PPA Hiv – Öfter mal testen

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MEDIZINWISSEN
HIV – Öfter mal testen
von Dr. med. Marianne Schoppmeyer, Ärztin und Medizinjournalistin, Nordhorn
| In Deutschland sind etwa 78.000 Menschen mit HIV infiziert bzw. an AIDS
erkrankt. Den Schrecken, den die Erkrankung noch in den 80er-Jahren des
letzten Jahrhunderts hatte, hat sie längst verloren. Mittlerweile lässt sich
die Infektion gut therapieren. Die Entwicklung des vollständigen Immun­
defekts kann durch eine rechtzeitige Therapie meist vermieden werden und
die Lebenserwartung von HIV-infizierten Patienten ist nahezu vergleichbar
mit der von nichtinfizierten Menschen. |
Epidemiologische Zahlen
Rund 80 Prozent der
Infizierten: Männer,
die Sex mit Männern
haben
50 Prozent der
Infektionen durch
frisch Infizierte
Pro Jahr
etwa 820 Patienten
mit später Diagnose
(„Late presenter“)
In Deutschland sind die meisten Infizierten, nämlich 63.000, Männer, die Sex
mit Männern haben (MSM). Eine weitere Risikogruppe sind die i.v. Drogenkonsumenten. Wesentlich seltener kommt es zu einer Übertragung von der
werdenden Mutter auf ihr ungeborenes Kind.
Hohe Dunkelziffer
In Deutschland wird die Zahl der noch nicht diagnostizierten HIV-Infektionen
auf 14.000 geschätzt. Aber nur derjenige, der von seiner Erkrankung weiß, kann
auch therapiert werden und sein Umfeld vor einer Weitergabe der Infektion
schützen. Vermutlich werden 50 Prozent der HIV-Neuinfektionen durch frisch
infizierte Personen übertragen.
Diagnosestellung häufig zu spät
Von den jährlich 3.400 Erstinfektionen haben 820 Patienten bereits einen fortgeschrittenen Immundefekt. Sie werden auch als „Late presenter“ bezeichnet, weil ihre Infektion erst zu einem Zeitpunkt festgestellt wird, zu dem sie
schon längst eine Therapie benötigt hätten. Late presenter haben eine deutlich ungünstigere Prognose. Ihre CD4-Zellzahl liegt bereits zum Zeitpunkt
der Diagnose unter 350 Zellen/µl (normal > 500 Zellen/µl). Die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Wiederherstellung des Immunsystems sinkt damit deutlich.
Typische Symptome
Akute Infektion
sehr unspezifisch
Ein Problem der HIV-Diagnose ist, dass sich die akute Infektion klinisch nur
sehr unspezifisch bemerkbar macht und daher schwer zu erkennen ist.
PDF erstellt für Gast am 22.04.2016
◼◼Symptome einer HIV-Infektion
„„ Fieber,
„„ Abgeschlagenheit,
„„ Gelenkbeschwerden,
„„ vergrößerte Lymphknoten sowie
„„ bei der Hälfte der Patienten ein Hautausschlag.
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PRAXISTEAM08-2014
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Gerade diese Beschwerden treten aber in der Hausarztpraxis häufig auf und
lassen schnell an eine Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber), eine
Zytomegalie oder Grippe denken. Wird die Erkrankung in diesem Stadium
über­sehen, geht sie ins chronische Stadium über, das oft jahrelang symptomlos bleibt.
PRAXISHINWEIS | Für die Hausarztpraxis bedeutet das, bei Auftreten der
beschriebenen Symptome öfter mal an eine HIV-Infektion zu denken und den Patienten einen HIV-Test anzubieten. Gerade in der asymptomatischen Phase der
HIV-Infektion ist das Routinelabor völlig unauffällig.
Indikatorerkrankungen und Risikogruppen
Für die Entdeckung einer bereits bestehenden HIV-Infektion sind die sogenannten Indikatorerkrankungen hilfreich. Diese weisen entweder auf einen
Immundefekt des Patienten hin oder sind Risikofaktoren für den Erwerb
einer HIV-Infektion.
Indikator­
erkrankungen als
Hinweise auf HIV
◼◼Indikatorerkrankungen für HIV-Infektionen
„„ Sexuell übertragbare Erkrankungen
„„ Hepatitis-Infektionen
„„ Schwere Herpes-Infektionen, beispielsweise Herpes zoster
„„ Dysplasien oder Tumoren im Mund- oder Rachenraum bzw. im Zervikal- oder
Analbereich
„„ Seborrhoische Dermatitis
„„ Maligne Lymphome
Auch bei Personen, die zu den Risikogruppen einer HIV-Infektion zählen, ist
ein HIV-Test dringend empfohlen.
Gefährdeter
Personenkreis
◼◼Risikogruppen für HIV-Infektionen
PDF erstellt für Gast am 22.04.2016
„„ Männer, die Sex mit Männern haben
„„ i.v. Drogenkonsumenten
„„ Personen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern
„„ Personen und deren Partner aus Hochprävalenzregionen wie ehemalige
Sowjetunion, Afrika, Südostasien
„„ Fernreiserückkehrer
Häufig gehören jedoch die „Late presenter“ nicht zu den klassischen Risikogruppen. Sie werden daher auch nicht als gefährdet angesehen wie etwa
Heterosexuelle oder ältere Patienten. Daher sollten auch diese Personen bei
entsprechenden Symptomen oder Indikatorerkrankungen auf HIV getestet
werden. Ein indizierter HIV-Test kann immer über die Krankenkasse abgerechnet werden.
„Late presenter“
gehören häufig nicht
zu Risikogruppen
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Der HIV-Test
„Diagnostisches
Fenster“ bis vier
Wochen nach akuter
Infektion
Beachten: Einverständniserklärung
und persönliche
Information
Mithilfe des HIV-Tests werden vom Körper gebildete Antikörper gegen das
HI-Virus nachgewiesen. Da diese Antikörper vom Körper erst gebildet werden müssen, zeigt der Test eine Infektion frühestens vier Wochen nach der
eigentlichen Infektion an. Dieser Zeitraum wird als „diagnostisches Fenster“
bezeichnet, da eine HIV-Infektion durch den HIV-Test noch nicht nachgewiesen wird, das Virus aber gleichwohl im Körper vorhanden ist und es durch
den Infizierten auch weitergegeben werden kann.
PRAXISHINWEIS | Bevor ein Test durchgeführt werden darf, muss unbedingt
das Einverständnis des Patienten vorliegen. Ist der erste HIV-Suchtest positiv
ausgefallen, wird ein zweiter Bestätigungstest durchgeführt. Erst wenn auch dieser Test positiv ausfällt, gilt der Patient als mit HIV infiziert.
Das Ergebnis sollte dem Patienten immer persönlich und nicht telefonisch mitgeteilt werden. Auch wenn keine Infektion nachgewiesen worden ist, sollten dem
Patienten Hinweise zu Safer-Sex-Regeln gegeben werden.
Ein positiver HIV-Test ist meldepflichtig. Der dafür notwendige anonyme
Erhebungsbogen wird vom beauftragten Labor zugesendet und muss dann
an das Robert-Koch-Institut weitergeleitet werden.
Beratung von HIV-Patienten
Diagnose
„HIV-positiv“
ist nicht gleich
Todesurteil
SIEHE AUCH
Der Hausarzt sollte einem HIV-Patienten zu einer gesunden Lebensführung
raten, ihm weitere Untersuchungen anbieten, auf die Therapiemöglichkeiten
hinweisen und ihn bei der Suche nach einer HIV-Schwerpunktpraxis unterstützen. Wichtig ist auch, dem Patienten zu erläutern, wie er sein Umfeld vor
einer Infektion schützen kann und ihm Informationen zum Safer Sex an die
Hand zu geben.
Interview auf Seite 7
PDF erstellt für Gast am 22.04.2016
Ein positives Testergebnis erfordert immer eine ausführliche Beratung durch
den Arzt. Dabei sollte genügend Zeit vorhanden sein und sensibel vorg­
egangen werden, denn nicht jeder Patient ist in der Lage, offen über sein
Sexualverhalten zu sprechen. Auch wenn der Patient unter Umständen mit
einem positiven Ergebnis gerechnet hat, kann die endgültige Mitteilung dann
doch ein großer Schock für ihn sein. Daher sollte im weiteren Gespräch unbedingt darauf hingewiesen werden, dass die Diagnose „HIV-positiv“ zwar
das Leben verändert, aber keinem Todesurteil gleichkommt. Im Gegenteil:
Bei frühzeitiger Diagnose und rechtzeitiger Therapie ist die Lebenserwartung zu Nichtinfizierten kaum verkürzt. Und auch die Lebensqualität ist nur
wenig oder gar nicht eingeschränkt.
↘↘ WEITERFÜHRENDE HINWEISE
•Website der Deutschen Aids-Hilfe mit zahlreichen Informationen zum Thema HIV:
www.aidshilfe.de
•Das Wissensportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu HIV und
anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI): www.gib-aids-keine-chance.de
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