Salz - ein kulturhistorischer und medizinischer Streifzug

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Symposium 2004
Vereinigung Zürcher Internisten
Salz - ein kulturhistorischer und
medizinischer Streifzug
Handout – stark gekürzte Fassung ( Fälle)
Dr. med. Michael Möddel
Facharzt für Innere Medizin/Nephrologie
OA Stadtspital Waid Zürich
Der Mensch braucht Salz
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Blutdruck- und Wasserregulation
Salz als Gewürz
Salz als Konservierungsmittel
Salz in der Industrie
Salz in der Viehzucht
Wieviel Wasser trinkt ein Fisch?
Süsswassserfisch
- zurückhaltenderTrinker
- osmotisch bedingter
Wassereinstrom
- grosse Urinausscheidung
Salzwassserfisch
- Trinker !
- osmotisch bedingter
Wasserabstrom
- Elimination überschüssigen Salzes über
Salzdrüsen
Fallbeispiel 1
Es hiess, dass ein Kind, das beim Kuss
auf die Stirn salzig schmeckt, „verhext“
sei und nicht lange leben werde.
Mukoviszidose
Atemwege
- hochvisköser Schleim
- Infektion und Inflammation
Sweat electrolytes
Pankreas
- exokrine und endokrine
Pankreasinsuffizienz
120
100
80
111.2 115.3
mmol/l 60
40
28.2
20
0
cystic fibrosis
Sodium
controls
Chlorid
28
Leber
- gestörter Abfluss der
Gallensekrete
- Cholezystolithiasis
- Leberzirrhose
Dünndarm
- Malabsorption
- intestinales Obstruktionssyndrom
Physiologie
Klinik und Labor
Elektrolyte , Säure-Basen und Blutgase
Springer Verlag 2002
Renale Natriumbehandlung
9%
70%
30%
Klinik und Labor
Elektrolyte , Säure-Basen und Blutgase
Springerverlag 2002
Renin-Angiotensin-AldosteronSystem (RAAS)
Physiologie
Regulation Wasser- und
Salzhaushalt
Klinik und Labor
Elektrolyte , Säure-Basen und Blutgase
Springer Verlag 2002
Fallbeispiel 2
P.K. w, 19 Jahre
JL: Dyspnoe, Thoraxschmerzen, Somnolenz
PA:nicht erhebbar
Status: AF 34, RR 100/70 mmHg, HF 113, Somnolenz, cushingoider und dysmorpher
Habitus, adipös, Dehydratationszeichen
Pathologische Laborbefunde
Serum-Natrium 166 mmol/l
Serumosmolarität 338 mosm/l
Kreatinin 107 ?mol/l
Urin: spez. Gewicht 1005 g/ml
resp. Partialinsuffizienz
EKG tachycarder SR, SIQIII -Typ
Thorax unauffällig
Fragestellungen
1. Salz- oder Wasserproblem?
2. Therapeutischer Ansatz?
3. Ursache?
Leitsymptom 1
Dyspnoe, Thoraxschmerzen
Objektivierung einer Lungenembolie
Leitsymptom 2
Somnolenz, hypertone Dehydration
Salz- oder Wasserproblem?
Hyperosmolarität (Serum) bei Dehydration
sind auf ein Wasserdefizit zurückzuführen:
Hypertone Dehydratation
0,6 x kg/KG ( Natrium gemessen - Natrium soll)
(Natrium soll)
Wasserdefizit: 6,7 L
Wasserproblem
Therapeutischer Ansatz?
freies Wasser (Glukose 5%)
Minirin® (ADH)
Ursache?
Wasserklarer Urin (300 ml/min) , Ansprechen auf ADH
Fremdanamnese: St. nach Hirn-OP, Hormonsubstitution
Patientin habe abnehmen wollen und das täglich verordnete Minirin® abgesetzt.
Diabetes insipidus centralis bei Panhypopituitarismus
St.n. Resektion eines Craniopharyngeoms
Fallbeispiel 3
Was ist los mit diesem neuen Medikament? Morgens nach dem Frühstück...,
wenn ich mit dem Fahrrad fahre, habe ich starken Harndrang, dieser Urin ist
richtig scharf...und mittags habe ich Durst ...
Fragestellungen?
1. Substanz?
2. Pharmakodynamik -kinetik?
3. Nebenwirkungen?
Brater, NEJM 1998 Vol 339
Kuhlmann, Nephrologie Thieme 1998
Fallbeispiel 4
G.L., w, 31 Jahre
Oberschwester Pflegeheim
Schwäche, Myalgien
keine Medikamente !
Status unauffällig, Natrium 126mmol,
Kalium 1,7 mmol/l, Chlorid 78 mmol/l
pH 7,62, Bicarbonat 39,5 mmol/l
Fragestellungen?
1. Salz- oder Wasserproblem
2. EKG-Veränderungen
3. Ursache der Hypokaliämie
4. Korrektur der Hypokaliämie
Hypochlorämische
metabolische Alkalose
• salzsensitive Alkalose
• renaler oder enteraler Kaliumverlust?
• Kaliumausscheidung: 46 mmol/l
• renaler Kaliumverlust
QTc 0,64 ms
Verlauf
• Rez. Hospitalisationen wegen schwerer symptomatischer
Hypokaliämie
• Plasmarenin 97,1 ? g/l/h (105,8) [ 0-8 - 2,5 ]
Plasmaaldosteron 1320 pmol/l (2448) [55-330]
• Hyperreninismus, Hyperaldosteronismus
DD
• Conn-Syndrom
• Tubulopathie
• Diuretika- / Laxantienabusus
Mechanismen der NatriumReabsorption
im Nierentubulus / Tubulopathien
Diuretika induzierte
Hypokaliämie
Salz
Hypertonie
Herzinsuffizienz
Niereninsuffizienz
Leberinsuffizienz
Salz und Hypertonie
Salzbedarf
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Mensch 2 - 7 g/d
Kalb 25 g/d
Pferd 50 g/d
Kuh 90 g/d
Salt Sensitive Hypertension?
„Almauftrieb“ von Sylvester Pidoux,
Distriktmuseum Gruyères, Bulle
Salz und Herzinsuffizienz
ANP
BNP
CNP
EF ?
Rückstau
EABV ?
RAAS ?
Sympathikus ?
Vasopressin ?
Endothelin ?
Natrium- und H2O-Retention
Blutvolumen ?
Oedeme
modifiziert nach Steffgen, Internist 1998
Brain Natriuretic Peptide
in the Management of Heart
Failure
Denus, CHEST 2004; 125:652-668
? natriuresis/diuresis
? Renin secretion
? Aldosterone
Ventricular wall
tension or stretch
BNP synthesis /
secertion
? Endothelin-1
? Norepinephrine
vasodilatation
? smooth muscle
proliferation in vessels
? myocardial fibrosis
Salz und
Niereninsuffizienz
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•
•
•
Renale Hypertonie
Hypervolämie
Schleifendiuretika
Diuretikaresistenz
erschwerte HD-/ CAPDBehandlung
• Salzzufuhr lithogen
Der Arzt, Gerald Dou 1613-1675
Salz und Leberinsuffizienz
FM = Kf (? P - ? ?)
• Hypalbuminämie
• prioritär Spironolacton
• Kombination mit
Schleifendiuretika
• Cave hepatorenales
Syndrom
Zusammenfassung
Salz ist ein Kulturgut
Bedeutung des Salzes
• Hypertonie
• Herzinsuffizienz
• Niereninsuffizienz
• Leberinsuffizienz
Ein provencalisches Diätbuch reiht salzreiches
Essen sogar unter die wichtigsten Ursachen eines
vorzeitigen Todes ein, denn, ihm komme die
gleiche Wirkung zu wie Zorn, Schmerz..., hartes
und schlecht schmeckendes Brot, saurer Wein...
und ein zänkisches Weib*.
*[zänkischer
Mann]
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