LTH SS2012 Gegenwart Gastvortrag Klun Phaenomenologie

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Philosophie der Gegenwart (O. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Langthaler)
„Phänomenologische Philosophie und ihre anthropologisch-theologischen Implikationen“
(Ao. Univ.-Prof. Dr. Branko Klun) – Termine: 7., 14., 21. Mai; 18.00-19.30)
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------EDMUND HUSSERL (1859 – 1938)
1. Der methodische Ausgangspunkt
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Bewusstsein von etwas
(kein leeres „Bewusstsein“ und kein vom Bewusstsein getrennter „Gegenstand an
sich“, sondern Gegebensein von „etwas“ für das Bewusstsein)
Erste-Person-Perspektive
(Unterschied zur empirischen Dritte-Person-Perspektive)
2. Phänomenologische Grundbegriffe
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Intentionalität des Bewusstseins
(das intentionale Sich-Beziehen des Bewusstseins auf seinen Gegenstand)
Phänomen
(nicht negativ [Schein versus Sein], sondern positiv verstanden [Erscheinen = Sein])
Korrelation
(zwischen den intentionalen Akten [noesis] und dem Gegenstand [noema])
Phänomenologische Forschung
(phänomenologische versus natürliche Einstellung)
Ursprüngliche Gegebenheit
(die Frage nach der Wahrheit des Phänomens)
Reduktion und Epoché
(Rückführung eines Phänomens auf seine Gegebenheit für das Bewusstsein;
„Enthaltung“ von Urteilen über die empirische, „reale“ Existenz)
3. Einige Implikationen
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Phänomenologie der Intersubjektivität
(intentionale Konstitution der Bedeutung (des Phänomens) ist intersubjektiv
vermittelt; der phänomenologische Zugang zum anderen Menschen)
Phänomenologie der Leiblichkeit
(die transzendental-konstitutive Rolle der Leiblichkeit)
Phänomenologie der Lebenswelt
(die ursprüngliche Sinnkonstitution der gelebten Welt)
Phänomenologische Methode und ihre anthropologische bzw. theologische Relevanz
(vom „Gegenstand“ zur Frage nach seiner „Gegebenheit“ für das Bewusstsein)
2
MARTIN HEIDEGGER (1889 – 1976)
1. Der Ausgangspunkt des faktischen Lebens und seine methodischen Implikationen
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Der Vollzugscharakter des Lebens und seine „Erschlossenheit“ (Verstehen)
Zeitliche („geschehende“ und damit „geschichtliche“) Perspektive
Vom Gehaltssinn des Phänomens zu seinem Vollzugssinn
Der hermeneutische Charakter der Phänomenologie (Selbstauslegung des Lebens)
2. Die Frage nach dem Sein und die Analyse des Daseins („Sein und Zeit“)
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Das „Sein“ eines Phänomens (eines „Seienden“) als das „Geschehen“ dieses
Phänomens in meinem verstehenden Leben („Dasein“)
Die Frage nach dem Sinn von Sein → Explikation des Seins des Daseins (=
Menschen), das überhaupt „Sein“ verstehen kann
„Sein und Zeit“
o Methodologische Voraussetzungen: „vollzugsmäßige“ Perspektive;
Existenzialien vs. Kategorien.
o Analytik des Daseins: Freilegung der Existenzialien
- In-der-Welt-Sein
- Weltlichkeit (Welt)
- Selbst-sein (Eigentlichkeit, Uneigentlichkeit)
- Erschlossenheit (Verstehen, Befindlichkeit, Rede)
- Sorge (als das Sein des Daseins)
- Tod (Sein-zum-Tode)
- Gewissen (Schuld)
- Zeitlichkeit (Zukunft, Gewesenheit, Gegenwart)
3. Spätere Themen
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Heideggers „Kehre“: vom Dasein zum Sein
Geschichtlichkeit des Seins; „Ereignis“
Auseinandersetzung mit der „metaphysischen“ Tradition
Kritik am Gott der Metaphysik – „ontotheologische Verfassung der Metaphysik“
4. Schlussüberlegungen
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Relevanz des Heideggerschen Ansatzes für die Anthropologie
Relevanz für die Theologie
3
EMMANUEL LEVINAS (1906 – 1995)
1. Der methodische Ausgangspunkt
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Begegnung mit dem anderen Menschen: von Angesicht zu Angesicht;
radikale Andersheit des Anderen
Phänomenologische Analyse des „Antlitzes“
o „Umkehrung der Intentionalität“
o der ethische Anspruch des Anderen
o Verantwortlichkeit des „Ich“
Der neue Ausgangspunkt: Die ursprüngliche Bestimmung des Subjekts durch den
Anderen
2. Ethik jenseits der Ontologie
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Unterscheidung zwischen zwei Ebenen:
Ebene der Ontologie:
Intentionalität, Verstehen, Sein, Aktivität, Freiheit, Autonomie
Ebene der Ethik:
Verantwortung, Passivität, Heteronomie, Für-den-Anderen, Jenseits des Seins
Ethik als „erste Philosophie“
(ethische) Differenz vor der (ontologischen) Identität: Implikationen für das Denken
und sprachliche Schwierigkeiten
3. Anthropologische und theologische Konsequenzen
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Das „Wesen“ des Menschen: Verantwortung tiefer als Vernunft
Die Unendlichkeit der Verantwortung und die menschliche Würde
Enge Verbindung zwischen Ethik und Religion: Gott „ereignet sich“ im ethischen
Geschehen
Der Unterschied zwischen dem Heiligen (saint) und dem Sakralen (sacré)
4
JEAN-LUC MARION (1946)
1. Der methodische Ansatz
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Theologische Motive: Rationalität der christlichen Offenbarung. Übernahme der
Kritik an der Metaphysik als Ontotheologie (Heidegger).
Frühe Unterscheidung: Idol und Ikone (zwei „Rationalitäten“)
Übernahme der Husserlschen Sichtweise und eine Revision der Phänomenologie
Uminterpretation der „Gegegebenheit“ in ein ursprüngliches „Sich-Geben“ oder eine
„Gebung“ (donation) der Phänomene
Der Überschuss der Gebung in Bezug auf die Empfangsfähigkeit des Bewusstseins →
Auflösung der intentionalen Korrelation
2. Die saturierten Phänomene und das Subjekt im Dativ
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Paradoxe oder saturierte Phänomene (vs. arme Phänomene)
Einteilung der saturierten Phänomene in vier Kategorien (bezugnehmend auf Kant):
- Ereignis
(Überschreitung der) Quantität
- Idol, Bild
" "
Qualität
- Ikone, Antlitz
" "
Modalität
- Leiblichkeit
" "
Relation
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Subjekt: Adressat der Gebung (der „Beschenkte“);
Passivität des Empfangenden – Subjekt „im Dativ“
3. Offenbarung als höchste „Gebung“
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Die Offenbarung Gottes als Gebung par excellence (Überschreitung aller Kategorien)
Gott ohne das Sein („Dieu sans l’être“ - 1982) – als reine „Gebung“
„der Gute“ als der erste Name für Gott (← Dionysios Areopagita) – gegen Gott als
„das höchste Seiende“ (ens)
Phänomenologie der Gebung (Gabe) → Bedeutung der Liebe
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