Nieren

Werbung
Nieren
Die ganze Entgiftung läuft über sie
Autor: Dr. med. Günter Gerhardt
16.01.2006Die Nieren sind so klein - die Länge der beiden Organe beträgt nur jeweils
12 Zentimeter - und sie leisten doch so großartiges. 1500 Liter Blut - also quasi so viel
wie ein großer Öltank voll - durchlaufen sie Tag für Tag. Das Blut wird hier gereinigt, die
Schadstoffe werden zusammen mit dem Harn ausgeschieden. Damit am Ende nicht
mehr als 1,5 Liter Harn ohne wertvolle Bestandteile ausgeschieden werden, müssen
die Nieren eine komplizierte Arbeit verrichten. Sie sind deswegen nicht einfach nur mit
einem Filter zu vergleichen, sondern haben einen komplizierten und hochspezialisierten
Aufbau.Die beiden Nieren liegen in der Lendengegend, rechts und links von der
Wirbelsäule. Sie sind die hintersten Organe. Um sie vor Stößen und vor Kälte zu
schützen, sind sie weich in eine Fettkapsel eingebettet. Vom Aussehen ähnelt die Niere
einer Bohne. Der englische Name für Niere zeigt dies deutlich, es ist derselbe wie für
Bohne, nämlich "kidney". Da wo das Weiße der Bohne sitzt, ist auch die Niere
eingedellt. Hier befinden sich der Eingang und die zwei Ausgänge der Niere.Der
Eingang ist ein großes Blutgefäß, eine direkte Abzweigung der Aorta, der
Hauptschlagader. Hier wird das Blut mit viel Druck in die Niere hineinbefördert und
verteilt sich auf mikroskopisch kleine Arbeitseinheiten der Niere. Diese heißen
Nephrone (Name kommt von griechischer Bezeichnung für Niere). Über eine Million
solcher Arbeitseinheiten besitzt jede Niere. Jede Arbeitseinheit besteht aus einem
winzigen Bündel von Blutgefäßen, das von einer mikroskopisch kleinen Kapsel
geschützt ist und aus einem verschlungenen Gangsystem aus dünnen Rohren. Das
Bündel von Blutgefäßen hat sehr poröse Wände, deswegen sind die Blutgefäße leicht
zerreißbar und werden noch einmal extra noch einmal von einer Kapsel umhüllt. Durch
die Poren werden Wasser und kleine feste Teilchen hindurchgepresst, wie Harnsäure,
Salze, Traubenzucker (Glukose), Aminosäuren und Vitamin C, während die roten
Blutkörperchen und die großen Eiweißmoleküle in den Blutgefäßen bleiben. Dies
funktioniert ähnlich wie ein Kaffeefilter. Der verbleibende Teil des Blutes verlässt die
Niere über eine wegführende Vene und wird wieder dem Blutkreislauf zugeführt. Dies
ist der eine von den oben erwähnten beiden Ausgängen der Niere.Innerhalb der Niere
verbleibt ein Rest klar gefiltertes Blut. Dieses wird durch das verschlungene
Gangsystem aus dünnen Rohren geführt. Jetzt beginnt die Hauptarbeit der Niere. Sie
muss die kleinen Bestandteile im gefilterten Blut trennen in solche, die die Körper
verlassen sollen, weil sie ihn schädigen würden, und in solche, die dem Kreislauf
erhalten bleiben sollen und ihn nicht verlassen sollen. Vor allem Traubenzucker,
Aminosäuren und einige Mineralsalze und Jod werden daher für den Körper
zurückgewonnen. Dazu hat die Niere verschiedene Tricks auf Lager: teilweise arbeitet
sie mit einem Konzentrationsunterschied und teilweise sammelt sie die wertvollen
Bestandteile der Nierenflüssigkeit aktiv durch spezialisierte Nierenzellen (Epithelien).
Kleine Zwischenerklärung: Bei Diabetikern, die zuviel Zucker im Blut haben, ist die
Niere mit der Rückgewinnung überfordert und der Traubenzucker landet im
ausgeschiedenen Harn. So auch der Name Diabetes, was soviel wie "süßer Harn"
bedeutet.Die Flüssigkeit von mehreren Arbeitseinheiten gelangt in ein Sammelrohr.
Aber hier wird das gereinigte Wasser ins Blut zurückgeschleust, dadurch wird der Harn
immer dicker und konzentrierter. Durch Hormone, die die Nierenfunktion beeinflussen,
steuert der Körper die Konzentration des Harns, abhängig vom jeweiligen
Wasserbedarf des Körpers. D.h. wenn wir wenig getrunken haben, hat der Körper
einen höheren Wasserbedarf und es wird mehr Wasser aus dem Harn
zurückgewonnen. Haben wir jedoch viel getrunken, lässt die Niere mehr Wasser im
Harn. Auf diese Weise gleicht die Niere aus, wenn wir mal mehr oder mal weniger
trinken. Häufiger Durst ist aber nicht gut, weil die Arbeitseinheiten der Nieren
kontinuierlich arbeiten. Bekommen sie aber zuwenig Arbeitsmaterial, sprich Flüssigkeit,
kann dies zu einem Nierenversagen führen.Im Normalfall wird von den ursprünglichen
150 bis 180 Liter Flüssigkeit, die als gefiltertes Blut durch die Nierenkanälchen
hindurchgeschickt werden, nur etwa 1,5 Liter als Harn im Nierenbecken aufgefangen.
Von dort aus werden sie über die Harnleiter (dies ist der zweite Ausgang, jede Niere
hat einen) in die Harnblase geführt und dann über die Harnröhre ausgeschieden. Da
ein Mensch von 75 Kilogramm Gewicht etwa 6 Liter Blut besitzt, durchläuft also jeder
Tropfen Blut mehrmals am Tag die Nieren und wird auf diese Weise mehrmals täglich
gereinigt.Neben der Blutreinigung und damit verbundenen Harnbildung hat die Niere
aber noch einige weitere wichtige Funktionen. So bildet sie ein Hormon, das
Erythropoetin, das die Bildung von roten Blutkörperchen anregt. Der komplizierte Name
ist besser bekannt unter "EPO", als solches nehmen es nämlich Radsportler gerne aber
unerlaubterweise ein, denn mehr rote Blutkörperchen verbessern den Sauerstoffgehalt
des Blutes und damit die Ausdauerfähigkeit des Sportlers.Die Niere trägt wesentlich zur
Regulation des Blutdrucks bei. Wird nur wenig Natrium ausgeschieden, steigt der
Blutdruck. Wird mehr Natrium ausgeschieden, sinkt der Blutdruck. Die Nieren
produzieren auch ein Enzym mit dem Namen Renin, das ebenfalls zur
Blutdruckregulierung beiträgt. Deswegen haben Menschen mit einer geschädigten
Niere, wie z. B. Diabetiker, auch oft einen erhöhten Blutdruck. Neue Blutdrucksenker
greifen daher auch in das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) der Niere
ein.Erkrankungen der NiereAkutes Nierenversagen: Durch Vergiftung (Medikamente,
Gifte) werden die Arbeitseinheiten der Niere beeinträchtigt, dies kann auch durch
Rückstauung des Harns wegen Harnsteine oder einem Geschwulst zustande kommen.
Auch bei starkem Blutverlust, starkem Wassermangel versagen die Nieren. Bei
Ursachenbehebung regenerieren die Nieren oft von selbst.Chronisches
Nierenversagen: Vor allem durch einen zu hohen Blutzucker (Diabetes mellitus) und
einen zu hohen Blutdruck werden die kleinen Gefäßbündel der Nieren geschädigt.
Erstes Symptom: Häufiges Aufsuchen der Toilette in der Nacht. Führt zu Folgeschäden
wie Übersäuerung des Blutes und Schadstoffanreicherung. Oft muss ein externes
Gerät die Blutreinigung übernehmen (Dialyse).Nierenbeckenentzündung
(Pyelonephritis): Häufigste Nierenerkrankung, Entwickelt sich leicht aus einer
nichtbehandelten Blasenentzündung. Wichtige Anzeichen: Schmerzen und blutiger
Harn.Nierenentzündung (Nephritis): Es wird unterschieden, ob die Nierenkanälchen
oder die kleinen Bündel von Blutgefäßen betroffen sind. Häufigste Ursache: Allergien
auf Medikamente und andere fehlgeleitete Immunreaktionen. Dadurch können
Substanzen passieren, die sonst nicht in den Harn gelangen.Das sagt uns der
HarnEine erste Harndiagnose können wir selbst stellen: Ist der Harn dickflüssig,
dunkelgelb und riecht streng, haben wir zuwenig getrunken. Trinken Sie zwei Liter am
Tag und dies regelmäßig, damit die Niere keine Zwangspause einlegen muss, die
schädigend ist. Der Harn sollte dann hellgelb sein.Der Arzt kann noch mehr feststellen:
Innerhalb von einer halben Minute weiß er mit einem Teststreifen, ob sein Patient
Eiweiß mit dem Harn ausscheidet. Das ist Zeichen einer Nierenschädigung, weil die
Nieren es ja nicht durchlassen dürfen. Findet er kleinste Mengen (Mikroalbuninurie), ist
das meist ein Anzeichen für einen zu hohen Blutdruck oder für beginnenden Diabetes
mellitus.Der Teststreifen ergibt weiteren Aufschluss: Kreatinin ist ein Abbauprodukt des
Muskelstoffwechsels, es sollte ausgeschieden werden und zeigt die
Funktionstüchtigkeit der Nieren. Ketone entstehen, wenn der Körper Fett abbaut.
Nitritwerte steigen an, wenn der Harn Bakterien enthält. Ein hoher Säuregehalt ist
Zeichen einer falschen Ernährung (zu viel Fleisch, zu wenig Gemüse). Die Menge der
Mineralstoffe sollte im gesunden Harn gering sein.Wenn Eiweißstoffe im Urin
festgestellt wurden, wird in der Regel mittels einer Gewebeentnahme aus der Niere die
Nierenerkrankung genauer bestimmt. Hier hat eine US-Firma zusammen mit der
medizinischen Hochschule Hannover ein modernes Verfahren entwickelt: Eine
spezielle Analyse der Eiweißstoffe sagt, um welchen Nierenschaden es sich handelt. In
wenigen Jahren werden aus dem Harn in einem Speziallabor wesentlich mehr
medizinische Informationen zu erhalten sein als heute.
Herunterladen