Programmheft - Hochschule für Musik und Theater Rostock

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Programmheft
2
Kammermusikfestival 2013
Reif für die Insel? – Musik aus Großbritannien
Inhaltsverzeichnis
Grußworte
4
Essay
England – ein ›Land ohne Musik‹?
6
14. Mai 2013, 19:20
Eröffnungsfanfare
8
14. Mai 2013, 19:30
Eröffnungskonzert
8
Essay
Edward Elgar – »the first English Progressivist«
10
15. Mai 2013, 19:30
Morgenstern Trio and Friends
11
15. Mai 2013, 22:00
Englische Barock- und Renaissancemusik
12
16. Mai 2013, 17:00
British Music Nowadays
14
16. Mai 2013, 19:30
Literatur und Musik
16
16. Mai 2013, 22:00
Shakespeare-Vorspiel
18
Essay
Benjamin Britten zum 100. Geburtstag
19
17. Mai 2013, 19:30
Portraitkonzert Benjamin Britten
20
17. Mai 2013, 22:00
Nachtkonzert
22
18. Mai 2013, 11:00
Matinee
24
18. Mai 2013, 18:00
English Pops
25
18. Mai 2013, 19.30
Abschlusskonzert
26
3
Grußwort Dr. Susanne Winnacker
Rektorin der hmt Rostock
Sehr verehrtes Publikum,
dass Großbritannien tatsächlich eine Insel ist, vergisst man leicht. Dass es dort nicht nur
Regen, Nebel, wuchtige alte Bauwerke gibt, seltsames Essen und Wirtschaftskrisen,
auch.
Die Musik aus Großbritannien, die wir Ihnen beim diesjährigen Kammermusikfestival
vorstellen werden ist einfach wunderschön, man hört sie nicht oft und das reicht
vielleicht schon, Ihnen das Gefühl von etwas Besonderem zu geben.
Neben Edward Elgar, Henry Purcell, Benjamin Britten, Malcolm Arnold und Gordon
Jacobs spielen Studierende und Lehrende der hmt für Sie Musik von Rebecca Clarke,
Frank Bridge, Arthur Somervell, Arnold Bax, Ralph Vaughan Williams, Peter Warlock und
Roger Quilter. Jeweils ein Konzert wird der englischen Moderne und dem Komponisten
Benjamin Britten gewidmet sein, um nur einige Highlights hier schon zu nennen.
Das Motto des diesjährigen Kammermusikfestivals »Reif für die Insel« soll Sie, liebe
Besucher, also nicht dazu verleiten, den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen und
einfach mal ganz weit weg zu fahren, sondern dazu, hier zu bleiben und sich die
teilweise sehr ungewohnte, spezielle und außergewöhnliche Musik der Insel
Großbritannien hier bei uns in der hmt anzuhören
Mein großer Dank gilt allen Organisatoren auf und hinter den Bühnen und Ihnen wünsche
ich viel Freude bei diesem auch für uns ganz besonderen Festival!
Herzlich,
Ihre
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Grußwort Prof. Stefan Hempel und Prof. Heiner Schindler
Organisatoren des Kammermusikfestivals 2013
»Reif für die Insel?«
Wir laden Sie ein, noch vor den Sommerferien mit uns eine Reise mit Musik und Wort
nach Großbritannien zu unternehmen. In zahlreichen Veranstaltungen haben Sie
Gelegenheit bei traumhafter, mitunter selten gespielter Musik zu entspannen. Die
Tatsache, dass die Musik britischer Komponisten selten auf dem »Festland« zu hören ist
hat ihre Ursache nicht in einem Mangel an britischer Musik. Der Reichtum der britischen
Musikkultur verschwindet hierzulande gelegentlich durch die Fokussierung des
Musiklebens auf die deutsch-österreichische Musiktradition.
Wir möchten genau diesen Reichtum der britischen Musik in Form einer
kammermusikalischen Exkursion auf die »Insel« zu Gehör bringen. Die Reise beginnt in
der Renaissance am Hofe Henrys VIII. und endet im Hier und Heute bei Kompositionen
der neuesten britischen Schule. Dabei werden nahezu alle Kammermusikwerke des
musikalischen Nationalhelden Sir Edward Elgar aufgeführt, einschließlich einer
erstmaligen Aufführung von drei bisher unbekannten Fragmenten für Klaviertrio, die wir
mit freundlicher Unterstützung der Elgar Society zur Verfügung gestellt bekommen
haben.
Auch ehren wir einen weiteren Patron der britischen Musik zu seinem 100. Geburtsjahr:
Benjamin Britten ist ein ganzes Konzert gewidmet, das die Fülle seines
kammermusikalischen Schaffens nachzeichnet. Wie bei vielen anderen Komponisten auch
ist die Kammermusik ein Prüfstein für jeden schöpferischen Musiker. Die intimsten und
am meisten vollendeten Werke eines jeden Œuvres stammen häufig aus dem Bereich der
Kammermusik.
Wie in jedem Jahr musizieren Studierende und Dozenten gemeinsam, wie immer werden
alle Beteiligten vor und hinter den Kulissen ihr Bestes geben, um Sie zu verzaubern.
Steigen Sie ein, wir freuen uns auf das gemeinsame Abenteuer!
Ihre
Stephan Hempel & Heiner Schindler
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Musikgeschichte Großbritanniens – ein ›Land ohne Musik‹?
Der Mythos, das Großbritannien ein ›Land ohne Musik‹ sei, ist eigentlich nicht zu halten.
Doch unterscheidet sich die Musikgeschichte Englands in einigen entscheidenden Punkten
von derjenigen des europäischen Festlands, insbesondere von der deutschösterreichischen Musiktradition, die insbesondere von der Wiener Klassik und der
deutschen Romantik geprägt ist. Die britische Musikgeschichte entfaltet ihren Reichtum
stärker an den Rändern, in der älteren Musik und in einer sehr eigenständigen
Weiterentwicklung der Spätromantik sowie der Musik des 20. Jahrhunderts.
Historisch spielt in der Musikgeschichte Großbritanniens, ähnlich wie in Frankreich, der
Zentralismus eine große Rolle. Die meisten Aktivitäten konzentrierten sich auf die
Hauptstadt London. Durch ihre Wirtschaftskraft und ihren Reichtum übte diese Stadt
über einen langen Zeitraum eine große Anziehungskraft auf die besten Musiker Europas
aus, von denen eine Vielzahl eine längere Zeit in dieser Metropole verbracht haben. Man
denke hier etwa an Georg Friedrich Händel, Joseph Haydn oder Felix Mendelssohn
Bartholdy.
Ein charakteristisches Merkmal der britischen Musikgeschichte ist die große
Chortradition, die noch heute das Musikleben an den englischen Colleges und Kirchen
prägt. Diese Tradition hat dazu geführt, dass die Bezugnahme auf ältere, vorbarocke
Musik ein wesentliches Element der britischen Musik ist. Seit dem 18. Jahrhundert ist die
Musikgeschichte Großbritanniens sehr stark von dem aufkommenden Musikmarkt
beeinflusst. Ein ausdifferenziertes Musikverlagswesen, kommerzielle Konzert- und
Opernunternehmen prägten die Zeit und waren auch für die Verpflichtung bedeutender
Musiker aus dem Festland verantwortlich. Unter diesen Umständen war es für englische
Komponisten nicht einfach, sich zu etablieren und nur wenige konnten sich dauerhaft
beim Publikum durchsetzen.
In den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts begann dann allerdings mit der
»English musical renaissance« eine neue Epoche in der Musikgeschichte Großbritanniens,
die sich von der Musik des viktorianischen Zeitalters abgrenzte. Dessen prominentester
Vertreter und gewissermaßen ›Gründervater‹ ist Edward Elgar gewesen. Aus dieser
eigenen Definition musikalischer Romantik entwickelte sich eine reiche Vielfalt an
kompositorischen Traditionen im 20. Jahrhundert, die mit der britischen Postromantik
bei William Walton, Michael Tippett und Benjamin Britten ihre volle Ausprägung
erreichte. Nach 1950 ist das Bild dann keinesfalls einheitlich, doch lässt sich insgesamt
eine Abgrenzung von den atonalen und seriellen Traditionen der europäischen
Avantgarde feststellen.
Insgesamt spiegelt die britische Musik einerseits die traditionelle Sonderrolle
Großbritanniens, zeigt andererseits aber auch die engen Verflechtungen mit dem
europäischen Festland.
Jan Philipp Sprick
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Dienstag, 14. Mai 2013
19:20
Foyer
Eröffnungsfanfare
William Byrd
(1543-1623)
19:30
KTS
The Earle of Oxford’s Marche
Lucas Marin Lopez
Yuki Urushihara
Yumiko Koizumi
Jiajun Liu
Eröffnungskonzert
Edward Elgar
(1857-1934)
Streicherserenade e-Moll op. 20
I. Allegro piacevole
II. Larghetto
III. Allegretto
Kammerorchester aus Studierenden
der hmt
Rebecca Clarke
(1886-1979)
Sonate für Viola und Klavier
Impetuoso
Vivace
Adagio
Karin Wolf, Viola
Yuko Ellinger, Klavier
Edward Elgar
(1857-1934)
Streichquartett e-Moll op. 83
II. Piacevole (Poco Andante)
III. Finale. Allegro molto
Elegio-Quartett
Isabella Kubiak, 1. Violine
Maria Potemkina, 2. Violine
Haruka Abe, Viola
Hsin-Chen Yeh, Violoncello
Pause
8
Malcolm Arnold
(1921-2006)
Fantasy for Horn solo
Malcolm Arnold
(1921-2006)
Three Shanties
Alexandru Afanasiev, Horn
Allegro con brio
Allegretto semplice
Allegro vivace
Bläserquintett der hmt
Carolin Ortwein, Flöte
Pina Mohs, Oboe
Sonja Jünemann, Klarinette
Alexandru Afanasiev, Horn
Martha Benkendorf, Fagott
Edward Elgar
(1857-1934)
Sonate für Violine und Klavier e-Moll
op. 82
I. Allegro
II. Romance. Andante
III. Allegro non troppo
Stefan Hempel, Violine
Stephan Imorde, Klavier
Edward Elgar
(1857-1934)
Introduction und Allegro für
Streichquartett und Streichorchester
op. 47
Elegio-Quartett
Kammerorchester aus Studierenden
der hmt
Edward Elgar (1857–1934)
9
Edward Elgar – »the first English Progressivist«
Sein Ruf als erster bedeutender englischer Komponist nach Henry Purcell und als
Repräsentant des British Empire erwarb sich Sir Edward Elgar vor allem aufgrund seiner
patriotisch gesinnten Werke. In der öffentlichen Wahrnehmung galt er häufig als
Prunkkomponist der Pomp and Circumstance-Orchestermärsche – eine Reputation, im
Wesentlichen gestützt auf den ersten und den vierten Marsch (1901 und 1907), von
denen der eine (unterlegt mit A. C. Bensons Text »Land of Hope and Glory«) fast zu
einer zweiten Nationalhymne mutierte, der andere zum Inbegriff nationaler Festmusik
und Ausdruck jener Ära des ›Hurra-Patriotismus‹ wurde, die sich mit der
Herrschaftsperiode von König Edward VII. (1901–10) verband. In die erste Reihe
britischer Komponisten katapultierten ihn jedoch bereits seine Enigma-Variationen
(1899) und sein Oratorium The Dream of Gerontius (1900). Letzteres wurde trotz
misslungener Premiere von der Kritik fast einhellig als Meilenstein gefeiert und
veranlasste Richard Strauss dazu, Elgar als »the first English Progressivist« zu loben.
Gerade jener Komponist, den die Nachwelt im besonderen Maße mit prunkvollen
Fanfaren zu Krönungsfeierlichkeiten oder ähnlichen offiziellen Anlässen in Verbindung
bringt, verlebte seine ersten vier Jahrzehnte abseits der etablierten Kreise von Geldund Erbadel. In der Provinz als Sohn eines Klavierstimmers und Musikalienhändlers in
Worcester aufgewachsen, war ihm der Weg zum Komponisten keineswegs vorgezeichnet.
Zwar sind erste Kompositionsversuche bis 1867 zurückzuverfolgen, seine formale
musikalische Ausbildung beschränkte sich jedoch im Wesentlichen auf Geigenunterricht
in Worcester und London. Pläne, Elgars Ausbildung durch ein Musikstudium in Leipzig zu
professionalisieren, scheiterten am Geldmangel. Jene Herkunft ohne höhere Schul- oder
gar Universitätsbildung sowie ohne Musikstudium war für Elgar Quell lebenslanger
Minderwertigkeitsgefühle, die teilweise zu tiefgreifenden schaffenspsychologischen
Krisen führten. Und obwohl sein Ehrgeiz darin bestand große Musik zu schreiben,
komponierte er in seinen ersten 30 Lebensjahren hauptsächlich kleinere Stücke –
geistliche Chormusik, Salonmusiken und Stücke für Ensembles, in denen er selbst
mitwirkte. Erst im Jahr 1890 zeigt sich mit der Konzertouvertüre Froissart der Anspruch
zur größeren Anlage in seinen Kompositionen.
Das kammermusikalische Schaffen Elgars bildet mit Blick auf sein Œuvre eher eine
Nebenlinie, war dabei aber nicht minder wichtig. So wird die Sonate e-Moll, op. 82,
häufig als Krönung aller Musik Elgars für Violine und Klavier bezeichnet. Und nicht
weniger spiegelt sich in seinen anderen Werken für Streicher der Umstand, dass der
Komponist selbst über eine außergewöhnlich gute Technik als Geiger verfügt haben
muss.
Sebastian Helzel
10
Mittwoch, 15. Mai 2013
19:30
KTS
Morgenstern Trio and Friends
Frank Bridge
(1879-1941)
Fantasy Trio H. 79 c-Moll
Arthur Somervell
(1863-1937)
Clarinet Quintet
I. Sostenuto- Allegretto
(quasi andante) grazioso
II. Intermezzo. Allegretto
III. Lament. Adagio non troppo
IV. Finale. Allegro vivace
Pause
Edward Elgar /
P. A. Rooke
Three Movements for Piano Trio
Edward Elgar
(1857-1934)
Klavierquintett op. 84
I. Lento assai- Allegro moderato
II. Menuetto and Trio
III. March for the Grafton Family
I. Moderato-Allegro
II. Adagio
III. Andante
Morgenstern Trio
Catherine Klipfel, Klavier
Stefan Hempel, Violine
Emanuel Wehse, Violoncello
Heiner Schindler, Klarinette
Karin Wolf, Viola
Holger Wangerin, Violine
11
22:00
OS
Nachtkonzert Englische Barock- und
Renaissancemusik
Georg F. Händel
(1685-1759)
Ouvertüre
La Rejouissance
La Paix
Minuet
Aus: Feuerwerks- und Wassermusik
Instrumentiert für 4-6 Hörner von
Michael Höltzel
I Cornisti !
Alexandru Afanasiev
Constance Banzhaf
Karin Knobloch
Manuel Lugo
Nikolas Pritzkat
Simen Fegran
Georg F. Händel
(1685-1759)
Triosonate h-Moll
Andante
Allegro ma non troppo
Largo
Allegro
Kristin Guddath, Flöte
Anna Zaubzer, Violine
Wilfried Futter, Violoncello
David Kantel, Cembalo
Gottfried Finger
Sonate C-Dur für Trompete, Violine und
(ca. 1660-ca.1730) Orgel
Andante
Adagio
Allegro
Adagio
Allegro
Ulrike Bals, Violine
Christian Packmohr, Trompete
Adelheid Göckeritz, Orgel
12
Henry Purcell
(1659-1695)
Sonata of three parts (1683)
Sonata VI C-Dur
Andante
Allegro
Largo
Allegro
Anna-Maria Kotani, Violine 1
Anna Zaubzer, Violine 2
Devon Rempel, Gitarre
Bori Lee, Violoncello
Henry VIII.
(1491-1547)
Songs & Consorts
»Lusty youth should us ensue«
»Without discord and both accord«
Consort XVI
»Pastyme with good company«
Ensemble TreCantus
Jana Karin Adam
Franns von Promnitzau
Wälti-Portativ (aus der Schweiz, 1992
Nachbau, mitteltönig)
William Corbett
(1680-1748)
Sonate C-Dur op. 1 Nr. 12 für Trompete,
Orgel und Violine
Adagio
Largo
Vivace
Allegro
Ulrike Bals, Violine
Christian Packmohr, Trompete
Adelheid Göckeritz, Orgel
13
Donnerstag, 16. Mai 2013
17:00
KMS
British Music Nowadays
James Clarke
(*1957)
Night (2001)
Alexander Goehr
(*1932)
Piano Trio op. 20 (1966)
Cornelius Cardew
(1936-1981)
Autumn 60 (1960)
Julia Hebecker, Flöte/Bassflöte
Heinrich Klassen, Englischhorn
Joshua Löhrer, Klarinette
Stefan Veskovic, Klavier
Francisco Anguas, Schlagzeug
Sebastian Dinu / Julia Hoffmann, Violine
Dorothea Schröder, Viola
Geuna Lee, Violoncello
Maximilian Hirning, Kontrabass
Konstantin Heuer, Leitung
Stefan Veskovic, Klavier
Sebastian Dinu, Violine
Geuna Lee, Violoncello
Julia Hebecker, Flöte
Heinrich Klassen, Oboe
Joshua Löhrer, Klarinette
Lucy Keyes, Fagott
Francisco Anguas, Schlagzeug
Sebastian Dinu /Julia Hoffmann, Violine
Dorothea Schröder, Viola
Geuna Lee, Violoncello
Maximilian Hirning, Kontrabass
Konstantin Heuer, Leitung
Pause
Jonathan Harvey
(1939-2012)
Vajra (2011)
Julia Hebecker, Flöte/Piccolo
Heinrich Klassen, Oboe/Woodblock
Joshua Löhrer, Klarinette
Lucy Keyes,
Fagott/Kontrafagott/Vibraphon
Kärt Ruubel, Klavier/Tam-Tam
Francisco Anguas, Schlagzeug
14
Julia Hoffmann / Sebastian Dinu, Violine
Dorothea Schröder, Viola
Geuna Lee Violoncello
Maximilian Hirning, Kontrabass
Konstantin Heuer, Leitung
Simon Holt
(*1958)
Sphinx (2000)
Richard Barrett
(*1959)
What remains (1991)
Sam Hayden
(*1968)
Partners in Psychopathology (1998)
Heinrich Klassen, Englischhorn
Francisco Anguas, Schlagzeug
Julia Hebecker, Flöte/Piccolo
Joshua Löhrer, Bassklarinette
Stefan Veskovic, Klavier
Julia Hebecker, Alt-Flöte/Piccolo
Joshua Löhrer, Bassklarinette/
Es-Klarinette
Francisco Anguas, Xylophon/Vibraphon
Stefan Veskovic, Klavier
Dorothea Schröder, Viola
Geuna Lee Violoncello
Konstantin Heuer, Leitung
Britische Moderne
Zu hören gibt es in diesem Konzert zeitgenössische Musik aus dem Vereinigten
Königreich, von Komponisten zweier Generationen. Die Stücke der älteren Generation
bringen diverse Einflüsse in die Gründung der gegenwärtigen, britischen Kunstmusik ein.
Alexander Goehr, Sohn eines Schönbergschülers aus einer deutsch-jüdischen Familie,
und Sir Peter Maxwell Davies, der im Augenblick den Titel »Master oft the Queen’s
Music« trägt, gehören zur Gruppe ›New Music Manchester‹. In Auseinandersetzung mit
dem Serialismus vom europäischen Festland finden sie zu einer polystilistischen
Kompositionsweise. Noch vor den bekannten, graphischen Komposition wie »Treatise«
schreibt Cornelius Cardew, der den amerikanischen Strang der neuen Musik in
Großbritannien protegiert, in den siebziger Jahren zum Liedschreiber der maoistischen
»People’s Liberation Group« wird und eines ungeklärten Todes stirbt, während seiner
Assistenz bei Stockhausen in Köln das älteste und unkonventionellste Stück. Es heißt
nach seinem Entstehungsdatum »Autumn 60«. John Cage spielte das Klavier in der
15
Uraufführung. Das neueste Stück im Programm ist ein Spätwerk des, an den
computergestützten, Pariser Klangfarbentechniken geschulten Jonathan Harvey.
Die Stücke der jüngeren Generation sind mannigfaltig. Die Instrumentalmusik Richard
Barretts, dem Schöpfer des zweistündigen Opus »Construction« für Ensemble und
Elektronik, das Utopie und Realität des Urbanen miteinander konfrontiert und daraus
einen gesellschaftlichen Anspruch entwickelt, stellt die Körperlichkeit des Musizierens in
den Mittelpunkt. Neophon spielt sein aufwühlendes Trio »What remains«. Simon Holt
lässt sich von der Antike inspirieren. Gerahmt wird das Programm von Tondichtungen
James Clarks und Sam Haydens, zweier Figuren eines Stils namens »New Complexity«.
Sie sind, ungeachtet des irritierenden, polemischen Getöses, mit dem ihre Verfasser sie
umgeben, von unmittelbarem, klanglichem Reiz.
Konstantin Heuer
19:30
KTS
Literatur und Musik
John W. Duarte
(1919-2004)
Insieme op. 72
Theme (Allegretto semplice e spontaneo)
I. Un poco agitato
II. Alla Marcia
III. Largo e dignitoso
IV .Scherzoso
V. Alla siciliana
VI. Finale
Klaudia Hinke, Gitarre
Adelheid Göckeritz, Cembalo
William Shakespeare
Sonette
(1564-1616)
Thomas Lettow
Moritz Stephan
Arnold Bax
(1883-1953)
Trio Elegiac für Flöte, Viola und
Harfe
Anastasia Maryy, Flöte
Anna-Maria Dragun, Viola
Andrea Höhener, Harfe
William Shakespeare
16
Sonette
Frederick Delius
(1862-1934)
Lieder nach Gedichten von Friedrich
Nietzsche (1898)
Nach neuen Meeren
Der Wandrer
Der Einsame
Der Wandrer und sein Schatten
Philipp Franke, Bariton
Estela Bernat, Klavier
William Shakespeare
Hans Gál
(1890-1987)
Sonette
»Three Marionettes« op. 74 for
Piano Duet (1958)
Pantalone
Columbina
Arlecchino
Friederike Haufe und Volker Ahmels,
Klavierduo
Pause
Arnold Bax
(1883-1953)
Sonate für Klarinette und Klavier
Molto moderato
Vivace
Luise Sachse, Klarinette
Olha Chipak, Klavier
York Bowen
(1884-1961)
Sonata for two Flutes
Allegro assai
Tranquillo e rubato
Allegro giocoso
Ya-Chuan Wu, Flöte
Anastasia Maryy, Flöte
17
William Walton
(1902-1983)
Facade 2 Entertainment für Rezitation
und Ensemble
Flourish
Aubade
March
Madame Mouse Trots
The Octogenarian
Gardener Janus Catches a Naiad
Water Party
Said King Pompey
Small Talk
Daphne
The White Owl
The Last Gallop
Emanuel Jessel, Rezitation
Frederike Hambach, Flöte/Piccolo
Melina Paetzold, Klarinette/Bassklarinette
Johan Olsson, Altsaxophon
Yuki Urushihara, Trompete
Paul Wagner, Schlagzeug
Miyoung Ahn, Violoncello
Edith Salmen, Musikalische Leitung
22:00
Schauspielstudio
Shakespeare-Vorspiel
Romeo und Julia
William Shakespeare (1564–1616)
18
Benjamin Britten zum 100. Geburtstag
Benjamin Britten war sechzehn Jahre alt, als er als Kompositionsstudent am Royal
Conservatory of Music angenommen wurde. Drei Jahre lang studierte er bei John Ireland,
einem angesehenen Lehrer. Dennoch fasst er an der Hochschule nie richtig Fuß, nur
einmal war ein Stück des Studenten Britten in den Mauern des Royal Conservatory zu
hören. Seine Erfolge feierte er in der Londoner Konzertszene – zum Beispiel als Gewinner
des Cobbett Preises, eines regelmäßig ausgeschriebenen Kompositionswettbewerb für
»Fantasien«. Der Stifter des Preises, Walter Wilson Cobbett, ist der Urheber unzähliger
sogenannter Phantasy-Pieces einer ganzen britischen Komponisten-Generation. Britten
gewann den Preis 1933 mit einem Streichquintett – das Quartett für Oboe und Streicher
wurde nicht noch einmal ausgezeichnet, dafür aber vom BBC im Radio gesendet und im
kommenden Jahr mit internationalen Nachhall bei einem Festival in Florenz aufgeführt.
Seine ersten professionellen Aufträge erhielt Benjamin Britten als Filmkomponist bei
GPO Film Unit ab 1935. Hier traf er auch auf W. H. Auden, von dem er zahlreiche Texte
vertonte und der auch als Librettist mit ihm zusammenarbeitete. Vieles, was Britten an
Vokalmusik schrieb, ist für den Tenor Peter Pears entstanden, Brittens Arbeits- und
Lebenspartner. 1939 verließen die beiden, W. H. Auden folgend, Großbritannien und
emigrierten als bekennende Pazifisten in die USA. Sie kehrten erst zurück, als im Jahr
1942 Brittens Antrag auf Befreiung vom Militärdienst akzeptiert wurde.
1945 feierte Benjamin Britten mit seiner Oper Peter Grimes seinen bisher größten
Erfolg. Um seine nächsten Opern künstlerisch als auch finanziell in seinem Sinne
umzusetzen, gründete Britten mit Peter Pears das Aldeburgh Festival. Bereits 1948 fand
dort die Uraufführung von Albert Herring statt. Das Festival entwickelte sich unter
Brittens und Pears künstlerischer Leitung zu einem unverzichtbaren Ort für die britische
Musikszene. Beide traten vor allem auch auf der Bühne in Erscheinung. In der Snape
Malting Hall dirigierte Britten 1970 die Erstaufführung von Schostakowitschs 14. Sinfonie
außerhalb der UDSSR, für Aldeburgh entstanden Brittens Werke für Violoncello für
Mstislav Rostropovich, zahlreiche Kammermusikwerke und Lieder sowie konzertante und
szenische Werke für Kinderchor.
Benjamin Britten war nie ein radikaler Komponist im avantgardistischen Sinne. Sein
größter Verdienst besteht vielmehr darin, mit seiner Musiksprache eine Tradition
aufzugreifen, mit der sich besonders seine britischen Zuhörer von Beginn an
identifizieren konnten. Britten vertonte Shakespeare und Blake, Auden und Thomas
Mann, mittelalterliche Miracle Plays und die Bettleroper. Die Offenheit und
Zugewandtheit an sein Publikum zeigt nicht zuletzt sein Engagement für das Aldeburgh
Festival und hier insbesondere seine Bemühungen für eine junge Generation an
Zuhörern: eines der bekanntesten Werke Brittens heißt nicht etwa Tombeau de Purcell,
sondern The Young Person's Guide to the Orchestra.
Lea Fink
19
Freitag, 17. Mai 2013
20:00
KMS
Portraitkonzert zum 100. Geburtstag von
Benjamin Britten
Songs and Proverbs op. 75 (1965) of William Blake für Bariton
und Klavier
Jonathan Boudevin, Bariton
Iryna Salvytska, Klavier
»Six Metamorphoses after Ovid« for Oboe Solo op. 49
I.
II.
III.
IV.
V.
VI.
Pan (who played upon the reed pipe which was Syrinx,
his beloved)
Phaeton (who rode upon the chariot of the sun for one
day and was hurled into the river Padus by a
thunderbolt)
Niobe (who, lamenting the death of her fourteen
children, was turned into a mountain.)
Bacchus (at whose feasts is heard the noise of gaggling
women´s tattling tongues and shouting out of boys.)
Narcissus (who fell in love with his own image and
became a flower.)
Arethusa (who, flying from the love of Alpheus, the
river god, was turned into a fountain.)
Paula Diaz, Oboe
Introduction and Rondo alla Burleska op. 23/1
Mazurka Elegiaca op. 23/2
Alessandro Palumbo und Hana Lee,
Klavierduo
Phantasy Quartet op. 2 für Oboe, Violine, Viola und
Violoncello
Katharina Rosenfelder, Oboe
Maria del Mar Vargas Amezcua, Violine
Jan Philipp Sprick, Viola
Valentin Preuß, Violoncello
Pause
20
Lachrymae, Reflections on a song of Dowland op. 48 (1950)
für Viola und Klavier
Su Min Oh, Viola
Yuko Ellinger, Klavier
Canticle III: Still falls the Rain (Edith Sitwell) op. 55 für Tenor,
Horn und Klavier
Karo Khachatryan, Tenor
Simen Fegran, Horn
Nayoen Kim, Klavier
3. Streichquartett op. 94
I. Duets
II. Ostinato
Melina Duttge, Violine
Franzisca Kussmaul, Violine
Dorothea Schröder, Viola
Wilfried Futter, Violoncello
Benjamin Britten (1913–1976)
21
22:00
OS
Nachtkonzert
Malcolm Arnold
(1921-2006)
Divertimento op. 37 für Flöte, Oboe
und Klarinette
1.
2.
3.
4.
5.
6.
Allegro energico
Languido
Vivace
Andantino
Maestoso
Piacevole
Carolin Ortwein, Flöte
Lisa Hofmann, Oboe
Luise Sachse, Klarinette
Ralph Vaughan-Williams
(1872-1958)
aus »Blake Songs« (1958) for
Voice and Oboe
Infant Joy
The Piper
The Sheperd
Cruelty has a Human Heart
Eternity
Shihoko Higashida, Sopran
Peter Facer, Oboe
Mark-Anthony
Turnage
(*1960)
Two Memorials für
Sopransaxophon solo
Trier (2000)
Memorial (1995)
Detlef Bensmann, Sopransaxophon
Gustav Holst
(1874-1934)
Terzetto für Flöte, Oboe und
Klarinette (1925)
1. Allegretto - Andante
2. Un poco vivace
Carolin Ortwein, Flöte
Lisa Hofmann, Oboe
Luise Sachse, Klarinette
22
Ralph Vaughan-Williams
(1872-1958)
Three Vocalises for Soprano and
Clarinet
Prelude
Scherzo
Quasi menuetto
Corinna Gönner, Sopran
Josefa Zalud, Klarinette
Michael Nyman
(*1944)
Songs for Tony I. und II. Satz
Adumá-Saxophonquartett
Anne Roedszus, Sopransaxophon
Pai Liu, Altsaxophon
Marina Elsner, Tenorsaxophon
Kathrin von Kieseritzky,
Baritonsaxophon
Ralph Vaughan-Williams (1872–1958)
23
Samstag, 18. Mai 2013
11:00
KMS
Matinee
Roger Quilter
(1877-1953)
To Julia (Herrick) 1905
für Bariton und Klavier op. 8
Prelude
The Bracelet
The Night Piece
Julia‘s Hair
Interlude
Cherri Ripe
Martin Hilbeck, Bariton
Jiyeon Jang, Klavier
Ralph Vaughan-Williams
(1872-1958)
Songs of Travel
Ralph Vaughan-Williams
(1872-1958)
Three Songs from Shakespeare
(1926)
Tilman Fröhlich, Bariton
Katharina Groß, Klavier
Take, o Take
When Icicles Hang By The Wall
Orpheus With His Lute
Shihoko Higashida, Sopran
Iryna Salvytska, Klavier
Peter Warlock (Heseltine) The Curlew (Yeats)
(1894-1930)
Damien Schmedje, Tenor
Frederike Hambach, Flöte
Pina Mohs, Englischhorn
Mari Suemasa, Violine I
Corinna Hentschel, Violine II
Germán de Evan, Viola
Ossama Altessini, Violoncello
24
Roger Quilter
(1877-1953)
3 Shakespeare- Songs op. 6
Come Away, Death
O Mistress Mine
Blow, Blow, Thou Winter Wind
Sang-Jin Kim, Tenor
Jiyeon Jang, Klavier
William Walton
(1902-1983)
Three Songs (Edith Sitwell) (1932)
Daphne
Through Gilded Trellises
Old Sir Faulk
Misato Mochizuki, Gesang
Klara Hornig, Klavier
Arthur Bliss
(1891-1975)
18:00
Foyer
Madam Noy (1918)
Katarzyna Rabczuk, Sopran
Frederike Hambach, Flöte
Johanna Ruch, Klarinette
Masumi Kusaka, Fagott
Fumika Hayashi, Harfe
Anna-Maria Dragun, Viola
Cai Yan, Kontrabass
English Pops
Studierende der Abteilung Pop- und Weltmusik
Leitung: Uli Kringler, Andreas Gomoll, Benjamin Köthe
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19:30
KTS
Abschlusskonzert
Gordon Jacob
(1895-1984)
Trombone Octet
Edward Elgar
(1857-1934)
Chanson de matin op. 15
Gordon Jacob
(1895-1984)
Klarinettenquintett g-Moll (1942)
Matthes Günther
Florian Becher
Daniel Tellez Gutierrez
Miguel Angel Lopez
Dillon Swift
Erik Weyer
Nuno Henriques
Matthias Prager
Jamie Williams, Leitung
Anna-Maria Kotani, Violine
Hana Lee, Klavier
IV. Introduction, Theme and Variations
Sonja Jünemann, Klarinette
Corinna Hentschel, Violine I
Mari Suemasa, Violine II
Germán de Evan, Viola
Ossama Altessini, Violoncello
Allan Stephenson
(*1949)
Fagottsextett
Martha Benkendorf
Masumi Kusaka
Juliane Beschnidt
Sihao Cheng
Peisen Zhen
Mathias Baier
Pause
Edward Elgar
(1857-1934)
Chanson de nuit op. 15
Anna-Maria Kotani, Violine
Hana Lee, Klavier
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Mark-Anthony
Turnage
(*1960)
Two Elegies Framing a Shout für
Sopransaxophon und Klavier
Joseph Horovitz
(*1926)
Sonatina for Clarinet and Piano
Detlef Bensmann, Sopransaxophon
Nadezda Tseluykina, Klavier
II. Lento, quasi andante
III. Con brio
Thomas Widiger, Klarinette
Olha Chipak, Klavier
Benjamin Britten
(1913-1976)
Mazurka Elegiaca op. 23 Nr. 2
Edward Elgar
(1857-1934)
Salut d’Àmour op. 12
Michael Nyman
(*1944)
The Piano Sings
Andrea Fan und Nicolai Gerassimez,
Klavierduo
I. The Heart asks Pleasure first
II. Lost and Found
III. Here to There
IV. The Promise
Adumá-Saxophonquartett
Anne Roedszus, Sopransaxophon
Pai Liu, Altsaxophon
Marina Elsner, Tenorsaxophon
Kathrin von Kieseritzky, Baritonsaxophon
Impressum:
Hochschule für Musik und Theater Rostock
Beim St. Katharinenstift 8
18055 Rostock
Redaktion: Dr. Jan Philipp Sprick
Die Texte von Lea Fink, Sebastian Helzel, Konstantin Heuer und Jan Philipp Sprick sind
Originalbeiträge für dieses Programmheft.
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