Alterungsprozesse wirken auf Gehirn und Augen AMD + Alzheimer

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Ausgabe 07-2015
9,50 Euro
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Fachmagazin für Augenärztinnen und Augenärzte
Alterungsprozesse
wirken auf Gehirn
und Augen
AMD + Alzheimer
Gemeinsamkeiten und
Unterschiede
Retina-Implantat
Hilft AMD-Patienten,
was bei RP funktioniert?
DOG-Kongress
So wird Berlin
Ideenschmiede
bigstockphoto
AECOS-Meeting
Die Welt ist wunderschön – helfen Sie zu Sehen!
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Wirkstoff: Ranibizumab. Zusammensetzung: -Injektionslösung: Jede Durchstechflasche zum einmaligen Gebrauch enthält 2,3 mg Ranibizumab in 0,23 ml Lösung. -Injektionslösung in einer Fertigspritze: Eine Fertigspritze enthält
0,165 ml, entsprechend 1,65 mg Ranibizumab. Sonstige Bestandteile: α,α-Trehalose-Dihydrat, Histidinhydrochlorid-Monohydrat, Histidin, Polysorbat 20, Wasser für Injektionszwecke. Anwendungsgebiete: Behandlung der neovaskulären
(feuchten) altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) bei Erwachsenen. Behandlung einer Visusbeeinträchtigung infolge eines diabetischen Makulaödems (DMÖ) bei Erwachsenen. Behandlung einer Visusbeeinträchtigung infolge
eines Makulaödems aufgrund eines retinalen Venenverschlusses (RVV) (Venenastverschluss oder Zentralvenenverschluss) bei Erwachsenen. Behandlung einer Visusbeeinträchtigung infolge einer chorioidalen Neovaskularisation
(CNV) aufgrund einer pathologischen Myopie (PM). Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile. Patienten mit einer bestehenden okularen oder periokularen Infektion bzw. dem
Verdacht darauf. Patienten mit einer bestehenden schweren intraokularen Entzündung. Nebenwirkungen: Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse, die im Zusammenhang mit dem Injektionsvorgang standen, waren Endophthalmitis,
rhegmatogene Netzhautablösung, Einriss der Retina und iatrogene traumatische Katarakt. Andere schwerwiegende okulare Ereignisse waren intraokulare Entzündung und erhöhter Augeninnendruck. Folgende unerwünschte
Wirkungen traten in kontrollierten Studien häufiger bei mit Lucentis behandelten Patienten auf als in der Kontrollgruppe: Sehr häufig: Erhöhung des Augeninnendrucks, Kopfschmerzen, Vitritis, Glaskörperabhebung, Einblutungen
in die Retina, Beeinträchtigung der Sehfähigkeit, Augenschmerzen, „Fliegende Mücken“ (Mouches volantes), Bindehautblutung, Augenirritation, Fremdkörpergefühl im Auge, verstärkter Tränenfluss, Blepharitis, trockenes Auge,
okuläre Hyperämie, Pruritus des Auges, Arthralgie, Nasopharyngitis. Häufig: Harnwegsinfektionen (nur bei DMÖ-Patienten), Anämie, Netzhautdegeneration, Funktionsstörungen der Retina, Netzhautablösung, Netzhauteinriss,
Abhebung des retinalen Pigmentepithels, Einriss des retinalen Pigmentepithels, Visusverschlechterung, Glaskörperblutung, Funktionsstörungen des Glaskörpers, Uveitis, Iritis, Iridozyklitis, Katarakt, subkapsuläre Katarakt,
Trübung der hinteren Linsenkapsel, Keratitis punctata, Abrasio corneae, Reizzustand der Vorderkammer, Verschwommensehen, Blutungen an der Injektionsstelle, Einblutungen ins Auge, Konjunktivitis, allergische Konjunktivitis,
Augentränen, Photopsie, Photophobie, Augenbeschwerden, Augenlidödem, Augenlidschmerzen, Hyperämie der Konjunktiva, Husten, Übelkeit, allergische Reaktion (Hautausschlag, Urticaria, Pruritus, Erythem), Hypersensitivitätsreaktionen, Angstzustände. Gelegentlich: Erblindung, Endophthalmitis, Hypopyon, Vorderkammerblutung, Keratopathie, Irisadhäsion, Ablagerungen auf der Kornea, Ödeme der Kornea, Striae der Kornea, Schmerzen
an der Injektionsstelle, Reizungen an der Injektionsstelle, abnormes Gefühl im Auge, Reizungen des Augenlids. In Phase-III-Studien zur feuchten AMD bei Ranibizumab-behandelten Pat. leicht erhöhte Gesamthäufigk. d.
Auftretens von Blutungen außerhalb d. Auges (keine einheitl. Verteilung d. versch. Blutungstypen). Es besteht ein theoretisches Risiko für arterielle thrombembolische Ereignisse, einschließlich Schlaganfall und Herzinfarkt,
nach der intravitrealen Anwendung von VEGF-Inhibitoren. In klinischen Studien mit Lucentis an Patienten mit AMD, DMÖ, RVV und PM wurde eine geringe Inzidenzrate für arterielle thrombembolische Vorkommnisse
beobachtet. Es gab keine größeren Unterschiede zwischen den verschiedenen Behandlungsgruppen. Warnhinw.: Lucentis 10 mg/ml Injektionslösung: Die Filterkanüle ist nicht für die Injektion zu verwenden. Verschreibungspflichtig. Weitere Angaben: S. Fachinformation. Stand: September 2014 (Lucentis 10 mg/ml Injektionslösung), November 2014 (Lucentis 10 mg/ml Injektionslösung in einer Fertigspritze); (MS 01/15.05).
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editorial
Erhellende Inhalte
Verehrte Leserinnen und Leser,
Prof. Dr. Albert J. Augustin ist
Direktor der Städt. Augenklinik Karlsruhe
[email protected]
Sie greifen also in diesem Moment tatsächlich zu einem Produkt
angebote für Betroffene wie auch Fachärzte bereitstellen (S. 25).
aus gedrucktem Papier und lesen? Und wischen und tippen nicht
Prof. Dr. Heilig. würdigt in seiner Laudatio zum 150. Geburts-
lieber auf einem Bildschirm herum, der Sie mit der ganzen Welt
tag von Theodor Scheimpflug dessen noch bis heute geltende
verbindet. Ist das sinnvoll oder sind Sie einfach nur altmodisch?
Methode zur Entzerrung von Fotografien, Kartographie und
Das Internet bietet Ihnen doch eine Verlinkung und Aggregati-
ophthalmologisch-wissenschaftlicher Dokumentation (S. 30).
on menschlicher Intelligenz in Jetztzeit, eine globale Schwarm-
Constanze Augustin erklärt uns, welche Ursachen und Behand-
intelligenz, bei der aus vielen guten Entscheidungen Einzelner
lungsstrategien bei initial schlechtem Ansprechen oder Tachyphy-
sich im besten Fall die Weisheit der Masse herauskristallisieren
laxie der Behandlung der feuchten AMD anzudenken sind (S. 18).
sollte. Sie könnten jetzt auch auf Twitter oder Facebook neueste
Im Juni 2015 wurde in Manchester erstmals einem Patienten
Informationen abgreifen, die zugegeben wahrscheinlich mor-
mit weit fortgeschrittener AMD der Argus II Chip implantiert.
gen schon wieder im Datennirwana verschwunden sind. Ein
Ob dieses bisher nur für RP-Patienten zugelassene Produkt auch
Forscherteam der ETH Zürich hat in einer unlängst veröffent-
für AMD-Patienten die Verschmelzung zwischen intakter peri-
lichten Studie übrigens gezeigt, dass Schwarmintelligenz auch
pherer Sicht und zentralem Chip meistern wird, bleibt eine inter-
in Schwarmdummheit umschlagen kann. Um die Weisheit der
essante Frage (S. 28).
Vielen trotzdem nutzen zu können, ist es wichtig, dass der Einzelne bei seiner Entscheidung nicht weiß, wie die anderen ent-
Kann man Altern und Krankheit als Fehlregulation ansehen?
scheiden. „Das ist übrigens auch Grundlage der repräsentativen
Weitere Beiträge werden sich mit dieser Frage beschäftigen:
Demokratie“, sagt der Studienleiter. Die kollektive Weisheit
genetische, zelluläre und Risikofaktoren als Gemeinsamkeiten
funktioniere gut, solange Menschen unabhängig voneinander
und Unterschiede von AMD- und Morbus-Alzheimer-Patienten
wählen könnten. Vor allem verwahrloster und pöbelnder Dis-
(S. 22). Weiterhin interessant ist auch die anvisierte TAME-Stu-
kurs in sozialen Medien, in denen öffentliche und private Sphäre
die, in der nachgewiesen werden soll, ob Metformin Alterungs-
verschmelzen, gefährdet die Grundlagen unserer Gesellschaft.
prozesse verzögern und somit die Lebensspanne erweitern kann,
in der Menschen gesund bleibt (S. 32).
Aber herzlichen Glückwunsch, Sie greifen zu einem Produkt,
das sorgfältig erarbeitete und geprüfte Inhalte zu Ihrer Erhellung
Neueste Berichte über die Stärkung und Zusammensetzung un-
bereitstellt: Dr. Stefanie Schmickler berichtet über die kürzlich
seres Mikrobioms bestätigen die Aussage, dass Saures gut für
in Berlin abgehaltene Tagung des American European Congress
uns ist. Gewohnt blumig führt uns Prof. Dr. Elstner in die Tiefen
of Ophthalmic Surgery (Seite 14). Die 2012 gegründete inter-
der zellulären und mikrobiologischen Abläufe von Ernährung
nationale Vereinigung versteht sich als Think Tank führender
ein und erklärt uns, was die Milchsäureforschung mit der Kuh-
Ophthalmochirurgen und Industriemitglieder, der medizinische,
stallhypothese verbindet (S. 34).
ökonomische und soziale Neuentwicklungen in der Ophthalmologie diskutiert und vorantreibt. Prof. Bartz-Schmidt steht als
Um noch einmal auf die Gefahren der sogenannten Schwarm-
Präsident der DOG 2015 in einem Interview Rede und Antwort
intelligenz in sozialen Medien zurückzukommen und all den
(S. 10). Er geht auch näher auf die Frage ein, warum das Kon-
Gewohnheits-Textüberfliegern ein hübsches Bonmot mit auf
gressmotto „Augenheilkunde – grundlagenbasiert und interdiszi-
den Weg zu geben, lassen wir Albert Einstein sprechen: „Der
plinär“ gewählt wurde und wie es umgesetzt werden wird.
gesunde Menschenverstand ist eigentlich nur eine Anhäufung
von Vorurteilen, die man bis zum 18. Lebensjahr erworben hat.“
Diagnose AMD – und was jetzt? AMD-Patienten und ihre Angehörigen stehen in dieser Situation vor der Herausforderung,
Ihr
ihr Leben neu zu gestalten. Wesentlich sind dabei neben den
Albert J. Augustin
Augenärzten als Hauptansprechpartner auch Anbieter sozialer Dienstleistungen, die über das AMD-Netz Informations-
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
3
Visionary Diagnostic Solutions
Bildgebungsplattform für Katarakt- und Refraktivchirurgie
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Lösungen für diagnostische Fragestellungen
in der Augenheilkunde. Unser visionärer Ansatz
verbindet klinische, wissenschaftliche und
technische Expertise mit dem Ziel, Standards
in der diagnostischen Bildgebung zu erhöhen.
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um. Dasselbe Ziel verfolgen wir nun mit unserer
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aktuelles
gesundheit
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Interview mit dem diesjährigen DOGPräsidenten K. U. Bartz-Schmidt
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AECOS-Meeting
Ideenschmiede für die Ophthalmologie
schwerpunkt
amd / netzhaut
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Therapieoptionen
Alternativen zur Standardbehandlung
von AMD-Patienten
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Kapitel 7.2 der Serie über Ernährung,
Gesundheit, Altern und Prävention
praxisführung
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Shop-Verwaltung
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Tipps für Privatanleger
update
Versorgungsstudie
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Metformin-Studie
Mit Medikamenten den Alterungsprozess
aufhalten?
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
schiede bei genetischen, zel-
Aus den Unternehmen
standards
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die IVOM
• Gemeinsamkeiten und Unter-
- Heidelberg-Engineering: E-Learning-Tools
- Allergan: Erfahrungen mit DexamethasonImplantat bei DMÖ
- AMO: IOL neuen Typs zur Presbyopiekorrektur
Retina Implantat
Das vor über 100 Jahren entwickelte Prinzip
gilt heute noch
tegien bei initial schlechtem Ansprechen von AMD-Patienten auf
Gemeinsamkeiten und Unterschiede der
altersabhängigen Erkrankungen
Scheimpflug-Photographien
AMD / Netzhaut
Die Themen unseres Schwerpunktes:
• Ursachen und Behandlungsstra-
Regelmäßige Erträge
Erstmals bei AMD-Patient eingesetzt
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finanzen
AMD – Alzheimer
medizin
medizin
Zwei Apps als sichere Kassenlösung für
die Praxis
Patientenerwartungen als Herausforderung
für die Augenarztpraxis
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Mikrobiom und Saures
Second Sight
DOG-Kongress
03
lulären und Risikofaktoren von
AMD- und Alzheimer-Patienten
• Bedürfnisse von AMD-Patienten als Herausforderung
für die Augenarztpraxis – das
AMD-Netz bietet Unterstützung
• Retina Implantat Argus II: Wird
dieses bisher nur für RP-Pati-
Editorial
enten zugelassene System auch
Prof. Albert J. Augustin
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Patienten mit AMD helfen?
News
Impressum
Marktplatz
- Firmen stellen vor
- Neues zum DOG-Kongress
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news
menschen + meldungen
Ortswechsel
Umzug in Heidelberger SkyLabs
Foto: Heidelberg Engineering
Am 31. Juli 2015 ist Heidelberg Engineering in das neue SkyLabs Büro- und Laborgebäude in der Max-Jarecki-Straße 8 eingezogen. Die Gesamtfläche von über 7.700 m²
bedeutet einen Zuwachs von mehr als 60 % im Vergleich zum bisherigen Gebäude.
Der Platzbedarf spiegelt die Entwicklung der vergangenen Jahre wider: Seit Anfang
2014 ist die Mitarbeiterzahl am Hauptstandort Heidelberg um über 40 % gestiegen.
Besonders stark ist der Zuwachs im Bereich Forschung und Entwicklung. Nun sind
alle Mitarbeiter des Standorts Heidelberg in einem Gebäude vereint. Dies schließt
diejenigen von Medical Communications, einem seit Anfang 2014 zum Unternehmen gehörenden Anbieter von Bildverwaltungssystemen, mit ein.
Die hochmodernen SkyLabs der Heidelberger Bahnstadt
Optometrie
Diabetes-Risiko
ZVA veröffentlicht Positionspapier
Netzhautperipherie wichtig für Einschätzung
Die Augenoptik hat sich in den letzten Jahren verändert, optometrische
Dienstleistungen prägen zunehmend das Berufsbild. Gleichwohl ist der Begriff des Optometristen für große Teile der Öffentlichkeit weiterhin unscharf,
wenn nicht gar unbekannt. Der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) hat daher ein Positionspapier erstellt, das speziell diesen
Aspekt der Augenoptik ausführlich vorstellt. Bereits seit vielen Jahrzehnten
werden Augenoptiker an verschiedenen Bildungsinstitutionen in Optometrie unterrichtet, es handele sich folglich um keine neue augenoptische
Disziplin, so der ZVA. Dennoch werde ihr künftig eine nochmals gesteigerte
Bedeutung zukommen: Bereits jetzt seien Augenoptiker zunehmend als Optometristen gefragt und nähmen eine Lotsenfunktion in der Sehversorgung
ein, um dem demografischen Wandel in Deutschland Rechnung zu tragen.
Sie entlasteten damit den Berufsstand der Augenärzte und unterstützten
ihn. Möglich geworden sei diese Verlagerung des Tätigkeitsfeldes durch
eine Vielzahl von Faktoren, darunter der Fortschritt in der Gerätetechnik, die
Verschiebung rechtlicher Rahmenbedingungen und ein verändertes Kundenverhalten. Download unter www.zva.de/Positionspapiere.
Eine aktuelle Studie, die am renommierten Joslin Diabetes Center in Boston
(USA) durchgeführt wurde, bestätigt die von deutschen Augenärzten schon
immer vertretene Meinung, dass unbedingt auch die Netzhautperipherie untersucht werden muss, teilt die Initiativgruppe „Früherkennung diabetischer
Augenerkrankungen“ (IFDA) mit. Bei der Studie wurde der Krankheitsverlauf von 100 Menschen mit Diabetes mellitus vier Jahre lang verfolgt. Die
Wissenschaftler untersuchten dabei sowohl die zentrale als auch die periphere Netzhaut und dokumentierten die Befunde photographisch. Dabei
ergab sich: Patienten mit krankhaften Veränderungen in der Netzhautperipherie haben ein 3,2-fach höheres Risiko, dass die diabetische Retinopathie
zunimmt und dass sich eine proliferierende diabetische Retinopathie mit
krankhaften Gefäßneubildungen entwickelt. Außerdem wurde festgestellt:
Je ausgedehnter die peripheren Veränderungen sind, umso größer das Risiko, dass sich die diabetische Netzhauterkrankung verschlechtert und in
das proliferative Stadium entwickelt. „Die Studie zeigt, wie extrem wichtig
die gründliche Untersuchung der Netzhautperipherie bei erweiterter Pupille
ist“, sagt Dr. Georg Spital, Generalsekretär der Initiativgruppe.
OcuNet Gruppe
Wechsel im Aufsichtsrat
Foto: OcuNet
Neu gewählter Vorsitzender des Aufsichtsrates der OcuNet-Gruppe ist Dr. Jörg Koch
(Foto), leitender Arzt der Augenabteilung am
St. Franziskus Hospital Münster, Praxis und
Belegabteilung. Koch übernimmt das Amt von
Dr. Armin Scharrer (Fürth), der in der Gesellschafterversammlung zum ersten Vorsitzenden des neu gegründeten Beirates gewählt
wurde. Fokusse des neuen Aufsichtsratsvorsitzenden sind, die Kontakte der Gruppe zu
gesundheitspolitischen Akteuren und Einrichtungen auszubauen und konstruktiv zu nutzen,
6
die Kooperation und den Zusammenhalt nach
innen zu fördern und die konstruktive Auseinandersetzung mit den Herausforderungen
des Generationswechsels voran zu bringen.
Neue Mitglieder im Aufsichtsrat sind Dr. Stefanie Schmickler (Ahaus) und Prof. Dr. Ulrich
Kellner (Siegburg). Im Amt bestätigt wurden
Dr. Kaweh Schayan-Araghi (Dillenburg) und
Dr. Stephan Spang (Tuttlingen). Dr. Burkhard
Awe (Wilhelmshaven) übernimmt zum Herbst
2015 den Vorsitz der Gesellschafterversammlung.
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
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news
menschen + meldungen
UKM Münster
Foto: bon Optic
90 Jahre universitäre Augenklinik
Prof. Dr. Ursula Nelles (links), Rektorin der Westfälischen
Wilhelms-Universität, gratulierte Klinikdirektorin Prof.
Dr. Nicole Eter (rechts) zum 90-jährigen Bestehen der
Augenklinik und zum fünfjährigen Dienstjubiläum
OcuNet Gruppe
DOG/DHL
Jahresbericht 2014 vorgelegt
Für enge Zusammenarbeit
Für die in der OcuNet Gruppe zwischen den traditionell ausgerichteten Praxen und den Kliniken
verorteten augenchirurgischen Zentren passe die Bezeichnung „Versorgungsinnovateure“ ganz gut,
schreibt die Gruppe in einer Pressemitteilung: Durch Zweigpraxen und Kooperation einerseits und
intersektorale Versorgungsstrukturen andererseits trügen sie erfolgreich dazu bei, die augenmedizinische Unterversorgung in der Fläche abzufedern und der Fragmentierung von Leistungen ein ganzheitliches Versorgungskonzept entgegen zu stellen. Der kürzlich vorgelegte OcuNet Jahresbericht
2014 dokumentiert die Entwicklung an den verschiedenen Stellgrößen der Versorgungsorganisation
und gibt Einblicke in die augenmedizinische Arbeit der Zentren. Neue Versorgungsebenen hätten
im deutschen Gesundheitswesen keinen leichten Stand. Der Jahresbericht beleuchte die vielfältigen „Baustellen“ aus dem Blickwinkel der ambulanten Versorgungsunternehmen und zeige auf,
welche Schritte bereits erfolgreich gemacht worden seien. Der Bericht gibt nicht nur Einblicke in
die gesundheitspolitische Arbeit der Gruppe, sondern auch in die Entwicklung der in ihr zusammengeschlossenen Zentren und deren augenmedizinische Leistungsfähigkeit.
Jeder zweite Patient mit Glaukom leidet außerdem an Bluthochdruck. Aktuelle Studien
weisen darauf hin, dass die Hochdrucktherapie die Entstehung eines Glaukoms fördern
kann: Insbesondere Medikamente, die zu
einem starken nächtlichen Abfall des Blutdrucks führen, können Sehnerv und Netzhaut
schädigen. Bei einem normalen Menschen
schwankt der Blutdruck je nach Tageszeit und
ist nachts normalerweise etwas niedriger als
am Tag. Fällt der Blutdruck jedoch über Nacht
zu stark ab, stört das die Durchblutung des gesamten Auges, zumal der Augeninnendruck im
Liegen höher ist und damit die Durchblutung
gegen einen erhöhten Widerstand arbeiten
muss.
Insbesondere Netzhaut und Sehnerv können
dann Schaden nehmen und das Sehvermögen
beeinträchtigen. Besonders gefährdet für solche Durchblutungsstörungen sind Menschen
mit einem ohnehin zu niedrigen Blutdruck.
Allerdings gibt es auch einige Medikamente
gegen Bluthochdruck, die den Blutdruck über
Nacht stark abfallen lassen. Das betrifft sowohl systemische als auch einige am Auge
angewendeten Medikamente. Die Deutsche
Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und
die Deutsche Hochdruckliga (DHL) befürworten daher eine enge Zusammenarbeit
zwischen Augenärzten, Hausärzten und Hypertensiologen, um beide Erkrankungen langfristig optimal zu behandeln.
Kundenberatung
Stiftung Auge
Personelle Verstärkung
Professur ausgeschrieben
Seit Juli 2015 verstärkt
Ulrich Grundhöfer als
Produkt-Spezialist
das Unternehmen bon
Optic aus Lübeck. Er
verfügt über langjährige Erfahrung in der
Praxisberatung
und
der refraktiven Kataraktchirurgie. Dabei hat
U. Grundhöfer sich besonders auf den Einsatz
moderner OP- und Diagnostikverfahren sowie
die Einbindung in die Praxisstrukturen spezialisiert.
Deutschland fehlen systematische, aussagekräftige Studien, die den Versorgungsbedarf,
Qualität und Risiken in der Augenheilkunde
erfassen. Die Häufigkeit von Augenleiden und
deren Versorgungsbedarf ist deshalb hierzulande noch zu wenig erforscht, meinen Experten der Stiftung Auge der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). Gemeinsam
mit dem Berufsverband der Augenärzte (BVA)
schreibt die Stiftung Auge nun eine Stiftungsprofessur für ophthalmologische Versorgungsforschung aus und stellt Mittel für bis zu fünf
Jahre bereit.
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Foto: UKM S. Lorenz
Ein rotes Backsteingebäude mit 40 Betten, ein Hörsaal und Augenspiegelkursraum sowie vier
Laboratorien – das sind Ursprünge der Klinik für Augenheilkunde des UKM (Universitätsklinikum
Münster), die im September 2015 ihr 90-jähriges Bestehen feiert. Die roten Backsteine der Außenfassade sind geblieben, im Inneren des Gebäudes und auch personell ist die Klinik längst im
21. Jahrhundert angekommen, teilt die UKM mit: Geleitet wird sie mit Direktorin Prof. Dr. Nicole
Eter seit 2010 nach sieben Vorgängern erstmals von einer Frau, im Frühjahr wurden neue Räumlichkeiten der Ambulanz eingeweiht, Hybrid-Operationssäle entsprechen dem neuesten Stand der
Technik. Jährlich werden rund 21.000 Patienten in der Klinik an der Domagkstraße versorgt. Eines
der Leuchtturmprojekte ist die 1995 gegründete Hornhautbank, die zu den ältesten etablierten
Hornhautbanken Deutschlands zählt. Von diesen Aktivitäten profitieren auch Studierende: Rund
100 werden derzeit an der Klinik ausgebildet, sie gehört damit zu einer der größten in Deutschland. Anlässlich des 90-jährigen Bestehens richtete die Augenklinik am 5. September 2015 bereits
zum 2. Mal das Internationale Retina Council in Münster aus.
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
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Länge zählt? Und was hat das alles mit unserem neuesten Produkt-Highlight zu tun?
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aktuelles
dog 2015
„ Einen erlebbaren
Kontrapunkt setzen“
Der diesjährige DOG-Präsident Prof. Dr. Karl Ulrich Bartz-Schmidt ist
Klinikdirektor des Departments für Augenheilkunde und Stellvertretender Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Tübingen
„Augenheilkunde – grundlagenbasiert und interdisziplinär“, so
lautet das Leitthema der DOG 2015, die vom 1. bis zum 4. Oktober 2015 in Berlin stattfinden wird. Wir sprachen mit dem
diesjährigen Präsidenten Prof. Dr. Karl Ulrich Bartz-Schmidt
über das Kongressmotto, wissenschaftliche Highlights sowie
bewährte und neue Programmformate.
Herr Prof. Dr. Bartz-Schmidt, vergangenes Jahr fand der Kongress
der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in Leipzig statt, nun wieder in Berlin. Macht es einen Unterschied – in
der Vorbereitung und für die Besucher –, ob man immer am selben vertrauten Tagungsort ist oder nicht?
Bartz-Schmidt: Zur Frage, wo die Jahrestagung der DOG
stattfinden soll, gibt es eine Positionierung des Gesamtpräsidiums. Diese richtet sich an den Wünschen der Mehrheit der
Mitglieder und den Erfordernissen in Hinblick auf die Kongressorganisation aus. Berlin, unsere Bundeshauptstadt und
Wirkungsstätte von Albrecht von Graefe, ist und bleibt der bevorzugte Hauptveranstaltungsort unserer Jahrestagung, in größeren Abständen im Wechsel mit Leipzig. Die Lokalität des
Estrel-Hotels ist den meisten Mitgliedern sehr gut vertraut und
Berlin bietet darüber hinaus Möglichkeiten für ein attraktives
Rahmenprogramm.
Welchen Spielraum hat denn eigentlich ein DOG-Präsident bei
der Gestaltung „seines“ Kongresses? Kann er ihm seine persönliche Handschrift verleihen oder ist er eher „Primus inter pares“
im Präsidium?
Das Thema der Jahrestagung wird durch den Präsidenten
entwickelt. Er muss das Gesamtpräsidium von seiner Idee
zur Ausrichtung überzeugen und erfährt dann auch volle Unterstützung bei der Umsetzung der Tagung. Der Präsident
hat umfangreiche Möglichkeiten in der Ausgestaltung. Der
Festredner, die Keynote Lectures als auch das innere Arrangement der Tagung tragen immer die Handschrift des Präsidenten. Auch werden von ihm Impulse für Modifikationen
des Programms erwartet. Insgesamt eine herausfordernde
Aufgabe. Nun steht der Präsident nicht alleine da, wenn
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es um die langfristigen Geschicke der Gesellschaft geht.
Generalsekretär, Schriftführer und Schatzmeister sowie der
Past- als auch der Incoming-Präsident stehen an seiner Seite.
Dieses Geschäftsführende Präsidium ist allerdings nur dank
der umfassenden und kompetenten Betreuung durch die Geschäftsstelle – allen voran Herr Dr. Gass, Frau Mele, Frau
Latakos-Troll und Frau Mena – der notwendigen schnellen
Umsetzung der steigenden Anzahl von Anforderungen gewachsen.
Das Kongressmotto 2015 lautet „Augenheilkunde – grundlagenbasiert und interdisziplinär“. Welche Überlegungen haben Sie
dazu geführt?
Das Leitthema unseres diesjährigen Kongresses trägt dem
Wandel in der universitären Augenheilkunde der vergangenen Jahre Rechnung. Neben den klinisch-wissenschaftlichen Lehrstühlen werden heute an immer mehr Standorten
ophthalmologische Lehrstühle ohne Versorgungsauftrag und
auf Augenhöhe mit klinischen Lehrstuhlinhabern eingerichtet. Dies hat erfreulicherweise inzwischen zu einer stärkeren
Wahrnehmung der Augenheilkunde bei nationalen und europäischen Fördereinrichtungen geführt. Nun müssen diese
aktiven, grundlagenorientierten Gruppen in unserer Fachgesellschaft ihre Heimat finden. Innovation passiert nicht ohne
Forschung und da heute experimentelle Methoden fächerübergreifend entwickelt werden und die Augenheilkunde mit
vielen Krankheitsbildern interdisziplinär aufgestellt ist, müssen wir ebenso den Austausch mit anderen Fachdisziplinen
nutzen. Denn Wissensaustausch und aktive Kommunikation,
also voneinander lernen zur Weiterentwicklung der eigenen
Fähigkeiten, ist das Ziel dieser Tagung.
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
dog 2015
Grundlagenbasiert: Also liegt der Schwerpunkt des Kongresses
mehr auf der Forschung? Ist das die primäre Aufgabe einer Tagung der DOG als wissenschaftlicher Fachgesellschaft und sind
Aspekte wie praktische Anwendung und Gesundheitspolitik eher
Sache des AAD-Kongresses?
Nein, der Schwerpunkt gilt für dieses Jahr und stellt keinen
Wandel in der grundsätzlichen Ausrichtung unserer Fachgesellschaft dar. Allerdings will ich für 2015 einen erlebbaren
Kontrapunkt zu den heute nicht mehr wegzudenkenden Diskussionen zur Finanzierung des Gesundheitswesens in unserer überalternden Bevölkerung setzen.
Abkürzungen wie AMG, AMNOG, AOP, AQUA, AWMF,
BfARM, BQS, B&F, CMI, GBA, DRG, GCP, GLP, ICD,
IGeL, IQWIG, KTQ, MDK, OPS, pU, QM, RKI und andere
mehr stehen für Instrumente der zurückliegenden 15 Jahre
zur Beschreibung des deutschen Gesundheitswesens. Die damit erzeugte Transparenz verfolgt insbesondere die Ziele, die
Kosten der Versorgung vor Partikularinteressen zu schützen
und unseren mündigen PatientInnen Informationen zur besseren Orientierung in diesem Umfeld zu geben.
Nur durch eine von Fachvertretern geleitete wissenschaftliche
Begleitung in einem Zentrum der Versorgungsforschung werden wir auch für die Augenheilkunde als Fach die Zukunft
gestalten können. Die Weichen hierfür hat das Gesamtpräsidium der DOG gemeinsam mit dem Berufsverband anlässlich
der Klausurtagung im Januar 2015 gestellt. Es wird eine von
beiden Organisationen gemeinsam finanzierte Forschungsprofessur noch in diesem Jahr ausgeschrieben werden, die
als Keimzelle für die Entwicklung eines zukünftigen Versorgungsforschungs-Zentrums dienen wird. In diesem Jahr hat
sich die Fachgesellschaft verpflichtet, die Grundlagen zu
schaffen. Da konnte die Augenheilkunde von anderen Fachgruppen lernen. Die Versorgungsforschung wird unsere Zukunft begleiten, und ich bin mir sicher, dass diese bald einmal
auch die Ausrichtung der Jahrestagung bestimmen wird.
Interdisziplinär: Geht es hier um interdisziplinäre Krankheitsbilder und konkrete Zusammenarbeit mit den entsprechenden
aktuelles
Fachrichtungen der Medizin oder eher um so etwas wie das
große Ganze?
Ziel ist das Lernen vom Anderen. Da sind wir heute gefordert. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit wird durch mangelndes Wissen über die Fähigkeiten der anderen Disziplinen
sowie durch unterschiedliche Herangehensweisen erschwert.
Erst die Kenntnis der eigenen Grenzen bietet im Austausch
untereinander die Chance, nicht nur annehmbare Lösungen
zu finden, sondern durch das Verständnis gemeinsame Ziele
zu eigenen Zielen werden zu lassen, wirkliche Innovation zu
schaffen. Dieser Herausforderung müssen wir uns tagtäglich
stellen, wohl wissend, dass hierin natürlich auch ein hohes
Konfliktpotenzial liegt. Nur durch eine offene und respektvolle
Kommunikation und Reflexion der Prozesse können durch die
Kombination der Stärken aller Beteiligten die gewünschten innovativen Lösungen für komplexe Herausforderungen gefunden werden.
Bestes Beispiel hierfür ist das von der EU geförderte EYE-RISK
Konsortium. Die EU-Kommission fördert es für vier Jahre mit
etwa sechs Millionen Euro; koordiniert wird es von Marius
Ueffing aus Tübingen und Caroline Klaver aus Rotterdam.
EYE-RISK hat sich zum Ziel gesetzt, mit einen systemmedizinischen Ansatz Risikofaktoren, molekulare Mechanismen und
Therapieansätze für die altersabhängige Makuladegeneration
(AMD) zu identifizieren. Dazu nutzt es eine Fülle epidemiologischer Daten aus Ländern der EU, in denen die klinische
Ausprägung der Erkrankung, die Genetik, die Lebensführung
und der Erkrankungsverlauf von betroffenen Patienten im Vergleich mit sorgfältig ermittelten nicht erkrankten Probanden
erfasst sind. Darüber hinaus integriert es verschiedene Ebenen
und methodische Ansätze: Daten aus der Klinik, Epidemiologie, Humangenetik, Proteinchemie und Bildgebung, aber auch
aus patientenspezifischen Zelllinien und Bioproben werden
umfassend analysiert – ein interdisziplinärer Ansatz. Darauf
aufbauend sollen mit Hilfe neu entwickelter computergestützter Algorithmen und Modellierungen persönliche Risikoprofile, aber auch vor AMD schützende Einflüsse identifiziert
werden und ein tiefer gehendes Verständnis der molekularen
Grundlagen von AMD erreicht werden. Dieses Wissen soll
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Concept Ophthalmologie 07 / 2015
11
aktuelles
dog 2015
dann als Grundlage genutzt werden, um Sub-Typen von AMD
besser zu diagnostizieren, Hochrisikogruppen gezielter zu
beraten und die Erkrankung besser zu behandeln.
Der Kongresstermin fällt in diesem Jahr zusammen mit dem Tag
der deutschen Einheit – ein kleines Symbol auch für die Zukunft,
in der interdisziplinäre Zusammenarbeit immer wichtiger wird?
So dürfen Sie das gerne auslegen!
Evolution oder Revolution – wie sieht es derzeit in der Augenheilkunde aus: Sind eher Weiterentwicklungen zu verzeichnen oder
gänzlich Neues in Forschung, Entwicklung und Anwendung?
Aus meiner persönlichen Wahrnehmung stehen wir in diesem
Jahr am Beginn einer wesentlichen Entwicklung, deren Ausmaß wir für die klinische Anwendung heute noch nicht wirklich abschätzen können. Revolutionäre Sprunginnovationen
kommen heute nicht mehr durch zufällige Entdeckungen zustande. Die aktuellen Ergebnisse der Gruppe um Jean Bennett
hinsichtlich der neuronalen Plastizität des visuellen Systems
nach der Gentherapie von Patienten mit Leber’scher kongenitaler Amaurose sind mehr als ermutigend. So hat die Behandlung monogenetischer Erkrankungen durch virale Vektoren
inzwischen die Reife zur klinischen Prüfung erlangt und wird
wohl noch in diesem Jahr auch in Deutschland in einer ersten
klinischen Studie für das Krankheitsbild der Chorioideremie
zum Einsatz gebracht werden. An der Schwelle zur Klinik stehen ferner die Ansätze zur Therapie mit induzierten pluripotenten Stammzellen.
Was werden die wichtigsten Themen des Kongresses sein?
Ein wichtiges Thema dieses Jahres ist durch den soeben erwähnten Start der Gentherapie in der Augenheilkunde gesetzt.
Die experimentellen Techniken sind inzwischen so weit gediehen, dass erste humane Versuche nun auch in Deutschland bevorstehen. Robert MacLaren wird uns über seine Erfahrungen
in der Behandlung von Patienten mit Chorioideremie berichten. Diese innovative Technologie ergänzt unser Armarium
nicht nur im Bereich monogenetischer retinaler Erkrankungen,
sondern hält ebenso Einzug in die Behandlung endothelialer
Erkrankungen der Hornhaut, wie wir im Symposium „Endothelial Cell Transplantation and Regeneration: State of the Art
and Future Prospects“ erfahren werden.
Ein weiteres wichtiges Thema ist durch die neuen bildgebenden Verfahren in diesem Jahr gesetzt. Angio- und en-FaceOCT ebenso wie der Einsatz von Adaptive Optics werden in
zahlreichen Beiträgen in Symposien, freien Vortrags- und
Postersitzungen behandelt. Die gebündelte Darstellung wird
sicher dazu beitragen, uns den Stellenwert dieser neuen
diagnostischen Modalitäten für die Zukunft sicherer bewerten zu lassen.
Als weiteres Highlight glänzt wieder unser im Jahr 2013 etabliertes DOG-Update – State of the Art als ein Fortbildungsan12
gebot für Augenärzte aus Klinik und Praxis am Samstagnachmittag und Sonntagvormittag. Es bietet den Teilnehmern die
Möglichkeit, sich komprimiert und effektiv auf den neuesten
Stand der Wissenschaft und Forschung zu bringen. Ausgewählte Experten präsentieren – lebendig, mit interaktiven
Elementen versehen – die Ergebnisse der wichtigsten internationalen Veröffentlichungen der vergangenen zwölf bis fünfzehn Monate. Sie nehmen gleichzeitig eine Bewertung sowie
eine anwendungsorientierte Einordnung der neuen Ergebnisse
vor. Die Teilnehmer erhalten damit eine umfassende Auffrischung ihrer Kenntnisse sowie konkrete Empfehlungen für die
Diagnostik und Therapie in Klinik und Praxis. Diese Veranstaltungen stellen damit nicht nur eine ideale Gelegenheit zur
Auffrischung vorhandenen Wissens dar, sondern können gerade von unseren Weiterzubildenden zur Prüfungsvorbereitung
genutzt werden.
Gibt es auch in diesem Jahr wieder Neuerungen im Programm
bzw. den Kongressformaten?
Mit dem neuen Programmformat Fokus Forschung schafft
die DOG jungen, grundlageninteressierten, klinisch-wissenschaftlichen Ophthalmologen – den von der DFG so benannten Clinical Scientist – eine Plattform, um spezifische,
eng umrissene Forschungsthemen und Fragestellungen zu
diskutieren. Zu diesen Sitzungen kann eine inhaltlich getriebene Gruppe einen erfahrenen, einschlägig bewanderten
Wissenschaftsprofi zum Referat einladen, um die Beiträge
der Nachwuchswissenschaftler gemeinsam mit diesem zu
diskutieren. Neben der fundierten Vertiefung der jeweiligen
Fragestellungen dienen diese Sitzungen vor allem auch der
nachhaltigen Vernetzung von Forschern und Forschergruppen. Die drei Symposien dieses Jahres werden zellbasierte
Therapieansätze von Netzhauterkrankungen am Donnerstag,
zelluläre Regeneration der Augenoberfläche am Freitag und
inflammatorische Erkrankungen der Augenoberfläche am
Samstag beleuchten.
Auf welche Highlights des DOG-Kongresses freuen Sie sich persönlich?
Für mich ist das gesamte Programm derart reizvoll, dass ich
am liebsten alle Veranstaltungen besuchen würde. Nicht versäumen werde ich natürlich unsere Keynote Speaker. Auch
üben die Veranstaltungen der DOG-Kontrovers-SymposienReihe eine besondere Anziehungskraft auf mich aus. Darüber hinaus sei es mir erlaubt, auch für exotisch wirkende
Veranstaltungen zu werben, diese werden stimulierend und
bereichernd sein. Mein Favorit am Donnerstag ist das Symposium „Sehen Tiere besser als Menschen?“, am Freitag das
Symposium zur „Achromatopsie“ und am Samstag das Symposium zu „Adaptation, Perceptual Learning and Plasticity
of the Brain“.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Susanne Wolters.
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
Ausgangsbefund
12 Monate Follow Up
61-jähriger Patient, 3 vorhergehende Anti-VEGF Injektionen, 12 Monate nach der Oraya Therapie: 0 PRN Injektionen, + 2 Buchstaben
DOG Seminar 2015
Oraya Therapie™ bei feuchter AMD
Die Anwendung der Oraya Therapie für den anhaltenden Erfolg der
Anti-VEGF Therapie bei Patienten mit neovaskulärer AMD
Die Oraya Therapie ist die erste stereotaktische Radiotherapie zur Behandlung feuchter AMD, die klinisch erwiesen* die Anzahl der
Anti-VEGF Injektionen reduzieren kann. Die Sehkraft wird dabei verbessert oder erhalten. Die Therapie ist an 11 Standorten in drei
Ländern verfügbar, bereits über 400 Patienten wurden behandelt.
Freitag, 2. Oktober 2015 | 12:10 – 13:10 Uhr | Raum: 4 | Moderator: Prof. Dr. Norbert Bornfeld, Universitätsklinikum Essen
Prof. Dr. med. Norbert Bornfeld
Universitätsklinikum Essen
Welcome
Dr. med. Mahdy Ranjbar
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Lübeck
Praktische Erfahrung mit Oraya Therapie:
1 Jahr Sicherheit und Wirksamkeit
Ergebnisse aus der Klinik
Prof. Dr. med. Aljoscha Neubauer
Institut für Gesundheitsökonomik (IfG) München
Was darf die Oraya Therapie kosten?
Die Gesundheitsökonomie und Gebührenordnung für die Oraya Therapie
Dr. med. Torsten Kühn
ContraCare Nürnberg
Bedingungen der Krankenversicherung
Vereinbarungen und Erstattungsbeträge
Prof. Dr. med. Norbert Bornfeld
Die Bedeutung der Oraya Therapie für den nachhaltigen Erfolg einer
Anti-VEGF Therapie (Compliance & Persistenz).
Prof. Dr. med. Norbert Bornfeld
Q&A
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*Die 2-Jahres- Ergebnisse der INTREPID Studie wurden in der Januar Ausgabe von „Ophthalmology“
veröffentlicht. https://eorder.sheridan.com/3_0/app/orders/4525/files/assets/basic-html/page-136.html
© 2015 Oraya Therapeutics, Inc. All rights reserved. PMAF2015-280.
Oraya Therapy is a trademark and IRay is a registered trademark of Oraya Therapeutics, Inc.
Not available for sale in the United States.
www.orayainc.com
aktuelles
meeting
AECOS-Meeting in Berlin
AECOS steht für „American European Congress of Ophthalmic Surgery“. Die 2012 gegründete internationale Vereinigung versteht sich als Ideenschmiede, die Neuentwicklungen in
der Ophthalmologie diskutiert und vorantreibt. Ende Juni fand ein Treffen in Berlin statt.
Von Dr. Stefanie Schmickler.
A
ECOS ist vor drei Jahren aus einer ursprünglich rein
amerikanischen Gesellschaft in eine amerikanischeuropäische entstanden und wird von einem amerikanischen als auch europäischen Vorstand als Non-ProfitOrganisation geführt. Ziel dieser internationalen Gesellschaft
Foto: Schmickler
Dr. med. Stefanie Schmickler ist
Geschäftsführerin des Augen-Zentrum
Nordwest Ahaus und Mitherausgeberin
von CONCEPT Ophthalmologie
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ist es, die Augenheilkunde zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten durch Innovation, Weiterbildung und Einsatz für Patienten voranzutreiben. Dabei steht AECOS für eine
Vereinigung, in der Neuentwicklungen in der Augenheilkunde
diskutiert und vorangetrieben werden. Insofern kann man sie
als „Ideenschmiede in der Ophthalmologie“ bezeichnen.
So war es AECOS, die eine FDA-Studie über das Corneal
Crosslinking, d.h. die UV-Vernetzung bei Keratektasie, direkt
im Jahr ihrer Gründung initiiert hat. AECOS hat auch mit der
Industrie und den Centers for Medicare and Medicaid Services
CMS-Richtlinien für die laserrefraktive Katarakt-Chirurgie herausgegeben, die im November 2012 von den Centers veröffentlicht wurden. AECOS versteht sich auch als Vertreter für
Qualität in der Augenheilkunde für Patienten und fungiert als
aktives Mitglied im FDA/CDRH-Expertennetzwerk. PresiConcept Ophthalmologie 07 / 2015
Fotos: © AXICA/Nicole Fortin
meeting
aktuelles
Das von Stararchitekt Frank O. Gehry
entworfene AXICA Center nahe des Brandenburger Tors ist unscheinbar von außen,
doch spektakulär im Innern
dent Elect für 2015, der vom European Executive Committee
gewählt wurde, ist Prof. Dr. Burkhard Dick.
Im Vergleich zu anderen Vereinigungen ist die Kombination
aus führenden Ophthalmochirurgen und führenden Industriemitgliedern eine einzigartige Konstellation. So entsteht eine
Symbiose, bei der Neues gedanklich entwickelt, weiter durchdacht und schließlich vorangetrieben wird. Es geht hier nicht
allein um medizinische Geräte, sondern auch um soziale sowie
ökonomische Aspekte in der Ophthalmologie.
AECOS in 2015
Auch wenn das amerikanisch-deutsche politische Verhältnis
derzeit im Vergleich zu Zeiten des Kalten Krieges sehr abgeflaut ist, so ist die Verbindung in der Augenheilkunde eng:
Das diesjährige Sommertreffen von AECOS in Europa fand
nach Barcelona im Vorjahr und vor Rom in 2016 in Berlin am
Brandenburger Tor statt. Einen historischeren Ort hätte man
kaum wählen können. Den Kongressraum bildet das AXICA
Center gleich neben dem Hotel Adlon. Es ist die nach außen
vollkommen unscheinbare Niederlassung der DZ-Bank in Berlin. Innen entsteht jedoch ein einzigartiges Raumgefühl, wie
man es sonst bei den üblichen dunklen Kongressräumen nicht
kennt. Das Gebäude wurde von dem berühmten Architekten
Frank O. Gehry gebaut und bereichert den Pariser Platz. Die
unscheinbare Fassade gibt im Eingang den Blick frei auf eine
Raumskulptur mit biomorphen Formen, edlen Materialien
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
und spektakulär dynamischer Geometrie, unter der der Kongress-Saal liegt. Perfekte Technik sorgte für einen reibungslosen Ablauf der dreitägigen Vortragsveranstaltung, die am
25.06. mit einem Begrüßungsabend begann. Vom 26. bis zum
28.6. fanden dann die Vorträge statt. Dass dies mit dem Besuch der Queen in Berlin zusammenfiel, die Wand an Wand
zum Kongressgebäude nächtigte, war für den Ablauf dann
noch eine logistische Herausforderung.
Das Berliner Meeting
Die Tage gliederten sich in verschiedene Themenkomplexe.
Am ersten Tag ging es in der Opening Session um allgemeine Trends im Bereich von Investitionen und Organisationsformen in der Augenheilkunde. Beim anschließenden AECOS
Innovations Forum wurde PiXL (photorefractive intrastromal
crosslinking) mit den ersten Ergebnissen vorgestellt. Ferner
wurde eine mechatronische Kunstlinse erklärt, die über die
Pupillenweite die Presbyopiekorrektur steuern soll. AcuTarget
zur Tränenfilmanalyse und die ARGOS Intraocularringe zur
Augeninnendruckmessung waren weitere präsentierte Innovationen. Mittels einer für das Meeting konzipierten App konnten die Teilnehmer unmittelbar darüber abstimmen, ob sie das
vorgestellte Verfahren für sinnvoll hielten.
Im weiteren Verlauf wurden Fallpräsentation im Bereich der
Presbyopiekorrektur dargestellt und diskutiert. Interessant war
dabei die anschließende Diskussion, ob überhaupt derzeit im
15
aktuelles
meeting
Links: Der Kongressaal ist Teil einer
begehbaren Skulptur
Fotos: AECOS
Rechts: Prof. Dr. Burkhard Dick
(Bochum) ist derzeitiger President Elect
der AECOS
Rahmen der Presbyopiekorrektur die Patientenerwartungen
erfüllt werden können. Auch wenn es sich um ein Meeting mit
fast ausschließlich Operateuren handelt, sind die Meinungen
doch sehr konträr, was zum Beispiel bei einer 50-jährigen Patientin besser ist: eine Multifokallinse oder LASIK mit Monovision / Lesesbrille?
Doch nicht nur chirurgische Themen wurden besprochen, auch
die Behandlung des trockenen Auges stand im Fokus. Hierbei
ging es um die Bedeutung der Osmolarität des Tränenfilms für
das trockene Auge und im Rahmen der Nachsorge nach Katarakt-Operation als auch Möglichkeiten der Tränenfilmanalyse.
Sehr die Diskussion anregend war auch ein Block zum Thema,
was man in den letzten zwölf Monaten geändert hat und wieso.
Zu den Herausforderungen in der Ophthalmochirurgie zählten
auf der Tagung die negativen und positiven Dysphotopsien. Einige Operateure vertraten die Auffassung, dass diese bei einer
3/9-Uhr-Position der Intraokularlinse seltener aufträten.
Desweiteren ging es auch darum, wie man als Arzt seine Fähigkeiten zur Führungskraft verbessern kann. Die Kellogg School
of Education bietet eine Ausbildung zum Physician CEO in
vier Modulen à jeweils eine Woche an: Modul 1: Transitioning
to a Physician CEO; Modul 2: Positioning your practice for
growth; Modul 3: Building a high performance practice; Modul 4: The Physician CEO approach to finances and opportunities. Das inhaltlich sehr ansprechende Curriculum deckt die
Fähigkeiten ab, die wir als Mediziner an der Universität und
im Rahmen der Weiterbildung nicht vermittelt bekommen.
Einziger Wermutstropfen ist die teure Gebühr für die Module
zuzüglich der Reisekosten. Diejenigen, die daran teilgenommen haben, betrachten diese Weiterbildung allerdings als
enorme Erweiterung ihres Horizontes und sehen die Kosten
als gerechtfertigt.
Der Samstag widmete sich den micro-invasiven GlaukomOperationstechniken. Ferner wurde über Weiterentwicklungen beim Corneal Crosslinking gesprochen. Nicht fehlen
durfte ein Pro-und-Contra zu den neueren Technologien auf
dem Prüfstand:
16
• Femto – ja oder nein!
• LASIK, Ja! Smile ist noch nicht ausgereift.
• Multifokallinsen oder EDF-Linsen (enhanced depth of focus) – Für und Wider und wieso es nicht funktioniert.
Letztendlich nimmt man sowohl vom Pro als auch vom Contra Aspekte mit nach Hause und sollte sich mit seiner eigenen
Erfahrung seine Meinung dazu bildgen.
Am letzten Tag wurden weitere „brandneue“ Entwicklungen
und Erkenntnisse präsentiert und diskutiert. Ein Aspekt war
die Freisetzung von Prostaglandinen bei der FemtokataraktOperation und wann sie auftritt.
Abgerundet wurde das Symposium mit Marketingthemen:
Meine beste Marketing-Investition und mein größter Marketingfehler! Hierzu gehörten auch das richtige Nutzen von Social Media und der Einsatz von SEO (search engine optimization). Letztendlich war man sich einig, dass nicht mehr nur
der Patient im Mittelpunkt steht, sondern vielmehr die eigenen
Mitarbeiter, die es „zu hüten und zu pflegen“ gilt. So führt ein
Operateur jeden Monat mit seinen Mitarbeitern eine Abendveranstaltung wie z.B. Grillen durch, andere Kollegen laden
ihr Personal einmal im Jahr zu einem einwöchigen gemeinsamen Urlaub ein. Ob das nun alles so gemacht werden muss,
sollte jeder für sich entscheiden, und ob es nicht auch zu viel
des Guten sein kann.
Interessant ist, dass die Ziele als auch Probleme in der Augenheilkunde nicht „local“, sondern „global“ sind. Umso schöner, dass es eine AECOS gibt, um Dinge, die uns alle bewegen, global anzugehen und zu lösen, anstatt dass jeder für sich
„herumbrütet“.
Nun fragt sich sicherlich der eine oder andere Leser: Noch
ein Verein – muss das sein? AECOS ist inhaltlich eine Ideenschmiede in der Augenheilkunde und für alle Ärzte, Verwalter
und Entwickler eine Austauschplattform, bei der man nicht
nur während der Tagung, sondern auch beim anschließenden
Dinner voneinander hört und lernt. Weiteres zu AECOS und
den erforderlichen Bedingungen für eine Mitgliedschaft
unter: www.aecosurgery.org
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
Jetzt wieder
dauerhaft lieferbar!
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Prednisolonacetat (Ph. Eur.), Benzalkoniumchlorid, Sorbitol (Ph. Eur.), Carbomer 980, Natriumacetat-Trihydrat, Natriumhydroxid, Wasser für Injektionszwecke. Anwendungsgebiete: Predni-POS® 0,5 %: Symptomatische
Behandlung schwerer nicht infektiöser, entzündlicher Erkrankungen des Auges, z. B. schwere allergische Konjunktivitis; schwere und mittelschwere Konjunktivitis vernalis, Keratoconjunktivitis scrophulosa, Acne rosaceaKeratitis, Keratitis parenchymatosa, Keratitis disciformis; Symptomatische Behandlung von Uveitis, Iritis, Iridocyclitis; Verminderung postoperativer Erscheinungen, z. B. nach Katarakt Operationen. Predni-POS® 1 %:
Symptomatische Behandlung unspezifischer, nicht infektiöser, entzündlicher Erkrankungen des Auges, d. h. der vorderen Augenabschnitte (z. B. schwere allergische Konjunktivitis, schwere allergische Blepharitis, Episkleritis,
Skleritis, Keratitis, Hornhautrandgeschwüre (gleichzeitige Antibiotikagabe erforderlich)); der mittleren Augenabschnitte (z. B. Iritis, Iridocyclitis, Uveitis anterior, Zyklitis); nach Verätzungen/Verbrennungen; nach stumpfen
Augenverletzungen (z. B. Augapfelprellungen). Weiterhin: Verminderung postoperativer und posttraumatischer entzündlicher Erscheinungen (z. B. nach Keratoplastik, Katarakt-, Glaukom- und Schieloperationen); prä- und
postoperativ zur Vermeidung von Reizzuständen durch Laserbehandlung; sympathische Ophthalmie. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile und gegen andere
Glukokortikoide; akuter Herpes simplex (dendritische Keratitis) und andere virale Augeninfektionen; bakterielle und/oder pilzbedingte Augeninfektionen ohne adäquate antibiotische Begleittherapie; Verletzungen und
ulzerösen Prozesse der Hornhaut; Eng- und Weitwinkelglaukom; Kortison-Responder. Bei vorangegangenem Herpes simplex, Anwendung nur unter strenger ärztlicher Kontrolle. Zusätzlich für Predni-POS® 0,5 %:
schwere Infektionen; Immunsuppression. Nebenwirkungen: Predni-POS® 0,5 %: Vorübergehendes Brennen und Stechen nach Anwendung und andere leichte Symptome von Augenirritationen, u. a. verschwommenes
Sehen, Fremdkörpergefühl im Auge und Augenreizungen und allergische Reaktionen. Unerwünschte Wirkungen von Prednisolon sind dosis- und dauerabhängig. Bei Substanzdefekten der Cornea kann es zu Perforationen
kommen, weshalb eine entsprechende Kontrolle der Hornhaut angezeigt ist. In seltenen Fällen besteht bei längerer Anwendung die Gefahr einer Linsentrübung. Akute eiternde Infektionen des Auges können durch
den Einsatz von Predni-POS® 0,5 % maskiert werden oder auch durch den Einsatz des Kortikoids verstärkt werden. Der Einsatz von Kortikosteroiden kann zur Verschlimmerung oder dem Ausbruch viraler Infektionen
des Auges (u. a. Herpes simplex) führen. Die Anwendung von kortisonhaltigen Augentropfen sollte daher bei Patienten mit Herpes simplex Infektion in der Vorgeschichte sorgfältig überwacht werden. Kortisonhaltige
Augentropfen verlangsamen besonders bei längerer Anwendung und höherer Konzentration die Wundheilung. Kortisonhaltige Augentropfen können eine akute vordere Uveitis (Iritis) verursachen. Nach der lokalen
Anwendung von Kortisonen wurde gelegentlich über eine Keratitis, Konjunktivitis, Hornhautgeschwüre, Mydriasis, den vorübergehenden Verlust der Akkommodation und Ptosis berichtet. Predni-POS® 1 %: Gelegentlich:
Schleiersehen; Selten: Brennen, Jucken oder Stechen und Fremdkörpergefühl. Katarakt nach Langzeittherapie. Bei Erkrankungen, die ein dünner Werden der Kornea oder der Sklera verursachen, besteht die Gefahr einer
Perforation. Predni-POS® 0,5 % und Predni-POS® 1 %: Anstieg des intraokularen Drucks mit der Möglichkeit der Entstehung eines Glaukoms nach längerer Anwendung bei prädisponierten Patienten (daher ist eine
regelmäßige Kontrolle des Augeninnendrucks empfohlen). Aufgrund der Immunsuppression besteht bei Therapie einer nicht-infektiösen Entzündung die Möglichkeit einer späteren Infektion während der Behandlung.
Maskierung bzw. Verschlimmerung einer bestehenden Infektion ohne gleichzeitige adäquate antibiotische Therapie. Hinweise: Pilzinfektionen der Hornhaut können häufig gleichzeitig mit der Langzeitbehandlung
lokaler Glucocorticoide auftreten, daher sollte bei persistierenden Hornhautulzerationen an die Möglichkeit einer durch das Kortison verursachten Pilzinfektion gedacht werden. Bei Verdacht sollten Proben entnommen
werden. Wenn innerhalb von 2 Tagen keine Verbesserung der Symptome eintritt, sollte darüber nachgedacht werden, ob die Therapie weiter fortgesetzt werden soll. Verschreibungspflichtig. Stand: September 2015
URSAPHARM Arzneimittel GmbH, Industriestraße 35, 66129 Saarbrücken, www.ursapharm.de
schwerpunkt amd / netzhaut
therapieoptionen
Was tun bei
therapieresistenten Patienten?
Anti-VEGF-Medikamente sind momentan die Standardtherapie zur Behandlung der neovaskulären altersbedingten Makuladegeneration (nAMD). Doch nicht immer wirken sie
wie gewünscht und es gilt, neue therapeutische Optionen für diese Patienten zu finden.
Unterschiedliche Möglichkeiten stehen zur Diskussion. Von Dr. Constanze Augustin.
A
nti-VEGF-Medikamente sind momentan die Standardtherapie zur Behandlung der nAMD. Obwohl
sich diese Therapie in der Mehrzahl der Fälle als effektiv erweist, gibt es eine signifikante Anzahl an Patienten, die
trotz Therapie persistierende retinale Exsudate aufweist. Diese
führen zu schlechteren Visusergebnissen. Bei einigen Patienten
wurde die nAMD nicht korrekt diagnostiziert, denn sie waren
an Sonderformen wie der polypoidealen chorioidalen Vaskulopathie (PCV) erkrankt; dennoch spricht man bei der Mehrzahl
dieser Augen von einer behandlungsresistenten nAMD. Gegenwärtig ist es ungewiss, welche Behandlung die beste ist für dieses
Patientengut. Im hier besprochenen Artikel wird versucht, die
Vorgehensweise bei therapieresistenter nAMD einschließlich
hochdosierter Anti-VEGF-Therapie, Kombinationstherapien
und dem Wechsel zu anderen Anti-VEGF-Medikamenten zu
diskutieren, dies mit dem Ziel, die beste therapeutische Option
für die betroffenen Patienten zu finden.
Die AMD bleibt in der älteren Bevölkerung der Industriestaaten weiterhin die führende Ursache einer Erblindung. Die
neovaskuläre Form führt wesentlich schneller zu einer starken
Visusbeeinträchtigung als die trockene Form, jedoch existiert
für die nAMD eine effektive Behandlungsoption. Als Goldstandard gilt momentan die Therapie mit Anti-VEGF (vascular endothial growth factor)-Medikamenten, die sowohl einem
weiteren Visusabfall erfolgreich vorbeugen als auch eine partielle Wiedererlangung des Visus bewirken können. Durch die
Suppression des VEGF sollen einer vaskulärer Proliferation,
der Angiogenese und der Vasodilatation vorgebeugt werden.
In diesem Zusammenhang werden auch die Exsudationsprozesse reduziert. Obwohl die Therapie effektiv ist, ist die Wirkungsdauer der Medikamente begrenzt und es bedarf wiederholter Injektionen.
In der Literatur herrscht Uneinigkeit darüber, was nun eine
therapieresistente nAMD ausmacht; es existiert bis heute
keine exakte Definition. Trotz regulär durchgeführter AntiVEGF-Therapie haben ca. 25-35 % der Patienten nach einem
18
Behandlungsjahr noch aktive Exsudationen in der Fluoreszenzangiographie (FA) oder optischen Kohärenzangiographie (OCT). Diese persistierenden Exsudationen führen zu
schlechteren Visusergebnissen, weshalb die Patienten weitere
Anti-VEGF-Injektionen benötigen, um den Visusverlust zu
minimieren. Diese zusätzlichen Behandlungen belasten jedoch
die Patienten und haben negativen Einfluss auf ihre Compliance. In vielen publizierten Studien gelten deshalb persistierende Exsudationen trotz einer regulären Anti-VEGF-Therapie
über sechs Monate als behandlungsresistent. Die Therapieresistenz kann zu unterschiedlichen Zeiten auftreten: Manche
Patienten sprechen bereits initial nur schlecht auf die Therapie
an, andere zeigen zu Beginn gute Behandlungsergebnisse, werden jedoch mit der Zeit weniger empfindlich und entwickeln
schließlich persistierende Exsudate. Dieses Phänomen ist auch
in anderen Bereich der Medizin, z.B. der Onkologie, bekannt
und wird als Tachyphylaxie bezeichnet. Sehr wichtig ist, dass
die Art der persistierenden Flüssigkeit sorgfältig beurteilt wird.
Es gibt strukturelle Läsionen, die minimale Leckagen im OCT
zeigen (tubuläre Veränderungen, chronische intraretinale Zysten). Diese Läsionen sind meist Zeichen einer chronischen
Atrophie, die keine persistierenden Exsudate repräsentieren
und somit keiner Behandlung bedürfen.
Diagnostische Fehler
Die polypoidale chorioidale Vaskulopathie (PCV) kann eine
nAMD imitieren. Sie ist weniger empfänglich für die AntiVEGF-Monotherapie als die eigentlichen chorioidalen Neovaskularisationen (CNV) und benötigt deshalb oft eine Kombinationstherapie. Des Weiteren kann bei der FA die PCV wie
eine CNV erscheinen und somit die Diagnose erschweren.
In der asiatischen Bevölkerung schätzt man, dass es sich bei
etwa 25 % aller nAMD um PCV handelt. In der mitteleuropäischen Population wird mit einer Häufigkeit von ca. 10 %
gerechnet. Zur eindeutigen Diagnose einer PCV benötigt man
die Indocyaningrün-Angiographie (ICGA), um die chorioidaConcept Ophthalmologie 07 / 2015
therapieoptionen
len Gefäße besser abgrenzen zu können. Bei der PCV gilt das
Auffinden von fokalen hyperfluoreszeierenden Polypen in der
ICGA-Frühphase als Hauptkennzeichen. Die Diagnosestellung einer PCV ist entscheidend für die Therapie, da die PCV
im Gegensatz zu CNV entweder mit der photodynamischen
Therapie (PDT) allein oder mit der Kombination aus PDT und
Ranibizumab besser behandelt werden kann.
Ebenso können retinale angiomatöse Proliferationen (RAP)
und die Chorioretinopathia centralis serosa (CSC) mit der neovaskulären AMD verwechselt werden. Auch hierbei dient die
ICGA als Methode der Wahl zur Differenzierung.
Vitreomakuläre Traktion
Zu einer vitreomakulären Traktion kommt es, wenn eine
signifikante Adhäsion des Glaskörpers an der Makula existiert, welche zu einer Ruptur der normalen neuroretinalen
Strukturen führt. Diese Traktion führt unabhängig vom Auftreten von CNV zur Ausbildung von Zysten und ist mit einer
geringeren Ansprechrate auf Anti-VEGF-Medikamente bei
nAMD assoziiert. In zwei kleinen Fallserien zeigten behandlungsresistente Patienten nach Vitrektomie und Membrane
peeling bessere Visusergebnisse. Obwohl dies vielversprechend
für eine kleine therapieresistente nAMD-Patientengruppe ist,
werden weitere Studien benötigt, bevor diese Vorgehensweise
empfohlen werden kann.
Erhöhung der Medikamentendosis
Die heute übliche Dosierung von 0,5 mg Ranibizumab basiert
auf den Ergebnissen zweier großer Studien (ANCOR und
MARINA). Beide zeigten bessere visuelle und anatomische
Ergebnisse bei einer Dosierung von 0,5 mg statt 0,3 mg. Mit der
These, dass durch höhere Medikamentendosen auch bessere visuelle Ergebnisse erzielt werden könnten, wurde beispielsweise
in der HARBOUR-Studie eine Dosis von 2,0 mg Ranibizumab
gewählt. Hier zeigte sich jedoch keine signifikante Differenz
bezüglich der Visusergebnisse. Zu erwähnen ist jedoch, dass
die Patienten dieser Studie behandlungssensibel waren. Ebenso
ist von Bedeutung, dass Ranibizumab 2,0 mg zwar nicht effektiver, aber auch nicht schädlicher als in der 0,5 mg-Dosis war.
Trotz der Ergebnisse der HARBOUR-Studie bestand weiterhin Interesse daran, 2,0 mg Ranibizumab bei Patienten mit
behandlungsresistenter nAMD zu testen. Zwei kleine Studien berichteten über Visusverbesserungen sechs Monate nach
dem Wechsel von 0,5 mg auf 2,0 mg bei therapieresistenten
Patienten. Eine Studie verfolgte die Patienten über zwei Jahre
und lieferte Visusverbesserungen von annähernd drei ETDRSBuchstaben mit einer Dosierung von 2,0 mg Ranibizumab
ohne Zunahme von Nebenwirkungen. Trotz der potentiell vielversprechenden Behandlungsoption hat Genentech
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
schwerpunkt amd / netzhaut
die Produktion der 2,0 mg-Dosis Ranibizumab eingestellt,
da sie im klinischen Alltag zu wenig verlangt worden war.
Eine Hochdosis-Bevacizumab-Therapie (2,5 mg) bei Tachyphylaxie gegenüber niedrigeren Bevacizumabdosen oder vorherigen Ranibizumabgaben lieferte enttäuschende Ergebnisse.
Antiinflammatorische Stoffe und
Immunmodulatoren
Triamcinolon ist ein Kortikosteroid, das intravitreal zur Reduktion eines Makulaödems beispielsweise postoperativ oder
bei Uveitis eingesetzt wird. Es ist ineffektiv bei der nAMD
und aufgrund seines Spektrums an Nebenwirkungen und der
schlechteren Wirksamkeit im Vergleich zu Anti-VEGF-Hemmern wird es nicht als Monotherapie eingesetzt. Dennoch
wurde vermutet, dass die Kombinationstherapie aus Triamcinolon und Anti-VEGF das Einsetzen einer Behandlungsresistenz gegenüber Anti-VEGF-Medikamenten hinauszögern
kann. Dies wird im Verlauf dieses Beitrags genauer erläutert.
Infliximab, ein monoklonaler Antikörper gegen den Tumornekrosefaktor α (TNF-α), wurde in einigen Studien mit behandlungsresistenter nAMD auf die Probe gestellt und bot durchweg
negative Ergebnisse. Außerdem entwickelten beim Einsatz von
Infliximab zwischen 33 % und 100 % der Patienten innerhalb
von zwei Monaten eine akute Uveitis. Somit zeigt sich Infliximab nicht nur ineffektiv, sondern sogar potentiell gefährlich zur
Behandlung der nAMD. In weiteren Studien wurden andere Immunmodulatoren wie die intravitreale Gabe von Adalimumab
(ein Anti-TNF-α monoklonaler Antikörper), die intravenöse
Gabe von Daclizumab (ein monoklonaler CD 25 bindender
Antikörper) und die orale Gabe von Rapamycin (Sirolismus,
ein Inhibitor der T- und B-Zellaktivierung) getestet. Mit keinem
dieser Stoffe konnten weder signifikante visuelle oder anatomische Zugewinne erzielt noch die Injektionshäufigkeit von
Anti-VEGF-Medikamenten reduziert werden. Im Allgemeinen
ist also der Einsatz antiinflammorischer und immunmodulatorischer Stoffe bei der therapieresistenten nAMD enttäuschend
und wird nach den Autoren derzeit nicht empfohlen.
Triamcinolon und Anti-VEGF-Medikamente
In wenigen kleinen retrospektiven Studien zeigte sich die
Kombination von intravitreal verabreichtem Triamcinolon
und Anti-VEGF-Medikamenten (meistens Bevacizumab) als
effektiv bei der therapieresistenten nAMD. Veritti et al. (2013)
berichteten, dass die Kombination aus Triamcinolon und Bevacizumab mit einer durchschnittlichen Behandlungsrate von
1,8 Injektionen über zwölf Monate einen Visusgewinn von
0,18 logMAR in einer Serie von 25 Patienten lieferte. Tao und
Jonas testeten die einmalige Gabe der Kombinationstherapie
von Triamcinolon/Bevacizumab gefolgt von einer weiteren
19
Bevacizumab-Monotherapie bei 31 Augen mit einem durchschnittlichen Gewinn von
0,07 logMAR vier Monate nach der einmaligen Kombinationsgabe. Sechs Monate
nach der Kombinationsgabe konnte das Ergebnis jedoch nicht bestätigt werden. Bei
der Studie von Jonas et al. (2010) wurde ebenfalls eine einmalige Gabe einer Kombinationstherapie untersucht und lieferte initial ähnliche Visusgewinne (0,15 logMar), jedoch wiederum gefolgt von einem schrittweisen Verlust über sechs Monate.
Insgesamt zeigen diese Ergebnisse, dass bei therapieresistenten Patienten die Kombination aus Triamcinolon und Bevacizumab eine nützliche therapeutische Behandlungsoption bietet, obwohl die potentiellen Nebenwirkungen des Triamcinolon sorgfältig überwacht werden müssen. Sowohl Veritti et al. (2013) als auch Tao und Jonas
(2010) dokumentierten einen Anstieg des intraokulären Drucks (IOP) nach der Kombinationstherapie, sodass diese Patienten regelmäßige IOP- und Gesichtsfeldkontrollen benötigen. Die Empfehlungen hierzu lauten, dass der IOP 30 Minuten und eine
Woche post injectionem, sowie anschließend alle zwei Wochen und später monatlich
in den ersten sechs Monaten nach der Therapie kontrolliert werden sollte. Zusätzlich
sollte diese Therapieoption in Anbetracht der hohen Rate des Fortschreitens der Linsentrübung am Besten bei pseudophaken Patienten zum Einsatz kommen.
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Strahlentherapie und Anti-VEGF-Medikamente
Es wurde der Effekt der Strahlentherapie in Verbindung mit der Anti-VEGF-Therapie
bei der behandlungsresistenten nAMD untersucht. Ein Pilotversuch mit Protonenstrahlung in Kombination mit Ranibizumab bei zwei therapieresistenten Patienten zeigte,
dass die retinalen Exsudate trotz der Strahlentherapie persistierten, wobei einer der
Patienten einen signifikanten Visusverlust bot und „Hochdosis-Ranibizumab“ (1,0 mg)
benötigte. Die größte Studie zur Strahlentherapie bei nAMD ist die INTREPIDStudie. Die hier eingeschlossenen Patienten wurden vor einer Therapieresistenz behandelt, wobei die Einschlusskriterien drei Anti-VEGF-Injektionen innerhalb der
letzten zwölf Monate waren. Dies ist weniger als bei den meisten Definitionen der
behandlungsresistenten nAMD. INTREPID zeigte, dass sowohl bei einer Strahlentherapie mit 16 als auch mit 24 Gray in Verbindung mit Ranibizumab weniger Injektionen innerhalb von zwölf Monaten benötigt werden als bei Ranibizumab alleine.
Bezüglich der Visusergebnisse wurden keine signifikanten Unterschiede festgestellt.
Obwohl die Kombination aus Anti-VEGF-Medikamenten und Radiotherapie eine
potentielle vielversprechende Option darstellt, werden unbedingt weitere Studien mit
einer behandlungsresistenten Patientenkohorte benötigt.
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Aflibercept soll im Gegensatz zu Ranibizumab und Bevacizumab eine höhere Bindungsaffinität und ein größeres Wirkungsspektrum gegenüber anderen Angiogenesefaktoren wie beispielsweise dem placental growth factor (PIGF) haben. Dies führte zu
der Annahme, dass es zur Therapie der behandlungsresistenten nAMD effektiver sein
könnte. Eine Anzahl von retrospektiven Studien und eine einzelne prospektive Studie
mit Patienten, die sowohl gegenüber Ranibizumab als auch Bevacizumab resistent
waren, lieferten ähnliche anatomische Ergebnisse. Eine signifikante Abnahme der
zentralen Makuladicke (CMT) mit Werten zwischen 20 und 168 µm wurde nach der
Umstellung auf Aflibercept bei allen Patienten dokumentiert. Die Visusergebnisse
waren unterschiedlich. Die einzige prospektive Studie von Chang et al. (2014) berichtete nach sechs Monaten über einen Zugewinn von 6,9 Buchstaben. Kumar et al.
(2013) dokumentierte ebenfalls eine Verbesserung von durchschnittlich 0,10 logMAR
und bei Heussen et al. war es nach viermaligen Aflibercept-Injektionen ein VerbesseConcept Ophthalmologie 07 / 2015
rung von durchschnittlich 0,22 logMAR. Alles in allem zeigen die Studien, dass der
Wechsel zu Aflibercept bei vorher Anti-VEGF-Therapie-resistenten Patienten eine
leichte visuelle und anatomische Verbesserung liefert, wobei auch hier weitere Studien notwendig sind, um das Ausmaß des Gewinnes beurteilen zu können.
Zusammenfassung
Die behandlungsresistente nAMD stellt in der Ophthalmologie heutzutage ein signifikantes Problem dar. Eine der Schwierigkeiten besteht bereits darin, dass es keinen
eindeutigen Konsens darüber gibt, was man als Therapieresistenz bezeichnet und wie
diese beurteilt werden sollte. Bei vielen der oben erwähnten Studien ist die Definition
unklar und unglücklicherweise existieren keine klaren Richtlinien. Diese Unsicherheit kann natürlich auch die Ergebnisse in einigen Studien beeinflusst haben.
Um die besten Ergebnisse erzielen zu können, ist jedoch erst einmal entscheidend,
dass die korrekte Diagnose gestellt wird. Falls Varianten der nAMD, insbesondere
PCV oder chronische CSC-Läsionen, entdeckt werden sollten, sollte die beste Therapie für diese Läsionen berücksichtigt werden, einschließlich der PDT oder Kombinationstherapien bestehend aus PDT und Anti-VEGF-Medikamenten.
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Der Ophthalmologe muss sich schließlich patientenbezogen für die beste Behandlungsoption der therapieresistenten nAMD entscheiden. Vier Behandlungsstrategien
zeigten einen signifikanten Visusgewinn bei wenigstens zwei verschiedenen Patientengruppen: die Hochdosis-Ranibizumabtherapie, gelegentlich die Kombination
von PDT und Anti-VEGF-Therapie, die Kombination von Triamcinolon und AntiVEGF und der Wechsel von Ranibizumab bzw. Bevacizumab zu Aflibercept. Ebenso
erscheint die Kombination von Strahlentherapie und Anti-VEGF-Therapie vielversprechend. Sie muss jedoch bei therapieresistenten Patienten zunächst genauer evaluiert werden. Da die „Hochdosis-Ranibizumabtherapie“ nicht länger auf dem Markt
verfügbar ist, fällt diese Behandlungsoption weg.
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Die übrigen drei Optionen sind für verschiedene Patientenklientel unterschiedlich
gut geeignet: Die Kombination aus Triamcinolon/Anti-VEGF ist reserviert für pseudophake Patienten ohne okuläre Hypertension bzw. Glaukom. Sie stellt eine akzeptable ökonomische Alternative für Patienten ohne Komorbiditäten dar. Die PDT/
Anti-VEGF-Kombinationstherapie zeigte sich als effektiv bei der Behandlung der
nAMD-Varianten, insbesondere der PCV. Bei der nAMD reduzierte sie die Exsudate,
liefert jedoch keine Visusverbesserung, die länger als drei Monate andauerte. Zuletzt
stellt der Wechsel zu Aflibercept eine vielversprechende Behandlungsoption dar, vor
allem, da es Hinweise dafür gibt, dass hierbei der Zugewinn an Sehschärfe länger als
drei Monate anhält. Außerdem hat Aflibercept ein ähnliches Nebenwirkungsprofil
wie andere Anti-VEGF-Medikamente.
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Es ist möglich, dass Kombinationen wie Aflibercept und PDT oder Aflibercept und
Triamcinolon erfolgversprechender sind als derzeitige Therapieoptionen. Unglücklicherweise werden voraussichtlich einige Patienten auch gegenüber den alternativen
Therapien unempfindlich sein und wenn dem so ist, gibt es weiterhin keine klaren
Richtlinien zur Führung dieser Patienten. Es bestehen also die Notwendigkeit und
der Forschungsbedarf, effektivere Therapieoptionen für behandlungsresistente Patienten zu finden.
Geoffrey K. Broadhead et al., Treating the untreatable patient: current options fort he management of treatment-resistant
neovascular age-related macular degeneration, Acta Ophthalmologica 2014: 92:713-723
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schwerpunkt amd / netzhaut
amd – alzheimer
AMD
+
ALZHEIMER
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
B
ei beiden Erkrankungen spielen intra- und extrazelluläre Ablagerungen eine wichtige Rolle und weisen
viele Ähnlichkeiten auf. Das Alter, Hypercholesterinämie, arterieller Hypertonus, Fettleibigkeit, Arteriosklerose
und das Rauchen stellen Risikofaktoren für die Entwicklung
der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) und der
Alzheimererkrankung (AD) dar. Beim zellulären Alterungsprozess sind in der Retina und in den Hirnschichten ähnliche
Organellen und Signalwege beteiligt. Dennoch scheint es so,
dass beide Erkrankungen einen unterschiedlichen genetischen
Hintergrund haben. Im Folgenden werden deshalb die Unterschiede und Gemeinsamkeiten bzw. Ähnlichkeiten beider Erkrankungen sorgfältig erörtert.
Pigmentepithel (RPE). Des Weiteren kommt es bei der AMD
zum Auftreten von Drusen zwischen der Basallamina des retinalen Pigmentepithels und der inneren Kollagenschicht der
Bruch-Membran. Große Mengen an Lipofuszin und Drusen
sprechen für ein Fortschreiten und für eine schwere Form der
AMD. Als Reaktion auf chronischen oxidativen Stress und
Entzündungsreaktionen kann es in einigen Fällen der AMD
zur Entwicklung von chorioidalen Neovaskularisationen kommen. Die schädlichen neuen Blutgefäße können die BruchMembran durchbrechen, so dass Flüssigkeit und Blut in den
subretinalen Raum eintreten und eine Fibrogliose mit dem
Ergebnis einer disciformen Narbe und einem schweren Visusverlust hervorrufen können.
Altersbedingte Makuladegeneration
Alzheimererkrankung
Die AMD ist die Hauptursache einer zentralen Erblindung in
der älteren Population der westlichen Gesellschaft. Sie ist charakterisiert durch einen fortschreitenden Visusverlust, bedingt
durch degenerative und/oder neovaskuläre Veränderungen im
Bereich der Makula. 50 Millionen Menschen leiden weltweit
an den Folgen der AMD, wobei ein Drittel von ihnen blind
oder bereits stark sehbeeinträchtig ist. Die Erkrankung hat eine
enorme Auswirkung auf die physische und psychische Gesundheit der älteren Bevölkerung und ihrer Familien und stellt
eine zunehmend größere finanzielle Belastung für das öffentliche Gesundheitswesen dar.
Ähnlich zur AMD ist der Hauptrisikofaktor der Alzheimererkrankung das Alter. In den westlichen Ländern sind 1-3 % der
60- bis 64-Jährigen, 3-12 % der 70- bis 80-Jährigen und 25-35 %
der über 85-Jährigen an Alzheimer erkrankt. Kardiovaskuläre
Risikofaktoren im mittleren Lebensalter wie Hypercholesterinämie, arterieller Hypertonus, Fettleibigkeit und Diabetes mellitus tragen zur Entwicklung einer Demenz bei. Da der Anteil der
älteren Bevölkerung stetig zunimmt, wird erwartet, dass sich die
Anzahl der Alzheimerfälle bis zum Jahr 2050 vervierfacht hat.
Die Häufigkeit einer frühen AMD beträgt in der Alterssparte
der 65- bis 74-Jährigen 15 %, bei den 75- bis 84-Jährigen 25 %
und bei den über 85-Jährigen 30 %. Die Spätform der AMD
hat bei Menschen zwischen 65 und 74 Jahren lediglich eine
Prävalenz von 1 %, diese steigt jedoch auf 5 % bei den 75- bis
84-Jährigen und liegt bei bis zu 13 % bei den über 85-Jährigen.
Man unterscheidet zwischen der trockenen und exsudativen
AMD. Ein Kennzeichen der trockenen AMD ist die schädliche Akkumulation von lysosomalem Lipofuszin im retinalen
22
Die Alzheimererkrankung ist klinisch charakterisiert durch
die Entwicklung einer frühen Amnesie bis eventuell hin zum
totalen Gedächtnisschwund. Die pathophysiologischen
Kennzeichen der Alzheimererkrankung sind extrazelluläre
Amyloidablagerungen (Amyloid β – Aβ) sowie die Bildung
intraneuronaler, neurofibrillärer Stränge (NFT). Es mehren
sich die Anzeichen, dass Entzündungsreaktionen und zunehmender oxidativer Stress eine Schlüsselrolle bei der frühen Entwicklung der Alzheimerdemenz spielen. Interessanterweise beeinträchtigen die unlöslichen Amyloidplaques im
Cortex nicht die synaptische Plastizität und das Gedächtnis,
bis sie soweit löslich sind, dass sie Aβ-Dimere bilden könConcept Ophthalmologie 07 / 2015
Foto: bickstockphoto.de
Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist eine spät einsetzende, neurodegenerative
retinale Erkrankung, die einige klinische und pathophysiologische Gegebenheiten, inklusive
Stressstimuli wie oxidativen Stress und Entzündungsreaktionen, mit der Alzheimererkrankung teilt. Wo liegen Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede? Von Dr. Constanze Augustin.
amd – alzheimer
nen. Dies zeigt, dass die Plaques weitgehend inaktiv, die AβDimere jedoch synaptotoxisch sind.
Unterschiede und Ähnlichkeiten in der
Pathogenese von AMD und AD
Beide Erkrankungen teilen sich zahlreiche pathologische Eigenschaften, oxidativen Stress und Entzündungsreaktionen miteingeschlossen. Diese induzieren besonders in postmitotischen
Zellen wie dem retinalen Pigmentepithel (RPE) und neuronalen Zellen Proteinaggregationen. Es ist hochinteressant, dass
die akkumulierten Ablagerungen bei AMD und AD viele molekulare Ähnlichkeiten aufweisen. Charakteristisch für beide ist,
dass die Fähigkeit, schadhafte Zellproteine in postmitotischen
Zellen zu entfernen, während des Alterungsprozesses abnimmt.
Viele Mechanismen zur Zellreinigung scheinen durch spezifische Proteine gesteuert zu werden. Deshalb ist es eine verlockende Aufgabe, die Alterungsprozesse in den verschiedenen
Geweben zu verstehen und in der Folge neue Therapieansätze
zur Verhinderung der Proteinaggregation und zur Unterstützung eines effektiven „Zellreinigungssystems“ zu finden.
Die Genetik bei AMD und AD
Die genetischen Risikofaktoren in Bezug auf das Komplementsystem wurden bereits in verschiedenen Studien zur
AMD beleuchtet. Eine erste Assoziation wurde zwischen der
AMD und dem Y402H-Polymorphismus des Komplementfaktors H beobachtet. In späteren Studien gab es ebenfalls einen
Bezug zwischen dem Genlocus LOC387715 / Anfälligkeit für
die altersbezogene Makulopathie (ARMS2) und dem High
Temperature Requirement Factor A1 (HTRA1).
schwerpunkt amd / netzhaut
Dieser HTRA-Polymorphismus hat keinerlei Bezug zur Alzheimererkrankung. Bevor man Polymorphismen im Komplementsystem entdeckte, untersuchte man bezüglich der
AMD-Polymorphismen die Allele des Apolipoproteins E
(APOE). Individuen, welche das Allel APOEε4 tragen, haben ein geringeres Krankheitsrisiko, wohingegen APOEε2Allel-Träger ein erhöhtes Risiko aufweisen. APOE ist ein
polymorphes Protein, welches drei Isoformen (E2, E3, E4)
mit drei Allelen (ε2, ε3 und ε4) des APO-Gens auf Chromosomlocus 19q13.2 besitzt. Basierend darauf, dass APOE
in den Recyclingprozess des Cholesterols und in die Biosynthese der Lipide für die Zellmembranen involviert ist, wurde
spekuliert, dass die Polymorphismen einen Einfluss auf die
Erneuerung der retinalen Membranen haben und die Integrität der Makula beeinflussen.
Im Gegensatz zur AMD stellt der APOE-ε4 Polymorphismus den stärksten bisher identifizierten Risikofaktor für die
Alzheimererkrankung dar, wohingegen Träger des APOEε2-Allels ein reduziertes Risiko aufweisen. Diese Ergebnisse
demonstrieren die gegensätzliche Rolle der APOE-ε4- und
APOE-ε2-Allele bei AMD und AD.
Die grundlegende Ursache der Alzheimerdemenz ist in den
meisten Fällen unklar. Mehr als 40 verschiedene genetische
Veränderungen, die mit der AD assoziiert sind, wurden bisher identifiziert. Unter diesen zeigten Polymorphismen der
Gene für APOE, Clusterin (CLU) und Phosphatidylinositolbindendes Clathrinprotein das größte Risiko unter den Alzheimerpatienten. Jedoch ist keines der Gene, welches mit der
AD assoziiert ist, für die Pathologie der AMD verantwortlich. Zusammenfassend scheint es so, dass die genetischen
Risikofaktoren beider Erkrankungen unterschiedlichen Ursprungs sind.
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Concept Ophthalmologie 07 / 2015
23
schwerpunkt amd / netzhaut
amd – alzheimer
Oxidativer Stress, mitochondriale und
lysosomale Dysfunktionen bei AMD und AD
Freie Radikale und andere Oxidantien werden als metabolische Nebenprodukte innerhalb einer sauerstoffreichen
Umwelt bei einer großen Anzahl von physiologischen, pathophysiologischen und Alterungsprozessen gebildet. Ein
Ungleichgewicht zwischen der Bildung und Unterdrückung
von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) kann insbesondere im
Alter zu unerwünschten Effekten aufgrund von Proteinentfaltungen und Proteinschäden führen. Die zentrale Retina ist
einem außergewöhnlich hohen oxidativen Stress ausgesetzt,
welcher während des Alterungsprozesses noch zunimmt. Die
Degeneration der retinalen Pigmentepithelzellen ist eines der
Hauptmerkmale der AMD. Klinisch können eine „Zerstreuung“ bzw. Auflockerung des Pigments, eine Akkumulation
lysosomalen Lipofuszins sowie extrazelluläre Drusenablagerungen beobachtet werden. Die Lipofuszinablagerung selbst
stört proteasomale und lysosomale Proteinabbauprozesse und
führt zu einer erhöhten extrazellulären Proteinansammlung in
alternden RPE-Zellen.
Des Weiteren kommt es in der Pathogenese der AMD und
beim Alterungsprozess zu strukturellen Veränderungen innerhalb der Mitochondrien. Die mitochondriale DNA ist empfänglicher für einen oxidativen Schaden und gegenüber Blaulicht als die zelluläre DNA. Der Schaden der mitochondrialen
DNA innerhalb der Retina und des retinalen Pigmentepithels
akkumuliert sich während des Alters. Das Alter und das Zigarettenrauchen sind Hauptrisikofaktoren für die AMD. Beide
Gegebenheiten sind mit einer mitochondrialen Dysfunktion
assoziiert. Kurz gefasst spielen die Reduktion der lysosomalen
und mitochondrialen Funktion und die Zunahme des Lipofuszinanteils in RPE eine Schlüsselrolle beim Alterungsprozess des RPE und bei der Entwicklung der AMD.
Es wurde spekuliert, dass der oxidative Stress das erste Merkmal für ein AD-Gehirn darstellt. Der oxidative Schaden, gekennzeichnet durch Lipidperoxidation, Nitrierung, reaktive
Carbonyle und die Oxidation von Nukleinsäuren, ist in den gefährdeten Neuronen bei der AD erhöht. Anzeichen des oxidativen Stresses erscheinen bei diesen Patienten Jahrzehnte bevor
es zur Ablagerung von Aβ kommt. Eine erhöhte Konzentration an Lipidperoxiden und die Oxidation von Nukleinsäuren
wurden zusätzlich im Hirngewebe, im Liquor, im Plasma,
im Urin und in den peripheren Leukozyten bei Patienten mit
leichter kognitiver Einschränkung und Alzheimererkrankten
gefunden.
Des Weiteren existiert umfassende Literatur, welche die Rolle
der mitochondrialen Dysfunktion und Akkumulation von Eisen bei der Pathogenese der AD bekräftigt. Bei Alzheimerpatienten kommt es zur auffälligen und signifikanten Zunahme des
Anteils an mitochondrialen DNA innerhalb des neuronalen
24
Zytoplasmas, da die mitochondriale Autophagie bedingt durch
die Füllung der Vakuolen mit Lipofuszin behindert wird. Zunehmender oxidativer Stress, die Ablagerung von Lipofuszin
sowie eine mitochondriale und lysosomale Dsyfunktion sind
gemeinsame pathophysiologische Merkmale in der Pathogenese der AMD und AD.
Autophagie bei AMD und AD
Gestörte Autophagieprozesse sind involviert in die Proteinaggregation innerhalb des RPE bei der Pathogenese der AMD.
Die Autophagozytose ist ein spezielles „Reinigungssystem“
zum Abbau von Proteinen und Zellorganellen mit Hilfe von
Lysosomen. AMD-assoziierte Stressreaktionen wie Hypoxie,
oxidativer Stress, entfaltete Proteine oder Entzündungsreaktionen induzieren typischerweise die Autophagie. Der Autophagievorgang ist extrem wichtig innerhalb postmitotischer
Zellen wie dem RPE oder neuronalen Zellen. Die Autophagie
reduziert die Toxizität der Proteinaggregate, welche sich bei
vielen altersbedingten Erkrankungen ansammeln. Unglücklicherweise nimmt die autophage Aktivität während des Alterns
ab. Bei der Pathogenese der AMD und AD scheint sowohl eine
Störung der proteasomalen als auch lysosomalen Proteinbeseitigungssysteme vorzuliegen, welche zur Bildung von Drusen
und zur Akkumulation von Amyloidplaques führt.
Zusammenfassung
AMD und Alzheimererkrankung sind beides altersabhängige
neurodegenerative Erkrankungen, die sich ähnliche umweltbedingte Risikofaktoren wie Rauchen, arteriellen Hypertonus, Hypercholesterinämie, Arteriosklerose, Fettleibigkeit
und ungesunde Ernährung teilen. Die zelluläre Pathogenese
ist mit erhöhtem oxidativem Stress, Entzündungsreaktionen
und einer beeinträchtigten proteasomalen und lysosomalen
Funktion assoziiert, welche zu intra- und extrazellulären Ablagerungen führt. Die schädlichen Ablagerungen beziehen sich
bei beiden Erkrankungen weitgehend auf ähnlich zusammengesetzte Proteine. Dennoch scheint der genetische Ursprung
von AMD und AD sehr verschieden zu sein. Daher sollten in
Zukunft weitere Anstrengungen unternommen werden, die Effekte verschiedener Genpolymorphismen auf die funktionale
Ebene der Proteine und ihre Rolle bei der neurodegenerativen
Erkrankung zu untersuchen. Fortschreitende Technologien
zur Untersuchung des hinteren Augenpols bieten interessante
neue Möglichkeiten, um frühe Anzeichen der AMD zu erkennen und zu verstehen, die vielleicht ebenfalls mit der Pathogenese der AD assoziiert sein könnten.
Quelle:
Kai Kaarniranta et al., Age-related Macular Degeneration (AMD): Alzheimer`s Disease in the
Eye?, Journal of Alzheimer’s Disease 24 (2011) 615-631.
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
amd-netz
schwerpunkt amd / netzhaut
Was Patienten erwarten
Zur Bewältigung ihres Alltags brauchen Blinde und Sehbehinderte viel Rat und Unterstützung. Sie setzen dabei primär auf den Augenarzt, wie Studien des AMD-Netz zur Versorgung zeigen. Der Arzt ist für Patienten die wichtigste Quelle für medizinische Informationen,
aber auch soziale Angebote. Wie kann er dieser Herausforderung gerecht werden?
U
Im Rahmen von Studien, die das AMD-Netz bereits in seinen
Anfängen durchgeführt hatte, wurden 201 AMD-Patienten in
NRW befragt. Die Ergebnisse sind im Hinblick auf die Herausforderungen in der Versorgung aktueller denn je und wurden im Rahmen von Interaktionen mit unseren Partnern im
Versorgungsprozess bestätigt.
Die Stichprobe der Befragung lässt sich folgendermaßen beschreiben: Das Durchschnittsalter beträgt ca. 78 Jahre. 67,7 %
der Befragten waren weiblich, 32,3 % männlich. Eine Betrachtung krankheitsspezifischer Merkmale zeigt, dass sowohl beide
Formen der AMD (trockene und feuchte AMD) als auch frühe
und späte Stadien der Erkrankung hinreichend berücksichtigt
wurden. Neben verschiedenen Krankheitsformen und -stadien
wurden auch verschiedene Gruppen von Patienten in die Untersuchung mit einbezogen. So wurden in Kliniken sowie bei
niedergelassenen Augenärzten behandelte Patienten ebenso
wie Nutzer sozialer Angebote und Teilnehmer klinischer Studien explizit berücksichtigt. Die Stichprobe kann damit nicht
als repräsentativ in Bezug auf die Versorgungssituation in der
gesamten Bundesrepublik beurteilt werden, ermöglicht aber
die Ableitung wertvoller Tendenzaussagen.
Objektives Krankheitsbild und
subjektives Empfinden
Empirische Untersuchungen zeigen, dass Patienten mit identischem Schweregrad ihrer Erkrankung häufig eine unterschiedlich hohe Beeinträchtigung ihres Sehvermögens und der damit
einhergehenden Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität wahrConcept Ophthalmologie 07 / 2015
alle Abb.: AMD-Netz
m ihren Alltag bewältigen zu können, benötigen Blinde und Sehbehinderte mehr Rat und Unterstützung,
als eine Praxis im Alltag aufbringen kann. Betroffene
sehen den Augenarzt jedoch als wichtigste Informationsquelle an, nicht nur in Bezug auf die Erkrankung, sondern auch
hinsichtlich sozialer Angebote. Ein Praxisteam, das über die
gesuchten Informationen verfügt, kann seine Verantwortung
gegenüber dem Patienten besser wahrnehmen, das Vertrauen
in die Qualität der Praxis erhöhen und die Patientenbindung
verbessern.
AMD-Patienten haben viele Fragen an ihren Augenarzt und suchen oft das Gespräch
nehmen. Es liegt also eine Abweichung zwischen dem objektivem Krankheitsbild und der subjektiv empfundenen Sehbeeinträchtigung bzw. Einschränkung der Lebensqualität vor. Folglich
stellt sich die Frage, welche Bedeutung krankheitsunabhängige
Faktoren wie z.B. die soziale Unterstützung des Patienten für
die subjektive Wahrnehmung der Lebensqualität haben.
Im Rahmen erster Untersuchungen wurde der vorliegende
Datensatz daraufhin überprüft, welche Faktoren die subjektiv wahrgenommene Lebensqualität signifikant beeinflussen.
Hierbei wurden neben krankheitsspezifischen Faktoren und
Soziodemographika ebenso Merkmale berücksichtigt, die sich
auf das Umfeld des Patienten (z.B. Unterstützung durch Angehörige) sowie auf die Wahrnehmung der Versorgung (z.B.
Zufriedenheit mit dem Augenarzt) beziehen. In Bezug auf die
Lebensqualität wurde zwischen den drei Bereichen Alltagsaktivitäten, Psyche sowie soziales Umfeld differenziert.
Für den Bereich der Alltagsaktivitäten lassen sich folgende Erklärungszusammenhänge feststellen: Zum einen wirken sich
die Erkrankungsdauer sowie die Komorbidität (Auftreten zusätzlicher Erkrankungen) der Betroffenen auf die Lebensqualität aus. Und zwar in der Hinsicht, dass sich Betroffene, die
schon länger an der AMD erkrankt sind, und Betroffene, die
25
schwerpunkt amd / netzhaut
amd-netz
wurde schließlich erhoben, wie die Patienten auf soziale Einrichtungen/Selbsthilfegruppen aufmerksam geworden sind. In
diesem Zusammenhang gaben 35 % an, dass sie durch ihren
Augenarzt informiert wurden. Knapp 30 % der Befragten wurden durch Angehörige aufmerksam gemacht und jeweils 20 %
der Betroffenen wurden durch die soziale Einrichtung/Selbsthilfegruppe selbst bzw. über die Medien informiert. Auch in
diesem Bereich gilt also der Augenarzt als wichtigste Anlaufstelle für Informationen.
Nutzung verschiedener Informationsquellen über die Erkrankung
an weiteren Erkrankungen leiden, durch die Sehbehinderung
stärker beeinträchtigt fühlen. Zum anderen konnte ein Einfluss
des Alters sowie der Wohnsituation konstatiert werden. Hierbei fühlen sich ältere sowie allein lebende Betroffene stärker im
Bereich der Alltagsaktivitäten beeinträchtigt. Darüber hinaus
konnte ermittelt werden, dass sich eine hohe Arztzufriedenheit
sowie die Nutzung sozialer Angebote und Hilfsmittel positiv
auf die Lebensqualität auswirken.
Woher bekommen Patienten Informationen?
Eine Untersuchung des krankheitsbezogenen Informationsstands hat gezeigt, dass sich die Befragten hinsichtlich der
AMD insgesamt gut informiert fühlen. Der Mittelwert liegt
auf einer 5er-Skala, bei der eine 1 sehr gut und eine 5 sehr
schlecht bedeuten, bei 2,2. Wird bei derselben Fragestellung allerdings zwischen Patienten, die soziale Angebote nutzen und
Patienten, die keine sozialen Angebote nutzen, differenziert,
so weichen die Mittelwerte in Höhe von 1,9 bzw. 2,4 deutlich
voneinander ab. Das heißt, Nutzer sozialer Angebote fühlen
sich hinsichtlich der Erkrankung besser informiert. Über den
Informationsstand hinaus wurde ermittelt, woher Patienten
ihre Informationen über die Erkrankung beziehen. Die Befragung verdeutlicht, dass Patienten zu ca. 64 % bzw. 60 % von ihrem niedergelassenen Augenarzt bzw. durch ihre Augenklinik
über die Erkrankung informiert werden. Der Augenarzt gilt
somit als wichtigste Anlaufstelle für Informationen hinsichtlich der AMD. Jeweils etwa ein Drittel der Patienten informiert
sich darüber hinaus über soziale Organisationen, Broschüren/
Zeitschriften sowie durch Angehörige. Die Medien Internet
sowie Fernsehen nehmen mit Werten von jeweils ca. 12 % nur
eine untergeordnete Bedeutung ein.
Soziale Angebote
Im Rahmen der Befragung wurde auch untersucht, wie gut die
Betroffenen über Angebote sozialer Einrichtungen/Selbsthilfegruppen informiert sind und inwiefern diese genutzt werden.
Neben dem Bekanntheits- und Nutzungsrad sozialer Angebote
26
Die Ergebnisse zeigen, wie hervorgehoben die Rolle des
Augenarztes bei der Informationsvermittlung ist und was für
eine Erwartungshaltung von Patienten sich daraus ableiten lässt.
Der Augenarzt ist sowohl die wichtigste Informationsquelle für
die Erkrankung selbst als auch die wichtigste Informationsquelle
für die sozialen Angebote. Die Nutzung dieser wirkt sich wiederum positiv auf das Verständnis der Behandlung und damit auf
die Einhaltung von Kontroll- und Behandlungsterminen aus.
Mittelbar steigt auch die Lebensqualität der Patienten.
Versorgungspartnerschaft mit dem AMD-Netz
AMD-Patienten und ihre Angehörigen stehen vor der Herausforderung, ihr Leben neu zu gestalten, und sind dabei auf
Unterstützung angewiesen. Wesentlich sind dabei neben den
Augenärzten auch Anbieter sozialer Dienstleistungen. Die
Betroffenen müssen an Hilfsmittel, soziale Unterstützung und
Trainingsmaßnahmen herangeführt werden. Zwar existieren
umfassende Angebote zum Erhalt der Selbstständigkeit wie
beispielsweise Beratungsstellen, auf Low Vision spezialisierte
Augenoptiker oder Rehabilitationslehrer. Doch der Zugang
zu diesen Angeboten ist flächendeckend nicht gebahnt, so
dass Informationen oft nur zufällig zu den Betroffenen gelangen. Wie eine weitere Studie an der Universität Münster
belegt, sind Augenärzte, Patienten und weitere Versorger zudem nicht optimal vernetzt. Dies ist umso bedeutender, da
ein Sehverlust, insbesondere wenn dieser in höherem Alter
auftritt, zu Einschränkungen in der Alltagskompetenz, erhöhter Depressivität, Aufnahme in stationäre Einrichtungen
oder der gesteigerten Beanspruchung von Angehörigen und
schließlich zum Verlust von Lebensqualität und erhöhter
Mortalität führen kann.
Das AMD-Netz nimmt sich dieser Problematik an und hat
verschiedene Angebote entwickelt. Diese richten sich zum Teil
direkt an Patienten und Angehörige, zum Teil an die Augenärzte. Für alle Angebote gilt, dass sie den Augenarzt bei der
Erfüllung seiner wichtigen Schnittstellenfunktion unterstützen
und so entlasten können.
Unter www.amd-netz.de lesen und hören Patienten alles zum
Thema AMD und können sich über ein Forum mit Betroffenen und Experten austauschen. Ein wichtiger BestandConcept Ophthalmologie 07 / 2015
amd-netz
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teil der Website ist der Versorgungsatlas. Dort sammelt das
AMD-Netz Kontaktdressen unter anderem von Augenärzten,
sozialen Beratern, Orthoptisten, Rehalehrern, Vertretern der
Selbsthilfe oder auf Hilfsmittelversorgung von sehbehinderten Menschen spezialisierte Augenoptiker und ermöglicht
den Nutzern der Website unkompliziert den Zugriff darauf.
Über die Seiten des AMD-Netz kann der Augenarzt zudem
individuelle Informationen für Betroffene bereitstellen: Das
Patientenhandout enthält auf die Diagnose zugeschnittene
Erläuterungen und, verknüpft mit dem Versorgungsatlas,
optional Adressen lokaler Versorger. Viele der Informationen, die der Arzt dem Patienten im Gespräch vermittelt hat,
können als Handout in Textform mit nach Hause genommen
werden. So wird das Gedächtnis der Patienten entlastet und
die Diagnose und Behandlung kann mit den Angehörigen
besprochen werden. Diese stehen wiederum im Rahmen des
Forschungsprojekts „Leben mit AMD – Unterstützung Angehöriger“ im Fokus. Ein Beispiel dafür, wie das AMD-Netz
Versorgungsforschung und Praxisnähe verknüpft.
Über die Fortbildung „Sehbehinderte Menschen in der Augenarztpraxis“ gelangen Informationen direkt in augenärztliche
Informationsquellen für Patienten über soziale Angebote
Einrichtungen, sie richtet sich an Medizinische Fachangestellte, die täglich Umgang mit AMD-Patienten haben. Es ist außerdem möglich, Patienten an die Hotline des AMD-Netz zu
verweisen, wenn es um Fragen zu nicht medizinischen Angeboten geht.
Augenärzte haben über eine Versorgungspartnerschaft die
Möglichkeit, das AMD-Netz bei seiner Arbeit zu unterstützen:
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Ç Individuelle Gaskonzentration
bezeichnen Marken von Bausch + Lomb Incorporated. ©2015 Bausch + Lomb Incorporated.
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
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A company of Valeant Pharmaceuticals International, Inc.
schwerpunkt amd / netzhaut
retina-implantat
alle Abb. Second Sight
„Natürliche Evolution
der Indikationen“
Prof. Paulo Stanga ist Chefarzt der Abteilung für Augenheilkunde und
Glaskörperchirurgie am Manchester Royal Eye Hospital (GB)
Prof. Paulo Stanga hat am 16. Juni 2015 in Manchester erstmals
einem Patienten mit trockener AMD ein Argus II Retina-Prothesensystem implantiert. Der Patient könne nun wieder ein funktionelles zentrales Sehvermögen nutzen, die Umrisse von Personen
sowie Objekten wahrnehmen, so erste Ergebnisse. Wir fragten
nach Details und Perspektiven.
Herr Prof. Stanga, die Argus-II-Prothese kennen wir aus der
Anwendung bei Patienten mit Retinitis Pigmentosa (RP). Diese
müssen als Voraussetzung zur Eignung völlig blind sein, sagte
Prof. Kirchhof im Interview mit Augenlicht Visioncare (Ausgabe
2-2012). Patienten mit trockener AMD aber sehen zum Teil noch
etwas. Wie kann nun funktionieren, was vorher nicht möglich
war?
Ich habe 2009 zum ersten Mal einem meiner RP-Patienten
ein Implantat eingesetzt und sechs Jahre später zum ersten
Mal einem Patienten mit AMD. Für mich ist das eine natürliche Evolution der Indikationen für diese Technologie. Wir
haben mit Patienten ohne Sehkraft begonnen und jetzt wenden wir uns auch den Patienten mit einem Verlust des zentralen Sehens zu, die noch immer über einen peripheren Sehrest
verfügen. Dies ist ein wichtiger Schritt, denn im Gegensatz
zu RP, einer sehr seltenen Erkrankung, ist die trockene AMD
sehr weit verbreitet.
Trockene AMD betrifft meist ältere Patienten; Ihr Patient ist
80 Jahre alt. Sind diese nicht überfordert mit dem Implantat?
Schließlich wurde bei RP immer betont, die Patientenselektion sei enorm wichtig. Prof. Kirchhof etwa suchte mittelalte
Pioniere, ohne Begleiterkrankungen wie Diabetes. Der Patient
dürfe nur ein Netzhautproblem haben, keine Opticusatrophie,
kein Glaukom. Für Prof. Szurmann in Sulzbach/Saar müssen die
Patienten offen und neugierig sein und „ … die innere Bereitschaft und Neugierde haben, das Sehen neu zu lernen, schließlich handelt es sich um eine andere Art von Sehen.“ (CONCEPT
Ophthalmologie 8-2014). Da kommen doch wahrscheinlich gar
nicht so viele AMD-Patienten in Frage? Welche Personen sind
besonders geeignet, welche gar nicht?
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Es gibt bei dem ersten Patienten, dem wir das Implant eingesetzt haben, keinerlei Anzeichen dafür, dass er von der Implantation oder vom Rehabilitations-Training überfordert ist.
Der Verlauf wird im Rahmen der Studie genau überwacht,
um sicherzustellen, dass es dem Patienten gut geht und er
keinem unnötigen Stress ausgesetzt ist. Es ist ein essentieller
Bestandteil der Studie, sicherzustellen, dass der Patient gut
zurechtkommt. Es stimmt, dass er idealerweise ein hochmotivierter, gesunder und mobiler Mensch mit einer guten
Fingerfertigkeit ist – denn Patienten müssen die Steuerungselemente des Systems mit den Fingern bedienen können. Außerdem ist ein gewisser Grad an geistiger Leistungsfähigkeit
notwendig, um zu lernen, wie man das System erfolgreich
einsetzt.
AMD ist die häufigste Ursache für Sehverlust bei Personen
über 50 Jahren. Bis heute gibt es keine Behandlungsmöglichkeit für AMD im fortgeschrittenen Stadium, in dem es zu
einem vollständigen Verlust des zentralen Sehens kommt. Es
gibt definitiv eine Nachfrage nach einer Sehhilfe wie Argus II.
Wurde am Implantat etwas geändert, damit es auch für AMDPatienten verwendet werden kann – beispielsweise ein größeres Blickfeld, mehr Elektroden, geändertes Interface zwischen
Elektronik und Neurologie/Biologie?
Nein, das Implantat ist genau das gleiche, das bei RP-Patienten eingesetzt wird. Bezugnehmend auf die Studie in
Manchester hat Second Sight erklärt, dass sie das System
möglicherweise für Patienten mit trockener AMD anpassen
und es eventuell auch bei Patienten mit feuchter AMD testen
werden.
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
retina-implantat
Werden die Gewöhnung an und der Umgang mit dem Implantat
für AMD-Patienten anders – einfacher oder schwieriger? – sein
als für RP-Patienten?
Das Rehabilitations-Training wird sich unterscheiden. Ein
Schulungsplan für diesen Prozess wird ein wichtiger Teil dessen sein, was wir mit der Studie ermitteln wollen.
Im Pressetext wird betont, die Patienten „sehen“, wenn das Implantat eingeschaltet ist, auch bei geschlossenen Augen. Das
klingt ein bisschen spooky, wie ferngesteuert. Beruhigen Sie mich!
Da die Elektrodenmatrix genau über dem Gebiet der geographischen Atrophie liegt, müssen wir im Test mit geschlossenen Augen sicherstellen, dass wir wirklich nur visuelle
Funktionen testen, die vom Prothesen-System hervorgerufen
werden – und nicht durch den peripheren Sehrest des Patienten. Alle post-operativen Tests bestätigen, dass bei dem
ersten AMD-Patienten durch alle Elektroden, die in seinem
„blinden Fleck“ platziert wurden, eine visuelle Wahrnehmung hervorgerufen wird.
Könnten sich Menschen aufgrund euphorischer Medienberichte
falsche Hoffnungen machen, ihr früheres Sehvermögen wieder
zu erlangen? Schließlich wird nicht „das Sehen“ wiederhergestellt, sondern lediglich ein Teil der funktionellen Sehfähigkeit.
Ophthalmologen kommt eine entscheidende Rolle dabei
zu, ihren Patienten die Grenzen des Prothesen-Systems angemessen und korrekt zu erklären. Im Rahmen unserer Ankündigung haben wir Wert darauf gelegt, dass wir für eine
korrekte Berichterstattung der ersten Studienergebnisse eng
mit angesehenen Medien wie beispielsweise der BBC zusammenarbeiten.
Welchen Stellenwert hat für Sie als Wissenschaftler die erste
Implantation bei einem AMD-Patienten?
Es ist mit Sicherheit eine aufregende Zeit – wir wollen selbstverständlich wissen, ob die Ergebnisse der ersten Operation
reproduzierbar sind. Wenn das der Fall ist, dann glaube ich,
dass wir am Beginn einer neuen Ära stehen, in der eine verlorene Sehkraft bei Erkrankungen wiederhergestellt werden
kann, bei denen es keine andere Behandlungsmöglichkeit gibt
– wie das bei fortgeschrittener AMD der Fall ist.
schwerpunkt amd / netzhaut
Nein, das denke ich nicht – wir brauchen unterschiedliche
Ansätze für unterschiedliche Patienten, da nicht alle Patienten auf die gleiche Behandlung auch gleich ansprechen. Ich
hoffe, dass Medikamente so weiter entwickelt werden, dass
sie als bevorzugte Behandlungsmöglichkeit geeignet sind. Wir
werden aber immer Therapien für die Patienten brauchen, die
nicht auf die medikamentöse Behandlung ansprechen oder
deren Erkrankung sich bereits in einem so fortgeschrittenen
Stadium befindet, dass die Beeinträchtigung der Sehkraft irreversibel ist.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Susanne Wolters.
Argus II.
Der Chip wird beim Prothesensystem der US-amerikanischen Firma Second
Sight auf der Oberfläche der
Netzhaut (epiretinal) in der
Makularegion angebracht. Deutlich ist die Elektrodenmatrix auf der Retina
sichtbar
Als erstes Implantat erhielt
es eine CE-Zertifizierung/Zulassung und ist in Deutschland seit 2012 erhältlich. Das System – bestehend aus
Antenne, Computerchipgehäuse und Elektrodenmatrix –
wandelt Videobilder, die über eine Miniatur-Videokamera
in der Brille des Patienten aufgenommen werden, in eine
Serie von elektrischen Impulsen um. Sie werden drahtlos
an die Elektrodenmatrix mit 60 Elektroden auf der Retina
übermittelt. Die dort verbliebenen Zellen werden durch
die Impulse stimuliert und leiten sie weiter. Die Größe
des Gesichtsfeldes beträgt ca. 20 Grad (diagonal); um
das Blickfeld zu ändern, muss der Kopf bewegt werden.
Möglich wird bestenfalls eine visuelle Orientierung und
das Lesen sehr großer Schrift – was den Patienten jedoch
zu größerer Unabhängigkeit und zunehmender Mobilität
verhelfen kann. Angewendet wird das System bisher bei
Patienten mit Retinis Pigmentosa.
Erwarten Sie, dass eine Sehprothese eines Tages zur Standardversorgung bei AMD-Patienten wird und ist sie als Massenprodukt zu einem günstigen Preis vorstellbar?
Ja, ich betrachte dieses System analog zur Computertechnologie. Computer waren einmal sehr teuer, aber mit der Weiterentwicklung der Technik sanken auch die Kosten und die
Geräte wurden zu angemessenen Preisen für die breite Öffentlichkeit zugänglich.
In den kommenden Jahren wird die Zulassung von Medikamenten gegen trockene AMD (z.B. Lampalizumab) erwartet – wären
diese eine „Konkurrenz“ für ein Implantat?
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technologie
alle Abb. Heilig
medizin
ScheimpflugPhotographien
„Die Herstellung von Karten und Plänen auf photographischem Wege“ (Patent 1904): Das
darin beschriebene Prinzip der Entzerrung, die Scheimpflug'sche Regel, hat auch heute,
am 150. Geburtstag seines Entwicklers, noch Gültigkeit. Von Prof. Dr. Peter Heilig.
A
ls Offizier und Geodät der österreichischen Marine
waren Theodor Scheimpflug perspektivische Verzerrungen handgezeichneter Landkarten ein Dorn im
Auge. An einem Drachen oder Ballon befestigt1 – Drohnen oder
Satelliten gab es noch keine –, schoss die „Scheimpflug-Kamera“ (das „Fliegenauge“*) gleichzeitig mehrere PanoramaAufnahmen. In einem Photoperspektrographen wurden die
Bilder dann entzerrt und zu einem vollständigen Panorama
zusammengefügt – dieses Scheimpflug'sche Prinzip wird auch
30
noch heute in der Software des „virtuellen Globus" (ursprünglich Earth View, später Google Maps) angewendet2,3.
Störende „stürzende Linien“ in der Architektur-Fotografie
werden durch den Einsatz von speziellen Balgengeräten oder
Tilt-Objektiven entzerrt; sie erfüllen somit durch gezieltes
Verkippen die Scheimpflug-Bedingung: Objekt-, Objektivund Bildebene schneiden sich – näherungsweise – in einer
Linie; dabei wird die Abbildungsqualität der jeweiligen BildConcept Ophthalmologie 07 / 2015
technologie
Zeichnung links: Das Prinzip der Entzerrung am Beispiel ihres „Erfinders“ Theodor
Scheimpflug
ebene optimiert. Die von Scheimpflug als „Schärfedehnung“
beschriebene Entzerrung sollte nicht falsch verstanden werden: Die Tiefenschärfe wird dabei nicht modifiziert4.
Inkongruenz, Unschärfen und perspektivische Verzerrung,
entbehrliche Störfaktoren ophthalmologischer Dokumentationen, können durch Anwendung des Scheimpflug'schen
Prinzips erfolgreich korrigiert werden. Theodor Scheimpflug
hat dies jedoch nicht mehr erlebt. Erst Jahrzehnte später ermöglichten adaptierte Fotospaltlampen und spezielle, um
die jeweiligen Bildebenen rotierende Scheimpflug-Kameras
exakt reproduzierbare Dokumentationen samt verlässlichen
Verlaufskontrollen des vorderen Augenabschnittes, insbesondere der Linse2.
Großen Datenmengen häuften sich an, ließen sich händisch
allmählich immer schwerer bewältigen, nur so lange, bis
weiterentwickelte EDV-Software und Hardware praktikable
Lösungen für dieses Problem lieferten. Eine Renaissance der
Scheimpflug-Fotografie, um die es vorübergehend ein wenig
stiller geworden war, setzte ein. Vom praecornealen Tränenfilm über refraktive Chirurgie, Glaukom und Pseudophakie
bis zur Iris und deren Tumoren fanden sich zunehmend Anwendungen dieser mittlerweile hoch ausgereiften Untersuchungs-Methode5.
Epilog: Als Offizier und Gentleman hat Scheimpflug korrekt
Leistung und Anteil des Jules Carpentier (aus Paris) an dieser
Erfindung gewürdigt: „Ein Gerät zur Korrektur stürzender
Linien“: „Enlarger for Correcting Converging Verticals“,
Brit. Pat. 1901 6.
medizin
Von exakter Kartographie und ophthalmologisch-wissenschaftlichen Dokumentationen abgesehen, sei ein Wort gesagt
– zur Ästhetik perspektivischer Verzerrungen und stürzender
Linien am Beispiel des Meisters Canaletto, Lehrer für Perspektive an der Akademie (seit 1764), oder den in der Ferne
verschwimmenden, wie sachte verklingenden Linien und Farben William Turners, der Raumtiefe durch Fluchtlinien und
Unschärfe in Fotografie und Malerei7 – und dem Kontrastprogramm des New Look, eines in allen Ebenen gestochenen
scharfen Flat Designs, digital Photoshop-nachgeschärft.
*ein andersgeartetes „Fliegenauge“ (Fly's eye), spezielle Detektoren für extrem hochenergetische Teilchen kosmischer Strahlung, sind an der Universität von Utah im Einsatz
(www.fourmilab.ch/documents/OhMyGodParticle/)
Literatur:
1
www.kodaksefke.nl/mediapool/89/892906/data/scheimpflug_file/meyers_
konversationslex.pdf
Wegener A (2014) Scheimpflug Verfahren Der Ophthalmologe; 111:2959
Mayer H (1994) Theodor Scheimpflug, his personality and lifework. Ophthalmic Res
26(Suppl):3–9
www.spektrum.de/lexikon/optik/scheimpflug-bedingung/2943&_druck=1
Auffahrt GU et al (2008) Scheimpflug-und Topographiesysteme in ophthalmologischer
Diagnostik Der Ophthalmologe 105:9, 810-817
www.trenholm.org/hmmerk/SHSPAT.pdf
http://newsroom.mediadesign.de/imfokus/schaerfe-oder-perspektive/
2
3
4
5
6
7
Univ.-Prof. Dr. Peter Heilig,
Universitätsklinik für Augenheilkunde
und Optometrie, Medizinische Universität
Wien, Österreich. Der Autor hat auch die
Illustration dieses Beitrags gezeichnet
IMPRESSUM
Herausgeber
Prof. Dr. med. Fritz Dannheim
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Prof. Dr. med. Albert J. Augustin
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Redaktion
Susanne Wolters (Ltg.), E-Mail: [email protected]
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Autoren und Gesprächspartner dieser Ausgabe
Prof. Dr. Albert J. Augustin, Dr. Constanze Augustin, Prof. Dr. Karl Ulrich
Bartz-Schmidt, Dr. Georg Eckert, Prof. Dr. Erich Elstner, Chris Fischer,
Prof. Dr. Peter Heilig, Dr. Norbert Koeller, Dr. Stefanie Schmickler, Dr.
Stephan Schulz, Prof. Paulo Stanga, Johannes Sträßer, Susanne Wolters
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85 Euro / 9 Ausgaben Deutschland, Ausland 98 Euro
Fachzeitschrift mit
geprüfter Auflagenzahl
Druckauflage 2. Quartal 2015
6.100 Exemplare
Verbreitete Auflage: 5.948 Exemplare
31
alterungsprozesse
Fit im Alter: Forscher suchen nach Wegen, die Lebensspanne zu vergrößern, in der die Menschen gesund sind
Mit Medikamenten
das Altern aufhalten?
US-amerikanische Forscher wollen beweisen, dass sie das Auftreten von altersbedingten
Erkrankungen durch ein späteres Einsetzen des Alterungsprozesses grundsätzlich aufschieben können. Sie planen eine groß angelegte Medikamentenstudie mit dem Antidiabetikum Metformin. Von Dr. Constanze Augustin.
W
issenschaftler des Albert Einstein College of Medicine in New York wollen das mögliche Verzögern des Alterungsprozesses untersuchen. Gewöhnliche Therapien altersbedingter Erkrankungen führen
dazu, dass die Patienten dann an einer anderen altersabhängigen Erkrankung versterben, sagt Nir Barzilai, ein Physiologe der Forschungsgruppe. Diese will nun mit Hilfe der Studie
beweisen, dass man das Auftreten von Erkrankungen durch
32
ein späteres Einsetzen des Alterungsprozesses grundsätzlich
aufschieben kann. Das orale Antidiabetikum Metformin soll
Tausenden von Menschen verabreicht werden, die bereits Tumorleiden, Herzerkrankungen oder kognitive Beeinträchtigungen aufweisen bzw. ein Risikoprofil dafür haben. Patienten
mit Typ 2- Diabetes können nicht in die Studie eingeschlossen
werden, da Metformin bereits zur Therapie dieser Erkrankung
eingesetzt wird.
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
Foto: bigstockphoto.de
medizin
alterungsprozesse
Der Alterungsprozess als Fehlregulation
des Organismus
Es soll evaluiert werden, ob die Medikation die Entwicklung
von Krankheiten, an denen die Studienteilnehmer nicht bereits
erkrankt sind, sowie Diabetes und frühen Tod verhindern kann.
Falls diese Studie Erfolge zeigen sollte, wäre sie ein Präzedenzfall dafür, dass der Alterungsprozess eine Fehlregulation des
Organismus ist, die mit Medikamenten angegangen werden
kann. Das würde sicherlich dazu führen, die Erforschung der
verschiedenen Alterungsvorgänge mehr als ausreichend zu finanzieren bzw. völlig neue Forschungsanstrengungen zu etablieren. Stephanie Ledermann von der American Federation
for Aging Research in New York erklärt dazu jedoch, die Forschungsgruppe wolle vermeiden, dass die Vorstellung entstehe,
sie suche nach einer Quelle der Jugend. Man versuche, die Lebensspanne zu vergrößern, in der die Menschen gesund leben,
und suche nicht nach dem ewigen Leben.
Forschungen zum Altersprozess haben im letzten Jahrzehnt
viele Rückschläge erlebt, da einige Unternehmen, die angeblich lebensverlängernde Medikamente vermarkteten, insolvent
wurden. Die Organisatoren der jetzigen TAME (Targeting
Aging with Metformin)-Studie glauben jedoch, dass durch
Tierstudien eine bessere Ausgangssituation für neue Studien
gegeben ist. Diese haben gezeigt, dass einige Medikamente
und ein bestimmter Lebensstil das gesunde Leben durch Beeinflussung physiologischer Leitungsbahnen verlängern können.
Eine Medikamentenstudie fand bereits im Dezember vergangenen Jahres am Novartis Institute for Biomedical Research
in Cambridge, Massachusetts, statt. Hier wurde gezeigt, dass
durch den Einsatz eines Rapamycin-ähnlichen Wirkstoffs ältere Menschen nach einer Influenzaimpfung eine stärkere Immunantwort entwickelten. Rapamycin, das bisher gegen Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantationen zum Einsatz
kam, ist offensichtlich auch in das Zellwachstum involviert und
wird nun als eines der vielversprechensten Medikamente zum
Verzögern des Alterungsprozesses angesehen. Bei langer Anwendung unterdrückt Rapamycin jedoch das Immunsystem.
In der geplanten TAME-Studie wird jedoch das altbekannte
Medikament Metformin eingesetzt, das die Glucoseproduktion der Leber unterdrückt und die Sensitivität der Organe Insulin gegenüber erhöht. Metformin ist seit mehr als 60 Jahren
im Einsatz, gilt als sicher und zeigt im Tierversuch eine Verlängerung der gesunden Lebensspanne bei Würmern und einigen
Mäusestämmen. Die Daten lassen vermuteten, dass es auch
Herzerkrankungen, Tumorleiden, den kognitiven Abbau und
den Tod bei Diabetikern hinauszögern kann. Geplant ist nun,
rund 3.000 Probanden, die zwischen 70 und 80 Jahre alt sind,
in etwa 15 Zentren der USA in die Studie einzuschließen. Diese ist für einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren angesetzt
und wird voraussichtlich etwa 50 Millionen US-Dollar kosten,
wobei aktuell noch kein Finanzierungskonzept feststeht.
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medizin
CH3
H 3C
H
N
N
NH
NH2
NH
Die chemische Formel von Metformin
Matt Kaeberlein, der an der University of Washington, Seattle,
eine Rapamycin-Studie an älteren Hunden durchführt, begrüßt
das Konzept der New Yorker Forschungsgruppe um Barzilai.
Zwar gibt es sicherlich effektivere Medikamente, um den Alterungsprozess zu untersuchen, die große Erfahrung und die bereits gesammelten Daten über eine Metformintherapie machen
das Medikament jedoch zu einem geeigneten Kandidaten für
erste Versuche am Menschen. Außerdem regt Barzailai die US
Food und Drug Admistration (FDA) hiermit auf geschickte
Weise an, den Alterungsprozess selbst als geeignetes Ziel für
klinische Studien anzusehen.
Es bleibt nun abzuwarten, ob die Forschungsgruppe eine geeignete Finanzierungsmöglichkeit zur Durchführung der Studie findet und welche Daten uns diese gegebenenfalls in den
nächsten Jahren liefert.
Quellen:
1. Erika Check Hayden, Ageing pushed as treatable condition, Nature Vol 522, p.265-266
2. Onken B, Driscoll M (2010) Metformin Induces a Dietary Restriction–Like State and the
Oxidative Stress Response to Extend C. elegans Healthspan via AMPK, LKB1, and SKN-1.
PLoS ONE 5(1): e8758.
3. Richard A. Miller et al, Rapamycin, But Not Resveratrol or Simvastatin, Extends
Life Span of Genetically Heterogeneous Mice, J Gerontol A Biol Sci Med Sci. 2011
February;66A(2):191–201
4. Joan B. Mannick et al., mTOR inhibition improves immune function in the elderly, Sci
Transl Med 6, 268ra179 (2014).
Metformin
ist ein orales Antidiabetikum aus der Gruppe der Biguanide, das vor allen bei präadipösen und adipösen Patienten zur Behandlung des nicht-insulinabhängigen Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt wird. Metformin steigert
den Prozess der Glucoseaufnahme im peripheren Gewebe
und vermindert die Gluconeogenese in der Leber. Der
Blutzucker sinkt hierdurch. Das Medikament ist eines der
ältesten und am häufigsten verschriebenen und klinisch
erprobten oralen Antidiabetika. Zahlreichen Studien zufolge verringert Metformin als einziges orales Antidiabetikum das Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen
von Typ-2-Diabetikern, womit ein guter Grund besteht,
dieses Medikament unter dem Aspekt „Prävention und
Alterungsprozess“ näher zu betrachten.
33
serie ernährung
kapitel 7.II
Mikrobiom
Saures und immunologische Abwehr
Ernährung, Gesundheit, Altern und Prävention – in dieser Serie geht es um Themen, die in der
Diskussion stehen, um Aktuelles zu „Gesundheits-Wertstoffen“. Nachdem in Kapitel 7.I das
Mikrobiom als wichtiger „Körperteil“ im Darm des Menschen vorgestellt wurde, geht es in
Kapitel 7.II um Mikrobiom, Saures und immunologische Abwehr. Von Prof. Dr. Erich F. Elstner.
1. Mikrobiom und Immunität
„Dein Körper braucht´s! Tu` ihm gutes, gib ihm Saures“. Dieser
Spruch, so glaubt man, gilt im positiven Sinn nur für Sportler
als Ansporn zur Steigerung ihrer Leistungen, denn „gib ihm
Saures“ ist eher negativ belegt und mit hartem Durchgreifen,
starker Belastung oder gar Schmerz verbunden. Der gleiche
Spruch kann im positiven Sinn auch für unsere Ernährung gelten, denn Metschnikoff sagte es schon 1908: Sauerprodukte
können dank ihrer bakteriellen Begleiter vor zahlreichen Krankheiten schützen. Neueste Berichte über die Stärkung und Zusammensetzung unseres Mikrobioms bestätigen diese Aussage.
Unser Mikrobiom war schon immer entscheidend für unser adaptives Immunsystem, denn es spielt seit unserer frühen Evolution eine symbiotische Rolle und passt sich kontinuierlich an
alle Änderungen unserer Lebensweisen an. Dies lässt sich u.a.
aus dem „Human Microbiome Project“ ableiten (YK Lee and
SK Mazmanian, Science. 2010 Dec. 4;330 (6012): 1768-73).
1.1. Hilfe bei Immunleistungen
Darmbewohner unterdrücken schädliche Bakterien durch
Entzug von Nährstoffen, nützliche Bakterien wie Bifiduskeime und Lactobazillen konkurrieren mit fakultativ pathogenen
durch Konkurrenz um Adhäsionsmoleküle. Defensin- (d.h.
Abwehrpeptid) produktion und niedriger pH-Wert durch
Der Biochemiker und Mikrobiologe
Prof. Dr. rer. nat. Erich F. Elstner ist
Em. Ordinarius der TU-München,
Wissenschaftszentrum Weihenstephan,
Lehrstuhl für Phytopathologie
34
Milchsäurebakterien hemmen das Wachstum fakultativ anaerober Enterokokken, Streptokokken, Staphylokokken oder
obligatorisch anaerober Eubakterien und Clostridien durch
Fermentierung von Nährsubstraten (Zucker) und Bildung
kurzkettiger (entzündungsmodellierender) Fettsäuren. Viele
Milchsäurebakterien bilden auch sogenannte Bakteriozine d.h.
Proteine, die konkurrierende Bakterien hemmen.
1.2. Darmschleimhaut und Enterozyten
Die Darmschleimhaut bildet in den ersten beiden Lebensjahren den Mukosablock aus, eine Schleimhautbarriere, die
dem Schutz vor Infektionen dient. Das sogenannte Darmassoziierte lymphatische Gewebe (GALT= gut associated
lymphoid tissue, dtsch. MALT), besteht aus Peyerschen Plaques, mesenterialen Lymphknoten und immunkompetenten
Zellen in der Mukosa. Seine Aktivität wird durch die Darmflora gesteigert. Auf dieser Annahme fußt auch die HygieneHypothese, d.h. dass eine eingeschränkte Aktivierung des
mukosalen Immunsystems durch Bakterien atopische Erkrankungen begünstigt (siehe 2.2.).
Eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte
Studie der Arbeitsgruppe um Prof. Erika von Mutius (Kinderklinik der LMU, München) verfocht diese Hypothese
erstmals, indem sie bei Bauernkindern eine gewisse Pollentoleranz konstatierte. Grund hierfür sind Zytokine, die nach
dem Kontakt mit bakteriellen Toxinen TH1-Helferzellen
stimulieren. Bei Stadtkindern ist die Immunlage eher zur
TH2-Reaktion verschoben, die die Allergie kennzeichnet
(s.u.). Vermutlich erfolgt eine immunologische Reaktion am
induktiven Ort des mukosalen Immunsystems in Reaktion
auf luminale Antigene; dabei werden Mikroorganismen über
die epitheliale Barriere entweder durch Microfold-Zellen (MZellen) oder Dendritische Zellen aufgenommen und zu den
Peyerschen Plaques transportiert, wo T- und B-Lymphozyten
durch antigenpräsentierende Zellen aktiviert werden. Ein Teil
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
kapitel 7.II
serie ernährung
der aktivierten Lymphozyten wandert in die Lamina propria,
d.h. es sind bei jeder Nahrungsaufnahme immunkompetente
Zellen in der gastrointestinalen Schleimhaut zugegen. Es
gibt demnach immunregulatorische Mechanismen, die eine
überschießende Immunantwort dreier verschiedener Typen
von T-Helferzellen modulieren, die aus der gemeinsamen TVorläuferzelle (TH0) entstehen:
TH1-Zellen sezernieren nach der Aktivierung durch antigenpräsentierende Zellen hauptsächlich Interleukin-2, Interferongamma (INF-g) und Tumornekrosefaktor-β. TNF-β aktiviert
wiederum Makrophagen, die daraufhin IL-1, IL-6 und TNF-α
ausschütten. Die Zytokine der TH2-Zellen (IL-4, IL-5, IL-6,
IL-9, IL-10, IL-13) stimulieren bevorzugt die Bildung von Antikörpern (IgE) durch Plasmazellen.
In diesem komplizierten Zusammenspiel der Immunreaktion
hemmt eine T-Zellgruppe die jeweils andere durch ihre Zytokine. Nach bisherigem Kenntnisstand vermitteln TH2-Zytokine
allergische Reaktionen, die durch von der TH1-Zelle gebildete
Zytokine wie INFg antagonisiert werden.
Nach Allergenkontakt wird das Allergen von Antigen-präsentierenden Zellen den Lymphozyten angeboten. Die TH2Zellen erteilen dann den B-Zellen über die Zytokine IL-4 und
IL-13 den Befehl zur Produktion von IgE. Die IgE-Antikörper binden an Mastzellen, die nach erneutem Kontakt mit
dem Allergen Substanzen wie Histamin, Leukotriene usw.
ausschütten und die allergische Sofortreaktion in Gang setzen. Von TH2-Zellen freigesetztes IL-5 aktiviert außerdem
eosinophile Lymphozyten. Diese lösen in der Nasen- und
Bronchialschleimhaut die allergische Spätreaktion aus. Die
von Eosinophilen produzierten Substanzen unterhalten und
chronifizieren die allergische Entzündung, sodass eine Überempfindlichkeit in den Bronchien eines Asthmatikers bestehen bleibt. Das Gleichgewicht zwischen TH1- und TH2-Zellen ist bei Allergien zugunsten der TH2-Zellen verschoben.
Andererseits gilt für chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Im Darm eines gesunden Menschen herrscht ein
Gleichgewicht an Zytokinen. Protektiv wirkt das IL-10, das
TNF-α inhibiert. Bei Patienten mit chronisch entzündlichen
Darmerkrankungen ist die Balance der Zytokine zugunsten
der TH2-Zellen erheblich gestört.
1.3. Interleukin 10 unterdrückt eine
überschießende Immunantwort
Interleukin 10, das die proliferative Aktivität von T-Lymphozyten und TNF-α hemmt, wird nicht spontan in Enterozyten
produziert, sondern durch drei im Darmepithel vorhandene
Mechanismen induziert:
a) Intraepitheliale Lymphozyten haben Rezeptoren für bakteri-
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
Abb. 1: Immunmodulatorische Zellwandkomponenten der Milchsäurebakterien
elle Produkte, geben IL-26 ab, das Il-10 induziert.
b) Toll-like-receptors in Epithelzellen: Diese Rezeptoren für
mikrobielle Strukturen induzieren IL-10.
c) Dendritische Zellen halten zwischen Epithelzellen hindurch
Kontakt zur Flora und induzieren IL-10.
Die Wirksamkeit dieser Mechanismen ist an die Funktionen
des Epithels geknüpft, was erklärt, weshalb Probiotika bei Colitis ulcerosa und Pouchitis zwar positive Ergebnisse in Bezug
auf einen Remissionserhalt zeigen, jedoch beim aktiven Schub
nichts ausrichten können, denn ein intaktes Darmepithel ist
die Voraussetzung für die Supprimierung überschießender entzündlicher Immunreaktionen.
Eine weitere Möglichkeit wird in dem Gen NOD2 gesehen.
Patienten mit einer NOD2-Mutation bilden weniger Defensine, antimikrobiell wirkende Proteine („körpereigene Antibiotika“), die in den Paneth-Zellen der Darmkrypten entstehen.
Das vermehrte Eindringen pathogener Bakterien aus der Nahrung in die Schleimhaut aktiviert vermutlich das Immunsystem
wie oben beschrieben, ruft in der Folge die typischen Entzündungsreaktionen hervor und wird anscheinend von Emulgatoren in der Nahrung erleichtert (s. Kap. 7.I.-4.4.).
2. Effekte von Milchsäurebakterien auf
die Modulation der Immunabwehr
Seit einiger Zeit gilt als erwiesen, dass Sauerprodukte, dank
ihrer bakteriellen Begleiter, vor zahlreichen Krankheiten schützen und das gesundheitliche Wohlbefinden aktiv unterstützen.
Daten aus der neueren Literatur, aber auch eigene neuere Untersuchungen belegen ziemlich lückenlos, dass sauer-fermentierte Lebensmittel (milchsaure Vergärungen von pflanzlichen
Produkten wie Sauergut im Bier, Sauerteig im Brot, Kaskadenfermentierung von Obst und Gemüsen, sog. „Regulate“)
die „Innate Immunity“, d.h. die unspezifische, angeborene
Resistenz gegen Infektionen steigern. Diese Aktivität ist auf
die Signalwirkung der Zellwand Gram-positiver Bakterien, zu
denen die Lactobacillen gehören, zurückzuführen. Es gibt
35
serie ernährung
kapitel 7.II
auch Belege dafür, dass für die wesentlichen Abläufe dieses
Geschehens nur die Zellwände oder gar nur Teile davon und
nicht generell die lebenden Zellen verantwortlich sind, obwohl
den lebenden Zellen darüber hinausgehende Funktionen zugeschrieben werden (siehe Abb. 1 vorige Seite).
2.1. Peptidoglykane (PGN) und Lipoteichonsäuren:
Signale für unspezifische Immunantwort
Die erste („angeborene“) Verteidigungslinie gegen Infektionen
bildet das „innate immune system“, also die Typ-1-Antwort.
Sie besteht in der Aktivierung von zytotoxischen Effektorzellen, sehr schnell nach dem Kontakt mit dem PGN: Es werden
Reaktive Sauerstoffspezies (ROS) wie Superoxid, Wasserstoffperoxid, unterchlorige Säure usw. und hydrolytische Enzyme
in das Phagosom sezerniert, um in einer entzündlichen Reaktion das Bakterium abzutöten. Dies ist ein komplexer Prozess: PGN wird von einem spezifischen „Muster-ErkennungsMolekül“ in der Membran der Immunzellen unseres Körpers
(TLR2 genannt) erkannt und mindestens drei PGN-AntwortProteine freigesetzt. Sie werden NOD-1, NOD-2 und Cryopyrin genannt und lösen weitere Antworten aus: die Produktion
der Proteine NFκB und sogenannter MAP-Kinasen. Noch
nicht genug, erst diese Proteine induzieren (über weitere Zwischenstufen wie Zytokine und Adhäsionsmoleküle) die eigentlichen „Inflammatorischen Mediator-Enzyme“, welche dann
die endgültigen „Vollzugsmoleküle“, also die ROS usw. produzieren, die dann letztlich den Eindringling vernichten. Ein
wahrhaft komplexes Geschehen, das man aber auf den einzelnen Stufen im Labor nachvollziehen kann. Nicht genug: Das
Ganze ist noch komplexer, denn in der Natur geht nichts ohne
Regulation bzw. Gegensteuerung, die für Schutz gegen eine
Überreaktion sorgt. Das hat sich anscheinend in der langen
Menschheitsgeschichte so eingependelt.
2.2. Die Hygiene-Hypothese
Die Hygiene-Hypothese der Immunologen und Epidemiologen
besagt (und es gibt gute Hinweise aus verschiedenen Entwicklungsbereichen und Populationen dafür), dass ein intensiver
Kontakt mit dem Kuhstallmilieu oder dem parasitären Umfeld
der Wildnis („Urwaldhypothese“!) in frühkindlichem Alter,
später in der Entwicklung, also in höherem Alter, zu einer Verminderung von Allergien oder Asthma führen kann. In neuester
Zeit ist es gelungen, die Befunde aus der Milchsäureforschung
(Immunmodulation durch Genuss von Probiotika wie Joghurt)
mit der Kuhstallhypothese zu verbinden:
Stallstaubextrakt aus Stäuben traditioneller Alpenbauernhöfe bewirkt in einem Mäuse-Asthma-Modell einen gewissen
Schutz. Dazu wurden im Experiment Mäuse mit einem Sensibilisator (Ovalbumin-behandelte dendritische Zellen, BMDC)
36
in den Nasenhöhlen vorbehandelt und danach mit Ovalbumin
provoziert. Bei den so behandelten Mäusen kam es zu einer
massiven Infiltration der Atemwege mit Entzündungszellen,
den eosinophilen Granulozyten, d.h. zur Auslösung einer entzündlichen Asthmareaktion. Werden die dendritischen Zellen
dagegen nicht mit Ovalbumin, sondern mit Kuhstallstaubextrakt vorbehandelt, so wird diese Reaktion nicht ausgelöst. Man
stellte außerdem fest, dass die mit Kuhstallstaubextrakt vorbehandelten Dendritischen Zellen das Interleukin 10 (IL-10) produzieren. Wurde die IL-10-Produktion mit einem Antikörper
gegen IL-10 „neutralisiert“, so wurde die allergisierend Wirkung zum Teil wieder hergestellt (M. Peters et al : Stallstaubextrakt beeinflusst die immunstimulierende Aktivität von Dendritischen Zellen (DC): Allergo Journal 1, (2007), 40, V25).
Man könnte aufgrund dieser Befunde davon ausgehen, dass die
Polarisierung von Dendritischen Zellen in den Schleimhäuten
durch Komponenten des Staubextraktes in die entgegengesetzte, antientzündliche/antiallergische Richtung gelenkt wird,
wie es das folgende Flussschema anzeigt:
TH-Polarisierung durch DC
DC
T-Zell-Aktivierung
naive T-Zelle
IL-10, TGFβ
Treg
unterdrückt
TH1 und TH2
àToleranz
TH2
allergische
Reaktion
IL-12
TH1
aktiviert
zelluläre Immunantwort
Abb. 2: Von der allergischen Reaktion (TH2) zur Toleranz (Treg) (nach Prof. Treidl-Hoffmann;
LS Dermatologie der TU-München)
Vom Forschungszentrum Borstel kam eine weiter Annäherung
an dieses Phänomen: Da die Balance zwischen den aktivierten
T-Zellen (TH1, TH2 versus Treg) anscheinend von grundlegender Bedeutung zu sein scheint, ist man dem Aktivierungsweg durch das „farming environment“, also der „Kuhstallhypothese“, weiter nachgegangen: Gram-positive Bakterien von
Lactococcus lactis Stamm G121, isoliert aus „Kuhabrieb“ (also
der Oberfläche d.h. aus Haut und Haar von Kühen) können
die allergische Reaktion im Mausmodell vermindern. Die
Autoren (J. Debarry et al: Allergy-protecitve properties of
Lactococcus lactis strain G121: importance of intracellular receptors. Allergo Journal 1, (2007), 40, V26) schlagen ein Modell vor, bei dem vermutlich der Rezeptor NOD 2 an dieser
Signalkette beteiligt ist (s.o.) welcher durch IL-10 hochgeregelt
wird und seinerseits wichtige Meldesubstanzen wie z.B. IL-8
induziert. Somit ist zumindest in Ansätzen ein Weg der Immunmodulation im Sinne der Desensibilisierung von Allergien
durch ländliche Umwelt vorgezeichnet und auch hier scheinen
Milchsäurekeime beteiligt zu sein.
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
GleitsichtKontaKtlinsen
2.3. Wer oder was entscheidet, in welche
Richtung es geht?
Arbeiten von Grangette et al. (2005, Proc. Natl. Acad. Sci.,
102, 10321) und Foligne et al, (2007, J. Gastroenterol., 13, 236)
geben auf die oben gestellte Frage vielleicht eine schlüssige
Antwort: Sie belegen mit Mäuse-Modellen, dass das antiinflammatorische Potenzial der Lactobazillen auf der Induktion
eines hohen IL-10/IL-12-Verhältnisses beruht, abhängig vom
Prozentsatz des D-Alanin- (D-Ala)-Gehaltes in der Teichonsäurereste: Das hieße im Klartext, ein hoher Alanylierungsgrad der Teichonsäure in der Zellwand der jeweiligen Bakterien
induziert in Immunzellen den entzündungsauslösenden Pfad,
wenig D-Ala polt um auf eine höhere Toleranz. Also ein metabolisches Pendel durch D-Alanin (vgl. CONCEPT Ophthalmologie 05/2013, S. 30f.).
Dass sich Dendritische Zellen umpolen lassen, wurde im vorangegangenen Kapitel 7.I unter 2.1. diskutiert. Ein weiterer
Befund untermauert das: Ein hohes IL-10/IL-12-Verhältnis
induzierte in Dendritischen Zellen in einem Colitis-Modell der
Maus in vivo eine deutliche Abschwächung der (chemisch!)
provozierten Entzündungsreaktion des Darmes. Damit würden sich, abhängig vom pro- bzw. anti-inflammatorischen
Potenzial der verwendeten Bakterienstämme, zahlreiche Ansätze für Prophylaxe und Therapie von Allergikern und/oder
immunschwachen Patienten bieten. Diese Eigenschaften sind
für jeden einzelnen der vielen bekannten Arten und Stämme
der Milchsäurebakterien spezifisch, eben abhängig vom Bau
der Zellwände. Dazu gesellen sich noch Interaktionen (synergistisch oder gegenläufig!) mit anderen, z.B. Gram-negativen
Mikroorganismen (L.H. Zeuthen et al (2006), Clin. Vacc. Immunol. 13, 365. Siehe auch Kap. 7.III und 8). Durch geeignete
Kombination von entsprechenden Zellwandpräparaten ließen
sich womöglich Patienten einstellen, wozu man aber keine lebenden (probiotische!) Keime mehr bräuchte? Besonders bei
entzündlichen Darmerkrankungen spielen genau diese Prozesse anscheinend eine wesentliche Rolle, wie erst kürzlich wieder beschrieben wurde (Biomed Res Int. 2015; 2015: 505878.
published online 2015 Feb 22. doi: 10.1155/2015/505878).
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Neueste Meldung von dpa und spiegel-online am 4.9.015: Erika
von Mutius (München), Martijn Schuijs (Universität Gent) und
ein internaionales Wissenschaftlerteam berichteten in Science
über Mäuseversuche und Neues aus dem Kuhstall: Zellwandbestandteile von Bakterien (Endotoxine) aktivieren demnach
ein neu entdecktes Enzym (A20), das sich in der Schleimhaut
der Atemwege befindet und im aktivierten Zustand die Entzündungskaskade blockiert, die zu allergischem Asthma führt.
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
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Lesen Sie in der nächsten Ausgabe Kapitel 7.III:
Die „Dressur“ Dendritischer Zellen.
Wie mit neuen Methoden die Balance zwischen pro- und antiinflammatorischen Aktivitäten moduliert werden kann.
Zoom-Hotline: +49 (0)43 22 750-500
praxisführung
shop-verwaltung
Sichere Kassenlösung
für die Praxis
Ein virtuelles Büro für Verwaltung und Abrechnung, dazu eine virtuelle Kasse, mit der Waren
verkauft werden – zertifiziert und „steuerfest“. Zwei Apps für den Praxis-Shop machen dies
nun schnell und einfach möglich. Ein Augenarzt und ein IT-Experte haben sie entwickelt.
Foto: Koeller
jederzeit zur Verfügung stehen, mit dem Versprechen, den eigenen Praxis-Shop fest im Griff zu haben. Ohne örtlich gebunden zu sein, kann man Preise anpassen, neue Produkte
anlegen, Umsätze einsehen oder Abrechnungen klären. Wie
auch in der Realität sind Büro und Kasse klar getrennt und
organisatorisch voneinander unabhängig. Zugänge können je
nach Rolle eines Mitarbeiters angelegt werden. Für den Zugang zum Büro benötigt man einen Benutzernamen und ein
Passwort, für die Kasse eine Kassierernunmmer und eine PIN.
Augenarzt Dr. Norbert Koeller (links) und Diplom-Informatiker René Frauli zeigen auf dem
iPad, wie ihre Apps funktionieren, die gemeinsam ein Inkasso-Komplettsystem bilden
A
ls vor etwa fünf Jahren bei einem befreundeten Augenarzt die Shop-Kasse ein Defizit von über 8.000 Euro
auswies und mir dadurch bewusst wurde, dass eine exakte Kassenkontrolle dringend notwendig ist, waren mir die damaligen Kassensysteme zu unübersichtlich, zu aufwendig und
zu teuer“, berichtet Augenarzt Dr. Norbert Koeller aus Herford.
Mit René Frauli, IT-Spezialist und mit Koeller verwandt, kam
ihm die Idee, etwas Eigenes zu entwickeln. Frauli brachte die
nötige Expertise mit und ihn reizte die Aufgabe, für kleine Unternehmen etwas Frisches, Dynamisches und dabei Einfaches
zu kreieren. Das Ergebnis: eine hochmoderne Cloud-Lösung,
bestehend aus zwei Apps, die aus dem AppStore auf jedes iPad
heruntergeladen werden und intern miteinander verbunden
sind. Sie bilden ein Inkasso-Komplettsystem.
Die App „iShop“ ist ein virtuelles Büro und die App „iCash“
die virtuelle Kasse. Virtuell heißt, dass „Büro“ und „Kasse“ in
der Cloud zur Verfügung gestellt werden. Funktion und Speicherung liegen zentral auf Rechensystemen, die Apps sind
Benutzerschnittstellen. Funktional gesehen werden mit iShop
Verwaltungs- und Abrechnungsaufgaben erledigt und mit iCash
Waren verkauft, beispielsweise Nahrungsergänzungsmittel,
Kontaktlinsen oder -Pflegemittel, aber auch IGeL-Leistungen.
Der Vorteil gegenüber einem realen Büro und einer stationären
Kasse liegt darin, dass beide in Form des iPads überall und
38
Frauli und Koeller haben mittlerweile eine eigene Firma gegründet: die F + K IT Solutions UG. Ihr Slogan: „FK green IT For
a better world!“ macht deutlich, wie wichtig ihnen Nachhaltigkeit ist. Die mehrfach gesicherte Server-Infrastruktur steht in
Deutschland und wird zu 100 Prozent mit Ökostrom betrieben.
Die Daten selbst sind integer, d.h. nicht veränderbar und damit
nicht manipulierbar. Das Ganze ist zertifiziert und, so die Entwickler, fair im Preis. Für eine Kassenlizenz müssen derzeit pro
Monat knapp unter zehn Euro bezahlt werden, ein Jahresabo ist
noch günstiger. Ein eigener Rechner ist nicht nötig. Die Software
beschränkt sich auf die beiden Apps und einen iCloud-Account
für die Datensicherung. Als Hardware braucht man ein iPad mit
WLAN, einen Belegdrucker, eine Kassenlade sowie optional einen EC-Kartenleser und Barcode-Scanner.
Zielgruppe sind alle Ärzte, die IGeL-Leistungen bar abrechnen
oder auch nebenberuflich Medizinprodukte anbieten. Bisher
gehören mehrere Augenärzte sowie eine Zahnarztpraxis und
auch neuerdings ein Frisörladen zu den Kunden. Die Apps
berücksichtigen bereits die neue Rechtslage (GoBD): Ab 2017
erfüllen nur noch sogenannte geschlossene Kassensysteme
für alle Gewerbetreibenden/Shops die gesetzlichen Anforderungen. Ausnahmen gibt es nur noch in ganz wenigen Fällen.
2016 ist als Übergangsjahr festgesetzt. „Alle Tagesabrechnungen sowie Monatsaufstellungen für den Steuerberater sind
schnell verfügbar. Kasseneinnahmen können diesbezüglich
nicht angezweifelt werden. Somit gibt es in der Regel auch keinen Bedarf einer Hinzuschätzung des Finanzamtes“, erläutert
Koeller die Vorteile dieses Systems. Interessierte können iShop
und iCash mit dem iPad kostenlos im AppStore herunterladen.
Für die Zukunft können die beiden Tüftler sich die Weiterentwicklung dieser Apps vorstellen, etwa für Warenlogistik.
Von Susanne Wolters
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
geldanlage
finanzen
Regelmäßige Erträge –
ein komfortables Ruhekissen
Eine Basisgrundrente plus regelmäßige Kapitalerträge würde einen komfortablen Ruhestand ermöglichen. Doch worauf soll man setzen? Gut ausgesuchte, zuverlässige Aktientitel bieten sich hier an.
D
as makroökonomische Umfeld spielt die wichtigste
Rolle: Die niedrigen Zinsen sollten auf Dauer nicht
bleiben, weil Sparer und auch Banken für getragene
Risiken nicht mehr belohnt werden. Banken vergeben in dieser
Situation ungern Kredite, weil sie nichts mehr daran verdienen,
was wiederum Unternehmen in finanzielle Engpässe bringt und
die Wirtschaft zurückfallen lässt. Andererseits könnten bei den
aktuellen Staatsverschuldungen bei markanter Zinserhöhung die
Kapitaldienste nicht mehr geleistet und der Ruf nach einem allgemeinem Schuldenerlass noch lauter werden. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, wenn in manchen Publikationen ein
„globaler Schuldenschnitt“ als unausweichlich betrachtet wird.
Wir sehen derzeit weiter einen Verfall des Goldpreises, der Ölpreise und einen Kurseinbruch der Märkte in China. In solchem
Kontext eine Zinserhöhung durchzusetzen wäre kontraproduktiv, auch wenn immer wieder davon gesprochen wird.
Aktien als „Fels in der Brandung“
Als „Fels in der Brandung“ erscheinen daher im Moment gut
ausgesuchte Aktien, weil beim Vergleich Aktien vs. Anleihen
die Aktienrendite um ein Vielfaches höher scheint, die relative
Sicherheit ist es sowieso. Absolut sicher ist auf dieser Welt gar
nichts, aber sorgfältig ausgesuchte Blue Chips mit guter Historie scheinen im Moment vernünftig. Wenn man sich ein passables Zusatzeinkommen verschaffen will, dann könnte man
nachdenken über einige besonders zuverlässige Titel. Wollen
wir uns die Umstände mit der Rückerstattung der Quellensteuer ersparen, dann könnten wir uns eine McDonalds ins Depot
legen. Sie hat den Charme, dass viermal im Jahr ausgeschüttet
wird. Wenn vorher ein Formular ausgefüllt wird (W8-Ben), wird
die Quellensteuer angerechnet, werden Kirchensteuer und Soli
berücksichtigt. Der Betrag, der dann auf dem Konto landet,
ist das Nettoergebnis. McDonalds hat seine Ausschüttung seit
1976 jedes Jahr gesteigert, auch im nächsten Jahr können wir
von einer etwa zehnprozentigen Dividendenanhebung ausgehen. Ähnliches gilt für die amerikanische 3M: Seit 1917 schüttet
sie ununterbrochen aus, in den letzten 57 Jahren wurde die Dividende jährlich erhöht. Wer heute 1.000 Euro investiert, kann
mit einer Bruttodividende von 25 Euro rechnen, die im Schnitt
jährlich um etwa 10 % ansteigt. Noch höher ist die Bruttodividende bei McDonalds mit etwa 3,3 % p.a.
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
Geradezu exorbitante Dividendenrenditen sind im Moment bei
Öltiteln oder Bergbaukonzernen zu erzielen: Deren Kurse sind
niedrig, die Bruttodividenden hoch – rund 6 % bei einer Royal
Dutch oder auch bei einer BHP oder einer Anglo American.
Hier können wir genauso gut wie ein Finanzanalyst überlegen,
ob die derzeitige Ölschwemme auf den Märkten anhält oder
doch irgendwann ein „peak oil“ erreicht wird. Bei anhaltend
tiefen Ölpreisen, bei dem Vormarsch der erneuerbaren und alternativen Energien könnte es sein, dass diese Firmen weniger
verdienen und damit auch weniger ausschütten und deren Kurse abtauchen. Andererseits fahren große Teile der Weltbevölkerung in Afrika oder Asien (noch) kein Auto. Es scheint daher
unwahrscheinlich, dass die fossilen Energien sich auf Sicht der
nächsten Jahre gänzlich auf dem Rückzug befinden.
Ausdrücklich erwähnt werden sollen Aktien aus Großbritannien, weil die anfallende Quellensteuer sofort mit der deutschen
verrechnet wird. Wer es mit seinem Gewissen vereinbaren kann,
eine „Raucheraktie“ wie British American Tobacco zu besitzen,
wird sich über mehr als 4 % Bruttodividende freuen. Wem hier
das Gewissen schlägt, der könnte sich eine GSK (Glaxo-SmithKline) ins Depot legen, die derzeit eine Dividendenrendite von
mehr als 6 % (!) aufweist und diese nach eigenen Angaben auch
die nächsten Jahre so beibehalten will.
Gute stabile Aktien mit hoher Ausschüttung sind daher zusätzliche Standbeine für jedes Alter. Ihre relative Sicherheit im Vergleich zu anderen Anlagen, insbesondere zu festverzinslichen
Papieren, erscheint eher größer, weil ein Totalverlust extrem
unwahrscheinlich ist. Wenn jemand fragen sollte, wann man
solche Aktien wieder mal verkaufen sollte, muss die Antwort
heißen: am besten niemals!
Dr. med. Georg Eckert, der Autor unserer
Serie „Geld anlegen – aber richtig“, ist
niedergelassener Augenarzt in Senden bei
Ulm, Pressesprecher des Berufsverbands
der Augenärzte (BVA) – und Aktienkenner.
Darüber hat er ein Buch geschrieben: Die
Privatanleger Bibel, FinanzBuch Verlag,
München 2010, 205 S., 12,95 Euro,
ISBN: 978-3898796132
39
update
aus den unternehmen
Heidelberg Engineering
Die Mischung macht’s
Medizinische Geräte erklären sich nicht von selbst. Die Arbeit damit ist nur erfolgreich, wenn
Anwender sie verstehen und sicher damit arbeiten können. Die Industrie weiß das und bietet vielfältige Schulungsmöglichkeiten wie z.B. E-Learning-Tools an. Wie diese funktionieren
und welchen Stellenwert sie haben, erklären die Experten von Heidelberg Engineering.
D
as Unternehmen hat für Training, Schulung und
Fortbildung rund um seine Geräte bereits vor 15
Jahren die Heidelberg Engineering Academy gegründet. Sie bietet für jedes Produkt verschiedene Formate
an, von der individuellen Einweisung zur Bedienung der Geräte in der Praxis durch die klinischen Trainer über zahlreiche
Aus- und Fortbildungen zur Interpretation und Auswertung
der verschiedenen bildgebenden Verfahren bis zur Durchführung von national und international anerkannten Fachsymposien. Weiterführende Kurse für Assistenzpersonal und
Ärzte sowie Spezial-Themenabende werden deutschlandweit
angeboten.
Zur Ergänzung gibt es neben den „klassischen Kursen“ eine
Reihe von E-Learning-Angeboten. Sie umfassen ein breites
Angebot von interaktiven Video-Tutorials mit Simulationen
der Software und direkt anschließenden Übungen, VideoTutorials wie z.B. aufgezeichnete Fachvorträge zu aktuellen
klinischen Themen und PDF-Tutorials als Leitfäden für die
tägliche Arbeit. Die Academy-App ermöglicht den einfachen
und kostenlosen Zugriff auf alle aufgezeichneten Schulungsinhalte. Wir haben mit dem Leiter der Academy, Dr. Stephan
Schulz, und E-Learning Managerin Chris Fischer über diese
moderne Form des Lernens gesprochen.
Welche Vorteile bietet E-Learning im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren für die Kunden – und für Ihr Unternehmen?
Dr. Stephan Schulz: Der Kunde profitiert vor allem davon,
dass Lerninhalte an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr zur
Verfügung stehen. Jeder lernt, wann er Zeit hat, wo er will und
in seinem individuellen Lerntempo. Die Erstellung der Lerninhalte zwingt uns als Unternehmen, uns darüber Gedanken zu
machen, komplexe Lerninhalte kompakt zum Selbststudium
zur Verfügung zu stellen.
Chris Fischer: Den Einstieg in eine Software erklären wir mit
1:1 Simulationen in unseren interaktiven Video-Tutorials so nah
an der Realität wie möglich, wodurch für die spätere, eigene
Anwendung ein hoher Lernerfolg zu erwarten ist. Eine weitere
große Stärke ist die Flexibilität der Nutzung. Ob am Feierabend
auf der Couch, in der Klinik während Pausen, im schnellen
Durchgang oder bei Bedarf ganz ausführlich mit mehrfachen
Wiederholungen – das kann der Lerner individuell entscheiden.
Für uns eröffnet sich die Möglichkeit, sehr viele Kunden weltweit gleichzeitig erreichen und schulen zu können. E-Learning
wird gern in den direkten Vergleich zu traditionellen Lernformen wie Seminare etc. gebracht, die es eventuell zu verdrängen droht. Dabei ist das Verhältnis eher komplementär: Elektronisch unterstütztes Lernen greift da an, wo die Schwächen
von klassischen Präsenzformaten beginnen. Und diese Vorteile
wollen wir unseren Kunden zusätzlich bieten.
Alle Fotos: Heidelberg Engineering
Richtet sich das Angebot nur an Ihre Kunden?
Schulz: Unsere Trainingsinhalte sind für Anwender und Interessenten gleichermaßen. Je nach Format bieten wir auch
allgemeine klinische Lerninhalte, von denen jeder profitieren
kann. Interessenten bekommen bei der Durchführung unserer
Video-Tutorials ein Gefühl für unsere Produkte, ohne dafür
Geld auszugeben.
Chris Fischer ist E-Learning Managerin der Heidelberg Engineering Academy
40
Dr. Stephan Schulz ist Leiter der Heidelberg
Engineering Academy
Sind die Module interaktiv und gibt es einen begleitenden Tutor?
Fischer: Wir überlegen für jeden Lerninhalt, wie wir diesen didaktisch am besten aufbereiten. Ein sich oft anbietendes Format
sind interaktive Video-Tutorials: Der Lerner ist stets aktiv, wählt
seinen Lernweg selbst und wird in den Übungen zum Ausprobieren animiert. Zukünftig planen wir auf unserer Academy Lernplattform Online-Kurse anzubieten, die durch einen Trainer/
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
aus den unternehmen
update
(links) Ob in der Klinik während Pausen oder am Feierabend auf der Couch, im schnellen
Durchgang oder bei Bedarf ganz ausführlich: E-Learning kann ganz individuell genutzt werden
(oben) Die interaktiven Video-Tutorials geben sofort Feedback beim Training
Tutor betreut werden. Über alle E-Angebote hinaus sind aber
auch weiterhin immer unsere klinischen Trainer ansprechbar.
Gibt es die Möglichkeit von Lernkontrollen?
Fischer: Ja. Eine ganz besondere und effektive Form findet sich
in unseren interaktiven Formaten wieder: Nach der Demonstration von Arbeitsschritten kann der Kunde seinen Lernfortschritt
in der unmittelbar nachfolgenden Übung selbst überprüfen. Bei
jedem ausgeführten Arbeitsschritt bekommt er sofort direktes
Feedback. Das ist sehr angenehm, da man das erlernte Wissen
gleich anwenden und beliebig oft wiederholen kann.
Wie zeitaufwändig ist das E-Learning? Wie wird es genutzt?
Fischer: Unsere interaktiven Video-Tutorials sind bewusst flexibel konzipiert: Jeder Lerner ist anders und hat unterschiedlichen Lernbedarf, daher kann er aus verschiedenen Kapiteln
einfach selbst auswählen, was und wie viel er lernen möchte.
Jede Lerneinheit stellt einen sogenannten „Learning-Nugget“
dar – kurz, aber mit den wichtigsten Infos. E-Learning ist daher eine schnelle Art und Weise zu lernen. Es ist auch eine Frage des Lerntyps, aber bisher haben wir die Erfahrung gemacht,
dass unsere Kunden die interaktiven Lernangebote systematisch als Einführung in neu erworbene Produkte/Software
nutzen und damit trainieren. Darüber hinaus schätzen sie das
Tutorial als Nachschlagewerk.
Wie ist die Resonanz – lässt die sich überhaupt messen?
Fischer: Wir haben Feedback von Kunden bekommen und das
war überwiegend positiv. Wir wollten die Resonanz aber auch
objektiv und unvoreingenommen erfassen, deshalb haben wir
für unser eigenes Qualitätsmanagement ein Forschungsprojekt mit dem Studiengang „E-Learning und Medienbildung“
der Pädagogischen Hochschule Heidelberg durchgeführt. Die
Ergebnisauswertung zeigt, dass unsere Kunden besonders den
Aufbau und die einfache, verständliche Struktur der Lerninhalte zu würdigen wissen.
Wer erarbeitet die Lernmodule? Muss man dazu neben dem Fachwissen über didaktische Fähigkeiten verfügen?
Fischer: Definitiv! Die Inhalte erarbeiten wir als E-Learning
Experten in enger Zusammenarbeit mit unseren klinischen
Trainern und Produktmanagern, die ihr wertvolles und lang-
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
jähriges Fachwissen mitbringen. Unsere Lernmodule kombinieren also die didaktischen, klinischen und technischen
Fähigkeiten und Erfahrungen der Mitarbeiter. Nicht jeder
Lerninhalt bietet sich jedoch für die gleiche Art und Weise der
Vermittlung an. Auch passt nicht jedes Format für jede Zielgruppe und jeder Lerner hat unterschiedliche Bedürfnisse, die
es zu berücksichtigen gilt. Deshalb ist meines Erachtens die
Didaktik genauso wichtig wie der Lerninhalt selbst.
Macht das E-Learning auf Dauer „echte“ Referenten/Lehrer überflüssig?
Schulz: Den persönlichen Dialog, spontane Nachfragen und
die Lernkontrolle, wie sie im Rahmen eines klinischen Präsenzkurses stattfinden, kann das E-Learning nicht ersetzen.
Es ist aber eine vorzügliche Vorbereitung für einen Präsenzkurs. Bei kleinen Änderungen oder begrenzten Spezialthemen
der Anwendung unserer Produkte macht ein gut gemachtes
E-Learning den Einsatz eines Trainers aus Fleisch und Blut
durchaus überflüssig.
Wie sehen Sie die Zukunft des Lernens?
Fischer: In unserer Gesellschaft ist Zeit ein wichtiges Gut. Der
Wunsch nach kompakten und möglichst kurzweiligen Informationen zu Themen, die in einer bestimmten Situation gebraucht werden, ist eine logische Konsequenz daraus. Dann
wäre da noch die Globalisierung, die es notwendig macht,
Menschen durch Technologien weltweit zu erreichen. E-Learning als Lösung spielt daher eine sehr bedeutende Rolle. Trotzdem wird das nie den Menschen ersetzen können! Jede Praxis,
jede Klinik ist anders – unsere Kunden haben individuelle Probleme und Rückfragen, die in vollem Umfang nur von unseren
Trainern und unserem Support abgefangen werden können.
E-Learning greift da an, wo die Stärken der Präsenzangebote
aufhören und umgekehrt. „Hands-on“-Übungen an unseren
Geräten wie zum Beispiel das Ausrichten der Kamera und
die Aufnahme eines Test-Patienten gehören ganz klar in ein
Präsenzseminar. „Trockenübungen“ in einer Software können
hingegen hervorragend mit E-Learning abgedeckt werden. Die
Mischung macht’s – und das auch in Zukunft!
(sw)
Mehr über die Heidelberg Engineering Academy unter:
www.he-academy.de
41
update
aus den unternehmen
Allergan
DMÖ: Erfahrung mit Dexamethason-Implantat
A
Foto: Augustin
ktuelle Real-Life-Daten bestätigen demnach die gute
Wirksamkeit bei einer niedrigen Injektionsfrequenz
auch unter Alltagsbedingungen.3,4 Zusätzlich vorgestellte Kasuistiken aus dem Behandlungsalltag eines niedergelassenen Ophthalmologen unterstreichen die positiven Resultate aus prospektiven Studien.
Wie Ergebnisse einer im Auftrag von
Allergan
durchgeführten
Umfrage
zeigten, haben viele Patienten den
Wunsch nach weniger intravitrealen
Injektionen.1 „Die Häufigkeit der Medikamenteneingaben und die damit
zusammenhängenden häufigen Untersuchungstermine beeinträchtigen die
Lebensqualität der Patienten erheblich“, stellte Prof. Dr. Albert Augustin,
Prof. Dr. Albert Augustin,
Karlsruhe, fest. „Faktoren wie die Angst
Karlsruhe
vor der Injektion, mögliche Nebenwirkungen sowie oftmals die Abhängigkeit von Dritten, um einen Termin überhaupt wahrnehmen zu können, mindern das
Wohlbefinden der Betroffenen.“ Eine Erleichterung könne Augustin zufolge hier das 2014 für DMÖ-Patienten zugelassene
Dexamethason-Implantat bieten: Der Wirkstoff ist gebunden
an ein biologisch abbaubares Implantat, das mit einem speziell
entwickelten Einmal-Applikator intravitreal in den Glaskörper
injiziert wird und dort das Dexamethason in einem Zeitraum
über mehrere Monate freisetzt.5 Das ermögliche eine niedrige Injektionshäufigkeit und könne so wesentlich zur Verringerung der Therapiebelastungen für die Patienten beitragen.
Dieses Kriterium sollte nach Meinung Augustins in die Therapieentscheidung mit einbezogen werden, nicht zuletzt, da
so die dringend erforderliche Adhärenz der Patienten erhöht
werden könne.
Benefit bei flexiblen Re-Injektionsintervallen
Versorgungsstudien zeigten, dass Betroffene von einer flexiblen,
an den Bedarf angepassten Applikation des DexamethasonImplantats im Rahmen der Zulassung stärker profitieren kön-
42
nen als bei einem starren Intervall von
sechs Monaten.3,4 In der prospektiven
MOZART-Studie wurde im Schnitt
nur 1,2 mal im Halbjahr re-injiziert
und so eine mittlere Visusverbesserung
von 6,7 Buchstaben erzielt.3 Prof. Dr.
Focke Ziemssen, Tübingen, merkte zu
den vorgestellten Studienergebnissen
an, dass im Gegensatz zur randomisierten, prospektiven MEAD-Studie6
Prof. Dr. Focke Ziemssen,
kein Abfall des Visus nach den ersten Tübingen
Monaten zu verzeichnen sei, da bedarfsgerecht eine Re- Injektion durchgeführt werden konnte.
Dennoch seien auch bei einem flexiblen, angepassten Wiederbehandlungsintervall mit dem Depot-Steroid vergleichsweise
wenige Re-Injektionen notwendig. Das bestätigte eine spanische Versorgungsstudie (n=76), in der die Zeit bis zu einer
erneuten Anwendung bei durchschnittlich 4,9 Monaten lag.4
„Der richtige Zeitpunkt für eine Wiederbehandlung ist individualisiert und an die Morphologie angepasst. Nimmt die Netzhautdicke wieder zu, sollten wir im Sinne unserer Patienten
ein Zuwarten bis zu einer Visusverschlechterung vermeiden“,
fasste Ziemssen zusammen.
Ergebnisse der Beobachtungsstudien decken
sich mit persönlichen Erfahrungen
Für Dr. Hakan Kaymak, niedergelassener Ophthalmologe aus
Düsseldorf, haben sich Wirksamkeit und Verträglichkeit des
Steroid-Implantats im Praxisalltag bestätigt. Kaymak präsentierte begleitende Umstände, die aus seiner Sicht einen Therapieerfolg des Dexamethason-Implantats begünstigen können.
Diese würden in seiner Gemeinschaftspraxis bei der Therapiewahl herangezogen. Grundlage waren die bisherigen Anwendungserfahrungen, wie Kaymak betont: „Von der Therapie
profitieren unserer Erfahrung nach insbesondere geeignete
therapienaive Patienten. Hierbei sollten Faktoren wie Linsenstatus, Angst vor Injektionen, weite Anreisewege und kardiovaskuläre Risikofaktoren berücksichtigt werden.“ Auch der
Zustand nach einer Pars-plana-Vitrektomie dürfe nicht ver-
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
Foto: Ziemssen
Patienten mit einem diabetischen Makulaödem (DMÖ) haben eine hohe Krankheitslast, wobei
die Angst vor häufigen Injektionen bei vielen eine wichtige Rolle spielt.1 Mit Ozurdex® steht
seit einem Jahr eine wirksame Therapieoption mit niedriger Injektionsfrequenz für diese
Indikation zur Verfügung.2 Im Rahmen eines Pressegesprächs beim diesjährigen Kongress
der DOC diskutierten Experten über ihre Erfahrungen mit dem intravitrealen Implantat.
Foto: Kaymak
aus den unternehmen
nachlässigt werden, da es Hinweise auf
eine schlechtere Wirksamkeit von AntiVEGF-Präparaten in vitrektomierten
Augen im Vergleich zu Augen ohne
vorausgehenden chirurgischen Eingriff
gebe.7,8 Jedoch lägen hierzu bislang nur
sehr eingeschränkte Daten vor.
Die Experten waren sich einig in der
Dr. Hakan Kaymak,
Bewertung, dass das DexamethasonDüsseldorf
Implantat aufgrund seiner langanhaltenden Wirksamkeit eine wichtige Erweiterung des Therapiespektrums bei der pharmakologischen Behandlung des
diabetischen Makulaödems darstellt. Dem behandelnden Arzt
würden sich so mehr Möglichkeiten für eine individualisierte und langanhaltende Therapie eröffnen, die dazu beitragen
kann, die Belastungen der Patienten zu verringern und die Adhärenz zu verbessern.
Fünf Jahre Erfahrung bei retinalen Venenverschlüssen
Zur Wirksamkeit und Verträglichkeit des DexamethasonImplantats bestehen auch in weiteren Indikationen zum Teil
langjährige Erfahrungen. So erhielt das Präparat vor fünf Jah-
update
ren die Zulassung zur Behandlung von Erwachsenen mit einem
Makulaödem als Folge eines retinalen Venenastverschlusses
(VAV) oder retinalen Zentralvenenverschlusses (ZVV). Ein
Jahr später folgte die Zulassungserweiterung für Patienten mit
einer Entzündung des posterioren Segments des Auges, die
sich als nicht infektiöse Uveitis darstellt.2
Referenzen
1
Sivaprasad S and Oyetunde S. Impact of injection therapy for retinal patients with DME
or RVO, presented at 6th World Congress on Controversies in Ophthalmology (COPHy),
26-29 March 2015.
2 Fachinformation Ozurdex®, Stand März 2015.
3 Guigou S et al. Multicenter Ozurdex® assessment for diabetic macular edema: MOZART
study. J Fr Ophtalmol 2014; 37(6): 480-485.
4 Escobar-Barranco JJ et al. Dexamethasone Implants in Patients with Naïve or Refractory
Diffuse Diabetic Macular Edema. Ophthalmologica 2015; 233: 176-185.
5 Kuppermann BD et al. Randomized controlled study of an intravitreous dexamethasone
drug delivery system in patients with persistent macular edema. Arch Ophthalmol 2007;
125: 309- 317.
6 Boyer DS et al. Three-year, randomized, sham-controlled trial of dexamethasone intravitreal
implant in patients with diabetic macular edema. Ophthalmology 2014; 121: 1904-1914.
7 Mehta S et al. Intravitreal bevacizumab for the treatment of refractory diabetic macular
edema. Ophthalmic Surg Lasers Imaging 2010; 41: 323-329.
8 Yanyali A et al. Bevacizumab (Avastin) for diabetic macular edema in previously vitrectomized eyes. Am J Ophthalmol 2007; 144: 124-126.
9 Obrosova IG et al. Diabetic cataracts: mechanisms and management. Diabetes Metab
Res Rev 2010; 26: 172-180.
10 Romero-Aroca P. Targeting the pathophysiology of diabetic macular edema. Diabetes
Care 2010; 33(11): 2484-2485.
11 Romero-Aroca P. Managing diabetic macular edema: The leading cause of diabetes
blindness. World J Diabetes 2011; 2(6): 98-104.
12 International Diabetes Federation. IDF Diabetes Atlas, 6th edn. Brussels, Belgium:
International Diabetes Federation, 2013. http://www.idf.org/diabetesatlas.
Abbott Medical Optics
IOL neuen Typs zur Presbyopiekorrektur
Als erste Linse eines neuen Typs bietet die TECNIS® Symfony IOL mit einer patentgeschützten Kombination von Echelette-Design und achromatischer Technologie eine Presbyopiekorrektur mit höchster Abbildungsqualität. Im Rahmen des DOC-Kongresses wurde die IOL
der Fachpresse detailliert vorgestellt und neueste Studiendaten präsentiert.
E
ine Intraokularlinse (IOL), auf deren Optik ringförmige
Strukturen zu sehen sind, ist nicht immer eine multifokale IOL. Die in der Augenheilkunde bisher übliche
Gleichsetzung „Ringe = multifokal“ gilt nicht mehr: Bei der
Tecnis Symfony IOL handelt es sich trotz diffraktiver Ringstrukturen um ein völlig neues IOL-Segment: Sie bietet als erste und
einzige Intraokularlinse mit deutlich verlängertem Fokusbereich
eine Presbyopiekorrektur mit Lichtausbeute und Abbildungsqualität auf dem hohen Niveau von Monofokallinsen.1,2 Bei
einem Pressegespräch der Abbott Medical Optics Germany
GmbH während des Kongresses der deutschen Ophthalmochi-
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
rurgen (DOC) in Leipzig erläuterte Prof. Dr. Burkhard Dick,
Klinikdirektor der Universitäts-Augenklinik Bochum, das
Konzept dieser neuartigen IOL, die eine optimale Lichtausbeute ermöglicht: Sie verfügt über eine diffraktive Optik mit
einer Mehrschichten-Beugungsglied-Technologie.1 Solche
Echelette-Designs sind von ultraleistungsstarken Teleobjektiven für Fotokameras bereits bekannt und ermöglichen eine
hohe Abbildungsleistung. Welche Echelette-Konfiguration für
eine IOL optimal ist, wurde von dem Unternehmen und der
Universitäts-Augenklinik Bochum in umfassenden wissenschaftlichen Studien untersucht.
43
update
aus den unternehmen
Foto: Abbott Medical Optics
einer Fokuslinie, also einem elongierten Fokus“, erklärte Weeber. „Bei Patienten, denen diese bilateral implantiert wurde,
ergibt sich deshalb eine Defokuskurve mit einem erweiterten
Sehbereich.2 Zusätzlich verringert die achromatische Technologie die chromatische Aberration des Auges um etwa 0,5 Dioptrien“, so Weeber. Das Kontrastsehen mit einer Tecnis Symfony IOL ist damit vergleichbar mit dem nach Implantation
einer herkömmlichen monofokalen Tecnis IOL.
Klinische Erfolge im ersten Jahr
Die Referenten des Pressegesprächs (v.l.n.r.): Henk Weeber, Prof. Dr. Burkhard Dick, Prof. Dr.
Gerd U. Auffarth und Monika Schulten
Das Profil der Linse, die nun seit einem Jahr auf dem Markt
ist, bündelt das Licht in einem elongierten Fokus und ermöglicht damit ein stufenloses, scharfes Sehen für Fern-, Intermediär- und Nahbereiche.1,2 Die achromatische Technologie verbessert zusätzlich die optischen Eigenschaften der IOL, indem
sie die chromatische Aberration des Auges verringert und damit das Kontrastsehen anhebt.1,3 In Kombination mit der Korrektur der sphärischen Aberration wird die Qualität des Netzhautbildes erhöht ohne die Schärfentiefe zu beeinträchtigen.4,5
„Die Tecnis Symfony IOL ist heute fester Bestandteil unseres
Linsen-Portfolios“, fasste Dick seine Erfahrungen mit der
IOL zusammen. „Die klinischen Ergebnisse bezüglich Visus,
chirurgisches Ergebnis und Patientenzufriedenheit sind sehr
positiv. Lichtsensationen treten selten auf; wenn sie vorhanden sind, tolerieren die Patienten sie in der Regel gut. Hinzu
kommt, dass die Tecnis Symfony IOL bewährte Eigenschaften der Tecnis IOL beibehält: die Korrektur der sphärischen
Aberrationen, das bewährte Linsenmaterial und eine scharfe
hintere Kante.“
Vorteile von mono- und multifokalen IOL
kombiniert
Henk Weeber, Lead Scientist bei Abbott Medical Optics, erklärte, welche Motivation hinter der Entwicklung der Tecnis
Symfony IOL steht: „Die Patienten wünschen eine gute Sicht
in allen Entfernungen, um von der Brille unabhängig zu sein.
Zugleich sollen Lichtsensationen wie Halos und Glare nur in
geringem Umfang auftreten – so wie auch bei monofokalen
IOL. Und auch das Kontrastsehen sollte vergleichbar sein.“
Unter der Leitung von Henk Weeber evaluierte ein Team 50
verschiedene Designs, um die neue IOL zu entwickeln. Sie
vereint das patentierte Echelette-Design mit der ebenfalls patentierten achromatischen Technologie. „Höhe und Abstand
der einzelnen Ringe in der Linsenoptik sind so gestaltet, dass
sie das Licht nicht in einem Brennpunkt bündeln, sondern in
44
Prof. Dr. Gerd U. Auffarth, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Augenklinik Heidelberg und des David J. Apple International Laboratory for Ocular Pathology, stellte aktuelle
Ergebnisse einer multizentrischen prospektiven Studie vor,
bei der mittlerweile Daten von 146 Patienten vorliegen.6 In
dieser Studie erreichten die Patienten im Durchschnitt einen
unkorrigierten Fernvisus von 1,0. Auch der Intermediärvisus
kommt sehr nah an diesen Wert heran; im Nahbereich – auf
eine Entfernung von 40 cm – haben die Patienten einen Visus
von 0,6 bis 0,7. Mehr als 90 % der Patienten erreichten sowohl
in der Ferne als auch im Intermediärbereich einen unkorrigierten Visus über 0,8; bei 88 % der Patienten lag der unkorrigierte
Nahvisus zudem über 0,5, berichtete Auffarth. „Der Nahvisus
lässt sich durch eine Micro-Monovision noch steigern“, fügte
er hinzu: Dabei wird das eine Auge bei der Operation leicht
myopisiert (≤-0,5D), bei dem anderen Auge wird Emmetropie
angestrebt (±0,5D). Damit lässt sich der Nahvisus auf 0,8 anheben, ohne dass die Intermediär- oder Fernsicht nachlassen.
„Der größte Teil der Patienten ist sehr zufrieden“, berichtete
Auffarth: „Mehr als 97 % der binokular implantierten Patienten gab an, tagsüber auf die Brille verzichten zu können,
84 % konnten dies auch nachts. Optische Nebenwirkungen treten im Vergleich zu multifokalen IOL deutlich seltener auf.“
„Neben den derzeit im Markt verfügbaren multifokalen und
trifokalen IOL eröffnet Abbott Medical Optics mit der Tecnis
Symfony IOL ein neues Linsensegment“, sagte Monika Schulten, Regional Director Commercial Operations für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Abbott Medical Optics.
Mit der Entwicklung dieser Linse folgt das Unternehmen dem
Grundsatz, Ärzten und Patienten durch eigene Forschung innovative Lösungen zu bieten.
Quellen:
1
2
3
4
5
6
TECNIS® Symfony IOL DFU
166 Data on File Extended Range of Vision IOL 3-Month Study Results (NZ)
175 Data On File Correction of Chromatic Aberration TECNIS Symfony IOL_FINAL
Weeber, H.A., & Piers, P.A. (2012). Theoretical Performance of Intraocular Lenses correcting both Spherical and Chromatic Aberration. J Refr Surg, 28 (1), 48-52.
Artal, P., Manzanera, S., Piers, P., & Weeber, H. (2010). Visual effect of the combinedcorrection of spherical and longitudinal chromatic aberrations. Opt Express, 18 (2),
1637-1648.
Data on File: DOF2015OTH0009
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
AMD-Behandlung mit meso-Zeaxanthin
Weil die Makula drei Carotinoide braucht!
Frühe AMD und Risikopersonen:
10mg Lutein,
2mg Zeaxanthin
+ 10mg meso-Zeaxanthin
Späte AMD:
Richtlinienkonforme
AREDS2-Dosierung
+ 10mg
meso-Zeaxanthin
Stellungnahme 2014 von DOG,
Retinologische Gesellschaft und BVA zu
Nahrungsergänzungsmitteln bei AMD,
http://www.dog.org
AREDS = Age Related Eye Disease Study
JAMA. 2013;309: 2005-20153.
Ergänzende bilanzierte Diät zur diätetischen Behandlung von Altersbedingter Makuladegeneration (AMD)
ebiga-VISION GmbH
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Argus® II:
Positive Langzeitstudienergebnisse
HYLO-COMOD®
befeuchtende Augentropfen
Second Sight Medical Products gab positive Ergebnisse einer klinischen Langzeitstudie zur Argus® II Netzhautprothese bekannt.
Drei Jahre nach der Implantation schnitten 89 Prozent der Untersuchungsteilnehmer mit dem Argus II System bei visuellen Aufgabenstellungen signifikant besser ab als mit ihrer natürlichen Restsehfunktion. Darüber hinaus bestätigt die Untersuchung die Sicherheit
und Verlässlichkeit des Argus II Systems. In Deutschland werden
die Kosten für das Implantat von den Krankenkassen übernommen.
Kostenlose Hotline für weitere Informationen: 0800 1844321.
Der Marktführer. Deutschlands meist angewendete Augenbefeuchtung.*
HYLO-COMOD® bietet bei leichteren bis mittelschweren Formen
trockener Augen, postoperativ, sowie für Personen, die unter
Beschwerden wie müden, juckenden und brennenden Augen mit
Fremdkörpergefühl leiden, ein sehr breites Einsatzspektrum; dank
der hochwertigen Hyaluronsäure bietet das Produkt eine intensive
und langanhaltende Befeuchtung der Augenoberfläche.
Dabei profitieren Ihre Patienten von den für das HYLO® EYE CARE
Produktsortiment bekannten Vorteilen: eine vollkommene Konservierungsmittel- und Phosphatfreiheit, eine enorme Ergiebigkeit von
mehr als 300 Tropfen pro Flasche sowie die besonders lange Haltbarkeit nach Anbruch von 6 Monaten. HYLO-COMOD® kann während des Tragens von Kontaktlinsen angewendet werden.
Aus der Gesamtheit dieser Eigenschaften resultiert neben einer
sehr guten Verträglichkeit der Produkte eine hohe Patientenzufriedenheit.
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Comfort Shield®
• Bringt trockene Augen wieder ins Gleichgewicht
• Enthält ausschließlich Substanzen, die natürlicherweise im Auge
vorhanden sind
• Auch mit allen Kontaktlinsen anwendbar
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• 300 Tropfen pro Flasche, nach Anbruch 6 Monate verwendbar
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46
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DOG: Stand C.01
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
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Neu – TECNIS® OptiBlue® IOL von
Abbott verfügbar ab September
Torische hydrophobe IOL aus
„glisteningfreiem“ Material
Das neueste Mitglied der TECNIS® IOL-Familie – die TECNIS® OptiBlue®
Asphärische IOL mit Violettfilter erlaubt die vollständige Transmission
des gesunden blauen Lichts:
• Blaues Licht spielt eine entscheidende Rolle bei der Kontrolle des
zirkardianen Rhythmus.1
• 35 % der skotopischen Empfindlicheit ist abhängig von blauem Licht. 1
Die Lichtdurchlässigkeit der TECNIS® OptiBlue® IOL ist unabhängig von
der Dioptrienstärke.2
Erfahren Sie mehr an unserem DOG-Messestand D10.
Die enVista™ TORIC ist eine hydrophobe, torische Intraokularlinse
von Bausch + Lomb, die auf der bereits bestehenden monofokalen
enVista™ Intraokularlinse aufbaut. Das Einzigartige an den beiden
Linsen ist das moderne hydrophobe Material, was absolut glisteningfrei ist (FDA approved). Die für torische IOL entscheidende Rotationsstabilität wurde in aktuellen Studien mit hervorragenden Ergebnissen
belegt.* Wie auch die enVista™ verfügt die enVista™ TORIC über
eine besonders kratzfeste Oberfläche und bietet eine außergewöhnlich langfristige optische Klarheit. Durch die kontrollierte Entfaltung
lässt sich die enVista™ TORIC ideal positionieren. Tel. 0800 5893 114,
[email protected]
1. Mainster MA. Violet and blue light blocking IOLs
Br J Ophthalmol. 2006; 90: 784 -792.
2. Archivdaten 180 - TECNIS® OptiBlue® IOL
*Nuria Garzón, OD: Evaluation of Rotation and Visual Outcomes After Implantation of Monofocal and
Multifocal Toric Intraocular Lenses, Journal of Refractive Surgery, Vol. 31, No. 2, 02/2015
AMO Germany GmbH • Rudolf-Plank-Straße 31
• 76275 Ettlingen • Germany
TECNIS und OptiBlue sind eingetragene
Warenzeichen und sind Eigentum der Firma
Abbott Laboratories und ihrer Niederlassungen
oder Tochterunternehmen bzw. wurden an
diese lizenziert.
© 2015 Abbott Medical Optics Inc.
PP2015CT1007
www.AbbottMedicalOptics.com
DOG: D.10
www.bausch-lomb.de
DOG: Stand C.10
NEU: AcrySof® IQ PanOptix®
von Alcon®
Vorankündigung
Vivinex iSert® Modell XC1
Anlässlich der ESCRS stellt Alcon seine Mehrstärken-Intraokularlinse der 2. Generation, die AcrySof® IQ PanOptix®, vor. Sie zeichnet
sich durch einen Nahvisus bei ca. 40 cm und einen Intermediärvisus bei ca. 60 cm aus. Da die meisten Tätigkeiten in Armlänge
(60-70 cm) ausgeführt werden, zielt die PanOptix® hiermit auf eine
höhere Spontanakzeptanz und
Patientenzufriedenheit ab. Durch
die 4,5 mm große diffraktive
optische Zone verspricht die
PanOptix® auch bei dilatierten
Pupillen einen guten Nah- und
Intermediärvisus. Sie ist somit
weitestgehend pupillenunabhängig. Die PanOptix® hat mit 88 %
eine höhere Lichtausbeute als
andere Multifokallinsen.1,2
HOYA Surgical Optics erweitert in Kürze die Vivinex™ Produktplattform um die IOL Modell XC1. Neben dem Modell XY1 (einteilig, asphärisch mit Blaulichtfilter) wird somit auch eine farblose einteilige
asphärische Linse zu Verfügung stehen. Das innovative neue hydrophobe Acrylat Vivinex™ im Preloaded Injektor iSert® zeichnet sich
durch eine sehr geringe Nachstarrate und Langzeit-Transparenz aus.
Die kontrollierte und höchst reproduzierbare Implantation erfolgt
durch eine Inzision ab 2,0 mm. Für mehr Informationen besuchen Sie
unseren Stand E02 auf der DOG.
1 AcrySof® IQ PanOptix® IOL Directions for Use.
2 Alcon internal technical report: TDOC-0018723.
www.alcon-pharma.de
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
DOG: Stand C.08
www.hoya.com/surgicaloptics DOG: Stand E.02
47
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Neue Bildgebungsplattform für
Katarakt- und Refraktivchirurgie
Neue konservierungsmittelfreie Tropfflasche von Théa Pharma: EasyGrip®
Heidelberg Engineering präsentiert auf der DOG die neue Bildgebungsplattform für Katarakt- und Refraktivchirurgie*. Sie kombiniert
alle wesentlichen Mess- und Analyseverfahren für die Katarakt- und
Refraktivchirurgie in einem Gerät und ist modular aufgebaut. Zu den
Konfigurationsmöglichkeiten gehören: Biometrie für IOL-Kalkulation,
Hornhaut-Topografie und Tomografie, Vorderabschnittsbiometrie sowie Vorderabschnittsbildgebung.
Therapietreue ist einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg der Glaukomtherapie. Es gibt heute eine Reihe von verschiedenen Wirkstoffen,
die den Augeninnendruck gut senken. Das Problem ist aber oft, dass
die Patienten ihre Therapie auf Grund von Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten abbrechen, die häufig durch das Konservierungsmittel verursacht werden. Théa Pharma als Spezialist für unkonservierte
Augentropfen wird in Kürze eine neue, unkonservierte und einfach zu
handhabende Tropfflasche auf den Markt bringen: EasyGrip®. Seien Sie
gespannt und besuchen Sie uns auf der DOG, Stand F3.04!
* Zurzeit in der Entwicklung und käuflich nicht erwerbbar
www.HeidelbergEngineering.de
DOG: C.06
www.theapharma.de
DOG: Stand F3.04
Hochwertige Contactlinsen für den
ophthalmologischen Bereich
NEU: AcrySof® IQ UltraSert®, das vorgeladene Implantationssystem von Alcon®
Seit 20 Jahren ist WUKVISION ein verlässlicher, kompetenter Partner in der Contactoptik und bietet für viele Bereiche die richtigen
Linsensysteme. WUK Verbandlinsen werden im klinischen und niedergelassenen Bereich erfolgreich eingesetzt und stehen in einer
großen Auswahl an Basiskurven und bis Durchmesser 22,00 mm
zur Verfügung. WUK Babylinsen sind bereits ab 12,00 mm Durchmesser und bis +40,00 dpt. lieferbar. WUK Occlusionslinsen sind
in einer großen Parametervielfalt zu erhalten. Irislinsen sind in
einer bedruckten Standardausführung sowie einer handgemalten
Ausführung in großer Parametervielfalt
verfügbar. In einem
aufwändigen
und
sehr komplexen Herstellungsverfahren
wird jede Linse einzeln und individuell
angefertigt.
Vertrauen im Auge: Mit weltweit mehr als 85 Millionen Implantationen ist die AcrySof® IOL die am häufigsten eingesetzte KataraktIOL. Der UltraSert®, die neuste Entwicklung in der Alcon® IOLFamilie, vereint die Kontrolle eines manuellen Implantationssystems
mit den Vorzügen eines vorgeladenen Injektors in einem Gerät. Der
federgesteuerte TensionGlide™ Kolben sorgt für eine gleichmäßige
und kontrollierte einhändige Implantation. Das Design der Kartuschenspitze ermöglicht die Implantation der IOL mit einer Inzisionsgröße von 2,2 mm bis 2,4 mm und minimiert die Wundausdehnung.
Die Wundarchitektur bleibt bei der gesamten Implantation erhalten.
UltraSert® – mit kurzer Vorbereitungszeit in drei einfachen Schritten
zur Implantation der bewährten AcrySof® IQ.
www.wuk-vision.de
www.alcon-pharma.de
48
DOG: Stand F3.10
DOG: Stand C.08
Concept Ophthalmologie 07 / 2015
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OCULUS Pentacam® – jetzt auch mit
Achslängenmessung
SCHWIND PERAMIS: Topographie
und Aberrometrie in einem Gerät
Der Goldstandard wird neu definiert! Mit der integrierten IOL-Datenbank
und den hinterlegten IOL-Berechnungsformeln wird die Pentacam® AXL
jetzt das Maß aller Dinge. Mittels Scheimpflug-Technologie wird der
vordere Augenabschnitt von der Hornhautvorderfläche bis zur Rückfläche
der kristallinen Linse aufgenommen und dargestellt. Die korneale optische Densitometrie dokumentiert und bewertet automatisch Trübungen
in der Hornhaut bezüglich ihrer Größe, Position und Tiefe. Profitieren
Sie von der Erkennung möglicher visusmindernder Trübungen im präoperativen Katarakt-Screening. Basierend auf normativen Studien können Erkrankungen wie z.B. die Fuchs‘sche Endothel-Dystrophie erkannt
und eine mögliche Progression dokumentiert werden. Erleben Sie die
Deutschlandpremiere der Pentacam® AXL auf dem OCULUS-Stand C.09.
SCHWIND bietet jetzt ein hochpräzises, multifunktionales Diagnosesystem der neuesten Generation an. SCHWIND PERAMIS bestimmt in
einem einzigen Messvorgang die optischen Eigenschaften der Hornhaut
und des gesamten Auges. Beim Aberrometer sorgt ein hochauflösender
Pyramidal Wellenfrontsensor für eine einzigartige Leistungsfähigkeit. Mit
45.000 Messpunkten bestimmt SCHWIND PERAMIS die okularen Wellenfrontaberrationen – ohne Überlappung und mit klarer Zuordnung jedes
einzelnen Punktes. Gemeinsam mit einer Messung in Echtzeit sorgt dies für
eine unerreicht hohe Detailauflösung und Präzision. Der Topograph registriert selbst feinste Irregularitäten der Hornhaut mit einer sehr hohen Auflösung von einem Mikrometer. Ergebnis: eine äußerst präzise Diagnostik der
cornealen und okularen Aberrationen.
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DOG: Stand C.09
DOG: Stand D.08
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Frühstück mit OCT-Angiographie
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Augenhöhe
Alle Genussmenschen und engagierten Frühaufsteher unter Ihnen sollten
sich Samstag, den 3. Oktober vormerken. Im Rahmen der DOG in Berlin hat
bon bereits ab 7 Uhr zu einem köstlichen Frühstück eingeladen. Prof. Daniel Pauleikhoff, PD Albrecht Lommatzsch, Dr. Georg Spital et al. werden
dabei ihren Erfahrungsschatz zur noninvasiven OCT-Angiographie „Angiovue“ mit Ihnen teilen. Diese faszinierende Technologie ist dort wie in 300
anderen Kliniken sehr erfolgreich im Einsatz. Die Kollegen aus dem St.
Franziskus Hospital Münster zeigen Ihnen u.a. praktische Einsatzmöglichkeiten bei retinalen Gefäßerkrankungen, auch im Vergleich zur FAG und
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Phoropterhalterung neben dem Patientenkopf angebracht – Kopf und
Bedienfeld befinden sich somit auf Augenhöhe direkt im Blickfeld des
Refraktionisten. Das ermöglicht eine optimierte Kommunikation mit dem
Patienten während des Refraktionsablaufes. Per Mausklick oder Scrollen via vorprogrammierter Lasermaus lassen sich die Refraktionsschritte
und Optotypen über die intuitive Bedienperformance schnell einstellen.
Refraktionsablauf individuell programmierbar. Know-how aus drei Phoroptergenerationen vereint
der innovative AutoPhoropter DOMS Phorostar.
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Concept Ophthalmologie 07 / 2015
DOG: Stand B.06
DOG: Stand B.08
49
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werden überlappend gesetzt. So erfolgt der Schneideprozess mit geringem Energieeinsatz und erhöhter Pulswiederholungsrate schonend
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Applikationen umfasst Katarakt, LASIK, Keratoplastik u.v.a. mehr.
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mit den zusätzlichen
Messmöglichkeiten des
Vorderabschnitts sind
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Dick, Bochum, und Prof. Dr. Michael W. Belin, Tucson, USA, von
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mit der Ermittlung der biometrischen Daten inklusive der Achslänge eine OP-Planung von der Untersuchung über die IOL-Auswahl
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Bereits am Donnerstag, den 01.10.2015 von 12.10 Uhr bis
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Mobil: 0160 - 93998086
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