Spielzeit 2009. 2010 - Staatsschauspiel Dresden

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Staatsschauspiel Dresden
Spielzeit 2009. 2010
09.10
Wir danken den Förderern und Partnern der Spielzeit 2009. 2010 für die freundliche Unterstützung unserer Projekte.
Förderverein des
Staatsschauspiels
Dresden e.V.
„Alles auf Anfang!“
wird gefördert im
Fonds Heimspiel der
Vorwort
Werte Zuschauerinnen und Zuschauer,
liebe Freunde des Staatsschauspiels,
Theater reflektiert Geschichte, es stellt sich den Kämpfen
und Debatten der Gegenwart und durchdenkt und erfühlt Möglichkeiten von Zukunft. Es muss nicht recht
haben, sondern kann verschwenderisch und leichtfertig,
ab- und einseitig, parteiisch und subjektiv, verbissen
und spielerisch Modelle und Abenteuer des Lebens ausprobieren und bestehen. Das ist sein Privileg. Es kann in
dieser durchökonomisierten Gesellschaft „das Andere“
sein: radikal und nicht immer effektiv. So wie die Gesellschaft die Mitte sucht, so meidet die Kunst sie.
Zu Beginn einer neuen Intendanz erinnert man noch einmal die Grundsätze der eigenen Theaterarbeit, schon
überlagert von der Vorfreude und der Neugier auf eine
Stadt, erfüllt von der Erwartung vieler neuer Begegnungen. Man möchte einerseits eingehen auf die Historie einer Gesellschaft und sich in die Tradition eines Hauses
stellen. Andererseits natürlich das Theater neu gestalten,
die Vielfalt der Erzählweisen und Formen schillern lassen, so wie sie die Spieler und Regisseure, Bildner und
Mu­siker jeden Tag überraschend neu erfinden. Ein schönes Paradoxon, wie es wohl nur in der Kunst auflösbar
sein kann.
Und mit dem Projekt „Vùng biên gió’i“ der Gruppe Rimini
Protokoll überschreiten wir die Grenze nach Tschechien
und suchen die Zusammenarbeit mit dem Prager Festival des deutschsprachigen Theaters und dem Nationaltheater Prag.
Die Grenzen in der Kunst sind fließend, und Dresden ist
ei­ne offene, tolerante und einladende Stadt in der Mitte
Europas.
Gerne möchten wir auch das Theater für die Dresdner
weiter öffnen und sie nicht nur einladen, als Zuschauer
eine andere Welt auf der Bühne zu erleben, sondern auch
ihre eigene Welt auf die Bühne zu tragen. Im Kleinen Haus
wird „Die Bürgerbühne“ den jungen und den alten und
allen anderen Dresdnern die Möglichkeit bieten, die Bühne
mit bekannten und neuen, literarischen und eigenen Texten, mit Inszenierungen und Performances zu erobern.
Daneben werden vom Ensemble im Kleinen Haus in Zukunft drei Spielstätten bespielt – vom großen Saal über die
Bühne hinter dem eisernen Vorhang bis unter das Dach.
Der Spielplan erzählt in vielen Facetten von Aufbrüchen
und Lebensreisen. Peer Gynt und Wilhelm Meister, Anselmus (aus dem „Goldnen Topf“) und Don Carlos, Adam
und Evelyn, die sieben Dresdner in „Alles auf Anfang!“
und der Autor Dirk Laucke suchen und beschreiben den
Glücksanspruch des Einzelnen, seine Bildung (im
Goethe’schen Sinne) und seine Sehnsucht. Und der Spielplan spricht mit Horváth und Zuckmayer, Palmetshofer
und Tschechow, Dürrenmatt und Wittenbrink von unserer Gefangenheit im Hier und Jetzt: komisch und tragisch, naiv und melancholisch, mit Verzweiflung und
Mut. Der „andere Ort“ Theater kann auch der gemeinsame Ort sein, an dem man Fremdheit und Differenz erfährt und aushält, in der Betrachtung des anderen sich
selbst in den Kopf schaut. Und sich mit vielen anderen
über das oft so unterschiedlich Gesehene verständigt.
Viele Künstler haben sich für das Staatsschauspiel und
Dresden gewinnen lassen. Schauspielerinnen und Schauspieler aus Düsseldorf, Weimar, Stuttgart, Leipzig, Wien,
Berlin, Hannover und Frankfurt werden neben Darstellern auf der Bühne stehen, die Sie bereits kennen und
schätzen. Julia Hölscher und Tilmann Köhler binden sich
als Hausregisseure an das Staatsschauspiel. Andere, wie
Friederike Heller, Sebastian Baumgarten, Franz Wittenbrink, Nuran David Calis, Barbara Bürk, Roger Vontobel
und Burkhard C. Kosminski (um nur einige zu nennen),
werden kontinuierlich in Dresden arbeiten. Mit dem Berliner Maxim Gorki Theater verbindet uns fortan eine
enge Kooperation. Der dortige Intendant Armin Petras
wird in Dresden einen Dürrenmatt bearbeiten und inszenieren. Nach der Premiere in Dresden wird seine Inszenierung in beiden Städten gezeigt werden.
„Die Kunst ist lang, das Leben kurz, das Urteil schwierig,
die Gelegenheit flüchtig. Handeln ist leicht, Denken
Eine Reihe von Gastspielen, vom Deutschen Theater Ber- schwer; nach dem Gedanken handeln unbequem. Aller
lin bis zum Hamburger Thalia Theater, ergänzt den Spiel- Anfang ist heiter, die Schwelle ist der Platz der Erwartung“,
plan und soll signalisieren, dass man sehr wohl und be- heißt es bei „Wilhelm Meister“, mit dem wir die Spielwusst für und in einer Stadt arbeitet, genauso aber Teil
zeit eröffnen. Wir laden Sie herzlich ein, uns über diese
eines künstlerischen Suchens und Ausprobierens im ge- Schwelle zu folgen, sich mit uns auf Wege zu begeben, die
samten deutschsprachigen Theater ist, sich vergleichbar wir genauso neugierig erkunden wie Sie. Im Theater kann
macht und den Zuschauern einen kleinen Überblick über das Leben jederzeit seine Richtung ändern. So ist es geaktuelle Theaterentwicklungen gibt.
fährlich – aber auch eine große Verheißung.
Mit dem Festival „After the Fall“ werden wir gemeinsam
mit vielen europäischen Autoren und Theatern in die
letzten 20 Jahre der Geschichte blicken und einen Austausch der Perspektiven und der Arbeiten beginnen.
Ihr
Wilfried Schulz
Intendant Staatsschauspiel Dresden
03
Eröffnungsfest am 12. 09. 2009
Wir starten in die Saison mit einem großen Eröffnungsfest für die ganze Familie! Im Schauspielhaus
und um das ganze Haus herum, mit Programm auf, vor und hinter der Bühne, in den Probenräumen
und in den Foyers. Wir freuen uns, viele Gäste und befreundete Künstler aus Dresden und der Region
begrüßen zu dürfen. Um 14 Uhr geht’s los mit Programm für die Kleinen: Kinderschminken, Verkleiden, Schnitzeljagd durch das Haus, Lesungen und Theaterszenen für Kinder. Die Bürgerbühne und die
Theaterpädagogik stellen ihre Programme vor. Nachmittags lädt die Bühnentechnikshow große und
kleine Zuschauer ein zu Theaterzauber und Bühnenmagie. Für das leibliche Wohl sorgen unsere neuen
Theatergastronomen. Und weiter geht es für die Großen bis spät in die Nacht, mit Theater, Livemusik,
szenischen Lesungen, Quiz, Karaoke und mit der großen Saisonvorschau auf der Schauspielhausbühne:
Hier stellt das gesamte Ensemble in kurzen Szenen und moderierten Gesprächen alle Inszenierungen
der neuen Saison vor. Und danach: Tanzen bis in die Morgenstunden!
04
Inhalt
061 Die Spielzeit 2009.2010
Die Spielzeit in der Übersicht
Inszenierungen im Schauspielhaus
081 Wilhelm Meisters Lehrjahre
Martin Heckmanns interviewt die Regisseurin Friederike Heller
14 1 Romeo und Julia
Jens Groß porträtiert den Regisseur Simon Solberg
18 1 Denn alle Lust will Ewigkeit
Der erste Liederabend von Franz Wittenbrink in Dresden
201 Die heilige Johanna der Schlachthöfe
Ein gereizter Zwischenruf des Autors Dietmar Dath
241 Die Brüder Löwenherz
Astrid Lindgren und ihre jungen Leser erzählen
301 Peer Gynt
Der Autor und Regisseur Nuran David Calis denkt
über Peer Gynt nach
32 1 Die Lobbyisten
Ein Porträt des Regisseurs und Musikers
Franz Wittenbrink von Robert Koall
341 Des Teufels General
Der Literaturkritiker Martin Lüdke schreibt über
Zuckmayers praktikable Moral
38 1 Der goldne Topf
Gedanken zum Mythos einer Stadt von Harald Marx
421 Don Carlos
Kanzleramtschef Thomas de Maizière über den
politischen Dramatiker Schiller
441 Sein oder Nichtsein
Der Humorexperte Klaus C. Zehrer gibt die Nazis
zum Auslachen frei
Inszenierungen im Kleinen Haus
481 Adam und Evelyn
Ingo Schulze erzählt von der Entstehung
seines Romans
501Vùng biên gió’i – Ein Theaterprojekt mit
Experten aus Dresden und Prag
Ein Einblick in das Arbeitstagebuch von
Rimini Protokoll
561 Für alle reicht es nicht
Wie der Dramatiker Dirk Laucke einmal im Zug
die Figuren seines neuen Stückes traf
581 Der Besuch der alten Dame
Der Regisseur Armin Petras sucht die alte Dame
und findet Medea
621 Frau Müller muss weg
Wo die Gräben in unserer Gesellschaft wirklich
verlaufen, beschreibt der Dramatiker Lutz Hübner
641 Leonce und Lena
Felicitas Zürcher erzählt von einem umgestürzten
Märchen
661 Italienische Nacht
Die Inszenierung des neuen Jahrgangs im
Schauspielstudio Dresden
72 1Gott allein
Der Regisseur und Autor Jan Neumann macht sich
Gedanken darüber, wie Leben zu Text wird
74 1 Der Kirschgarten
Eine Annäherung von Tilmann Köhler
761 Man wird doch bitte Unterschicht
Ein Porträt des Autors Ewald Palmetshofer
von Andreas Klaeui
Weitere Angebote und Produktionen
Ensembleporträts
81 1 Zusätzlich im Spielplan
Stücke von Ingmar Bergman, Thomas Freyer und
Frank Wedekind
831 After the Fall. Europa nach 1989
Ein europäisches Theaterfestival zum 20. Jahrestag
des Mauerfalls
831 Schwarzmarkt für nützliches Wissen und
Nichtwissen
Eine Installation mit 100 Expertinnen und Experten
von Hannah Hurtzig
841 Die Bürgerbühne
Wir stellen die Inszenierungen und Clubs unserer
neuen Sparte „Die Bürgerbühne“ vor
881 Theater und Schule
Unsere Angebote für Schüler, Klassen und Lehrer
901 Extras und Kooperationen
Hier finden Sie Informationen über unsere neue
Gastronomie, Führungen, Matineen und Publikumsgespräche, die Dresdner Reden, „Creme frech“ und
„Musik zwischen den Welten“. Außerdem stellen wir
unsere Kooperationen mit namhaften Dresdner Kulturinstitutionen vor.
Cathleen Baumann 171
Sonja Beißwenger 161
Thomas Braungardt 136
Mila Dargies 112
Thomas Eisen 111
Rosa Enskat 178
Christian Erdmann 168
Christian Friedel 129
Albrecht Goette 141
Sascha Göpel 152
Olivia Grigolli 128
Picco von Groote 154
Stefko Hanushevsky 146
Benjamin Höppner 137
Christine Hoppe 160
Holger Hübner 117
Vera Irrgang 110
Regina Jeske 110
Lars Jung 116
Matthias Luckey 179
Philipp Lux 117
Ahmad Mesgarha 113
Wolfgang Michalek 123
Anna-Katharina Muck 126
Benjamin Pauquet 179
Ina Piontek 140
Karina Plachetka 117
Tom Quaas 147
Torsten Ranft 127
Matthias Reichwald 155
Annika Schilling 179
Lore Stefanek 153
Antje Trautmann 122
Sebastian Wendelin 170
Helga Werner 110
Studentinnen und Studenten des Schauspielstudios
Dresden 169
Informationen
92 1 Ensemble und Mitarbeiter
Alle Menschen, alle Namen
941 Anrechte
Die bewährten und viele neue Anrechts­angebote –
für jeden ist etwas dabei!
1001 Saalplan und Preise
102 1 Freunde und Förderer
103 1 Service und Telefonnummern
Fotos:
Matthias Horn
Illustrationen:
Patrick Klose
05
Schauspielhaus
Wilhelm Meisters Lehrjahre
von Johann W. von Goethe
Regie: Friederike Heller
Premiere 18. 09. 2009
Romeo und Julia
von William Shakespeare
Regie: Simon Solberg
Premiere 19. 09. 2009
Denn alle Lust will Ewigkeit
Ein Liederabend von
Franz Wittenbrink
Regie: Franz Wittenbrink
Premiere 26. 09. 2009
Die heilige Johanna
der Schlachthöfe
von Bertolt Brecht
Regie: Tilmann Köhler
Premiere 17. 10. 2009
Die Brüder Löwenherz
Kinder- und Familienstück
von Astrid Lindgren
Regie: Julia Hölscher
Premiere 08. 11. 2009
Peer Gynt
von Henrik Ibsen
in einer Bearbeitung von
Nuran David Calis
Regie: Nuran David Calis
Premiere 05. 12. 2009
Die Lobbyisten
Ein musikalischer Abend im
Hotel von Franz Wittenbrink
Regie: Franz Wittenbrink
Uraufführung 30. 12. 2009
Des Teufels General
von Carl Zuckmayer
Regie: Burkhard C. Kosminski
Premiere 01. 2010
06
Kleines Haus
Der goldne Topf
nach der Novelle
von e. t. a. Hoffmann
Regie: Sebastian Baumgarten
Premiere 02. 2010
Adam und Evelyn
von Ingo Schulze
Regie: Julia Hölscher
Uraufführung 20. 09. 2009
Kleines Haus 2
Don Carlos
Ein dramatisches Gedicht
von Friedrich Schiller
Regie: Roger Vontobel
Premiere 03. 2010
Die Nibelungen
Eine Heldensaga
nach Friedrich Hebbel
Regie: Marc Prätsch
Premiere 25. 09. 2009
Kleines Haus 1
Die Bürgerbühne
Sein oder Nichtsein
Komödie nach dem Film
„To Be or Not to Be“
von Ernst Lubitsch
Regie: Thomas Birkmeir
Premiere 04. 2010
Zur Eröffnung der Spielzeit
Zukunft für immer
Ein Theaterprolog für
drei Schauspielerinnen
von Martin Heckmanns
Uraufführung
Zum Ende der Spielzeit
Eine Koproduktion
mit den Dresdner
Musikfestspielen
Premiere 05. 2010
Vùng biên gió’i – Ein Theaterprojekt mit Experten aus
Dresden und Prag
von Rimini Protokoll
Regie: Helgard Haug und
Daniel Wetzel ( Rimini Protokoll) Uraufführung 09. 10. 2009
Kleines Haus 2
In Zusammenarbeit von
Staatsschauspiel Dresden,
Zipp und Nationaltheater Prag
Für alle reicht es nicht
von Dirk Laucke
Regie: Sandra Strunz
Uraufführung 30. 10. 2009
Kleines Haus 2
Ein Beitrag zum Festival
„After the Fall“
Magazin des Glücks
Nach einer Revue von
Ödön von Horváth
Regie: Miriam Tscholl
Premiere 21. 11. 2009
Kleines Haus 3
Die Bürgerbühne
Der Besuch der alten Dame
von Friedrich Dürrenmatt
in einer Neubearbeitung von
Armin Petras
Regie: Armin Petras
Premiere 12. 12. 2009
Kleines Haus 1
Koproduktion mit dem
Maxim Gorki Theater Berlin
Frau Müller muss weg
Komödie von Lutz Hübner
Mitarbeit: Sarah Nemitz
Regie: Barbara Bürk
Uraufführung 01. 2010
Kleines Haus 1
Leonce und Lena
von Georg Büchner
Regie: Sabine Auf der Heyde
Premiere 02. 2010
Kleines Haus 1
Italienische Nacht
Ein Volksstück in sieben Bildern
von Ödön von Horváth
Regie: Tilmann Köhler
Premiere 03. 2010
Kleines Haus 3
Eine Produktion des Schauspielstudios Dresden
Alles auf Anfang!
Sieben Dresdner lassen sich
neu erfinden
Premiere im Frühjahr 2010
Kleines Haus
Die Bürgerbühne
Gefördert im Fonds Heimspiel
der Kulturstiftung des Bundes
und in Zusammenarbeit mit
der udk Berlin
FKK . Eine
Frauenkörperkomödie
von Melanie Hinz
Regie: Melanie Hinz
Uraufführung 04. 2010
Kleines Haus 3
Die Bürgerbühne
Gott allein
von Jan Neumann
Regie: Jan Neumann
Uraufführung 04. 2010
Kleines Haus 2
Der Kirschgarten
Komödie von Anton Tschechow
Regie: Tilmann Köhler
Premiere 05. 2010
Kleines Haus 1
Man wird doch bitte
Unterschicht
von Ewald Palmetshofer
Uraufführung 06. 2010
Kleines Haus
Weitere neue Stücke von
Thomas Freyer
Peter Handke
Elfriede Jelinek
Dennis Kelly
in der Spielplandiskussion
Weiter im Spielplan
Wilhelm Tell von Friedrich Schiller
Regie: Wolfgang Engel, Schauspielhaus
Der Messias von Patrick Barlow
Regie: Walter Meierjohann, Kleines Haus 1
A Christmas Carol – Ein Weihnachtslied
von Gerold Theobalt nach Charles Dickens
Regie: Holk Freytag, Palais im Großen Garten
Pop Shop – Gespräche mit Jugendlichen in
Haft Ein Gefängnisprojekt von Jenny Flügge
und Nina Steinhilber, Kleines Haus 3
Ich will Zeugnis ablegen Aus den Tagebüchern Victor Klemperers. Eine literarische
Busfahrt durch Dresden. Künstlerische
Leitung: Stephan Reher
Zusätzlich im Spielplan
Nach der Probe von Ingmar Bergman
Regie: Luk Perceval, Übernahme der Koproduktion vom Thalia Theater Hamburg, Schauspiel Hannover und Staatsschauspiel Dresden
ab 09/10.2009 Schauspielhaus
Frühlings Erwachen! von Frank Wedekind
in einer Bearbeitung von Nuran David Calis
Regie: Nuran David Calis, Übernahme vom
Schauspiel Hannover ab 10. 2009 Kleines Haus 1
Und in den Nächten liegen wir stumm
von Thomas Freyer, Regie: Tilmann Köhler,
Übernahme vom Schauspiel Hannover
ab 10. 2009 Kleines Haus 2
Lulu nach der Monstretragödie von Frank
Wedekind und der Oper von Alban Berg
Regie: David Marton, Übernahme vom Schauspiel Hannover ab 01. 2010 Schauspielhaus
Zu Gast
Wir haben für die Spielzeit 2009.2010 einige
renommierte und befreundete Theater eingeladen, mit Gastspielen ans Staatsschauspiel
Dresden zu kommen. Den Anfang macht im
Oktober das Deutsche Theater Berlin mit
Anton Tschechows Die Möwe in der Inszenierung von Jürgen Gosch. Diese Arbeit wurde
auch zum Berliner The­atertreffen 2009 eingeladen. In den Monaten danach folgen Inszenierungen vom Maxim Gorki Theater Berlin,
dem Hamburger Thalia Theater, dem Staatsschauspiel Stuttgart und dem Deutschen
Schauspielhaus in Hamburg.
... und außerdem
After the Fall. Europa nach 1989 Europäisches
Theaterfestival in Zusammenarbeit des
Goethe-Instituts mit dem Staatsschauspiel
Dresden, dem Theaterbüro Mülheim an der
Ruhr und der Bundeszentrale für politische
Bildung, 06. – 10. 11. 2009 Kleines Haus 1 – 3
Schwarzmarkt für nützliches Wissen und
Nicht -Wissen Nr. 12 Eine Installation mit 100
Expertinnen und Experten von Hannah Hurtzig / Mobile Akademie, 10. 03. 2010 Kleines Haus
unart – Ein Jugendwettbewerb für multimediale Performances Eine Initiative zur Förderung kultureller Jugendbildung der bhf-BankStiftung, 10. 2009 – 02. 2010 Kleines Haus
07
Wilhelm Meisters Lehrjahre von Johann Wolfgang von Goethe Premiere am 18. September 2009 im Schauspielhaus
Regie: Friederike Heller 1 Bühne und Kostüm: Sabine Kohlstedt 1 Musik: Kante
Wider den gegenwärtigen Pragmatismus
Der Dramaturg Martin Heckmanns im Gespräch mit der Regisseurin Friederike Heller
Heckmanns: „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ ist eine überbordende Geschichte mit zahlreichen Abwegen und
Abschweifungen, flüchtigen Begegnungen, Liebschaften und Liebeleien und einem unübersichtlichen Personal. Es ist ein bis heute umstrittener Text und ein
historisch aufgeladenes Buch, das die Tradition des
Bildungsromans wesent­lich geprägt hat. Kein leichter
Stoff also. Was hat Sie dennoch gereizt, dieses Werk auf
die Bühne zu bringen?
Heller: Für mich stand die Figur des Wilhelm Meister im
Mittelpunkt, dieser etwas unbedarfte junge Mann, der es
gut meint und in die Welt zieht, um sich zu entwickeln.
Allein diese Bemühung, sich bilden zu wollen zu einem
harmonischen Ganzen, finde ich heutzutage schon wert,
er­innert zu werden. Dieser Wilhelm hat mich auch gereizt,
weil ich mich gut identifizieren kann mit seinem Wunsch,
auszubrechen aus Familienzusammenhängen, aufzubegehren gegen die Vorschriften der ökonomischen Vernunft. Ich habe mich erinnert an meine eigene Entscheidung fürs Theater und gegen einen bürgerlichen Beruf.
Und obwohl mir dieser Aufbruchsimpuls bekannt ist,
scheint er in Goethes Sprache und der Welt von damals
zuerst einmal weit entfernt, und ich musste bei der Lektüre ständig in meine Verhältnisse übersetzen. Mich hat
interessiert, wie diese Übersetzung für die Bühne funktioniert. In erster Linie aber gehe ich gerne mit dieser Figur auf die Reise. Das ist eine Geschichte über einen Theaterbegeisterten, und die muss aufs Theater.
Ist Wilhelms Art der Theaterbegeisterung denn eine,
die wir heute noch teilen können?
Ich sowieso. Aber ich glaube, auch Menschen, die keine
The­aterexperten sind, können einsteigen, da es beim The­
aterthema untergründig immer um Gesellschaft, ums
große Ganze, um Idealismus und Desillusionierung geht.
Außerdem ist im Laufe des Romans für jeden eine The­
aterform dabei. Wilhelm fängt Feuer beim Puppenspiel,
es ist die Rede von Seiltänzern, dann lernt er eine ziemlich
chaotische Laienspielgruppe kennen, es gibt Stegreiftheater, und schließlich werden ziemlich ausführlich die
Bear­beitungsprobleme und Proben des „Hamlet“ beschrie­
ben, mit einer Theatergruppe, die als eine der besten in
Deut­­schland charakterisiert wird. Und immer wieder
taucht die Vision eines Nationaltheaters auf. Das Angebot
reicht also vom Unterhaltungstheater bis zur höchsten
Kunst. Das will ich auch für die Inszenierung versuchen,
unterschiedliche Spielweisen und Theaterformen aufeinandertreffen zu lassen.
Obwohl Wilhelm Meister Erfolg hat auf der Bühne, wendet er sich am Ende vom Theater ab, wird Vater und heiratet. Wie kommt es zu diesem Abschied?
Das ist ein Schmerzpunkt. Wilhelm hört auf, Theater zu
machen, und wird selbst zu einer Figur im Spiel seiner
Lenker. Das Leben beginnt, wenn er das Theater verlässt.
Erst seine Erfahrungen auf dem Theater haben ihn zu
sich gebracht. Aber er bleibt auch danach ein Geführter.
Irgendwie bleibt es immer Theater. Wilhelm bewegt sich
08
weiter auf einer Bühne, und er wird weiter beobachtet
von einer Geheimgesellschaft oder einer göttlichen Vorsehung. Obwohl er sich am Ende vom Theater verabschiedet, sind die letz­ten Kapitel des Romans die am leichtes­
ten zu drama­tisieren­den. Goethe selbst hat über ein
Opern­finale nachgedacht. Der Schluss ist ihm fast boulevardesk geraten, mit den schnellen Vermählungen am
Ende, den nachgereichten Vorgeschichten und den vielen
Briefwechseln. Tür auf, Tür zu, Bote rein, Bote raus, doch
alles anders, doch noch geheiratet.
Der Roman nimmt zum Ende eine überraschende Wendung. Wilhelm erfährt, dass er unter Beobachtung stand
auf seinem Weg. Er trifft auf eine Gemeinschaft erfahrener Männer, die ihm seinen Weg erklären, Ratschläge
erteilen und einen Brief überreichen, der seine Lehrjahre abschließt. Wer sind diese Männer?
Ich konnte es erst nicht glauben, dass diese Turmgesellschaft und die Vorstellung, von einer fremden Macht ge­lei­
tet zu werden, bei Goethe positiv konnotiert sind. Es fällt
mit den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts schwerer, nicht
sofort an Propaganda und die Entmündigung des Einzelnen zu denken. Hier ist es besonders naheliegend, auf der
Bühne eine Aktualisierung zu versuchen und die Turmgesellschaft zu einer politischen Organisation der Zeitgeschichte zu machen, aber mir geht es eher darum, herauszufinden, was das innerhalb des Romans zu bedeuten hat.
Was verbindet den Roman mit unserer Gegenwart?
Das In-die-Irre-Gehen scheint mir ein modernes Element.
Wilhelm nimmt verschiedene Anläufe, scheitert und ver­
­sucht es erneut. Der Roman fängt immer neu an mit
Personal, das wie ausgewechselt erscheint, und auch am
Schluss löst sich nicht alles auf. Der Roman hat viele lose
En­den. Da will ich auch keine falsche Harmonie herstellen. Er ist auch die Geschichte einer Desillusionierung.
Und diese Desillusionierungen wiederzufinden in der
Gegenwart scheint mir ein Leichtes. Die äußern sich
heute in diesem schnoddrigen Pragmatismus, der an
nichts mehr glaubt. Gerade deshalb meine ich, dass es
notwendig ist, den Idealisten des Anfangs stark zu machen und die Aussicht, dass es lohnend sein kann, sich
auf den Weg zu machen, egal wohin.
Sie haben schon einige Erfahrung mit der Dramatisierung von Prosatexten. Wie gehen Sie bei der Bearbeitung vor?
In diesem Fall ist natürlich ein Lebensweg die Orientierung. Und man muss von Station zu Station entscheiden,
was einem wichtig erscheint für die Entwicklung. Das
Streben nach sittlichem Sein mag in unseren Ohren antiquiert klingen, aber das ist für mich das rührende und
wieder­zubelebende Element. Anstand und Sitte sind
keine leeren Begriffe, und ich bin gespannt, wie sie sich
in die Gegenwart übertragen lassen.
Weniger wahrscheinlich noch als ein Theaterstück gibt
ein Roman Vorgaben, wie eine Aufführung auf der Bühne
auszusehen hat. Speziell in diesem Roman stehen unterschiedliche Welten fast unverbunden nebeneinander,
und nur der Protagonist hält die Geschichte zusammen.
Können Sie schon sagen, was Sie in der Inszenierung
vorhaben?
Für mich ist das Puppenspiel ein zentrales Bild. Daran
entzünden sich Wilhelms Fantasie und seine Begeisterung fürs Theater. Am Ende wirkt Wilhelm selbst wie
ei­ne Marionette in den Händen einer Geheimgesellschaft.
Und auch diese wiederum bewegt sich nach den Vorgaben des Erzählers. Darum soll es gehen, um das Spielen
und das Gespieltwerden. Und das Politische des Romans
ist erstaun­l ich zugänglich. Es wird wirklich noch einmal
versucht, sich über die Grundbegriffe zu verständigen,
wozu der Mensch da ist, was Erziehung bewirken kann,
was Verantwortung und Gemeinschaft sein können. Dass
diese existenziellen Fragen aufgeworfen werden, finde
ich enorm wichtig, um sich gegen diesen gegenwärtigen
Pragmatismus zu positionieren.
Es kann
lohnend sein,
sich auf den Weg
zu machen,
egal wohin.
Zum Text Von den ersten
Bemerkungen im Tagebuch 1777
bis zur Drucklegung des letzten
Bandes beschäftigte sich
Goethe über 20 Jahre mit
„Wilhelm Meisters Lehrjahre“
und schuf damit den wohl
be­deu­tendsten deutschen
Bildungsroman.
Erzählt wird die Geschichte
Wilhelms, der gegen den
Willen der Eltern auszieht, um
seiner Leidenschaft für das
Theater zu folgen. Verliebt in
eine junge Schauspielerin und
begeistert vom Puppenspiel
widersetzt er sich der Auffor­
derung des Vaters, den Kaufmannsberuf zu erlernen, und
schließt sich stattdessen einer
Truppe freier Schauspieler an.
Mit ihnen macht er sich auf den
Weg in der Hoffnung, die Welt
zu erfahren und seine Bestimmung in ihr zu finden.
Vom Laienspieler entwickelt er
sich zum Hamlet-Darsteller
und wird schließlich sogar zum
Schauspieldirektor bestimmt,
bis ein Brand seine Theater­
hoffnungen in Flammen auf­­
gehen lässt. Aber trotz zahl­
reicher Enttäuschungen und
Verirrungen bleibt Wilhelm
Meister neugierig und offen für
das, was ihm zugedacht ist.
Regie Friederike Heller wurde
1974 in Westberlin geboren. Sie
studierte von 1996 bis 2000 bei
Jürgen Flimm Schauspielregie
an der Universität Hamburg.
Während dieser Zeit zeigte sie
erste Regiearbeiten in den
Zeisehallen, in den Hamburger
Kammerspielen und in der
Kampnagel-Fabrik Hamburg.
Seit ihrer viel beachteten szenischen Adaption von Michel
Houellebecqs Roman „Elementarteilchen“ 2000 am Staatsschauspiel Dresden Theater in
der Fabrik (tif) hat sie zahlreiche Romanstoffe für die Bühne
dramatisiert. Neben Elias
Canettis „Die Blendung“ 2005
am Grazer Schauspielhaus und
Turgenjews „Väter und Söhne“
am Schauspiel Stuttgart ent­­
standen so 2007 ihre Inszenierung von Thomas Manns
„Zauberberg“ am Schauspiel
Frankfurt und 2008 „Doktor
Faustus – my love is as a fever“,
ebenfalls nach Thomas Mann,
in Wien. Für ihre Inszenierung
von Peter Handkes „Untertagblues“ am Wiener Burgtheater
wurde sie 2005 von „Theater
heute“ zur Nachwuchsregisseurin des Jahres gewählt. Friederike Heller inszenierte außerdem
am Thalia Theater Ham­burg,
am Schauspiel Köln und an den
Münchner Kammerspielen.
09
Regina Jeske, Vera Irrgang, Helga Werner 10
Thomas Eisen 11
M ila Dargies 12
Ahmad Mesgarha 13
Romeo und Julia von William Shakespeare Premiere am 19. September 2009 im Schauspielhaus
Regie: Simon Solberg 1 Bühne: Simeon Meier 1 Kostüm: Katja Strohschneider
Ich will dir deine Lippen
küssen. Ach, vielleicht hängt
noch ein wenig Gift daran.
Gespielt, gebastelt, gefunden und gelebt
Eine erste Begegnung mit dem Regisseur Simon Solberg
von Jens Groß
Vor ungefähr sechs Jahren, beim Besuch einer Vorstellung
in Düsseldorf, fiel mir ein junger, athletischer, leidenschaftlicher und dennoch höchst disziplinierter Schauspieler auf, den ich nach der Vorstellung sofort kennen­­ler­
nen wollte. Der junge Mann hieß Simon Solberg, saß in
Hip-­­Hop-Kleidung vor mir, trank keinen Alkohol und war
Schauspielschüler an der Folkwang Hochschule in Essen.
Ich fragte ihn, ob er Interesse hätte, nach der Schule ans
Schauspiel Frankfurt ins Ensemble zu kommen. Mein
Angebot schmeichle ihm, aber da sei ich bei ihm leider an
der falschen Adresse. Er habe nicht vor, als Schauspieler
zu arbeiten. Er würde sich freuen, wenn ich ihn engagieren würde, aber als Regisseur. „Nur auf der Bühne stehen,
das reicht mir nicht, mich interessiert das große Ganze,
die Aussage eines Stückes, eines Abends. Ich glaube an so
Din­ge wie die große Liebe und die Veränderbarkeit der
Welt; und ich will den größtmöglichen Einfluss auf die
Suche danach haben. Ich habe Schauspiel studiert, damit
ich nicht als Polier auf den Bau komme, ohne erfahren zu
14
haben, wie es ist, Maurer zu sein. Dank der Schauspiel­
ausbildung weiß ich, dass es die Hölle sein kann, drei Meter
auf der Bühne zurückzulegen, wenn man nicht bei jedem
Schritt genau weiß, was man da oben macht und vor allem
warum. Zu wissen, wie sich diese Suche, diese Nackt­heit
auf der Bühne anfühlt, ist, meiner Meinung nach, elemen­
tar, wenn man erreichen will, dass die Schauspieler mit
einem gemeinsam eine imaginäre Grenze überschreiten,
inhaltlich und ästhetisch.“
Anderthalb Jahre später bekam Simon Solberg das Angebot, als Regieassistent am Schauspiel Frankfurt anzu­
fangen. Schnell war seine Affinität zu dem damaligen
Haus­regisseur Armin Petras ersichtlich, dieser entdeck­te
und förderte seinerseits Solbergs außergewöhnliches Talent für die Choreografie von Fecht- und anderen Kampfszenen. Doch am meisten überraschte, wie übergangslos
der junge, wild und chaotisch aussehende Assistent den
Theater­apparat und seine Mitarbeiter für sich gewinnen
konnte. Vor allem die jungen Schauspieler des Ensembles drängten darauf, mit ihm arbeiten zu können. So kam
es, dass Simon Solberg sehr schnell eine erste Talent­
probe am Schau­spiel Frankfurt ablegen durfte. Seine er­ste Inszenierung „Odyssee reloaded“ wurde ein Geheim­
tipp für Frankfurter Nachtschwärmer, darauf folgten
größere Inszenierungen wie Kleists „Familie Schroffenstein“ und Cervantes’ „Don Quijote“, beides Arbeiten, die
auf Anhieb Einladungen aus dem In- und Ausland erhielten und auf Talent­festivals wie „Radikal jung“ in München die Kritik ebenso wie ein überwiegend junges Publikum überzeugten.
und Zielscheibe eines Videospiels. Und das Erstaunliche:
Die­se wilde, unbändige Mischung aus spielerischem
Spaß, zeitgenössischer Coolness, Gesellschaftskritik und
berührenden Momenten funktioniert; es ist unbändiges,
le­ben­d iges Theater, das bei jedem Publikumsgespräch zu
leiden­­schaftlichen Auseinandersetzungen führt. Simon
Sol­berg liebt Publikumsgespräche: „Da kann man dann
end­lich auch mal sagen: Bis zu dieser Stelle sind wir gekommen, da wussten wir auch nicht weiter. Da kann man
feststellen, was die Zuschauer bewegt und was nicht, wo sie
bereit sind, mitzugehen, und wo nicht.“ Besonders schätzt
er zudem die Techniker als Stimmungsbarometer. „Wenn
sie gerade Pause haben und nicht rauchen gehen, sondern
gebannt oder amüsiert sitzen bleiben, dann weiß ich, dass
wir auf einem guten Weg sind.“
Inzwischen inszeniert Solberg regelmäßig in Frankfurt,
Mannheim, München und Berlin. Jürgen Berger, Theaterkritiker der Süddeutschen Zeitung, schrieb vor Kurzem:
„Spätestens seit ‚Don Quijote‘ können die Frankfurter be- Bei allem Polit-Pop, bei aller Hip-Hop-Bastelei und medientechnischer Raffinesse sind Solbergs Inszenierunmerken, dass da ein 28-jähriger Regisseur auf dem besten
Wege in Richtung erste Regieliga ist. Der Mann lässt dem gen vor allem aber Schauspielertheater. Die Schauspieler
und die Arbeit mit ihnen stehen absolut im Zentrum: Sie
Zuschauer keine Chance und nötigt ihm intellektuell
anspruchs­volle Unterhaltung auf, indem er auf das Prin- werden gefragt, werden motiviert, gemeinsam Grenzen
zu überschreiten, aber auch gemeinsam gegen vorgeferzip Fantasie setzt, dabei aber nicht willenlos im weiten
Land der Assoziationen schweift, sondern seine Inszenie- tigte Hierarchien und Strukturen anzutreten. Solberg inrung immer nah am Stück oder der Romanvorlage ent­ szeniert mit einer Mischung aus Vorgaben und einem howickelt. Bemerkenswert ist, dass Solberg die Abenteuer hen Anteil an Improvisation. Welche Methode die Oberdes Quijote zum Beispiel auf der Grenze von fiktionaler hand gewinnt, liegt oft an den jeweiligen Verfasstheiten.
Medien- und tatsächlicher Bühnenwelt inszeniert. Simon „Wenn ein Schauspieler morgens zum Beispiel noch nicht
so ganz wach ist, ist er dankbar für ein Gerüst oder einen
Solberg umspielt raffiniert die Schnittstelle von Film
und Bühne, indem er den Don Quijote zusammen mit sei- Einfall des Regisseurs. Andererseits profitiere ich als Renem Sancho Pansa von der Bühne verschwinden und in gisseur sehr von szenischen Angeboten, weil mich jeder
einzelne Leinwandabenteuer abtauchen lässt, bevor sie Vorschlag wieder zu weiteren Ideen führt. Das ist auch
wieder ein Grund, warum ich Theater mache: weil alles
vom Abenteuer wieder ausgespuckt werden und durch
über das Spiel geht, über das Ausprobieren, Basteln, Erdie Leinwand auf die Bühne hechten.“
finden. Und am Ende stehen dort dann plötzlich eine
Bei Solberg wird nicht einfach nur erzählt, sondern ra- echte Haltung und echtes Gefühl.“
sant gespielt, gebastelt, gefunden und gelebt. Aus Kleists
sprachmächtigem Drama „Die Familie Schroffenstein“ Jens Groß ist ab der Spielzeit 2009. 2010 Dramaturg am Staatswird in Frankfurt kraftvoll-körperliches Sinnentheater. schauspiel Dresden.
Akro­baten, Capoeira-Tänzer und Hip-Hop-Musiker aus
der Stadt spielen gemeinsam mit Ensemblemitgliedern
den Konflikt der Häuser Warwand und Rossitz als Bandenkrieg, in dem es nicht mehr um die Verteidigung von
familiären Besitztümern, sondern bereits um die Vorherrschaft globalisierter Wirtschaftsinteressen und den
Widerstand dagegen geht. In „Don Quijote“ stemmt sich
der Pro­tagonist statt gegen Windmühlen gegen die Zahnräder des Kapitalismus, in diesem Fall das Hochhaus der
Commerzbank in Frankfurt. Einen anderen Teil seiner
Aben­teuer erlebt er im virtuellen Raum als Mitspieler
Zum Stück William Shakespeares „Romeo und Julia“ ist
die berühmteste und belieb­
teste Liebestragödie der Welt­
literatur, auch heute noch,
mehr als 400 Jahre nach ihrer
Entstehung. Sie handelt von der
bedingungslosen Liebe zweier
junger Menschen im italienischen Verona, einer Liebe, die
von Anfang an zum Scheitern
verurteilt ist, denn Romeo und
Julia sind Sprösslinge zweier
aufs Blut verfeindeter Familien.
In einer spannungsgeladenen
und uneinsichtig kriegerischen
Atmosphäre setzen sie ihre
Liebe den familiären und
gesellschaftlichen Zwängen
entgegen – und ziehen am Ende
den Selbstmord jedem Kompromiss vor. Der Tod verleiht ihrer
idealistischen Liebe etwas
Absolutes und bewirkt ein
Umdenken in der Gesellschaft:
Die beiden Familien versöhnen
sich am Ende unter dem Ein­­
druck der tragischen Er­­eig­
nisse. Das Stück wurde schon
zu Shakespeares Zeit häufig
ge­spielt, es erfuhr viele Bearbeitungen und wurde zur
Grund­­lage zahlreicher Novellen, Musikkompositionen und
Verfilmungen.
Regie Simon Solberg, geboren
1979 in Bonn, absolvierte
zunächst eine Schauspielausbildung an der Folkwang Hochschule in Essen. Anschließend
führten ihn Engagements an
das Düsseldorfer Schauspielhaus, an das Schauspiel Frankfurt und zur RuhrTriennale.
Sein Regiedebüt gab er 2006 mit
„Odyssee reloaded“ am Schauspiel Frankfurt, wo er von da an
regelmäßig Regie führte. 2007
entstand dort seine Inszenierung von „Don Quijote“ nach
Cervantes, die beim Festival
„Radikal jung“ in München den
Kritikerpreis gewann. Von 2006
bis 2008 war er am National­
theater Mannheim als Haus­
regisseur engagiert und
in­szenierte dort unter an­derem
„Frühlings Erwachen“ in eigener
Fassung sowie im Rahmen der
Schillertage 2007 „Pimp the
city“, ein Projekt, das sich mit
der Situation arbeitsloser
Menschen in Mannheim
beschäftigte. Am Münchner
Volkstheater war 2008 seine
Inszenierung von Goethes
„Faust“ zu sehen. Neben seiner
Arbeit am Theater realisierte er
seit seinem Studium mehrere
Kurzfilm- und Serienprojekte.
15
Lars Jung 16
Karina Plachetka, Holger Hübner, Philipp Lux 17
Denn alle Lust will Ewigkeit Ein Liederabend von Franz Wittenbrink Premiere am 26. September 2009 im Schauspielhaus
Regie und musikalische Leitung: Franz Wittenbrink 1 Bühne: Jörg Kiefel 1 Kostüm: Irène Favre de Lucascaz
Die singenden Schwestern des sinnenfrohen Jenseits
Drei Frauen, in der Blüte ihrer Jugend, verfolgen eine merk­ Pressestimmen „Die drei Damen befinden sich in einem
­­­würdige Neigung: Mit Liedern von Pergolesi bis Me­re­dith Zwischenreich zwischen Leben und Tod. Zerzauste VerMonk, von Bach und Schubert bis zu Kate Bush und Nina
führerinnen zum Tode sind sie, mit Medusenhaupthaar,
Hagen feiern sie den Tod als seltsam sinnen­frohes Fest, träu- Selbstmörderinnenmal um den Hals, Blutstropfen im Gemen und spielen ihn herbei: Denn alle Lust will Ewigkeit. sicht. Sie sind wild und sexy. Sehr, sehr sexy. Denn wenn
So jung sie auch sind, wirken die drei befremdlichen Da- die Lust Ewigkeit will, sehnt sie sich nach dem Tod, da er
men wie Wiedergängerinnen, die offenbar schon alles
dauert. Man muss halt die Lust mit hinüber nehmen.
mitgemacht haben. Das Kompositionsprinzip des Abends
Der Liederabend ist ein früher Wittenbrink. Er ist geberuht auf Parodie und Travestie, auf dem zündenden
schlossen, atmosphärisch dicht, musikalisch (auch dank
Zusammenprall von abgründigem Sentiment und leicht- Friedrich Paravicini am Cello) weit gespannt. Als Gegenfertigem Witz, von verrutschten Opernklischees und hoher entwurf zum todessehnsüchtigen Zauber gibt es Elvis und
musikalischer Perfektion. Bei seiner Uraufführung im
Paolo Conte. Insgesamt ist der Abend die umwer­fende VerRahmen der Salzburger Festspiele 1999 spielte der Abend
führung zur Unterhaltung.“ Süddeutsche Zeitung
unter freiem Himmel in einem Innenhof, das Publikum
saß am langen Abendmahlstisch bei Brot und Wein. Nun „Was ist Gesang neben Schönklang? Nicht zuletzt Auskommt das Gastmahl nach Stationen in Hannover, Ham- druck. Niemand glaubt daran so – und so mit Recht – wie
burg und München ins Schauspielhaus. Als erster Abend
Franz Wittenbrink. Er erfindet und leitet seit Jahren schon
von Franz Wittenbrink in Dresden und als eine Art musi- Liederabende der sehr besonderen Art. Sie kommen auf
kalischer Talisman, der unsere Arbeit nun schon seit ei- den Flügeln des Sprechgesangs daher, also mit singenden
nem Jahrzehnt begleitet.
Schauspielern aus. Das hat schlimme Folgen. Danach will
man leider einige Zeit die üblichen Söhne und Töchter des
Belcanto weder hören noch sehen.“ F.A.Z.
„Die Lust am Leben ist schier grenzenlos, doch die Ewigkeit
dauert nur knappe zwei (Theater-)Stunden. Das Premierenpublikum flippte dabei schier aus. Und das mit Recht.
‚Standing ovations‘ für alle Beteiligten auf der Bühne, vor
allem für Franz Wittenbrink als fulminanter Regisseur
und mitreißender Mann am Klavier.“ tz München
Regie Franz Wittenbrink, geboren 1948 in Bentheim / Niedersachsen, erhielt eine Ausbildung
in Gesang, Klavier, Violoncello,
Orgel, Trompete, Tonsatz und
Kontrapunkt.
Als Komponist, Dirigent und
Musikalischer Leiter war er am
Nationaltheater Mannheim
18
beschäftigt. Von 1993 bis 2000
war Wittenbrink Musikalischer
Leiter am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg.
Er entwickelte eigene szenische
Liederabende an den genannten
Bühnen, am Theater Basel, am
Berliner Ensemble, am Staatstheater Stuttgart, am Burg­
theater Wien, den Münchner
Kammerspielen und bei den
Salzburger Festspielen. Am
Schauspiel Hannover brachte
er von 2000 bis 2009 mit
großem Erfolg die Liederabende
„Miles & more“, „Am offenen
Herzen“, „Brüder zur Sonne zur
Freiheit“, „Männer 06“, den
Heinrich-Heine-Liederabend
„Im Hirn spukt mir ein Märchen
wunderfein“, das Platzkonzert
„Hallo Deutschland“ sowie
seinen Abschiedsabend „Und
tschüss!“ auf die Bühne.
Ein ausführliches Porträt des
Regisseurs finden Sie auf Seite 32.
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19
Die heilige Johanna der Schlachthöfe von Bertolt Brecht Premiere am 17. Oktober 2009 im Schauspielhaus
Regie: Tilmann Köhler 1 Bühne: Karoly Risz 1 Kostüm: Susanne Uhl
Eine Streikbrecherin fährt zur Hölle
Ein gereizter Zwischenruf
von Dietmar Dath
Im sehr langen, ja geradezu zermürbend ausführlichen
(und eben deshalb, in Anbetracht des Themas, außer­or­
dent­l ich wohlgeratenen) Roman „Die Ästhetik des Wider­
­­stands“ von Peter Weiss gibt es im Leben eines der Hel­
den dieses Buches einen Wendepunkt, an dem er das Ver­
trau­en in die Möglichkeit eines Sieges des Kommunismus in Europa aufgrund einiger taktischer Maßnahmen
Stalins verliert.
Was tut der Held also? Er geht zu Brecht und fängt an, am
Theater zu arbeiten.
Was immer Weiss mit dieser Idee genau sagen wollte,
Brecht selbst hätte sie rasch gedeutet, nämlich so: Man
geht zu Brecht, wenn man der kommunistischen Politik
nicht mehr vertraut. Also ist es ein schlechtes Zeichen,
wenn man zu Brecht geht.
Bewegte Zeiten: Vor ein paar Jahren noch musste die
Marx-Engels-Stiftung in Wuppertal ihr Projekt „Klassenanalyse@brd“ (ach, wie wir uns für diesen progressistischen Computerjux-Slang bald alle schämen werden!)
noch anpreisen wie schlecht gewordene Fischstäbchen.
Jetzt dagegen erzählt einem jeder kleine Sparer, jede Arzt­
helferin, auch jeder Schauspieler von Grimm und Groll
auf das System, als wären sie alle auf der Suche nach einem Klassenbewusstsein, das es erlaubt, in Formation
vor die Börse zu marschieren, um dort mindestens die
Scheiben einzuschmeißen.
Johanna Dark, die Altruistin, Streikbrecherin, Idealistin
und heilige Idiotin im einzigen echten Gewerkschaftsstück, das Brecht geschrieben hat, verhält sich an­dauernd
so, als würde sie gleich zu Brecht gehen. Er will sie aber
nicht haben und jagt sie durch lauter Situationen, die ihr
beibringen sollen, keine Altruistin, Streikbrecherin, Idealistin und heilige Idiotin mehr zu sein. Dass sie das
trotzdem nicht lernen wird, weiß er vorher. Brecht ist aber
auch klar, dass es Leute gibt, die ihr bei ihren Krämp­fen,
Irrtümern, Fehlschlägen, sprich: beim Ausleben ihres
gewaltigen, tragischen Dachschadens zusehen, und er
wünscht sich, dass diese Leute dabei etwas mitkriegen.
Allerdings kommen keine Klassen vor in diesem Anti­
kapitalismus der Finanzkrisenzeit – außer vielleicht in
lan­gen Artikeln für Fachzeitschriften Marke „Historical
Materialism“ oder „Das Argument“, und dort sucht man
sie mit hochsensiblen Messinstrumenten, was natürlich
sug­­geriert: Wenn man erst den gesamten Begriffsapparat
von Marx, Gramsci, Althusser und tutti quanti auffahren
und das Geschehen durch diesen hindurchfiltern muss,
um die Klassen wahrzunehmen, dann werden da in Wirk­
lich­keit schon keine Klassen sein. Die vielen Marx-­Bild­
chen auf Umschlägen von Theaterzeitschriften oder Nach­
­richtenblättchen bedeuten in diesem Zusammenhang
bloß Katzenjammer, das heißt, man benutzt den lieben
alten Onkel als eine Art multifunktionale Propheten­
fresse, die uns versprochen hat, die ganze Schacherei
werde noch mal böse enden. Das sei nun eingetreten, und
der Rest ist schlechte Laune. Man könnte also auch gleich
zu Brecht gehen.
Ich weiß nicht, ob mir dieser Wunsch einleuchtet.
Kann man?
Ich denke: Leute, die das, was er da zur Anschauung
bringt, heutzutage im Theater lernen müssen, sind ohnehin verloren. Wie kann das sein, dass ihnen die Dinge, die
Brecht sie lehren will, nicht aufgefallen sind, während sie
jahrzehntelang live und in Farbe beobachten durften, wie
rettungslos sich bestehende Verbände von der Metallgewerkschaft bis zum Verband Deutscher Ingenieure fortlaufend an der Aufgabe blamieren, die Neuorganisation
der kapitalistischen Produktion seit der Computerisierung als Gelegenheit zu nutzen, den Kapitalisten Scherereien zu machen? Das Kapital diktiert, was geschieht; die
einzigen Schwierigkeiten, die es hat, sind solche, die es
sich selbst bereitet, nämlich Verwertungsstockungen, die
von der idiotischen Grundstruktur des kapitalistischen
Produzierens rühren. Alle derartigen Schwierigkeiten, so
scheint es, kommen ihm gerade recht. Es versteht sich darauf, entsprechende Forderungen aus der Misere abzuleiten: „Wir sind verrückt und haben eine Finanzkrise verursacht, deshalb muss jetzt die Allgemeinheit für den
Schaden aufkommen und der Staat für unseren Irrsinn
eine Weile als ideeller Gesamtkapitalist den Vormund
spielen, bis wir uns so weit erholt haben, dass das Ausbeuten wieder klappt.“
Brecht weist so was ab, er lädt nicht dazu ein, sich bei ihm
heulend unter der Kunst zu verkriechen (das ist seine
größte Stärke, und die ganz offen ausgespielte. Die kleinere, zweite, geheime ist, dass es sich bei dem, worunter
man sich da nicht verkriechen kann, tatsächlich um Kunst
handelt, oft ganz gegen Brechts bewussten Vorsatz. Er
konnte selbst dann, wenn er wirklich nicht wollte und
beispielsweise nur Propaganda im Sinn hatte).
20
Dass man das Proletariat, welchem er im „Johanna“Stück empfiehlt, kommunistisch zu denken und zu handeln, als digitaler Tagelöhner, der sich das Stück heute im
Theater ansieht, persönlich nicht zu kennen glaubt und
für ein Märchen aus uralten Zeiten hält, hat zwei Gründe:
Erstens begreifen die meisten Leute, da man ihnen so
lange ein­geredet hat, „links“ sei eine Angelegenheit von
Gesinnungen und schönen, wahren, guten menschlichen
Empfindungen wie Antirassismus, Umweltbewusstsein
oder Mitleid statt eine politökonomische Parteilichkeit,
meistens nicht mehr, dass die Klassen bei Marx keine mo­
ralischen Bewertungsschemata (etwa: „unten gut, oben
schlecht“) waren, sondern ökonomische Kategorien. Proletariat, das ist nicht die Menge der Edelmenschen mit
ölver­schmiertem Gesicht und Schraubenzieher in der
Hand, sondern das sind alle, die vom Verkauf ihrer (mehr
oder weniger ausgebildeten, mehr oder weniger „flexi­blen“) Arbeitskraft leben müssen, weil sie keine Ren­­t iers
sind, keine Großaktionäre, weil sie kein Land, keine Fa­
briken haben. Mal nachgeguckt in letzter Zeit, ob du
dazugehörst?
Zweitens hat sich die Lage verschoben: Das Kapital
braucht so ein Proletariat, um überhaupt produzieren zu
können, denn es lebt von der Ausbeutung der Arbeitskraft
im Sinne der Aneignung des Mehrprodukts in Form des
Mehrwerts. Dazu aber ist es heute viel schlechter imstande als ehedem. Es produziert weniger Proletarier in
weniger Ausbeutungszusammenhängen als früher; es
hat die Kraft dazu verloren. Man sieht so wenig von diesen
Leuten, weil das System sie nicht mehr hinkriegt. Es kann
nicht mal mehr ausbeuten (man sollte es wirklich demnächst loswerden, bevor es sich komplett blamiert).
Das Brecht-Stück, von dem ich rede, fängt genau mit dieser
einfachen Einsicht an; 70.000 Arbeiter sagen: Hier funk­
tioniert nichts mehr. Dann kommt die Altruistin, Streik-
brecherin, Idealistin, heilige Idiotin, redet sagenhaft viel
Unsinn (von Brecht verfassten, also hervorragend geschrie­
benen Unsinn – dieser Dramatiker wusste, dass man auch
die Position, die man ablehnt, nicht einfach doof aussehen
lassen darf, wenn die Auseinandersetzung mit ihr tatsächlich den Namen „dramatisch“ verdienen soll), treibt
Un­fug, verpatzt die Chance, die Kapitalisten an dem
Punkt anzugreifen, an dem sie sich selbst Schwierigkeiten machen, und fährt am Schluss zur Hölle, das heißt,
man hebt sie in den schrecklichen Himmel der angedrehten Popularität.
Die Moral der ganzen Veranstaltung ist so einfach, dass
Kommunisten nicht widerstehen können sollten, sie auszusprechen: Schaut euch bloß diese Johanna an! Grauenhaft, oder? Bitte nicht nachmachen!
Dietmar Dath ist Schriftsteller und Publizist. Zuletzt erschienen
der Essay „Maschinenwinter. Wissen Technik Sozialismus“ und
der Roman „Die Abschaffung der Arten“ (beide Suhrkamp 2008).
2009 erscheint der Roman „Sämmtliche Gedichte“. Seinen „gereizten Zwischenruf“ schrieb er für diese Saisonvorschau.
Die ganze
Schacherei wird
noch mal böse
enden.
Zum Stück Zwischen hun­­gern­
den Arbeitslosen und rivalisierenden Fleischfabrikanten
sucht die Heilsarmeesoldatin
Johanna Dark nach dem Guten
im Menschen. Die Fabriken
werden geschlossen, Johanna
verteilt gemeinsam mit an­deren
Angehörigen der „Schwarzen
Strohhüte“ Gottes Wort und
Suppe an die Notleidenden.
Dabei trifft sie Chicagos Fleischkönig Pierpont Mauler. Fasziniert von Johannas Idealismus
verspricht er, seine Fabrik
wieder zu öffnen. Während
Mauler Vieh kauft, den Markt
austrocknet und die Preise in die
Höhe treibt, versteht Johanna:
„Dieses ganze System / Ist eine
Schaukel mit zwei Enden, die
voneinander / Abhängen, und
die oben / Sitzen oben nur, weil
jene unten sitzen.“ Als moderne
Jeanne d’Arc will sie den Kampf
der Arbeiter unterstützen und
gerät dabei in die Mühlen eines
undurchschaubaren Systems.
Entstanden während der Weltwirtschaftskrise von 1929,
wurde „Die heilige Johanna der
Schlachthöfe“ zuerst von den
Nationalsozialisten verboten,
später von der sed-Führung in
der ddr als zu revolutionär und
nicht dem Sozialistischen
Realismus entsprechend abgelehnt. Das Stück erlebte erst
1959, drei Jahre nach Brechts
Tod, in Hamburg seine Uraufführung.
Regie Tilmann Köhler,
geboren 1979 in Weimar und
aufgewachsen in Gera, stu­d ierte
Schauspielregie an der Hochschule für Schauspielkunst
„Ernst Busch“ in Berlin. Seine
Insze­n ierung „Choephoren“
von Aischylos wurde mit dem
Ensemblepreis beim Treffen
deutschsprachiger Schauspielschulen und mit dem Bens­
heimer Theaterpreis ausgezeichnet. 2005 wurde Köhler
als Hausregisseur ans
Deutsche Nationaltheater
Weimar en­gagiert. Hier inszenierte er unter anderem Jewgeni
Schwarz’ Märchenkomödie
„Der Drache“ und Ferdinand
Bruckners „Krankheit der
Jugend“ sowie das Projekt „Die
Höllenfahrt des Doktor Faustus
– Eine Studie“ und „Faust. Der
Tragödie erster Teil“. Tilmann
Köhler verbindet eine langjährige Zusammenarbeit mit dem
Autor Thomas Freyer. Er inszenierte dessen Uraufführungen
von „Amoklauf mein Kinderspiel“ und „Separatisten“. Auch
am Schauspiel Hannover war
2008 mit „Und in den Nächten
liegen wir stumm“ eine von
Köhler inszenierte Uraufführung Freyers zu sehen. Neben
„Hamlet“, einer weiteren Arbeit
am Maxim Gorki Theater,
entstanden Inszenierungen in
Campinas / Brasilien und in
den Sophiensaelen Berlin.
Mit „Krankheit der Jugend“
wurde Köhler 2007 zum Berli-
ner The­atertreffen eingeladen.
Im selben Jahr war seine Inszenierung von „Amoklauf mein
Kinderspiel“ beim 9. Deutschen
Kinder- und Jugendtheater­
treffen in Berlin vertreten.
Ab der Spielzeit 2009. 2010 wird
Tilmann Köhler als Hausregisseur am Staatsschauspiel Dresden regelmäßig inszenieren.
21
Antje Trautmann 22
Wolfgang Michalek 23
Die Brüder Löwenherz Kinder- und Familienstück von Astrid Lindgren. Für alle ab 8 Jahren Premiere am 8. November 2009 im Schauspielhaus
Regie: Julia Hölscher 1 Bühne: Uta Materne 1 Kostüm: Ulli Smid 1 Musik: Tobias Vethake
Wie die Idee zu den Brüdern Löwenherz entstand
von Astrid Lindgren
Die Brüder Löwenherz sind auf verschiedene Weise entstanden. Erstens bin ich immer viel auf Friedhöfen herumgewandert. Und auf dem Friedhof von Vimmerby las
ich einmal die Inschrift auf einem Grabstein: „Hier ruhen die Brüder Fahlén, gestorben in zartem Alter 1860.“
Da wusste ich plötzlich, dass mein nächstes Buch vom
Tod und von diesen beiden kleinen Brüdern handeln
sollte. Und dann fing ich an, darüber nachzudenken, was
nun mit diesen Brüdern war, die dort lagen, was sie in ihrem Leben erlebt hatten. Aber das war erst der Anfang …
Dann erinnere ich mich daran, wie wir einen Michel für
die Verfilmung aussuchen wollten. Da war es so, dass die
ganze Presse den Vorgang verfolgte, als ob es darum
ginge, einen neuen Papst oder so was zu wählen. Es gab
einen Presseempfang, und der kleine Janne wurde auf einen Tisch gestellt. Fotografen krochen herum, Journalisten fragten, und er stand ruhig da und antwortete. Als
endlich alles fertig war, sprang er herunter und setzte
sich auf den Schoß seines sieben Jahre älteren Bruders,
der etwa 15 war. Und der große Bruder beugte sich vor und
küsste ihn auf die Wange. Da dachte ich: „Das sind aber
zwei liebevolle Brüder!“
Dann dachte ich weiter über meine Brüder nach. Ich
wuss­te noch nicht, wozu ich sie haben wollte und was sie
tun sollten, aber dann war ich in Värmland, ich glaube,
es war Neujahr 1971. Ich fuhr mit der kleinen Bahn am See
Fryken entlang, es war ein früher Wintermorgen, und
der Himmel hatte die wunderbarsten Farben, es war ein
so wunderbarer Morgen, so schön, dass er schon nicht
mehr von dieser Welt war. Und ich dachte, dass sie wohl
nicht auf der Erde seien … Deshalb machten sie sofort einen Satz nach Nangijala hinauf!
Für dieses Heft haben wir Jungen und Mädchen gebeten, die Geschichte der Brüder Löwenherz zu lesen und
uns ihre Eindrücke und Erlebnisse aufzuschreiben.
„Das Buch ist eines der schönsten, die ich je gelesen habe!
Ich bin richtig darin versunken. Manchmal habe ich mir
ge­w ünscht, einen Bruder wie Jonathan zu haben.“
Kim-Jennifer, 10
„Die spannendste Stelle ist die, als das Haus brennt und die
zwei Brüder aus dem Fenster springen müssen. Und der
Drache ist cool!“ Deniz, 12
„Ich fand das Buch toll, man hat gesehen, dass die Brüder
zu­sammenhalten. Sie sind ja, glaube ich, in so eine Art
zweite Welt gekommen. Sie wollten für immer zusam­
menleben. Das war wirklich klasse!“ Max, 10
„Krümel und Jonathan sind sehr mutig. Sie halten immer
zusammen. Es gefällt auch Größeren, und es ist sehr spannend. Das Ende fand ich gut, weil man sich die Geschichte
auch weiterdenken kann.“ Miguel, 12
„Die beste Stelle ist, als Jonathan und Karl sich bei dem
Großvater wiederfinden.“ Tien Hun Ngo, 11
„Ich glaube, niemand hätte gedacht, dass Jossi der Verräter
ist. Ich dachte, dass Hubert der Verräter ist. Sophia ist immer sehr nett, und man merkt sofort, dass sie zu den Guten
gehört.“ Lukas, 11
„Ich hätte auch gern einen Bruder, mit dem ich mir solche
Geschichten ausdenken kann.“ Josephine, 10
„Ich fand die Geschichte gut, weil das Brüder sind, die für
immer zusammenhalten. Am spannendsten war die Stelle,
als sich Krümel durch den Tunnel gegraben hat.“
Junus-Emre, 10
„Ich finde gut, dass es ein Kirschblütental und ein Hecken­
rosental gibt, also Gut und Böse.“ Katharina, 12
„Ich finde, die Geschichte ist sehr schön. Ich mag die Stellen
sehr gerne, als Krümel die Taube auf dem Fensterbrett
sieht oder als Krümel und Jonathan sich das erste Mal in
Nangijala sehen.“ Sandra, 11
„Ich würde gerne auch so einen Bruder wie Jonathan haben.
Krümel kann sehr froh sein, dass er einen so mutigen Bruder hat!“ Armando, 11
„‚Die Brüder Löwenherz‘ ist eine sehr spannende Ge­
schich­te. Der Drache und der Krieg sind für ein Kinderbuch ganz schön spannend. Aber Jonathan und Krümel
sind sehr, sehr mutig. Mein Topfavorit ist immer noch
‚Das Gute besiegt das Böse‘!“ Oguz, 11
24
Das Ende fand
ich gut, weil
man sich die
Geschichte auch
weiterdenken
kann.
Zum Stück Die Brüder Karl und
Jonathan Löwenherz wohnen
im Kirschblütental. Sie haben
ein gemütliches kleines Haus
und eigene Pferde, können
reiten, schwimmen und den
ganzen Tag tun, was ihnen
gefällt. Vergessen ist die Zeit,
als der neunjährige Karl Löwe,
genannt Krümel, krank war
und eine Weile ohne seinen
großen Bruder Jonathan
auskommen musste. Doch hier,
in Nangijala, sind sie wieder
vereint und bleiben es auch –
jeder im Kirschblütental kennt
sie als die unerschrockenen
Brüder Löwenherz. „Wenn einer
stirbt, dann kommt er nach
Nangijala. Dort ist es wunderschön, und man kann dort
fabelhafte Abenteuer erleben,
denn es herrscht noch die Zeit
der Lagerfeuer und Sagen“, das
wusste Krümel schon lange.
Und tatsächlich ist es genau so
gekommen. Krümel hat in
Nangijala plötzlich vor nichts
mehr Angst und ist stolz auf
Jonathan, der als mutiger Held
von allen geliebt wird. Doch
schon bald erfährt Krümel,
dass die Idylle in Gefahr ist.
Denn im benachbarten Heckenrosental regiert der Tyrann
Tengil, der seine Untertanen
schlecht behandelt und jetzt
auch das Kirschblütental
bedroht. Gemeinsam kämpfen
die Brüder Löwenherz gegen
Tengils Heer für die Freiheit
Nangijalas. Dabei treffen sie
auch auf den Drachen Katla, der
Tengil dank eines magischen
Horns wie ein Schoßhund folgt.
Astrid Lindgrens Kinderbuchklassiker erzählt eine wundervolle Geschichte von Freundschaft, Treue, Mut, Selbst­
losigkeit und der Liebe zweier
Brüder, die alle Gefahren und
sogar den Tod überwindet.
Regie Julia Hölscher wurde
1979 in Stuttgart geboren und
begann zunächst ein Gesangsstudium, bevor sie 2003 für ein
Regiestudium an die Theaterakademie Hamburg wechselte.
Im Rahmen des Regienachwuchsfestivals „Körber Studio
Junge Regie“ wurde ihre Inszenierung von „Das Mädchen aus
der Streichholzfabrik“ nach Aki
Kaurismäki als beste Arbeit mit
dem Regiepreis 2007 ausgezeichnet. Im selben Jahr inszenierte sie die Uraufführung von
Tankred Dorsts „Ich bin nur
vorübergehend hier“ am Schauspiel Hannover sowie Horváths
„Jugend ohne Gott“ am Schauspiel Frankfurt. 2008 brachte
sie Horváths „Kasimir und
Karoline“ am Schauspiel
Magdeburg und O’Neills „Eines
langen Tages Reise in die Nacht“
am Düsseldorfer Schauspielhaus auf die Bühne. 2009
ins­zenierte sie am Schauspiel
Hannover Pierre Corneilles
„Triumph der Illusionen“.
Am Staatsschauspiel Dresden
wird Julia Hölscher ab der
Spiel­zeit 2009. 2010 als Hausregisseurin regelmäßig inszenieren. Im September 2009 eröffnet sie die Spielzeit im Kleinen
Haus mit Ingo Schulzes „Adam
und Evelyn“.
Termine Ab 05.2009 sind
bereits Karten für einige
Vorstellungen im Vorverkauf
erhältlich!
08. 11. 19.00 Uhr
11. 11. 19.00 Uhr
12. 11. 10. 30 Uhr
03. 12. 10. 30 Uhr
08. 12. 19.00 Uhr
09. 12. 10. 30 Uhr
10. 12. 10. 30 und 19.00 Uhr
12. 12. 17.00 Uhr
13. 12. 17.00 Uhr
19. 12. 17.00 Uhr
20. 12. 10. 30 Uhr
23. 12. 10. 30 Uhr
25. 12. 17.00 Uhr
26. 12. 10. 30 Uhr
Karten unter 0351 . 4913 555 oder
www.staatsschaupiel-dresden.de
Weitere Termine entnehmen
Sie bitte den Monatsspielplänen.
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Anna-Katharina Muck 26
Torsten Ranft 27
Olivia Grigolli 28
Christian Friedel 29
Peer Gynt von Henrik Ibsen in einer Bearbeitung von Nuran David Calis Premiere am 5. Dezember 2009 im Schauspielhaus
Regie: Nuran David Calis 1 Bühne: Irina Schicketanz 1 Kostüm: Marysol del Castillo 1 Musik: Vivan Bhatti 1 Video: Karnik Gregorian
Peer,
du lügst!
Zum Stück Peer Gynt ist ein
Träumer. Peer Gynt ist ein
Lügner. Ein Angeber, ein
Auf­reißer, ein Schläger, ein
Muttersöhnchen, ein Spinner,
ein Charmeur. Einer, der den
Hals nie vollkriegen kann und
der Spaß haben will. Schon als
Junge träumt Peer davon, Kaiser
der Welt zu werden. Er wächst
auf in einer sehr kleinen Welt,
behütet durch die Liebe seiner
Mutter Aase. Nach ihrem Tod
macht Peer sich auf den Weg –
weg von zu Hause, in die große
Welt, um endlich ein anderer zu
werden. Peer begegnet seiner
großen Liebe Solveig, reist
übers Meer und durch alle
Länder. Aus dem bettelarmen
Jungen wird der reiche und
mächtige Mister Gynt, der für
Geld alles tut. Peer Gynt hat
30
viele Fehler und sucht das
Glück, das macht ihn sehr
menschlich. Er lebt nur für den
Augenblick und flieht ständig
ins nächste Abenteuer. Peer
wird immer reicher und immer
älter, aber nicht klüger. Ist er
am Ende doch nur ein ganzes
Leben lang vor sich selbst
davongelaufen?
„Peer Gynt“ ist Märchen, Fami­
lientragödie und Gesellschaftssatire zugleich. 1867 verfasste
der norwegische Dramatiker
Henrik Ibsen sein großes Vers­
drama, in dem er mit der
eigenen Ruhmsucht und
seiner norwegischen Heimat
ab­rechnete. Nuran David Calis
schreibt für seine Inszenierung
am Staatsschauspiel Dresden
eine eigene Fassung des Stoffes.
Regie Nuran David Calis wurde
1976 in Bielefeld geboren. Er ist
ein Autor, Theater- und Film­
regisseur mit großem Gespür
für die Sprache und das
Lebensgefühl junger Men­schen.
Er studierte Regie an der OttoFalckenberg-Schule in München,
drehte unter an­derem Kurzfilme
und Videoclips für Hip-HopBands. 2003 wurde sein erstes
Stück „Dog Eat Dog“ uraufgeführt, und 2008 kam sein erster
abend­f üllender Spielfilm
„Meine Mutter, mein Bruder
und ich“ in die deutschen Kinos.
Als Theaterregisseur beschäftigt Calis sich nach Stücken wie
„urbanstories“, das er 2004
gemeinsam mit hannoverschen
Jugendlichen entwickelte,
zunehmend mit literarischen
Stoffen, die er mit seinen eige-
nen sprachlichen, theatralen
und musikalischen Mitteln ins
Heute überführt. So kam 2007
seine viel beachtete Be­a rbeitung von Wedekinds „Frühlings
Erwachen!“ am Schauspiel
Hannover zur Uraufführung.
Calis arbeitete regelmäßig an
Theatern in Essen, Hamburg,
Berlin und Wien. 2005 erhielt er
den Dramatikerpreis des bdi
und wurde 2006 für seine
Inszenierung von Schillers
„Die Räuber“ als bes­ter Nachwuchsregisseur mit dem österreichischen Nestroy-Preis
ausgezeichnet. Zuletzt brachte
er am Maxim Gorki Theater
Berlin seine Bearbeitung von
„Romeo und Julia“ nach Shakespeare auf die Bühne.
Auf der Suche nach Peer Gynt
Notizen zu Henrik Ibsens Titelheld
von Nuran David Calis
Prolog
es ist die geschichte eines underdogs – der alles er­rei­chen
will – alles erreicht – und alles wieder kaputt macht –
peer gynt ist eine gesellschaftsparabel
her­k unft – peer hat verstanden dass es kein manko ist
anders zu sein – im gegenteil – seine andersartigkeit ist
seine waffe – als außenseiter überholt er die masse – der
ewige wanderer – er ist nur gut wenn alle gegen ihn sind
1. Teil – Die Jugend
die story: das baby: ein junge – keine geschwister – sein
name: peer – der vadder war arbeiten – die mutter bekam
das kind alleine – keine oma kein opa – aber ein gesundes
leben – was braucht man mehr – die jugend: der junge mit
der mama allein – der vadder hatte einen zu viel getrunken – drei tage ist das jetzt her – der tag vor peers ausflug – nach paris wollte er mit der evangelischen jugend­
gruppe – solveig – anna – nina – mike – kai – und die
pries­tertante die schnickeschicke ulrike die immer den
leckeren kuchen backt für uns – und ich: der peer – lecker –
mama ist die beste – solveig ist die reinste – anitra ist die
geilste – sind frauen so einfach: herr ibsen ( ? ) – ant­
wort ibsen: ja meine lieben ( ! )
peer
in peer sind verankert: ein egoist – ein killer – ein
lügner – ein liebender – ein geliebter – ein fan­
­­tast – ein träumer – gut und böse führen einen stän-
übergebe ich mich
digen kampf – doch die tragik des lebens – lässt ihn die
kontrolle verlieren
peer gynt
jetzt komm ich – ich bin jetzt hier der king – meine
ge­schichte ist wie ein hartes ding gegen euer kinn –
ihr pussys – paris ( ! ) musste warten – sagte mama –
jetzt schau ihn an – vadder liegt im koma auf dem teppich­
boden und krümmt sich – vor schmerzen – mama und ich
wissen – der wird den nachmittag nicht überleben – der
kran­kenwagen kam – dann ging es gleich auf die intensivstation – der underdog macht männchen – dachte ich –
jetzt schau dich an vadder – was ist aus dir geworden – du
bist weg und hast uns – mutter und peer nicht mitgenommen – auf die intensivstation – vom bordstein bis zur
skyline – peer – ohne umwege – schnell weg hier und nie
wieder zurück – den peer wird es auch nicht mehr lange
geben – wenn er hierbleibt – so wie vadder wirst du nicht
enden – in diesem drecksloch – dieser ort – der dich nicht
liebt – der dich ausbluten lässt – ohne dir was zu geben –
ab jetzt lasse ich einen beat laufen – hart und donnernd –
bumm bumm bumm bumm – der treibt mich an – der
treibt mich nach vorne – ich will meinen weg machen
2. Teil – Das Erwachsensein
die story: der erwachsene: vom bordstein bis zur skyline – und zurück – ich bin thirty-something – hab ein
haus von der größe eines wohnorts – hab einen stein
am hals – von der größe eines kronkorks – was will
ich mehr – peer gynt – der underdog ist oben – aber
kriegt den underdog aus sich nicht raus – peer hat frau
und kind – er ist der chef – er hat was auf die beine gestellt – er liebt seine frau – aber sie sind sich schon seit
langem nicht mehr nah gewesen – sie hat doch alles was
sie will – aber etwas fehlt – das prickeln auf der haut – der
atem im nacken – gegen wen kämpfst du wenn du keine
feinde mehr hast – sagt die frau – weiß ich nicht sagt
peer – du kämpfst dann gegen dich – weil du dich dann
nicht spürst – hör auf sagt er – ich will eine frau an meiner seite – und keine psychologin ( ! )
haltet die luft an ihr nutten – das alles ist nicht gut fürs
geschäft – das verschreckt die kundschaft – die leute die
zahlen wollen was erleben und spaß haben – hört endlich
auf die gesellschaft zu spalten ( ! ) – ich bin kein hater –
motherfucker – stopp – peer – wo bleibt dein gutes
benehmen – das hat mein vadder mit ins grab genommen – hihi – ihr kennt mich – und ihr wisst ich bin
legende – doch ihr alle seid faker – ich bin wie die
sonne für euch – mein charme reizt euch – kommt
näher und ihr verbrennt euch – das urteil der menschen
wird einmal mein untergang – aus und fin – ich bin am
flowen wie der wind – ich lass es raus wie ein pitbull –
die hit­ze des lebens überlebt ihr nicht – schaut – an
meinem leben überhebe ich mich – nach dem part
3. Teil – Das Greisentum
die story: der alte mann und seine leber – überlebt hat
er – voll kummer und scham auf seine erlösung wartend –
die endlichkeit soll ihm trost geben – aber sie kommt
nicht – er wartet bis die lichter ausgehen und die menschen rausgehen
sei dir selbst genug – sagt der trollkönig – ist das das
höchste ziel im leben – nein – der trollkönig lügt peer
an – er will die menschen klein halten um sich ihnen
überlegen zu fühlen – der trollkönig ist der papst – seine
kirche ist die ganze welt – in seiner kirche soll man von
unten nach oben glauben ( ! )
peer gynt
was ich gemacht habe war nicht korrekt – alles was ich sag­
­­te ist nicht viel mehr wert als dreck – ich weiss nicht
wer ich bin – los peer entscheide dich ( ! ) –
jetzt ( ! ) – ich weiß es nicht – ich habe keine identität –
die meine haut um mich zusammenhält – ich habe nichts
ge­schaffen von bleibendem wert – ich bin eine kleine
ratte – die sich vom abort ihrer vergangenheit ernährt –
ich bin einer – der sich vom aas seiner ahnen
nährt ( ! ) – es wird zeit dass ich gehe und mich nicht
mehr umdrehe – ich bin mein eigener freund – der von
sich selbst – und nur für sich allein – von besseren zeiten
träumt
Epilog
der knopfgießer sagt – ich schmeiß dich wieder in den
topf – peer – denn du bist nie du selbst gewesen – der
magere teufel sagt – du bist nichts halbes und nichts ganzes – wer soll was mit dir anfangen – was für ein wes­en
steht da – am ende des lebens ( ? ) – es ist der wirt ( ! ) – der
abkassieren will – aber peer will nicht zahlen – weil er in
seinem leben genug gebüßt hat Dieser Text des Autors und Regisseurs Nuran David Calis entstand für dieses Heft.
peers antrieb ist sich zu häuten – und das ständig –
seine alte haut ständig abzustreifen – um beweglich zu
bleiben – als antrieb dient ihm der schatz seiner eigenen
31
Die Lobbyisten Ein musikalischer Abend im Hotel von Franz Wittenbrink Uraufführung am 30. Dezember 2009 im Schauspielhaus
Regie und musikalische Leitung: Franz Wittenbrink 1 Kostüm: Nini von Selzam
Der Mann, der vieles liebt
Über den Musik-Theater-Regisseur Franz Wittenbrink
von Robert Koall
Franz Wittenbrink ist seltsam. Wenn man ihn besuchen
will, muss man den Hamburger Hauptbahnhof an seiner
übelsten Ecke verlassen. Dann geht man den Steindamm
hinunter, vorbei an siffigen Pornokinos und hohlwangigen Prostituierten, lässt die Polizeistation rechts liegen,
bis man vor einer anonymen Toreinfahrt steht, die von
einem schmiedeeisernen Gitter verschlossen wird. Auf
dem Hinterhof jenseits des Tores standen jahrelang vergessen zwei Kutscherhäuser, und Franz Wittenbrink
konnte sie von seiner Mietwohnung aus sehen. Mitten im
Her­zen des charmant-kaputten Stadtteils St. Georg stehen
sie wild-romantisch in einem kleinen Garten; größer
könnte der Kontrast zwischen dem Hinterhof und der
Straße nicht sein. Irgendwann ist Franz Wittenbrink
dann selbst in diese Kutscherhäuser eingezogen. Wenn er
jetzt den Gast mit seinem dröhnenden Lachen und der
Kippe in der Hand auf den Stufen vor seinem Haus begrüßt, ist der triste Stadtteil weit weg. Hier lebt er mit
Teilen seiner Familie und Freunden. Dort stehen die
Dinge, die er am dringendsten braucht: sein Flügel, sein
Musikarchiv, sein Aschenbecher und seine Kaffeemaschine, und aus dem Fenster seines Musik- und Schlafzimmers blickt er auf die unbehauenen Grabmale, die
auf dem Hof einer Steinmetzerei lagern. Das alles passt,
denn der Wittenbrink ist, wie gesagt, nicht unseltsam.
Franz Wittenbrink ist ein Regensburger Domspatz. Dort,
im wenig liberalen Internat, brachten die katholischen
Eltern den damals Neunjährigen Mitte der 50-er Jahre unter. Wittenbrink, sechstes von 13 Kindern, lernte fern­ab
der niedersächsischen Heimat Klavier, Violoncello, Orgel,
Trompete, Tonsatz und Kontrapunkt. Um dann nach
dem Abitur alles damit zu machen – nur keine Musik. Es
dauert ein gutes Dutzend Jahre, bis er zu ihr zurückkehrt.
Dazwischen liegen politisierte und Wanderjahre. Witten­
brink studiert Soziologie in Heidelberg und Mannheim,
er sitzt für den Sozialistischen Deutschen Studentenbund
im Allgemeinen Studierendenausschuss. Er gründet mit
Vertrauten den Kommunistischen Bund Westdeutschland, kandidiert 1976 (erfolglos) bei der Bundestagswahl,
und schließlich schmeißen sie ihn aus dem kbw, weil er –
schöne Pointe in diesem Milieu – „nicht angepasst genug“
ist. Nach dem Ausschluss lernt er Klavierbauer und Ma­
schinenschlosser, er arbeitet als Müllfahrer, Fernfahrer
und Drucker. Über 30 Jahre ist der Domspatz alt, als er Anfang der 80-er Jahre zur Musik zurückfindet. Er gerät als
musikalischer Leiter ans Theater in Mannheim, später
nach Basel und Hamburg, er unternimmt erste Regie­
versuche und erfindet Mitte der 90-er Jahre ein neues Theatergenre: den Wittenbrink-Abend. Sein wechselvolles
Leben prägt dieses eigene Genre bis heute.
Wittenbrink-Abende tragen Titel wie „Sekretärinnen“,
„Zigarren“, „Miles & more“ oder „Hallo Deutschland“. Es
sind Stücke für sangesfreudige Schauspielensembles, die
Freude am Kunstlied ebenso haben wie an seiner Dekonstruktion. Die eine musikalische Bandbreite von Mozart
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bis Hardrock abdecken und das Publikum von Hamburg
bis Wien regelmäßig zu Begeisterungsstürmen hinreißen.
Wittenbrink-Abende kommen im Gewand des Liederabends daher und sind doch sehr viel mehr als beliebige
Liedfolgen zur abendlichen Zerstreuung. Sie zeichnen
mit selbstironisch humorvollem Blick die desolate Situation des modernen Mannes („Männer“), widmen sich mit
unverhohlener Trauer und kritischem Zynismus der Korruption einer politischen Idee („Brüder zur Sonne zur
Freiheit“) oder umspielen die Themen Schönheit und
Vergänglichkeit („Denn alle Lust will Ewigkeit“). Der
deutsche Bühnenverein ordnet sie als „Musicals“ ein.
Ganz falsch ist das nicht – und trifft dennoch nicht den
Kern der Sache. Einerseits folgen Wittenbrink-Abende,
einem Musical nicht unähnlich, einer Dramaturgie. Die
Lieder folgen nicht beliebig aufeinander, die Sänger haben charakteristische Rollen, sie erzählen mit ihren Liedern Geschichten, die über das Gesungene hinausgehen.
Andererseits sind Wittenbrink-Abenden nie harmlos. Sie
sind fröhliche, sinnliche Musikfeste. Sie kommentieren
das politische Geschehen, sind sozial engagiert – und
stürzen sich ein paar Takte später aus diesen Höhen wollüstig und schamlos in zotige Tiefen. Bei Wittenbrink
steht Schubert neben Bushido, fällt man von der Opernarie ansatzlos in Stammtischgegröhle – immer virtuos,
immer mit großem musikalischem Ernst, immer verspielt. Ein Satz von Michel de Montaigne könnte über
seinen Arbeiten stehen: „Der Mensch ist ein seltsam
wahnhaftes, widersprüchliches, hin und her schwankendes Wesen.“ So ist es bei Wittenbrink: Er weiß, wie
viele Seiten ein Mensch hat, wie viele Gesichter und verborgene Dämonen; dass hinter einem braven Antlitz der
Abgrund lauern kann und wie viel Zartheit im Rauhen
steckt. Daher sind auch seine Figuren nie eindimensional, sondern singen vom Leben mit allen Liedern und
Tonarten, die die Musik bereithält. Wittenbrink kennt
vieles, viel vom Leben, viel von der Musik. Sein Kompendium ist riesig; er ist auf youtube so zu Hause wie im
Köchelverzeichnis. Und das ist das ganze Geheimnis: Er
nimmt alles gleich ernst, alles gleich wichtig. Ganz einfach:
Er liebt vieles.
Am meisten freilich immer noch die Musik als Gemeinschaftswerk: musikalische Theaterabende mit einem Schau­
spielensemble zu erfinden, um andere glücklich zu machen. „Glück“, so Franz Wittenbrink, „bedeutet, etwas zu
tun, womit man andere glücklich machen kann. Mit anderen dann zusammen glücklich sein ist somit verdoppeltes Glück.“
In Dresden sucht Franz Wittenbrink das doppelte Glück
in einem Hotel. „Die Lobbyisten“ wird sein Abend heißen
und sich dem Ankommen, dem Abreisen, dem Fremden
und dem Vertrauten widmen.
Robert Koall ist ab der Spielzeit 2009.2010 Chefdramaturg am
Staatsschauspiel Dresden.
Wir sitzen so
fröhlich beisammen und haben
einander so lieb.
Regie Franz Wittenbrink
entwickelte eigene szenische
Liederabende an zahlreichen
Bühnen, darunter das Schauspiel Hannover, das Berliner
Ensemble, das Thalia Theater
Hamburg, die Münchner
Kammerspiele und das Wiener
Burgtheater. In Dresden ist ab
2009. 2010 seine Inszenierung
„Denn alle Lust will Ewigkeit“
im Schauspielhaus zu sehen.
Zum Stück Die Lobbyisten sind
die Bewohner einer HotelLobby, und dort leben sie schon
sehr, sehr lange. Am Empfangs­
tresen ruht sanft der Concierge,
neue Gäste begrüßt dieses seltsame Hotel schon seit vergessenen Tagen nicht mehr; es ist
still aus der Zeit gefallen, und
da liegt es nun verträumt und
versunken. Der Liftboy ist
längst seiner Uniform ent­­
wachsen, neben ihm schaukelt
müde das Schild mit der
Auf­schrift „Außer Betrieb“.
Aus der Küche dringt kein Laut,
nur ab und zu sieht man im
Sichtfenster der Schwingtür
das Gesicht des Kochs, der
schaut, ob nicht doch ein Gast
sich einmal verirre. Und die
schräge kleine Schar der Dauergäste hat man längst zum
lebenden Inventar ernannt.
So sitzen die Lobbyisten und
trösten sich mit Musik. „Wir
sitzen so fröhlich beisammen
und haben einander so lieb“,
singen sie, träumen von „Love
in an elevator“ oder sind sich
sicher: „Jetzt kommen die lustigen Tage“. Und dann geschieht
tatsächlich etwas. Die Lobbyisten bekommen Besuch – und
plötzlich ist alles ganz anders.
33
Des Teufels General von Carl Zuckmayer Premiere im Januar 2010 im Schauspielhaus
Regie: Burkhard C. Kosminski 1 Bühne: Florian Etti 1 Kostüm: Sabine Blickenstorfer
Moral muss gelebt werden
Einige Hinweise zu Carl Zuckmayers Stück „Des Teufels General“
von Martin Lüdke
Barnard in Vermont, hoch oben im Norden der usa. Spätherbst 1942. Vor einem knappen Jahr war der General­
luftzeugmeister der deutschen Armee Ernst Udet, einer
der berühmtesten Kampfflieger des Ersten Weltkriegs,
bei einem Absturz ums Leben gekommen. Jetzt stapft
Carl Zuckmayer, mit einem schweren Tragkorb beladen,
zu Fuß den langen Weg zu seiner Farm hinauf. Der erfolgreiche Dramatiker der Weimarer Republik („Der
Hauptmann von Köpenick“, „Der fröhliche Weinberg“)
muss sich im amerikanischen Exil, buchstäblich mit
seiner Hände Arbeit, als Farmer durchschlagen. Plötzlich bleibt Zuckmayer stehen. Ihm ist ein Einfall gekommen, und laut spricht er vor sich hin: „Staatsbegräbnis.“
Das letzte Wort seines wohl bedeutendsten Dramas überhaupt: „Des Teufels General“. Zu Hause angekommen,
fängt er sofort an zu schreiben. Später haben viele Leser
das Stück für ein Dokumentardrama gehalten. So „echt“
sei es, so „lebensnah“. Ende Januar 1943 war der erste
Akt fertig. Die Schlacht um Stalingrad war noch nicht
geschlagen. Zuckmayer glaubte damals nicht daran, sein
Stück jemals auf einer Bühne zu sehen. In Deutschland
war daran nicht zu denken, „und für die anderen Länder“,
so fürchtete er, „gab es zu viele ‚sympathische Deutsche‘,
besonders Offiziere“. Aber das hinderte ihn nicht, zu
schrei­ben, er „musste“.
sich nach Hitlers Machtergreifung „jeder Schuft von seiner nichtarischen Frau scheiden ließ“. Rühmann verhielt
sich anständig, er hat seiner Frau später zur Flucht nach
Schweden verholfen und sie selbst dort noch weiter unterstützt. Auf der anderen Seite gab er seinen Beruf nicht
auf, er ließ sich von den Nazis vereinnahmen. Zuckmayer
findet dieses Verhalten verzeihlich.
Ebenso wie das von Harras, seinem General, der sich wegen seiner Liebe zur Fliegerei mit den Nazis eingelassen
hatte. Dieser Flieger erscheint als deutscher Held, ein Kerl
von echtem Schrot und Korn, aufrichtig, trinkfest und
dazu ein Weiberheld, gewiss kein Nazi, doch eben ihr
Hand­langer. Mitten im Krieg, mitten in Nazideutschland
spielt sich nun das Drama ab.
Eine Reihe von Abstürzen eines neuen Flugzeugtyps beunruhigt die Führung der Wehrmacht. Harras, auch für
die Materialkontrolle verantwortlich, soll die Ursache
finden. Er wird verhaftet, dann wieder freigelassen mit
der Auflage, innerhalb von zehn Tagen die Schuldigen
der Sabotage ausfindig zu machen. In dieser Situation gesteht ihm sein engster Mitarbeiter Oderbruch, dem Harras stets volles Vertrauen schenkte, dass er, als Akt des
Widerstands gegen den Wahnsinn des Hitler-Kriegs, die
Ab­­stürze verursacht hat. Um Oderbruch zu schützen, also
um den Widerstand gegen Hitler zu stärken, startet Harras nun selbst mit einer dieser defekten Maschinen und
stürzt ab. Es kommt zum – „Staatsbegräbnis“.
Unterbrochen wurde er immer wieder durch die anfallenden Arbeiten auf der Farm und auch, wie wir seit einigen
Jahren wissen, durch seine Arbeit am „Geheimreport“,
etwa 150 Charakterstudien von Verlegern, Schriftstellern,
Die Begeisterung über dieses Stück in Deutschland war
Schauspielern, Künstlern, die er in diesen Jahren für den
amerikanischen Geheimdienst schrieb. Die usa benötig- enorm. „Man“ sah sich verstanden. Nach der Erstaufführung, die bis Ende 1947 auf sich warten ließ, wurde das
ten verlässliche Einschätzungen, mit welchem Personal
sich ein demokratisches Deutschland aufbauen ließ. Stück landauf, landab gespielt. Der Verleger Henry
Goverts schrieb: „Es ist die beste und menschlichste
Zuck­mayer benutzte in diesen Berichten, ähnlich wie in
Dichtung, die bisher über das Dritte Reich entstand.“
seinen Stücken, zwar einfache, doch dafür lebensnahe
Man sah sich aber auch exkulpiert. Dementsprechend gab
Klassifizierungen. Diese Berichte, wohlgemerkt für einen
Geheimdienst bestimmt, hätten leicht denunziatorisch es Kritik, oft auch scharfe. „Wie können wir Sympathien
für Menschen empfinden, die mit ganzer Tatkraft einem
ausfallen können. Das Gegenteil war der Fall. Zuckmayer
ließ sich auch hier von einer Art spontanen Humanität so unmenschlichen Unternehmen dienten?“ Berechtigte
leiten. Das spätere Zögern der Alliierten, die Aufführung Fragen. Und unlösbare. Deshalb hat das Stück wenig von
von „Des Teufels General“ in Deutschland zu er­lauben, seiner Aktualität verloren. Die Fragen, die Zuckmayers
Drama aufwirft, lassen sich nicht auf das Dritte Reich begeht darauf zurück. Die Uraufführung fand deshalb im
schränken. Sie stellen sich auch uns. In Uwe Tellkamps
Dezember 1946 in Zürich statt. Unnachsichtig beurteilte
Zuckmayer die Schleimer und Profiteure. Verständnis- „Der Turm“ etwa stößt man schnell auf ähnliche Probleme. Dabei lässt sich die Frage nach der Zivilcourage,
voll sah er die vielen, die versuchten, sich mit Anstand
durch Verhältnisse durchzuwursteln, die kein anständi- oder die nach der Rechtfertigung von (unschuldigen) Opges Verhalten mehr zuließen. Jeder moralische Rigoris- fern eines legitimen Widerstands gegen ungerechte Vermus lag ihm fern. Er sah das Dilemma der Menschen, hältnisse, genauso wenig auf die Sphäre der Politik beschränken. Kleine Tyrannen gibt es auch in Schulen, Bedie oft nur die Wahl zwischen zwei Übeln hatten.
hörden und Fabriken. Und mutige Menschen, die sich ihGleich in der ersten Gruppe dieser Berichte wird ein en- nen entgegenstellen, ebenso.
ger Freund des Fliegers Udet, des Generals des Teufels,
por­trätiert, ebenfalls ein Liebhaber der Fliegerei, der po- Mag sein, dass es eine schlichte Moral war, der Zuckpuläre Schauspieler Heinz Rühmann. Durchaus eines der mayer anhing. Aber sie ist praktikabel und, vor allem,
menschlich.
Aushängeschilder der Nazis. Zuckmayer beschreibt nun
Rühmanns Ehe als „sehr unglücklich“ und die Frau des
Schauspielers als „eine Landplage“, von der sich Rüh- Martin Lüdke, Literaturkritiker, moderierte bis 2008 die Senmann dringend trennen sollte. Liebend gern hätte Rüh- dung „Literatur im Foyer“ und beschäftigte sich für dieses Heft
mit „Des Teufels General“.
mann dieser Neigung nachgegeben. Er tat es nicht, weil
34
Und wenn er
’ne schiefe
Landung macht,
dann fliegt der
Flieger raus
Zum Stück Eigentlich ist der
Luftwaffengeneral Harras kein
Freund des nationalsozialistischen Regimes und dient ihm
dennoch – weil er leidenschaftlich gerne fliegt.
Er macht aus seiner Einstellung
keinen Hehl. Abwerbungs- und
Einschüchterungsversuchen
der ss widersteht er mühelos.
Doch dann erfährt er, dass sein
Freund und ihm unterstellter
Chefingenieur Oderbruch Sabo-
tage an den eigenen Maschinen
betreibt. Er tut dies in der
festen Überzeugung, dass das
Ende der Hitler-Diktatur nur
durch die Niederlage der Deutschen erreicht werden kann.
Harras steht vor einer Grundsatzfrage: Soll er Widerstand
leisten oder sich anpassen, um
zu überleben?
Regie Burkhard C. Kosminski,
geboren 1961, studierte Regie
und Schauspiel am Lee Strasberg-Theaterinstitut und am
William-Esper-Studio in New
York. Als Regisseur arbeitete er
unter anderem an der Schaubühne Berlin, am Schauspiel
Frankfurt, am Düsseldorfer
Schauspielhaus und am Theater
in Dortmund sowie in New York
und Los Angeles. Von der Spielzeit 2001 bis 2006 war er leiten-
der Regisseur und Mitglied
der künstlerischen Leitung am
Düsseldorfer Schauspielhaus.
Seit der Spielzeit 2006. 2007
ist er Schauspieldirektor am
Nationaltheater Mannheim
und Künstlerischer Leiter
der Schillertage. Hier inszenierte er unter anderem die Ur­auf­führungen von Theresia
Walsers „Monsun im April“
sowie von Albert Ostermaiers
„Fratzen“. Seine amerikanische
Erstaufführung von Thomas
Jonigks „You shall give me
grandsons“ wurde 1997 in
Los Angeles als erfolgreichste
Inszenierung an der Westküste
mit dem 6. Drama-Logue Award
ausgezeichnet. Für seine Dortmunder Inszenierung von „Das
Fest“ nach dem Film von
Thomas Vinterberg und
Mogens Rukov erhielt er 2001
beim 20. nrw-Theatertreffen
den Preis für die beste Regie.
35
Thomas Braungardt 36
Benjamin Höppner 37
Der goldne Topf Nach der Novelle von e.t.a. Hoffmann Premiere im Februar 2010 im Schauspielhaus
Regie: Sebastian Baumgarten
ins Kristall bald
dein Fall
Am Himmelfahrtstage, nachmittags um drei Uhr
Dresden als konkreter Ort und Ort der Verklärung
von Harald Marx
„Es war einmal“, so beginnen eigentlich alle Märchen; und
gemeint ist damit immer auch: „Es war einmal“ – irgend­
­wo! e.t.a. Hoffmann hingegen erzählt eine absonderliche,
als Märchen deklarierte Geschichte, die am Schwarzen Tor
in Dresden beginnt, „am Himmelfahrtstage, nachmittags
um drei Uhr “. Wir kennen also Ort und Zeit, fühlen uns
dementsprechend auf gesichertem Boden. Beinahe sofort
aber wechselt der Dichter ins Reich der Märchen hinüber
und pendelt hinfort beständig zwischen möglicher Wirklichkeit und offensichtlicher Fantasie. Das Geister- und
Hexenwesen wird angesiedelt in einer konkreten Stadt!
Man erfährt den Ort der Handlung, selbst die Uhrzeit des
Beginns, aber der weitere Verlauf ist verwirrend und bleibt
rätselhaft; der Leser verliert den Boden unter den Füßen, ob
er will oder nicht. Gegenwärtiges und Vergangenes, Nachprüfbares und Erfundenes, zumindest Unerklärliches sind
derart ineinander verwoben, dass man schließlich anfängt,
an allem zu zweifeln, sogar am vorgeblich Faktischen.
Denn was bedeutet eine Wirklichkeit, in der jeder alles,
und alles jeder sein kann? Und es ist durchaus nicht alles
für jeden von gleicher Art. Darum ändert sich beständig
auch der Ton der Dichtung. Manchmal sind es ganze Kapitel, bisweilen nur einzelne Passagen, die sich in eine
Traumwelt entfernen und durch ihren übersteigerten Ton
abheben von den sachlichen Schilderungen der „Arm­
seligkeiten des kleinlichen Alltagslebens“, von der prosaischen Gegenwart: „Aber in der Mitte des Tals war ein
schwarzer Hügel, der hob sich auf und nieder wie die Brust
des Menschen, wenn glühende Sehnsucht sie schwellt ...
da brach im Übermaß des Entzückens eine herrliche Feuerlilie hervor, die schönen Blätter wie holdselige Lippen
öffnend, der Mutter süße Küsse zu empfangen.“ Man ahnt,
dass hier das Gute sich ankündigt: „Nun schritt ein glänzendes Leuchten in das Tal; es war der Jüngling Phosphorus, den sah die Feuerlilie und flehte, von heißer sehnsüchtiger Liebe befangen: Sei doch mein ewiglich.“
Auch das Böse hat seinen gewichtigen Platz in diesem
Märchen: Da war ein altes hässliches Weib, mit gellender,
krächzender Stimme, die „etwas Entsetzliches“ hatte. Sie
verkaufte Äpfel, die ihre Söhne gewesen sind, und trat
später selbst als bronzener Türklopfer auf, der lebendig
wurde – aber nur in besonderen Situationen; und sogar
der Aberglaube, ein Wesen könnte dadurch beeinflusst
38
werden, dass man eine Sache verzaubert, erscheint als
möglich. Doch alles Erzählte wird einerseits vom Dichter
glaubhaft gemacht, andererseits scheint es irgendwie ironisch gemeint. Denn das Märchen entwickelt sich in immer verwirrteren Kreisen: Brücken werden geschlagen
zwischen den Zeiten, zwischen vermeintlicher Realität
und Fantasie, zwischen Menschen, Pflanzen und Tieren,
ja selbst Dingen.
Ein alter Archivarius mit Namen Lindhorst entpuppt sich
als jahrhundertealter Salamander, seine Töchter sind drei
verführerische kleine grüne Schlangen, deren Großmutter die erwähnte Lilie in dem Märchenland Atlantis gewesen ist: „Erlauben Sie, das ist orientalischer Schwulst,
werter Herr Archivarius!“ So jedenfalls empfand es der
Registrator und spätere Hofrat Heerbrand – und hatte er
nicht recht? Wir aber folgen dem Dichter – und wissen
darum auch: Die böse Hexe verdankte ihre Existenz der
Vereinigung von schwarzer Drachenfeder und Runkelrübe – und der gute Fürst aus einem fernen Märchenreich,
der den Namen Phosphorus trägt, nimmt indirekt teil am
gegenwärtigen Schicksal eines tolpatschigen Studenten,
der Anselmus heißt und von einem Missgeschick ins
nächste stolpert.
Dieser Student beschreibt gleich eingangs ausführlich,
dass ihm alles misslungen sei, was er bisher begonnen
habe; und dabei ist es wenig gewesen, wonach er anfangs
strebte: eine Anstellung als geheimer Sekretär. Auch
seine sonstigen Wünsche blieben bescheiden: eine halbe
Portion Kaffee und eine Flasche Doppelbier! Dazu sehr
allgemein die „Nähe herrlich geputzter schöner Mädchen“;
und auch das nur am Himmelfahrtstag. Später versteigt
er sich allerdings zu der Vorstellung, er könne es vielleicht
sogar zum Hofrat bringen.
Eine solche „bürgerliche“ Existenz, zuerst erstrebt, erweist sich jedoch mehr und mehr als wenig geeignet für
ihn. Ein darauf gebautes Familienglück mit einer Frau,
die – bei aller Liebe – in ihrer gesellschaftlichen Stellung
aufgehen würde, ohne weitergehende geistige Interessen,
konnte keine Erfüllung seiner Hoffnungen sein. Hat e.t.a.
Hoffmann also mit „Der goldne Topf“ nicht nur ein Märchen geschrieben, sondern einen kleinen Entwicklungsroman, bei dem sich die Charaktere erst langsam formen
und dadurch anders antreten, als sie am Ende sind?
Allerdings erfahren wir vom Leben des Studenten Anselmus wenig: Was war das für eine Familie, aus der er kam;
was hat er studiert und wo? Auch von seinen intellektuellen Begabungen hören wir nichts, dafür wird betont, dass
er die „Schönschrift“ beherrschte; und wir lesen, dass er
Förderer hatte, die ihn vermitteln wollten: den Konrektor
Paulmann und den Registrator Heerbrand. Anselmus
musste sich und sein Studium also selbst finanzieren. Dabei passiert alles in unserer Welt: Die Orts- und Zeitangaben sind präzise, aber nur der Versager, der Mensch mit
dem kindlich-naiven, poetischen Gemüt, der Student mit
dem besten Willen, aber ohne sichtbare äußere Erfolge im
Leben, gleitet in ein Paralleluniversum, in dem Zeit und
Raum völlig aufgehoben sind.
Geradezu fremd wirkt in dieser beginnenden Geschichte,
die nur Unglück ahnen lässt, eine verklärte und betörende
Ortsbeschreibung:„Dicht vor ihm plätscherten und rausch­
ten die goldgelben Wellen des schönen Elbstroms, hinter
demselben streckte das herrliche Dresden kühn und stolz
seine lichten Türme empor in den duftigen Himmelsgrund, der sich hinab senkte auf die blumigen Wiesen
und frisch grünenden Wälder, und aus tiefer Dämmerung
gaben die zackichten Gebirge Kunde vom fernen Böhmerlande.“ Selbst ein damals bekanntes Ausflugslokal, das
„Linkesche Bad“, wird als paradiesisch beschrieben und
zum unerreichbaren Sehnsuchtsort.
Es ist diese Beschreibung Dresdens, die sich immer wiederholt und nur leicht variiert in beinahe allen Reisebeschreibungen des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts findet.
Hoffmann zitiert solche Schilderungen geradezu – aber
durch den Fortgang der Geschichte zerstört er das in der
Ferne geschaute Traumbild einer Stadt: Dresden hatte, von
Nahem gesehen, nur Banales oder Bedrohliches für ihn.
Doch nichts nimmt der Dichter wirklich ernst: nicht die
verklärten Schilderungen von Orten und Situationen und
nicht die gruseligsten Gespensterszenen, die der Leser
selbst hätte stören können, so wird es suggeriert, wenn er
denn gerade vorbeigekommen wäre – und der Vorwurf
schwingt mit, der Leser wäre am bedrohlichen Fortgang
des Märchens selbst schuld, eben weil er im dramatischsten Augenblick nicht zur Stelle war. Die Gegenwart tritt,
in Gestalt des Dichters, immer wieder in unser Blickfeld.
Anselmus sagt, er allein könne sie verstehen; und sie verrät
ihm den Grund: „ … weil die Liebe in deiner Brust wohnt.“
Die Liebe des Studenten Anselmus fällt also auf eine
kleine grüne Schlange und man bleibt als Leser beinahe
bis zum Schluss im Ungewissen, ob das als Ergebnis einer
teuflischen Verführung oder als glückliche Wendung in
seinem Leben gesehen werden muss; und sitzt er nun
wirklich in einer kristallenen Flasche – oder steht er auf
der Elbbrücke (es gab damals in Dresden nur eine) und
schaut ins Wasser? Eines scheint jedoch sicher: Der Alltag
bleibt erbärmlich für alle, die nicht über den Kreis ihrer
tagtäglichen Pflichten hinausblicken. Solche Beschränktheit wird manchmal bestraft. Wir lesen von stumpf­
sinnigen Kreuzschülern, die stolz darauf waren, dass
sie „keine italienischen Chöre mehr auswendig lernen“
mussten, sondern ihre Tage im Wirtshaus verbringen
konnten, um dort „wie wirkliche Studenten: gaudeamus
igitur“ zu singen. Sie konnten nicht erkennen, wie eng
ihr glä­sernes Gefängnis gewesen ist. Oder standen auch
sie auf der Brücke?
Wie im Märchen immer wird der gute Held zum Schluss
belohnt und bekommt seine Prinzessin: eine verwunschene kleine grüne Schlange mit blauen Augen, die den
Arm um ihn schlingt. Aber was dazu? Eine anscheinend
mietfreie Wohnung auf einem Rittergut, das seinem
Schwie­gervater gehört hat! Und wo? In dem versunkenen
Traumland Atlantis. Am Himmelfahrtstag nachmittags
um drei Uhr ist der Student Anselmus durchs Schwarze
Tor in Dresden gerannt – und wo kommt er schließlich an:
außerhalb jeder Zeit, auf einem Rittergut, aber in einem
Land, dessen Existenz nur noch unbestimmte Erinnerung ist. Oder sagen wir: Poesie.
Jede Realität hebt sich auf in Atlantis, einem Land, das jeder an anderer Stelle sucht. Für den Arzt, Naturwissenschaftler und romantischen Künstler Carl Gustav Carus
hat sich selbst die Stadt Dresden in besonderen Situati­
onen zu diesem Traumland verklärt. Er schrieb rückschauend in seinen Lebenserinnerungen: „Hatte ich nicht
da wieder eine wunderbare Atlantis erschaut, wo so viele
nur die alte kurfürstliche Residenz gewahr werden.“ Carus hatte seine bürgerliche Existenz und das Hofamt als
Leibarzt des Königs mit dem Künstler-Sein verbunden.
Hoffmann war Ähnliches nie gelungen. Er fand den Weg
zurück nach Dresden nicht. Die Verklärung der Stadt dauerte bei ihm nur einen Augenblick.
Andererseits scheint jede noch so kleine Begebenheit einem geheimen Ritus zu folgen: Schritt für Schritt kommen wir voran auf dem Weg einer geistigen und cha­
rakterlichen Läuterung. Vernehmlich klingt es: „Serpentina! – der Glaube an dich, die Liebe hat mir das Innerste
der Natur erschlossen!“ Aber Serpentina ist eine der erwähnten drei Schlangen, grün mit blauen Augen, die zu
Der Kunsthistoriker Prof. Dr. Harald Marx war von 1991 bis
2009 Direktor der Gemäldegalerie „Alte Meister“ der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Für dieses Heft befasste er
sich mit Hoffmanns Novelle.
Zum Text „Ein Märchen aus der
neuen Zeit“ hat e.t.a. Hoffmann seine Novelle genannt,
die 1814 das erste Mal erschien
und das erfolgreichste Werk des
Autors wurde. Die Erzählung
gilt heute als ein Schlüsseltext
der Romantik.
Am Himmelfahrtstag in Dresden stößt der junge Student
Anselmus den Korb einer alten
Apfelhändlerin um, und in der
Folge geschieht ihm Wunderliches. Er verliebt sich in die
blauen Augen einer Schlange,
die sich im Weiteren als die
Tochter des Archivars herausstellt, der ihn mit wichtigen
Abschriften beauftragt. In
diesen Texten erkennt Ansel-
Regie Sebastian Baumgarten
wurde 1969 in Ostberlin geboren. Er studierte Opernregie an
der Hochschule für Musik
„Hanns Eisler“ in Berlin und war
Assistent von Ruth Berghaus
und Robert Wilson sowie
Mit­a rbeiter von Einar Schleef.
Seit 1992 arbeitet er sowohl als
Schauspiel- als auch als Opernregisseur unter anderem in
Berlin, Kopenhagen, Frankfurt
und Düsseldorf sowie an der
Dresdner Semperoper. In der
Spielzeit 2005. 2006 inszenierte
er Händels „Orest“ an der Komischen Oper Berlin. Für diese
Interpretation wählten die
Kritiker der Zeitschrift „Opernwelt“ Sebastian Baumgarten
mus die Geschichte des Archivars, der eigentlich ein Salamander ist und aus der sagenhaften Welt Atlantis verbannt
wurde. Um heimkehren zu
dürfen, muss er seine Schlangentochter verheiraten. Dies
will die brave Veronika verhindern, die sich eine gemeinsame
Zukunft mit dem künftigen
Hofrat Anselmus erhofft und
zu diesem Zweck die Apfelhändlerin beauftragt, ihn zu
verzaubern, damit er zu ihr
zurückkehrt. Im Wechselspiel
zwischen Alltag und Verzauberung gerät Anselmus in einen
Zweikampf, den das Fantastische und die Poesie gegen das
Realitätsprinzip führen.
zum Regisseur des Jahres. An
der Semperoper Dresden brachte Baumgarten unter anderem
Brittens „Peter Grimes“ (2007)
auf die Bühne. Neben weiteren
Arbeiten inszenierte er „Tosca“
an der Berliner Volksbühne am
Rosa-Luxemburg-Platz, Camus’
„Der Fremde“ am Schauspiel
Frankfurt sowie „Die schmutzigen Hände“ von Sartre am
Düsseldorfer Schauspielhaus.
In Hannover inszenierte er
William Shakespeares „Richard
iii.“ und 2007 seine eigene
Ver­sion von Goethes „Faust“.
39
Ina Piontek 40
Albrecht Goette 41
Don Carlos Ein dramatisches Gedicht von Friedrich Schiller Premiere im März 2010 im Schauspielhaus
Regie: Roger Vontobel 1 Kostüm: Dagmar Fabisch
Oh, der Einfall
war kindisch,
aber göttlich
schön!
Auf eigene Rechnung
Über den politischen Dramatiker Friedrich Schiller und seine Figuren
von Thomas de Maizière
Die historische Distanz relativiert sich, wenn wir uns
Zwischen der Uraufführung von Friedrich Schillers „Don
da­ran erinnern, dass seit dem Fall der kommunistischen
Carlos“ und der Gegenwart liegen 200 Jahre. In diese
Diktaturen in Europa erst 20 Jahre vergangen sind. Sie
Span­ne fallen die Französische Revolution von 1789, das
„lange 19. Jahrhundert“ – wie es der Historiker Eric Hobs- verringert sich noch mehr, wenn wir an die noch existie­
bawm nannte –, zwei Weltkriege und die friedliche Re­ renden Diktaturen denken. Nicht zuletzt in dieser Hinsicht
volution von 1989. Vor diesem Hintergrund erschließt kommt Schiller und dem von ihm vertretenen Freiheitssich der politische Gehalt des „Carlos“ dem heutigen The- ideal auch in Zeiten der Globalisierung eine Bedeu­tung
aterbesucher kaum auf den ersten Blick. Man versteht, zu. Mir scheint in diesem Zusammenhang bemer­kenswert,
dass Schiller die Konflikte der Zeit des Absolutismus auf wie stark europäisch – und dies gilt nicht nur für den
das spanische Reich des 16. Jahrhunderts projiziert. Aber „Don Carlos“ – der Freiheitsbegriff bei Schiller geprägt ist.
die berühmte, an den absolutistischen Herrscher Philipp ii.
gerichtete Forderung nach „Gedankenfreiheit“ ist die Re- Im „Don Carlos“ verbinden sich Stränge eines Freundschafts-, eines Familien- und eines politischen Dramas.
alität eines demokratischen Rechtsstaates am Beginn des
Darin liegt ein weiterer Aspekt der historischen Distanz,
21. Jahrhunderts.
denn die Handlung des Stücks resultiert aus einer EngDie vom Marquis von Posa in der zehnten Szene des drit- führung von persönlichen und politischen Motiven, die
un­ter den heutigen Bedingungen der Demokratie so nicht
ten Akts emphatisch vorgetragene Forderung lässt sich
als Anspruch auf Selbstbestimmung und Schutz der Per- möglich wäre. Die Personen des Stücks handeln „auf eisönlichkeit übersetzen. Dieser Anspruch ist in den Ver- gene Rechnung“ in dem Sinne, dass sie sich nicht öffentfassungen moderner Demokratien inzwischen wie selbst­ lich mit Argumenten legitimieren müssen. Sie agieren in
verständlich für alle Bürger gleichermaßen garantiert. einer politischen Sphäre, die die Instanzen demokratiDas Recht auf freie Meinungsäußerung und die Unantast- scher Kontrolle nicht kennt.
barkeit der Würde des Menschen zählen zum KernbeDer zentrale Dialog zwischen Philipp und Marquis Posa
stand unseres politischen Systems. Dem entspricht ein
konsequentes Verbot von Zensur und staatlicher Willkür. im dritten Akt bleibt gleichwohl faszinierend. Denn hier
So gesehen ist die grundsätzliche Auseinandersetzung entfaltet sich eine dichte Erörterung der Grundlagen
zwischen dem Marquis von Posa und Philipp ii. kein ak- des Politischen. Philipp ii., der einsame Monarch, sucht
tueller Disput. Gehört der Carlos deswegen ins Archiv die Nähe zum Marquis, dem Enthusiasten, Fanatiker und
und nicht auf die Bühne? Nein. Keineswegs.
Strategen, der den Freiheitskampf der Niederlande be42
treibt. Wenn Posa rhetorisch fragt: „Ich aber soll zum
Meißel mich erniedern / Wo ich der Künstler könnte sein?“,
beansprucht er eine umfassende Souveränität, die im
absolutistischen System nur dem Herrscher zukommt.
„Im Auftritt vor dem König nimmt er sich jene Freiheit,
die er für die Menschheit insgesamt fordert“ ( Rüdiger
Safranski ) .
Der Marquis von Posa vertritt eine optimistische Anthro­
pologie – „Der Mensch ist mehr, als Sie von ihm gehalten“.
Und Philipp lässt sich auf eine argumen­tative Auseinandersetzung ein, obwohl seine Stellung dies im Grunde
nicht erfordert. Er hält Posa ein pessimis­tisches Menschenbild entgegen – „Ich weiß / Ihr werdet anders denken,
kennet Ihr / Den Menschen erst, wie ich“ – und leitet daraus die Notwendigkeit des starken Herrschers ab.
Die Tiefe des politischen Dramatikers Schiller zeigt sich
nicht zuletzt darin, dass er die Schwächen beider Sicht­
weisen präzise erkennt. Philipp ii. verfängt sich in den
Zwängen des Systems, für das er steht. Er wird letztlich zurückgeworfen auf die zynische Maxime, die ihm der Großinquisitor am Ende des Stücks vorhält: „Menschen sind /
Für Sie nur Zahlen, weiter nichts“. Der Aufklärer Schiller,
der den „Don Carlos“ gewissermaßen am Vorabend von
1789 verfasst, entlarvt aber auch hellsichtig die Widersprüche des schwärmerisch-abstrakten Fortschrittsprogramms,
das der Marquis von Posa repräsentiert. Im Namen der
Freiheit degradiert Posa seinen Freund Carlos zum Instrument. Was er für die Allgemeinheit verlangt, konterkariert
er im konkreten Fall.
Mit der Gegenüberstellung von Philipp ii. und Marquis
Posa beschreibt Schiller über den spezifischen historischen Kontext hinaus ein wesentliches Spannungsfeld
der Politik. Ihre Gestaltungsaufgabe besteht nicht zu­
letzt darin, zwischen dem bloßen Exekutieren von Sachzwängen auf der einen und hypermoralischem Anspruch
auf der anderen Seite das menschlich mögliche Maß zu
bestimmen. Insoweit ist Schillers „Don Carlos“ bestens
geeignet, uns im politischen Alltag einen Spiegel vorzuhalten, zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen
Moral und Macht.
Dr. Thomas de Maizière ist Chef des Bundeskanzleramts und
Bundesminister für besondere Aufgaben. In Sachsen bekleidete
er zwischen 2001 und 2005 unter anderem das Amt des Ministers für Justiz und das des Ministers des Inneren.
Seinen Text über „Don Carlos“ schrieb er auf Einladung des
Staatsschauspiels Dresden.
Zum Stück Don Carlos und der
Marquis von Posa sind Freunde
seit frühester Jugend. Sie haben
einander geschworen, gegen die
überkommenen politischen
Verhältnisse zu kämpfen. Posa
ist ein fanatischer Verfechter
der Freiheit, und auch Carlos
drängt es zum Handeln: „Dreiundzwanzig Jahre, und nichts
für die Unsterblichkeit getan!“,
ruft er aus. Wenige Wochen
später werden beide nicht mehr
am Leben sein. Als Posa von
einem Aufenthalt in Flandern
zurückkehrt, will er seinem
Freund sofort von den entsetz­
lichen Verhältnissen berichten,
unter denen die Menschen dort
zu leben haben. Er hofft auf die
Hilfe des Freundes. Doch findet
er Carlos verzweifelt vor: Er
liebt seine Stiefmutter, Königin
Elisabeth, die zuerst ihm
ver­sprochen war, die dann
jedoch eine politische Ehe mit
seinem Vater, König Philipp ii.
von Spanien, eingegangen ist.
Posa kann den Freund nur
müh­sam für seine revoluti-
o­nären Pläne begeistern, und
gerade als Carlos sich doch
entschließt, seinen Vater um
die Regentschaft der Nieder­
lande zu bitten, erreicht ihn ein
anonymer Liebesbrief. Blind vor
Liebe fällt Carlos einer von vielfältigen Interessen befeuerten
Hofintrige zum Opfer. Als auch
König Philipp beginnt, an der
Treue seines Sohnes und seiner
Gattin zu zweifeln, vermischt
sich das politische Ideendrama
endgültig mit einem Familienund Liebesdrama.
Regie Roger Vontobel, geboren
1977 in Zürich, studierte Schauspiel an der American Academy
of Dramatic Arts in New York
und Pasadena sowie Schauspielregie am Institut für
The­ater, Musiktheater und Film
itmf in Hamburg. Bereits
während des Studiums inszenierte er am Staatstheater
Stuttgart, am Thalia Theater
Hamburg und am Theaterhaus
Jena. Nach Inszenierungen in
Essen und München wurde
Vontobel in der Kritikerum­
frage von „Theater heute“ zum
Nachwuchsregisseur des Jahres
2006 gewählt. Seit der Spielzeit
2005. 2006 ist Vontobel Haus­
regisseur am Schauspiel Essen,
seit der Spielzeit 2006. 2007
ebenfalls am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Er
ar­beitet außerdem regelmäßig
an den Münchner Kammers­pielen und am Maxim Gorki
Theater Berlin.
43
Sein oder Nichtsein Komödie nach dem Film „To Be or Not to Be“ von Ernst Lubitsch Premiere im April 2010 im Schauspielhaus
Regie: Thomas Birkmeir
Bringt das was?
Über Nazis in der Satire
von Klaus Cäsar Zehrer
Das Selbstverständliche und Offensichtliche vorweg: Nazis sind nicht komisch. Sind es nie gewesen, werden es
nie sein. Nicht die alten, die die Zivilisation auf einen
historischen Tiefststand brachten, und nicht die neuen,
die davon träumen, es ihnen eines Tages gleichzutun.
sich das Haar streng scheiteln, ein schmales Bärtchen
ankleben und vor Publikum oder der Kamera wüst herumbelfern, ist größer denn je. Als ob damit schon etwas
bewiesen oder gar gewonnen wäre. Und als ob der blöde
Adolf nur ein Bruder des dummen Augusts wäre. Selbst
der tv-Comedian Atze Schröder, bislang wenig auffällig
Und doch wird über Nazis gelacht, seit sie in den späten
als politisch engagierter Künstler, spielte im Jahr 2008
1920er-Jahren zu einer ernst zu nehmenden politischen die Hauptrolle in der Filmkomödie „u-900“, in der reiKraft aufstiegen. In Kabaretts und Witzblättern spottete
henweise Nazis in ihrer fast schon obligaten Komödienman über die geistesarmen Größenwahnsinnigen mit
funktion vorkommen, nämlich als Dummbeutel, Watdem kruden Weltbild. Kurt Tucholsky verhöhnte „Joeb- schenheinis und Schießbudenfiguren. Der Regisseur des
bels“ 1931 in der „Weltbühne“: „Wat wärst du ohne deine
Films, Sven Unterwaldt, beantwortet die Frage, ob man
Möbelpacker! / Die stehn, bezahlt un treu, so um dir rum. / „in Deutschland einen Popcornfilm über den Zweiten
Dahinter du: een arma Lauseknacker, / een Baritong fort Weltkrieg“ drehen dürfe, „aus folgendem Grund mit Ja:
Jachtenpublikum.“ Doch noch vor der Machtergreifung Weil ich glaube, man darf kein Medium auslassen, um irder Nazis stellte er resigniert fest, dass solche Verbalatta- gendwo ein Zeichen gegen Rechts zu setzen. Und sei es
cken wenig ausrichten können: „Satire hat auch eine Grenze
nur: Die Nazis sind doof.“ Und er ergänzt, dass „ich nanach unten. In Deutschland etwa die herrschenden fa- türlich genau bei Lubitschs ‚To Be or Not to Be‘ meine
schistischen Mächte. Es lohnt nicht – so tief kann man Wurzeln sehe“.
nicht schießen.“ Dessen ungeachtet besang Erich Weinert
im Moskauer Exil selbst noch 1942, als die vermeintlichen „Darf man das?“, das ist heute nicht mehr, wie noch zu
Knallchargen sich längst als skrupellose Massenmörder Tucholskys Zeiten, eine vorrangig juristische Frage, sonausgezeichnet hatten, Hitler mit kraftvoller Ohnmacht als
dern eine moralische. Sie tauchte in den vergangenen
„Diesen Hindenburgumschwänzler, / Diesen tristen Ham- Jahren zuverlässig auf, wann immer deutsche Satiriker
pelmann, / Diesen faden Temperenzler, / Der’s nicht mal sich aktuell des Themas Nationalsozialismus und spezimit Weibern kann, / Diesen Selterwassergötzen, / Dies ell der Figur Adolf Hitlers annahmen. Ob es sich um die
Friseurmodell auf schön“.
Cartoonserie „Der Führer privat“ des Karikaturistenduos
Greser & Lenz, den Comic „Adolf, die Nazisau“ von Walter
Satire, Spott und Polemik sind die Lieblingswaffen der Pa- Moers, Bühnenanverwandlungen durch Harald Schmidt
zifisten. Mit ihnen kann man geistige Schlachten bestrei­ oder die Komödie „Mein Führer“ von Dani Levy mit Helge
ten und Gegner bekämpfen, ohne dass Blut fließt. Aber Schneider als Hitler handelte: Nie waren öffentlich geäuwas, wenn der Feind sich nicht auf Waffengleichheit ein- ßerte Bedenken fern, ob eine Komisierung nicht eine Balässt? Der Kabaretthistoriker Volker Kühn schreibt über nalisierung, eine Verharmlosung des Bösen bedeute.
die Endzeit der Weimarer Republik: „Alles, was Hollaenders Chansons im Tingel - Tangel bewirken, wenn etwa Anlässlich des letztgenannten Beispiels behauptete der
vom ‚falschen Zug‘ die Rede ist, der offensichtlich ‚ver- deutsche Bischof Gebhard Fürst: „Nur die Opfer könnten
kehrt verkehrt‘, weil der Pazifik nach ‚Nazedonien‘ fährt, uns das Recht zugestehen, über Hitler zu lachen.“ Ein
ist die Mobilmachung uniformierter Schlägertrupps, die
Satz, der die ganze merkwürdige Verkrampftheit der Dedie Kabarettkeller stürmen, Krawall schlagen und die
batte illustriert. Das natürliche Lachen ist die spontane
unliebsamen oppositionellen Kabarettisten von der Körperreaktion auf ein komisches Erlebnis. Eine Instanz
Bühne zerren.“
zu benennen, die das Recht auf Lachen zugestehen oder
verweigern könnte, ist so unsinnig, wie einem ErkälteGegen rohe Gewalt erwies sich die spitze Feder als wenig ten das Niesen erlauben oder verbieten zu wollen. Diewirksames Gegenmittel. Joseph Goebbels konnte 1939 ver- selbe verkrampfte Befangenheit ist leider auch vielen Sakünden: „Die politische Witzemacherei ist ein liberales
tiren auf den Nationalsozialismus anzumerken. Ihren
Überbleibsel. Im vergangenen System konnte man damit Machern scheint mehr daran gelegen zu sein, „irgendwo
noch etwas erreichen. Wir sind in diesen Dingen zu ge- ein Zeichen gegen Rechts zu setzen“, als das komische Poscheit und erfahren, als dass wir sie ruhig weitertreiben
tenzial ihres Themas möglichst wirkungsvoll auszuspieließen.“ Der Kabarettdichter und Anarchist Erich Müh­ len. Zu lachen gibt es dementsprechend eher wenig.
sam war da schon seit fünf Jahren tot, ermordet im kz Wenn das Publikum trotzdem demonstrativ lacht, dann
wohl in erster Linie weil es gleichfalls irgendwo ein ZeiSachsenhausen. Fast schon glücklich schätzen konnte
sich, wer, wie Erich Kästner oder Werner Finck, mit Be- chen gegen Rechts setzen möchte.
rufsverbot davonkam oder, wie Bertolt Brecht, Walter
Bedenkt man, um welche barbarischen Mörderhorden es
Mehring oder John Heartfield, im Exil überlebte.
sich handelt, denen mit der bescheidenen satirischen WafEs ist erstaunlich, wie wenig diese Vorgeschichte die heu- fenkraft entgegengetreten wird, nimmt sich die Frage
tigen Spaßmacher entmutigt. Die Zahl der Witzbolde, die „Darf man das?“ ohnehin merkwürdig verzärtelt, ja fast
44
weltentrückt aus. Sehr viel irdischer ist da schon die Frage:
Bringt das was? Oder auch: Was bringt das? Was bringt es,
auf launige Weise die Botschaft zu verbreiten, dass Nazis
doof sind? Doofe pflegen sich nun einmal gerne mit dem
unbekümmerten Gegenargument „Selber doof“ zu verteidigen. Auf diesem Niveau ist nicht viel auszurichten.
Es gilt zu beachten, dass nicht in jeder Satire, in der Nazis
vorkommen, diese auch das eigentliche Angriffsziel sind.
Denken wir etwa an die allseits beliebte Diffamierungstechnik des Nazivergleichs. „Das ist wie bei den Nazis“ ist
im heute üblichen Sprachgebrauch nur eine andere Formulierung für „Das ist sehr, sehr verwerflich“. Wenn einem Politiker, sei es mit komischen oder mit unkomischen rhetorischen Mitteln, unterstellt wird, seine Taten,
Äußerungen oder Absichten hätten Gemeinsamkeiten
mit denen der Nazis, so wird dieser keinesfalls antworten, dass gewisse Parallelen in der Tat unverkennbar
seien, sondern er wird sich vehement über diesen ungeheuerlichen Vergleich empören und eine unverzügliche
Entschuldigung fordern. Denn wenn es (außerhalb des
braunen Lagers natürlich) ein gesellschaftliches Einverständnis gibt, dann jenes, dass Nazis das Allerletzte sind,
das absolut Schlechte.
Aus diesem Grund sind Satiren, die zum Lernziel haben,
dass die Nazis doof sind, müßig, denn diese Einsicht des
Zuschauers kann getrost vorausgesetzt werden. Bedeutet
das, dass Nazis als Personal für satirische Werke ungeeignet sind? Ganz im Gegenteil. Der Sozialphilosoph The­
odor w. Adorno bemerkte über die Satire: „Sie hebt sich
auf, sobald sie das auslegende Wort hinzufügt. Dabei
setzt sie die Idee des Selbstverständlichen voraus. Nur
wo ein zwingender Consensus der Subjekte angenommen
wird, ist subjektive Reflexion, der Vollzug des begrifflichen
Akts überflüssig.“ Das bedeutet: Satire basiert auf Übereinkunft, damit sie überhaupt verstanden werden kann.
Satiren sind keine komplexen Charakterstudien ambivalenter Protagonisten, sie arbeiten mit schnell und leicht
zu entschlüsselnden Zuschreibungen. Aus diesem Grund
sind Nazis für Satireautoren so unwiderstehlich. Sobald
der Mann mit der Hakenkreuzbinde auftaucht, weiß das
Publikum: Hier kommt der Böse. Der auch der Gefährliche ist, so dass zugleich für ein Spannungselement gesorgt ist. Gelungene Satiren zeichnen sich dadurch aus,
dass sie diese eindeutig negative Zuschreibung weder relativieren noch als das Ergebnis ihrer erzählerischen Bemühungen herausstellen, sondern die dramaturgischen
Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, geschickt und
gewitzt ausschöpfen.
Wie das gehen kann, zeigt seit 1942 Ernst Lubitschs Filmmeisterwerk „Sein oder Nichtsein“, das sich auf Melchior
Lengyels Theaterkomödie „Noch ist Polen nicht verloren“
gründet. Angesichts der Zeitumstände, unter denen das
Stück entstanden ist, wäre auch ein recht grob gestricktes antifaschistisches Propagandastück verzeihlich gewesen. Dass Autor und Regisseur dennoch mehr Wert
auf fein angelegte Erzähltechnik als auf plumpe Effekte
gesetzt haben, ist ein kleines Wunder, ja mehr als das: Es
ist große Satirekunst. Mag sein, dass der Film nur wenig
dazu beigetragen hat, den Zweiten Weltkrieg zu entscheiden. Aber er beweist uns Nachgeborenen eindrucksvoll,
dass die Guten gewonnen haben. Und das, immerhin,
vermag die Satire.
Dr. Klaus Cäsar Zehrer lebt als freier Autor und Herausgeber in
Berlin. Er schreibt unter anderem Humorkritiken für das Satiremagazin Titanic und hat zum Thema Dialektik der Satire
promoviert. Sein Text entstand für dieses Heft.
Was bringt das?
Zum Text Eine Warschauer
Schauspieltruppe probt 1939
eine politische Komödie. Da
die deutschen Nationalsozialisten Ziel ihres Spotts sind,
wird das Stück von der polnischen Regierung abgesetzt.
Stattdessen wird Shakespeares
„Hamlet“ gezeigt, mit dem
selbstherrlichen Joseph Tura in
der Titelrolle. Zum Entsetzen
Turas verlässt in jeder Vorstellung ein junger Mann den
Zuschauerraum immer dann,
wenn er auf der Bühne zu
Hamlets berühmtem Monolog
„Sein oder Nichtsein …“ ansetzt.
Was Tura nicht ahnt, ist, dass
seine Gattin, die prominente
Schauspielerin Maria Tura,
eine heimliche Affäre mit dem
jungen Fliegeroffizier Stanislav
Sobinski hat. Dieser nutzt
Abend für Abend die Gunst des
Augenblicks, um mit seiner
Geliebten in der Theatergarderobe ungestört zu sein. Eines
Abends wird plötzlich Fliegeralarm ausgelöst: Die Deutschen
haben Polen angegriffen. Es
herrscht Krieg.
Das Theater schließt, das Ensem­ble tut sich mit den Wider­
standskämpfern zusammen,
und Sobinski entkommt nach
London, von wo er Luftangriffe
gegen Nazideutschland fliegt.
In England trifft er auf den
polnischen Widerstandskämpfer Professor Siletzky. Wenig
später wird dieser als Doppelagent entlarvt, der Informationen über den polnischen
Widerstand an die Gestapo
übergeben soll. Sobinski folgt
dem Verräter, und es entwickelt
sich eine groteske Verwechslungskomödie, in der auch die
Schauspieltruppe eine wesentliche Rolle spielt – alle Mitglieder schlüpfen in die Uniformen
ihres Antinazi-Stücks und
spielen buchstäblich um ihr
Leben.
Regie Thomas Birkmeir wurde
1964 in München geboren.
Nach dem Studium der Pädagogik, Psychologie und Philosophie schloss er seine Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar für Regie in Wien ab. Birkmeir arbeitete zunächst als
Assistent und Schauspieler am
Wiener Burgtheater, danach
inszenierte er unter anderem
in München, Augsburg, Frankfurt, Wien (Theater der Jugend,
Theater in der Josefstadt,
Wiener Staatsoper) und am
Schlosspark-Theater Berlin, an
dem er von 1998 bis 2000 als
Oberspielleiter tätig war. In
Hannover inszenierte er 2006
„Tintenblut“ von Cornelia
Funke und zuletzt 2007 Joseph
Kesselrings „Arsen und Spitzenhäubchen“. Thomas Birkmeir ist Gastprofessor am
Konservatorium der Stadt
Wien sowie am Max-Reinhardt-Seminar. Zudem ist er
auch als Autor tätig, seine
Stücke wurden in den letzten
Jahren vielfach im deutschen
Sprachraum und auch international aufgeführt. Seit 2002 ist
Thomas Birkmeir Künstlerischer Leiter des Theaters der
Jugend in Wien, wo er zuletzt
Shakespeares „Komödie der
Irrungen“ inszenierte.
45
Stefko Hanushevsky 46
Tom Quaas 47
Adam und Evelyn von Ingo Schulze. Für die Bühne eingerichtet von Jens Groß Uraufführung am 20. September 2009 im Kleinen Haus 2
Regie: Julia Hölscher 1 Bühne: Alex Harb 1 Kostüm: Ulli Smid
Die Schöpfung als Arbeit in der Dunkelkammer
Über die Entstehung meines Romans „Adam und Evelyn“
von Ingo Schulze
Anfang Oktober 2001 erschien in Ungarn die Übersetzung
von „33 Augenblicke des Glücks“, das Goethe-Institut
hatte mich eingeladen, ich lernte Lídia Nadori kennen,
die das Buch übersetzt hatte, die Lesung war gut besucht,
Imre Kertész schaute vorbei und gab Buch und Übersetzung seinen Segen.
Am Tag darauf traf ich den Regisseur Péter Bacsó und
seine Mitarbeiter. Bacsó, der mit „Der Zeuge“ einen der
wichtigsten wie auch populärsten ungarischen Filme
gedreht hatte, fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte,
ein Drehbuch für ihn zu schreiben; die Hauptfigur sollte
ein Schneider aus der ostdeutschen Provinz sein, der mit
seiner Frau Ende August 1989 an den Balaton gerät. Als
Bilder aus diesen Tagen waren ihm vor allem die langen
Reihen der Trabants und Wartburgs in Erinnerung, die
die Ostdeutschen auf ihrer Flucht in den Westen zurückgelassen hatten. Mir gefiel die Idee mit dem Schneider.
Doch weder sah ich mich in der Lage, ein Drehbuch zu
schreiben, noch wollte ich meine Arbeit an dem Manuskript von „Neue Leben“ unterbrechen. Ich sagte jedoch
gern zu, mir das Drehbuch, wenn es später mal eins gebe,
anzusehen.
Einige Wochen oder Monate später ließ Bacsó erneut nachfragen, ich wehrte ab – doch dann geschah etwas Seltsames: Ich hatte kaum den Hörer wieder hingelegt und
wollte weiterarbeiten, da fing ich Feuer. Was mich plötzlich an dem Stoff interessierte, war die Wahlmöglichkeit,
die im September 1989 in Ungarn entstand, eine Wahl,
wie es sie für Ostdeutsche davor nicht gegeben hatte und
wie es sie bald darauf für alle nicht mehr geben sollte.
Zum anderen war es die Möglichkeit, die verschiedenen
Auffassungen von Arbeit aufeinandertreffen zu lassen.
Mir war schnell klar, dass die Frau des Schneiders ihren
westlichen Liebhaber bitten würde, noch eine Weile zu
bleiben (was ihm wegen seiner Arbeit unmöglich erscheint), weil sie das Dazwischensein genießt, den Urlaub
ausdehnen möchte und sich vielleicht für einen Ungarn
entscheidet statt für den Ost- oder den West­deutschen.
Ich skizzierte den Anfang, gab ein paar kurze Ausblicke
und stellte Bacsó frei, diese Ideen zu verwenden; mir erbat ich im Gegenzug die Freiheit, ausgehend von seiner
Idee eine Novelle zu schreiben. Nach einigem Hin und
Her brach dann der Kontakt ab. Was aus dem Filmprojekt
geworden ist, weiß ich nicht.
Anfang 2005 fragte mich Elisabeth Ruge, meine Verlegerin,
ob ich denn Lust hätte, mich an der Mythenreihe, die im
Berlin-Verlag erscheinen sollte, zu beteiligen. Einen Mythos weiterzuerzählen interessierte mich nur, wenn ich
es in einer Geschichte aus unserer Zeit tun konnte. Und
da fiel mir nichts ein.
Ein paar Monate später, ich steckte bereits tief im Lektorat von „Neue Leben“, las ich in Rüdiger Safranskis Buch
„Über das Böse“, das bei Adam und Eva beginnt. Es ist
schwer zu erklären, wie Ideen entstehen, doch plötzlich
war mir klar, dass mein Schneider und seine Frau sich
in einer klassischen Adam-und-Eva-Situation befanden,
denn Adam und Eva können auch zum ersten Mal wählen,
ob sie im Status quo verharren oder das Verbotene probieren. Merkwürdigerweise trug der Schneider in meinen
Skizzen bereits den Namen Adam.
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Doch wollte ich nach „Neue Leben“ nicht gleich wieder
in die Welt von 1989 zurück und setzte mich an die Geschichten, die im Frühjahr 2007 in dem Band „Handy“
erschienen.
Die Idee von „Adam und Evelyn“, der Titel stand vor Beginn der Arbeit fest, nahm ich mit nach Rom, in mein elfmonatiges Villa-Massimo-Stipendium. Sollte es sich ergeben, wollte ich mich an dieser Novelle versuchen und
mir den lang gehegten Wunsch erfüllen, endlich ein ganz
dünnes Buch zu schreiben.
In Rom riss mir beim Fußballspiel die rechte Achillessehne, ich wurde operiert und saß nun, es war Ende Juni,
die große Hitze hatte gerade begonnen, mit Gips und Krücken im Paradies fest. Um nicht gänzlich melancholisch
zu werden, versuchte ich zu arbeiten. Monate zuvor hatte
ich Hans Blumenbergs Buch „Begriffe in Geschichten“ in
die Hand bekommen. In seiner Ein­leitung erinnert er
sich an seinen Vater und dessen Dun­kel­kammer: „Einer,
der an die Schöpfung nicht glaubt, versteht ihren Begriff
doch immer noch, wie er ihn in der Dunkelkammer anschaulich vor sich ‚produzierte‘.“ Die Schöpfung als Arbeit in der Dunkelkammer sollte der Anfang sein.
Statt wie bei „Neue Leben“ drei Jahre zu suchen, fand ich
den Tonfall diesmal in drei Tagen. Es sollte kein Ich­
erzähler sein, das hatte ich in „Handy“ ausgiebig prak­
tiziert. Die Novelle sollte in Adam beginnen und in Evelyn enden, ein Vorhaben, das ich während des Schreibens
aus den Augen verlor, doch am Ende kehrte ich zu dieser
Idee zurück. Ich versuchte, jeden Tag tausend Worte zu
schreiben, je­den Tag ein kurzes Kapitel. Es war eine Trotz­
reaktion. Meine Enttäuschung, den Sommer angepflockt
an den Gips verbringen zu müssen, reagierte ich auf diese
Art und Weise ab. Jeden Morgen glaubte ich, dass ich es
nicht schaffen würde. Doch spätestens abends hatte sich
dann doch eine Idee eingestellt, ich wusste ja, wohin die
Reise gehen sollte.
Um den 10. August herum, ich konnte mich nun schon
hum­pelnd fortbewegen, hatte ich es bis zum 40. Kapitel
gebracht. Adam und Evelyn waren im Begriff, die ungarisch-österreichische Grenze zu überschreiten. Wegen Auf­
tragsarbeiten musste ich die Arbeit abbrechen. Das fiel
mir schwer, ich sehnte mich nach meinen Figuren, ich
wollte selbst wissen, wie es weiterging.
Anfang September flog ich für vier Tage nach Ungarn,
mietete mir einen Wagen, besuchte die Kirche von Budapest-Zugliget – dort war das berühmte Zeltlager der Malteser gewesen – und fuhr an den Balaton, den ich zu­vor
erst einmal gesehen hatte – 1998 bei einem ungarischdeutschen Schriftstellertreffen. Es war merkwürdig, ein
Quartier für meine Figuren zu suchen.
Ich kam erst in den letzten Tagen des Jahres wieder dazu,
mich an die – wie ich noch immer glaubte – Novelle zu setzen. Bis Mitte Januar, nun wieder in Berlin, hatte ich die
erste Rohfassung geschrieben, auch wenn mir ein rich­
tiger Schluss noch fehlte.
Ich war selbst überrascht von dem großen Raum, den die
Dialoge einnehmen. Im Nachhinein, so glaube ich, konnte
es aber gar nicht anders sein. Der Herbst 1989 war die Zeit
des Redens, der grundsätzlichen Rede.
Das Überarbeiten des Manuskriptes, von vielen Reisen
und kleineren Arbeiten unterbrochen, brauchte wesentlich mehr Zeit als das Schreiben der Rohfassung. Die Arbeit war genussvoll und beinah entspannt – zumindest
nachdem ich Ende März endlich den Schluss gefunden
hatte (vor lauter Erleichterung verfiel ich für Tage in regelrechte Lethargie).
Vom Schluss her begann ich Motive, die ich nach wenigen
Kapiteln verloren hatte, wieder aufzugreifen oder manche, die sich erst spät ergeben hatten, auch in die ersten
Kapitel einzuarbeiten. Der biblische Mythos war eine
enorme Hilfe. Er war nicht nur der Kompass, der jedem Ka­
pitel unterlegt werden konnte und scheinbar nebensächlichen Details Aufmerksamkeit sicherte. Bei der Bibellektüre begriff ich auch, dass es ja nicht nur um die Erkenntnis von Gut und Böse geht, sondern dass da ein zweiter
bedeutungsvoller Baum im Paradies steht, sogar in der
Mitte des Gartens, der Baum des ewigen Lebens. Damit
wir nicht auch noch von diesem essen und dann tatsächlich werden wie Gott (nachdem wir schon gut und bös unterscheiden können), müssen Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben werden, Cherubim bewachen den Garten Eden mit dem Flammenschwert. Das Streben nach
Unsterblichkeit oder wenigstens nach einem sehr langen,
einem verlängerten Leben wurde plötzlich wichtig. Das
Ziel aller Wissenschaft und Technologie ließe sich auch
als Zugewinn an Lebenszeit oder zumindest als deren
Verbesserung beschreiben, und Wissenschaft und Technologie in ihrer avancierten Form stehen für den Westen.
Worum geht es? Um den Wechsel der Abhängigkeiten
und Freiheiten – die Freiheiten des Ostens konnte man
erst erkennen, als der Osten schon verschwunden war,
als man den Westen kennenlernte; zum Beispiel die relative Bedeutungslosigkeit von Geld, aber auch die Abwesenheit von Konkurrenz und Existenzkampf – immer ver­
glichen mit heute.
Was wollte ich eigentlich mit diesem Buch? Ich wollte
eine Art Gegenstück zu „Neue Leben“, den Weltenwechsel
diesmal als Parabel erzählt.
Ich glaube, dass dies auch formal ein End- und Wendepunkt ist. Wie in einzelnen Geschichten in „Handy“ ist
hier das ganze Buch geradlinig und mit geradezu redu­
ziertem Vokabular, reduzierter Syntax erzählt, ein Stück
in C-Dur ohne Begleitung. Ich warf mir sozusagen den
Schafspelz der sogenannten Unterhaltungsliteratur über.
Denn je weniger ich inhaltlich und formal abschweifte, um­so deutlicher – so meine Hoffnung – würden die Linien her­
vor­treten, die von den Lebenswegen der Figuren gezeichnet werden. Wie sie ihre Souveränität verlieren, gewinnen
oder wiedergewinnen, würde etwas über den Weltenwechsel sagen, der eben auch – sonst wäre es nicht so brisant – der
Umbruch des Westens ist, die große Zäsur nach dem En­
­de des Zweiten Weltkrieges.
Nicht zuletzt sollte es auch die Fallhöhe deutlich machen,
die zwischen 1989 und heute liegt. Wenn Evelyn im letzten Kapitel sagt, dass ihr Kind „in die schönste Welt, die
es je gegeben hat“ kommt, und Adam daraufhin skeptisch
dreinblickt, fragt sie: „Na, dann sag, wann es besser ge­
wesen ist!? In welche Zeit willst du zurück?“ Er bleibt ihr
die Antwort schuldig. Ihre berechtigte Hoffnung ist unsere Scham, dass es anders gekommen ist. Dazu gehört
auch, dass Adam und Evelyn Flüchtlinge sind. Das Maß
an Hilfe und Aufmerksamkeit, das ihnen zuteilwurde,
ist heute schon unvorstellbar geworden.
Der Autor Ingo Schulze ist gebürtiger Dresdner. Sein Beitrag für
dieses Heft basiert auf einem Text für das Goethe-Institut Ungarn.
Und Gott der Herr pflanzte einen
Garten in Eden gegen Osten hin
und setzte den Menschen hinein,
den er gemacht hatte.
Zum Text Spätsommer 1989.
ddr. Adam ist im Paradies.
Die Frauen liegen ihm zu Füßen,
weil er ihnen Kleider schneidert,
die sie schöner und begehrenswerter machen. Und Adam
begehrt sie alle, wenn sie erst
einmal seine Kleider tragen.
Abgesehen davon liebt er seine
Freundin Evelyn aufrichtig.
Diese allerdings durchlebt die
Hölle. Evelyn fühlt sich in ihrem
„Kaff“ eingesperrt, „beerdigt
und begraben“. Und dann überrascht sie auch noch Adam im
Adamskostüm mit einer seiner
Kundinnen. Statt mit Adam
fährt Evelyn gemeinsam mit
einer Freundin und deren Westcousin nach Ungarn an den
Balaton. Adam setzt sich in
seinen alten Wartburg und
folgt den dreien. Für Evelyn
würde er bis ans Ende der Welt
fahren – und vielleicht muss er
das auch, denn Ungarn will die
Grenze gen Westen öffnen.
Plötzlich ist die verbotene
Frucht greifbar, die Schlangen
haben züngelnd Position bezogen, und alle müssen sich
entscheiden. In der Ausnahmesituation jenes Spätsommers
1989, der unverhofften und
plötzlich sich ergebenden Wahlfreiheit, entdeckt Ingo Schulze
die menschliche Urgeschichte
von Verbot und Verlockung,
Liebe und Erkenntnis und nicht
zuletzt der Sehnsucht nach
dem Paradies. Doch wo ist das
zu finden? In der Verheißung
des Westens, der Ungebundenheit eines endlosen Feriensommers am Balaton oder doch im
vertrauten eigenen Garten?
Autor Ingo Schulze, geboren
1962 in Dresden, studierte Klassische Philologie und Germanistik an der Universität Jena.
Anschließend war er für zwei
Jahre als Schauspieldramaturg
am Landestheater Altenburg
tätig, das er verließ, um als
Journalist zu arbeiten. 1990
gründete er das „Altenburger
Wochenblatt“, das bis Herbst
1991 erschien, sowie den
„Anzeiger“. 1993 ging er für ein
halbes Jahr nach St. Petersburg,
wo er das erste kostenlose
Anzeigenblatt „Priwet Peterburg“ gründete. Seit 1993 lebt
er als freier Schriftsteller in
Berlin. Er erhielt zahlreiche
Preise, unter anderem den
Berliner Literaturpreis mit der
Johannes-Bobrowski-Medaille,
den Peter-Weiss-Preis und 2007
den Preis der Leipziger Buchmesse. Seit 2006 ist Ingo Schulze Mitglied der Akademie der
Künste Berlin und der Deutschen Akademie für Sprache
und Dichtung in Darmstadt,
seit 2007 Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste.
Bekannt wurde er mit seinem
Erzählband „Simple Storys.
Ein Roman aus der ostdeutschen Provinz“. In den letzten
Jahren folgten neben essayis­
tischen Texten seine Bücher
„Neue Leben“, „Handy – Dreizehn Geschichten in alter
Manier“ und zuletzt „Adam
und Evelyn“.
Regie „Adam und Evelyn“
wird inszeniert von Julia
Hölscher, die im September
im Schauspielhaus Astrid
Lindgrens „Die Brüder Löwenherz“ auf die Bühne bringt
(Biografie siehe Seite 25).
49
Vùng biên gió’i – Ein Theaterprojekt mit Experten aus Dresden und Prag von Rimini Protokoll Uraufführung am 9. Oktober 2009 im
Kleinen Haus 2 anschließend beim Prager Theaterfestival deutscher Sprache am Nationaltheater Prag
Regie: Helgard Haug und Daniel Wetzel (Rimini Protokoll)
In Zusammenarbeit von Staatsschauspiel Dresden, Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte, eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes,
Pražský divadelní festival nĕmeckého jazyka (Prager Theaterfestival deutscher Sprache) und Národní divadlo (Nationaltheater Prag)
Experten
des Alltags
Zwischen Dresden und Prag liegt Vietnam
Eine Annäherung auf Umwegen
von Rimini Protokoll
Im Frühjahr 2008 brach Rimini Protokoll auf, um sich mit
dem Nachbarschaftsverhältnis zwischen Deutschland und
Tschechien zu befassen – an der deutsch-tschechischen
Grenze fanden sie schließlich tatsächlich etwas, das beide
Länder verbinden könnte. Hinter Armeen von Gartenzwergen, mauerhohen cd-Stapeln mit Raubkopien und säckeweise gefakter Markenkleidung hoffen vietnamesische
Händler heute auf ihr Glück. Sie kamen aus dem asiatischen Bruderland nach Tschechien und in die ddr als Vertragsarbeiter und Auszubildende zu einer Zeit, als die nun
verwaiste Grenzstation noch schwer überwindbar war.
Jetzt bilden sie sowohl in Dresden als auch in Prag die
stärkste Migrantengruppe.
„Preise hart an der Grenze“ wirbt ein Schild für die ausgelegten Waren, die rituell zweimal in der Woche vom Zoll
beschlagnahmt und anschließend verbrannt werden. Am
nächsten Tag helfen Töchter und Söhne dabei, den Nachschub nachgemachter us-Uniformen aus den Kisten auf
den Ladentisch zu packen. Aber während ihre Eltern gebrochen „billig, billig“ rufen, haben sie sich bereits ganz
andere Territorien erobert: Sie studieren, reisen, beherrschen Sprachen und füttern die Suchmaschinen mit ihren eigenen Statusfragen nach Heimat und Zugehörigkeit.
Regie Helgard Haug und Daniel
Wetzel haben am Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft studiert und arbeiten gemeinsam mit Stefan Kaegi
unter dem Label Rimini Protokoll mit Sitz am Berliner Theater Hebbel am Ufer (HAU). Ihre
Theaterarbeiten finden in der
bunten Zone zwischen Realität
und Fiktion statt und haben
50
international Aufmerksamkeit
erregt. Jüngste Arbeiten auf der
Bühne galten den Abendnachrichten aus zahlreichen Ländern,
die, simultan und live übersetzt,
die Grundlage für den jeweiligen Bühnentext liefern („Breaking News“, 2008), der Adoptionsgeschichte einer jungen Frau,
die in Südkorea geboren und in
Deutschland aufgewachsen ist
Im Zentrum des Projekts steht das Vorhaben, einen Theaterabend zu entwickeln, der für Theaterbesucher in Prag
und Dresden gleichermaßen Relevanz hat, da das jeweils
eigene Nachdenken über die vermeintlich eigene Heimat
und die europäischen Nachbarn durch den Blick auf eine
dritte Gruppe auch eine weitere, dringend notwendige
Perspektive gewinnt.
Wir gehen davon aus, dass das Theater ein ganz besonderer
Umschlagplatz für die Lebensperspektiven Einzelner ist:
schneller, offener, direkter und ehrlicher als irgendeine andere Kunstform. Hier betritt der Einzelfall die Bühne, denn
nur er hat die Kraft, gesellschaftliche Standards und eingefahrene Klischees zu brechen oder völlig aufzulösen.
Ins Zentrum der Theaterarbeit stellt Rimini Protokoll daher einzelne Menschen mit ihren Biografien und Berufen.
Und bezeichnet diese, ihrer Erfahrungen und Eigenarten
wegen, als Experten: Experten des Alltags, Experten für
das Leben, das sie führen. Und schließlich Experten darin,
dem Theater fremd zu sein. Auch Rimini Protokoll geht
von einer Fremdheitserfahrung aus und wagt sich auf Felder vor, von denen es zunächst möglichst wenig versteht.
Das Theater wird damit selbst zum Forschungsinstrument,
das erst in der Bühnenöffentlichkeit zum Einsatz kommt.
(„Black Tie“, 2008), und Goethes
Gedicht „Der Zauberlehrling“
(2009). Zudem eröffneten sie
weltweit temporäre Büros, in
denen Theaterbesucher jeweils
einzeln für eine Stunde mit
Callcenter-Agenten in Indien
telefonierten („Call Cutta in a
Box“, 2008), und sie erklärten
die ordentliche Hauptversammlung der Daimler AG zu einem
Schauspiel in fünf Akten, das
von Theatergängern besucht
wurde, die zuvor Aktionäre bzw.
Aktionärsvertreter werden
mussten. Den Proben zu den
Stücken gehen umfangreiche
Recherche-, Casting- und Konzeptionsprozesse voraus. Ihre Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet. Ihre Produktion "Deadline"
wurde 2004 zum Berliner Thea-
tertreffen eingeladen. 2007 ge­­wann „Karl Marx: Das Kapital.
Erster Band“ den Mülheimer
Dramatikerpreis und den Publikumspreis. Im selben Jahr
wurde Rimini Protokoll der
Deutsche Theaterpreis „Der
Faust“ verliehen (Sonderpreis)
und 2008 in Thessaloniki der
Europäische Theaterpreis (Kategorie Neue Realitäten).
Ein Stück über die Grenze
Ein Recherchetagebuch von Rimini Protokoll
10:00 : Ankunft Dresden Hauptbahnhof. Startpunkt der
Suche nach den deutsch-tschechischen Beziehungen. Mit
dabei: ein ganzer Rucksack voll Klischees und Vorurteile.
Der Kundenberater der Autovermietung, ein kleiner
Mann mit Schnurrbart, schüttelt bedauernd den Kopf:
Trotz des eu-Beitritts Tschechiens gelte Reisefreiheit
noch nicht für deutsche Markenautos. Im nichtdeutschen Markenauto auf die b 172 Richtung Pirna – hinter
uns taucht die Kulisse Dresdens mit der wiederaufgebauten Frauenkirche ab.
10:30 : Dresden, Leubnitz. Zwischenstopp am Stadtrand
von Dresden. Das Klischee hat eine Realität: Plattenbausiedlung, Gartenzwerge und „Leubnitz-Treff“, ein Einkaufszentrum. Die riesige Auslage der Bäckerei hat nicht
mehr als ein paar verlorene Brote und ein Dutzend trockener Brötchen zu bieten. Die ältere Verkäuferin entschuldigt sich: Die Dresdner fahren samstags lieber ins
benachbarte Petrovice zum Einkaufen. Das mache sie
selbst auch gleich, weil viele Produkte dort gerade einmal die Hälfte kosten. Früher seien die Tschechen immer
nach Deutschland gekommen, weil es in der ddr die besseren Produkte gab. Heute kämen gar keine Tschechen
mehr zum Einkaufen herüber. 11:00 : Bei Pirna. Das erste tschechische Nummernschild
vor uns an der roten Ampel. An der Straße stehen Trabis
mit Plakaten, auf denen lachende fdjler den Weg zum
ddr-Museum Pirna weisen. Nachdem „Dresden“ so ein
Erfolg war, prangt jetzt auf großen Flächen die Werbung
für das nächste zdf-Geschichtsdrama: „Gustloff“. Hinter Pirna wird es hügeliger. Große Wälder säumen die
Straßen; in der Ferne der Königstein; ganz nah: eine Dynamo-Dresden-Fan-Tankstelle, komplett in Schwarz-Gelb. 13:00 : Grenzübergang Deutschland-Tschechien. Die seit
knapp zehn Wochen verwaiste Grenzstation rostet in ihren braunen 70er-Jahre-Tönen vor sich hin. Für 20 Euro
bekommt man hier 240 tschechische Kronen. Der Angestellte erzählt, dass am Wochenende insbesondere holländische Touristen einfallen. Während der Woche ziehen die Tschechen nach Deutschland zur Arbeit. Ein
Schild über einem Hauseingang: „Preise hart an der
Grenze“, darunter trägt gerade eine Familie zwei Paletten
Kaffee heraus. Sie kaufen hier jeden Samstag ein, es ist
einfach superbillig. 13:10 : Hřensko, Vietnamesischer Markt. Hinter der
Grenze begann das Paradies der Markenprodukte zu kleinen Preisen, jetzt, wenige Meter weiter, winkt das Paradies der Plagiate. Auf dem Parkplatz ausschließlich deutsche Markenautos mit deutschen Kennzeichen – an den
Straßen ausschließlich Bretterbuden und unter Plastikplanen und Wellblechdächern überall dasselbe Angebot:
gebrannte cds, dvds, Unterwäsche, bedruckte T-Shirts
(auch mit Konterfeis von Neonazi-Bands), gefak­te Markenklamotten und Zigaretten. Und: Gartenzwerge,
Garten­zwerge – ganze Armeen stehen aufgereiht am Straßenrand. Vor jedem Stand fordern Vietnamesen mit einer
Mischung aus deutschen und tschechischen Wörtern
zum Stehenbleiben auf. Während sich von diversen Ständen deutschsprachige Techno- und Schlagermusik zu einer rhythmischen Heimatgroteske vermischen, schreit
die Straßenschlucht zwischen den steil aufragenden Bergen stumm vor grellem Kitsch und Kopien. Ein Mann
hinter uns ruft „Kontrola“, und alle Vietnamesen zucken
in ihren Bretterbuden kurz zusammen. Der Mann lacht.
Er heißt Dieter, kommt aus Bochum und lebt seit 14 Jahren in einem Dorf in der Nähe von Hřensko. Seinem Kumpel gehöre die Straße, in der die Vietnamesen ihre Stände
anmieten. Mit der Vermietung der Parzellen verdiene der
35.000 Euro im Monat. Die Vietnamesen wohnen in der
Umgebung und kommen täglich in die „Stadt“, die gerade mal 160 reguläre Einwohner zählt. Zweimal in der
Woche komme die „Kontrola“, dann beschlagnahme der
Zoll alle Fälschungen und Raubkopien, also fast die ganze
Auslage. Dieter erzählt, die Sachen würden alle verbrannt.
Aber einen Tag später seien alle Buden wieder gefüllt.
14:30 : Auf dem Weg nach Ústí. Die Hinweisschilder „Autobazar“ häufen sich. Deutsche und andere Markenautos
werden angeboten. Die Tankstellen werden auf Verkehrsschildern als „lpgs“ ausgewiesen. In einzelnen wild wuchernden Gärten stehen mit Straßenstaub bedeckte
Gartenzwerge.
15:00 : Ústí. Eine Stadt als Mischung zwischen bröckelndem 70er-Jahre-Barock und herbem Industriecharme. Es
würde nicht überraschen, wenn hinter der nächsten Kirche ein Großkraftwerk in der Fußgängerzone stünde. Im
Hotel Bohemia, einem hellblauen Kasten, spricht man
Deutsch, zögerlich, aber gut. Viele Gäste scheinen hier
nicht mehr einzukehren, an der Hotelbar muss der Angestellte den Kaffee suchen. Wir sind jetzt genau in der
Mitte zwischen Dresden und Prag.
17:00 : Prag. Der nichtdeutsche Markenwagen wird direkt
am Bühneneingang der Laterna Magica geparkt, die wir
von unserem letzten „Kapital“-Gastspiel her kennen.
Heute steht „Cyrano de Bergerac“ auf dem Spielplan. Gegenüber: zweimal Touristen-Knödel.
20:00 : Auf dem Rückweg. Das Dorf Dubí. Rio Relax, Cleopatra, Cobra, Marylin: rote Herzen, schrille Lichterketten. Wenige Autos sind hier mitten im böhmischen Mittelgebirge unterwegs, und nur ab und zu huschen die
Schemen von Häusern in der Dunkelheit vorbei. Umso
bizarrer die Inszenierung der Prostituierten am Straßenrand. Inmitten dieser kalten und unheimlichen Blackbox
des Erzgebirges versuchen sie, vom Scheinwerferlicht geblendet, ihr mit 70 km / h vorbeifahrendes Publikum für
sich zu gewinnen. In der kleinen Stadt Dubí findet dieses
triste Straßentheater des Alltags seine längste Bühne. Die
Durchgangsstraße ist gesäumt von grünen, roten und gelben Schaufenstern, in denen sich nun mehrere Frauen
gleichzeitig bewegen. Auf der Straße: deutsche Markenwagen mit deutschen Kennzeichen. Am Ortseingang und
-ausgang ermöglichen Kreisverkehrsinseln das problemlose Wenden.
21:00 : Tankstellenkreuz an der Grenze. Am letzten Kreisverkehr, bevor es Richtung deutsche Grenze geht, zählen
wir fünf Tankstellen und drei Casinos. Direkt vor der
Grenze, oder vielleicht schon im Niemandsland dazwischen, zwischen den Grenzen: Erzgebirgsschnitzereien
und Räuchermännchen in neonhell ausgeleuchteten Basaren mitten im Wald. Und wieder Armeen von Gartenzwergen, die uns unheimlich angrinsen. Wir sind uns
nicht mehr sicher, ob der Gartenzwerg eigentlich deutsch
oder tschechisch ist. Jedenfalls kommt er schon seit Längerem aus vietnamesischer Produktion. Heute sind wir
nur gefahren, haben nicht geklingelt und nicht telefoniert. Wir müssen noch einmal wiederkommen. Oder
gleich nach Vietnam fahren.
Dieser Text von Rimini Protokoll erschien im Magazin von
Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte.
Weitere Informationen unter www.projekt-zipp.de
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Sascha Göpel 52
Lore Stefanek 53
Picco von Groote 54
Matthias Reichwald 55
Für alle reicht es nicht von Dirk Laucke Uraufführung am 30. Oktober 2009 im Kleinen Haus 2
Regie: Sandra Strunz
Letzter Zug
Sturzgeburt der Tragödie ausm Geiste der Provinz
von Dirk Laucke
Ich hole das zweite Bier aus dem Imbiss-Kühlschrank,
hau mich zurück auf meinen Plastikstuhl und halt die Flasche in die Luft, ehe ich sie aufmache. Der Asiate hinterm
Tresen hat die Geste verstanden, nickt und macht sich
wieder an Asia-Pfanne und Dönerspieß zu schaffen. Die
Uhr an der Wand verrät mir, dass ich noch ne gute halbe
Stunde Zeit hab, eh der letzte Zug mich nach Hause bringt
und ich mit meinem frisch abgecatchten Ruhm allein ins
Bett steige. Kleist-Förderpreis der Stadt Frankfurt / Oder.
Der Bahnhofsimbiss holt mich runter: Das ganze Sektgetrinke, Labern, Interview und Händeschütteln hat meinen Kopf mehr ausgesaugt als drei Rocky-Filme am Stück.
Sag mal, hab ich Kefir im Kopf? Rocky ist doch ein verdammt guter Film! Scheiße, stimmt. Ich meine natürlich
Steven Seagal … Na ja, da gibts ja auch den einen Film, wo
er son abgedreht harten Cop in Brooklyn spielt.
– „Fährste nach Berlin?“
Irgendjemand reißt mich aus meinem Seagal-Sly-Contest,
der gerade erst in die erste Runde geht. Ich seh mich um.
Sitzen vor mir zwei Typen am benachbarten Plastiktisch.
Der kleine Typ mit Brille schielt die ganze Zeit den zwischen Plastikpalmen geparkten Fernseher an; der große
Typ mit diesen – das sticht mir eigentlich als Erstes ins
Auge – mit diesen, wie soll ich sagen … Tanzschuhen und
weißen Socken kuckt mich an. Er fragt nochmal: „Fährste
nach Berlin?“ Mein Blick trennt sich von den Schuhen,
wandert hoch zu dem karierten Sakko, das zu breit in den
Schultern liegt, und der Goldkette im offenen braungebrannten Ausschnitt meines Gegenübers. Was würde Rocky in so einem Augenblick tun? Auf jeden Fall würde er
sich nicht von irgendwelchen Zuhältern einschüchtern lassen, denke ich, und sag: „Nach Berlin, na und?“
– „Wo denn in Berlin?“
Langsam kommt mir die Sache ein bisschen spanisch vor,
ich murmel ein unbestimmtes „Ostbahnhof“ hin und
gebe endlich mal ein bisschen Kontra: „Wieso, was is?“,
sage ich und versuch zu kucken, als hätte ich gerade „Fickdich-ins-Knie“ gesagt.
– „Weil wir haben da son Ticket. Wenn du willst, kannste
da mitfahren.“
Ich sag, ich hab schon eins, und konzentrier mich plötzlich auch auf den Fernseher an der Wand, um meinen Willen, von nun ab nur noch eisiges Schweigen aus mir rauskitzeln zu lassen, zu untermauern.
– „Wohnst du in Schöneberg?“, fängt der Goldketten-Tanzschuh-Heini wieder an. Und ehe mir eine Geste einfällt,
ihn wieder auf Eis laufen zu lassen, bringt er schon diese
verdammte Weichheit ins Gespräch: „Ich wohne in Schöneberg“, sagt er und – ja, ich bin nun mal so – kriegt mich
in sein Gespräch. Auch wenn das mit dem Ticketkauf
nicht klappt, wir labern halt son bisschen hin und her.
Wir gehen sogar zusammen zum Bahnsteig und steigen
zusammen ins Abteil. Raucherabteil gabs damals noch.
Und der Typ mit der seltsamen Aufmachung bietet mir
ne Kippe an. Ich nehme sie. Dann bietet er mir ne Stange
an oder zwei. Und mir wird klar, dass die beiden Jungs da
grad in Polen eingekauft haben und vielleicht das eine
oder andere Päckchen nach dem deutschen Zoll noch mal
loswerden wollen. Nur so aus Interesse, was jetzt alles
kommt, frag ich: „Was haste denn?“ Und der Lange öffnet
die Plastiktüte zwischen seinen Beinen, stubst den Typen
mit der Brille an, der ein bisschen langsam reagiert, ehe
56
auch er das Innere seiner Plastiktüte preisgibt. Luckies,
Marlboros, Pall Mall. Wie ich mir schon vorher vorgenommen hab, schüttle ich den Kopf und seh aus dem
Fenster. Aber da gibts nichts zu se­hen außer dasselbe
helle Zugabteil mit mir und den beiden Kippenhändlern
drin. Moment mal, der Lange öffnet sein komisches Jacket und zieht … Irgendwo aus den Untiefen seiner Ärmel
zieht der noch zwei, drei Stangen. Ich kuck weg vom Spiegel, drauf aufs Original: Sieht aus wie Camel. Dieselbe
Farbe, dieselbe Schrift, dieselbe Aufmachung, aber irgendwas ist anders. Statt eines Kamels ist da eine Ziege
abgebildet. Und statt Camel steht da Jin Ling. „Billiger
kriegst dus nicht“, sagt er. Die Dinger haben eine russische Zollmarke, würden aber aus China kommen, meint
der Lange. Ich lehne auch das Angebot ab, aber irgendwas
interessiert mich, irgendwas haben die beiden …
„Macht ihr so was öfter?“, frag ich.
„Was? Ach, Zigaretten. Jeden Tag“, sagt der Lange und fügt
hin­zu: „Maik hat doch den Kloppi-Pass.“ Er zeigt auf Maik.
Maik grinst fies. „Der fährt kostenlos von Berlin durch
Brandenburg plus Betreuer, c’est moi. Harry.“ Er hält mir
die Hand hin. Ich sag, ich bin Dirk, und schlage ein.
„Und was führt dich an die Grenze?“, fragt Harry. Ich überlege erst, ob das jetzt eine metaphysische Frage ist, und
sage dann, dass ich grad diesen Preis gewonnen hab, wegen meinem Theaterstück, und dass ich Grund zum Feiern hab. Und irgendwie kommt es, dass Harry mir erzählt,
dass er auch immer mit Theater zu tun hatte. „Na ja, so
Witznummern. Und so Ansagen bei Stripshows und so …“
Ich sage: „Erzähl mal einen Witz.“ Aber Harry fällt keiner
ein, also wechseln wir auf irgendein anderes Thema. Und
Harry erzählt mir, dass er Kind eines GIs und einer Deutschen sei, „ein schwarzer gi, wie man sieht“, sagt Harry,
und ich merke zum ersten Mal, dass das kein Sonnenstudioprodukt unter der Goldkette ist. Harry ist in einem
Waisenhaus aufgewachsen, irgendwo in der katholischen
westdeutschen Provinz, kein Puddingschlecken …
Die Geschichte fällt mir wieder ein, als ich so lang­sam mal
zu Potte komme, das Stück für das Staatsschauspiel Dres­
den zu schreiben. Es soll im Rahmen eines europä­ischen
Festivals uraufgeführt werden, das „After the Fall“ heißt,
und das Goethe-Institut ist mit dabei, und es geht um die
Zeit nach dem Fall der Mauer. Ich war damals sieben Jahre
alt und hatte gerade gelernt, das Pionier­tuch zu binden,
als der ganze Spuk zu Ende ging. Also was darüber sagen?
Und noch eine kleine Inspirationsquelle drängelt sich da­
­zu: Letzte Woche war ich mit meinem Vater in einer (Achtung!) Panzer-Fun-Fahrschule. Ich bin froh, dass ich Fahrrad fahren kann, aber jetzt habe ich verdammt noch mal
einen Panzer gelenkt! Und die Leute, die das machen, die
Leute, die das veranstalten, diese „Panzer - Fun - Fahrschule“, sind ehemalige nva - Soldaten, die irgendwann
im Urlaub in der Tschechei einen schrottreifen t 55 aufkauften und jetzt Kapital aus ihrer antikapitalistischen
Prägung schlagen … Wieder eine Figur mehr …
„Nach dem Mauerfall“ ist jetzt. Die Mauer ist ein zweites
Mal gefallen, und jedes Mal einmal mehr, je weiter die
eu osterweitert und einheitliche Regeln für den Verkehr
von Waren schafft. – Und andere (?) Menschen. Die Nähe
Dresdens zum Rest des großen alten unheimlichen „Ostblocks“ hat mich auf die Idee gebracht, mich auf jeden
Demokratie und den Schlange stehenden Flüchtlingen.
Fall mit Harry und dem anderen Typen, dessen Namen
Und den Fall der Festung ddr und ihre Flüchtlinge. Die Fiich leider vergessen habe, weiter zu unterhalten. Wenn
auch nur auf dem Papier, weil ich bislang nicht die Chance guren sind alle irgendwie gebrochen in ihren Biografien.
hatte, die beiden wiederzusehen. In meinem neu­en Stück Sie haben ein akutes aktuelles Problem, kommen aber zuist der kleine Typ eine Frau, die beiden sind zusammen gleich nicht von ihrer Vergangenheit los. Auf dem Rücken
und finden – es muss ja wie ein Lottogewinn sein – einen
der aktuellen Situation wird der alte Kack ausgetragen.
Laster voll mit den sehnlichst erträumten Kippen. Und
Menschen. Nämlich 20 illegalen Chinesen. Was soll man
Dirk Laucke wurde 2007 von der Zeitschrift „Theater heute“
jetzt tun? Alle sind sie scharf drauf, auf die neue Welt …
zum Nachwuchsdramatiker des Jahres gewählt. Seinen Text
Wie man sich vielleicht auch schon denken konnte, „Letzter Zug“ schrieb er für dieses Heft.
schreibe ich also kein Stück über die Wende. Ich glaub, Die Uraufführung von „Für alle reicht es nicht“ ist der Beitrag
ich ver­such stattdessen, in dem Stück zwei Sachen zu­sam­ des Staatsschauspiels Dresden zum europäischen Theaterfestimen­zubringen: die Festung Europa mit ihrer gesicherten
val „After the Fall. Europa nach 1989“ (siehe Seite 83).
„Und was führt dich an
die Grenze?“, fragt Harry.
Ich überlege erst, ob das
jetzt eine metaphysische
Frage ist.
Regie Sandra Strunz, geboren
1968 in Hamburg, studierte
Regie an der Hochschule der
Künste in Hamburg und inszenierte erste Arbeiten in der
Kampnagel-Fabrik Hamburg
und in der Kaserne Basel. Mit
der Produktion „Parzival“ erhielt
sie 2000 eine Einladung zum
Festival Impulse. Sie arbeitete
unter anderem am Luzerner
Theater, am Staatstheater Stuttgart, am Schauspiel Frankfurt,
am Schauspiel Hannover und
am Deutschen Schauspielhaus
in Hamburg. Sandra Strunz lässt
sich in ihrer Arbeit immer
wieder von Prosavorlagen inspirieren, so beispielsweise von
Karen Duves „Regenroman“. Für
ihre Adaption von Thomas
Bernhards Roman „Frost“ erhielt
sie 2000 den Bensheimer
Gertrud-Eysoldt-Preis für die
beste Nachwuchsregie. In der
vergangenen Spielzeit zeigte sie
Arbeiten am Theater Freiburg
nach Texten von Julie Zeh,
Orhan Pamuk und Henry David
Thoreau.
Autor Dirk Laucke, geboren
1982 in Schkeuditz / Sachsen,
wuchs in Halle auf. Er begann
ein Psychologiestudium in
Leipzig, das er abbrach, um
2004 Szenisches Schreiben an
der Universität der Künste in
Berlin zu studieren. Im selben
Jahr wurde er von Tankred
Dorst als Nachwuchsdramatiker zu den Salzburger Festspielen eingeladen. 2005 realisierte
er mit zwei Kommilitoninnen
am Berliner Grips-Theater
das Stück „Hier geblieben!“,
das sich für das Bleiberecht
minderjähriger Flüchtlinge
einsetzt und auf einem
authentischen Fall beruht.
Für „alter ford escort dunkelblau“ wurde Laucke unter anderem zum Autorenworkshop des
Berliner Theatertreffens 2006
eingeladen, erhielt den KleistFörderpreis für junge Dramatiker 2006 und wurde für den
Mülheimer Dramatikerpreis
2007 nominiert. In der Spielzeit
2006. 2007 war Laucke Stipen­
diat beim Autorenlabor am
Düsseldorfer Schauspielhaus,
wo das Stück „Wir sind immer
oben“ entstand. 2009 erhielt er
den Förderpreis zum LessingPreis des Freistaates Sachsen.
Dirk Laucke lebt in Berlin.
57
Der Besuch der alten Dame von F. Dürrenmatt in einer Neubearbeitung von Armin Petras Premiere am 12. Dezember 2009 im Kleinen Haus 1
Koproduktion mit dem Maxim Gorki Theater Berlin
Regie: Armin Petras 1 Bühne: Olaf Altmann 1 Kostüm: Katja Strohschneider
Die alte Dame
(und Medea)
von Armin Petras
Denken ist Differenzen beschreiben. Medea ist die Vor­gän­
gerin der alten Dame im Geiste, es geht in beiden Fällen
um Liebe, Geld, Rache und Gesellschaft.
Liebe Medea liebt. Sie verlässt wegen ihres Geliebten ihre
Heimat in Asien, sie flüchtet. Die alte Dame muss auch
flüch­ten, aber nicht aus Liebe, sondern wegen der Folgen
ihrer Liebe muss sie die Heimat verlassen.
Geld Medea wird nicht geheiratet, obwohl sie Jason hilft,
das Goldene Vlies zu finden. Jetzt aber, im Exil in Griechen­
land, ist sie nur noch eine Fremde, eine Asylantin. Das ist
der Punkt, an dem die alte Dame einsetzt. Sie flüch­tet, sie
geht ins Ausland, um Millionärin zu werden. Sie versteht,
dass in dieser Welt nur Geld Macht bedeutet.
Rache und Gesellschaft Mao hat gesagt: „Greife nur an,
wenn du fünf- bis sechsmal stärker bist als dein Gegner.“
Die alte Dame kommt erst sehr spät zurück. Erst als sie so
viel Geld hat, dass sie alle und alles kaufen kann. Sie zerstört nicht ihre Kinder, sie zerstört eine Gesellschaft oder
besser: Sie legt sie bloß, sie trennt den falschen Schein eines
demokratisch-moralischen Überbaus der kapitalistischen
Gesellschaft von ihren realen Grundlagen, ihrem ein­zigen
Götzen, dem Geld. Dieser Götze wird von ihrer An­k unft an
ins Zentrum des Stückes gerückt. Dieses optionale Tausch­
geschäft „Wohlstand für alle“ gegen die Aufgabe solidarischer Prinzipien ist in einer Zeit des globalen finanziellen
Crashs natürlich mehr als aktuell – der The­aterstoff beinhaltet wieder eine soziale Utopie.
Der größte Unterschied zwischen Medea und der alten
Dame ist aber doch, dass Medea eine gefallene Königin ist.
Eine, die ihrer Liebe wegen zu weit gegangen ist und dafür büßt und dann in einem Drittland ihr Leben weiterlebt. Die alte Dame aber lebt nur noch in ihrer Rache, ihre
Existenz ist der Widerstand – nichts anderes.
Rache Medea zerstört ihren Mann, indem sie seine Kinder
zerstört. Die alte Dame kann das nicht. Ihr Kind war niemals legitim, ihr Kind ist nicht vorhanden. Sie muss weggehen, um zu werden. Um Gegner zu werden.
Medea ist Königin, gefallene Königin, aber sie ist groß und
bleibt es auch in ihrem Scheitern. Die alte Dame ist am Anfang nur eins: jung. Sie wird zerstört, verhöhnt, sie geht
und entscheidet sich dann, Rache zu nehmen.
Armin Petras ist Regisseur und Intendant des Maxim Gorki
Theaters Berlin. Sein Text ist ein Originalbeitrag für dieses Heft.
Zum Stück Die Milliardärin
Claire Zachanassian besucht
Güllen, die Stadt, in der sie
einmal mittellos als Klara
Wäscher aufgewachsen war.
Inzwischen ist sie reich und die
Stadt verarmt. Während
die Einwohner auf mögliche
finanzielle Zuwendungen
hoffen, sinnt Claire auf Rache
für ein altes, ungesühntes
Unrecht. Sie liebte einst
Alfred Ill und erwartete von
ihm ein Kind. Dieser aber
bestritt die Vaterschaft und
gewann mithilfe bestochener
Zeugen den von Klara gegen ihn
angestrengten Prozess. Klara
Wäscher musste den Ort in
Schimpf und Schande fliehen.
Regie Armin Petras, 1964 in
Meschede im Sauerland geboren,
wuchs in Ostberlin auf. Von 1985
bis 1987 studierte er Regie an der
Hochschule für Schauspielkunst
„Ernst Busch“ Berlin. 1988 übersiedelte er in die Bundesrepublik und arbeitete als Regieassistent am tat in Frankfurt / Main
und an den Münchner Kammerspielen. Ab 1992 inszenierte er
in Frankfurt / Oder, ab 1994 in
Chemnitz. Von 1996 bis 1999 war
er fester Regisseur am Schauspiel Leipzig und Oberspielleiter am Theater Nordhausen, von
1999 bis 2002 Schauspieldirektor am Staatstheater Kassel. Von
2002 bis 2006 war er Hausregisseur am Schauspiel Frankfurt.
58
Durch diverse Heiraten kam
Klara, alias Claire, im Ausland
zu einem riesigen Vermögen.
Die nun hoch angesehene alte
Dame unterbreitet den Güllenern ein unmoralisches Angebot: Sie würde dem Ort eine
Milliarde schenken, wenn
jemand den im Ort beliebten Ill
umbrächte. Entrüstet wird
diese Forderung abgelehnt,
doch seltsamerweise beginnen
die Güllener, viel Geld auszugeben, und die Kaufleute gewähren Kredite, so als ob in naher
Zukunft mit sehr viel Geld zu
rechnen sei. Kurze Zeit später
liegt Alfred Ill dann tot auf dem
Boden. Und merkwürdigerweise hat niemand etwas gesehen.
Außerdem entstanden Inszenierungen an den Münchner
Kammerspielen, dem Schauspiel Hannover, der Volksbühne
am Rosa-Luxemburg-Platz
Berlin, dem Berliner Ensemble,
dem Bayerischen Staatsschauspiel München, dem Deutschen
Schauspielhaus Hamburg und
dem Thalia Theater Hamburg.
Auch als Bearbeiter von Filmund Romanstoffen gehört
Armin Petras zu den meistgefragten seines Fachs. Seit der
Spielzeit 2006. 2007 ist Armin
Petras Intendant des Maxim
Gorki Theaters Berlin.
Mehrere seiner Inszenierungen
wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen.
Liebe
Geld
Rache
Gesellschaft
59
Christine Hoppe 60
Sonja Beißwenger 61
Frau Müller muss weg Komödie von Lutz Hübner, Mitarbeit: Sarah Nemitz Uraufführung im Januar 2010 im Kleinen Haus 1
Regie: Barbara Bürk 1 Bühne: Anke Grot 1 Kostüm: Irène Favre de Lucascaz
Es geht darum, di
Bälger irgendwie
Warum Frau Müller weg muss
von Lutz Hübner
1
Bei Kindern hört der Spaß auf. Da zeigt sich, wie solidarisch eine Gesellschaft wirklich ist und wie sie mit Erfolg
und Niederlagen umgeht. Da werden keine Gefangenen gemacht und keine Konzessionen.
Frau h will, dass die Schule ihrem Kind mal richtig Grenzen zeigt (sie selbst kommt leider nicht dazu), Herr j will,
dass man berücksichtigt, dass sein Kind hochbegabt ist (es
ist total unterfordert, deshalb kommt es nicht mit), Herr
a möchte, dass Kinder, die keine Leistung bringen, ausge­
siebt werden (er selbst ist kürzlich einer Umstruk­t u­r ie­
rung zum Opfer gefallen), Wessis haben was gegen die
Lehrerin aus dem Osten, Ossis finden die Westkinder völlig verzogen, soziale Vermischung schön und gut, aber
doch nicht in der Klasse meines Kindes (wenn die Müller
das nicht in den Griff bekommt, muss sie weg).
Die gesellschaftlichen Gräben zwischen Arm und Reich,
Ost und West oder Alt und Jung sind hinreichend bekannt
und werden oft und gerne diskutiert. Doch mindestens
eben­­­so groß ist der Unterschied zwischen Eltern und Kinderlosen. Wer Abende erlebt hat, an denen Vertreter beider
Daseinsformen aufeinandertreffen, kann ein Lied davon
singen. Welten prallen aufeinander. Was den einen die
Nerven zerfetzt (Montessori oder Waldorf?), ist den anderen noch nicht mal als Problem vermittelbar (Können wir
mal über was anderes reden?).
Denn die Aufzucht von Kindern beschränkt sich nicht auf
satt und sauber plus Erziehung. Eltern warten nicht lä­
chel­­nd mit Milchschnitten in der Hand auf der sonnigen
Terrasse, bis ihre Sprösslinge vom Toben kommen, Eltern
leben vom Tag der Geburt an in ständiger Angst. Von plötz­
lichem Kinds­tod, Fenstersturz, Kapuzenkordeln und Rechts­
abbie­gern verlagern sich die Ängste über die Jahre ins Soziale. Wird mein Kind tyrannisiert? Ist es ein Tyrann? Zu
stur, zu nachgiebig? Ist mein süßer Fratz ein still vor sich
hinbastelnder Autist oder der Schrecken der Kita?
62
2
Spätestens mit Beginn der Schulzeit werden die Ängste
konkreter, ohne dabei aber an emotionaler Wucht zu verlieren. Jetzt beginnt das Rattenrennen um die Poleposition für den Weg in eine erfolgreiche Zukunft (Zwiebelbatik, Gehirnjogging). Ein natürlicher Pessimismus paart
sich mit der unverrückbaren Überzeugung, ein besonderes Kind zu haben. Das ist normal, das muss so sein. Aber
die Verhältnisse, sie sind nicht so, spätestens mit dem ersten Zeugnis werden alle erzieherischen Ideale über Bord
geworfen, falls das Ergebnis nicht mit den eigenen Erwartungen übereinstimmt.
Die Drei in Mathematik hat nichts damit zu tun, dass das
eigene Kind ein Spätzünder ist, faul, unkonzentriert oder
einfach mathematisch unbegabt (obwohl man dunkel
ahnt, dass es daran liegen könnte). Nein! Es ist ein Angriff, eine narzisstische Kränkung oder ein Zusammenspiel von Schicksalsmächten, die bei der Notenvergabe
nicht berücksichtigt wurden. Warum hat die Klassenlehrerin Inka Müller nicht bedacht, dass just am Tag vor der
Mathearbeit das Meerschweinchen verstarb, das Kind
lange einen üblen Husten hatte und ständig gemobbt
wurde? Das muss man merken als Pädagogin (und wenn
die Müller das nicht merkt, muss sie weg). Die Grundhaltung dem Lehrerkollegium gegenüber ist latente Empörung und beständige Alarmbereitschaft wegen drohender Kabalen, pädagogischer Kardinalfehler, untragbarer
Bedingungen (Klassenstärke, Klassenzimmer, Lehrplan,
Schulessen, Wan­der­tag) und natürlich beschränkter, zickiger, boshafter, verzogener und verwahrloster Mitschüler. Diese Probleme lösen sich natürlich in Luft auf, sobald die erwünsch­te Note erreicht wird.
ie blöden
durchzukriegen!
3
Richtig Schwung bekommen diese Verschwörungsthe­
orien, wenn es um die weiterführende Schule geht, und da
bewahrheitet sich leider: Auch Paranoiker haben Feinde.
Wer den falschen Schultypus erwischt, kann einpacken,
ist aussortiert und kommt nicht mehr hoch. Zehn­­jährige,
die noch an den Weihnachtsmann glauben, finden sich auf
einer Schulbank mit Kindern, die von der Polizei aus dem
Unterricht geholt werden. Höhere Töchter nennen ihre
Klavierlehrerin eine „verfickte Hure“, und Jungs, die eigent­
lich die Kanzlei ihres Vaters übernehmen sollten, schmeißen
mit Schuhen, wenn sie ihren Nintendo ausschalten sollen.
Das ist der Albtraum aller Eltern, und dagegen wird gekämpft, mit allen Mitteln, über und auch gerne unter der
Gür­tel­linie. Sachlichkeit und Objektivität spielen keine
Rolle, es geht schließlich um alles: um das eigene Kind.
Ein moderner neuer Mensch soll aus ihm werden, flexibel, kommunikativ, immer lernbereit, teamfähig, kre­ativ
und durchsetzungsfähig. Kein Mensch weiß, wie man die­
sen Übermenschen heranzüchten soll. Weder die Schu­len
noch die Eltern. Die Schulen arbeiten weiterhin nach
Prinzipien, die einer untergegangenen Arbeitswirklichkeit ver­pflichtet sind, und die Eltern, die das Produkt eben­
jener versunkenen Zeit sind, haben nur diffuse Vorstellungen davon, wie ihr Kind optimal vorbereitet in die­se
bedrohliche neue Welt eintreten soll. Also muss das Kind
auf alles vorbereitet sein (aber das sieht die Müller einfach nicht). Das Kind wird zum Versuchskaninchen, man
schrei­tet nicht mehr mit gusseisernem Wertekanon zur
hohen Erziehungsaufgabe, man dreht hier an einer Schrau­be und da an einem Rädchen und sieht angstvoll zu, was
dabei herauskommt.
4
Deshalb geht es bei Elternabenden ans Eingemachte.
Wann trägt man sonst außerhalb von Familie und Freundeskreis einen existenziellen Konflikt aus?
Einen richtigen Konflikt, keine „berufliche Meinungsver­
schiedenheit“ oder anderen Kokolores. Nein, einen Konflikt, der einen nächtelang wach gehalten hat, wo man in
ohnmächtiger Wut frühmorgens vor dem Kühlschrank
Volksreden konzipiert, Rachefantasien hat (Schluss mit
lustig, Frau Müller!) und Panikattacken … Und dann sitzen alle zusammen im Klassenzimmer auf Kinderstühlchen zwischen Kastanienmännchen, Laubgirlanden, Ton­
­­papier­­collagen und Kuschelecken, und vorne steht der
Feind (Frau Müller!). Jetzt könnte man alles loswerden, und
plötzlich ist das alles nicht mehr so einfach. Das Schlim­me
ist, die anderen, die genauso wütend sind, die Mit­­­kämpfer
und Rädelsführer, entpuppen sich als Luschen, geben
klein bei, relativieren, objektivieren oder schleimen sich
ein. Man müsste jetzt durchziehen, aber alleine geht das
nicht, das muss sonst alles das Kind ausbaden, vom dem
man plötzlich auch genervt ist. Wieso kriegt der das nicht
hin? Egal, jetzt muss man zeigen, dass man seine Brut mit
Zähnen und Klauen verteidigen kann, man hat so große
Töne gespuckt … Aber plötzlich ist das Problem weg, oder
unscharf, und die Mutter von Lukas fängt schon wieder
an zu heulen, und solche Verbündete will man ja auch
nicht … An Elternabenden kämpfen nicht nur Eltern um
ihre Kinder, sondern auch immer die Eltern für sich selbst.
Ein Scheißjob, aber, das sollte man nicht vergessen (ceterum censeo): Frau Müller muss weg!
Lutz Hübner ist einer der meistgespielten deutsch­sprachigen
Ge­genwartsautoren. Seinen Beitrag zu „Frau Müller muss weg“
schrieb er für diese Saison­vorschau.
Zum Autor Lutz Hübner
ar­beitet seit 1996 als Regisseur
und Schriftsteller, seine mehrfach preisgekrönten Stücke
werden international gespielt.
Hübner veröffentlichte zahlreiche Stücke, die das Lebensgefühl Jugendlicher an der
Schwelle des Erwachsenwerdens
schildern. Außerdem zeichnet
er in Familienstücken wie
„Hotel Paraiso“, „Für alle das
Beste“ (eingeladen zum Berliner
Jugendtheatertreffen 2006),
„Blütenträume“ und zuletzt
„Geisterfahrer“ mit großem
Gespür für Komik lebensnahe
Figuren, die den Abgründen
des Alltäglichen ausgeliefert
sind. Die meisten seiner Stücke
wurden am Schauspiel Hannover in der Regie von Barbara
Bürk uraufgeführt, die auch
„Frau Müller muss weg“ im Kleinen Haus auf die Bühne bringen wird.
Regie Barbara Bürk studierte
Regie an der Theaterakademie
in Ulm. Sie verbindet eine lange
Zusammenarbeit mit dem Autor
Lutz Hübner, ihre Inszenierung
von „Hotel Paraiso“ wurde beim
Berliner Theatertreffen 2005
gezeigt. 2009 wurde ihre Inszenierung von Hübners „Geisterfahrer“ zu den Mülheimer
Theater­tagen eingeladen.
Neben ihrer kontinuierlichen
Arbeit in Hannover, wo sie
Stücke von Ibsen, Strindberg,
Vitrac und zuletzt „Die Ratten“
von Hauptmann inszenierte,
arbeitete sie an Theatern in
Hamburg, Freiburg und Basel.
63
Leonce und Lena von Georg Büchner Premiere im Februar 2010 im Kleinen Haus 1
Regie: Sabine Auf der Heyde
Müßiggang ist aller Laster Anfang.
– Was die Leute nicht Alles aus
Langeweile treiben! Sie studiren
aus Langeweile, sie beten aus
Langeweile, sie verlieben, verheirathen und vermehren sich aus
Langeweile und sterben endlich
an der Langeweile und – und das
ist der Humor davon – Alles mit
den wichtigsten Gesichtern, ohne
zu merken warum, und meinen
Gott weiß was dabei. Alle diese
Helden, diese Genies, diese Dummköpfe, diese Heiligen, diese
Sünder, diese Familienväter sind
im Grunde nichts als raffinirte
Müßiggänger.
64
Wir müssen was treiben, was treiben
Ein Märchen über die Langeweile
von Felicitas Zürcher
„Es waren zwei Königskinder …“ – Die Handlung von Büch­
ners Lustspiel „Leonce und Lena“ liest sich auf den ersten
Blick wie ein Märchen: Ein Prinz soll heiraten, will aber
nicht. Und die Prinzessin, die er heiraten soll, will auch
nicht. Auf der Flucht aus dem Palast und dem Königreich
finden sie absurderweise zueinander. Zufall? Vorsehung?
Allerdings ist es bei Büchner nicht ein besonders kluger Be­
werber, der drei Rätsel löst, und auch keine ausgenommene
Schönheit, die den Schuh auf der Treppe verliert. Nein, es
ist die Traurigkeit und Todessehnsucht des Gegen­übers,
die das Herz dieser Königskinder höherschlagen lässt: „Er
war so alt unter seinen blonden Locken“, sagt Lena über
den Unbekannten, und „Schöne Leiche“ flüstert Leonce im
Gefühlsüberschwang der Geliebten zu.
„Es waren zwei Königskinder, die hatten einander nicht
lieb …“ – Büchners Lustspiel kann auch unter der Folie des
bekannten Volksliedes gelesen werden, das damit in sein
Gegenteil verkehrt wird: Im Lied können sich die Liebenden nicht treffen, weil sie ein tiefes Wasser trennt; am Ende
finden beide den Tod in den Fluten.
Leonce wünscht sich, kaum dass er sein Herz verloren hat,
den Tod und will sich ins Wasser stürzen, doch sein Vertrauter Valerio versaut ihm die Stimmung. Stattdessen
wird die Hochzeit mit der Unbekannten beschlossen und
flugs vollzogen. Weil also der Tod als Ausweg nicht akzep­
tiert wird, nimmt Büchner seinen Figuren die Möglichkeit
zur Tragik. Ihnen ist nicht, wie etwa Romeo und Julia, ein
kurzes Glück, große Tragik und ewiger Nachruhm beschieden, sondern ein kurzer Moment der Euphorie und die
Aussicht, in einem ewig währenden Alltag auszuharren.
Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.
Doch unter dieser märchenhaften und volkstümlichen
Maske blitzt der schneidende Witz des Revolutionärs Georg Büchner – sein „Lustspiel“ ist eine bitterböse Satire
auf die Verhältnisse seiner Zeit. Er veralbert die Kleinstaaten des Deutschen Kaiserreiches, die hier Ministaaten
mit den Kinderfäkalsprachnamen Pipi und Popo und so
winzig sind, dass man in einem halben Tag Dutzende davon durchquert. Die Grenzen von Popo sind vom Palast aus
zu sehen, und darin geht höchstens mal ein Hund spazieren. Auch die Würdenträger des Absolutismus werden
nicht verschont: König Peter von Popo ist zu nichts anderem in der Lage, als zu philosophieren: „Die Substanz ist das
‚an sich‘, das bin ich.“ Er vergisst darüber sogar seine Untertanen, an die er sich mittels eines Knotens im Taschentuch
zu erinnern versucht, dessen Zweck er aber ebenfalls vergessen hat.
„Ich glaube man muss … die abgelebte moderne Gesellschaft zum Teufel gehen lassen“, schrieb Büchner in einem Brief an seinen Freund und Förderer Karl Gutzkow.
„Zu was soll ein Ding wie diese zwischen Himmel und Erde
herumlaufen? Das ganze Leben derselben besteht nur in
Versuchen, sich die entsetzlichste Langeweile zu vertreiben. Sie mag aussterben, das ist das einzig Neue, was sie
noch erleben kann.“
Und so ist auch die Langeweile das eigentliche Thema
des „Lustspiels“. Leonce langweilt sich, Dekadenz und
Überfluss führen bei ihm zu Depression, Überdruss und
einer Langeweile, die alle Gefühle betäubt. Büchner
nimmt mit dem Motiv des Müßiggangs einerseits Bezug
auf ein Ideal der Romantik und ihrer eskapistischen Tendenzen, das er wie das Märchen parodiert und ins Groteske steigert. Andererseits kritisiert er die überholte Lebensform des Adels und beschreibt den Gefühlszustand
großer Kreise der Intellektuellen in der Zeit der metternichschen Restauration: Die Revolution ist gescheitert,
jede Hoffnung auf Veränderung begraben und jeder politische Gedanke niedergedrückt. „Das Leben der Vornehmen ist ein langer Sonntag, sie wohnen in schönen Häusern, sie tragen zierliche Kleider, sie haben feiste Gesichter und reden eine eigne Sprache; das Volk aber liegt vor
ihnen wie Dünger auf dem Acker … Das Leben des Bauern
ist ein langer Werktag; Fremde verzehren seine Äcker vor
seinen Augen, sein Leib ist eine Schwiele, sein Schweiß
ist das Salz auf dem Tische des Vornehmen“, schreibt
Büchner im „Hessischen Landboten“, der Schrift, wegen
der er Darmstadt verlassen und emigrieren musste.
Es würde aber zu kurz greifen, „Leonce und Lena“ le­dig­
lich als Kritik auf die damaligen Verhältnisse zu lesen.
Denn Büchner zeichnet eine gesellschaftliche Situation
zwischen Utopieverlust und Perspektivlosigkeit. Ein Ausweg ist nicht möglich, die Gesellschaft befindet sich im
Kreisverkehr, auch die kommende Generation wird nichts
besser machen, und die Bauern, die Vivat-Rufe für den König trainieren, sind als revolutionäre Masse auch nicht
ernst zu nehmen. So ist denn auch der Ausgang, den das
Stück nimmt, so heiter wie banal: Der philosophierende
König Peter dankt ab, Leonce übernimmt die Geschäfte
und wird als Erstes die Uhren abschaffen, um ganz nach der
Natur zu leben. Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.
Felicitas Zürcher ist ab der Spielzeit 2009.2010 Dramaturgin
am Staatsschauspiel Dresden.
Zum Stück Langeweile grassiert
im Königreich Popo. Leonce,
Kronprinz des Kleinststaates
und Melancholiker, zählt Sandkörner, spuckt auf Steine und
frönt dem Müßiggang. Erst die
angeordnete Staatshochzeit mit
Prinzessin Lena vom Königreich
Pipi lässt ihn aufschrecken,
gemeinsam mit seinem Seelenverwandten und Vertrauten
Valerio flieht er nach Italien.
Dort trifft er eine schöne Unbekannte, die ihm sofort gefällt.
Ironischerweise ist es Lena, die
ebenfalls auf der Flucht vor der
Zwangsheirat Pipi verlassen hat.
Ohne einander zu erkennen
verlieben sich beide Hals über
Kopf und landen damit genau
in dem Leben, vor dem sie geflohen sind.
Regie Sabine Auf der Heyde
wurde 1979 in Hong Kong geboren und studierte Regie an der
New York University / Tisch
School of the Arts. Es folgten
Hospitanzen in Berlin an der
Staatsoper Unter den Linden,
am Deutschen Theater sowie
erste eigene Inszenierungen in
der freien Szene. Von 2006 bis
2009 war Sabine Auf der Heyde
Regie­assistentin am Deutschen
The­ater Berlin und assistierte
hauptsächlich bei Jürgen
Gosch, Michael Thalheimer,
Viktor Bodó und Thomas Schulte-Michels. 2007 inszenierte sie
in der Box des Deutschen
The­aters „Elefant – ein Abend
nach Raymond Carver“ und
2008 „Unter dem Milchwald“
von Dylan Thomas, anschließend folgte „True West“ von
Sam Shepard.
65
Italienische Nacht Ein Volksstück in sieben Bildern von Ödön von Horváth Premiere im März 2010 im Kleinen Haus 3
Regie: Tilmann Köhler 1 Eine Produktion mit den Studentinnen und Studenten des Schauspielstudios Dresden
Ich möchte jetzt etw
Ich möchte jetzt daf
dass wir jetzt wiede
und uns nicht wied
von diesen german
trotteln samt ihrem
deutschen Tag!
Zum Stück Horváths „Italienische Nacht“ wurde 1931 in Berlin
uraufgeführt, zwei Jahre vor
der verhängnisvollen „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten. Der Dichter schildert eine
Situation, die uns in der Gegenwart beängstigend vertraut
erscheint: In Europa formiert
sich eine aggressive neue Rechte, der die durch gesellschaftliche Veränderungen verunsi-
66
cherten Menschen massenweise zustreben, deren Demagogie
auch Teile der Arbeiterschaft
und des Bürgertums erliegen
und die von skrupellosen Wirtschaftsbossen und Meinungsmachern unterstützt wird. Die
demokratische Öffentlichkeit,
vor allem die großen sozialdemokratischen Parteien, sind
nicht imstande, dem Spuk
etwas anderes entgegenzuset-
zen als humanistische Lippenbekenntnisse und Verfassungstreue. Sie scheinen sich mehr
vor den Radikalen in den eigenen Reihen als vor der ansteigenden braunen Flut zu fürchten. Horváth konnte wie kein
anderer Dichter seiner Zeit
die psychologischen und
ge­sellschaftlichen Hintergründe, die den Sieg der National­sozialisten in Deutschland
ermöglichten, auf der Bühne
sichtbar machen. Und er hat es
selten direkter und satirischer
getan als in dem Volksstück
„Italienische Nacht“.
Fast 80 Jahre nach der Ur­aufführung muss das Stück
heute wieder als Warnung
vor der eigenen Trägheit und
politischen Vergesslichkeit
an­gesehen werden.
Regie „Italienische Nacht“ wird
inszeniert von Tilmann Köhler,
der im Oktober im Schauspielhaus Bertolt Brechts „Die heilige
Johanna der Schlachthöfe“ auf
die Bühne bringt (Biografie
siehe Seite 21).
was vorschlagen!
für plädieren,
er weitertarocken
der stören lassen
nischen Hofm sogenannten
Das Schauspielstudio Dresden
Seit 1967 wird eine besondere Ausbildungsform für
Schau­­­­spielschüler der Hochschule für Musik und The­ater
„Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig in Partnerschaft
mit dem Staatsschauspiel Dresden praktiziert: Nach ei­
nem zweijährigen Grundstudium an der Hochschule in
Leipzig werden die Schauspielstudenten im dritten und
vierten Studienjahr an einem Studio in der Praxis ausgebildet. Die Studenten wirken an Produktionen der betreuenden Theater mit, erhalten Unterricht von am Ort tätigen Künstlern und erarbeiten eine ei­gene Studioinszenie­
­­r ung. Diese praxisbezogene Ausbil­dung ist einmalig im
deutsch­sprachigen Raum. Die diver­sen Studios der Hochschule für Musik und Theater Leipzig sind den führenden
Schauspieltheatern der Region an­geschlossen, derzeit in
Dresden, Chemnitz, Leipzig und seit 2005 in Halle / Saale.
Ab der Spielzeit 2009. 2010 heißen wir im Schauspielstudio Dresden herzlich willkommen: Sarah Bonitz 1Christian Clauß 1Benedikt Kauff 1Annett Krause 1Sophia
Löffler 1Moritz Löwe 1Henner Momann 1Thomas
Schumacher 1Eike Weinreich 1Ines Westernströer
Geleitet wird das Studio von dem Regisseur Tilmann Köhler
und dem Dramaturgen Jens Groß. Die Studioin­szenierung
des aktuellen Jahrgangs wird in dieser Saison „Italienische
Nacht“ von Ödön von Horváth sein.
67
Christian Erdmann 68
Schauspielstudio Dresden Annett Krause, Henner Momann, Eike Weinreich, Thomas Schumacher Sarah Bonitz, Christian Clauß, Sophia Löffler, Benedikt Kauff Ines Westernströer, Moritz Löwe 69
Sebastian Wendelin 70
Cathleen Baumann 71
Gott allein von Jan Neumann Uraufführung im April 2010 im Kleinen Haus 2
Regie: Jan Neumann 1 Bühne: Thomas Goerge 1 Kostüm: Nini von Selzam
MUT kommt von ALLEIN
Skizze zur Entstehung eines Stücks
von Jan Neumann
Frühjahr in Italien. Auf der Suche nach dem Hotel, das
wir lange im Voraus gebucht hatten, verirrten wir uns.
Immer wieder fuhren wir in der Nähe des Flughafens auf
und ab und eine schnurgerade Ausfallstraße entlang, die
von Bäumen gesäumt war. Autos dicht hinter- und gegeneinander und aufeinander zu. Ringsum Schrottplätze,
Gastanks, Bürokomplexe, Felder und Nichts. Die Sonne
ging unter. In der aufsteigenden Dämmerung sahen wir
Prostituierte stehen. Frauen in Schönheit, soweit es das
Licht noch zuließ oder erst recht erst ermöglichte. Einzeln
am Straßenrand, weit voneinander entfernt. In den Feldwegabzweigungen mit Tempos besätes, wildes Gras im
brachen Land. Keine winkte uns zu. Ab und an sah man
einen Wagen abbiegen. Sie beugten sich hinunter, herabgelassene Fenster mit Fremden dahinter. Dann begann
das Gespräch. Mein Freund sagte zu mir: „Ganz schön mutig, die Nutten, die stehen ALLEIN, da kann jeder kommen.
Spinner, Verrückte, Verbrecher.“ „Ja“, sage ich. „Nuttenmut“, sage ich, „wäre ein guter Titel für ein Theaterstück.“
„Nuttenmut ist kein guter Titel für ein Theaterstück“, sagt
er. Wir schweigen. Irgendwo musste es sein, das Hotel.
Wieder zurück, an denselben mutigen Prostituierten vorbei, die da stehen allein im Anfang der Nacht und sicher
am Ende auch, selbst wenn sie ein paarmal zu zweit gewesen sein werden mit Fremden. Nicht wissen, was kommt,
wer kommt, nur dass wer kommt.
So ähnlich ist es auch bei einer so genannten Stückentwicklung. Man steht als Autor und Regisseur mit einer Fülle
von persönlichen Eindrücken und Ideen zu einem bestimmten Thema vor seinen Schauspielern und weiß nicht,
was kommt, wer mit was kommt und was dabei herauskommt. Bei meiner Arbeitsweise gibt es zu Beginn der
Proben kein eigentliches Stück. Der Autor stellt sich zur
Verfügung, setzt sich aus, wie sich auch die Schauspieler
ihrerseits immer zur Verfügung stellen, sich aussetzen. Es
gibt ein Thema, eine Struktur, eine Stoffsammlung. Dazugehörige Vorgänge, Situationen, Handlungen, Rollen
werden mit und aus den Schauspielern heraus und auf die
Schauspieler hin gemeinsam erfunden und entwickelt.
Der Stücktext wird Werk eines ganzen Ensembles sein
(auch wenn sie vom Autor während der Proben geordnet
und verdichtet werden).
Es wird eine Schöpfung sein, von der niemand vorher
gewusst hatte, wie sie aussehen wird, von der niemand vorher geahnt hatte, dass sie diese oder eine andere Entwicklung nehmen würde. Eine Gruppe von kreativen Menschen
hat dann gemeinsam etwas formuliert, was sie ganz direkt
und persönlich angeht. Dieses Etwas leitet sich aus nur einem Wort ab, das der vermeintliche Autor anfangs in die
Runde geworfen hatte. Zum Beispiel das Wort ALLEIN.
72
Das steht da am Anfang. Alles, was ich (du) gesehen / gehört / gedacht habe zu diesem Wort, fügt sich hinzu. Das
Wort ein primordiales Atom oder ein Wassertropfen, an
den andere Wortwassertropfen sich binden. Eine Wortwol­ke entsteht, ein Wortwolkenmeer, das Regen gibt auf den
Acker: Von dort aus wächst der Text dann (das Stück).
Zum Beispiel MUT.
Wenn ich an das Wort ALLEIN denke, denke ich an das
Wort MUT (nicht erst seit jenem Abend im Frühjahr in
Italien). MUT kann man nur allein haben / Andere kön­nen
mir Mut machen / Ich kann mutig sein als Teil einer Grup­
­pe (die mich schützt) / Wir können zusammen mutig sein /
etc. Heißt aber immer für sich selbst entschieden haben /
Mut gefasst zu haben (in sich drinnen / innen / allein). MUT
meint nicht nur den Heldenmut (die Entscheidung des
Helden). Mut meint den Alltagsentschluss, den man fasst.
Mut meint die Sekunde vor dem Handeln, aus der das Handeln erst entsteht (der Mut deines Vaters, deine Mutter
anzusprechen / deiner Mutter, sich deinem Vater hinzu­
geben / dich zu zeugen / als Zeuge in die Welt zu setzen) / einen Anruf zu tätigen, den man sich nie zu machen trau­te /
einen Blick zu erwidern, der dir zugeworfen wird / einen
Blick zu werfen / einen Gedanken zu denken / einen Anfang
zu machen oder ein Ende / eine Meinung zu haben / zu und
für etwas zu stehen.
Das Wort MUT also, das sich an das Ausgangswort ALLEIN
anlagert (aus ihm heraus assoziiert wurde) und sich mit
ihm ver­bindet, bildet ein erstes Koordinatensystem für
die Entstehung des Textes. MUT und ALLEIN sind nicht
mehr nur Worte, sondern Wortachsen: Aus diesen zwei
Worten ent­steht eine erste Schnittstelle des möglichen
Dramas / Konflikts.
Jan Neumann ist Autor, Schauspieler, Regisseur und Spezialist
für die Entwicklung von Stücken in der Zusammenarbeit mit
Schauspielern.
Autor und Regie Jan Neumann
wurde 1975 in München geboren und hat an der Bayerischen
Theaterakademie „August Everding“ Schauspiel studiert. Von
1988 bis 2001 war Neumann als
Schauspieler am Bayerischen
Staatsschauspiel München
engagiert. Von 2001 bis 2006
war er Ensemblemitglied des
Schauspiels Frankfurt, wo er in
der Spielzeit 2004. 2005 bei
seinem eigenen Stück „Goldfi-
schen“ sowie bei „Herr Kolpert“
von David Gieselmann zum
ersten Mal Regie führte. Sein
zweites Stück „Liebesruh“
wurde 2005 im Thalia Theater
Hamburg uraufgeführt. Für
das lettische New Riga Theatre
unter der Leitung von Alvis
Hermanis schrieb und inszenierte Neumann 2007 das Stück
„Dunkelheld“, im selben Jahr
inszenierte er in Esslingen
„Der Bus“ von Lukas Bärfuss.
Eine erste Stückentwicklung,
„Die Nacht dazwischen“,
pro­duzierte er 2006 am Stadttheater Aalen. Weitere Stücke
wie „Herzschritt“ (Düsseldorf)
folgten. 2008 entstand „Kredit“
(Schauspiel Frankfurt), das
großen Publikumszuspruch
fand. Seine jüngste Stück­
entwicklung war 2009 am
Nationaltheater Mannheim
„Königs Moment“.
Wort
wol
ken­
meer
73
Der Kirschgarten Komödie von Anton Tschechow Premiere im Mai 2010 im Kleinen Haus 1
Regie: Tilmann Köhler 1 Bühne: Karoly Risz 1 Kostüm: Susanne Uhl
Wenn man Stücke trinken könnte
Eine Liebeserklärung an den „Kirschgarten“
von Tilmann Köhler
„Ein Zimmer, das immer noch ‚Kinderzimmer‘ genannt
wird. Morgendämmerung, die Sonne geht bald auf. Es ist
Mai, die Kirschbäume blühen, aber im Garten ist es kalt,
Nachtfrost.“ Szenenanweisung „Der Kirschgarten“, 1. Akt
Wenn man Stücke trinken könnte, dann hätte ich gerne
eine Flasche vom „Kirschgarten“.
Die Ankunft in der Dunkelheit mit dem Duft der blühenden Kirschbäume. Das knarrende Parkett, der Blick durch
die großen Fenster, das verrottende Haus. Ein Hängen an
der Erinnerung, ein Hängen an der anderen Zeit. Das Feld
mit dem Zirpen der Grillen. Und der trockene Saitenriss,
das seltsamste und tollste Geräusch des Stückes im dritten Akt und ganz am Ende.
Ein Saitenriss und ein Zeitenriss. Ein Tod, ein Abschied.
Verlorene Menschen im Übergang. Ein Umbruch vom Alten zum Neuen. Das Wegschieben der „rohen“ Ideen des
Bauernmillionärs Lopachin. Das Nicht-verstehen-Wollen,
das Nichtakzeptieren, Aufschiebenwollen der unangenehmen Wirklichkeit.
Der Ball während der Versteigerung, der letzte ausufernde Tanz in den morschen Räumen, die Gäste, die
sich gewandelt haben. Und die grelle, brachiale, monsterhafte Freude des Gewinners Lopachin. Das die Musik
zertrampelnde Lachen. Die Abfahrt aus den überdeckten
Möbeln, Schnee auf der Erinnerung. Die Koffer, die sich
stapeln, und das Geräusch des Abholzens, der fallenden
Bäume, gleichbleibend dumpf. Der Epilog des sterbenden
Firs, des sterbenden Hauses, des sterbenden Kirschgartens und der sterbenden Erinnerung. Ein Musikstück,
das trunken macht.
Der Kirschgarten ist ein Musikstück. Die Texte sind Noten
einer Partitur. Schreiben als Komposition. Tschechow
kom­poniert. Die Musik verläuft unter dem Stück, hinter
den Texten. Die Worte führen zu Handlungen, zu Menschen, zu Gesichtern.
Tschechow komponiert Erinnerung und Sehnsucht. Der
Augenblick als permanentes Zufrüh oder Zuspät.
Die Besetzung ist das Orchester. Jede Rolle ist wie ein Instrument, eine notwendige Klangfarbe für diese Komposition. Immer auf dem Grat zwischen Schmerz und Glück.
Die Figuren erzählen Geschichten, sprechen miteinander, aber die Musik der Szenen liegt hinter den Worten.
Ein Seismograf von Verwundungen, Sehnsüchten, Enttäuschungen, Träumen, Glück und Schmerz. Ein Seis­
mo­graf der menschlichen Seele. Er zeichnet die un­
tergrün­d igen, die scheinbar nicht sichtbaren Erschütterungen auf. Er vermerkt sie, lange bevor das spürbare
Erdbe­ben mit den sichtbaren Folgen zutage tritt. Es ist
faszinierend, wie Tschechow diese inneren Lawinen in
Worte fassen kann, ohne die Figuren preiszugeben, auszuliefern, zu überführen. Er lässt etwas von dem Inneren
der Figuren ahnen, ohne dass wir uns sicher sein können.
Sie bleiben verschlossen, obwohl sie sich scheinbar ständig offenbaren. Ich glaube, dass man in diesem Text nur
zu Gast ist. Dass man als Schauspieler und Regisseur
diese Figuren und diesen Kosmos von Tschechow nur besuchen kann. Ein Besuch, eine Begegnung mit existierenden Figuren, ein versuchtes Kennenlernen von Unbekannten, eine Annäherung. Die Figuren sind zu menschlich, als dass man sie nach nur einer Begegnung kennen
kann. Ich freue mich sehr auf diesen Besuch und dieses
Scheitern.
„Alle sitzen in Gedanken versunken da. Stille. Man hört nur,
wie Firs leise vor sich hin brummelt. Plötzlich ertönt ein „Die Bühne ist leer. Man hört, wie alle Türen abgeschlosentfernter Laut, wie vom Himmel kommend, der Laut ei- sen werden und dann die Kutschen abfahren. Es wird still.
ner gerissenen Saite, ersterbend, traurig.“ Szenenanwei- In die Stille hinein ertönen dumpfe Axthiebe, die einsam
und traurig klingen.“ Szenenanweisung 4. Akt
sung 2. Akt
74
Ihr solltet keine
Theater­stücke,
sondern öfter
mal euch selbst
ansehen.
Zum Stück Fünf Jahre hat die
Gutsbesitzerin Ranjewskaja
samt kleiner Entourage im
Ausland gelebt, nun kehrt sie
nach Hause zurück – auf ihr
Landgut mit Kirschgarten. Da
an der Riviera alle über ihre
Verhältnisse gelebt haben, ist
die Familie weitgehend mittellos und das Gut zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben.
Zwar wüsste der neureiche
Kaufmann Lopachin, der von
Leibeigenen abstammt, einen
Weg aus der Krise. Doch dafür
müsste man den Kirschgarten
abholzen, das Land aufteilen
und darauf Sommerhäuschen
für reiche, Erholung suchende
Städter bauen. Die Ranjewskaja
kann sich nicht entschließen,
Abschied zu nehmen vom
wunderschönen, aber vollkommen nutzlosen Kirschgarten
und ihrem Leben, wie sie es
kennt. Während man einen
letzten, armseligen Ball feiert,
kauft der Emporkömmling
Lopachin den Kirschgarten und
wirft die angestammte lebensuntüchtige Familie aus dem Haus.
„Der Kirschgarten“ erzählt vom
erzwungenen Abschied von
einer Lebensform, die in ihrer
Luxuriösität und Großzügigkeit
ebenso überholt ist wie der
titelgebende Kirschgarten.
Anlass zu Hoffnung besteht
dennoch nicht – ist doch die
nachfolgende, sich auf Arbeit
gründende Lebensform im
Kern nicht weniger leer.
Regie Tilmann Köhler ist mit
Beginn der Spielzeit 2009.2010
Hausregisseur am Staatsschauspiel Dresden (Biografie siehe
Seite 21).
75
Man wird doch bitte Unterschicht von Ewald Palmetshofer Uraufführung im Juni 2010 im Kleinen Haus
Der radikale Theatertheologe
Ein Porträt des Autors Ewald Palmetshofer
von Andreas Klaeui
Er sagt gern „radikal“. Das Mühlviertel, die österrei­chi­
sche Gegend, aus der er herkommt, ist „radikal ländlich“;
auch Theologie, sein Fach, hat „was Radikales“ mit ihrem
Endgültigkeitshorizont. Er hat Theologie und Philoso­phie
durchaus studiert, mit heißem Bemühn, vordem schon
The­aterwissenschaft und Germanistik. „Aber“, so Ewald
Pal­­metshofer, „ich hatte dabei immer den Eindruck, ich ar­
beitete nur mit Sekundärbearbeitungen der Themen, die
mich wirklich interessierten. Was ich suchte, war ein Denk­
handwerkszeug. Das Interesse an einer direkten inhalt­
lichen Auseinandersetzung, das war für mich der Impuls
zum Fachwechsel.“
Also: Lehramt Philosophie, Psychologie, Theologie. Psy­
chologie und Philosophie sind in unsern Tagen ja durchaus gängig. Aber Theologie? „Das ist schon a bissl a No-go“,
gesteht er lachend. „Theologie gilt als radikal unsexy.
Mei­ne Überlegung ging dahin, dass das, was mich inte­
ressiert, in der Theologie thematisch stärker beheimatet
ist. Philosophie war dazu das Korrektiv.“
tholischen Kirche hat schon „was Eingemachtes“, bestätigt Ewald Palmetshofer. Aber das war es am Ende dann
doch nicht, was ihn wirklich zum Theater gebracht hat.
Das kam erst später, in Wien, als er Kurzgeschichten
schrieb und hernach vorlas – „ich lese irrsinnig gern vor“ –
und merkte: „Die haben was Performatives.“ Das haben
Palmetshofers Texte in der Tat, das liegt an ihrer Sprache,
an ihrem alltagsgesättigten, sehr anschaulichen, auch im
positiven Sinne redundanten, dennoch sehr ge­formten
Duktus.
Es ist keine realistische Sprache (auch wenn sie sich diesen Anschein gibt), es ist eine rhythmisierte, sich in immer wiederkehrenden Schlaufen bewegende hocharti­fi­
zielle Rede. „Dass die Sprache an Alltagssprache erinnert,
ist eigentlich nur ein Effekt, der sich beim Zuschauer ein­
stellt“, glaubt Ewald Palmetshofer. „Das hat wohl damit
zu tun, dass wir auch im Alltag nicht natürlich sprechen.
Es ist eine falsche Annahme, die Art, wie wir uns mitteilen, sei urwüchsig – Kommunikation ist immer künstlich überformt. Es gibt keine ursprüngliche Begegnung
zwischen Menschen.“
Man kann nicht so glauben, wie man müsste
Wer seine Stücke sieht, wird das nachvollziehen können:
Die Themen, die ihn umtreiben, sind tatsächlich auch die
Nachdenken über das Ding Sprache
Themen der Theologie. Gerechtigkeit, Leid, Tod – „in ei- Ewald Palmetshofers Figuren inszenieren ihr eigenes
nem radikalen Sinn, aber ohne die Dinge jetzt aufzulösen, Sprechen. In „hamlet ist tot. keine schwerkraft“ etwa geindem man von einer Unsterblichkeit ausgeht“. Also kom- hen sie immer wieder einen Schritt zurück in der Diskursmen wir an einen Punkt, an dem sich die Gretchenfrage
situation, reinszenieren ihren Dialog. Sie unterscheiden
aufdrängt: Wie weit bedingt die Auseinandersetzung mit sich nicht im Sprachduktus, es ist eine Figurengruppe,
geistlichen Themen, das Studium der Theologie, ähem, die aus einem gemeinsamen „Sprachpool“ schöpft. Palschluck, auch Religiosität? Ewald Palmetshofer lacht, er metshofer markiert eine deutliche Bruchstelle zwischen
nimmt sich aber auch Zeit für die Antwort. Dann meint er Sprache und Sein. „Wo es ans Eingemachte geht, ist Spranachdenklich: „Man kann wohl nicht so glauben, wie man che nicht tauglich“, meint er. Sie ist kein tragendes Subsdenkt, dass man müsste, um Theologie zu studieren.“
trat, nicht alles ist sagbar: Momente von Wahrheit können
Das Theologiestudium, sagt Ewald Palmetshofer, war ei­ nur im Bruch sichtbar werden, „in Ex-negativo-Momen­ne „Wette“: eine Wette mit sich selbst. „Seit Gott tot, ist ten, nicht im affirmativen Sinn inszeniert. Wahrheit ist
der Himmel leer, aber nicht ganz, also fast leer, der Him- Misstrauen der Sprache gegenüber.“
mel, und drum kann man in einer allgemeinen Topogra­
fie des Himmels sagen, dass der Himmel selber zwar leer, Bevor er anfing, Dramen zu schreiben, verfasste Ewald
aber als solcher, als leerer Himmel ist der Himmel eine
Palmetshofer Mundarttexte. Da habe er viel nachgedacht
Maschine“, heißt es in „hamlet ist tot. keine schwerkraft“. „über das Ding, wie man Sprache spricht“. Die mundart„Sexy“ ist Theologie freilich nicht – aber vielleicht nah
lich gefärbte Kunstsprache, die ihn heute kennzeichnet,
beim Theater? Hat nicht die Theologie, namentlich katho- ist auch eine Folge dieser Sprachproblematisierung. Wenn
lischer Observanz, auch eine stark dramatische Seite?
man sie beschreiben will, drängen sich musikalische Termini auf: Fugierung, Engführung, Kanon, Krebs … – vom
enorm musikalisch empfundenen Sprachrhythmus ganz
Katholisches Erschütterungstheater
Aufgewachsen ist Palmetshofer in einem 800-Seelen-Dorf abgesehen. Das, sagt Ewald Palmetshofer, erarbeite er
im oberösterreichischen Mühlviertel, ländliches („radi- sehr bewusst: „Die Musik, die in der Sprache liegt, soll auf
kal“!) Industriegebiet an der Pendlerstrecke, orientiert auf einer unterschwelligen Ebene weitererzählen, was nicht
Linz und die voest-Stahlwerke, für die auch der Vater ar- gesagt werden kann.“
beitete. Kein Milieu, in dem sich die Beschäftigung mit
The­ater aufdrängt; außer vielleicht bei den Fronleich­nams­ Sein Porträt von Ewald Palmetshofer stellte Andreas Klaeui für
prozessionen: „Da waren tatsächlich lauter Teilbühnen diese Saisonvorschau zur Verfügung. Es ist außerdem zu finden
über den Ort verteilt.“ Das Erschütterungstheater der ka- auf www.nachtkritik-stuecke08.de.
76
Zum Autor Ewald Palmets­
hofer, geboren in Oberösterreich, studierte Philosophie,
Psychologie und Theologie in
Wien. 2008 wurde er für sein
Stück „hamlet ist tot. keine
schwerkraft“ zum Nachwuchsdramatiker des Jahres gewählt.
Außerdem erhielt er den
Dramatikerpreis des bdi und
wurde zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Seine
Stücke wurden am Wiener
Burgtheater, im Schauspielhaus Wien, an der Schaubühne
am Lehniner Platz in Berlin und
im Theater an der Ruhr uraufgeführt.
„In der Sprache der politischen Kommentare hat sich
ein Begriff herausgebildet, der dem sozialen Riss
durch die Gesellschaft einen Namen geben will. Man
benennt jedoch nicht den Riss selbst, sondern das
Abgerissene. Man spricht von ‚Schichten‘. Eigentlich
nur von einer bestimmten Schicht. Den Gegenbegriff
dazu verschweigt man, spart man aus. Man verschleiert, dass die Rede von einer Schicht, der da unten irgendwo, ein ‚Oben‘ unterstellt, und mit dem
‚Oben‘ ein Eigentliches. Es muss wohl einen Teil der
Gesellschaft geben, der näher am Eigentlichen liegt,
der vielleicht sogar das Eigentliche selbst ist. Und
jenseits des Eigentlichen nur der Rest – unten. Manchmal dreht man das dann sprachlich ganz genau um 90
Grad und aus ‚unten‘ wird ‚draußen‘, die Ausgeschlossenen. Da dreht man das Vertikale, und die oben liegen damit drinnen, in der Mitte, und die unten sind
am Rand. Man kann das weiterdrehen, schneller, und
mit ein bisschen Schwung schleudert’s diese Unterschicht vielleicht auch so weit raus, dass sie über den
Rand ins Nichts stürzt. Man wird doch bitte noch eine
Fantasie haben dürfen. Und von den Fantasien da
unten, draußen, weiß man nichts.“ (Ewald Palmetshofer zu seinem neuen Stück)
77
Rosa Enskat 78
Matthias Luckey, Annika Schilling, Benjamin Pauquet 79
80
Zusätzlich im Spielplan
Nach der Probe von Ingmar Bergman
Übernahme der Koproduktion vom Thalia Theater Hamburg, dem Schauspiel Hannover und dem Staatsschauspiel Dresden
ab September / Oktober 2009 im Schauspiel­haus
Regie: Luk Perceval
Nach einer Theaterprobe bleibt Regisseur Henrik Vogler
auf der Bühne zurück, um nachzudenken. Er wird von der
Schauspielerin Anna gestört, die unter einem Vorwand
in den leeren Saal zurückkehrt. Schnell wird klar, dass sie
vor allem seine Nähe sucht. Zwischen ihnen beginnt ein
Streitgespräch, das bei beiden alte Wunden aufreißt und
in dem Anna den Hass auf ihre Mutter offenbart, die einst
Voglers Geliebte war. Dazu stößt die alternde und alkoholabhängige Schauspielerin Rakel, mit der Vogler früher
eine Liebesbeziehung verband und die sich nun noch einmal um ihn bemüht. Die Gespräche mit den beiden Frauen
drehen sich um Liebe, Freundschaft und das Theater.
Der schwedische Autor, Film- und Theaterregisseur Ingmar Bergman wirft einen intimen Blick hinter die Kulissen des Theaters und schafft gleichzeitig ein berührendes Werk über das Altern eines Künstlers. Nicht zuletzt
ist „Nach der Probe“ eine Liebeserklärung an die Schauspielkunst. Die Verfilmung, eine der letzten Arbeiten Berg­
mans, der 2007 starb, verdichtet die Erfahrung eines Lebens in einer Intensität, für die er vom Filmfestival in
Cannes zum „Besten Regisseur aller Zeiten“ gekürt wurde.
Der belgische Regisseur Luk Perceval ist derzeit Haus­re­
gisseur an der Berliner Schaubühne und wird mit der Saison 2009. 2010 Oberspielleiter am Thalia Theater Hamburg.
Bekannt geworden ist er unter anderem mit seinem Shakespeare-Marathon „Schlachten!“ am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg.
Frühlings Erwachen! von Frank Wedekind in einer Bearbeitung von Nuran David Calis
Übernahme vom Schauspiel Hannover
ab Oktober 2009 im Kleinen Haus 1
Regie: Nuran David Calis
Melchior, Moritz, Wendla und die anderen sind 14 Jahre
alt. Schule und Eltern bestimmen den Alltag. Melchior ist
der Beste in der Klasse, seine Eltern vertrauen ihm und lassen ihn in Ruhe – so hat er allen Freiraum, die Geheimnisse der Liebe zu erforschen. Moritz dagegen steht per­
ma­nent unter großem Druck. Er lernt bis zur Erschöpfung,
um seine Versetzung nicht zu gefährden und seinen Va­ter
nicht zu enttäuschen. Alles macht ihm Angst, die Mäd­
chen verwirren ihn, und seine Zukunft erscheint mehr als
ungewiss. Moritz vertraut sich Melchior an, doch der hat
kein Ohr für die Not seines Freundes. Denn Melchior trifft
sich heimlich mit Wendla und schläft mit ihr. Danach ist
nichts mehr, wie es vorher war: Wendla wird schwanger
und ist damit genauso überfordert wie ihr Geliebter. Als
Moritz die Versetzung nicht schafft, ist er zu­tiefst verzweifelt und begeht Selbstmord. Melchior flüchtet – vor Wendla,
der Verantwortung und der Trauer um den Freund.
Genau 100 Jahre nach der Uraufführung von Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“ hat Nuran David Calis seine
eigene Fassung der sogenannten Kindertragödie geschrieben und 2007 am Schauspiel Hannover inszeniert.
Pressestimmen „ … ein Dreiklang aus überzeugendem
Text, tollen Schauspielern und sehr gekonnt eingesetzten Mitteln vom Rap über die Videoleinwand bis zum präg­nanten Bühnenbild. Dass die Figuren so nah am Leben
sind, ist Calis’ größte Leistung. So wird aus jugendlicher
Not echte Kunst! Mit drei Ausrufungszeichen.“
Frank­f urter Rundschau
Pressestimmen „Der präzise Realismus, den Perceval hier „Calis versteht es, die Zerrissenheit der Jugend auf die
Bühne zu bringen. Seine Sprache ist klar, direkt und auverfolgt, zeugt von seinem empfindlichen Interesse an
thentisch, niemals anbiedernd.“ Kölner Stadt-Anzeiger
Fragen des Theaterbetriebs. Er spürt den labilen Grenzen
nach, die zwischen Realität und Spiel im Theater gezogen
sind, und zeigt, wie gefährlich dieses Spiel tatsächlich ist.“ „Ein melodramatischer Sog samt Hoffnungsschimmer am
Schluss.“ Die Welt
Süddeutsche Zeitung
„‚Nach der Probe‘ geht noch ein Stück weiter als Bergmans „Calis bricht die Wedekind’sche Vorlage auf und bringt sie
weltberühmte ‚Szenen einer Ehe‘ … Der Theatermann Per- auf die Höhe des heutigen Erfahrungshorizontes von Juceval folgt dem Meister des Psychodramas Bergman … Und gendlichen. Seine Bühnenmenschen ringen mit sich und
ihren Idealen, sie legen eine direkte, aber immer emoti­
das ist gut.“ Frankfurter Rundschau
onal aufgeladene, poetische Sprache an den Tag. Sie sind
poetisch pulsierende Kunstfiguren, die um ein ‚authentisches Zentrum‘ aus jugendlicher Lebenswelt und Popkultur kreisen. Genau darin liegt die Kraft seiner Stücke.“
Theater der Zeit
81
Zusätzlich im Spielplan
Und in den Nächten liegen wir stumm von Thomas Freyer
Übernahme vom Schauspiel Hannover
ab Oktober 2009 im Kleinen Haus 2
Regie: Tilmann Köhler
Die Geschwister Robert und Marlen leben seit Langem
ohne ihre Mutter. Sie ist eines Tages verschwunden und
nie mehr zurückgekehrt. Auch der Vater ist verschwunden, abgetaucht in eine Depression. Robert versucht, einfach weiterzumachen, zu funktionieren, nach und nach
verkauft er alle Möbel der Wohnung, um zu überleben.
Denn auch seine Schwester Marlen ist verschwunden.
Nach der Flucht der Mutter hat sie sich in ihrem Zimmer
verbarri­kadiert. Robert stellt ihr seitdem regelmäßig Essen hin, die beiden sehen sich nie.
Auch Maras und Jakobs Eltern haben ihre Kinder verlassen.
Die Mutter ist einer Art Sekte verfallen, und der Vater ist
sowieso kaum noch zu Hause. Während Mara sich in den
Kellern der Wohnsiedlung den Jungen des Viertels hingibt, streift ihr Bruder Jakob nachts durch die Straßen.
Die Welt dieser Jugendlichen, die gerade keine Kinder
mehr sind, ist feindlich, kalt und roh; ihre Überlebenschance besteht im Traum und in der Flucht nach innen.
„Und in den Nächten liegen wir stumm“, das dritte Stück
des 1981 in Gera geborenen Autors Thomas Freyer, wurde
zum Heidelberger Stückemarkt 2009 eingeladen. Wie
schon in seinem mehrfach ausgezeichneten Erstling
„Amoklauf mein Kinderspiel“ erzählt er von Jugendlichen,
die in einer Gesellschaft ohne Solidarität und Wärme aufwachsen, deren Freiheiten und Möglichkeiten sie nicht
beflügeln, sondern bedrohen. Regie führte Tilmann Köhler, den eine lange Zusammenarbeit mit dem Autor
verbindet.
Pressestimmen „Man kann ein schwebendes, poetisches,
grausam-schönes und ebenso alltagsnahes wie welten­t­
rücktes Stück entdecken. Die Welt, egal, ob innen oder
außen, mag eisig sein. Aber sie ist niemals hoffnungslos.“
Hannoversche Allgemeine Zeitung
„Mit sicherem Gespür für die musikalischen Strukturen
findet Regisseur Tilmann Köhler zu überzeugenden Stilisierungen der Abgründigkeiten des Stücks … so kühl und
klar wie entschieden unsentimental.“ F.A.Z.
Lulu nach der Monstretragödie von Frank Wedekind und
der Oper von Alban Berg
Übernahme vom Schauspiel Hannover
ab Januar 2010 im Schauspielhaus
Regie: David Marton 1 Musikalische Leitung: Jan Czajkowski 1 A rrangement: Sir Henry
Lulu ist Femme fatale, Kindfrau, Jungfrau, Hure, sinn­liche Geliebte und Künstlermuse. Letztlich entzieht sie
sich jedoch allen bürgerlichen Kategorien, scheint in Ver­
bindung mit unterschiedlichen Männern quer durch die
Wunschbilder von Weiblichkeit zu wandern. Aus Doktor
Golls kindlicher Gespielin Nelly wird beim Maler Schwarz
die jungfräuliche Eva, während ihr dritter Ehemann, der
Journalist Schöning, sie als sinnliche Mignon sieht. Sie
ist viermal verheiratet, wobei alle Ehen unweigerlich auf
eine Katastrophe zusteuern und für die Männer tödlich
enden. Mit dem Mord an Schöning beginnt für Lulu der
unaufhaltsame Abstieg.
Sowohl der Komponist Alban Berg als auch der Schriftsteller Frank Wedekind gehören zu den prägenden Künstlerpersönlichkeiten der Moderne. Ist Lulu bei Wedekind ein
Wunschbild und gleichzeitig eine Angstvision, verwandelt sie sich in der Oper Bergs in eine junge, dynamische
Heldin der Großstadt.
David Marton, 1975 in Budapest geboren, studierte im Anschluss an ein Klavierstudium Dirigieren und Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in
Berlin. Seine Theaterkarriere begann er als Bühnenmusiker unter anderem bei Christoph Marthaler und Frank
Castorf. Seit 2003 entwickelt er eigene Projekte im Grenzbereich zwischen Musiktheater und Schauspiel. Er inszeniert an Theatern in Kopenhagen, Wien, Hamburg und
Berlin, wo unter anderem seine viel gelobte Bearbeitung
von „Wozzeck“ nach Georg Büchner und Alban Berg an
der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz zu sehen war.
Pressestimmen „Ein Team genialer Crossover-Ar­tisten.
Gleich drei Künstlerinnen sind Lulu: Yelena Kuljic besetzt
die coolste Version mit jazzigen Exkursionen. Yuka Yana­
gihara ist stimmlich und expressiv die Femme fatale. Die
Schauspielerin Lilith Stangenberg ist geradezu verboten
gut.“ die taz
„Ein bestechender Theaterabend, bei dem alles stimmt.“
„Autor Thomas Freyer packt einen immer wieder am Kra- 3sat Kulturzeit
gen, weil seine Sprache kühl-poetisch und dunkel-soghaft
ist und weil sie auszudrücken versteht, wie todernst es ihm „In diesem parallelen Jazz-Ton, dem Ton der Alban-Bergist. Und wie sehr sich seine Figuren nach Gemeinschaft Zeit, swingen auch die hannoverschen Schauspieler mit.
sehnen.“ Süddeutsche Zeitung
Auch im Ensemble siegt also das Prinzip Abenteuer: Was
die alles können!“ Frankfurter Rundschau
„Die Schauspieler gelangen zu einem Maß von Wahrhaftigkeit, das der Beunruhigung des Textes selbst in nichts nach­ „Marton inszeniert außergewöhnlich intensiv. Eine hersteht.“ nachtkritik.de
vorragende musikalische Bearbeitung, der man die Freu­de am Experiment anhört.“ NDR Kultur
„Seine erfrischende Art, mit klassischen Stoffen umzu­
gehen, hat den 33-jährigen Regisseur David Marton zur
großen Hoffnung im deutschsprachigen Musiktheater
gemacht.“ dpa
82
... und außerdem
After the Fall. Europa nach 1989
Ein europäisches Theaterfestival zum Mauerfall
6. – 10. November 2009 im Staatsschauspiel Dresden
Der Fall der Mauer am 9. November 1989 beendete nicht nur
die rund 40 Jahre währende deutsch-deutsche Teilung; er
bewirkte über Deutschland hinaus in ganz Europa grundlegende gesellschaftliche und politische Veränderungen.
20 Jahre nach dem Mauerfall beleuchtet das grenzüberschreitende Theaterprojekt „After the Fall“ die Auswirkungen dieses Umbruchs auf Deutschland und Europa:
Goethe - I nstitute in 15 europäischen Ländern haben 19
Dramatiker damit beauftragt, Theaterstücke zu schreiben,
die den gesellschaftspolitischen Wandel in ihrer Heimat
reflektieren.
Unter den Autoren sind bekannte Namen wie der Pole Andrzej Stasiuk ebenso wie viel gelobter Nachwuchs – etwa
die moldauische Dramatikerin Nicoleta Esinencu oder
der deutsche Dramatiker Dirk Laucke. Kooperationspartner des Goethe-Instituts sind jeweils Theater vor Ort. Sie
alle – vom Staatsschauspiel Dresden über Det Kongelige
Teater in Kopenhagen bis zum Sarajevo War Theatre –
werden die Stücke ab 2009 produzieren und uraufführen.
Als Höhepunkt des Projekts laden das Staatsschauspiel
Dresden und das Theaterbüro Mülheim an der Ruhr im
November 2009 eine Auswahl der In­szenierungen als
Gastspiele nach Deutschland ein. Beglei­tet werden die
Aufführungen von einem Gesprächsprogramm mit namhaften Referenten aus Deutschland und Europa, veranstaltet von der Bundeszentrale für politische Bildung. So
entsteht in der Zusammenschau ein facettenreiches Bild
der jüngeren deutschen und europäischen Geschichte;
gleichzeitig werden neueste Entwicklungen der zeitgenössischen europäischen Dramatik präsentiert.
Der Beitrag des Staatsschauspiels Dresden zum Festival
„After the Fall“ ist die Uraufführung von Dirk Lauckes „Für
alle reicht es nicht“ im Kleinen Haus 2 (siehe Seite 56).
„After the Fall“ ist ein europaweites Theaterprojekt des
Goethe - Instituts in Zusammenarbeit mit dem Staatsschauspiel Dresden, dem Theaterbüro Mülheim an der
Ruhr und der Bundeszentrale für politische Bildung.
Mit freundlicher Unterstützung des Auswärtigen Amts.
www.after-the-fall.eu
Schwarzmarkt für nützliches Wissen und Nicht-Wissen Nr. 12
Eine Installation mit 100 Expertinnen und Experten von
Hannah Hurtzig / Mobile Akademie 1 Produktion: Staatsschauspiel Dresden
20. März 2010 im Kleinen Haus Der Schwarzmarkt für nützliches Wissen und Nicht-Wissen versteht sich als interdisziplinäre Recherche über das
Lernen und Verlernen, das Wissen und Nicht-Wissen. Der
Schwarzmarkt ist ein Schau- und Produktionsraum, in
dem erzählerische Formate der Wissensvermittlung ausprobiert und präsentiert werden. An Einzeltischen sitzen
Expertinnen und Experten, die eingeladen sind, einen Aus­
schnitt ihres Wissens anzubieten, der sich in 30 Minuten
erzählen und erlernen lässt. Das Publikum – in der Rolle
der Klientin und des Klienten – hat die Möglichkeit, zwischen 60 Expertinnen und Experten und ihren Wissensangeboten auszuwählen und sich für mehrere halbstündige Gespräche einzuchecken. Die Installation imitiert
bekannte Orte der Wissensvermittlung wie das Archiv
und den Lesesaal und kombiniert diese mit Kommunikationssituationen, wie sie vom Markt, von der Börse, von
Beratungs- und Dienstleistungsgesprächen bekannt sind.
Das Thema des Schwarzmarktes wird in jeder Stadt neu
gefunden ( bisher Hamburg, Berlin, Istanbul, Warschau,
Graz, Wien, Liverpool ) und vervielfältigt sich dann während einer viermonatigen Recherche und Suche nach lokalen Expertinnen und Experten in über 100 Wissenspar­
tikel. Die daraus entstehende Enzyklopädie ist Text, Programmheft, Handlungsanweisung und Fahrplan des
Abends.
Der Dresdner Schwarzmarkt am 20. März 2010 trägt den
Titel Gefühl & Ökonomie. 100 Erzählungen von alltäglichen, abwesenden oder fiktiven Zuständen.
Bisherige Schwarzmärkte für nützliches Wissen und NichtWissen: Nr. 1: April 2005: Die halluzinierte Volkshochschule der Mobilen Akademie i, Kunstverein Hamburg 1 Nr. 2: Mai 2005: Die halluzinierte Volkshochschule der Mobilen Akademie ii, hau 2, Berlin 1 Nr. 3:
Oktober 2005: Invisible, Unknown and Ghostly Knowledge, University of Technology, Warschau 1 Nr. 4: April
2006: Lexikon der tänzerischen Gesten und angewandten
Bewegungen bei Mensch, Tier und Materie, Haus der Kulturen der Welt ( anlässlich der Eröffnung des Tanzkongresses 2006 ), Berlin 1 Nr. 5: September 2006: Invisible,
Unknown and Ghostly Knowledge ii ( City Version ), Warschau 1 Nr. 6: November 2006: It’s a bird, it’s a plane, it’s
Superman … – amerikanische Nahaufnahmen in 440 Di­
alogen, hau 1, Berlin 1 Nr. 7: März 2007: Routen und
Orte der Mobilitätspioniere und -funktionäre, hau 2,
Berlin 1 Nr. 8: September 2007: Die Gabe und andere Verletzungen des Tauschprinzips, steirischer herbst, Graz
1 Nr. 9: September 2007: Atmospheric Politics, Floating
Territories, Istanbul 1 Nr. 10: Mai 2008: Wer wird schuld
gewesen sein, Wiener Festwochen, Wien 1 Nr. 11: November 2008: On Waste: The Disappearance and Comeback of Things & Values, Liverpool
www. mobileacademy - berlin.com
Die Mobile Akademie ist ein Projekt am hau, Berlin.
83
Die Inszenierungen der Bürgerbühne
Sie sind kein Schauspieler? Sie leben in Dresden oder in
der Region? Sie sind entweder jung oder alt, fremder
Herkunft oder deutsch, männlich oder weiblich, reich
oder nicht? Oder sind Sie irgendetwas dazwischen?
Dann sind Sie bei uns richtig! Wir suchen Hauptdarsteller der Wirklichkeit, die der Meinung sind, dass Leben und Spiel etwas miteinander zu tun haben, und
dies gerne praktisch ausprobieren möchten.
Das Theater einer Stadt wird für die Menschen dieser
Stadt gemacht. Das Staatsschauspiel Dresden geht einen Schritt weiter und eröffnet im Kleinen Haus in der
Neustadt eine neue Sparte: die Bürgerbühne. Wir laden
Menschen aus Dresden und Region ein, selbst aktiv
Theater zu gestalten. Neben der Arbeit an Schulen und
mit Jugendlichen schaffen wir damit weitere Angebote,
die das Theater mit der Stadt Dresden verbinden. Wir
gehen davon aus, dass das Leben die interessantesten
Geschichten schreibt, dass Freizeit sinnvoll vertan sein
will, und machen dafür die Bühne frei! Im Kleinen Haus
werden ab der neuen Spielzeit Laiendarsteller den Kollegen Profischauspielern ernsthafte Konkurrenz machen. Mit den Dresdner Darstellern kommt ein Teil ihrer Meinungen, ihrer Geschichten und ihrer Stadt auf
die Bühne. Die Bürgerbühne sucht nach der gesellschaftlichen Verbindung von Leben und Theater und unterscheidet sich von herkömmlichen Bürgerforen durch
spielerische Elemente wie Unernst und Anfassen. Die
Teilnahme ist grundsätzlich freiwillig und möglich. Die
Bürgerbühne erweitert das Angebot für Laiendarsteller
und greift das Engagement des Dresdner Bürgerchors
auf. Bürger aller Altersstufen können sich an unterschiedlichsten Theaterprojekten beteiligen, von denen
einige im Folgenden vorgestellt werden.
Die Bürgerbühne und die Theaterpädagogik werden
geleitet von der Regisseurin Miriam Tscholl unter der
Mitarbeit der Theaterpädagogen Ulrich Reinhardt und
Maike Döschner.
Informationen zu allen hier vorgestellten Produktionen der Bürgerbühne erhalten Sie unter
Internet: www.staatsschauspiel-dresden.de 1 Telefon:
0351.49 13 – 849 1 E-Mail: [email protected]
Die Nibelungen
Eine Heldensaga nach Friedrich Hebbel
Eine Produktion mit Jugendlichen aus Dresden
Premiere am 25. September 2009 im Kleinen Haus 1
Regie: Marc Prätsch 1 Bühne: Philipp Nicolai 1 Kostüm:
Irène Favre de Lucascaz 1 Musik: Sven Kaiser
Die Nibelungensage speist sich aus jahrhundertealten
Überlieferungen, sie wird als typisch deutscher Mythos
angesehen. Im Zentrum stehen mächtige Ritter und
streitbare Königstöchter: Da ist der Burgunderkönig Gunther, der Brunhild von Island heiraten will, die bisher
noch jeden Mann im Kampf getötet hat. Der unbezwingbare Drachentöter Siegfried hingegen will die Burgunderprinzessin Kriemhild für sich gewinnen, die geschworen hat, sich niemals zu verlieben. Siegfried ist der ungewöhnlichste aller Helden, macht er sich doch rein gar
nichts aus Macht, Reichtum und Königswürden. Sein
ärgster Feind ist Hagen von Tronje, dessen „Nibelungentreue“ sprichwörtlich geworden ist und der nur darauf
wartet, im entscheidenden Augenblick zuzuschlagen. Sie
alle sind stark, eigensinnig und kennen kein Maß. Ihre
Geschichte erzählt von Betrug und Verrat, von Scham,
Stolz und unerbittlicher Rache. Das neue Theaterprojekt
taucht mit Jugendlichen aus Dresden ein in eine mythische Welt, um gemeinsam herauszufinden: Wer sind die
Nibelungen heute?
Gesucht werden junge Leute zwischen 13 und 23 Jahren,
die als Schauspieler, Sänger, Musiker oder Tänzer auf der
Bühne stehen wollen. Wir freuen uns auf Jugendliche aller
Schulzweige und Nationalitäten, auf Berufsschüler und
Studenten. Anmeldung bis zum 08. 05. 2009. Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich!
Der Regisseur Marc Prätsch studierte Schauspiel an der
Hochschule für Musik und Theater Hannover und arbeitet seit 2003 als Regisseur. Mit seiner viel beachteten Inszenierung von Shakespeares „Romeo und Julia“ wurde
2007 das Junge Schauspiel Hannover eröffnet. Beteiligt
waren 30 jugendliche Laien auf der Bühne und hinter den
Kulissen. „Romeo und Julia“ wurde 2008 zum Schultheaterwettbewerb „Liebe Macht Tot(d)–Schüler spielen Shakespeare“ nach Berlin eingeladen. Im Juni 2009 erhält Marc
Prätsch von der Gemeinschaft der deutschen Intendanten den Dr.-Otto-Kasten-Förderpreis für junge Theaterschaffende.
Magazin des Glücks
Nach einer Revue von Ödön von Horváth
Eine Produktion mit 1-Euro-Jobbern gegen den Stress
des Nichtstuns
Premiere am 21. November 2009 im Kleinen Haus 3
Regie: Miriam Tscholl 1 Bühne: Nicola Schmid
Das Leben ist kein rosa Frotteeschlafanzug. Die Welt ist
viel zu groß, als dass jeder sie genießen könnte. Das weiß
auch der clevere Unternehmer, der sich bescheiden King
Atlas nennt. Sein Etablissement, das „Magazin des Glücks“,
soll für ein Eintrittsgeld alles bieten, was der trostlose
und schlechte Alltag nicht zu bieten hat: Italien, den Orient, Grönland, Paris, Chicago und das Paradies. Gleich
rechts neben dem Eingang befindet sich ein DressingRoom, in dem alle Besucher für die glücklichen Stunden
vorbereitet werden. Im großen amerikanischen Stil wird
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hier die Gelegenheit geboten, sich vollständig zu restaurieren. Nicht nur gebadet, frisiert, manikürt und massiert
kann man dort werden. Die zahlreichen Angestellten dieser Abteilung erfrischen die Besucher mit optimistischen
Gesprächen, wie Psychoanalytiker nehmen sie ihnen für
ein paar Stunden die Sorgen ab und machen ihnen Mut
und Hoffnung. Die Kinder sind währenddessen im Tierkinderzoo gut versorgt. Doch an einem Abend geschieht
etwas Besonderes … Das „Magazin des Glücks“ ist ein unernstes Spiel über den Ernst des Lebens und ein Prosit auf
das Theater, die Welt aus Pappe, Technik und Schein.
Gesucht werden spielfreudige Dresdner Bürger im Alter
von 9 bis 99 Jahren, die aufgrund von zu viel Freizeit freiwilliger oder unfreiwilliger Art Lust auf ein Theaterprojekt haben. Auch Musiker sind herzlich willkommen! Anmeldung bis zum 01.09.2009. Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich!
Miriam Tscholl studierte Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis am Institut für Medien und Theater der
Universität Hildesheim, wo sie auch als künstlerische Mit
Mitarbeiterin tätig war. Ihre Inszenierungen wurden auf zahlreichen europäischen Festivals gezeigt und mit dem niedersächsischen Lottopreis für freies Theater ausgezeichnet. Miriam Tscholl leitet ab der Spielzeit 2009.2010 „Die
Bürgerbühne“ und die Theaterpädagogik am Staatsschauspiel Dresden.
Alles auf Anfang!
Sieben Dresdner lassen sich neu erfinden
Eine Produktion mit Dresdner Bürgern, Berliner Dramatikern und Schauspielern des Ensembles.
Premiere im Früh
Frühjahr 2010
Gefördert im Fonds Heimspiel der Kulturstiftung des Bundes und in Zusammenarbeit mit der udk Berlin
Sieben Studierende des Studiengangs Szenisches Schreiben der Universität der Künste in Berlin sind eingeladen, in Dresden auf die Suche nach Geschichten zu gehen, die das Leben schreibt. Jeder junge Autor entdeckt
einen Dresdner, dessen Geschichte er nachzeichnen und
neu zeichnen wird. Ausgehend von Gesprächen mit den
sieben Dresdner Bürgern werden die Autoren jeweils zwei
Monologe schreiben: einen, der aus dem Leben gegriffen
ist und in Zusammenarbeit mit dem Befragten entsteht,
und einen fiktiven, der der Fantasie des Autors entspringt.
Wie wäre das Leben verlaufen, wenn es an einem bestimmten Punkt eine Wendung genommen hätte? Wie
war das Leben zum Glück – oder leider nicht? Wunsch und
Wirklichkeit, Selbstbeschreibung und Fremdwahrnehmung stehen schließlich auf der Bühne nebeneinander, erzählt von den sieben Dresdnern selbst und von Schauspielern des Ensembles. Aus 14 Texten setzt sich ein Panorama
aus Dresdner Leben und Lebensträumen zusammen, das
sichtbar macht, dass alles auch ganz anders möglich ist.
sicht
FKK . Eine Frauenkörperkomödie
von Melanie Hinz
Eine Produktion mit Frauen von 16 bis 99 Jahren
Uraufführung im April 2010 im Kleinen Haus 3
Regie: Melanie Hinz 1 Bühne: Ariane Schwarz
Lieber Kind als Karriere? Lieber YouPorn als PorNo? Nun
Missy statt Emma? Heute rosa Minirock und früher lila
Latzhose? Damals Hildegard Knef, heute Heike Makatsch?
Manchmal Mann, manchmal Frau und manchmal beides? In „fkk. Eine Frauenkörperkomödie“ fahnden Mädchen und Frauen im Alter von 16 bis 99 Jahren nach weiblicher Identität und Sexualität im eigenen Alltag sowie
in Literatur und Popkultur. Sie erzählen sich vom „ersten Mal“, von Hygieneweisheiten ihrer Mütter, von den
Schmerzen der Geburt, vom Umgang mit ihrem Körper,
vom Coming-out, von der großen Liebe und von Zeiten der
Lustlosigkeit. Dabei entpuppt sich das Private noch immer als politisch: Sexualität im Alter und Pornografie in
der Jugendkultur stehen ebenso auf dem Spiel und zur
Debatte wie die Frage: Wie hat sich seit der Wende 1989 das
Frauenbild im Osten Deutschlands verändert? Bilder einer
Frauengeschichte im gesellschaftlichen Wandel der Zeit
und der Generationen entstehen – Starschnitte, Songs und
Sehnsüchte inklusive.
Gesucht werden Mädchen und Frauen, Damen und Zicken,
Diven und Schrullen, Barbies, Tomboys und Mauerblümchen, Enkelinnen und Töchter, Mütter und Großmütter,
die Lust auf ein Frauen-Theater-Projekt haben.
Anmeldung bis zum 01. 11. 2009. Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich!
Melanie Hinz entdeckte ihr Interesse an der Regie am „Theater der Geschlechter“ während ihres Studiums der Prak
Praktischen Theaterwissenschaft an der Universität Hildesheim. Die Jury des „Körber Studios Junge Regie“ zeichnete
ihre Genderperformance „BodyCheck“ 2008 mit dem Innovationspreis aus. Hinz unterrichtet am Hildesheimer
Institut für Medien und Theater und ist Performerin der
Fräulein Wunder ag.
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Die Clubs der Bürgerbühne
Wie kann Theater die Wirklichkeit besser widerspiegeln als mit Menschen aus der Stadt, den wahren „Ex
„Experten des Alltags“? Neben unseren Inszenierungsangeboten sind in den Bürgerclubs Menschen aus Dresden und Region eingeladen, sich in wöchentlichen
Workshops zu treffen, um gemeinsam Theater zu spielen. Die Themen der Auseinandersetzung sind dabei so
verschieden wie die Menschen dieser Stadt. Die Bürgerbühne sucht nicht das Perfekte, denn gerade das Nichtperfekte ist interessant. Wenn Sie also gerne auf eine
wöchentliche Vorabendserie verzichten oder immer
schon mal ausprobieren wollten, wie es ist, auf der
Bühne zu stehen, dann kommen Sie in einen der Bürgerclubs im Kleinen Haus! Am Ende der Spielzeit wird
es jeweils eine Werkstattpräsentation geben.
Für Anmeldungen zu den Clubs und für weitere Informationen wenden Sie sich an Miriam Tscholl, Telefon:
0351.49 13 – 849 1 Ulrich Reinhardt, Telefon: 0351.49 13 – 740
1 Maike Döschner, Telefon: 0351.49 13 – 742 1 E-Mail:
[email protected]
Club der neugierigen Bürger 14 – 24 Jahre
Dieser Bürgerclub ist für jugendliche Theaterfreaks und
solche, die es werden wollen. Ohne gleich den Druck einer Aufführung im Nacken zu haben kann man hier verschiedene Theatertechniken kennenlernen und ausprobieren. Der Weg ist das Ziel, und was dabei rauskommt,
ist ein Experiment.
Leitung: Maike Döschner 1 Termine: 09.2009 – 06.2010,
wöchentlich
Club der anverwandten Bürger 1 – 99 Jahre
In diesem Club soll die Familie zu Wort kommen! Als
Fachleute ihres Gebiets können hier Vater, Mutter, Kind,
Oma und Opa, Schwester und Bruder und alle Stiefeltern
und -geschwister das Zusammenleben thematisieren. Material gibt es genug: aus dem eigenen Leben und aus allen
Stoffen der Weltliteratur, von Schneewittchen und der
Orestie bis zu den Buddenbrooks. Ziel am Ende der Spielzeit ist es, eine große Familiensaga auf einer der Bühnen
im Kleinen Haus zu präsentieren! Es sind alle willkommen, die zueinander in irgendeiner Art von Verwandtschaftsverhältnis stehen.
Leitung: Ulrich Reinhardt 1 Termine: 09.2009 – 05.2010,
wöchentlich
Club der anders begabten Bürger 9 – 99 Jahre
Wer ist normal und was ist normal? Im Theater ist erst
einmal nichts normal. Dieser Club ist offen für alle Darsteller, die von der Mehrheit unserer Gesellschaft als „geistig behindert“ eingestuft werden. Jeder spielt hier nach
seinen eigenen Fähigkeiten und Interessen. Mitreißende
Spielfreude, Authentizität und Spontaneität sind die
Pfunde dieser Spielergruppe. Und mit diesen wuchern
sie üppig und bezaubernd!
Leitung: Miriam Tscholl 1 Termine: 09.2009 – 05.2010,
wöchentlich
Club der dramatischen Bürger 14 – 24 Jahre
Da stehen sie wieder auf dem Spielplan – die ganz großen
Menschheitsthemen: „Romeo und Julia“ sind in der Liebe
und selbst im Tod vereint, Hebbels „Nibelungen“ verfolgen einander aus Rache bis zum bitteren Ende, Macht
und Geld lassen Dürrenmatts „Alte Dame“ in die Geschicke einer Kleinstadt eingreifen und „Don Carlos“ verliert
den Kampf gegen das politische System. Und was geht
mich das an?
Dieser Bürgerclub für junge Leute hat drei Blöcke. In jedem Block wählen wir uns jeweils eine Inszenierung aus
dem Spielplan aus, die wir darauf abklopfen, was uns davon hier und heute eigentlich berührt. Wir wollen auf
der Bühne unsere Sehnsucht nach Liebe herausschreien,
die nächste Revolution anzetteln oder vielleicht den Sinn
des Lebens finden. Am Ende jedes Blocks steht eine Werkstattaufführung. Dabei werden wir mit unterschiedlichsten Formaten experimentieren: Performance, szenische Lesung, Hip-Hop-Battle, Tanz, Gesang oder Blockflötenspiel …
Leitung: Ulrich Reinhardt 1 Termine: 09.2009 – 06.2010,
drei Blöcke à zwei Monate, wöchentlich, Teilnahme an
einzelnen Blöcken möglich
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Club der verschwenderischen Bürger 14 – 24 Jahre
Wir erfinden ein Stück! Ob Erlebtes, Zusammengeklautes, eine konkrete Stückvorlage oder die Zeitungsmeldungen der Wirtschaftsseite – alles ist in diesem Bürgerclub als Ausgangsmaterial möglich und gewollt. Acht
Monate lang können junge Bürger hier ihre Jugend verschwenden, ausprobieren, rumspinnen, verwerfen, sich
anfassen, streiten und sich wieder in die Arme fallen.
Am Ende steht das fertige Stück mit Premiere, Premierenfeier und allem, was zu einer „richtigen“ Aufführung gehört.
Leitung: Ulrich Reinhardt 1 Termine: 09.2009 – 05.2010,
wöchentlich
Late Night – Culture Clash
Banker meets Punk! Denn eine Großstadt ist eine diffuse
Ansammlung von Spezialgruppen: Punks, Banker, Adelsfamilien, Kaninchenzüchter, Truckfahrer, Veganer, Vietnamesen, Politiker, Mütter, Asylbewerber, Fußballfans,
Gangsta-Rapper, Topmanager, Hartz-iv-Empfänger, Straf
Straf-gefangene, FrauenrechtlerInnen, Preisgekrönte, Schönheitschirurgen, Türsteher, Umweltschützer, Heterosexuelle usw. In unserem „Late Night – Culture Clash“ treffen
jeweils zwei Dresdner Expertengruppen aufeinander undgeben ihr Bestes. Unalltägliche Aktionen und Gespräche
garantieren keine Versöhnung, aber einen fairen und
furchtlosen Dialog. Vorsicht: Dieses Abendformat mit
Barbetrieb und dj unterscheidet sich von herkömmlichen
Bürgerforen durch die Faktoren Unernst und Anfassen!
Leitung und Moderation: Ulrich Reinhardt und Miriam
Tscholl 1 Termine: regelmäßig freitags ab 22 Uhr im
Kleinen Haus
Dresdner Bürgerchor e..V.
Der Dresdner Bürgerchor e.v. wurde 2003 anlässlich der
„Orestie“-Inszenierung von Volker Lösch gegründet. Die
Choristen sind Laien und haben seither in zahlreichen
Aufführungen am Staatsschauspiel Dresden mitgewirkt,
unter anderem 2004 in Löschs Inszenierung von Hauptmanns „Die Weber“, Büchners „Woyzeck“ und zuletzt 2009
in „Die Wunde Dresden“. Der Dresdner Bürgerchor ist ein
Beispiel für die gelungene Verbindung des Theaters mit
den Bürgern seiner Stadt. Für die Inszenierung „Das Schat
Schattenkabinett“ unter der Leitung von Bernd Freytag erhielt
der Dresdner Bürgerchor den Publikumspreis 2007 beim
100-Grad-Theaterfestival in Berlin.
Auch in dieser Spielzeit wird der Dresdner Bürgerchor
weitergeführt. Die Mitglieder treffen sich wöchentlich,
um sich neuen Themen und Projekten zu stellen.
Kontakt: Miriam Tscholl 1 Termine: 09.2009 – 05.2010,
wöchentlich
unart – für Jugendliche von 13 bis 18 Jahren
Ein Jugendwettbewerb für multimediale Performances
Einmal mit einem eigenen Projekt 15 Minuten auf der
Bühne stehen! In Frankfurt / Main, Hamburg, Berlin und
nun auch zum ersten Mal in Dresden erhalten jeweils
acht ausgewählte Gruppen die Chance dazu! Vorschlagen
könnt ihr jedes Thema, jede Umsetzung, jede Form, die
euch wichtig erscheint. Einzige Bedingungen sind, dass
das Projekt etwas mit eurem eigenen Leben zu tun hat,
mindestens zwei Kunstformen (wie zum Beispiel Theater, Film, Tanz oder Musik) miteinander verbindet und
selbst ausgedacht ist.
Das Theater vermittelt einen künstlerischen Coach, der
euch bei eurer Arbeit unterstützt. Denn eure Gruppe
führt selbst die Regie. Der Coach steht als erster Zuschauer im Probenprozess Rede und Antwort. Er greift eure
Ideen auf, kann euch mit unterschiedlichen PerformanceAnsätzen bekannt machen oder professionelle Techniken
für eure Umsetzung vermitteln.
Bei den Finalrunden im Januar 2010 wählt eine Expertenjury die zwei interessantesten Projekte aus jeder Region
aus. Diese sind dann zur unart-Tournee in alle vier Städte
eingeladen: „Best of unart“ findet im Februar 2010 auf
den Bühnen des Schauspiel Frankfurt, des Maxim Gorki
Theaters Berlin, des Thalia Theaters Hamburg und des
Staatsschauspiels Dresden statt.
Für die Bewerbung skizziert ihr eure eigene Idee für eine 15-Minuten-Performance kurz und knapp auf dem unter www.unart.net bereitgestellten Bewerbungsbogen. Beschreibt, was eure Idee mit eurem eigenen Leben zu tun
hat! Was soll auf der Bühne passieren? Welche Kunstformen wählt ihr? Und was soll der Coach können?
Bewerbungsschluss ist der 15.10.2009. Danach wählt eine
Expertenjury aus jeder Region acht Gruppen aus. Für
diese Teams beginnt dann unmittelbar die Probenphase.
Wer kann sich bewerben? Gruppen mit drei bis zwölf Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren.
Der unart-Wettbewerb ist eine Initiative zur Förderung
kultureller Jugendbildung der bhf-Bank-Stiftung in Kooperation mit dem Schauspiel Frankfurt, dem Maxim
Gorki Theater Berlin, dem Thalia Theater Hamburg und
dem Staatsschauspiel Dresden. www.unart.net
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Theater und Schule
Neben der Bürgerbühne ist die Zusammenarbeit mit
den Schulen eine weitere wichtige Verbindung zwischen
dem Theater und der Stadt. Unsere Theaterpädagogen
verstehen sich als Vermittler zwischen Schule und Theater. Was hat Theater mit den Schulstoffen der Lehrpläne und der Lebensrealität von Jugendlichen zu tun?
Vermittlung kann dabei vieles sein: spielen, reden oder
einen Blick hinter die Kulissen werfen …
Auf diesen Seiten können Sie sich über unsere zahlreichen theaterpädagogischen Angebote für Schulklassen,
Lehrer und Schüler aller Schulzweige informieren.
Die Theaterpädagogik und Die Bürgerbühne werden geleitet von der Regisseurin Miriam Tscholl unter Mitarbeit der Theaterpädagogen Maike Döschner und Ulrich
Reinhardt.
Bitte richten Sie Ihre Anfragen an Telefon: 0351 .49 13 – 742
oder –740 1 E-Mail: [email protected]
Angebote für Schulklassen
Vor
VorSpiel
/ NachSpiel
Spiel Wir bieten Schulklassen spielerische Einführungen zu unseren Inszenierungen an, die
wir entweder direkt in der Schule oder bei uns im Theater
durchführen. Ziel ist es, durch die kreative Auseinandersetzung mit dem Theater Brücken zwischen der Inszenierung und den eigenen Lebenserfahrungen zu schlagen,
Fantasie und Vorstellungsvermögen zu wecken und auf
den Theaterbesuch neugierig zu machen. Im sogenannten NachSpiel werden diese praktischen Übungen mit einem Austausch über das Gesehene verbunden.
Termine: nach Absprache 1 Dauer: mindestens eine Doppelstunde
Blick Dahinter Bei Führungen durch das Haus können
Schulklassen das Theater einmal nicht „nur“ vom Zuschauerraum aus erleben. Angebunden an einen Vorstellungsbesuch ermöglichen wir Einblicke hinter die Kulissen. Führungen, die nicht mit einem Vorstellungsbesuch
verbunden sind, kosten 1,50 € pro Person.
Termine: Wochentags 8.30 Uhr bis 14.00 Uhr, nach Absprache
Viertel
ViertelVor
/ ViertelNach Einführungen und Nachgespräche werden auf Anfrage zu fast allen Stücken des Spielplans angeboten.
Termine: nach Absprache 1 Dauer: 45 – 60 Minuten
GroßVorHaben: Das Spielplanprojekt! Wir bieten mehrtätige schulische Projekttage mit intensiven Übungen und
Improvisationen zu einigen unserer Inszenierungen an.
Kann man krank vor Liebe werden? Wie schnell verfliegt
Liebeskummer? Und wie muss Dein Romeo oder Deine
Julia sein, damit Du was riskierst? Mit den Mitteln des
Theaters entwickeln wir eigene Haltungen zum Thema
des Stücks. In einer Werkstattpräsentation können am
Ende des Projekts die Ergebnisse vorgestellt werden.
Termine und Dauer: nach Absprache
Vor
VorTritt
Den Entstehungsprozess einer Produktion des
Schauspielhauses hautnah miterleben! Nach einer ersten
Einführung zum ausgewählten Stück besucht die Klasse
eine Arbeitsprobe im Theater. Höhepunkt ist der Besuch
der Stückpremiere inklusive Premierenfeier. Eine Nachbereitung in der Schule oder auch im Theater rundet das Angebot ab.
Termine: nach Absprache 1 Ort: Schule und Theater 1
Preis: 5,00 € pro Person
Vor Schlag Beratung für Ihre Theater -AG
VorSchlag
AG bieten wir jederzeit gerne an. Wir helfen bei der Suche nach passenden Stücken und unterstützen Sie bei der praktischen
Umsetzung der ausgewählten Stoffe!
Termine: nach Absprache
VorGeschmack
Vor
Geschmack Praktische Einführungen in Gegenwartsstücke erleichtern dem „Nicht-Theaterprofi“ den Zugang
zu Stücken oft weniger bekannter, zeitgenössischer Autoren. Wir bieten Vorgespräche an, um vor einem Vorstellungsbesuch die jeweiligen zeitgenössischen Text- und
Inszenierungsformen kennen und schätzen zu lernen.
Sek i und ii 1 Dauer: eine Doppelstunde (90 Minuten)
plus Vorstellungsbesuch 1 Ort: Schule und Theater 1 Preis: 5,00 € pro Person
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Angebote für Lehrer
VorWissen
Vor
Wissen Einen Brief mit den neuesten Informationen,
Aktionen und dem Monatsspielplan schicken wir monat
monatlich an alle interessierten Lehrer, Kursleiter und Dozenten.
Anmeldung: E-Mail: [email protected]
Vor Schau Vergünstigte Karten für Lehrer und jeweils
VorSchau
eine Begleitung bieten wir für die jeweils zweite Abendvorstellung einer Inszenierung an, um ein Stück für die
Klasse „vorzukosten“. Lehrer, die mit ihrer Klasse einen
Vorstellungsbesuch planen, haben so die Möglichkeit, sich
vorab zu informieren.
Preis: 7,00 € pro Person
VorBereitung Materialmappen mit Informationen zum
VorBereitung
Stück und praktischen Anregungen zur Arbeit mit der
Klasse bieten wir zu allen Inszenierungen an.
Angebote für Schüler
NachHaltig: Lehrerfortbildung In Zusammenarbeit mit
der Sächsischen Bildungsagentur, Regionalstelle Dresden,
für Lehrer aller Fachbereiche
Dreieinhalb Tage lang Theater pur. Theaterbegeisterte
Lehrer verschiedenster Fachbereiche treffen sich im
Staatsschauspiel Dresden. Auf dem Programm stehen Vorstellungsbesuche, praktische Theaterarbeit und Gespräche mit Dramaturgen und Schauspielern. Am Ende werden Sie hoffentlich jede Menge Anregungen zur Einbeziehung von Theater in den Unterricht mitnehmen!
Termin: 09. – 12. 02. 2010
Tagesfortbildung für Deutschlehrer Einführung in die
szenische Interpretation anhand von Dürrenmatts „Der
Besuch der alten Dame“
Innerhalb dieser Tagesfortbildung wollen wir uns mit
der Dürrenmatt-Inszenierung am Staatsschauspiel Dresden und deren künstlerischem Ansatz auseinandersetzen. Eigenes Ausprobieren soll ermöglichen, den Schülern auf kreative Art und Weise einen Zugang zu dem dramatischen Werk zu erleichtern. Das Kennenlernen verschiedener Methoden der szenischen Interpretation und
die mögliche Übertragung auf den Unterricht stehen
hierbei im Mittelpunkt.
Leitung: Maike Döschner 1 Termin: 01.2010
Vor
VorFreude
Die kostenlose Infopost können alle Theaterfreunde zwischen 13 und 25 Jahren abonnieren. Was gibts
Neues im Staatsschauspiel zum Mitgucken, Mitmachen
oder Mitspielen?
Anmeldung: E-Mail: [email protected]
Vor
VorPrescher:
Eine Aktion für theaterbegeisterte Schüler
In regelmäßigen Treffen erfahren sie, wie Theater gemacht wird und wie Inszenierungen entstehen. Sie kommen ins Gespräch mit Machern der verschiedenen Produktionen und erhalten Einblicke in die unterschiedlichen Tätigkeiten vieler Theaterberufe. Es gibt Proben- und
Vorstellungsbesuche mit Stückeinführungen und Leseproben, in denen gemeinsam Theaterstücke gelesen und besprochen werden. Die gesammelten Informationen geben
die VorPrescher in der Schule weiter und verteilen Monatsspielpläne, Plakate, Postkarten etc.
Die Eintrittskarten zu allen Veranstaltungen des Staatsschauspiels Dresden bekommen die VorPrescher für nur 3,50 €!
Weitere Spielangebote für Jugendliche finden Sie in der
Sparte Die Bürgerbühne!
Tagesfortbildung für Theaterlehrer für Lehrende des
Künstlerischen Profils an Gymnasien oder Neigungskurs
Theater an Mittelschulen
Wie komme ich von einer Idee oder einem Thema zu einer
Aufführung? Viele Lehrer haben schon Erfahrung darin,
ein fertiges Stück auf die Bühne zu bringen. Aber wo
fange ich an und wie gehe ich vor, wenn ich gemeinsam
mit den Schülern ein Stück entwickeln möchte? Ziel dieser Fortbildung ist das Kennenlernen von unterschiedlichen Methoden der Inszenierungsarbeit mit Jugendlichen. Anhand von praktischen Beispielen und eigenem
Ausprobieren werden unterschiedliche Herangehensweisen der Stückentwicklung vorgestellt.
Leitung: Maike Döschner (Staatsschauspiel Dresden) und
Stephan Hoffmann (Theater Junge Generation)
Termin: 08. 10. 2009
Pädagogischer Tag Ihre Schule plant einen pädagogischen Tag fürs Lehrerkollegium? Wie wäre es mit einer
Theaterfortbildung für die Lehrer einzelner Fachbereiche? Gerne bieten wir an unserem Haus Einführungen in
die szenische Interpretation für Deutschlehrer oder fachbezogene Fortbildungen zu Stücken unseres Spielplans an.
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Extras
Führungen
Einmal im Monat bieten wir Führungen durch das Schauspielhaus an. Wer­
fen Sie einen Blick hinter die Kulissen, auf und unter die Bühne. Der Rundgang eröffnet Einblicke in die Theatertechnik, spannende Rückblicke in
die Geschichte des Hauses und vermittelt auch einen Eindruck von der
Theaterarbeit sowie den Abläufen von der ersten Probe bis zur Premiere.
Wer hat hier eigentlich schon auf der Bühne gestanden? Wie sah das Haus
vor dem Umbau aus, wie nach der Flut? Was und wo ist der Theaterwurm?
Wo werden die großen Bühnenbilder gelagert, die gerade nicht dran sind?
Wie viele Sterne stehen am Bühnenhimmel? Krönender Abschluss der
rund einstündigen Tour ist die Fahrt mit dem Hubpodium in die Unterbühne. Die Termine der Führungen entnehmen Sie bitte den Monatsspielplänen. Unter 0351 . 49 13 – 562 vereinbaren wir gerne auch individuelle Termine für Sonder- und Gruppenführungen.
Matineen, Einführungen und Publikumsgespräche
In regelmäßigen Matineen, Einführungen und Publikumsgesprächen er­
halten Sie Einblicke in die aktuellen Produktionen. Die Einführungen wer­
den von den Dramaturgen jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn gegeben. Hier erfahren Sie mehr über die Inhalte der Stücke und die konzep­
tionellen Hintergründe der Inszenierungen. Bei Publikumsgesprächen ha­
ben Sie die Gelegenheit, mit den Schauspielern und den Dramaturgen ins
Gespräch zu kommen und sich unmittelbar nach der Vorstellung mit ihnen auszutauschen. Die genauen Termine entnehmen Sie bitte den Monatsspielplänen.
Tanztee für Beginner und Könner
Möchten Sie auch gerne mal wieder in gepflegter, aber legerer Atmosphäre
tanzen? Ist Ihr Partner aber nicht vom Sofa wegzubewegen? Wollten Sie
schon immer Ihre Tanzschritte verbessern? Oder sich daran erinnern, wie
Walzer linksherum geht? Und – mal ehrlich – können Sie sich einen schöneren Ort zum Tanzen denken als das prächtige Foyer des Schauspielhauses
mit Blick auf den Zwinger? Sehen Sie!
Wir entstauben das fast vergessene Genre „Tanztee“ und brühen es taufrisch auf. Ob Sie tanzunkundig oder parkettsicher sind, allein oder zu
zweit: Jeder ist willkommen! Unter professioneller Anleitung führen wir
Sie durch den Nachmittag und geben Ihnen diskrete Hilfestellung und
sachdienliche Hinweise zu Standards, Latin und was Sie sonst schon immer mal tanzen wollten. Und keine Sorge, wenn Sie allein kommen, es
werden genügend Tanzprofis da sein: Garantiert niemand wird sitzen bleiben! Die Atmosphäre ist zwanglos, aber gepflegt, höflich, aber nicht steif.
Vertanzen Sie mit uns den Sonntagnachmittag. Ihre Füße werden sich freuen.
An ausgewählten Sonntagen im Schauspielhaus. Die Termine entnehmen
Sie bitte den aktuellen Monatspublikationen.
Gastronomie
Zu Beginn der Spielzeit 2009. 2010 wird der renommierte Gastronom Oliver Schlupp das Restaurant im Schauspielhaus als neuer Pächter übernehmen. Mit dem Wechsel verbunden ist künftig eine zeitgemäße Innenausstattung in denkmalgeschütztem Ambiente sowie ein neues attraktives
gastronomisches Angebot zu moderaten Preisen. Als besonderen Service
können unsere Besucher speziell auf Inszenierungen abgestimmte Theatermenüs im Paket mit ihren Eintrittskarten bestellen, die Tischreservierung
vor und nach der Vorstellung sowie in der Pause ist inbegriffen.
Auch das Bistro im Kleinen Haus bietet unseren Besuchern ein umfangreiches Angebot von Getränken über Snacks bis zu gehobenen Speisen in
moderner Atmosphäre.
So ist in beiden Spielstätten die kulinarische Versorgung der Theaterfreu­n­­de gewährleistet – nicht die schlechteste Art, einen Theaterabend einzuleiten oder ausklingen zu lassen.
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Dresdner Reden in Kooperation mit der Sächsischen Zeitung
Die vom Staatsschauspiel Dresden mit der Sächsischen Zeitung veranstaltete Reihe „Dresdner Reden“ setzen wir auch in der Saison 2009. 2010
fort. Die Reihe besteht seit 1992, und bisher haben sich über 60 Künstler,
Po­l itiker, Schriftsteller, Architekten, Journalisten und Historiker auf der
Bühne des Schauspielhauses zu aktuellen Themen der Zeit- und Kulturgeschichte geäußert. Dabei waren unter anderen Willy Brandt, Egon Bahr,
Hans-Dietrich Genscher, Tschingis Aitmatow, Regine Hildebrandt,
Christa Wolf, Alfred Hrdlicka, Walter Jens, Günter Grass, Adolf Muschg,
György Konrád, Peter Sloterdijk, Daniel Libeskind, Alice Schwarzer, Helmut Schmidt, Joschka Fischer, Gerhard Schröder, Elke Heidenreich, Jörn
Rüsen, Fritz Pleitgen, Jan Philipp Reemtsma und Meinhard von Gerkan.
Die aktuellen Termine ent­nehmen Sie bitte den Monatsspielplänen.
„Creme frech“-Kabarettreihe
Auch in der Spielzeit 2009. 2010 setzen wir in Zusammenarbeit mit der
Herkuleskeule die Reihe „Creme frech“ fort. Deutschlands renommierteste
Kabarettisten präsentieren politisches Kabarett auf höchstem Niveau. Am
11. 10. 2009 wird Mathias Richling zu Gast sein, gefolgt von Hagen Rether
am 08. 02. 2010. Weitere Termine entnehmen Sie bitte den Monatsspielplänen.
Musik zwischen den Welten
Wenn die Theater- und Konzertagentur Andreas Grosse internationale Mu­
siker aus den verschiedensten Ländern und Kulturen einlädt, dann ist das
Kleine Haus voll von begeisterten Musikliebhabern unterschiedlichster
Stilrichtungen. Daran soll sich auch in dieser Spielzeit nichts ändern. Zwischen Tradition und Moderne, Ost und West, konzertant und improvisiert,
instrumental und a cappella sind die Konzerte der Reihe angesiedelt, und
das Programm ist so vielfältig wie die Weltmusik selbst, mit Einflüssen
aus Folk, Jazz, Rock, Pop und Klassik. Die Konzerte finden jeweils am Sonntagabend statt.
27. 09. 2009
25. 10. 2009
01. 11. 2009
22. 11. 2009
29. 11. 2009
06. 12. 2009
Uzume Taiko / Japan
Karan Casey / Irland
The Vocal Octet / Israel (A-cappella-Musik in Zusammenarbeit
mit der 13. Jiddischen Musik- und Theaterwoche Dresden)
Kroke / Polen
Dikanda / Polen
Norland Wind / Norwegen, Schottland, Irland, Deutschland
Weitere Termine entnehmen Sie bitte den aktuellen Monatsspielplänen.
Mehr Infos auch unter www.mzdw.de.
Kooperationen
Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“
Seit der Wiedereröffnung des Kleinen Hauses im Jahr 2005 kooperieren
das Staatsschauspiel Dresden und die Hochschule für Musik „Carl Maria
von Weber“ Dresden. Jährlich kommen zwei Inszenierungen der Hochschule für Musik im Kleinen Haus zur Aufführung.
Im November erfolgt die Wiederaufnahme der „Zauberflöte“ von Wolfgang
Amadeus Mozart, eine Koproduktion der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden und der Hochschule für Bildende Künste Dresden.
Musikalische Leitung: Ekkehard Klemm 1 Regie: Andreas Baumann
Eine zeitgenössische Kammeroper des 20. Jahrhunderts wird die zweite
Produktion dieser Spielzeit sein. Sie entsteht ebenfalls in Koproduktion
mit der Hochschule für Bildende Künste Dresden.
Musikalische Leitung: Franz Brochhagen 1 Regie: Andreas Baumann 1 Premiere: 05. 2010
Palucca Schule Dresden und das Palucca Tanz Studio
Die Palucca Schule Dresden – gegründet 1925 von der Tänzerin und Tanzpädagogin Gret Palucca (1902 bis 1993) – ist heute die einzige eigens dem
Tanz gewidmete eigenständige Tanzhochschule Deutschlands. Das Palucca Tanz Studio existiert als eigene Kompanie der Hochschule für Tanz
seit dem Jahr 2002. Studierende des Hauptstudiums der Palucca Schule sollen
hier im professionellen Rahmen Bühnenerfahrung sammeln. In Kooperation mit dem Staatsschauspiel Dresden und auch in Kooperation mit anderen Theatern entstehen im Rahmen des Palucca Tanz Studios jährlich
neue Choreografien, die vor Ort, aber auch auf Gastspielen in Deutschland
und international vorgestellt werden. Das Staatsschauspiel Dresden wird
die Kooperation in der Spielzeit 2009. 2010 fortsetzen.
Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen, Stadtmuseum Dresden und Städtische Galerie, Gläserne Manufaktur von vw, Dresden Marketing GmbH,
Hilton Hotel, Hotel Taschenbergpalais Kempinski, The Westin Bellevue,
Steigenberger – Hotel de Saxe und Maritim Hotel Dresden & icc
Kontakt: Cornelia Walter 1Postanschrift: c/o Staatsschauspiel Dresden,
Theaterstraße 2, 01067 Dresden 1Besuchsanschrift: c/o Dres­d ner Kulturmagazin, Schweriner Straße 48, 01067 Dresden
ETC – European Theatre Convention
Seit 2007 ist das Staatsschauspiel Dresden Mitglied der European Theatre
Convention (etc). Bestehend aus 41 Theatergesellschaften aus 24 Ländern,
bildet die etc eines der bedeutendsten Theaternetzwerke Europas. Präsident der etc ist Jean-Claude Berutti, Intendant der Comédie de SaintEtienne, Frankreich. Anrechtsinhaber des Staatsschauspiels Dresden haben
die Möglichkeit, die Inszenierungen aller etc-Theater kostenfrei zu besuchen. Eine detaillierte Liste der etc-Mitglieder, deren aktuelle Spielpläne
sowie weitere Informationen über die European Theatre Convention sind
unter www.etc-cte.org zu finden.
Hochschule für Bildende Künste Dresden
Die Hochschule für Bildende Künste Dresden ist ein langjähriger Kooperationspartner in der Ausbildung. Viele Studenten der Studiengänge Bühnen- und Kostümbild sowie Theaterausstattung haben ihre ersten praktischen Erfahrungen am Staatsschauspiel Dresden als Ausstattungsassistenten bzw. Praktikanten gesammelt und von hier aus ihre berufliche Karriere gestartet. Die Hochschule für Bildende Künste ist darüber hinaus
auch Kooperationspartner der Opernklasse der Hochschule für Musik, die
im Kleinen Haus ihre Heimstätte gefunden hat.
Kultur Quartier Dresden
In kaum einer anderen europäischen Stadt findet sich Kultur in solcher
Vielfalt auf so konzentriertem Raum. Eine Besonderheit der Stadt Dresden,
der 2002 mit dem Zusammenschluss der führenden Kultureinrichtungen
zum Kultur Quartier Dresden besonderer Nachdruck verliehen wurde.
Seither ist dieser bemerkenswerte innerstädtische Verbund aus Kulturins­
titutionen und gehobener Hotellerie stetig gewachsen. Heute arbeitet er
auf verschiedenen Ebenen an der Vernetzung der vielfältigen Aktivitäten,
um so neue attraktive Angebote für die Besucher zu schaffen. Neben der
KultTourCard für junge Menschen oder Hotelarrangements für Touristen
werden in regelmäßigem Austausch gemeinsame Ideen und Konzepte für
die kulturelle und ästhetische Bildung erarbeitet. Von der ersten FamilienRallye im Mai 2009 bis zu Diskussionsveranstaltungen schaffen vielfältige Aktivitäten immer neue Zugänge zu Themen und Inhalten der Kultur.
Darüber hinaus ist das Kultur Quartier Dresden ein Forum für kulturpolitische Stellungnahmen, das dank der Bedeutung seiner Mitglieder regional und überregional Gehör findet, meinungsbildend ist und somit die
gemeinsamen Anliegen der Mitglieder wirkungsvoll zu vertreten vermag.
2009. 2010 wird neben vielen Aktivitäten das Engagement für ein koordinierteres Stadtmarketing im Mittelpunkt stehen, während die Wiedereröffnung des Albertinums im Juni 2010 neue Wege durch das Quartier
schaffen und Anlass zum Feiern bieten wird.
Weitere Informationen zum Kultur Quartier Dresden finden Sie unter
www.kulturquartier-dresden.de.
Mitglied im Kultur Quartier Dresden sind: Staatliche Kunstsammlungen
Dresden, Semperoper, Staatsschauspiel, Synagoge, Frauenkirche, Kreuzkirche, Deutsches Hygiene-Museum, Dresdner Philharmonie, Staatliche
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Ensemble und Mitarbeiter 2009.2010
Schauspieler Ensemble: Cathleen Baumann, Sonja Beißwenger, Thomas
Braungardt, Mila Dargies, Thomas Eisen, Rosa Enskat, Christian Erdmann,
Christian Friedel, Albrecht Goette, Sascha Göpel, Olivia Grigolli, Picco
von Groote, Stefko Hanushevsky, Benjamin Höppner, Christine Hoppe,
Holger Hübner, Vera Irrgang, Regina Jeske, Lars Jung, Matthias Luckey,
Philipp Lux, Ahmad Mesgarha, Wolfgang Michalek, Anna-Katharina
Muck, Benjamin Pauquet, Ina Piontek, Karina Plachetka, Tom Quaas,
Torsten Ranft, Matthias Reichwald, Annika Schilling, Lore Stefanek,
Antje Trautmann, Sebastian Wendelin, Helga Werner
1 Studentinnen und Studenten des Schauspielstudios Dresden: Sarah
Bonitz, Christian Clauß, Benedikt Kauff, Annett Krause, Sophia Löffler,
Moritz Löwe, Henner Momann, Thomas Schumacher, Eike Weinreich,
Ines Westernströer
Intendanz Intendant: Wilfried Schulz 1Mitarbeit und Sekretariat: Jeanette
Seeger 1 Persönlicher Referent des Intendanten und künstlerische Produktionsleitung: Christof Belka 1 Kaufmännischer Geschäftsführer: Hergen
Gräper 1 M itarbeit und Sekretariat: Felicitas Brendel, Jaquelin Grumbt
Dramaturgie Chefdramaturg: Robert Koall 1 M itarbeit und Sekretari­at:
Luise Mundhenke 1 Dramaturgie: Beret Evensen, Jens Groß, Martin Heckmanns, Karla Kochta, Felicitas Zürcher 1 A rchiv: Katrin Riedel
Die Bürgerbühne und Theaterpädagogik Leitung: Miriam Tscholl 1 Theaterpädagogik: Maike Döschner, Ulrich Reinhardt 1 M itarbeit (fsj
Kultur): Adele Dittrich, Rahel Fink
Schauspielstudio Dresden der Hochschule für Musik und Theater
1 Gastschauspieler in übernommenen Inszenierungen: Holger Bülow, „Fe­lix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig Leitung: Jens Groß, Tilmann
Thorbjörn Björnsson, Christoph Franken, Alexander Gamnitzer, Ursula
Köhler 1 M itarbeit: Simone Wiemer
Geyer-Hopfe, Mario Grünewald, Gerhard Hähndel, Nele Jung, Stefan
Kaminsky, Jelena Kuljic, Günter Kurze, Peter Knaack, Thomas Martin, Künstlerisches Betriebsbüro Künstlerischer Betriebsdirektor: Jürgen
Reitzler 1 Leitung Künstlerisches Betriebsbüro: Ralf Schindler 1 MitarMarlène Meyer-Dunker, Daniel Minetti, Matthias Neukirch, Nikolai
Plath, Martin Reik, Kai Roloff, Clemens Schick, Anneke Schwabe, Wolf- beit: Simone Wiemer 1Regieassistenz: Jan Gehler, Alexander Keil, David
Dietrich Sprenger, Lilith Stangenberg, Martina Struppek, Rafael „Spax“ Lenard, Hauke Meyer 1 Inspizienz: Michael Fleischer, Andreas Lötzsch
Szulc, Oda Thormeyer, Svenja Wasser, Anne Weber, Hanns-Jörn Weber, (Leitung Statisterie), Detlef Müller, Matthias Tetzlaff 1 Soufflage: Uta Erler,
Christina Loose, René Rothe, Viola Schlese
Yuka Yanagihara
Regie Sabine Auf der Heyde, Sebastian Baumgarten, Thomas Birkmeir,
David Benjamin Brückel, Barbara Bürk, Nuran David Calis, Wolfgang Engel,
Jenny Flügge, Holk Freytag, Friederike Heller, Melanie Hinz, Julia
Hölscher (Hausregisseurin), Tilmann Köhler (Hausregisseur), Burkhard
C. Kosminski, Heidelinde Leutgöb, David Marton, Walter Meierjohann,
Jan Neumann, Luk Perceval, Armin Petras, Marc Prätsch, Stephan Reher,
Rimini Protokoll (Helgard Haug, Daniel Wetzel), Simon Solberg, Sandra
Strunz, Miriam Tscholl, Roger Vontobel, Franz Wittenbrink
Bühnenbildner und Kostümbildner Olaf Altmann, Sabine Blickenstorfer,
Marysol del Castillo, Florian Etti, Dagmar Fabisch, Irène Favre de Lucascaz,
Thomas Goerge, Anke Grot, Alex Harb, Mayke Hegger, Jörg Kiefel, Johannes
Köhler, Sabine Kohlstedt, Alissa Kolbusch, Annette Kurz, Uta Materne,
Simeon Meier, Wolf Münzner, Ines Nadler, Philipp Nicolai, Nicole Pleuler,
Karoly Risz, Irina Schicketanz, Nicola Schmid, Ariane Schwarz, Nini von
Selzam, Ulli Smid, Ivonne Storm, Katja Strohschneider, Katja Turtl, Susanne
Uhl 1 Video: Karnik Gregorian
Musik Musikalische Leitung: Vivan Bhatti, Jan Czajkowski, Sir Henry,
Thomas Hertel, Tobias Hofmann, Sven Kaiser, Eckehard Mayer, Peter
Thiessen, Tobias Vethake, Jörg-Martin Wagner, Franz Wittenbrink 1 Büh­
nen­musiker: Kante, Thomas Mahn, Friedrich Paravicini, Nora Teschner 1
Choreografie: Axel Hambach 1 Sprecherziehung: Sabine Haupt
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Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Leitung: Martina Aschmies 1 Mitarbeit und Sekretariat: Birgit Bräuer, Angela Rümmler 1 Grafik und Konzept: Johannes Erler, Kathleen Schwibus (Factor Design ag) 1 Grafikerin:
Andrea Ørsted 1 Fotografen: Matthias Horn (Konzept), David Baltzer,
Hans-Ludwig Böhme 1 Grafiker und Sichtwerbung: Klaus-Dieter Mand
1 M itarbeit: Martina Andrä, Kerstin Theurich
Technische Direktion Technischer Direktor: Christian Voß 1 Technische Leitung und Stellvertretender Technischer Direktor: Bernd Mahnert
1 Technische Produktionsleitung: Magnus Freudling 1 Technisches
Betriebsbüro: Simone Krause, Gisela Reinhard, Angelika Zimmermann
1 Konstruktionsabteilung: Hansi Borchers, Jörg Kittel, Michael Rethberg
(edv-Beauftragter) 1 Künstlerische Produktionsleitung Kostüm: Irène
Favre de Lucascaz 1 Bühnenbildassistenz: Sabrina Rox 1Kostümbild­
assistenz: Cornelia Kahlert, Belén Montoliu
Die Bühnenbilder und Kostüme werden in den gemeinsamen Werkstätten
von Staatsoper und Staatsschauspiel gefertigt.
Technischer Dienst und Gebäudemanagement Leitung: Roland Oertel
1 Haus- und Betriebstechnik: Frank Ruder (Leitung) 1 M itarbeiter
Haus­betriebstechnik: Andreas Beyer, Frank Braune, Helmer Creutz, Klaus
Kraft, Olaf Teller (Vorarbeiter) 1 Hausinspektion: Wolf Richter 1 Bühnenund Hausarbeiter: Matthias Kauerhoff, Armin Milde, Manfred Nixdorf,
Detlef Richter 1 Haushandwerker: Thomas Giersemehl
Bühnentechnik Theaterobermeister: Franz Dextor 1 Theatermeister:
André Dietze, Jens Kelm, Klaus-Peter Klunker, Frank Scheibner, Helge
Wittig 1 Maschinenmeister: Michael Tutz 1 Seiten- bzw. Schnürmeister: Frank Beate, Steffen Büttner, Rolf Jüttner, Pan Langhammer, Ronald
Matthes, Gerd Müller, Mario Niese, Udo Nitzsche, Jens Ørsted, Michael
Pohle, Steffen Riegel, Thomas Schubert, Georg Weber, Daniel Weise 1
Maschinisten: Frank Adam, Mario Dietrich, Lutz Ebert, Eberhard Hilbert,
Klaus-Peter Lein, Rainer Piontkowsky, Bernd Schulz 1 Bühnentechniker:
Andreas Arnold, Heiko Barth, Uwe Becker, Volker Blümel, Torsten Bruhn,
Andreas Dähner, Frank Domel, Tilo Ebert (Spezialeffekte), Gerd Eichhorn,
Lutz Feilotter, André Felsner, Wolfgang Franke, Ralf Gaitzsch, Thomas Glaß,
Matthias Glauche, Jürgen Hage, Lutz Hänsel, Herbert Herzmann, Andreas
Kallenbach, Matthias Kannenberg, Bernhard Klesse, Stefan Küchler,
Axel Ladwig, Ingo Lenk, Heike Lieberum, Rüdiger Liebthal, Ralph Löwe,
Christoph Lößner, Jens Lüttich, Daniel Meinl, Manuel Meinl, Holger
Mende, Peter Mende, Daniel Oertel, Michael Pöritz, Frank Pohle, Wilfried
Richter, Frank Ruhland, Ronald Sämann, Frank Schmidt, Rolf Socka,
Henry Sorms, Ramon Stage (Spezialeffekte), Sebastian Stefek, Michaela
Thiel, André Thomas, Hannes Tuppak, Andreas Weiß, Jörg Zeidler
Beleuchtung Leitung: Michael Gööck 1Beleuchtungsobermeister: Gunter
Hegewald 1 Beleuchtungsmeister: Andreas Barkleit, Jürgen Borsdorf,
Rolf Pazek 1 Beleuchter: Jens Clausnitzer, Carola Dregely, Achim Frank,
Harald Götz, Oliver Goy, Andreas Hanisch, Henry Hillig, Robert Irrgang,
Irmgard Jursch, Peter Köhler, Andreas Kunert, Jens Leopold, Petra Pazek,
Christian Pöge, Elke Rosenkranz, Andreas Rösler, Olaf Rumberg, Sven
Schade, Henryck Wecker, Thomas Wildenhain 1 Videotechniker: Matthias
Hübner, Thomas Schenkel
Verwaltung Kaufmännischer Geschäftsführer und Verwaltungsdirektor:
Hergen Gräper 1 Leitung der Abteilung Personal und Zentrale Dienste:
Uwe Behnisch 1 M itarbeit Personalsachbearbeitung und Sekretariat:
Ulrike Bauer 1 M itarbeit Personalrechnungswesen: Harald Engel 1 M itarbeit: Hannelore Großmann 1 Betriebsärztin: Dr. med. Kathrin Rüllich
1 Post-, Boten- und Kopierzentrale: Carmen Socka, Marion Thonig 1
edv-Administrator: Peter Zabelt 1 Leitung Rechnungswesen: Sven Peschel
1 Debitoren, Kreditoren, Vertragscontrolling, Reisekosten: Bärbel Breier,
Annett Jeschke, Bärbel Müller 1 Hauptkassiererin: Martina Oehme 1 Gästehonorarabrechnung: Jürgen Thürmann 1 Mitarbeiterin Einkauf:
Antje Lindner
Leitung Besucherservice und Vertrieb Angelika Heine 1 Mitarbeit:
Angela Bauer, Claudia Domine, Ulrike Hänel, Birgit Holub, Birgit
Kaltenhäuser, Manfred Nicolai, Silke Rehwald 1 Abenddienstleitung:
Barbara Arnold, Christine Grießbach und Personal der Firma Power gmbh
Fahrer Jürgen Hamann
Personalrat Vorsitzender: Georg Weber 1 Stellvertreter: Tilo Ebert 1 Mit­glieder: Ulrike Hänel, Holger Hübner, Andreas Lötzsch, Jens Ørsted
1 Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte: Angela Rümmler 1Schwerbehindertenvertretung: Hannelore Großmann 1 Sekretariat: Gisela Merbitz
Verwaltungsrat Vorsitzender: Dr. Knut Nevermann (Staatssekretär im
Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst) 1 Stellvertretender Vorsitzender: Thomas Früh (Abteilungsleiter Kunst im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst) 1 M itglieder: Ulf
Bandiko (Referatsleiter im Sächsischen Staatsministerium der Finanzen),
Prof. Dr. phil. habil. Wolfgang Donsbach (Direktor des Instituts für Kommunikationswissenschaft der Technischen Universität Dresden ), Helma
Kulick (Senior Consultant bei Kienbaum Executive Consultants), Dr.
Wilhelm Zörgiebel (Geschäftsführender Gesellschafter der Grundbesitz
Hellerau GmbH), Frank Ruder (Leitung Haus- und Betriebstechnik am
Staatsschauspiel Dresden)
Ehrenmitglieder Karl von Appen, Charlotte Basté, Reinhold Bauer, Erich
Baumgart, Marie Bayer-Bürck, Emil Devrient, Antonia Dietrich, Wolfgang
Engel, Charlotte Friedrich, Prof. Dr. Dieter Görne, Friedrich Haase, Martin
Hellberg, Peter Herden, Georg Kiesau, Friedrich Lindner, Franz Lomatzsch,
Frank Ostwald, Paul Paulsen, Erich Ponto, Alfred Reucker, Traute Richter,
Max Rothenberger, Clara Salbach, Hermann Stövesand, Pauline Ulrich,
Paul Wiecke, Johannes Wieke, Albert Willi, Gerhard Wolfram
Ton Leitung: Manja Schreyer 1T onmeister: Martin Schmitz, Torsten Staub
1 Tontechniker: Ulrich Berg, Peter Franke, Uwe Lahmann, Marion Reiz
Requisite Leitung: Heike Jordan 1 Requisiteure: Heike Böhme, Steffi
Engelmann, Christiane Findeisen, Kathrin Friedrich, Susanne Glauche,
Matthias Schulz, Ines Taggesell, Mareile Weller
Ankleider Leitung: Cornelia Walter 1 Kostüm- und Änderungsschneiderin und Ankleiderin: Katrin Richter 1 Ankleider: Heike Burmester, Gerd
Geppert, Anita Hänel, Regine Hegewald, Daniela Kral, Beatrice Kubis,
Regina Schroth, Susanne Steffens
Maske Chefmaskenbildnerin: Gabriele Oelsch 1 1. Maskenbildnerin:
Marika Hinkel 1 Maskenbildnerinnen: Kerstin Bähr, Jana Dittrich, Barbi
Mederacke, Ines Pfitzner, Tatjana Richter, Silvia Siegert, Lisa Warnecke,
Ulrike Weise, Ellen Wittich
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Liebe Freunde des Staatsschauspiels Dresden,
wir freuen uns, Ihnen auf den folgenden Seiten die Anrechte der Spielzeit 2009. 2010 vorstellen zu dürfen.
Wir haben ein möglichst vielfältiges Angebot zusammengestellt, das für jeden Geschmack, jedes Alter
und jeden Geldbeutel das passende Anrecht bereithält. Wir sind sicher, auch für Sie ist etwas dabei!
Entscheiden Sie sich für regelmäßige Theaterbesuche an festgelegten Wochentagen oder bleiben Sie mit
dem Wahlanrecht flexibel. Entscheiden Sie sich für Ihre Lieblingssparte Schauspiel oder für das Angebot
von Schauspiel, Oper und Operette. Wählen Sie aus Anrechten mit vier, fünf, sechs, sieben oder acht
Vorstellungen!
Alle, die schon zu den treuen Freunden des Staatsschauspiels gehören und die Theaterarbeit regelmäßig
verfolgen, finden ihre bisher gewohnten Anrechte natürlich auch in der Spielzeit 2009. 2010. Genauso
freuen wir uns auf alle interessierten Neueinsteiger! Lassen Sie sich von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Anrechtsbüros beraten. Wählen Sie aus – wir organisieren den Rest!
Erstmalig veröffentlichen wir die Termin- und Stückübersicht der Schauspielanrechte bereits vollständig in diesem Spielzeitheft. Die genauen Termine und Vorstellungen der Dresdner Anrechte – also das
gemeinsame Angebot der Sächsischen Staatsoper Dresden und der Staatsoperette Dresden – sowie die
Termine des Schauspiel-Operetten-Anrechts entnehmen Sie bitte der aktuellen Broschüre, die Ende Mai
erscheint.
Spannende, unterhaltsame und anregende Abende wünscht Ihnen
Ihr Staatsschauspiel Dresden
1 Bedingt durch Inszenierung und Bühnenbild kann es wie bisher auch vorkommen, dass die von Ihnen reservierten Plätze (vor allem in den vorderen Reihen) nicht zur Verfügung stehen oder Ihre Sicht auf die Bühne leicht eingeschränkt ist. In diesem Fall bieten wir Ihnen selbstverständlich vergleichbare Ersatzkarten an.
1 Natürlich bemühen wir uns stets um Zuverlässigkeit und Termingenauigkeit. Gegen Erkrankungen und technische Pannen sind aber auch wir nicht
gefeit. Sollte es deshalb ausnahmsweise zu Verschiebungen kommen, bitten wir Sie um Nachsicht.
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Die Schauspielanrechte
Gönnen Sie sich die Vorteile eines Schauspielanrechts!
Sie bestimmen den Wochentag, an dem Sie ins Theater gehen möchten, und Ihren Sitzplatz. 1 Wenn
Ihnen ein Termin Ihres Anrechts nicht zusagt, können Sie diesen kostenfrei gegen eine andere Vorstellung eintauschen. 1 Nutzen Sie den Preisvorteil von bis zu 55 % gegenüber dem Normalpreis. 1 Auf
Wunsch senden wir Ihnen unsere Monatsspielpläne zu, sodass Sie frühzeitig über anstehende Premi­
eren, Zusatzveranstaltungen und die Vorstellungstermine informiert sind. 1 Sie erhalten druckfrisch
das Spielzeitheft mit ausführlichen Informationen über das Programm der kommenden Saison.
Neu: Ab Beginn der neuen Spielzeit finden Sie einen Internetservice exklusiv für Anrechtsinhaber und
Interessierte. Hier können Sie sich in Ihr persönliches Servicefenster einloggen. Auf Ihrer Seite finden
Sie alle relevanten Daten, die Ihr Anrecht betreffen. Außerdem erhalten Sie einen gesonderten News­
letter mit aktuellen Informationen. Und nicht zuletzt: Wenn Sie noch kein Anrecht besitzen, können
Sie dieses über das Internet bequem von zu Hause aus abschließen! Neu: Schauen Sie einmal hinter die
Kulissen. Führungen durch das Schauspielhaus mit spannenden Informationen über das Staatsschauspiel, verblüffenden Einblicken in die Bühnentechnik sowie einem Besuch auf der Probebühne und vielem mehr sind für die Anrechtsinhaber kostenfrei. Die Termine entnehmen Sie bitte den Monatsspiel­plänen. Anmeldung erforderlich. Neu: Sie erhalten 10 % Ermäßigung auf ausgewählte hauseigene Verkaufsartikel, zum Beispiel auf unsere T-Shirts.
Die Premierenanrechte
Erleben Sie die besondere Atmosphäre eines Premierenabends! Bei der anschließenden Premierenfeier
freuen wir uns darauf, mit Ihnen anzustoßen, uns mit Ihnen auszutauschen und mit Ihnen zu feiern.
Das Premierenanrecht bietet gegenüber dem Kassenpreis 10 % Ermäßigung. Neu: Das Programmheft erhalten Sie am Abend kostenfrei! Sie sehen vom Saisonstart an wahlweise acht Premieren im Schauspielhaus oder sieben Premieren im Kleinen Haus oder insgesamt sechs Premieren in beiden Spielstätten.
Premierenanrecht 8 x Schauspielhaus
Fr 18. 09. 2009 19:30 Wilhelm Meisters Lehrjahre
Sa 17. 10. 2009 19:30 Die heilige Johanna der Schlachthöfe
Sa 05. 12. 2009 19:30 Peer Gynt
Mi 30. 12. 2009 19:30 Die Lobbyisten (Wittenbrink-Liederabend)
Sa 30. 01. 2010 19:30 Des Teufels General
Sa 27. 02. 2010 19:30 Der goldne Topf
Sa 27. 03. 2010 19:30 Don Carlos
Do 29. 04. 2010 19:30 Sein oder Nichtsein
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Premierenanrecht 7 x Kleines Haus
So 20. 09. 2009 19:00 Adam und Evelyn
Fr 09. 10. 2009 19:30 Vùng biên gió’i (Rimini Protokoll)
Fr 30. 10. 2009 19:30 Für alle reicht es nicht
Sa 12. 12. 2009 19:30 Der Besuch der alten Dame
Fr 22. 01. 2010 19:30 Frau Müller muss weg
Fr 19. 02. 2010 19:30 Leonce und Lena
Fr 28. 05. 2010 19:30 Der Kirschgarten
Kleines Haus
Kleines Haus
Kleines Haus
Kleines Haus
Kleines Haus
Kleines Haus
Kleines Haus
Premierenanrecht 3 x Schauspielhaus, 3 x Kleines Haus
Sa 19. 09. 2009 19:30 Romeo und Julia
Sa 12. 12. 2009 19:30 Der Besuch der alten Dame
Fr 22. 01. 2010 19:30 Frau Müller muss weg
Sa 27. 02. 2010 19:30 Der goldne Topf
Sa 27. 03. 2010 19:30 Don Carlos
Fr 23. 04. 2010 19:30 Gott allein
Schauspielhaus
Kleines Haus
Kleines Haus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Kleines Haus
Preise
Preisgruppe 1: 144,00€
Preisgruppe 2: 128,00€
Preisgruppe 3: 108,00€
Preise
Einheitspreis: 98,00€
Preise
Preisgruppe 1: 102,00€
Preisgruppe 2: 87,00€
Preisgruppe 3: 79,50€
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Die Tagesanrechte
Der Klassiker unter den Anrechten: Wählen Sie Ihren Lieblingswochentag, suchen Sie sich einen schö­
nen Sitzplatz aus und erleben Sie fünf Inszenierungen der neuen Spielzeit im Schauspielhaus. Sie sparen bis zu 40 % auf den regulären Kassenpreis. Zusätzlich dürfen Sie sich eine Vorstellung im Kleinen
Haus aussuchen, hierfür erhalten Sie einen Gutschein. Entscheiden Sie einmal – und begeben Sie sich
mit uns auf eine kleine Reise durch den Spielplan!
Montag I
Mo05. 10. 2009
Mo16. 11. 2009
Mo29. 03. 2010
Mo03. 05. 2010
Mo21. 06. 2010
Preise
auf allen Plätzen 36,00€
1 zusätzlich erhalten Sie einen Gutschein für eine Vorstellung im Kleinen Haus 1 beim Montagsanrecht ist
kein Vorstellungstausch möglich
Wilhelm Meisters Lehrjahre
Die heilige Johanna der Schlachthöfe
Des Teufels General
Sein oder Nichtsein
Der goldne Topf
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Neu: Montag II
Mo14. 12. 2009 19:30
Mo25. 01. 2010 19:30
Mo15. 02. 2010 19:30
Mo05. 04. 2010 19:00
Mo14. 06. 2010 19:30
Peer Gynt
Die Lobbyisten
Romeo und Julia
Don Carlos
Des Teufels General
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Dienstag
Di 13. 10. 2009
Di 01. 12. 2009
Di 02. 02. 2010
Di 23. 03. 2010
Di 18. 05. 2010
19:30
19:30
19:30
19:30
19:30
Romeo und Julia
Wilhelm Meisters Lehrjahre
Die heilige Johanna der Schlachthöfe
Peer Gynt
Die Lobbyisten (Wittenbrink-Liederabend)
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Preise
Preisgruppe 1: 67,50€
Preisgruppe 2: 57,50€
Preisgruppe 3: 47,50€
1 in jeder Preisgruppe erhalten Sie zusätzlich
einen Gutschein für eine Vorstellung im Kleinen Haus
Mittwoch
Mi 14. 10. 2009
Mi 02. 12. 2009
Mi 24. 02. 2010
Mi 28. 04. 2010
Mi 23. 06. 2010
19:30
19:30
19:30
19:30
19:30
Wilhelm Meisters Lehrjahre
Die heilige Johanna der Schlachthöfe
Romeo und Julia
Don Carlos
Des Teufels General
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Preise
Preisgruppe 1: 67,50€
Preisgruppe 2: 57,50€
Preisgruppe 3: 47,50€
1 in jeder Preisgruppe erhalten Sie zusätzlich
einen Gutschein für eine Vorstellung im Kleinen Haus
Donnerstag
Do 19. 11. 2009
Do 17. 12. 2009
Do 11. 02. 2010
Do 11. 03. 2010
Do 06. 05. 2010
19:30
19:30
19:30
19:30
19:30
Wilhelm Meisters Lehrjahre
Die heilige Johanna der Schlachthöfe
Peer Gynt
Des Teufels General
Die Lobbyisten (Wittenbrink-Liederabend)
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Preise
Preisgruppe 1: 52,50€
Preisgruppe 2: 45,00€
Preisgruppe 3: 40,00€
1 in jeder Preisgruppe erhalten Sie zusätzlich
einen Gutschein für eine Vorstellung im Kleinen Haus
Freitag
Fr 30. 10. 2009
Fr 04. 12. 2009
Fr 26. 02. 2010
Fr 23. 04. 2010
Fr 11. 06. 2010
19:30
19:30
19:30
19:30
19:30
Wilhelm Meisters Lehrjahre
Romeo und Julia
Des Teufels General
Don Carlos
Sein oder Nichtsein
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Preise
Preisgruppe 1: 67,50€
Preisgruppe 2: 57,50€
Preisgruppe 3: 47,50€
1 in jeder Preisgruppe erhalten Sie zusätzlich
einen Gutschein für eine Vorstellung im Kleinen Haus
Samstag
Sa 24. 10. 2009
Sa 21. 11. 2009
Sa 02. 01. 2010
Sa 06. 03. 2010
Sa 08. 05. 2010
19:30
19:30
19:30
19:30
19:30
Die Möwe (Gastspiel)
Die heilige Johanna der Schlachthöfe
Peer Gynt
Wilhelm Meisters Lehrjahre
Des Teufels General
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Preise
Preisgruppe 1: 77,50 €
Preisgruppe 2: 67,50€
Preisgruppe 3: 57,50€
1 in jeder Preisgruppe erhalten Sie zusätzlich
einen Gutschein für eine Vorstellung im Kleinen Haus
Sonntag
So 25. 10. 2009
So 06. 12. 2009
So 14. 03. 2010
So 02. 05. 2010
So 13. 06. 2010
19:00
19:00
19:00
19:00
19:00
Die Möwe (Gastspiel)
Die heilige Johanna der Schlachthöfe
Peer Gynt
Der goldne Topf
Don Carlos
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Preise
Preisgruppe 1: 67,50€
Preisgruppe 2: 57,50€
Preisgruppe 3: 47,50€
1 in jeder Preisgruppe erhalten Sie zusätzlich
einen Gutschein für eine Vorstellung im Kleinen Haus
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19:30
19:30
19:30
19:30
19:30
Preise
auf allen Plätzen 36,00€
1 zusätzlich erhalten Sie einen Gutschein für eine Vorstellung im Kleinen Haus 1 beim Montagsanrecht ist
kein Vorstellungstausch möglich
Die Sonntagnachmittags-Anrechte
Das Sonntagnachmittags-Anrecht ist ein Angebot für Jung und Alt! Es ist besonders geeignet für Familien, die gerne gemeinsam spannende Sonntagnachmittage im Theater verbringen wollen, oder für
ältere Menschen, denen der Vorstellungsbesuch am Abend oft zu spät ist. Neu: Beginn ist jeweils
16 Uhr – abends sind Sie wieder zu Hause. Die Sonntagnachmittags-Anrechte sind außerdem besonders
günstig: Sie sparen bis zu 55 % auf den regulären Kassenpreis!
Sonntagnachmittags-Anrecht 5 x Schauspielhaus, 1 x Kleines Haus
So 11.10.2009 16:00 Adam und Evelyn
Kleines Haus
So 03.01.2010 16:00 Die Brüder Löwenherz
Schauspielhaus
So 14.02.2010 16:00 Des Teufels General
Schauspielhaus
So 28.03.2010 16:00 Wilhelm Meisters Lehrjahre
Schauspielhaus
So 18.04.2010 16:00 Peer Gynt
Schauspielhaus
So 30.05.2010 16:00 Sein oder Nichtsein
Schauspielhaus
Preise
Preisgruppe 1: 52,50€
Preisgruppe 2: 45,00€
Preisgruppe 3: 40,00€
Sonntagnachmittags-Anrecht 4 x Schauspielhaus
So 03.01.2010 16:00 Die Brüder Löwenherz
So 14.02.2010 16:00 Des Teufels General
So 28.03.2010 16:00 Wilhelm Meisters Lehrjahre
So 30.05.2010 16:00 Sein oder Nichtsein
Preise
Preisgruppe 1: 36,00€
Preisgruppe 2: 30,00€
Preisgruppe 3: 26,00€
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
Schauspielhaus
6 Richtige: Das Wahlanrecht 6 x haben Sie die Wahl 1 6 x Theater, egal an welchem Tag 1 6 x alleine oder
alle zu­sammen 1 6 Gutscheine für 6 spannende Theaterabende oder 6 Gutscheine für einen Abend
Einfacher geht es nicht. Hier haben Sie alles selbst in der Hand. Sie erwerben sechs Gutscheine für das
Schauspielhaus, sechs Gutscheine für das Kleine Haus oder wählen je drei Gutscheine für beide Häuser.
Sie wählen die Inszenierungen aus, die Sie am meisten interessieren. Sie wählen auch die Termine und entscheiden, ob Sie alleine oder zu mehreren gehen möchten. Jetzt müssen Sie die Gutscheine nur noch im
Vorverkauf oder an der Abendkasse in Eintrittskarten für die Vorstellungen aus dem Schauspielrepertoire
tauschen. Sie erhalten die besten noch verfügbaren Plätze! Seien Sie spontan! Sie können für 10, 00 € im
Schauspielhaus in der ersten Reihe sitzen. Eine der günstigsten Möglichkeiten ins Theater zu kommen!
Sie können wählen
6 Gutscheine für das Schauspielhaus 6 Gutscheine für das Kleine Haus 6 Gutscheine für das Schauspielhaus / das Kleine Haus 6 Gutscheine für das Schauspielhaus / das Kleine Haus 60,00 €
45,00 €
50,00 €
33,00 € (für alle unter 28 Jahren)
Sie tauschen die Gutscheine im Vorverkauf oder an der Abendkasse in Eintrittskarten für
Repertoirevorstellungen ein und erhalten die besten noch verfügbaren Plätze.
97
Gemischte Anrechte
Das Schauspiel-Operetten-Anrecht 3 x Schauspielhaus und 3 x Operette
Kombinieren Sie drei Vorstellungen aus dem Schauspielrepertoire mit drei Vorstellungen der Staatsoperette
(Operette, Spieloper und Musical). Unterhaltung auf höchstem Niveau für alle. Die Termine und Stückinfos können Sie der aktuellen Broschüre entnehmen, die Ende 05. 2009 erscheint. Oder schauen Sie in den
Anrechtsbereich im Internet unter www.staatsschauspiel-dresden.de
Preise
Preisgruppe 1: Preisgruppe 2: Preisgruppe 3: Mo – Do
84,50€
71,00 €
59,00€
Fr – So
96,00€
81,00€
68,25€
Das Dreieranrecht 2 x Schauspielhaus, 1 x Kleines Haus, 2 x Herkuleskeule und 2 x Theaterkahn
Die Kombination von Staatsschauspiel, Herkuleskeule und Theaterkahn ist eine gute Gelegenheit,
sicher und preiswert Kabarett und Schauspiel zu erleben. Die Termine werden kurzfristig in den jeweiligen Monatsveröffentlichungen bekannt gegeben.
Preise
Preisgruppe 1: 89,00 €
Preisgruppe 2: 82,00 €
Preisgruppe 3: 78,00 €
Anrecht mit Fahrservice 3 x Schauspielhaus und 3 x Operette
Der Theaterbus oder der Theaterchauffeur fährt die Musik- und Theaterfreunde, die außerhalb wohnen
oder denen die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel schwerfällt, direkt von Tür zur Tür. Auf den Normalpreis der Eintrittskarten erhalten Sie ca. 40 % Rabatt. Der Fahrpreis wird je nach Entfernung berechnet. So kommen alle Menschen aus dem Umkreis ohne Mühe ins Theater.
Die Termine und Stückinfos erhalten Sie nach Abschluss des Anrechts per Post. Oder schauen Sie in Ihr
persönliches Anrechtspostfach im Internet.
Preise
Preisgruppe 1: 82,50€* Preisgruppe 2: 69,00€*
Preisgruppe 3: 57,00€*
118,50€**
105,00€**
93,00€**
* Der Theaterbus für das Dresdner Umland – zuzüglich Fahrpreis entsprechend der Entfernung
** Der Theaterchauffeur für Ältere und Behinderte in Dresden – inklusive Taxi
Dresdner Anrecht Staatsschauspiel Dresden, Sächsische Staatsoper Dresden, Staatsoperette Dresden
Die drei traditionsreichsten Dresdner Theater in einem Anrecht. Lassen Sie sich begeistern vom Aufstieg und Niedergang des „Peer Gynt“ im Staatsschauspiel, lauschen Sie dem unglücklichen Quasimodo
(in der Oper „Notre Dame“) in der Semperoper und freuen Sie sich über die europäische Erstaufführung
des George-Gershwin-Musicals „Pardon my English“ in der Staatsoperette.
Dies ist nur ein Beispiel für das einzigartige Dresdner Anrecht, das vielfältige Möglichkeiten und Kombinationen für spannende Theaterabende bietet. Die genauen Termine und Vorstellungen entnehmen Sie
bitte der aktuellen Dresdner-Anrechts-Broschüre, die Ende 05. 2009 erscheint. Oder schauen Sie in den Anrechtsbereich im Internet unter www.staatsschauspiel-dresden.de.
98
Ermäßigungen und Geschenke
Neu: Blaue Tage Mindestens einmal im Monat können Sie zu einem Sonderpreis von 10,00 € ausgewählte
Vorstellungen besuchen. Die Termine entnehmen Sie bitte den Monatsspielplänen.
Neu: Schüler, Studenten, Auszubildende zahlen nur 6,00 € Junge Menschen in der Ausbildung – Schüler, Studenten, Wehr- und Zivildienstleistende – zahlen einheitlich 6,00 € auch im Vorverkauf. (Im Schauspielhaus ab Preisgruppe 2 Reihe 12. An der Abendkasse gibt es 6,00 €-Karten eine halbe Stunde vor
Beginn der Vorstellung je nach Verfügbarkeit in allen Preiskategorien.) Ausgenommen sind Gastspiele
und Sonderveranstaltungen. 1 Schulklassen zahlen pro Schüler 5,00 € für alle Vorstellungen im Schauspielhaus sowie im Kleinen Haus auf allen Plätzen. Dies gilt bereits für den Vorverkauf. Wir behalten uns
vor, die Kontingente zu begrenzen. Reservieren Sie rechtzeitig!
Neu: Inhaber des Dresdner Sozialpasses und Arbeitslose zahlen ebenfalls nur 6,00 € auch im
Vorverkauf. Ausgenommen sind Gastspiele und Sonderveranstaltungen.
Karten für Hartz-IV-Empfänger Berechtigte erhalten gegen entsprechende Nachweise Karten für 1,00 €
an der Abendkasse. Ausgenommen sind Gastspiele und Sonderveranstaltungen.
Die KultTourCard für alle unter 29 Für 20,00 € bekommen alle unter 29 zwölf Monate Kultur ohne
Grenzen: gültig in vielen Institutionen im Kultur Quartier Dresden. Für Konzerte, Schauspiel oder Oper
gibt es immer die besten verfügbaren Plätze zum vergünstigten Festpreis an der Abendkasse, die be­
teiligten Museen kann man dienstags und donnerstags in der Zeit von 16 bis 18 Uhr zu freiem Eintritt besuchen.Und vieles mehr. Senioren Senioren erhalten eine Ermäßigung von bis zu 50 % auf den Karten­preis.
Theatergutscheine Verschenken Sie Theater mit Theatergutscheinen im Wert von 10, 20, 30, 40, 50 oder
100,00 €. Der Beschenkte tauscht den Gutschein dann im Laufe eines Jahres in eine Platzkarte für eine
Vorstellung nach eigener Wahl um.
Gruppenermäßigungen Ideal für Freundeskreise und Firmen: Gruppen ab 20 Personen erhalten ca. 15 %
Ermäßigung.
Anrechtsinhaber ca. 10 % Ermäßigung erhalten alle Inhaber eines Dresdner oder eines Schauspielanrechts sowie alle Abonnenten der am Anrechtsverbund deutscher Sprechtheater beteiligten Bühnen auf
jede weitere Eintrittskarte!
Die Theatercard Das Angebot für Stammgäste: Sie erhalten die Theatercard kostenlos an den Vorverkaufskassen im Schauspielhaus. Unsere Kassenmitarbeiter tragen jeden Theaterbesuch auf der Karte ein.
Ab dem sechsten Besuch erhalten Sie für jede weitere Eintrittskarte ca. 30 % Ermäßigung. Ab dem neunten Besuch steigert sich diese Ermäßigung auf ca. 50 %. Die Theatercard gilt nur für den Einzelverkauf.
1 Grundsätzlich ist eine Addition von Ermäßigungen nicht möglich.
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Bühne
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1
3
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17 18 19 20 21 22
9 10
Parkett
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35
8
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31
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4
2
Loge 3
37
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4
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36
6
4
2. Rang
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2
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3
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6 2
17 18
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25 2
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15 16 17
2
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2
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4
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1 2
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7 8
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9 10 11
16
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13
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36
35
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34
32
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41
40
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Loge 1
Loge 4
3
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1
4
L
1
39
Loge 1
3
2
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100
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28
31
27
26
30
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2
29
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28
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6
6
2
2
4 25
25
22 23 2
4
3 2
2
1
22
2
0 21
18 19 2
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2 1
4
3
Loge 2
2
4
14
29
29
6
4
Loge 3
1
1. Rang
15
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5
4
2
2
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20 21
15
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11
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16 17
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13
34
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11
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1
Loge 4
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41
38 39 40
4
2
2
41 4
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36 37 38 3
9
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36
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6
41
5
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0
4
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1
3
6
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2
2
5
32
1
1
4
35
17
3
35
2
14
R
4
Preise
Schauspielhaus
Preisgruppe 1
Preisgruppe 2
Preisgruppe 3
Preisgruppe 4
4er-Logen 1. Rang 1 Einzelpreis
4er-Logen 1. Rang 1 komplett
So bis Do
20,00€
16,50 €
14,00€
10,00€
20,00€
64,00€
Fr und Sa
22,00€
19,50 €
17,00€
13,00€
22,00€
72,00€
Kleines Haus Einheitspreise
Kleines Haus 1 1 großer Saal, bis maximal 400 Plätze
Kleines Haus 2 1 h inter dem Eisernen, bis maximal 150 Plätze Kleines Haus 3 1 u nter dem Dach, bis maximal 100 Plätze
So bis Do
14,00€
12,00€
9,00€
Fr und Sa
16,00€
14,00€
11,00€
Schüler, Studenten und andere Ermäßigungsberechtigte zahlen in allen Spielstätten und für alle Vorstellungen nur 6,00 €. 1 Senioren erhalten eine Ermäßigung von bis zu 50 % auf den Kartenpreis. 1 Abweichende Preise bei Gastspielen und Sonderveranstaltungen entnehmen Sie bitte den Monatsspielplänen.
Schauspielanrechte
Die Premierenanrechte
Preisgruppe 1
Preisgruppe 2
Preisgruppe 3
Schauspielhaus
144,00€
128,00€
108,00€
gemischt
102,00€
87,00€
79,50 €
Kleines Haus
Einheitspreis 98,00 €
Die Tagesanrechte Schauspielhaus
Preisgruppe 1
Preisgruppe 2
Preisgruppe 3
Di, Mi, Fr, So
67,50 €
57,50 €
47,50 €
Sa
77,50 €
67,50 €
57,50 €
Do
52,50 €
45,00€
40,00€
Mo
36,00 € auf allen Plätzen
Die Sonntagnachmittags-Anrechte
Preisgruppe 1
Preisgruppe 2
Preisgruppe 3
5 x Schauspielhaus 4 x Schauspielhaus
52,50 €
36,00€
45,00€
30,00€
40,00€
26,00€
Die Informationen zu den Anrechten finden Sie ab Seite 94.
101
Freunde und Förderer des Staatsschauspiels Dresden
Förderverein Staatsschauspiel Dresden
Mit der Gründung des Fördervereins Staatsschauspiel Dresden e.v. entstand 1995 eine Gemeinschaft von Freunden und Förderern unseres Theaters. Die mittlerweile über 70 Mitglieder verstehen sich als eine kommunikative Brücke zwischen Theater und Publikum. Der Förderverein fühlt
sich dem Staatsschauspiel nicht nur ideell nahe und verfolgt dessen Arbeit mit aktivem Interesse, sondern will mit Mitgliedsbeiträgen und Spenden auch finanzielle Unterstützung leisten. Jedes Jahr wird daher entweder ein ungewöhnliches Projekt gefördert oder der „Erich-Ponto-Preis“ an
ein Mitglied des Ensembles verliehen, das sich durch herausragende Leistungen die besondere Gunst des Theaterpublikums erworben hat.
Die Mitglieder des Fördervereins erleben das Staatsschauspiel Dresden
auch „hinter den Kulissen“ und profitieren von exklusiven Rechten: bevorzugte Kartenbestellung 1Einladungen zu den Premierenfeiern, Matineen, Theaterfesten und Gastspielen 1Begleitung des Ensembles als
Repräsentant bei Gastspielen 1Besuch von Arbeitsproben 1Begegnungen mit Ensemblemitgliedern, Gästen und der Theaterleitung 1Fahrten
zu Theatervorstellungen in anderen Städten 1Probenbesuche und Führungen durch andere Institutionen Dresdens sowie 1aktuelle Informationen aus dem Staatsschauspiel
Dem Förderverein Staatsschauspiel Dresden e.v. gehören unterschiedliche Personen und Firmen aus der Dresdner Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft an; Präsident ist der ehemalige Rektor der Technischen Universität
Dresden, Prof. Dr. Achim Mehlhorn. Jahresbeiträge Mitglied: 50,00 €, förderndes Mitglied: 255,00 €, Firmenmitglied: 800,00 €. Neue Mitglieder erhalten einen Willkommensgruß bestehend aus zwei Theatergutscheinen
und einer Sonderpublikation.
Der Verein dient ausschließlich gemeinnützigen Zwecken. Ein elektronisches Mitteilungsblatt informiert die Vereinsmitglieder über Neuigkeiten
und Termine.
Kontakt: über die Geschäftsstelle des Fördervereins Staatsschauspiel
Dresden e.v., Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Staatsschauspiels Dresden, Theaterstraße 2, 01067 Dresden 1Telefon: 0351.49 13 – 755 1Fax:
0351.49 13 – 760 1E-Mail: [email protected]
Interessengemeinschaft Schauspiel Dresden e.V. – IG Schauspiel
Allen Theaterfreunden, die an tieferen Einblicken interessiert sind und in
ein Gespräch über das Geschehen auf und hinter der Bühne kommen
möchten, bietet die Interessengemeinschaft Schauspiel Dresden e.v. ein
kommunikatives Forum mit regelmäßigen Veranstaltungen. Dazu gehört
beispielsweise der Besuch einer der ersten Vorstellungen einer Neuinszenierung mit anschließendem Gespräch in Anwesenheit von Mitgliedern
des künstlerischen Produktionsteams und des Ensembles. Für diese Vorstellungen erhalten ig-Mitglieder ein vergünstigtes Theateranrecht mit
ca. 30 – 50 % Ermäßigung auf den regulären Kassenpreis.
1Die Reihe „Vorgestellt“ präsentiert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
des Theaters, deren Tätigkeiten und Arbeitsplätze nicht im Rampenlicht
stehen (von a wie Ankleider bis z wie Zentrale Haustechnik). 1In den
Podiumsgesprächen der Reihe „Das Porträt“ geben Mitglieder des Ensembles Einblicke in künstlerische Arbeitsprozesse. 1Mit „Dichterwort – Sprache der Welt“ veranstaltet die ig Schauspiel eine Reihe mit 54jähriger Tradition in Dresden. Literaturwissenschaftler stellen bekannte
und weniger bekannte Autoren vor. Schauspielerinnen und Schauspieler
lesen aus deren Werken. An sechs Abenden werden diesmal eine isländische Schriftstellerin, Ödön von Horváth, deutsche Exilliteratur und die
Literatur Australiens vorgestellt (Kontakt: Gundula Voigt 1 Telefon:
0351.8484 – 344).
Die Interessengemeinschaft Schauspiel ist dem Staatsschauspiel Dresden
seit Langem als unmittelbarer Begleiter und kritischer Partner eng verbunden und feiert 2009 ihr 25-jähriges Bestehen. Sie pflegt darüber hinaus
Kontakte zu anderen Bühnen im Großraum Dresden und organisiert für
ihre Mitglieder Fahrten zu Aufführungen in andere Städte.
Der jährlich zu entrichtende Mitgliedsbeitrag ist nach Einkommen gestaf
gestaffelt.
Schon ab 10,00€ im Jahr ist es möglich, das vielseitige Angebot der ig Schauspiel zu nutzen. Der Verein verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke.
Kontakt: Karin und Horst Mattern, Döbelner Straße 112, 01129 Dresden 1 Telefon und Fax: 0351.8580 – 447 1 E-Mail: [email protected]
102
Service
Anrechtsbüro und Besucherservice Das Anrechtsbüro im Schauspielhaus ist montags, mittwochs und
donnerstags von 10 bis 17 Uhr, dienstags von 10 bis 18.30 Uhr, freitags von 10 bis 15 Uhr und neu: samstags von 10 bis 14Uhr geöffnet. 1 Während der Theaterferien hat das Anrechtsbüro in der Zeit von 22. 06.
bis 11. 07. und von 27.07. bis 01.08. 2009 montags, dienstags, freitags und neu: samstags von 10 bis 14 Uhr
geöffnet. Von 12. 07. bis 26. 07. ist das Anrechtsbüro geschlossen. Ab dem 03.08.2009 gelten die regulären
Öffnungszeiten. 1 Grundsätzlich können Sie im Anrechtsbüro immer–also auch während der Öffnungszeiten in den Theaterferien – Karten für das Staatsschauspiel kaufen. 1 Telefon: 0351.49 13 – 567, Fax:
0351.49 13 – 967
Vorverkaufskassen 1 Die Vorverkaufskasse im Schauspielhaus ist montags bis freitags von 10 bis
18.30 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. 1 Die Vorverkaufskasse im Kleinen Haus ist montags
bis freitags von 14 bis 18.30 Uhr geöffnet. 1 Auch hier können Karten für alle Veranstaltungen des Staatsschauspiels gekauft werden. 1 Die Vorverkaufskasse hat während der Theaterferien in der Zeit von 21. 06.
bis 02. 08. 2009 geschlossen. Der Vorverkauf für die neue Saison läuft in den Theaterferien zu den angegebenen Öffnungszeiten im Anrechtsbüro. 1 An folgenden Dresdner Vorverkaufskassen sind außerdem
Eintrittskarten für Repertoirevorstellungen des Staatsschauspiels erhältlich: Schinkelwache am Theaterplatz, Ticketkassen im Kulturpalast, Touristinformation Prager Straße, drewag-Treff auf der Freiberger
Straße/Ecke Ammonstraße im wtc, Societaetstheater an der Dreikönigskirche 1 Die Abendkassen
öffnen eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.
Kartenkauf und Kartenreservierungen
Gebührenfreier Kartenservice Telefon: 0800.49 13 500 (Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr) Telefonischer
Kartenverkauf Telefon: 0351.49 13 – 555 Gruppenreservierungen Telefon: 0351.49 13 – 567 Schriftliche Reservierungen per Post: Staatsschauspiel Dresden, Besucherservice, Theaterstraße 2, 01067 Dresden 1 per E-Mail: [email protected] 1 per Fax: 0351.49 13 – 981 und 0351.49 13 – 967
Kartenkauf im Internet www.staatsschauspiel-dresden.de
Spielplanauskunft Telefon: 0351.49 13 – 570
Behindertenservice Sowohl das Schauspielhaus als auch das Kleine Haus verfügen über Aufzüge, Rollstuhlplätze in den Sälen und Toiletten für Rollstuhlfahrer. 1 Hörschleifen für eingeschränkt hörende
Besucher sind ebenfalls vorhanden. Funkempfänger sind beim Abendpersonal erhältlich. Besucher sollten ihre diesbezüglichen Wünsche bereits bei der Kartenreservierung angeben, da in beiden Häusern nur
eine begrenzte Zahl an Rollstuhlplätzen und Funkempfängern zur Verfügung steht.
Adressen 1 Schauspielhaus
Schauspielhaus am Zwinger Theaterstraße 2, 01067 Dresden 1 K leines Haus Glacisstraße 28, 01099 Dresden 1 Telefon
Telefon Zentrale:
0351.49 13 – 50 1 Intendanz: 0351.49 13 – 912 1 Kaufmännische Geschäftsführung: 0351.49 13 – 927 1 Dramaturgie: 0351.49 13 – 963 1 Künstlerisches
Betriebsbüro: 0351.49 13 – 922 1 P resse- und Öffentlichkeitsarbeit: 0351.49 13 – 755 1 Theaterpädagogik: 0351.49 13 – 742 / – 740 1 Die Bürgerbühne:
0351.49 13 – 849 1 ig Schauspiel: 0351 . 85 80 447 1 Förderverein: 0351.49 13 – 755 E-Mail Kartenreservierung: [email protected] 1 allgemein: [email protected] 1 Intendanz: [email protected] 1 Kaufmännische Geschäftsführung: hergen.graeper@
staatsschauspiel-dresden.de 1 Dramaturgie: [email protected] 1 Künstlerisches Betriebsbüro: [email protected]
1 Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: [email protected] 1 Theaterpädagogik: [email protected] 1 Die Bürgerbühne: [email protected] 1 ig Schauspiel: [email protected] 1 Förderverein: foerderverein@
staatsschauspiel-dresden.de Internet www.staatsschauspiel-dresden.de
Impressum Spielzeit 2009.2010 1 Herausgeber: Staatsschauspiel Dresden, Intendant: Wilfried Schulz, Kaufmännischer Geschäftsführer: Hergen
Gräper, Redaktion: Dramaturgie / Öffentlichkeitsarbeit 1 Redaktionsschluss: 14. 04. 2009 1 Gestaltung: Factor Design ag 1 Fotos: Matthias Horn 1 Illustration: Patrick Klose 1 Druck: Druckhaus Dresden GmbH
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- Jetzt! Neu! Hier!
- Das sind wir.
- Das schöne Durcheinander.
- Der Blick nach vorn.
- Das sind wir.
- Wir gehen hier nicht weg.
- Wir spielen grad so schön.
- Wir leben hier zur Zeit.
- Hier kommt jetzt, Achtung!
- Das Leben.
- Beziehungsweise das Wort.
- Erst einmal.
- Der Rest kommt später.
Aus Zukunft für immer. Ein Theaterprolog für drei Schauspielerinnen von Martin Heckmanns
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