Miniaturisierung hat Konsequenzen

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MIKROCONTROLLER
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Logik mit zwe i Ve rsorg un g s s pannu nge n
Miniaturisierung hat Konsequenzen
«Kleiner, besser, schneller und billiger» hiess die Devise in der Anfangszeit der Halbleiterindustrie. Heutige
Notebooks sind viel leistungsfähiger als der erste Computer, der ein ganzes Gebäude einnahm. Dieses Ziel
wurde durch ständige Verkleinerung der Einzeltransistoren in den Halbleiterbausteinen erreicht.
>> Gaurang Kavaiya
Bild 1: Logische Spannungspegel sowie Ein-/Ausgangsstruktur eines Systems mit zwei Betriebsspannungen
Aus der Miniaturisierung ergibt sich ein interessanter Nebeneffekt: Je kleiner der Transistor wird, desto geringer wird seine Betriebsspannung. Die 5-V-Versorgung erfreute sich
in eingebetteten Systemen daher grosser Beliebtheit. Die meisten Komponenten in typischen eingebetteten Systemen verlangen
heute jedoch nach noch geringeren Versorgungsspannungen, um die Vorteile der neuesten industriellen Entwicklungen nutzen zu
können. Allerdings benötigen einige Komponenten im System für diese Anpassung etwas
mehr Zeit als andere. In dieser Übergangsphase ist es daher möglich, dass einige Komponenten im System eine unterschiedliche
Versorgungsspannung benötigen – z. B. ein
5-V-Baustein in einem 3,3-V-System und umgekehrt.
Dies stellt für den Entwickler eingebetteter Systeme eine gewisse Herausforderung
dar. Der Einsatz eines Level-Translators ist
allerdings nicht die günstigste Lösung. Im
Folgenden werden einige preisgünstige Lö-
sungen für die Anpassung eines 3,3-V-Mikrocontrollers (MCU) an eine 5-V-Peripherie
erörtert.
Gesucht werden gleiche Komponenten
für 3,3 V
Bei der Umwandlung eines 5-V-Designs in
eine 3,3-V-Schaltung sollte zunächst recherchiert werden, ob es eine Version der gleichen Komponente für 3,3 V gibt. In den
meisten Fällen wird eine solche Variante
für 3,3 V zu gleichen Kosten oder sogar billiger zur Verfügung stehen. Sofern eine Alternative für 3,3 V nicht erhältlich ist, kann
der Einsatz von zwei Versorgungsspannungen in Frage kommen. Das Hauptaugenmerk dieses Beitrags wird auf Schaltungen mit zwei Versorgungsspannungen
liegen (Bild 1).
Bringt man Menschen aus zwei verschiedenen Welten zusammen, so sollte
man sicherstellen, dass sie sich untereinander verständigen können. Dasselbe gilt für
die Vereinigung der 5-V- mit der 3-V-Welt.
An erster Stelle steht der Zusammenhang
von logischen Spannungspegeln und der
Ein-/Ausgangsstruktur. Für die Eingänge
müssen die Spannungspegel berücksichtigt werden, die mindestens als H-Eingang
(VIH) oder als L-Eingang (VIL) zur Verfügung
stehen müssen. Wird eine 5-V-Komponente in einem 3,3-V-System betrieben, so ist
die Erkennung des VIH problematischer als
die des VIL. Das heisst jedoch nicht, dass
die Festlegung von VIL vernachlässigt werden kann. Die Treiberbausteine müssen
eine höhere Spannung VIH (min.) erzeugen, als sie für den Eingang der folgenden
Komponente spezifiziert ist, um die sichere
logische Erkennung zu gewährleisten. Eine
zu hohe Spannung kann aber auch zu
Problemen führen.
Der Reihenwiderstand muss hoch
bemessen sein
Nahezu alle CMOS-Komponenten sind mit
einem Schutz vor elektrostatischer Entladung (ESD) an den I/O-Pins ausgestattet. Die
einfachste Methode ist die Einfügung einer
Klemmdiode zwischen Vdd und Vss. Im Allgemeinen ergibt sich daraus eine spezifizierte maximale Eingangsspannung Vdd von
+0,3 V und eine minimale spezifizierte Spannung Vss von –0,3 V. Sobald diese Spezifizierung überschritten wird, werden die Schutzdioden leitend. Wenn am Eingang kein
Reihenwiderstand vorgesehen ist, kann dies
in einem hohen Strom durch die Dioden resultieren und potenziell zu einem Latch-up
führen, was nicht gerade wünschenswert
ist. Ist die Spannung entsprechend hoch (z.B.
5 V Eingangsspannung in einem 3,3-V-System), dann muss der Reihenwiderstand sehr
hoch bemessen sein, um den Klemmstrom
auf einen sicheren Bereich zu reduzieren.
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Ist der Widerstand hoch genug, dann ergibt sich eine signifikante L-Eingangs-Kapazität aus der Anschlusskapazität und den
Schaltungskapazitäten, sodass diese RCZeitkonstante eine Signalverzögerung verursacht. Viele Hersteller raten deshalb vom
Einsatz einer Klemmdiode als ESD-Schutzdiode ab. Somit ist der Reihenwiderstand
nicht gerade die beste Option zur Einspeisung eines 5-V-Signals in ein 3,3-V-Bauteil.
Betrachten wir die Logiklevel eines
Standard-CMOS-Bausteins, so ist VIH (min.)
Vorteile der Technik nutzen
und Kosten senken
meistens mit 0,7 oder 0,8 Vdd definiert. VIL
(max.) befindet sich im Bereich 0,2 oder
0,3 Vdd. Übertragen auf 5-V-Logikschaltungen
gilt, VIH beträgt 3,5 oder 4,0 V und VIL (max.)
1,0 oder 1,5 V. Die meisten CMOS-Komponenten haben ein Ausgangssignal nahe der
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Versorgungsspannung (0,1 oder 0,2 V Abfall)
bei geringer Last. Steigt der Laststrom, so ist
auch VOH niedriger. Um in diesem Zusammenhang die VOH zu bestimmen, muss also
der Laststrom berücksichtigt werden.
Spannungsteiler ist besser als serieller
Eingangswiderstand
Um ein 5-V-Signal an einen 3,3-V-Eingang anzupassen, ist ein Spannungsteiler viel besser
geeignet als ein serieller Eingangswiderstand
(Bild 2). Der Widerstandswert sollte so gewählt werden, dass er alle Toleranzen berücksichtigt. Die folgenden Formeln sollen
bei der Berechnung helfen:
R2/(R1 + R2)×VOH (min.) @ min. von 5 V (für
max. negative Toleranz) > VIH (min.)
R2/(R1 + R2)×VOH (max.) @ max. von 5 V (für
max. positive Toleranz) < VIH (max.)
In diesen Berechnungen sollte man auch
die Widerstandstoleranzen berücksichtigen.
Eine weitere einfachere Lösung ist der
Einsatz eines 5-V-Bausteins mit TTL-Eingän-
Bild 2: Einsatz eines Spannungsteilers zur Anpassung eines 5-V-Signals an einen 3,3-V-Eingang
Bild 3: Einsatz eines 5-V-Bausteins mit TTL-Eingängen
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Elektrotechnik
die überzeugt.
Druckmesstechnik,
Industrie PC,
Netzüberwachung.
Bild 4: Schaltung zur Anpassung an 5-V-Eingang
Halstrup-Walcher:
Druckmesstechnik
Bild 5: Pull-up-Widerstand am Open-Drain-Ausgang zur Erzeugung eines 5-V-Ausgangs
Automata:
Industrie-PC
Steuerungstechnik
CodeSys
Ziehl:
Temperaturrelais
Messumformer
Netzüberwachung
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CH-5037 Muhen
Telefon 062 737 62 62
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gen. VIH (min.) beträgt für einen TTL-Baustein
2,1 V (für Vdd von 5 V). Die meisten Komponenten für 3,3 V unterstützen viel höhere
VOH-Pegel bei einer hohen Belastung. In diesem Fall ist der Austausch des PeripherieBausteins durch eine äquivalente Komponente mit TTL-kompatiblen Eingängen die
Lösung. Die Suche sollte geeignete Alternativen mit TTL-Eingängen ergeben. Die Tabelle
zeigt einige Beispiele.
TTL-Lösung kann billiger sein
Wird eine Standard-Logikfamilie für 5 V Versorgungsspannung eingesetzt, sollten auch
entsprechende Komponenten mit TTL-Eingängen erhältlich sein. Die 74 HCT-Familie
zum Beispiel kann an die Stelle der 74 HCSerie treten. Wird ein Level-Translator benötigt, so können Digitalpuffer vom Typ HCT
oder VHCT eingesetzt werden. In den meisten Fällen kann diese TTL-Lösung sogar billiger sein als der Einsatz spezieller LevelTranslatoren.
Der VOH-Pegel eines an 3,3 V betriebenen
Bauteils liegt knapp unter VIH (0,7 Vdd =
3,5 V) eines CMOS-Typs für 5 V. Eine einfache
Lösung ist der Einsatz einer Diode für die
erforderliche Spannungsanpassung.
Die Schaltung in Bild 4 erhöht den Ausgang um etwa 0,6 V in positive Richtung.
Damit wird der CMOS-Ausgang in den Bereich für 5-V-CMOS-Eingänge verschoben.
Das logische Low-Signal wird um den gleichen Betrag verschoben. VIL (max.) für den
Die 5-V-Welt muss sich mit
der 3-V-Welt verständigen
CMOS-Eingang liegt jedoch bei 1,5 V, auf
diese Weise wird die Spezifikation für VIL
nicht verletzt. Allerdings müssen einige andere Fakten in dieser Konfiguration berücksichtigt werden. Sobald das 3,3-V-Bauteil
einen logischen Nullpegel ausgibt, steigt
die Stromaufnahme. Nun untersuchen wir
die VOL-Spezifikation für das 3,3-V-Bauelement für diese Stromsenke. Typischerweise gilt: je höher der Senkenstrom ist, desto
höher ist die VIL. Hier ist Vorsicht geboten,
dass die Verletzung der VIL-Spezifikation
Polyscope 19/07
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vermieden wird! Ist der CMOS-Ausgang
VOL höher, kann die Erhöhung des Werts
des Pull-up-Widerstands erwogen werden.
Ist der Widerstandswert jedoch zu hoch,
wird der Vorlaufstrom der Diode zu niedrig
sein, sodass sie nicht schnell genug schalten kann.
Mikrocontroller bietet einfache
Möglichkeit zur Anpassung an 5 V
16-Bit-Mikrocontroller aus der neuen PIC 24Familie von Microchip bieten eine einzigartige einfache Möglichkeit zur Anpassung an
5 V. Sie verfügen über 5 V (oder 5,5 V) tolerierende Eingänge, auch wenn das Bauteil an
Vdd = 3,3 V oder darunter betrieben wird. Sie
arbeiten ohne Klemmdiode an Vdd und nutzen einen anderen ESD-Schutz, um diese Fähigkeit zu erreichen. Dies ist eine sehr wichtige Eigenschaft für die Anpassung an 5 V, da
so 5-V-Ausgänge auch ohne Spannungsteiler
mit 3,3-V-Bauteilen direkt verbunden werden
können. Das Beispiel in Bild 3 zeigt diese
Eigenschaft für einen nahtlosen 5-V-Übergang.
Einige Mikrocontroller unterstützen diese
Eigenschaft zusätzlich, indem sie mit einem
5-V-Pull-up-Widerstand einen 5-V-Ausgang
generieren. Das 3,3-V-Bauteil mit 3,3 V Ausgang akzeptiert aber auch 5 V am Eingang.
Der digital gesteuerte Open-Drain-Ausgang
an diesen Anschlüssen kann – ohne die Spezifikation zu verletzen – auf 5 V gezogen werden. Diese Eigenschaft unterstützt einfache
Anbindungen von 5-V-Bauteilen mit CMOSEingängen.
Diese Konfiguration hat einen
Nebeneffekt
Beträgt die minimal akzeptable Impulsbreite
für Anstiegszeit/Abfallzeit 50 ns, so ergibt sich
eine maximale Frequenz von 20 MHz am
Ausgang. Dies reicht für die meisten Peripheriefunktionen aus. Diese Konfiguration hat
einen Nebeneffekt: Wenn die MCU die Logik
auf Low setzt, fliesst der zusätzliche Strom
durch einen Pull-up-Widerstand. Der Pull-upWiderstand bietet die Möglichkeit, zwischen
Geschwindigkeit und Stromaufnahme zu entscheiden. Möglicherweise ist es notwendig,
einen Kompromisswert zu wählen, der die
gewünschte Geschwindigkeit und Stromaufnahme für die Anwendung erfüllt.
Einige mögen sagen, dass diese Konfiguration
sich nicht für die Ansteuerung von Lasten mit
niedriger Impedanz eignet. Doch welche Möglichkeiten gibt es für die Ansteuerung eines
5-V-Relais?
Glücklicherweise ist die eben gezeigte
Eigenschaft auch hilfreich für die Ansteuerung von Lasten mit niedriger Impedanz wie
Relais. Bild 6 zeigt die entsprechende Schaltung. Zur Ansteuerung der Last wird der Pin
als Ausgang definiert und auf Low gesetzt.
Die einzige Einschränkung ergibt sich aus
der maximalen Stromaufnahme des Bauteils.
Um die Last abzuschalten, wird der Pin als
Eingang definiert und es entsteht ein 5-VEingang. Da hier 5 V toleriert werden, ist die
Operation auch erlaubt. Mit anderen Worten:
Es ist notwendig, die Logik bei Output-Latch
AKT IVE B AUELEMENT E
auf Low zu halten und das TRIS-Register
(Eingangs-/Ausgangssteuerungsregister) hinund herzuschalten, um die Last ein- und auszuschalten.
Überbrückung wird bald unnötig sein
Hier handelt es sich um eine Möglichkeit der
Verknüpfung von 5- und 3,3-V-Versorgungen.
Es ist möglich, ähnliche preiswerte und intelligente Lösungen zu entwickeln, um die zwei
Versorgungsschienen während der Übergangsphase zu überbrücken. Es ist aber sehr
wahrscheinlich, dass die meisten Bauteile
bald auch für niedrigere Versorgungsspannungen erhältlich sind, sodass eine Überbrückung der Versorgungen unnötig ist. Die in
diesem Beitrag beschriebenen Methoden sollten dem Entwickler helfen, die Vorteile der
jüngsten Halbleitertechniken zu nutzen und
so die Kosten zu senken. <<
Infoservice
Gaurang Kavaiya, Applications Group Manager,
Advanced Microcontroller Architecture Division,
Microchip Technology Inc.
Infos: Mero Microchip Switzerland
Office Solothurn
Bahnhofstrasse 39, 5605 Dottikon
Tel. 056 610 15 01, Fax 056 610 15 03
www.microchip.com
Bestimmung des Anschlusswiderstandswerts
Wird die Konfiguration mit Pull-up-Widerstand gemäss Bild 5 eingesetzt, so muss die
Kapazität der Verbindung zwischen den beiden Bauteilen berücksichtigt werden. Somit
lässt sich für diese Anwendung die Anstiegsund Abfallzeit des Signals und der entsprechende Widerstandswert an diesem Anschluss bestimmen – für die maximale
Schaltfrequenz. Es gilt folgende Gleichung:
Anstiegszeit/Abfallzeit = Tln (PVdd/PVdd –
PVIH (min.))
T = Zeitkonstante, R×C
PVdd = Vdd der Peripheriespannung
PVIH (min.) = VIH (min.) Peripheriewert
Folgende Werte sind typisch:
■ Pull-up-Widerstand R = 1 kΩ
■ Kapazität C des Anschlusses und der
Schaltung = 10 pF
■ PVdd = 5 V
■ PVIH (min.) = 0,7×Vdd = 3,5 V
■ Anstiegszeit/Abfallzeit ≈ 12 ns
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Bild 6: Schaltung zur Ansteuerung niedriger Impedanzen
Tabelle: Komponenten mit CMOS-Eingängen haben oft ein TTL-Pendant
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