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Albert Lenz
Ressourcen fördern
Materialien für die Arbeit mit Kindern
und ihren psychisch kranken Eltern
mit CD-ROM
Ressourcen fördern
Dieses Dokument ist nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt und darf in keiner Form vervielfältigt und an Dritte
weitergegeben werden. Aus A. Lenz: Ressourcen fördern (ISBN 9783840922183) © 2010 Hogrefe Verlag, Göttingen.
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Ressourcen fördern
Materialien für die Arbeit mit Kindern
und ihren psychisch kranken Eltern
von
Albert Lenz
unter Mitarbeit von Eva Brockmann
GÖTTINGEN · BERN · WIEN · PARIS · OXFORD · PRAG · TORONTO
CAMBRIDGE, MA · AMSTERDAM · KOPENHAGEN · STOCKHOLM
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Prof. Dr. phil. Albert Lenz, geb. 1951. 1973 –1979 Studium der Psychologie, Soziologie und
Pädagogik in München. 1988 Promotion. Weiterbildung in Paar- und Familientherapie, Krisenintervention. Seit 1994 Professor für Klinische Psychologie und Sozialpsychologie an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Paderborn, Fachbereich Sozialwesen,
Leiter des Instituts für Gesundheitsforschung und Psychiatrie. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Sozial- und Gemeindepsychiatrie, Beratung und Jugendhilfe, Soziale Netzwerke und
Empowerment, Theorie und Praxis der Gemeindepsychologie.
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große Mühe darauf verwandt, diese Angaben genau entsprechend dem Wissensstand bei Fertigstellung
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Coverabbildung: Gisela Dauster, Rheinbach
Satz: Satzpunkt, Bayreuth
Format: PDF
ISBN 978-3-8409-2218-3
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Vorwort
Die Entwicklung seelischer Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen wird von
vielen Faktoren aus dem familiären und sozialen Umfeld bestimmt, wobei dem Elternhaus eine besondere Bedeutung zukommt.
Wissenschaftliche Studien belegen, dass Kinder eines psychisch kranken Elternteils
nicht nur vielfältigen Belastungen in der Familie und im Alltag ausgesetzt sind. Sie
haben vor allem auch ein erhöhtes Risiko, selbst eine psychische Störung oder Krankheit zu entwickeln.
Wir müssen daher alles tun, damit den betroffenen Familien frühzeitig die notwendigen Hilfen zur Verfügung stehen. Besonders wichtig sind familienorientierte Angebote der Beratung und Betreuung, die sowohl zu einer Stabilisierung der familiären
Strukturen als auch zu einer Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung bei den Kindern und Jugendlichen beitragen.
Eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Präventions- und Hilfemaßnahmen ist eine sektorenübergreifende Zusammenarbeit insbesondere zwischen den
Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie des Gesundheitswesens. Das enge
Zusammenwirken der verschiedenen Institutionen ist ein Garant dafür, dass die Hilfen auch tatsächlich greifen und nachhaltig wirken.
Das in diesem Buch vorgestellte praxisorientierte Präventionsprogramm sieht neben
einer besseren Vernetzung der unterschiedlichen Hilfesysteme eine Erweiterung der
bestehenden Hilfen um spezielle, auf die Familie ausgerichtete Angebote vor. Es trägt
damit den besonderen Herausforderungen des vielschichtigen Problemfeldes Rechnung.
Es wurde im Rahmen eines mehrjährigen mit Landesmitteln geförderten Modellprojekts an den Standorten Dortmund, Kreis Recklinghausen und Kreis Steinfurt erprobt
und wissenschaftlich begleitet.
Ich hoffe, dass dieses praxisorientierte Buch eine große Verbreitung in der Fachöffentlichkeit findet und mit dazu beitragen kann, dass sich das Risiko der betroffenen
Kinder und Jugendlichen, selbst eine psychische Krankheit zu entwickeln, vermindert.
Karl-Josef Laumann
Minister für Arbeit,
Gesundheit und Soziales
des Landes Nordrhein-Westfalen
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Inhaltsverzeichnis
Danksagung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
IX
Teil I: Grundlagen
1
1.1
1.2
1.3
Kinder und ihre psychisch kranken Eltern . . . . . . . . . . . . . . . .
Ergebnisse der Risikoforschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Belastungsfaktoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Resilienz und Schutzfaktoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1.3.1 Resilienzkonzept . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1.3.2 Ressourcen als Schutzfaktoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1.3.2.1 Generelle Schutzfaktoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1.3.2.2 Spezielle Schutzfaktoren für Kinder psychisch
kranker Eltern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
1.4 Von Schutzfaktoren zu Bewältigungsprozessen . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Prävention bei Kindern psychisch kranker Eltern
und ihren Familien. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.1 Konzeptionelle Einordnung präventiven Handelns . . . . . . . . . . . . . . .
2.2 Spezifische Voraussetzungen für eine wirksame Prävention
bei Kindern psychisch kranker Eltern im Grundschulund Jugendalter. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
2.3 Überblick über deutschsprachige präventive Maßnahmen für
Kinder psychisch kranker Eltern im Grundschul- und Jugendalter . . .
3
3
4
7
8
10
11
12
13
2
3 Präventionsprogramm „Ressourcen fördern“ . . . . . . . . . . . .
3.1 Aufbau und Durchführung des Präventions- und Interventionsprogramms . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.2 Basismodule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.2.1 Kooperation zwischen den Systemen der Kinderund Jugendhilfe und der Psychiatrie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.2.2 Wahrnehmung der Kinder als Angehörige in
der Behandlung des erkrankten Elternteils . . . . . . . . . . . . . . . .
3.3 Interventionsmodule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.3.1 Diagnostische Einschätzung der Belastungen
und Ressourcen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.3.2 Förderung der familiären Kommunikation . . . . . . . . . . . . . . . .
3.3.3 Förderung der Problemlösekompetenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.3.4 Förderung sozialer Ressourcen der Kinder
und Jugendlichen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.3.5 Psychoedukation für Kinder psychisch erkrankter Eltern . . . . .
17
18
20
22
27
27
27
28
28
29
29
30
30
31
31
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VIII
Inhaltsverzeichnis
3.4 Durchführung der Interventionsmodule . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.4.1 Setting . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.4.2 Strukturierung der Sitzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.4.3 Ablauf der Sitzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
3.4.4 Arbeitsmaterialien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
32
32
32
33
34
4
35
Stand der empirischen Überprüfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Teil II: Basis- und Interventionsmodule
5
Basismodul 1: Kooperation zwischen den Systemen
der Kinder- und Jugendhilfe und der Psychiatrie . . . . . . . . .
41
Basismodul 2: Wahrnehmung der Kinder als Angehörige
in der Behandlung des erkrankten Elternteils . . . . . . . . . . . . .
65
Interventionsmodul 1: Diagnostische Einschätzung
der Belastungen und Ressourcen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
81
Interventionsmodul 2: Förderung der familiären
Kommunikation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
115
Interventionsmodul 3: Förderung der Problemlösekompetenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
137
10 Interventionsmodul 4: Förderung sozialer Ressourcen
der Kinder und Jugendlichen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
155
11 Interventionsmodul 5: Psychoedukation für Kinder
psychisch erkrankter Eltern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
183
Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
216
6
7
8
9
CD-ROM
Die CD-ROM enthält PDF-Dateien von den Materialien, die in den Basis- und
Interventionsmodulen (Kapitel 5 bis Kapitel 11) abgedruckt sind und bei der
Durchführung der familienzentrierten Präventions- und Interventionsmaßnahmen
eingesetzt werden können.
Die PDF-Dateien können mit dem Programm Acrobat® Reader (eine kostenlose
Version ist unter www.adobe.com/products/acrobat erhältlich) gelesen und ausgedruckt werden.
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Danksagung
Der vorliegende Materialienband für die Arbeit mit Kindern und ihren psychisch
kranken Eltern „Ressourcen fördern“ ist im Rahmen des Forschungsprojektes
„Kinder als Angehörige psychisch Kranker – Präventionsmaßnahmen für Kinder
psychisch kranker Eltern“ entstanden, das vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert wurde. Durch die
finanzielle Unterstützung der Software AG Stiftung ist es möglich geworden,
über die Entwicklung und Implementierung hinaus, die einzelnen Schritte der
Implementierung begleitend zu evaluieren. Ich bedanke mich beim Ministerium
und bei der Software AG Stiftung. Dank gebührt auch dem Landschaftsverband
Westfalen-Lippe und dem Landesjugendamt Westfalen-Lippe für die Unterstützung bei der Auswahl der Projektstandorte und bei der Kontaktaufnahme zu den
einzelnen Einrichtungen.
Mein Dank gilt den beteiligten Einrichtungen an den drei Projektstandorten Dortmund, Kreis Recklinghausen und Kreis Steinfurt. Zu danken habe ich den Mitgliedern des Projektbeirates – Herrn Dirk Lesser, Frau Elke Slawski-Haun, Frau
Ulrike Sundermann, Frau Antje Arnolds, Frau Charlotte Dahlheim, Herrn Paul
Erdélyi, Frau Wiebke Scherber, Herrn Edwin Stille, Herrn Werner Terhaar, Frau
Ulrike Ullrich, Frau Marianne Wallach und Herrn Bodo Weirauch – für die wertvollen Anregungen. Bedanken möchte ich mich des Weiteren bei den studentischen Mitarbeiterinnen Sarah Brüggemann und Sarah Walter für die zuverlässige Arbeit. Nicht zuletzt bedanke ich mich bei Frau Susanne Weidinger vom
Hogrefe Verlag für die konstruktive Zusammenarbeit.
Paderborn, im November 2009
Albert Lenz
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Teil I
Grundlagen
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1
Kinder und ihre psychisch kranken Eltern
Studien zeigen übereinstimmend, dass Kinder mit psychisch erkrankten Eltern
nicht nur häufig mit besonderen Belastungen und Beeinträchtigungen konfrontiert sind, sondern darüber hinaus ein deutlich erhöhtes Risiko haben, selbst eine
psychische Störung zu entwickeln. Kinder von psychisch kranken Eltern stellen
also eine besondere psychiatrische Risikogruppe dar. Eine Datenerhebung an
der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Marburg, die von
1998 bis 2002 durchgeführt wurde und in der die vollständige stationäre Inanspruchnahmepopulation einbezogen war, ergab, dass in etwa die Hälfte der psychisch kranken Kinder bzw. Jugendlichen bei einem psychisch kranken Elternteil
lebt. Besonders hohe Erkrankungsraten wurden bei den Eltern von Kindern mit
Störungen im Sozialverhalten gefunden (Bundespsychotherapeutenkammer,
2007).
1.1
Ergebnisse der Risikoforschung
Die Risikoforschung konnte belegen, dass die Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte psychische Störung zu entwickeln, erhöht ist, wenn ein leiblicher Elternteil
oder beide Elternteile diese Erkrankung aufweisen. Deutlich können diese Zusammenhänge bei schizophrenen Erkrankungen nachgewiesen werden. Liegt das
lebenslange Erkrankungsrisiko für Schizophrenie in der Allgemeinbevölkerung
bei 1 %, ist es um mehr als das zehnfache erhöht, wenn ein Elternteil unter einer
schizophrenen Erkrankung leidet. Sind beide Elternteile an einer Schizophrenie
erkrankt, liegt das Erkrankungsrisiko für die leiblichen Kinder bei etwa 40 %.
Zahlreiche Studien liegen vor, die den Zusammenhang zwischen elterlicher depressiver Erkrankung und affektiver Störung bei den betroffenen Kindern aufzeigen (vgl. Beardslee et al., 1998). Man kann davon ausgehen, dass das spezifische
Risiko von Kindern depressiv erkrankter Eltern selbst auch eine affektive Störung
zu entwickeln, zwei- bis viermal höher ist als bei Kindern aus Vergleichsstichproben. Das Risiko für eine Major Depression ist bei Kindern von Eltern mit dieser
Erkrankung etwa sechsmal höher als für Kinder unauffälliger Eltern (Downey &
Coyne, 1990). Etwa 40 % der Kinder von affektiv erkrankten Eltern erleben im
Laufe der Kindheit und Jugend selbst eine depressive Episode. Sind beide Eltern
depressiv erkrankt, beträgt die Wahrscheinlichkeit für die Kinder, im Laufe ihres
Lebens irgendeine Form von Depression zu entwickeln, etwa 70 % (Robins et al.,
1991). Bei diesen Zahlen ist zu berücksichtigen, dass bei den Kindern psychisch
kranker Eltern nicht nur das spezifische Risiko für die gleiche Erkrankung erhöht
ist, sondern darüber hinaus auch noch das generelle Risiko für psychische Störungen insgesamt. So konnte in Metaanalysen aufgezeigt werden, dass etwa 61 %
der Kinder von Eltern mit einer majoren Depression im Verlaufe der Kindheit und
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4
Kapitel 1
Jugend eine psychische Störung entwickeln. Zu den Störungen gehören Phobien,
Panikstörungen, Suchterkrankungen, Einschränkungen in den interpersonellen
Bindungsfähigkeiten und spezielle Auffälligkeiten wie z. B. eine verstärkte Neigung zu Schuldgefühlen (Beardslee et al., 1998). Längsschnittstudien zeigen,
dass die genannten Störungen nicht nur vorübergehender Natur sind. Die Unterschiede zu den Vergleichskindern persistieren über die Zeit hinweg. So bestehen
die Auffälligkeiten und Probleme der Kinder häufig weiter, auch wenn sich z. B.
die Mutter von der Depression erholt und sich die familiäre Situation beruhigt hat
(Hammen et al., 1990).
Rutter und Quinton (1984) stießen in ihrer Untersuchung auf eine signifikant erhöhte Rate kindlicher Auffälligkeiten bei Eltern mit einer umschriebenen Persönlichkeitsstörung. Es gibt sogar Hinweise, dass Kinder bei einer Persönlichkeitsoder Suchtstörung eines Elternteils ungünstigere Entwicklungsmerkmale
aufweisen als bei schizophrenen und affektiven Erkrankungen. Es zeigte sich
auch, dass Kinder von Eltern, die an Angststörungen leiden, ein bis zu siebenfach
erhöhtes Risiko haben, ebenfalls an einer Angststörung zu erkranken (vgl.
Beardslee et al., 1998). Eine Studie von Last et al. (1987) ergab, dass 83 % der
Kinder mit einer isolierten Angststörung und/oder mit einer Überängstlichkeitsstörung eine Mutter haben, die ebenfalls an einer Angststörung litt bzw. noch
leidet. Mehr als die Hälfte der Mütter hatten zum gleichen Zeitpunkt wie die Kinder eine klinisch relevante Angststörung.
1.2
Belastungsfaktoren
Zur Erklärung dieses erhöhten Risikos psychischer Störungen bei Kindern von
psychisch kranken Eltern wurden verschiedene Einflussfaktoren untersucht und
unterschiedliche Wirkmechanismen identifiziert.
Das erhöhte Risiko für Kinder psychisch kranker Eltern, selbst eine psychische
Störung zu entwickeln, lässt zumindest zum Teil auf die Wirkung genetischer
Einflüsse schließen. Eine determinierende Wirkung genetischer Faktoren kann
aber ausgeschlossen werden. So konnte nachgewiesen werden, dass das Risiko
späterer psychischer Störungen von Kindern mit einem psychisch kranken Elternteil, die nach der Geburt adoptiert wurden, wesentlich vom Vorhandensein
ungünstiger Umweltumstände und familiärer Belastungen in der Adoptivfamilie
abhängt (Tienari & Wynne, 2004). Genetische und psychosoziale Faktoren wirken also zusammen. In den letzten Jahren sind eine Reihe von Studien veröffentlicht worden, die ein genaueres Bild über die Interaktion von genetischen und
psychosozialen Faktoren vermitteln (Caspi et al., 2003). Die Ergebnisse zeigen,
dass die genetische Ausstattung darüber mit bestimmt, ob sich belastende Lebensereignisse pathogen auswirken oder nicht. Sie moderieren somit die Umwelteffekte. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass bei Menschen mit einer hohen
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Kinder und ihre psychisch kranken Eltern
5
erblich bedingten Vulnerabilität gerade die Umwelteinflüsse besonders relevant
sind, und zwar sowohl im positiven als auch im negativen Sinne.
Im Folgenden werden weitere belastende Faktoren angeführt, die sich als besonders bedeutsam erwiesen haben (vgl. ausführlich Mattejat, 2002; Lenz, 2005;
Lenz, 2008):
• In mehreren Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass die Beeinträchtigung der Kinder und das Störungsrisiko bei den Kindern umso größer ist, je
länger die elterliche Erkrankung dauert, je mehr Krankheitsepisoden bisher
vorkamen und je schwerer die elterliche Erkrankung ausgeprägt ist (Hammen
et al., 1990).
• Zu den belastenden Umwelteffekten zählen Einschränkungen in der Erziehungsfähigkeit bei psychisch kranken Eltern. Erziehungsfähigkeit umfasst verschiedene Bereiche der elterlichen Fürsorge, Betreuung und der Eltern-KindBeziehung. Im Einzelnen werden unter Erziehungsfähigkeit die Fähigkeiten
der Eltern verstanden, die Bedürfnisse des Kindes nach körperlicher Versorgung und Schutz zu erfüllen, dem Kind als stabile und positive Vertrauensperson zu dienen, dem Kind ein Mindestmaß an Regeln und Werten zu vermitteln
sowie dem Kind grundlegende Lernchancen zu eröffnen.
• Psychisch kranke Mütter zeigen im Umgang mit ihren Kindern eine ganze
Reihe von Einschränkungen und unterscheiden sich deutlich von unauffälligen
Müttern. Sie lassen im Kontakt mit ihren Kindern weniger Interesse und emotionale Beteiligung erkennen, erweisen sich als weniger einfühlsam, äußern
den Kindern gegenüber vermehrt negative Gefühle und Feindseligkeiten, verhalten sich eher passiv und zeigen ein eingeengtes kommunikatives Repertoire.
• Es konnte aufgezeigt werden, dass eine elterliche psychische Erkrankung und
eine eheliche Disharmonie in einer engen Wechselwirkung miteinander stehen.
So treten eheliche Schwierigkeiten in Familien mit einem psychisch erkrankten Ehepartner nicht nur häufig auf, sondern können nach einer Krankheitsepisode auch über mehrere Jahre andauern (Birtchnell, 1988). Ehepaare, bei denen zumindest ein Partner psychisch erkrankt ist, nehmen sich gegenseitig
negativer wahr und zeigen emotional negativere Interaktionen als gesunde Vergleichspaare und haben zudem höhere Scheidungsraten (Coyne, 1990). Dieser
Befund hat insofern eine große Bedeutung, weil vielfach aufgezeigt werden
konnte, dass chronische Eheprobleme generell für die Entwicklung aller Kinder einen Belastungsfaktor darstellen und das Risiko für eine psychische Störungen bei den betroffenen Kindern erhöhen.
• Durch die psychische Erkrankung werden die Grenzen zwischen den familiären Subsystemen diffus und das System Familie gerät durcheinander. Insbesondere die Generationengrenzen, die für die Funktionalität einer Familie von
großer Bedeutung sind und sich vor allem aus der Anerkennung von Unterschieden in elterliche und kindliche Rollen und deren Einhaltung sowie aus
den Interaktionsregeln des elterlichen und kindlichen Subsystems ergeben,
verwischen. Es kommt häufig zur Parentifizierung, einer Rollenumkehr, in der
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