König von Pontos an der Nordküste Kleinasiens (aus hellenistischer Nachfolge),
eroberte die Provinz Asia in wenigen Tagen und massakrierte Tausende von röm. Bürger plus
Familien
- der Consul Sulla erhielt den Oberbefehl für den Krieg gegen Mithridates, aber Marius, der
auf Ruhm aus war, ließ sich durch ein Gesetz des Sulpicius (als Gefallen desselben) das
Kommando übertragen (also verlor Sulla die Führung)
Der Bürgerkrieg
- die Situation eskaliert: Sulla besetzt mit seinen Legionen Rom, lässt Sulpicius ermorden und
alle seine Gesetze aufheben; Marius entkommt knapp nach Africa
- Sulla zieht danach gegen Mithridates, vertrieb ihn aus Griechenland und belagerte Athen
- 87 v. Chr.: Der Consul Cinna, der mit den Ideen Sulpicius’ sympathisiert, und der
zurückgekehrte Marius erobern Rom und führen ein Massaker unter den Senatoren durch, die
mehrheitlich gegen Sulpicius standen; Marius verstirbt 86 und Cinna wird von meuternden
Soldaten erschlagen; genannt wird diese Episode Das Regime der Popularen (86-83 v. Chr.)
- 83 v. Chr.: Sulla kehrt nach der Wiederherstellung der Provinz Asia und einem
Friedensschluss mit Mithridates zurück nach Rom, erobert es nach Kämpfen wieder und lässt
sich zum Diktator ernennen (Die Dictatur Sullas); eine Welle der Gewalt folgt, weil Sulla
seine Feinde proskribieren lässt (d.h. dass ihre Namen auf ausgestellten Listen verkündet
werden, wodurch jeder die Genannten umbringen darf ohne eine Strafe erwarten zu müssen;
anschließend wird der Besitz der Getöteten eingezogen)
Gesetzgebung Sullas
- um die Krise der Republik und seine eigene Position zu sichern beschloss Sulla:
-> Volkstribune verloren wichtige Kompetenzen und durften später keine weiteren
Ämter ausführen
-> Praetur und Consulat wurden zivile Ämter, sie werden nur in Rom ausgeführt und
erst nach einer Amtszeit übernehmen sie als Propraetoren/-consuln die Führung von
Kriegszügen (=Imperien) und die Verwaltung in Provinzen
-> Veteranen aus Sullas Legionen wurden Länder zugeteilt, die meist aus den
Besitzungen besiegter Gegner bestanden
-> zusätzlich wurde die senatorische Gerichtsbarkeit eingerichtet und die verbilligte
Verteilung von Getreide an die plebs urbana eingestellt
- die Neuregelungen Sullas wurden nicht akzeptiert, weil er nur durch eine Gewaltherrschaft
die Macht inne hatte und besonders die Beschränkungen der Volkstribune auf massive Kritik
stieß; 78 v. Chr. stirbt Sulla
Spartacusaufstand (72/71 v. Chr.)
- nach dem Tod Sullas folgt eine schwere Zeit: Bürgerkrieg in Spanien, Rom leidet unter
Getreidemangel, gefolgt von Unruhen, erneuter Krieg gegen Mithridates von Pontos, Seewege
unsicher wegen starker Piraterie
- daher reagierte Rom zuerst kaum als ein Sklavenaufstand bei Capua unter dem Thraker
Spartacus immer mehr Zulauf gewinnt; verursacht durch die unmenschlichen Behandlungen in
der Landwirtschaft und begünstigt dadurch, dass die meisten eine gemeinsame Sprache
sprachen, eroberte der Aufstand weite Teile Süditaliens
- erst als Marcus Crassus 71 v. Chr. die Aufständischen durch einen Befestigungswall auf die
Halbinsel Kalabrien einschloss und eine Flucht durch Piratenschiffe scheiterte, kam es durch
einen Ausbruchsversuch zur Entscheidung: das Heer der Sklaven wurde geschlagen,
Spartacus kam dabei um; als Exempel wurden anschließend 6000 gefangene Sklaven entlang
der Via Appia von Rom nach Capua gekreuzigt
Konsulat von Pompeius und Crassus (70 v. Chr.)
- Pompeius, der den Krieg in Spanien für Rom entschied, wird 70 v. Chr. zum Consul; nach
seiner Wahl werden die Beschränkungen der Volkstribune und die senatorische
Gerichtsbarkeit aufgehoben (also wichtige Punkte von Sullas Reformen)
- 67 v. Chr. wird Pompeius das Imperium (=Feldzug) gegen die ausufernde Piraterie durch ein
Gesetz des Volkstribun Aulus Gabinius übertragen gegen den Widerstand des Senates;
Pompeius erzielt einen glänzenden Erfolg, weil nach dem Sieg gegen die Piraten die
Getreideversorgung gesichert ist, was die Preise sinken lässt; als er dann noch 66 v. Chr.
Mithridates von Pontos besiegte und Teile Kleinasiens und Syrien eroberte, galt Pompeius als
Held (Die außerordentlichen Imperien des Pompeius)
Lucius Sergius Catilina
- die sozialen Probleme in Rom waren aber nicht gelöst: nicht nur die bäuerliche Bevölkerung
(plebs urbana) sondern zunehmend Senatoren verschuldeten sich, um Karriere zu machen
oder einen hohen Lebensstil sich zu leisten (Das Problem der Verschuldung); dies wurde
besonders am Fall Catilina deutlich
- der erfolglose Catilina, der durch mehrfache Consulbewerbungen sich stark verschuldete,
vereinte die unterschiedlichen Schichten (Bauern, plebs urbana, Veteranen Sullas und
Senatoren) unter dem Schlagwort tabulae novae (Schuldenerlass), um die Macht in Rom an
sich zu reißen
- die Verschwörung wird verraten und der Consul Cicero ließ fünf Verschwörer verhaften und
nach einer Senatssitzung am 5.12.63 hinrichten; anschließende Aufstände wurden unter
Führung Ciceros und des Senats niedergeschlagen; dadurch gewann der Senat an
Selbstbewusstsein
- für Cicero hatte seine Hinrichtung der Catilinarier ohne Gerichtsurteil aber die Folge, dass er
für zwei Jahre ins Exil geschickt wurde
- als Pompeius 62 v. Chr. aus Kleinasien zurückkam, um seine Eroberungen vom Senat
absegnen zu lassen, lehnte der Senat ab
Erstes Triumvirat (Caesar, Pompeius, Crassus)
- einen Verbündeten für seine Ziele fand Pompeius in G. Iulis Caesar, der 59 v. Chr. zum
Consul ernannt wurde; verbunden mit Vertretern des popularen Spektrums (wie Pompeius
und Crassus) war Caesar durch seine Tante, die die Frau des Marius war, seine erste Ehe mit
einer Tochter Cinnas und die Ehe seiner Tochter Julia mit Pompeius; die Diktatur Sullas
überlebte er nur mit Glück
- Caesar, Pompeius und Crassus schlossen sich zur einer Koalition (Triumvirat), um stets
zusammen oder nach Absprach zu handeln; daraus folgte, dass 59 v. Chr. die Taten
Pompeius ratifiziert wurden und dessen Veteranen Länder zugeteilt wurden
- anschließend an sein Consulat wurde Caesar 58 v. Chr. zum Propraetor von Gallia Cisalpina
und Illyria; als dann noch das Proconsulat Gallia Transalpina (heute Südfrankreich) an ihn fiel
und aus Rom keine Gefahr drohte (der eine Consul war der Schwiegervater Caesars und der
andere ein Gefolgsman Pompeius’), startete Caesar sein Imperium in Gallien (Eroberung
Galliens, 58-52 v. Chr.)
- bis zur Niederschlagung des Aufstandes unter Vercingetorix und der Einteilung Galliens in
drei Teile (Belgica, Gallia Lugdunensis, Aquitania) im Jahre 52 hatte sich das Triumvirat
faktisch aufgelöst: Crassus hatte versucht als Verwalter Syriens das Partherreich zu erobern,
was aber in der militärischen Katastrophe von Carrhae endete, wobei Crassus auch starb
(Feldzug des Crassus gegen die Parther, 53 v. Chr.); das Verhältnis zwischen Pompeius
und Caesar hatte sich merklich abgekühlt, nachdem dessen Tochter Iulia, die Frau Pompeius,
starb
Bürgerkrieg und die Ermordung Caesars
- als P. Clodius von dem Optimaten Annius Milo auf der Via Appia ermordet wurde, brachen
Aufstände in Rom aus, in deren Folge die Curie, das Tagungsgebäude des Senats, und
andere Teil des Forum Romanum abbrannten; Pompeius wurde beauftragt für Ordnung zu
sorgen und wurde anschließend alleiniger Consul
- es entstand zwischen Pompeius und der Fraktion der Optimaten ein Bündnis in dessen
Folge Vertreter der Popularen verurteilt oder aus dem Senat heraus geworfen wurden (bis 50
v. Chr.)
- als letzter popularer Vertreter blieb Caesar übrig, der zwar in Gallien als Statthalter bleiben
wollte, aber vom Senat aus Gallien abberufen wurde; Caesar fürchtete zu recht, dass wenn er
als Privatperson nach Rom käme, er vor Gericht enden würde
- also beschloss Caesar die Macht an sich zu reißen und überschritt mit einer Legion den
Grenzfluss zwischen Gallia cisalpina und Italien, den Rubicon
- Pompeius, der die Truppen der Republik befehligte, musste sich nach Griechenland
zurückziehen, wo er 48 v. Chr. bei der Schlacht von Pharsalos besiegt und anschließend auf
der Flucht nach Ägypten ermordet wurde
- Widerstand gegen Caesars Dictatur (49 v. Chr. ernannt und zuletzt auf Lebenszeit dictator
perpetuum) in Africa und Spanien zog sich bis 45; 44 versuchte Caesar den Königstitel
anzunehmen und wurde, nachdem sich abzeichnete, dass es keine Rückkehr zur Republik
geben sollte, von einer Verschwörung aus Senatoren in einer Senatssitzung am 15.März (Iden
des Märzes) 44 v. Chr. ermordet
Der junge Caesar (=Octavius)
- Erbe des Caesar wurde sein Adoptivneffe Gaius Octavius, der sich seit dem Tod seines
Gönners Gaius Iulius Caesar nannte; er übernahm die Kontrolle über Caesars Legionen
- während die Ceasarmörder Marcus Brutus und Gaius Cassius in Griechenland eine
militärische Position aufzubauen, versucht Cicero den jungen Caesar gegen den neuen
Consul Marc Antonius zu benutzen, der ein Gefolgsmann Caesars war
- stattdessen schloss der junge Caesar ein Bündnis mit Marc Antonius und Marcus Aemilius
Lepidius durch das Gesetz lex Titia auf zehn Jahre legitimiert die res publica neu zu ordnen
(Zweites Triumvirat, 43 v. Chr.); Gegner des Triumvirates wurden proskribiert (unter
anderem Cicero am 7.12.43)
- in den folgenden Jahren wurden die restlichen Feinde des Triumvirates besiegt (Brutus und
Cassius in der Schlacht von Philippi (Sieg über die Caesarmörder bei Philippi, 42 v. Chr.)
oder Pompeius’ Sohn, Sextus Pompeius, in einer Schlacht 36)
- die Verbindung zwischen Marc Antonius und dem jungen Caesar war zwar durch die Heirat
von Antonius mit Octavia, der Schwester des jungen Caesar, besiegelt, aber Marc Anton
wendet sich hin zur ägyptischen Königin Kleopatra VII., die schon mit Caesar verbunden war
(Antonius und Kleopatra)
- als sich Antonius von Octavia scheiden ließ, veröffentlichte der junge Caesar das Testament
von ihm, welches Bestimmung zugunsten Kleopatras enthielt; Ägypten wurde der Krieg
erklärt, der bei der Seeschlacht von Actium in Westgriechenland 31 v. Chr. zugunsten des
jungen Caesar entschieden wurde; als später die Hauptstadt Alexandria erobert wurde,
begingen Marc Anton und Kleopatra Selbstmord
Das rechtliche Problem der politischen Stellung des jungen Caesar
- das Vorgehen des jungen Caesar war nur durch die lex Titia legitimiert, die aber nach dem
Zerwürfnis mit Antonius nicht verlängert werden konnte (33 v. Chr. war sie ausgelaufen)
- nach eigener Darstellung kam die Entscheidung durch dem „Konsens aller“ zustande, was
aber nicht hinwegtäuscht, dass seine Position keine rechtliche Basis hatte, also usurpierte
Macht war
Fazit des Autors:
-> das Scheitern der Republik ist in der mangelnden Anpassungsfähigkeit zu suchen; die
Senatoren fanden keine Antworten auf neue wirtschaftliche, soziale und politische
Gegebenheiten
-> im politischen System waren die Kontrollmechanismen gegenüber Veränderungen viel
stärker als die Verfahren Neuerungen Legitimität zu verleihen
-> nach römischen Verständnis beruhte die Begründung von Politik auf der Beachtung der
Verfahrenregeln und nicht auf den Leistungen für die Gesellschaft
-> dadurch geriet die Republik in eine Legitimationskrise, wodurch sie nicht von der gesamten
Gesellschaft getragen und verteidigt wurde
-> so entstand in der Zeit der Bürgerkrieg eines neues Konzept, das des militärischen
Imperiums, in dessen Folge sich die Macht auf die Person des princeps (Augustus)
konzentrierte
DIE RÖMISCHE KAISERZEIT
(30 v. Chr. bis 284 n. Chr.)
- zeitliche Eckpunkte sind Ergebnis einer wissenschaftlichen Konvention: Anfangspunkt ist die
Etablierung von Augustus’ Alleinherrschaft, des ersten princeps, der seine Monarchie, den Principat,
als wiederhergestellte Republik deklariert; Endpunkt ist der Regierungsbeginn des Diocletianus
Organisation der Alleinherrschaft des Augustus
- nach dem Sieg des jungen Caesars über alle Konkurrenten zum Alleinherrscher im Jahre 30
v. Chr. stellt sich die Frage nach der Herrschaftsform: Königstitel kam nicht in Frage, wegen
dem Schicksal Caesars und der Posten des sozial prestigereichen Consulat auf Dauer würde
nur Streitigkeiten im Senat bringen
- daher hielt sich Octavius bei allen Zeichen offener Macht zurück: der ihm gewidmete Kult
durfte ihn nur in den Provinzen seine Person verehren, während in Rom nur ein Kult der Dea
Roma und Divus Iulia erlaubt waren
- den Hauptteil der Kriegsbeute verwendete der junge Caesar für Geldspenden an Militär und
Plebs und ließ 80 Tempel auf dem Forum Romanum renovieren, womit er sich in die
republikanische Tradition einfügt, wonach stets ein Teil der Beute für solche Taten verwendet
werden sollte
Demobilisierung
- das größte Problem stellt die Auflösung der riesigen Bürgerkriegsarmeen und die
Versorgung der Veteranen dar; Augustus beschloss Gebiete in Italien auszusparen und
siedelte die Veteranen zumeist in neueren Provinzen wie in Südgallien, Südspanien und
Mauretanien an; dadurch wurde die römische Präsenz in den Provinzen erhöht
- zusätzlich benutzte Augustus den Kriegsschatz zur Absicherung der Veteranen; dadurch
kam es trotz der massenweise Entlassung von Soldaten nach der Reduzierung auf 28
Legionen zu keinen Problemen; obendrein machte damit der junge Caesar viele Veteranen zu
seinen clientes
- den Status des Senates stellt er durch eine lectio senatus her, in deren Folge unliebsame
Personen entfernt und die Senatoren auf 600 begrenzt wurden
Kompromiss von 27 v. Chr.
- am 13.1.27 v. Chr. gab der junge Caesar alle außerordentlichen Vollmachten des
Triumvirates an den Senat zurück; belohnt wurde er dafür mit dem cognomen (Beinamen)
Augustus und Ehrungen, die nicht seine juristische Vollmachten aber seine gesellschaftlichen
unterstrichen: die Bürgerkrone wurde ihm verliehen und zwei Lorbeerbäume, das Zeichen der
Imperatoren, vor seinem Haus gepflanzt
Organisation der Macht
- die Verantwortung über die Provinzen des Reiches wurde anschließend zwischen dem
Senat und Augustus/Kaiser aufgeteilt; während der Senat die zehn zentralen Provinzen wie
Italien, Makedonien, Dalmatien und Africa kontrolliert und eigene Truppen stellt, herrschte der
Kaiser über alle anderen wie Gallien, Spanien, Syrien, Kilikien und Ägypten;
- Augustus behielt durch das imperium proconsulare die Kontrolle über fast alle größeren
Heere; da der Kaiser nicht alle Provinzen zugleich verwalten konnte, ernannte dafür Legaten,
die aber nur Beauftragte des Kaisers waren, wodurch sie nach großen Siegen kein Recht auf
einen Triumphzug durch Rom hatten; zusätzlich blieb Augustus Consul bis 23 v. Chr.
- durch diese Regelung überragte er offiziell keinen Amtskollegen an Amtsgewalt, sondern nur
an Autorität; faktisch war er aber durch die Bündlung an Kompetenzen ein Monarch ohne Titel
Probleme der neuen Ordnung
- trotzdem war dieses System labil: als sich Licinius Crassus, der Statthalter von Makedonien
und Nachkomme des Triumvirn Crassus, einen Triuphzug feiern wollte, konnte Augustus dies
nur durch einen Trick verhindern und Cornelius Gallus, ein Freund des Augustus, beging
Selbstmord, nachdem er in Ungnade fiel, da er zu große politische Ambitionen verfolgte
Die Krise von 23 v. Chr.
- M. Primus, der Statthalter von Makedonien, wurde wegen eines widerrechtlich begonnen
Krieges angeklagt; dieser behauptet im Auftrag Augustus’ zu handeln, was dieser leugnet,
weil dies mit dem gleichwertigen imperium proconsulare von 27 widerspräche
- eine Verschwörung gegen Augustus brachte ihn dazu das Amt eines Consul niederzulegen;
dafür erhielt er die Rechte eines Volkstribunen, womit er die Volksversammlung und den
Senat eigenständig einberufen und Gesetze direkt in die Versammlung bringen, aber dafür
nicht mehr die Senatsversammlungen und die Wahlen leiten konnte; zusätzlich wurde das
imperium proconsulare zum imperium maius mit Weisungsbefugnis gegenüber allen
Statthaltern der Senatsprovinzen erweitert
- im selben Jahr starb Augustus’ Neffe und auserkorener Nachfolger Marcellus
27.
Beziehung zu den Parthern
diplomatischer Erfolg des Augustus: durch geschickte Verhandlungen zwang er den
parthischen Großkönig zur Rückgabe der verloren gegangenen römischen Feldzeichen und der noch
lebenden Kriegsgefangenen
Innenpolitik:
Verwaltungsmaßnahmen für die Stadt Rom: Etablierung einer staatlichen Feuerwehr,
Baugesetzgebung, Getreideversorgung, Wasserversorgung
Augusteische Gesetze:
Ehegesetze (Ehebruch nun öffentlich zu verfolgendes Verbrechen, Forderung mit
Zwangsmitteln an alle römischen Bürger zu heiraten und Kinder zu zeugen)
Sklavengesetze
Territoriale Konsolidierung:
unter August territoriale Erweiterung in verschiedenen Regionen
Nordspanien wurde der römischen Kontrolle unterworfen
im Osten wurde das wichtige Klientelkönigreich des Amyntas zur Provinz Galatien
umgewandelt
in Gallien und entlang der Donau unterwarf er drei Provinzen der röm. Herrschaft
bis zum Jahr 15 v. Chr. wurde auch das gesamte Alpengebiet der römischen Kontrolle
unterworfen
auch der Raum zwischen Alpen, Schwarzem Meer und Donau wurde der römischen
Herrschaft unterworfen
Problem: Eroberung ist nicht identisch mit endgültiger Kontrolle. In den eroberten Gebieten
brauchte man eine ständige Präsenz des Heeres und wenn es nun zu einem Aufstand der
einheimischen Bevölkerung kam, mussten Truppen aus anderen Reichsteilen herangezogen werden,
wodurch diese Gebiete dann wiederum geschwächt waren.
Selbstdarstellung des Augustus:
Herrschaft des Augustus wurde weitgehend akzeptiert, nicht nur in Italien
beendete viele Bürgerkriege und garantierte Frieden und Stabilität der wirtschaftlichen und
sozialen Verhältnisse
unter Augustus großes Bauprogramm, das den Innenstadtbereich fast vollständig veränderte;
er machte die Stadt zur Bühne seiner Selbstdarstellung
auch in der Literatur Einfluss des Augustus zu erkennen, v.a. Horaz und Vergil würdigen in
ihren Werken das Handeln des Augustus
Nachfolgeproblematik:
hatte keine eigenen Söhne
verheiratete seine Tochter Iulia mit seinem engen Freund Vipsanius Agrippa und adoptierte
deren beiden Söhne (Gaius und Lucius) und bestimmte sie als Nachfolger, doch beide starben schon
sehr früh
parallel dazu förderte er Tiberius, den er nach dem Tod der ersten beiden Adoptivsöhne
adoptierte
Machtsicherung unter Augustus:
durch Adoption wurde das enorme Privatvermögen sowie wichtige Klientelverpflichtungen an
den jeweiligen Nachfolger weitergegeben
Loyalität vieler verbündeter Herrscher, die ihm persönlich verpflichtet waren, da sie ihm ihre
Position verdankten
Loyalität vieler Senatoren, da viele Senatorfamilien ihre politische Karriere auf seinen Einfluss
zurückführen konnten
Familien wurden durch Heiratsverbindungen an die Herrscherfamilie gebunden
wichtige Heeresführer wurden in der Regel nur noch mit Mitgliedern der Herrscherfamilie oder
von loyalen Personen besetzt
mehr als 40 Jahre dominierende Position des Augustus: keine politischen
Konkurrenten, Politik gegen ihn oder ohne ihn war nicht möglich
Augustus verstarb im September des Jahres 14 n. Chr.
Die julisch-claudische Dynastie
Tiberius:
seinem Nachfolger Tiberius fehlte politisches Geschick
Probleme die bereits in den letzten Jahren des Augustus zu erkennen waren, kamen nun
unter Tiberius zum Ausdruck
Aufstände des Heeres am Rhein und in Pannonien wegen unerträglicher Bedingungen
die Aufstände wurden von Germanicus (Sohn von Tiberius) beigelegt, wobei dieser einen
Vorstoß über den Rhein unternahm, der hohe Kosten und Verluste verursachte. Daraufhin zog
Tiberius seinen Sohn aus Germanien ab, was jedoch in der Öffentlichkeit keine populäre
Entscheidung war.
Germanicus wurde danach in den Osten geschickt um die römischen Interessen in dem
Königreich Armenien durchzusetzen, wobei er überraschend verstarb. Von der Öffentlichkeit wurde
Tiberius beschuldigt mit Schuld an seinem Tod gewesen zu sein.
Probleme des Tiberius:
keine funktionierende Nachfolgeregelung (seine beiden Söhne verstarben früh)
Auseinandersetzungen innerhalb der Familie (Augustus’ Witwe Livia hatte durch besondere
Regelung des Nachlasses eine dominierende Position)
Unfähigkeit mit den übrigen politischen Kräften in Rom zu einem einvernehmlichen Verhältnis
zu kommen
Tiberius verlässt Rom, geht auf die Insel Capri und überlässt seinem engen
Vertrauten Seianus die Amtsgeschäfte
Seianus:
nutzte das Vertrauen von Tiberius aus um seine eigenen politischen Ziele zu verfolgen
stürzte viele Familienmitglieder der Herrscherfamilie
Tiberius wurden die wahren Absichten seines Vertrauten erst relativ spät bewusst, ließ ihn
dann aber verhaften und sofort hinrichten
Tiberius scheiterte in vielen Dingen und überließ die Reichszentrale mehr oder weniger sich
selbst
Tiberius verstarb im Jahr 37 n. Chr.
Nachfolger des Tiberius:
seine beiden Enkel waren völlig unerfahren, der eine sogar noch minderjährig
mit Hilfe des Präfekten Marco und des Senats gelang es seinem Enkel Caligula einen
Staatsstreich durchzuführen
das Testament des Tiberius wurde für ungültig erklärt und das gesamte Vermögen auf den
neuen Herrscher Caligula übertragen
unkonventioneller Regierungsstil Caligulas: lebte die praktisch unbegrenzten Möglichkeiten
seiner Machtstellung voll aus
kein Erfolg mit seinen geplanten Feldzügen gegen Germanien und Britannien
deutliche Spannungen zwischen dem Senat und Caligula
Ermordung im Januar 41
Claudius:
Diskussionen im Senat über die mögliche Wiedererrichtung der res puplica
Praetorianer entführten Claudius, Bruder des Germanicus und Onkel Caligulas, und
proklamierten ihn zum Kaiser
Senat musste Claudius als Herrscher akzeptieren
Neuorganisation der Getreideversorgung Roms, Vollendung zweier Aquädukte, Beginn des
Baus eines großen Hafens
Claudius wollte Britannien angreifen und dem Imperium angliedern
Beginn des Feldzuges im Jahr 43, abgeschlossen wurde die Besetzung der Insel dann unter
Domitian. Durch die Erbauung des Hadrianwall wurde das besetzte Gebiet vom schottischen
Hochland abgesichert, das unbesetzt blieb.
Claudius heiratete die verwitwete Agrippina Minor, die aus ihrer ersten Ehe bereits einen Sohn
namens Nero hatte, den Claudius adoptierte
Agrippina ließ Claudius vergiften, um anschließend Nero zum Kaiser auszurufen
Nero:
Regierung zunächst von seiner Mutter und der von ihr bestimmten Berater beeinflusst
Nero überließ ihnen weitgehend die Regierungsgeschäfte und konzentrierte sich auf seine
privaten Interessen
musische Beschäftigung wie Gesang und Theater standen an erster Stelle
allmähliche Loslösung von seiner Mutter, die er im Jahr 59 ermorden ließ
nutzte die große Brandkatastrophe vom Sommer 64 in Rom um seine Pläne für eine ihm
angemessene Residenz zu verwirklichen
Gerüchten, er sei selbst für den Brand verantwortlich, begegnete er, indem er die Christen als
Brandstifter verfolgen ließ
Unzufriedenheit breiter Kreise der römischen Führungsschicht mit seiner Herrschaft
(Verwandtenmorde, Verschwendung) führte zu einer Verschwörung
der Komplott wurde jedoch frühzeitig aufgedeckt und bedeutete für viele der führenden
Persönlichkeiten Roms den Tod
Desinteresse Neros an außenpolitischen Dingen, führte dazu, dass er die Kriegsführung
weitgehend den jeweiligen Feldherren selbst überließ (problematische Eroberung Britanniens; erneut
ausbrechender Konflikt um Armenien, wo Rom eine politische Niederlage einstecken musste;
Jüdischer Krieg; Aufstand in Gallien; Unruhen in Spanien)
Herrschaft Neros in Rom brach zusammen, er wurde zum hostis erklärt und beging
anschließend Selbstmord (Tod des letzten männlichen Mitglieds der julisch-claudischen Familie)
28
Die Flavier und Antonine
Galba (68-69)
- bereits älter, kein Nachfolger in eigener Familie ; Problem der Nachfolge
- zusätzlicher Druck: am Neujahrstag 69, Legionen in Germanien rebellieren gegen den Kaiser und
rufen Vitellius, den Kommandeur des niedergermanischen Heeres zum Kaiser aus
- Otho, der auf die Nachfolge spekulierte putscht gegen den Kaiser, der dabei ermordet wird.
Otho (69)
- Anerkennung durch den Senat und den Heeren an der Donau und im Orient
- Schlacht gegen die anrückenden Einheiten Vitellius, Niederlage
- Otho begeht Selbstmord
Vitellius (69)
- Heere an der Donau und im Orient enttäuscht über den Ausgang des Bürgerkrieges
Ö Konkurrenz zwischen den Heeren wächst
- Wenig überzeugende Herrschaftspersönlichkeit des Vitellius
Vespasianus (69-79)
- im Juni 69 wird Vespasianus ausgerufen
- Vitellius zuvor treue Truppen wechseln die Seite
- schwere Kämpfe in Rom (mit den Flavianern; verschanzen sich auf dem Capitol, der Tempel des
capitolinischen Iupiter geht in Flammen auf)
- Vitellius stirbt im Kampf
Æ neuer Abschnitt in der römischen Geschichte beginnt (nach julisch-claudischen
Dynastie und dem Chaosjahr 69, Vierkaiserjahr)
- Wiederherstellung der zerütteten Strukur des Staates
- Unruheherde in Judäa und Gallien mussten unter Konrolle gebracht werden
Um Machtanspruch vor der Öffentlichkeit zu legitimieren
• er stilisierte sich als ein von den Göttern auserkorener Princeps
• knüpfte bewusst an erfolgreiche Kaiser der früheren Dynastien an
-
-
• legte in der Öffentlichkeit grossen Wert auf Bürgernähe (civilitas, familiaritas)
konsequenter Finanzpolitik( leere Staatskassen wurden wieder gefüllt)
symbolträchtig für die renovatio des Staates ÆWiederaufbau des Tempels des Iupiter
Capitolinus
autokratischer Regierungsstil
ältester Sohn Titus war praefectus praetorio
• übernimmt ab 70 das Oberkommando über die Juden, Jerusalem wird nach blutiger
Besetzung gestürzt, Jahwe Tempel zerstört und die Reichtümer nach Rom gebracht
Vespasian stirbt 79
Titus (79-81)
- Der Ausbruch des Vesuvs( 24. August 79) überschattet seine Regierungszeit
Domitianus (81-96)
- jüngerer Bruder des Titus, übernimmt Regierung
- gerät bald in Konflikte mit Senat; durch seinen autokratischen Regierungsstil
- Sicherung der Grenze zu Germanien ( Anlage einer Verbindungsstrasse, Etablierung eines
Kontrollsystems mit Wachtürmen, Postwegen Palisaden und Graben)
- 83 Grenzbefestigung des Limes wird begonnen
- 87 Römer überschreiten Donau; Vernichtung des römischen Heeres bei Schlacht gegen die
Daker mit ihrem neuen König Decebalus
Ö nur scheinbare Stabilisierung der Grenze
96 Konflikte mit dem Senat führt zur Ermordung des Kaisers und zur Bestimmung des Senators
Coceius Nerva als Herrscher
Die Antonine
Coceius Nerva (96-98)
- innenpolitischer Druck auf Nerva sehr hoch (da die Praetorianer die Ermordung Domitianus
nicht hinnehmen wollten)
- adoptiert im Herbst 97 Ulpius Traianus (ausgewiesener Offizier mit Rückhalt in den Armeen)
- begründete Dynastie der Antonine oder Adoptivkaiser (man wollte sich von einer dynastischen
Erbfolge lösen und den jeweiligen bestmöglichsten Kandidaten als Nachfolger wählen)
Önur Fiktion (dynastisch-familiäre Komponente immer noch viel wichtiger als
staatsrechtliche Komponente)
Traianus (98-117)
- 98 übernimmt Alleinherrschaft
- erster Kaiser aus Provinz
- wollte politische Bedrohung durch das Reich des Decebalus an der unteren Donau beseitigen
- zwei dakonische Kriege (101/102, 105/106) brachten bedeutende territoriale Erweiterung des
Reiches und erheblichen finanziellen Gewinn durch die Kriegsbeute und die Kontrolle der
dakischen Bergwerke
Ögrosses Bauprogramm in Rom und Umgebung (Trajanshafen bei Ostia, neues
Zentrum
(Forum Traiani) in Rom mit Trajanssäule und Trajansmarkt)
- wollte Lage an der Ostgrenze neu ordnen: Partherkrieg (114-117)
• Besetzung Armeniens, das jetzt römische Provinz wird
• 116 Eroberung der Hauptstadt des Partherreich
• ab 116 Gegenschlag der Parther, Widerstand gegen Rom nimmt zu
• Römische Verluste steigen
ÖEingeständnis des Kaisers, dass der parthische Krieg ein Misserfolg war
- stirbt im August 117, dies ist das Ende einer aggressiven römischen Aussenpolitik
Hadrianus (117-138)
- Gespanntes Verhältnis zum Senat
- Viele Probleme
• Rückführung der vom Krieg mitgenommenen Truppen in ihre Heimatsgebiete
• jüdische Aufstände
• ungeklärte Lage an der Ostgrenze
• unruhige Stämme an der unteren Donau
- veranlasst weitgehende Revision der trajanischen Expansionspolitik im Osten, was die Aufgabe
einiger neueingerichteter Provinzen bedeutete
-
Æfür d die Öffentlichkeit war dies eine Zerstörung des Lebenswerks des Traianus, was die
ablehnende Meinung in der Hauptstadt bestärkte
viele Reisen durch die Provinzen
Neuanlagen vieler Städte
Förderung der hellenischen Kultur( auf seine Initiative gründete sich das Panhellenion, eine
Vereinigung griechischer Städte mit dem Zentrum in Athen)
Schwere Krise seiner Regierung war der Bar Kochba Aufstand
• grosser jüdischer Aufstand in Jerusalem, endete darin dass den Juden der Aufenthalt in
Jerusalem untersagt wurde und der Tempel unwiederbringlich verloren war
Antonius Pius (138-161)
- friedliche Regierungszeit, kaum grössere Konflikte
- war immer in Rom (keine Reisen…)
- Konzentration auf den Ausbau der Grenzbefestigung (England und Süddeutschland)
Marcus Aurelius (161-180)
ÆSchwere Krisen
- 162 Konflikt in Armenien
• Partherkrieg (162-166)
• Gegenangriff unter nominellem Befehl des Lucius Verus ( der 169 stirbt)
• 164 Zurückeroberung Armenien
• 165 Ktesiphon wird eingenommen
- in Zwischenzeit gerät die militärisch entblösste Donaugrenze immer mehr unter Druck
vorwiegend germanischer Völker
- 166
Beginn der Pest; grosse Verluste unter Truppen und Zivilbevölkerung fordern
Unterbrechung der Kämpfe
- Frühjahr 170 schwere Niederlage gegen die Markomannen, die die Donaugrenze überschritten
hatten
Æ Grenzverteidigung war zusammengebrochen
Öfreier Weg für die Germanen
- flaches Land wird eingenommen
- erst nach langen Kämpfen (172-175) gelingt es die Angreifer wieder aus römischem Gebiet zu
vertreiben
- erste Piratenzüge germanischer Völkerschaften
- Krisenstimmung im Land
ÖLandflucht (Bauern verlassen Dörfer, in anderen Teilen aufgegebenes Ackerland, agri
deserti)
- 177 ernennt Commodus zum Augustus
- 2. Phase der Donaukämpfe enden als Marcus Aurelius 180 stirbt
-
Commodus (180-192)
lebte ungehemmt die Möglichkeiten des Amtes aus
verstand sich als Inkarnation Gottes Hercules
viele Gegner im Senat , führt zur Ermordung am 31.12 192
Die Severer
Helvius Pertinax (193)
- wird zum neuen Kaiser ernannt
- Praetorianer opponieren
Ö sehr problematische Situation für Pertinax
- Unzufriedenheit der Soldaten endet in der Ermordung des Pertinax Ende März
Æchaotische Periode des Reichs beginnt (Vierkaiserjahr 193)
-
Praetorianer in Rom bestimmen Didius Iulianus (193) zum neuen Kaiser, treten aber später zu
Severus Seite über
Aufstand bei Provinzheeren
• Drei-Legionen-Provinz Syra ruft ihren Kommandeur Pescennius Niger zum Kaiser aus
• Statthalter von Pannonia superior, Septimias Severus wird als Kaiser ausgerufen und hat
sofort grosse Unterstützung
Septimius Severus (193-211)
- erste Handlung: Auflösung der Praetorianergarde, Ersetzung durch eine ihm loyale Truppe
- in seiner Regierungszeit: die meisten bedeutenden Juristen im Dienste des Kaisers
(Jurisprudenz)
- Krieg gegen Niger, kommt 194 ums Leben, Truppen fliehen über Euphrat
- 195 Severus nutzt dies als Gelegenheit zu dem ersten Feldzug in das Königreich Osrhoene (1.
Partherkrieg)
197-199 Parhter versuchen unter Vologaeses 4. die Ergebnisse des ersten Krieges zu
revidieren
- Æ spektakulärer Sieg gibt Severus den passenden Rahmen um seine dynastischen Pläne zum
Abschluss zu bringen
• Caesar Caracalla, der älteste Sohn, wird Augustus ernannt und Mitregent
• Geta, der jüngere Sohn, wird Caesar
- Feldzug in England; expeditio Britannica geführt von Caracalla
- Severus und Geta, der 209 zu dritten Augustus ernannt wird, führen Verwaltung von Eburacum
(York) aus
- Severus stirbt 211, der Feldzug wird abgebrochen
- Streitigkeiten zwischen den Brüdern führen zur Ermordung Getas, was ein Blutbad unter seinen
Anhängern auslöst
Caracalla (211-217)
Die Constitutio Antoniniana, die fast allen freien Einwohnern des Reiches das römische
Bürgerrecht verlieh, wurde festgelegt
Vorwiegend kleinere Kämpfe ausserhalb Roms
217 wird er Opfer eines Mordanschlags
-
Opellius Macrinus (217-218)
- wird Caracallas Nachfolger
- Niederlage bei Feldzug gegen die Parther
- Leere Staatskassen
Ö seine Position wurde sehr schnell destabilisiert
Elagabalus (218-222)
wird durch Gelder und Manipulation des Stammbaumes zum Kaiser ernannt, Macrinus ermordet
sehr jung, überlässt die Geschäfte seinen Günstlingen und den Frauen der Familie
Hauptziel seiner Regierung: Etablierung seines Gottes als oberste Gottheit Roms und
Einführung typisch orientalischen Kultzeremonien
Ö führte zu Widerstand der Praetorianergarde
- ab 222 wird Severus Alexander zur Unterstützung als Mitregent ernannt, doch Streitereien
zwischen den 2 und Aufruhr der Soldaten führen zur Ermordung Elagabalus und seiner Mutter
am 13. März 222
-
Severus Alexander (222-235)
-wird Alleinherrscher
29.
13.März 222: Aufruhr der Soldaten: Elegabal + Mutter werden getötet; Severus Alexander wird
Alleinherrscher.
Severus’ Regierung kooperiert mit führenden Kreisen (darum wird er in d. Geschichtsschreibung
positiv bewertet). Gegen seine Soldaten + Bevormundung durch Mutter kann er sich aber nicht
durchsetzen.
Er reagiert zu langsam auf polit. Veränderung im neupersischen Reich d. Sasaniden + erreicht dort
militärisch nur teilweise etwas. Auch an Rhein & Donau immer mehr Probleme, darum bricht Severus’
Unternehmungen im Orient ab (er reagiert damit auf Sorgen der Soldaten).
233 zieht er noch mal großes Heer am Oberrhein zusammen, zögert aber zu lange. Er entspricht nicht
mehr den Soldatenerwartungen + 235 wird er samt Mutter getötet (Soldatenaufstand bei Mainz).
Nachfolger: Maximinus Thrax (bisher Kommandant d. Balkanrekruten + Vertreter d. neuen
Offiziersgeneration, die leichter Karriere gemacht hatte durch severische Umstrukturierung d.
Heerwesens). Mit ihm beginnt die Reichskrise.
Reichskrise
235-284 Reichskrise (Folge von Herrschern, die sich nicht halten können). Teile des Reichs litten
kaum, andere (z. Bsp. an Rhein, Donau + Ostgrenze) wurden durch Kämpfe schwer beschädigt. Viele
Kaiser d. Periode sind aus d. Soldatenstand (andere kulturelle Tradition als bisherige Herrscher).
235 : Maximinus (ab 236 regiert Sohn Maximus mit) besiegt germanische Gruppen jenseits d. Grenze.
Dann kämpft er gegen die Sarmanten (mittlere&untere Donau). M. verdoppelt Sold d. Soldaten
(Loyalitätssicherung) + finanziert das durch Manipulation d. Feingehalts d. Münzen + rigoroses
Steuereintreiben.
Im Senat hat er viele Gegner aus severischer Zeit, ist aber zur Kooperation mit Senat gezwungen
(sonst geregelte Staatsführung unmöglich).
238 entlädt sich Unzufriedenheit d. Bevölkerung: Rebellion africanischer Landbesitzer / d.
senatorische Statthalter Gordianus wird samt Sohn zum Kaiser ausgerufen. Der Aufstand wird
niedergeschlagen, Gordianus + Sohn getötet. Aber Funke greift auf Italien über: Senat stellt sich
gegen M. + bestimmt zwei senatorische Gegenkaiser. Doch auf Druck d. Masse wird Enkel d.
getöteten, älteren Gordianus Kaiser( Gordianus III), dessen Schwiegervater (d. erfahrene
Praetorianerpraefekt Furius Timesitheus) ab 241 weitgehend d. Politik leitet. ( Maximinus scheitert bei
seinem Rückschlag; er + Sohn werden von eigenen Leuten erschlagen.)
Seit 241 mehr Spannungen im Osten (regiert von Großkönig Schapur I.)
243: Perserkrieg des Giordanus, der nicht gut verläuft: Timesitheus stirbt an Krankheit (wird ersetzt
durch Iulius Priscus), dann stirbt Gordianus an d. Folgen einer Schlachtverletzung in Mesopotamien.
Nachfolger: Philippus Arabs (Bruder d. I.Priscus + Sohn eines arab. Scheichs). Er beendet
Perserkrieg durch Kompromissfrieden, um 246/7 erfolgreich gegen Carpen + Germanen zu kämpfen.
Große 1000-Jahrfeier Roms fällt in seine Regierungszeit.
Auswirkungen d. Krise:
regionale Usurpationen (die Kaiser konnten nicht alle Regionen beachten; Gegenkaiser in d.
einzelnen Gebieten konnten oft besser schützen. Bsp.: das „Gallische Reich“ – ging erst unter
Aurelian wieder an d. Zentralgewalt.)
militärische Belastungen sorgen für Unruhe + Armut bei nordafrikanischen Stämmen /röm. Politik hatte
sie in Bergregionen oder an Wüstenrand abgedrängt. Weitere Unruhen in Bergregionen Kleinasiens,
ländlichen Gebieten Galliens + Nordspaniens. Teils dort Aufbrechen vorrömischer Strukturen.
Grenzregion an Rhein + Donau immer im Krieg. Einige römische Territorien werden erstmals
aufgegeben. Ländliche Struktur ändert sich: Kleine Siedlungen verschwinden, neue Siedlungen in
Stadtnähe. Wichtige Straßen müssen gesichert werden (z. Bsp. Köln-Kanal-Verbindung)
Seit 240: Goteneinfälle sind schwere Belastung. Von d. Südukraine + d. Krim Einfälle/Plünderungen
durch Stämme (Goren, Heruler, Bosperanen) / kommen zu See + Land ins Reich. Römische Abwehr
an Grenze zu schwach + langsam/ waren Angreifer bereits im Binnenland, konnte man sie nicht am
Plündern hindern. Unter Phillipus Arabs Serie v. Angriffen an unterer Donau; Goten bringen das
Bosperianische Reich, bislang mit Rom kooperierend, unter ihre Kontrolle. In diesen Wirren putscht
Offizier Decius; Phillipus A. + Sohn sterben 249.
250: Krieg mit Carpen + Goten. Goten stoßen weit ins Inland vor. Kaiser Decius wird in der
Dobrudscha in d. Wildnis gelockt; er + sein Heer gehen verloren. Trebonianus (Statthalter v. Moesia
superior) wird v. d. Streitkräften zum Kaiser gewählt. 253 erhebt sich in seiner alten Provinz Aemilius
Aemilianus gegen ihn. Gallus wird v. eigenen Leuten ermordet. Kurz darauf wird wiederum Aemilius
Aemilianus durch Usurpation d. Valerianus gestürzt.
V. reagiert auf militärische Belastung d. Reichs, indem er seinem Sohn die Verteidigung d. Donau- +
Rheingrenze anvertraut. V. kümmert sich um d. Osten (bedroht durch expansive Politik d. pers.
Großkönig Schapur.)
Neue Krisenherde entstehen am Niederrhein (Franken), in Süddeutschland (Alamannen) +an d.
mittleren Donau (Vandalen, Jazygen, Quaden). Gallienus setzt zentrale Eingreiftruppe ein, die er
gegen die wechselnde Bedrohung einsetzt.
G. zieht mit großem Heer gegen d. Perser + gerät nach Niederlage in Gefangenschaft (politische
Katastrophe!). Sohn Gallienus regiert weiter.
Kaiserliche Autorität im Osten löst sich auf: Macrianus d. Ältere, d. zunächst die Abwehr gegen d.
Perser organisierte, fördert die Usurpation seiner Söhne Macrianus+ Quietus gegen d. Kaiser.
(Quietus im Osten / beide Macriani ziehen nach Westen; werden aber 261 vom Reiterheer d.
Gallienus auf d. Balkan besiegt + getötet.)
Politischer Aufstieg d. palmyrenischen Fürsten Odaienathus, der Quietus besiegt + als fast autonomer
Herrscher geg. d. Perser kämpft, bis er 267 ermordet wird. Seine Witwe Zenobia regiert jetzt im
Namen d. Sohnes Vaballathus + bricht mit Rom.
(Aufmerksamkeit Roms auf Donaugebiet, darum kann sie weite Teile d. Orients vorübergehend
unterwerfen.)
260: Abfall eines großen Teils d. Westprovinzen unter Postumus (er nutzt, dass Menschen sich von
Rom nicht vor Germanen geschützt fühlen). Gallien, Germanien, Britannien, Teile Spaniens +
Raetiens schließen sich Aufstand an. Gallienus kämpft geg, Grenzvölker + Usurpationen gleichzeitig.
265 will er von Postumus kontrollierte Gebiete zurückerobern + scheitert.
268: großer Angriff verschiedener Völker (Führung: Goten + Heruler), die tief in röm. Gebiet stoßen.
Athen wird v. Herulern angegriffen, andere fallen in südl. Balkan ein. Gallienus wird v. eigenen Leuten
ermordet (bei Usurpationsversuch d. Reiterführers Aurelolus). Claudius wird Kaiser (II. Gothicus, aus
d. Gruppe d. illyrischen Offiziere).
269: Die Gotensiege d. Claudius: bei Naissus entscheidender Sieg über d. Goten (die hohe Verlust
auch aufgrund v. Seuchen + Hungersnöten hatten; dadurch auch in den nächsten Jahren keine
Bedrohung von d. Stämmen). Claudius stirbt 270 an Seuche; jetzt herrscht kurz sein Bruder Quintillus,
dann d. andere Bruder Aurelianus.
Aurelianus beseitigt die restl. Krisenherde. Er besiegt in Italien eingedrungene Juthungen + Vandalen
an d. mittleren Donau + übernimmt Teile d. besiegten Germanen ins Heer. 272 lässt er kaum zu
haltende Provinz Dakien räumen (Verlegung Bevölkerung + Truppen ans rechte Donauufer).
Rückgewinnung d.Machtzentren Palmyra + Gallien durch Aurelianus. Antiochia + Palmyra werden v.
Aurelius eingenommen, Zenobia gerät in Hände d. Feinde. Nach neuem Aufstand Palmyras geg. Rom
wird die Stadt schwer bestraft + verliert für immer polit.+wirtsch. Sonderrolle in arab. Welt.
Rückgliederung d. (15-jährigen) gallischen Teilreichs, dass seit d. Tod Postumus 269 geschwächt war
(innere Wirren). 274 kapituliert d. Herrscher Tetricus vor Aurelianus + wird ehrenvoll interniert. Unter
A. bekommt Rom eine Stadtbefestigung.
Kurz regieren: Kaiser Tacitus (Ende 275-Mitte 276) + Florianus (Mitte bis Herbst 276).
Kaiser Probus (276-282) regiert im Wesentlichen territorial stabiles Reich. Aber: Immer noch keine
Stabilität für Kaiserposition: Probus (auch aus d. Gruppe d. illyrischen Offiziere) wird 282 von eignen
Leuten getötet. Sein praefectus praetorio Carus wird Nachfolger (seine Söhne Carinus +
Numerianus herrschen mit).
Carinus übernimmt Westhälfte d. Reichs, Carus + Numerianus ziehen 283 geg. die Perser. Nach
Einnahme v. Ktesiphon + Seleukeia überraschender Tod d. Carus; auch Numerianus stirbt unter
mysteriösen Umständen.
284 ernennen d. Truppen den hohen Offizier Diocles (später Diocletianus) zum Kaiser (auch aus d.
Illyricum + ehemals einfacher Soldat). Es kommt zum Bürgerkrieg geg. Carinus – 285 siegt Diocles in
d. Schlacht am Margus + ist nun unbestrittener Herrscher.
Strukturen d. römischen Kaiserzeit:
Kaiserliche Rechte (imperium proconsulare maius, imperium consulare, tribunicia potestas + die
versch. Curae) werden vom Senat an d. jeweils neuen Herrscher übertragen (kein durchdachtes
System v. Gesetzen, sondern ein Konglomerat v. Einzelrechten, die ursprüngl. Augustus im Lauf d.
Zeit erhalten hatte).
Sakrale Aura der Kaiser: Schon Augustus hat quasi-sakralen Touch (sein cognomen Augustus
bedeutet „Erhabener“). Ab Ende d. 2. Jhd.: Titel der Herrscher erweitert sich um pius (= der alle
Pflichten geg. Götter + Menschen erfüllt) + felix (= die Glückhaftigkeit d. Herrschers, der d. Götter auf
seiner Seite hat). Beliebt auch d. Beiname invictus (= d. Unbesiegliche. Verwandschaft des Titels
invictus mit sol invictus, dem unbesiegbaren Sonnengott). Zunehmend wird alles, was mit d. Kaiser zu
tun hat, sacer (heilig) genannt (z. Bsp. wird einfache Verwaltungsanordnung d. Kaisers zum heiligen
Brief (sacerae litterae)).
Kaiser begründen Herrschaftsanspruch auf militärischen Siegen. Daraus folgen immer
bombastischere Siegesbeinamen (Germanicus reicht nicht mehr, es muss schon Germanicus
Maximus sein!). Der Erfolgsdruck ist enorm + schwächt Herrschaftsanspruch. Die Labilität d.
Herrscheramtes begründet die Reichskrise.
Kaiser + Bevölkerung: Trotz d. republikanischen Scheinfassade seit Augustus weiß das Volk, dass es
in einer Monarchie lebt. Patriarchalisches Verständnis d. kaiserlichen Gewalt: Man erwartet, dass d.
Kaiser sich persönlich um Angelegenheiten des Volkes kümmert (Flut v. Bittschriften + Gesandten).
Der enorme kaiserlicher Privatbesitz geht ursprüngl. auf d. Privatbesitz v. Caesar + Augustus zurück.
Aber auch jede neue Herrscherfamilie mehrt mit ihrem Privatgeld d. kaiserlichen Privatbesitz.
Erbschaften + Geschenke, auch Privatbesitz v. Ex-Klientelfürsten tragen zum kaiserl. Reichtum bei.
Kaiser hat die Monopole für Purpur + Papyrus; ihm gehören auch fast alle wichtigen Steinbrüche für
Marmor + Porphyr + die großen Bergwerkbezirke.
Nachlass v. Personen ohne Erben + herrenloses Land gehen auch an ihn. Über ihren Privatbesitz
kontrollieren die Kaiser große Teile d. Wirtschaft. Mit d. Geld nimmt Kaiser auch viele öffentl.
Aufgaben wahr (z. Bsp. deckt Tiberius d. Steuerausfall durch Steuerbefreiung asianischer Städte nach
Erdbeben aus eigener Tasche.)
Die Grundzüge der Außenpolitik
Die augusteische Außenpolitik: Unter Augustus dehnt sich d. röm. Machtbereich auf dem Balkan bis
an die Donau aus. Durch einen Aufstand im Illyricum kann das Reich des Marbod nicht zusätzlich
unterworfen werden (6n. Chr.).Versuche, östl. des Rheins röm. Herrschaft zu etablieren, scheitern in
d. Katastrophe d. Varus (9 n. Chr.). Pläne für Provinz Germania werden aufgegeben; Rhein ist im
Wesentl. die Reichsgrenze.
Nur unter d. Flaviern durch die Anlage d. Limes Grenzverschiebung gen Osten (einfachere
Verbindung d. Rhein-+Donauprovinzen). Seit späten Flaviern militär. Schwergewicht endgültig auf d.
Donaugrenze. Das dakische Reich dort im Karpathenkessel hat Aufmerksamkeit d. Römer, bis es
unter Traianus zerstört wird.)
Donau- und Schwarzmeergebiete: untere Donau + westl. Karparthen sind westlichstes Ende d.
Reiches, das nach Osten über die Ukraine, das Gebiet zwischen Wolga + Ural + d. Bereich des
Kaspischen Meeres bis in den zentralasiatischen Steppenraum reicht. In Nord-Süd-Richtung wird es
durch d. russische Waldzone im Norden, im Süden durch d. Schwarze Meer + d. Kaukasus begrenzt.
Dort herrscht einheitlich Steppenkultur / hohe Mobilität d. Bevölkerung; die Sprachen dort sind aus d.
iranischen Sprachbereich.
Nachbarn des Reiches an mittlerer + unterer Donau: u. a. Jazygen + Roxolanen. Nördlich d. Kaukasus
greifen Alanen unter den Flaviern + Hadrian das Reich an. Römer beschränken sich auf Kontrolle ihrer
Grenzen + Schutz d. griechischen Städte entlang d. Schwarzmeerküste+ auf der Krim.
Teile d. gotischen Völkerfamilie verlagern sich im Lauf v. 200 Jahren vom Mündungsgebiet d.
Weichsel über Podolien + Wolynien in die südl. Ukraine. Auswirkungen: Ostgermanische
Völkerschaften (Langobarden) sind an Angriffen auf d. Reich beteiligt (Markomannenkriege des
Markus Aurelius). Schwierige Kontrolle dieser Stämme im grenznahen Bereich (kaum staatliche
Strukturen). Entsprechend d. politische Zuverlässigkeit d. Stämme gewährt/verwehrt Rom deren
Zugang zu grenznahen Märkten.
Aufnahme ins Reich: Germanen leben in Subsistenzwirtschaft mit viel Viehwirtschaft – bereits wenige
schlechte Erntejahre bedrohen Existenz. Politisch fehlen feste Strukturen, eine Stammes- oder
gesamtgermanische Identität gibt es nicht. Römer nehmen diese Völker i. d. Regel nicht ins Reich auf
(Ausnahme: Augustus + Nero). Erst im 3. Jhd. wird Rom flexibler, um sich dünnbesiedelte Gebiete +
neue Rekruten zu sichern. Militärisch kooperiert Rom oft, um mit Hilfe d. verbündeten Stämme deren
Nachbarn zu kontrollieren.
Bundesgenossen: Als erster
eingesetzt) + germanisches
Kontingente fast regulär zum
rekrutiert Leibwache seiner
Gordianus III. geg. d. Perser).
fordert Marcus Aurelius 8000 sarmatische Reiter (in Britannien
Kontingent für Orientzug. Seit Septimius Severus gehören diese
Heer (equites gentiles bei d. Orientfeldzügen des Severus, Caracalla
leones unter diesen Stämmen, Germanen + Goten unterstützen
Angriffe auf d. Reich meist durch einzelne Stämme oder ad-hoc-Bündnisse. Von Räumung d.
Limeshinterlandes bis zur Aufsiedlung durch alamannische Teilstämme vergeht viel Zeit.
Ostgrenze: Rom trifft hier auf etablierte Staatenwelt, die aus dem Seleukidenreich hervorgegangen ist
+ auf d. Reich d. Parther (Dynastie d. Arsakiden / hinsichtlich d. Größe + Organisation durchaus
Konkurrenz!). Augustus muss die Parther respektieren, auch wenn er in Armenien einen König
einsetzt + so röm. Position festigt. Der ursprüngl. Gürtel d. Klientelreiche (die v. Rom jederzeit
eingezogen werden konnten + keine automatische Erbfolge mehr hatten) reichte von Galatien, Pontus
+ Kappadokien in Kleinasien über Kommagene, Osrhoene, Palmyra + Judäa im syrischpalästinensischen Raum bis zum Reich d. arab. Nabatäer auf d. Sinai.
Gürtel d. Klientelreiche auf parthischer Seite: Atropatene, Edessa + Hatra. Enge Kontakte zwischen
röm. + parth. Zonen. Die Zwischenzone ist wichtig, da Nabatäer, Palmyrener + Hatrener
Karawanenhandel aus d. südarabischen + mesopotamischen Raum zum Mittelmeer kontrollieren.
Schon unter Augustus wird Galatien röm. Provinz, bis Anfang d. 2. Jhd. verschwinden auch die
meisten anderen Klientelstaaten / nur Oasenstadt Palmyra hat bis ins 3.Jhd. polit. + wirtsch.
Sonderstellung.
Kontrolle v. Armenien prägt das Verhältnis d. beiden Großmächte über Jahrhunderte (da es
wirtschaftl. + strategisch wichtig ist / Kontrolle d. Kaukasuspässe + d. Wege in d. Iran). Nach längeren
Kriegen geht Nero politischen Kompromiss ein: Nebenlinie d. Arskaiden besetzt mit röm. Zustimmung
Thron, nimmt aber Diadem vom röm. Kaiser entgegen. Nach d. Sturz d. parthischen Dynastie durch
die neupersischen Sasaniden flüchten Parther nach Armenien + sind nun eher pro-römisch.
Traianus versucht, die Zwischenzone d. röm. Verwaltung zu unterstellen, scheitert am Widerstand d.
Bevölkerung, die weiter gut verdienen will. Es kommt zum Aufstand; darum kehrt Hadrian zum Modell
d. Klientelreiche zurück + es kommt zur Stabilisierung d. Region.
30
Gesellschaft des Reiches
Streng hierarchisch gegliedert
Aufstiegsmöglichkeiten
aber
im
Gegensatz
zur
griech.
Polisgesellschaft
soziale
Gesetzgebung d. Augustus: klare Abgrenzung der ordines (Stände), soziale Möbiliät zwar
gewährleistet aber nach seinen Vorstellungen
Römisches Bürgerrecht: cives Romani (röm. Bürger) und peregrines (Fremde), Bürger besonders im
Strafrecht und Militärdienst privilegiert
Republikanische Gesellschaftsordnung: starke Differenzierung innerhalb des Bürgertums nach
Vermögen und sozialer Herkunft; traditionell nur equites Romani (Ritter) und Bürger, Senatoren
gehörten dem Ritterstand an, künftige Senatoren waren zuerst Ritter, mit Abgabe des Pferdes traten
sie in den Senat ein
Senatorenstand: relativ homogene Gruppe (nur Reiche), Augustus erhöhte den Census für
Senatoren stark (dadurch wurde die Aufgliederung zwischen ritterlichen und senatorischen Familien
noch bestärkt), außerdem wurde der Stand juristisch geschaffen durch zwischenständische
Heiratsbestimmungen (bei nicht standesgemäßer Heirat gesamte Familie des Senators aus
Ritterstand ausgeschieden, Verbot von Heirat mit infamierten Personen auch für Söhne, Enkel und
weibliche Angehörige)
600 Senatoren, rekrutiert aus ca. 300 – 400 Familien, hohe Fluktuation wegen niedriger Geburtenrate
im Stand, hoher finanzieller Belastung und frühem Tod (Senator = stressiger Job)
Ergänzung des Senatorenstandes: 1. durch Verleih des latus clavus an jüngere Mitglieder reicher
Familien als Chance sich für niedrigere senatorische Ämter zu bewerben, 2. durch Aufnahme
bewährter Ritter in den Senat (meist schon älter, kamen gleich in die Rangklasse ehem. Aedile oder
Praetoren)
Ausscheiden aus ritterlichem Amt = Zugehörigkeit zu den Consularen
Während Kaiserzeit: Senat permanent in Umstrukturierung
Bestimmte Regionen des Imperiums über- oder unterrepräsentiert, gegen den Willen des Kaisers war
eine politische Karriere unmöglich aber er konnte bereits junge Senatoren zur Wahl stellen (Wahl in
Monarchie bedeutungslos aber für die Öffentlichkeit war dies ein Signal dass die Karriere des
Auserwählten vom Kaiser unterstützt wurde)
Ritterstand: Unterschied zwischen Vermögensrittern und Rittern mit Staatspferd, Zugehörigkeit zum
ordo senatoris durch Geburt (nach Augustus), aber das Ritterpferd musste erst verliehen werden ( =
Kontrollmöglichkeit für den Kaiser)
Angehörige: führende Gruppen der Landgemeinden im ganzen Imperium, Nachkommen reicher liberti
(Freigelassener), hochrangige reiche Centuriones
Freigelassene: liberti, ehemalige Sklaven = infames (auch Künstler, Wagenlenker, Tänzer usw.) ->
nicht amtsfähig
Soziale Integration dieser Gruppe durch Augustus’ Kulturorganisation der magistri vici
-> viele kleine Magistrate, religiöse und öffentliche Aufgaben auf lokaler Ebene, Einsatz ihrer
finanziellen Mittel -> Nutzbarmachung des beträchtlichen finanziellen und personellen Potentials fürs
Imperium
Zwar keine wichtigen öffentlichen Ämter, aber Ehrensitze und – Insignien bei Veranstaltungen
Sklaven: Keine Aufstände mehr wie zur Zeit der Republik (da keine großen Sklavenmassen der 1.
Generation mehr)
Kaiserliche Gesetzgebung seit Augusts: sowohl abschreckende als auch motivierende Bestimmungen
zur Sklaverei, Schutz des Herrn vor Mord durch Sklaven aber auch Schutz des Sklaven vor zu starker
herrischer Grausamkeit („fuga ad statua“ – Flucht zur asylgewährenden Kaiserstatue)
Für städtische Sklaven war es wohl wahrscheinlicher irgendwann freigelassen zu werden als für
ländliche
Integration und sozialer Aufstieg: im Gegensatz zu Griechenland bemühte sich Rom um soziale
Integration ehemaliger Sklaven, der libertus war zwar durch viele Verpflichtungen noch an seinen
ehem. Herrn gebunden, aber seine nach Freilassung geborenen Kinder waren ingenui (Freigeborene)
mit Bürgerrechten; diese Neubürger trugen sehr zur wirtschaftlichen Blüte der frühen und hohen
Kaiserzeit bei
Ius Latii: Zugang zum Bürgerrecht unter den ersten Kaisern relativ schwer, die zur Machterhaltung
wichtigen Gruppen profitierten am meisten, für niedrigere Schichten blieb nur der Militärdienst
Kaiser Vespasian verlieh das ius Latii (latinische Recht) an die Provinz Baetica => Reaktivierung einer
alten Rechtsform die nach dem Bundesgenossenkrieg (nach dem alle Italiker Bürgerrechte erhielten)
bedeutungslos war;
Zwei formen: ius maius (= alle Mitglieder der curia erhalten Bürgerrecht) und ius minus (= Bürgerrecht
für Inhaber städtischer Magistraturen)
Rechtliche Differenzierung: Sozialer und juristischer Status bei Verfahren und Urteilsverkündung
von Bedeutung: Sklaven waren nur „Arbeitsinstrumente mit Sprache“, aber auch Unterscheide bei
Freien, z.B. Römern und Nichtrömern, gesonderte Regelungen für servi und liberti
Senatoren bzw. Ritter durften nicht gefoltert werden, aber die Folter war Routine bei Strafprozessen
für Sklaven, Plebs und Nichtrömer
Auch Strafe war direkt vom Status abhängig (unterschiedliche Strafen für das selbe Verbrechen):
höhere Schichten eher Vermögens- oder Standesverlust, niedrigere eher Körper- oder Kapitalstrafen
Typische bei höheren: exilium oder relegatio, Einteilung in Gruppen: die „Ehrbaren“ (honestiores) und
„nicht Ehrbaren“ (humiliores), wer aber wozu gehörte musste der Richter ermessen oder sogar der
Kaiser
Hinrichtung von Senatoren nur bei Hochverrat oder Verletzung des Maiestätsgesetzes, bei einfachem
Mord nur Verbannung auf eine Insel, Vernichtung der sozialen Stellung der gesamten Familie durch
den Vermögensverlust (mit Verbannung einhergehend)
Städtische Unterschichten: Direkt von Schwankungen der Lebensmittelversorgung betroffen, meist
ungelernte Arbeiter, Taglöhner, die am Existenzminimum lebten
Landbevölkerung: Trotz Ackerbau nicht besser dran als die städtischen Unterschichten,
rechtlich eingeschränkt, vor 212 abgesehen vom Militärdienst keine Chance auf Bürgerrecht, standen
am Ende der sozialen Skala, waren durch Steuern stark belastet
Militär als einzige realistische Aufstiegschance
Wirtschaft und Handel
Verkehrsstruktuen: Imperium Romanum als geschlossener Wirtschaftsraum, Hauptproblem: lange
Transportwege
Mittelmeer als Drehscheibe des Massenverkehrs, Schiffstransport war am kostengünstigsten, die
Hafenstädte waren die wichtigsten Umschlagsplätze, auch die Binnengewässer wurden als
Transportweg genutzt
Ursprünglich fürs Militär gut ausgebaut war auch das Straßennetz für den Handel nutzbar
Olivenöl und Wein: Als Symbol mediterraner Lebensart weit verbreitet und daher ein
Haupthandelszweig, (auch Fischsauce sehr beliebt), in Amphoren übers Meer und die Flüsse ins
ganze Imperium transportiert
Luxusgüter: z.B. Textilien, irgendwann aber Imitation statt Import, außerdem: Baumaterialien,
Rohstoffe
Gute Marktchancen wegen hoher Nachfrage, auch über lange Transportwege hinweg
Verlegung von Werkstätten direkt an den Ort des Konsumenten
Außenhandel:
Erwerb wichtiger Rohstoffe (auch Sklaven) an den Reichsgrenzen (außer
Orientgrenzen), im Tausch mit Metallwaren, wertvollem Geschirr und Nahrungsmitteln
Zugang zu grenznahen Märkten als politisches Druckmittel gegen unruhige Grenzvölker
Orienthandel: für wertvolle Stoffe und hochwertige Produkte wurde hoher Kapitalaufwand betrieben
Versorgung Roms: staatlich organisierte Versorgung mit Getreide, dann auch Olivenöl, Fleisch und
Wein
Seit Augustus hat der Herrscher persönliche Verantwortung und direktes finanzielles Engagement
Getreide für Rom hauptsächlich aus Sachsteueraufkommen der staatlichen (kaiserlichen) Domänen,
Transport mit vom Staat bei Reedervereinen gecharterten Schiffen, es gab Steuervorteile für Reeder
bei Abschluss langfristiger Transportverträge
Zwischenlagerung in Ostia, Weitertransport im Pendelverkehr (Schiffe)
In Rom: kostenlose Verteilung an die plebs und an die vertraglich zu Niedrigpreisen verpflichteten
Großbäckereien
Da die Menge nicht ausreichte gab es Steuervorteile für private Getreidehändler (Seetransportkonsten
vom Kaiser abgedeckt)
Marktkontrolle: keine staatliche Wirtschaftsaufsicht, bei Versorgungsengpässen konnte der Staat
aber Spekulationsverbote verhängen oder Höchstpreise festsetzen und sicherte seine eigene
Versorgung durch ein Vorkaufsrecht
Wenn der Staat eingriff dann meist aus Sicherheitserwägungen
31.
Das Städtewesen
- die Stadt hat zwei Aspekte: den städtebaulichen und den rechtlichen
- Stadt: (rechtlich gesehen) Personalgemeinschaft von Bürgern (civitas Treverorum)
- wurde juristisch durch Beamte (Magistrate, Strategen, Archonten), den Rat der Stadt
[curia(strebte im Idealfall eine Zahl von 100 Mitgliedern an), bulé] und das Volk (populus,
demos) repräsentiert
- Grundschema eines Magistrats: zwei duoviri (haben die Funktion der consules bzw.
praetores) und zwei aediles o. quaestores (decken die entsprechenden stadtrömischen
Funktionen ab)
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in westlichen Regionen lehnte man sich im öffentlichen Erscheinungsbild an die urbanistische
Tradition Italiens → Einförmigkeit in den Erscheinungsbildern der Städte [z.B. rechteckige
Wohnblocks (insulae), städtisches Zentrum (gruppierte sich um das Forum mit der curia,
Portikern und Tempeln; manchmal auch Theater u. Badeanlagen]
die in der curia vertretenen Familien bildeten analog zum ordo senatorius Roms einen lokalen
ordo decurionum, der über juristische u. soziale Sonderrechte verfügte
Grundlage der städtischen Finanzen: unterschiedlich hohe Einstandsgelder für den Stadtrat
und die städtischen Magistraturen (summa honoraria), die Erträge aus städtischen
Immobilien, die Erhebung von Marktgebühren, Torgeldern u. Gebühren für Registrierung von
Urkunden, usw., dazu kam in gr. Bereich der Verkauf von Priesterstellen
Vermögenswerte für den Eintritt in die curia und den ordo decurionum: in armen Gemeinden
ein Vermögen von 20000 Sesterzen, in reichen Städten war ein Vermögen von 400000
Sesterzen nicht genug→ hierdurch werden die unterschiedlichen Leistungsfähigkeiten der
Gemeinden deutlich
außerordentliche Leistungen, wie etwa Neubau und Reparatur von Gebäuden oder karitative
Einrichtungen, konnten nur durch die private Initiative von Bürgern erbracht werden ( z.B.
übertrugen Bürger der Gemeinde Ackerland oder Geldvermögen, aus dessen Pachterträgen
bzw. Zinsen das Öl für das Gymnasium gezahlt werden sollte)
neue Gemeindesteuern durften die Gemeinden nicht selber einführen →größere Bauvorhaben
(Wasserleitungen, Theater) konnten nur durch außerordentliche Leistungen der Bürger
finanziert werden
seit dem 2 Jh. entsandte der Kaiser Männer seines Vertrauens (Männer ritterlichen o.
senatorischen Ranges) als eine Art von Staatskommissar mit Sondervollmachten (curator
civitatis o. curatot rei publicae) in die Gemeinden, um Bücher zu prüfen, Zahlungsrückstände
einzutreiben, zweckentfremdete Gelder und Grundstücke zurückfordern oder korrupte
Personen zu bestrafen; diese kaiserlichen Eingriffe in die Autonomie der Gemeindeverwaltung
zeigt, dass der Kaiser die Bedeutung funktionierender Gemeinden für das Funktionieren des
Imperiums erkannt hatte
Zahl der finanziell leistungsfähigen Personen war in vielen Gemeinden begrenzt→ wichtige
Ämter (vor allem Funktionen, die das Vermögen belasten, aber weniger einen persönlichen
Einsatz erfordern) wurden von Frauen oder Toten bekleidet
ähnlich handelten auch die Kaiser: sie übernahmen das oberste Amt einer Gemeinde, ließen
die Amtsgeschäfte aber durch einen lokalen Vertrauensmann führen
Zahl der öffentlichen Aufgaben, die nur durch den persönlichen o. finanziellen Einsatz der
Bürger bewältigt werden konnte, war sehr hoch und belastete die leistungsfähigen Teile der
Bürgerschaft sehr
rechtliche Zugehörigkeit zu einer städtischen Gemeinde bedeutete nicht, dass eine rechtliche
Gleichheit innerhalb der Gemeinde vorhanden war
interne Abstufung zw. Vollbürgern (cives) und Einwohnern (incolae); man musste in vielen
Gemeinden ein Mindestvermögen nachweisen o. eine Einstandssumme zahlen, um
Vollbürger zu werden
die Zahl der Städte wuchs unter der römischen Herrschaft in vorher unbekanntem Umfang;
dies erleichterte der römischen Zentralverwaltung die Umsetzung von Anordnungen auf
lokaler Ebene
öffentliche Aufgaben des Stadtrates: großer Teil der zivilen Rechtsprechung, innere
Sicherheit, Weiterverteilung zentralstaatlicher Anforderungen
Förderung des Städtewesen: Dörfer u. Vororte wurden zu Städten erhoben, große
Stammesgebiete wurden zu bereits funktionierenden Städten adtribuiert →administrative
Vorteile
Die Verwaltung
- Verwaltung der Kaiserzeit hat unterschiedliche Wurzeln: zum einen führte sie die Methoden
der republikanischen Verwaltung fort, zum anderen gibt es ganze Verwaltungszweige, die neu
entstehen ( wie z.B. Verwaltungen für die Lebensmittelversorgung, die Feuerwehr, die
Wasserleitungen o. die öffentlichen Gebäude Roms); man wählte Senatoren praetorischen o.
consularen Ranges, um diese Ämter zu besetzen
- das Imperium Romanum kam bei der Verwaltung seiner Provinzen mit einer erstaunlich
geringen Anzahl an Personal aus; man beschränkte sich auf einige Kernbereiche, wie etwa
Sicherheit u. Rechtsprechung; viele Aufgaben von der Ebene der Provinz wurden zur Ebene
der Gemeinden delegiert
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Aufgaben/Ziele der Provinzialverwaltung: Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit u. das
einwandfreie Funktionieren des Gerichtswesens; um dies zu erreichen, solle der Statthalter in
seiner Provinz alle Verbrecher aufspüren und aburteilen
große Flächenprovinzen ließen sich nicht ganz kontrollieren; wurden die Probleme zu groß,
mussten reguläre Truppen einschreiten
ein Statthalter hatte neben dem Bereich der Rechtsprechung vor allem Kontrollaufgaben; er
überwachte daneben die Märkte seiner Provinz; er griff erst dann in die internen Probleme der
Gemeinden ein, wenn diese zu groß wurden o. wenn sich die verantwortlichen Instanzen nicht
auf eine Lösung einigen konnten; er wurde um Rat gefragt, wenn die Finanz- und
Vermögensverwaltung der Stadt durch Misswirtschaft einzelner o. des gesamten Rates
zerrüttet war; der Statthalter genehmigte die Verwendung von Geldern für öffentliche Bauten
ein weiterer Bereich der Provinzialverwaltung betraf den Besitz der Götter o. der Tempel ( der
Kaiser bzw. der Statthalter übernahm die Aufgabe, den Besitz der Götter gegenüber der
Gemeinde zu schützen)
der Bereich der öffentlichen Repräsentation ( der Statthalter musste bei vielen Festen und
Agonen als Stellvertreter des Herrschers anwesend sein) nahm einen breiten Raum ein
das römische Steuersystem kannte zwei verschiedene Typen von regelmäßigen Abgaben; der
erste Typ war vom Ertrag abhängig (z.B. lieferte man einen festgelegten Prozentsatz der
Ernte als Steuer an den Staat ab);
daneben gab es ertragsunabhängige und
personenbezogene Abgaben (wie das tributum capitis, das in einigen Provinzen alle
erwachsenen Personen ohne Rücksicht auf ihre Vermögensverhältnisse zahlten →belastete
die einfache Bevölkerung); als weitere steuerähnliche Leistung gab es die Abgaben, die
regelmäßig von bestimmten Berufen eingefordert wurden
in der Kaiserzeit hatte der Herrscher eine immer stärkere Einflussnahme auf die Einziehung
der Steuern
in allen Provinzen mit einem senatorischen Statthalter gab es einen ritterlichen
Finanzprocurator ( im Gegensatz zu Provinzen mit ritterlichen Statthaltern; in diesen hatte der
Statthalter weiterhin alle Macht in seinen Händen) →die Existenz einer eigenständigen und
nicht von Senatoren kontrollierten Finanzverwaltung war in erster Linie eine politische
Entscheidung
die Aufgaben des Finanzprocurators: Überwachung u. Organisation der Steuereintreibung,
Kontrolle u. sachgemäße Bewirtschaftung der staatlichen Domänen ( Verpachtung an
Großpächter), Verwaltung der Einkünfte aus verpachteten Bergwerksbetrieben u. anderen
Produktionsstätten, Überwachung der regionalen Kassen- u. Geldbestände u. Auszahlung
bzw. Überweisung der Gelder an andere Teile der Administration (mögliche
Verwendungszwecke waren Besoldung der Truppen, Zahlungen für Ausrüstung u.
Verpflegung der Soldaten usw.), Berichterstattung über die Verwendung der Gelder und die
Weiterleitung von nicht benötigten Geldern nach Rom, Richter in Steuerfragen
neben den bereits erwähnten Abgaben gab es noch die folgenden Steuern: die
Erbschaftssteuer, die Freilassungssteuer ( diese Steuern waren eingeführt geworden, um
damit die Kosten der Veteranenversorgung abzudecken)
neben diesen bekannten Hauptsteuern musste der Bürger eine Reihe von zusätzlichen
Belastungen tragen; z.B. vehiculatio (kostengünstige Bereitstellung von Transportmitteln für
die Verwaltung) u. hospitatio (Aufnahme u. Bewirtung von Soldaten u. Mitgliedern der
Verwaltung); dazu gab es noch den staatlichen Zwangskauf von Lebensmittel (die staatlichen
Preise lagen unter dem gültigen Marktpreis)
die Erhebung von Zöllen stellte eine wesentliche Einnahmequelle dar; es gab zwei
verschiedene Arten von Zöllen: die Binnenzölle zw. den einzelnen Großregionen des
Imperium Romanum, zum anderen die Außenzölle im grenzüberschreitenden Verkehr mit
dem nichtrömischen Gebiet
die Binnenzölle betrugen 2,5% auf den Warenwert; bei der Verladung größerer Warenmengen
auf seegehenden Schiffen konnte man einige Binnenzollgrenzen umgehen; Fiskalgüter
(Waren, die im Auftrag des Staates für die annona Roms transportiert wurden) unterlagen
keiner Zollpflicht; dies galt auch für Güter, die dem Kaiser gehörten
das Imperium war in etwa zehn Zollbezirke eingeteilt; zusätzlich zu den Binnenzöllen gab es
noch lokale Abgaben, die jede Stadt in eigener Regie erheben durfte
Außenhandelszölle wurden von staatlichen Zollstationen in der Höhe von einem Viertel des
Warenwertes erhoben; daneben haben die Zollstationen auch nach verbotenen Gütern
gefahndet; an den Außengrenzen gab es auch eine Personenkontrolle
in
der
Kaiserzeit
kommt
es
zur
Differenzierung
des
Kassenwesens
(→Verwaltungsvereinfachung, da es jetzt spezielle Kassen gab)
-
zur ersten Gruppe gehört das aerarium militare, das für die milit. Ausgaben zu sorgen hatte;
diese Kasse wurde ebenso wie das aerarium Saturni durchjeweils zwei praetorii verwaltet
daneben stehen die verschiedenen regionalen bzw. spezialisierten fisci des Kaisers
eine Sonderstellung hatte der fiscus Iudaicus, der nach dem ersten jüdischen Aufstand gegen
Rom eingerichtet wurde ( der Tempel in Jerusalem wurde in diesem Krieg zerstört →die
Stelle, an die die Juden bisher ihre jährliche Abgabe zur Unterhaltung des Tempels gezahlt
hatten, entfiel; Vespasian leitete diese Abgabe jetzt in eine gesonderte Kasse→
Tempelabgabe wurde zu einer staatlichen Sondersteuer für alle Juden); unter Kaiser Hadrian
wurde diese Abgabe endgültig erlassen
32
Die römische Kaiserzeit (30v.Chr.bis 284n.Chr.) – Strukturen der röm. Kaiserzeit
Zu „Die Verwaltung“
- Stadtpraefecten (praefectus urbi) - bekleidet von einem hochrangigen Senator; überwachte die
grossen Markte und den Geldwechsel; sorgte für Ruhe und Ordnung in der Stadt; war der
zuständige Richter für zivile Streisachen
- praefectus vigilum – stammte aus dem Rittersatnd; Aufgabe: städt. Feuerwehr und polizeiliche
Funktionen; besass sieben cohortes vigilum á 500 Mann
- weitere Aufgabenfelder von senatorischen Amtsträgern - Aufsicht der Wasserleitungen der Stadt;
Sorge für den Bauzustand öffentl. Gebäude, den Zustand der Tiberufer und der Strassen in Italien
- Hofämter – zunächst von kaiserl. Freigelassenen geleitet, später von hochrangigen Rittern;
wichtige Funktion und ständige Nähe zum Herrscher → herausragende Machtstellung; die
wichtigsten Ämter: ab epistulis (gesamte Korrespondenz des Kaisers), a libellis (nahm die
Bittschriften der Bevölkerung an den Kaiser in Empfang) und a rationibus (Finanzminister)
- praefectus praetorio (Praetorianerpraefektur) – ursprüngl.: Kommando über die kaiserl. Leibwache
(cohortes praetoriae); später: polit. Schlüsselfuktion; im 2.Jh.: wichtiges Instrument der
Rechtsprechung; am Ende der Kaiserzeit: der Praetorianerpraefekt war der Chef der gesamten
Bevölkerung
Das Heer der Kaiserzeit
- Vergabe von wichtigen Offiziersrängen an Vertreter des Ritter- und Senatorenstandes; bei den
Soldaten war die soziale und ethnische Herkunft das entscheidende Kriterium
- für alle freien Bürger und Untertanen galt die Verpflichtung zum Militärdienst → vom Staat kaum in
Anspruch genommen, es gab genügend Freiwillige
- die Legionen – Kern des Heeres; aus röm. Bürgern zusammengesetzt; typ. Einheit der alten
Bürgerarmee; rund 5500 Soldaten Bestand; die legio war in zehn cohortes gegliedert
- Hilfstruppen (auxilia) – grosser Teil des röm. Heeres; bestand aus Truppen von Verbündeten oder
Untertanen; wurde in Infanterieeinheiten oder Reiterregimenten organisiert; umfasste rund 500
Soldaten; zunächst setzte man sie nahe ihres Heimatgebietes ein, später in fremde Regionen, um
Loyalitätskonflikte zu vermeiden
- Praetorianer (cohortes praetoriae) – Leibgarde des Herrschers; Dienst in Zivilkleidung; wurden
ausserdem auch als Sicherungstruppe innerhalb Roms und Italiens eingesetzt
- röm. Soldaten hatten einige rechtl. Vorteile: waren der üblichen Gerichtsprozedur entzogen;
konnten eigenständig ein Testament machen und über ihr Privatvermögen verfügen; nach
ehrenvoller Entlassung (missio honesta) hatten sie Anspruch auf staatl. Versorgung; wichtigste
Belohnung für einen langen Dienst war die Möglichkeit nach missio honesta durch kaiserl. Erlass
in das röm. Bürgerrecht aufgenommen zu werden
- Miliärdienst – war lang und schwer; militär. Disziplin war unerbittlich; gerade für ländl. Bevölkerung
eine Möglichkeit des Aufstieges; man erhielt regelmässig Sold, Verpflegung und medizin.
Versorgung; nach honesta missio: soziales Ansehen; bedeutenster Teil der Rekruten stammte
aus Familien mit einer militär. Tradition; langjähriger Militärdienst → Gewöhnung fremdstämmiger
Bevölkerungsteile an röm. Sitten
- röm. Bundesgenossen (socii) – wichtige Rolle; verblieben unter einem nationalen Kommando;
wenn Heimatgebiete röm. Provinz wurden, wurden die Truppen ins röm. Militär überführt
- centuriones (Centurionen) – zentrale Rolle für die professionelle Leistungsfähigkeit der Armee, vor
allem der Legionen; wurden oft zwischen den Einheiten versetzt → bildeten ein
gemeinschaftsförderndes Element → wichtig für die Verbreitung von taktischen Neuerungen; gut
besoldet; Anspruch auf den goldenen Ritterring; viele centuriones wurden direkt vom Kaiser
ernannt
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Flotte – die Masse der Einheiten bestand aus Liburnen (zwei Ruderreihen) oder Trieren (drei
Reihen); Bekämpfung von Piraten oder Sicherungsaufgaben; Rückgrat der röm. Flotte: die beiden
classes praetoriae Misensis (Misenum) und Ravennatis (Ravenna); im Laufe der Zeit durch
Regionalflotten
ergänzt; Kriegsschiffe → Transport von Truppen, Geleitschutz und als
Kurierschiffe eingesetzt
Änderungen in Bewaffnung und Taktik – als Rom in seinen Kriegen keine Gegner mit im
hellenistischen Stil kämpfenden Armeen mehr hatte, war man gezwungen, neue Kampftechniken
und Ausrüstungen zu entwickeln; Kavallerie bekam eine bedeutende Rolle; auch Taktik und
Ausrüstung der Infanterie änderte sich (Bsp: phalanxähnliche Formationen der Legionäre)
Militär und Verwaltung – es gab röm. Soldaten für die Verwaltung und die inneren Sicherheit des
Reiches; Kanzleien und Verwaltung rekrutierten Personal aus abkommandierten Soldaten und
Offizieren; auch die Leibgarde des jeweiligen Statthalters rekrutieren sich aus bewährten Soldaten
ihrer Provinz; Sondersoldaten des Statthalters kontrollierten Strassenknotenpunkte, Märkte und
Grenzübergänge, andere bewachten Getreidelager und öffentl. Einrichtugen oder waren
Ehrenwachen; Pioniere oder techn. Truppen wurden für öffentl. Bauvorhaben abkommandiert
Truppen haben selbst Baumaterial für eigenes Lager beschafft, baute diese selbst und stellten die
militär. Infrastruktur selbst her → tiefgreifende Beschränkung der militär. Leistungsfähigkeit →
Truppeneinheiten nur bedingt einsatzfähig
hauptstädt. Einheiten in Rom übernahmen Sicherheitsaufgaben und einen grossen Teil des
Verwaltungspersonals des Praetorianer- und Stadtpraefekten → Jahr 193: Auflösung der
bisherigen Praetorianergarde durch Septimus Severus und Ersetzung ihrer durch eine doppelt so
starke Truppe → Möglichkeit des Aufstiegs für bisher einer militär. Karriere weitgehend
ausgeschlossenen Bevölkerungsteil
Rekrutierung – regionale Rekrutierung im jeweiligen Stationierungsgebiet der Einheit; bevorzugt
Söhne von Veteranen → Abbau von Spannungen zwischen Militär und Zivilbevölkerung,
Ausbildung regionaler Identitäten in de Truppe, aber Verlust von Mobilität des röm. Militärs
bis zur Regierung von Septimus Severus: ein aktiver Soldat hatte kein Recht auf eine gültige Ehe,
dafür Zusammenleben mit einer Frau in Form eines Konkubinats → Kinder einer solchen
Verbindung galten als unehelich; Severus gestattete reguläre Ehe und Erwerb von
Immobilienbesitz → positive Beeinflussung der Stimmung in der Truppe, aber Minderung der
Einsatzfähigkeit
Beziehung der Truppen zum Kaiser: besondere Intensität durch regelmässig erneuerten Treueeid
und Zeremonien
Veränderungen des Heeres: Resultat der Krisen des 3.Jh.; da die lineare Grenzverteidigung
Nachteile besaß → Stationierung von Truppen im Hinterland der Grenze an strategisch wichtigen
Stellen und Bildung einer strategischen Reserve, das sogenannte Begleitheer des Kaisers; lineare
Grenzverteidigung wurde aufgegeben; wichtiger Faktor, der den Charakter des Heeres
veränderte: die Übernahme von germ. Kriegsgefangenen in röm. Dienst; auch im Offizierskorps
gab es Veränderungen
Die kulturelle Entwicklung des Imperium Romanum
- Latein – offizielle Sprache im Imperium Romanum
- Führungsschicht war zweisprachig – Beherrschung des Griechischen → Tribut an die Künstler
und wissenschaftl. dominierende kulturelle Tradition der Hellenen → intensive
Auseinandersetzung mit dem griech. Erbe bestimmte die künstler. Entwicklung der augusteischen
Zeit
- seit 2.Jh.: kult. Grundstimmung (in lat. Und griech. Bereich) rückwärtsgewandt → literarische und
künstler. Vorbilder in der Vergangenheit
- lat. Literatur → literarische Vorbilder: vor den klassischen Autoren der augusteischen Zeit
- griech. Literatur → ähnlich nostalgische Grundstimmung; Vorbild: klass. Literatur der Zeit vor
Alexander; sprachl. Gestaltung: reine attische Sprache der klass. Zeit (Attizismus) → griech.
Sprache der Gegenwart, die Koiné, wurde als minderwertig abqualifiziert; Folgen dieser lit.
Modeströmung: Autoren, die man für den Schulunterricht benötigte, überlebten die Antike → kult.
Tradition der modernen Welt; verschmähte Autoren → Werke verloren oder nur in Fragmenten
erhalten; diese Modeerscheinung bestimmte unsere Kenntnis von antiker Literatur
- Plutarch – von Chaironeia in Biotien; Vertreter der Rückbesinnung auf die altgriech. Zeit
- Pausanias – aus dem kleinasiat. Magnesia am Sipylos; Mitte des 2.Jh.; vergleichbar mit Plutarch
- Rhetorik – gehörte zum Ausbildungsprogramm der Führungsschicht; die polit. Rede (wichtigste
Form der Rhetorik) wurde durch die polit. Rahmenbedingungen die Basis entzogen →
Entwicklung anderer rhetor. Formen: Festrede (auf Persönlichkeiten, Städte, usw.) und Kunst der
ex-promptu-Rede (Rede aus dem Stegreif zu bestimmten Themen)
-
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Agonistik – Verbreitung der Agonistik → Produkt dieser kult. Bewegung; im athlet. und im künstler.
Bereich fester Bestandteil griech. Kultur; es fanden nach griech. Vorbild organisierte Agone statt;
Kaiser → Schutzherr der organisierten Künstler und Athleten, die zum Wettkampf antratten;
Motivation: genuine Begeisterung für die griech. Kultur und Förderung als Instrument der
Selbstdarstellung
soziale und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für dieses kulturelle Leben → Resultat des
langen Friedens im Imperium Romanum; ausserdem: Herrscher war verpflichtet Künstler und
Wissenschaftler um sich zu scharen und zu fördern (gehörte zum Erscheinungsbild)
Romanisierung – nur auf bestimmten Feldern bestand eine kult. Einheitlichkeit innerhalb des
Imperium; röm. Autoritäten strebten keine gezielte Romanisierung der gesamten Bevölkerung an;
bei der polit. Eingliederung eines Gebietes in das Imperium Romanum wurden bestehende
wirtschaftl. und polit. Strukturen konserviert → Widerstand gegen Rom war weitgehend die
Führung entzogen; gezielte und schnelle Verleihung der civitas Romana an die führenden
Gruppen → Integration in den röm. Staat → Herstellung einer Interessenidentität
andere Elemente der Romanisierung – eine interne Reaktion auf die röm Lebensart: polit.
Akzeptanz der röm. Herrschaft → Einstufung der von den Römern gepflegte mediterrane
Lebensstil als überlegen und vorbildlich; Anpassung an die gesellschaftl. Ideale → Umschreibung
der Skala der gesellschaftl. Werte; Erwerbung gesellschaftl. Ansehens durch Errichtung von
öffentl. Gebäuden oder die Übernahme von kostspieligen Ehrenämtern; Anpassung an Rom →
tiefgreifende Änderung der gültigen Rechtsordnung
Anpassung an die röm. Kultur: Roms Kultur = städt. Kultur → weniger röm. Einfluss in ländl.
Gebiete;
Anpassung an Rom:
• Verwendung der lat. Sprache
• röm. Vorstellungen auf dem Gebiet der einheimischen Religionen, z.B. lat. Sprache in
Kultinschriften under der Trend von einer anikonischen Tradition zur bildl. Darstellung von
Gottheiten und der Vermenschlichung der Gottheiten
• die für öffentl. Zwecke bestimmte Architektur wurde an röm.-mediterrane Vorbilder
angeglichen
→ kein gesteuerter Prozess, sondern Reaktion der einheimischen Bevölkerung auf die neuen
Lebensbedingungen
→ Geschwindigkeit und Intensität dieses Entwicklungsprozesses war abhängig von sozialer
Stellung und räuml. Nähe zu den urbanen Zentren
33.
der Prozeß der „Ausbildung der römischen Identität“(das Gefühl, Römer zu sein und sich von
Völkern außerhalb des Reiches zu unterscheiden) war am stärksten in den Regionen, wo die
Menschen Kontakt mit dem Militär hatten.
Religionen und Kulte:
keine einheitliche, universale Religion (Ausnahme: Kaiserkult)
genuine römische Religion: Verbindung von staatlichen und religiösen Leben, korrekte
Erfüllung der Pflichten, Ritualisierung des religiösen Lebens
religiöse Toleranz der Römer, jedoch Argwohn gegen orientalische Religionen
Kaiserkult: im Osten: bruchlose Fortführung der hellenistischen Königskulte; im Westen: keine
historischen Voraussetzungen, Bildung von schichtenspezifischen Kultformen, später dann kollektive
Kultformen
Kulte für alle Fremden offenÆVerbreitung von orientalischen Kulten und Mysterienkulten
Judentum als „ erlaubte Religion“ wurde durch die religiöse Toleranz auch für Nichtjuden
attraktiv
Ausnahme: Das Christentum (es sei eine „gegen den Staat gerichtete Organisation“)wurde
erst ignoriert und lokale Verfolgungen fanden statt; ab 3. Jh. wurde gezielt nach Christen gefahndet.
Spätantike ( 284-565 n. Chr.):
- Entwicklung:
- Kaiser: erster Bürger Æ Herrn; VerfassungsformÆMonarchie; BürgerÆUntertanen
- Hineinregieren des Staates in die StadtÆEinschränkung der „Städte-Selbst- Verwaltung“
- Schwächung der städtischen Elite
- Erliegen des lokalen Patriotismus
- Ausbau der BürokratieÆGängelung des Individuums
- Bindung der Bürger an Beruf und Stand
Æautoritärer Zwangsstaat
hohe Steuerbelastungen, Abhängigkeit der Kleinbauern von Grundherrn
- Entdeckung neuer Quellen und Neuinterpretation alter QuellenÆNeubewertung
Geschichte
- wirtschaftliche Blütezeit in manchen Regionen
spätantiker
Politische Geschichte von Diocletianus bis Iustinianus:
Zwei Kaiser stabilisierten das Römische Reich für geraume Zeit: „ Diocletianus“ (284-305) und
Constantinus (306-337)
Diocletianus: Begründer der Tetrarchie (Vierherrschaft)Æ zwei Augusti, denen zwei
Caesaren zugeordnet waren; ein Kollegium, das Gesetzte im Namen aller vier erließ. Jeder hatte die
Verantwortung für einen Herrschaftsbereich
Stabilität der Staatsform durch diese Herrschaftsform
Verwaltungsreformen: Verkleinerung der Provinzen; Trennung ziviler und militärischer
Kompetenzen
Misserfolg: Höchstpreisedikt
Religionspolitik: Christentum hatte sich bereits ausgebreitet, schon zu tief verwurzelt, um es
zu eliminieren.
Constantinus: das Christentums wurde zur Staatreligion ernannt, als Constantinus sich zu ihr
bekannte
Schaffte eine stabile Edelmetallwährung
Ausbau von Byzanz zur KaiserresidenzÆKonstantinopel als zweite Hauptstadt des Reiches
Von Constantinus’ Söhnen bis Theodosius (337-395)
Söhne Constantinus’ Caesaren und damit Mitregenten, die dann nach seinem Tod
verschiedene Herrschaftsgebiete hatten und theoretisch gemeinsam regierten
353 wieder ein Kaiser: Constantinus, der zweite.
Außenpolitische Situation unter den Söhnen noch stabil, Invasionen von den Sachsen und
Franken folgten.
Iulianus war ab 361 Alleinherrscher, er förderte die heidnischen Kulte
363 Einmarsch ins Perserreich, Kriegsverweigerung der Perser, die statt dessen das Land,
durch welches das römische Herr zog, verwüstetenÆIovianus (Nachfolger Iulianus der während eines
Gefechts starb) schloss einen für die Römer nachteiligen Frieden, um das römische Herr zu retten Æ
Gebietsverluste
364 Tod Iovianus, Nachfolger wurde Offizier Valentinianus, leitet Feldzüge gegen die
Allemannen. Er starb 375
Nr. 34
Farbeinteilung für Zeitstrahlen:
Oströmisch
Weströmisch
Ost- und Weströmisch
Anders (Goten, Hunnen, …)
364
Tod Iovianus’.
Nachfolger: Offizier Valentinianus I. (westliche Reichshälfte)
Mitregent (Augustus): jüngerer Bruder Valens (östliche Reichshälfte)
365 – Valentinianus residiert in Trier.
375
375
Tod Valentinianus’
Nachfolger: Sohn Gratianus (16)
Augustus: Valentinianus’ jüngerer Sohn Valentinianus II. (4)
376
Hunnen aus Zentralasien bewegen sich über Südrussland westwärts und verdrängen die dort
siedelnden germanischen Stämme.
Tervingischen Goten werden ins Römische Reich aufgenommen und leisten Valens als
Gegenleistung Kriegsdienst.
Hungersnot und Unruhen herrschen bei den Goten; ein weiterer gotischer Stamm,
(Greuthungen) nutzen Unruhen und überqueren Donau. Goten verwüsten Thrakien.
Valens entschließt sich gegen die Goten zu marschieren.
378
9. August. Valens beginnt Schlacht bei Adrianopel bevor Truppen aus dem Westen kommen
(Fehler!). Römer erleiden Niederlage; Valens stirbt.
Goten marschieren Richtung Konstantinopel, werden aber zurückgehalten.
379
Gratianus beruft Spanier Theodosius zum Augustus (für Valens’ Reichsteil: Oström. Reich).
Theodosius Aufgabe: Truppen wieder aufbauen.
Goten plündern durch die Donauprovinzen.
382
Vertrag zwischen Theodosius und den tervingischen Goten. Sie erhalten in Thrakien an der
Donau Land und müssen dafür als Verbündete (foederati) für das Reich kämpfen.
Neue Politik: Staat im Staate (Goten behalten ihren Führer und kämpfen als geschlossene,
halbautonome Einheit).
383
Offizier Magnus Maximus lässt sich in Britannien zum Augustus proklamieren. Setzt nach
Gallien und Germanien über.
Gratianus wird von seinen Truppen verlassen und getötet.
387
Maximus fällt in Italien ein.
388
Theodosius zieht gegen Maximus und lässt ihn hinrichten.
392
Valentinianus II. stirbt.
Nachfolger: Hofbeamter Eugenius
394
Theodosius besiegt Eugenius in der Schlacht am Frigidus.
Das Reich ist wieder unter einem Kaiser vereinigt!
395
Tod Theodosius’.
Nachfolger: Söhne Honorius (Westhälfte) und Arcadius (östlicher Teil); Im Westen
dominierend: General Stilicho.
Erließen Gesetze in beider Namen; gehen aber getrennte Wege; Beziehungen beider
Reichshälften freundschaftlich.
Von der Reichsteilung bis Iustinianus (395 – 527)
Unterschiede beider Reichshälften
1.
5. Jh. Schwächung und Untergang weströmisches Reich.
Vordringen fremder Völker.
Osten des Reiches ökonomisch besser gestellt; von Germaneneinfällen verschont
6. Jh. Iustinianus erobert verlorengeganene Gebiete im Westen zurück.
2.
Westen: Immer weniger Menschen sprechen griechisch; Latein dominant
Osten: Lateinische Sprache der Verwaltung; Gesetze in griechischer Sprache publiziert
3.
Westen: Geschäfte von Generälen geführt; Truppen unterstanden einem magister utriusque
militiae (Titel: patricius); Kaiser: später Marionetten der Generäle
Osten: Oberkommando zersplittert; oströmische Kaiser konnten sich später vom Einfluss der
Generäle lösen
Nachfolger Teodosius’: „Kinderkaiser“ (minderjährige Kaiser)
Herrschaftssystem erlangt Stabilität – Untertanen und Soldaten stehen Kaiser loyal gegenüber
Nach 395: Spannungen zwischen Regierungen Osten ÅÆ Westen.
Hunnen: expandieren in 30er Jahren des 4. Jh.; Oströmische Regierung zahlt Hunnenkönig
Attila beträchtliche Summen Goldes, um den Frieden zu erhalten. Dennoch überquert Attila in den
40er Jahren die Donau und verwüstet Thrakien und die Donauprovinzen. Er fiel auch in Gallien ein
(Gründe unbekannt).
401
Alarich, Anführer der Goten, marschiert in Italien ein; belagert Mailand (Residenz kaiserlicher
Hof)
402
Stilicho besiegt Alarich in zwei Schlachten bei Pollentia und Verona; Rückzug Alarichs
405
Radagaisus (Germanenführer) fällt in Italien ein.
406
Stilicho besiegt Radagaisus bei Faesulae.
406/
Germanen (Vandalen, Sueben, Alanen) überschreiten den Rhein; ziehen durch Gallien.
407
Armee in Britannien proklamiert eine Reihe von Gegenkaisern.
Alarich verlangt von Regierung 4000 Pfund Gold; Stilicho geht dieser Forderung nach (Streben nach
Zusammenarbeit)
408
Stilicho verliert seine Macht; wird hingerichtet (Hochverrat)
Folge: germanische Hilfstruppen (foederati) schließen sich Alarich an.
Theodosius II. Kaiser im Osten.
409
Germanische Truppen dringen in Spanien ein.
Bewohner der Provinzen Britannien und Aremorica nehmen Verteidigung selbst in die Hand.
410
Honorius lehnt Verhandlungsangebot Alarichs ab.
Alarich nimmt Rom ein; Plünderungen
Galla Placidia (Halbschwester Honorius’) in Kriegsgefangenschaft.
Tod Alarichs.
Nachfolger: Bruder Athaulf.
411
Athaulf gibt Italien auf; zieht nach Gallien; bemächtigt sich Teile Südfrankreichs, Gebiet um
Toulouse, Bordeaux und Narbo.
Constantius im Westen Oberbefehlshaber der Truppen.
Constantius sperrt Lebensmittelzufuhr der Goten; diese ziehen darauf nach Spanien.
415
Athaulf in Tarraco ermordet.
Nachfolger: Wallia
Wallia ässt Galla Placidia frei; tritt mit seinen Truppen in römische Dienste.
Sein Auftrag: Spanien von anderen Germanenstämmen zu befreien. (Æ Spanien: in röm. Hand)
417
Constantius heiratet Galla Placidia
Frieden in Britannien und Aremorica.
418
Eine Reihe von Usurpatoren in Gallien und Spanien können beseitigt werden.
Wallia und seine Goten werden in Südwestfrankreich (Gegend um Toulouse) angesiedelt;
verlassen Spanien Æ Geburtstunde Westgotenreich.
421
Constantius wird offiziell zum Augustus erhoben.
Constantius’ Tod.
Vandalen schlagen eine große römische Armee.
423
Honorius’ Tod. Kein Erbe.
Krise: Usurpation; Kurzer Feldzug gegen „falschen Kaiser“ von Valentinianus III; erfolgreich
425
Valentinianus III. wird Augustus.
429
Vandalen setzen nach Africa über.
433
Aetius zum Oberbefehlshaber ernannt.
435
Revolte der Bagauden unter Führung des Tibatto; Burgunder und Westgoten möchten sich
ausdehnen.
Römer müssen Vandalen Mauretanien und Numidien abtreten.
436
Burgunder erleben schwere Niederlage.
439
Römer unterliegen Westgoten; römischer Befehlshaber Litorius in Kriegsgefangenschaft.
Geiserich, König der Vandalen, nimmt Karthago ein.
442
Friedensschluss.
Vandalen erhalten Africa Proconsularis, Byzacena und Tripolitanien, geben den Römern
Mauretanien und Numidien zurück.
450
Tod Theodosius’ II. (Dynastie von Theodosius dem Großen zu Ende)
451
Aetius stellt sich Attila mit sämtlichen Truppen entgegen; Schlacht auf den Katalaunischen
Feldern. Unentschieden, aber Attila muss sich zurückziehen.
452
Attila fällt in Italien ein.
Attilas Tod. Hunnenreich zerfällt.
454
Aetius von Valentinianus III. ermordet.
Valentinianus III. von Gefolgsleuten Aetius’ ermordet.
Vandalen erobern Sardinien und Korsika.
455
Vandalen nehmen Rom ein; Plünderungen
456 – Dominierende Stellung im weströmischen Reich: Ricimer (General suebischer Abstammung)
472
462
Westgoten bemächtigen sich Spaniens (stabile Herrschaft bis 473)
Gallien wird unter den Franken, Burgundern und Bretonen aufgeteilt Æ Römer nur noch
wenige Gebiete; römische Armee stützt sich völlig auf germanische Förderaten
466
König Eurich der Westgoten besteigt den Thron.
468
Geiserich erobert Sizilien.
Kaiser Leo: Versuch Africa von den Vandalen zurückzuerobern; scheitert
476
Germanen, die im Dienst der Römer stehen, verlangen Land in Italien.
Orestes (Oberbefehlshaber röm. Armee) verweigert; Germanen meutern; ermorden Orestes.
Romulus Augustus (Sohn Orestes’ und letzter römischer Kaiser) abgesetzt.
Rugier Odoaker, Anführer der Germanen, nimmt Königstitel an.
Fast ganzes Territorium des weströmischen Reiches von Germanen beherrscht.
Ältere Forschung: Dieses Datum die Grenze zwischen Altertum und Mittelalter.
489
Ostgoten (König Theoderich) fallen in Italien ein (Auftrag vom oströmischen Kaiser Zeno:
Italien für das Römische Reich zurückzuerobern).
Odoaker zieht sich nach Ravenna zurück.
493
Odoaker übergibtTheoderich Ravenna. Odoaker wird das Leben zugesichert, dennoch wird er
sofort ermordet.
Theoderich lässt sich zum König (rex) der Goten ausrufen; Anspruch auf Herrschaft in Italien.
Oströmischer Kaiser Anastasius gibt nach.
493 - Theoderichs Herrschaft. Frieden in Italien. Bemühen: Ausgleich Römer und Germanen.
546
507
Frankenkönig Chlodwig (Nordgallien; 481 – 511) greift Westgoten an; besiegt sie bei Poitiers;
ermordet ihren König (Theoderichs Schwiegersohn).
Theoderich bewahrt für die Westgoten in Gallien einen Küstenstreifen; setzt seinen Enkel als
Thronfolger ein.
526
Theoderichs Tod.
Nachfolger: Sohn Athalarich (10); Mutter Amalaswintha führt Regentschaft.
529
Publikation des Codex Iustinianus.
530
Vandalenkönig Hilderich seines Amtes enthoben; durch Gelimer ersetzt.
Iustinianus: Angriff auf Vandalen.
531
Schwere Niederlage Belisarius (röm. Feldherr) gegen Perser.
Perser (König Chosroes) schließen Friedensvertrag mit Römern.
533
In zwei Schlachten werden die Vandalen in Nordafrika besiegt.
534
Tod Athalarichs.
Nachfolger: Mutter Amalaswintha; wird von Goten abgesetzt
535
Amalaswintha ermordet.
Iustinianus protestiert, schickt Truppen, um Italien zurückzuerobern. Ganz Süditalien in den
Händen der Römer.
537
Goten (König Vitigis) gehen zum Gegenangriff über.
538
Ravenna wird von den Römern eingenommen.
540
Goten nehmen Kämpfe wieder auf.
541
Perser kündigen im Osten Frieden auf.
In Africa Kämpfe mit den Maurenstämmen.
542
Die Pest bricht aus (Ägypten, Palästina, Syrien, Konstantinopel, Kleinasien, Thrakien, Illyrien,
Italien, Africa, Gallien).
Totila übernimmt in Italien die Herrschaft über die Goten; erobert große Teile Süditaliens zurück.
544
Belisarius kehrt nach Italien zurück; aber nicht genügend Truppen zur Verfügung
546
Totila nimmt Rom ein.
549
Belisarius legt Kommando nieder.
550
Totila setzt nach Sizilien über. Iustinianus alarmiert.
552
Römer gehen mit neuen Feldherren Narses zum Gegenangriff über; Entscheidungsschlacht:
Totila unterliegt und stirbt.
554
Italien im Wesentlichen in römischen Händen.
Innere Auseinandersetzungen im Westgotenreich in Spanien.
Iustinianus schickt Truppen nach Spanien; erobert beachtliche Teile zurück.
Staatsfinanzen ruiniert.
Römische Truppen finden keinen Nachwuchs; nicht in der Lage Invasoren abzuwehren und neues
Territorium des römischen Reiches zu verteidigen
570
Langobarden fallen in Italien ein.
Avaren verwüsten Balkanhalbinsel.
7. Jh. Islamische Araber beginnen Eroberungszüge.
673 – Araber belagern Konstantinopel.
677
Osten: Nachfolger von Theodosius dem Großen
Marcian
450/57
Leo
457/74
Zeno
474/91
Anastasius
491/518
Iustinus
518/27
Æ Regierungszeit aller im Großen und Ganzen friedlich; wirtschaftliche Blüte
Osten: Iustinianus I. (527 - 565)
Nachfolger Iustinus I.
Führte Krieg gegen Perser weiter, der in der Herrschaftszeit des Iustinus I. ausgebrochen ist.
machte in der Armee Karriere; keinerlei Bildung und Verwaltungserfahrung
sein Ziel: Römisches Reich in seiner früheren Größe wiederherzustellen; Provinzen von den
Germanen zurückerobern
Entwickelt das Recht: Rechtskodifikation; Sammlung der Kaiserkonstitutionen seit Hadrianus
und später von Exzerpten aus den klassischen Juristenschriften (Digesta); ergänzt Lehrbuch des
römischen Rechts (Institutiones); Jurist Tribonianus spielt dabei große Rolle
„Interpolation“: Anpassung der exzerpierten Textpassagen an das geltende Recht.
Römischrechtliche Forschung: Aus den justinianischen Überarbeitungen den klassischen Kern
freizulegen.
Gesetze in der Regel in griechischer Sprache und als „Novellen“ (leges novellae) bezeichnet.
Zurückhaltende Politik gegenüber Perserreich.
Verwaltung und Armee
Kaisertum
offizielle Hauptstädte des Reiches: Rom und später Konstantinopel (Senatssitze)
Sonderstellung der Hauptstädte:
1. Nicht in reguläre Provinzverwaltung eingegliedert.
2. Unterstehen Stadtpraefekten (praefectus urbi).
3. Besondere Verpflichtung des Kaisers: materielles Wohlergehen dieser Bürger (kostenlose
Brotverteilung etc.)
Zentrum der Verwaltung: Da, wo sich jeweils der Kaiser aufhielt.
Bis zu Theodosius dem Großen: Kaiser leiten Kriegsoperationen persönlich (Æ Kaiser selten
in Hauptstädten).
Minister und ihr Stab folgen Kaiser Æ kaiserlicher Hof: comitatus ( „Begleitung“)
Bevorzugte Kaiserresidenzen (Westen): Trier, Sirmium, Mailand (später Ravenna); (Osten):
Konstantinopel, Antiochia.
100 n. Chr.: Kaisertum: sakrale Aura Æ Kaiser = göttliches Wesen (Identifikation mit Gott
variiert nach Kaiser)
mit Beinamen wie Iovinus / Herculius: Kaiser machen klar, dass sie besonders enges
Verhältnis zu ihrem jeweiligen Schutzgott haben
im christlichen Kaisertum: Kaiser = Vertreter Gottes auf Erden (Gottvergleich nun
blasphemisch) Æ In Spätantike gewinnt sakrale Komponente an Bedeutung: Alles Kaiserliche „heilig“
(sacrum palatium, sacrum consistorium, sacrae litterae usw.)
Überhöhung kaiserlicher Würde durch immer ausgefeiltes Hofzeremoniell und immer weiter
ausgebauten Hofstaat Æ Herrscher = unantastbar
Purpur: allein Kaiser vorbehalten.
Rechtsverwaltung
Hof (comitatus): Mitglieder kaiserlicher Haushalt, höchste Minister, Generäle und jeweiliger
Stab.
Wichtigste Amtsträger: Æ praepositus sacri cubiculi: leitet kaiserlichen Haushalt; ihm
unterstehen kaiserliche Eunuchen.
Æ praefectus praetorio
Æ magister officiorum: Leiter der Verwaltung; zuständig für kaiserlichen Sekretariate; fasst kaiserliche
Reskripte ab; stellt Ernennungskodizille der höheren Beamten aus; bereitet Sitzungen des kaiserlichen
consistorium vor; kontrolliert indirekt weite Teile der Provinzverwaltung; entscheidet, wer in Audienz
zum Kaiser vorgelassen wird (Æ Art Außenminister!); kontrolliert kaiserliche Leibgarde und kaiserliche
Kuriere (agentes in rebus; Art Geheimpolizei) unterstehen ihm; „Bürovorsteher“ (princeps officii) in
Provinzverwaltung: agentes in rebus, von magister officiorum ernannt (permanente Berichterstattung);
Æ hier laufen alle wichtigen Informationen aus dem Reich zusammen!
5./6. Jh. im Osten: Einige magister officiorum bestimmen Politik der kaiserlichen Regierung
entscheidend mit.
Æ Für Finanzen zuständig: comites sacrarum largitionum (oder rei privatae) und quaestor sacri palatii
(meist Juristen; wichtigste Aufgabe: kaiserlichen Edikte abfassen und publizieren; nimmt Bittgesuche
entgegen, leitet sie an Kaiser weiter; seit Mitte 5. Jh.: wichtige Funktionen in der Rechtsprechung).
Kaiserlicher Hofrat (consistorium): gehören Vorsteher der wichtigsten zentralen „Büros“ an Æ
hier werden Gesetze, militärische/religiöse Angelegenheiten vorberaten; Gesandtschaften empfangen;
dient als Appellationsgerichtshof (nur Fälle, die vor Kaiser gebracht werden)
Kaiserliche Eunuchen: enger Kontakt zum Kaiser, sehr großer politischer Einfluss,
Außenseiter, von der Gunst des Kaisers abhängig (Æ deswegen treu ergeben); im Osten: eine Art
Gegenregierung; Entscheidungen fielen unter Eunuchen in Privatgemächern, nicht in kaiserlichen
Gremien.
35
Finanzverwaltung:
lag in der Kompetenz des comes sacrarum largitionum, comes rei privatae, praefectus praetorio
- comes sacrarum largitionum: für Bergwerke, staatliche Münzstätten und für die in
Edelmetallen erhobenen Steuern verantwortlich
- comes rei privata: für Verwaltung des kaiserlichen Grundbesitzes verantwortlich(Kaiser
größter Grundbesitzer)
- praefectus praetorio: wichtigster Finanzminister, für Erhebung der Naturalsteuern zuständig,
machte größten Teil des Steueraufkommens aus, wichtig für Unterhalt des Heeres u. der
staatlichen Verwaltung
Praefectus praetorio: (einzahl)
ursprünglich: Befehlshaber der kaiserlichen Leibwache
- unter Diocletianus: Machthöhepunkt der praefecti praetori(Mehrzahl)
Î dem Kaiser direkt unterstellt
Î erfüllten militärische, finanzielle, legislative u administrative Aufgaben
Î verantwortlich für Rekrutierung , die Disziplin, die Versorgung der Truppen, entschied in letzter
Instanz Prozesse
- unter Constantinus(gest. 337) dem Großen: - Machteinschränkung
Î durch Übernahme des Kommando der Armee von den magistri militum
Î durch deutliche Trennung ziviler und militärischer Posten
Î Praefecti praetorio blieben wichtigste Zivilbeamten durch die Rekrutierung u die Versorgung
der Armee, aber kein Einfluss auf die Operationen der Truppenkörper mehr
- jedem Kaiser gehörte bis zur Machtergreifung des Constantinus dem Zweiten (353) ein
Praetorianerpraefekt , danach amtierten immer drei Praefekten
- Zuständigkeiten der praefekten
Î für eine Gruppe von Provinzen
Î Aufteilung der großen praefektur im Zentrum: illyrischen Diözesen auf der einen Site, auf der
anderen Seite: Iatlien u Africa
Î nach 395: in beiden Reichshälften jeweils zwei Praefekturen: im Westen( Gallien u Iatlien), im
Osdten (für Illyricum: Dacia, Macedonia) u für den Osten(Oriens)
-> dort wo jeweils ein praefekt amtierte, residierte auch der Kaiser
-> unmittelbarer Kontakt zum Kaiser -> größerer Einfluss
Praefectus urbi:
Stadtpräfekten waren weniger mächtig(z.B in Rom und Konstantinopel)
- Kontrolle der Verwaltung
- Auch wichtige Funktionen in der Rechtssprechung
- Überwachung der Beamten
- Versorgung der Städte mit Lebensmitteln
Provinzstatthalter:
- von unterschiedlichem Range -> unterschiedliche Namen(praeses, proconsulm consularis,
corrector)
- unter Diocletianus fand eine Verkleinerung der Provinzen statt
Î Folge: Vereinheitlichung des Landes
Î Ungefähr gleich große Provinzen
Î Zunehmende Aufteilung zwischen militärischen u zivilen Funktionen
Î Aber erst unter Diocletianus`Nachfolger Constantinus vollendet
Î In Provinzen gab es nun einen zivilen Statthalter und einen dux als Militärkommandanten
Grund für die Aufteilung:
- Aufgabenzuwachs für die Statthalter mit den zusätzlichen Aufgaben der
Finanzverwaltung u Steuererhebung
- Verantwortlichkeit der Statthalter für die Rechtssprechung als
Instanz(Bezeichnung als iudex)
Aufgaben der Statthalter:
- Heerwesen
- Verwaltung ihrer Provinz
- Für cursus publicus (öffentliches Transportsystem) u Bauten zuständig
- Sorgten für Aufrechterhaltung der Ruhe u Ordnung
Diözesen:
= zusammengefasste Verwaltungseinheiten der Provinzen
Richter
in
erster
-
An deren Spitze: vicarius
Aufgaben des vicarius: Apellationsrichter, allgemeine Aufsicht über die Verwaltung in
Provinzen
kein bedeutender Einfluß der vicarii, da kein direkter Kontakt zu Praefekten, lief über
Statthalter
Officiales:
= Stab von Beamten, Berufsbeamte
- den höheren Amtsträger (vicarii, Statthalter, praefecti praetorio) untergeordnet
- jede Tätigkeit im Staatsdienst galt als militia(Kriegsdienst) auch im zivilen Bereich
- trugen Uniformen
höhere Amtsträger:
- keine Berufsbeamten
- Einsetzung und Entlassungen von den Launen des Kaisers abhängig
- Schlug sich in der Terminologie nieder (-> dignitates, honores)
Hierarchie der Ämter:
- sorgfältige Abstufung der Ämter
- Spitze: praefecti praetori, Praefecti urbi von Rom u Konstantinopel, magistri militum, Inhaber
der höheren Hofämter -> illustres
- mittlere Stufe: Proconsuln, comites rei militaris, duces, vicarii, Inhaber einiger Hofämter ->
spectabiles
- unterste: Provinzstatthalter( zwei Ränge- Unterteilung: consulares galten als clarissimi ->
Senatorenstand und die praesides als perfectissimi -> Ritter)
Ende d 4Jh: praesides automatisch als clarissimi
Î Amtsstellungen definierten auch gesellschaftliche Stellung(illustris, spectabilis, clarissimus,
perfectissimus) auf Lebenszeit
Î Unterschiedliche Privilegien
Soziale Herkunft der Amtsträger:
- wichtiger als die fachliche Qualifikation ist: Geburt, Reichtum, allg. Schulbildung
- im Westen: v.a. Senatorenmitglieder privilegiert
- im Osten: noch keine Aristokratie -> Kurialenfamilien (städt. Oberschicht) tonangebend
- Auswahl der höchsten Beamten erfolgte vom Kaiser selbst
Suffragium:
- bei der Besetzung niederer Ämter wurde, z.B. Statthalterschaften, zählten Empfehlungen ->
suffragium
- Korruption war durch Erkauf der Ämter faktisch möglich
- Im 4Jh. Korruptionsunterbindende Gesetze bleiben erfolglos
Korruption:
System des Ämterkaufes war Ursache für die weite Verbreitung der Korruption(v.a. Verwaltung u.
Rechtssprechung) in Spätantike)
- Gehälter deckten nicht die Kosten des Ämterkaufes -> Illegale Einnahmequellen wurden
notwendig
- Durch die Vereinheitlichungsmaßnahmen unter Diocletianus wurden die Beamtengehälter
niedriger
- Grassierende Korruption eine zusätzliche Belastung für die Bevölkerung neben regulären
Steuern
Steuern und Finanzen:
Aufgaben der Zivilverwaltung: Einziehung der Steuern u Rechtssprechung
Î Capitatio-iugatio:
-
Inflation 3Jh
Auszahlung des Heeres In Naturalien mit der sog. annona militaris
Diocletianus machte diese zu regelmäßigen Leistungen u zur Grundlage des Steuersystems
Zwei Bemessungseinheiten: iugum u caput -> neue Stersystem: Capitatio-iugatio
Einheit1: Einteilung des landwirtsch. nutzbaren Landes in fiktive Einheiten(iuga), je nach
Qualität
Einheit2: caput = erfasste Arbeitskräfte und das Vieh
-
Addierung der capita u. iuga und Berechnung der Leistungen für den Steuerpflichtigen
Î Folgen des Systems:
- gerechtere Verteilung der Lasten
- Unterwerfung Italiens der direkten Besteuerung
Î Verwaltung dieser Steuererhebung:
Î
Berechnung des Bedarfes des Staates durch Praetorianerpraefekten einmal pro Jahr
Im 4JhSystem etw. komplizierter, da Steuern noch in Naturalien
Ende 4jh Erleichterung, da Steuern wieder weitgehend in Gold
Einziehung der Steuern mithilfe der vicarii u. Provinzstatthalter
Effizienz des Systems:
- Fiskalwesen lief weitgehend effizient
- Weströmische Reich wirtschaftlich nicht stark, aber keine finanziellen Engpässe bis 5Jh.
Î Leitmotiv der spätantiken Literatur(Anfang 4Jh.-6Jh.)
- Klagen über den Steuerdruck
Î Ergebnis heutzutage: Steuerbelastung war recht stabil, gegenüber in frühen Kaiserzeit sogar
weniger chaotischer
Armee:
Reformen der Armee unter Diocletianus u. Constantinus
- Unter Diocletianus
Î Ziel: Stärkung der Grenzverteidigung
Î Ausbau der Grenzsicherung durch Befestigungsanlagen
Î Trennung von zivilen u militärischen Befugnissen
- in frühen Kaiserzeit:
Î römische Truppen traditionell an Grenzen stationiert
Î im 3Jh: Idee zur Bildung einer Mobilen Feldarmee(comitatus)
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Reformen Constantinus` des Großen:
Konstruierte eine schlagkräftige Feldarmee
Spitze der Feldarmee: magistri militum(oberstes), magister peditum, magister eqitum
Feldtruppen: comitatenses(weil sie den Kaiser begleiteten)
Grenztruppen= ripenses oder limitanei
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Schwächung der Grenztruppen:
durch den teilweisen Abzug der Truppen zur Bildung der Feldarmee im Innern
Vorwurf der zu starken Schwächung der Grenzsicherung
Grenzen des Römischen Reiches jedoch zu ausgedehnt, um sie hinreichend zu schützen
- Effizienz der Feldarmee:
Î System funktionierte während des 4Jh. recht gut bis zur Auflösung der Armee im Westen
wegen Personal u Geldmangel -> im 5 Jh. Vordringen der Germanen
- Magistri und duces:
Î durch die Schaffung der magistrr peditum u. magistri eqitum verloren die Praefekten u ihre
vicarii ihre militärische Funktionen (siehe vorne)
Î Unterscheidung zw. Militärischen u. zivilen Karrieren
Î Magistri u duces: Kommando der Regimenter wegen ihrer militärr Ausbildung
Î Häufig ungebildet, meist Germanen
Regionalarmeen:
bilden sich erst nach Constantinus` Tode
Aufspaltung der comitatenses in mehrere Armeen
Unterscheidung der geteilten Truppen nach Stationierung in den Provinzen(comitatenses)
oder als Kaiserliche Gefolgstruppe (palatini)
Î Regionalarmeen ermöglichten schnelles Reagieren auf Angriffe, führte aber zur Zersplitterung
der Truppen
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Heeresorganisation im Osten u Westen:
im Osten: jede der fünf Armeen hatte einen Oberbefehlshaber: Magister utriusque militae.
Oberbefehlshaber gleichrangig -> Einfluss des Militärs auf die Politik begrenzt
Im Westen: stärkere Zentralisierung des Kommandos
Oberbefehlshaber: nur ein magister peditum(praesentalis), darunter der magister equitum
Starke Stellung des Oberkommandeurs -> großer Einfluss auf die Politik
Erster Oberbefehlshaber: Stilicho(395-408), dann Constantinus, Aetius, Ricimer
Untergliederung der Feldarmee in mehrere Armeen
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Limitanei:
auch Kampftruppen
gegenüber den comitatenses fehlte es ihnen jedoch am militärischen Training
wurden wegen ihrer schlechten Qualität nur in Ausnahmefällen als Feldarmeegruppe benutzt
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Rekrutierung der Soldaten:
geschah meist zwangsweise
erblicher Soldatenstand
Einziehung der Soldaten wie Steuern jedes Jahr
- Soziale Stellung der Soldaten:
Î recht unpopulär gewesen trotz der Vorteile
Î Vorteile: fester Sold, Sicherung des Lebensunterhaltes, Möglichkeit des sozialen Aufstiegs,
dass einem Bauern sonst verwehrt gewesen wäre, Befreiung von den Steuern auch Ehefrau u
teilweise Eltern, Aburteilung nur von Militärgericht
- Germanen in der römischen Armee:
Î auch Nicht-Römer dienten als Soldaten
Î meist germanisch, meist freiwillig wegen der guten Bezahlung u den Aufstiegsmöglichkeiten
Î besiegte Germanenstämme sollten als Gegenleistung für Erhalt von Siedlungsland Soldaten
stellen
Î es gab wenige dem Feind übergelaufene germanische Soldaten
Î trotz germanischer Soldaten waren comitatenses u limitanei prinzipiell römisch
Î im 5Jh. immer mehr Rückgriff auf rein- germanische Truppen u germanischen Offizieren
(Foederati)
- Foederati:
Î germanische Föderaten, entweder landlos oder auf römischen Boden angesiedelt, erhielten
römisches Siedlungsland, wenn sie ihr eigenes germanisches Heer römische Einsätzen zur
Verfügung stellten
Î z.B. nach Sieg über die Goten 378 in Adrianopel, 418 über Westgoten in Aquitanien
- Zahlenstärke:
Î Nach Forschungsergebnissen müssen Heere wahrscheinlich verhältnismäßig klein gewesen
Überforderung der Armee:
weil die meisten Einheiten durch die verschiedensten Aufgaben gebunden waren
limitanei für Sicherung der Grenzen
comitatenses eigentlich nur mobile Einsatztruppe dem Kaiser jederzeit verfügbar
es kam zu einer Differenzierung zwischen den palatini, die einen dem Kaiser direkt
unterstehend, die anderen als regionale Armeen an den Grenzen fest stationiert
Î Regionalarmeen konnten abgerufen werden, dann standen aber ihre Grenzen offen -> wurden
deshalb regional belassen u dienten nur der Verstärkung der Grenztruppen
Î Zahl der Kampftruppen nahm ab
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- Auflösung der weströmischen Armee:
Î zweite Hälfte des 5Jh. Auflösung der limitanei wegen Nicht-Entlohnung
Î Zahlenstärke
der
comitatenses
nahm
ab,
wegen
dem
Nachlassen
der
Rekrutierungserhebungen
Î Immer mehr Gebiete gingen verloren -> Rekrutierungsgebiete schwanden -> Rückgriff auf
Föderaten
Î Schlacht Aetius gegen Attila 451: Römer in der Minderheit der „römischen Soldaten“, es
dominierten Westgoten, Burgunder, Alanen, Sachsen
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Finanzielle Schwierigkeiten:
Ursache für Stärkeverlust der römische Armee: finanzielle Probleme
Kriege u häufige Niederlagen -> Schwächung der Finanzkraft des weströmischen reiches
Rom nicht mehr in der Lage den Soldatensold zu bezahlen -> 444: Einführung der
Verkaufssteuer von 1/24 des Warenwertes von Valentiniamus dem Dritten
Entwicklung der Armee im Osten(5./6.Jh.):
Rekrutierungsmöglichkeiten waren im Osten noch im 5Jh. vorhanden
Kontrolle der Föderaten funktionierte besser
Nicht so dramatischer Rückgang der Soldatenzahl wie im Westen
Iustinianus eroberte Gebiete in Africa, Italien, Spanien, die jedoch nicht mit zu kleinen
Einheiten gehalten werden konnten
Î Gebiete gingen dem oströmischen zeit nach seinem Tod sehr schnell verloren
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36
Gesellschaft und Wirtschaft
1) Schmale Oberschicht
Hauptgruppe: Senatoren ( In Quellen oft bezeichnet als die Reichen und Mächtigen)
yAnstieg der Zahl des Standes durch die Auflösung des Ritterstandes
⇒ Zugehörigkeit zu Senatorenstand war nun unabhängig von Mitgliedschaft
im Senat.
⇒Bildung von Provinzaristokratien durch jeweilige ansässige Senatoren
2) Senatorenstand im 3 Jh
Unter der Herrschaft Diocletianus wurde den Senatoren politische Einflussnahme entzogen, wie z.B.
In Verwaltungsangelegenheiten und Armee.
Sie behielten jedoch ihr soziales Prestige und bildeten weiterhin die grössten
Grundbesitzer im Reich.
Durch die Verkleinerung der Provinzen standen zahlreiche Posten zur Verfügung,
die nicht allein durch den Senatorenstand abgedeckt werden konnten.
⇒Provinzstatthalter waren aus Ritterstand.
Duces ( Kommandoführer der stationierten Truppen in den Provinzen)
rekrutierten sich aus dem Ritterstand.
3)Constatinus und der Senatorenstand
Politische ,militärische u. administrative Ämter waren an Personen niedrigen Standes
vergeben.
⇒Umkehrung und Rückberufung unter Constatinus auf den Senatorenstand.
⇒Trennung zw,.ritterlicher und senatorischer Ämterkarriere wird aufgehoben.
Ritter werden in Senatorenstand aufgenommen
Laufbahn der militärischen Posten:
1)
2)
3)
4)
magistri militum ( Oberbefehlshaber)
comites ( Regionalarmeebefehlshaber)
duces (Kommandoführer der stat.Truppen)
clarissimi
4) Erweiterung des Senatorenstandes
•Wachsende Bedeutung des Senats in Reichsverwaltung und Armee.
•Kontinuierliche Vergrösserung des Standes im Laufe des 4 Jh. durch kurze
Ämterlaufzeit und automatische Aufnahme in den Senatorenstand durch Bekleidung
eines Amtes
⇒ Entstehung eines Amtsadels
⇒Verschmelzung von Senatorenstand u . Ritterstand
⇒Beginn des 5 Jh. war Senatorenstand die einzigste Aristokratie im Römischen Reich
5)Rekrutierung der Senatoren
Der Senatorenstand wurde stetig heterogener (zumeist aus traditionsbewussten Familien
Stammende).
Die Kaiser hatten die Befugnis den Senatorenrang an Personen zu vergeben,die kein
senatorisches Amt bekleiden.⇒ADLECTIO
Gruppen,aus denen sich Senatoren rekrutierten:
1) Ritterstand ( durch adlectio)
2) Curialenstand (Städtische Oberschicht)
3) Hofbeamte
4) Armee
6)Senat in Konstantinopel
Constantius II errichtete in den 50 Jahren einen zweiten Senat in Konstantinopel.
Senatoren aus dem Osten wurden hierher versetzt.
⇒Trennung des Senatorenstandes in Ost und West
⇒Konstantinopel wird zweite Hauptstadt
⇒Aufwertung des diesigen Senats,der grösstenteils aus Empörkommlingen aus dem
dem niedrigen Stand besteht
7) Ämterlaufbahn
1) Quastur
2) Praestur
3) Statthalter einer Provinz
4) Proconsulat
5) Stadtpraefektur von Rom oder Praetorianerpraefektur von Italien oder Gallien
Die politische Karriere stand nicht im Vordergrund.
Wettstreitspiele und Zurschaustellung von Reichtum sicherten die Prestigstellung der
Senatoren
8)Clarissimi-spectabiles-illustres
Es bildete sich eine neue Rangordnung wg. Prestigeverlust der alten Amtstitel
Diese waren nur durch bBekleidung eines Amtes erhältich.
9)Provinzaristokratien
Viele Senatoren wohnten trotz der Forderung des Wohnsitzes in Rom oder Konstantinopel in
Provinzen und durchliefen ihre Karriere ohne jemals in Rom gewesen zu sein
⇒Bildung von Provinzaristokratien
⇒Bindung zu Rom lockert sich
⇒Bildung sozialer Elite in den Provinzen ( honorati)
10) Eingrenzung des Senatorenstandes auf die illustres
Mitte des 5 Jh. konnten die clarissimi und spectabiles ihren Wohnsitz frei wählen
⇒Verdeutlichung der Unterschiede zw. den Rängen
illustres:einzige Mitglieder im Senat
clarissimi und specabiles: reine Ehrentitle
⇒Im Laufe des 6 Jh war der Senat wieder ein kleiner elitärer Zirkel.
Er war allderdings keine erbliche Körperschaft mehr.
Mitgliedschaft erhielt man durch Bekleidung eines Amtes in kaiserlicher Verwaltung
11)Vermögen
Vermögen der Senatoren stammt aus dem Landbesitz
Es bestehen Vermögensunterschiede zwischen den Senatoren
Die Städte
Das Römische Reich war eine Agglomeration von selbstverwalteten Städten
Jeder Stadt gehörte ein ländliches Territorium,welches von dem Zentrum aus verwaltet wurde.
⇒Jeder Stadt- und Landbewohner wurde rechtlich gleich behandelt
⇒Jeder Römische Bürger war gleichzetig auch Bürger einer Stadtgemeinde
1) Funktion der Städte
•Stadt als religiöses,politisches und kulturelles Zentrum.
Die Städte verwalteten viele Territorien.
Die Verleihung des Römischen Bürgerrechts ( Constitutio Antonihiana,212)
führte zu einer Vereinheitlichung der städtischen Verfassung.
•Existenz von ca. 2000 Städten
•Westen wenig urbanisiert
•Nordafrika besitzt ein charakteristisches Städtewesen
2) Einwohnerzahl
Rom: ca. einige Hunderttausend
Im 5 und 6 Jh fand ein Bevölkerungsrückgang in den grossen Metropolen statt.
( Antiochia, Alexandria, Ephesos,Karthago)
Es existierte eine grosse Anzahl von Städten,die nur wenige Tausend Einwohner hatten.
3) Städte als kulturelle Zentren
Es fanden
1)Spiele
2)athletische Wettbewerbe
3)olympische Spiele
4)Wagenrennnen
statt
⇒Kritik der Christen an Schauspiel
4)Lebensmittelverteilung
Bevölkerung profitiert von kostenlosen und subventionierten Abgaben von
Lebensmitteln
4) Getreideversorgung
Die Stadt verteilte das Getreide an die Bevölkerung.
Flauten entstanden durch schlechte Wetterverhältnisse und gesperrter Zufuhr
⇒Preisanstieg
⇒Hungerrevolten
5) öffentliche Gebäude
Kennzeichen antiker Städte:
1)breite Colonnadenstrassen
2)zentraler Marktplatz
3)Agora
4)Gymnasium
5)tempel
6)Verwaltungsgebäude
Das Städtewesen war durch regionale Unterschiede geprägt.
Stadtmauern galten als Prestigsymbol unsd standen für wirtschaftliche Dynamik.
6) Nordafrika
Nordafrika war eines der reichsten Gebiete des weströmischen Reiches.
Reichtum durch:
1)Export afrikanischer Keramik (African red slip ware)
2)Export von Getreide und Olivenöl)
⇒städtischer Anwuchs
7) Wandel vom 4 – 5 Jh
• Forum wurde nicht mehr als Zentralpunkt angesehen.
•Auftreten von christlichen Bauten ( vor allem 5 u. 6 Jh)
•Siedlungsarenal geht zurück
8) Kirchenbau
Anfänge: 4 Jh
Höhepunkt: 6 Jh
Rückgang: 7 Jh
Enstehung von christlichen Zentren an der Pheripherie .
Bischhofskirche und Heiligenbasiliken dienen als Ersatz des Forums als Versammlungsstätte.
9)Osten
Bevölkerungsanstieg ( Konstantinopel, Alexandria, Antiochia )
10)Kleinasien
Durch die ganze Spätantike hindurch war Kleinasien ein blühendes Zentrum.
⇒Errichtung von Hospitälern und Armenhäusern
11) Palästina
Kontinurieliche Bevölkerungszuwachs vom 2-6 Jh.
Hauptsächlich kleine Städte,die von Bischhöfen verwaltet wurden
⇒Höhepunkt der Bautätigkeit fand unter Iustinianus statt.
⇒Schwerpunktverlagerung des städtischen Lebens auf christl. Kirchen
12) Stadtbildveränderung
•Agora verfällt
•Läden an Hauptstrasse lösen Marktplatz ab
•Strassen als Zentrum des Handels
•Ansiedlung von Städten an Küste
•Kirchen. und Klösterbau floriert
38:
Bodenbindung:
Vorteil für Grundbesitzer, da Arbeitskräftemangel.
Deswegen: Wird trotz Abschaffung der Kopfsteuer (capitatio) beibehalten.
Nachteil für Colonen: Darf Gut nicht verlassen
Vorteil: Kann nicht vertrieben werden
Personenrechtliche Stellung der Colonen:
Verschlechtert sich im 4./5.Jhd.
z.B. Prozessieren gegen Großbesitzer nur bei zu hohem Pachtzins oder Strafsachen erlaubt.
Jedoch nicht so schlechte Stellung wie Sklaven, denn auch im 6.Jhd noch Anrufung des Gerichtes
(auch gegen Grundherrn) möglich, bei Sklaven nicht.
Schollenpflichtigkeit der Colonen:
Nur eingeschränkt verwirklicht.
Hinwendung vieler zur Armee, Staatsverwaltung oder Klerus, trotz beschränkender Gesetze. (z.B.
Erforderliche Zustimmung des Grundbesitzers)
Deswegen trotz Gesetzen Möglichkeit der freien Bewegung. Colonen wurden überall aufgenommen,
da Arbeitskräfte rar.
Beziehungen zwischen Colonen und Pachtherren:
Ausbeutung und ökonomische Unterdrückung der Colonen, bei Widerstand Gefängnis.
Einflussnahme auf Religionszugehörigkeit: Bischöfe fordern von Grundbesitzern Bekehrung der
Bauern vom Heiden- zum Christentum, auch durch Zwang. Gesetzgeber fordert Durchsetzung der
katholischen Orthodoxie, Kampf gegen Häretiker und Schismatiker.
Aber: In Syrien verweigerten Pächter unter Schutz des einflussreichen Militärs im 4. Jhd. Pachtzins.
Oder Colonen setzen sich mit Gewalt zur Wehr. Oder sie fliehen.
Wirtschaftliche Lage der Colonen:
Viele arm und bei Verpächtern verschuldet.
Jedoch noch bei Papst Gregor dem Großen (590-604) Unterscheidung zwischen armen und reichen
Colonen, manche hatten eigene Sklaven.
Manche Grundbesitzer bauen für sie sogar Bäder etc.
Colonat jedoch in der Spätantike nicht DAS System schlechthin, besteht als Kleinbauerntum fort:
Vielfach arbeiten eher Sklaven auf den Gütern. Weithin existieren freie Pachtverhältnisse.
Deswegen: Colonen keine Vorläufer mittelalterlicher Leibeigener.
„Feudalisierung“ der spätantiken Landwirtschaft?
Frühere Forschung behauptete: Rückzug der Großgrundbesitzer aufs Land, Schwächung der Städte.
Jedoch fragwürdig, denn: Senatsaristokratie bewohnt in Rom prächtige Paläste, Landbesitz über
zahlreiche Provinzen verstreut, deswegen seltener Besuch.
Provinzaristokraten stammten nicht aus Stadt.
In Norditalien keine Grundherrn mit präfeudalen Zügen: Meist Sklaven auf Güter, Einkommen
verbraucht für Luxus in Stadt, nur Zeit der Muße (otium) auf dem Land.
Bei anderen Provinzen ähnlich, Bsp. Dichter Ausonius: Vorteil Stadt, Vorteil Land genießen.
Zurschaustellung des Reichtums beliebt: Prächtige Stadthäuser
Sklaverei
Entwicklung durch 2 Faktoren beeinflusst:
-- Römisches Reich keine Expansionskriege mehr, wird stattdessen von Germanen etc.
bedrängt. Woher nun die Sklaven?
-- Christentum als dominierende Religion: Gleichheit aller Menschen.
Æ Möglichkeit der Ablehnung der Sklaverei.
Niedergang der Sklaverei?
Theorie: Sklavennachschub lässt nach, wird durch andere Formen abhängiger Arbeit ersetzt. In
Landwirtschaft: Pächter. Deren Lage verschlechtert sich, gleicht sich an Sklaven an.
Jedoch ungewiss, ob Sklaverei wirklich so unbedeutend wurde.
Verbreitung der Sklaverei:
Sklavenbesitz kein Privileg reicher Bevölkerungsschichten.
Einsatz auf größeren Gütern selten.
Jedoch: Schon in früher Kaiserzeit unterschiedliche Quantität des Einsatzes: Größte Menge in Italien,
Sizilien und Spanien.
Je nach Verfügbarkeit auf Gütern Pächter oder Sklaven.
Städtische Sklaverei:
Sklaverei meist städtisches Phänomen: Selten im Gewerbe, meist persönliche Bedienstete.
Große Anzahl von Sklaven als Zeichen des Wohlstands, daran üben Kirchenväter Kritik.
Versorgung mit Sklaven:
-- Häufig durch hausgeborene Sklaven (Kinder aus einer Sklavenehe).
-- Auch ausgesetzte, aufgenommene Kinder wurden Sklaven.
-- Manche Eltern verkauften Kinder in die Sklaverei, trotz gesetzlichem Verbot.
-- Manche Freie in Not mussten sich in Sklaverei verkaufen.
Æ Mobilität zwischen Sklaven und armen Freien in beide Richtungen.
-- Kriegsgefangene. Wenn Römer in Kriegsgefangenschaft, dann entweder von Verwandten
oder Kirche ausgelöst, oder als Sklaven weiterverkauft. Wenn wieder auf römischem
Reichsboden, erst dann frei, wenn sie Käufer Kaufpreis zurückerstatten.
Deswegen kein Rückgang der Sklaven in Spätantike. Herkunft nun stärker aus Römischem Reich,
seltener von außen.
Rechtliche Lage der Sklaven:
Sklaverei von spätantiken Kirchenvätern nicht grundsätzlich abgelehnt.
Æ keine Humanisierung der Sklaverei von Seiten des Christentums
Sklaven nicht rechtsfähig, verfügen höchstens über Leihbesitz (peculium).
Keine rechtsgültige Ehe, nur „contubernium“. Auseinanderreißen durch Verkauf wird seltener, obwohl
erlaubt.
Freilassung wird erleichtert. Zu den klassischen Arten kam die Freilassung der Kirche hinzu
(manumissio in ecclesia). Dadurch jedoch keine Zunahme der Freilassungen, nur weitere Möglichkeit.
Æ Sklaverei in Spätantike rechtlich wie in früher Kaiserzeit.
Soziale Konflikte
Gegensatz zwischen Arm und Reich:
Spätantike Prediger und Gesetzgebung gehen von Aufspaltung in Arm und Reich aus, es existiert
keine Mittelschicht. In Spätantike besonders ausgeprägt.
Trotzdem weniger Hinweise auf gewalttätige soziale Konflikte als in später Republik und früher
Kaiserzeit.
Zwar galt Plebs der Städte als gewaltbereit, doch eher wegen Religion, nicht wegen sozialen
Problemen.
Hungerrevolten:
Engpässe bei Versorgung der Großstädter mit Getreide Æ Gewalttätige Ausschreitungen.
Häufig im spätantiken Rom: Anders als frühe Kaiserzeit kaum Truppen in Stadt, deshalb
Stadtpräfekten keine Chance gegen Masse. Angriffsziele: Staatliche Beamte (verantwortlich für
Lebensmittelversorgung) und Reiche (halten Getreidevorräte zurück für höhere Preise). Jedoch wenn
Versorgung erneut hergestellt, Arme wieder friedlich. Æ Keine Gefahr für soziale Ordnung, deshalb
keine starke Militärtruppen in Rom.
Circus:
Anhänger der Wagenrennen in allen sozialen Schichten, aufgeteilt in zwei Gruppen: „Blaue“ und
„Grüne“, (ähnlich Fußballvereine.) Gegnerschaft eskaliert Beginn 6.Jhd n.Chr., erreicht 532 Höhepunkt
beim „Nika-Aufstand“ in Konstantinopel, hätte Kaiser Iustinianus benahe Herrschaft gekostet. Æ Nicht
politisch motiviert, keine sozialen Ursachen.
Geringe Bedeutung sozialer Konflikte:
Kaum gewalttätige Konflikte zwischen Arm und Reich in Spätantike. Im Wesentlichen nur zwei solcher
Bewegungen: Bagauden und Circumcellionen, Schwerpunkt auf dem Land.
Die Circumcellionen:
Kirchenspaltung in Nordafrika Beginn 4.Jhd. Anlass: Was machen mit Christen, die bei letzter
Christenverfolgung unter Diocletianus heilige Schriften den Staatsbehörden ausgeliefert hatten?
Gegensatz Donatisten vs. Katholiken Æ Kirchengeschichte 4 Jhd.
Gewalt vor allem durch Circumcellionen (donatistische Fanatiker). Bei ihnen zusätzlich noch soziale
Bestrebungen.
Zwei unterschiedliche Phasen: In 40er Jahren unter Führern Axido und Fasir meist soziale Ziele.
(Sklaven gegen Herren etc.) Bei Widerstand Folter und Tod.
Ende 4./ Anfang 5.Jhd.: Reduzierung auf Verteidigung der donatistischen Kirche. Nun religiöser
Kampf, meist gegen Katholiken.
Bagauden:
Aufständische Landbewohner in Gallien und Spanien im 3. bis 5.Jhd.. 286 soll Maximianus
(Mitherrscher des Diocletianus) Bagauden niederwerfen. Aufstand des Tibatto: Schwerpunkt in
Aremorica, andere in den Alpen oder Spanien. Ziel: Loslösung vom Römischen Staat und gegen
Großgrundbesitzer, zeitweise gelungen. Stammen meist aus ländlichen Unterschichten.
Vor allem Gallien, wegen exponierter Lage und Vordringen der Germanen.
Kein Klassenkampf:
Armen keine homogene soziale Klasse: Abstufungen der Vermögensverhältnisse, unterschiedliche
Interessen Land- und Stadtbevölkerung. Æ Keine Solidarisierung gegen Reiche.
Patronat:
Patronat- und Klientelverhältnisse weiterhin wichtig. Arme auf Land/Stadt häufig von einflussreichem
patroni abhängig, da Arme kaum Möglichkeiten zum Zusammenschluss. Außerdem niemand, der ihre
Interessen vertritt, auch nicht Kirche. Æ Akzeptieren Führungsrolle der Reichen. (Bsp. Trauer bei Tod
eines Mitglieds der Senatsaristokratie, Praetextatus)
Christentum
Verbreitung um 300:
Etablierung des Christentums als Staatsreligion durch Constantinus den Großen. Bislang Christen im
Reich in der Minderheit, wenn dann in Städten, aber weniger in Oberschicht.
Æ Wahrscheinlich nur durch staatliche Unterstützung später dominierende Religion.
Diocletianische Christenverfolgung:
Diocletianus (Vorgänger Constantinus’) 303 Christenverfolgung. Edikte zur Zerstörung der Kirchen
und christlichen Schriften, Verhaftungen. Gründe fraglich, Verantwortung eher Galerius.
Unregelmäßige Durchführung: Constantinus I. Chlorus im Westen will nicht, im Osten Gegenteil.
Verfolgung endet im Westen mit Abdankung von Doicletianus und Maximianus 305. Im Osten
fortgesetzt von Galerius bis Toleranzedikt um 311 und von Maximinus Daia bis Tod 313. Im selben
Jahr Toleranzedikt von Mailand: Constantinus und Licinius: Toleranz gegenüber allen Religionen. Æ
Offiziell Ende Christenverfolgung
Jedoch nicht allzu große Zahl an Märtyrern.
Privilegierung der Kirche:
Constantinus befreit Kleriker von Mitgliedschaft in Curien, viele drängen daraufhin in Klerus. 312
Gesetz für Legate (Erbschaften) an die Kirche: Vermögende bekennen sich zur Kirche
Æ Mehr Vermächtnisse an die Kirche.
Außerdem kann jeder Rechtsstreit vor Bischof gebracht werden, dessen Urteil ist verbindlich,
staatliche Behörden vollstrecken es.
Nachfolger Cobstantinus’: Bischofsgericht nur noch einfaches Schiedsgericht: Beide Parteien (nicht
mehr nur eine) müssen mit Gang zum Bischofsgericht einverstanden sein.
Lebensmittelverteilung: Klerus und unterstützte Witwen und Jungfrauen sollen profitieren.
Güter an Kirchen von Constantinus: Jährlicher Ertrag 400 Pfund Gold.
Constantinus und das Heidentum:
Kein allgemeines Verbot heidnischer Opfer, nur gegen bestimmte Magie. Aber: Bereicherte sich an
Tempelschätzen. Obwohl deutliche Bevorzugung von Christen bei Ämtern, gelangen auch noch
Heiden hinein.
Christianisierung:
Söhne im christlichen Glauben erzogen. Fördern Kirche z.B. durch Steuerprivilegien. Jedoch gewährt
Constantius II. nicht völlige Steuerfreiheit. (Konzil-Forderung).
Gesetzgebung:
Kaiser Constans: Im Westen keine heidnischen Opfer (341).
Anti-heidnische Ausschreitungen: Zerstörung von Tempeln.
Constantius II: Allgemeines Verbot des heidnischen Kultes, alle Tempel zu.
Aber: Heidentum weiterhin lebendig, Gesetze eher Richtungsweisungen.
Iulianus (361-363 Kaiser):
Viele Privilegien der Kirche werden zurückgenommen, staatliche Unterstützungen werden gestrichen,
heidnische Tempel wieder geöffnet. Christen müssen Schadensersatz für zerstörte Tempel leisten.
Forderung: Toleranz gegenüber allen Religionen. Begünstigt jedoch Heidentum.
Umstrittenstes Edikt: Christen dürfen nicht Literatur in Schulen unterrichten. Schulinhalt damals meist
Homer (im griechischsprachigen Osten) oder Vergil (im Westen).
Æ Christlicher Lehrer vs. heidnische Inhalte.
Aber: Verbot für Christen gefährlich, denn für Karriere im Staatsdienst Besuch höherer Schulen
notwendig. Æ Eltern schicken Kinder auf jeden Fall zur Schule, diese lernen heidnische Inhalte. Æ
Christentum in Außenseiterposition, da kein christliches Schulsystem vorhanden.
Politik führt zu Gewalt zwischen Christen und Heiden. Heiden rächen sich an Christen, manche
Kirchen werden niedergebrannt.
39.
Christianisierung
Gesetzgebung:
Steuerliche Bevorzugung des Klerus`, um Verbreitung der Christ. zu fördern
341: Kaiser Constans untersagte im Westen heidnische Opfer; generell sehr antiheidnische Züge seit
Constantinus: Verbot heidnischer Kulte, Schließung der Tempel
Jedoch keine strikte Umsetzung dieser Verbote; im 4. Jh.: Alte Religionen dominierend; Verbote
lediglich als „Lippenbekenntnisse“ zur Klarstellung politischer Richtlinien
Iulianus:
Verbreitung des Christentums unter ihm sehr rasch; 361-363 privilegierte Stellung des Klerus revidiert:
Wiedereröffnung heidnischer Tempel, Schadensersatzforderung an Christen
Proklamation: Toleranz gg.über sämtl. Glaubensbekenntnissen: Heiden, Juden, Christen
Dennoch Heidentum in favorisierter Stellung: Christen vs. Heiden; Iulianus` Religionspolitik provozierte
gewalttätige Auseinandersetzungen; bspw. Lehrplan in Schulen stark heidnisch geprägt:
Gewissenskonflikt für Christen: Bildung oder Inkaufnahme dieser Situation? Politisches Pulverfass
Gratianus & Theodosius:
Nachfolger des Iulianus` Christen: Wende für Römisches Reich; Gratianus lehnte Titel „pontifex
maximus“ ab, da Spitze heidnischen Priestertums; strich einige der Subsidien für stadtrömische Kulte
Rom: Nach wie vor Sitz des Heidentums; Großteil der Senatsaristokratie nicht konvertiert
Antiheidnische Gesetzgebung des Theodosius: Verbote der Kultausübung
Situation gipfelte in drei Gesetzen (391/92): Alle Äußerungen heidnischen Gottesdienstes verboten,
ansonsten harte Strafen; Verbot von heidnischen Opfern und Besuch ihrer Tempel; Tempel
schlussendlich geschlossen (Viele schlossen sich Usurpation von Eugenius an)
Ausbreitung des Christentums:
Gg. Ende des 4. Jh.: Christen und Heiden ca. 50/50; Gallien, Spanien und Norditalien von
Christentum nahezu unberührt; in nordafrikanischen Städten: Heiden in Überzahl
Im syrischen Antiochia: Mehrheitl. Christen, Provinz jedoch stark heidnisch
Stadt-Land-Gefälle: Städte als Zentren der Christianisierung; auf Land schleppende Entwicklung
Vitalität paganer (=heidnischer) Religionen noch im 5. Jh.:
Trotz antiheidnischer Bemühungen und deren Offenkundigkeit, geringer Effekt; da keine staatliche
Kontrolle (z.B. durch Polizei): Weiterhin Praktizieren alter Kulte möglich
Konvertieren aus purem Opportunismus: Pluspunkte für Ämterlaufbahn; noch im 6. Jh.: Bekennen
vieler Angehöriger der Oberschicht zum heidnischen Glauben
Problemherd: Missionieren der Landbevölkerung durch Strukturen spätantiker Kirche; langsamer
Prozess: Klerus wurde „dezentralisiert“; Landgebiet mit eigenem Klerus
Innerkirchliche Auseinandersetzungen:
Kaiser durch soziokulturelle Entwicklung mit kirchenpolitischen Fragen konfrontiert
Constantinus` Aufgabe: Zwei innerkirchliche Auseinandersetzungen:
Donatismus: In Afrika unter Diocletianus nach Christenverfolgung Abspaltung von westlichen Christen;
Bischofsnachfolger: Donatus; nach mehreren, ablehnenden Konzilen Großteil der donatistischen
Bischöfe verbannt
Trotz allem spaltete donatistisches Schisma afrikanische Kirche bis ins 5. Jh.
Arianismus: Anfechtung der Trinitätslehre (Lehre v. Dreifaltigkeit) durch Arius (Priester aus
Alexandria); Christus sei nur Gott nach- und nicht gleichgestellt; Arius wurde exkommuniziert
Zwischenbilanz: Einheit der Kirche als staatliches Anliegen
Athanasios:
Bis Ende des 4. Jh.s Streit um Arianismus politisch relevant; da Athanasios antiarianisch:
Verbannung nach Trier; jedoch hinterließ er antiarianisches Erbe im Osten des Reiches
Nachfolger von Constantinus:
Söhne Constans (1) und Constantius II. (2) (Herrscher in O und W)
(1) Glaubensbekenntnis von Nicaea ausschlaggebend (Trinitätslehre richtig)
(2) Deutlicher Arianismus
Konzil von Konstantinopel:
Theodosius der Große akzeptierte uneingeschränkt Glaubensbekenntnis von Nicaea
381: Konzil v. Konsta. Erklärung der Arianer zu Häretikern; Theodosius` Befehl: Arianer mussten
Kirchen an katholische Bischöfe abgeben
Damaliger Interessenkonflikt: Arianische Germanen vs. einheimische katholische Bevölkerung:
Politische Belastung
Nestorianismus:
Nestorios: 428 Bischof v. Konstantinopel; Begründer der Lehre über Christus als Verschmelzung
göttlicher und menschlicher Natur; nach ihm Maria nur Mutter Christi und nicht Mutter Gottes; rief
vehementen Widerstand hervor: Verbannung
Auf Konzil von Ephesos: Erklärung des Nestor. zum Irrglauben
Bischof:
Für Fortbestand städtischer Kultur: Rolle der Bischöfe eminent
Soziale Herkunft: Zahl der Bischöfe mit senatorischem Rang im 4. Jh. noch sehr gering; Ambrosius
erster Bischof aus Oberschicht mit unglaublicher Autorität, auch hinsichtl. Staatsapparat; für übrige
Bischöfe politische Intervention undenkbar
Gallien: Wandel im 5: Jh.: Hier viele Bischöfe aus Senatsaristokratie; in dieser Zeit verkehrten wichtige
Bischöfe wie Honoratus von Arles und Germanus von Auxerre in amtsmächtigen Kreisen; Gallien litt
im 5. Jh. stark unter germanischen Invasionen; deshalb viele aus Ämterlaufbahn ´raus in
Kirchenkarriere
Machtzuwachs der Bischöfe: In Stadtverwaltung füllten Bischöfe Machtvakuum aus; Vermögen der
Kirche wuchs rapide; einige Branchen von Kirche „geknackt“, wie das Bauwesen; jedoch regionale
Diskrepanz: In Italien bspw. kein großer, senatorischer Andrang auf Bischofsämter
Gesetzgebung: Bis ins 6. Jh.: Nur begrenzte weltliche Aufgaben für Bischöfe; bis dato
Aufgabenbereich: Betreuung von Kriegsgefangenen, Kontrolle des Gefängnispersonals; ab Kaiser
Anastasius und Iustinianus Bischöfe zuständig für staatliche Verwaltung, als Honoratioren für
Bauwesen und Finanzen
Zwischenbilanz: Zuwachs an säkularer Kompetenz
Später unter Iustinianus: Involvieren der Bischöfe in Justizapparat; Auswahl der Bischöfe mit Sorgfalt:
Führungsqualitäten schon damals relevant (Nachweise aus ägyptischen Papyri)
Klerus:
Anzahl: Bistümer im römischen Reich immer umfangreicher; große Stäbe von Priestern, Diakonen und
niederen Klerikern; im spätantiken Rom schätzungsweise fünf- bis sechsstellige Anzahl an Klerikern;
ab 4. Jh. verstärkte Verbreitung des Christentums auf dem Land; im 5. Jh.: Einrichtung von
mindestens 27 Landgemeinden
Soziale Herkunft: Kleriker rekrutierten aus breiten Bevölkerungsschichten; für viele Möglichkeit des
sozialen Aufstiegs; unter Bischöfen überwogen Curialen; um städtische Balance zu halten, war Kaiser
um Aufnahme von Curialen bemüht, um Klerus zu beschränken
Ausbildung: Vor allem auf dem Land: Bildungsdefizite(Analphabetismus); Situation hingenommen,
solange Schulwesen noch intakt, was sich mit Niedergang der Schulen im 6. Jh. drastisch änderte;
Mangel an qualifiziertem Personal: Problem für weitere Verbreitung des Christentums
Mönchentum:
Begründer d. spätantiken Mönchentums: Ägypter Antonius; zog sich mit seinen Schülern
(Anachoreten) in Wüste zurück; andere „Welle“ Könobitentum: geht auf Pachomius (Ägypter) zurück:
Mönche lebten unter strengem Regelwerk, jeder in eigener Zelle, gemeinsame Gottesdienste,
gemeinsames Essen; Nachlass v. Pachomius: Bemerkenswerte Konföderation v. Klöstern
Ausbreitung: Beide Ausprägungen – sowohl Anachoreten als auch Könobitentum – schnell in
Ägypten verbreitet, weiter bis Palästina und Syrien; in Kleinasien Mehrzahl der Klöster; um 480 erstes
Kloster als Gebäude in Konstantinopel; Verbreitung der Klöster im W zunächst schleppend; rapide im
Laufe des 5. Jh.s; Mönchentum entwickelte sich zu einflussreicher Bewegung; Eintritt aus allen
sozialen Schichten möglich, abgesehen von Sklaven & Colonen
Wirtschaftliche Macht: Lebensunterhalt durch Handarbeit; Flechten v. Matten, Erntearbeiter, in
pachomianischen Klöstern als Schmiede, Gerber, Zimmerleute, Schuhmacher tätig;
Verdienstüberschüsse flossen in karitative Zwecke
Oft widersetzten sich Mönche der Autorität v. Bischöfen; immenses
Gewaltbereitschaft:
Gewaltpotenzial: Dadurch Mut der Bischöfe, sich in politischen Fragen weit aus dem Fenster zu
lehnen, mit „großen Brüdern“ als Rückgrat
Christliche Wohltätigkeit:
Unter Constantinus: Viele Schenkungen und wirtschaftl. Erleichterungen für Kirche; Wohlhabende in
Städten spendierten große Festlichkeiten und öffentliche Spiele: In Augen der Kirchen pagan und
verschwenderisch: Bessere Verteilung des Reichtums erwünscht, wie bspw. als Almosen für
Bedürftige und Bettler; Bischöfe als Patronen der Armen, Alten, Kranken, Witwen und Waisen:
Förderung der Verbreitung des Christentums
Christianisierung der Gesellschaft:
Kirchenväter wollten gesellschaftliche Strukturen aufrechterhalten; deshalb wurde auch Sklaverei –
jedoch ohne Gewaltanwendung – gebilligt; Aufwertung der Armut: Von pejorativen Ausdrücken weg,
hin zum neutralen „pauper“; „Arm Sein ist keine Schande!“
Appell an Reiche korrespondierte mit scharfer Kritik an deren Luxusleben; Privateigentum respektiert,
rechter Gebrauch dessen jedoch sozial gebunden; Christlichen Autoren zu Lasten gelegt: Reichtum
OK, aber keine Habgier!; Appell hingegen an Arme: Dasein erdulden, Belohnung im Jenseits; trotz
Bemühungen in Richtung der Schaffung eines neuen Bewusstseins, Status Quo: Reiche verachten
Arme und umgekehrt;
Sexualmoral: In Spätantike nach wie vor unverändert: Um lange Zeit bis Ehe zu überbrücken,
Prostituierte, Konkubinen & Sklavinnen trotz Ermahnungen v. kirchlicher Seite
Gesetzgebung hinsichtl. Scheidungen: Unter christlichem Einfluss verschärft; Bestehen von triftigen
Gründen notwendig; letztendlich kirchlicher Einfluss doch gering, da Scheidung in beiderseitigem
Einvernehmen problemlos
Missbilligung des öffentlichen, kulturellen Lebens: Theater, Wagenrennen; dennoch viele Besucher;
unter Constantinus Sonntag als öffentlicher Feier- und Ruhetag
Fazit:
Starke Verbreitung des Christentums: Entscheidendes Ereignis; jedoch Kontinuität der frühen und
späten Kaiserzeit in Wirtschaft und Gesellschaft spürbar
Was blieb erhalten?
• Städtische Selbstverwaltung
• Feudale Strukturen nicht herausgebildet
• Sklaverei gleichermaßen stark vorzufinden
• Arm-Reich-Gefälle
Welche Veränderungen fanden statt?
• Machtpolitischer Einfluss der Kirchen
• Mehr oder weniger starke bischöfliche Stadtherrschaft
Wichtig: Summa summarum keine völlige Spiritualisierung der spätantiken Gesellschaft
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