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8. März, II
Block 1: Warenhandel – Menschenhandel – Arbeitskraft
Chinesische Seide, indische Kalikos, Maschinengarn aus Manchester – „Industrielle
Revolution“ aus globalhistorischer Perspektive
Vortragende: Andrea Komlosy (Wien)
(liegt im Sekretariat Afrikanistik auf)
Begriffe
 Industrie
Gewerbliche Marktproduktion, Industriearbeit ist dafür erforderlich (Haus, Handwerk,
Fabrik, bezahlt, unbezahlt,….)
 Industrialisierung
Prozess des Wachstums d. industriellen Sektors im Verhältnis zu anderen Sektoren
 Deindustrialisierung
 Industrielle Revolution
Sozioökonomische, techn., organisatorische Neuerungen, verbunden mit neuem
mechanischen Antrieb, Zentralisierung (18.Jhdt.: führende Industrieländer: China,
Indien)
Nur wenige Staaten mit industrieller Revolution: GB, europ. Kontinent tw. (wichtigste
Industrieproduzenten vollzogen keine IR)
Spezialisierung: Textilsektor, China und Indien bzw. England und Schweiz
Wie waren Arbeit und Produktion organisiert?
Englische Entwicklung: englische IR war eine Form des Aufholens GBs gegenüber den
asiatischen Ländern; viele asiatische Textilregionen gerieten durch die Engländer unter
Druck, was dort in Deindustrialisierung umschlug (= Kehrseite der Revolution).
Ausgangspunkt 18.Jhdt.: Regionen waren damals in eine Weltumfassende Arbeitsteilung
eingebunden mit Zentrum Mittelmeerraum NW-Europa, asiatische Reiche gerieten in
westliche Abhängigkeit was einen Wandel zur Folge hatte: Hegemonie der europ.
Seemächte trat an die Stelle einer multizentralen Ordnung (England, NL, F,…);
Interpretation des Wandels wurde von Europa geprägt!
Europ. Entwicklung relativieren: regionale Perspektive wechseln! Interkulturell
vergleichen!
China: Kapitalistische „Sprossen“?
18.Jhdt., Bestandsaufnahme:
 Baumwollindustrie: größter Wirtschaftssektor Chinas, bäuerliche Hausindustrie
(der Mann pflügt, die Frau webt), Nachfrage nach Textilien entsteht, 60-70
Millionen Baumwollstoff-produzierende Haushalte (für den Markt produziert),
keine merkantilen Verleger, keine technische Innovation, Monopol des
Außenhandels (chinesische Regierung kontrollierte den Handel indem sie nur
einen Hafen zuließ).
 Seidenindustrie: auch in den bäuerlichen Haushalt integriert, außer Weberei: war
eigenes Handwerk (staatl. Manufakturen, private Handwerker). Beginn 18.Jhdt.
bildet sich in den Städten ein Unternehmertum das die ländl. Unternehmen unter
Kontrolle bringt („Zhang-fang“ System = Verlegersystem: Generalunternehmer
kontrollieren durch Einkauf ihre Zulieferer/Verleger, arbeitet über Mittelsmänner;
gewisse Vorarbeiten werden aufgeteilt auf andere Betriebe  Spezialisierung).
Chinesischer Kapitalismus?
Baumwollindustrie: keine Ansätze von Kapitalismus (obwohl dort mehr produziert wurde
als in der europ. Baumwollindustrie);
Seidenindustrie: „Kapitalistische Sprossen“ (Embryonic Capitalism)
 China wurde vom Westen zu Unrecht des orientalischen Despotismus’ bezichtigt
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
Indien: Das „Thread & Money“-System der Ostindien-Kampagnien
- Küsten waren von europ. Handelskompanien gesäumt (Welthandel war aber schon
vorher da); vorwiegend Gewürze, später Dekorstoffe (z.B. Calico – hochwertiger
Baumwollstoff), ca. seit 1500
- 1650 bis 1750: Beziehung zw. Europäischen Händlern und indischen Produzenten
wandelt sich: immer weitere Eingriffe der Händler in den Produktionsprozess
(Wunsch nach Standardisierung, Nachfrage war extrem hoch)
- Handelskompanien nehmen immer mehr Einfluss: „Thread&Money“-System:
Verlagssystem, unter Kontrolle der Handelsgesellschaft (ähnlich wie Zhang-fang –
Arbeitsteilung, Kredite, Vorschüsse, Mittelsmänner,…)
- Um 1700: Importverbot für indische Baumwolldrucke (obwohl sie davor stark in
Mode waren), wodurch gewisse Regionen in Indien herunterkommen (Ausnahme
Bengalen: unbedruckte Stoffe werden sehr populär)
Kapitalistischer Charakter?
Eindeutig vorhanden, ist allerdings nicht in eine IR gemündet sondern in
Deindustrialisierung
- Ab 1757: East Indian Company lenkt den indischen Export um (Rohbaumwolle,…)
England: die „klassische Legende“
Interne Faktoren:
- England als Ursprungsland der Industriellen Revolution (Technisch/mechanischer
Aspekt florierte sehr stark sehr schnell, Arbeitsbedingungen - Mentalitätswandel,
gesellschaftliche Situation – staatliches Engagement bei neuer
Produktionsweise,…)
- Durch diese Faktoren entsteht ein Gesamtbild in dem sich die engl. Gesellschaft in
ihrer inneren Dynamik präsentiert (modern, wachstumsorient, kapitalistisch,…)
England andersrum: Musterland der Importsubstitution
Importsubstitution: versucht Importe durch Einheimische Produktion zu substituieren um
von außen unabhängig zu werden.
Globaler Aufstieg:
- englischer Aufholprozess beginnt im 16.Jhdt.: eigene Kapazitäten entwickeln,
Protektionistische Maßnahmen (auch militärisch), Eroberung von neuen
Absatzmärkten (Bsp.: Konkurrenz der Holländer wird gebrochen: England wird
Wollstoffproduzent – vorher wurde nur Schafswolle produziert, kein Endprodukt)
- Baumwolle, Seide: Import aus Asien wurde mit Lateinamerikanischem Silber
(Kolonie) bezahlt; Konkurrenz zw. Einerseits den Handelsgesellschaften,
andererseits den Produzenten
- 17.Jhdt.: „Verlagssystem“ (nicht zentralisiert, aber auf Massenabsatz gerichtetes
Produktionssystem): sowohl in England (Wollstoffe) als auch in Indien (Spinn- und
Webarbeiten); überall getragen von der ländlichen Bevölkerung
- Importverbot für indische Calicos basiert auf einer Forderung nach Einfuhrverbot
für indische Wollprodukte, nicht aber für schlichte gewebte Stoffe (England hatte
keine Webereitradition). Damit sollte der Re-Export von bedruckten Stoffen nach
Indien erschlossen werden.
Interessensgegensätze:
- Wollproduzenten – Importeure (Importverbot für Drucke).
- Wollproduzenten – Baumwollproduzenten (1720 Erzeugungs- und
Konsumverbot für Baumwolldrucke, Luxusgesetz – durchgesetzt von
englischen Baumwollproduzenten; 1736 wieder aufgehoben).
- Mechanisierung (Baumwollindustrie ist leading sector; 1740-1770:
Verlagssystem bildet sich heraus, ist aber nicht ausreichend weshalb bis 70er
noch immer zusätzlich aus Indien importiert wird; ab 1770er: Mechanisierung
des Spinnens, später des Webens).
- Indische Rohbaumwolle wird von nun an nicht mehr für England produziert
(eher für chinesische Tees, Zucker…)
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
-
Ab Ende 18.Jhdt.: Rohbaumwolle wird aus Karibik und Südamerika importiert
(Sklavenarbeit)
IR ist kein singuläres Ereignis, sonder die Mechanisierung war eine Folge der
Importsubstitution. Spitzenreiter der Textilproduktion waren damals die ostasiatischen
Gebiete. England schaltete Koloniale Konkurrenten, Produzentenkonkurrenz etc. aus und
wurde damit Vormacht.
Um diese Vormachtsrolle gab es starke Konflikte! (GB, F,…) z.b. Kontinentalsperre der
Franzosen
- 1720-1730 gab es einen Versuch einer Ost-Indien-Handelskompanie seitens
Österreich; hatten aber keine Chance gegen die Großen GB, F, NL, Spanien,…
und haben es freiwillig wieder eingestellt
Österreich und die Schweiz: Industrialisierungserfolge ohne Kolonien?
- gute Entwicklung (ab 1718) der Textilindustrie weil keine Konkurrenz mit
anderen großen Mächten
- erfolgreiches Verlagssystem ab 18.Jhdt.; wird aber stark unter Druck gesetzt
ab dem Moment in dem es in England Maschinengarn gibt;
Reaktionen: es wurde im Nachvollzug Industrialisiert, Rückstände blieben aber
aufrecht
Die andere Seite der Medaille: Deindustrialisierung der alten Gewerbezentren
Bis Mitte 18.Jhdt. waren die großen Gewerbezentren nicht in Europa, sondern
- in den heutigen „3.Welt“ Staaten
- in China, Indien, Japan.
Durch die Importsubstitutionen und die maschinelle Weiterentwicklung verlagerte sich
der Schwerpunkt Mitte 18.Jhdt. in Richtung Westen (Newly Industrialised Countries), v.a.
England (alte Gewerbezentren wurden zu Rohstoffproduzenten, England zum
Weiterverarbeiter). China und Japan blieben aber weiterhin unabhängig. Mit der
Industrialisierung Englands ging somit eine Deindustrialisierung der alten
Gewerbezentren einher.
Europäischer Sonderweg oder globale historische Wende?
Wird je nach Gesichtspunkt (Asien/Europa) anders interpretiert.
15. März, III
Block 1: Warenhandel – Menschenhandel – Arbeitskraft
Vom Menschenhandel zum Warenhandel (Arno Sonderegger)
Schwerpunkt: Anti-Sklavenhandelbewegung im 19.Jhdt. (Afrika)
„Vom transatlantischen Sklavenhandel zum sogenannten legitimen Handel mit
agrarischen Produkten“
 Wandel im Laufe des 19.Jhdts. wird als automatische Wandlung angesehen.
Transatlantischer Sklavenhandel
-
setzt zu Beginn des 16.Jhdts. ein
Zweck waren die Zuckerplantagen der neune Welt, die mit menschlicher Arbeitskraft
versorgt werden mussten: Einsatzgebiet Karibik (Indianer Amerikas waren
zahlenmäßig zu gering; eingewanderte Europäer waren nicht einsatzfähig)
Mehrere Regionen Afrikas waren betroffen: v.a. westafrikanischer Raum, später
Tendenz nach Süden (Portugiesen sind immer weiter nach Süden vorgedrungen und
hatten bis Mitte 17.Jhdts. eine Monopolstellung im Sklavenhandel)
Sklavenhandel wurde betrieben von v.a. den Portugiesen; ab Mitte 17.Jhdt. wurde
deren Monopolstellung von den Niederlanden gebrochen, danach kein neues Monopol
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
-
(lange Zeit waren viele Nationen Europas beteiligt – GB, F, D, Dän, Schweden,…);
auch Afrikaner haben vereinzelt daran teilgenommen;
18.Jhdt.: Sklavenhandel hat sich extrem intensiviert (verschiedene Gründe); Zahlen:
ca. 10-20 Millionen im Laufe der Jahrhunderte
1807: Sklavenhandel wird in GB verboten; wurde von nicht allen Afrikanern positiv
aufgefasst (Wirtschaft war dahin gehend ausgerichtet)
Gründe für das Verbot  Kombination aus wirtschaftlichen und humanitären Gründen:
- Menschenhandel wurde moralisch in Frage gestellt (Abolitionsbewegung)
- Ökonomische Entwicklung in Europa und den Kolonien:
o Sklavenhandel wurde für den englischen Staat unrentabel
o Konkurrenz der franz. Zuckerrohrplantagen in der Karibik war spürbar für den
englischen Staat
o Beginn 19.Jhdt.: Kontinentalsperre machte England klar dass es nicht
abhängig von der Produktion in den Kolonien werden möchte da es sonst
schnell von Zufuhr abhängig werden könnte (langsamer Umstieg auf
Zuckerrüben aus dem heimischen Anbau)
o Das ganze ging natürlich auch zu Lasten der englischen Plantagen in der
Karibik, der Verlust war aber in Relation nicht so schlimm (es war profitabler,
Frankreich durch deren Zuckerproduktion zu schwächen; bedeutete auch, dass
sie die eigenen Plantagen geschwächt haben, England war aber nicht so darauf
angewiesen wie Frankreich)
o Aufgrund der Industrialisierung/Maschinisierung war immer mehr Bedarf an
Tropenprodukten da (Erdnüsse, Öle  Schmiermittel, Seife), insofern war GB
sehr an einem Wandel in Bezug auf die Handelsgüter interessiert (mehr
Tropenprodukte als menschliche Arbeitskraft)
o Durch die gesteigerte Produktion wurden neue Absatzmärkte gesucht, zb der
afrikanische Markt
-
Eric Williams (1944): Buch zum Thema Sklavenhandel:
Interpretierte die Abolitionsbewegung nur als ideologische Begleiterscheinung zu den
ökonomischen Faktoren:
das Verbot des Sklavenhandels sei eine logische Entwicklung in Europa  stellte dieser
Auffassung starke Kritik gegenüber und führte alles auf eine wirtschaftliche Frage zurück
 behauptete, dass sich die englische Industrialisierung sich aus Geldern vom
Sklavenhandel finanziert  wurde ein heiß umstrittenes Thema (hängen die
Unterentwicklung Afrikas und die Entwicklung des Westens so direkt zusammen?)
- Andere Meinung: Sklavenhandel einerseits und Industrialisierung andererseits
bedingen sich gegenseitig (= Position von Williams); lange Zeit waren einzelne Bürger
die großen Profiteure, nicht der Staat (war natürlich trotzdem von Vorteil für den
Staat)
Abolitionsbewegung:
 Fürsprecher (Abolitionisten): 3 Trägergruppen (mit engen Verbindungen)
- Glaubensgemeinschaften
Katholische Kirche gehörte nicht dazu; eher Gruppen von Quäkern:
USA: schon länger antisklaverei Politik in die Praxis umgesetzt haben,
allerdings fast nur in der eigenen Glaubensgemeinschaft;
GB: 1787 wurde ein Komitee für den Stopp des Sklavenhandels gegründet,
sehr wirksames politisches Instrument auf parlamentarischer Ebene; 3 NichtQuäker im Komitee: G. Sharp, W. Wilberforce, T. Clarkson (waren eigentlich die
berühmtesten): haben mehrere Versuche gemacht ein Gesetz durchzubringen,
z.b. 1789, 1791, 1807 ist das Gesetz zur Abschaffung des Sklavenhandels dann in
Kraft getreten. Sklaverei an sich war aber noch immer im Gang und wurde
bekämpft (Thomas Buxton: 1820er Jahre)  Ende der 1830er Jahre trat das
Antisklaverei Gesetz in Kraft.
- Philosophen (Aufklärung)
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
-
Tendenz zur Säkularisierung im 18.Jhdt.  äußerte sich in Antiklerikalismus
(Bürgertum wollte sich mehr und mehr von der Herrschaft des Souveräns
befreien); Rousseau, Herder, Frossard (1789: „Der Fall des Negerhandels und
der Bewohner Guineas – Geschichte des Handels der Sklaverei von Schwarzen“ 
ist von der typisch gewordenen Ansicht ausgegangen, dass alle Menschen eine
gemeinsame Natur hätten, wobei Europa zwar fortgeschrittener ist, Afrika in der
Entwicklung sich aber am aufholenden Ast befinde, idealisiert Afrika fast schon als
Land der Friedfertigkeit und Ruhe, Höflichkeit,…; macht die Europäer dafür
verantwortlich, dass Afrika in einen kriegerischen Zustand geschlittert ist)
Aufstrebendes Bürgertum („Segment“ der Bewegung)
Ansiedlung von Sklaven in Sierra Leone: Allianz aus den Vertretern der 12 Apostel (9
Quäker + 3 Nicht-Quäker); Ex-Sklaven wurden von den Engländern rückgesiedelt
 Aboltionsgegner: 4 Gruppen
- Kirche und Staat
- Denker der Reaktion
- Sklavenhändler
- Sklavenhalter in den Kolonien
Robert Norris: 1789: Buch über seinen Aufenthalt in Dahome (Königreich in Westafrika),
wo er aktiv im Sklavenhandel war, schreibt über seine Erinnerungen: zieht Vergleiche
zwischen Europa und Afrika (Kannibalismus, Barbarei, Wildheit Afrikas, betont dass
Afrikaner kulturell keine Ahnung hätten wenn es nicht einen zivilisierten Handel mit
Europäern geben würde = Sklavenhandel), interpretiert den Sklavenhandel als „Rettung
der Afrikaner“, der Europäer bewirkt für sie eine Verbesserung ihrer Lage.
3 Ebenen des Verbotsgesetzes:
1. GB hat nach dem Sklavenhandelverbot diplomatische Initiativen gestartet damit auch
andere Länder nachziehen
2. GB richtete Schiffsblockaden ein, die jedoch wenig erfolgreich waren (Handel war
nicht wirklich kontrollierbar)
3. Änderung der Politik zum „informellen Imperialismus“ (territoriale Machtergreifung),
über weite Strecken des 19.Jhdts. sehr lokal und beschränkt geblieben, trotzdem
griffen Engländer immer weiter in afrikanische Angelegenheiten ein (z.b. Jurisdiktion)
Folgen für Afrika: unterschiedliche Reaktionen
- Sklavenhandel ging auch illegal weiter
3 Thesen:
1. Stabilisierungsthese (trotz des Verbots des Sklavenhandels sind die ökonomischen/
gesellschaftlichen Strukturen Afrikas dieselben geblieben)
2. Destabilisierungsthese (Abolition führte zu politischer Unordnung und nur manchmal
zu Neuorganisationen)
3.
Große regionale Unterschiede in Bezug auf die Auswirkungen des Sklavenhandelverbots;
dort wo der Sklavenhandel fest verankert war haben sich im Zuge der Abolition auch tw.
Sehr stabile Verhältnisse entwickelt; Einzelfälle sind primär interessant,
Verallgemeinerungen schwierig
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
22.März, III
Block 2:
Las Americas im Vergleich (19.Jhdt.)
Vortragende: Martina Kaller-Dietrich
 Verhältnis der USA zu den lateinamerikanischen Staaten ist geprägt von
Sendungsposition der USA (Opferrolle etc.)
 19.Jhdt. ist in den Amerikas bereits postkoloniale Zeit
 Entwicklung von USA und LA lässt sich mit Rückblick auf die Kolonialzeit besser
verstehen (heute: entwickelter Norden, unterentwickelter Süden):
Eduardo Galeano: „Entwicklung ist eine Reise mit mehr Schiffbrüchigen als Seefahrern“
 dort wo Entwicklung angestrebt wird (was DIE Doktrin des Westens im 20.Jhdt. war),
gibt es viele negativ-Folgen
 Entwicklung ist ungleichzeitig und schafft diese Ungleichzeitigkeit selbst
Kolonisation
-
-
Lateinamerika:
1492 Columbus landet in der Karibik
Zentralistisches Staatsunternehmen
liegt der Kolonisation zu Grunde
Sind Indios Vasallen/ zu missionierende
Seelen? (sind sie menschlicher Art oder
nicht? Sind sie würdig die Frohe
Botschaft zu empfangen?); dahinter
steht politische Fragen: wenn die
Indios keine „Menschen“ sind dann
können sie auch keine Untertan sein;
Staat und Kirche treten gemeinsam als
Kolonialisten auf (Conquista/spirituelle
Conquista)
Spanier wollten möglichst viele
„Schätze“ erbeuten und nach Hause
bringen;
Staat+Kirche  Bürokratie
-
-
USA:
1607 Pilgrims landen in Jamestown,
sind aber keine Repräsentanten einer
Kolonialmacht sondern sind:
Dissidenten
Wie lässt sich das Land agrarisch
nutzbar machen? Wollten keine Staat
gründen sondern nur überleben und
dort siedeln;
Motiv der Immigration ist die Loslösung
vom Mutterland (Separatismus);
Dissidenz+Ideologie  Separatismus
Siedlungspolitik
Gesiedelt wird:
- in den präkolumbischen urbanen
Zentren (Mittelamerika, Anden); die
meisten Kirchen wurden auf
präkolumbischen Kultstätten errichtet
- in der Nähe von Minen
- von Häfen;
- Militärische Stützpunkte
- Massive Konzentration von
Verwaltungshauptstädten
-
Siedlungen an der Ostküste
Norden: Anbindung an GB
Süden: Anbindung an britische Karibik
(Umschlagplatz v.a für Sklavenhandel)
Es wird (anders als in LA) kein Zentrum
geschaffen, wirtschaftliche
Anbindungen müssen erst konstruiert
werden.
Organisation = föderal und wirtschaftlich
flexibel
Organisation der Kolonie = Zentralistisch
Amerikanische Revolution
1804 – 1825:
wird von sehr unterschiedlichen
Ereignissen forciert;
1775 – 1783:
alle ehemaligen Kolonien werden
unabhängig, was auch von GB anerkannt
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
- Simón Bolivar in Südamerika:
Vereintes militärisches Vorgehen gegen die
spanische Herrschaft (es gibt eine
„gemeinsame latinität“)
 nicht gelungen:
- Neuspanien zerfällt in Mexiko und
zentralamerikanische Konföderation (5
Länder)
 Lateinamerika reicht vom Mississippi bis
Feuerland
wurde:
- Konföderation von 13 Staaten:
N-Küste: Connecticut, Massachusetts, New
Hampshire, Rhode Island;
Zentrum: Delaware, Pennsylvania, New
Jersey, New York;
S-Küste: Georgia, Maryland, North+South
Carolina, Virginia;
- Friedensvertrag von Paris 1783:
Gebietsansprüche von Kanada bis
Mississippi, Louisiana und Florida
 Unabhängigkeitsbewegungen:
„Anfang einer antidespotischen Progression“ (D. von Bülow);
Politische Entwicklung
1825 – 1870
- externe Konflikte:
autonome Staatenbildung
- interne Konflikte:
Caudillismo, Konzessionen an die
Indigenen, Diktaturen
1823 – 1898
- externe Konflikte:
Krieg mit Mexiko (1846 – 1848)
- Interne Konflikte:
Indianer werden ausgegrenzt und
ausgerottet: „trail of tears“ unter President
Andrew Jackson (1829-37) im Zuge der
„West-Bewegung“
Expansion der USA: größtes Immobiliengeschäft der Weltgeschichte
Amerika den Amerikanern:
- 1823 Monroe Doktrin
Präsident James Monroe (1817-25) hat den Hegemonialanspruch über den
Doppelkontinent formuliert (meinte die Zurückweisung der europäischen
Interventionen – Amerika den US-Amerikanern);
- 1845 „manifest destiny“: formuliert vom Journalist John L. O’Sullivan: Die Menschheit
habe mit dem Aufstieg der USA zugleich den Gipfel der Zivilisation erklommen. Die
Erschließung und der Besitz des Kontinents sei die „offenkundige Bestimmung“ der
Vereinigten Staaten von Amerika.
- 1846-48: manifest-destiny wird auch von militärischen Aktionen bestimmt (USamerikanische Truppen greifen Mexiko an)
 „green coats“ greifen Mexiko-Stadt an
Gebietserwerbung der USA 1845-1898:
- 1846: Aufteilung in einem Kaufvertrag besiegelt (Nordgrenze Lateinamerikas
transferiert sich nach Süden; mehr als die Hälfte Mexikos wird in diesem Vertrag an
die USA abgetreten; im Hintergrund standen politische Abmachungen, mexikanische
Machthaber glaubten dass sie nicht fähig wären das gesamte Land zu kontrollieren)
- 1867: Kauf Alaskas von Russland
- 1898 :Annexion von Hawai und Protektorate im Pazifik und in der Karibik (z.B. Kuba)
Kulturelle Alterität:
- wurde im modernismo gegenüber dem hegemonialen Zentrum USA definiert
- USA greifen bald in die Lage Lateinamerikas ein:
o Militärisch
o Wirtschaftlich (durch Kaufverträge)
o Werden immer häufiger zu Kreditgebern für LA (Fruit Companies,…)
Ende 19.Jhdt.:
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
-
kulturelle Elite hält sich an bekannte Konzepte wie etwa das der „Latinität“  wird
wieder ein Thema  man spricht vom „modernismo“ (getragen von den Eliten);
Gegner wird identifiziert: USA
2 Autoren der Modernistas:
- José Martí: „Nuestra América“ (1891) :
 Ein politisch eigenständiges LA bedarf nicht der Mission aus dem Norden;
 Modernität hat nicht nur das eine US-amerikanische Gesicht
- Enrique Rodó („Ariel“ 1900) und seine Nachfolger die Arielisten:
 entwarfen eine auf die Überlegenheit der ethischen und religiösen Werte LA s
gestützte Idee von der eigenen Zukunft und somit einer dynamischen
lateinamerikanischen Identität.
 differenzierte Kritik am Utilitarismus der USA und zugleich am Voluntarismus der –
allerdings klischeehaft ausgelegten –Philosophie Nietzsches erörtert
Das politische Projekt:
- in der Zeit der Modernistas gab es in LA trotzdem vorwiegend Diktaturen
- die pragmatischen (liberalen) Kräfte haben sich währenddessen schon mit den
Wirkungen der Globalisierung auseinandergesetzt
- Liberalität meint in erster Linie den Freihandel.
- Konflikt zwischen Liberalen (Öffnung der Märkte, Freihandel) und Konservativen
(suchen nationalstaatliche Lösung) beherrschen auch die Diskussionen die zu den
Modernistischen Konzepten führen
1876-1910: General Porfirio Díaz
„weniger Politik, viel Verwaltung“ sowie „Ordnung und Fortschritt“ lagen dem Prototyp
moderner Entwicklungsdiktaturen zugrunde;
 sog. „Porfiriat“ (wirtschaftliche Modernisierung wurde mit Auslandskapital
vorangetrieben)
Soziale Stratifikation
Mexiko:
Es kommt zu einer zentralistischen
Lenkung und massiver Landkontralle (1%
besitzt 97% des nutzbaren Ackerlandes
während 70% der Bevölkerung am Land
leben  Lohnarbeiter, vor allem für Cash
Crops)
USA:
Sklaverei im US-Süden und in Brasilien
Brasilien:
- 1888 Lei Aurea (Gesetz zur
Abschaffung der Sklaverei  Sklaverei
war eigentlich sehr teuer, in Brasilien
vorwiegend „Einwegsklaven“);
- bleibt bis ins späte 19.Jhdt. von
Direktimporten abhängig (65%
afrikanische Männer)
USA:
- 1863 Emancipation Bill
- „Slave Breeding“ auf den Plantagen
(Voraussetzungen wurden geschaffen,
dass sich die afrikanische versklavte
Bevölkerung reproduzieren konnte)
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
29. März, IV
Revolution und Staatenbildung in Mexiko (Karen Imhof)
Wesentliche Fragestellungen:
- Welche gesellschaftlichen Gruppen revoltieren und inwiefern ist es ihnen möglich
nationale mexikanische Anliegen zu vertreten?
- Inwieweit konnte durch die Revolution eine Nationalisierung des mexikanischen
Staates herbeigeführt werden?
- Wie sieht der Staat aus, der sich nach der Revolution in Mexiko bildet?
- Wie sieht der Einfluss des Auslandes auf die Revolution aus und wie wirkt er sich auf
die postrevolutionäre Staatsbildung aus?
Ad
-
Kolonialzeit:
war eine spanische Kolonie
zahlreiche Bodenressourcen die exportiert/geraubt wurden
1821 Unabhängigkeit Mexikos
1821-1850 Staatenwirren
1850-1900 mexikanischer Staat bildet sich heraus
1821-1850:
Machtvakuum entsteht nach Abzug der Kolonialherren, mehr als 50 Militärregierungen
wechseln sich ab:
- Mexiko hatte als spanische Kolonie kaum Tradition der Selbstverwaltung
- Immer noch vorherrschende Schicht war die spanische bzw. kreolische Elite; indigene
Bevölkerung war nie in irgendeiner Weise eingebunden
- Fehlte an einer homogenen politischen Elite: einerseits gab es die katholische Kirche,
andererseits Großgrundbesitzer, und keiner der beiden wollte die indigene
Bevölkerung in den Staatsapparat einbinden und als politisch Elite fungieren.
- Machtfaktor Armee: war eher ein Unruhefaktor als ein Stabilisierungsfaktor, weil sie
immer wieder in politische Angelegenheiten eingriff.
- Wechselbeziehung zwischen sozialen Unruhen und dem Fehlen eines fehlenden
Zentralstaates nach der Entkolonialisierung
- Staat hatte kaum Steuereinnahmen (also keine Finanzeinnahmen)
- Mexikanisch-amerikanischer Krieg 1816: dauert bis 1848, zeigt die Unfähigkeit
Mexikos: die USA haben sich damals einen großen Teil Mexikos einverleibt (über 1/3
des ursprünglichen Gebietes)
1850-1900:
Mit 1850 setzt ein Konsolidierungsprozess ein:
- Kommt eher überraschend: Bürgerkrieg zwischen konservativen und liberalen ist
ausgebrochen, liberale nehmen überhand
- 1867 kommt es zur ersten Republik inklusive Staatsverfassung für föderalistischen
Staat:
- warum konnte die Staatsmacht zentriert werden?
Es kam um die Jahrhundertwende zu starken ausländischen Investitionen (USA,
England), vorwiegend im Bergbau und Erdöl (großteils von den Amis aufgekauft). Hat
mehrere Wirkungen:
- haben Einfluss auf die regionalen Machtgruppen
- es bildet sich eine mexikanische Unternehmerschicht, die auch eine staatliche
Rahmenbedingung fordert (Zentralstaat)
- das Land wurde über Nacht industrialisiert, breite Bevölkerung konnte anfangs
nicht partizipieren (Massenarbeitslosigkeit bei gleichzeitiger Massenproduktion;
keine kaufkräftige Menge)
- die Leute die davon profitieren konnten waren entweder Ausländer und brachten
das Kapital mit oder waren mexikanische Großindustrielle (gab nur wenig davon;
im politischen Bereich vor allem deshalb mächtig, weil sie dem mexikanischen
Staat oft in finanzieller Hinsicht aushelfen mussten).
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
Staatliche Konsolidierung nach 1850:
Regierungszeit Porfirio Diaz (Porfiriat) 1876-1910/11
- Eindringen nordamerikanischen und europäischen Kapitals (Außenöffnung)
- Entstehung einer neuen politisch-wirtschaftlichen Führungsschichte (cientificos)
- Administrative Durchdringung und Einbindung autonomer Herrscher in das
politische System (wurden sowohl wirtschaftlich als auch politisch integriert;
wurden in Staatsstellungen gebracht etc.; ähnliche Methode beim Militär)
- Ausdehnung des Zentralstaates bei mangelnder politischer Integration (weite Teile
der Bevölkerung waren nicht integriert, es gab keine Parteien, Wahlen waren von
der Diktatur Diaz’ geprägt)
- Liberal staatlicher Verfassung aber geringe politische Partizipation
- es gab in dieser Zeit immer Bedrohungen von außen (USA), wodurch der Staat noch
mehr Zusammenhalt gewann; wirtschaftliche Investitionen wurden als Garant dafür
gesehen, dass es keine militärische Intervention geben werde
Revoltierende Gruppen – Ziele der unterschiedlichen Revolutionsfraktionen:
- Revolution steht in Verbindung mit den raschen Veränderungen im wirtschaftlichen
Bereich und den sozialen Spannungen;
- Autoritärer Herrscher wurde als überholt angesehen, neue Bildungsschicht fühlte sich
zu wenig eingebunden
- Agrar-Bereich: fühlte sich auch zu wenig eingebunden (haciendas – landwirtschaftliche
Großbetriebe mit Lohnarbeitern trugen zu sozialen Spannungen bei)
- Auslandsöffung führte zu einer extremen Auslandsabhängigkeit und starker Einbindung
Mexikos in die Schwankungen des Weltmarkts (1907 Wirtschaftskrise USA, schlägt
auch auf Mexiko nieder
- Mexiko hatte damals eine extrem ungleiche Einkommensverteilung (nur wenige
profitierten von der Industrialisierung)
1910/11 kommt es im Wahlkampf zu militärischen Aufständen
 Hauptzentren liegen im Norden und Süden:
- Norden: heterogen mit starker Abhängigkeit der USA (getragen von urbaner
Bevölkerung, auch Großindustrielle)
o Später kristallisieren sich im Norden 2 Bewegungen heraus:
Unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Mobilisierungsform (in
Sonora war es der Staat selbst der mobilisiert und revoltierte)
- Süden: Bauernrevolution mit klarem sozialradikalen Veränderungsprogramm
(Politische Forderung: Landreform)
- Alle Proteste richteten sich gegen das Porfiriat
- Einfluss der USA auf die Revolution: Intervention mit dem Ziel der Fremdbestimmung
(hat in der Form eingegriffen, dass sie immer wieder die nördlichen Bewegungen
finanziell unterstützt hat);
sahen ihre Investitionen in Mexiko gefährdet und waren klar gegen die südliche
Revolution (im Norden hatten sie eher den Eindruck als wenn diese Schichten auf
Stabilität aus waren und das bestehende System beibehalten würden);
USA haben nie direkt interveniert, nur mit finanziellen Mitteln.
1917: Ende der Revolution – Staatsbildung nach der Revolution
- Sieg der stark mittelständisch geprägten Revolutionsbewegung des Nordens über die
sozialreformerischen Kräfte des Südens.
- Klare Ablöse der alten politischen Elite, zumindest auf politischer Ebene (wirtschaftlich
gab es anfangs kaum Veränderungen)
- Neue Verfassung 1917: interventionistischer Staat mit wirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Einflussrechten (Kompromisscharakter; möglichst viele
Gesellschaftsschichten sollten zufrieden gestellt werden – 8-Stunden-Tag, Recht auf
Streik, Landreform, Recht auf Bodenschätze,… allerdings fehlte es an der
Durchsetzung)
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
- Nationalismus als gemeinsames Fundament der Revolutionsfraktionen
Konsolidierung des postrevolutionären Staates
Regierung Obregon 1920-24
Regierung Calles 1924-28
- Institutionelle Absicherung durch Einbindung der Arbeiter- und Bauernschaft
(Gewerkschaften entstehen; allerdings mit dem Ziel, die Leute unter Kontrolle zu
bringen, nicht der Mitbestimmung wegen)
- Kontrolle der Armee
- Ausschaltung lokaler Machtbereiche
- Bedrohung des postrevolutionären Staates durch Konflikte in der Herrscherschichte
selbst
- Gründung der nationalen Revolutionspartei (Revolution soll „institutionalisiert“ werden
– großer Schritt für Mexiko, da es bis jetzt noch keine Parteienvertretung gegeben
hatte; wurde von oben herab gegründet, Staat wollte eine Partei haben, wodurch sich
Regierung und Partei gedeckt haben – war kein demokratischer Prozess von unten)
- in jeder Vor-Wahl-Zeit kommt es immer wieder zu Putschversuchen, vor allem seitens
der Armee
- erst Anfang der 30er Jahre scheitern mehrere Putschversuche und die Armee gliedert
sich ein
USA und der postrevolutionäre Staat:
Die Tatsache, dass das mexikanische Erdöl nun Staatseigentum werden sollte,
beunruhigte die USA. Die ersten 3 Regierungen sind gekennzeichnet von:
- noch schwacher nationalstaatlicher Ausprägung,
- hoher wirtschaftlicher Abhängigkeit,
- hoher Auslandsverschuldung (Mexiko war immer schon verschuldet; hat dazu geführt,
dass gewisse Dinge nicht so ausgeführt werden konnten wie eigentlich in der
Verfassung vorgeschrieben; Abhängigkeit von Auslandskapital bleibt).
Mexiko in den 1930er Jahren – die Regierungszeit Cárdenas:
Cárdenas stammte aus dem Süden und war sozialen Belangen gegenüber offener.
Durchsetzung wesentlicher revolutionärer Forderungen:
- Landreform
(Umverteilung an die kleinbäuerlichen Schichten: Ejido – indigene
Subsistenzproduktionen; Cárdenas führte Produktionskooperativen ein um
Wettbewerbsfähigkeit zu steigern;
Anteil an umverteilten Landes stieg auf 35,9%)
- Nationalisierung der Rohstoffindustrie
(waren vorher in amerikanischer oder englischer Hand; USA sind zwar empört, äußern
sich dazu aber nicht militärisch – Roosevelt führte eine sehr milde Mexiko-Politik und
die USA kämpften gleichzeitig mit dem Zweiten Weltkrieg)
- Gründung der PRM (Partido de la Revolucion Mexicana);
Versuchte zwar, möglichst alle Gesellschaftssektoren einzubeziehen, war aber immer
noch nicht demokratisch sondern von oben.
Internationale Rahmenbedingungen:
- Trendwende in der amerikanischen Außenpolitik
- Zweiter Weltkrieg
- Weltwirtschaftskrise (Mexiko stand nicht mehr im primären Interesse
Amerikas/Englands)
1950er bis 1980er:
- Wirtschaftsboom als Folge (Staat greift in die Wirtschaft ein, Infrastruktur wird
aufgebaut, Investitionen fallen auf fruchtbaren Boden  Importsubstituierende
Industrialisierung)
- Ende des mexikanischen Wunders: 1970er
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
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Weitergehende Demokratisierung war ausgeblieben; außenwirtschaftliche
Schwierigkeiten (Verschuldung ist mit der Schuldenkrise in den 80ern vollständig
eskaliert), weil Mexiko nie aus der Nischenproduktion herausgekommen ist und keine
wirtschaftliche Eigenständigkeit besaß.
Trotz der Industrialisierung kein eigenständiger Wirtschaftsaufstieg
(Exportabhängigkeit zu den USA)
Politische Aspekte:
Kommt 1980er/90er zur neoliberalen Wende (Umkehr des postrevolutionären
Staatsprogrammes), Strukturanpassungsprogramme von WB und IMF
(Haushaltskürzungen, Reallohnsenkungen, Außenhandelsliberalisierungen, Rückzug
des Staates aus der Wirtschaft);
1994/95 neuerliche Finanzkrise, Verschärfung der Probleme
Landreform wurde zurückgenommen
Verfassung wurde stark abgeändert (auf Druck der USA, da sie sonst kein
Freihandelsabkommen mit Mexiko abgeschlossen hätten)
Resümee: Mexiko 1980 – heute:
- Abbau des Entwicklungsstaates im Zuge der globalen Liberalisierungswelle
- Abbau der Wirtschaftsnationalismus- Außenöffnung
- Anpassungsprogramme der WB
- Reduktion der öffentlichen Ausgaben
- Abwertung
- Abbau der Einfuhrbarrieren
- „wettbewerbskonforme“ Lohnschemata
- sehr ungleiche Einkommensverhältnisse
19. April, V
Japan: von einem Staat des Südens zu einem Staat des Nordens
Vortragender: Sepp Linhart
Warum sprechen wir über Japan?
- Japan ist die einzige nicht weiße Nation im Reigen der führenden Wirtschaftsmächte,
und das seit 1918 (Ende 1.WK)
- Japan ist außerdem ein Paradeland für die „Modernisierungsstudien“ der 50er und 60er
Jahre der USA (Japan war kapitalistisches Musterland für die USA, man dachte dass die
japanische Entwicklung auf andere 3.Welt Staaten übertragen werden könnte); diese
Studien wurden in den 70ern von den Japanern wieder aufgenommen
- Vor 150 Jahre öffnete sich Japan für den Westen (31.3.1954), die Isolierungspolitik
fand ein Ende
- 1542/43: erste Kontakte Japans mit dem Westen:
Portugiesen kamen von China zur südjapanischen Insel und betraten erstmals
japanischen Boden; zu diesem Zeitpunkt herrschte ein Bürgerkrieg in Japan, das 16.Jhdt.
war ein Jahrhundert des Bürgerkriegs zwischen verschiedenen Fürsten; das Land war
vom Militärstand der Samurai beherrscht, die sich für die Waffen der Portugiesen
interessierten (Musketen), kauften ihnen auch welche ab und bauten sie nach; die
entscheidende Schlacht im Bürgerkrieg wurde dann durch die Feuerwaffen entschieden;
so steht bereits am Beginn der Beziehungen Japans zum Westen ein wichtiges Muster,
das fortan eine wichtige Rolle spielen sollte:
Japan hat fremde Technologie und Wissen um jeden Preis gekauft und nachgemacht
(hat sich immer wieder wiederholt: z.B. das LD-Verfahren)
- 1540-1640: „christliches Jahrhundert Japans“
trotz dieser Bezeichnung wurden die Ausländer wegen ihrer mitgebrachten Ideologie
(Christentum) für gefährlich erachtet; Japaner waren sehr interessiert an der
europäischen Kultur, vor allem aber der Anspruch des Christentums, alleinige Religion
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
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sein zu wollen, war den Japanern sehr fremd und schien ihnen letztendlich gefährlich
zu sein. (In Japan koexistieren verschiedene Religionen nebeneinander)
1640 - 1850: Abschließungspolitik des Landes gegen die Außenwelt (Japan war
isoliert); Handel wurde auf die Holländer begrenzt, die keine Missionierungsabsichten
verfolgten, und auf die Chinesen (bekamen Handelsstützpunkte in Nagasaki)
Über 200 Jahre gab es nur minimalen Verkehr mit dem Ausland; durch Nagasaki gab
es aber immerhin einen geringfügigen Austausch.
Ab Ende des 18.Jhdts. nahm die „Hollandwissenschaft“ (Wissenschaft vom Westen)
großen Aufschwung: versuchte, alles Wissen über den Westen, vor allem in den
praktischen Wissenschaften (Geographie, Militär, Medizin, Astronomie,…) über die
Holländer zu erlangen, wodurch Japan relativ gut über den Westen informiert war.
Japan wusste bescheid über vieles, auch über die Niederlage Chinas im Opiumkrieg
(1840-1842), was entscheidend dafür war dass sie damals (1853 als die Amerikaner
nach Japan kamen) fürs Verhandeln entschieden.
Öffnung Japans durch amerikanische Kanonenbote.
Damals war Japan ein agrarischer Ständestaat mit einigen Besonderheiten:
o ca. 30 Millionen Einwohner,
o Großstädte mit hohem Urbanisierungsgrad (Tokio war damals die größte
Stadt der Welt) und einer breiten Schicht von Händlern und Kaufleuten für
die Profitstreben ein hoher wert ist (hatten bereits eine erhebliche Anzahl
von kapitalistischen Methoden entwickelt – Kreditwesen, Werbung,
Vertrieb,…)
o Der herrschende Militärstand der Samurai wurde durch die fehlende
Bedrohung von außen mit der Zeit obsolet und hatte keinen Existenzgrund
mehr: wurden dann zu einer Art Verwaltungsdienst umgewandelt
(Militärstand hat sich im Laufe der Zeit zu einer Bürokratie umgewandelt)
 führte zu einer hohen Institutionalisierung und Bürokratisierung des
Landes (Ab Mitte des 12. Jhdts. War Japan von den Samurai beherrscht)
o Verbreitung einer elementaren Erziehung: zum Zeitpunkt der Öffnung
konnte ein Gut Teil der Bevölkerung Lesen und Schreiben (im Gegensatz
zu China, das keine Zusatzschrift zur Erleichterung erfunden hat, haben die
Japan das sehr wohl getan – mit Hilfe dieser Silbeschrift konnte auch das
gemeine Volk die meisten Texte lesen); in den Städten war die elementare
Erziehung zu 80% verbreitet; Japan entwickelte in dieser Zeit auch eine
Druckkultur;
o 1730-1860: japanische Gesamtbevölkerungszahl stagnierte,
Geburtenbeschränkung war weit verbreitet und wurde bewusst eingesetzt
(auch um Lebensstandard zu erhalten)
trotz dieser günstigen Voraussetzungen für Modernisierung musste Japan einen
Vertrag mit den USA unterzeichnen (der erste der so genannten „ungleichen Verträge“
der Geschichte: japanische Häfen mussten für amerikanische Schiffe geöffnet werden,
musste Schiffbrüchigen gute Behandlung garantieren, einen amerikanischen Konsul
zulassen, Warenkauf ermöglichen sowie die Meistbegünstigungsklausel einführen), wird
heute als „Freundschaftsvertrag“ verstanden…; Abschließungspolitik ist nicht länger
aufrecht zu erhalten;
Samurais und Fürstentümer begannen mit dem Import von neuen Waffen und Schiffen
(Militärregierung und halbautonome Fürsten waren sich der Wichtigkeit der Aufrüstung
bewusst, für sie waren die Verträge mit den Ausländern nur eine notwendige SpontanMaßnahme, wollten sie aber wieder ungültig machen)
Militärregierung hat ein Institut zum „Studium westlicher Bücher“ eingerichtet (ist der
Vorläufer der Uni Tokyo)
1857 bombardierten Briten und Franzosen Kanton, auch Japan wird dann ein neuer
Vertrag aufgezwungen: Exterritorialität der Amerikaner in Japan (Gerichtsbarkeit ist
nicht wirksam), Zoll auf Im- und Exporte wurde einheitlich auf 5% festgesetzt (somit
konnten keine Gewinne mehr erzielt werden, die in die Modernisierung fließen sollten);
Verträge mit anderen Ländern folgen (auch mit Österreich)
Japan wurde zu einer halben Kolonie des Westens (keine Zollfreiheit, Ausländer können
im Land machen was sie wollen).
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
- Anfang 1868: neue Regierung, Militärregierung wird abgeschafft, mit ganzer Kraft
werden Modernisierungsanstrengungen unternommen; größtes außenpolitisches Ziel:
Änderung der ungleichen Verträge.
- Westen gerät in Argumentationsnotstand: sagt, dass die Verträge zu gegebenem
Zeitpunkt in gleiche Verträge umgewandelt wird, wenn Japan so zivilisiert ist wie die
Staaten des Westens  Japan musste haben: ein Rechtssystem und eine Verfassung 
Japan unternimmt Anstrengungen, das Land zu Westernisieren (Zivilisieren)
- Schlagwort der damaligen Politik: „Ein reiches Land durch eine starke Armee“.
Japan hat von Anfang an sich bemüht eine imperialistische Politik zu betreiben. Um das
umzusetzen gab es verschiedene Maßnahmen:
- Politiker wollten sich selbst ein Bild vom Westen machen (Studienreisen);
größte war 1870 als die gesamte japanische Regierung für 2 Jahre in den
Westen gereist ist – man dachte dass man die westlichen Regierungen so auch
überzeugen könnte; in Bezug auf Militär hatte der Westen aber noch einen
gewaltigen Vorsprung, weshalb das nicht funktionierte; daraufhin wurden die
westlichen Staaten eingeteilt in das was sie am besten können und man
versuchte, das zu übernehmen (England: Seefahrt, Frankreich: Verwaltung,
Deutschland/Preußen: Militär und Entwicklung im Allgemeinen, USA:
Kolonisierung, Österreich-Ungarn: Musik;
- Ausländer wurden als Berater nach Japan geholt (Gehälter waren enorm); 1875
über 500 Berater; nationale Verteilung der Berater: an erster Stelle GB, dann
USA, F,…
- Durchführung einer Bodenreform um von einer Besteuerung der Ernten zu einer
Besteuerung des Bodens zu kommen. In Bezug auf Ernten variiert die Steuer
jedes Jahr, bei Grund und Boden ist sie jedes Jahr gleich. Bodensteuer war viel
zu hoch angesetzt, wurde dann gesenkt, trotzdem mussten viele Bauern ihr
Land verkaufen (Verpächterung des Landes). Positiver Effekt: viele neue
Arbeitskräfte.
- Schaffung einer starken Armee. Samurai Bevölkerung betrug 7% der
Gesamtbevölkerung, Regierung hat sich 1873 dazu entschieden, die allgemeine
Wehrpflicht einzuführen, Samurai wurden nicht mehr bezahlt. 3 Jahr Dienst, 4
Jahre Reserve, 5 Jahre 2.Reserve  enormes Heeraufgebot. Ausbau der Marine
wurde vorangetrieben
- Staat hat begonnen Modellfabriken zu bauen: Industrialisierung war ein
wichtiges Anliegen; es gab viele billige Arbeitskräfte was auch das Kapital des
Landes war (Frauenarbeit im Textilsektor,…). Die jungen Mädchen (arbeiteten
ohne Bezahlung) haben den japanischen Imperialismus im Prinzip ermöglicht:
konnten extrem billig produzieren und mit vielen konkurrieren, etablierten sich
langsam am asiatischen Markt. Diese ersten vom Staat gegründeten Fabriken
wurden nach kurzem sehr billig an Private verkauft = Beginn der erfolgreichen
großen japanische Konzerne (Mitsubishi,…)
- Versuch, die nationale Identität zu bewahren: „Der Westen hat zwar die
Technologie, aber Japan hat die Moral“.
Japans Außenpolitik:
- Korea
erstes Ziel des japanischen Imperialismus: Korea (klein und schwach)
Korea betrieb, wie Japan, eine Abschließungspolitik, weshalb bereits seit 1869 über
eine Expedition zur Öffnung von Korea diskutiert;1875 schickte Japan 3 Kanonenbote
nach Korea von denen eines beschossen wurde woraufhin 4000 Soldaten nach Korea
entsandt wurden und die Öffnung forderten. Im Vertrag wird Korea als unabhängige
Nation anerkannt, 3 Häfen werden für den Handel mit Japan geöffnet, Japaner
bekommen Exterritorialität und konsularische Vertretung in Korea (ungleicher
Vertrag…).
Korea war tatsächlich sowohl von Russland als auch Japan und China immer wieder
bedroht; 1894 wurden bei einem koreanischen Aufstand die Chinesen zu Hilfe gerufen
ohne das Japan verständigt wurde, woraufhin Japan China den Krieg erklärte.
- China
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
Die Chinesen wurden leicht geschlagen, Japaner marschierten weiter ins Land; 1895
ersucht die chinesische Regierung um Frieden  Friedenskonferenz, bei der ein Vertrag
ausgehandelt wird der die Abtretung von Taiwan an Japan vorsieht sowie Öffnung von
Häfen, Kriegsentschädigung, neuer Handelsvertrag, Meistbegünstigungsklausel;
Japan bekommt in Ostasien endgültig Großmachtstatus. „Sieg der Moderne über die
Tradition“.
- Russland, F, D intervenieren (Tripple-Intervention)
Russland wollte den Einfluss Japans am Kontinent zurückhalten, Japan muss sich dem
Druck der Großmächte beugen, verlangt aber noch mehr Kriegsentschädigungen von
China (baut damit neue Kriegsschiffe); 1898 macht Russland eine Insel Chinas selbst zur
Kolonie, was die Japaner in ihrer Ansicht stärkt, dass nur militärische Stärke zählt. Der
aggressive japanische Weg wurde durch diese Intervention verstärkt. Konsequenz ist ein
Krieg mit Russland:
1904-05: ging um Korea und Mandschurei was Russland für sich beanspruchte, Japan
war stärker und hat Russland den Krieg erklärt  lange Belagerungen und viele Tote 
Japan gewinnt und wird DIE dominierende Macht in Ostasien;
- USA: finden das gar nicht gut.
Spanien hat sich auf den Philippinen eingekauft, was sowohl die USA als auch Japan
beunruhigt. In den USA kommt feindselige Stimmung gegen Japaner auf („gelbe
Gefahr“). Japaner sprechen von der „weißen Gefahr“ in Asien.
1914: Ausbruch des 1.WK, Japan erklärt D den Krieg um die Stellung Deutschlands in
China einzunehmen und wird somit zur Siegermacht im 1. WK (mit USA, GB, F, I) und
Mitglied bei der Schaffung des Völkerbundes. Japan wollte in er Präambel eine
Grundsatzerklärung über das Prinzip der Gleichheit aller Nationen und Rassen (17 waren
dafür, 11 dagegen, der amerikanische Präsident Willson hat aber als Vorsitzender den
Vorschlag abgelehnt, dass solche Beschlüsse einstimmig gefasst werden müssen –
tatsächlicher Grund war, dass manche große Angst hatten, dass sie ihre Restriktionen zu
Einwanderung aus Asien nicht mehr aufrecht erhalten könnten)
 damit wurde den Japanern vor Augen geführt dass Entwicklung nicht in
Gleichberechtigung führt.
26. April, 2004, VI
Prof. Erich Pilz: China
Leistungsschau vom China des 18.Jahrhunderts um zu zeigen, wie unverständlich es ist,
was in China nach 1850 passiert ist.
„Leistungsschau“: China um 1800
- China galt als DIE Supermacht der Welt.
Die größe der Bevölkerung wurde damals mit der Macht eines Landes positiv in
Beziehung gesetzt.
- Die europäischen Seemächte brachen erst auf, als chinesische Flotten die Südsee
bereits 7 Mal durchquert hatten.
- Der chinesische Staat war effizienter zentralisiert als irgendein anderer in der Welt.
China war ein Beamtenstaat mit hoch gebildeten zivil-Beamten (säkularer Staat der
nicht nur auf das Militär angewiesen war).
- China war die am höchsten urbanisierte Gesellschaft der Welt.
Der Unterschied von Stadt zu Land war sehr gering.
- In der ländlichen Sozialstruktur war China um 1750 fortschrittlicher als Europa.
- 1800 hatte China den Höhepunkt wirtschaftlicher Entwicklung erreicht. Es hatte ein
hochkomplexes Handelsnetz, einen leistungsfähigen gewerblichen Sektor.
- China war (bis 1850!) in absoluten Gesamtgrößen das Land mit der weltweit größten
gewerblich-industriellen Produktion. (Eigentlich hat im 11.Jhdt. die Moderne
begonnen.)
- China war bis ins 18.Jhdt. die fortschrittlichste Zivilisation Asiens, der jeweils
fortgeschrittensten Gesellschaft Europas technologisch überlegen.
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
- Die geistigen und kulturellen Leistungen der Qing um 1800…
Entwicklung nach 1800 im globalen Kontext:
- von dieser Zeit an ist Westeuropa (England) ins Zentrum einer neuen Welt
(Weltsystem) getreten; bedeutet den „Niedergang“ Chinas
- es ergeben sich 3 Fragen:
- Was war zwischen 1750 und 1850 in und mit Europa geschehen, dass England und
Westeuropa zum neuen Zentrum wurden und China, Japan etc… bedroht und zur
Peripherie gemacht wurden?
- Wie ist die Auseinandersetzung Chinas mit dem imperialistischen Westen abgelaufen?
(Abläufe und Konsequenzen der kolonialen Interventionen seit 1839)
- Warum hatte China so große Schwierigkeiten, rasch und systematisch auf diese
Herausforderung zu reagieren? Warum hat China so deutlich anders reagiert als Japan,
sodass es nicht in der Lage war, in einer ähnlich kurzen Zeit ins Zentrum
zurückzukehren? (Japan ist bald wieder eine imperiale Macht geworden, China kehrt
erst jetzt wieder zurück ins Zentrum)
1. Frage:
Stichworte:
Industrielle Revolution (siehe Vortrag Komlosy: neue Methoden der Produktion haben das
ProKopfEinkommen erhöht; es war möglich etwas neues zu werden wenn man die
Revolution schaffte).
Überlegenheit der Militärtechnologie.
2. Frage:
1839-1860: Die gewaltsame Öffnung des Marktes (Opiumkrieg)
- 1839-1842 erster Opiumkrieg
Ursachen:
Opium rief in China negative Handelsbilanz hervor (weil alles in Silber bezahlt werden
musste);
Chinas Ablehnung des Opiumhandels (uferte dem Kaiserhaus zu sehr aus, außerdem
war es schlecht für die Handelsbilanz  Lin Zexu: Beamter, der den Auftrag hatte
Schluss mit dem Opiumhandel zu machen);
Englands Unzufriedenheit mit den Cohung (Gonghang).
Anlass:
Die Provokation durch Lin Zexu der nach Kanton zur Beendigung des Opiumhandels
entsandt wurde. Zexu war sich der militärischen Situation der Welt nicht bewusst und
hat sie provoziert.
Folgen: Krieg.
Vertrag von Nanjing (1842): ungleicher Vertrag
 Öffnung 5 weiterer Häfen neben Kanton
 Abtretung der Insel Hongkong auf ewig
 Konzessionen und Konsulargerichtsbarkeit (Exteritorialität  massiver Eingriff in die
Souveränität des Landes)
 Meistbegünstigungsklausel
 Einheitliche Zölle
 Kriegsentschädigung
 Abschaffung des Cohong-Systems (verhasste Kaufleute mit denen früher
ausschließlich Handel getrieben werden konnte)
Eigentlich hätten die Ausländer zufrieden sein müssen, aber:
- 1857-1860 zweiter Opiumkrieg
Ursachen:
Beiderseitige Unzufriedenheit mit dem Vertrag von Nanjing (die Chinesen waren –
anders als die Japaner – sehr skeptisch und vertrauten nicht auf die Nachahmung des
Westens): China unternahm jeden Versuch, den Vertrag zu unterlaufen.
Verhandlungen mit GB wurden von einem lokalen Beamten aus Shanghai geführt (das
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
Kaiserhaus wollte nie viel mit dem Handel zu tun haben). Engländer wollten eine
Revision des Vertrages:
Mehr Häfen, Legalisierung des Opiumhandels, Abschaffung der Inlandszölle, Botschaft
in Peking  Ideologie des chinesischen Reichs bestand darin, dass es (das Kaiserhaus)
das Zentrum der Zivilisation war und es durfte niemanden geben der ihm irgendwie an
Würde und Macht gleich kam.
Diese Forderungen schreckten die Chinesen sehr auf: sollten auf jeden Fall abgelehnt
werden.
Folgen:
Vertrag von Tianjin (1869):
 Öffnung 10 weiterer Häfen
 Ungehinderte missionarische Tätigkeit (wurde mit Waffengewalt durchgeführt)
 Einrichtung des Zongli Yamen (Außenministerium)
 Diplomatische Vertretungen in Beijing
Unterschied der chinesischen von der japanischen Haltung:
Interesse am Ausland:
- China hatte einen zögernden Staat und die gespaltenen Intellektuellen  so lange
Diskutieren und Verzögern bis die anderen aufgeben (Japan: geschlossener Staat und
geforderte Intellektuellen)
- 1872: erste offizielle Bildungsmission Chinas in die USA (Gruppe armer Jugendlicher,
praktisch ohne Folgen)
- 1868-1879: 98 Übersetzungen publiziert und 45 weitere angefertigt;
- 1894-95: Beginn des großen Lernens von Japan.
= sehr unterschiedliche Entwicklung der beiden Länder China und Japan
( Siehe auch Folie im Handapparat!)
Industrialisierung:
- China: staatliche Kontrolle und kaufmännische Leitung; Produktion eigener Waffen in
Arsenalen: alles lief unter der Führung eines Beamten; 1872 erste japanische
Eisenbahn/ 1876 erste chinesische Eisenbahn (von englischen Firmen gebaut und von
den Chinesen gekauft und demoliert, weil sie die Gleise über Friedhöfen gebaut haben
= großer Unterschied zum japanischen Selbstverständnis)
- Probleme in China: Misstrauen des kaiserlichen Hofes, Beamte sehen vor allem neue
Einnahmenquelle, Kapitalmangel. Einzelne Gemeindebezirke beginnen selbstständig ab
zu kassieren.
- Vorteile in Japan: Der Staat initiiert Pilotprojekte, er koordiniert systematisch die
industrielle Entwicklung, er finanziert und veräußert rasch und günstig an private
Invfestoren
- Forderungen der chinesischen Studenten 1895:
Moderne, bestens ausgerüstete Armee, Nationale Industriebasis, Steuererhöhung,
Modernes Bankensystem, Eisenbahnnetz.
1898: Reform, dauerte 100 Tage  daraufhin bekam der junger Kaiser Hausarrest
Japan hat de Sprung geschafft, ohne Krieg wieder zurück zu kommen. Wurde jedoch
vom Westen später schwer enttäuscht, als es nicht in die Riege der Weltmächte
aufgenommen wurde (ist dann aus dem Völkerbund ausgetreten).
1860-1895: Das Vertragssystem in Operation
Nachdem die Engländer schwer in China (und vor allem Peking) gewütet hatten waren
die Chinesen bereit zur neuerlichen Vertragsbindung.
Unter der Hegemonie der Freihandelsmacht GB wird die wirtschaftliche Durchdringung
Chinas vorangetrieben:
Prinzipien: Gebremste Konfliktbereitschaft und Kanonenbootpolitik.
China: passte sich den diplomatischen Verkehrsformen an. Immer wenn die
Westmächte mit etwas nicht zufrieden waren fuhren die Kanonenboote auf.
Japan: passte sich der westlichen Diplomatie auch an, aber nur als Teil dieser
westlichen Gesellschaft.
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
Die christliche Mission:
- Gab es bis Mitte 18.Jhdt.
- Missionare waren am chinesischen Hof sehr geachtet (Dolmetscher,
Kalenderentwicklung,…)
- Konflikt mit dem Papst: vertrat die kirchliche Doktrin und hat den chinesischen
Diplomaten gewisse Dinge verboten.
- Kaiser: verbannte daraufhin alle Missionare aus dem Land  Ende der Mission.
- Mit den imperialistischen Mächten kam die Mission zurück: schuf eine problematische
Situation: Bischöfe traten auf wie Provinzgouverneure (in China ein sehr hohes Amt).
- Beanspruchten frühere „Kircheneigentümer“ in China zurück; Regierung musste dem
Zustimmen was sehr schlechtes Blut schuf.
- Kirchliche Würdenträger fühlten sich als Vertreter des Christentum verantwortlich
und vertraten somit nur noch christliche Chinesen.
- Führte zur Aufheizung der Stimmung: 1870 „Tiensing Massaker“  Eklat,
Untersuchungskommission  16 Franzosen (Priester und Nonnen) waren um Zuge
des Aufruhrs umgekommen, im Gegenzug 16 Chinesen getötet.
= einer der Fälle wo sich die Schwierigkeit des Verhältnisses zeigte, dass die Chinesen
sie nicht als gleichwertig ansehen wollten.
1895-1931: Kolonialpolitik
- 1894/95 Chinesisch-Japanischer Krieg
- 1904/5 Japanisch-Russischer Krieg auf chinesischem Territorium
- Japan besiegt eine westliche „weiße“ Großmacht
- damit begann die Politik der Interessensphären und des Finanzkapitalismus =
Übernahme staatlicher Funktionen durch Ausländer sowie strukturelle Abhängigkeit
vom ausländischen Kapital (China hat sich mit den ausländischen Anleihen so stark
verschuldet).
- In dieser Phase sind die Auswirkungen der Durchdringung Chinas durch
imperialistische Mächte am deutlichsten geworden, mit zweifachem Resultat:
Entwicklung in den Städten auf allen Gebieten/ Unterentwicklung im ländlichen Raum
(man arbeitet unter dem Subsistenzlohn  man arbeitet viel mehr als vorher und
kriegt ein bisschen mehr dafür heraus  maschinelle Produktion war zu billig).
 das ist der Zustand in dem China lange verharrt ist.
- Pro/Kopf Wachstum in den Städten und Unterentwicklung auf dem Land
3. Mai 2004, VII
Ingrid Grau: Strukturwandel im Kolonialismus
Koloniale Expansion
 der „scramble for africa“ (1880-1900)
beginnt eigentlich schon früher:
- 1876: Internationale Konferenz in Brüssel:
einberufen von König Leopold II (Belgien), Einladung von Afrikaexperten  Gründung der
„Association Internationale Africaine“ (Ziel: gegen die Sklaverei in Zentralafrika
vorzugehen  war ein Vorwand für eigene koloniale Interessen in Afrika  belgische
Kolonien wurden Privatbesitz des Königs)
- 1878 Berliner Kongress
- 1884/85 Berliner Konferenz:
Reichskanzler Otto von Bismarck (November 1884 bis Februar 1885), Bismarck war
zunächst nicht kolonial interessiert, dann aber doch; wird oft als Aufteilungskonferenz
bezeichnet (wie könnte eine Aufteilung in Afrika aussehen?)
- schon zu dieser Zeit war Afrika keine tabula rasa sondern es gab viele verschiedene
Reiche (1870)
 das imperialistische Zeitalter (1878-1914)
- Phase der Expansion ist sehr rasch vor sich gegangen
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
- Nach der Festlegung der Außengrenzen zwischen den europäischen Mächten gab es
vielfach erst eine Kolonisierung nach innen
 Ziele kolonialer Expansion
- Absatzmärkte für industrielle Massenproduktion
- Rohstoffe für Industrie
Rahmenbedingungen:
- Vorübergehende Lösung der Balkan-Frage
- Vorübergehende Überwindung der Nationalstaats-Frage in Europa
- Aus dem Vorsprung Europas ist ein übersteigertes Selbstbewusstsein hervor
gegangen
- Afrika war aber für die europäische Wirtschaft angeblich nicht von zentraler
Bedeutung
 Formen kolonialer Expansion
Waren sehr unterschiedlich und von vielen Rahmenbedingungen abhängig:
Legitimierung:
- vgl. Leopold II (Versklavung im Kongo-Becken)
- Legitimer Handel (mit Waren)  dadurch sollte sich der Sklavenhandel intern von
selbst erübrigen, tatsächlich waren Lohnsystem in Afrika aber nicht in jenem Umfang
existent wie notwendig, und die interne Sklaverei hat sich in dieser Zeit sogar noch
erhöht;
- Anti-Sklavereibewegung
- Missionstätigkeit
Diplomatie, Täuschung,
Betrug:
- durch (Schutz)Verträge bzw. Protektorate (Königreich Buganda,…)
- mit Privatleuten
- mit Handelsgesellschaften
- mit offiziellen Agenten des Kolonialismus
- durch militärische Maßnahmen („expedition“, Patrouillen; „Kanonenboot-Diplomatie“)
 Akteure
- ForscherInnen
- EntdeckerInnen
- Reisende
- Missionare
- Händler
- Kaufleute
- SiedlerInnen
- Eigentliche Agenten des Kolonialismus (Militär, Verwaltungsbeamte)
 Formen kolonialer Präsenz (das koloniale System – Verwaltung, Wirtschaft,
Missionen/Schulen)
Kolonialverwaltungen:
- direkte und indirekte Verwaltung (indirec rule)
Plantagegesellschaften
Handelsgesellschaften:
- BSA-Company
- IBEA-Company
- RNC,
- DOG,…
Konzessionsgesellschaften:
- Sammelwirtschaft
- Bergbau
- Infrastruktur
- Plantagen/Landwirtschaft
Siedlerkolonialismus (Kenia,…)
Koloniales Schulwesen:
- christliche Missionen (Missionskongretationen, Missionsgesellschaften)
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
(Re)aktionen afrikanischer Gesellschaften
 Widerstandsmodell/ Interaktionsmodell
- unterschiedlich in den einzelnen Phasen des Kolonialismus
- mitbestimmt von der Form der Expansion, Etablierung, Sicherung, Rückzug und
mitbesimmt durch die sozialen und politischen Strukturen
- die bisherigen Erfahungen
- die Formen kolonialer Durchdringung;
- wechselnde, ineinander-übergehende unterschiedliche Strategien;
- wechselnde Koalitionsbildungen/ Bündnisse
o auf Seiten der Kolonisierten
o der Kolonisaterue und
o zwischen ihnen.
Aktiver und passiver Widerstand:
- militärisch, Magie, Verweigerung, Sabotage, Streiks, Go-Slows, Proteste, Petitionen,
Suche nach Alliierten bis hin zu Sich-Entziehen, Flucht,…
- Manipulation, Kollaboration (self-improvement), Kooperation, Anpassung, Diplomatie
und Koexistenz, Unterwerfung,…
Strukturwandel/ Gender
Anmerkung: sozialer Wandel wir als immanenter Prozess verstanden – nicht erst durch
den Kolonialismus ausgelöst!
Ökonomie:
„Arbeit“ (Zwangsarbeit/ Lohnarbeit)
- Sammeltätigkeit, Raubkolonialismus
- Cash Crops Produktion für den Export
Handel, Geldökonomie, Arbeitsmigration, Landenteignung, Plantagen, extraktive
Industrie,…
Politik:
- Kolonialverwaltungsstrukturen
- Koloniale Chiefs
Recht:
- kolonieales/kodifiziertes Recht
- customary law
Missionen:
- Bildungssystem,…
Wer bekommt in den unterschiedlichen Formen der Kolonialherrschaft welche Rollen?
Anmerkungen:
Zu Gender:
Die meisten Gesellschaften Afrikas betrieben Landwirtschaft, Ackerbau, Viehzucht…
daneben gibt es Sammeltätigkeit. Zugang zum Land war in bäuerlichen Gesellschaften im
Allgemeinen unterschiedlich für Männer und Frauen geregelt. „Norm“: man richtet sich
nach dem Mann, Männer hatten den Zugang zum Land („Abstammungslinie“ berechtigt
sie auf Landnutzung, selten Landeigentum). Frauen haben in diesen Gesellschaften
Zugang durch die Eheschließung oder die erwachsenen Söhne. Keine Gleichheit, auch
nicht in Bezug darauf, wie viele Menschen in einem Verhältnis zu Mann/Frau stehen.
Männer haben mehr Rechte auf Arbeitsleistung als Frauen. Geschlechtliche Arbeitsteilung
war sehr unterschiedlich geregelt, aber i.A. hatten beide komplementäre Aufgaben
(gegenseitige Ergänzung). Es gibt nicht „die“ Frauen/Männerarbeit, ist eingeteilt nach
Alter, Status, Lebensposition… Prestige und Status sind meist nicht durch Geburt geregelt
sondern durch persönliches Verdienst.
Vieles erschwert diese mehr oder weniger Gleichstellung.
Zum Widerstandsmodell:
(vgl. Shula MARKS, Frederick Cooper)
Widerstand, Anpassung etc. müssen einander nicht ausschließen.
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
Zu neuen Formen geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung (Gender-Diskurs):
Gender in Männer/Frauenräumen
Wesentlicher Aspekt im Kolonialismus:
- die neue Bestimmung von dem, was „Arbeit“ ist:
was wird im Kolonialismus als produktiv wahrgenommen?
Unproduktiv:
 alles was zur Versorgung im engeren Sinn zählt, wird nicht als produktiv gesehen
(Subsistenz), Familienarbeit,…
 Produktion für den Binnenmarkt
 informeller Sektor
produktiv:
 alles was Geldwert produziert (sichtbar – Cash-Crops, Export,…) ist der eigentlich
„produktive“ Bereich
10. Mai 2004, VIII
Walter Schicho
„Vom Kalten Krieg zum „New Wave“: Afrika seit dem Zweiten Weltkrieg“
 Globaler Rahmen:
Übernahme der globalen Hegemonie der USA auch im Süden, auf jeden Fall aber in
Afrika, nachdem sich in Verbindung mit den beiden Weltkriegen und der
dazwischenliegenden Wirtschaftskrise die Weltmachtverhältnisse für und in Europa
zugunsten der neuen Supermacht des Kapitalismus verschoben hatten.
 Die Ausgangssituation
Fast alle Staaten in Afrika waren zu diesem Zeitpunkt kolonialisiert (außer Liberia,
Ägypten, Äthiopien, Südafrikanische Union). Dies war eine Zeit der Not, der
Sparmaßnahmen, der Requisition von Nahrungsmittel, der Rücknahme der politischen
Freiheiten, der steigenden Lebensmittelpreise, der Hungersnöte und Epidemien – eine
Zeit der Krise für die breite Bevölkerung. Für eine Minderheit und die kolonialen
Unternehmen war der Kalte Krieg ein Geschäft.
Auf politischer Ebene hat die 2.Weltkriegszeit eine baldige Änderung der Lage
versprochen:
- Treffen von US-Präsident Roosevelt und Britischem Regierungschef Churchill:
„Atlantic Charta“: nach dem Ende des Krieges sei das Recht aller Völker zu
respektieren (Wiederherstellung, Souveränität,…)
o Hat in den Kolonien große Hoffnungen geweckt,
o Aber keiner hat das wirklich in Bezug auf die Bevölkerung Afrikas so
gemeint,
o Churchill sagte, er sei nicht Regierungschef geworden um die Kolonien
aufzugeben,
o Roosevelt wollte die Erschließung der Kolonien für den amerikanischen
Markt.
- DeGaulle: sprach immer von fortschrittlicher Kolonialpolitik und Neuordnung, dachte
aber nicht an ein Ende der französischen Kolonialherrschaft. Auch er löste aber
Hoffnung der kolonisierten Länder aus.
- Weiterer Motivationspunkt war die Gründung der Vereinten Nationen.
 das alles signalisierte eine Unabhängikeit und eine Entkolonisierung.
Für kleine Gruppen (Unternehmer,…) war der 2. Weltkrieg eine gute Zeit.
Mit Ende des Krieges fanden sich die Kolonialmächte in mehr als einer Hinsicht abhängig
von den neuen Mächten USA/UdssR:
Hatten sich die Welt aufgeteilt, Blockbildung.
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
Weitere wichtige Schiene in den Nord-Süd Beziehungen ist die Rede von US-Präsident
Truman: erste offizielle Nennung eines Begriffes wie „Unterentwickelte Gebiete“, dass es
Gebiete gibt die man entwickeln muss.
 Die Neuordnung der kolonialen Welt
Szenario des Kalten Krieges: drei Arenen:
1. die Vorfeldstaaten des Südens – wobei China und Indien sicherlich gesondert zu
betrachten sind:
nur hier ist der Kalte Krieg zu einem Heißen Krieg eskaliert; Den Krieg haben die
Supermächte indirekt über Stellvertreterländer geführt.
2. die Vorfeldstaaten des Nordens (COMECOM – NATO)
3. die Staatsgebiete der Supermächte
Die Umgestaltung der Beziehungen des Nordens zu Afrika vollzieht sich grob in drei
Phasen:
1. die Entkolonisierung bzw. Neokolonisierung
2. der Kalte Krieg oder die Phase des labilen Gleichgewichts
3. die Dritte Kolonisierung durch die Internationalen Finanzinstitutionen und den USKapitalismus.
 Die Entkolonisierung bzw. Neokolonisierung Afrikas
Ausgehend von einem oberflächlichen Pluralismus kommt es meist zu einer
Konzentration der Macht bis hin zur Despotie.
Elitenbildung:
- Unterschied zwischen Briten und Franzosen:
Briten haben den Wechsel von der indirect rule zur Beteiligung der lokalen Politiker eher
forciert, während die Franzosen das sehr zentralistisch organisiert haben (tw. in Paris).
- Eliten wurden also auf unterschiedlichste Art und Weisen gefördert und
herausgebildet;
- Über diese Eliten verläuft die Neokolonisierung Afrikas.
- Die Unabhängigkeiten waren für den Prozess des Machtzuwachses für die Eliten ein
wichtiger Höhepunkt,
- Diejenigen neuen Eliten die die Macht übernommen haben waren im Wesentlichen auf
ihre Metropolen ausgerichtet und sind aber gleichzeitig oft auch an dem System der
beiden Supermächte (USA, UdssR) orientiert. (USA waren aber nie so wirklich dort
vertreten)
Parteien und Gewerkschaften:
- nach Ende des 2.WK entstehen in den Kolonien viele Parteien und Gewerkschaften die
sich schnell etablieren können;
- je aktiver ihre Forderungen waren desto häufiger sind sie mit der kolonialen Macht in
Konflikt gekommen (haben Gegenparteien geschaffen);
- beim Aufbau dieser neuen Organisationen gab es dann auch
Geschwisterorganisationen im Norden (sozialisten,…), ließ dann aber nach der
Unabhängigkeit eher nach;
- ersten Jahre nach dem 2.WK waren von Arbeitskämpfen gekennzeichnet;
- so rasch wie die Gewerkschaften gewachsen sind, so sind sie auch nach der
Unabhängigkeit wieder vertrieben wurden.
Gegenbewegungen zur Neokolonisierung:
- von der Kolonialkontrolle zur indirekten Kolonialkontrolle;
Internationale Organisationen, „Blockfreie“/“Nicht-blockgebundene“ Staaten (Bandung),
Panafrikanische Kongresse, regional: Organisationen der Afrikanischen Einheit
(OAE/OAU)
 Versuch, sich in Institutionen wie z.B der UNO selbst zu organisieren;
 je etablierte die Bewegungen waren desto mehr wurden sie von den Großmächten als
„nützliche Debattierklubs“ verwendet (die Wirkung wurde in Diskussionen erschöpft)
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
Wirtschaft und soziale Entwicklung:
- die 50er sind von der Öffnung der Kolonien geprägt und davon, dass die
Kolonialmächte begonnen haben mehr in ihre Besitzungen zu investieren;
- Versuch, einen Teil der Bevölkerung zufrieden zu stellen durch Anheben des
Lebensstandards von wenigen
- „Wohlfahrtskolonialismus“, Förderungsmaßnahmen für die Wirtschaft, Finanzsysteme
(Währungsgemeinschaft des Franc CFA, Communauté Financiére Africaine)
Unterschiedliche organisationelle Beziehungen zur Metropole nach der Unabhängigkeit.
Formen der Vernetzung:
Wirtschaftlich, sozial, kulturell, Wissenschaft, finanziell,…
 mit dem Ende der Kolonialzeit ist die Vernetzung und somit die Kontrolle des Nordens
über den Süden keineswegs zu Ende;
 in Bezug auf Afrika hatte Frankreich lange eine Vormachtstellung in Bezug auf die
Kontrolle;
 nach Ende des Kalten Krieges erhoben auch die Amerikaner Anspruch.
 Entwicklung als Projekt und Produkt
- früher war Entwicklung einer integraler Bestandteil von Missionen und Sozialarbeit,
- nach 1945 wird das zunehmend separiert (Truman-Rede),
- es entsteht ein neues Produkt und somit ein neuer Markt,
- Entwicklung wird als Gegenstand an sich.
- Die Regierungen der unabhängigen Staaten verwendeten dieses Produkt vorwiegend
zur Ruhigstellung der dortigen Probleme.
- Entwicklung ist also ein Produkt mit politisch hohem Stellenwert (in der
Konsolidierung und der Schaffung politischer Zentren).
- Die kolonialen Metropolen haben diese Entwicklung über den staatlichen Apparat
verwaltet – diesen misstraut die Zivilgesellschaft wodurch Misstrauen auch gegenüber
von NGOs etc. aufkommt.
Der neue Staat übernahm die Aufgaben der Entwicklung (vorher die Kolonialmacht).
Folgendes ist passiert: die meisten afrikanischen Staaten waren sehr leicht erreichbar für
Finanzspritzen und Investitionen, ab den 60ern werden die Kosten der Entwicklung und
des Staates immer größer und es steigt die Abhängigkeit von externen Gebern.
Erst mit dem Ende des Kalten Krieges tritt dann der Staat stärker in den Hintergrund
 Reprivatisierung der Entwicklungshilfe.
 Vom Kalten Krieg zum New Wave
Für die meisten Staaten hat das Ende des Kalten Krieges viel Optimismus mitgebracht
(Literatur). In den meisten Fällen ist daraus leider nicht viel geworden:
- Vereinnahmung der Macht durch eine kleine Masse,
- Pervertierung des Staates (wird zum Instrument der Bereicherung einer kleinen
Minderheit: Freibeuterstaat bzw. Freibeuterklasse),
- Partner im Norden (Geber, Kontrolleure des Produkts Entwicklung) konnten sehr gut
mit diesem pervertierten Staat zusammen leben: man konnte mit autoritären
Regimen ohne Progleme zusammenarbeit.
- Für die Mehrheit der Bevölkerung bedeutete diese Begegnung mit dem autoritären
Staat Gehorsam, Unterwerfung und Angst – für die Geberländer waren es Partner. Es
kommt immer wieder zu ungezielten Aktionen der Bevölkerung gegen diesen
autoritären Staat (u.a. Rückzug in die Subsistenz, örtliche Revolten, spontane
Arbeitskämpfe, hohe Kriminalität, Flucht in religiöse Tätigkeiten, steigender
Drogenkonsum).
- Der Staat hat auf diese Veränderung der Gesellschaft nur dann reagiert wenn es ihn
direkt betroffen hat. wenn er eingegriffen hat dann entweder mit Gewalt oder mit
Entwicklung.
 Demokratisierung – widersprüchliche Argumente: Demokratiediskurs
- die demokratischen Institutionen der jeweiligen kolonialen Metropolen können auf die
neuen afrikanischen Staaten übertragen werden,
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
-
Demokratie ist angeboren und muss nicht erlernt und geübt werden,
Es gibt eine eigene politische Tradition der afrikanischen Gesellschaften, an die nach
dem Ende der Kolonialzeit wieder angeknüpft werden kann,
Die afrikanischen Staaten haben das Recht und die Pflicht die politischen Institutionen
und die Verfassung so zu gestalten, wie es ihrer Sicht der Gegebenheiten entspricht,
Soziale und wirtschaftliche Entwicklung ist wichtiger als demokratische Grundrechte,
Autoritäre Regime, vor allem Diktaturen von Einzelpersonen, sind vorübergehend
notwendig und es gibt keine Alternative zum jeweils regierenden Diktator,
Entwicklung kann nur durch und unter Einbindung des Staates und seines Apparats
gefördert werden,
Demokratie ist teuer und Entwicklungsländer können sie sich nicht leisten,
Menschenrechte sind nicht universell sondern kulturabhänig.
ODER
-
Menschenrecht sind unverzichtbarer Teil der nationalen und internationalen Politik,
Der Staat muss demokratisiert werden, weil nur so der freie Zugang zum Markt
garantiert ist,
Demokratie muss gelernt werden,
Der Staat muss demokratisiert werden, doch solange die Voraussetzungen in der
Bevölkerung nicht geschaffen sind, dürfen autoritäre Regimes erhalten bleiben,
Entwicklung setzt Demokratie voraus und dementsprechend setzt die fremde
Finanzierung der Entwicklung Demokratie voraus,
Demokratie ist gleich freier Markt und Demokratie und fremde Hegemonie sind
vereinbar.
 dieser Diskurs setzte sich von den 60ern bis zu den 90er Jahren durch
 Zivilgesellschaft
 90er: Geber des Nordens verschieben ihre Sympathie weg vom Staat hin zur
Zivilgesellschaft
 die Zivilgesellschaft wurde erst in den 80er Jahren „wieder entdeckt“, ist aber
eigentlich nichts Neues
 ein Teil der Zivilgesellschaft wurde regelrecht von der Gesellschaft aufgesogen und
wurden vom Staat im eigenen Interesse benutzt
Definition „Zivilgesellschaft“:
Jener Teil der Gesellschaft, der sich zwischen Staat und Familie befindet, und
Zivilgesellschaft existiert dort, wo man sie sieht.
 Globalisierung, Internationale Finanzinstitutionen und dritte Kolonisierung
Globalisierung:
Für viele Leute ebenso mit Angst behaftet wie man Zivilgesellschaft mit Hoffnung
assoziiert.
Befürworter sagen, dass sie einerseits unvermeidbar ist, dass sie die Ressourcen
maximal nutzt, dass nur freier Markt Entwicklung garantiert und, dass nur durch
Globalisierung der Entwicklungsländer zur Integration in den Weltmarkt beitragen
können.
 afrikanische Gesellschaften haben noch nie Vorteile von Globalisierung gehabt,
 G. bedeutet noch weniger staatliche Souveränität,
 Strukturanpassungsprogramme sind unspezifisch und führen zur Verschlechterung von
Staatshaushalten.
Konsequenz der Globalisierung: Verschlechterung der Lebensqualität der afrikanischen
Bevölkerung.
Die Staaten des Nordens schützen sich dagegen, die des Südens können das nicht.
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
Ein großer Teil von Entwicklungshilfe ist nichts anderes als eine neue Form der
Kolonisierung und Abhängigkeit („Post-Neo-Kolonialismus“).
Die Kontrolle Afrikas intensiviert sich wieder: auf Wegen der EZA werden afrikanische
Gesellschaften kontrolliert.
Dritte Kolonisierung:
„partizipatorische Kolonisierung“
 früher gab es zumindest einen afrikanischen Diskurs gegen die Kontrolle durch den
Norden, heute gibt es keine Kritik in den Machtzentren mehr, die „Kolonisierung“ wird
hingenommen. Man braucht keine Gewalt mehr um die Kontrollpolitik durchzuführen, die
afrikanischen Länder handeln von sich aus so, wie sie sich verhalten sollen.
Was kommt als nächstes?
 vierte Kolonisierung oder erneute Entkolonisierung?
17. Mai 2004, IX
Christian Mährdel, Entkolonisierung der 3.Welt
(unvollständige Mitschrift!! Nur ca. 50% des Vortrages…)
Thematik hat einen globalen Charakter.
Schwerpunkte im Vortrag:
Globale Entwicklung,
Neue Situation nach dem Zweiten Weltkrieg,
Afrika.

-
Globale Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
Gründung der Vereinten Nationen 1945
Entstehen einer bipolaren Weltsituation (Kalter Krieg)
Legitimitätskrise in die der europäische Kolonialismus geraten ist und die
Überwindung der Kolonialherrschaft  Weltorganisation des Südens konnte sich
daraufhin herausbilden (s. 24. Mai 2004)
Gründung der UNO
Neue Konstellation in den Nord-Süd Beziehung (auch der Süd-Nord Beziehungen).
Gründung und Aktivitäten der UNO waren für die Kolonialfrage von Bedeutung und es
gibt dazu eine Vorgeschichte:
Kontrastposition
 Atlantikchart 1941: Punkt 3 „Selbstbestimmungsrecht aller Völker“, sollte auch für
Kolonien gelten
Boden für Entkolonialisierung:
Gründung der vereinten Nationen (ab 1942),
Aktivität der USA aus dem unmittelbaren Kontext der Kriegsführung Japans.
Beim Treffen in San Francisco waren bereits 50 Nationen Mitglieder, darunter viele
asiatische. In kurzer Zeit wurde beschlossen, dass die Situation der Kolonien nicht mehr
in dieser Art und Weise tragbar ist.
Ähnliches steht in der Charta zu den Treuhandgebieten (die nach dem ersten WK in
europäische Hände gefallen waren).
 1960 („afrikanisches Jahr“ weil viele Unabhängigkeitserklärungen) UN
Deklaration: Druck aus dem Süden hat sich verstärkt
 1969 gab es eine sachbezogene Abstimmung (zu Null mit Stimmenthaltungen von
ehemaligen Kolonialmächten wie Belgien, Spanien, GB, F,…)
Legitimitätskrise
Tiefgehende Krise die sukzessive zu einem Zusammenbruch wurde.
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
internationaler Vorgang von besonderer Wichtigkeit:
 in Hinblick auf die Haltung im Norden: die Krise entstand durch die Polarität und
die unterschiedliche Position der USA und einiger anderer kleineren Staaten zu
den europäischen Mächten im Westen
Gesichtspunkt zur eigentlichen Thematik:
Die Kolonien in Asien und Afrika sind „Dekolonisiert“ und in die Unabhängigkeit
„entlassen“ worden.
 weist auf einen einseitigen Prozess hin
M. geht aber von etwas anderem aus: von einer Position von gegeneinander und
miteinander (contra- und interaktionäre-Elemente).
Kolonialmacht und antizipatorische Bewegung waren jene Kräfte, die zur Erringung der
Staatssouveränität eingetreten sind und deren Wirken darauf hinaus laufen musste.
Vorgang der Entkolonialisierung:
 ist entsprechend unterschiedlich je nach Kolonialmacht
 spezifische Situationen in Siedlerkolonien (wer soll eigentlich Freiheit bekommen)
 wichtig ist auch der jeweilige Staatscharakter der Metropolen
 indigene emanzipatorische Bewegung mit der (nationalen) Ideologie
Es gibt Differenzen in den einzelnen Kolonien und verschiedene Einwirkungen von außen.
Vergleich Indien/Vietnam
Vietnam:
Nationale Ideologie, die aufgenommen worden ist von kommunistisch beeinflussten
Führungen. Eine radikalere Richtung, tw. sogar Minderheit in der eigenen Organisation.
Indien:
National bürgerliche Ideologie noch jüngeren Datums. Ziel war ein unabhängiges Indien,
Gründung des Indian National Congress um Indien in die Unabhängigkeit zu führen.
De gesamte ideelle Vorbereitung von Veränderung der kolonialen Situation war schon
sehr weit entwickelt worden (schon vor dem 20. Jahrhundert gab es ein
Wirtschaftskonzept für ein unabhängiges Indien).
Immer deutlicher werdende Auseinandersetzung innerhalb der indischen Bewegungen: es
bestehen viele verschiedene Bewegungen (Nationalkongress, muslimische
Bewegungen,…Ideologisierung von Religion schon in der Kolonialzeit  Aufteilung des
Landes).
Zusammenfügung von bürgerlich geleiteter antikolonialer Organisation und breiter
Volksmeinung.
Bedeutung von Dekolonisierung:
Ist von der Wissenschaft mehr oder weniger früh aufgedeckt worden. Lange gab es
Unklarheit um den Begriff „Entkolonisierung“. Historiografisch sehr interessant, wäre aber
zu ausführlich.
Begriff der „Gegenkolonisation“: geprägt von Ökonom Marius Bonn
 Synonym für Decolonisation
 in Verbindung mit „empire braking“
Formuliert in den 1920er Jahren, dann noch mal 1938 in seinem Hauptwerk „The
Crumbling of the Empire“;
Von der inhaltlichen Seite tritt ein Punkt ganz deutlich zu Tage: Dekolonisation ist nicht
einfach eine Bewegung gegen politische Abhängigkeit. Sie wendet sich eben so sehr
gegen ökonomische Abhängigkeit.
In der selben Zeit gibt es einen indischen Wissenschafter, Ökonom: Studium von
wirtschaftlichen Entwicklungen in den ersten eineinhalb Jahrzehnten in seinem Land,
unter Nützung seiner internationalen Partnerschaften und Begegnungen (Deutschland),
hat dann denselben Begriff der „Gegenkolonisation“ verwendet. Hat sich dann rasch im
asiatischen Raum verbreitet und Fuß gefasst.
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
24. Mai 2004, X
Christian Mährdel
„Das Phänomen der 3. Welt in einer globalen Bipolarität“
(siehe auch: 3seitiges Handout)
Blockfreie Staaten
Die eigene verbindliche Begrifflichkeit lautet „non-alignment“ (nicht-Pakt-gebundene). Es
geht um die Nichtbindung an die beiden Militärblöcke NATO bzw. Warschauer Pakt.
Historische Periodisierung: 4 Phasen
- asiatische Phase: 1947 – 1955
- afrikanisch-asiatische Phase: 1955 – 1961
- trikontinentale Phase (mit Lateinamerika als 3. Partner) 1961 – ???
- post-bipolare Phase (wird im Vortrag nicht behandelt): ab 1990er
Erster Gesichtspunkt: jene Antwort aus Asien auf Erfahrungen, die man im 2.WK und
davor gemacht hat (das „Dritte“ wurde schon angedacht…???)
First Asian Relations Conference, Delhi 1947:
- es ging darum, Standpunkte der Teilnehmer abzusprechen, Spannungsverhältnisse zu
minimieren und ein Programm für die Entwicklung einer andauernden asiatischen
Zusammenarbeit zu kreieren;
- hatte ein sehr konkretes Konzept auf der Grundlage von eingehenden Debatten
entwickelt: ausgehend von politischen, wirtschaftlichen, kulturellen Beziehungen
wurden sehr konkrete Schlussfolgerungen in Hinblick auf die Verwirklichung gezogen;
- die Verwirklichung sollte entsprechend kontrolliert werden, wozu man eine
Folgekonferenz für 1949 in China in Aussicht stellte;
- Nehrusche Eröffnungsrede: große Solidarität unter den asiatischen Völkern, um eine
andere asiatische Nation zu retten;
Indonesien: einseitige Unabhängigkeitserklärung von Holland, führte zu
Militärintervention (auch von GB);
Weitere Behandlung in bilateralen Formen sollte fortgesetzt werden
Konferenz von Colombo 1954:
Burma, Indien, Pakistan, Indonesien…
- Vorschlag Indonesiens: nicht im Verbund des asiatischen Raumes zu verbleiben
sondern auch afrikanische Länder einbeziehen;
- Vorkonferenz: da ging es um den Streit Indonesiens mit den Niederlanden, um die
Genfer Konferenz, um Marokkos Abhängigkeit von Frankreich, um die Regelungen
nach dem Korea-Krieg von 1953, um Auseinandersetzungen bewaffneter Natur in
anderen asiatischen Staaten und um die Einflüsse die von der Bipolarität ausgingen
(vor allem im Zusammenhang mit Atombomben-Versuchen);
- Diese Beratung im Vorfeld der Konferenz hat ein gewisses Näherrücken zwischen den
asiatischen Teilnehmern gebracht und den Fall Indochina unmittelbar zu einem
Schwerpunkt gemacht (Franzosen wollten dort die militärische Kraft der Vietming
zerstören und sind bekanntlich gescheitert);
- Zur selben Zeit fanden die Verhandlungen um das Genfer Abkommen statt: diese
Konferenz, noch bevor sie eine Entscheidung traf, wartete ab, was auf dieser Tagung
der asiatischen Länder herauskommt;
- Um sich auf eine Erweiterung vorzubereiten war es wichtig, sich auf die möglichen
Positionen einzulassen: Ergebnis war, man solle doch abwarten bis die Asiaten ihre
Meinung gesagt haben (vor allem in Bezug auf Vietnam, Indochina);
- Das wichtigste von Colombo war die Vorbereitung der Bandung-Konferenz
asiatisch-afrikanische Konferenz von Bandung 1955:
- Eröffnungssitzung: eröffnet von Sukarno, erste interkontinentale Konferenz der
farbigen Völker, „unsere Völker kämpften für die Unabhängigkeit und gewannen sie“;
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
-
Konferenz hat deutlich gemacht, dass diese asiatische Komponente durchaus noch
sehr problematische Stellen hat aber auf der anderen Seite auch das Gemeinsame
betonte, auch wenn bestimmte Akzente des Nicht-übereinstimmens weiter existierte;
Es gab eine fundamentale Gemeinsamkeit:
Nicht-Bindung an einen der Militärblocks.
selbst China war nicht unzufrieden mit der Konferenz;
der „Geist von Bandung“: bedeutete jene 3. Art und Weise der Handlung, der „DritteWeg“ (unabhängige Entwicklung);
der neue Kontinent (Afrika) war vertreten durch die bereits unabhängigen und neuen
Länder;
Die afro-asiatische Gruppe hat sich schnell in den UN zusammengefunden. Die UNO wird
zum Hauptfeld für die Vertretung ihrer gemeinsamen Interessen.
Auf dem Gebiet der kulturellen Zusammenarbeit wurde auf die Konferenz von Delhi
zurückgegriffen.
-
die Konferenzteilnehmer wollten die Bewegung voran bringen und sie auch für andere
offen zu halten;
- bereits auf dem Weg zur Trikontinentalität: ein Europäer taucht auf:
Jugoslawiens Staatschef Tito.
Jugoslawien hatte sich nach der Auseinandersetzung mit Stalin wieder an den
Titoismus gewandt, was zum Bruch mit Moskau und damit einem Alleingang führte
(non-aligned). Damit war Tito in Europa allein, weshalb er sich Partner auf der afroasiatischen Konferenz suchte.
Hatte die Absicht, eine universelle fortschrittliche Plattform für den Frieden zu
schaffen (veröffentlicht in einem indischen Blatt, was ihm Sympathien dort
verschaffte).
Ab 1954 kam es zu Staatsbesuchen Titos in Indien, Burma, Ägypten, Äthiopien (Haile
Selassie). Besonderes Gewicht hatte sein Indien-Besuch:
 „non-alignement“ beinhaltet keine Neutralitäts- sondern eine anitkoloniale Politik.
Es geht nicht um die Schaffung eines 3. Blockes oder einer 3. Kraft.
1956 Tito in Ägypten mit Nassau: Bekenntnis gegen Wettrüsten, Spannungen und
Misstrauen zwischen den Nationen.
Einige Monate danach wurden die Beziehungen zu Ägypten konkretisiert und ausgebaut
in Hinblick auf die Analyse der Weltsituation plus Bekenntnis zu friedlicher und aktiver
Koexistenz:
Treffen Nassau – Nehru – Tito in Belgrad:
- erstmals eingehende Erklärung in einer sehr deutlichen und konkreten Ausführung,
worum es dieser Organisation gehen müsse;
- damit hatte sich bereits eine größere Achse herausgebildet:
Tito, Nassau, Nehru, Sukarno, ein Afrikaner (?);
- Sitzung der UN-Vollversammlung: auf jugoslawische Anregung wurde dieser
Beschluss dort gefasst
- Tagung in Kairo für die Gipfelkonferenz in Belgrad im September 1961
- Planung: 21 offizielle Teilnehmerstaaten + Beobachter
- Zu klären war: Was ist eigentlich Blockfreiheit?
 davon hing ab, wer einzuladen wäre und zur Gruppe gehört; 5 Punkte wurden
definiert:
Kriterien für die Blockfreiheit:
1. das einzuladende Land musste unabhängige Außenpolitik betreiben, sich im
Koexistenzprinzip bewegen, sich zur Blockfreiheit bekennen, oder eine Tendenz
dieser Art (Blockfreiheit) aufweisen.
2. das Land soll die anti-koloniale Unabhängigkeitsbewegung unterstützen
3. wenn das Land einer fremden Macht Militärstützpunkte einräumt sollte diese
Konzession nicht im Rahmen des Kalten Krieges gegeben worden sein.
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
4. Ein Land darf einen nur bilateralen Militärvertrage haben….
5. ….
Die Mehrheit der Anforderungen lag in dem Schwerpunkt, nicht militärisch paktgebunden
zu sein. Auf dieser Grundlage müsste man in der Lage sein, eine Politik der
uneingeschränkten Unterstützung der anti-kolonialen Unabhängigkeitsbewegung zu
führen.
Conference of the non-aligned countries, Belgrad 1961
- 25 Teilnehmerländer (12 Afrika, 12 Asien, Zypern)
- die fehlenden (obwohl eingeladenen) Länder: Nigeria, Togo, Mexiko, Brasilien (war
dann Beobachter)
- verabschiedete Dokumente:
Deklaration:
- Welt befindet sich in einer Übergangszone von einer alten Ordnung zu einer neuen
Ordnung, die sich auf Zusammenarbeit der Völker gründet und die Entwicklung des
Wohlstandes zum Ziel hat,
- kein neuer Block soll entstehen,
- 27 Sondergebiete: Beschleunigung des Dekolonisationsprozesses,
Souveränitätsfragen (nicht nur im politischen: über Verfügung über Ressourcen,
Selbstbestimmte kulturelle Entwicklung,…), Militarisierung, Konkretisierung die sehr
weit blickend war: Abschluss eines Abkommens über Nichtbenutzung des Weltraums
für militärische Zwecke, keine Kernwaffenversuche, Wirtschaftsprobleme (Fonds für
unterentwickelte Länder), aktuelle politische Fragen: Mitwirkung der VR China in der
Union und Regelung der deutschen Frage im Zusammenhang mit dem Mauerbau.
- Es gab keine Handlungsorientierung bei den beiden politischen Punkten (die anderen
dienten sehr wohl zur Handlungsorientierung, mit hohem Grad der Verbindlichkeit).
- Appell an die beiden Großmächte: Besorgnis wurde ausgedrückt, Aufruf zur sofortigen
Einstellung der Kriegsvorbereitungen und bilateralen Verhandlungen, Achtung der
Lebenswichtigkeit eines solchen Schrittes für alle Länder dieser Welt. Aufforderung für
alle nicht anwesenden Länder, sich diesem Appell anzuschließen.
- Es lief hinaus auf den Versuch einer Änderung von Spielregeln in der internationalen
Politik. Kriegsgefahr und Teilung der Welt sollten beseitigt werden.
 zum Wirkungsfeld der Blockfreien in der UNO: siehe Literaturhinweise am Handout
Es stellte sich heraus, dass die Praxis zwang, zu einer Systematik zu kommen:
- Kontinuität musste erreicht werden, und damit auch ständige Organisationseinheiten;
Die weltweit wirkende Hauptaktivität fand über die UNO statt:
- organisiert in einer Struktur,
- agil im Anknüpfen von Gesprächen um Unterstützung zu bekommen,
- Netzwerk, das mindestens so stark gegliedert war wie das für die eigene
Organisationsform (zur Vorbereitung der Konferenzen: dazwischen gab es immer
wieder Außenministerkonferenzen etc.).
- man musste sich erst in der eigenen Gemeinschaft über vieles einig werden um dann
für auswärtige Unterstützung zu werben;
- als Struktur war diese sehr differenziert und breit. Allerdings gab es in der
tatsächlichen Wirksamkeit und schwache Stellen.
Größte Einheitlichkeit hatte man in den Fragestellungen in Bezug auf Wirtschaft
(Mainstream der Aktivitäten ab 60er Jahren – Konferenz von Kairo 1964:
Wirtschaftskonferenz für die Interessen des Südens).
Ausarbeitung von Plattformen für ein „Weltprogramm“, Vorbereitungen für das erste
Konzept der neuen internationalen Wirtschaftsordnung. Charta der ökonomischen Rechte
und Pflichten der Staaten in den UN.
Weiters: Fragen der Koexistenz und des Nicht-Angriffs.
Ab 2. Hälfte 70er: Konzept der Collective Self-Alliance
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
 brachte nicht die Ergebnisse die man erreichen wollte;
Öffnung auf mehr Kooperation mit Staaten des Nordens. (auch ausgelöst durch die
Wende)
Aktivitäten:
- in allen Gremien:
- G7,
- G8-Gruppe im UNO-Sicherheitsrat,
- Präsidentschaften
- Starke Einflussnahme auf Tagesordnungen der Vollversammlungen und Resolutionen
(Norden konnte sich nicht mehr abkapseln),
- Nutzung von Spezialorganisationen der UN (bei aller Selbstüberschätzung konnte hier
doch in gewissen Situationen die Welt verändert werden, nicht zuletzt auf dem Gebiet
der Verhinderung von weltumfassenden militärischen Auseinandersetzungen)
7.Juni 2004
Süd-Süd Kooperation
Southern African Development Community
Überblick:
1970: Zusammenschluss der Frontline Staaten (Zambia, Tanzania, Botswana)
1980: „alte“ SADCC: Southern African Development Co-ordination Conference
1992: “neue” SADC: Southern African Development Community
Südafrika ist seit Ende des Apartheid-Regimes 1994 Mitglied der SADC.
Charakteristika der Region:
-
hohes Maß an Arbeitsmigration
hohes Maß an Landenteignung (vor allem in Südafrika, Zimbabwe und Namibia)
gemeinsame historische Erfahrungen
nicht homogen sondern interdependent: sehr unterschiedliche geographische und
wirtschaftliche Ausprägungen der einzelnen Staaten.
Staaten unterscheiden sich aber auch in vielen Aspekten:
- unterschiedliche Kolonialmächte in den Regionen (Portugal, GB, Deutschland)
- Formen des Kolonialismus (Siedlerkolonien, Protektorate)
- Wirtschaftspolitische Ideologie:
o Angola und Mozambique: sozialistisch
o Tanzania, Zimbabwe und Zambia: sozialistische Rhetorik
o Botswana, Lesotho, Swaziland, Malawi: kapitalistisch
- Geographische Lage:
o Binnenländer und Küstenländer
o Bergländer (Lesotho) und Wüsten (Namibia, Botswana)
- Größe:
o Swaziland mit nur 17,363 km2
o Angola mit 1,246 700 km2 (Kongo ist größer – aber erst 1997 beigetreten)
- Einwohnerzahlen:
o Sehr dünn besiedelt: Namibia, Botswana
o Hohe Bevölkerungsdichte: Malawi, Lesotho
- Höhe des BIP:
o Hoch: in Botswana, Angola, Zimbabwe, Lesotho
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
o
Niedrig: in Mozambique, Tanzania, Zambia, Malawi, Swaziland
Die einzelnen Länder:
Botswana, Angola, Mozambique, Malawi, Zimbabwe, Lesotho, Namibia, Zambia,
Tanzania, Swaziland, Südafrika.
Sonderfall: Südafrika:
- am stärksten industrialisiertes Land der Region,
- ungleichste Einkommensverhältnisse der Welt.
- Schlüssel zum Verständnis der Rolle Südafrikas in der Region: Goldfunde von
1886(1970: 60% der weltweiten Goldproduktion); Minenarbeiter kamen aus der
ganzen Region, vor allem Lesotho, Malawi, Mozambique.
 anstrengender und gefährlicher Job, temporäre Arbeitsmigration verhindert ein
normales Familienleben und bringt schwerwiegende soziale Konsequenzen mit sich.
- bis 1994: System der Apartheid (institutionalisierter Rassismus)
- sollte ursprünglich nicht Teil der SADC werden (die SADC war gegen Südafrika
gegründet worden)
- Südafrika ist nach wie vor die regionale Hegemonialmacht
Was ist die SACU (South African Customs Union)?
- 1969 gegründete Zollgemeinschaft der Namibia, Botswana, Lesotho, Swaziland und
Südafrika angehören:
o gemeinsamer Aussenzoll
o Verteilungsschlüssel für die Zolleinnahmen wurde von Südafrika festgelegt
o Innerhalb der SACU freier Handel
o Die BSLN Länder waren verpflichtet südafrikanische Importe zu kaufen, zu
höheren Preisen als am Weltmarkt
o Ihr überproportionaler Anteil an den Zolleinkommen war daher als eine Art
Entschädigung für diese Verpflichtung
o Einbußen ihrer Souveränität.
Unterschiedliche Beziehungen der Länder der Region zu Südafrika:
- für die Länder die zur SACU gehörten
- die, die kooperierten wie Malawi unter seinem Langzeitpräsidenten Banda (erhielt
diplomatische Beziehungen mit Südafrika aufrecht und akzeptierte auch Kredite von
Südafrika)
- die, die nicht kooperierten wie Zambia unter Kaunda
- die, die aufgrund der großen geographischen Entfernung kaum Beziehungen zu
Südafrika hatten wie Tanzania
Destabilisierungspolitik Südafrikas:
- politisch und ökonomisch motiviert
- zielte vor allem auf die Zerstörung von Transportwegen in en Nachbarländern ab, um
dadurch seine eigene wirtschaftliche Bedeutung in der Region zu stärken und die
Regierungen der Nachbarländer zu schwächen.
- Denn, nicht Südafrika hat die „natürlichen“ Exporthäfen der Region für die Mehrzahl
der Länder sondern Angola bzw. Mozambique.
- Ökonomische Komponente: eigenständige Entwicklung der Nachbarstaaten ohne
Südafrika sollte unterbunden werden (und genau dagegen ist wiederum die SADC
gegründet worden)
Beispiel für diese Politik:
- Zentrale Rolle Südafrikas im Ausbau der Eisenbahnlinien
- RENAMO (Resistencia Nacional Mocambicana):
1975 von Rhodesischen Sicherheitskräften initiiert
Ziel: Mazambique zu destabilisieren um die Unterstützung für die zimbabwanischen
Unabhängigkeitsbewegungen zu schwächen
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
RENAMO ist keine Widerstandsbewegung, die sich in Mozambique selbst bildetet,
sondern sie wurde von Rhodesien aus kreiert, kollabierte zunächst mit der
Unabhängigkeit Zimbabwes 1980.
-
Südafrika revitalisierte RENAMO in den 1980ern
 Attacken auf Verkehrsnetz, vor allem Eisenbahnlinien
 Zerstörung des Gesundheitssystems
Ähnliches Szenario in Angola:
 neben Südafrika unterstützten auch die USA die Oppositionspartei UNITA um zu
verhindern, dass ein an Bodenschätzen reiches Land kommunistisch wird.
Integration der Region – Der Weg zur Gründung der SADCC
 Überlegung, wie die Abkoppelung von Südafrika erfolgen könnte: die Zerstörung der
Integration war daher in der ersten Phase das Ziel
Vorteile regionaler Zusammenarbeit:
- Region kann gemeinsam große Entwicklungsprojekte an Land ziehen, da auch Geber
gerne große, grenzenüberschreitende Projekte durchführen,
- Gemeinsames Auftreten gegenüber multinationalen Unternehmen.
Nachteile regionaler Zusammenarbeit:
- Angst, die eigene Identität zu verlieren
- Angst, Steuereinnahmen und Zölle zu verlieren,
- Uneinigkeit über die Standortwahl großer Projekte.
Hauptziel bei der Gründung der SADC:
 wirtschaftlicher Gegenpol zu Südafrika
 Konzentration auf Export, da Binnenmarkt zu klein und einzelne Wirtschaften zu
undifferenziert.
Die Frontline-States:
-
-
1970: Tanzania, Zambia, Botswana
Staaten, die an Länder grenzten, die noch kolonialisiert waren oder unter dem
Apartheid System standen
erhielten ein Mandat der OAU (Organisation of African Unity) und führten einen
Kampf gegen den Kolonialismus:
o den portugiesischen in Angola und Mozambique
o das illegale Siedlerregime in Zimbabwe
o die südafrikanische Apartheids-herrschaft über Namibia
o und gegen das südafrikanische Apartheidregime selbst.
1975 wurden Angola und Mozambique unabhängig und Teil der Frontline States
1980 wurde Zimbabwe unabhängig
1990 wurde Namibia unabhängig
1994 Abschaffung des Apartheidsystems in Südafrika, erste freie Wahlen
SADCC
-
1979: 5 Frontline-States verabschiedeten in Tanzania eine „Arusha Declaration“
Die Präsidenten aller beteiligten Länder waren alte Freunde
1.4.1980: beim Lusaka Summit wurde die SADCC gegründet:
o ursprüngliche 9 Mitgliedsländer: die fünf Frontline-States, Lesotho,
Swaziland, Malawi, Zimbabwe
o Sekretariat in Gaborone (Botswana): umsichtig getroffene Wahl, eine
große Überstruktur sollte vermieden werden.
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
Die Ziele waren:
o Die Abhängigkeit zu reduzieren, vor allem von Südafrika, zu dem eine
ökonomische Gegenmacht entstehen sollte, aber ebenso von anderen
Staaten und Staatengruppen.
o Die Umsetzung von Programmen und Projekten mit nationalen und
regionalen Auswirkungen.
o Verständnis für die Situation der SADCC-Staaten und Unterstützung von
internationaler Seite.
Ansatz:
- entspricht nicht dem klassischen Verständnis von regionaler Integration
- nicht der klassische Weg hin zu einer Integration der Märkte: sondern pragmatischer
Schritt-für-Schritt Ansatz
- innerhalb einer dezentralisierten Struktur wurden Projekte durchgeführt, vor allem in
den Bereichen:
o Transport
o Technologie
o Industrialisierung
- Problem: Transportsystem war auf die kolonialen Ökonomien ausgerichtet, kaum
Querverbindungen zwischen den einzelnen Ländern; kaum Verbindungen innerhalb
der Länder, abgesehen von Verbindungen von Rohstoff- zu urbanen Zentren.
- Verschiedene Länder übernahmen Verantwortung für einzelne Sektoren
Handel:
 Freier Handel war anfangs nicht das Ziel.
- Kritik daher unangebracht, denn die Gründung der SADCC vor allem eine politische
Antwort auf die Versuche Südafrikas die Region zu destabilisieren;
- SADCC war erfolgreich darin, Hilfsgelder in die Region zu bringen
- Der intra-regionale Handel nicht mehr als 4-5% der Exporte, rund 80% davon
wiederum inkludierte Zimbabwe
- Minimalistischer Kooperationsansatz: Entscheidungen bleiben bei den einzelnen
Rebierungen
- Nur eine überregionale Einrichtung: die SATCC (Southern African Transport and
Communications Commission in Maputo)
Erfolge:
- gemeinsames regionales Bewusstsein wurde entwickelt; SADCC wurde in den 80ern
zu einer glaubwürdigen Staatengruppe nach außen
- Rehabilitierung des Transportsystems, vor allem des Eisenbahnsektors:
o 1970-1976: neue Bahnlinien von Zambia nach Tanzania (TAZARA)
o nach Unabhängigkeit Zimbabwes: Wiederherstellung des Harare-BeiraKorridors
o 1987 ging bereits die doppelte Menge an Exportgütern der Binnenländer
durch SADCC Länder und nicht durch Südafrika
- Generierung von Hilfsgeldern: weitaus mehr als vor SADCC-Gründung.
Probleme und Hindernisse:
- Destabilisierung durch Südafrika
- Schlechte weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen
- Nur in geringem Ausmaß Mobilisierung von eigenem Kapital, Rund 90% der
Finanzierung der Projekte kam von außerhalb der Region (hohe Abhängigkeit von den
Geberländern)
- Projekte zum Aufbau einer Transportinfrastruktur litten unter der starken
Geberdominanz
o Projekte belebten alte Strukturen des Transportsystems wieder
o SADCC aber ging es vor allem um Rationalisierung und nicht nur um
Rehabilitierung der alten Verbindungen.
- Mangel an Engagement der einzelnen Staaten, Vorrang für nationale Bestrebungen.
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
Warum stellte Südafrika seine Destabilisierungspolitik Ende der 80er schließlich ein?
- aufgrund der fortschreitenden Krise des Apartheidsystems in Südafrika,
- veränderte internationale Ordnung,
- Erkenntnis, dass eine Re-Stabilisierung der Region auch zum Vorteil von Südafrika
selbst sein würde.
Weitere Entwicklung der SADCC:
- 1990: Namibia kommt dazu
- 1992: Windhoek Summit: Neugründung und Umbenennung in SADC
- stärker zentralisiert, bindende Verträge: der erste bindende Vertrag wurde 1995 zu
dem Thema „Wasser und Energie“ ausgearbeitet.
- 1994 Südafrika wird Mitglied
- 1995: Mauritius tritt bei (steht politisch und geographisch außerhalb)
- 1997: Seychellen und Kongo treten bei
Neue Ziele ab 90ern:
- gemeinsamer Handel wird zum erklärten Ziel der Gemeinschaft
- gemeinsame ökonomische, politisch, soziale Werte
- 1997-2007: Errichtung einer SADC-Freihandelszone:
o Freier Warenhandel
o Freier Personenverkehr
o Abbau von Zöllen.
Problematisch:
Dominanz von südafrikanischen Konzernen und multinationalen Unternehmen.
Weiteres Ziel:
- regionale Stabilitätssicherung:
- Konflikte in den Regionen:
o Krieg in Kongo
o Krise nach Landbesetzungen in Zimbabwe
o Erst vor Kurzem Bürgerkriegsende in Angola
- Generelles Problem: Neoliberale Wirtschaftspolitik von WTO und EU
- Gegenprojekt: Utopie einer African Renaissance (NEPAD, ausgehend von Südafrika)
14. Juni 2004
Wolfgang Dietrich: Süd-Süd-Kooperation
Süd-Süd-Kooperation in LA
Periphere Bedingungen unter denen die Kooperation stattfinden soll macht es notwendig,
die Beziehungen zwischen Peripherie und zentraler Macht zu analysieren.
 LA und USA
 man kann nicht so tun als ob es die USA nicht gäbe
- eine Analyse der aktuellen US-Außenpolitik zeigt, dass sehr viele
Selbstverständlichkeiten die die aktuelle Regierung leiten aus Erfahrungskontexten
entstanden sind, die sich auf LA beziehen.
- Er würde von einer Lateinamerikanisierung der US-Außen und Weltpolitik sprechen.
(z.B. Irak)
Methodik: baut auf 2 Begriffe, geprägt von Galtung (Friedensforschung):
- Tiefenstruktur (strukturelle Gewalt)
o
- Tiefenkultur
o (kulturelle Konzepte die strukturelle Gewalt legitimieren)
o kommt aus der Psychologie (Freud, Jung, Reich, Galtung)
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
o
o
o
o
Aber: es gibt
in LA…)
Definition: ist die Summe jener Umstände die für die Menschen in einer
bestimmten Zivilisation festlegen, was sie als natürlich empfinden und
dadurch die Beziehungen formen;
Kollektives Gedächtnis, Leitungssystem
Was empfinden Menschen in einem bestimmten Rahmen als normal?
 kommunikationstheoretisches Problem
Gilt auch für die Eliten von Ländern
auch andere Faktoren: Herrschaftsinteressen, Machtstrukturen,… (Spanier
2 Thesen:
1. (in Hinblick auf die Herrschaftsstrukturen in Amerika): die Konjunktur von
militärischer Intervention und suprastaatlicher Integration in den americas des
20.Jhdt. folgt kulturellen Verhaltensmustern der beteiligten Akteure, welche auch
durch unterschiedliche Tiefencodes bestimmt werden, die das Verhalten leiten
2. militärische Intervention und suprastaatliche Integration in den americas sind
taktische Herrschaftsmethoden der jeweiligen Eliten (auf beiden Seiten). Die
Entscheidung der jeweiligen Taktiken wird durch die Konjunkutrzyklen bestimmt. LA
und NA verfolgen aber dasselbe Ziel: politische und ökonomische Dominanz über die
jeweils anderen.
Subthese:
Konjunktur: wenn die Wirtschaft boomt verhalten sich die Eliten anders als in Zeiten der
Rezession. Moralische Frage: man soll nicht in die Falle geraten zu sagen, dass etwas
immer „schlecht“ oder immer „gut“ ist (Intervention bzw. Integration).
Historischer Rückgriff:
1820er Jahre: MONROE/BOLIVAR
- entscheidende Jahre der spanischen Entkolonisierung
- Unabhängigkeit war ein elitäres Projekt;
- Bolivar: orientierte sich an Rousseau
- Europäische Freiheitsidee: bürgerliches Konzept wurde übernommen, obwohl es in LA
überhaupt nicht verbreitet war („Staatsbürger“)
USA: James Monroe
LA: Simon Bolivar
hat die Souveränität der neuen Staaten im
Vorschlag: alle die, die spanisch Sprechen
Süden sehr begrüßt:
sollten sich zusammen schließen
- Botschaft an die Europäer „Monroe
- war nicht allen recht: Angst vor
Doktrin“: Amerika den Amerikanern
Zentrum und Peripherie Verhältnis der
Eliten  alle wollten ihre eigenen
(Finger weg von LA)
Zentren  Streit
Dahinter stehen 3 Prinzipien:
- non-colonizing
Vorstellung einer Vereinigung aller Gebiete
- no transfers (zw. Kolonien)
in denen die Eliten spanisch sprechen.
- non-intervention
- Bolivar sprach sich gegen das Verhalten
Hatten die USA die Macht dazu?
der USA aus (Konferenz von Panama
 USA waren ausgeladen, sind trotzdem
- man kann davon ausgehen dass ihre
engsten Alliierten (GB) das
gekommen
unterstützen
Warum? Weil sie glauben, dass ihr Erfolgs- Adresse waren F, NL, D (nicht GB)
projekt der Siedler im eigenen Land weiter
Problem: militärische/politische Stärke:
geführt werden muss bis in die Peripherie.
- Hilfestellung von GB war nötig
(Besetzung der Malvinas…)
Problem: LA wurde nicht gefragt:
- Erklärung war einseitig
2 Grundverständnisse über die Zukunft LAs:
- Panamerikanisches Konzept
- Zusammenschluss der Länder des Südens (zum Schutz gegen die USA)
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
Lateinamerikanische Eliten (Kreolen):
 orientiert an Rousseau
- haben europäische Grundprinzipien importiert (Staatsgedanke)
- bis heute andauernde Argumentationsweise derjenigen Teile der LA Eliten, die nicht
an der Macht sind: sagen, dass die die Regieren so schlecht sind, und dass deshalb in
LA nichts weiter geht
o sagen, dass sie selbst die moralisch besseren sind
o sagen, dass sie selbst das bessere Konzept haben
 „Revolution“ ist notwendig (populistischer Anspruch der ausgeschlossenen Gruppen)
- dazu kommt der Minderwertigkeitskomplex gegenüber den USA:
literarische Strömung: Roman „Ariel“ (Luftgeist-LA gegen Erdgeist-USA)
 „Arielismus“ in LA: Luftgeister müssen sich vor den bösen Erdgeistern schützen
Konzept der USA:
- Ideologische Rechtfertigung der „Zivilisierung“
- Verallgemeinerung des LA-Kontinents
- Eliten wollen nicht gehorchen, also werde sie entfernt, sodass die (wirtschaftlichen)
Rahmenbedingungen entsprechend geformt werden können
Anlassfall für militärische Intervention: Wirtschaftskrise von Venezuela
(Zahlungsunfähigkeit gegenüber europäischen Staaten und Banken  Europäer wollten
intervenieren)
- USA (Roosevelt): intervenieren einfach selbst, wodurch die Rahmenbedingungen in
LA gleich hergestellt werden können (im Jahr 1904)
Frage, ob militärisch interveniert wird, hängt von der Konjunktur ab:
- hohe Konjunktur ist günstig für Intervention
- Krisensituation: Absatzmärkte sind gefragt, Intervention könnte sie liefern
1. Hälfte des 20.Jhdts: Vielzahl militärischer Interventionen
ab 2. WK:
- Änderung der terms im weltpolitischen Kontext (Kalter Krieg, neue Doktrinen)
o Realismus (Mensch ist von Grund auf schlecht, darum bedarf es eines
Regulativs also einem autoritären Staat, starkes Heer,…)
o Idealismus (in LA besonders wichtig; Mensch ist vernunftbegabt, braucht
zwar einen Staat, dieser muss aber demokratisch legitimiert sein;
Zollabbau, denn wer miteinander Handel treibt schießt nicht aufeinander;
vernunftbegabt Vertreter von Staaten sollen das internationale System
leiten;  Kant)
- In Bezug auf Integration/Kooperation zwischen Staaten:
o Realismus: Kooperation muss so ausschauen, dass erst einmal das
persönliche Wohl gesichert wird, dann Verhältnisse geschaffen werden die
einem selbst genehm sind, dann wird es umgesetzt
o Idealismus: zuerst sollen sich die Vertreter zusammentun, etwas
aushandeln, formalisieren und dann umsetzen
Was folgt auf zwischenstaatlicher Position aus der Monroe-Ansicht?
- starkes Zentrum, starker Realismus der Stärkeren
= Intervention
(immer wenn einer nicht so gut ist wie er in meinen Augen sein soll, wird
eingegriffen)
- schwacher Idealismus der Stärkeren
= nach Intervention kommt Institution (damit wird völkerrechtlich legitimiert)
- „form follows function“ (Funktionalismus)
 Panamerikanismus
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
Was folgt auf zwischenstaatlicher Position aus Sicht des Arielismus?
- schwacher Realismus der Schwächeren
= Revolution (Intervention wäre zu hoch gegriffen, ist nicht realistisch)
- starker Idealismus der Schwächeren
= Emanzipation (wie kann man sich wehren?
- Konzept „function follows form“ (Föderalismus)  Ruf nach Gipfelkonferenzen, nach
Institutionen, nach Verträgen,…
 Emanzipation
Süd-Süd Kooperation:
- Zusammenschluss auf Basis von Verträgen
- Anspruch: bessere Verhältnisse trotz Zentrums-Abhängigkeit
 Zwei Seiten von Konzepten für Amerika:
- US-amerikanische (aktuell: Freihandelszone unter Führung der US)
- LA-amerikanische (forciert von CEPAL), emanzipatorische Konzepte
o Realpolitische Erkenntnis:
Bipolarer Widerstand gegen die USA hat keinen Sinn, deshalb wird immer
auf die Unterstützung der europäischen Mächte gehofft; Allianz mit Europa
soll geschaffen werde
Keines der Konzepte und Systeme hat jemals funktioniert.
Mercosur:
- Idee stammt aus den 80ern: instabile Lage, mehrere neu-instaliierte Regierungen
- Gründung eines gemeinsamen Marktes nach europäischem Vorbild
- Demokratieklausel, sodass wenn ein Land wieder unter Militärherrschaft kommt,
dieses ausgeschlossen wird
- Klare Grenzziehung gegenüber den USA: in Form eines Vertrages mit den USA:
o 4+1 Abkommen (ist nicht gleich 5)
- Konzept: Anliegen des Mercosurs schlägt wieder ganz klar in die Idee der
Emanzipation; aber: man macht es nicht mehr so wie früher, sondern man macht
lediglich ein Rahmenabkommen, bei dem fast der Leitsatz des Realismus dominiert
- Sofortmaßnahme: Angebot an die EU zu einem erstmaligen interkontinentalen
Freihandelsabkommen (evtl. ab 2005); auch mit den USA wird so was geplant
- Mercosur ist realpolitisch noch nicht sehr wichtig, aber er bringt eine neuKonzeptualisierung mit sich (gegen die Logik der letzten 200Jahre..)
Ausblick:
- 2006 Präsidentschaft Österreichs der EU
- LA-Europäisches Gipfeltreffen in Wien, evtl. dort die Unterzeichnung des
Freihandelsabkommens
21. Juni 2004, XIV
Andrea Komlosy, „Global Village als optische Täuschung“
Buchempfehlung: Immanuel Wallerstein: „Utopistik“
Zum Einstieg: gibt es eine Homogenisierung, d.h. wächst die Welt zu einem „global
Village“ zusammen? Werden die Differenzen überwunden?
2 Ansätze:
 HOMOGENISIERUNG:
Dafür spricht: weitere und verbesserte Kommunikationsmöglichkeiten,
zunehmende Interdependenz zwischen Nord und Süd, kulturelle Vereinheitlichung,
internationale Arbeitsteilung…
 FRAGMENTIERUNG, Polarisierung:
anderer Ansatz wäre Fragmentierung, d.h. es kommt zu einer sozialen und
räumlichen Polarisierung;
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
dafür spricht: größer werdende Schere zwischen Arm und Reich, „Kampf der
Kulturen“, cultural revival (Rückbesinnung auf traditionelle Werte),
Auseinanderfallen von Arbeitsverhältnissen (Lohn, Sicherheit, Aufstiegschancen,…)
 Können diese beiden Phänomene gleichzeitig/ergänzend auftreten?
 Gibt es eine historische Entwicklungstendenz? Wenn ja, in welche Richtung?
 Gibt es eine Entwicklungsabfolge, z.B. ein auf und ab?
Welche Konsequenzen entstehen für das Verhältnis Zentrum-Peripherie?
- Verhältnis könnte verschwinden (Gegensatz 1./3. Welt könnte verschwinden)
- Verhältnis bleibt im Grunde wie es ist
- Verhältnis wird zwar in Frage gestellt, erlebt aber neue Form und Gestalt
Vom Wiederaufbaumodell zum neuen Akkumulationsmodell der neuen
internationalen Arbeitsteilung:
Historisch: ab Ende des 2.WK
- 1945-73: Wiederaufbau
- 1973: Ölkrise (aufgrund von zunehmender Verwertungsschwierigkeiten,
Wiederaufbaukrise, Verschärfung der Konkurrenz im kapitalistischen Weltsystem)
Anpassungsmaßnahmen;
 Möglichkeiten der Unternehmen zu reagieren: Produktionskosten senken
o Verlagerung von bestimmten Fertigungsschritten der industriellen
Produktion an Standorte mit niedrigeren Kosten (NIAT)
o Als Investor: sein Geld monetär veranlagen, Kredite vergeben
(= Fundament der Schuldenkrise)
o Rationalisierung: Investitionen in Forschung und Innovation; Grundstock
für digitale Evolution
- Es entsteht die sog. Standorthierarchie:
o Produktionen mit unterschiedlicher Wertschöpfung  Standorte der
Unternehmen sind begehrt
- Folgen:
o Ende der industriellen Massenproduktion in den Zentren (War das
Paradigma der Wiederaufbauphase)
o Ende des Wohlfahrtsstaates in den Zentren
o = Ende des Fordismus (… Wohlfahrtssystem, stabile und qualifizierte
Belegschaft die auch am Konsum teilhaben sollte)
- Heterogenisierung der Arbeitsverhältnisse (Flexibilisierung, Deregulierung,…)
- Bedeutung der NIAT für die Dritte Welt:
o Global Cities
o NIC vermehren sich (Verlagerungseffekt: andere Länder werden zu IL)
o 3. Welt verliert das Stigmata „Dritte Welt“
Folgen für (staatliche) Politik:
- Wandel in den 70ern: „Disparitätenausgleich“
- 80er: Paradigmenwechsel mit Neoliberalismus, wichtig ist ein gutes Abschneiden bei
der Konkurrenz um Investitionen
- Staat-Region-Regionalblock:
o Der Zusammenschluss zu Regionalblöcken verleiht mehr Gewicht
o Gewisser Kompetenzverlust von Staaten, auch auf Kosten von Regionen
o Nationalstaat wird in die Zange genommen (gibt Kompetenzen ab, ist
Druck von Regionen ausgesetzt)
- Abschied von flächenhafter Politik
- Systemwandel in der Politik (auf der ganzen Welt), als Folge der neuen ökonomischen
Verhältnisse:
o West: Wohlfahrtsstaat  Wettbewerbsstaat
o Ost: Staatssozialismus  Peripherer Kapitalismus
o Süd: Entwicklungsstaat  Anpassung an int. Investoren und
Finanzorganisationen
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
Kurve zu den Eingangs gestellten Fragen:
Der Nationalstaat muss sein Handeln heute an gewisse Dinge anpassen.
Fragmentierung von Raum und Zeit:
- Punkt versus Fläche
- Weltraum und Zwischenraum
o Es findet ein Zusammenwachsen statt, allerdings nur in einzelnen Punkten
o Die Frage ist, ob diese Punkte mehr werden und allen Menschen Zugang
bieten, oder ob der Zugang für wenige beschränkt bleiben wird
o Entwicklungspolitik konzentriert sich zunehmen darauf, wie können die
existierenden Punkte besser vernetzt werden; weniger darauf, wie man
den Raum zwischen den Punkten gestalten sollte
- Dezentralisierung der Produktion – Konzentration von Macht und Wertschöpfung
- Beschleunigung versus Stillstand
Schlussfolgerungen: Ende der Neuauflage des Z-P Verhältnisses?
 Polarisierung tritt in neuen Formen auf:
- Raumebene:
o Zunehmende Differenzierung (Punkt statt Fläche), Territorium geht
verloren (IL, EL, Dritte Welt…löst sich auf), Zerfallsprozess
o Standortpolitik statt Regional- und Entwicklungspolitik, was die
Polarisierung nur weiter voran treibt
o Verlust des gesellschaftlichen Zusammenhalts ist die Folge (= soziale
Fragmentierung)
o Bsp.: amerikanische Großstädte (Bezirke lösen sich heraus, Gründen Stadt
in der Stadt  reiche Viertel grenzen sich von armen Vierteln klar ab);
einzelne Punkte haben günstigere Bedingungen und wollen diese
Bedingungen nicht mit anderen Teilen, also isolieren sie sich
Z-P Verhältnis ist nicht verschwunden, hat sich vervielfältigt.
- Zeitebene:
o Beschleunigung vs. Stillstand: manche können nicht mithalten, kommen
zum Stillstand
o Polarisierung hat auch eine zeitliche Dimension: unterschiedliche
Möglichkeit, an dem beschleunigten Vernetzungsprozess (der die
Weltwirtschaft prägt) teil zu nehmen
VO Geschichte der Nord-Süd-Beziehungen (Grau), SS2004, Sophie Uitz
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