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Familie
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leicht we
so schwer ist
Trotz zahlreicher
Diäten klappt es mit dem
Abnehmen einfach nicht? Während
viele Diäten eher krank als schlank machen,
kann es mit der richtigen Strategie funktionieren.
Hier berichten Landfrauen über ihre Diäterfahrungen
und den Kampf mit den Kilos.
D
ie Blutgruppen-Diät, die LogiMethode oder doch die Ananasdiät? Wer abnehmen will, hat zig
Möglichkeiten, sein Wunschgewicht zu erreichen. Doch viele Diäten machen eher
krank als schlank und bleiben auf lange
Sicht wirkungslos, bestätigen Experten. Im
schlimmsten Fall bringen die Diätwilligen
dank des Jojo-Effekts hinterher sogar
mehr Gewicht auf die Waage als zuvor.
Wir haben mit Bäuerinnen und Landfrauen aus dem Raum Hildesheim gesprochen, die es trotz schlechter Erfahrungen noch einmal mit einer Diät versucht haben – und mit ihrer Strategie
Erfolg hatten.
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Ernährungsumstellung
statt Crash-Diät
Die Landfrauen und Bäuerinnen aus
Hildesheim trafen sich zum Abnehmen
zu 10 Gruppensitzungen im Rahmen des
Kurses „Leichter leben“, ein gemeinsames Projekt der Landwirtschaftskammern und der Landwirtschaftlichen Krankenkasse (LKK) unter der Leitung einer
Ernährungsberaterin.
Die Vorgaben der Expertin waren so
einfach wie wirkungsvoll: Strikte Ess-Verbote gab es nicht – und nur an eine einzige Regel sollten die Frauen sich während
des Abnehmens halten: Jeden Tag standen
400 g Gemüse auf dem Speiseplan, egal
ob roh, gekocht oder als Salat. Das Ziel
des Kurses: Eine langfristige Ernährungsumstellung statt einer Blitzdiät.
Zusätzlich analysierte Ernährungsberaterin Monika Renziehausen-Blanke gemeinsam mit den Frauen ihr Essverhalten. Mehrmals pro Woche stand zudem
Sport auf dem Plan.
Insgesamt war das Programm ein voller Erfolg: In der Summe haben die 12
Teilnehmerinnen während der 10 Kurswochen 52 Kilo abgenommen – im
Durchschnitt also 4,5 kg pro Person. Gut
so: Ein langsamer Gewichtsverlust von
höchstens 0,5 kg pro Woche gilt unter
Fachleuten als besonders erfolgversprechend. Der Körper hat dann ausreichend
Zeit, sich an die „Hungerphase“ zu gewöhnen. Seine Mechanismen, den Gewichtsverlust zu bremsen, werden so zumindest teilweise ausgehebelt. Und Gesundheit und Wohlbefinden verbessern
sich bereits mit den ersten schwindenden
Kilos.
Was Experten außerdem längst vermuten, bestätigen auch die Kursteilnehmerinnen: „Die Gruppe hat mich beim
Annedore Schaper, 63,
Adenstedt
» Ich habe schon viele
Blitz-Diäten hinter mir,
Jojo-Effekt inklusive. Ich
hoffe, dass es mir jetzt
gelungen ist, meine
Ernährung dauerhaft
umzustellen.«
Abnehmen regelrecht beflügelt“, sagt
Annedore Schaper aus Adenstedt. „Wenn
einer mal einen Durchhänger hatte, dann
haben die anderen ihn wieder aufgebaut“,
so die Bäuerin weiter.
Etwas skeptischer war hingegen Teilnehmerin Grudrun Mushardt anfangs.
„Ich war mir nicht sicher, ob mir das Abnehmen in der Gruppe zu öffentlich ist.
Aber nach der ersten Sitzung legten sich
meine Bedenken“, so die Bäuerin.
Hungern macht dick
Während der Gruppensitzungen vermittelte die Ernährungsberaterin den
Landfrauen die Grundlagen einer leichten und ballaststoffreichen Ernährung:
Nach diesem Prinzip sind auch andere
anerkannte Diäten, wie z.B. die kalorienreduzierte Mischkost, aufgebaut. Sie folgen den neuesten Erkenntnissen der Er-
FdH („Friss die
Hälfte“) ist mit
Sicherheit der
falsche DiätAnsatz. Trotzdem
lohnt es sich,
Portionsgrößen zu
hinterfragen. Muss
es wirklich immer
das Riesenschnitzel sein?
nährungswissenschaft.
„Verbote gibt es nicht“, erläutert Ernährungsberaterin Monika
Renziehausen-Blanke das DiätPrinzip. Stattdessen ist das Ziel,
langfristig die Auswahl und Zusammensetzung der Speisen zu
verändern. Fettes und Süßes sollten nur ausnahmsweise auf den
Tisch kommen, während ballaststoffreiche und natürlicherweise
kalorienarme Nahrung reichlich
verzehrt werden. „Es ist wichtig,
dass die Teilnehmer trotz reduzierter Kalorienaufnahme nicht hungern“,
gibt Monika Renziehausen-Blanke zu bedenken. „Denn wer großen Hunger hat,
neigt dazu, Lebensmittel wahllos und unkontrolliert in sich hineinzustopfen.“
Zwar bleibt der
Grundsatz: „Wer ab-
Ran an den Speck?
Bevor man sich einer anstrengenden
Diät unterzieht, sollte man erst einmal
prüfen, ob sie überhaupt nötig ist. Denn
auf die Frage „Bin ich zu dick?“ werden
im Allgemeinen mehr Frauen mit
„Ja“ antworten als mit
„Nein“ – auch wenn
medizinisch gesehen alles in bester Ordnung ist.
Niemand, der Kleidergröße 42 trägt, sollte
sich vom gegenwärtigen Schlankheitsideal terrorisieren lassen. Im Gegenteil:
Dem aktuellen superdünnen Frauenideal nachzueifern,
kann ebenfalls große
gesundheitliche Risiken bergen.
Doch wo liegt die Grenze zwischen
Normal- und Übergewicht? Wissenschaftler beurteilen das Gewicht nach
dem so genannten
Body Mass Index
(BMI) in Zusammenhang mit dem
Körperfettanteil und
dem Fettverteilungsmuster.
Der Nachteil daran: Wer seinen BMI
berechnen möchte, braucht einen Taschenrechner. Der BMI ist festgelegt über
das Verhältnis: BMI = Körpergewicht (kg) / Grösse (m)
x Grösse (m).
Als normalgewichtig gelten Frauen mit
einem BMI zwischen
20 und 25. Mit dem
Alter steigt allerdings
der Wert, der als gesundheitlich unbedenklich gilt (ab 35 Jahre ist
bis zu einem BMI 26 alles in Ordnung, ab
45 bis BMI 27, ab 55 bis BMI 28 und ab
65 Jahre bis BMI 29).
Besonders gut kann man das gesund-
nehmen will, muss weniger Energie aufnehmen als er verbraucht“ unumstößlich.
„Wichtig ist aber, es dem Körper dabei
so angenehm wie möglich zu machen“,
bringt die Ernährungsberaterin es auf
den Punkt.
Dabei spielt Gemüse, egal ob
roh, gekocht oder in der Suppe,
heitliche Risiko von Über- oder
Untergewicht einschätzen, wenn
man zusätzlich den Körperfettanteil und die Fettverteilung mit in
Betracht zieht. Bei Frauen sollte der
Körperfettanteil zwischen 21 und 28
Prozent liegen. So genannte „Impedanzwaagen“ bestimmen mittels
elektrischem Widerstand den Körperfettanteil. Allerdings messen die Waagen
für den Hausgebrauch oft ungenau und
können nur eine Tendenz aufzeigen.
Zudem gilt eine birnenförmige Fettverteilung als gesünder: Das Fett, das
sich an den Oberschenkeln und am Po
festsetzt, ist träger und greift nicht so
stark in die Regelkreise und Stoffwechselprozesse im Körper ein, wie das Fett,
das sich am Bauch ablagert.
Wer laut dieser Definition übergewichtig ist, hat aus medizinischer Sicht
allen Grund, abzunehmen. Es muss gar
nicht viel sein: 4 bis 5 Kilo weniger reichen schon aus, um die Blutwerte zu
verbessern und das allgemeinem Wohlbefinden zu steigern.
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Familie
eine wichtige Rolle. Denn Experten gehen davon aus, dass nicht
nur die aufgenommene Energiemenge für das Sättigungsgefühl
verantwortlich ist, sondern auch
der Grad der Magenfüllung. Dafür
ist Gemüse ideal: Es hat kaum Kalorien, dafür aber viel Volumen:
Der Magen wird davon schön voll.
Gleichzeitig versorgt es den Oganismus mit wichtigen verdauungsfördernden Ballaststoffen und
sekundären Pflanzenstoffen. „Idealerweise hat man immer geschnittenes Gemüse vorrätig. Dann kann
man sofort zugreifen, wenn der
Heißhunger kommt“, rät die Ernährungsberaterin.
Ein große Hilfe, so lautet die einhellige Meinung der Landfrauen,
war zudem die Ernährungsberatung
durch eine Fachfrau. „Landfrauen
wissen ja meistens schon sehr viel
über gesunde Ernährung. Dennoch
gibt es viele Tricks und fettarme,
aber schmackhafte Rezepte, die
weitgehend unbekannt sind“, hat
Monika-Renziehausen-Blanke beobachtet. Die Landfrauen bestätigen:
„Ich dachte immer, ich müsste während einer Diät komplett auf Fett
verzichten – dabei kommt es nur
darauf an, dass ich die richtigen Fette verwende“, erklärt eine Landfrau. Sie bindet ihre Soßen und Suppen jetzt nicht mehr mit Schwitze
oder Sahne, sondern mit pürierten
roten Linsen.
Darüber hinaus geben die Teilnehmerinnen heute ursprünglichen Nahrungsmitteln mit wenig
Kalorien aber hohem Sättigungsgrad den Vorzug, wie z. B. Kartoffeln, Magerquark oder magerem
Schinken.
Auch eine Analyse des Essverhaltens half den Landfrauen bei
der Umsetzung ihrer Diät. „Uns
wurde vor Augen geführt, dass wir
oft nicht essen, weil wir Hunger
haben, sondern um andere Bedürfnisse zu befriedigen: Als Belohnung, als Stresskiller oder aus Langeweile. So konnten wir unser Verhalten hinterfragen und ändern“,
ergänzt Waltraud Bohnsack aus
Bockenem.
Im Alltag
widerstehen?
Doch der Alltag stellt die diätwilligen Landfrauen tagtäglich neu
auf die Probe. „Im Alltag ist es
schwer, sich strikt an den Diätplan
zu halten“, berichten die Teilnehmerinnen einhellig. Da verführen
170 top agrar 3/2010
Gudrun Mushardt, 60,
Almstedt
» Anfangs war ich
hochmotiviert, habe
mich viel bewegt und gut
abgenommen. Jetzt
muss ich aufpassen,
dass ich nicht in den
alten Trott zu rückfalle.«
Waltraud Bohnsack, 62,
Bockenem
» Ich esse immer noch
jeden Tag 400 g
Gemüse und mache
zweimal in der Woche
Walking. Insgesamt
habe ich dadurch 9 kg
abgenommen.«
Barbara Bartels, 35,
Haus Escherde
» Früher habe ich mir
beim Abnehmen hohe
Ziele gesteckt - mit fünf
Kilo hätte ich mich nicht
abgegeben. Aber anders
als früher halte ich die
jetzt wenigstens.«
Andrea RodenbergLauenstein, 45, Bockenem
» Meine Familie stört es
nicht, dass ich etwas
anders koche. Oft essen
wir leichtere Gerichte.
Und wenn es Klopse
gibt, nehme ich einfach
mehr Gemüse.«
einerseits die Einladungen zum
Kaffeeklatsch oder zum üppigen
Abendessen zum über die Strenge schlagen; andererseits erschweren auch der Familienalltag
und die Ansprüche der anderen
Familienmitglieder das Durchhalten.
Auffällig: Es fällt gerade den
Frauen schwer, sich strikt an eine
Diät zu halten, die in der Familie
für das Zubereiten der Mahlzeiten zuständig sind. Sie müssen
ständig mit Essen hantieren –
auch, wenn sie sich am liebsten
davon ablenken würden. Zudem
untergräbt häufig die mangelnde
Solidarität der anderen Familienmitglieder den Diätwillen, berichten andere Frauen. „Im ersten
Moment fehlte meiner Familie
das Verständnis für meine Diät.
Niemand wollte mich unterstützen, berichtet eine Landfrau. Sie
ergänzt: „Mein Mann muss nicht
abnehmen und braucht mittags
eine ordentliche Portion. Da fällt
es mir doppelt schwer, für mich
die Erbsen abzuzählen“, so die
Bäuerin weiter.
Überwiegend erfuhren die anderen Teilnehmerinnen jedoch
Unterstützung vom Partner und
den Kindern. „Meine Familie
stört es nicht, dass ich etwas anders koche als früher“, berichtet
Andrea Rodenberg-Lauenstein.
„Oft gibt es leckere leichte Gerichte. Und wenn doch mal etwas
Schweres auf dem Plan steht,
nehme ich einfach etwas mehr
Gemüse. Aber ich koche nie zwei
Gerichte“, berichtet die Bäuerin.
Aus ganz unterschiedlichen
Gründen entschlossen sich die
Frauen vorab zu einer Diät. Vor
allem gesundheitliche Beschwerden, wie z. B. Bluthochdruck, Gelenkverschleiß, Arthrose, Herzinfarkt, Kreislauferkrankungen und
Diabetes waren der Auslöser zum
Abspecken. „Gegen meine Hüftschmerzen wollte ich etwas tun.
Die Gewichtsreduktion hat Wunder gewirkt“, berichtet Annedore
Schaper aus Adenstedt. Jetzt ist
sie 11 kg leichter und hat kaum
noch Schmerzen in den Beinen.
Die junge Barbara Bartels war
Hannelore Lemme und
Ernährungsberaterin Monika
Renziehausen-Blanke leiteten
den Leichter Leben-Kurs.
Weitere Infos gibt es bei den
Landwirtschaftskammern.
Macht fit und
schlank: Durch
Bewegung baut
der Körper
Muskeln auf
und verbrennt
dauerhaft mehr
Kalorien. Egal,
ob beim Joggen,
Walken oder
Radfahren.
Fotos:
Bröcker (1),
Heil (11),
Hingst (4),
privat (2)
hingegen genervt von ihren überflüssigen
Pfunden. „Ich habe mich in meiner Haut
einfach nicht mehr wohlgefühlt“, berichtet die 35-Jährige.
Ohne Sport läuft nichts
die sie seit dem Kurs fest in ihren Alltag
eingebaut hat – eine Einschätzung, die fast
alle Kursteilnehmer teilen. „Anfangs habe
ich nicht begriffen, warum ich mich noch
mehr bewegen soll. Ich renne doch schon
den ganzen Tag über den Hof“, berichtet
Beim Halten des neuen Gewichts helfen ihr die regelmäßigen Sporteinheiten,
Diät: Auf den Punkt
Diese zehn Regeln führten bei den
Teilnehmerinnen zum Diäterfolg:
❍ Jeden Tag 400 g Gemüse essen; gekocht, als Rohkost oder als Salat. Das
füllt den Magen, sättigt, liefert wertvolle Nähr- und Ballaststoffe und hat kaum
Kalorien.
Viel Trinken: Mindestens 2 Liter
Wasser und Tee am Tag unterstützen
die Verdauung und auch die Diät.
❍ Naturbelassene Lebensmittel mit
wenig Kalorien bevorzugen, wie z. B.
Kartoffeln oder Magerquark. Magerquark sättigt als Eiweißquelle besonders gut und schmeckt sowohl mit
Kräutern angerührt zu Pellkartoffeln
als auch in Kombination mit Obst toll.
❍ Verbote sind unnötig: Kompletter
Verzicht lässt sich auf die Dauer nicht
durchhalten. Süße Sünden lieber als
Ausnahme zelebrieren.
❍ Sich Zeit fürs Essen nehmen und generell drei Hauptmahlzeiten einhalten.
Geben Sie
Ihrem
Körper
Zeit, sich
auf die Diät
einzustellen
und haben
Sie Geduld,
wenn die
Pfunde
nicht sofort
purzeln.
Zwischendurch gibt es nur ein Stück
Obst, Gemüse oder einen Joghurt. Wer
körperlich schwer arbeitet, darf ein zweites Frühstück oder eine Vesper einlegen.
❍ Beim Kochen pflanzliche Öle und Fette mit essenziellen Fettsäuren verwenden.
Überflüssige Kalorien (z. B. Sahnesoßen,
Frittiertes und Gebratenes) vermeiden.
eine Bäuerin. „Jetzt habe ich gemerkt,
dass man sich beim Walken toll entspannen kann und dass es dazu noch viel Spaß
macht“, berichtet die Bäuerin weiter.
Doch gerade im Winter und ohne
Gruppe fällt es vielen schwer, sportlich
aktiv zu bleiben. „Im Sommer hatte ich
dank Gartenarbeit und dem schönen
Wetter keine Probleme, mich ausreichend
zu bewegen“, berichtet Grudrun Mushardt. „Jetzt im Winter kann ich meinen
inneren Schweinehund nur überwinden,
wenn ich mich zum Sport verabrede“, so
die Bäuerin weiter. Die Scheu, beim Sport
machen beobachtet zu werden, haben die
meisten Bäuerinnen jedoch im Laufe der
Zeit abgelegt.
Als richtiger Erfolg geht eine Diät nur
dann durch, wenn sie auch langfristig zu
einer Gewichtsabnahme führt. In diesem
Punkt zeigten sich unsere Gesprächsteilnehmerinnen auch fünf Monate nach
dem Ende des Kurses vollauf zufrieden.
Während die meisten ihr Gewicht gehalten haben, ist es wenigen sogar gelungen, auch nach dem Ende des Kurses
noch weiter abzunehmen. „Nach etlichen
Crash-Diäten die mich in null komma
nichts um 10 kg erleichtert und in noch
kürzerer Zeit zum Jojo-Effekt geführt
haben, habe ich dank der Ernährungsumstellung mein Gewicht gehalten – ohne
mir ständig Gedanken ums Essen zu machen“, bringt Annedore
Schaper es auf den Punkt.
Kathrin Hingst
❍ Hungern macht dick:
Der Körper gibt ungern
seine Energiereserven
her. Hungert er, speichert er die Nahrung anschließend noch intensiver für Notzeiten.
❍ Ohne Sport läuft
nichts: Egal ob Walken, Schwimmen, Laufen
oder Radfahren: Durch
Bewegung bauen sich
Muskeln auf, man wird
fit und verbrennt viele
Kalorien.
❍ Realistisch bleiben:
Schon eine Gewichtsabnahme von ca. 5 Kilogramm verbessert die Gesundheitswerte deutlich und hilft Ihnen, sich wieder
wohl in Ihrer Haut zu fühlen.
❍ Analysieren Sie Ihr Essverhalten
und machen Sie sich klar, welche Verhaltensmuster Sie dick machen. Holen
Sie sich dazu gegebenenfalls Rat bei einer Ernährungsberaterin.
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Familie
Trend-Diäten im Überblick
Verlaufen im Diät-Dschungel? Wir erklären die
wichtigsten Kostformen und ihre Besonderheiten.
Außerdem haben wir Tipps zum Weiterlesen
für Sie zusammengestellt.
Zum Weiterlesen:
Fasten
Formula-Diät
Das Fasten wird durch eine vollständige Darmentleerung eingeleitet. Anschließend wird für einen Zeitraum von ein bis
zwei Wochen gar nicht oder kaum gegessen. Stattdessen trinken die Fastenden
3 bis 4 Liter am Tag. Beim Heilfasten
sind neben Wasser und Tee auch etwas
Fruchtsaft oder Brühe und Rohkost zugelassen. Nach der Fasten-Phase wird der
Körper mit leicht verdaulichen Speisen
langsam wieder an feste Nahrung gewöhnt. Das Fasten ist zur dauerhaften
Gewichtsreduktion ungeeignet. Allerdings ist die entschlackende Wirkung anerkannt. Fasten kann ein guter Einstieg in
eine Ernährungsumstellung sein oder
dazu dienen, sich von alten Gewohnheiten zu verabschieden.
Bei dieser Diätform werden eine, zwei
oder drei Mahlzeiten am Tag durch Diätkost in Pulverform ersetzt. Bei den angerührten Suppen, Fertiggerichten oder
Getränken handelt es sich um industriell
hergestellte Nährstoff-Gemische. Sie enthalten Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate in
ausgewogenem Verhältnis. Meist sind
auch ausreichend Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt. Wer diese Diät durchhält, nimmt aufgrund der geringen Kalorienzufuhr auch ab – allerdings wird das
Durchhaltevermögen auf eine harte Probe gestellt. Und der Lerneffekt ist gleich
Null: Mit dem gewohnten Essverhalten
kehren meistens auch die Kilos zurück.
Weiterer Minuspunkt: Formula-Diäten
gehen auf die Dauer ins Geld.
Heilfasten kann helfen, mit alten
Gewohnheiten zu brechen.
Formula-Diäten fordern das Durchhaltevermögen heraus und gehen ins Geld.
172 top agrar 3/2010
❍ Simplify Diät: Einfach besser essen und
schlank bleiben von Dagmar von Cramm,
19,90 Euro, Campus Verlag,
ISBN: 978-3593390635
❍ Wie neugeboren durch Fasten von
Hellmut Lützner, 12,90 Euro, Verlag
Gräfe und Unzer, ISBN: 978-3593390635
❍ Schlank im Schlaf von Detlef Pape und
weiteren, 19,90 Euro, Verlag Gräfe und
Unzer, ISBN: 978-3774287792
❍ Die große GU Nährwert-Kalorientabelle von Ibrahim Elmadfa u.a.,
12,90 Euro, Verlag Gräfe und Unzer,
ISBN: 978-3833816642
❍ Gesund mit der Kreta-Diät: Das
Ernährungsgeheimnis für ein langes Leben
von Ingeborg Muenzing-Ruef und
Stefanie Latzin, 7,95 Euro, HeyneVerlag. ISBN: 978-3453855199
❍ Vollwertig essen & trinken nach den
10 Regeln der DGE, 3 Euro, www.dge.de
Low-Carb und
No-Carb-Diät
Kalorienreduzierte
Mischkost
Kreta-Diät
Trennkost
Der englische Begriff „low carb“ steht
für wenig Kohlenhydrate. Bei dieser Diät
wird die Kohlenhydratzufuhr eingeschränkt. Stattdessen dienen Eiweiß und
Fett als Hauptenergieträger. Die Mutter
der Low-Carb-Diäten ist die Atkins-Diät,
bei der die Aufnahme von Kohlenhydraten drastisch eingeschränkt wird. Ernährungswissenschaftler warnen, dass diese
Diät auf die Dauer zu Gesundheitsstörungen führt. Da Übergewicht häufig mit
Insulin-Resistenz und Diabetes einhergeht, erlebten Low-Carb-Diäten in den
letzten Jahren eine Renaissance. Der Irrtum: Nur raffinierte Kohlenhydrate, wie
Weißmehl und Zucker, sind figur- und gesundheitsschädlich. Komplexe Kohlenhydrate, wie Ballaststoffe, sind dagegen für
die gesunde Ernährung unverzichtbar.
Die kalorienreduzierte Mischkost wird
von Ärzten und Ernährungswissenschaftlern als erfolgversprechendste Diät angesehen. Im Prinzip ist dabei alles erlaubt,
was schmeckt: Kohlenhydrate, Eiweiß
und sogar Fett. Nur die Zusammensetzung ist anders, als man es gewöhnt ist.
Fett gibt es nur in kleinen Mengen, dafür
stehen täglich Obst, Salat, Vollkornprodukte und Milcherzeugnisse auf dem Programm. Mit dieser Kostform kommt man
der Empfehlung für eine gesunde und
ausgewogene Ernährung am nächsten.
Z.B. liegt sie der Brigitte-Diät und der
Weight Watchers-Diät zugrunde.
Bei der Brigitte-Diät werden fertige
Rezeptvorschläge und Zwei-Wochenpläne mit Kalorien- und Nährwertangaben
angeboten. Für Eilige sind im Supermarkt
sogar kompatible Tiefkühlprodukte mit
dem Brigitte-Diät-Logo erhältlich.
Auch wer mit Weight Watchers diätet, wird zur kalorienreduzierten Mischkost angeleitet. Fetthaltige und süße Speisen belasten das Punktekonto stark, während viele gesunde und kalorienarme
Obst- und Gemüseprodukte mit null
Punkten zu Buche schlagen. Wer sich daran hält, nimmt mit Sicherheit ab. Doch
nur, wer diese Ernährungsumstellung auch
nach der Diät beibehält, hat gute Aussichten, sein Gewicht dauerhaft zu senken.
Laut Studien haben die Bewohner der
Insel Kreta in Griechenland weltweit die
höchste Lebenserwartung. Auf dieser Basis haben Ernährungswissenschaftler eine
mittelmeertypische Diät mit Gemüse,
Fisch und wenig Fleisch, dazu Olivenöl,
Knoblauch, Brot und etwas Rotwein zusammengestellt. Das schützt in erster Linie Herz und Gefäße vor Ablagerungen.
Zudem sind die Mittelmeerrezepte
schmackhaft und einfach zuzubereiten.
Sie eignen sich für Menschen, die keine
Kalorien zählen möchten und Diätpläne
verabscheuen. Das Gewicht kann durch
den Verzicht auf Wurst, Käse und Süßigkeiten konstant gehalten werden. Allerdings müssen Abnehmwillige sich die Lebensmittel auch mittelmeertypisch zusammenstellen: Den Teller vor allem mit
Salat, Gemüse und Fisch füllen und auf
eine fettarme Zubereitung achten.
Die Nahrungsmittel werden in Nährstoffgruppen eingeteilt: Neben einer Kohlenhydrat- und einer Eiweißgruppe gibt
es eine neutrale Gruppe (dazu gehören
auch Fette und Öle.) Einige Lebensmittel, wie z.B. Hülsenfrüchte, sollte man
vollständig meiden.
Hauptsächlich dürfen während einer
Mahlzeit Kohlenhydrate und Eiweiße
nicht miteinander kombiniert werden.
Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist
die Trennkost eine gesunde Vollwerternährung. Allerdings wäre nach diesem
Prinzip das klassische Mittagessen mit
Fleisch, Kartoffeln und Soße tabu.
Die Trennkost wurde vor ca. 100 Jahren von einem amerikanischen Arzt erfunden. Heute orientiert sich z. B. die
„Schlank-im-Schlaf“-Diät von Detlef
Pape an diesem Prinzip. Seiner „InsulinTrennkost“ zufolge darf man sich dreimal
am Tag richtig satt essen. Morgens stehen
viele Kohlenhydrate auf dem Speiseplan,
aber kein Eiweiß. Mittags gibt es Mischkost nach Geschmack und abends sind
Kohlenhydrate tabu. Auf das Fett müssen
die Diätenden generell aufpassen.
❍ Familie in Form: Schlank werden,
schlank bleiben von Dagmar von Cramm,
19,90 Euro, Verlag Stiftung Warentest,
ISBN: 978-3868510089
Bei Low-Carb-Diäten wird die Kohlenhydrat-Zufuhr strikt eingeschränkt.
Die Kreta-Diät schützt vor Arterienverkalkung und Herzerkrankungen.
top agrar 3/2010
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