Jugendstilvilla - Sanierung Architekt München

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Nr. 39
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Freitag, 26. September 2008
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von Musikschrift steller:
Denkmalgeschütztes Stadtpalais wieder hergestellt
Die Borstei gilt als Münchens
I schönste
Siedlung,
Sinnbild
für "gebaute Lebensqualität".
Sie wurde geschaffen von
Bernhard Borst, dem Münchener Baumeister mit dem
berühmten Blick für "dasgoldene Gesetz des Maßes",
MÜNCHEN (ABZ). - Noch am Anfang seiner Karriere als Gründer der Pasinger Villenkolonien stand der 27jährige, als er 1910
am Nymphenburger Kanal ein Haus für den
Musikschriftsteller Siegfried Flesch erbaute. Nach Jahrzehnten wechselnder Besitzer,
mehrfacher Umbauten und unterschiedlicher Nutzungen hat das Münchener Architekturbüro Weishaupt das denkmalgeschützte Stadtpalais einer grundlegenden
Sanierung unterzogen. Das zuletzt als
Mehrfamilienhaus genutzte Gebäude entwickelte sich nach einjähriger Umbauzeit
wieder zu seinen Ursprüngen zurück: zu einer repräsentativen Jugendstilvilla.
Die von Jugendstil und klassizistischen
Elementen geprägte Villa gilt als eine der
bedeutendsten Arbeiten des Baumeisters
aus der frühen Schaffenszeit vor dem ersten
Weltkrieg und als schönster Borst-Bau.in
Pasing. Die Fassade und der Garten stehen
unter Denkmalschutz. An der Frontseite bilden vier ionische Säulen, auf denen zum
TeilFrauengestatten stehen, markante Symbole für die Liebe Borsts zur Kunst am Bau.
Die weitgehende 'Wiederherstellung des
ursprünglichen Grundrisses richtete sich
nach den Bedürfnissen der Bauherren - eine komplexe AufgabensteIlung für das Architekturbüro, das sich beim ausgeschriebenen Ideenwettbewerb für die Borst-Villa
durchgesetzt hatte. Das stark veränderte,
und in mehrere Wohneinheiten unterteilte
Gebäude stellte den Architekten vor große
statische Herausforderungen.
Das Architekturbüro Weishaupt, das
über langjährige Erfahrung mit Sanierungen denkmalgeschützter Bausubstanz verfügt, gliederte die Sanierungsmaßnahmen
in vier Abschnitte: Umbau der Wohnge-
Ziel war es, bei der Sanierung dieserhistorisch bedeutenden Villa möglichstdurchgehend die ursprünglichen Materialien zu verwenden und die
Atm osI:> na Ire der Borst-Villa wieder zur Geltung zu bringen.
foto:Weishaupt
schosse und des Kellers, Ausbau des Dachgeschosses, Ergänzung einer Terrasse nach
Süden, Erstellung von Stellplätzen mit direktemZugang zum Gebäude. Jede Maßnahme bildete für sich eine geschlossene
Einheit. Alle Sanierungsarbeiten konnten,
trotz großen Abstimmungsbedarfs mit der
Denkmalschutzbehörde und statischer Probleme, innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden.
Die Herstellung einer möglichst originalen Raumaufteilung erforderte erhebliche
statische Eingriffe. Holzbalken wurden erneuert oder verstärkt. Beim Öffnen der
Decken und Böden stellte sich heraus, dass
einige davon in so desolatem Zustand waren, dass sie durch Stahlbetondecken ersetzt werden mussten. Die nur noch in Tei-
len vorhandene, ursprüngliche Treppe wurde nicht restauriert, sondern nach den
Wünschen der Bauherren neu erstellt. Erschloss sie einst die Obergeschosse von der
Wohnhalle aus, verbindet sie diese nun
über ein separates Treppenhaus. Dieser
Eingriff erfolgte in enger Zusammenarbeit
mit der Denkmalschutzbehörde.
Die markanten Kastenfenster mit ihren
Holzläden wurden sorgfältig aufgearbeitet.
Ziel war es, bei der Sanierung dieser historisch bedeutenden Villa möglichst durchgehend die ursprünglichen Materialien zu
verwenden" die typische Atmosphäre der
Borst-Villawieder zur Geltung zu bringen.
Eine ebenso sensible Überarbeitung der
denkmalgeschützten Fassade und des Gartens bildete den Abschluss der Sanierung.
Eine wichtige Anforderung bestand darin,
den Originalsockel aus zementgebundenem, mit gemahlenem, Naturstein versetztem Putz zu erhalten. Dezent ordnet sich eine neue Rampe an der Nordseite, als Abfahrt zu den Autostellplätzen, dem Ensemble unter. Eine von den Bauherren gewünschte, bisher nicht vorhandene Terrasse wurde der Südseite des Gebäudes hinzugefügt.
Mit dem erfolgreichen Abschluss der Sanierung erhält die Jugendstilvilla die Bedeutung zurück, die ihr nach Ansicht von
Borst-Kennerin und Autorin wichtiger
Standardwerke über den Architekten, Nicole Scharff, zusteht: die Rolle des "prächtigsten und vornehmsten Villenbaus beider
Pasinger Kelonien".
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