Auswahl vergangener Produktionen von Jonas Knecht, Regie Fotos

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Auswahl vergangener Produktionen
von Jonas Knecht, Regie
Fotos, Infos, Presse
Stand: 5. März 2013
Foto: Iko Freese / drama-berlin.de
Auswahl vergangener Produktionen von Jonas Knecht, Regie
Fotos, Infos, Presse | Stand: 5. März 2013
Theater Aachen (grosses Haus)
Pinocchio (Carlo Collodi)
PREMIÈRE 16.10.1012
DRAMATURGIE Harald Wolff
BÜHNE Michael Köpke
KOSTÜME Esther van de Pas
MUSIK Malcolm Kemp
SPIEL Julia Brettschneider, Wiebke Alphei, Katja
Zinsmeister, Torsten Born, Björn Jacobsen
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Auswahl vergangener Produktionen von Jonas Knecht, Regie
Fotos, Infos, Presse | Stand: 5. März 2013
Theater Aachen (grosses Haus)
Pinocchio (Carlo Collodi)
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Auswahl vergangener Produktionen von Jonas Knecht, Regie
Fotos, Infos, Presse | Stand: 5. März 2013
theater konstellationen / Lokremise St. Gallen
GALLUS_1400 – Ein szenisches Konzert zum Gallusjubiläum des Kantons St.Gallen
PREMIÈRE 20.09.2012 Lokremise St. Gallen
DRAMATURGIE Markus Joss
BÜHNE & KOSTÜME Markus Karner
MUSIK Simon Bauer, Mathias Weibel
SPIEL Ulrike Barchet, Matthias Flückiger
4
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Auswahl vergangener Produktionen von Jonas Knecht, Regie
Fotos, Infos, Presse | Stand: 5. März 2013
Bild: Ralph Ribi
In der Galluskapelle: Dirigent Mario Schwarz (l.) und Autor Robert Schneider.
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konstellationen
/ Lokremise
St. Gallen
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GALLUS_1400
– Ein szenisches Konzert zum Gallusjubiläum des Kantons St.Gallen
ckelt, in denen man kritisch ten, unaufdringlich eingebettet in Herzen wird ein Ende haben in nach Durst». Alle Bedürfnisse
dieser neuen Stadt, lässt Schneider könnten heute gestillt werden,
Bankenkrise und Globalisierung.
Dampf ablassen konnte.
Zentrale Aussage des auch hu- den modernen Gallus prophe- aber nur wenn Geld fliesse, sagt
Welt der Leere
moristisch gehaltenen Textes ist zeien. Aber er weiss auch: «Gallus Schneider. «Wir haben wieder
Schneider liess sich bei seinen die Leere. Ich werde hier eine Stadt hätte heute keine Antworten ge- Sehnsucht nach den ganz ele«Interludien» auch von der Frage gründen. Die Kinder werden wie- gen diese Leere, diesem grossen mentaren Dingen des Lebens.»
Dirigent Mario Schwarz ist sich
leiten, was Gallus heutzutage mo- der lachen. Es wird keinen Egois- spirituellen Problem des Spättivieren würde, nach St. Gallen zu mus mehr geben, keine Gier. Und kapitalismus.» Was diese Leere bewusst, dass das Projekt, einen
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St.Galler Tagblatt / Kultur S.46 / 22.09.2012
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Jeder Mensch ein Klausner
Premi
«Das
Als letzte Theaterproduktion zum Gallusjubiläum hatte in der Lokremise «Gallus1400»
von «Theater Konstellationen» in der Regie des Berlin-St. Gallers Jonas Knecht Premiere.
BEDA HANIMANN
Die vier Kabinen, die da mitten im
Wald stehen, können Verschiedenes sein. Einsiedlerklausen natürlich, es geht ja um Gallus. Sendekabinen im Radiostudio; Telefone,
Mikrophone und Lautsprecher
garantieren die Verbindung zwischen innen und aussen. Die
Kabinen erinnern aber auch an
die Kandidatenboxen früher TVQuizsendungen. Den Experten
aber, die drinsitzen, werden keine
Fragen gestellt. Eher stehen diese
im Raum, seit 1400 Jahren, aufgeworfen durch den abwesenden
Gallus. Oder gehen ans Publikum.
Leben in der Klause
In den Boxen regt sich bald
Leben. Da chlütteret einer mit
Objekten und Klängen, nebenan
musiziert einer und rezitiert gälische Verse. Eine Frau vermarktet
Gallus-Packages, und einer, der
auch Gallus sein könnte, liest dessen Vita. Ein Tonjäger, ein Esoteriker, eine Marketingfrau und ein
Wissenschafter sollen es sein, allesamt Gallus-Experten, dies die
Ausgangslage des Berlin-St. Gallers Jonas Knecht, dem Kopf des
Projektes.
Ganz zwingend scheint diese
Rollenzuteilung bald nicht mehr.
Aber das ist nicht relevant. Spannend ist, wie sich durch das abgeschottete Tun der vier in ihren
Klausen vier Individualitäten, vier
Charakteren entwickeln. Das ist
das Verdienst der Akteure, des
Schauspielers Matthias Flückiger,
der Musikerin und Schauspielerin
Ulrike Barchet und der Musiker
Mathias Weibel und Simon Bauer.
Individuum und Gemeinschaft
Und damit öffnet sich der Reigen der Fragen. Der Andeutungen
und Anspielungen. Der thematischen Bezüge. Die Ausgangslage:
Aus der Klause des Gallus im
Steinachtal ist ein Kloster entstanden, eine Stadt, ein Kulturraum.
Das Treiben der vier stellt Varianten dessen dar, was sich aus einer
Klause, aus einem Individuum
entwickeln kann. Und die Überlegung zielt weiter, denn nicht nur
die vier Protagonisten, jeder
Mensch ist zuerst einmal Klausner. Wie er damit umgeht, wie er
seine Individualität in die Ge-
meinschaft einbringt – und diese
sein Tun beeinflusst, das wird
exemplarisch vorgeführt. Und raffiniert verknüpft: Wie früher das
Glöckchen im Kloster die Mönche
zum gemeinsamen Gesang rief,
so signalisieren heute das Telefon
und die elektronischen Medien
die Anbindung des Einzelnen an
die Gemeinschaft.
Änderung der Sichtweise
Im Lauf des Abends ändert sich
so die Sichtweise. Aus den vier auf
Gallus zielenden Ansätzen wird
eine Lebensbetrachtung, die von
Gallus weg zum Allgemeingültigen geht. 1:1 erschliesst sich das
während des Theaterabends
nicht, der mit viel Klang und ohne
Dialoge arbeitet und poetische
wie rätselhafte Momente hat. Es
ist nicht ein Abend der Antworten,
sondern der Fragen. Die letzte
Theaterproduktion im Rahmen
des Gallusjubiläums ist so nicht
endgültiger, klärender Abschluss
– sondern Ausweitung über das
Jubiläumsjahr hinaus. Auch das
ist raffiniert. Der zögerliche Applaus an der Premiere zeigte jedenfalls: In den Köpfen des Publikums arbeitete es nach dem Abgang der Protagonisten weiter.
Morgen So, Lokremise, 20 Uhr.
Weitere Vorstellungen bis
6. Oktober in Wil, Buchs, Rapperswil, Lichtensteig und Mels.
www.gallusjubilaeum.ch
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Bild: Michel Canonica
Die Klause als Ausgangspunkt: Ulrike Barchet und Simon Bauer in «gallus1400».
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Auswahl vergangener Produktionen von Jonas Knecht, Regie
Fotos, Infos, Presse | Stand: 5. März 2013
Theater Chur, Sophiensaele Berlin, Fabriktheater
Rote Fabrik Zürich, Schlachthaus Theater Bern
in Koproduktion mit theater konstellationen
Die Fledermaus
Operette für vier Schauspieler und zwei DJs nach
Johann Strauß von Anita Augustin
CH-PREMIÈRE 7.3.2012 Theater Chur
DE-PREMIÈRE 21.3.2012 Sophiensaele Berlin
DRAMATURGIE & TEXT Anita Augustin
BÜHNE & KOSTÜME Simone Müller & Matthias Koch
MUSIK Simon Bauer, Fabian Kalker
VIDEO Immanuel Heidrich
CHOREOGRPHIE Sergiu Matis
SPIEL Anja Tobler, Eleni Haupt, Lou Bihler, Markus
Mathis
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Auswahl vergangener Produktionen von Jonas Knecht, Regie
Fotos, Infos, Presse | Stand: 5. März 2013
Theater Chur, Sophiensaele Berlin, Fabriktheater Rote Fabrik Zürich, Schlachthaus Theater Bern
in Koproduktion mit theater konstellationen
Die Fledermaus
Operette für vier Schauspieler und zwei DJs nach Johann Strauß von Anita Augustin
Feuilleton
09.03.12 / Nr. 58 / Seite 53 / Teil 01
NZZ AG
Tödliche Schadenfreude
Eine aktualisierte «Fledermaus» im Theater Chur
Alfred Zimmerlin Der «Churer Operettenfrühling» ist ausgebrochen, den das Theater Chur von
nun an alle zwei Jahre stattfinden lassen möchte.
Das Haus hat angesichts seines Angebots zwar ein
verhältnismässig bescheidenes Budget, dennoch
schaffen es die Theaterdirektorin Ute Haferburg
und die stellvertretende Direktorin und Dramaturgin Ann-Marie Arioli, ein reichhaltiges und vielfältiges Programm zu präsentieren. Erreicht wird dies
dadurch, dass das Theater Chur als Koproduktionsstätte eng mit der freien Theater- und Tanzszene zusammenarbeitet. Und, seit Haferburg
2010 die Direktion übernommen hat, auch mit der
Musiktheaterszene.
Grenzen sprengen
So wird im kommenden Mai – nomen est omen –
Franz Lehárs Operette «Frühling» als Koproduktion mit der Kammerphilharmonie Graubünden
Premiere haben. Und mit der ersten Premiere – der
«Fledermaus»-Koproduktion mit der freien Gruppe Theater Konstellationen – wurde deutlich gemacht, dass zu einem Operettenfrühling auch gehört, auf- und auszubrechen und einen Klassiker
aus heutiger Perspektive grundsätzlich neu zu sichten. Denn das Motto der Churer Theatersaison
2011/12 heisst: «Grenzen sprengen».
Wer also bei der neuen Churer «Fledermaus»
Walzerseligkeit von Johann Strauss (Sohn) erwartet, musst sofort umstellen. Anstelle des Orchesters liefern zwei DJ (Simon Bauer und Fabian Kalker) einen kräftigen Soundtrack, weder Eisenstein
noch Alfred sind Operettentenöre, Falke wird keineswegs von einem Kavaliersbariton, sondern von
einer Schauspielerin dargestellt, und Rosalinde
lacht keine Sopran-Koloraturen. Schon die originale Fledermaus nahm 1874 – ganz in der Offenbachschen Tradition – herrschende Zustände aufs
Korn, was nicht allen behagte. Zur «goldenen»
Operette wurde sie erst später, in einem Prozess,
der einiges an Verwässerung enthielt. Erst in den
achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat
uns Nikolaus Harnoncourt wieder den brisanten
Strauss zeigen können.
Nun geht das Theater Konstellationen mit der
für den Text verantwortlichen Dramaturgin Anita
Augustin und dem Regisseur Jonas Knecht einen
entscheidenden Schritt weiter und präsentiert im
als Kleintheater eingerichteten Bühnenraum des
Theaters Chur einen siebzigminütigen «Remix», in
welchem das Handlungsgerüst radikal in die
Gegenwart umgedeutet wird. Ein Remix auch
musikalisch: Neben Techno-Beats und Samples bildet die alte Schallplatteneinspielung mit eleganter
Oberfläche unter der Leitung Herbert von Karajans das Ausgangsmaterial für die Musik.
Die vier Schauspielerinnen und Schauspieler
auf der Bühne geraten ständig in Konflikt mit ihren
Identitäten. So verwandelt sich Markus Mathis im
Off von Herrn Eisenstein in den Callboy Alfred,
der Frau Rosalinde Eisenstein (Anja Tobler) während der Gefängnis-Abwesenheit ihres Gatten beglücken soll. Denn gerade mit dem Beglücken seiner Frau hat Eisenstein ein Problem, er zieht ihr
das Kammermädchen beziehungsweise die Tunte
Adele vor (Lou Elias Bihler). Der Rächer Falke im
Frack wiederum – dargestellt von Eleni Haupt – ist
identisch mit dem Gefängnisdirektor (und Folterer) Frank. Und wer war der rätselhafte Orlofsky
im Rollstuhl? Die Rosalinde Eisenstein persönlich
mit Morphsuit-Maske.
Selbstzerstörerische Spassgesellschaft
Das Stück spielt in einer gesetzlich verordneten
Spassgesellschaft, in welcher ein Gähnen mit Gefängnis und ein Spassverderber mit dem Tod bestraft wird. Klar, wird da die selbstverliebte,
selbstdarstellerische Party- und Street-ParadeSzene der achtziger Jahre bis heute persifliert.
Augustin und Knecht machen aus der «Fledermaus» ein rasantes Stück über wechselnde Identitäten. Mit sanft erhobenem Zeigefinger, dass
man’s ja merkt.
Doch nimmt man dies gerne in Kauf, denn das
Spiel auf der Bühne ist körperlich, abwechslungsreich, subversiv. Und das Ende ist keineswegs
«lustig»: Zwei Tote liegen nach der Techno-Orgie
bei Orlofsky am Boden. Falke hat hinterhältig die
selbstzerstörerischen Mechanismen einer Gesellschaft, die nur noch aus Schadenfreude lachen
kann, manipuliert.
Theater Chur, Sophiensaele Berlin, Fabriktheater Rote Fabrik Zürich, Schlachthaus Theater Bern
in Koproduktion mit theater konstellationen
Die Fledermaus
Operette für vier Schauspieler und zwei DJs nach Johann Strauß von Anita Augustin
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Auswahl vergangener Produktionen von Jonas Knecht, Regie
Fotos, Infos, Presse | Stand: 5. März 2013
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Flug durch die Nacht in einen
Morgen jenseits der Maskerade
Nichts für Strauss-Puristen, aber
für alle, die erstklassiges Theater
mögen: In ihrer «Fledermaus»Adaption im Theater Chur
schlagen Anita Augustin und
Jonas Knecht gleich mehrere
verblüffende Volten.
Von Carsten Michels
Chur. – Flatterhaft, nachtaktiv und
blutrünstig: Was auf die Lebensweise
von Fledermäusen zutrifft, prägt auch
den Charakter der zweifelhaften Helden in Johann Strauss’ Operette «Die
Fledermaus» – blutrünstig zumindest,
wenn man sich der Lesart von Anita
Augustin und Jonas Knecht anschliesst. Die Autorin und der Regisseur haben sich das Kronjuwel aus
dem Wiener Operettenschatz unter
den Nagel gerissen, taxiert und auf die
vielleicht wichtigste Theaterfrage hin
abgeklopft. Nämlich, was uns Heutige
das Ganze überhaupt noch zu sagen
habe, jenseits aller Nostalgie. Die
simple Antwort: reichlich. Augustin
und Knecht machten verblüffende Parallelen aus zwischen der überschäumenden Operettenlaune der NachMetternich-Ära und der in den Neunzigerjahren ausbrechenden Spassgesellschaft, die ihren Technotanz auf
dem Vulkan im Widerschein des implodierenden Ostblocks vollführte.
Frack trifft auf «Fuck!»
Sich zu verausgaben bis zur Erschöpfung, ist kaum allein das Privileg der
Partyjugend unserer Tage, auch die
Altvorderen waren in dieser Hinsicht
nicht von schlechten Eltern. Schon im
Original wirkten die Protagonisten in
der Ausübung ihrer gesellschaftlichen
Feierpflichten gehetzt: Eisenstein, seine Gattin Rosalinde, Dienstmädchen
Adele, Dr. Falke und nicht zuletzt
Prinz Orlofsky – sie alle zappelten wie
Marionetten im Rhythmus der rasanten Musik.Was nun die «Fledermaus»Adaption betrifft, die am Mittwochabend im Theater Chur Premiere gefeiert hat, so arbeitet sie mit denselben
Figuren, doch kombiniert sie die Motive der Operettenhandlung mit den
Insignien der Postmoderne. Die permanente Überlagerung zweier Epo-
«Faites votre jeu!» Wer in der «Fledermaus» auf die Party des legendären Prinzen Orlofsky eingeladen werden will, darf
nicht zimperlich sein.
Bilder Marco Hartmann
chen samt jeweiligen Sprachmustern,
Umgangsformen, Normen undWerten
gerinnt in Knechts und Augustins «Fledermaus» zu einem Vexierbild, das bis
zum – brutalen – Schluss seine Zweideutigkeiten lustvoll ausspielt. Aufgesetzt muntere Bühnenposen stehen
neben todmüden Gesten einer «Fuck
off»-Generation. Witz und nacktes
Entsetzen prallen dabei derart radikal
aufeinander, dass dem Premierenpublikum das Lachen immer wieder im
Halse steckenblieb.
Zur Ehrenrettung der echten Fledermäuse muss gesagt sein, dass sich diese
Tiere durch ein bewundernswertes
Sozialverhalten auszeichnen. Im «Fledermaus»-Stück jedoch ist jeder sich
selbst der Nächste. Die Churer Variante treibt die Selbstsucht gar noch auf
die Spitze: Dienstmädchen Adele –
hier ein Adelbert (Lou Elias Bihler) –
träumt nicht nur von einer Karriere
am Theater, sondern will sich auch in
ihrer, nein: seiner Geschlechterorientierung verwirklichen. Herr Eisenstein
(Markus Mathis) betrügt seine Ehefrau
wie gehabt, sein sexuelles Doppelleben fokussiert sich aber – statt auf die
jungen «Ballettratten» wie im Original – auf frühpubertäre Knaben. Wohingegen Frau Eisenstein (Anja Tobler)
auf den traditionellen Hausfreund im
Schrank pfeift und ebenso emanzipiert wie abgebrüht einen Escort-Service in Anspruch nimmt. Dr. Falke
(Eleni Haupt) schliesslich, der sich im
Wiener Original als Opfer eines früheren Schelmenstreichs auf dem Maskenball bei Orlofsky zünftig revanchiert, versteht in der Churer «Fledermaus» keinen Spass mehr – diesmal
treibt ihn unstillbarer Rachedurst, sein
«Coup de théâtre» ist tödlich.
Strauss – neu zusammengeschraubt
Dass Augustin und Knecht der eigene
«Coup de théâtre» so leichterhand gelingt, liegt vor allem am ausgezeichneten Personal: Das Darstellerquartett
spielt mit einer Hingabe, als würde die
Schauspielerei demnächst per Gesetz
verboten werden. Bihler etwa gewinnt
seiner Adele eine Tragik ab, die zu-
tiefst berührt; Mathis beantwortet mit
seinem Spagat zwischen operettenhaftem Chargieren und rauem OffTheater-Charme die Frage, was das
Schwierigste ist im Leben eines Mannes: das Mannsein nämlich; Tobler in
ihrer Doppelrolle macht dasselbe, nur
aus Frauensicht; und Haupt gibt den
Falken mit jenem süffisanten Cornelia-Froboess-Lächeln, das besagt: Den
hab mal lieber nicht zum Todfeind.
Im Hintergrund, doch stets präsent:
die DJs Simon Bauer und Fabian Kalker. Was sie aus der Partitur so kunstvoll extrahieren und neu zusammenschrauben, lässt Strauss-Puristen womöglich das Blut in den Adern stocken. Natürlich ganz im Dienst eines
erstklassigen Theaterabends, der nicht
bloss vage an eine Operette erinnert,
sondern auch mit deren Mitteln arbeitet: so wenig Aufwand wie nötig bei so
viel Effekt wie möglich. Yippie yeah!
«Die Fledermaus»: heute Freitag, 9. März,
morgen Samstag, 10. März, und Sonntag,
11. März, jeweils 20 Uhr, Theater Chur.
Auswahl vergangener Produktionen von Jonas Knecht, Regie
Fotos, Infos, Presse | Stand: 5. März 2013
Theater Chur, Sophiensaele Berlin, Fabriktheater
Rote Fabrik Zürich
In Koproduktion mit theater konstellationen
Vrenelis Gärtli (UA) – Nach dem Roman von Tim
Krohn in einer Fassung von Anita Augustin und
Jonas Knecht
CH-PREMIÈRE 20.1.2010 Theater Chur
DE-PREMIÈRE 5.2.2010 Sophiensaele Berlin
DRAMATURGIE & FASSUNG Anita Augustin
BÜHNE & KOSTÜME Brigit Kofmel
CHOREOGRAFIE Cornelia Lüthi
MUSIK Anna Trauffer und Mathias Weibel
SPIEL Eleni Haupt, Anja Tobler, Matthias Flückiger,
Mathis Künzler
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Theater Chur, Sophiensaele Berlin, Fabriktheater Rote Fabrik Zürich
In Koproduktion mit theater konstellationen
Vrenelis Gärtli (UA) – Nach dem Roman von Tim Krohn
in einer Fassung von Anita Augustin und Jonas Knecht
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Theater Chur, Sophiensaele Berlin, Fabriktheater Rote Fabrik Zürich
In Koproduktion mit theater konstellationen
Vrenelis Gärtli (UA) – Nach dem Roman von Tim Krohn
in einer Fassung von Anita Augustin und Jonas Knecht
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TAG, 1. MÄRZ 2011
serdichter,
vender
-Soul
Pop» ist morgen abend
e beim Konzert von Joan
lias Joan as Police Woekündigt. Und das erst
Schweizer Exklusivität,
e US-Musikerin spielt
ade noch in Berlin, Köln,
g und Frankfurt.
päck hat die Rock- und
gerin aus New York ihr
rittes Album «The Deep
as unter anderem von
eitschrift «Spex» als «ein
prung» gefeiert wird und
nnehmenden Mix aus
z und Singer-Songwriteret. «Feurig, expressiv bis
g melancholisch», bees Veit Stauffer vom «Rec
tenladen in Zürich, der
mber Timbre erneut als DJ
st. Es ist das bisher fröhockigste und groovigste
er 39jährigen Musikerin.
em Album sollte ihr der
rdiente Durchbruch genden die Musikkritiker,
Musik jenseits vom Mainoulpop einer Adele, Dufmy Winehouse verorten.
Gegensatz zu diesen junerinnen und Sängern ist
sser bereits 20 Jahre im
. Joan, in Connecticut
chsen, hat eine klassische
sche Grundausbildung:
erte Klavier und Geige.
Violinistin zog es dann
Rockmusik. Sie spielte
derem bei Antony & The
, Rufus Wainwright, Lou
d Adam Green. (red.)
Mi, Palace, 21.30 Uhr
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Auswahl vergangener Produktionen von Jonas Knecht, Regie
Fotos, Infos, Presse | Stand: 5. März 2013
Theater Chur, Sophiensaele Berlin, Fabriktheater Rote Fabrik Zürich
In Koproduktion mit theater konstellationen
Vrenelis Gärtli (UA) – Nach dem Roman von Tim Krohn
in einer Fassung von Anita Augustin und Jonas Knecht
St.Galler Tagblatt vom 1.März 2011
st.galler kultur
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Blumen fürs Gärtli
Nach dreissig Aufführungen der Theaterfassung von Tim Krohns Roman «Vrenelis Gärtli» kommt das Stück
des Berliner Theaters Konstellationen endlich auch nach St. Gallen. Regisseur Jonas Knecht hält Rück- und Ausblick.
Knecht: Ja. St. Gallen krankt daran, nicht wie andere Städte ein
Gastspielhaus oder eine Anbindung der freien Szene an ein festes
Haus zu haben, das freie Gruppen
einladen und betreuen könnte.
Das hiesse natürlich, es müsste
Ansprechpartner in Form einer
künstlerischen Leitung geben,
welche Stücke anschauen geht,
einlädt und das Risiko mitträgt.
Klar, das kostet Geld, und es
scheint in dieser Stadt keinem Bedürfnis zu entsprechen. Was ich,
ohne jetzt in Selbstmitleid zu verfallen, bedaure, da es in meinem
Fall, der ich mich immer wieder
bemühe, meine Arbeiten auch in
meiner Heimatstadt zu zeigen,
früher oder später zu denen zählen werde, die weggegangen sind
und wegbleiben, weil es hier einfach zu schwierig ist.
Jonas Knecht, fast genau ein Jahr
ist es her, seit Ihre Theaterfassung
des Romans »Vrenelis Gärtli» in
Chur uraufgeführt wurde. Wir
mussten lange warten, bis das
Stück nun nach St.Gallen kommt.
Waren Sie seither erfolgreich
unterwegs?
Jonas Knecht: Das kann man
wohl sagen! Die sechs Vorstellungen in Chur waren alle ausverkauft. Danach spielten wir in den
Sophiensälen Berlin, im Schlachthaus Bern, in Aarau und in der
Roten Fabrik in Zürich. Das Stück
schlug ein wie eine Bombe.
Und in St.Gallen spielen Sie trotzdem nur gerade zwei Vorstellungen.
Weshalb?
Knecht: Ich bedaure dies sehr,
doch gerade hier, in meiner Heimatstadt, sind die Voraussetzungen für Gastspiele besonders
schwierig. Wir wären beinahe gescheitert.
Wie meinen Sie das?
Knecht: Kanton und Stadt St. Gallen haben die Produktion grosszügig unterstützt. Die Voraussetzungen für Produktionsbeiträge
sind, dass das Stück auch vor Ort
gezeigt wird. Doch wenn es
dann um einen Aufführungsort
geht, wird’s schwierig. In der Lokremise, wo ja vor dem Umbau
noch die Rede war von möglichen
Gastspielen, ist gar keine Infrastruktur vorhanden. Der Raum,
der allenfalls freien Gruppen zur
Verfügung stehen würde, ist leer.
Wir müssten die ganze Technik
selber mitbringen. Der technisch
gut ausgestattete Theatersaal ist
dem Theater vorenthalten. Das
heisst, für eine Produktion dieser
Grösse gibt es eigentlich nur
die Grabenhalle. Dort hat es zwar
die technischen Einrichtungen,
aber eine Gastspieltruppe muss
dort die Veranstaltungen nicht
nur selber aufbauen, sondern
selber finanzieren, veranstalten
und das Risiko tragen. Ausserdem
ist die Grabenhalle wegen der
eigenen Programmierung nur
Bild: Iko Freese
Tod und Teufel: Mathis Künzler mit Anjja Tobler als Vriine.
sehr beschränkt bespielbar. An
Wochenenden beispielsweise ist
das Haus für musikalische Events
reserviert. Was sehr schade ist,
denn diese Tage sind erfahrungs-
gemäss ideal für Theatervorstellungen.
Ist es in anderen Städten denn
weniger kompliziert?
Was kostet ein Gastspiel die Veranstalter beziehungsweise wie hoch
sind die Kosten des freien Theaters
Konstellationen in diesem Fall?
Knecht: Für «Vrenelis Gärtli»,
nach «Quatemberkinder» der
zweite Roman Tim Krohns, den
ich für die Bühne bearbeitet habe,
müssen wir für 4000 Franken zusätzliche technische Geräte dazumieten. Die Infrastruktur in der
Grabenhalle ist für Konzerte und
nicht für Theaterproduktionen
ausgelegt. Das heisst, die zwei
Aufführungen in St. Gallen kosten
uns 18 000 Franken. Wenn wir mit
den Unterstützungsbeiträgen von
Kanton und Stadt sowie mit
zwei ausverkauften Vorstellungen
rechnen dürfen, kommen wir –
die Gage für Schauspieler und
Musiker inbegriffen, nicht aber
diejenige für Regie und Produktionsleitung – mit einem Überschuss von einigen hundert Franken nicht komfortabel, aber heil
davon. Zum Vergleich: Das
Schlachthaus Bern – wir folgten dort einer Einladung – bezahlte für drei Vorstellungen
15 000 Franken und stellte drei
Techniker und die Infrastruktur
zur Verfügung. Von solchen Vor-
h auch in St. Gallen zu sehen: Das Kinok zeigt «Somewhere», Sofia Coppolas leise Studie einer Entfremdung,
emontiert den Traum vom Leben eines Filmstars. An den Filmfestspielen von Venedig gab es den «Goldenen Löwen».
Halbwüste dreht ein
er Ferrari seine Runden.
hwindet er aus dem Bild,
Nun noch zu Ihrem Stück: Wie beurteilen Sie Ihre Inszenierung nach
30 Vorstellungen? Hat sie sich verändert?
Knecht: Das strenge Korsett, das
ich der Inszenierung anlegte, gestaltete sich für die Spielenden zu
Beginn teilweise schwierig. Doch
dies stellt sich nun eigentlich als
Vorteil heraus. Die Korsage füllte
sich zusehends mit Menschlichem, alles wurde weicher, fliessender, mit dem individuellen
Spass an der Sprache, am Spiel.
Ein Wort zu Ihren Plänen?
Knecht: Dank der Erfolgsgeschichte von Vrenelis Gärtli durfte
ich mit dem Theater Chur bereits
die nächste Co-Produktion vereinbaren. Und auch das Schlachthaus Bern hat Interesse an einer
längerfristigen Zusammenarbeit
bekundet. Das freut mich sehr.
Interview: Brigitte Schmid-Gugler
Aufführungen: Mi, 2.; Do, 3.3.
Grabenhalle, 20 Uhr
(Besprechung der Uraufführung
siehe Tagblatt, 23.1.10)
PERSON
Jonas Knecht
Der St. Galler Jonas Knecht
absolvierte die Hochschule für
Schauspielkunst «Ernst Busch»
in Berlin. Dort gründete er das
freie Theater Konstellationen,
mit dem er in wechselnder Zusammensetzung und oft in
Form von Co-Produktionen
Stücke erarbeitet und im
deutschsprachigen Raum zur
Aufführung bringt. (bsg)
COCKTAIL
ie Melancholie hinter dem Glamour
ASPERI
aussetzungen kann man hier nur
träumen.
blonden Stripperinnen an der
Stange. Fast wortlos evoziert Coppola die Einsamkeit und Leere,
den Verlust jeder Beziehung zur
Personal erfüllt seine Wünsche
sofort, und seine weitgehend unsichtbar bleibende Agentin arrangiert für ihn die Geschäftstermine.
ist nicht vernichtend, sondern
zart und mitfühlend, getragen von
der Sehnsucht, ihr Johnny finde
doch noch einen Ausweg aus die-
an ihren Erfolg «Lost in Translation», bis in Details hinein von
einer Liftszene bis zum Karaoke
gibt es Parallelen. Doch während
Mittagskonzert
in St. Laurenzen
Unter dem Titel «Minimal plusInstant Composing auf dem
Steinway» gestaltet Judith von
Tessin ein Klanggewebe in Resonanz mit dem Kirchenraum und
seiner geometrischen Ornamentik. Die Musikerin wirkt als Solistin
und in verschiedenen Formationen bei intermedialen Projekten
und an Konzerten mit.
FÜR BERLIN
Sa/So|13.06.0
Pflegemutter
verzweifelt
gesucht
Sophiensaele Berlin und theater konstellationen
Hätte klappen können. – Eine LiveHörSpielReihe
mit Beinahebestsellern
PREMIÈRE der Reihe 22.04.2009 Sophiensaele
LEBENSWELTEN „Your Nanny Hates You“ –
Berlin
VON
& MIT
Simon
Bauer
(Musik),
Tina Kemnitz
unter
diesem
Titel
startete
am Hebbel
am
(Spiel),
Jonas
Knecht (Regie,
Spiel), Marc Lippuner
Ufer ein
ungewöhnliches
Theaterfestival
(Dramaturgie),
Ulrike Schneider
F.
Familienaufstellung:
Szene aus „Mütter.Väter.Kinder“ von Sebastian Nübling Foto: Drama
rund um das Thema
Familie (Spiel), Michael
Stoerzer
(Spiel),
Martin
Wehrmann
(Sprecher,
Spiel)
VON KATHARINA GRANZIN
für Jahr reisen 48.000 Kinder und anderen lateinamerikani- widmet sich ebenfalls der Situa- duktion gewonnen. Der jüngste
ast jeder hat sie, niemand
kann ihr wirklich entkommen, und auch wer keine
hat, wird zu großen Teilen
durch ihr Nichtvorhandensein
bestimmt: Familie ist ein Thema,
das permanent neu definiert
wird und immer Konjunktur hat.
Was aber ist „Familie“?
Das Hebbel am Ufer hat für
sein zehntägiges Festival zur Annäherung an diese Frage den Titel „Your Nanny Hates You!“ gefunden und damit einen Rahmen gesteckt, der weit über den
persönlichen Familienhorizont
der meisten deutschen Theaterbesucher hinausgeht. Gleich am
ersten Festivaltag ließ sich erfahren, dass das meist als so selbstverständlich hingenommene soziale Konstrukt der Mutter-Vater-Kinder-Kleinfamilie nur unter bestimmten ökonomischen
Bedingungen überhaupt möglich zu sein scheint.
Den Eröffnungsvortrag nämlich hielt die Pulitzer-Preisträgerin Sonia Nazaro, die als Autorin
der Los Angeles Times eine Aufsehen erregende Serie über ein
Phänomen verfasst hat, das in
Europa kaum vorstellbar ist: Jahr
F
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du Reggaeton?
anzen mochte ich noch
nnah sagt, ich sei ein
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n und ohne Wodka. Und
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wachstes Parkett zu Zimstärke. Schöneberg.
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en Lederschuhe, Westen,
Hemden, Ketten. Den Pot, die Schuhspitzen beige
ben gebogen, schnippen
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bei erstbester Gelegeninrich-Heine-Straße, ins
Abteil zu wechseln. Ich
und ignoriere MTV-reif
de Pos vor meiner Nase.
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Borat-Darsteller.
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die Accessoires, ein kleinille-Shake, die Lederjaarben, Ton in Ton abgezur Feinstrickweste,
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und Rihanna oszilliert.
sik der beiden bricht ab.
d in zehn Minuten Bodße, alles mit der Ruhe“,
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Musik wird karibisch, PailPosen und Puderdosen
geshaked, die beiden karen sich direkt in eine
ndung auf dem PrivatkaVauGe sucht das SupertaTIMO BERGER
13
Auswahl vergangener Produktionen von Jonas Knecht, Regie
Fotos, Infos, Presse | Stand: 5. März 2013
und Jugendliche aus Lateinamerika allein und illegal über die
mexikanische Grenze in die Vereinigten Staaten ein. Die meisten
von ihnen sind auf der Suche
nach ihren Müttern, die, verzweifelt in ihrer Armut, die Kinder in
der Obhut von Verwandten zurückgelassen haben, um in den
USA Geld als Nanny oder Putzfrau zu verdienen. Aus dem geplanten Aufenthalt von ein, zwei
Jahren werden meist fünf bis
zehn Jahre oder mehr, eine Zeitspanne, in der die Kinder heranwachsen und sich schließlich
selbst auf die Suche nach ihren
Müttern machen.
Verständnis für die Mütter
Nazaro stieß zufällig, im Gespräch mit ihrer Hausangestellten, auf dieses Thema, das sie
lange nicht loslassen sollte. Viele
Monate verbrachte sie in Mexiko
Die uns so selbstverständliche Kleinfamilie – ein privilegiertes
Ausnahmephänomen
taz – die tageszeitung / 13.06.2009
schen Ländern, um den lebensgefährlichen und manchmal mit
dem Tod endenden Weg der Kinder nachzufahren. Ihr Vortrag ist,
obwohl sie ihn sicher schon
mehrere Dutzend Mal gehalten
hat, so emotionsgeladen wie faktenreich und endet, wenngleich
Nazaro jede Menge Verständnis
für die Entscheidung der alleinerziehenden, verzweifelten jungen Frauen zur Arbeitsemigration mobilisiert, mit einem unmissverständlichen Plädoyer dafür, dass man diesen Müttern die
ökonomischen Bedingungen ermöglichen müsse, ihre Kinder in
der Heimat selbst zu versorgen –
sei es durch die gezielte Subvention bestimmter Waren aus den
Herkunftsländern der Arbeitsmigrantinnen oder durch Mikrokredite wie bei der Grameen
Bank des Mohammed Yunus.
Dieses frauenspezifische Nebenthema der Globalisierung erfährt viel Aufmerksamkeit bei
„Your Nanny Hates You!“ und
wird auch am kommenden Montag Thema zweier weiterer Vorträge sein. Der einstündige Dokumentarfilm „Lotería“ von Janina Möbius, der an allen Festivalabenden als Loop laufen wird,
tion von Frauen, die zu Lasten der
eigenen Familie die Kinder anderer Leute großziehen, und geht
der Situation in Mexiko nach, wo
es in gutsituierten Familien seit
jeher als völlig normal empfunden wird, eine „Nana“ zu haben.
Quälendes Tortenessen
Insgesamt dominieren die Nanas und Mamas das Programm
sehr. Auch das surrealistische
Stück „Daddy“ des amerikanischen Autors Travis Jeppesen fokussiert trotz seines programmatisch klingenden Titels weniger das Papa-Sein als vielmehr
das Mama-Sein in seiner hysterisch übersteigerten Ausformung. Interessant, aber: Wo bleiben bei diesem Familienfestival
die Väter? Irgendwie gehören die
schließlich auch dazu.
Immerhin in Sebastians Nüblings Stück „Mütter.Väter.Kinder“ sind sie aktive Teilnehmer.
Nübling, selbst dreifacher Vater,
lässt in seiner weitgehend
sprachlosen, pantomimisch-tänzerischen Familienaufstellung
zwei seiner Kinder sowie seine
Frau mitspielen und hat noch
zwei weitere schauspielernde Familienverbände für seine Pro-
Darsteller ist vier Jahre alt und
agiert mit großer Selbstverständlichkeit vor dem vollen
Saal. Beharrlich lässt er Styroporflugzeuge ins Publikum segeln,
während die Erwachsenen sich
mit Ballspielen Wettkämpfe liefern. Dass im Familienleben jedoch nicht alles ein Federballspiel ist, dass auch das geburtstägliche Tortenessen mit Verwandtschaft zum quälenden Ritual werden kann, und wie leicht
man sich aneinander und an den
eigenen Erwartungen verheben
kann, zeigt Nübling in wohldosierter Mischung aus grundlegenden Einsichten und szenischem Witz.
Ooh ja, man erkennt das alles
wieder. Und immer wieder ist es
schön, wenn die divergierenden
Bewegungen ab und an in eine
gemeinsame Choreografie münden. Diese familiäre Gemeinsamkeit aber, wie wir ja noch
vom Beginn des Abends wissen,
ist womöglich ein hochprivilegiertes Ausnahmephänomen.
Nächste Vorstellungen „Mütter.Väter.Kinder“: 13. und 14. 6.,
20 Uhr. Festival „Your Nanny
Hates You!“ bis 20. 6.
■
Es lächelt die klingende Münze
KNAPP DANEBEN „Hätte klappen können“: In den Sophiensælen werden Bücher
vorgestellt, die das Zeug zum Bestseller hatten, aber keiner geworden sind
Eine einfache Idee: Man stellt etwa fünf bis zehn Titel aus dem
Bereich Belletristik und Sachbuch vor, die in den vergangenen
fünf Jahren das Zeug dazu gehabt
hätten, unter den Top Ten zu landen, es aber mysteriöserweise
nicht an die Spitze schafften.
Man gibt dem Programm einen
griffigen Titel: „Hätte klappen
können“. Fünf bis sechs Schauspieler lesen schließlich sorgsam ausgewählte Passagen vor,
dazu wabern Klänge, Geräusche,
Musikfetzen aus dem Off. Einer
der Darsteller erläutert, worum
es in den Werken geht und wer
sie verfasst hat. Über ein rotes
Leuchtlaufband verfolgt der Zuschauer noch die restlichen Informationen zum Buch (welcher
Verlag, wann erschienen). In den
Sophiensælen hatte am Mittwoch das zweite von drei Abendprogrammen Premiere.
Hätte auch schiefgehen können. Das wäre ein alternativer Titel gewesen für ein Konzept, das
Elemente aus dem Kammertheater mit Motiven aus Literaturfernsehsendungen vermischt.
Denn literarische oder essayistische Texte zielen darauf ab, im
Kopf des Lesers und der Hörerin
zu entstehen – den Bedingungen
der Bühne gehorchen sie nicht
unbedingt von allein. Doch die
Gruppe, die sich „theater konstellationen“ nennt, löste dieses
knifflige Problem virtuos. Geschickt zwängte sie die Masse an
Text in das Gerüst eines Themas,
das „Wirtschaftswunder“ lautete;
und sie nutzte spielerisch das
sich daraus ergebende Ableitungspotenzial.
Da gab es den Bericht einer
Hamburger Taxifahrerin auf ihrer grotesken Jagd nach Kleinstgewinn (Karen Duves Roman „Taxi“),
Originalzitate
Alfred
Herrhausens zur Möglichkeit der
Finanzierung eines wiedervereinigten Deutschlands (aus der Biografie von Andreas Platthaus),
scharlatanistisches Geschwätz
von Londonern Brokern („Cityboy“ von Geraint Anderson): All
diese Stimmen gerannen zu einem Konzentrat aus Gegenüber-
Heil und Weh des
Geldes. Hoffnung
und Hybris, Bilanz
und Kollaps
stellungen
unterschiedlicher
Perspektiven auf das ökonomische System. Heil und Weh des
Geldes. Hoffnung, Hybris, Bilanz
und Kollaps als Vergleich. Aber
die Formatierung durch das Thema war nicht der einzige gelungene Trick des Abends.
Dass die Darsteller die ganze
Zeit über an einem langen Tisch
saßen und in ihre Mikros sprachen, erwies sich eben nicht als
Ausdruck der Einfallslosigkeit,
sondern als maximale Ausnutzung reduzierter Mittel. So musste man auf der Bühne einfach das
übergeordnete Bild einer Konferenz sehen, an dem nichts anderes verhandelt wurde als die Illusion von der Lenkbarkeit des Geldes. Und dass nicht nur brav Text
zitiert wurde, sondern die einzelnen Fragmente beinahe in ein Figurenmuster auf- oder in gut dosierte Improvisationen übergingen, offenbarte, dass es sich hier
um eine Methode aus dem Geist
der Collage handelte.
So entkommt die Gruppe um
Simon Bauer, Tina Kemnitz, Jonas Knecht, Marc Lippuner, Ulrike Schneider und Martin Wehrmann der Falle einer gut gemeinten, jedoch im Kern fragwürdi-
gen Vermittlung von Literatur
eben durch ihre theaterorientierte Handhabung des Stoffes.
Was man da sah, war ein eigenes
Stück – und kein Bestsellerratgeber. Das war auch das Schöne daran, dass ein schwer zu fassendes
Element in den unterschiedlichen literarischen Konzeptionen
durch die Inszenierung deutlich
sichtbar wurde. Nämlich die Nähe von Geld und Sprache. Anders
ausgedrückt: die Überschneidung der Affektgeladenheit bei
Kommerz und Kunst, das ironi-
sche Lächeln der klingenden
Münze. Dass dabei die Schauspieler nicht Comedy machten,
sondern in ihre zwitterhaften
Rollen aus Vorlesern und angedachter Figur schlüpften – und
sich offensichtlich wohl fühlten
–, war deutliches Indiz, dass das
Konzept aufgegangen war. Zu sehen ist das „Wirtschaftswunder“Programm nochmals im SepMANUEL KARASEK
tember.
Programm: www.haetteklappen-koennen.blogspot.com
■
Auswahl vergangener Produktionen von Jonas Knecht, Regie
Fotos, Infos, Presse | Stand: 5. März 2013
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theater konstellationen und Claus, Knecht, Großmann in Koproduktion mit FIDENA – Figurentheater
der Nationen Bochum und HfS „Ernst Busch“ Berlin
Grete L. und ihr K. – Ein handgreifliches Kammerspiel um die Ohnmacht der Liebe
SPIEL Susi Claus & Lutz Großmann
PUPPEN Lutz Großmann
AUSSTATTUNG Mathis Künzler, Lichtblick, Ensemble
„Eine großartige Vorführung dessen, was Puppentheater leisten kann.“ (WAZ Bochum)
„Mit der begeistert aufgenommenen Uraufführung „Grete
L. und ihr K.“ ist gestern die FIDENA 2008 so fulminant zu
Ende gegangen wie sie begonnen hatte.“ (ZDF Theaterkanal)
GRÜNSCHNABEL 2010
AARGAUER FÖRDERPREIS FÜR JUNGES FIGURENTHEATER
Der Aargauer Förderpreis für junges Figurentheater «Grünschnabel» (dotiert mit 10‘000 sFr.) wurde am Sonntag 13.
Juni 2010 auf der Bühne des Kurtheaters Baden zum vierten
Mal verliehen. Die Laudatio hielt die diesjährige Gastjurorin,
Annette Dabs aus Bochum. Sie verlas auch den folgenden
Text der dreiköpfigen Jury:
«Der Aargauer Förderpreis für junge Figurentheater „Grünschnabel 2010“ geht an das Künstlerkollektiv Claus, Knecht
& Grossmann von theater konstellationen. Ihre Produktion
„Grete L. und ihr K“ vereint hohe bildnerische Qualität mit
souveräner Animation, sie vereint schauspielerisches und
musikalisches Können. Die sehr eigene Handschrift der
Puppen und der feingestimmte Zusammenklang der beiden
Spieler sind ein Genuss. Der scheinbar schwerelose Wechsel
der Spielebenen auf gleichbleibend hohem Niveau sowie die
Ernsthaftigkeit des Spiels, mit gleichzeitig augenzwinkernder
Distanz zum Geschehen ist äusserst beeindruckend.»
Auswahl vergangener Produktionen von Jonas Knecht, Regie
Fotos, Infos, Presse | Stand: 5. März 2013
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theater konstellationen und Claus, Knecht, Großmann in Koproduktion mit FIDENA – Figurentheater der Nationen Bochum und HfS „Ernst Busch“ Berlin
UNIDRAM 2009
Grete L. und ihr K. – Ein handgreifliches Kammerspiel um die Ohnmacht der Liebe
Erscheinungsort: Potsdamer Neueste Nachrichten
Datum:
05.11.2009
Potsdamer Neuste Nachrichten / 05.11.2009
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