Fieber bei Kindern

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Nr. 105
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Fieber bei Kindern
Eines der häufigsten Probleme
für Eltern ist plötzlich auftretendes Fieber bei ihrem Kind,
und infolge dessen einer der häufigsten Gründe, die Praxis des
Kinderarztes, den Notdienst oder
eine Klinik aufzusuchen.
Ursachen von Fieber
Die mit Abstand häufigsten
Gründe für Fieber bei Kindern
sind Infektionen, meist Virusinfektionen, die gerade in den
ersten fünf, sechs Lebensjahren sehr häufig auftreten; insgesamt müssen wir mit 50 bis 100
Infektionen in diesem Lebensabschnitt rechnen, die allerdings nicht alle mit Fieber verbunden sind. Der Grund hierfür
liegt in dem noch nicht vollständig entwickelten Abwehrsystem
des Körpers, das erst noch trainiert werden muss. Viel seltener
sind andere Fieberursachen wie
erhöhte Wärmeproduktion bei
Kindern, die sich sehr intensiv
bewegen und heftig mit großer Unruhe schreien, Austrocknung (sogenannte Durstfieber)
und Überhitzung mit Wärmestau
durch zu warme Bekleidung in
warmer Umgebung, so dass die
Wärmeabgabe behindert wird,
oder beim Sonnenstich. Selten
können auch bestimmte Medikamente oder Impfungen Fieber
hervorrufen; auch kann Fieber
schon mal das erste Anzeichen
einer sogenannten Systemerkrankung wie Leukämie oder
von Tumoren sein.
Nutzen und Gefahren
von Fieber
Fieber ist keine Krankheit,
sondern eine meist sinnvolle
Reaktion des Körpers auf eine
Infektion, da die meisten Krankheitserreger am besten bei 37°C
im Körper überleben, und höhere
Temperaturen (ideal wären 38,539°C) ihnen das Leben schwer
machen. Außerdem lässt sich
nachweisen, dass bei 38,5-39°C
verschiedene Systeme der körpereigenen Abwehrreaktion am
effektivsten arbeiten. Optimal
wäre es daher, bei einer Infektion die Temperatur in diesem
Bereich zu halten, zumal dann
auch das Wohlbefinden der Patienten noch nicht so stark beeinträchtigt ist; nur gibt es leider
keinen entsprechenden Thermostaten, den wir einfach nur ein-
stellen müssten. Höheres Fieber ist für den Patienten immer
unangenehm; wirklich gefährlich
wird es aber erst über 41°C, und
auch das nur dann, wenn diese
Temperatur über längere Zeit,
das heißt ca. 12 Stunden, nicht
gesenkt werden kann. Es kann
sich eine zunehmende Herz- und
Kreislaufschwäche entwickeln,
da der Puls dann bei 180 und
höher liegt und das Herz keine
ausreichende Erholungspause
zwischen den Herzschlägen
mehr hat. Niedrigere Temperaturen als 41°C können ebenfalls gefährliche Folgen haben,
wenn die Kinder nichts mehr zu
sich nehmen, vor allem Flüssigkeit verweigern, und dazu noch
erbrechen. Dies kann zur Austrocknung führen, die wiederum
höheres Fieber begünstigt. Auch
die starke Unruhe und Schlafstörung von Kleinkindern kann sich
negativ auswirken. Bei den Eltern
besteht oft große Angst vor Fieberkrämpfen. Diese sind jedoch
in aller Regel harmlos; erst wenn
sie länger als 30 Minuten anhalten oder wenn nach dem Krampf
Störungen von Nervenfunktionen
zurückbleiben, spricht man von
sogenannten komplizierten Fie-
berkrämpfen, die behandelt werden müssen. Dies gilt in der Regel
auch für Fieberkrämpfe bei Kindern unter 1 oder über 6 Jahren oder bei sehr gehäuft auftretenden Fieberkrämpfen.
Warum, wann und wie
Fiebersenkung?
a) Warum?
1) bei sehr hohen Temperaturen über 41°C aus den vorher
genannten, rein medizinischen
Gründen;
2) bei Temperaturen unter 39°C
möglichst überhaupt nicht, außer
wenn das Kind sehr leidet, keine
Ruhe findet, nicht mehr trinkt
usw.
3) bei Temperaturen über 3939,5°C in der Regel ja, sich dann
beinahe jedes Kind – es gibt Ausnahmen! – sich sehr unwohl
fühlt, sehr unruhig schläft, sich
also langsamer erholt, und wenig
zu sich nimmt.
b) Wann?
in der Regel liegen die Temperaturen (wie auch beim Gesunden)
am späten Nachmittag bis Abend
um 0,5-1° höher, als morgens;
meist wird also auch zu diesen
Tageszeiten oder nachts eine Fiebersenkung sinnvoll sein
c) Wie?
1) am wichtigsten ist reichliche
Zufuhr von Flüssigkeit. Wenn das
Kind gut trinkt, ist es in Ordnung; bei schwerkranken Kindern kann eine Infusionsbehandlung in der Praxis oder Klinik
erforderlich werden.
2) physikalische Maßnahmen
wie sehr leichte, lockere Kleidung oder völlige Entkleidung;
Wadenwickel sind nur bei heißen Waden sinnvoll, sonst eher
Wickel am Rumpf; bei schwer zu
senkender Temperatur Abkühlungsbad bei 36-37°C für 10
Minuten, dabei wegen möglicher
Kreislaufreaktion Kind nicht
allein lassen.
3) medikamentös:
Paracetamol als Zäpfchen, Saft
oder Tablette. Dabei muss man
unbedingt Höchstdosis beachten, sonst sind Leberschäden
möglich. Die Höchstdosis beträgt
Wo grüßt man sich an Weihnachten mit
„boas festas“?
16.
pro Tag 60 mg pro Kilogramm
Körpergewicht, also bei einem
13 kg schweren Kind maximal
3 Zäpfchen à 250 mg.
Ibuprofen als Saft oder Tablette,
z.B. Dalsy oder Junifen jarabe
2%. Einzeldosis 8 mg/kg, also
bei 13 kg 104 mg, also 5 ml,
da 1 ml 20 mg enthält. Kann
notfalls 4-6 x täglich gegeben
werden. Medikamente wie Novaminsulfon (Novalgin, Nolotil)
oder Aspirin nur auf besondere
ärztliche Verordnung verwenden
wegen möglicher, wenn auch seltener Nebenwirkungen.
Wann ist ein Arztbesuch
notwendig?
a) bei schlechtem Zustand des
Kindes (kein Trinken, wiederholtes Erbrechen, starke Unruhe,
Schmerzen, auffälliges Schreien,
vor allem Wimmern) baldmöglichst
b) wenn das Fieber länger als
3 Tage anhält, auch bei relativ
gutem Zustand des Kindes; z.B.
ist eine eitrige Mandelentzündung möglich, ein Harnwegsinfekt usw.
Dr. med. Christoph Bosch
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
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