Passender Brennstoff für Holzvergaser

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Bei der Siebung entstehen drei Fraktionen.
Außerdem werden Briketts
hergestellt (unten).
Fotos: Meier
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Passender Brennstoff für Holzvergaser
3/2016
Der Brennstoff sei lange ein
Problem gewesen, obwohl der
Holzvergaser gar keine Premium-Hackschnitzel benötige,
erinnert sich frederik Köster
von der lipro energy GmbH.
Das Problem war ein zu hoher
feinanteil in dem Brennstoff,
den die beauftragten Dienstleister herstellten. „Die Technik war meist passend, aber
entweder war sie schlecht gepflegt oder der fahrer unfähig
oder beides“, erinnert sich
Köster. Im Jahr 2015 übernahm dann die „RoWin Brennstoffe GmbH“ als inzwischen
fünfter Dienstleister diese
aufgabe. „Hier bekommt man,
was man bestellt“, zeigt sich
www.energie-pflanzen.de
Köster zufrieden. nun können
die entwickler sogar unterschiedliche Qualitäten bestellen, um die Grenzen ihrer
anlage kontrolliert auszutesten. so lagern auf dem Hof
gerade einige Kubikmeter ungesiebtes, feuchtes und damit
preiswerteres Hackgut. sonst
ordern die Betreiber die Mittelgröße. Immerhin liefert
Rowin jährlich etwa tausend
Kubikmeter Hackschnitzel aus
Waldrestholz und landschaftspflegegut, die mit der Bhkwabwärme getrocknet werden.
200 weitere Kubikmeter werden bei der Pflege von Hecken
selbst gewonnen.
Feinanteil
Erst mit dem fünften Anlauf fanden
Frederik Köster und seine zwei Mitgesellschafter einen Dienstleister, der Hackschnitzel in der versprochenen Qualität liefert.
Als Lager dient eine mit einem Foliendach
überspannte Halle. Ein kleinerer Teil der
Hackschnitzel wird bei der Heckenpflege
auch selbst gewonnen (kleines Bild).
(dme)
energie aus Pflanzen 3 • 2016
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Drei Männer, eine Idee
Die drei Entwickler und
Gesellschafter (v. l.): Frederik
Köster, Projektentwicklung, Biomasse und betriebswirtschaftliche Leitung, Julian Fintelmann,
Finanzierung und betriebswirtschaftliche Leitung, Jonas
Zimmermann, technische Entwicklung und Projektleitung.
Das nutzen, was in der Region
vorhanden ist. so lautet das
Motto der drei jungen Ingenieure frederik Köster, Julian
fintelmann und Jonas zimmermann, die schon zusammen
zur schule gingen und aus der
Region südwestlich von Bremen stammen. „Das“ ist insbesondere landschaftspflegegut,
das zu energie werden soll:
nicht nur Wärme, sondern auch
strom. „Wir wollten die Wertschöpfungskette optimieren
und dabei etwas für den
Klima- und umweltschutz tun“,
erklärt frederik Köster. Deshalb gründeten sie die „liPRO
energy GmbH“, unter deren
Dach die drei Ingenieure unterschiedlicher fachrichtungen eine mehrstufige thermochemische Holzvergasungsanlage entwickelten.
Viele Brennstoffe nutzbar
Das Problem: landschaftspflegegut liefere weniger energie
chen Betriebes „Hofgemeinschaft Grummersort“ und versorgt deren Gewächshäuser,
Produktions- und Wohngebäude mit strom und Wärme.
ein weiterer Teil der Wärme
wird zur Trocknung des Brennstoffes genutzt.
Erfolgreicher
Verkaufsstart
Da der Holzvergaser aus Schneckenpyrolyse und Reaktor
zusammengesetzt ist, kann er auch problematische Brennstoffe
wie Landschaftspflegematerial und Co. in Holzgas umwandeln.
Fotos: Meier
als Premium-Hackschnitzel
und führe zu schwankungen in
der Brennstoffqualität, so
Köster. festbettvergaser stoßen da in der Regel an ihre
Grenzen. außerdem sollte die
anlage „klein“ genug sein,
um dezentral als Hofanlage
nutzbar zu sein.
als geeignet für diese Bedin-
gungen erwies sich eine
schneckenpyrolyse mit nachgeordnetem Reaktor. Der Prototyp des Vergasers entstand
seit dem Jahr 2012, ging
knapp zwei Jahre später in Betrieb und hat inzwischen gut
11.000 Betriebsstunden auf
dem zähler. er steht auf dem
Gelände des landwirtschaftli-
seit ende vergangenen Jahres
ist der Holzvergaser marktreif,
so daß die drei entwickler ihn
auch auf der diesjährigen Hannovermesse zeigten – und Interesse weckten. zwei anlagen
waren schon zuvor nach süddeutschland verkauft worden,
die gerade in Betrieb gehen.
sie besitzen eine leistung von
je 50 Kilowatt elektrisch und
110 Kilowatt thermisch. lipro
energy bietet aber auch die
Größe 30 Kilowatt elektrisch
und 70 Kilowatt thermisch an.
außerdem werden im Gegensatz zum Prototyp, dessen
Bhkw mit einem Man-Motor
läuft, in den verkauften Kundenanlagen sisu-Motoren verbaut.
Dorothee Meier
›› www.lipro-energy.de
Robuster Holzvergaser
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3/2016
lipro-Vergaser arbeiten im Gegensatz zu festbettvergasern
dreistufig. Der Brennstoff wird
zunächst in einer beheizten
schnecke zu Gas und Kohle pyrolysiert. Im anschließenden
Reaktor mit zwei zonen werden diese zu Holzgas umgesetzt: In der Oxidationszone
wird dem Gas luft zugegeben,
so daß es einschließlich darin
enthaltener Teere vollständig
zu Kohlendioxid und Wasser
verbrennt. Diese werden dann
in der Reduktionszone bei
niedrigerer Temperatur durch
die Kohle aus der Pyrolyse gezogen, wobei die Gase reduziert werden, die Kohle aber
oxidiert. es entsteht ein Gasgemisch aus Kohlenmonoxid,
Methan und Wasserdampf.
Darin noch enthaltener Kohlenstaub
wird
in einem filter
zurückgehalten.
Das Gas wird in
einem Bhkw verstromt und Wärme
ausgekoppelt. Die asche
sammelt sich am
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Boden des Reaktors und wird
ausgetragen.
Gesteuert wird dieser Prozeß
durch die Temperatur der
schnecke und die luftzufuhr
im Reaktor. als Brennstoff werden Hackschnitzel Größe G30
bis G50 mit 30 Prozent
feuchte benötigt. Der Brennstoffbedarf des kleineren Modells mit 30 Kilowatt elektrischer leistung beträgt etwa
240 Tonnen Trockenmasse je
Jahr.
(dme)
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