Falk Gastro-Kolleg Oberer GI-Trakt

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Falk
Gastro-Kolleg
Oberer
GI-Trakt
Neuroendokrine Tumoren des
Gastrointestinaltrakts
Prof. Dr. C. Arnold
Medizinische Klinik I
Klinikum Friedrichshafen
Röntgenstr. 2
88048 Friedrichshafen
Zusammenfassung
Neuroendokrine Tumoren (NET) des Gastrointestinaltrakts (GI-Trakts) sind selten auftretende Erkrankungen [1]. Sie sind Ursache von 0,5–1% der malignen Tumoren des
Menschen. NET des GI-Trakts werden nach ihrer endokrinen Aktivität in klinisch funktionell aktive oder nicht-funktionell aktive Tumoren eingeteilt. Eine weitere Einteilung
erfolgt nach ihrer Lokalisation und embryologischen Abstammung in Vorder-, Mittelund Hinterdarmtumoren. Klinisch pathologisch werden NET des GI-Trakts nach der
WHO-Klassifikation aus dem Jahr 2000 eingeteilt, deren Klassifikationskriterien auf der
Tumorgröße, der Angioinvasion und dem Proliferationsmarker Ki-67 beruhen [2]. NET
des GI-Trakts werden oft erst in fortgeschrittenen Tumorstadien diagnostiziert bzw. beim
Auftreten von Beschwerden im Rahmen eines Hypersekretionssyndroms. Die Diagnostik
stützt sich bei den endokrin aktiven Tumoren auf den Nachweis der unkontrolliert
sezernierten Hormone sowie den von den meisten Tumoren gebildeten Tumormarker
Chromogranin A im Serum [3]. Weiterhin stehen Schnittbildverfahren zum Nachweis von
Organmetastasen sowie endoskopische Verfahren, einschließlich der Endosonografie,
zum Nachweis des Primärtumors zur Verfügung. Einen besonderen Stellenwert besitzen
die Somatostatin-Rezeptor-Szintigrafie und das PET/CT mit Gallium-68-markierten
Somatostatinanaloga (68Ga-DOTA-NOC-PET/CT), die mit hoher Sensitivität Primärtumor
und Metastasen nachweisen können. Primärziel der Therapie ist die Heilung durch
chirurgische Verfahren. Da viele Tumoren jedoch erst in fortgeschrittenen Stadien
diagnostiziert werden, stehen medikamentöse Therapiemaßnahmen im Vordergrund.
Hierzu zählen insbesondere biologische Therapieverfahren mit Somatostatinanaloga
und/oder α-Interferon [1]. Zur symptomatischen medikamentösen Therapie stehen
weiterhin Diazoxid beim Insulinom sowie Protonenpumpeninhibitoren (PPI) beim
Gastrinom zur Verfügung. Als weitere Therapieoptionen kommen chemotherapeutische
Maßnahmen sowie Verfahren zur Tumorreduktion infrage. Zur Tumorreduktion in der
Fragebeantwortung unter
www.falkfoundation.de
Falk Gastro-Kolleg
Titelbild:
Lebermetastasen bei neuroendokrinen Tumoren des Pankreasschwanzes
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palliativen Situation gab es zuletzt ermutigende Ergebnisse durch die Peptid-RezeptorRadiotherapie (PRRT) mit 90Y-DOTA-Octreotid bzw. 177Lu-DOTA-Octreotat und die
selektive interne Radiotherapie (SIRT) [4–6]. Insgesamt sollte die Behandlung von NET
des GI-Trakts zwischen Internisten, Chirurgen und Nuklearmedizinern interdisziplinär
individuell festgelegt werden.
Schlüsselwörter
Neuroendokrine Tumoren (NET) | Somatostatin­Rezeptor­Szintigrafie |
Rezeptor­PET/CT | Karzinoid | Zollinger­Ellison­Syndrom | multiple endokrine
Neoplasie Typ 1 (MEN1) | Chromogranin A
Neuroendokrine Tumoren des Gastrointestinaltrakts
Epidemiologie
Neuroendokrine Tumoren (NET) des Gastrointestinaltrakts (GI-Trakts) sind seltene Erkrankungen. Ihre Inzidenz liegt bei 0,5–1% pro 100.000 Personen. Es fällt schwer, die
genaue Inzidenz und Prävalenz der Tumoren zu erfassen, da viele Tumoren asymptomatisch bleiben und erst spät diagnostiziert werden [1]. Am häufigsten treten NET des
GI-Trakts im distalen Jejunum und Ileum, Rektum, Appendix, gefolgt von Duodenum
und Pankreas auf. Nach neueren Daten scheint die Inzidenz der NET des GI-Trakts zu
steigen, was jedoch eher auf den verbesserten diagnostischen Möglichkeiten beruht
als auf einem tatsächlichen Anstieg der Tumoren. Autopsiestudien ergaben, dass
NET des GI-Trakts bei 0,1–0,3% aller Obduktionsfälle gefunden werden, was auf eine
hohe Dunkelziffer, insbesondere benigner, funktionell inaktiver NET, hinweist. In einer
Analyse von NET des GI-Trakts über die letzten 50 Jahre hat sich gezeigt, dass die Prognose der verschiedenen Tumoren in den letzten Jahren deutlich besser geworden
ist, was auf die verbesserten diagnostischen Verfahren und somit frühere Diagnosestellung sowie auf die heute zur Ver fügung stehenden Therapiemöglichkeiten zurückzuführen ist.
P NET sind seltene Tumoren, sie
werden mittlerweile jedoch häufiger
diagnostiziert als früher.
Klassifikation
Der Begriff karzinoide Tumoren wurde erstmals 1907 von Oberndorfer für Dünndarmtumoren geprägt, die durch ihre Struktur und das benigne erscheinende Verhalten
von malignen Tumoren des Magen-Darm-Trakts abgegrenzt werden sollten. Die Abstammung der Karzinoide von den enterochromaffinen Zellen wurde erstmals von
Heidenhain bzw. Gosset und Masson Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieben. Bis
vor Kurzem wurden Karzinoid- und Inselzelltumoren als einheitliche Tumorgruppe
beschrieben. In den letzten Jahren ist jedoch das Wissen über diese Tumorentitäten
erheblich gewachsen, sodass die Tumoren heute als NET des GI-Trakts zusammengefasst und die einzelnen Tumorentitäten nach ihren biologischen Eigenschaften
(funktionell oder nicht-funktionell) untergliedert werden. Die Tumoren werden weiterhin nach dem von ihnen gebildeten Hormon benannt, sodass der Begriff Karzinoid
nur noch für NET verwendet werden sollte, die durch ein Karzinoidsyndrom charakterisiert sind.
Im Jahre 1963 wurde die heterogene Tumorgruppe von Williams und Sandler nach
embryologischen Gesichtspunkten in Vorderdarm- (foregut: Lunge, Magen, Duodenum bis zum Treitz’schen Band, Pankreas), Mitteldarm- (midgut: Dünndarm distal des
Treitz’schen Bandes, Appendix, Zökum) und Hinterdarmtumoren (hindgut: Kolon und
Rektum) unterteilt. Diese Einteilung erwies sich jedoch als zu ungenau für die Unterscheidung biologisch relevanter Tumorentitäten.
21
Nach der aktuellen WHO-Klassifikation wird zwischen dem gut differenzierten NET,
der durch sein benignes Verhalten gekennzeichnet ist, dem gut differenzierten neuroendokrinen Karzinom, das durch sein niedrigmalignes Verhalten charakterisiert ist,
und dem kleinzelligen schlecht differenzierten neuroendokrinen Karzinom unterschieden, das einen hochmalignen Verlauf zeigt (Tab. 1) [2]. In dieser Einteilung wird
der Begriff Karzinoid jedoch noch synonym mit dem gut differenzierten NET verwendet, als „malignes Karzinoid“ werden synonym gut differenzierte neuroendokrine Karzinome bezeichnet. Die auf dieser Terminologie basierende Klassifikation wurde nach
Lokalisation und Biologie der Tumoren spezifiziert, um auch prognostische Kriterien
mit einzubeziehen. Als Tumorlokalisationen wurden Magen, Duodenum und proximales Jejunum, Ileum und distales Jejunum, Appendix, Kolon/Rektum, und das Pankreas unterschieden. Als morphologisch-biologische Parameter wurden Tumorgröße,
Angioinvasion, der Proliferationsindex sowie histologische Differenzierung, Metastasierung und Tumorinvasion von benachbarten Organen gewählt. Tabelle 2a zeigt exemplarisch die WHO-Klassifikation für Tumoren des Duodenums. Kürzlich wurde eine
Klassifizierung von gastroenteropankreatischen NET nach dem TNM-System publiziert, die sich in der bisherigen Evaluation bewährt hat, aber noch nicht zum Standard
geworden ist (Tab. 2b) [7, 8].
Tumorkategorien der aktuellen WHO­Klassifikation
Tab. 1
1. Gut differenzierter neuroendokriner Tumor
2. Gut differenziertes neuroendokrines Karzinom
3. Schlecht differenziertes (kleinzelliges) neuroendokrines Karzinom
4. Gemischt exokrin-endokriner Tumor
WHO­Klassifikation von neuroendokrinen Tumoren des Duodenums
und oberen Jejunums
1
1.1
1.1.1
1.1.2
1.1.3
1.2
1.2.1
1.2.2
1.2.3
2
2.1
Gut differenzierter endokriner Tumor – Karzinoid
Gutartiges Verhalten: nicht funktionell, auf Mukosa und Submukosa
beschränkt, ≤ 1 cm groß, nicht angioinvasiv
Gastrin-bildender Tumor (proximales Duodenum)
Serotonin-bildender Tumor
Gangliozytisches Paragangliom (Ampulle)
Unbestimmtes Verhalten: auf Mukosa und Submukosa beschränkt,
> 1 cm groß oder angioinvasiv
Gastrin-bildender Tumor, funktionell (Zollinger-Ellison-Syndrom) oder
nicht-funktionell, sporadisch oder MEN1-assoziiert
Somatostatin-bildender Tumor (Ampulle), inklusive Morbus Recklinghausen
Serotonin-bildender Tumor, nicht-funktionell
2.5
Gut differenziertes endokrines Karzinom – malignes Karzinoid
Niedriggradig maligne, Ausdehnung über Submukosa hinaus oder mit
Metastasen
Gastrin-bildendes Karzinom, funktionell (Zollinger-Ellison-Syndrom) oder
nicht-funktionell, sporadisch oder MEN1-assoziiert
Somatostatin-bildendes Karzinom (Ampulle), inklusive Morbus
Recklinghausen
Serotonin-bildendes Karzinom, funktionell oder nicht funktionell mit
Karzinoidsyndrom
Malignes gangliozytisches Paragangliom (Ampulle)
3
Schlecht differenziertes endokrines Karzinom – kleinzellig
4
Hochgradig malignes Karzinom (Ampulle)
2.2
2.3
2.4
Tab. 2a
22
TNM­Klassifikation von neuroendokrinen Tumoren des Duodenums
und oberen Jejunums
TNM
Tx
T0
T1
T2
T3
T4
Primärtumor nicht beurteilbar
Primärtumor nicht nachweisbar
Tumor dringt in Lamina propria oder Submukosa ein ≤ 1 cm
Tumor dringt in Lamina propria oder Submukosa ein > 1 cm
Tumorinvasion in Pankreas oder Retroperitoneum
Tumorinvasion in Peritoneum oder andere Organe
Nx
N0
N1
Regionale Lymphknoten nicht beurteilbar
Lymphknotenmetastasen nicht nachweisbar
Lymphknotenmetastasen nachweisbar
Mx
M0
M1
Metastasen nicht beurteilbar
Metastasen nicht nachweisbar
Metastasen nachweisbar
Stadium I
Stadium IIa
Stadium IIb
Stadium IIIa
Stadium IIIb
Stadium IV
T1
T2
T3
T4
jedes T
jedes T
N0
N0
N0
N0
N1
jedes N
Tab. 2b
P Die Standardklassifikation erfolgt
nach WHO 2000, zuletzt wurde eine
TNM-Klassifikation erstellt.
M0
M0
M0
M0
M0
M1
Molekulare Pathogenese
NET treten zu über 90% sporadisch auf, selten aber auch im Rahmen einer familiären
Tumorerkrankung wie der multiplen endokrinen Neoplasie Typ 1 (MEN1). Die molekulare Pathogenese sporadischer NET des gastroenteropankreatischen Systems ist noch
weitgehend unbekannt, wenn auch in den letzten Jahren Fortschritte bezüglich der
genetischen Defekte dieser Tumorentität gemacht werden konnten. Das autosomal
dominant vererbte MEN1-Syndrom wird durch Keimbahnmutationen des MEN1-Gens
verursacht. Auch ca. 40% der sporadischen NET zeigen somatische Mutationen des
MEN1-Gens. Eine große Bedeutung hat der Mechanismus der chromosomalen Instabilität bei NET, da die Tumoren häufig aneuploid sind und chromosomales Material
deletiert ist. Die bisherigen Untersuchungen sind aber uneinheitlich und zeigen vor
allem eine generelle Aneuploidie als einen Verlust definierter chromosomaler Abschnitte, die bestimmten Tumorsuppressorgenen zugeordnet werden könnten. Bislang sind pathogenetisch bedeutsame Gene jedoch nur unzureichend charakterisiert.
Es konnte gezeigt werden, dass die Inaktivierung von p16 eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Die Inaktivierung scheint weniger durch Mutationen des Gens als durch
chromosomale Instabilität zustande zu kommen. Die Rolle der epigenetischen Inaktivierung durch DNA-Methylierung ist noch unklar. Hier gibt es bislang widersprüchliche Ergebnisse. Kürzlich konnte gezeigt werden, dass die epigenetische Geninaktivierung bei NET eine Rolle spielt. Es ist mittlerweile gelungen, ein Methylierungsprofil
verschiedener Tumorsuppressorgene bei NET zu erstellen. Dabei zeigte sich, dass
definierte Tumorsuppressorgene besonders häufig bei sporadischen NET methyliert
sind, was die Bedeutung dieses Pathomechanismus unterstreicht [9–14].
23
Klinik
NET können einen benignen oder einen malignen Verlauf nehmen. Sie werden in Abhängigkeit vom Vorliegen eines Hypersekretionssyndroms als funktionell aktiv oder
inaktiv klassifiziert. Das Hypersekretionssyndrom wird durch die Sekretion von Peptidhormonen oder biogenen Aminen des jeweiligen Tumors verursacht. Ursache der
autonomen Hormonsekretion ist ein Speicherdefekt der Tumorzelle für das synthetisierte Hormon. Demzufolge steht zunächst die Klinik im Vordergrund, die durch die
jeweilige Tumorbiologie bestimmt wird. Die biochemische Diagnostik bei funktionell
aktiven Tumoren beruht auf dem Nachweis der unkontrollierten Hormonauschüttung. Funktionell inaktive Tumoren bilden ebenfalls Hormone, die jedoch nicht sezerniert werden und somit keine Hypersekretionssyndrome auslösen. Die von diesen
Tumoren gebildeten Hormone können jedoch immunpathologisch dargestellt werden. Weiterhin bilden die meisten NET Proteine wie Chromogranin A, welches ein Bestandteil der Membran der neurosekretorischen Granula ist, oder Neuronen-spezifische Enolase (NSE), das eine Isoform des Enzyms Enolase ist. Der Verlauf der Tumoren
ist vergleichsweise günstig, da selbst maligne NET in der Regel ein langsames Wachstum zeigen und viele Jahre und zum Teil jahrzehntelang durch ihre Symptomarmut
unentdeckt bleiben. Eine geringe Tumordifferenzierung und eine hohe Mitoserate
zeigen einen eher ungünstigen Verlauf an. Im Folgenden wird ein Überblick über einzelne Tumorentitäten gegeben (s. auch Tab. 3).
P Die Klinik der NET wird durch das
jeweilige Hypersekretionssyndrom
bedingt. Unspezifische Symptome
entstehen in der Regel durch das
metastasierte Tumorleiden.
Insulinom
Das Insulinom ist durch seine überschießende Insulinsekretion gekennzeichnet. Klinisch stehen Zeichen der Neuroglukopenie wie Doppeltsehen, Verwirrtheit, Aggressivität, Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit im Vordergrund. Die Symptome treten in
der Regel nach längeren Fastenperioden auf, wenn die Gegenregulationsmechanismen die Symptomatik nicht mehr kompensieren können. Diese sind durch Heißhunger, Schwitzen, Übelkeit oder Schwäche gekennzeichnet. Diagnostisch wegweisend
ist das Vorliegen der Whipple-Trias: Hypoglykämie, Symptome einer Neuroglukopenie
und rasche Reversibilität nach Gabe von Glukose. Häufig ist die klinische Symptomatik
jedoch nicht sehr eindrücklich, sodass gelegentlich Jahre bis zur Diagnose vergehen.
In dieser Zeit nehmen viele Patienten massiv an Gewicht zu. Die Diagnose des Insulinoms erfolgt durch den Fastentest über 72 Stunden, bei dem alle 4 Stunden Blutentnahmen zur Bestimmung von Glukose, Insulin und C-Peptid durchgeführt werden.
Blutzuckerwerte < 50 mg/dl bei erhöhten Insulin- und C-Peptidspiegeln sind diagnoseweisend. Insulinome sind selten maligne (Tab. 3) und sollten durch chirurgische
Enukleation des Tumors behandelt werden. Eine alternative Therapiemöglichkeit bei
symptomatischen metastasierenden Tumoren stellt eine Behandlung mit Diazoxid,
einem antihypertensiv wirkenden Benzothiadiazin-Derivat mit antihyperglykämischer
Wirkung, dar. Zur Anwendung kommen Verfahren zur Tumorreduktion wie chirurgische Debulkingoperationen, transarterielle Chemoembolisation (TACE), PRRT, SIRT,
eine medikamentöse Therapie mit Somatostatinanaloga oder chemotherapeutische
Verfahren.
P Die Diagnostik des Insulinoms erfolgt
durch den Hungerversuch.
24
Tab. 3
Klassifikation und Symptome von häufigen neuroendokrinen Tumoren des Gastrointestinaltrakts
Name
Symptome
Hormone
Andere Hormone
Malignität
(%)
Lokalisation
Extrapankreatische
Lokalisation
Insulinom
Hypoglykämie
Insulin
Glucagon, PP
5–10
Pankreas
sehr selten
Gastrinom
(ZollingerEllisonSyndrom)
Peptisches
Ulkus, Diarrhö,
Reflux
Gastrin
Insulin, PP, Glucagon,
ACTH, Somatostatin,
Chromogranin A
> 90
Pankeas
Duodenum, Magen,
Mesenterium
Karzinoidsyndrom
Flush, Diarrhö,
Bronchialobstruktion
Serotonin
Tachykinine,
Prostaglandine,
Chromogranin A
100
Ileum
Pankreas (selten)
VIPom
(VernerMorrisonSyndrom)
Diarrhö,
Hypokaliämie
VIP, PHI
PP, Glucagon,
Somatostatin,
Chromogranin A
75
Pankreas
Glucagonom
Erythema
necrolyticans
migrans,
Diabetes
Glucagon
PP, Insulin,
Somatostatin,
Chromogranin A
50
Pankreas
selten
Somatostatinom
Diabetes,
Steatorrhö,
Cholezystolithiasis
Somatostatin
PP, Insulin, Calcitonin
50
Pankreas
Duodenum
GHRHom
Akromegalie
GHRH
Somatostatin,
Gastrin, Insulin,
Chromogranin A
100
Pankreas
Lunge
CRHom
ACTHom
CushingSyndrom
CRH
Gastrin, PP,
Chromogranin A
> 90
Pankreas
Lunge
ACTH: adrenocorticotropes Hormon; CRH: Corticotropin-releasing Hormon; GHRH: growth hormone releasing hormone; PHI: Peptid-Histidin-Isoleucin;
PP: pankreatisches Polypeptid; VIP: vasoaktives intestinales Polypeptid
Gastrinom
Die Klinik des Gastrinoms (Zollinger-Ellison-Syndrom) wird durch die Hypergastrinämie verursacht, die zum Auftreten von zum Teil atypischen duodenalen oder gastralen Ulzerationen und Diarrhöen führt (Tab. 3). Etwa 65% der Gastrinome treten sporadisch auf und sind gleich häufig im Duodenum und Pankreas lokalisiert. Kleine
Duodenalwandgastrinome treten häufig im Rahmen des MEN1-Syndroms auf. Duodenalwandgastrinome metastasieren häufiger in angrenzende Lymphknoten als pankreatische Gastrinome, jedoch seltener in entfernte Organe. Neben duodenalen und
gastralen Ulzerationen berichten viele Patienten über ösophageale Refluxbeschwerden aufgrund der überschießenden Säuresekretion. Diagnostisch wegweisend sind
eine Hypergastrinämie und eine erhöhte Säuresekretion. Differenzialdiagnostisch
müssen andere Ursachen der Hypergastrinämie ausgeschlossen werden (Tab. 4). Bei
klinischem Verdacht auf ein Zollinger-Ellison-Syndrom sollte daher eine Säuresekretionsanalyse mit Bestimmung der Basalsekretion durchgeführt werden. Der BAO (basal
acid output) beträgt bei diesen Patienten > 10–15 mmol HCl/h (normal < 5 mmol
HCl/h). Da diese Analyse in den meisten Kliniken jedoch nicht mehr durchgeführt
wird, sollte mindestens der Nachweis eines erhöhten Gastrinspiegels (> 1000 pg/ml)
und eines sauren Magensekrets (pH < 2,5) erbracht werden. Ergänzend kann bei mittlerer Erhöhung des Gastrins (zwischen 150–1000 pg/ml [71–475 pmol/l]) noch ein
Stimulationstest (Sekretintest) durchgeführt werden. Die Kombination eines Nüchtern-Gastrinwerts > 1000 pg/ml (475 pmol/l) mit einem intragastralen pH < 2,5 ist
beweisend für ein Gastrinom.
P Das Gastrinom tritt sporadisch oder
im Rahmen des MEN1-Syndroms auf.
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Differenzialdiagnose der Hypergastrinämie
Säurehypersekretion
Hypo­ oder Achlorhydrie
• Antrale G-Zell-Überfunktion
• Dünndarmresektion
• „ausgeschlossenes Antrum“
• Typ-A-Gastritis
• Niereninsuffizienz
• Säuresuppressionstherapie
Tab. 4
Für alle Testverfahren sollten PPI über mindestens 7 Tage pausiert werden. In der Regel müssen in dieser Zeit kurz wirksame H2-Blocker verordnet werden, um Symptomen vorzubeugen.
Die medikamentöse Therapie eines Gastrinoms ist unproblematisch und besteht in
einer adäquaten Säuresuppression durch PPI. Ziel ist eine BAO < 5 mmol HCl/h. Dazu
muss eine PPI-Behandlung oft mit mehrfacher Standarddosierung durchgeführt werden (z. B. 3 x 40 mg Pantoprazol oder 3 x 30 mg Lansoprazol).
Als einziges kuratives Therapieverfahren hat die chirurgische Exzision des Tumors Priorität, welche jedoch bei den erst spät diagnostizierten Tumoren selten zur Anwendung kommt. Ebenfalls wird im Fall eines MEN1-Syndroms von einem chirurgischen
Verfahren aufgrund des multizentrischen Auftretens der Tumoren in der Duodenalwand oder dem Pankreas abgeraten.
Glucagonom
Das Glucagonom wird oft erst durch seine Größe und Fernmetastasierung symptomatisch. Die meisten Glucagonome sind funktionell inaktiv und werden auch als kleine
Adenome im Rahmen eines MEN1-Syndroms nachgewiesen. Funktionell aktive Glucagonome führen zum Glucagonomsyndrom und sind in der Regel große, bereits metastasierte Tumoren (Tab. 3). Die Patienten weisen einen ausgeprägten Gewichtsverlust,
Anämie, Diabetes mellitus sowie das sogenannte nekrolytische migrierende Erythem
auf, bei dem es sich um eine nekrotisierende blasenbildende Hauterscheinung handelt, welche an wechselnder Lokalisation auftreten kann.
P Charakteristische Hauteffloreszenzen
des Glucagonoms sind durch das
nekrolytische migrierende Erythem
bedingt.
Biochemisch wird das Glucagonom durch den Nachweis von Glucagon im Serum gesichert, welches oft ein Vielfaches des Normwerts überschreitet.
Obwohl aufgrund der Ausdehnung des Tumors eine chirurgische Heilung oft nicht
mehr möglich ist, sollten Tumordebulkingverfahren oder eine TACE bei hepatischer
Metastasierung zur Anwendung kommen, um klinische Symptome durch einen
hohen Glucagonspiegel im Rahmen eines Glucagonomsyndroms zu vermindern.
Therapeutisch kommen für das Glucagonom biologische Therapiemaßnahmen mit
Somatostatinanaloga oder α-Interferon infrage. Bei Nicht-Ansprechen können auch
alternative Therapieverfahren wie die Chemotherapie oder die Radioligandentherapie zur Anwendung kommen.
Verner-Morrison-Syndrom
Das Verner-Morrison-Syndrom wird auch als VIPom oder WDHH-Syndrom (wässrige
Diarrhö, Hypochlorhydrie, Hypokaliämie) bezeichnet, welches in der Regel durch einen neuroendokrinen Pankreastumor verursacht wird, seltener bei Kindern durch ein
Ganglioneuroblastom (Tab. 3). Bei Diagnosestellung sind die Tumoren meist schon
sehr groß und hepatisch metastasiert. Die Klinik der massiven wässrigen Diarrhö, die
oft mehrere Liter täglich betragen kann, wird durch das vasoaktive Polypeptid (VIP)
und durch weitere Tumorsekretionsprodukte, wie z. B. Peptid-Histidin-Isoleucin, verursacht. Die Sekretprodukte verursachen eine Vasodilatation und Hypotension und stimulieren extensiv die Pankreas- und Dünndarmsekretion, was bei den Patienten häufig zu einer Exsikkose mit damit assoziierter Einschränkung der Nierenfunktion führt.
Biochemisch lassen sich deutlich erhöhte VIP-Spiegel nachweisen, darüber hinaus
liegt oft eine substitutionspflichtige Hypokaliämie vor.
P Das Verner-Morrison-Syndrom ist
durch die Trias wässrige Diarrhö,
Hypochlorhydrie und Hypokaliämie
charakterisiert.
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Eine chirurgisch kurative Behandlung ist bei den großen Tumoren oft nicht mehr
möglich, somit stehen medikamentöse Therapieverfahren wie die Behandlung mit
Somatostatinanaloga oder chemotherapeutische Strategien im Vordergrund. Bei metastasierten Tumoren mit starker endokriner Aktivität kommen Verfahren zur Reduzierung der Tumorlast wie die TACE, chirurgische Debulkingverfahren, PRRT oder SIRT in
Betracht.
Karzinoidsyndrom
NET mit Karzinoidsyndrom sind die häufigsten endokrin aktiven Tumoren des GI-Trakts.
Typisch sind die häufig auftretende Flushsymptomatik, abdominelle Krämpfe und
Durchfälle (Tab. 3). Die Flushs betreffen das Gesicht und die oberen Körperpartien und
sind durch vasoaktive Mediatoren verursacht, die hepatisch nicht mehr eliminiert werden können. Die Tumoren befinden sich meist im Appendix (44%), Jejunum/Ileum
(17%), Rektum (15%) und sehr viel seltener in anderen Abschnitten des GI-Trakts. Etwa
10% der Karzinoide befinden sich außerhalb des GI-Trakts in Lunge, Thymus, Ovar
oder Larynx. Die meisten, noch nicht hepatisch metastasierten Karzinoide sind Zufallsbefunde. Die typische Karzinoidsymptomatik tritt erst nach erfolgter hepatischer
Metastasierung auf. Bei bis zu 50% der Betroffenen entsteht im Verlauf der Erkrankung
eine Endokardfibrose mit Beeinträchtigung der Trikuspidalklappe, die zu einer krankheitslimitierenden Rechtsherzinsuffizienz führen kann. Die Diarrhöen und die Endokardfibrose werden auf die Effekte des Serotonins zurückgeführt. Seltener sind
Bronchialobstruktion, Teleangieektasien sowie ein Pellagra-ähnliches Krankheitsbild,
das durch den tumorassoziierten Vitamin-B6-Mangel entsteht. Als Karzinoidkrise
bezeichnet man das anfallsartige Auftreten einer Blutdruckkrise (Hyper- und Hypotension), Dauerflush, stärkste abdominelle Krämpfe, Herzrhythmusstörungen und
Bronchialobstruktion. Diese Symptomatik lässt sich heute dank der wirksamen antisekretorischen Therapie mit Somatostatinanaloga nur noch selten beobachten. In der
Regel haben diese Patienten eine ausgeprägte Tumorlast mit hoher sekretorischer
Aktivität.
P Das Karzinoidsyndrom ist der
häufigste endokrin aktive
Tumor des GI-Trakts.
Biochemisch wird das Karzinoid durch den Serotoninmetaboliten 5-Hydroxy-Indolessigsäure (5-HIES) im angesäuerten 24-Stunden-Sammelurin mit hoher Sensitivität
nachgewiesen. Es ist zu beachten, dass bestimmte Nahrungsmittel und Medikamente
zu einer Erhöhung der 5-HIES im Urin führen können. Als genereller Tumormarker gilt,
wie auch bei den anderen NET, Chromogranin A, welches auch in der Höhe mit der
Tumorlast und dem Ausmaß der hepatischen Metastasierung assoziiert zu sein scheint
und somit einen Tumorprogress anzeigen kann.
Funktionell inaktive NET
Etwas mehr als die Hälfte der NET des GI-Trakts sind funktionell inaktiv und werden
erst durch Symptome infolge ihrer Größe oder einer Metastasierung symptomatisch.
Sie liegen im gesamten Magen-Darm-Trakt und treten auch im Rahmen des MEN1oder des von-Hippel-Lindau (VHL)-Syndroms im Pankreas auf. Der genaueste biochemische Marker funktionell inaktiver NET ist der Nachweis von Chromogranin A
im Serum.
Diagnostik
Zur Anwendung kommen endoskopische Verfahren wie die Gastroskopie, Koloskopie,
Endosonografie, ggf. Kapselendoskopie oder auch Doppelballonenteroskopie (Pushund-Pull-Enteroskopie) zur Primärtumorsuche und bildgebende Verfahren wie die
Abdomensonografie, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie
(MRT) zum Nachweis des Primärtumors sowie in der Ausbreitungsdiagnostik. Schnittbildverfahren wie MRT und CT eignen sich besonders zur Darstellung von Organmetastasen und Lymphknotenbefall, weniger gut zum Nachweis des Primärtumors.
Hier spielt die Endosonografie besonders bei Tumoren des Pankreas und des Duodenums eine Rolle. Der erfahrene Untersucher kann mit der Sonografie kleinere Struktu27
ren darstellen als das CT. Das CT kann in fortgeschrittenen Fällen den Primärtumor
besonders gut darstellen, auch ist hier der Einsatz von kontrastverstärkenden Mitteln
einfach möglich. Der Nachweis der charakteristischerweise stark mit Gefäßen versorgten Lebermetastasen im CT oder Ultraschall legt bereits aufgrund deren Struktur den
Verdacht auf einen NET nahe. Mit der Endosonografie können Tumoren im Bereich der
Magenwand und der Wand des Duodenums mit hoher Auflösung dargestellt werden.
Die Sensitivität dieser Technik beträgt für NET des Pankreas 80–100% und für Tumoren
im Bereich der Duodenal- und Magenwand 50–80% [14, 15]. Mit dem endoskopischen Ultraschall ist neben der genauen Bestimmung der Tumorgröße auch die
Erfassung der Tumorausbreitung in benachbarte Strukturen, wie z. B. Lymphknoten
oder auch Gefäße, möglich.
Zellen des neuroendokrinen Systems sind mit Somatostatin (SST)-Rezeptoren ausgestattet. Diese bilden die Grundlage für die SST-Rezeptor-Szintigrafie, bei der sich mit
dem Einsatz des Radiopharmakons 111In-Pentetreotid (= 111In-DTPA-[D-Phe1]-Octreotid; OctreoScan®) die auf den Zellmembranen von NET lokalisierten SST-Rezeptoren
(SSR) nachweisen lassen. NET sind generell mit SSR versehen und besonders häufig
mit SSR-2, an den das Radiopharmakon bevorzugt bindet. Allerdings liegen diese bei
weniger als 60% der Insulinome vor. Auch hindgut-Tumoren sind in der SSR-Szintigrafie häufig negativ. Mit der SSR-Szintigrafie können hingegen Gastrinome in mehr als
90% der Fälle erfasst werden. Der Vorteil der SSR-Szintigrafie ist die Darstellung des
ganzen Körpers. So können durch diese Untersuchung Hinweise auf eine Krankheitsbeteiligung von Organen gewonnen werden, für die es in anderen schnittbildgebenden Verfahren noch keine Anzeichen für eine Krankheitsbeteiligung gab, wie z. B. bei
Knochenmetastasen [1, 14].
Wegen der langsamen Proliferationsrate und des niedrigen Glukosestoffwechsels
spielt die 18Fluordesoxyglucose-Positronenemissionstomografie (18FDG-PET) in der
Diagnostik der NET keine Rolle. Allerdings ist die 18F-DOPA-PET ähnlich sensitiv wie die
SSR-Szintigrafie. Die 18F-DOPA-PET scheint der SSR-Szintigrafie im Nachweis des Primärtumors und von Lymphknotenmetastasen, insbesondere bei Serotonin-bildenden Tumoren, mindestens gleichwertig zu sein. Einen besonderen Stellenwert hat
zuletzt das Rezeptor-PET/CT mit Gallium-68-markierten Somatostatinanaloga (68GaDOTA-NOC-PET/CT) erlangt, das mit hoher Sensitivität Primärtumor und Metastasen
nachweisen kann und an Zentren bereits als Goldstandard in der Lokalisationsdiagnostik von Primärtumor und Metastasen eingesetzt wird [1, 14].
P Neben der Laborchemie und der
Endoskopie sind nuklearmedizinische
Verfahren wie SSR-Szintigrafie oder
PET/CT und die Schnittbildgebung in
der Diagnostik von Bedeutung.
Therapie
Die komplette chirurgische Tumorentfernung stellt die einzige kurative Behandlungsform neuroendokriner Tumoren dar. Aus diesem Grund ist die präoperative Tumorlokalisations- und Ausbreitungsdiagnostik von größter Wichtigkeit. Häufig werden
NET jedoch erst in fortgeschrittenen Tumorstadien diagnostiziert, in denen eine chirurgische Heilung nicht mehr möglich ist. Ziel der weiteren Behandlung ist eine symptomatische antisekretorische Therapie bei funktionell aktiven NET sowie eine antiproliferative Therapie im Sinne einer zytoreduktiven Behandlung.
Therapieoptionen bei lokalisierter Erkrankung
Einige NET des Magens, Dünndarms und des Pankreas sind bei Diagnose lokal begrenzt und können durch endoskopische Mukosaresektion (EMR) im Fall von lokalisierten Tumoren des Magens oder chirurgisch bei Lokalisation im Pankreas in toto reseziert werden. Insbesondere gelingt dies bei NET, die sich von den enterochromaffinen
Zellen des Magens ableiten (ECLome). Das ECLom Typ 1 macht ca. 70–80% der Fälle
aus und ist in der Regel ein kleiner, gelegentlich multifokaler Tumor im Magenkorpus.
Endoskopisch imponiert der Tumor als submuköse Vorwölbung. Die Tumoren bilden
sich immer auf dem Boden einer autoimmunen chronisch atrophen Korpusgastritis
aus. Das ECLom Typ 2 findet sich im Rahmen eines Zollinger-Ellison- oder MEN1-Syndroms und tritt typischerweise multifokal auf. Das ECLom Typ 3 ist ein sporadischer
Tumor, der ein sehr aggressives Wachstum zeigt und bei Diagnosestellung oft bereits
28
metastasiert ist. Solange die Tumorgröße 2 cm nicht überschreitet und endosonografisch bzw. histologisch keine Infiltration der Muscularis propria vorliegt, können diese
Tumoren durch EMR entfernt und damit kurativ behandelt werden.
Bei pankreatischen Tumoren sind > 90% der Insulinome, ca. 20–40% der Gastrinome
sowie eine geringere Anzahl der endokrin inaktiven NET bei Diagnosestellung lokal
begrenzt und können chirurgisch durch Enukleation des Tumors bzw. durch Pankreasteilresektion komplett entfernt werden.
Duodenale Gastrinome treten sporadisch oder im Rahmen eines MEN1-Syndroms auf.
Problematisch bei Gastrinomen im Rahmen eines MEN1-Syndroms ist das multifokale
Auftreten, wodurch eine primäre chirurgische Therapie bei diesen Tumoren in den
meisten Fällen nicht möglich ist. Bei Gastrinomen finden sich trotz ihrer geringen
Größe und Lage in der Mukosa oder Submukosa oft bereits regionale Lymphknotenmetastasen. Diese Metastasen sind häufig weitaus größer als der Primärtumor, der
gelegentlich gar nicht gefunden wird. Bei den sogenannten Lymphknotengastrinomen handelt es sich daher nach heutiger Kenntnis am ehesten um bereits metastasierte Gastrinome der Duodenalwand und nicht um eine eigene Entität. Wenn immer
möglich, sollten sporadische duodenale Gastrinome inklusive der regionalen Lymphknoten chirurgisch nach onkologischen Kriterien reseziert werden, sofern eine weitere Organbeteiligung ausgeschlossen worden ist. Bei pankreatischen Gastrinomen
hingegen zeigen sich bereits frühzeitig Lebermetastasen, wodurch eine chirurgische
Sanierung in der Regel nicht möglich ist.
Therapieoptionen bei metastasierter Erkrankung
Fernmetastasen zeichnen sich bei NET des GI-Trakts, insbesondere bei gut differenzierten Karzinomen mit niedrigem Proliferationsindex, durch eine überraschende
Symptomarmut aus. Oft zeigt sich bei diesen Tumoren auch ohne Therapie eine über
Jahre stabile Tumorerkrankung. Bei Größenprogredienz der Metastasen ist eine antiproliferative und symptomorientierte Therapie indiziert. Eine sehr schlechte Prognose
haben die seltenen kleinzelligen, schlecht differenzierten NET mit einem hohen Proliferationsindex (Ki-67-Expression > 10%), bei denen meist frühzeitig eine palliative
Chemotherapie erforderlich ist.
Bei funktionell aktiven NET mit Metastasierung sollte neben der medikamentösen
Therapie stets an eine chirurgische Verkleinerung des Tumorvolumens im Sinne eines
Tumordebulkings gedacht werden. Dies führt nicht nur zu einer besseren Kontrolle
des Hypersekretionssyndroms, sondern ist auch mit einer besseren Gesamtprognose
assoziiert. Häufig finden sich bei metastasierten NET lokale Komplikationen durch Beeinträchtigung der Darmperfusion oder -motilität durch desmoplastische Reaktionen
des Mesenteriums. Auch hier sollten chirurgische Therapieverfahren, wie z. B. eine
palliative begrenzte Darmresektion oder eine Passagewiederherstellung, zum Einsatz
kommen. Bei diffuser größenprogredienter Lebermetastasierung können auch alternative Therapieverfahren zur Tumorreduktion wie die Radiofrequenzthermoablation
(RFTA), die TACE, die PRRT oder die SIRT zum Einsatz kommen.
Symptomorientierte Therapie bei Hypersekretionssyndromen
Eine symptomorientierte Therapie kann in zweierlei Hinsicht durchgeführt werden:
Zum einen ist es möglich, durch eine antisekretorische Pharmakotherapie mit Somatostatinanaloga und/oder α-Interferon die endokrine Sekretion der Tumorzellen zu
inhibieren (s. u.). Beim Insulinom besteht zudem die Möglichkeit, eine überschießende Hyperinsulinämie mit Diazoxid zu behandeln, einem nicht-diuretisch wirksamen
Benzothiadiazin, welches die Insulinausschüttung aus den sekretorischen Granula
der normalen β-Zellen und aus den Tumorzellen inhibiert. Nicht alle Patienten mit
Insulinom (etwa 50%) sprechen gleich gut auf diese Behandlungsform an; bei der
symptomorientierten Therapie des Insulinoms sollte diese Behandlungsmaßnahme
jedoch neben der antisekretorischen Therapie mit Somatostatinanaloga in Betracht
gezogen werden. Nicht selten muss jedoch wegen des erheblichen Nebenwirkungs29
spektrums (kardiale Arrhythmien, Knochenmarkdepression, Natrium- und Wasserretention, Erbrechen, Anorexie) die Behandlung abgebrochen werden. Die Wirksamkeit von Somatostatinanaloga ist wegen des geringen Besatzes der Insulinome mit
SSR-2 ebenfalls nur bei der Hälfte der Patienten eine Option.
Gastrinome können effektiv mit PPI behandelt werden. Oft sind jedoch Dosierungen
erforderlich, die ein Mehrfaches der Standarddosierung überschreiten (s. o.). Damit
sind in den meisten Fällen die Refluxsymptomatik, die duodenalen und gastralen
Ulzerationen sowie die durch überschießende Säureproduktion ausgelösten Diarrhöen effektiv behandelbar. Die Hypergastrinämie wird durch eine PPI-Therapie selbst
nicht beeinflusst.
Patienten mit Karzinoidsyndrom und ausgeprägter Histamin-induzierter Flushreaktion können bei nicht ausreichender Wirkung von Somatostatinanaloga und/oder
α-Interferon mit Serotoninantagonisten (z. B. Ondansetron oder Methysergid) behandelt werden. Diese Medikamente besitzen jedoch ebenfalls ein beachtliches Nebenwirkungsprofil wie die Ausbildung einer retroperitonealen Fibrose bei Methysergid.
Zu beachten ist weiterhin, dass Patienten mit Karzinoidsyndrom den größten Teil des
mit der Nahrung zugeführten Tryptophans im Tumor zu 5-HIES umbauen und somit
bei starkem Zellumsatz ein Nikotinamidmangel auftreten kann, welcher zu einem
Pellagra-ähnlichen Erkrankungsbild führen kann. Eine Nikotinamidsubstitution ist bei
diesen Patienten dringend erforderlich.
Zur Behandlung und periinterventionellen oder perioperativen Prophylaxe einer Karzinoidkrise sind Somatostatinanaloga Mittel der Wahl. Es sollte zunächst in einer Dosis
von 3 x 200 µg s.c. oder als Dauerinfusion mit 1500 µg/24 h gegeben werden, die
Dosis kann je nach Klinik gesteigert werden. Alternativ können überlappend die Depotpräparate Octreotid-LAR, Lanreotid-Autogel bzw. Lanreotid-LA gegeben werden,
die alle 30 Tage bzw. 10–14 Tage i.m. bzw. s.c. appliziert werden.
Biotherapie
Der Begriff Biotherapie beschreibt die Verwendung körpereigener Substanzen zur antisekretorischen und zumindest teilweise antiproliferativen Therapie bei NET. Hierzu
stehen Somatostatinanaloga und/oder α-Interferon zur Verfügung [16–18]. Beide
Substanzen haben sich in Therapiestudien als wirksam erwiesen. Die zur Verfügung
stehenden Somatostatinanaloga (Tab. 5) binden bevorzugt an SSR-2. Somit sprechen
besonders NET auf eine Behandlung mit Somatostatinanaloga an, bei denen SSR-2
nachweisbar ist. Die Indikation für die Behandlung mit Somatostatinanaloga ergibt
sich zum einen aus der sekretionshemmenden Wirkung der Substanzen. Zuletzt
konnte aber auch in der PROMID-Studie eine proliferationshemmende und überlebensverlängernde Wirkung von Somatostatinanaloga im Vergleich zu Plazebo bei metastasierten midgut-Tumoren gezeigt werden. Somatostatinanaloga werden ansonsten zur symptomatischen Therapie beim Gastrinom, Insulinom, Glucagonom, VIPom
und beim Karzinoidsyndrom verwendet. Die Hemmung der Hormonsekretion beim
Glucagonom, VIPom und NET mit Karzinoidsyndrom ist hervorragend; beim Insulinom sind Somatostatinanaloga wegen der häufig fehlenden SSR-2 nur begrenzt wirksam; beim Gastrinom ist die Verwendung von Somatostatinanaloga durch die gute
Wirkung der PPI in den Hintergrund getreten.
P Somatostatinanaloga sind
bei midgut-Tumoren sowohl
antisekretorisch als auch
antiproliferativ wirksam.
Es hat sich ebenfalls herausgestellt, dass Patienten, die vor der Therapie mit Somatostatinanaloga einen langsamen Tumorprogress hatten, wesentlich besser und länger
auf Somatostatinanaloga ansprachen als Patienten, bei denen bereits zuvor ein
Tumorprogress nachgewiesen worden war. Patienten, die auf eine Therapie mit Somatostatinanaloga angesprochen hatten, hatten eine längere Überlebenszeit. In den
bisherigen Therapiestudien hat sich kein Vorteil einer Kombination von Somatostatinanaloga und α-Interferon ergeben. Die antisekretorische und antiproliferative Kapazität von α-Interferon ist der von Somatostatinanaloga in etwa gleichzusetzen. Jedoch
muss das erheblich stärkere Nebenwirkungsprofil von α-Interferon beachtet werden,
das von vielen Patienten nicht toleriert wird und zum Therapieabbruch führt.
30
Tab. 5
Somatostatinanaloga
Substanz
Applikation
Dosis
Wirkdauer
Octreotid
s.c.
150–1500 µg/Tag
6 Stunden
Octreotid-LAR
i.m.
10–30 mg/Monat
4 Wochen
Lanreotid-LA
i.m.
10–20 mg /10–14 Tage
2 Wochen
Lanreotid-Autogel
s.c.
60–120 mg/Monat
4 Wochen
Chemotherapie
Die meisten Studien zur systemischen Chemotherapie bei NET wurden an kleinen
Fallzahlen durchgeführt. Zudem waren die Beurteilungskriterien der einzelnen Studien sehr unterschiedlich und die Studien damit untereinander schwer vergleichbar.
Die Bewertung bisheriger Studien muss daher mit Vorsicht erfolgen. Aktuell gibt es
2 Tumorgruppen, für die Ergebnisse von randomisierten Therapiestudien vorliegen,
die von einer systemischen zytoreduktiven Chemotherapie profitieren: Dies sind gut
differenzierte neuroendokrine Karzinome des Pankreas und des Duodenums und
anaplastische, schlecht differenzierte neuroendokrine Karzinome.
Gut differenzierte neuroendokrine Karzinome des Pankreas und des Duodenums
Aus den bisherigen Chemotherapiestudien ergibt sich keine Indikation für eine Monochemotherapie. In einer von Moertel et al. publizierten Studie aus dem Jahre 1992
wurde mit einer Kombination aus Streptozotocin und Doxorubicin ein objektives Ansprechen bei 69% der Patienten gesehen. Die mittlere Überlebenszeit lag bei 26 Monaten. Zu beachten ist, dass die kumulative Kardiotoxizität die Anwendung von
Doxorubicin limitiert. Eine Kombination aus Streptozotocin und 5-Fluorouracil (5-FU)
hatte eine Ansprechrate von 45% bei einer mittleren Überlebenszeit von 18 Monaten,
jedoch wurde in einer früheren Studie mit Streptozotocin und 5-FU eine Ansprechrate
von 63% bei einer mittleren Überlebenszeit von 26 Monaten beschrieben. Somit
stehen diese beiden Schemata für die Therapie gut differenzierter neuroendokriner
Karzinome des Pankreas und des Duodenums zur Verfügung (Tab. 6). Gut differenzierte neuroendokrine Karzinome des Dünndarms wurden ebenfalls mit den beschriebenen Kombinationen behandelt. Hier fanden sich Ansprechraten von maximal
33–40%. Diese Ansprechraten sind deutlich schlechter als diejenigen, die mit einer
Reduktion des Tumorvolumens bei gleichzeitiger Symptomkontrolle durch Chemoembolisation (50–60%) erreicht werden können. Somit sollten NET des Dünndarms
nicht außerhalb von Therapiestudien mit einer zytoreduktiven Chemotherapie behandelt werden [1, 14].
Chemotherapieprotokolle gut differenzierter neuroendokriner
Karzinome des Pankreas
Streptozotocin + 5-Fluorouracil
500 mg/m2 Streptozotocin/Tag i.v. über 5 Tage
+
400 mg/m2 5-Fluorouracil/Tag i.v. über 5 Tage,
Wiederholung alle 6 Wochen
Streptozotocin + Doxorubicin
500 mg/m2 Streptozotocin/Tag i.v. über 5 Tage
+
50 mg/m2 Doxorubicin i.v. an Tag 1 und 22,
Wiederholung alle 6 Wochen
Tab. 6
Maximale Kumulationsdosis von Doxorubicin 4500 mg/m2
31
Schlecht differenzierte neuroendokrine Karzinome
Eine aggressive antiproliferative Chemotherapie bei schnell wachsenden neuroendokrinen Karzinomen sollte wegen des ausgeprägten Nebenwirkungsprofils der Substanzen bei der insgesamt sehr schlechten Prognose erst nach Abwägung anderer
Therapiemöglichkeiten in Erwägung gezogen werden. In Therapiestudien mit kleinen
Fallzahlen wurde die Kombination aus Cisplatin und Etoposid untersucht. Mit beiden
Substanzen konnte ein objektives Ansprechen bei 67% der Patienten beobachtet
werden, das progressionsfreie Überleben lag bei 11 Monaten und das Gesamtüberleben bei 19 Monaten. Seitdem stellt die Kombination aus diesen Substanzen die Standardchemotherapieoption für Patienten mit anaplastischen, schlecht differenzierten
neuroendokrinen Karzinomen dar (Tab. 7).
Chemotherapieprotokoll schlecht differenzierter
neuroendokriner Karzinome
Tab. 7
Etoposid + Cisplatin 130 mg/m2 Etoposid/24 h an 3 aufeinanderfolgenden Tagen
+
45 mg/m2 Cisplatin über 24 Stunden an Tag 2 und 3,
Wiederholung alle 4 Wochen
Zuletzt haben Studien mit einer Reihe moderner Chemotherapeutika mit molekularem Ansatz für Aufsehen gesorgt. So konnte in der RADIANT1-Studie bei Patienten mit
fortgeschrittenem endokrinem Pankreaskarzinom durch Hinzufügen des mTOR-Inhibitors Everolimus zu lang wirksamen Somatostatinanaloga das progressionsfreie
Überleben um 16,7 Monate bzw. um 9,7 Monate bei alleiniger Everolimus-Therapie
verlängert werden [1, 14].
Zukünftige Erfolg versprechende Therapieansätze sind Kombinationstherapien mit
mTOR-Inhibitoren mit weiteren zielgerichteten Therapien („targeted therapy“) gegen
z. B. VEGF, Rezeptorthyrosinkinasen wie Sunitinib, aber auch mit neuen Somatostatinanaloga wie Pasireotid (SOM230) oder zytotoxischen Substanzen wie Temozolomid.
Radiorezeptortherapie
Eine attraktive Alternative bei Patienten mit metastasierten neuroendokrinen Karzinomen stellt die Radiorezeptortherapie mit 90Y-DOTA-Octreotid (DOTATOC) bzw.
177Lu-DOTA-Octreotat (DOTATATE) dar. In einer kürzlich publizierten Studie mit
DOTATATE konnten partielle Remissionen bei 28%, Teilremissionen bei 16% und
eine komplette Remission bei 2% der Patienten beobachtet werden. Die Zeit bis
zum Tumorprogress lag bei 40 Monaten [6]. Unklar ist jedoch nach wie vor der optimale Zeitpunkt für diese Therapieoption und wie mit Therapieversagern der Radiorezeptortherapie zu verfahren ist.
Auch die SIRT, bei der durch Verwendung von 90Y-Microsphären eine selektive interne
Tumorembolisation stattfindet, konnte zuletzt durch ermutigende Daten auf sich aufmerksam machen [4, 5]. Weitere Studien werden den Stellenwert der letztgenannten
Verfahren für die palliative Therapie von NET bewerten.
Fazit für die Praxis
Durch die verbesserte Diagnostik werden NET früher erkannt und können einer
adäquaten Therapie zugeführt werden. Die therapeutischen Überlegungen erfordern
immer ein multidisziplinäres Vorgehen von Internisten, Chirurgen und Nuklearmedizinern. Primäres Ziel ist eine kurative chirurgische Behandlung neben einer symptomorientierten Therapie. Generell sollte bei NET mit Progress eine Biotherapie, bestehend
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aus Somatostatinanaloga, durchgeführt werden. In seltenen Fällen sind zusätzliche
medikamentöse Maßnahmen zur symptomatischen Therapie erforderlich. Bei metastasierter Erkrankung sollten bei einigen Tumoren zur Symptomkontrolle chirurgische
Verfahren zur Tumorreduktion durchgeführt werden. Alternativ kann die Chemoembolisation zur Symptomkontrolle beitragen. Bei metastasierten neuroendokrinen
Karzinomen sollte immer die Option einer Chemotherapie bei Progression der Erkrankung unter Therapie mit Somatostatinanaloga erwogen werden. Alternative und
komplementäre Verfahren zur Chemotherapie bieten sich heute mit der Chemoembolisation, RFTA oder SIRT bei hepatischer Metastasierung bzw. PRRT bei systemischer Erkrankung.
Zu empfehlende Literatur
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34
Fragen zu neuroendokrinen Tumoren
des Gastrointestinaltrakts
Frage 1:
Welche Aussage zum Auftreten von neuroendokrinen Tumoren (NET)
ist richtig?
EE Die mittlere Überlebenszeit von NET, auch im fortgeschrittenen Stadium, beträgt
mehr als 5 Jahre
EE NET können häufig nicht mehr kurativ behandelt werden
EE NET gehören zu den häufigsten Tumorentitäten
EE NET werden symptomatisch immer mit PPI behandelt
EE Die Prognose von pankreatischen NET ist ähnlich schlecht wie die des Pankreaskarzinoms
Frage 2:
Welche Aussage bezüglich der Bildgebung bei NET ist richtig?
EE Die Sonografie reicht häufig zur Primärdiagnostik aus
EE Die Somatostatin-Rezeptor-Szintigrafie ist spezifisch für alle NET
EE Das 68Ga-DOTA-NOC-PET/CT gibt Informationen, ob eine Therapie mit Radionukliden erfolgreich sein kann
EE Die Endosonografie sollte immer bei NET mit Karzinoidsyndrom zum Einsatz
kommen
EE Das FDG-PET ist für die Primärdiagnostik bei funktionell inaktiven NET geeignet
Falk
Gastro-Kolleg
Oberer
GI-Trakt
Bitte beachten Sie:
Bei der Beantwortung der Fragen
ist immer nur 1 Antwort möglich.
Die Beantwortung der Fragen und
Erlangung des Fortbildungszertifikats
ist nur online möglich.
Bitte gehen Sie dazu auf unsere Homepage
www.falkfoundation.de.
Unter dem Menüpunkt Falk Gastro­Kolleg
können Sie sich anmelden und die Fragen
beantworten.
Bitte diesen Fragebogen nicht
per Post oder Fax schicken!
Frage 3:
Welche Aussage zur Hormonsekretion trifft zu?
EE Fast alle NET sind endokrin funktionell aktiv
EE Das Gastrinom wird am besten durch Somatostatinanaloga behandelt
EE Das VIPom ist typischerweise durch Hypoglykämien und gastrale Ulzerationen
charakterisiert
EE Das Insulinom fällt u. a. durch die Whipple-Trias auf
EE Die Hormonsekretion erfolgt immer pulsatil
Frage 4:
Welche Aussage trifft nicht zu?
EE Auch metastasierte NET sollten bei endokriner Hypersekretion chirurgisch reseziert
werden
EE Ein chirurgisches Tumordebulking hat keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf
EE Somatostatinanaloga haben eine proliferationshemmende Wirkung bei NET des
Dünndarms
EE Somatostatinanaloga müssen vor Durchführung einer Somatostatin-RezeptorSzintigrafie pausiert werden
EE Interferon-α ist in der antisekretorischen Wirkung den Somatostatinanaloga
gleichzusetzen
Wichtig:
Fragebeantwortung unter
www.falkfoundation.de
Falk Gastro-Kolleg
Frage 5:
Welche Parameter sind für die Diagnostik von NET nicht hilfreich?
EE
EE
EE
EE
EE
Chromogranin A
Gastrin
5-Hydroxyindolessigsäure
CA 19-9
Serotonin
35
Frage 6:
Welche Therapiestrategien sind für NET des Pankreas nicht
wirksam?
EE
EE
EE
EE
EE
Chirurgische Resektion
Chemotherapie mit Gemzar und Tarceva
Chemotherapie mit 5-FU und Streptozotocin
Chemotherapie mit Doxorubicin und Streptozotocin
Somatostatinanaloga
Falk
Gastro-Kolleg
Oberer
GI-Trakt
Frage 7:
Welche der folgenden Aussagen ist richtig? NET des Magens
EE
EE
EE
EE
EE
sollten immer operiert werden
treten sporadisch und im Rahmen eines MEN1-Syndroms auf
können nicht endoskopisch reseziert werden
sollten primär beobachtet werden
sind häufiger als das sporadische Magenkarzinom
Frage 8:
Welche der folgenden Aussagen ist richtig? Bei der Biotherapie
neuroendokriner Tumoren
EE
EE
EE
EE
EE
ist Interferon-α den Somatostatinanaloga überlegen
sollten mehrere Substanzen kombiniert werden
sprechen Insulinome besonders gut an
konnte eine antiproliferative Wirkung von Somatostatinanaloga belegt werden
treten keine Nebenwirkungen auf
Frage 9:
Therapeutisch kommen für hepatisch metastasierte NET folgende
Maßnahmen nicht infrage:
EE
EE
EE
EE
EE
Transarterielle Chemoembolisation
Peptidvermittelte Radiorezeptortherapie
Selektive interne Radiotherapie
Externe Strahlentherapie
Somatostatinanaloga
Frage 10:
Welche Aussage zur Chemotherapie neuroendokriner Tumoren
trifft zu?
EE
EE
EE
EE
EE
Die Chemotherapie ist erste Wahl bei nicht-resektablen NET
Gut differenzierte NET mit niedrigem Ki-67-Index sprechen besonders gut an
Funktionell aktive NET sind prinzipiell therapierefraktär
Tyrosinkinasehemmer kommen heute als Therapie der ersten Wahl zum Einsatz
Cisplatin und Etoposid stehen an erster Stelle in der Therapie schlecht differenzierter NET mit hohem Ki-67-Index
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