B. Unerwünschte Immunreaktionen

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Immunpharmakologie
A.
Grundlagen des Immunsystems
A.1. Immunantwort
A.2. Erkennung von Antigenen durch T-Zellen
A.3. Antikörper
B.
Unerwünschte Immunreaktionen
B.1. Ablauf
B.2. Ursachen
B.3. Einteilung
C. Pharmakotherapie von unerwünschten
Immunreaktionen
C.1. Hemmung von Immunreaktionen
C.1.1. Hemmung der Freisetzung oder Wirkung von
Entzündungsmediatoren
C.1.2. Immunsupressive Pharmaka
C.2. Förderung von Immunreaktionen (Mediatoren des
Immunsystems)
C.2.1. Granulocyten-Kolonie-stimulierender Faktor
(G-CSF)
C.2.2. Immunstimulantien
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Immunpharmakologie
A.
Grundlagen des Immunsystems
A.1. Immunantwort
-
unspezifische Abwehr
im Plasma gelöste Abwehrstoffe: Lysozym, Komplementfaktoren,
natürliche Killerzellen (NK), Phagocyten
Anlocken durch Chemokine (Chemotaxis), Schädigung und
Phagocytose des Erregers
-
spezifische humorale Abwehr
Antikörper produziert von B-Lymphocyten nach Aktivierung
-
spezifische zelluläre Abwehr
Aktivierung von T-Lymphocyten (T-Zellrezeptor): cytotoxische
T-Zellen, T-Helferzellen (auch Aktivierung von B-Zellen)
Cytotoxische T-Zellen (CD8 positiv): töten Zielzellen ab
T-Helferzellen (CD4 positiv):
TH1: sezernieren Interleukine, Interferon, TNF
TH2: sezernieren Interleukine Aktivierung B-Zellen
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MHC I
Interferon
TH2
TH1
Perforin
MHC I
humoral
zellulär
Vereinfachtes Schema der Immunantwort
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A.2. Erkennung von Antigenen durch T-Zellen
T-Zellrezeptor auf T-Zellen erkennt Antigenfragmente, die mit Hilfe von
MHC-Molekülen (major histocompatibility complex) auf der
Zelloberfläche von Antigen präsentierenden Zellen (APC) präsentiert
werden.
MHC I: auf allen Zellen
Binden Peptide von Erregern
Cytotoxische T-Zellen (CD8 Corezeptor) erkennen Peptid: MHC I
MHC II: v.a. auf Immunzellen
Binden Peptide aus phagocytierten Antigenen
T-Helferzellen (CD4 Corezeptor) erkennen Peptid: MHC II
T-Helferzelle (TH )
APC
Cytotoxische T-Zelle
APC
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A.3. Antikörper
Y-förmig:
Fab-Fragment bindet Antigen
Fc-Fragment bindet an Fc-Rezeptor von Phagocyten
IgG, IgE, IgM, IgA, IgD
Antikörpervielfalt: Gründe: multiple Gene, somatische Rekombination,
somatische Mutation  1011 verschiedene AntikörperVarianten
Funktion:
Komplement:
Neutralisierung, Opsonisierung, Komplementaktivierung
System von Plasmaproteinen, die mit gebundenem
Antikörper interagieren
Wirkung: Chemotaxis ( Entzündung durch Anlocken
von Leukocyten), Lyse, Opsonisierung
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B.
Unerwünschte Immunreaktionen
(Allergische Reaktionen)
Allergie (griech.: anders handeln), veränderte Immunreaktion
B.1. Ablauf
-
-
AG-Erstkontakt  AK-Bildung T-Zellaktivierung  Sensibilisierung
Überschießende IA bei erneutem AG-Kontakt = allergische
Reaktion (Typ I-IV)  Entzündungsreaktionen (Zerstörung von
Zellen und Geweben)  klinische Erscheinung
Allgemeine Therapie:
-Allergenkarenz
-symptomatisch z.B. Immunsuppression,
Entzündungshemmung
B.2. Ursachen
1. Reaktionen auf „harmlose“ Fremdsubstanzen
z.B. Heuschnupfen, anaphylaktischer Schock, atopisches
Ekzem, Kontaktekzem
2. Autoimmunerkrankungen: Reaktion gegen körpereigenen
Antigene
z.B. Rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose
3. Transplantatabstoßung: Reaktion gegen transplantierte
Organe
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B.3. Einteilung
Allergische Reaktionen Typ I-IV
Typ I (anaphylaktische allergische Reaktion)
Sensibilisierung führt zur Bildung von IgE, Fc-Ende bindet an Mastzellen
(basophile Granulocyten), beim 2. Kontakt Antigenbindung an IgEbesetzte Mastzellen  rasche Ausschüttung von
Entzündungsmediatoren
Immunkomponente: IgE
Antigen:
löslich
Effektor:
Mastzellen (Gewebe), basophile Granulocyten (Blut);
Ausschüttung von Mediatoren (Histamin, Leukotrien)
z.B. Heuschnupfen, anaphylaktische Reaktion
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Histamin
 in Natur weit verbreitet (Brennesselhaare, Insekten)
im Menschen
- Mastzellen, basophile Granulocyten
- Magen: Speicherung in Schleimhaut  stimuliert
Magensäureproduktion
- Gehirn: Überträgerstoff von histaminergen Neuronen
 Bildung aus Histidin
 Freisetzung aus Gewebsmastzellen
und basophilen Granulocyten
 Rezeptor-Subtypen und Wirkungen
Histamin aktiviert G-Protein gekoppelte Histaminrezeptoren (H1, H2, H3)
H1-Rezeptor:
Stimulation Aktivierung Phospholipase C  Ca2+-Freisetzung
Bronchokonstriktion, NO-vermittelte Vasodilatation,
Gefäßpermeabilität  (Rötung), Erregung sensibler
Nervenendigungen  Juckreiz
H2-Rezeptor:
Stimulation  Aktivierung der Adenylylcyclase  Aktivierung
cAMP abhängiger Proteinkinasen
Magensäure-Produktion steigt, Vasodilatation
H3-Rezeptor:
Hemmung der Adenylylcyclase (nicht genau bekannt)
Hemmung der exocytotischen Transmitterfreisetzung (Gehirn)
 Klinische Bedeutung: H1 und H2- Blocker
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Typ II (cytotoxische allergische Reaktion)
Allergen bindet an Zelloberfläche (z.B Medikamente binden an
Thrombocyten), körpereigene Zellen werden als fremde behandelt
Immunkomponente: IgG oder IgM
Antigen:
Proteinkomplex an Zelloberfläche
Effektor:
komplement- oder antikörperabhängige zelluläre
Mechanismen, Makrophagen
z.B. Arzneimittelallergie
Lupus erythematodes
thrombocytopenische Purpura (Hautblutung)
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Typ III (allergische Immunkomplexreaktion)
Antikörperkomplex  Ablagerung in Gefäßen  Gefäßschädigung
Entzündung  Gewebeschädigung
Immunkomponente: IgG oder IgM
Antigen:
löslich
Effektor:
Komplement,
Phagocyten
z.B. rheumatoide Arthritis,
Reaktionen auf Tierseren
(„Serumkrankheit“)
Therapie: symptomatisch (z.B. Glucocorticoide)
Typ IV (T-Zell vermittelte allergische Reaktion)
Bei „chronischer“ AG Exposition
Immunkomponente: T-Zellen (TCR)
Antigen:
zellassoziert (MHC)
Effektor:
Cytotoxizität,
Phagocytose
z.B. Kontaktekzem, atopische Ekzem; Autoimmunerkrankungen,
Abstoßung von Transplantaten
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C. Pharmakotherapie von unerwünschten
Immunreaktionen
C.1. Hemmung von Immunreaktionen
Jede Hemmung des IS hat negative Folgen
Nebenwirkungen: - erhöhte Infektionsgefahr
- Steigerung des Risikos für maligne Neoplasien
C.1.1. Hemmung der Freisetzung oder Wirkung von
Entzündungsmediatoren
Anwendung: Prophylaxe und Therapie von allergischen Reaktionen Typ I
Mastzelldegranulationshemmer (-stabilisatoren)
Chromoglicinsäure, Nedocromil
Hemmung der Freisetzung von Mediatoren (Histamin, Leukotrien) aus
Mastzellen; Wirkmechanismus unbekannt
Anwendung: Asthma bronchiale (Inhalation)
H1-Rezeptor-Antagonisten (H1 Antihistaminika)
1. Generation: Promethazin, Clemastin
- Spezifität NW z.B. im ZNS
- Anwendung: bei allergischem Schock
2. Generation: Terfenadin, potenziell kardiotoxisch  nicht mehr auf dem
Markt, Nachfolger: Fexofenadin
- ZNS NW
Leukotrienrezeptor-Antagonisten
Montelukast
- perorale Verabreichung, gegen Entzündung der Bronchialschleimhaut
Anwendung: Prophylaxe bei Asthma bronchiale
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C.1.2.
Immunsupressive Pharmaka
 Hemmung der Proliferation von Lymphocyten und anderen sich
schnell teilenden Zellen
 NW (z.B. Krebs, Erkrankungen des Magen-Darmtrakts, Haarausfall)
 Anwendung allgemein: Autoimmunerkrankungen, Transplantationen
Cyclosporin und ähnliche Pharmaka
Cyclosporin A
Cyclisches Peptid aus Pilzen
11 atypische AS,  orale Gabe möglich
Wirkung: Hemmung der Interleukin-2 -Bildung,
Proliferation/Differenzierung von T-Zellen
Tacrolimus (früher FK506), Wirkmechanismus ähnlich wie Cyclosporin
Sirolimus blockiert Signaltransduction von IL-2  T-Zellproliferation
Anwendung: Standardtherapie bei Organtransplantation (maßgeblich an
Erfolgen beteiligt)
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Cyclosporin
Lipophiles, cyclisches Peptid (orale Gabe)
Hemmt Synthese von Interleukin-2
Blockierung Proliferation/Differenzierung von T-Zellen
1.
2.
3.
4.
Cyclosporin bindet an Cyclophilin
Cyclosporin:Cyclophilin blockiert Calcineurin
keine Aktivierung (Dephosphorylierung) von NF-Atc
keineTranskription von Interleukin-2
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Zytostatika
 Anwendung in relativ geringer Dosis
Azathioprin
Purin-Antimetabolit: metabolisiert zu
Mercaptopurin  falsches Nukleotid
Cyclophosphamid
kovalente Bindung an die DNS
sehr stark immunsupressiv
Methotrexat
Hemmstoff der DihydrofolsäureReduktase, beteiligt an der
Tetrahydrofolsäurebildung
Mycophenolat-mofetil
Hemmung der IPM-DH
(InosinmonophosphatDehydrogenase) notwendig für Purin
de novo Synthese
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Glucocorticoide
Steroidhormone, Regulation der Transkription und weitere
Wirkmechanismen
Anwendung bei unerwünschten Entzündungsreaktionen: Heuschnupfen,
Asthma bronchiale, Ekzemen der Haut, rheumatoide Arthritis,
Transplantatabstossung
Nebenwirkungen bei systemischer/chronischer Applikation  CushingSyndrom, Osteoporose durch Verminderung der Calciumresorbtion
Weitere Hemmstoffe der Immunreaktion
Antikörper
Muromonab CD3
monoklonaler Antikörper gegen CD3
Daclizumab, Basiliximab
 Chimäre, monoklonale Antikörper gegen Rezeptor für Interleukin2
 Fc: human, Fab: muringeringere Antigenität
AK gegen CD4 (T-Helfer Zell-spezifisch) in klinischen Studien
Antilymphocyten-Serum
mit humanen T-Lymphocyten immunisierte Pferde oder Kaninchen
produzieren IgG, diese besetzen oder schädigen T- Lymphocyten
Interferon 
Therapie der multiplen Sklerose (Downregulation MHCII auf APC?)
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C.2. Förderung von Immunreaktionen (Mediatoren
des Immunsystems)
C.2.1. Granulocyten-Kolonie-stimulierender Faktor
(G-CSF)
Filgrastim, Lenograstim
 Cytokine, Glycoproteine stimulieren im Knochenmark spezifisch die
Bildung und Ausschüttung von neutrophilen Granulocyten 
Förderung der unspezifischen Immunantwort
 Anwendung: Ergänzung bei Zytostatikatherapie
C.2.2.
Immunstimulantien
kaum effektive Maßnahmen zur Verfügung
Anwendung: Steigerung der Immunabwehr gegen Tumorzellen
häufig wenn Chemotherapie nicht mehr wirkt
z.B.
- Tuberkuloseimpfstoff BCG  bei Melanomen
- Anthelminthikum (Tetramisol)  antineoplastische Effekte im
Tierversuch
- Interleukin 2 stimuliert cytotoxische T-Lymphocyten  Therapie
metastasierender Nierenzellkarzinome
- monoklonale Antikörper (Edrecolomab, Rituximab)  Therapie
kolorektaler Karzinome, follikulärer Lymphome
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