Überspannungsschutzgeräte UL 1449 – Änderungen von der 2. zur 3. Ausgabe Die UL-Norm (Underwriters Laboratories) für Überspannungsschutzgeräte (SPD) ist seit ihrer Erstveröffentlichung 1985 und der überarbeiteten zweiten Fassung von 1996 die grundlegende Sicherheitsnorm für Überspannungsschutz. Das Ziel der UL 1449 war schon immer, die Sicherheit in Bezug auf den Überspannungsschutz zu verbessern. Daher wurden in letzter Zeit größere Änderungen an der Norm vorgenommen. Die neueste Fassung der Norm wurde als „UL 1449 3rd Edition“ am 29. September 2006 veröffentlicht und trat im September 2009 in Kraft. Sie ist inzwischen auch zu einer ANSI-Norm geworden. Eine überarbeitete Fassung wurde am 8. Februar 2011 veröffentlicht. Ziel dieses Dokuments ist es, die grundlegenden Änderungen in der Norm zusammenzufassen und zu erklären, um Verwirrung zu vermeiden. Die wesentlichen Änderungen sind die folgenden: – – Änderung des Namens der Norm –– Unterschiedliche Typbezeichnungen der Überspannungsschutzgeräte –– Gemessener Schutzpegel –– Nennableitstoßstrom Beim Namen der Norm wurde TVSS durch SPD ersetzt. Vor der UL 1449 3rd Edition waren die Geräte, die die Norm behandelte, als Transient Voltage Surge Suppressors (TVSS) bekannt, die nur in Stromkreisen bis 600 V eingesetzt wurden. Mit Einführung der 3rd Edition werden diese Geräte als Surge Protective Devices (SPD) bezeichnet und können in Strom- kreisen bis 1000 V verwendet werden. Mit den neuen Bezeichnungen nähert sich die UL-Norm internationalen Bezeichnungen und den IEC-Normen an. Der Name der neuen Fassung lautet nun „UL Standard for Safety for Surge Protective Devices, UL 1449“. Unterschiedliche Typbezeichnungen der Überspannungsschutzgeräte Die neue UL 1449 3rd Edition ordnet die SPD basierend auf dem Installationsort in einem elektrischen System in fünf Kategorien ein. Die Kategorien Typ 1, Typ 2 und Typ 3 beziehen sich auf verschiedene Typen von SPD, die an bestimmten Orten installiert werden können, während Typ 4 und Typ 5 für Komponenten in einer SPD-Konfiguration stehen. Typ 1: Überspannungsschutzgeräte mit permanenter Netzverbindung, die zwischen der Sekundärseite des Transformators und der Netzseite des Überstromschutzes für Hausanschlussgeräte installiert werden. Typ 2: Überspannungsschutzgeräte mit permanenter Netzverbindung, die auf der Lastseite des Überstromschutzes für Hausanschlussgeräte installiert werden. Typ 3: Überspannungsschutzgeräte, die unmittelbar am Netz eingesetzt werden und über eine mindestens 10 m lange Leitung mit dem Verteilerkasten verbunden sind. Typ 4 – Bauteilegruppen: Die Bauteilegruppe besteht aus einem oder mehreren Bauteilen des Typs 5 und einem (integrierten oder externen) Trennschalter oder einer Vorrichtung, um Anforderungen von Tests mit begrenztem Strom zu erfüllen. Typ 1, 2 und 3 – Bauteilegruppen: Die Bauteilegruppen bestehen aus einer Bauteilegruppe vom Typ 4 mit internem oder externem Kurzschlussschutz. Typ 5: Überspannungsableiter als diskrete Bauteile (z. B. MOV), die auf einer Platine angebracht und durch Drähte verbunden werden oder in einem Gehäuse mit Montagevorrichtung und Verdrahtungsabschlüssen bereitgestellt werden. Diese neuen Kategorien stellen bei Weitem die größte Änderung der UL 1449 3rd Edition dar. Der Installationsort von SPD wird nun berücksichtigt. Je näher ein SPD am Gerät installiert ist, desto besser ist der Schutz. Dies ist ein Schritt in die Richtung eines gestuften Schutzes mit internem oder externem Überspannungsschutz. Die gemessene Begrenzungsspannung erlaubt einen Vergleich verschiedener SPD in Bezug auf die Durchlassspannung. Es ist allerdings zu beachten, dass der Stoßstrom, der verwendet wird, um die Durchlassspannung zu messen, in der dritten Fassung sechsmal höher ist als in der zweiten Fassung. Daher ist es nicht möglich die alten SVR-Werte mit den neuen VPRWerten zu vergleichen, da die VPR-Werte zwangsläufig höher als die SVR-Werte sind. Nennableitstoßstrom In Der In-Test (Nennableitstoßstrom) stammt aus der IEC-Norm und ist neu in der UL 1449. Während des Tests werden die SPD’s 15 Impulsen des ausgewählten Nennableitstoßstroms ausgesetzt. Damit der Test erfolgreich ist, dürfen währenddessen keine Stromschläge ausgelöst werden oder Brandgefahr bestehen. Zudem dürfen während oder nach dem Test keine Beschädigungen an der Isolierung im Überspannungspfad entstehen. Die Werte für den Nennableitstoßstrom mit einer Wellenform von 8/20 µs werden vom Hersteller folgendermaßen gewählt: Typ 1: 10 oder 20 kA Typ 2: 3, 5, 10 oder 20 kA SPD’s vom Typ 1, Typ 2 und Typ 4 (für Anwendungen vom Typ 1 oder Typ 2) werden diesem Test unterzogen. Fazit Mit der UL 1449 3rd Edition wurden die neuen Begriffe SPD, VPR und Nennableitstoßstrom (In) eingeführt, und die Installationsorte wurden aufgrund der SPD-Typen bestimmt. Das Ergebnis ist eine verbesserte Sicherheit und eine bessere Auswahl von Überspannungsschutzgeräten. Mit den Überspannungsschutzgeräten der Reihe OVR NE 12, die speziell für den Hausanschluss entworfen wurden, und der auf DIN-Schienen montierten Reihe OVR T2 U für den integrierten internen Überspannungsschutz stellt ABB eine Komplettlösung für den Überspannungsschutz im Geltungsbereich der UL Normung zur Verfügung. ABB ist weltweit führend in der Herstellung von Lösungen für Überspannungsschutz. Quellen: Underwriters Laboratories Inc., Standard for Safety, Surge Protective Devices (UL 1449 Third Edition, 2011) Kontakt für weitere Informationen: ABB STOTZ-KONTAKT GmbH Postfach 10 16 80 69006 Heidelberg, Deutschland Telefon: +49 (0) 6221 7 01-0 Telefax: +49 (0) 6221 7 01-13 25 E-Mail: [email protected] www.abb.de/stotzkontakt Druckschriftnummer 2CDC432006L0101 (pdf - 10/2012) Gemessener Schutzpegel Eine weitere Änderung in der neuen UL 1449 3rd Edition ist die Modifikation des gemessenen Schutzpegels. Die gemessene Begrenzungsspannung ist der höchste Wert, der unter Anwendung einer speziellen Impulswellenform gemessen wird. Wenn ein bestimmter Stoßstrom am SPD angelegt wird, ist die gemessene Spannung an den Geräteanschlüssen die sogenannte Durchlassspannung („let-through voltage“). In der zweiten Fassung der UL 1449 wurde diese Spannung als Suppressed Voltage Rating (SVR) bezeichnet und mit einem wellenförmigen Stoßstrom von 0,5 kA bei 6 kV ermittelt. Die neue Bezeichnung lautet Voltage Protection Rating (VPR) und wird mit einem wellenförmigen Stoßstrom von 3 kA bei 6 kV ermittelt.