Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Islamismus Hintergründe und Daten Stand 06.2015 Islamismus, was ist das? Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Islamismus – eine Begriffsklärung • Eine allgemein akzeptierte Definition des Begriffs Islamismus gibt es nicht. Er hat sich aber im westlichen und wissenschaftlichen Sprachgebrauch eingebürgert. • Muslime verwenden eher den Begriff „muslimischer Extremismus“ oder „radikale oder militante Muslime“ • Die arabische Form islămi ging im Französischen im arabischen Begriff islamiste auf und steht für „islamisch orientierte politische(r) Aktivist(in)“ • In Deutschland wird v. a. von Kurden und anderen säkularen Muslimen der Begriff „politischer Islam“ benutzt. FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 2 Islamismus, was ist das? Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Islamismus – eine Begriffsklärung • Vorschlag zur Definition von Tilman Seidensticker: „Beim Islamismus handelt es sich um eine Bestrebungen zur Umgestaltung von Gesellschaft, Kultur, Staat oder Politik anhand von Werten und Normen, die als islamisch angesehen werden.“ (Quelle: 17/9) • Vorschlag zur Definition von der Bundeszentrale für politische Bildung: „Islamismus“ ist eine Sammelbezeichnung für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islam die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben. (...) Religion und Staat sollen nicht mehr getrennt und der Islam institutionell verankert sein. Damit einher geht die Ablehnung der Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.“ (Quelle: http://www.bpb.de/politik/extremismus/islamismus) FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 3 Islamismus, was ist das? Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Islamismus – eine Begriffsklärung • Bei "Islamismus" geht es um eine Sammelbezeichnung für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islam die Errichtung einer religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben. Islamisten bedienen sich unterschiedlicher Handlungsstile von der Parteipolitik über die Sozialarbeit bis zum militanten Terrorismus. Ihnen allen sind verschiedene Merkmale eigen: Die Absolutsetzung des Islam als Lebens- und Staatsordnung. • • • • Der Vorrang der Gottes- vor der Volkssouveränität als Legitimationsbasis. Die angestrebte vollkommene Durchdringung und Steuerung der Gesellschaft. Die Forderung nach einer homogenen und identitären Sozialordnung im Namen des Islam und die Frontstellung gegen die Normen und Regeln des modernen demokratischen Verfassungsstaates. • Dies macht in der Bilanz aus dem Islamismus eine Form des religiösen Extremismus, ein Phänomen des politischen Fundamentalismus und eine Variante des ideologischen Totalitarismus. Quelle:: http://www.bpb.de/politik/extremismus/islamismus) FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 4 Islamismus, was ist das? Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Islamismus – eine Begriffsklärung • Bei "Islamismus" denken viele in westlichen Länder nur an Terror und Gewalt. Dabei gibt es auch Islamisten, die keine Gewalt einsetzen bei der Verfolgung ihrer Ziele – auch wenn sie ihre Vision eines islamischen Staats dennoch hartnäckig verfolgen. • Zentral für Islamisten, die Gewalt und Terror einsetzen – wie den „islamischen Staat“ – ist die kompromisslos kriegerische Interpretation des Begriffs „Jihad“ (auch „Dschihad“). Dieser wird als legitimierter militärischer Kampf zur Ausweitung und Verteidigung des Gebiets des Islam verstanden und die radikale Ablehnung westlicher Denk- und Lebensweisen. Ein wichtiges Denkmuster hierbei ist die Aufteilung der Welt in den Einflussbereich des Islam (Dar al-Islam) und den Rest (Dar al-Harb). Beide Begriffe finden sich nicht im Koran! • Hinzu kommt die Lehre, die auch den Kampf gegen muslimische Herrscher rechtfertigt, wenn diese nicht nach den Maßstäben der Islamisten handeln. Insofern spricht man von einem "Nahen Feind" (muslimische Regime) und einem "Fernen Feind" (westliche Welt). FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 5 Islamismus, was ist das? Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Jihād (= „Bemühen, ein Objekt zu erreichen“) Allahu akbar, „Gott ist unvergleichlich groß“, diese Worte sprechen Muslime beim Gebet. Militante Islamisten nutzen sie als Schlachtruf. • Großer Jihād: Individuelles Bemühen um den Glauben oder zum moralischen Handeln und Mission. • Kleiner Jihād: Nach dem Koran eine zulässige Form des Krieges zur Erweiterung des islamischen Herrschaftbereiches oder zu dessen Verteidigung (Suren 8:30; 61:8; 2:217 u. a.). Jihād ist eine Pflicht der Gemeinschaft der Muslime, die ständig verfolgt werden muss. Gemäß dem islamischen Recht müssen bei der Ausrufung des Jihad bestimmte Regeln eingehalten werden: Zunächst ein Aufruf an die Ungläubigen, den Islam anzunehmen bzw. an die Juden und Christen, die Herrschaft der Muslime anzuerkennen. Nach einer Bedenkzeit wird dann der Krieg begonnen. Quelle:: 4/158 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 6 Die Wurzeln des Islamismus Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Der Clan der Sauds und die Wahhabiten • Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie. Die Legitimität des Königs speist sich aus seinem Anspruch, in Übereinstimmung mit einer puritanischen Auslegung des sunnitischen Islam, dem Wahhabismus, zu herrschen. Land ist streng religiös. Politische und geistliche Macht sind eng verflochten. • Historisch geht die enge Verbindung zwischen dem Saud-Clan und den Wahhabiyyas auf das Jahr 1744 zurück, als der Dynastiegründer Muhammad Ibn Saud dem zur konservativen hanbalitischen Rechtsschule des Islam zählenden Reformer Muhammad Ibn Abd al-Wahhab zusicherte, dessen radikale Religionsauslegung als allein gültige anzunehmen, zu schützen und zu verbreiten. • Ein großer Schock für Muslime war das Jahr 1806, als die Wahhabiten in Mekka und Medina einfielen und alle Gräber, Einrichtungen und Gebäude zerstörten, die aus ihrer Sicht eine "Glaubensabweichung" symbolisierten. Vgl.: wikipedia und 4 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 7 7 Die Wurzeln des Islamismus Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Der Clan der Sauds und die Wahhabiten • Zwei Versuche der Machtübernahme der Sauds im Bündnis mit den Wahhabiten auf der arabischen Halbinsel im 18. und 19. Jahrhundert scheiterten. • Ab 1902 kämpfte Emir Abd al-Aziz II. ibn Saud gegen das Osmanische Reich und besiegte 1925 die konkurrierende Dynastie der Haschimiten, die dabei ihr Stammkönigreich Hedschas samt den heiligen Städten Mekka und Medina verloren. • 1932 überließen die Briten, die das Land für wertlos hielten, die arabische Halbinsel den Arabern. Ibn Saud rief das Königreich aus. Gleichzeitig wurde der Wahhabismus Staatsreligion in Saudi-Arabien. • Nach dem 2. Weltkrieg verkaufte das Königshaus der Sauds der USA Förderrechte auf den neu entdeckten Ölfeldern. Dafür garantier(t)en die USA ihnen Schutz. • Die Sauds wurden unermesslich reich und mit ihnen die Wahhabiten. Fortan werden Koranschulen und islamische Bewegungen rund um die Welt finanziert. Vgl.: 7/127 f. FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 8 8 Die Wurzeln des Islamismus Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Wahhabismus, Salafis und Salafisten • Bereits in den frühen Jahrhunderten des Islams gab es Gelehrte, die der zeitgenössischen Theologie samt der gewachsenen Tradition kritisch gegenüberstanden und sich an den Fundamenten des Glaubens (Koran und Sunna) orientieren wollten. Sie bezeichneten sich als Salafi (nach arab. salaf = Vorgänger, Altvordere). Mit dem Aufkommen des aktivistisch-politischen Islam verschwand die Salafiyya als intellektuelle Geisteshaltung. • Auch die historisch späteren Wahhabiten nehmen für sich in Anspruch, die islamische Lehre authentisch zu vertreten. Andere Glaubensauffassungen werden von ihnen als unislamisch deklariert. Dies hat ihnen in der gesamten islamischen Welt den Ruf der Intoleranz und des Fanatismus eingebracht.. • Der Begriff Salafismus bezieht sich heute auf die neofundamentalistischen Strömungen (Modernisten), in denen der Islam die Rolle einer politischen Ideologie einnimmt. Dazu zählen z. B. auch al-Qaida und die zum Teil gemäßigtere, 1928 in Ägypten gegründeten Muslimbruderschaft. Vgl.: wikipedia und www.bpb.de FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 9 9 Die Wurzeln des Islamismus Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Die Islamische Republik im Iran • Seit 1953 regierte der von der CIA gestützten an die Macht gebrachte Schah Mohammed Resa Pahlewi im Iran. 26 Jahre Jahre lang überlebt das SchahRegime mithilfe des Militärs und verhasstem Geheimdienstes, für die der Schah ein Drittel seiner Öleinnahmen ausgibt, während der größte Teil der Bevölkerung weiter in Armut lebte – mehr als 40 Prozent waren Analphabeten. • 1979 führte die zunehmende Unterdrückung der linksliberalen, kommunistischen und islamistischen Opposition zur Revolte. • Mit der Revolution und der Flucht des Schahs ins Ausland kamen auch die im Exil lebenden Mullahs unter Führung des „Ajatollah“ Ruhollah Chomeini wieder ins Land. Chomeini ist Schiit, folgt aber auch Lehren der radikal-sunnitischen Muslimbruderschaft – gegen den arroganten Westen, Korruption und Unterdrückung. • Im gewaltsamen Kampf gegen Schah-Getreue, aber auch gegen Liberale und Linke wurde der Iran 1979 eine Islamische Republik – streng religiös und antiwestlich. Der Iran finanziert seitdem auch schiitische Islamisten im Ausland. Vgl.: wikipedia, www.bpb.de und 7/147 ff. FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 10 10 Der Westen und der Nahe Osten Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Die Geschichte von Faisal • Faisal war ein Prinz aus dem Hause der Haschemiten, dem angesehensten arabischen Clan. Seine Familie stammte direkt vom Propheten Mohammed ab und stellte seit Jahrhunderten die Sherifen, die Hüter der heiligen Stätten Mekka und Medina. • Ab 1915 nahm das britische Oberkommando Verhandlungen mit Faisals Vater Husain auf und schickte 1916 einen Abgesandten, den Archäologen Thomas Edward Lawrence nach Mekka – später „Lawrence von Arabien“. Er sollte die Araber zum Kampf gegen das Osmanische Reich gewinnen. Prinz Faisal „Lawrence von Arabien“ • Faisal zog mit den Truppen seines Vaters in den Kampf und wurde damit zum Hoffnungsträger für die arabische Welt, denn die Briten versprachen den Arabern ein eigenes unabhängiges Königreich. FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Vgl.: 7/127 11 11 Der Westen und der Nahe Osten Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Die Geschichte von Faisal • Faisal kämpfte mit kleinen Guerillaattacken bis 1918 erfolgreich gegen die Osmanen und brachte einen großen Teil des heutigen Syrien und Libanons unter seine Kontrolle. • 1918 reiste Faisal nach London, um das Versprechen der Briten einzulösen. Doch er wurde nicht gehört, man verfolgte dort andere Interessen: Briten und Franzosen ließen sich im neu gegründeten Völkerbund, den Nahen Osten als Mandatsgebiet zusprechen. • Faisal führte eine Regierung an, die am 6. März 1920 die Unabhängigkeit Syriens erklärte, im selben Jahr musste sie sich jedoch den Franzosen in der Schlacht bei Chan Maisulun geschlagen geben. • Faisal musste sein erobertes Land verlassen und wurde drei Jahre später in Bagdad von den Briten zum König über das heutige Irak gekrönt. FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Vgl.: 7/127 f. 12 12 Der Westen und der Nahe Osten Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Die Geschichte von Faisal • Die Franzosen richteten in Syrien einen Polizeistaat ein. • In Westsyrien entstand die „Hisb Allah“, die „Partei Gottes“, die sechs Jahre lang gegen die Franzosen kämpft. Sie ist die erste Widerstandsorganisation, die Anhänger im Namen der Religion gegen die Fremdherrschaft des Westens mobilisierte. Nach ihr benannte sich in den 1980er Jahren auch die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon. Um 1925: Das Völkerbund-Mandatsgebiet der Briten und Franzosen im Nahen Osten Vgl.: 7/138 f. FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 13 13 Israel, das Hassobjekt der arabischen Welt Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Die Entstehung des jüdischen Staates • Mit dem Beginn der britischen Mandatszeit kam es zu zunehmenden Spannungen zwischen der zionistischen Bewegung und arabischen Bevökerung in Palästina. In den 1920er Jahren gab es seitens der Araber blutige Übergriffe auf die jüdische Bevölkerung in Jerusalem 1920 und Jaffa 1921. In Hebron wurden 1929 während eines Massakers 67 jüdische Einwohner ermordet. Vgl.: wikipedia und 19 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 14 14 Israel, das Hassobjekt der arabischen Welt Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Die Entstehung des jüdischen Staates • Im Jahre 1937 wurde im britischen PeelReport erstmals die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat vorgeschlagen. • Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Ermordung von sechs Millionen Juden durch Nazi-Deutschland, wuchs die internationale Unterstützung für einen eigenen jüdischen Staat. Die UN beschloss mit den Stimmen westlicher Staaten die Teilung Palästinas in einen arabischen und einen jüdischen Staat. Der Beschluss wurde von den meisten Juden in Palästina akzeptiert, von den Arabern entschieden abgelehnt. Vgl.: wikipedia und 19 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 15 15 Israel, das Hassobjekt der arabischen Welt Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand 1948: Gründung Israels • 1948 zogen sich die letzten Briten aus Palästina zurück und Israel gründet sich als unabhängiger Staat. Noch in der derselben Nacht erklärten Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien Israel den Krieg. • Israel trieb die arabischen Armeen erfolgreich zurück und eroberte Gebiete, die laut Teilungsplan den Arabern oder Jerusalem zugefallen wären (50-prozentige Erweiterung, einschließlich Westjerusalem). • Palästinenser flohen in mehreren Flüchtlingswellen aus den israelischen Gebieten. Vgl.: wikipedia und 19 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 16 16 Israel, das Hassobjekt der arabischen Welt Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand 1967: Der 6-Tage-Krieg • Der 6-Tage-Krieg zwischen Israel und Ägypten, Jordanien und Syrien begann mit der ägyptischen Sperrung der Straße von Tiran für die israelische Schifffahrt und dem Aufmarsch Ägyptens mit 1.000 Panzern und fast 100.000 Soldaten an der Grenze Israels im Sinai. • Israel zerstörte in einem Überraschungsangriff die ägyptische Luftwaffe und machte schnell Geländegewinne im Sinai. Auch die jordanische Armee im Westjordanland wurde besiegt und die unter Beschuss stehenden Syrer flohen von den Golanhöhen – ein Desaster für die arabischen Staaten. Vgl.: wikipedia und 19 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 17 17 Israel, das Hassobjekt der arabischen Welt Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Israel heute • Zu Israel gehört heute der größte Teil Palästinas. Im Gazastreifen leben 1,8 Mio. Palästinenser auf engstem Raum (größte Bevölkerungs- und Flüchtlingsdichte weltweit). • Im Westjordanland besiedeln nationalistisch-religiöse Siedlerbewegung und neu eingewanderte israelische Staatsbürger immer größere Gebiete und schüren so zusätzlich den Hass der Palästinenser gegen Israel. Vgl.: wikipedia und 19 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 18 18 Israel, das Hassobjekt der arabischen Welt Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Die Fraktionen des palästinensischen Widerstands • Die Palästinensische Befreiungsorganisation kurz PLO (von engl. Palestine Liberation Organization) wurde am 28. Mai 1964 auf der konstituierenden Tagung des Palästinensischen Nationalrats (PNC) auf Initiative des damaligen ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser in Jerusalem gegründet, um eine panarabische Bewegung zu schaffen. • Die PLO strebt die Gesamtvertretung aller palästinensischer Fraktionen an, auch der im arabischen und im nichtmuslimischen Exil. Die weitaus stärkste Fraktion ist die Fatah. • Sie erreichte 1974 die Anerkennung des palästinensischen Staates durch die UNVollversammlung (Westliche Länder wie USA und Deutschland stimmten dagegen.) • Die PLO versteht sich eher als politische und nicht als religiöse Organisation. • Im Verlauf von erster und zweiter Intifada entwickelte sich ein Machtkampf zwischen PLO und Hamas, in dem die PLO ihre führende Rolle als Vertretung der palästinensischen Bevölkerung im Gazastreigen verlor. FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Vgl.: wikipedia und 19 19 19 Israel, das Hassobjekt der arabischen Welt Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Die Fraktionen des palästinensischen Widerstands • Die Hamas (arabisch für „Eifer“) ist eine sunnitisch-islamistische Widerstandsbewegung von Palästinensern, die den Staat Israel mit militanten Mitteln beseitigen und einen islamischen Staat errichten will. Sie wurde 1987 als Zweig der Muslimbruderschaft gegründet. Sie besteht aus den paramilitärischen QassamBrigaden, einem Hilfswerk und einer politischen Partei. • Die Hamas verübte Angriffe überwiegend gegen israelische Zivilisten und Soldaten. Sie wird juristisch von der Europäischen Union, den Vereinigten Staaten, Israel und anderen – auch arabisch-muslimischen – Staaten als „terroristische Vereinigung“ definiert. Andere Staaten und Organisationen teilen diese Einstufung nicht. • Seit ihrem Wahlsieg 2006 regiert die Hamas den Gazastreifen. Einige Hamasvertreter sind bereit, Israel unter Bedingungen anzuerkennen. Diese Position ist aber in der Gesamtorganisation noch in der Minderheit. • Israel begegnet der Hamas und der Bevölkerung im Gaza mit unerbittlicher Härte. Vgl.: wikipedia und 19 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 20 20 Israel, das Hassobjekt der arabischen Welt Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Widerstand gegen Israel im Libanon • Die Hisbollah (arabisch „Partei Gottes“) ist eine schiitische Partei und Miliz im Libanon. Sie entstand seit 1982 als Zusammenschluss verschiedener schiitischer Gruppen, die im Untergrund gegen die israelische Invasion im Libanon kämpften – offizielle Gründung: 1985. • An ihrer Spitze stehen geistliche Gelehrte, als oberste geistliche Autorität wird der gegenwärtige Revolutionsführer der Islamischen Republik Iran, Ajatollah Sejjed Ali Chamene’i angesehen. • Seit 1992 ist die Hisbollah auch in der libanesischen Nationalversammlung vertreten. Sie stellt zurzeit etwa ein Dutzend Parlamentsabgeordnete und war schon in mehreren Kabinetten der libanesischen Regierung vertreten. • Seitdem hat sie sich zu einem innerhalb der libanesischen Gesellschaft und darüber hinaus anerkannten militärischen, sozialen und politischen Machtfaktor entwickelt. • Die Hisbollah ist zur Zeit auch an dem Bürgerkrieg in Syrien beteiligt. FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Vgl.: wikipedia und 19 21 21 Die Entstehung des internationalen Jihadismus Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Afghanistan – Spielball westlicher Interessen • Der Krieg in Afghanistan (1979 – 1989) gilt als Geburtsstätte des international agierenden militanten Islamismus. • Afghanistan war lange Puffer und Ort der Kollision britischer und russischer Interessen. Afghanistan konnte 1919 die Unabhängigkeit gegen die Briten durchsetzen und wurde Königreich – 1973 Republik. • 1978 übernahm die kommunistisch geprägte Demokratische Volkspartei Afghanistans die Macht in Kabul, rief die Demokratische Republik Afghanistan aus und versuchte mit sowjetischer Unterstützung eine gesellschaftliche Umgestaltung, u. a. durch Alphabetisierung der Landbevölkerung, Selbstständigkeit, Freiheit und Schulbildung für Frauen sowie Enteignung von Großgrundbesitz. • In diesem bergig-rauhen und armen Land lebten eine Vielzahl ethnischer Gruppen und Stämme friedlich zusammen– oftmals innerhalb von Siedlungsgebieten gemischt. Der Anteil der Muslime beträgt 99% (80% Sunniten, 19% Schiiten und eine Minderheit von Ismaeliten). Vgl.: 7/156 und 9/58 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 22 22 Die Entstehung des internationalen Jihadismus Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Afghanistan ist eine bunte Mischung von muslimischen Völkern und Stämmen Quelle: wikipedia FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 23 23 Die Entstehung des internationalen Jihadismus Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Afghanistan – ein Fiasko für die Sowjetunion • Die ländliche Denk- und Lebensweise ist konservativ bis archaisch und streng gläubig. 1981 waren 70% der Bevölkerung Analphabeten. • Als es ab 1978 zu militantem Widerstand gegen die Regierung in Kabul kommt und die USA begann die islamistische Guerilla – sogenannte Mudschahedin, die unter pakistanischen und saudi-arabischen Einfluss standen – mit Waffen zu unterstützen, flog die Sowjetunion im Dezember 1979 die ersten Truppen nach Kabul ein. Der damalige US-Außenminister Zbigniew Brzezinki in einem Interview: „Die geheime Operation war eine ausgezeichnete Idee. Das Ergebnis war, dass die Russen in die afghanische Falle gelaufen sind. An dem Tag, an dem die Sowjets offiziell die Grenze überschritten hatten, schrieb ich Präsident Carter: Jetzt haben wir die Gelegenheit, der UdSSR ihren Vietnamkrieg zu verpassen.“ (Zit. n.: 11/25) • Fortan entwickelte sich in Afghanistan ein Stellvertreterkrieg (Sowjetunion gegen USA, Saudi-Arabien und Pakistan). Allein die USA unterstützte die islamische Guerilla mit offiziell 2,4 Milliarden Dollar und Waffen (insb. Boden-Luft-Raketen). Vgl.: wikipedia, 7/156 f. und 9/58 f. FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 24 24 Die Entstehung des internationalen Jihadismus Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Afghanistan – ein Fiasko für die Sowjetunion • Die mehreren Milliarden Dollar Unterstützung für die Mudschahedin wurden vom pakistanischen Militärgeheimdienst ISI verwaltet und verteilt. Dieser hatte Interesse daran, ein Gegengewicht zu dem Einfluss der Paschtunen, der größten ethnischen Gemeinschaft in Afghanistan, zu schaffen, die gemäßigt monarchistisch eingestellt waren. Sie unterstützte daher islamistische Guerillagruppen wie z. B. Hisb-i-Islami (= Islamische Partei), gilt als besonders radikal und dogmatisch, ihre Mitglieder rekrutiert die Organisation aus der gebildeten afghanischen Mittelschicht (insb. Studenten), Dschamiat-i-Islami (= Islamische Vereinigung Afghanistans), fundamentalistischtadschikische Vereinigung), Muslimbrüder, wahhabitisch aus Saudi-Arabien, hatten vorher kaum Einfluss in Afghanistan. • Mehr oder weniger säkular-gemäßigte Gruppierungen bekamen keine Unterstützung. Vgl.: wikipedia, 7/156 f. und 9/58 f. FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 25 25 Die Entstehung des internationalen Jihadismus Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Afghanistan – ein Fiasko für die Sowjetunion Mudschahedin mit erbeutetem sowj. Panzer Vgl.: 9/59 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 26 26 Die Entstehung des internationalen Jihadismus Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Afghanistan versinkt im Bürgerkrieg • Der Krieg in Afghanistan forderte eine Million Tote und machte sechs Millionen Menschen zu Flüchtlingen. • Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan, galt dies in der islamischen Welt als denkwürdiger Sieg gegen den westlichen Imperialismus. • Neben dem Erstarken örtlicher Warlords, Jihadisten und Krimineller hat der Krieg islamistische Aktivisten aus der ganzen islamischen Welt angezogen und die islamistischen Gruppierungen in Afghanistan stärker gemacht als je zuvor. • Afghanistan versank ab 1989 in Chaos und Bürgerkrieg. • Die Taliban eroberten, unterstützt von Saudi-Arabien und Pakistan, das Land von 1994 bis 1998 auf sehr brutale Art und Weise. Sie herrschten bis 2001 und setzten in den von ihnen kontrollierten Gebieten ihre politisch-juristische Interpretation des Islam durch. Frauen – also die Hälfte der Bevölkerung – lebten quasi unter Hausarrest. • Nach dem Anschlag vom 11. September 2011 geriet Afghanistan wieder ins Fadenkreuz der USA – diesmal ging es in den Krieg gegen die Taliban. FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Vgl.: wikipedia, 7/156 f. und 9/58 f. 27 27 Die Entstehung des internationalen Jihadismus Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Osama bin Laden und Al Qaida • Osama bin Laden, Sohn einer reichen Bauunternehmers aus Saudi-Arabien mit jemenitischer Abstammung, gründete 1984 zusammen mit Abdallah Azzam, einem palästinensischen Theologen, in Peschawar (Pakistan) ein Dienstleistungsbüro, um die aus den verschiedenen arabischen Ländern kommenden jungen Männer aufnehmen, betreuen und organisieren zu können, die nach Afghanistan in den Jihad gehen wollten. Unterstützung erhielten sie von der CIA und dem pakistanischen Militärgeheimdienst ISI. • Er war Gründer und ideologische Anführer der militant-islamistisch Organisation alQaida (= Basis, Fundament) in den 80er Jahren in Afghanistan, deren Ziel die Errichtung eines alle islamischen Länder und weiterer Territorien umspannenden Gottesstaats für alle „Rechtgläubigen“ ist. • In den 90er Jahren lagen die Basen von Al-Qaida vor allem in Afghanistan, Pakistan, im Sudan und Jemen. Vgl.: wikipedia, 7/156 f. und 9/58 f. FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 28 28 Die Entstehung des internationalen Jihadismus Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Osama bin Laden und Al-Qaida • Al-Qaida wurde zuerst weltweit bekannt durch den Anschlag auf das World-TradeCenter in New York 1993 und den vereitelten Anschlag während des Weltjugendtags in Manila 1995. • Bis heute verübte al-Qaida unzählige Anschläge im islamischen Raum, aber auch in den USA und anderen Ländern, die sich nach dem Anschlag am 11. September 2001 auf das World Trade Center der US-Kriegserklärung gegen Al-Qaida anschlossen. • Die Anzahl der Toten durch Al-Qaida-Anschläge wird auf eine fünfstellige Zahl geschätzt, die in Bürgerkriegen, die Al-Qaida oder ihr nahe Organisationen entfacht haben, liegen im hohen sechsstelligen Bereich. Obwohl es eher gegen den Westen oder einige islamische Vertreter geht, treffen die Anschläge in erster Linie Zivilisten. • Nach der Erschießung Osama bin Ladens 2011 hat Al-Qaida losere Strukturen mit regionalen, selbstständigen Unterorganisationen. Daneben gibt es weitere islamistische Netzwerke, die keinen organisatorischen Bezug mehr haben. Das alQaida-Hauptquartier liegt immer noch im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Vgl.: wikipedia, 7/156 f. und 9/58 f. FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 29 29 Die Entstehung des internationalen Jihadismus Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Anschläge durch Al-Qaida, 1993 – 2015 Quelle: 10/47 und Wikipedia 3 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 30 30 Zur Situation im Irak und in Syrien Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Der Irak • Auch der Irak ist ein Land mit sehr unterschiedlichen Völkern, die in Stammesstrukturen zusammenleben müssen, weil die Grenzen von der Kolonialmacht Frankreich so gezogen wurden. Religiös kann man die Sunniten im Westen, die Schiiten im Süden und die säkular-sunnitischen Kurden im Norden unterscheiden. • Der Irak war unter Saddam Hussein ein laizistischer Staat, d. h., Staat und Religion waren streng getrennt. Saddam Hussein herrschte autokratisch, gestützt auf die Baath-Partei und Militär. • Der Irak führte von 1980 – 1988 einen Krieg gegen den Iran. Es ging um alte Grenzkonflikte im Süden. Im Irak herrschte das „verhasste Mullah-Regime“ und es gibt reiche Öl- und andere Rohstoffvorkommen, das machte die USA, Frankreich und die Sowjetunion zu wirtschaftlichen und militärischen Unterstützern. Finanzielle Unterstützung gab es aus Saudi-Arabien und Kuwait. Vgl.: wikipedia, 7/156 f. und 9/58 f. FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 31 31 Zur Situation im Irak und in Syrien Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Der Irak versinkt im Chaos • Der Krieg änderte nichts am Verlauf der Ostgrenze, sondern hinterließ nur viele Tote und Schulden, die das Regime mit einem Krieg gegen Kuweit auszugleichen hoffte. Der Irak besetzt 1990 Kuwait. Das wiederum machte die USA zum Feind – es ging um ihre „Tankstelle“ im Nahen Osten, sie marschiert 1991 in den Irak ein. • Nach Abzug der Truppen fiel das Land unter UN-Wirtschaftssanktionen und verrohte – es starben aufgrund von Medikamenten- und Lebensmittelmangel eine Million Iraker, davon die Hälfte Kinder. • 2003 stürzte eine multinationale Invasionstruppe („Koalition der Willigen“) unter Führung der Vereinigten Staaten das irakische Regime Saddam Husseins. • Es gelang der Koalition nicht, einen stabilen und demokratischen irakischen Staat zu initiieren. Es wurden zwar Wahlen abgehalten, die aber von der Bevölkerung nicht nach politischen, sondern religiösen und stammesbezogenen Gesichtspunkten abgehalten wurden. • Das westliche Demokratiemodell erwies sich als ungeeignet! FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Vgl.: wikipedia, 7/156 f. 32 32 Zur Situation im Irak und in Syrien Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Die Wirtschaft im Irak und dessen Bevölkerung nach Konfessionen Der Irak hat in den Flussgebieten sehr fruchtbares Land und im Gegensatz zu anderen Ländern der Region viel Landwirtschaft. Der Irak hat gleichzeitig große Ölvorkommen im Boden. Die Bevölkerung kann nach Konfessionen in drei Gruppen aufgeteilt werden: Schiiten im Süden (Mehrheit), dann Sunniten (stellten vorher die Regierung, Saddam kam aus Tikrit) und sunnitische Kurden im Norden. Quelle: 1/Irak-1 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 33 33 Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Zur Situation im Irak und in Syrien Der Einmarsch der USA und ihrer Verbündeten in den Irak Mit der konstruierten Falschmeldung, der Irak produziere chemische Massenvernichtungswaffen, stürmte 2003 die„Koalition der Willigen“ den Irak. Die Armee Saddam Husseins ahnte voraus, dass sie den Krieg verlieren musste, und legte geheime Waffendepots an. Als nach den Wahlen die Schiiten an die Macht kamen und der Staat immer korrupter wurde, wurden die Waffen wieder ausgegraben. Quelle: 1/Irak-1 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 34 34 Zur Situation im Irak und in Syrien Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Der Irak im Bürgerkrieg Schon während des Abmarsches der ausländischen Besatzer 2010/11 kämpften Guerillagruppen gegen die schiitische Regierung Für die internationalen Jihadisten tat sich ein neues Betätigungsfeld auf. Große Gebiete im Irak hatte die schiitischen Regierung von Nuri alMaliki schon bald nicht mehr unter Kontrolle – schiitische Milizen aus dem Iran unterstützen die schwache irakische Armee. Quelle: 1/Irak-1, und zeit-online.de FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 35 35 Zur Situation im Irak und in Syrien Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Der Irak versinkt im Chaos • 2010 bis 2011 zogen die ausländischen Truppen ab. • Die Infrastruktur des Landes ist weitgehend zerstört; hunderttausende Zivilisten wurden getötet, viele sind erneut auf der Flucht. • Die neue schiitisch orientierte Regierung ist extrem korrupt. • Gleich nach dem Sturz der Saddam-Regierung bildete sich im Irak eine sunnitische Guerilla, bestehend aus Mitgliedern der entwaffneten Armee, der Baath-Partei und des ehemaligen – ebenfalls arbeitslos gewordenen – Staatsapparates sowie internationalen Jihadisten (vorwiegend aus Afghanistan, Pakistan und Lybien). • Heute ist der Irak de facto in drei ethnisch-religiöse Zonen zerfallen • Die Bevölkerung ist seit mehr als 35 Jahren von Gewalt und Not traumatisiert, der Tod gehört zum Alltag im Irak. Vgl.: wikipedia, 7/156 f. FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 36 36 Zur Situation im Irak und in Syrien Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Der Irak im Frühjahr/Sommer 2015 Ab 2006 eroberten auf skrupellos-brutale Weise sunnitische Jihadisten der ISI („Islamischer Staat im Irak“) Teile des irakischen Staatsgebietes. Der ISI, der sich inzwischen IS („Islamischer Staat“) nennt, verfügt über ausreichend finanzielle Mittel (Verkauf von Öl), ist militärisch gut gerüstet und hat eine intakte Verwaltung aufgebaut. Der IS geht geschickt mit neuen sozialen Medien um. Quelle: div. Presseseiten im Internet (März bis Juni 2015) FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit (vgl.: 11/201 f.) 37 37 Zur Situation im Irak und in Syrien Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Konfessionen und Wirtschaft in Syrien Auch Syrien ist ein Land mit sehr unterschiedlichen Völkern und Stammesstrukturen. Sunniten bilden die größte Bevölkerungsgruppe. Syrien war und ist ein laizistischer Staat. Syrien ist landwirtschaftlich geprägt und verfügt über Ölund Erdgasvorkommen. Quelle: 1/Syrien-1 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 38 38 Zur Situation im Irak und in Syrien Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Syrien unter Baschar al-Assad • Die Assad-Familie ist alawitisch. Der Vater von Baschar, Hafiz al-Assad, kam über seine Militärkarriere an die Macht. Er wurde zum starken Mann der Baath-Partei, putschte 1970 gegen die Zivilregierung und wurde nach den Wahlen 1971 Präsident Syriens – um ihn entwickelte sich ein ausgeprägter Personenkult. • Die Baath-Partei regierte streng laizistisch. Der Islamismus wurde unterdrückt, 1980 (Aleppo) und 1982 (Hama) wurden Aufstände der Muslimbrüder blutig niedergeschlagen. In Hama töteten Geheimdienst und Militär 200.000 Menschen. • Nach dem Tod von Hafiz al-Assad (2000) wurde Bashar al-Assad Generalsekretär der Baath-Partei und Staatspräsident Syriens. • Alle wichtigen Macht- und Einkommenspositionen sind in alawitischer Hand. • Im Zuge des „Arabischen Frühlings“ gab es 2011 auch Aufstände in Syrien für mehr Demokratie und Freiheit – in der Stadt getragen von Jugendlichen, die zwar gut ausgebildet aber ohne Arbeit sind (Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen beträgt 50%), auf dem Land von sunnitischen Stämmen und Bündnissen. Vgl.: wikipedia, 1/Syrien-2 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 39 39 Zur Situation im Irak und in Syrien Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Die syrische Bevölkerung wehrt sich gegen Zensur und Unterdrückung Nach der Machtübernahme, lockert Bashar alAssad die strenge Zensur, nimmt aber die Demokratisierung bald wieder zurück. Es gibt Aufstände im ganzen Land, denen von Geheimdienst und Militär brutal begegnet wird. Die UN reagiert mit Wirtschaftssanktionen. Die Lage wird immer instabiler. Quelle: 1/Syrien-2 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 40 40 Zur Situation im Irak und in Syrien Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Syrien wird instabil Die ISI wird zur ISIS und fällt in Syrien ein. Auch Iran, lange Zeit Bündnispartner Syriens unterstützt die Hisbollah, die von Westen aus in das Land vordringt. Internationale Jihadisten unterstützen ISIS und al-Nusra. Da Syrien im arabischen Raum isoliert ist, wird es zum Kampfgebiet unterschiedlicher Interessen. Quelle: div. Presseseiten im Internet (März bis Juni 2015) FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 41 41 Zur Situation im Irak und in Syrien Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Syrien heute • Im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen der „Arabische Frühling“ die Regierungen stürzte (Lybien, Tunesien, Ägypten), hält sich das Assad-Regime bisher in den industriellen Kerngebieten Syriens an der Macht. • Große Gebiete sind jedoch von aufständischen Rebellen (wie der Freien syrischen Armee, die auch von den USA und einigen Golfstaaten unterstützt wird), der Al-Nusra Front (ein al-Qaida-Ableger mit jihadistisch-salafistischer Prägung, wird von einigen Reichen aus den Golfstaaten unterstützt) und dem Islamischen Staat besetzt. • Kurden sind die größte ethnische Minderheit im Land. Sie leben im nördlichen und nordöstlichen Teile Syriens (auf kurdisch „Kurdistana Binxetê“ = „Kurdistan unter der Grenze“ oder „Rojava“ = „Westkurdistan“). Sie erwehren sich bisher den Angriffen des selbsternannten Islamischen Staates. • Der IS hält Teile Syriens und des Iraks sowie ein kleines Gebiet in Lybien besetzt. Sein Anführer, Abu Bakr al-Baghdadi, rief im Juni 2014 diese Gebiete zum „Kalifat“ und sich selbst zum Kalifen aus – und erhebt damit Anspruch der Herrschaft über alle arabischen Länder sowie darüber hinaus. Vgl.: wikipedia, 11, 15 und 16 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 42 42 Zur Situation im Irak und in Syrien Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Syrien im Juni 2015 Inzwischen ist die Situation in Syrien völlig chaotisch. Rebellen, Milizen und Jihadisten kämpfen in wechselnden Bündnissen, mal miteinander, mal gegeneinander. Anrainerstaaten, Russland und die NATO-Staaten unterstützen je nach (wechselnden) Interessenlagen. Die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Quelle: div. Presseseiten im Internet (März bis Juni 2015) sowie 13 und 15 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 43 43 Zur Situation im Irak und in Syrien Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Syrien und Irak im Juni 2015 Betrachtet man die Situation in beiden Ländern, zeigt sich die Ausbreitung des IS, dessen Ziel ein islamistisches Großreich ohne koloniale Grenzen will. Der Alltag in den ISbesetzten Gebieten ist grausam. Die Strafen für „Frevler“ sind drakonisch, Tötungen an der Tagesordnung. Es herrscht Denunziantentum und Angst. Quelle: div. Presseseiten im Internet (März bis Juni 2015) sowie 13 und 15 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 44 44 Islamisten und Jihadisten weltweit Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Islamismus und Jihadismus heute • Der Irak und insbesondere Syrien stehen im Fokus der Weltöffentlichkeit. Die Brutalität und Menschenverachtung von IS und al-Qaida-nahen Jihadisten wie die AlNusra-Front schockiert vor allem die Muslime selbst, die die Handlungen der Jihadisten in Widerspruch zum islamischen Glauben sehen. • Nichtmuslime wiederum sind wenig informiert und sehen keinen Unterschied zwischen Islamgläubigen und Islamisten. So werden viele Muslime ausgegrenzt und zu Rechtfertigungen gezwungen, obwohl die meisten selbst jede Form von kriegerischen Jihadismus ablehnen. • Westliche Staaten gehen in die Falle der Jihadisten, verschärfen Sicherheitsgesetze und schränken Freiheitsrechte ein. • Gleichzeitig haben Jihadisten keinen Mangel an Waffen und Ausrüstung, der weltweite Waffenhandel boomt. • Nach dem Krieg in Afghanistan ist der Jihadismus über fast alle vom Islam geprägten Länder verbreitet. FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 45 45 Islamisten Der Islam, was und ist Jihadisten das? weltweit Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Jihādistische Vereinigungen heute (nicht vollständig, es gibt weitere kleine Splittergruppen) Quelle: 5/222 f. und 8 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 46 46 Islamisten und Jihadisten aus Europa Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Jihādisten aus Europa reisen nach Syrien und in den Irak (Stand: Nov. 2014) Die Grafik zeigt die vielen Herkunftsländer von jungen Menschen, die sich in den Jihad aufmachen. Die Anreise über die Türkei ist relativ einfach, die Grenze zu Syrien und Irak steht offen. Die meisten kommen aus Frankreich, davon viele aus den Pariser Vorstädten, von denen einige zu Ghettos geworden sind. Quelle: SPIEGEL-online, Washington Post FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 47 47 Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Islamisten und Jihadisten aus Deutschland Warum beteiligen sich Jugendliche aus Deutschland am Jihad? • Zahlen im Juni 2015* sprechen von 700 jungen Deutschen, die sich hauptsächlich bei dem IS in Syrien aufhalten (davon 600 Männer und 100 Frauen). • Die Beweggründe sind unterschiedlich und müssen von Fall zu Fall betrachtet werden. Trotzdem gibt es Anhaltspunkte: Generell: Sinnsuche, familiäres Umfeld, berufliche und soziale Perspektivlosigkeit etc. Halt und Anerkennung in der salafistischen Bewegung „wahren“ Glauben leben Bei Männern: Sich-Beweisen-Wollen, Stolz, Männerkult, Abenteuersuche, Gewaltphantasien Bei Frauen: Tradiertes, romantisches Rollenverständnis, Kinder kriegen und damit den Islamischen Staat vergrößern, (gilt für einige:) bewaffnet am Jihad teilnehmen.** • FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Deutschlandfunk-Meldung vom 23. Juni 2015 ** 13 48 48 Islamisten und Jihadisten in Deutschland Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Was erwartet Jugendliche im Nahen Osten? • Die meisten Jugendlichen hatten vor ihrer Abreise in den Nahen Osten engen Kontakt zu extrem islamistischen Kreisen. Von Hasspredigten aufgestachelt, ziehen sie in den Jihad, sind aber keineswegs vorbereitet auf das, was sie erwartet. • Diese „Pop-Jihadisten“ (C. Dantschke) kennen Krieg nur aus Videospielen, sind körperlich nicht fit und werden in Kriegshandlungen oftmals als Kanonenfutter in vorderste Front gestellt. Einige Rückkehrer sind schwer traumatisiert. • Es gibt aber auch Rückkehrer, die sich „bewährt“ haben und nach wie vor ideologisiert sind. Sie treten als Werber auf, versuchen junge Menschen in die salafistische Szene zu ziehen, glorifizieren den Jihad und sind als gefährlich einzuordnen. • Andere, die den „wahren“ Glauben suchten und leben wollten, sind enttäuscht, dass es eigentlich nur um Gewalt, Krieg und Macht geht. Sie kehren zurück und wenden sich von der Szene ab. Sie werden zu Aussteigern. * 12 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 49 49 Islamisten und Jihadisten ihren Einfluss nehmen Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand Was tun gegen Indoktrinierung und Verblendung Jugendlicher? • Hasspredigern und gewaltbereiten Islamisten ist auf kommunaler und alltäglicher Ebene entschieden entgegenzutreten und ihre Organisationen von Sicherheitsbehörden ggf. zu verbieten – wie es in der Vergangenheit schon geschehen ist. • Aussteigerprogramme können hilfreich sein, ähnlich – bezogen auf die Neonazi-Szene – wie beim „Aktionskreis Exit-Deutschland“. Handelnde darin könnten frustrierte und „bekehrte“ Rückkehrer sein, denn sie kennen die radikal-salafistische Szene gut und wissen, mit welchen Mitteln sie indoktriniert und „Kanonenfutter“ rekrutiert. • Betroffene Eltern, deren Kinder im Nahen Osten sind oder dort gar getötet wurden, können Vorträge in Schulen halten, dazu gibt es eindrückliche Beispiele aus Frankreich und Belgien.* • Insgesamt ist das Thema Bildung wichtig. Dazu gibt es reichlich Materialen, stellvertretend sei hier der Ordner „Islam & Schule“** genannt. * Vgl.: 12 **2 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 50 50 Quellen Gewerkschaftliche Bildungsarbeit Absender Vorstand 1. Arte: Mit offenen Karten (Irak 1–3, und Syrien 1+2), div. Jg. 2. Bundeskoordination Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage: Islam & Schule, Berlin 2015 3. Der große Ploetz, Atlas zur Weltgeschichte, Freiburg im Breisgau, 2008 4. Elger, Ralf (Hg.): Kleines Islam-Lexikon, C.H.Beck Wissen, München, 2008 5. Engelhardt, Marc: Heiliger Krieg – heiliger Profit., Bonn, 2014 6. Fürtig, Henner: Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de, by-nc-sa/3.0/ 7. GeoEpoche: Der Islam, Nr. 73/2015 8. Jörger, Andreas; Mahmoudian, Franck: Die dschihadistische Weltkarte, arte.tv, 2014 9. Le Monde diplomatique: Atlas der Globalisierung – Das 20. Jahrhundert, Berlin, 2011 10. Le Monde diplomatique: Atlas der Globalisierung – Die neuen Daten und Fakten zur Lage der Welt, Berlin, 2006 11. Lüders, Michael: Wer den Wind sät – Was westliche Politik im Orient anrichtet, München, 2015 12. Nina Käsehage: Es ist eine Tragödie für die Familien, Wolfsburger Nachrichten, 25.04.15, S. 12 13. Nina Käsehage: Immer mehr Frauen möchten zur Waffe greifen, Braunschweiger Zeitung, 25.04.15, S. 2 14. Putzger – Atlas und Chronik zur Weltgeschichte, Berlin 2002 15. Reuter, Christoph: Die Schwarze Macht, München, 2015 16. Said, Behnam T.: Islamischer Staat – IS-Miliz, al-Qaida und die deutschen Brigaden, München 2015 17. Seidensticker, Tilman: Islamismus, C.H.Beck Wissen, München, 2014 18. Steinberg, Guido: Al-Qaidas deutsche Kämpfer, Bonn, 2014 19. Steininger, Rolf: Der Nahost Konflikt, Frankfurt am Main, 2005 FB Gewerkschaftliche Bildungsarbeit 51