Berufung und geistliche Begleitung

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P h ilo so p hi e ge sc hi ch te – V orl esu n g WS 2 01 2/ 20 1 3
T he olo g isc h e F a kultä t Pade r bo rn
P rof . D r . Dr . B er nd I rl en bo r n
PHILOSOPHIE
DER
ANTIKE
Epikur
(341-271 v. Chr.)
 Begriffe: eudaimonía (Glückseligkeit), ¹don»/hedoné (Lust, Freude), ¢tarax…a/ataraxía (Seelenruhe, Unerschütterlichkeit)
 Literatur:
Texte (mit Einführungen/Kommentaren): A. A. Long, D. Sedley (Hg.), Die hellenistischen Philosophen, Stuttgart 2000, 29-182; H.-W. Krautz (Hg.), Epikur: Briefe, Sprüche, Werkfragmente, Griechisch/Deutsch, Stuttgart 1993.
Einführungen: M. Forschner, Epikur, in: M. Erler u. a. (Hg.), Philosophen des Altertums. Vom Hellenismus bis zur Spätantike, Darmstadt 2000, 16-38; F. Ricken, Philosophie der Antike, Stuttgart 3 2000, 218-227; M. Hossenfelder, Philosophie der Antike,
Bd. 3: Stoa, Epikureismus, Skepsis, 21995, 100-146; Ders., Epikur, München 3 2006.
Vertiefung: M. Forschner, Über das Glück des Menschen: Aristoteles, Epikur, Stoa,
Thomas von Aquin, Kant, Darmstadt 21994; A. A. Long, From Epicurus to Epictetus:
Studies in Hellenistic and Roman Philosophy, Oxford 2006.
 Texte:
Zitat 1: „Mache dich vertraut mit dem Gedanken, dass der Tod für uns bedeutungslos
ist. Alles Gute und Schlechte liegt nämlich in der Sinneswahrnehmung, und die Aufh ebung der Sinneswahrnehmung ist der Tod. Daher macht die richtige Einsicht, dass der
Tod uns nichts angeht, die Sterblichkeit des Lebens zu etwas, das man g enießen kann,
indem sie ihr nicht eine unbegrenzte Zeit anfügt, sondern uns das Verlangen nach U nsterblichkeit wegnimmt. Denn im Leben liegt nichts Beängstigendes für den, der wirklich begriffen hat, dass nichts Beängstigendes im Nicht-Leben liegt. (…) Das schauerlichste aller Übel also, der Tod, geht uns nichts an; denn solange wir sind, ist der Tod
nicht da, und wenn der Tod da ist, sind wir nicht mehr. Somit geht er weder die Lebenden an noch die Toten, da erstere ihn nicht in ihrem Umkreis haben und letztere
nicht mehr sind. (…) Wer dem jungen Menschen rät, gut zu leben, und dem alten Menschen, gut zu sterben, ist nicht nur deshalb naiv, weil das Leben liebenswert ist, sondern auch deshalb, weil es dasselbe ist, sich um gutes Leben und sich um gutes Sterben
zu kümmern“ (Epikur, Brief an Menoikeus, 124-126 in: Long/Sedley, 174).
Zitat 2: „Eben deswegen sagen wir, die Lust ist der Anfang und das Ende des glückseligen Lebens. Sie nämlich erkennen wir als das erste, uns verwandte Gut, von ihr ausg e-
hend beginnen wir jedes Wählen und Meiden, und wir kehren auch zu ihr zurück, i ndem wir bei jedem Gut, um es zu beurteilen, die Empfindung als Richtmaß benutzen.
Gerade weil dies das erste, uns verwandte Gut ist, deshalb wählen wir auch nicht jede
Lust, sondern übergehen gelegentlich viele Lüste, wenn sich aus ihnen mehr Unang enehmes für uns ergibt; auch halten wir viele Schmerzen für besser als Lüste, wenn sich
daraus nämlich, wenn wir die Schmerzen ertragen haben, für uns eine größere, la nge
währende Lust ergibt. (…) Auch die Selbstgenügsamkeit (autárkeia) halten wir für ein
großes Gut, nicht um uns immer mit wenigem zu begnügen, sondern damit wir uns
dann mit wenigem begnügen können, wenn wir nicht das Viele haben, in der echten
Überzeugung, dass am Luxus diejenigen das größte Vergnügen haben, die seiner am
wenigsten bedürfen … (…) Wenn wir also sagen, dass die Lust das Ziel sei, dann meinen wir nicht die Lüste derer, die ausschweifend leben, auch nicht die Lüste, welche
auf dem Genuss beruhen, wie das einige aus Unkenntnis und deshalb meinen, weil sie
nicht beipflichten oder uns falsch verstehen; sondern wir meinen damit, körperlich
keine Schmerzen zu haben und seelisch nicht in Unruhe zu sein. Denn was das lustvo lle Leben hervorbringt, sind nicht Trinken und Gelage, nicht der Genuss von Knaben
und von Frauen …, sondern ein nüchterner Verstand (…). Der Anfang für all dies und
das größte Gute ist die Klugheit (phrónēsis)“ (Epikur, Brief an Menoikeus, 128-132 in:
Long/Sedley, 133f.).
Zitat 3: „Erstens, halte Gott für ein unvergängliches, glückliches Lebewesen, wie das
der allgemeine Begriff Gottes im Umriss vorsieht, und verbinde mit ihm nichts, was
seiner Unvergänglichkeit fremd oder dem Glück unangemessen ist, sondern glaube in
Bezug auf ihn alles, was seine Verbindung von Glück und Unvergänglichkeit zu bewahren vermag. Denn Götter gibt es tatsächlich. Das Wissen von ihnen ist einleuchtend.
Doch so, wie die Menge sich sie denkt, sind sie nicht. Denn so, wie die Menge sich sie
denkt, bewahrt sie sie keineswegs. Gottlos ist nicht derjenige, der die Götter der Menge
abschafft, sondern derjenige, der den Göttern die Meinungen der Menge über sie a nhängt. Die Behauptungen der Menge über die Götter sind nämlich nicht Vorbegriffe,
sondern falsche Vermutungen …“ (Epikur, Brief an Menoikeus, 123 in: Long/Sedley,
163).
Zitat 4: „Der Gott will entweder die Übel abschaffen und kann es nicht, oder er kann
und will es nicht, oder er will es nicht und kann nicht, oder er will und kann. Wenn er
will und nicht kann, ist er schwach, was auf Gott nicht zutrifft. Wenn er kann und
nicht will, ist er neidisch, was dem Gott gleichermaßen fremd ist. Wenn er weder will
noch kann, ist er neidisch und schwach, also auch kein Gott. Wenn er will und kann –
was allein dem Gotte zukommt – woher stammen dann die Übel? Oder warum schafft
er sie nicht ab?“ (Glossarium Epicureum, fr. 374 in: Krautz, Epikur, 166).
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