Informationsblatt für Tiroler Europäerinnen und Europäer 1-16 KLIMAWANDEL UND KLIMASCHUTZ BETRIFFT UNS ALLE 2015: Auf der UN-Klimakonferenz in Paris wird der Kampf gegen die globale Erderwärmung zum ersten Mal völkerrechtlich vereinbart, in Tirol wird die neue Klimaschutzstrategie ausgearbeitet. Nicht nur die internationalen Klimaschutzziele sollen bis 2020 erreicht werden, sondern bis zum Jahr 2050 soll Tirol energieautonom werden. Jede und jeder Einzelne kann dabei mitwirken. n Ich bin der Meinung Liebe Tirolerinnen, liebe Tiroler! Die Wasserkraftwirtschaft erbringt eine integrierte Nutzenwirkung in Bezug auf die zu verfolgenden energiepolitischen, industriepolitischen und klimapolitischen Zielsetzungen. Unter den erneuerbaren Energien leistet die Wasserkraftwirtschaft unverändert den mit Abstand größten und kostengünstigsten Beitrag, dies mit einem anderweitig unerreichten Wirkungsgrad von über 90%. Unser Ziel lautet „Tirol 2050“, ein energieautonomes Tirol im Jahre 2050, das wir durch den Ausbau nachhaltiger Energiequellen und die Reduktion des Energieverbrauchs erreichen wollen. Wir sind auf dem besten Weg dazu! Ihr GÜNTHER PLATTER Landeshauptmann von Tirol IMPRESSUM MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER: Land Tirol, Abteilung Südtirol, Europaregion und Außenbeziehungen; REDAKTIONS­ TEAM DIESER NUMMER: Michaela Staudigl, Sonya Pichler, Alexander Maier, Jasmin Wimmer; REDAKTIONSLEITUNG: Fritz Staudigl; INTERNET: www.tirol.gv.at/europa; DRUCK: Landeskanzleidirektion; ALLE: Landhaus, 6020 Innsbruck. LAYOUT: Werner Niederkircher, www.nuovoline.at; ERKLÄRUNG DER GRUNDLEGENDEN RICHTUNG: Information über für Tirol wichtige Aspekte der Europäischen Union. BILDNACHWEIS: Land Tirol, BMLFUW, Privat, pixelio.de, Titelseite: fotolia.de. 2 EUinfo V om 30. November bis zum 12. Dezember 2015 fand in Paris die 21. UN-Klimakonferenz statt. Was ist aber eine Klimakonferenz und welche Ziele verfolgt sie? Eine Klimakonferenz ist ein Zusammentreffen von Regierungsvertretern, Beobachtern aller Art (Vertreter von Handelskammern, Abgesandte von Gewerkschaften, Umweltorganisationen usw.) und Medien aus aller Welt, die gemeinsam versuchen, Lösungen für den vom Mensch verursachten Klimawandel und die damit verbundenen Auswirkungen (z.B. Erderwärmung) zu erarbeiten. Der erste Umweltgipfel tagte 1992 in Rio de Janeiro. Dort wurde über Themen wie Hunger, Armut, Krieg und die wachsende Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern diskutiert. Zudem hat man den wachsenden CO2-Ausstoß und die übermäßigen Treibhausgasemissionen auf Weltebene erstmals offiziell mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht. Wichtigste Errungenschaft war dabei die Verabschiedung der Klimarahmenkonvention (United Nations Framework Convention on Climate Change – UNFCCC), die 1994 in Kraft trat und von 195 Staaten ratifiziert wurde. Durch die UNFCCC haben sich die Staaten dazu verpflichtet, den globalen Klimawandel zu verhindern und die Treibhausgaskonzentrationen zu stabilisieren. Um dies zu erreichen wird ein Entscheidungsgremium, die sog. Vertragsstaatenkonferenz (Conference of the Parties), benötigt, welche unter dem Namen UN-Klimakonferenz bekannt ist. Jährlich treffen sich die Vertragsstaaten, um die Durchführung des Übereinkommens zu fördern und den globalen Klimaschutz zu ­ nale Abkommen (z.B. Kyoto-Protokoll) oder Zusatzvereinbarungen (sog. Amendements). globale Erderwärmung zu bekämpfen. Alle 195 Vertragsparteien verpflichteten sich, die Temperatur unter 2°C über den Daten der industriellen Revolution zu halten und den Temperaturanstieg sogar auf 1,5°C zu begrenzen. Das Abkommen soll längerfristig zu einer globalen Treibhausgasneutralität führen. Das Kyoto-Protokoll wurde 1997 auf der 3. UN-Klimakonferenz in Kyoto unterzeichnet. Es gilt als erstes völkerrechtlich verbindliches Klimaschutzabkommen und trat im Jahr 2005 in Kraft. Im Abkom- men wird die verbindliche Reduzierung der Treibstoffabgase für Industrieländer und die EU festgelegt. Um diese Ziele zu verwirklichen enthält das Protokoll zwei Verpflichtungsperioden: die erste Periode (2008-2012) enthält eine Emissionseinsparung von insgesamt 5% gegenüber 1990, wobei sich die EU dazu verpflichtete 8% an Emissionen gegenüber 1990 einzusparen. Die damals 15 EU-Länder konnten am Ende der Verpflichtungs­ periode die Treibhausgasemissionen sogar um durchschnittlich 12,2% senken. Die zweite Verpflichtungsperiode (2013­2020) sieht eine 18%ige Reduzie­ rung an Emissionen gegenüber 1990 vor; die EU verpflichtete sich zu einer Emissionsverringerung von insgesamt 20%. Ab 2020 soll ein für alle Länder verbindliches internationales Klimaabkommen in Kraft treten. Wie wird diese Treibhausgasneutralität erreicht? Bei der letztjährigen UN-Klimakonferenz in Paris bekannten sich erstmals alle Staaten zu einer konkreten Verantwortung gegenüber dem Klimaschutz. Die Konferenz endete mit einer völkerrechtlich verbindlichen Vereinbarung, um die Um dieses Ziel zu erreichen, werden die Staaten alle fünf Jahre einer Überprüfung unterzogen und müssen sie von Mal zu Mal ihre Klimaziele steigern und somit in allen darauffolgenden Perioden ihre Emissionen im Vergleich zum heutigen Stand immer weiter reduzieren. Man lässt von fossilen Energien ab und baut stattdessen auf erneuerbare Energien. Da hierbei eine große Diskrepanz zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern vorherrscht, sollen letztere finanzielle Mittel erhalten, um direkt in erneuerbare Energien investieren zu können. EU-Klimapolitik: Schwerpunkt und Ziel der EU Im März 2007 hat der Europäische Rat erstmals europäische Klima- und Energieziele bis zum Jahr 2020 beschlossen. Diese wurden im Oktober 2014 weiter ausgebaut und bis 2030 beschlossen. Die EU-Ziele sehen vor, dass die Treibhausgasemissionen um mindestens 40% gegenüber 1990 verringert werden, der Anteil an erneuerbarer Energie um mindestens 27% erhöht und die Energieeffizienz um mindestens 27% gesteigert werden sollen. Die EU hat sich auch langfristige Ziele gesteckt: Die Emissionen bis zum Jahr 2050 sollen um 80-95%, gegenüber den Werten von 1990, reduziert werden. Doch wie soll dieses Ziel erreicht werden? Ein Instrument ist das sog. Emissionshandelssystem, das entwickelt wurde, um Anreize zur Emissionsreduzierung zu schaffen: Unternehmen erhalten für bestimmte Industriezweige kostenlose Zertifikate und für jede ausgestoßene Tonne an CO2 muss ein Zertifikat abgegeben werden. Verringern oder erhöhen Unternehmen ihre Emissionen, können sie Zertifikate auf Versteigerungen oder am CO2-Markt verkaufen bzw. erwerben. Foto: Bernd Wachtmeister, pixelio.de Die europäischen Bergregionen, so auch Tirol, verfügen über erhebliche Ressourcen an autonom verfügbarer, nachhaltiger, erneuerbarer und CO2freier Energieerzeugung, insbesondere an Wasserkraft. Dazu kommt die Verwendung von natürlichen Ressourcen wie Holz, Sonne und Erdwärme. Die Nutzung und der weitere Ausbau dieser Energiequellen, gerade der Wasserkraft, ist daher wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen Energie- und Klimapolitik im Alpenraum. UN-Klimakonferenz 2015 in Paris: Ziele, Ergebnisse, Aussichten LINKS Der Klimawandel nimmt immer mehr Einfluss auf unser tägliches Leben. Wir werden unter anderem mit Muren- und Lawinenabgängen, mit Hochwasser und mit dem Treibhausgasanstieg konfrontiert. Uns wird damit ins Bewusstsein gerufen, dass der Klimawandel uns alle betrifft. Wir stehen daher vor der großen Herausforderung, unser Energiewirtschaftssystem umzubauen, und zwar in ein nachhaltigeres, sparsameres, dezentraleres und CO2-ärmeres System. EU-Klimapolitik und UN-Klimakonferenzen: Einbindung der Ergebnisse Nach der 21. UN-Klimakonferenz und dem daraus resultierenden völkerrechtlichen Abkommen wird die EU nun neue Gesetzesgrundlagen in Sachen Klimaund Energiepolitik erlassen. Klimaschutz kann den fortschreitenden Klimawandel aber nicht vollends verhindern. Emissionen, die bereits in der Atmosphäre sind, werden das Klima weiterhin beeinflussen. EU­Klimapolitik bedeutet somit auch, sich dem Klimawandel anzupassen, indem beispielswese Änderungen von Bauvorschriften durchgeführt, der Bau von Hochwasserschutzanlagen initiiert und die Entwicklung von trockenheitsresistenten Kulturen erfolgen. n UN-Klimakonferenz: http://unfccc.int/essential_background/items/6031.php http://unfccc.int/kyoto_protocol/items/2830.php http://www.bmub.bund.de/themen/klima-energie/klimaschutz/internationale klimapolitik/ http://unfccc.int/meetings/paris_nov_2015/meeting/8926.php http://www.umweltbundesamt.at/aktuell/presse/lastnews/news2015/news_151215/ http://www.cop21paris.org/about/cop21 EU-Klimapolitik: http://unfccc.int/essential_background/items/6031.php http://unfccc.int/kyoto_protocol/items/2830.php http://www.bmub.bund.de/themen/klima-energie/klimaschutz/internationale klimapolitik/ http://unfccc.int/meetings/paris_nov_2015/meeting/8926.php http://www.umweltbundesamt.at/aktuell/presse/lastnews/news2015/news_151215/ http://www.cop21paris.org/about/cop21 EUinfo 3 Der Schutz des Klimas und unserer Lebensgrundlagen ist eine große Herausforderung, die wir nur mit vereinten Kräften erfolgreich bewältigen können. Wirtschaft, Gesellschaft und ­ einander betrachtet werden – das Prinzip der Nachhaltigkeit muss sämtliche Bereiche durchdringen. Ich bin überzeugt: Wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir gemeinsam die Weichen für eine nachhaltige und lebenswerte Zukunft stellen. ANDRÄ RUPPRECHTER Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft EUinfo Die österreichische Klimapolitik D ie Republik Österreich hat sich dazu verpflichtet, die Emissions­ reduktionsziele laut Kyoto-Protokoll zu erreichen und einzuhalten. Als Mitgliedstaat der Europäischen Union hält Österreich die gesetzlichen und politischen Vorgaben derselben ein. Dies gilt auch für die Ergebnisse der vergangenen UNKlimakonferenzen. Die Republik setzt diese Zielvorgaben durch das Klimaschutzgesetz, nationale Maßnahmenprogramme und das Klimaschutzmodell „klimaaktiv“ (Klimaschutzinitiative des Bundes im Bereich Sanieren, Energiesparen, erneuerbare Energien und Mobilität) um. Die österreichische Klimapolitik ruht auf zwei wichtigen Säulen: jene der Maßnahmensetzung zur Bekämpfung des Klimawandels und jene der Anpassung an den Klimawandel. Die erste Säule beinhaltet das Klimaschutzgesetz (KSG) und das Maßnahmenprogramm zur Umsetzung der Vorgaben des KSG. Die zweite Säule hingegen hat die Klimaanpassungsstrategie zum Inhalt. Im Jahr 2011 wurde das Klimaschutzgesetz (KSG) beschlossen, welches unter anderem Emissionshöchstmengen für folgende sechs Sektoren festsetzt: Abfallwirtschaft, Energie und Industrie, fluorierte Gase, Gebäude, Landwirtschaft und Verkehr. Das KSG setzte die Emissionshöchstmengen für die Periode 2008-2012 fest; durch die KSG-Novelle 2013 wurden diese für die Folgeperiode 2013-2020 festgelegt. Der Bund und die Bundesländer arbeiten gemeinsam an der Erreichung und Einhaltung der Vorgaben nach dem KSG. Im Falle einer Überschreitung der Emissionshöchstgrenzen werden LINKS Dadurch ist der Weg klar gekennzeichnet und die Umsetzung des Klimaschutzabkommens zu den zentralen Aufgaben aller Regierungen geworden. Österreich nimmt diese sehr ernst und wird sie verantwortungsvoll umsetzen. Das bedeutet, dass wir bis zum Jahr 2050 die Treibhausgasemissionen um mindestens 80 Prozent reduzieren müssen. Wesentliche Voraussetzungen dafür sind einerseits der rasche und flächendeckende Ausbau erneuerbarer Energien sowie andererseits gezielte Anstrengungen, den Energiebedarf zu verringern. Österreich wird weniger abhängig von Importen fossiler Energie und die CO2-Bilanz somit verbessert. Erneuerbare Energien sorgen zudem für regionale Wertschöpfung und schaffen Arbeitsplätze. D Foto: Thorben Wengert, pixelio.de Am 12. Dezember 2015 wurde in Le Bourget bei Paris das Ende des fossilen Zeitalters eingeläutet. 195 Staaten und die EU haben erstmals ein global gültiges Klimaschutzabkommen und somit einen Wendepunkt in der Geschichte des Klimaschutzes vereinbart. Der UN-Klimavertrag legt fest, die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen. die anfallenden Kosten (Sanktionen) auf Bund und Länder aufgeteilt. Zwei Gremien, das Nationale Klimaschutzkomitee (NKK) und der Nationale Klimaschutzbeirat (NKB), verfolgen die Umsetzung der KSG-Vorgaben, die in einem jährlichen Fortschrittsbericht eingearbeitet werden. Die dort enthaltenen Ergebnisse bilden die Grundlage für die Weiterentwicklung der Anpassungsstrategie. Ziel der österreichischen Klimaanpassungsstrategie ist es, die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Sektoren Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft zu vermeiden und vielmehr die sich daraus ergebenden Chancen zu nutzen. Die damit verbundenen natürlichen, gesellschaftlichen und technischen Kapazitäten sollen die Strategie stärken. Konkrete Beispiele laut Empfehlungen der Klimaanpassungsstrategie sind die Züchtung und der verstärkte Anbau von hitzetoleranten Pflanzen, die weniger Wasser benötigen (Bereich Landwirtschaft), die ­ temperaturen bei wasserwirtschaftlichen Planungen (Bereich Wasserwirtschaft), oder die Anpassung der Baumartenwahl (Bereich Forstwirtschaft). Des Weiteren setzt Österreich auf die Bereiche Ökostrom (Wind, Photovoltaik, Biomasse und Kleinwasserkraft), thermische Solarenergie, Wärmeaufbringung durch Biomasse, die effiziente Nutzung von Abwärme aus Kraftwerken und Industrieanlagen, E-Mobilität oder den Ausbau der Fernwärmeversorgung, um die festgelegten Klimaziele zu erreichen und dem Klimawandel so aktiv entgegen zu wirken. n https://www.bmlfuw.gv.at/umwelt/klimaschutz/klimapolitik_national.h tml http://www.umweltbundesamt.at/umweltsituation/klima/klimaschutz/ er Klimawandel betrifft Tirol, als Region im Herzen der Alpen, besonders stark. Tirol passt sich in den verschiedensten Bereichen den internationalen, europäischen und nationalen gesetzlichen und politischen Klimaschutzvorgaben an, baut diese aus und entwickelt sie weiter. Bereits im März 2011 wurde im Amt der Tiroler Landesregierung eine Klimaschutzkoordination eingerichtet. Diese tritt für die Interessen des Klimaschutzes, für die Koordination von Dienststellen, die sich mit dem Klimawandel befassen und für die Öffentlichkeitsarbeit auf dem ­ dination vertritt das Land Tirol auch in ­ gruppen und in der Europaregion. Was aber den Klimaschutz in Tirol wirklich ­ Innen werden im Entwicklungsprozess des Klimawandels und des Klimaschutzes stark mit einbezogen. Ziel ist es, jeder/m TirolerIn Gelegenheit zu geben, sich im Bereich des Klimawandels und dessen Folgen einzubringen und der Landesverwaltung eigene Ideen und konkrete Maßnahmen dazu zu präsentieren. NGOs sind eingeladen, Stellungnahmen zum Klimawandel und Klimaschutz in Tirol abzugeben. Landwirtschaftsschulen sollen zukünftigen LandwirtInnen ein umweltbewusstes Denken mit auf den Weg geben. Die Klimastrategie Tirol befasst sich außerdem ­ sektor, der Raumordnung, der Forstwirtschaft, der Gesundheit, dem Tourismus, der Industrie und dem Handel. Ziel des Tiroler Klimaschutzes ist es, bis zum Jahr 2050 energieautonom zu werden. Die Landeshauptstadt Tirols als Kern des EU-Projektes SINFONIA Am 1. Juni 2014 startete das fünfjährige EU Projekt „Sinfonia“, das mit bis zu 27 Mio. Euro seitens der EU gefördert wird. Es ist das größte Smart-City-Projekt Österreichs und hat sich zum Ziel gesetzt, umfangreiche Energielösungen in mittelgroßen Städten Europas zu entwickeln. Tirols Landeshauptstadt Innsbruck und Südtirols Landeshauptstadt Bozen werden so zu europaweiten Wegbereitern: Durch technische Innovationen und Maßnahmenpakete in Teilen der beiden Landeshauptstädte, sog. „Smart Districts“, wird der Energiebedarf um 40-50% gesenkt, der Anteil an erneuerbarer Energie um 20% gesteigert und der CO2-Ausstoß um 20% reduziert. Beispielsweise werden Photovoltaikanlagen installiert und ­ Wärmepumpen verwendet, um den Anteil an erneuerbarer Energie in ausgewählten ­ Stadtgebieten Innsbrucks auszubauen. strategie in den Bereichen Klimaschutz Bereits im Mai 2015 wurde mit den ersten und Klimawandelanpassung ausgearbeienergie­ und kosteneffizienten thermitet und seitens der Tiroler Landesregieschen Sanierungen begonnen. rung beschlossen. Um die Klimaschutzziele 2020 zu erreichen, setzt Tirol auf Die durch Sinfonia entwickelten Stadtteilerneuerbare Energien. Das Land investiert und Sanierungskonzepte Innsbrucks und beispielsweise in die Revitalisierung von Bozens werden als Musterbeispiele auf bestehenden Kleinkraftwasseranlagen andere Städte (Rosenheim, La Rochelle, und in den Bau von neuen WasserkraftSevilla, Paphos und Boras) umgelegt, um werken mit und ohne Speicherfunktion, in ­ nachhaltige Wärmeversorgungskonzepte, päischen Städten umgesetzt zu werden. Solarkollektoren und P SINFONIA wurde von 30 Partnern aus hotovoltaikanlagen. Der öffentliche acht europäischen Ländern eingereicht. Personenverkehr wird weiter ausgebaut, 13 davon kommen aus Tirol (Stadt Innsgemeindeübergreifen- de Radwege bruck, IKB AG, NHT, IIG mbH & Co.KG, werden forciert und auf die Reduktion Universität Innsbruck, Passivhausinstitut des Verkehrs wird hingearbeiInnsbruck, Liebherr Hausgeräte und tet. Auch im Bereich Landwirtschaft soll TIGAS sowie ATB Becker, e3 Consult Klimaschutz spürbar werden: So wird der GmbH, alpS und TIWAG) und acht aus Bau neuer Gülleanlagen nur gefördert, Südtirol. Koordiniert wird die Zusammenwenn diese eine Abdeckungsvorricharbeit von der Standortagentur Tirol in tung vorsehen, eine flächendeckende Innsbruck. Bewirtschaftung von Almen und Grünn land soll erhalten werden und auch die LINKS Foto: Robert Strasser, BMLFUW Klimaschutz ist ein Gemeinschaftsprojekt 4 Klimaschutz Tirol Ich bin der Meinung Liebe Leserinnen, liebe Leser! Die EU hat bereits seit vielen Jahren die Herausforderungen des Klimawandels und dessen Folgen erkannt. Der Klimawandel und der Klimaschutz gelten als einer der politischen Schwerpunkte der EU. Die Mitgliedstaaten kämpfen daher gegen die Auswirkungen des Klimawandels, und die EU unterstützt sie dabei mit zahlreichen Maßnahmen, wie z.B. durch Förderung der Bereiche Forschung und Innovation bei Biowirtschaft, Energie und Verkehr. Die EU schafft die gesetzlichen ­ setzungen für eine aktive Klimapolitik. Darunter fällt einerseits das 2005 eingeführte Emissionshandelssystem, das einen Anreiz für die Mitgliedstaaten zum Klimaschutz gibt und andererseits der Beschluss, bis 2030 die Treibhausgas-Emissionen in der EU gegenüber 1990 drastisch zu verringern, den Anteil an erneuerbarer Energie enorm zu erhöhen und die Energieeffizienz weiter zu steigern. Um die gesetzten Ziele zu erreichen, bedarf es der Mitwirkung aller Mitgliedstaaten. Eine gemeinsame Klimapolitik verpflichtet nicht nur die EU in ihrer Gesamtheit, sondern jeden einzelnen Mitgliedstaat. Nur ein gemeinsames Auftreten sowie eine gemeinsame Klimaschutzstrategie sind effizient und zeigen Wirkung. Aber nicht nur die EU-Mitgliedstaaten sind gefordert: Jede einzelne EU-Bürgerin und jeder einzelne EU-Bürger kann zur Erreichung der Klimaschutzziele beitragen! Es fängt bei Energieeinsparung im Haushalt oder am Arbeitsplatz an und geht hin bis zu Bereichen wie Verkehr oder Wassernutzung. Jeder und jede kann und muss einen persönlichen Beitrag zum aktiven Klimaschutz leisten, denn der Klimawandel wirkt sich auf uns alle aus! Ihr FRITZ STAUDIGL https://www.tirol.gv.at/umwelt/klimaschutz/klimaschutz-in tirol/ http://www.klimaschutz-tirol.at/ http://sinfonia-smartcities.eu/ EUinfo 5 V iele Gemeinden stellen sich ihrer Verantwortung und setzen mit viel Engagement auf erneuerbare Energieträger, Energieeffizienz, umweltfreundliche Technologien und einen nachhaltigen Arbeitsstil. Die von den Gemeinden gesetzten Handlungen werden in sog. „e“ gemessen, um auf lokaler und europäischer Ebene bewertet werden zu können. In fünf Schritten zur e5-Gemeinde: Um Teil des e5-Programms zu werden, müssen Gemeinden eine Basisvereinbarung mit dem e5-Programmträger des jeweiligen Bundeslandes unterzeichnen. Tiroler e5-Programmträger ist die Energie Tirol. Durch die Unterzeichnung der Basisvereinbarung bekennt sich die Gemeinde zu den Grundsätzen und zu den Regeln des Programms und erhält im Gegenzug eine fachliche und organisatorische Unterstützung und Betreuung des jeweiligen Programmträgers. In einem zweiten Schritt wird das sog. e5-Team gebildet. Die Gruppe setzt sich unter anderem aus interessierten und engagierten Bürgern, aus Experten und Vertretern von Unternehmen und Umweltschutzorganisationen zusammen. Politisch unabhängig wird die Umsetzung des e5-Programms ausgearbeitet. Jeder e5-Gemeinde wird ein Betreuer bzw. ein Berater zugeordnet, der als Ansprechpartner der Körperschaft selbst und deren Teammitglieder fungiert. Er überprüft in einem ersten Schritt welche Möglichkeiten einer verbesserten Energienutzung in der jeweiligen Gemeinde umgesetzt werden können. Sein Ergebnis wird in einem Stärken­Schwächen­Profil für das weitere Handeln des Teams festgehalten. Foto: Rainer Sturm, pixelio.de Das sog. e5-Programm, durch welches Gemeinden eine konkrete und längerfristige Betreuung im Bereich Klimaschutz und Energieeffizienz angeboten wird, wurde vom Energieinstitut Vorarlberg entwickelt. 1998 traten Salzburg, Tirol und Vorarlberg dem e5-Programm bei. Im Jahre 2002 wurde es im Rahmen eines EU-Projektes, gemeinsam mit Partnern aus Deutschland, Polen und der Schweiz zu einem europäischen Qualifizierungsprogramm für Gemeinden, dem European Energy Award, weiterentwickelt. Die Republik Österreich übernahm im Jahre 2004 durch ihre Klimaschutzinitiative „klimaaktiv“ die nationale Betreuung des Eigentliche Adressaten des e5-Programms sind die Gemeinden. Diese Körperschaften werden aufgrund ihrer Teilnahme am e5-Programm bei der Setzung von klimaschutzrelevanten Maßnahmen (Steigerung des Anteils an erneuerbarer Energie, Steigerung der Energieeffizienz) unterstützt. e5-Programms. Seitdem sind Kärnten, Steiermark, Burgenland und Niederösterreich dem e5-Programm beigetreten. Der Verein „e5 Österreich – Programm für energieeffiziente Gemeinden“ vertritt das e5-Programm in den europäischen Gremien des European Energy Award, ein Zertifizierungsverfahren für kommunale Energieeffizienz und Klimaschutz, der europaweit für ausgezeichneten Klimaschutz steht. 6 EUinfo Ausgehend von der Analyse sorgt das e5-Team in weiterer Folge für die konkrete Planung der Projekte und auch dafür, dass das zuständige Gremium die Projekte beschließt und diese in einem nächsten Schritt umgesetzt werden. Jährlich wird Bilanz über die gesetzten Handlungen gezogen, gemeinsam mit dem e5-Berater der e5-Gemeinde das Arbeitsprogramm überprüft, bei Bedarf angepasst und durch zusätzliche und neue Projekte erweitert. Mindestens alle drei Jahre bewertet eine unabhängige Kommission den Stand der Umsetzungsarbeiten der möglichen Energieeffizienzmaßnahmen in den e5-Gemeinden. Alle e5-Gemeinden nehmen zugleich am Programm European Energy Award teil. Sobald eine Gemeinde 50% aller möglichen Energieeffizienzmaßnahmen umgesetzt hat, wird sie mit dem „European Energy Award“ ausgezeichnet. Bei einem Umsetzungsgrad von 75% kann sie sich für den Titel „European Energy Gold Award“ bewerben. e5-Gemeinden mit fünf „e“: Österreichweit nehmen derzeit 183 Gemeinden und Städte aus 7 Bundesländern am e5-Programm teil. Über 15% der österreichischen Bevölkerung lebt aktuell in einer e5-Gemeinde. Die Tiroler Gemeinde Virgen hat 2005 das sog. „Virger Mobil“ ins Leben gerufen. Von Montag bis Freitag steht den VirgerInnen tagsüber ein PKW zur Verfügung, der vormittags zwei fixe Runden abfährt. Am Nachmittag können die BürgerInnen der Gemeinde Virgen den PKW für Zielorte innerhalb der Gemeinde telefonisch bestellen und bezahlen pro Fahrt 1 Euro. Durch ehrenamtliche MitarbeiterInnen konnte das Virger Mobil realisiert werden und wird besonders von SeniorInnen im Dorf genutzt. Durch das Virger Mobil wurde das Einkaufen im Dorf bequemer und attraktiver und sohin konnte die Nahversorgung gestärkt werden. n LINKS http://www.e5 gemeinden.at/index.php? id=42 http://www.european-energy award.de/ http://www.virgen.at/umwelt-energie 3/ virgen-mobil/das-virger-mobil Foto: Rosel Eckstein, pixelio.de e5-Gemeinden – ein aktives Klimaschutzkonzept auf lokaler Ebene Macht euch die Erde untertan W ar es dieser Satz aus der Bibel (Gen 1,28), mit dem die rücksichtslose Nutzung unseres Planeten begann? Diese These stellte in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts ein amerikanischer Wissenschaftler auf. In der Antike sei ja jedem Baum, jeder Quelle und jedem Fluss göttliche Verehrung entgegengebracht worden, und jeder Eingriff musste durch Opfergaben und Rituale gesühnt werden. Erst die Entweihung der Natur habe zur maßlosen Ausbeutung ohne Nachhaltigkeit geführt. Ein Blick in die Antike und dabei vor allem auch auf schriftliche Quellen zeigt, dass diese These nicht wirklich stimmt. „Nur das magere Gerippe des Landes ist übriggeblieben“ So schreibt Platon im Kritias-Dialog über die Entwaldung Attikas. Der Holzbedarf in der Antike war enorm, Holz wurde als Brenn- und Baumaterial benötigt. Neben der Errichtung von Wohn- und Repräsentativgebäuden benötigte der ­ dimensionalen Palastschiffen Unmengen an Holz. Im Hinblick auf den schwierigen Transport von Holz wurden zunächst die nahe der Stadt gelegenen Wälder zu gerodet. Durch Erosion und Wind und aufgrund fehlender Aufforstung verkarsteten die ehemals fruchtbaren Berge. Später musste das Holz dann von weit her transportiert werden. Die ökologische Problematik der Abholzung und der Zusammenhang zwischen Rodung und Verkarstung (Bild oben) waren unbekannt. So kritisiert Platon mit dem genannten Ausspruch auch nicht grundsätzlich die raubbaumäßige Nutzung des Waldes, sondern vor allem die protzig ausschweifende Bautätigkeit von Themistokles und Perikles für Repräsentationszwecke. „Wir versuchen innerhalb der Natur gewissermaßen eine zweite Natur zu erschaffen“ So sieht Cicero die Naturbeherrschung und die Eingriffe in die Natur, um den Boden urbar und nutzbar zu machen. Auch bei den Römern wurde die Rodung von Wald, angesichts der damals in Fülle vorhandenen Wälder, als eine zivilisatorische Leistung gesehen. Man rang der Natur mit den damals eingeschränkten technischen Methoden durchaus mühevoll – manchmal auch mit Brandrodung – das Kulturland für die Errichtung von Siedlungen und zur Anlegung von Feldern ab. In römischer Zeit erfolgten Rodungen zusätzlich zum Bau des Straßennetzes, das sich möglichst auf geraden Trassen über das ganze römische Reich zog. Enorm war der Holzbedarf nicht zuletzt auch aufgrund des Komforts, den die Römer schätzten. Die Thermen in allen Städten des römischen Reiches mussten mit Holz und Holzkohle befeuert werden. In Italien wurden die leicht zugängli chen Wälder entlang des Tibers so weit abgeholzt, dass man im 4. Jh. B rennholz aus Afrika importieren musste. Aber auch die Verhüttung des Eisenerzes brauchte riesige Mengen an Brennholz. Die gezielte Aufforstung war kein Thema, man nahm lieber weite Transporte für die Anlieferung des wichtigen Gutes in Kauf. „Wir dringen in ihre Eingeweide und suchen am Sitz der Schatten nach Schätzen“ Plinius konstatiert durchaus problembewusst den Umgang mit der Erde im Zusammenhang mit dem Metallabbau und weist auf damit im Zusammenhang stehende Erdrutsche und Erdbeben hin. Noch heute lassen sich deutlich die Spuren des antiken Erzabbaus anhand kahler erosionsgeschädigter Bergabhänge oder unansehnlicher Schlackenfelder feststellen. Der teilweise radikale Abbau führte aber nicht nur zu einer Verschandelung der Landschaft, sondern auch zu einer starken Luftverschmutzung. Die Insel Elba, auf der bis zum Aufbrauchen der Holzvorräte in augusteischer Zeit Eisenerz verhüttet wurde, hieß bei den Griechen schon die „Rußgeschwärzte“. Wenngleich also in der Antike die Ehrfurcht und Vergöttlichung der Natur durchaus gegeben waren und bestimmte heilige Haine und Wälder gehegt wurden, war der Umgang mit der Natur insgesamt nicht durch Rücksichtnahme auf das Göttliche – heutige würde man Nachhaltigkeit sagen – bestimmt. Dazu waren auch in antiker Zeit der Profitgedanke sowie die Faszination der Technik zu groß. Dafür nahm man auch Naturkatastrophen sozusagen als göttliche Strafe und Antwort auf die Ausbeutung in Kauf. Allerdings sind die Einwirkungen und die Folgen aufgrund der noch geringen Bevölkerungszahl und der eingeschränkten technischen Mittel keinesfalls vergleichbar mit den heutigen ökologischen Problemen. n EUinfo 7 Wussten sie, dass ein guter Tag 100 Punkte hat? „Ein guter Tag hat 100 Punkte“ ist eine Initiative der Kairos-Wirkungsforschung & Entwicklung GmbH in Bregenz und Integral Ruedi Baur in Zürich. Direkt und indirekt erzeugen unsere Ernährung, unser Konsum, unser Wohnen, unser Heizen, unser Stromverbrauch und unsere Mobilität CO2. In Mitteleuropa leben wir derzeit weit über dem verträglichen Maß hinaus. Ungefähr 6,8 kg CO2 darf ein jeder Mensch täglich ausstoßen, um unsere Welt sowie unser Klima im Gleichgewicht zu halten. Diese werden in 100 Punkte umgerechnet. ABER WAS BEDEUTET DAS GENAU? Statt der möglichen 100 Punkte brauchen wir aber im Schnitt 450 Punkte pro Tag. Wir leben also über unsere Verhältnisse hinaus, nicht nur beim CO2-Ausstoß. Mehr zu konsumieren, macht uns nicht glücklicher. Schneller und weiter unterwegs zu sein, senkt unsere Lebensqualität, macht uns krank und einsam. GENAU DESHALB HABEN SIE DIE WAHL! Foto: Judith Lisser-Meister, pixelio.de 100 Punkte sind ihr tägliches Budget. Je weniger Punkte ein Produkt hat und je weniger Überflüssiges Sie konsumieren, umso besser. Dahinter steht ein für alle Menschen verträglicher Ausstoß von Klimagasen. Schlagen Sie unter: http://www.eingutertag.org/ nach, wie viele Punkte Sie persönlich Dinge und Tätigkeiten des Alltags kosten und suchen Sie nach Alternativen. Stellen Sie sich Ihren guten Tag zusammen, und werden Sie aktiv! KLIMABÜNDNIS WWF ÖSTERREICH/TIROL Anichstraße 34 6020 Innsbruck Tel. 0512 583558 [email protected] Brixner Straße 4/Top 9 6020 Innsbruck Tel. 0512 573534 [email protected] ALPENVEREIN / LANDESVERBAND TIROL NATURFREUNDE ÖSTERREICH / TIROL Schulgasse 6 6060 Hall in Tirol Tel. 05223 56209 [email protected] Bürgerstraße 6 6020 Innsbruck Tel. 0512 584144 [email protected] www.alpenverein.at/tirol www.wwf.at www.naturfreunde.at Wo gibt es EUinfo? Ein GRATIS-ABO von EUinfo sowie die vorgestellten Broschüren und Dokumente erhalten Sie unter der Adresse: Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Südtirol, Europaregion und Außenbeziehungen, EUROPE DIRECT A-6020 Innsbruck, Tel. 0512/508-2342, Fax 0512/508-742345, E-Mail: [email protected], Internet: www.tirol.gv.at/europa Frühere Ausgaben der EUinfo finden Sie unter folgendem Link: http://www.tirol.gv.at/tirol-europa/neuigkeiten/ 8 EUinfo http://www.klimaschutz-tirol.at http://www.mein-fussabdruck.at/ http://www.footprint.at/rechner.html http://www.klima-sucht-schutz.de http://www.wwf.at/ytae http://www.klimaaktiv.at/ Foto: Markus Vogelbacher, pixelio.de www.klimabuendnis.at Links zum Klimaschutz P.b.b. Aufgabepostamt 6020 Innsbruck - Zlnr. 03Z035157 M Klimaschutzrelevante Institutionen/NGO