Die Regulation von inneren Körperzuständen

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DIE REGULATION VON INNEREN KÖRPERZUSTÄNDEN
A) TEMPERATURREGULATION
Basis- Metabolismus (Grundumsatz des Stoffwechsels)
= Energie, die Körper im Ruhezustand braucht. Beim Menschen höher als z.B. bei Reptilien, weil
Körpertemperatur gleich bleibt.
1. HOMÖOSTASE
* Begriff vom Physiologen Walter CANNON (1929)
* Bestimmte biologische Prozesse und Körpertemperatur werden innerhalb festgelegter Grenzen konstant
gehalten.
* Homöostatische Prozesse bewirken bestimmte physiologische und verhaltensmäßige Aktivitäten, sobald
bestimmte Werte unter gewisse Limits fallen.
* In den meisten Fällen handelt es sich eher um einen Set Point, da die Toleranzbreite relativ gering ist.
Beispiele für Set Points:
Jemand macht Diät und nimmt z.B. zu wenig Kalzium zu sich -> Kalziumkonzentration im Blut sinkt
-> bei unter 0,16g/l Abbau von Kalzium aus den Knochen.
Kalziumlevel über 0,16g/l -> Überschuß wird in Knochen gespeichert; Teile werden mit Kot und Urin
ausgeschieden.
* Analoge Mechanismen regeln
Konzentration von Wasser, Sauerstoff, Zucker, Protein, Fett und Säuren im Blut.
* Säugetiere:
Durst, Hunger, Körpertemperatur sind beinahe homöostatische Prozesse , da sie sich sowohl an
zukünftige als auch an gegenwärtige Bedürfnisse anpassen
(vgl. dazu: exakte homöostatische Prozesse: würden sich nur an gegenwärtigen Bedürfnissen
orientieren)
Beispiele: In angstbesetzter Situation -> Ausbruch von kaltem Schweiß (Angst -> Fluchtreaktion
-> Körper nimmt Schwitzen vorweg)
* Set Points für Körpertemperatur, Körperfett, etc. sind
-> nicht fix, sondern von Tageszeiten, Jahreszeiten und dergleichen abhängig und außerdem
-> artgebunden (z.B. Mensch / Säuger ca. 37°C Körpertemperatur; Vögel ca. 41°C)
Reproduktive Zellen brauchen etwas kühlere Umgebung als andere Zellen:
* Männer: Hodensack hängt außerhalb des Körpers (daher: Tragen Männer zu enge Hosen -> Hoden zu warm
-> Zeugungsunfähigkeit!
* Frauen: Schwangere sollten nicht zu heiß baden!);
* Vögel: brüten Eier aus (haben noch höhere Körpertemperatur als Säuger -> Eier daher nicht im Freien, statt im
Körperinneren.
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2. MECHANISMEN, UM DIE KÖRPERTEMPERATUR ZU KONTROLLIEREN
* Poikilothermik: Fische, Reptilien und Amphibien kontrollieren ihre Temperatur nach diesem Prinzip;
es bedeutet, daß die Körpertemperatur sich an der Umgebungstemperatur orientiert.
Sie benutzen also keine physiologischen Mechanismen wie Zittern, Schwitzen,...
* Homöothermik: Säugetiere, Vögel; sie halten ihre Temperatur nahe einem Set Point
Eine bestimmte Temperatur ist für chemische Prozesse im Körper nötig - darum ist das Beibehalten der
Temperatur bei einem gewissen kritischen Punkt so lebensnotwendig.
Eine fast konstante Körpertemperatur ermöglicht außerdem Aktivität, die von der Umgebungstemperatur
unabhängig ist.
Wichtig: Temperatur wird proportional zur Masse produziert und proportional zur Oberfläche abgestrahlt.
* Kleinere Tiere haben ein ungünstiges Masse/Oberflächen-Verhältnis -> strahlen Hitze schnell ab und
brauchen viel „Treibstoff“ (Energie)
* Große Tiere haben nicht nur günstigeres Masse/Oberflächen-Verhältnis, sondern sind zusätzlich
besser gegen Hitzeverlust isoliert.
Gehirnfunktionen zur Regulation der Körpertemperatur
Unterkühlung: Temperatur fällt unter den Set Point.
Blutgefäße zur Haut kontrahieren -> das Blut kann durch die Außentemperatur nicht mehr
so leicht abgekühlt werden und es fließt schneller, da der Blutdruck steigt -> die Haut mag
zwar kühler werden, die Organe und das Herz bleiben aber konstant warm.
Auch kommt es zum Zittern, um Wärme zu generieren.
(Tiere beginnen herumzulaufen; sträuben das Fell -> bessere Isolation!)
Überhitzung:
Erweiterung der Gefäße, es kommt mehr Blut an die Haut, und sie kann sich somit leichter
abkühlen.
Dazu kommen noch Verhaltensänderungen, wie Z.B. die Aktivität vermindern und
physiologische Reaktionen (z.B. Schwitzen,...)
(bei Tieren: Hecheln; Fell abschlecken -Kühlung!)
Zuständiges Areal für die Temperaturregulierung
= präoptisches Areal (Nucleus innerhalb des Thalamus, und zwar im vorderen Teil);
heißt so, weil es neben dem optischen Chiasma liegt
1. Präoptisches Areal überwacht die Körpertemperatur teilweise dadurch, daß es die eigene
Temperatur überwacht.
Überhitzt man im Experiment dieses Gehirnareal, dann beginnt das Tier trotz kühler
Umgebung zu schwitzen (und umgekehrt)
2. Außerdem bekommt es Input von temperaturempfindlichen Rezeptoren in der Haut und im
Rückenmark
Bei Schädigung: Körpertemperatur kann nicht mehr angepaßt werden (Temperaturschwankungen bis zu 10°C).
Fähigkeit zu schwitzen oder vor Kälte zu zittern geht weitgehend verloren.
Temperaturregulierung passiert aber auch noch in anderen Strukturen des Hypothalamus und anderen
Gehirnarealen, sowie im Rückenmark.
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Verhaltensmechanismen zur Temperaturregulierung
* Amphibien, Fische und Reptilien wählen ihre Umwelt so aus, daß sie eine relativ konstante
Körpertemperatur bewahren (z.B. Wüsteneidechse buddelt sich zu Mittag und in der Nacht ein)
* Säugetiere versuchen ebenfalls, die Umgebung so auszuwählen, daß soviel wie möglich Energie gespart wird
(daher: wenig Energie für Körpertemperatur notwendig); z.B. suchen sie bei Hitze schattige Plätze auf,
verkriechen sie sich bei Kälte.
Kompensationsmöglichkeiten:
Kinderstrategien werden angewendet, um inadäquate physiologische Mechanismen zu kompensieren:
vgl. junge Ratten kuscheln sich zusammen, um nicht auszukühlen, wechseln Position -> äußere nach
innen und umgekehrt.
präoptisches Areal defekt: erwachsene Tiere lernen z.B. eine Wärmelampe einzuschalten
Fieber
* ist an sich nicht ein Zeichen für die Krankheit, sondern dafür, daß sich der Körper wehrt.
* Viren oder Bakterien, etc. dringen in den Körper ein -> Leukozyten (= weiße Blutkörperchen) werden
mobilisiert. Sie setzen ein Protein frei, nämlich Interleukin-1, das die Produktion von Prostaglandin E1
bewirkt. Das wiederum veranlaßt die Zellen des präoptischen Areals dazu, die Körpertemperatur zu heben
-> Fieber.
Was bewirkt Fieber, ist es schädlich?
=> Tiere mit der Möglichkeit, Fieber zu erzeugen, haben im Fall eine Infektion größere
Überlebenschancen.
=> Die meisten Bakterien vermehren sich langsamer, wenn die Temperatur steigt.
=> Leichtes Fieber (ca. 2,25° über der Normaltemperatur) ist daher von großem Nutzen;
=> überschreitet es aber einen bestimmten Bereich, wird es kontraproduktiv.
3. TEMPERATURREGULATION UND VERHALTEN
3 Beispiele für die Bedeutung der Temperaturregulation:
* Körpertemperatur und die Entwicklung von Tier-Verhalten
Beispiel: Rattenbabies: man hat festgestellt, daß Ratten bestimmte Fähigkeiten erst mit ca. 3
Lebenswochen erlernen (fressen, trinken, Sexualverhalten,...)
Erhöht man aber die Umgebungstemperatur, dann beherrschen sie diese Fähigkeiten schon
nach den ersten Tagen.
Das heißt, daß diese Tiere einfach eine höhere Temperatur benötigen, um sich intellektuell
normal entwickeln zu können.
Vgl. Personen werden in Eiswasser sitzend mittels Intelligenztests getestet
-> wirkt sich eventuell störend auf Ergebnis aus!
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* Körpertemperatur und „Hilfe Schreie“ von Tierbabies
Beispiel: Wenn ein Rattenbaby aus dem Nest fällt, dann stößt es ganz hohe Fieplaute (ca. 40Hz) aus,
worauf es die Mutter zurück ins Nest setzt.
Erklärung: Solange die Umgebungstemperatur innerhalb einer thermoneutralen Zone liegt,
braucht der Körper wenig Energie, um konstante Körpertemperatur zu halten.
Wird es aber zu kalt oder zu warm, dann braucht das Tier mehr Energie zur
Stabilisierung. Das bedeutet, daß es mehr Sauerstoff braucht und stärker ein- und
ausatmet. Der hohe Fieplaut kommt dadurch zustande
Ist kein Hilfeschrei (Fehlbezeichnung infolge Anthropomorphismus!)
* Körpertemperatur und Totstell-Reflex
Totstellen (tonische Immobilität) = totale Bewegungslosigkeit bis auf gelegentliches Muskelzucken
Küken stellt sich z.B. tot beim Angriff durch Raubvogel -> stehende Beute bedeutet Ende des
Angriffs!
Zusammenhang mit Körpertemperatur am Beispiel des Kükens:
Wenn ein Küken zu lange sitzt oder bewegungslos ist, dann steigt seine Temperatur gefährlich an, weil
zuwenig Temperatur abgegeben wird. Um die Temperatur wieder zu senken, muß es sich bewegen.
(Vögel haben an sich eine schon recht hohe Körpertemperatur, bei Jungvögeln ist sie noch um ca. 2°
höher).
-> Ein zu langes Totstellen ist daher gar nicht möglich, weil das Tier sonst sterben würde;
-> Herumlaufen aber birgt die Gefahr, angegriffen zu werden.
B) DURST
* Menschlicher Körper besteht zu ca. 70% aus Wasser.
* Die Zahl der chemischen Reaktionen in unserem Körper hängt von der Konzentration der Chemikalien im
Wasser ab. Das heißt, daß auch der Flüssigkeitshaushalt im Körper innerhalb einer gewissen Bandbreite
konstant gehalten werden muß
* Körper braucht auch genug Flüssigkeit im Kreislauf, um Blutdruck stabil zu halten.
1. MECHANISMEN, UM DIE FLÜSSIGKEITSBALANCE ZU HALTEN
unterschiedliche Arten haben unterschiedliche Balancestrategien entwickelt:
2 Strategien:
1. mehr Wasser aufnehmen; z.B. Wasserbewohner trinken viel, wenig Urin, feuchte Exkremente;
z.B. Biber
2. weniger Wasser hergeben; z.B. Wüstenbewohner haben sehr konzentrierten Urin, trockene
Exkremente, schwitzen nicht; haben kleine, geschlossene Nasenlöcher -> atmen wenig Feuchtigkeit
aus. Zum Abkühlen -> vergraben sich usw. Nehmen wenig Flüssigkeit durch Trinken auf.
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Mensch: wenn nötig beide Strategien verfügbar.
Nieren geben je nach Bedingungen viel oder wenig Wasser ab.
Wenn wenig Wasser verfügbar ist,
wird das Blut dickflüssiger -> Hypophyse setzt Vasopressin frei -> Gefäße ziehen sich
zusammen, Blutdruck hebt sich.
Zusätzlich wird Antidiuretisches Hormon (ADH) ausgeschüttet. Es ermöglicht den Nieren
Wasser zu reabsorbieren und konzentrierten Urin auszustoßen.
2. DIE VERSCHIEDENEN GRÜNDE FÜRS TRINKEN
-> Menschen mit inaktiven Speicheldrüsen trinken mehr
-> Eine trockene Kehle spielt meist eine untergeordnete Rolle
-> Meist trinkt man Wasser zum Essen dazu, weil Nahrung die Stoffkonzentration im Körper ansteigen läßt
(-> Durst).
-> Interessant daran ist nur, daß wir dem Körper eigentlich gar keine Chance geben, Durst zu erzeugen. Wir
trinken schon, bevor Salze in den Zellen gelöst werden (also schon VOR dem Beginn der Verdauung)
-> Andere Gründe fürs Trinken:
* guter Geschmack des Getränks
* soziale Funktion des Trinkens
Wichtig = Gleichgewicht zwischen aufgenommenem und ausgeschiedenem Wasser.
* Wasseraufnahme durch: Trinken, Essen (z.B. viel Wasser in grünem Salat)
* Wasserabgabe durch: Urinieren, Exkremente, Schwitzen, Atmen, Abgabe von Wasser durch alle
feuchten Körperstellen.
Es gibt 2 Arten von Durst:
a) osmotischer Durst
b) hypovolemischer Durst
ad a) osmotischer Durst:
Stoffkonzentration im Körper von Säugetieren bewegt sich um einen Set Point von 0,15 Molar. Jede Abweichung
von diesem Wert aktiviert einen Mechanismus
Dahinter stehendes Prinzip ist der osmotische Druck:
= Kraft, mit der eine Lösung ihr Wasser hält und Wasser aus einer angrenzenden Lösung anzieht durch
eine semipermeable Membran (d.i. eine Membran, die nur von Wasser, nicht aber von anderen Stoffen
passiert werden kann)
Körper scheidet konzentrierten Urin aus (= Stoffe abbauen) und trinkt mehr (= Wasser zum Verdünnen
aufnehmen) -> osmotischer Durst (entsteht, wenn hohe Stoffkonzentration außerhalb der Zellen Wasser aus den
Zellen abzieht)
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Experiment:
Man spritzt Natriumchlorid-Lösung ins Blut -> den Körperzellen wird Wasser entzogen -> zunehmender
Durst.
Areal, das für die Wahrnehmung des osmotischen Dursts zuständig ist:
* Rund um den 3. Ventrikel liegen spezialisierte Neuronen, um den Druck festzustellen.
* Werden als OVLT bezeichnet (= organum vasculosum laminae terminalis).
* Dieses Areal ist nicht durch die Blut-Hirn-Schranke geschützt -> im Blut befindliche Chemikalien
können aufgespürt werden und ins Hirn gelangen.
* Die Neuronen im OVLT geben Info an den Hypothalamus weiter, z.B. an den Suprachiasmatischen
Nucleus und den paraventriculären Nucleus. Hier wird Vasopressinfreisetzung kontrolliert
(Vasopressin = verantwortlich für Blutdruckregulation und Urinkonzentration)
* Neuronen des OVLT geben auch Info an laterales präoptisches Areal (= verantwortlich für WasserSuchverhalten
Bei Läsion des lateralen präoptischen Areals: das Lebewesen verhält sich so, als ob es Wasser
verabscheuen würde, ähnlich einem Wüstenbewohner.
ad 2) hypovolemischer Durst:
* Blut braucht einen bestimmten Blutdruck, um den Körper optimal versorgen zu können. Ist er zu gering,
dann kann es lebenswichtige Stoffe nicht ausreichend transportieren -> man spürt hypovolemischen
Durst.
* Auch, wenn zu wenig Salze / Nahrung zugeführt wird.
* Bei größerem Blutverlust: Das kann passieren bei inneren Blutungen, bei Menstruation, Geburt, ... (mit der
Flüssigkeit gehen dann auch Nährstoffe verloren. Man zieht in diesem Fall salzhältiges Wasser vor)
Wie kann man hypovolemischen Durst untersuchen?
-> nicht, indem man einfach dem VT Blut abzapft, denn bei schnellem Blutverlust -> Schockzustand.
-> sondern: durch Injizieren von Polyethylen-Glykol unter die Haut -> Flüssigkeit bleibt hier
stundenlang und entzieht von hier aus dem Blut Flüssigkeit. Nach erfolgter Reduktion des
Blutvolumens auf diese Art -> VT beginnt verstärkt zu trinken. Trinkt aber größere Mengen
von Wasser mit Salzen (bei Wahlmöglichkeit zwischen reinem und gesalzenem Wasser,
wird es letzteres vorziehen) -> damit eine Mischung, die dem Blut ähnelt, produziert werden
kann
Die Mechanismen des hypovolemischen Dursts:
Körper hat zwei Möglichkeiten, um Blutverlust festzustellen.
a) Barorezeptoren: sie liegen an den großen Blutgefäßen, die zum Herzen zurückführen (Venen), und
geben Info an hypothalamische Areale, die das Trinken verstärken
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b) Hormone: die Nieren merken Veränderung und schütten daraufhin Renin aus:
es wird gespalten in Angiotensin: = Angiotensin I: dieses wird durch Enzyme zu
Angiotensin II -> veranlaßt Blutgefäße zu kontrahieren -> Blutdruck wird angehoben
(Blutdruckabfall infolge Blutverlusts wird so ausgeglichen)
Wenn Angiotensin II mit Blut ins Hirn kommt, dann stimuliert es das subfornikale
Organ, das wie das OVLT anschließend an den 3. Hirnventrikel und außerhalb der BlutHirn-Schranke liegt, und so das Blut direkt überwachen kann.
Es gibt Infos weiter an einen Teil des präoptischen Areals im Hypothalamus, der
wiederum das Trinken auslöst.
Injizieren einer Substanz, die Angiotensin II- Rezeptoren blockiert -> Inhibition des
Trinkens. Daher: Angiotensin im Gehirn ruft bestimmten Arten des Dursts hervor.
Barorezeptoren und Hormone haben synergetischen Effekt. Ihre kombinierte Wirkung ist besser
als nur das Doppelte eines einzigen Mechanismus -> d.h. es braucht weniger Angiotensin, um Durst zu
erzeugen, wenn auch die Barorezeptoren niedrigen Blutdruck anzeigen
Salz - Hunger
* Viele Leute müssen Salzaufnahme reduzieren wegen Bluthochdrucks.
übermäßiger Salzkonsum = schädlich, aber bestimmtes Maß an Salz = lebensnotwendig.
* Nach dem Verlust von Natrium (u.a. gelösten Stoffen) durch Blutverlust
-> Hunger nach Salzigem + hypovolemischer Durst -> dieser Hunger entsteht automatisch.
* Tiere mit Natriummangel zeigen gesteigertes Bedürfnis nach salzig schmeckenden Lösungen, sogar nach
solchen, die Lithium-Salze (= giftig!) enthalten.
* Salz-Hunger ist einzige Form der Begierde, die dann auftritt, sobald es tatsächlich einen Bedarf gibt!
(ist ein Beispiel für einen exakt homöstatischen Prozeß).
Anders verhält es sich beim Hunger nach Vitaminen sowie Mineralstoffen. Dieser wird durch Versuch
und Irrtum gelernt (Man hat zwar die Begierde, etwas Salziges zu essen, aber nicht etwas Vitamin A Hältiges!)
* Salz-Hunger ist stark hormonabhängig:
wenn Salzreserven zu klein sind -> Adrenalindrüsen (Nebennierenrinde) schütten Hormon Aldosteron aus
-> bewirkt, daß die Nieren beim Urinieren Salze zurückhalten
Aldosteron wirkt auch auf OVLT und andere Areale rund um den 3. Hirnventrikel -> fördert Verlangen
nach salzigem Geschmack.
Auch Körper reagiert auf zu geringe Salzreserven. Blut wird mit Angiotensin II angereichert -> bewirkt Durst
und Salz-Hunger im Gehirn (im mittleren Mandelkern)
Aldosteron und Angiotensin sind wieder synergetisch wirksam -> wahrscheinlich weil sie auf verschiedene
Teile des Gehirns wirken; gemeinsam sind sie weit effektiver als eines allein
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ausgelöst:
osmotischer Durst
hypovolemischer Durst
hohe Salzkonzentration außerhalb
der Zellen, daher Wasser aus Zellen
abgezogen
Trinken von Wasser
geringes Blutvolumen
am besten
gestillt:
verantwortlich: OVLT (= Gehirnareal neben dem
3. Ventrikel
Salzwasser oder salzhältiges
Wasser
1. Barorezeptoren (messen
Blutfluß zum Herzen)
2. subfornikales Organ
(= Gehirnareal neben 3. Ventrikel)
C) HUNGER
Obwohl wir nie wissen, was worin enthalten ist und obwohl wir unterschiedliche Mengen von Nahrungsmitteln
bekommen, müssen wir uns ausgewogen ernähren, um optimal versorgt zu sein. Das beutet für unser
Verdauungssystem eine große Aufgabe.
Z.B. Je mehr Kohlehydrate wir essen, umso mehr Thiamin (= Vitamin B1 brauchen wir.
1. DAS VERDAUUNGSSYSTEM UND DIE NAHRUNGSAUSWAHL
Funktion des Verdauungstrakts: große Moleküle müssen in kleine zerlegt werden.
Weg der Verdauung:
Mund:
durch Speichel -> Kohlehydratzerlegung (durch Enzyme im Speichel)
Speiseröhre / Magen:
hier findet die Proteinzerlegung am effektivsten statt (durch Salzsäure und diverse
Enzyme). Magen ist gleichzeitig ein Aufbewahrungsraum
Zwischen Magen und Dünndarm = Ringmuskel, der sich periodisch öffnet
Dünndarm:
Proteine, Fette, Kohlehydrate werden hier mit Hilfe von Enzymen zerlegt, und es
werden Stoffe ins Blut absorbiert (Durch die Wände von Speiseröhre und Magen
wird nur wenig absorbiert).
Ist zuviel dieser Stoffe im Blut -> Speicherung als Fett
Bei Bedarf Rückverwandlung des Fetts in Glukose und Abgabe ins Blut. Glukose =
primärer Körpertreibstoff!
Dickdarm:
absorbiert Wasser und Mineralstoffe; übriggebliebene Reste werden mit Gleitmittel
angereichert -> Exkremente
Wie der Verdauungsapparat die Nahrungsauswahl beeinflußt
Neugeborene Säugetiere leben ausschließlich von Muttermilch
Grund für Ende des Säugens: Milch trocknet aus, Mutter verstößt Kinder
Ab einem gewissen Alter verlieren Säugetiere die Fähigkeit, Laktose (= Milchzucker) zu zerlegen. Es fehlt dann
das Enzym Laktase -> Milchgenuß führt nun zu Magenkrämpfen, Unwohlsein, etc.
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Laktosetoleranz bei Erwachsenen:
Erwachsene konsumieren Milch und Milchprodukte (Käse, Eis, usw.) - weltweit kann Mehrheit der
Leute größere Mengen davon aber nicht vertragen.
Grund = rezessives Gen (2/3 der Bevölkerung haben daher geringe Laktosetoleranz).
1/3 hat keine Probleme mit dem täglichen Verzehr von Milch und Milchprodukten; va. nicht Menschen
aus Europa (bes. Skandinavier!)
-> vgl. chinesische, thailändische, japanische u.a. ostasiatische Küchen verwenden üblicherweise keinen
Käse oder Molkereiprodukte
Mensch kann im Vergleich mit anderen Säugern als Ausnahme gelten!
Andere Einflüsse auf die Nahrungsauswahl
* Fleischfresser (Carnivoren) haben es verhältnismäßig leicht - fressen einfach jedes Tier, das ihnen vor die
Fänge kommt
* Pflanzen- und Allesfresser (Herbivoren, Omnivoren) müssen zwischen genießbar und ungenießbar
unterscheiden.
Möglichkeiten zwischen Eßbarem und Nichteßbarem zu unterscheiden:
1. Lernen von den Eltern (Mensch und Tier)
2. Geschmack entscheidet: Präferenz für süße Sachen - enthalten meist Kohlehydrate; bittere Sachen
sind häufig giftig; bei Salzmangel -> Salzhunger
3. Bekanntes oder dem Bekannten Ähnliches wird gesucht -> Bekanntes = ungefährlich;
Unbekanntes könnte gefährlich sein
4. Konsequenzen beobachten: wenn einem schlecht wird, dann wird man etwas nicht mehr essen; auch
unterscheidet man, ob etwas sättigend ist oder nicht -> Erfahrung
* Tiere ziehen Nahrung, die Zucker enthält, saccharinhältiger vor -> ist nahrhafter!
* Bei etwas, das man noch nie gegessen hat -> oft schmeckt es nicht beim ersten Mal (vgl. Kaffee)
2. Physiologische Mechanismen von Hunger und Sattsein
* Neugeborene Ratten: trinken soviel Muttermilch, bis Milch in der Speiseröhre steht -> hören auf zu trinken,
weil sie sonst nicht mehr atmen könnten (= Regulation!)
* Bären fressen mehr als sie können; fressen fast alles -> Vorfressen für Zeiten mit wenig Nahrung
* Mensch: normalerweise ißt er einzelne Mahlzeiten (vgl. Pferd muß dauergrasen) ; etwas in uns sagt uns, wann
wir etwas brauchen und wann wir zu essen aufhören sollen. Hier greifen mehrere Mechanismen
ineinander -> wenn einer ausfällt, macht dies ein anderer wett.
aber: viele essen weit mehr als sie brauchen -> Diäten!
und: Diäten können weitere Probleme verursachen!
Orale Faktoren:
Menschen essen teilweise, weil es ihnen einfach schmeckt.
Versuch: Freiwillige VPn (Studenten) wurden über Schlauch in die Speise Röhre ernährt, bekamen Essen, ohne
es zu schmecken (5 Tage lang)
-> es kommt der Wunsch etwas zu beißen oder zu schmecken.
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Ratte: vor dem Fressen wird Nahrung mit der Schnauze abgetastet -> taktile Erlebnisse kommen über den
Trigeminus Nerv (= 5. Cranialnerv) zum Gehirn. Wird dieser Nerv zerschnitten, dann tastet und beißt die
Ratte weniger und verliert zusätzlich auch die Freßmotivation durch den Verlust des Gefühls im Mund
Schein-Fütterungs-Experimente:
VT schluckt; Nahrung wird aber aus Speiseröhre abgesogen und erreicht nicht den Magen
-> VT frißt ein Vielfaches als bei normaler Fütterung
Magenstimulation:
Experiment: Sättigungsgefühl, obwohl Nahrung nicht weiter als bis in den Magen kommt
-> Magen gibt also Signal. (Passage vom Magen zum Zwölffingerdarm wurde unterbrochen)
Es kommt aber darauf an, um welche Nahrung es sich handelt -> man kann nach einem
Grillabend zum Bersten voll sein und würde sich keinen Bissen Fleisch mehr nehmen, für eine
Nachspeise gibt es aber trotzdem noch Platz...
a) nieder kalorische Nahrungsmittel: gehen flott durch den Magen, machen auch rasch wieder Platz für Neues!
b) hoch kalorische Nahrungsmittel: Magen leert sich nicht so schnell
Vagus Nerv: überwacht Dehnung der Magenwand und gibt Infos ans Gehirn weiter
(bei Schädigung -> Überfressen bis zum Platzen!)
Eingeweide-Nerv (= Splanchnik-Nerv): gibt Auskunft über Nahrungsmittelinhalt (Nährstoffgehalt). Vom
Thoral- und Lumbalsegment des Rückenmarks an die
Verdauungsorgane)
Für Übergewichtige: Ballons im Magen (operativ eingesetzt) sind nicht wirklich zufriedenstellend, da sich
Magen einige Zeit nach ihrer Entfernung wieder ausdehnt!
Der Zwölffingerdarm (= Duodenum) und das Hormon CCK (Cholecystokinin):
Zwölffingerdarm = 1. Abschnitt des Dünndarms gleich nach dem Magen.
Er ist die erste Einheit des Darms, die eine nennenswerte Menge an Nahrung absorbiert.
Gelangt feste Substanz hierher -> VT hört zu fressen auf.
CCK: wird vom Zwölffingerdarm als Enzym verwendet, vom Gehirn als Neurotransmitter.
CCK schließt den Ringmuskel (= Sphinkter) am Ausgang des Magens zum Duodenum.
Nahrung kommt vom Magen -> CCK-Ausstoß -> Ringmuskel zu -> Entleerung des Magens wird
verhindert und so kann es zur Dehnung der Magenwand kommen.
CCK-Ausstoß erzeugt Sättigungsgefühl. Je mehr freigesetzt wird, desto kleiner ist die Mahlzeit.
Blutglukose:
MAYER (1953): Blutglukose = wichtigster Stoff für das Funktionieren;
kann aus Fetten, Proteinen und Kohlehydraten gewonnen werden und
ungehindert die Blut-Hirn-Schranke passieren
Verdautes Essen kommt ins Blut in Form von Glukose, ist wichtigster Treibstoff für das Gehirn.
Glukose = primäre Basis für hungrig oder satt. Das Essen wird teilweise darüber kontrolliert, ob Glukose für
Körperzellen erreichbar ist.
* Wenn Zellen zuwenig Glukose haben -> Hunger;
* haben Zellen genug -> Sättigung
Künstliche Erhöhung der Blutglukose -> Fressen nimmt ab;
Substanz, die Glukose daran hindert, in die Zellen zu gelangen, wird zugeführt -> Fressen nimmt zu.
=> Essen wird z.T. kontrolliert durch Verfügbarkeit von Glukose in den Zellen
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* Auch Fructose (passiert nicht die Blut-Hirn-Schranke, kann nicht in Glukose verwandelt werden) kann
Hunger unterdrücken.
* Auch andere Nährstoffe können dies.
Glukosespiegel im Blut ändert sich unter normalen Bedingungen nur wenig;
während längerer Fastenperiode wandelt Leber gespeichertes Glykogen, Fette und Proteine in Glukose um.
Insulin (Hormon) -> erleichtert Eintritt von Glukose in die Zellen;
wird entweder als Energie verwendet oder als Fett oder Glykogen gespeichert
Glucagon (Schilddrüsenhormon) -> gegenteiliger Effekt: stimuliert Leber, um gespeichertes Glykogen in
Glukose zu verwandeln -> Hebung des Glukosespiegels im Blut.
Nach Mahlzeit -> Insulinspiegel steigt -> viel Glukose gelangt in die Zellen -> Appetit nimmt ab.
Mit der Zeit Absinken des Glukosespiegels -> Schilddrüse gibt Glucagon ab, drosselt Insulin -> Hungergefühl
* niedriger Insulinspiegel -> Hunger
* Hoher Insulinspiegel -> wenig Hunger
Bleibt Insulinspiegel nach Mahlzeit hoch und Glucagonspiegel niedrig -> Glukose wird weiter in Zellen
eingebaut, Leber und Fettzellen speichern es als Glykogen und Fett -> Glukosespiegel sinkt. (Ist z.B. so im Spätherbst
bei Winterschläfern und Zugvögeln -> rasche Speicherung von Glykogen und Fett, gleich wieder hungrig ->
Gewichtszunahme als Vorbereitung für futterlose Zeit).
Auch Menschen mit chronisch hohem Insulinspiegel essen viel und nehmen viel zu.
Niedriger Insulinspiegel (z.B. bei Diabetikern) -> Blutglukose bis zu 3x höher als normal, aber nur wenig gelangt in
die Zellen -> Diabetiker essen viel, verlieren aber Gewicht, weil sie die Glukose ungenützt wieder ausscheiden.
Übergewichtige produzieren mehr Insulin als Normalgewichtige -> speichern mehr Fett; haben früher wieder
Appetit.
Stoffwechsel:
Gewicht = Ergebnis von Nahrungsmittelzufuhr und Energieverbrauch.
-> Viele Übergewichtige könnten abnehmen durch ein mehr an Bewegung
Die meisten zugeführten Kalorien werden für den Grundumsatz verbraucht
-> Menschen mit hohem Grundumsatz produzieren mehr Wärme, geben sie aber an Umgebung ab
->Menschen mit niedrigem Grundumsatz produzieren weniger Wärme, speichern sie aber besser
Unterschiedlicher Grundumsatz = verantwortlich dafür, daß manche weniger essen und zunehmen, andere viel
essen und nicht zunehmen. Hängt von verschiedenen Faktoren ab (eventuell auch genetisch bedingt)
Genetische Bedingungen beeinflussen auch sehr das Körpergewicht.
Bei Diäten:
weniger Nahrungsaufnahme -> Grundumsatz wird angepaßt -> Körper nutzt weniger Nahrung effektiver
aus -> keine Abnahme, z.B. bei Diäten mit wenig Kalorien
Yo-Yo-Effekt: Diät - Zunahme - Diät - Zunahme, usw. Gewichtsverlust wird mit der Zeit immer
schwieriger!
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Nahrungsmittelspezifische Mechanismen der Sattheit
Wenn eine nahrungs- und wasserreduzierte Ratte Wasser bekommt, weiß sie erst, wieviel sie trinken muß, wenn
sie gekostet hat:
reines Wasser -> Ratte trinkt dem Durst entsprechend
Zuckerwasser -> Ratte trinkt ihrem Hunger und nicht ihrem Durst entsprechend
Saccharinwasser -> Ratte trinkt nach ihrem Hunger
Das bedeutet, daß der Geschmack entweder das Durst- oder das Hungersystem aktiviert
-> nicht nur Dehnung der Magenwand oder Blutzuckerspiegel entscheiden über die Sättigung, sondern auch der
Geschmack!
Bekommt Ratte 24 Stunden lang kein Futter -> frißt mehr, als wenn letzte Mahlzeit nur 2-3 Stunden zurückliegt.
Fazit: mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt sind besser als nur 1 Mahlzeit/Tag
3. GEHIRNMECHANISMEN DES ESSENS UND DER GEWICHTSKONTROLLE:
Zerstört man den lateralen Hypothalamus
-> Nahrungsaufnahme nimmt ab
Zerstört man den ventromedialen Hypothalamus -> Nahrungsaufnahme nimmt zu
(wurde in den 40er/50er Jahren entdeckt)
Der laterale Hypothalamus
= wichtig für Eßkontrolle
Wird dieses Areal zerstört -> Tier dreht sich angewidert weg und würde bei gutem Futter sogar verhungern. Eine
Stimulation dieses Gebiets verstärkt hingegen das komplexe Futtersuchverhalten
1. werden Zellkörper demoliert:
Fressen wird eingestellt, Aktivität und Aufgewecktheit bleiben aber fast unverändert
2. werden Dopamin-hältige Axone demoliert (z.B. durch 6-Hydroxydopamin-Injektion):
Tier frißt normal, sobald es Futter im Maul hat, jede Aktivität und Futtersuchverhalten sind aber
verschwunden
Wie hängt nun Hypothalamus mit dem Fressen zusammen?
* Axone des lateralen Hypothalamus reichen bis zum NTS (Nucleus des Tractus Solitarius) im Pons,
ein Teil dieser Strecke ist für den Geschmack zuständig. Info vom Hypothalamus verändert das
Geschmackserlebnis oder regt den Speichelfluß an
* Axone reichen auch bis in Vorderhirnstrukturen und erleichtern Schlucken und Einspeicheln
* Hypothalamus stimuliert auch die Insulinausschüttung (durch Bauchspeicheldrüse) und Magensäfte
(durch Magen)
Bei Beschädigung des lateralen Hypothalamus:
Insulinspiegel sinkt; Verdauungssäfte nehmen ab -> Probleme beim Verdauen.
Durch niedrigen Insulinspiegel -> Blutzuckerspiegel = hoch auch ohne Nahrungsaufnahme
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Mediale Areale des Hypothalamus
Großflächige Läsionen (z.B. durch Tumore in diesem Gebiet) führen zu Überessen und Gewichtszunahme; pendelt
sich dann aber auf (zu hohem) Set Point wieder ein.
Ventromedial hypothalamisches Syndrom:
Ist nicht nur ventromedialer Hypothalamus betroffen, sondern auch benachbarte Areale, inklusive
dem noradrenergen Bündel -> noch größerer Effekt
Es werden zwar normal große Mahlzeiten gegessen, dafür aber öfter als eigentlich nötig.
Gründe dafür:
* höhere Magenaktivität und Sekretion; Magen leert sich schneller als normal. Je schneller sich der
Magen leert, umso schneller wird nächste Mahlzeit eingenommen.
* Schädigung führt zu erhöhter Insulinproduktion -> höherer Prozentsatz jeder Mahlzeit wird als Fett
gespeichert. Auch wenn VT am Überfressen gehindert werden -> Gewichtszunahme
=> VT wird nicht fett, weil es sich überfrißt, sondern es überfrißt sich, weil es soviel Fett speichert, daß
zuwenig für aktuellen Bedarf übrig ist.
Paraventrikulärer Nucleus (PVN):
Zerstörung: Es wird zwar häufiger gefressen, aber wesentlich größere Mahlzeiten -> Überfressen.
=> PVN scheint wichtig fürs Beenden der Mahlzeiten zu sein
Versuche mit Ratten:
PVN = verantwortlich für 1. Mahlzeit nach dem Aufwachen (nach Beginn der Nacht) -> nehmen
Mahlzeit mit vielen Kohlehydraten; später essen sie mehr Fett und Proteine.
* Stimulation des PVN entweder durch Neurotransmitter Serotonin oder CCK (Cholecystokinin)
-> Aufnahme von Kohlehydraten nimmt ab
* Hemmung des PVN durch Neurotransmitter Norepinephrin
-> Aufnahme von Kohlehydraten nimmt zu.
* Hemmung durch Neuropeptid Y oder Polypeptid YY
-> Größe der Mahlzeiten nimmt zu
-> Fettspeicherung nimmt zu
Beide wurden auch in Verbindung mit Eßstörungen gebracht:
z.B. Frauen mit ehemaliger Bulimie haben höhere Polypeptid-YY-Spiegel in ihrer Hirnflüssigkeit
Paraventrikulärer Hypothalamus kann zur Diätauswahl und Beendigung einer Mahlzeit betragen:
* Zufuhr von Norepinephrin -> Kohlehydrataufnahme nimmt zu (ebenso Zufuhr von Hormon
Corticosteron)
* Zufuhr von Hormon Aldosteron oder Neurotransmitter Galanin -> Fettaufnahme nimmt zu
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Essen und Neurotransmitter:
Microdialyse: = Methode um Chemikalienkonzentration im Gehirn zu messen.
Mit Flüssigkeit gefüllte Röhre mit dünner Membran, durch die Chemikalien diffundieren, wird
implantiert. Membran wird mit Hirngewebe in Kontakt gebracht. Neurotransmitter diffundieren in
Röhre; Röhre wird herausgenommen und Inhalt untersucht.
Microdialyse ermöglicht die Ermittlung des Zeitpunktes, in dem die verschiedenen Areale
bestimmte Neurotransmitter ausschütten;
z.B. PVN des Hypothalamus schüttet kleine Mengen Norepinephrin meist am Anfang
und Serotonin am Ende der Mahlzeiten aus.
Größe und Häufigkeit der Mahlzeiten dürfte von der Balance oder dem Wettkampf unter den Hormonen und
Neurotransmittern abhängen.
4. INTEGRATION VON MULTIPLEN MECHANISMEN:
* Das Gehirn hält nicht bloß eine Variable nahe einem Set Point, sondern überwacht gleichzeitig Blutglukose,
Magensäfte, Zwölffingerdarm, Körpergewicht, etc.
* Somit werden zukünftige Bedürfnisse genauso vorbereitet wie laufende beantwortet werden.
* Fällt ein System aus, dann kann ein anderes ausschlaggebend sein.
* Essen = komplexes Verhalten, das von kognitiven, sozialen und physiologischen Einflüssen abhängt.
Zusammenfassung: Effekte von Läsionen in bestimmten hypothalamischen Arealen:
präoptisches Areal:
Defizite auf dem Gebiet der Temperaturregulierung
laterales präoptisches Areal:
Defizite im Trinken
lateraler Hypothalamus:
es wird zu wenig gegessen, Gewichtsverlust, geringe Insulin-Werte (wegen
Zerstörung der Zellkörper); Aktivitätsverlust, Verlust der Aufgewecktheit
(wegen Zerstörung der Axone)
ventromedialer Hypothalamus: häufiger Mahlzeiten, Gewichtszunahme, hohe Insulinwerte
paraventrikulärer Nucleus:
größere Mahlzeiten, besonders Kohlehydrataufnahme bei der ersten Mahlzeit
der aktiven Periode des Tages
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