AZ Aargauerzeitung / 17. Februar 2012

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Aargauer Kultur
36
Nachrichten
Aarau ASO spielt Werke
von Schweizern
Unter Douglas Bostock spielt
das Aargauer Sinfonie-Orchester. Schweizer Klassiker: Von
Peter Mieg ist 50 Jahre nach der
Uraufführung sein Werk «Mit
Nacht und Nacht» zu hören. Ihm
zur Seite gestellt wird Rudolf
Kelterborn mit seiner «Musica
luminosa». (AZ)
Swiss Classics Aarau, KUK (Saal 1).
20 Uhr. 19 Uhr: Konzerteinführung.
Auw Kosaken
singen alte Melodien
Begleitet von zwei Instrumentalisten präsentiert der Ural Kosaken Chor die schönsten Melodien aus dem alten, schneebedeckten Russland. (AZ)
Schneeverwehtes Russland Kosaken Chor, Auw, Pfarrkirche. 20 Uhr.
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www.aargauerzeitung.ch | az | Dienstag, 17. Januar 2012
«Danke schön, wir melden uns bei dir»
Oper Schenkenberg Die az war bei einem der Castings für Giuseppe Verdis «Il Trovatore» dabei
VON LORENZ BARAZETTI
«Il Trovatore» heisst das neue Projekt
der Oper Schenkenberg, das 2013
Premiere feiern soll. Im Jahr des
200. Geburtstags von Giuseppe Verdi
treffend gewählt. Der Prolog findet
aber bereits in diesen Tagen statt: In
der unscheinbaren Aula der Schule
in Schinznach-Dorf werden die
Hauptrollen für den «Troubadour» gecastet. Ein Jurypult, ein Haufen gestapelte Stühle, ein Flügel, knarzendes
Parkett, das reicht fürs Vorsingen.
Intendant Peter Bernhard wirkt
leicht angespannt. «Wir müssen später anfangen», sagt er zur Begrüssung. Wegen einer Schlägerei zweier
Männer im Bus zum Flughafen hat
Regisseur Andreas Baesler den Flieger in die Schweiz verpasst. Ein
Schwätzchen mit den Sängern lässt
sich Bernhard aber nicht nehmen.
Man kennt sich – viele sind auf seine
Einladung oder die Baeslers und des
Dirigenten Marc Tardue zum Vorsingen gekommen. Gesucht werden
heute Baritonsänger für die Rolle des
Conte di Luna und Tenöre für dessen
Bruder Manrico, den Troubadour.
Keine Gemütsregungen
Regisseur Andreas Baesler ist inzwischen eingetroffen. Rolando Garza, Assistent des Dirigenten Tardue, sitzt zur
Begleitung der Sänger am Konzertflügel. Es geht los: Der junge Sänger lässt
noch nervös seine Fingergelenke knacken, dann trägt er seinen Conte di Luna vor. Vergeblich sucht man in den
Gesichtern der «Jury» eine Gemütsregung. Regisseur Baesler schaut kon-
Regungslos verfolgen Peter Bernhard, Marc Tardue und Andreas Baesler (v. l.) «Graf Luna».
zentriert auf ein Blatt Papier, nur
scheinbar abwesend. Peter Bernhard
versteckt einen Teil seines Gesichts
hinter den gefalteten Händen. Marc
Tardue sitzt zurückgelehnt mit über-
«Der Gesang ist gut.
Aber die Körperhaltung:
Ich weiss nicht.»
Aus der Diskussion der Jury
schlagenen Beinen da. Mit einem unverbindlichen «Danke, wir melden uns
bei dir» wird der Sänger verabschiedet.
Erst als er die Aula verlassen hat, wer-
den die Juroren deutlich. Das Verdikt
ist klar: dreimal nein, und der Kommentar von Andreas Baesler: «Der
singt wie ein Pseudoitaliener.»
Der zweite «Luna» des Tages
scheint dem Team besser zu gefallen.
Angeregt wird auf Deutsch und Englisch diskutiert: «Sein Gesang erzählt
mir was», ist zu hören, oder: «Der Gesang ist gut, aber die Körperhaltung:
Ich weiss nicht.» Man behält den extra aus Deutschland angereisten Bariton aber im Hinterkopf.
Der nächste, ein Tenor, entschuldigt sich im Voraus: Er habe nur
vier Stunden geschlafen und sei eben
erst hergeflogen. Als er das «Ah si ben
ALEX SPICHALE
mio» und «Di quella Pira» schmettert,
will einem noch nicht warm ums
Herz werden. Die Juroren sind sich
aber einig: Das Potenzial ist da. Er
soll im Anschluss an die anderen
Sänger noch einmal vorsingen. Beim
zweiten Versuch verausgabt sich der
müde «Manrico» vollends und man
will ihm ob der imposanten Darbietung begeistert ein «Bravo» zurufen –
die Jury aber sagt nüchtern: «Danke,
wir melden uns bei dir.» Erneut beginnt die Diskussion: Auch äusserlich
würde der Troubadour zum Bühnenbruder «Luna» von vorher passen.
Entschieden wird heute aber nicht,
morgen kommen ja noch andere.
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