Akzente2`11

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Consumer Industries & Retail Group
Akzente
2’11
Mit Advanced Analytics
lassen sich Kundeninformationen
optimal nutzen
Mehrumsatz aus
Kundendaten
Einkauf
Global gewinnt:
Wer die weltweiten
Beschaffungsmärkte
nutzen will, braucht
kategoriespezifische
Strategien
Zukunft
Vier Megatrends
werden die wirtschaftliche Entwicklung bestimmen –
wie Sie sich darauf
einstellen können
Interview
Karl-Erivan W. Haub,
Chef der Unternehmensgruppe
Tengelmann, über
einen Handelskonzern im Wandel
Lieferkette
Langsamdrehende
Artikel können hohe
Deckungsbeiträge
bringen – wenn
die Supply Chain
optimiert wird
Social Media
Mehr Buzz gleich
mehr Umsatz: Mit
neuen Analysetools
kann das Marketing
Social Media besser
nutzen
2
Inhalt
4 McKinsey News:
Wettbewerb um Fachkräfte; Wirtschaftsfaktor Internet; Erfolgreiche
Apps entwickeln; Big Data richtig
nutzen; Vermögensverwalter im
Plus; Buchtipp: Reimagining Japan
8 Titelthema: Mit Advanced
Analytics Kundendaten
optimal nutzen
Wie Handelsunternehmen Kunden
informationen zur Steigerung von
Umsatz und Ertrag einsetzen können
16 Global gewinnt
Wer die weltweiten Beschaffungsmärkte nutzt, braucht kategoriespezifische Strategien
Titelthema: Kundendaten in Mehrumsatz verwandeln –
mit Advanced Analytics Seite 8
22 „In jeder Generation muss ein
wirklich erfolgreiches Investment
gelingen“
Interview mit Karl-Erivan W. Haub,
Chef der Unternehmensgruppe
Tengelmann
28 Erfolgsfaktoren für das
Multikanalgeschäft
Modehändler, die ihre Vertriebsschienen intelligent verzahnen,
verkaufen mehr
34 Wie Sie Zukunftstrends
bewerten und nutzen
Vier Megatrends bestimmen die
Entwicklung – wie Sie sich darauf
einstellen können
Interview: Tengelmann-Chef Karl-Erivan W. Haub über
die Herausforderung für die fünfte Generation Seite 22
40 Effiziente Supply Chains für
Langsamdreher
Mit vier Hebeln lässt sich die
Lieferkette optimieren
44 Marketing von unten
Mit neuen Analysetools lassen sich
Social Media besser nutzen
50 Die Marke ist eine bedrohte
Spezies ...
… kommentiert Christian Köhler,
Hauptgeschäftsführer des Markenverbands
52 Werkstatt
Aktuelle McKinsey-Studien
Was erwarten Mütter von Babywindeln? In Social Media
diskutieren Kunden – wie lässt sich das nutzen? Seite 44
53 Impressum
Akzente
2’11
3
Editorial
Es wächst zusammen,
was zusammengehört
Wer in Seoul U-Bahn fährt, wähnt sich unvermittelt im Lebensmittelgeschäft: An den Wänden einiger Stationen hat Home plus,
der koreanische Ableger der britischen Handelskette Tesco, mit Fotos
einen kompletten Supermarkt nachgestellt. Immer wieder bleiben
eilige Berufspendler stehen, zücken ihr Smartphone und scannen
die QR-Codes unter den abgebildeten Produkten. Und wenn sie nach
Hause kommen, wird ihnen ein Karton mit den ausgewählten Lebensmitteln an die Wohnungstür geliefert. Das Angebot kommt an, weil
die hart arbeitenden Koreaner die knappe Freizeit ungern in Supermärkten verbringen – wenn die Menschen nicht in die Läden kommen, bewegt Home plus
sein Angebot dorthin,
wo die Menschen sind.
Die Technik macht es
möglich.
Und in den USA haben
der Elektronikhändler
Best Buy sowie die Kaufhauskette Macy’s einige
Die koreanischen U-Bahn-Shopper
können Sie sich auf YouTube anschauen. Filialen mit einer Technik ausgerüstet, die
Stichwort: Home plus.
die Mobiltelefone der
Kunden zentimetergenau im Geschäft lokalisiert und dann passgenaue Werbung auf die Displays schickt. Eines ist den Beispielen
gemein: Sie illustrieren das rasante Zusammenwachsen der Vertriebskanäle. Mobil, online und stationär sind längst nicht mehr in Entweder-oder-Kategorien zu denken, erst im Zusammenspiel stiften sie
maximalen Nutzen.
Diesem Thema in seinen verschiedenen Facetten begegnen Sie in
dieser Ausgabe von Akzente gleich mehrfach: zum Beispiel im Beitrag
über die Zukunftstrends, im Artikel über das Multikanalgeschäft und
in unserem Interview mit Karl-Erivan W. Haub, Chef des Handelskonzerns Tengelmann.
Anregende Lektüre wünscht Ihnen
Klaus Behrenbeck,
Herausgeber von Akzente,
Leiter des europäischen
Konsumgüter- und
Handelssektors von
McKinsey
klaus_behrenbeck
@mckinsey.com
4
News
Wettbewerb um
die Fachkräfte
Wie Unternehmen
qualifizierte Mitarbeiter
halten und gewinnen
können.
Der demografische Wandel wird den Wettbewerb um Fachkräfte in Deutschland
spürbar verschärfen. Bis 2025 fehlen bis
zu 5 Millionen Fachkräfte,davon rund
2,4 Millionen Akademiker. Daher sollten
Unternehmen bereits heute ihre Personalplanung langfristig ausrichten und eine
klare, mit Zielkennzahlen hinterlegte Fachkräftestrategie verfolgen – nur so können
sie zukünftige Engpässe vermeiden.
Den Unternehmen bieten sich dazu
individuelle Ansätze: „Die Politik kann
bessere Rahmenbedingungen schaffen,
aber jedes Unternehmen muss seine
eigenen Chancen genau analysieren und
konsequent nutzen“, sagte der Deutschlandchef von McKinsey, Frank Mattern, als
er die neue McKinsey-Studie „Wettbewerbsfaktor Fachkräfte – Strategien für
Deutschlands Unternehmen“ im Mai in einem gemeinsamen Pressegespräch mit
Bundesministerin Ursula von der Leyen in
Berlin vorstellte. Der Studie zufolge kümmern sich die Unternehmen in Deutschland bereits heute um die Sicherung ihres
Fachkräftebedarfs. Allerdings analysieren
sie nur in Einzelfällen ihren Bedarf an
Fachkräften und die Zusammensetzung
der eigenen Belegschaft in den kommenden 10 bis 15 Jahren systematisch nach
Standorten und Anforderungsprofil. Mattern: „Dies ist aber Voraussetzung für eine
zielgerichtete Personalplanung.“
Strategien zur Fachkräftesicherung
Katrin Suder, Leiterin des Beratungsbereichs Öffentlicher Sektor bei McKinsey,
Flexible Beschäftigungsmodelle für Mütter erschließen Potenziale –
Frauen könnten die Fachkräftelücke um fast die Hälfte verkleinern.
erläuterte im Pressegespräch, welche
konkreten Maßnahmen Unternehmen zur
Verfügung stehen. Zunächst können sie
die vorhandenen Potenziale vor allem bei
Frauen und älteren Fachkräften nutzen.
„Mitarbeiterinnen besser zu fördern und
ihre Chancengleichheit sicherzustellen
ist ebenso Bestandteil einer erfolgreichen
Fachkräftestrategie wie die Vermeidung
von Frühverrentung“, sagte Katrin Suder.
Gelänge es, mehr Frauen Vollzeitarbeit zu
ermöglichen und zusätzlich die Erwerbsbeteiligung von Frauen insgesamt zu erhöhen, so könnte ein Potenzial von bis zu
2 Millionen Fachkräften aktiviert werden.
Deshalb empfiehlt die McKinseyStudie Unternehmen, flexible Modelle für
Frauen weiterzuentwickeln, beispielsweise das Instrument der Lebensarbeitszeit, oder Lösungen für Teilzeitbeschäftigte zu finden, die ihnen etwa höhere
Wochenstundenzahlen ermöglichen. Ein
Potenzial von bis zu 1,2 Millionen Fachkräften könnte zudem durch eine stärkere
Einbindung von Mitarbeitern im Alter von
über 55 Jahren aktiviert werden.
Im Kampf gegen den Fachkräftemangel können Unternehmen außerdem die
eigene Wettbewerbsposition als Arbeit-
gebermarke verbessern und Personalstandorte stärken. Die Mitarbeiterbindung lässt sich beispielsweise durch
Weiterbildung erhöhen. In Kooperationen
und Partnerschaften mit branchenübergreifenden Netzwerken lassen sich auch
weniger attraktive Standorte aufwerten.
„Dies sind vor allem Optionen für Mittelständler, die im Alleingang nicht immer
über die kritische Größe oder einen bekannten Markennamen für nachhaltige
Veränderungen verfügen“, sagte Suder.
Dem Engpass ausweichen
Schließlich können Unternehmen auch
einen Ausweg wählen und in kritischen
Bereichen ihren Fachkräftebedarf senken. Als Möglichkeit nannte Suder in diesem Handlungsfeld das Outsourcing und
die Bündelung von Aufgaben in Dienstleistungszentren. Insgesamt ist das Fazit
der McKinsey-Studie positiv: Zwar wird
der Fachkräftemangel kommen – doch
die Unternehmen können durch ihre Aktivität dafür sorgen, dass er sie nicht empfindlich trifft und auch gesamtwirtschaftlich keine nachhaltig negative Wirkung
entfaltet . Die Studie finden Sie zum
Download unter www.mckinsey.de
Akzente
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5
So entwickeln Unternehmen wirklich
erfolgreiche Apps
Wirtschaftsfaktor Internet
Eine Studie des McKinsey Global
Institute misst die Bedeutung der
Internetindustrie.
In den bedeutendsten Industrienationen
– in der G8-Gruppe sowie in Brasilien,
China, Indien, Südkorea und Schweden –
trägt das Internet im Schnitt 3,4 Prozent
zum Sozialprodukt bei. Insgesamt generiert es Umsätze, die höher liegen als das
Sozialprodukt von Spanien oder Kanada,
die Wachstumsrate liegt über der des
Boomlands Brasilien.
Die Internetnutzung korreliert mit
den Wachstumsraten
Dies sind einige Kennzahlen aus der Studie „Internet matters: The Net’s sweeping
impact on growth, jobs, and prosperity“,
die das McKinsey Global Institute gemeinsam mit der Telekommunikations- ,
Medien- und Technologie-Practice des
Beratungsunternehmens jetzt vorgestellt
hat. Kernaussage: Das Internet hat einen
kritischen Einfluss auf das Wachstum der
Volkswirtschaften – und zwar zunehmend. In den vergangenen 15 Jahren
trug das Netz in den untersuchten Volkswirtschaften rund 10 Prozent zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum bei, betrachtet man nur die letzten 5 Jahre, so
steigt dieser Wert schon auf 21 Prozent.
Auch auf Unternehmensebene wirkt sich
das Internet positiv aus. Bei 4.800 in der
Studie analysierten mittelständischen
Unternehmen brachte das Internet im
Die Umsätze der Internetwirtschaft
liegen über dem Sozialprodukt von
Kanada: Die neue Studie „Internet matters“ vom McKinsey Global Institute.
Schnitt eine Steigerung der Profitabilität
um 10 Prozent. Den größten Nutzen stiftet das Netz dabei in klassischen Industrien: Auf sie entfallen 75 Prozent des
Mehrwerts.
Je „erwachsener“ ein Land in Sachen
Internet ist – bezogen auf Internetnutzung,
Qualität der Infrastruktur und Ausgaben
für Internetkäufe – desto größer ist das
Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens.
Und für jeden Job, der wegen Effizienzgewinnen durch das Netz verloren geht,
schafft es im Schnitt 2,6 Jobs durch
das Erschließen neuer Geschäfte. Unternehmen, die das Internet voll in ihr Geschäftsmodell integriert haben, schaffen
doppelt so viele neue Jobs wie der
Durchschnitt. Die Studie lässt sich downloaden unter www.mckinsey.com/mgi
Der App Store von iTunes.
Anfang dieses Jahres lud sich ein
iPhone-Besitzer die zehnmilliardste
App auf sein Mobiltelefon – die
vielfältigen Programme sind ein Hit
in der rasant wachsenden Gemeinde der Smartphone-Besitzer. Längst
sind deshalb die Markenartikler im
App Store präsent – mit unterschiedlichem Erfolg. McKinsey und
NM Incite, das Joint Venture der
Unternehmensberatung mit dem
Marktforschungsunternehmen
Nielsen, haben jetzt die Erfolgsfaktoren für solche Apps identi¿ziert.
Apps, die eine stärkere Markenbindung zum Ziel haben, sollten auf
interaktive Produktinformationen
und spielerische Begegnungen mit
der Marke setzen. Coca-Cola
beispielsweise erzählt unter großem
Multimedia-Einsatz seine
Geschichte, Gucci gibt Liebhabern
der Marke Tipps für das stilsichere
Reisen. Mehr Umsatz bringen Apps,
die den Kaufprozess vereinfachen
oder mit attraktiven Features neue
Käufer locken. Die App des Einzelhändlers Tesco beinhaltet einen
„Store Finder“, außerdem kann
man mit ihr Barcodes scannen und
so Produkte auf die Online-Shoppingliste setzen. Manchmal offerieren Apps auch zusätzliche Dienstleistungen: Die meisten Banken
etwa haben Apps, die nicht nur
mobile Bankservices erledigen,
sondern auch den Weg zum nächstgelegenen Geldautomaten weisen.
6
News
Big Data: Wie die
Datenflut Nutzen stiftet
Unternehmen haben
2010 mehr als 7 Exabyte
neue Daten gespeichert –
doch wie wird daraus
nützliche Information?
Lokale Angebote aus der Ortung von Mobiltelefonen können
einen Nutzen von 600 Milliarden US-Dollar stiften.
Der technische Fortschritt macht es
möglich: Jedes Jahr schwillt die Datenflut weiter an, sammeln und speichern
Unternehmen, öffentliche Hand und
Privatleute mehr Informationen. Wie
sich der Datenschatz aus Big Data – definiert als große Datenmengen, die von
herkömmlichen Softwaretools nicht mehr
beherrschbar sind – heben lässt, haben
jetzt das McKinsey Global Institute (MGI)
und McKinseys Business Technology
Office untersucht.
Europas Regierungen könnten mehr
als 100 Milliarden Euro pro Jahr sparen
Die Studie entdeckt gewaltige Potenziale:
So können beispielsweise Handelsunternehmen, die ihre Datenflut richtig auswerten, ihren operativen Gewinn um bis
zu 60 Prozent steigern (siehe auch das
Thema „Advanced Analytics“ auf Seite 8).
Aber gerade auch im öffentlichen
Sektor kann die Auswertung von Big Data
großen Nutzen stiften: So könnte das
US-Gesundheitswesen jährlich einen
Wert von 300 Milliarden US-Dollar schaffen, wenn es die Daten kreativ und effektiv
einsetzt. Zwei Drittel davon würden als
reine Ersparnis anfallen. Die Gesundheitskosten der USA könnten um 8 Prozent
gesenkt werden – allein durch intelligente
Auswertung der Daten.
Auch in Europa könnten sich die Regierungen die Datenflut nutzbar machen
und so jährlich rund 100 Milliarden Euro
sparen, weil sie ihre operative Effizienz
steigern. Mögliche höhere Steuereinnahmen, weil Betrugsmöglichkeiten und
Fehlerquellen minimiert würden, sind
dabei noch nicht eingerechnet.
Auch die Verbraucher würden vom
effizienten Einsatz von Big Data profitieren: Aufbauend auf der lokalen Ortung
ihrer Mobiltelefone könnten Unternehmen
attraktive ortsspezifische Informationsund Serviceangebote entwickeln.
Big Data fördern einen neuen Typ
von Unternehmen
Die exponential wachsenden Datenmengen werden den Unternehmen, die sie am
besten zu nutzen verstehen, neue Wachstumschancen erschließen. Und sie werden ganz neue Typen von Unternehmen
schaffen, die strategisch günstig an Knotenpunkten des Informationsflusses angesiedelt sind, an denen Informationen
über Produkte, Lieferanten, Käufer und
Verbraucherwünsche zusammenfließen.
Die Studie identifiziert fünf Ansatzpunkte, um aus Big Data Nutzen zu
ziehen:
Bereichsübergreifenden Zugang
schaffen. Auch getrennt operierende Un-
ternehmensteile sollen ihre Datenschätze
nicht für sich behalten, sondern teilen.
Breiter anwenden. Organisationen
sollten die verfügbaren detaillierten
Performance-Daten von Lagerbeständen
bis hin zu Krankentagen des Personals
nutzen, um Ansatzpunkte für Verbesserungen zu finden.
Segmentieren und Angebote maßschneidern. Marketing und Risikomanagement in vielen Großunternehmen
nutzen Big Data schon intensiv, aber vor
allem der öffentliche Sektor kann davon
lernen und mit Big Data seinen Service
verbessern.
Entscheidungen durch Algorithmen
unterstützen. Intelligente, automatisierte
Analysen verbessern die Entscheidungsprozesse.
Produkte und Services verbessern.
Die Datenanalyse kann die Entwicklungsprozesse optimieren und zu innovativen
Angeboten führen.
Allerdings seien, schreiben die Autoren der Studie, noch einige Hindernisse zu
überwinden. So fehlen allein in den USA
140.000 bis 190.000 Menschen mit der
Ausbildung und den nötigen analytischen
Fähigkeiten, um Big Data in großem Stil
nutzen zu können.
Mehr: www.mckinsey.com/mgi/publications/big_data
Akzente
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7
Zurück in die
Erfolgsspur:
Reimagining Japan
Vermögensverwalter im Plus
McKinsey stellt Ergebnisse des Asset
Management Survey 2011 vor.
Die globale Asset-Management-Branche
hat sich 2010 weiter von den Folgen der
Finanzkrise erholt. Die Gesamtsumme
der weltweit verwalteten Vermögen stieg
um 7 Prozent auf rund 35 Billiarden Euro.
Doch nur 0,02 Prozent des Wachstums
entfiel auf neue Geldanlagen, berichtet
der „2011 Asset Management Economic
Survey“ von McKinsey.
Einmal im Jahr untersucht die Asset
Management Practice der Unternehmensberatung, wie sich die weltweite
Geldanlageindustrie entwickelt. Für die
Jahre seit der Finanzkrise verzeichnet der
Bericht regionale Ungleichgewichte:
Während seit 2008 neue Anlagen in Höhe
von 100 Milliarden Euro nach Lateinamerika flossen und zugleich Asien – ohne
Japan – ein Plus von 172 Milliarden Euro
verzeichnete, verlor Nordamerika 382
Milliarden Euro und Kontinentaleuropa
135 Milliarden Euro.
Gesetzliche Regulierung bringt den
indischen Markt ins Minus
Japan (plus 134 Milliarden Euro) und
Großbritannien (plus 101 Milliarden Euro)
zogen viel neues Kapital an. Am schlechtesten entwickelte sich Indien. Nach einer
gesetzlichen Regulierung sank der Wert
der verwalteten Vermögen um 12 Prozent, obwohl gleichzeitig der indische
Aktienmarkt ein Plus von 17 Prozent
verzeichnete.
Börse in Hongkong: Das größte Plus
an verwalteten Anlagen verzeichnete
Asien.
Institutionelle Anleger sorgten mit Neuanlagen in Höhe von 363 Milliarden Euro
zwischen 2008 und 2010 für Wachstum
in der Geldanlagebranche, während
private Anleger 335 Milliarden Dollar
abzogen. Weltweit verdient die Branche
wieder besser: Der durchschnittliche
operative Gewinn stieg von 9,6 Basispunkten 2009 auf 12,5 Basispunkte
im vergangenen Jahr, lag aber immer
noch weit unter dem Wert von 2007 von
16,6 Basispunkten.
„Die Studie zeigt, dass die meisten
Topverwalter Profitmarge und verwaltetes Vermögen simultan steigerten“, sagt
Martin Huber aus der Asset Management
Practice, „und sie schafften das sowohl
im Segment der privaten als auch der
institutionellen Anleger.“
„Reimagining Japan“, herausgegeben von Brian Salsberg,
Clay Chandler und Heang Chhor;
Simon & Schuster 2011
Das richtige Buch zur rechten
Zeit: Begonnen lange vor dem verheerenden Tsunami, der Japan im
Frühjahr verwüstete, beschreibt
„Reimagining Japan“ Auswege aus
der Stagnation, die das Land schon
viel früher erfasst hatte.
McKinsey lud insgesamt
80 Autoren aus der ganzen Welt –
Vorstände, Wissenschaftler, Japankenner, Journalisten, Kulturschaffende und Sportstars – ein, über
Herausforderungen und Chancen
für Japan zu schreiben. Aus Europa
meldeten sich unter anderem
Bernard Arnault, Chef des Luxuskonzerns LVMH, Peter Löscher,
Vorstandsvorsitzender von Siemens,
und Carlos Ghosn, Lenker von
Renault-Nissan, zu Wort.
Heang Chhor, ehemaliger Chef
von McKinsey in Japan, zeichnet in
einer Roadmap für die nächsten 20
Jahre detailliert den Weg zu neuer
Dynamik für das asiatische Land vor.
Wie ein roter Faden zieht sich
eine Erkenntnis durch die Beiträge
von Gastautoren und McKinseyBeratern: Wenn Japan wieder an
die alten Erfolge anknüpfen will, ist
es unabdingbar, dass sich das Land
zu mehr Offenheit gegenüber und
zu mehr Zusammenarbeit mit dem
Rest der Welt entschließt.
8
Handelsmarketing
Mit Advanced Analytics können
Händler Kundendaten optimal nutzen
Die Flut der Kundendaten überfordert viele
Handelsunternehmen. Neue Analysemethoden
helfen, die Kundeninformationen zur Steigerung
von Umsätzen, Margen und Erträgen zu nutzen.
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Einkauf mit der Kundenkarte: Jede
Transaktion hinterlässt eine Datenspur. Wie aus Daten nutzbringende
Informationen für Handelsunternehmen werden, zeigt
Advanced Analytics
von McKinsey.
10
Handelsmarketing
Von Peter Breuer, Boris Mittermüller
und Jesko Perrey
Handelsunternehmen genießen das Privileg des direkten
Kundenkontakts. Während Konsumgüterhersteller komplizierte Marktforschungsmethoden benötigen, um mehr
über ihre Käufer zu erfahren, begeben sich Händler einfach auf Spurensuche: Ob über seine Interaktionen, Bezahlvorgänge, Treuekarten oder durch Online-Feedback
– bei jedem Kontakt legt der Kunde eine Datenfährte. Seit
jeher sammeln und verarbeiten Händler diese Informationen, um die kaufentscheidenden Faktoren zu verstehen
und das unternehmerische Handeln danach auszurichten,
etwa durch optimale Preisgestaltung, maßgeschneiderte
Angebote oder kundenorientierte Sortimente.
Laut Esomar, der Dachorganisation der europäischen
Meinungs- und Marktforscher, bearbeitet beispielsweise
Wal-Mart eine Million Transaktionen pro Stunde und
füllt damit Datenbanken von über 2.500 Terabyte – dies
ist mehr als die hundertfache Kapazität der Library of
Congress, der größten Bibliothek der Welt. Rechnet man
die von Marktforschern wie Nielsen erhobenen Daten
hinzu, kommt man schnell auf den Datensatz einer Volkszählung. Allein 2009, so vermuten Marktforscher von
Amazon.com, wurden mehr Daten generiert als in den
vergangenen 2.000 Jahren zusammen; aber nur 5 Prozent davon sind strukturiert, also für IT-Systeme lesbar.
Und die Datenbestände wachsen rasant: nach Schätzungen der Marktforscher von IDC um rund 60 Prozent
jedes Jahr, vor allem wegen der immer umfangreicheren
Erfassung individueller Kundendaten (Gra¿k 1).
Diese DatenÀut ist für die Händler Segen und Fluch
zugleich. Die detaillierten Informationen sind der
Schlüssel zu den Wünschen von Millionen von Kunden
und verheißen echte Wettbewerbsvorteile. Doch wie
halten die Unternehmen Schritt, wenn die Datenwelle
immer schneller rollt? Wie werden sie aus der Fülle
von Informationen zu Kundenaufkommen, Warenkorbgrößen und Wiederholungskäufen klug, wie aus Promotion-Ergebnissen, Werbeef¿zienzraten, Controllingdaten und allgemeinen demogra¿schen Angaben?
Zugespitzter gefragt: Wie können sie Daten in aussagekräftige Informationen und damit in einen echten
Wettbewerbsvorsprung verwandeln?
Handfeste Wettbewerbsvorteile
Führenden Einzelhändlern gelingt dies, indem sie auf die
vielfach bewährten Methoden der Advanced Analytics
setzen: Sie durchleuchten mit leistungsfähigen Analyseverfahren ihre Kundendaten und nutzen die Ergebnisse
für Marketing- und Merchandisingentscheidungen.
So durchforstet Wal-Mart ganze Petabytes von Daten,
um daraus Kundenvorlieben und Kaufmuster abzulesen
sowie Produkthersteller zu Preis- und Distributionszugeständnissen zu bewegen – ein detailliertes, kostenef¿zientes Datenerfassungssystem macht’s möglich.
Dem Beispiel Wal-Marts folgen inzwischen zahlreiche
Unternehmen. Mit immer raf¿nierteren Methoden
werden große Datenmengen aus Vertriebskanälen,
Kataloggeschäft, Filialen und Online-Interaktionen bis
ins kleinste Detail ge¿ltert und analysiert. Die Nutzung
von immer kleinteiligeren Kundendaten hat einen guten
Grund: Sie versetzt die Händler in die Lage, ihre Marketing- und Merchandisingaktivitäten effektiver, sprich
erfolgreicher zu machen.
Am besten veranschaulichen einige Beispiele, wie die
Unternehmen ihren Erfolg mit Hilfe von Advanced
Analytics deutlich steigern können (Gra¿k 2, Seite 12).
Im Mittelpunkt stehen dabei zunächst wichtige Marketingmaßnahmen und -instrumente.
Mikrosegmentierung der Kunden. Nicht Segmentierung, sondern Personalisierung lautet mittlerweile
die Devise vieler Händler: Die sprunghafte Zunahme
von Daten zur Kundensegmentierung und immer ausgereiftere Analysetools ermöglichen heute die Bildung
von immer feineren Mikrosegmenten. Dabei setzen
die Händler längst nicht mehr nur auf klassische Marktforschungsergebnisse und Kau¿nformationen, sondern
erheben auch Daten zum Verhalten einzelner Kunden
(bis hin zu Clickstream-Daten aus dem Internet). Mehr
noch: Sie können diese Daten nahezu in Echtzeit abrufen und sich somit extrem schnell an Veränderungen
anpassen.
Analyse des Kundenverhaltens in der Filiale. Diese
Analysen zielen darauf ab, das Filiallayout, den Produktmix und die Regalpositionierung zu verbessern. Hierzu
können Händler heute „intelligente“ Einkaufswagen
einsetzen und die Kaufmuster ihrer Kunden nachvollziehen (etwa den Weg durch die Filiale und die Verweildauer in einzelnen Bereichen) oder mit SmartphoneApps wie „Shopkick“ Echtzeitdaten zum Kundenstandort, auch in der Filialumgebung, abrufen. Manche
Unternehmen zeichnen zudem mit einer BildanalyseSoftware, die an das Videoüberwachungssystem gekoppelt ist, Verhalten und Wege ihrer Kunden auf.
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1. Das globale Informationsvolumen nimmt exponentiell zu
Exabytes1
2.000
Prognose
Generierte Informationen
1.500
1.000
Vorhandener Speicher
500
0
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
1 Ein Exabyte = 1.000 Petabyte = eine Mio. Terabyte
Quelle: IDC
Standortbezogenes Marketing. Die zunehmende Verbreitung von Smartphones bietet den Retailern ohnehin
interessante Möglichkeiten. Denn die Geräte geben
Auskunft über den jeweiligen Standort ihrer Besitzer
und sind damit Ansatzpunkt für das neue standortbezogene Marketing. Es richtet sich an Kunden, die sich in
der Nähe von Filialen aufhalten oder sie bereits betreten
haben. Ein Modegeschäft beispielsweise kann einen
Kunden, der sich dem Laden nähert, via Handy über
Sonderangebote informieren. Das Start-up-Unternehmen PlaceCast meldet, dass mit dem PlaceCast-Produkt
„ShopAlerts“, einer standortbasierten Push-SMS-Software, mehr als die Hälfte der Empfänger zum Einkauf
animiert werden konnte. Und fast jeder zweite Smartphone-Besitzer nutzt sein Gerät bereits für den mobilen
Einkauf oder möchte dies in Zukunft tun.
Cross-Selling. Ob demogra¿sche Daten, Einkaufsverhalten oder Informationen zu Vorlieben und Filialstandort:
Ein ausgefeiltes Cross-Selling nutzt bei dem Versuch,
mehr Artikel an den Mann und die Frau zu bringen, alle
greifbaren Daten. Das beste Beispiel gibt Amazon.com:
Der Online-Händler kann mit Hilfe des so genannten
Collaborative Filtering zu jedem gekauften oder aufgerufenen Produkt personalisierte Empfehlungen für
zusätzliche Einkäufe geben. Tatsächlich wird nach Angaben des Unternehmens fast ein Drittel des Umsatzes mit
diesem Empfehlungssystem erzielt. Andere Händler
optimieren mit Advanced Analytics Filialaktionen, indem
sie Ergänzungsartikel zu Paketangeboten verknüpfen.
Sentiment-Analyse. Hier geht es darum, Kundendaten
aus sozialen Netzwerken auszuwerten und für Geschäftsentscheidungen zu nutzen. Diese „Stimmungsanalyse“
ermöglicht den Händlern, Reaktionen auf Marketingkampagnen nahezu in Echtzeit zu erfassen und die Kampagnen bei Bedarf entsprechend anzupassen. Obwohl
sich die Methode noch in der Entwicklung be¿ndet,
gehört sie schon jetzt zu den wichtigsten Internettools –
aus gutem Grund, denn die Verbraucher orientieren sich
bei ihren Kaufentscheidungen immer stärker an den
Empfehlungen oder Warnungen aus ihrer jeweiligen Bezugsgruppe. Derzeit werden neue Instrumente erprobt,
mit denen Händler Webverhalten und Entscheidungs-
12
Handelsmarketing
2. Die Bedeutung von Advanced Analytics variiert je nach Subsektor
Höchste Relevanz
Gesundheit,
Körperpflege
Allgemeine
BauHandels- stoffe,
ware
Garten
NahrungsStrecken- mittel,
händler Getränke
Bekleidung,
Accessoires
Sport,
Hobby,
Bücher,
Musik
Elektronik,
Anwendungen
Niedrigste Relevanz
Möbel,
Einrichtung
Sonstiges
Kundenmikrosegmentierung
Marketing
Analyse des
Verhaltens in
der Filiale
Standortbezogenes
Marketing
Verbessertes
Cross-Selling
SentimentAnalyse
Merchandising
Verbesserung
des Multikanalerlebnisses
Sortimentsoptimierung
Preisoptimierung
Platzierungsund Designoptimierung
Quelle: McKinsey
prozesse der Konsumenten noch besser verfolgen und
entsprechend zügiger darauf reagieren können.
Verbesserung des Multikanalerlebnisses. Das Multikanalerlebnis – also das Zusammenspiel der einzelnen
Vertriebskanäle, die zwar unterschiedliche Angebote
machen, aber doch als gemeinsame Auftritte des Unternehmens erkennbar bleiben müssen – hat erheblichen
EinÀuss sowohl auf den Umsatz als auch auf Zufriedenheit und Loyalität der Kunden. Mit Advanced Analytics
können Händler beispielsweise Promotions und Preisgestaltung miteinander verzahnen, ganz gleich, ob die
Konsumenten online, in der Filiale oder via Katalog
einkaufen. So verfügt Williams-Sonoma, ein US-Händler von luxuriösen Kochutensilien und teurem Haushaltsbedarf, über integrierte Kundendatenbanken mit
Informationen zu Einkommen, Immobilienwerten und
Kinderzahl von rund 60 Millionen Haushalten. Elektronische Mailings auf der Basis dieser Informationen
erzielen 10 bis 18 Mal höhere Response-Raten als herkömmliche Mailings. Ein weiteres Plus: Das Unternehmen kann verschiedene Katalogversionen erstellen,
zugeschnitten auf die Vorlieben und das Budget der
jeweiligen Kundengruppe.
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13
Landbewohner kaufen
anders ein als Städter: Zum
Beispiel essen sie mehr Butter.
Mit Advanced Analytics ¿nden
Händler zum richtigen
Warensortiment für ihre
Region.
Mit Advanced Analytics Sortiment, Preise und
Platzierungen optimieren
Advanced Analytics führt jedoch nicht nur zu besseren
Lösungen im Marketing. Die Datenauswertung liefert
auch Ansatzpunkte für die Optimierung des Merchandising.
Sortimentsoptimierung. Wer das Produktangebot
seiner Filialen anhand lokaler Merkmale wie Bevölkerungsstruktur und Käuferwahrnehmung optimiert,
kann seinen Umsatz und Ertrag beträchtlich steigern.
Ein führender Drogeriemarkt macht es vor: Angesichts
rückläu¿gen Wachstums ermittelte das Management
die Ursachen auf Warengruppenebene mit Verbraucherforschung, Markt- und Wettbewerbsanalysen sowie
Advanced Analytics. Daraufhin verringerten die Drogeriemärkte die Anzahl der Artikel um 17 Prozent und
erhöhten den Eigenmarkenanteil im Produktmix von
10 auf 14 Prozent. Auf diese Weise fand das Unternehmen zurück in die Erfolgsspur: Der Gewinn stieg
nach dem Umsteuern um 3, der Umsatz um 2 Prozent.
Preisoptimierung. Dank des zunehmend höheren
Detailgrads der gewonnenen Preis- und Umsatzdaten
sowie der immer präziseren Analysemethoden können
Händler auch ihre Preisgestaltung weiter optimieren.
Aus einer Vielzahl an Datenquellen werden Preisentscheidungen extrem schnell getroffen und bewertet.
Mit komplexen Nachfrage-Elastizitätsmodellen lassen
sich die Verkaufsdaten der Vergangenheit untersuchen,
um daraus Erkenntnisse für die Preisbildung auf Artikelebene sowie Höhe und Zeitpunkt von Preissenkungen
abzuleiten. Auf Basis dieser Ergebnisse können die Händler dann Promotion-Aktionen ebenso analysieren wie
die Ursachen für Umsatzsteigerungen oder die Kostentreiber in ihren Kampagnen.
Ein Lebensmitteleinzelhändler hat beispielsweise herausgefunden, dass Kunden auf dem Land mehr Butter
und Reis kaufen, so dass die Preiselastizität dieser
Produkte dort geringer ausfallen dürfte als in der Stadt.
Dort werden die Einkaufslisten eher von Müsli und
Süßigkeiten angeführt und die preisliche Schmerzschwelle für diese Produkte liegt entsprechend höher.
Platzierungs-und Designoptimierung. Erhebliches
Potenzial bieten auch eine verbesserte Produktplatzierung und -präsentation auf Grund der Analyse von
Daten zu einzelnen Artikeln. Das Prinzip ist dasselbe
wie bei Optimierungen, die sich auf Kundenverkehrsdaten stützen. So können Online-Händler ihre Webplatzierungen anhand von Daten zu Interaktionen wie
Scrollings, Clicks und Mouse-overs anpassen. eBay
hat Tausende von Experimenten durchgeführt, in denen
das Unternehmen die verschiedenen Aspekte seiner
Website untersuchte, um das Layout und andere
Merkmale – von der Navigation bis hin zur Fotogröße –
optimal zu gestalten.
14
Handelsmarketing
3. Das Konzept der Insights Factory
Geschäftsprozesse
Sortiment
Pricing
Marketing
Automatisiertes
DashboardReporting
System-/
Anwendungsintegration
Promotions
Prozessintegration
...
...
Mitarbeiter (vor Ort/offshore), Techniken, Tools
Analytics Engine
Insights
Factory
Ausschlachtung von
Informationen
Prädiktive
Analysen
Geschäftsregeln
Entscheidungshilfe
Leistungsüberwachung
Virtuelle Datenmanagementplattform
Transaktionsdaten
Datenquellen
• POS
• Internet
• Katalog
Preis-/PromoHistorie
• Promo-Historie
• OTD-Preis
• Preissenkungskalender
• Gutscheineinlösung
Marketingbibliothek
Sortimentsdaten
• Marketing• Artikelkalender
eigenschaften
• Kampagnen• Durchverkauf
unterlagen
• Kosten und
• Wurfsendungen Subventionen
• Mediengewichtungen
Kundendaten
• Loyalität
• Haushalt
Externe
Daten
• Kunden
• Wettbewerber
• Anbieter
• Wirtschaft
Quelle: McKinsey
Die Beispiele zeigen: Mit Advanced Analytics haben
Händler ein enorm wirkungsvolles Instrument in der
Hand. Es führt zu weiteren Kostensenkungen in Geschäftsbetrieb und Lieferkette sowie zu neuen Wettbewerbsvorteilen durch Marketing und Merchandising.
Zudem bildet es die Grundlage für Strategien, die auf
höhere Erträge abzielen. Einzelne Pionierunternehmen,
die dieses Instrument maximal nutzen, konnten ihre
operativen Margen um mehr als 60 Prozent steigern.
Der Einzelhandel insgesamt dürfte seine Produktivität
bei konsequenter Anwendung und Weiterentwicklung
von Advanced Analytics bis 2020 um mindestens
0,5 Prozent pro Jahr verbessern.
Hilfe beim Einstieg in Advanced Analytics
Zunächst stehen die meisten Handelsunternehmen
jedoch vor der Herausforderung, die Kundenwünsche
richtig zu verstehen und daraus einen dauerhaften
Wettbewerbsvorteil zu ziehen. Dazu brauchen sie
praktische Advanced-Analytics-Werkzeuge, die ihre
Entscheidungs¿ndung erleichtern und zur Wertschöpfung beitragen – und zwar nicht nur ein oder zwei Mal,
sondern immer wieder.
Um hier konkrete Unterstützung zu bieten, hat McKinsey das Consumer & Marketing Analytics Center (CMAC)
gegründet. Dessen Kernstück ist die Insights Factory,
Akzente
2’11
die Daten aus den unterschiedlichsten Quellen sammelt
– von Transaktionsaufzeichnungen einzelner Klienten
über Marktforschungsdaten von Agenturen bis hin zu
Social Media Feeds. Der stetig wachsende Datenbestand
wird permanent auf die Situation und die Bedürfnisse
des Einzelhandels hin analysiert (Gra¿k 3).
Weitere Module der Insights Factory sind ein geschlossenes System zum Kampagnenmanagement sowie eine
Lokalisierungs-Scorecard auf Warengruppenebene,
die Händlern dabei hilft, ihr Sortiment auf die Wünsche
eines regionalen Kundenclusters oder eines bestimmten
Stadtviertels auszurichten.
Wirklich erfolgreiche Händler gehen nicht in der DatenÀut unter, sondern werden zu Wellenreitern. Dabei
haben Kundendaten keinen Code, der nur ein einziges
Mal entschlüsselt werden muss, um für immer Wert
aus ihnen schöpfen zu können. Vielmehr erschließt ihre
Potenziale nur, wer sich kontinuierlich mit ihnen auseinandersetzt. In diesem Sinne ruht in vielen Handelsunternehmen ein ungehobener Datenschatz.
15
Kernaussagen
1. Breite und Tiefe der verfügbaren Kundendaten haben ein
neues Ausmaß erreicht und bringen viele Unternehmen an die
Grenze ihrer Möglichkeiten.
2. Führende Handelsunternehmen optimieren mit Advanced
Analytics ihr Marketing und
Merchandising – und erzielen so
spürbare Wettbewerbsvorteile.
3. Das Consumer & Marketing
Analytics Center von McKinsey
gibt Händlern praktische Tools
an die Hand, um Kundendaten
effektiver zu nutzen und ihre
Wertschöpfung nachhaltig zu
steigern.
Haben Sie Fragen oder Anregungen?
Die Autoren freuen sich auf Ihre Zuschrift.
Bitte E-Mail an: [email protected]
Autoren
1 Dr. Peter Breuer ist Partner im Kölner Büro von McKinsey. Er ist Leiter des deutschen
Konsumgüter- und Handelssektors und konzentriert sich in seiner Arbeit auf Strategieentwicklung und operative Verbesserungsprogramme.
2 Dr. Boris Mittermüller ist Berater im Kölner Büro von McKinsey. Er ist Mitglied des deutschen
Konsumgüter- und Handelssektors sowie der Marketing & Sales Practice und berät primär
Handelsunternehmen in allen operativen und strategischen Bereichen.
3 Dr. Jesko Perrey ist Partner im Düsseldorfer Büro von McKinsey. Er ist Leiter der deutschen
Marketing & Sales Practice sowie der weltweiten Branding & Marketing Spend Effectiveness Group.
16
Einkaufsorganisation
Global gewinnt
Eine globale, aber nach Kategorien differenzierte
Einkaufsorganisation bringt Wettbewerbsvorteile,
die über reine Spareffekte weit hinausgehen. Dazu
sind kategoriespezifische Strategien erforderlich.
Von Guido Baier, Gisela Linge, Michael Sohn und
Jan Wüllenweber
Ist mein Einkauf ¿t genug für die wachsenden Anforderungen der globalen Beschaffungsmärkte? Diese Frage
stellte sich ein weltweit agierender Getränkehersteller –
und die Antwort ¿el alarmierend aus. Um seine rund
40 Konzerngesellschaften zu bedienen, hatte er die
Einkaufsorganisation rund um den Erdball verteilt.
Die Qualität der Beschaffung schwankte von Region zu
Region, fehlende Transparenz führte zu Inef¿zienzen
und Abstimmungsproblemen, vor allem bei globalen
Marken. Die Einzelorganisationen waren zu klein und
die Einkäufer zu überlastet, um langfristige Strategien
zu entwickeln oder auch nur ihre Marktexpertise zu vertiefen. Gleichzeitig sah sich das Unternehmen immer
mächtigeren Lieferanten und volatilen Rohstoffpreisen
ausgesetzt.
So wie dieser Getränkekonzern sind viele Konsumgüterhersteller längst zu internationalen Unternehmen geworden, ohne dass ihre innere Organisation mit dem
Wachstum Schritt gehalten hat. Ihr Einkauf folgt vielfach noch einer Organisationslogik, nach der Wareneinkäufe nicht zentral verhandelt werden, sondern vor Ort
in den Ländergesellschaften, wo regionale Marketingund Vertriebsfunktionen das Produktportfolio auf die
jeweiligen Märkte abstimmen. Auf diese Weise gehen
wertvolle Bündelungsvorteile gegenüber Großlieferanten ebenso verloren wie Kostenvorteile aus globalen
Beschaffungsmärkten und Standardisierung.
Eine zügige Neuaufstellung des Einkaufs lohnt sich,
denn die Konsumgüterindustrie sieht sich gleich von
zwei Seiten in die Zange genommen: Discounter drücken
mit ihren Handelsmarken auf die Preise, während die
Macht vieler Lieferanten auf Grund ihrer zunehmenden
Größe und Versiertheit wächst. Darüber hinaus schmälern steigende Rohstoffpreise und die Verknappung
wichtiger Ressourcen die Margen: 2008 lag die Steigerung der Rohstoffpreise erstmals über dem allgemeinen
Preistrend und diese Entwicklung setzt sich seitdem fort.
Unternehmen müssen ihre gesamte Wertschöpfungskette unter die Lupe nehmen, wenn sie ihre Margen
nachhaltig verbessern wollen.
Ein Schlüssel zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit liegt
in einer globalisierten Beschaffung. Immerhin macht
das Einkaufsvolumen 40 bis 60 Prozent des Umsatzes in
der Konsumgüterindustrie aus – und damit den größten
Kostenblock. Die derzeit laufende McKinsey-Studie
„Global Purchasing Excellence“, in der unter anderem
die Einkaufspraxis von 53 führenden Konsumgüterunternehmen analysiert wird, verzeichnet bei Unternehmen
mit exzellenten Einkaufsorganisationen Einsparungen
von 4,9 Prozent pro Jahr. Die Gruppe der Low Performers
spart im Schnitt weniger als die Hälfte ein.
Auf der Suche nach der idealen Einkaufsstruktur
In der Praxis birgt das „going global“ im Einkauf allerdings nicht zu unterschätzende Tücken. So werden etwa
mit zu starker Zentralisierung rasch Dyssynergien geschaffen, die die Vorteile ins Gegenteil verkehren. Eine
Umfrage unter 30 Einkaufsvorständen brachte vor allem
drei Problembereiche ans Licht: Die Zentralisierung
von Produktkategorien, die lokalen Charakter haben
und entsprechende dezentrale Expertise im Einkauf
verlangen, eine zu große Distanz zur Nachfrage und die
übermäßige Komplexität und Hierarchie infolge der
globalen Strukturen.
Auch der eingangs zitierte Getränkehersteller erkannte
bald, dass eine Zentralisierung des Einkaufs zwar not-
Akzente
2’11
17
Wer konsequent global,
aber nach Kategorien
differenziert einkauft, kann
viel sparen: Exzellente
Einkaufsorganisationen
reduzieren laut einer
McKinsey-Studie die
Ausgaben im Schnitt
um 4,9 Prozent
pro Jahr.
18
Einkaufsorganisation
1. Aus der Komplexität des Lieferantenmarkts und der Bedeutung der Produktkategorie lassen sich vier Einkaufsmodelle ableiten
x
Modell 2
global
Lieferantenmarkt
Anteil am gesamten Einkaufsvolumen in %
Modell 1
Konzerneinkauf mit
lokaler Spezifikation
Konzerneinkauf
20 – 30
40 – 50
Modell 4
Lokaler Einkauf
Modell 3
Lokaler Einkauf nach
Konzernstandards
10 – 20
10 – 20
regional/lokal
konzernweit
lokal
Einkaufsvolumen und Festlegung Produktspezifikationen
Quelle: McKinsey
wendig ist, um global aufgestellten Zulieferern auf
Augenhöhe zu begegnen, es aber keine pauschale Musterlösung für alle Produktkategorien gibt. Das klassische
Lead-Buyer-Modell passt nicht mehr in die komplexer
gewordene Beschaffungswelt. Vielmehr gilt es, maßgeschneiderte Lösungen für jede einzelne Kategorie
zu ¿nden. Zentrale Auswahlkriterien sind dabei die
Komplexität des Lieferantenmarkts (Gibt es globale
Lieferanten? Existieren Handelsbarrieren? Lassen sich
die Güter über weite Strecken transportieren?) und
die innerbetriebliche Bedeutung der Produktkategorie
(Wie groß ist das Einkaufsvolumen? Welche Synergien
bestehen? Wer legt die Spezi¿kationen fest?). Anhand
dieser Kriterien lassen sich vier verschiedene Einkaufsmodelle ableiten (Gra¿k 1).
Modell 1 repräsentiert einen globalen Lieferantenmarkt, einheitliche Spezi¿kationen und ein signi¿kantes
Einkaufsvolumen. Für diese Güter sollte die Strategie
zentral entwickelt und ausgeführt werden, die Produktspezi¿kationen sind zu standardisieren. Modell 2
verfügt über einen globalen Lieferantenmarkt, doch Einkaufsvolumen oder einheitliche Produktspezi¿kationen
spielen hier eine untergeordnete Rolle. Die Güter werden zwar zentral beschafft, von einer Standardisierung
der eingekauften Produkte wird jedoch abgesehen. Die
Modelle 3 und 4 sind eher lokal geprägt, wobei die örtliche Beschaffung im Modell 3 nach zentralen Standards
erfolgt. Bei dem Getränkehersteller aus dem Eingangsbeispiel fanden sich mehr als 70 Prozent des Einkaufsvolumens in den Modellen 1 und 2, was der Situation
vieler Konsumgüterhersteller entspricht.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor für globale Einkaufsorganisationen ist die funktionsübergreifende Entscheidungs¿ndung mit einem klar de¿nierten Eskalationsprozess
(Gra¿k 2). Dabei entwickeln zunächst die Einkaufsteams
der jeweiligen Produktgruppe Strategien, die dann in
regionalen oder globalen Kategoriekomitees diskutiert
werden. Diesen Gremien gehören neben den Kategorieleitern aus dem Einkauf je nach Bedarf auch Spezialisten
aus Produktentwicklung, Vertrieb, Marketing oder Con-
Akzente
2’11
19
2. Funktionsübergreifende Gremien optimieren die Entscheidungsfindung
Globales Einkaufskomitee
• Leiter Einkauf
• Leiter Forschung und
Entwicklung
• Leiter Marketing
• Leiter Produktion
• Regionaler/Globaler
Kategorieleiter
• Experten bei Bedarf
Regionales Kategoriekomitee
Globales Kategoriekomitee
• Regionaler Kategorieleiter
• Globaler Kategorieleiter
Entscheidungs- und
Strategiekomitee
Einkauf – konzernweit
Kategoriespezifische
Entscheidungsinstanz – konzernweit
• Technische Kategorieexperten
• Marketingexperten
• Controllingexperten
• Evtl. weitere Spezialisten
Regionale Einkaufsteams
Globale Einkaufsteams
• Regionaler Kategorieleiter
• Lokale Einkäufer
• Globaler Kategorieleiter
• Globale Einkäufer
Kategoriespezifische
Strategietreiber und
funktionsübergreifende Arbeitsteams –
konzernweit/regional
Quelle: McKinsey
trolling an. Hier werden in der Regel alle Einkaufsentscheidungen gefällt. Im Fall des Getränkeherstellers entwickelt beispielsweise das zentrale Einkaufsteam für
Verpackungsmaterial die globale Strategie für die Glasbeschaffung. Unter anderem ermittelt es, wer zurzeit
die wichtigsten Lieferanten sind und welche neuen aufgebaut werden sollen. Diese Strategie und die daraus
resultierenden Beschaffungsentscheidungen werden
dann in dem für Verpackung zuständigen globalen Einkaufskomitee diskutiert, wenn nötig modi¿ziert und
verabschiedet. Sollte auf dieser Ebene keine Einigung
erzielt werden können, etwa weil die Produktion mit
der Lieferantenauswahl aus logistischen Gründen nicht
einverstanden ist, so wird als oberste Instanz das globale
Einkaufskomitee unterhalb der Vorstandsebene angerufen. Dieses Gremium sollte auch die wichtigsten Einkaufsentscheidungen verabschieden, also Entscheidungen,
die ein kritisches Beschaffungsvolumen überschreiten,
das Risikopro¿l des Unternehmens signi¿kant beeinÀussen oder substanzielle strategische Auswirkungen
haben (etwa Entscheidungen zu Lieferantenintegration,
Single Sourcing).
Der Weg zur globalen Beschaffung
Im zweiten Schritt geht um die Umsetzung der Entscheidungen für ein Einkaufsmodell in Prozesse. Grundsätzlich gilt: Wird der globale Einkauf einer Kategorie beschlossen, dürfen einzelne Ländergesellschaften nicht
ausscheren. Sollte sich herausstellen, dass der Zentraleinkauf vorteilhaft für den Konzern ist, aber nachteilig
für einzelne Gesellschaften, sind Ausgleichsregelungen
zu treffen, etwa in Form von Anpassungen der Leistungsziele und Budgets oder von entsprechenden
Kompensationszahlungen. Die richtige Reihenfolge der
Umsetzung ist ein weiterer Erfolgsfaktor für gelungene
Einkaufstransformationen (Gra¿k 3). Oft beginnen Un-
20
Einkaufsorganisation
3. Erfolgreiche Einkaufstransformationen heben sich den Strukturwandel für
den Schluss auf
Wandel der
Organisationsstruktur
Erfolgsfaktoren bei der
Organisationsänderung
Viele Unternehmen
ändern die Organisation
zu früh – und scheitern
Institutionalisierung der
neuen Arbeitsweise
Einführung
der neuen
Organisation
Nachweis der
Machbarkeit
Erfolgreiche
Pilotprojekte
• „Stellen Sie den Erfolg
unter Beweis“ – Zu
Beginn starker Fokus
auf Einsparpotenzial mit
kleiner, effektiver Projektorganisation
• „Institutionalisieren
Sie die neue Arbeitsweise“ – Mit fortschreitendem Roll-out und
wachsendem Veränderungswillen sukzessiver
Aufbau der globalen
Einkaufsorganisation
• „Bauen Sie die neue
Einkaufsorganisation
stufenweise auf“ –
Strukturen folgen den
Potenzialen
Heben des Potenzials
über mehrere Wellen
Frühe Einbeziehung der Entscheidungsträger
Zeit
Quelle: McKinsey
ternehmen mit der Umstrukturierung, bevor der Boden
für den Veränderungsprozess bereitet ist. Tatsächlich
aber bringt es nichts, eine Organisation zu bauen, die von
niemandem aktiv gestaltet und gelebt wird.
Sehr viel erfolgversprechender ist ein mehrstu¿ges Vorgehen: Leuchtturmprojekte in ausgewählten Kategorien
zeigen Einsparpotenziale und Prozessverbesserungen
auf und fördern damit die Veränderungsbereitschaft im
Unternehmen. Zudem decken sie gleich zu Beginn Fehlkonstruktionen auf und ermöglichen rechtzeitiges Gegensteuern. Dies gilt vor allem auch für weiche Faktoren,
die in Veränderungsprozessen oft unterschätzt werden,
zum Beispiel unzureichende Kapazitäten, der falsche
Mann am falschen Ort oder übergangene wichtige Entscheidungsträger aus anderen Funktionsbereichen. Erst
nach erfolgreichem Abschluss der Pilotphase folgt die
Anpassung der Organisationsstrukturen und -prozesse.
Die Skala der Aufgaben reicht von neuen hierarchischen
Zuordnungen über verbindliche Abstimmungsprozesse
zwischen zentralen und lokalen Einkäufern bis zur Differenzierung der Stellenbeschreibungen in strategische
und operative Einkaufstätigkeiten. Begleitet werden die
Anpassungen von einem konsequenten Auf- und Ausbau
der benötigten Fähigkeiten der Einkäufer.
Zentralisierung als Wettbewerbsfaktor
Der eingangs beschriebene Getränkehersteller hat
seinen Weg zur globalisierten Beschaffung erfolgreich
zurückgelegt. Seine neue Einkaufsorganisation ist heute
in sämtlichen Schlüsselregionen vertreten und bedient
weltweit alle Konzerngesellschaften, basierend auf
einem globalen Kooperationsmodell. Die strategische
Beschaffung folgt einheitlichen Entscheidungsprozes-
Akzente
2’11
sen, bei denen der operationale Einkauf überwiegend lokal verankert ist, während die übergeordnete
Strategie von Kategoriemanagern in der Zentrale
festgelegt wird.
Eine globalisierte Einkaufsorganisation wie diese
bietet Unternehmen gleich mehrere Vorteile: Sie
schafft Preistransparenz über Regionen und Zulieferer hinweg. Sie nutzt die Einkaufsressourcen optimal und erzielt signi¿kante Kosteneinsparungen
durch die Reduktion der Komplexität, einheitlichere
Produktspezi¿kationen und die resultierende stärkere Bündelung von Einkaufsvolumina. Darüber
hinaus ermöglicht sie ein transparentes, integriertes
Risikomanagement, auch um der hohen Preisvolatilität bei Rohstoffen wirksam zu begegnen. Und
durch den weltweiten Austausch von Best Practices
zieht sie last but not least Einkaufstalente an.
21
Kernaussagen
1. Konsumgüterhersteller
brauchen einen globalisierten
Einkauf, um sich gegen weltweit
agierende Lieferanten und wachsende Handelsmacht wirksam zu
behaupten.
2. Ein starker Einkauf richtet
seine Organisation und Prozesse
an den Komplexitätsanforderungen des Produktportfolios aus.
3. Eine erfolgreiche Neuorganisation schafft Veränderungswillen
durch Pilotierung in Leuchtturmprojekten, bevor sie den Wandel
auf breiter Ebene vollzieht.
Haben Sie Fragen oder Anmerkungen?
Die Autoren freuen sich auf Ihre Zuschrift.
Bitte E-Mail an: [email protected]
oder [email protected]
Autoren
1 Guido Baier ist Partner im McKinsey-Büro Abu Dhabi und leitet die Purchasing in Packaged
Goods Service Line von McKinsey. Sein Beratungsschwerpunkt liegt auf Einkaufstransformationen.
2 Dr. Gisela Linge ist Beraterin im Hamburger Büro von McKinsey und berät Unternehmen zu
Einkaufsfragen, vorwiegend in der Konsumgüterindustrie.
3 Michael Sohn ist Berater im Hamburger Büro von McKinsey mit Fokus auf Einkaufsprojekten im
Einzelhandel und in der Konsumgüterindustrie; zuvor war er acht Jahre im Einkauf bei Unilever tätig.
4 Dr. Jan Wüllenweber ist Partner im Kölner Büro und leitet die globale Purchasing Practice
von McKinsey. Er berät Unternehmen der Konsumgüter- und der Automobilindustrie zu Fragen der
Einkaufstransformation.
22
Interview
„In jeder Generation muss ein wirklich
erfolgreiches Investment gelingen“
Karl-Erivan W. Haub leitet in fünfter Generation die
Unternehmensgruppe Tengelmann. Im Interview
erklärt er, wie er das Handelsimperium für die nächste
Generation fit macht.
Vor der Tür grüßt die gemütliche Kaffeekanne aus dem
Signet der Kaiser’s-Geschäfte, im Erdgeschoss ist der
erste Tengelmann-Laden nachgebaut und an den Wänden der langen Korridore hängen Bilder der Ahnen: In
der Mülheimer Zentrale der Tengelmann Warenhandelsgesellschaft sind 144 Jahre Familiengeschichte auf Schritt
und Tritt präsent. In fünfter Generation führt Karl-Erivan
W. Haub das Einzelhandelsimperium durch turbulente
Zeiten: Nach einer veritablen Krise Ende der 90er Jahre
hat er das Unternehmen neu aufgestellt. Der Discounter
Plus und die Drogeriemärkte von kd sind verkauft, die
Zahl der Kaiser’s- und Tengelmann-Supermärkte ist
dezimiert. Das hat die Umsätze halbiert, das Eigenkapital
aber gestärkt und die Pro¿tabilität gesteigert. Im Interview mit Akzente schildert Karl-Erivan W. Haub, wie er
das Handelshaus wieder auf Wachstumskurs bringen will.
Akzente: Herr Haub, wie steuern Sie die Gruppe
wieder auf Wachstumskurs ?
Haub: Im vergangenen Jahrzehnt haben wir
die Basis für eine erfolgreiche Entwicklung
gelegt. Unsere Gruppe ist heute deutlich
kleiner, wir glauben aber auch: feiner als
zur Jahrtausendwende. Als Familienunternehmen messen wir uns nicht am
Umsatz, sondern an der Qualität:
Akzente
2’11
23
„Als Familienunternehmen
messen wir uns nicht am Umsatz,
sondern an der Qualität“:
Karl-Erivan W. Haub
im Akzente-Interview.
24
Interview
Wir haben die Eigenkapitalquote von unter 10 auf heute
37 Prozent gesteigert und steuern auf gutem Kurs.
Wir haben seit Beginn des Jahrtausends kein Jahr mit
Verlust abgeschlossen. Dabei haben wir uns eine neue
Struktur gegeben. Früher hielten wir entweder 100 Prozent, zumindest aber die Mehrheit an unseren Unternehmen, heute halten wir neben unseren eigenen 10,5 Milliarden Euro Umsatz Minderheitsbeteiligungen mit rund
11 Milliarden Euro Umsatz. Dazu verwalten wir ein großes Immobilienvermögen, vor allem 360 Immobilien,
die wir aus dem Plus-Verkauf behalten haben.
Akzente: Neuerdings investieren Sie in Beteiligungen
an Internet¿rmen. Mit Erfolg?
Haub: Wir engagieren uns hier seit zwei Jahren. Anfangs
fühlte ich mich dabei in der Tat wie ein Azubi. Hätten wir
nicht unsere Kinder, die uns mit dieser Welt zu Hause
immer wieder konfrontiert haben, wäre ich in dem Thema nicht so schnell angekommen. Ich halte das InternetBusiness heute für einen Megatrend, sicher auch weil
die Technik so fortgeschritten ist, dass die Bedienung
wirklich komfortabel und einfach ist. Jetzt ist nicht nur
die Jugend im Netz unterwegs, sondern beispielsweise
auch meine Mutter mit ihren 77 Jahren.
Akzente: Was können Sie von Ihrem Know-how als
stationärer Händler auch im Internet anwenden?
Haub: Start-up-Unternehmen verbinden sich gern mit
uns, weil sie wissen, dass wir Endkundenerfahrung
Freche Werbung, rasantes
Wachstum: Die Beteiligung
am Internetschuhhändler
Zalando bereitet Tengelmann viel Freude.
haben. Finanzinvestoren können das nicht bieten. Uns
fasziniert umgekehrt, wie viel man im Netz über seine
Kunden erfährt – im stationären Geschäft wissen wir
über den Einzelnen ja gar nichts. Wir können ihn nicht
ansprechen, wenn er längere Zeit nicht ins Geschäft
gekommen ist, wir können ihm keine Empfehlungen
aussprechen, wie es beispielsweise Amazon tut: „Andere
Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, haben auch
XY gekauft“. Es gibt über diese Interneterfahrungen eine
interessante Feedbackschleife ins stationäre Geschäft.
Häu¿g fragen wir uns jetzt: Was würde Google in dieser
Situation tun?
Akzente: Wie wenden Sie das Gelernte an?
Haub: Unter anderem haben wir eine eigene Agentur
gegründet, Tengelmann New Media, die zunächst in
unseren Unternehmen, seit einiger Zeit aber auch extern
ihre Beratung in Sachen Internet-Business anbietet.
Da gibt es eine Klientel, die gern diese Dienstleistung in
Anspruch nimmt. Warum? Weil wir aus dem Handel
kommen. Diese Kunden sagen: Andere Agenturen sind
vielleicht super in Sachen Technologie, aber wir müssen
denen erst erklären, wie der Handel funktioniert und
was wir brauchen. Das wissen wir natürlich. Und wir
beraten da gern, weil wir dabei immer wieder neue Kontakte zu gleich gelagerten Unternehmen bekommen.
Übrigens haben wir auch unsere Revision in eine eigene
Auditgesellschaft ausgegründet. Weil jedes Internetunternehmen, an dem wir uns beteiligen, zum Start
Akzente
2’11
25
„Hobbys kann man sich unternehmerisch nicht leisten – die sollte man privat pflegen.“
Agenda hat und unter anderem einen Euro vom Preis für
jedes Kilo Kaffee in dem afrikanischen Land in Förderprojekte investiert. Alle unsere Beteiligungen stehen noch
am Anfang, kaum eines der Unternehmen ist älter als zwei
Jahre. Interessanterweise haben die sich trotzdem schon
einen Namen gemacht – als wir vor 17 Jahren mit unserem stationären Bekleidungsdiscounter KiK gestartet
sind, hat den nach zwei Jahren noch keiner gekannt.
Akzente: Äthiopischer Kaffee bleibt doch wohl ein
Nischenprodukt – de¿nieren Sie keinen Mindestumsatz,
den Ihre Engagements erreichen müssen?
Haub: Umsatz ist für uns nicht die entscheidende Größe,
sondern Relevanz. Die sehen wir in einem Internetunternehmen, wenn es um Endkundenkontakt geht –
das ist eine Sache, von der wir etwas verstehen – und
wenn die Idee internationalisierbar ist. Als Finanzinvestor sind wir bei den Start-ups immer Minderheitsgesellschafter. Später könnten wir entscheiden, ob
wir eine Mehrheit erwerben wollen – und dann beispielsweise ein Unternehmen wie babymarkt.de als Shop
im Konzern führen – oder ob wir irgendwann mit den
Gründern aussteigen.
einmal von dieser Truppe auditiert wird, haben wir hier
spezielle Erfahrungen bei Web¿rmen gesammelt, die
andere nicht haben und die gern genutzt werden.
Akzente: Welche Ihrer Internetbeteiligungen hat das
Zeug, sich zum Großunternehmen zu entwickeln?
Haub: Unsere prominenteste Beteiligung ist der Schuhund Modehändler Zalando. Zalando ist auf dem Weg,
sich nicht nur in Deutschland, sondern auch international zu einer Größe in dieser Branche zu entwickeln.
Nach gerade mal zwei Jahren sind die schon in acht
Ländern unterwegs. Da ist ein Wachstumstempo möglich, das wir als stationäre Händler gar nicht kennen.
Akzente: Und die übrigen Beteiligungen?
Haub: Ein enormes Wachstum legt auch YouTailor vor,
ein Internetshop für Maßkleidung. Andere werden vielleicht niemals riesige Umsatzgrößen erreichen, besetzen
aber tolle Nischen: Etwa OTTO GOURMET, ein Lieferant von hochwertigem Fleisch für Spitzengastronomie
und Hobbyköche. Oder Coffee Circle, ein Versender
von bestem äthiopischen Kaffee, der auch eine soziale
Akzente: Wie bewahren Sie den Überblick über Ihre
Beteiligungen?
Haub: Wir haben bei Tengelmann E-Commerce ein
Team von hundert Leuten, von Scouts bis zu Investmentbankern. Immer wenn ein Team eine neue Beteiligung vorschlägt, diskutieren wir das intensiv und meistens schaue ich mir die Sache vor Ort an. Die Entwicklung unserer Engagements verfolgen wir sehr eng,
schließlich wollen wir damit Geld verdienen. Hobbys
kann man sich unternehmerisch nicht leisten – die sollte
man als Privatmann pÀegen.
Akzente: So schön sich einige Beteiligungen entwickeln – haben die das Potenzial, Ihr Milliardenunternehmen entscheidend voranzubringen?
Haub: Ich erzähle an dieser Stelle gern, wie wir zu OBI
gekommen sind. Irgendwann war das Unternehmen
meinem Vater aufgefallen, er kaufte ein paar Aktien.
Wenig später ging es dem Unternehmen richtig schlecht,
mein Vater aber hatte sich mit den Aussichten beschäftigt und kaufte eine Minderheitsbeteiligung. Heute,
26 Jahre nach dem Einstieg, gehören uns 74 Prozent
von OBI, es ist das größte Unternehmen in unserem
26
Interview
Portfolio. In jeder Generation muss ein wirklich erfolgreiches Investment gelingen – mein Vater hat OBI gefunden, wir haben KiK, den Textildiscounter, erfunden
und suchen jetzt unsere Chance bei den wachstumsstarken jungen Unternehmen. Ich glaube, da wird eines
dabei sein, das für die Gruppe in 25 Jahren die Rolle
spielt, die heute OBI einnimmt.
Akzente: Welche Rolle spielt die Baumarktkette OBI
in Ihrem Portfolio?
Haub: Eine wichtige, denn die Perspektiven sind sehr
gut. Auf dem deutschen Markt trennt sich jetzt die Spreu
vom Weizen. Und in Russland, Polen und Tschechien,
wo OBI schon vertreten ist, gibt es noch viel Raum für
Wachstum.
Akzente: Wie lässt sich die Erfolgsgeschichte Ihres
Bekleidungsdiscounters KiK weiterschreiben? Stößt
er an die Grenzen des Wachstums?
Haub: Mit KiK waren wir Pioniere. Es ist aus der Idee
geboren, das erfolgreiche Discountkonzept des Lebensmitteleinzelhandels auf Textilien zu übertragen. Heute
haben wir über 3.000 Filialen und beweisen, dass der
Erfolg im Discounthandel nicht, wie Kritiker manchmal
meinen, auf Kosten von Lieferanten und Mitarbeitern
gehen muss. Vor uns hatte übrigens schon Aldi bewiesen, dass es anders geht. Und von den Kunden wurde
KiK gerade zum „Händler des Jahres“ gekürt.
Akzente: Lässt sich die Wachstumsstory fortschreiben?
Haub: Ja, vor allem indem wir die Internationalisierung
vorantreiben. Aber auch in Deutschland ist noch Spielraum: Zwar nimmt eine Neueröffnung immer häu¿ger
einem anderen KiK-Markt etwas Umsatz ab, in Summe
stehen wir aber mit jedem neuen Laden besser da.
Akzente: Sie haben die deutschen Woolworth-Filialen
übernommen – warum?
Haub: Dieses Engagement ist typisch für ein inhabergeführtes Unternehmen: Wir hatten schon lange auf die
tollen Standorte von Woolworth geschaut. Nach der
Insolvenz wollten die Eigentümer statt eines Finanzinvestors wegen unseres Handels-Know-hows lieber uns
als neue Woolworth-Betreiber. Sie machten uns ein so
attraktives Angebot, dass wir keinen Euro in die Hand
nehmen mussten. Die Sanierung wird trotzdem ein
Kraftakt, aber wir sind auf gutem Wege und eröffnen
in diesem Jahr 25 neue Geschäfte. Denn natürlich gilt
auch hier: Woolworth muss in absehbarer Zeit Geld
verdienen.
Umweltschutz ist seit mehr als 40 Jahren ein Thema: Der Tengelmann Klimamarkt spart rund 50 Prozent Energie ein. Karl-Erivan
W. Haub eröffnete in Mülheim die erste Elektrotankstelle (l.) .
Akzente
2’11
27
„Wir müssen uns nicht ständig rechtfertigen für das, was wir tun, sondern können Dinge
ausprobieren – aus dieser Freiheit heraus entsteht das Neue.“
Akzente: Den meisten Umsatz hat die Gruppe in den
vergangenen Jahren im Lebensmitteleinzelhandel
verloren. Ist Kaiser’s Tengelmann noch groß genug,
um mit den Marktführern mithalten zu können?
Haub: Natürlich ist Größe ein Vorteil, wir bekommen
von der Industrie nie die Konditionen der ganz großen
Wettbewerber. Aber wir haben uns auf einige Hochburgen zurückgezogen: In diesen lokalen Märkten
kommt niemand an uns vorbei, dort sind wir relevant.
Am Ende des Tages müssen wir vor Ort so quirlig sein,
dass wir die Einkaufsnachteile ausgleichen.
Akzente: Können Sie sich vorstellen, aus dem Lebensmitteleinzelhandel ganz auszusteigen?
Haub: Das ist schwer vorstellbar, denn seit den Tagen
der Kolonialwaren war das unser Kerngeschäft. Doch
ich habe es schon betont: Hobbyveranstaltungen wollen
wir uns nicht leisten. Ich sehe aber gute Chancen, dass
sich unser Lebensmittelhandel erfolgreich durchsetzt,
vielleicht ja gerade in Kombination mit unserem OnlineLieferservice. Wenn Sie die richtigen Leute am richtigen
Ort haben, können Sie enorm viel bewegen. Und wir
haben die richtigen, denn echte Händler kommen gern
zu uns, weil sie sich hier wohlfühlen.
Akzente: Ihre Gruppe hat sehr früh auf die Themen
Umwelt und Nachhaltigkeit gesetzt. Was haben Sie
auf diesem Feld vor?
Haub: Das Engagement begann mit einer Stiftung meiner Großmutter vor 43 Jahren. Mein Vater hat dann
Karl-Erivan W. Haub (51),
geschäftsführender und
persönlich haftender Gesellschafter, ist seit 2000
Chef der Unternehmensgruppe Tengelmann. Nach
der Lehre als Lebensmittelkaufmann und
dem Studium arbeitete er bei Nestlé
und McKinsey, ehe er 1991 in das Unternehmen der Familie eintrat.
in den 80er Jahren erst die Schildkrötensuppen, dann
phosphathaltige Waschmittel ausgelistet. Auf Grund der
Größe, die wir damals im Handel hatten, war die Industrie gezwungen zu reagieren. Für meine Generation ist
der Klimawandel die Herausforderung. Wir haben uns
das Ziel gesteckt, über die ganze Gruppe den CO2Ausstoß um 20 Prozent zu reduzieren. Der erste Tengelmann Klimamarkt hat den Energieverbrauch um rund
50 Prozent gesenkt.
Akzente: Bringt das Engagement auch ökonomischen
Erfolg?
Haub: Wir verkaufen dadurch zwar nicht mehr, doch es
prägt das Image. Wir spüren das unter anderem positiv
in Einstellungsgesprächen mit jungen Leuten. Für uns
geht es aber auch um die Balance zwischen wirtschaftlichem Erfolg und Engagement für die Gesellschaft.
Akzente: Kann man eine Firmengruppe dieser Größe
noch erfolgreich als Familienunternehmen führen?
Haub: Ja, gegenüber Kapitalgesellschaften haben wir
viele Vorteile. Bei uns kommt es nicht auf Umsatz an,
sondern auf Unabhängigkeit, ausgedrückt in starker
Eigenkapitalbasis. Wir müssen uns nicht ständig rechtfertigen für das, was wir tun, sondern können Dinge ausprobieren. Aus dieser Freiheit heraus entsteht das Neue.
Das Familienunternehmen ist nur am Ende, wenn in
der Familie der Wille erlischt, Unternehmer zu sein.
Wir haben acht junge Leute in der nächsten Generation –
ich hoffe, sie werden die Geschichte weiterschreiben.
Die Unternehmensgruppe Tengelmann mit der Zentrale in Mülheim
(Foto) setzte 2010 mit 80.000 Mitarbeitern 10,5 Milliarden Euro um. Wichtigste Unternehmen sind Kaiser’s
Tengelmann, eine Supermarktkette
mit 531 Filialen, die Baumarktkette OBI
(74 Prozent), der Textildiscounter KiK mit 3.000 Filialen, der 1-Euro-Discounter TEDi mit 1.000 Filialen, 167 Warenhäuser von Woolworth, die
Immobiliengesellschaft TREI sowie Beteiligungen an Internetfirmen.
28
Modehandel
Erfolgsfaktoren für das Multikanalgeschäft
Modekunden, die mehrere Vertriebskanäle nutzen,
kaufen mehr. Deutlich mehr. Voraussetzung: Der
Händler verzahnt die Vertriebsschienen so intelligent
miteinander, dass sie sich gegenseitig verstärken.
Von Achim Berg, Linda Dauriz und Dennis Spillecke
Die digitale Revolution ist im Modehandel angekommen.
Von den fast 40 Millionen Online-Käufern in Deutschland haben 2010 laut GfK 45 Prozent mindestens einmal
Modeartikel gekauft – 30 Prozent mehr als im Vorjahr.
Bekleidung ist hierzulande nach Berechnungen von
Forrester mit 3,6 Milliarden Euro Umsatz nach der
Unterhaltungselektronik inzwischen das zweitgrößte
Segment im elektronischen Handel – und das am
schnellsten wachsende.
Noch lukrativer als der Internetshop ist für Modehändler derzeit nur eines: die optimale Verknüpfung
des Online-Kanals mit den übrigen Vertriebsschienen.
Denn Kunden, die mehrere Kanäle nutzen, sind für
die Unternehmen besonders wertvoll. So zeigen die
Customer-Relationship-Management-Daten eines großen internationalen Bekleidungshändlers, dass dessen
Kunden deutlich mehr Geld pro Jahr ausgaben, wenn
sie neben dem Einkauf im Laden auch die Website oder
gar zusätzlich noch den Katalog nutzten. Eine aktuelle
McKinsey-Analyse zum digitalen Marketing bestätigt,
dass Multikanalanbieter die Kunden eher dazu bewegen
können, ihre Marken – auch wiederholt – zu kaufen.
Wer seinen Online-Shop und das stationäre Geschäft
sorgfältig aufeinander abstimmt und womöglich noch
weitere Kanäle erfolgreich einbezieht, erzielt also mehr
Umsatz und auch höhere Margen. Siehe das Beispiel
Esprit: Hier können die Kunden etwa online erfahren,
ob ein gewünschter Artikel in der Filiale verfügbar ist.
Da Esprit auch online stets die Kundenkartennummer
abfragt, sammelt das Unternehmen permanent wichtige
Informationen. Zudem lassen sich die Daten gezielt für
personalisierte Angebote nutzen. Unterm Strich gelingt
es Esprit so, die Loyalität seiner Kunden zu stärken und
mit Topkunden – digital wie analog – höhere Umsätze
zu erwirtschaften. McKinsey hat das Multikanalmanagement besonders erfolgreicher Modehändler analysiert,
um herauszu¿nden, worauf die Überlegenheit dieser
Anbieter beruht. Aus dieser Betrachtung lassen sich vier
Erfolgsfaktoren für das Multikanalgeschäft ableiten.
Perfektion in allen Vertriebskanälen erzielen
Unternehmen, die mehrere Vertriebsschienen erfolgreich miteinander verbinden wollen, sollten zunächst
die Instrumente der einzelnen Kanäle beherrschen.
Mit Blick auf die Filialen bedeutet dies zum Beispiel
optimales Sortiment und Store-Layout, effektiver und
ef¿zienter Personaleinsatz, ansprechende und gut platzierte Werbung – kurzum: operative Exzellenz. Online
geht es überdies darum, die Marke erlebbar zu machen,
obwohl der Kunde die Artikel nicht anfassen oder anprobieren kann.
Schon deshalb zeigen viele Händler online Videos von
Fashionshows und Fotoshootings. Auch die Möglichkeit, im Webshop nach ganz bestimmten Styles zu
suchen, kann die fehlende Produktpräsenz kompensieren. So stellen H&M („Styleguide“) und Zara („Lookbook“) zahlreiche Kombinationen aus ihren Kollektionen vor, die der Kunde direkt in seinen Warenkorb
legen kann. Einige Unternehmen, wie Gap, Ann Taylor
oder Ernsting’s family, präsentieren sogar Kollektionen
exklusiv im Internet.
Exzellenz im Online-Kanal heißt aber auch, dessen
Möglichkeiten voll auszuschöpfen, etwa für Kundenfeedback, Produkttests oder das Angebot individualisierter Artikel. Mehrere Bekleidungsmarken beziehen
ihre Kunden mittlerweile in die Produktgestaltung ein,
wie beispielsweise Boss mit seinem „Orange Design
Contest“ auf Facebook.
Akzente
2’11
Auf die intelligente Verzahnung
der Kanäle kommt es an: Auf
Handy-Apps, in YouTube-Spots und im
Modegeschäft müssen zwar nicht die
gleichen, aber doch konsistente
Botschaften verkündet werden.
29
30
Modehandel
Modeanbieter wie Levi’s nutzen Facebook, um ihren Kunden ein soziales Einkaufserlebnis zu ermöglichen.
Für die erfolgreichen Modeunternehmen sind Filialen
und Online-Shops derzeit zwar die mit Abstand wichtigsten Vertriebswege, aber längst nicht die einzigen. Immer
bedeutender werden auch Web-Communities und -Netzwerke, Mobile-Shops sowie Kunden- und MitarbeiterApps. Vor allem der Vertrieb über soziale Netzwerke, der
„Social Commerce“, entwickelt sich rasant – siehe etwa
die Marke Levi's, die als eine der ersten bei Facebook
einen eigenen Store hatte.
Das Mobiltelefon und insbesondere das Smartphone
dürfte in vielen Ländern sogar zu einem noch wichtigeren Marketingmedium werden als der Computer. Auf
Wunsch weist es den Weg zur nächsten Filiale und informiert über dort verfügbare Artikel oder besondere
Angebote. Im Laden selbst können die Kunden detaillierte Produktinformationen über das mobile Internet
abfragen, indem sie Quick Response Codes scannen.
Angesichts all dieser neuen Vertriebsmöglichkeiten
sollten Händler generell jedoch der Versuchung wider-
stehen, auf buchstäblich allen Kanälen präsent sein zu
wollen. Viele Beispiele zeigen, dass dann eine fatale Tendenz zum Mittelmaß einsetzt. Umgekehrt demonstrieren
zahlreiche Unternehmen, wie sehr sich eine Bündelung
der Maßnahmen auszahlen kann: Anbieter wie adidas
oder Diesel beispielsweise konzentrieren ihre OnlineAktivitäten auf das Videoportal YouTube und erzielen
dort die mit Abstand häu¿gsten Klicks aller Modelabels.
Vertriebskanäle optimal verzahnen
Im Kaufprozess nutzen Konsumenten oft ganz unterschiedliche Kanäle und Instrumente: Sie sehen einen
Style in einer Zeitschrift, betrachten ihn genauer am
Computer oder auf dem Handy, kaufen und prüfen den
Lieferstatus online, holen die Ware im Laden ab und
werden Mitglied einer Markencommunity auf Facebook.
Für das Unternehmen erfüllt jeder Kundenkontaktpunkt
bestimmte Funktionen: von der Steigerung des Bekanntheitsgrads (TV, Magazine) über den Abverkauf (Filiale,
Online-Shop) bis hin zur Stärkung der Loyalität (Kundenkarte, Community in sozialen Netzwerken). Der
Akzente
2’11
31
Kunde jedoch erwartet in erster Linie eine konsistente
Markenwelt über alle Kontaktpunkte hinweg.
Deshalb ist es für Modeunternehmen so wichtig, nicht
nur in den einzelnen Kanälen stark zu sein, sondern
diese auch perfekt zu verzahnen. Nur so lassen sich die
unterschiedlichen Interaktionsbedürfnisse befriedigen,
die ein Kunde zu verschiedenen Anlässen hat. Im Mittelpunkt stehen dabei schnelle, Àexible Lieferoptionen
(etwa Bestellung online und Abholung im Laden wie bei
H&M, Selfridges oder Zara), großzügige Angebote zur
Warenrückgabe (Gap und Esprit bieten sowohl Lieferung als auch Rückgabe kostenfrei an) sowie besondere
Services (etwa die Geschenkverpackungen von Ralph
Lauren) und Personalisierungen (wie individuell gestaltete Sneakers unter miadidas.com). Eine wesentliche
technische Voraussetzung dafür, dass Unternehmen hier
erfolgreich agieren können, ist die umfassende Verlinkung von CRM-Daten und Warenwirtschaftssystemen.
Optimale Verzahnung bedeutet aber auch, einheitliche
Botschaften auszusenden. Website, Anzeigenwerbung,
Newsletter und klassische PR, Facebook-Präsenz, Aufsteller in der Filiale, YouTube-Clips und TV-Spots, Blogs
und Foren, Kataloge und Magazine, Twitter-Messages
und Handy-Apps: An all diesen Kundenkontaktpunkten
müssen nicht die gleichen Inhalte transportiert werden,
wohl aber die gleiche Botschaft. Denn es irritiert
den Konsumenten und wirkt unglaubwürdig, wenn das
Unternehmen an den verschiedenen Kontaktpunkten
unterschiedliche Signale aussendet.
Marketingbudget umschichten und Erfolg messen
Rund 18 Millionen Deutsche schauen sich mindestens
einmal im Monat Videos bei YouTube an. Damit besitzt
die Internetseite fast die Reichweite des Fernsehsenders
Pro7, und selbst das erste Programm der ARD hat nur
etwa doppelt so viele Zuschauer. Da ist es folgerichtig,
dass die Unternehmen ihre Werbebudgets für Online
aufstocken. Sie betrugen schon 2009 etwa zwei Drittel
des Budgets für Fernsehwerbung – bis 2015 wird sich
das Verhältnis umkehren. Dann dürfte mehr als ein
Viertel sämtlicher Werbeausgaben ins Web gehen.
Angesichts der vielfältigen Optionen werden sich Modeanbieter aber immer genauer überlegen, wo sie ihr Geld
investieren – am besten anhand der folgenden Fragen:
1. Der RCQ-Ansatz macht klassische und digitale Kontaktpunkte vergleichbar
Reach
Wie viele Nutzer werden in der Zielgruppe erreicht?
Kontaktfrequenz, Erinnerungsraten …
÷
Cost
Wie setzen sich die Vollkosten zusammen?
Einrichtung des Kontaktpunkts, Content-Bereitstellung, Media-Kosten …
x
Quality
Wie trägt der Kontaktpunkt zur Konversion im Kaufprozess bei?
Bekanntheit, Kauferwägung, Kauf, Loyalität ...
=
Wirkung
Wie hoch ist die qualifizierte Reichweite pro Euro?
Heatmap zur Auswahl
von Kontaktpunkten
entlang des Kaufprozesses
Nicht empfohlen
Kundenkontaktpunkte
OnlineWerbung
Soziale
Netzwerke
OfflineWerbung
Quelle: McKinsey
Newsletter
Zielgruppenbasierte Webanzeigen
Webspots
Verlinkungen mit Webpartnern
Suchmaschinenwerbung
Lokale Marktplatzportale
Handywerbung
Handy-Apps
Communities/Clubs
Unternehmens-Blog
Facebook-Fanseite
Twitter-Account
YouTube-Kanal
Blogs, Foren, Shopping-Sites
…
KaufBekanntheit erwägung
Selektiv empfohlen
Kauf
Empfohlen
Loyalität
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Modehandel
2. Heatmap zur Auswahl von Kontaktpunkten entlang des Kaufprozesses
Nicht empfohlen
Kundenkontaktpunkte
OnlineWerbung
Soziale
Netzwerke
OfflineWerbung
KaufBekanntheit erwägung
Selektiv empfohlen
Kauf
Empfohlen
Loyalität
Newsletter
Zielgruppenbasierte Web-Anzeigen
Web-Spots
Verlinkungen mit Web-Partnern
Suchmaschinenwerbung
Lokale Marktplatzportale
Handywerbung
Handy-Apps
Communities/Clubs
Unternehmensblog
Facebook-Fanseite
Twitter-Account
YouTube-Kanal
Blogs, Foren, Shopping-Sites
…
Quelle: McKinsey
Für welche Kanäle und Botschaften wollen wir bei
unseren Zielkunden bekannt sein?
Womit können wir uns inhaltlich und formal von
Wettbewerbern abheben?
An welchen Kontaktpunkten erreichen wir unsere
Zielkunden am besten?
Welche unserer Kommunikationsmaßnahmen sind
die effektivsten?
Bei der Beantwortung dieser Fragen hilft das RCQ-Verfahren (Reach, Cost, Quality), das McKinsey entwickelt
hat, um die Wirkung unterschiedlicher Kundenkontaktpunkte miteinander vergleichen zu können (Gra¿k 1;
Seite 31). Denn bislang wurden hier oft Äpfel mit Birnen
verglichen: Nicht jeder Klick führt zu einem Kundenkontakt derselben Qualität und nicht jede Magazinanzeige
holt gleich viele Menschen ins Geschäft. Ergebnis der
RCQ-Analyse ist eine Heatmap, die dem Unternehmen
sehr genau zeigt, wie sich die Marketingausgaben optimal
verteilen lassen (Gra¿k 2). Ebenso wie ihre OfÀine-Investitionen sollten Händler auch ihr Online- und Multi-
kanalgeschäft messen, um es optimal steuern zu können.
Sowohl Vertriebs- als auch Kommunikationskennzahlen
werden dabei am besten in Form eines KennzahlenCockpits erfasst und ausgewertet.
Allerdings sind die meisten Marketingmanager mit der
Vielzahl von Online-KPIs noch kaum vertraut. Hier
bieten McKinsey und Nielsen mit NM Incite (siehe auch
Seite 47) ein neues Tool: Es ermittelt, wie viel in sozialen
Netzwerken über eine Marke gesprochen wird, ob die
Äußerungen positiv oder negativ sind und welche Aspekte sie betreffen. Auf diese Weise erhält man sehr schnell
Feedback dazu, wie Werbekampagnen wirken und ob
negative Meldungen über das Unternehmen auftauchen.
Zudem kann das Kundenfeedback Ideen für neue Produkte und Services liefern.
Erforderliche Fähigkeiten entwickeln
Vier von zehn Führungskräften in der deutschen Modebranche ¿nden, dass die Fähigkeiten in ihrer Organisation noch nicht ausreichen, um die Möglichkeiten des
Multikanalmanagements auszuschöpfen. Was tun?
Zunächst sollten Unternehmen festlegen, wo die Verantwortung für das Online-Geschäft liegen soll, ob in der
Akzente
2’11
Vertriebsorganisation oder verstreut im Unternehmen.
Im nächsten Schritt geht es darum, Know-how im Internethandel bei denen auszubauen, die dafür zuständig
sind – aber auch bei jenen, die den OfÀine-Vertrieb managen, was oft schwieriger ist. Nur so wird ein Denken
über die Online-ofÀine-Grenzen hinweg in der Organisation verankert. Um dies zu trainieren, hat McKinsey
die Digital Factory ins Leben gerufen. Dort lernen Führungskräfte zum einen die neuesten Trends und Techniken eines Web-Shops kennen, zum anderen führen sie
selbst Online-Marketing-Maßnahmen durch, um sich
mit dem Instrumentarium vertraut zu machen.
Neue Vertriebskanäle eröffnen Modeunternehmen
große Chancen. Doch es gibt auch Gefahren. Sie liegen
meist darin, entweder zu wenig zu tun – und darum den
Trend zu verpassen, oder zu viel zu tun, aber nichts
gründlich und gut. Hier gilt es, zunächst kluge strategische Entscheidungen zu treffen – und dann entschlossen
an die Umsetzung zu gehen. Wesentliche Erfolgsvoraussetzungen sind dabei das klare Bekenntnis und das
starke Engagement des Topmanagements.
33
Kernaussagen
1. Kein anderes Segment im
Online-Handel wächst derzeit
so schnell wie Mode – schon fast
jeder zweite Internetkunde in
Deutschland bestellt Bekleidung.
2. Händler, die ihre Vertriebsund Marketingaktivitäten in den
verschiedenen Kanälen sorgfältig
aufeinander abstimmen, können
erheblich mehr Umsatz und
höhere Margen erzielen.
3. Die Analyse führender Modeunternehmen zeigt: Gutes
Multikanalmanagement beruht
auf vier Erfolgsfaktoren, die
ihrerseits entsprechende Strukturen, Prozesse und Fähigkeiten
erfordern.
Haben Sie Fragen oder Anmerkungen?
Die Autoren freuen sich auf Ihre Zuschrift.
Bitte E-Mail an: linda_dauriz @mckinsey.com
Autoren
1 Dr. Achim Berg ist Partner im Frankfurter Büro von McKinsey. Er ist einer der Leiter der europäischen Apparel, Fashion & Luxury Practice. Schwerpunktmäßig berät er Bekleidungsunternehmen
in den Bereichen Operations, Strategie und Marketing.
2 Linda Dauriz ist Beraterin im Münchener Büro von McKinsey. Sie ist Kernmitglied der Apparel,
Fashion & Luxury Practice und berät vornehmlich Unternehmen aus diesem Bereich zu Strategiesowie Marketing- und Vertriebsfragen.
3 Dr. Dennis Spillecke ist Partner im Kölner Büro von McKinsey. Im Konsumgüter- und Handelssektor leitet er die Bereiche Retail Marketing sowie Digital Marketing und ist Co-Leiter der Branding
Service Line.
34
Konsumtrends
Wie Sie Zukunftstrends bewerten und nutzen
Im kommenden Jahrzehnt werden sich die globalen
Märkte tiefgreifend verändern. Mit dem McKinsey
Trendradar können Unternehmen diejenigen Trends
identifizieren, die für ihren Erfolg entscheidend sind.
Von Jörn Küpper, Christian Mariager
und Markus Schmid
Verbraucher- und Beschaffungsmärkte stehen weltweit
vor gewaltigen Umwälzungen: So wird Asien den Westen
als wichtigsten Verbrauchermarkt überholen, überdies
werden Konsumenten neue Anforderungen hinsichtlich
Preis-Leistungs-Verhältnis und Innovation an die Unternehmen stellen. Das Internet höhlt traditionelle Vertriebsmodelle aus und der globalisierte Handel in Verbindung mit knappen Ressourcen dürfte eine Ära erhöhter Volatilität einleiten. Kein Zweifel: In den nächsten
zehn Jahren werden viele etablierte Geschäftsmodelle
und Marketingkonzepte obsolet – es bieten sich aber
zugleich enorme Chancen für jene Konsumgüterhersteller, die die neuen Trends frühzeitig erkennen, ihre
Auswirkungen bewerten und sie nutzen.
Doch woher wissen Konsumgüterhersteller, welche
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen
für sie in Zukunft wichtig sind? Und wie können sie das
Ertragspotenzial solcher Trends am besten erschließen?
Als Antwort auf diese Fragen hat McKinsey den Trendradar entwickelt, eine Analysemethode, mit der Unternehmen präzise ermitteln können, welche Trends welchen EinÀuss auf das eigene Geschäft haben werden.
McKinsey hat die Methode auf die Konsumgüterindustrie insgesamt angewendet. Hierzu wurden elf weltweite
Trends auf Nachfrage- und Angebotsseite sowie im Umfeld betrachtet (Gra¿k 1, Seite 36). Diese Liste ist sicherlich nicht vollständig, aber sie zeigt die grundlegenden
Kräfte, die in den nächsten Jahren die Konsumgüterbranche als Ganzes prägen werden. Auf ein spezi¿sches
Unternehmen angewandt, beinhaltet der Ansatz weitere
regionale und Sektortrends – wie etwa im Lebensmittelsektor die Vorschriften zur Vermeidung von krankhafter
Fettsucht – und kommt so, bezogen auf einzelne Unternehmen und Warengruppen, zu bemerkenswerten Ergebnissen.
Kern des McKinsey Trendradars ist die Priorisierung der
verschiedenen Trends mit Hinblick auf ihre Relevanz für
den Sektor. Dies geschieht in drei Schritten: Zunächst
werden die voraussichtlichen Auswirkungen jedes
Trends auf die Bruttogewinne der Konsumgüterunternehmen bewertet. Anschließend geht es um die Wahrscheinlichkeit, mit der die einzelnen Trends eintreten
werden; sie lässt sich einschätzen anhand der zu Grunde
liegenden Dynamik, der Widerstandsfähigkeit des
Trends gegenüber unvorhergesehenen Entwicklungen
sowie dem Grad der Einigkeit von Stakeholdern und
Analysten bezüglich des Trends. Schließlich wird ermittelt, welche Bedeutung die Unternehmen selbst den
Trends in ihrer öffentlichen Kommunikation beimessen.
Am Ende dieses Filterprozesses stehen vier Trends, die
aus unserer Bewertung heraus den größten EinÀuss auf
die Konsumgüterbranche der nächsten Jahre haben
werden (Gra¿k 2; Seite 37): der Boom der Schwellenländer, der digitale Konsument, der demogra¿sche Wandel
und die Volatilität der Lieferkette. Im Vergleich zu diesen Entwicklungen werden andere Trends wie etwa der
zu Ökologie oder Wellness – trotz der gegenwärtigen
medialen Aufmerksamkeit – die Wertschöpfung in der
Konsumgüterindustrie weniger stark beeinÀussen.
Der Boom der Schwellenländer
In diesem Jahrzehnt gewinnt die Aufholjagd der Schwellenmärkte weiter an Tempo: Ihre Wachstumsraten werden die der Industrienationen bei Weitem übertreffen.
Auf China, Indien und Indonesien ent¿el bereits in den
vergangenen zehn Jahren ein beträchtlicher Anteil des
weltweiten Wirtschaftswachstums, nämlich 18 Prozent –
Akzente
2’11
35
Vier Trends werden den
größten EinÀuss auf die
Konsumgüterbranche haben:
der Boom der Schwellenländer,
der digitale Konsument, der
demogra¿sche Wandel und
die Volatilität der Lieferkette –
auch durch immer stärker
schwankende Rohstoffpreise.
36
Konsumtrends
1. Elf Trends werden die Konsumgüterindustrie bis 2020 maßgeblich prägen
Nachfragetrends
Angebotstrends
Sonstige Faktoren
• Boom der Schwellenländer
• Neue Steuersysteme
• Demografischer Wandel
• Personalknappheit
in Schwellenmärkten
• Digitaler Konsum
• Volatile Lieferkette
• Ökologie und Wellness
• Zunehmender
Handelsprotektionismus
• Modernisierung und
Konzentration des Handels
• Preissensible Kunden
• Umweltbewusstere Verbraucher
Quelle: McKinsey
für das kommende Jahrzehnt erwartet die OECD jedoch
einen Anstieg auf fast 30 Prozent. Als Folge wird die Zahl
der Mittelschichthaushalte sprunghaft zunehmen: Bis
2020 wird es voraussichtlich eine Milliarde mehr Verbraucher geben, die täglich zwischen 10 und 100 US-Dollar ausgeben können (Gra¿k 3, Seite 38). Konsumgüterunternehmen, denen es gelingt, die Bedürfnisse und
Sehnsüchte dieser neuen Kunden zu verstehen und zu
befriedigen, erzielen gewaltiges Umsatzwachstum.
Zentrale Erfolgsfaktoren hierfür sind die richtige Auswahl von Märkten und Warengruppen – um mit den
eigenen Produkten stets die Führungsposition einzunehmen – sowie die Entwicklung bedürfnisorientierter
Innovationen. Zum Beispiel Wrigley: Der Kaugummihersteller sicherte sich in China einen Marktanteil von
40 Prozent in einer schnell wachsenden Produktkategorie, deren Wert schon heute 2 Milliarden US-Dollar
erreicht. Das Unternehmen führt regelmäßig neue, auf
die chinesischen Verbraucher zugeschnittene Produkte
ein (etwa Kaugummi mit Kräuteressenzen), klärt die
Konsumenten intensiv über den gesundheitlichen
Nutzen von Kaugummi auf und baut seine Präsenz in
den Millionen kleiner Läden auf, in denen die Chinesen
zumeist einkaufen.
Am ehesten pro¿tieren von diesem Trend Konsumgüterhersteller, die preisgünstige Produkte anbieten können.
In den Schwellenmärkten wächst allerdings auch der
Druck auf die Margen. Dem begegnen die Unternehmen
am besten, indem sie die Kunden in den Schwellenländern geschickt segmentieren, um unterschiedliche Kundenwünsche zu erfüllen und nicht nur hohe Umsätze,
sondern auch attraktive Margen zu erzielen. Die zunehmende Bedeutung der Schwellenmärkte wird auch
die Organisation von Konsumgüterunternehmen mit
westlichen Wurzeln verändern: Ist es sinnvoll, dass ein
Unternehmen, das 2020 rund 70 Prozent seiner Umsätze in China und Indien erwirtschaftet, weiterhin von
westlichen Managern dominiert wird und seinen Hauptsitz in Europa oder Nordamerika hat?
Der digitale Konsument
Auch im kommenden Jahrzehnt gilt: Der Siegeszug des
Internethandels ist unaufhaltsam. Um an diesem Erfolg
zu partizipieren, werden Konsumgüterhersteller enger
mit den Online-Händlern zusammenarbeiten müssen.
Dies könnte für manches Unternehmen zugleich der
erste Schritt in den Direktvertrieb sein – wie ihn Procter
& Gamble mit seinem Pilotprojekt www.pgestore.com
getan hat. Für die meisten Hersteller dürfte sich der Online-Vertrieb jedoch kaum als wirtschaftlich erweisen.
Derweil wird die digitale Technologie auch die Markenkommunikation grundlegend verändern. So verlassen
sich die Konsumenten mehr denn je auf Empfehlungen:
70 Prozent lesen die Kommentare anderer Käufer, bevor
sie sich für ein Produkt entscheiden, schreibt das Wirtschaftsblatt Business Week. Online-Marketing ist eben
keine Einbahnkommunikation in Richtung Verbraucher.
Akzente
2’11
37
2. Vier Trends sind von überragender Bedeutung
Im Fokus von mehr als 5 der 10 größten Konsumgüterunternehmen
Im Fokus von 1 bis 5 der 10 größten Konsumgüterunternehmen
Von keinem der 10 größten Konsumgüterunternehmen erwähnt
Hoch
Gruppe 1
Trends, über die jeder
spricht, die aber bei
Weitem nicht gleich
bedeutsam sind
Boom der
Schwellenländer
Zunehmender Handelsprotektionismus2
Ertragseffekt1
Mittel
Neue
Steuersysteme2
Preissensible
Ökologie
und Wellness Kunden
Umweltbewusstere
Verbraucher
Demografischer
Wandel
Digitaler
Konsum
Volatile Lieferkette
Gruppe 2
Trends, über die
nur einige Unternehmen sprechen, die
aber sehr wichtig
werden
Gruppe 3
Trends, über die
niemand spricht,
denen die Branche
aber Beachtung
schenken sollte
Modernisierung
und Konzentration
des Handels
Personalknappheit in
Schwellenmärkten
Niedrig
Niedrig
Mittel
Hoch
Wahrscheinlichkeit des Eintretens
1 Richtwerte: gefährdeter Gewinn > 300 Mrd. USD = hoch, 100 bis 300 Mrd. USD = mittel, < 100 Mrd. USD = gering
2 Der Effekt wurde auf Grund der vielen involvierten Variablen nicht quantifiziert, sondern abgeschätzt
Quelle: McKinsey
Nutzergenerierte Inhalte mögen zwar schwer zu kontrollieren sein, sind aber eine der besten Möglichkeiten,
die Kundenmeinung zu beeinÀussen.
Darüber hinaus sind soziale Netzwerke ein wichtiges
Medium, in dem Konsumgüterhersteller den Kunden
ohne die üblichen Verzerrungen herkömmlicher Marktforschungstechniken „zuhören“ können – um die
Begeisterung für Marken zu verstehen, den Effekt von
Kampagnen zu überwachen oder Einsichten für die Produktentwicklung zu gewinnen (siehe „Marketing von unten“, Seite 44). Unternehmen, die diese bedeutende neue
Informationsquelle nutzen, können die sich wandelnden
Bedürfnisse ihrer Kunden schneller aufgreifen.
Der demografische Wandel
Die Weltbevölkerung altert rasch. Die UN prognostizieren, dass es in 20 Jahren doppelt so viele Menschen über
65 Jahre geben wird wie heute – nämlich eine Milliarde.
Konsumgüterunternehmen werden innovativ sein
müssen, um die Bedürfnisse älterer und alternder Kunden zu erfüllen. Zwei Beispiele: Die Unilever-Marke
Dove brachte jüngst mit pro.age eine Produktlinie mit
Deodorants, Haar- und HautpÀegeprodukten auf den
Markt, die sich speziell an Frauen zwischen 54 und
63 Jahren richtet. Im Segment der verpackten Lebensmittel spricht ConAgra derweil Senioren mit seiner
Marke Golden Cuisine an: ausgewogene Ernährung in
einer Packung mit leicht lesbaren großen Buchstaben.
38
Konsumtrends
3. Die Mittelschicht wird bis 2020 um mehr als 1 Milliarde Menschen wachsen
Mittelschicht1 weltweit
in Mio. Menschen
3.239
333
703
1.845
Nordamerika
338
Europa
664
Zentral- und Südamerika
181
Asien/Pazifik
525
Naher Osten und Afrika
137
2009
251
1.740
212
2020
1 Tägliche Ausgaben von 10 bis 100 USD pro Person
Quelle: OECD Development Centre
Die volatile Lieferkette
Neben den Trends auf der Nachfrageseite wird auch
einer auf der Angebotsseite massiv wirksam: In dem
Maße, in dem es immer weniger, aber dafür größere
Lieferanten gibt und zugleich die Ressourcen weiter
schwinden, werden die Materialpreise zunehmend
stärker schwanken.
So kommen heute beispielsweise 57 Prozent des Zuckerrohrs weltweit aus Brasilien und Indien, während sich
in China und Russland nahezu die Hälfte der globalen
Aluminiumproduktion konzentriert. Eine Naturkatastrophe oder politische Krise in einem dieser Länder
könnte die internationalen Lieferketten emp¿ndlich
stören oder gar unterbrechen. Tatsächlich hatte das
Erdbeben 2010 in Chile genau diesen Effekt auf den
weltweiten Zellstoffmarkt. Die Atomkatastrophe in
Japan liefert ein weiteres Beispiel für die Anfälligkeit
globaler Lieferketten. So führte der zeitweilige Produktionsausfall in japanischen Zuliefer¿rmen der Automobilindustrie bei allen größeren Herstellern weltweit
zu Produktionsengpässen und Lieferschwierigkeiten.
Verstärkt wird die Volatilität durch die absehbare Ressourcenknappheit, insbesondere den zunehmenden Wassermangel. Auf Grund steigender Bevölkerungszahlen
und anhaltender Verstädterung erwarten die UN, dass der
Wasserverbrauch bis 2025 in den Entwicklungsländern
um 50 Prozent und in den Industrienationen um 18 Prozent steigen wird. Da Wasserknappheit auch und gerade
Regionen betrifft, in denen Ausgangsstoffe für die Konsumgüterindustrie hergestellt werden, könnten Preissteigerungen rasch auf die gesamte Lieferkette übergreifen.
Angesichts solcher Risiken stehen Konsumgüterunternehmen vor schwierigen strategischen Fragen: Welchen
Preis sind wir bereit, für Liefersicherheit zu zahlen? Wie
kann der Rohstoff- und Ressourceneinsatz entlang der
Wertschöpfungskette gesenkt werden? Und wie lassen
sich Lieferketten Àexibler gestalten? In jedem Fall wird
die Volatilität auch ein neuartiges schnelleres und verzahnteres Risikomanagement erfordern.
Die oben dargestellte Anwendung des Trendradars bezieht sich auf die Konsumgüterbranche im Allgemeinen.
Akzente
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Natürlich kann es je nach Kategorie und Aufstellung
des Unternehmens zu erheblichen Unterschieden in
der Bewertung kommen. Deshalb sollte jedes Unternehmen individuell für sich Trends und Auswirkungen bewerten und entsprechende Maßnahmen ableiten. Mit dem Trendradar liefert McKinsey dazu
eine erprobte Methodik, die eine Trendbewertung
unter Berücksichtigung des unternehmensspezi¿schen Kontexts ermöglicht.
In Zeiten tiefgreifenden Wandels können sich zuverlässige Prognosen als entscheidender Wettbewerbsvorteil erweisen. Der McKinsey Trendradar gibt
Führungskräften erstmals die Möglichkeit, die
Auswirkungen von Zukunftstrends faktengestützt
und quanti¿ziert zu bewerten. Dies ist die Voraussetzung, um die Risiken, die solche Trends bergen,
abzuschätzen – aber auch die enormen Wertschöpfungschancen auszuloten, die diese Trends bieten.
Haben Sie Fragen oder Anmerkungen?
Die Autoren freuen sich auf Ihre Zuschrift.
Bitte E-Mail an: [email protected]
39
Kernaussagen
1. Die globalen Verbraucher- und
Beschaffungsmärkte werden sich
bis 2020 radikal verändern.
2. Mit dem McKinsey Trendradar,
einer neuen Analysemethode
zur unternehmensindividuellen
Priorisierung von Trends,
lassen sich die Auswirkungen
von Zukunftstrends auf das
eigene Unternehmen im Detail
ermitteln.
3. Der McKinsey Trendradar
ermöglicht Entscheidungsträgern eine faktenbasierte,
langfristige Planung – und ihren
Unternehmen somit einen echten
Wettbewerbsvorsprung.
Autoren
1 Dr. Jörn Küpper ist Partner im Kölner Büro und einer der Leiter des europäischen Konsumgütersektors von McKinsey. Sein Fokus liegt auf der Beratung von Konsumgüterherstellern und
Handelsunternehmen in den Gebieten Strategie, Organisation und Supply Chain.
2 Christian Mariager ist Partner im New Yorker Büro und einer der Leiter des nordamerikanischen Konsumgütersektors von McKinsey. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen
Strategieentwicklung, Marketing Effectiveness und Organisation.
3 Dr. Markus Schmid ist Berater im Stuttgarter Büro. Er ist Mitglied des Konsumgüter- und
Handelssektors sowie der Strategy Practice von McKinsey. In seiner Arbeit konzentriert er sich auf
Strategieentwicklung und operative Verbesserungsprogramme.
40
Supply Chain
Effiziente Supply Chains für Langsamdreher
Langsamdrehende Artikel sind für viele Händler ein
zentraler Erfolgsfaktor, doch ihr Handling ist teuer.
Mit Hilfe von vier Hebeln lässt sich ihre Supply Chain
optimieren.
Von Konrad W. Bauer, Christoph Glatzel und
Martin Schüler
Auch wenn schmale Discountsortimente im Handel
en vogue sind – manchmal gilt: Mehr bringt mehr. Ein
breites Sortiment, das auch weniger nachgefragte Artikel enthält, hat vielfältige Vorteile: Unternehmen können
sich damit vom Wettbewerb abheben und als Händler
der Wahl positionieren, um so ihr Kundenaufkommen
zu steigern und Käufer stärker an sich zu binden. Zudem
ermöglicht ein umfassendes Sortiment in der Regel
höhere Bruttomargen sowie vermehrte Cross- und UpSellings von Produkten oder Services.
Die Kehrseite des breiten Angebots ist eine aufwendige
Supply Chain. Häu¿ge Überbestände, aber auch Fehlmengen, hoher Aufwand für die Kommissionierung
sowie Mehraufwand bei Sortierung und Verräumung
machen Langsamdreher überproportional bearbeitungsintensiv. Bei meist nur 10 bis 30 Prozent Umsatzanteil
entfallen auf diese Artikel bis zu 80 Prozent des Sortiments und der RegalÀäche sowie 20 bis 40 Prozent des
Bestands und der Logistikkosten.
Inzwischen gibt es allerdings erprobte Instrumente,
mit denen sich die Supply Chain für Langsamdreher optimieren lässt. Unternehmen, denen dies gelingt, können
ihren Bestand um 5 bis 15 Prozent und die Gesamtkosten
für das Handling um 10 bis 15 Prozent senken – und
erreichen zugleich bis zu 4 Prozent höhere Lieferquoten.
Um dies zu erreichen, können sie vier Hebel nutzen.
Überarbeitung der Planogramme und Facings
Spürbare Verbesserungen erzielen Unternehmen durch
die Optimierung von Planogrammen und Facings (also
der Anzahl der Frontstücke eines Artikels im Regal).
Beispielsweise können Händler ihre Auslagen so um-
gestalten, dass die Regale zur Packung passen – anstatt die Artikel auf die Regalkapazität hin umzupacken.
Zudem kann ein verbessertes Regaldesign helfen, die
Bestandsmengen gering zu halten. Häu¿g verursachen
Händler dadurch Überbestände, dass sie für jede SKU
Auslagenmindestmengen festlegen; doch bei einem
Artikel, der nur einmal in sechs Monaten verkauft wird,
entspricht bereits eine Mindestmenge von zwei Artikeln
dem Absatz eines Jahres. Die Anzahl der Facings ist
bei Langsamdrehern aber auch deshalb oft höher als erforderlich, weil Planogramme nicht an die SKU-Umlaufgeschwindigkeiten in den Filialen angepasst sind.
Für die Unternehmen kommt es also darauf an, Auslagenmindestmengen, Facings und Packungsgrößen systematisch aufeinander abzustimmen – und zwar auf Basis
einer sorgfältigen Segmentierung der Artikel- und Filialumlaufgeschwindigkeit. Falls die Anzahl der Facings die
SKU-Umlaufgeschwindigkeit deutlich übersteigt, sollte
der Händler seine Planogramme (auch ¿lialspezi¿sch)
auf die Umlaufgeschwindigkeiten zuschneiden. Damit
erzielt er zusätzliche Einsparungen bei Bestands- und
Arbeitskosten, die durch das Verräumen der Ware
entstehen. Flächen, die durch Verringerung der Facings
bei Langsamdrehern frei werden, können für Schnelldreher und damit zur Steigerung der Flächenproduktivität genutzt werden. Die höhere Komplexität der
Planogramme lässt sich mit Hilfe eines zentralen Teams
und entsprechender Unterstützungssysteme meistern.
Effizientere Kommissionierung und Verräumung
Außerdem können Händler die Kommissionier- und
Gebindegrößen ihrer langsamdrehenden Artikel reduzieren, um Überbestände sowie Auffüllaktivitäten in den
Filialen zu minimieren und Preissenkungen für Ladenhüter zu vermeiden. Im Idealfall kommt die Ware vom
Hersteller gleich in den gewünschten Gebindegrößen.
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41
Langsamdreher wie etwa Drogerieartikel können hohe Deckungsbeiträge bringen – wenn die Supply Chain stimmt.
Tatsächlich haben jedoch viele Unternehmen nicht die
Einkaufsmacht, um kleinere Gebinde durchzusetzen.
Überdies sind nicht alle Lieferanten in der Lage, kleine
Gebinde oder Mischbehälter wirtschaftlich anzubieten –
oder sie geben die Mehrkosten an den Handel weiter.
Deshalb brauchen Händler eigene Systeme zur Kommissionierung kleiner Mengen, um ihre Filialen mit der gewünschten Menge beliefern zu können.
Bei der Festlegung, welche Produkte in eigenen Verteilzentren umzupacken sind, hilft eine Faustregel: Artikel,
bei denen der Gebindeinhalt die Regalkapazität übersteigt, werden umgepackt. Anspruchsvolle Händler
ermitteln die optimale Gebindegröße für einzelne SKUs
per Kosten-Nutzen-Rechnung: Sofern das Einsparpotenzial, das kleinere Gebinde bieten, die höheren Kosten
rechtfertigt, wird die Größe verringert. Dies trifft meist
auf hochwertige Artikel zu und auf solche, bei denen der
Gebindeinhalt größer ist als die Regalkapazität. Dabei
ist es wichtig, sämtliche Effekte entlang der Lieferkette
zu berücksichtigen, also neben direkten Kosteneffekten
bei der Kommissionierung auch Auswirkungen auf den
Bestand und die Verräumung in der Filiale.
Nun geht es darum, möglichst viele Langsamdreher
mit kleineren Gebinden möglichst ef¿zient und kostengünstig zu kommissionieren. Bewährte Maßnahmen
sind hier etwa gleichzeitige Kommissionierung mehrerer Bestellungen, Bereitstellung von Mischbehältern,
Platzierung auf Basis der Umlaufgeschwindigkeit,
sprachbasierte Kommissionierung und Steuerung
der Auftragsgrößen entsprechend der Kapazität der
Kommissionierung.
Zugleich benötigen die Händler Prozesse für das Umpacken und das ef¿ziente Vorsortieren der Artikel. Letz-
42
Supply Chain
teres umfasst die warengruppenspezi¿sche Einsortierung in Transportbehälter im Verteilzentrum ebenso wie
die Lieferung vorsortierter Rollbehälter an die Filialen.
Solche vorsortierten, regalgerechten Lieferungen senken
natürlich auch bei Schnelldrehern die Arbeitskosten,
für Langsamdreher sind sie aber erfolgsentscheidend,
weil hier der Arbeitsaufwand für Sortierung und Verräumung zu hoch wäre.
Segmentierte Prozessvorgaben
Den dritten Hebel für Bestands- und Kostenreduzierungen liefert die Supply-Chain-Philosophie der Segmentierung: Händler sollten Langsamdreher spezi¿sch
behandeln. Neben der Verlängerung der Auffüllintervalle für Langsamdreher sind die wichtigsten Maßnahmen hier die Zentralisierung der Warenlagerung
und die intelligente Reduzierung des Sortiments.
Die Konzentration auf weniger Verteilzentren bietet
gleich mehrere Vorteile: Da die Nachfrage bei Langsamdrehern weniger stark schwankt, kann der Händler
seinen Sicherheitsbestand in den Verteilzentren verringern und zudem die Kosten für Warentransport und
-annahme senken sowie die operative Leistung steigern.
Lagern sollte der Händler die Langsamdreher am jeweils
günstigsten Standort, etwa möglichst nah am Hersteller,
wenn dieser streckenabhängige Liefergebühren verlangt.
Bezahlt der Händler die Fracht pauschal, sollte er anhand der aktuellen Standortverteilung seiner Zentren
ermitteln, von welchem aus er am günstigsten ausliefern
kann.
Eine kluge Reduktion des Sortiments auf jene Langsamdreher, die für Kunden besonders wichtig sind, kann
ebenfalls spürbare Kosteneinsparungen bringen – ohne
Kundenzufriedenheit und -loyalität signi¿kant zu beeinträchtigen. Hierbei geht es allerdings nicht darum, einfach nur die Artikel mit dem geringsten Umsatz oder der
niedrigsten Marge auszulisten. Denn ein solch undifferenziertes Vorgehen birgt erhebliche Umsatzrisiken,
weil bei vielen SKUs die Nachfrage nicht ohne Weiteres
auf Substitutionsprodukte übertragbar ist. Dieses Risiko
können Händler minimieren, indem sie eine kundenund marktbasierte Methode nutzen: Sie ermittelt mit
Kundenentscheidungsbäumen einerseits die Artikel, die
für Kunden besonders bedeutsam sind, und andererseits
Redundanzen, also etwa SKUs mit ähnlichen Merkmalen
und Preisen. Schließlich sollten Händler die Sortimente
ihrer Wettbewerber analysieren, um so Kategorien zu
identi¿zieren, in denen Einschnitte risikoarm sind.
Aktives Abverkaufsmanagement
Der vierte Hebel setzt beim Management des Abverkaufs
an: Schnelldreher werden am Ende ihres Lebenszyklus
naturgemäß schneller abverkauft, während von Langsamdrehern häu¿g Restbestände übrig bleiben. Diese
Ware erhöht nicht nur das Bestandsvolumen: Um sie
abzusetzen, sind meist Preissenkungen und Ausverkäufe
erforderlich, was die Erträge schmälert. Einzelhändler
können dies vermeiden, indem sie einen Prozess entwickeln, der das Management dieser Artikel in der Mitte
des Lebenszyklus verbessert. Bei einem solchen Prozess
beginnt das Unternehmen früher als bei Schnelldrehern
mit der Steuerung der Platzierung in der Filiale und im
Verteilzentrum, um so Überbestände und Preissenkungen am Ende des Lebenszyklus zu minimieren.
Solide Basis für den nächsten Schritt
Mit diesen vier Hebeln bekommen Unternehmen nicht
nur Aufwand und Komplexität der Supply Chain für
Langsamdreher in den Griff. Sie schaffen damit zugleich die Grundlage für weitere Verbesserungen.
Drei Beispiele:
Arbeitsintensive Kommissionierung in Übersee. Händler mit globaler Beschaffung können Ware vollständig
oder teilweise in jenen Niedriglohnländern kommissionieren, in denen sie produziert wird. Zum Beispiel in
China: Bei hohen Importen von dort bietet ein eigenes
Verteilzentrum zur ¿lialspezi¿schen Kommissionierung
vor Ort erhebliche Lohnkostenvorteile. Dabei dürfte
der Gesamteffekt trotz höherer Bestandskosten positiv
sein. Das hat drei Gründe: Erstens sind die Lagerhaltungskosten in China geringer. Zweitens bietet die Konsolidierung des Bestands vor Ort die Möglichkeit, Bestellmengen und Zeitpläne zu optimieren, so dass der
Hersteller gleichmäßiger produzieren und die Bestände
im Werk verringern kann. Und drittens kann der Händler leichter die Mindestauftragsmengen einhalten.
Vorsprung bei Kleinformaten. Mit einer ef¿zienten
Kommissionierung und der Verpackung kleiner Mengen
verschaffen sich Einzelhändler auch erhebliche Vorteile
bei Kleinformaten wie Convenience Stores oder CityMärkten. Auf Grund eingeschränkter Lager- und RegalÀächen kommen hier nur kleine Nachfüllmengen und
mithin kleine Gebinde in Frage. Für Unternehmen mit
vielen kleinformatigen Filialen – und starker Expansion
in neue internationale Märkte mit solchen Formaten –
können die entsprechenden Prozesse ein entscheidender
Erfolgsfaktor sein.
Akzente
2’11
Mehr Fläche in den Filialen. Viele Filialen lagern
in ihrem Hinterraum Überbestände, die nicht ins
Regal passen. Dies erhöht den Gesamtbestand nicht
selten um 30 bis 40 Prozent und erfordert zudem
einen Mehraufwand von 20 bis 30 Prozent, weil die
Mitarbeiter die Ware erst im Hinterraum und dann
ins Regal verräumen, aber auch häu¿g lange in dem
engen, unübersichtlichen Lager nach Artikeln
suchen müssen. Der Regalkapazität entsprechende
Mengen, die direkt vom Wareneingang zur Regalbefüllung in den Verkaufsraum transportiert werden, setzen im Hinterraum meist 20 bis 40 Prozent
Fläche frei. Dieses Potenzial kann der Händler
nutzen, um seine Flächenproduktivität zu erhöhen
oder die VerkaufsÀäche auszuweiten.
Die Beispiele zeigen: Supply-Chain-Optimierung
bei Langsamdrehern bringt noch weit mehr Vorteile
als die Reduzierung von Kosten und Beständen. So
können Händler ihre strategische Position deutlich
verbessern, indem sie ihre Fähigkeiten im ef¿zienten
Handling weniger nachgefragter Artikel konsequent ausbauen und umfassend einsetzen.
43
Kernaussagen
1. Um Kunden in die Filialen zu
locken und an sich zu binden,
brauchen viele Händler ein
breites Sortiment – auch wenn
damit eine aufwendigere Supply
Chain verbunden ist.
2. Diese Kosten können Händler
jedoch drastisch verringern,
indem sie vier Maßnahmen
ergreifen: Überarbeitung der
Planogramme und Facings,
ef¿ziente Kommissionierung und
Verräumung, segmentierte Prozessvorgaben sowie ein aktives
Abverkaufsmanagement.
Haben Sie Fragen oder Anmerkungen?
Die Autoren freuen sich auf Ihre Zuschrift.
Bitte E-Mail an: [email protected]
Autoren
1 Konrad W. Bauer ist Berater im Kölner Büro von McKinsey. Er ist Mitglied der europäischen
Supply Chain Practice. Seine Schwerpunktthemen sind Netzwerk- und Lieferkettenoptimierungen.
2 Dr. Christoph Glatzel ist Partner im Kölner Büro und Leiter der europäischen Supply Chain
Management Practice von McKinsey. Der Schwerpunkt seiner Beratungsarbeit liegt im Bereich
Operations.
3 Dr. Martin Schüler ist Berater im Münchener Büro von McKinsey. Er ist Mitglied des deutschen
Konsumgüter- und Handelssektors und berät Klienten vor allem im Bereich Supply Chain
Management.
44
Social Media
Marketing von unten
Soziale Netzwerke im Internet beeinflussen zunehmend die Kaufentscheidungen der Konsumenten.
Mit neuen Strategien und Analysetools kann das
Marketing Social Media nutzen.
Von Klaus Behrenbeck, Mathias Kullmann und
Dennis Spillecke
Es ist noch nicht lange her, da waren Hersteller von
Konsumgütern vornehmlich auf Verbraucherumfragen
angewiesen, wenn sie erfahren wollten, was Menschen
über ihre Marken dachten. Heute klicken die Konsumenten auf den „Like“-Button, wenn ihnen etwas gefällt, und
sie posten harte Kritik, wenn ihnen etwas missfällt. Sie
verbreiten ihre Meinungen in Blogs, tauschen sich in
Themenforen aus, bewerten Produkte und Services für
die Mitmenschen: Das Internet macht’s möglich.
Binnen weniger Jahre ist Social Networking im Web zum
Massenphänomen geworden. Pro Tag kursieren 140 Millionen Twitter-Botschaften; über 750 Millionen Menschen sind auf Facebook registriert. In Deutschland stieg
die Mitgliederzahl in den vergangenen zwei Jahren um
fast 800 Prozent auf aktuell rund 18 Millionen. Parallel
kommuniziert die Internetgemeinde auf LinkedIn oder
Xing, Lokalisten, YouTube und in zahllosen anderen
Foren oder Microblogs.
Für Konsumgüterunternehmen wird die neue Meinungsmacht im Netz mehr und mehr zum ökonomischen
Faktor, denn der EinÀuss der sozialen Medien auf das
Kaufverhalten wächst. Globalen Internetstudien zufolge
nutzen bereits zwei Drittel aller Konsumenten auch
Online-Produktbewertungen als Grundlage ihrer Kaufentscheidungen. Mehr als ein Drittel stützt sich auf
Empfehlungen und Warnungen von Peergroups oder
folgt der allgemeinen Mundpropaganda im Netz, die sich
dort schneller und stärker verbreitet als überall sonst
(Gra¿k 1, Seite 46).
Die interaktive Webgemeinde lässt viele Unternehmen
ihre Marketingansätze überdenken. Vielfach verlagern
sie ihre Investitionen von der klassischen Einwegkommunikation auf gekauften Werbeplätzen („Bought
Media“) hin zum Dialog mit den Endkunden und zu
„Earned Media“, also der Verbreitung von Markenoder Produktbotschaften durch die Community
selbst. Eine echte Herausforderung an jeden Markenhersteller, zugleich aber auch eine Chance, relevanten
Zielgruppen näherzukommen und mehr über sie zu
erfahren als je zuvor.
Chancen entlang der Wertschöpfungskette
Um die richtigen Marketingentscheidungen treffen zu
können, sind Unternehmen immer mehr auf den Input
der Verbraucher angewiesen. Online-Foren und Netzwerke liefern ihnen die Meinungen und Wünsche der
Konsumenten unge¿ltert frei Haus – für das Marketing
eine wahre Fundgrube an Informationen. Konsumgüterhersteller nutzen soziale Medien inzwischen in der gesamten Wertschöpfungskette: für ihre Marktforschung
und in der Produktentwicklung, zur Stärkung ihrer Marken oder Verbesserung des Kundenservice.
Marktforschung. Anders als bei der klassischen Marktforschung, die manchmal eher sozial erwünschte Äußerungen als die wahren Bedürfnisse und Einstellungen
der Verbraucher zu Tage fördert, können spezielle Tracking Tools aus Social Media „mithören“, was Kunden
wirklich denken (siehe Kasten Seite 47).
Produktentwicklung. Einige Unternehmen beteiligen
ihre Kunden aktiv an der Entwicklung neuer Produkte –
um einerseits von ihrer Kreativität zu pro¿tieren, aber
auch, um ihre wahren Bedürfnisse besser einschätzen
und bedienen zu können. So nutzte LEGO den OnlineHype um seine neue Serie MINDSTORMS, um die
er¿nderische Fangemeinde aktiv an der nächsten Produktgeneration mitbauen zu lassen. Fast 10.000 Nutzer
Akzente
2’11
45
Unternehmen, die Social Media richtig
auswerten, wissen mehr: Während
die Teilnehmer einer klassischen
Verbraucherumfrage Umweltverträglichkeit als wichtigstes
Produktmerkmal bei Windeln
nannten, zeigte die Analyse
der Diskussionen in
sozialen Netzwerken,
dass das Thema
Hautverträglichkeit
junge Eltern am
meisten bewegt.
schickten Vorschläge und MINDSTORMS wurde mit
mehr als einer Million Einheiten zum bestverkauften
Spielzeug im LEGO-Sortiment. Procter & Gamble wiederum warb Kunden im Internet als „Produktberater“
an und reduzierte so die Testkosten für seine Produktneuheiten stellenweise um bis zu 90 Prozent.
Markenbildung. Soziale Medien sind ein ideales Terrain,
um die Markenbekanntheit des Unternehmens sowie
einzelner Produkte zu stärken. So ließ Chipshersteller
Doritos eine Werbekampagne zum amerikanischen
Super Bowl von seinen Kunden im Online-Wettbewerb
kreieren – die Produktion des späteren Gewinner-Spots
kostete das Unternehmen fast nichts und brachte im Gegenzug signi¿kante Verkaufssteigerungen. Vorbildliches
Corporate Branding betreibt derzeit General Electric
beim Trendthema Nachhaltigkeit: Der Mischkonzern
nutzt alle relevanten sozialen Online-Kanäle für seine
CSR-Kommunikation, lässt die User Nachhaltigkeitsideen bewerten und eigene entwickeln. Zu den Top Ten
auf diesem Gebiet zählen auch die Konsumgüterhersteller Pepsi, Nokia und PUMA. Unternehmen wie Bertelsmann, Kraft Foods und OTTO wiederum nutzen soziale
Netze intensiv, um ihr Image als Arbeitgeber zu stärken
und neue Talente zu gewinnen.
Kundenservice. Mängel bei Serviceleistungen werden
von den Internetgemeinden besonders rasch angeprangert – ein Hinweis an die Unternehmen, ihre Customer
Services besser an die Kundenerwartungen anzupassen.
Der Elektronikhändler Best Buy hat hierzu eigens
„Twelp-force“ eingerichtet, einen Twitter-basierten
Kundenservice, bei dem 2.700 Mitarbeiter von Best
Buy als Ansprechpartner registriert sind. Der schnelle
46
Social Media
1. Neue Meinungsmacht: Soziale Netzwerke liefern wertvolle Erkenntnisse über
das Kaufverhalten von Konsumenten
50 % der Nutzer stellen verbraucherrelevante
Informationen und Produktbewertungen ins Netz
> 66 % der Konsumenten weltweit nutzen OnlineProduktbewertungen für ihre Kaufentscheidungen
> 35 % der Verbraucher folgen WOM1 und den
Kaufempfehlungen anderer Kunden im Netz
60 Mal pro Tag wird eine Marke durchschnittlich
in sozialen Netzwerken erwähnt2
> 750 Mio. Mitglieder sind auf Facebook registriert
1 Word of Mouse, die Internetvariante von Word of Mouth (Mundpropaganda)
Quelle: McKinsey
2 Englischsprachige Webseiten
Draht (durchschnittliche Antwortzeit 15 Minuten)
erhöht nicht nur die Kundenzufriedenheit, sondern
hilft dem Unternehmen auch, Kosten zu sparen. Noch
ef¿zienter wird der Kundendienst im Netz, wenn die
Online-Community selbst aktiv wird und sich untereinander mit digitalem Rat zur Seite steht, ohne dass
ein Mitarbeiter des Unternehmens tätig werden muss.
unter knapp 50 Konsumgüterherstellern und Einzelhändlern stehen soziale Medien bei 46 Prozent der
Unternehmen ganz oben auf der To-do-Liste ihres
Marketings. Dennoch schrecken viele noch vor einem
Engagement zurück, hauptsächlich aus Angst, die Kontrolle über ihre Werbebotschaften zu verlieren – eine
begründete Sorge.
Dass sich der Einsatz sozialer Medien vielfach lohnen
kann, bestätigt eine McKinsey-Umfrage unter mehr als
3.000 Unternehmen weltweit. Zielgruppen lassen sich
häu¿g besser, direkter und dabei kostengünstiger erreichen, so das Urteil. Jeder zweite Befragte registriert eine
höhere Zufriedenheit seiner Kunden, fast zwei Drittel
verzeichnen ein effektiveres Marketing mit Einsparungen von durchschnittlich 15 Prozent. Social Media können auch direkt umsatzwirksam sein: Die Jahresanalyse
eines Produkts einer Babyartikelmarke im westeuropäischen Markt zeigte eine hohe Korrelation zwischen
der Intensität, mit der die Marke in sozialen Netzwerken
diskutiert wurde („Brand Buzz“), und den Produktverkäufen (Gra¿k 2, Seite 48).
Soziale Netzwerke haben die Macht, den guten Ruf von
Marken und ihren Herstellern gleichsam über Nacht zu
demontieren: User nehmen Werbekampagnen in Spottvideos aufs Korn und enthüllen Produktmängel für jeden
sichtbar auf YouTube. Sie posten Verrisse in Verbraucherforen, rufen via Twitter zu Kaufboykotts auf und
prangern auf Facebook Aktivitäten von Unternehmen an
– manchmal sogar auf deren eigenen Fanseiten.
Risiko Social Media – und welche Strategie hilft
Welche Chancen auf Wachstum sowie Umsatz- und Pro¿tsteigerung im Web 2.0 stecken, ist auch deutschen
Unternehmen inzwischen bewusst. Laut einer Umfrage
Kontrollverluste im sozialen Netz sind oft Folge eines
fehlenden Konzepts. Um Kommunikationspannen zu
vermeiden und zugleich das Marketingpotenzial von Internetforen voll zu nutzen, brauchen Unternehmen eine
klare Strategie und sorgfältige Analysen. Bewährt hat
sich ein Ansatz in drei Schritten: Bewertung der sozialen
Medien im eigenen Marktkontext, Priorisierung möglicher Handlungsfelder und Schaffung der organisatorischen und technischen Voraussetzungen für wirkungsvolle Online-Aktivitäten.
Akzente
2’11
47
NM Incite findet heraus, was Verbraucher wirklich denken
Das Joint Venture von McKinsey und dem Marktforschungsunternehmen
Nielsen analysiert die Stimmungen in 145 Millionen Blogs, Portalen und
Netzwerken: So funktioniert „Marketing von unten“.
Unternehmen, die in Social Media aktiv werden
wollen, brauchen geeignete Werkzeuge. Was denken
Verbraucher tatsächlich über ein Produkt? Wo
liegen ihre wahren Bedürfnisse und Prioritäten?
Fragen wie diese werden in klassischen Verbraucherumfragen selten ehrlich beantwortet. Das zeigte
2010 eine Fallstudie, die Kunden zu einer Stoffwindelsorte befragte und die Resultate mit den frei
geäußerten Meinungen zu diesem Produkt im Internet verglich (Gra¿k unten). Während in der Umfrage politisch korrekt die Umweltfreundlichkeit
ganz oben rangierte, spielte in Social-Media-Diskussionen die Hautfreundlichkeit die größte Rolle. Und
der Preis, in der Umfrage auf Platz 2, fand sich in
Social Media weit unten.
Solche Verbraucherbedürfnisse und -einstellungen
decken die Tracking Tools von NM Incite auf. Das
Kooperationsunternehmen zur Analyse sozialer
Medien, das McKinsey zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Nielsen ins Leben gerufen hat,
greift auf einen Datenbestand aus 145 Millionen
Blogs, Portalen und Netzwerken zu und zieht aus
Milliarden von Konversationen marketingrelevante
Erkenntnisse mit Hilfe selbst entwickelter Softwareprogramme, Metriken und Analysemethoden. NM
Incite betreibt echtes „Marketing von unten“, indem
es Menschen in ihrer ureigenen Blogosphäre „zuhört“. Soziale Netzwerke offenbaren wie kaum ein
öffentlicher Raum sonst die ehrlichen Ansichten und
Wünsche von Konsumenten – und bilden damit eine
wertvolle Quelle für Marketingaktivitäten. NM Incite
folgt praktisch in Echtzeit dem „Buzz“ im Netz und
gibt Unternehmen damit die Möglichkeit, rasch auf
Meinungstrends zu reagieren und gegebenenfalls
schnell gegenzusteuern, falls Gefahren für die Marke
drohen.
Mehr noch: Mit Analysewerkzeugen, wie NM Incite
sie bereitstellt, können Unternehmen das volle
Potenzial sozialer Netzkommunikation erschließen.
Sie helfen ihnen, Diskussionen aktiv zu steuern,
Konsumenten individuell anzusprechen und so die
eigene Marketingeffektivität spürbar zu steigern.
Mehr als 150 Klientenunternehmen in 20 Märkten
nutzen das Tool bereits – für ihre Produktentwicklung, bei der Markenkommunikation oder zur Verbesserung ihres Kundenservice.
Produkteigenschaften, die in einer
Umfrage abgefragt wurden
Begriffe, die online im Zusammenhang
mit dem Produkt genannt werden
Prozent der Befragten, die voll zustimmen
Relative Werte
Umweltfreundlich
68
Wirtschaftlich
40
Gesünder
Bequemer
Passen gut
Quelle: McKinsey
25
18
13
Natürlich, hautfreundlich
42
Windelausschlag
28
Auswaschbar
10
Preisgünstiger
8
Kosten
4
Umweltfreundlich
2
48
Social Media
2. „Buzz“ bringt Umsatz: Intensive Diskussionen in sozialen Medien beeinflussen den Verkauf signifikant1
Tatsächlicher Umsatz
Markenumsatz
in Tsd. GBP pro Woche
Buzz-Volumen
Brand-Buzz-Volumen
Nennungen pro Woche
120
100
100
80
80
60
40
Korrelationsfaktor 0,48
0
Mai 2009
Jul
Sep
Nov
Jan 2010
Mär
Mai
Jul
0
1 Beispiel: Babyartikel
Quelle: Umsatzdaten Nielsen; NM Incite; McKinsey-Analyse
Social-Media-Kontext verstehen. Zunächst gilt es, die
Bedeutung sozialer Medien für das eigene Marktsegment
auszuloten. Beispiel Fernseher: Auf welchen Webseiten
tauschen sich Verbraucher über diese Produktkategorie
aus? Wie intensiv gestalten sich die Diskussionen und
wer steuert sie? Wie präsent ist die eigene Marke? Welche Strategien verfolgen die Wettbewerber? Zuverlässige
Antworten auf diese Fragen liefern Buzz-Erhebungen,
Zielgruppensegmentierungen sowie qualitative und
quantitative Wettbewerbsanalysen.
Handlungsfelder bestimmen. Ist der Social-MediaKontext erfasst, geht es an die Priorisierung möglicher
Handlungsfelder in drei Kategorien: erfolgskritische Bereiche (so genannte Must-haves), Experimentierfelder
und Beobachtungsterrains. Für die Produktentwicklung
etwa wäre ein mögliches Must-have das systematische
Sammeln und Auswerten von Konsumentenmeinungen
über Produkteigenschaften, um diese gezielt verbessern
zu können. Im Bereich Kundendienst könnten Serviceangebote auf sozialen Plattformen ein lohnenswertes
Experimentierfeld sein. Und im Verkauf wäre eine
eigene Social-Commerce-Seite ein typisches Beobach-
tungsterrain, dessen Vor- und Nachteile längerfristig
abzuwägen sind. Wichtige Kriterien für die Priorisierung
solcher Handlungsfelder sind in jedem Fall der erwartete
Nutzen, der Implementierungsaufwand und mögliche
Risiken, etwa für die Reputation.
Umsetzungsvoraussetzungen schaffen. Um die geplanten Aktivitäten erfolgreich zu realisieren, sind oft strukturelle Anpassungen, neue Prozesse und die Aneignung
spezi¿scher Techniken und Tools erforderlich. Noch
sind viele Organisationen für den Umgang mit sozialen
Medien nur unzureichend gerüstet: Fast zwei Drittel der
von McKinsey befragten Unternehmen haben die Verantwortlichkeiten für Social Media breit im Unternehmen gestreut oder überhaupt noch nicht geregelt. Auch
die Berichtsstrukturen sind diffus – sie reichen vom
Marketing über die Unternehmenskommunikation bis
zum Kundenservice. Abhilfe schaffen hier klar de¿nierte
Rollen, die Bildung cross-funktionaler Exzellenzteams
und standardisierte Abläufe von der Medienanalyse bis
zum Aktionsplan. Ziel sollte es sein, das Social-MediaEngagement in die Kernprozesse zu integrieren und als
feste Größe in der Organisation zu verankern.
Akzente
2’11
Die „soziale Revolution“ im Netz hat die Unternehmen erfasst: Kaum eine Branche, die nicht über den
Einsatz von Social Media nachdenkt – ganz besonders im B2C-Geschäft. Zu wichtig sind diese Medien
geworden, vor allem um jene Multiplikatoren zu
erreichen, die Meinungstrends im Netz setzen und
damit Kaufentscheidungen maßgeblich beeinÀussen. Denn so Àüchtig der „Buzz“ auf den ersten Blick
erscheint, so massiv kann er auf das Verhalten der
Konsumenten einwirken. Ob ein Produkt am Markt
reüssiert oder durchfällt, wird zunehmend in virtuellen Netzwerken wie Facebook, Twitter & Co.
entschieden. Unternehmen, die dieser Herausforderung heute mit professionellen Ansätzen begegnen,
werden morgen den Wettstreit um die Kunden
gewinnen.
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49
Kernaussagen
1. Der Vormarsch sozialer
Online-Netzwerke und die neue
Interaktivität der Konsumenten
erfordern eine grundlegende
Revision klassischer Marketingansätze.
2. Eine tief in der Organisation verankerte Social-MediaStrategie ist der beste Weg, das
Marketingpotenzial sozialer
Medien voll auszuschöpfen und
ihre Risiken zu beherrschen.
3. Analysetools wie NM Incite
helfen, soziale Medien professionell zu nutzen, um Kunden zu
erreichen, ihre Bedürfnisse zu
verstehen und sie für Produkte
und Services zu begeistern.
Autoren
1 Dr. Klaus Behrenbeck ist Partner im Kölner Büro von McKinsey und Leiter des europäischen
Konsumgüter- und Handelssektors.
2 Dr. Mathias Kullmann ist Partner im Düsseldorfer Büro von McKinsey und Mitglied der Marketing & Sales Practice. Er berät Unternehmen vor allem zu E-Commerce und Digital Marketing.
3 Dr. Dennis Spillecke ist Partner im Kölner Büro von McKinsey. Im Konsumgüter- und Handelssektor leitet er die Bereiche Retail Marketing sowie Digital Marketing und ist Co-Leiter der Branding
Service Line.
50
Kommentar
Die Marke ist eine bedrohte Spezies ...
... beobachtet Christian Köhler, Hauptgeschäftsführer des
Markenverbands. Er wirbt dafür, sie aktiv zu schützen.
Eigentlich sollte die Bedeutung von
Marken hinlänglich bekannt sein. Sei es
als Orientierungs- und Wertesystem für
Gesellschaft und Verbraucher oder auch
als wesentliches Differenzierungsmerkmal, mit dem sich Unternehmen in zunehmend globalisierten Märkten behaupten können. Marken sind damit eine
Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche
Zukunft. Trotz dieser Bedeutung sind
Marken ständiger Bedrohung ausgesetzt.
Zu nennen sind hier das illegale Nutzen
von Rechten der Markeninhaber, die
unberechtigte Beschädigung des Markenvertrauens, die Beschneidung der Möglichkeit, Markenvertrauen aufzubauen,
und letztlich die Zerstörung der Marke
selbst durch den Staat oder zumindest
durch staatliche Unterstützung.
Die volkswirtschaftlichen Schäden durch Produktund Markenpiraterie werden auf 5 bis 7 Prozent vom
Wert des Welthandels geschätzt.
Produkt- und Markenpiraterie ist eine der
größten Bedrohungen für qualitäts- und
innovationsgetriebene Volkswirtschaften
und deren nachhaltiges Wachstum. Die
Markenwirtschaft ist über fast alle Branchen hinweg von Produkt- und Markenpiraterie betroffen. Verbraucher gehören
immer zu den Geschädigten: Durch
individuellen Schaden, den sie durch den
Kauf eines Plagiats erleiden, oder indirekt
durch den volkswirtschaftlichen Schaden.
Immerhin werden die volkswirtschaftlichen Schäden durch Produkt- und
Markenpiraterie auf 5 bis 7 Prozent des
Werts des Welthandels geschätzt. Der
Anreiz, Marken zu fälschen, ist gerade
deshalb gegeben, weil der Ertrag pro
gefälschter Einheit sehr hoch ist und
Rechtsbrecher kaum mit Strafverfolgung
zu rechnen haben.
Damit Marken Wertelieferanten im besten Sinne für Unternehmen, Verbraucher
und Gesellschaft sein können, ist die
Kommunikationsfreiheit von Produkten
und Marken ein wesentliches Element,
müssen fairer Wettbewerb und der Schutz
vor überbordender Regulierung gewährleistet sein. Gerade gegen Regulierung
können sich Markenunternehmen selbst
kaum wehren.
So wird die Orientierungsfunktion von
Marken zerstört, wenn Marken abgeschafft werden oder ihre Benutzung auf
ein nahezu unkenntliches Maß reduziert
wird. Genau dies sind beispielsweise die
Bestrebungen von EU-Kommissar John
Dalli beim so genannten Plain Packaging
– geplant ist zunächst der Vertrieb von
Tabakprodukten in neutralen Verpackungen mit vorgeschriebener, einheitlicher
Schrift, ohne jegliche Logos, Markenbilder und Produktnamen. Dies stellt in
erster Linie eine Enteignung der Markeninhaber dar und führt zur Vernichtung
von Markenwerten. Wenn Marke Risikominimierung beim Kauf bedeutet, so
Akzente
2’11
51
führen das Verbot von Marken, das Verbot der Werbung am Point of Sale und das
Verbot der Ausstellung der Ware selbst,
nur zu einem: Der Verbraucher wird
bewusst dem Risiko ausgesetzt, falsche
Produkte zu kaufen.
Besonders im Namen von so genanntem
Verbraucherschutz herrscht in Deutschland die Tendenz, die Entscheidungen
des freien, mündigen Verbrauchers zu
beschneiden und die Selbstverantwortung des Einzelnen zu reduzieren. Und
Marken leiden hier besonders. Auch wenn
der Staat nicht immer direkt eingreift, so
werden Dritte mit staatlichen Mitteln in
die Lage versetzt, Marken anzugreifen
und Unternehmenswerte zu beschädigen.
Wer über Internetplattformen wie lebensmittelklarheit.de neben sinnvollem
Informationsaustausch auch den ungehemmten, nicht sachlich, sondern rein
emotional getriebenen Angriff auf den
Wert von Marken ermöglicht, der nimmt
Folgendes in Kauf: Der Ruf von Marken
wird trotz rechtstreuem Verhalten geschädigt und eine notwendige Diskussion
wird verhindert.
internationaler Abkommen, wie beispielsweise das Antipiraterieabkommen
ACTA. Überschießenden regulatorischen
Tendenzen auf politischer Seite muss mit
aller Entschiedenheit entgegengetreten
werden. So gilt es, die Kommunikationsfreiheit von Unternehmen und Marken
zu erhalten. Auch zukünftig muss jedes
legal hergestellte und vertriebene Produkt
auch frei beworben werden dürfen. Und
last but not least ist die Diskussion im
Namen des Verbraucherschutzes zu
versachlichen.
Für den Erhalt eines qualitätssichernden
Wettbewerbs muss es Ziel bleiben, Marken vor Bedrohungen aktiv zu schützen.
Im Bereich der Produkt- und Markenpiraterie gehört hierzu die Schaffung
von Wissen um diese Straftaten genauso,
wie eine Verschärfung des Strafrechts
oder die Rati¿zierung und Umsetzung
Die Themen und Handlungsgebiete
sind vielfältig und nur durch gesamtgesellschaftliches Engagement zu lösen.
Vor diesem Hintergrund verleiht der
Markenverband den Unternehmen der
Markenwirtschaft eine starke Stimme
und engagiert sich für verlässliche
Rahmenbedingungen.
Kommunikationsfreiheit,
fairen Wettbewerb und
Schutz vor überbordender
Regulierung für die Marken verlangt Christian
Köhler, Hauptgeschäftsführer des Markenverbands, in seinem AkzenteKommentar.
52
Werkstatt: aktuelle Themen
McKinsey Capability Center eröffnet
Neues Trainingszentrum am Flughafen München
In der Nähe des Flughafens München
wurde jetzt das McKinsey Capability
Center eröffnet. Hier werden Mitarbeiter
von Klienten künftig in realistischer
Arbeitsumgebung erleben, wie sich Verbesserungen in Unternehmen erreichen
lassen. „Wir wollen die Fähigkeiten der
Klientenmitarbeiter so weiterentwickeln,
dass sie neue Konzepte und Veränderungsprozesse eigenständig umsetzen
können“, erklärt McKinseys Deutschlandchef Frank Mattern. Mehr als 30 Berater
waren an der Konzeption des Capability
Center beteiligt und werden die Trainings
leiten. Hier können künftig bis zu 80 Personen gleichzeitig Verbesserungsprozesse
Praxisnahe Entwicklung:Klientenmitarbeiter konzipieren im MCC einen Roboter.
ausprobieren und erlernen. Claus Benkert, Leiter des Centers: „Erlebnisbasiertes Lernen ist nach wissenschaftlichen
Untersuchungen viel effektiver für
Erwachsene, als sich neues Wissen nur
aus Büchern und Vorträgen anzueignen.“
EMAC und McKinsey
küren beste MarketingDoktorarbeit in Europa
Vier Wege zu mehr
Kreativität für Manager
und ihre Teams
Herausragende wissenschaftliche Arbeiten aus
der IT gesucht
Die European Marketing Academy
(EMAC) und McKinsey haben zum dritten Mal den „EMAC McKinsey Marketing
Dissertation Award“ für herausragende
Forschungsarbeiten im Bereich Marketing vergeben. Der Preis wurde beim
Galadiner der jährlichen EMAC-Konferenz in Ljubljana verliehen. Gewinner des
mit 7.000 Euro dotierten Preises ist Carlos Jorge da Silva Lourenço, der für seine
Doktorarbeit an der niederländischen
Universität Tilburg ausgezeichnet wurde.
Gegenstand seiner Arbeit sind das Preisimage von Geschäfts¿lialen sowie dessen
EinÀuss auf die Wahl der Einkaufsstätte.
Bewerbungen für den Award 2012 sind
ab Herbst möglich, Informationen unter
www.marketing-dissertation-award.eu
Kreativität lässt sich trainieren: In einem
aktuellen Artikel über neue Wege zu mehr
Kreativität in Meetings und Brainstormings setzt das McKinsey Quarterly auf
Erkenntnisse der Neurowissenschaft. Danach sind Wahrnehmung und Kreativität
eng verknüpft. Nur wer sein Hirn mit neuen, nie wahrgenommenen Dingen konfrontiert, kann aus gewohnten Denkschablonen ausbrechen. Darauf basierend
entwickeln die Autoren vier Ansätze, mit
denen Manager und ihre Teams kreative
Lösungen für überkommene Probleme
¿nden und auch neue Wachstumschancen
identi¿zieren können. Der ganze Bericht
wurde auf www.mckinseyquarterly.com
veröffentlicht („Sparking creativity in
teams: An executive’s guide“).
Wer eine wissenschaftliche Arbeit zu
einem businessrelevanten IT-Thema
verfasst hat, kann sich ab sofort für den
Business Technology Award 2011 von
McKinsey bewerben. Der Wettbewerb
richtet sich an Doktoranden, die im Bereich Wirtschaft und Technologie forschen. Bewerbungsschluss für den mit
insgesamt 12.500 Euro dotierten Preis
ist der 3. Oktober 2011. Die Verfasser der
besten eingereichten Arbeiten werden
zu einer Konferenz nach Kitzbühel am
25. und 26. November 2011 eingeladen.
Dort präsentieren sie ihre Ergebnisse
einer Jury aus Managern, Professoren
und McKinsey-Experten.
Mehr Informationen unter:
www.bt-award.mckinsey.de
Haben Sie Fragen oder Anregungen? Wir freuen uns auf Ihre E-Mail: [email protected]
Akzente
1’10
Impressum
Herausgeber
Dr. Klaus Behrenbeck
McKinsey & Company, Inc.
Consumer Industries & Retail Group
Magnusstraße 11
50672 Köln
Tel.: +49 (0)221 208-7270
Redaktion
MEX – Medienbüro EXTERN GmbH,
Hamburg
www.mexmedien.de
Druck
Print- und Medienproduktion
Hamburg GmbH
Fotos/Illustrationen
Dreamstime, iStockphoto, Matthias
Jung, Markenverband, Markus Milde,
Tengelmann, YouTube, McKinsey
Hat sich Ihre Adresse geändert?
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