Vorbemerkungen - bei DI Gerhard Lang

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Selbstregulation – (Körper)Psychotherapie –
Entwicklungspsychologie (Säuglingsforschung) – aus
der Sicht der analytischen Körperpsychotherapie
Peter Geißler
In diesem Beitrag möchte ich dem Zusammenhang zwischen dem
Konzept der Selbstregulation, der Methode der analytischen
Körperpsychotherapie (AKP) und der ihr zugrunde liegenden
Entwicklungspsychologie – die sich u. a. auf die zeitgenössische
Säuglings- und Kleinkindforschung beruft - eingehen.
Zunächst spreche ich über die evolutionäre Bedeutung der Affekte in
einer relationalen Sichtweise, die also in Bezogenheit, Bindung etwas
Zentrales sieht. Dann versuche ich ein paar Kernaspekte bzw. Thesen
der intersubjektiv-relationalen Psychoanalyse herauszuarbeiten, weil
sie als theoretische Grundlage für AKP angesehen werden kann. Im
dritten Teil geht es um Entwicklungspsychologie, besonders um
Arbeiten von Beebe und Lachmann im Hinblick auf Selbstregulation
als gemeinsame, als Ko-Regulierung, und abschließend fasse ich
therapeutische Konsequenzen zusammen, unter besonderer
Berücksichtigung des Konzepts der sog. Kreditierung.
Ich verwende übrigens die Begriffe Selbstregulation,
Selbstregulierung, Selbststeuerung und Selbstorganisation synonym –
dies als definitorische Anmerkung.
Mit G. Heisterkamp (2007) ist zu sagen: Würden wir Menschen nicht
über so starke selbstregulierende Kräfte verfügen, wären wir als Rasse
vielleicht schon ausgestorben. Das Seelische ist seit Jahrtausenden
ohne Psychotherapie ausgekommen, und trotzdem war eine
biologische und eine seelische Evolution möglich. Man denke nur an
die evolutionären Schöpfungen, mit denen unsere Vorfahren auf
veränderte Lebensbedingungen reagieren konnten: an die wegen des
Klimawechsels notwendige Verlagerung des Lebensraumes aus den
tropischen Wäldern in die Savanne; an die Entwicklung neuer
Bewegungsmuster unter den erhöhten Gefahrensituationen in der
Savanne durch Raubtiere; an die Entwicklung von Intelligenz und
1
Sprache innerhalb der Komplexität größer werdender Gruppen, usw.
usw.
Selbstregulation, Entfaltung von Ressourcen und Potenzialen, und
Evolution im Seelischen und Biologischen sind somit
zusammengehörige Kategorien, wobei wichtig ist herauszustreichen,
wie sehr der Mensch immer schon auf das Miteinandersein in der
Gruppe, in der Horde angewiesen war.
Wenn man als Vorformen von Psychotherapie bestimmte
schamanistische, magische oder spirituelle Praktiken anerkennt, dann
ist der Gedanke einer Selbstregulierung dort immer schon vorhanden
gewesen – allerdings meist in Zusammenhang mit Geistern oder
Göttern, d. h. einer anderen Wirklichkeit, mit der es einen Einklang zu
finden galt. Damals war Verbundenheit mit einer rational nicht
begreifbaren Welt ein wichtiger Grundgedanke. Der Gedanke einer
Verbundenheit, wenn auch mystisch orientiert, geriet durch den
Siegeszug des frühneuzeitlichen Rationalismus ins Hintertreffen.
Descartes sagte: Cogito ergo sum - Ich denke, also bin ich. Der
grundsätzlichen Orientierung an Denken und Vernunft, an
mechanischen Vorstellungen, und die hohe Bewertung
wissenschaftlichen Denkens auf Kosten der Intuition wurde so im 17.
Jahrhundert ein Grundstein gelegt – und fand in der frühen
Freud´schen Psychoanalyse ihren Niederschlag – übrigens auch bei
Reich, denn auch er bezieht sich stark auf mechanische Modelle der
Psyche. Emotionen und Affekte hatten für lange Zeit die Rolle eines
Stiefkindes im wissenschaftlichen Diskurs. Neuerdings wird die
Domäne Vernunft seitens der Wissenschaften aber ernsthaft
hinterfragt: die Emotionen rücken in den Vordergrund –
hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang Damasios Buch
„Descartes Irrtum“; in Zusammenhang damit seine Idee der
somatischen Marker – es handelt sich um physiologische Reaktionen,
die als Kriterien herangezogen werden, um unser Handeln zu
strukturieren – aufbauend auf emotional-körperlichen Erinnerungen.
Hervorheben möchte ich auch ein heuer erschienenes Buch von
Greenspan und Shanker, die zu belegen versuchen, dass es die
affektive Mikrokommunikation, beginnend im Säuglingsalter ist, die
den Grundstein für spätere kognitive und symbolische Prozesse legt –
2
beim Menschen ebenso wie bei unseren nächsten tierischen
Verwandten, den Menschenaffen.
Innerhalb der Psychotherapie – der Begriff geht übrigens auf
Bernheim, dem Begründer der Suggestionstheorie, aus dem Jahre
1881 zurück – ist die Idee einer Selbstregulierung so alt wie die
Psychotherapie selbst. In der Psychoanalyse taucht der Begriff der
Selbstregulation zuerst bei Reich auf, in dem Moment, als er sich vom
klassischen psychoanalytischen Gedankengut verabschiedet; später
dann bei Kohut, dem Begründer einer humanistisch orientierten
Psychoanalyse. Trotzdem muss man sagen, dass die Idee einer
Selbstregulation auch der klassischen Psychoanalyse immer eigen war
– die Technik der freien Assoziation geht von der These aus, dass
unbewusste Inhalte einen gewissen Druck auf das Bewusstsein
ausüben, gleichsam einen Auftrieb haben, der sie von selbst an die
Oberfläche treibt. Für Psychoanalytiker ist dabei die Technik der
Widerstandsanalyse ein notwendiger Zwischenschritt. Für Freud
waren die wesentlichen unbewussten Inhalte, die sich – gleichsam
selbstregulatorisch – bei geeignetem analytischen Zugang
manifestierten, unbewusste Fantasien – also kognitive Elemente, als
Derivate des Triebhaften in uns.
Reich folgte dieser trieborientierten Vorstellung und entwickelte die
Theorie des Charakterpanzers, d. h. der Widerstand wurde ins
körperliche verlegt und dort therapeutisch bearbeitet. Dazu dienten
bestimmte Übungen, mit dem Ziel, die orgastische Potenz
wiederherzustellen, den sog. Orgasmusreflex möglich zu machen, sich
den selbstregulatorischen Körperprozessen hingeben zu können.
AKP orientiert sich insofern auch an körperlichen Prozessen, an
Körperassoziationen, als sie deren Manifestation in der Interaktion
zwischen Patient und Therapeut beachtet, d. h. darauf achtet, wie sie
spontan auftauchen und einen Zugang zu unbewussten Ebenen des
Seelischen ermöglichen. Szenische Arbeit heißt im Rahmen der AKP
NICHT Übungen durchzuführen, mit dem Ziel affektiver Katharsis
oder der Auslösung vegetativer Reaktionen, sondern – ausgehend von
der gegenwärtigen Übertragungssituation - ggf. szenische Situationen
gemeinsam zu konstruieren, die bestimmte Beziehungsmuster auf dem
3
Wege der Handlungssymbolisierung besser verdeutlichen sollen. Wir
sprechen statt Übungen besser von Probehandlungen oder
Handlungsproben. Mit ihrer Hilfe kann ein Zugang zu körperlichprozedural verankerten Beziehungs- und Gefühlsgewohnheiten
ermöglicht werden – denken Sie an die somatischen Marker von
Damasio: sie strukturieren das Handeln, die Interaktion. Der
Psychoanalytiker Holderegger (2002) spricht in diesem
Zusammenhang von der „primären Lebensorganisation“ und meint
damit die Welt der vorsprachlichen Interaktionserfahrungen.
D. h. in der AKP ist die Beziehung im Mittelpunkt der Betrachtung,
und ihre körperliche Manifestation ist die stattfindende Interaktion.
Von der theoretischen Konzeptualisierung des Körpers her sprechen
wir heute in der AKP – im Gegensatz zu Reichs energetischem Körper
und zu Freuds unbewusstem Körperbild – von einem interaktionellen
Körper, dessen wichtigste genetische Wurzeln in den unzähligen
körperlichen Interaktionen innerhalb unserer ersten Lebensjahre
anzusiedeln sind, die zwischen dem Kind und seinen Pflegepersonen
stattfinden. In der AKP benutzen wir beide Wege als Zugang zum
Unbewussten: die Arbeit an dynamisch relevantem Material ebenso
wie der körperassoziative Zugang zu prozeduralen Mustern - die nicht
verdrängt bzw. durch Widerstände abgewehrt sind, sondern ein
bestimmtes Setting brauchen, damit sie sich die „Körpererinnerungen“
entfalten können; all dies vorzugsweise in der Übertragung. Die
analytische Widerstandsarbeit, die auch für die AKP Gültigkeit hat,
bezieht sich auf jene unbewussten Manifestationen, die in einem
dynamischen Sinn unbewusst sind. In unserem Lehrbuch gibt es dazu
einen eigenen Beitrag von G. Worm.
Die neuere Systemtheorie hat einen Teil der Psychoanalyse stark
beeinflusst – wir sprechen heute von relationaler Psychoanalyse. In
der Untersuchung selbstorganisierender Prozesse in Systemen ist
deutlich geworden, dass der menschlichen Interaktion spontane und
nicht planbare Elemente immanent sind – denken Sie nur an das
Konzept der Now-Moments von Daniel Stern – als Gegenparadigma
gegen eine an klaren technischen Vorstellungen orientierte
Psychoanalyse wie z. B. bei Ralph Greenson, oder auch bei Reich, der
ein ganz bestimmte Reihenfolge in seiner Charakteranalyse im Auge
4
hatte; auch bei Lowen die Vorstellung der Analyse von „unten nach
oben“. Aus interaktioneller Perspektive müssen solche Therapieregeln
relativiert werden.
Intersubjektiv-relationale Psychoanalyse als theoretische Grundlage
analytischer Körperpsychotherapie
Es handelt sich um eine Entwicklungslinie, die aus der
Objektbeziehungstheorie kommt. Ferenczi gilt als Urvater.
Loewald 1977 – in Beantwortung der uralten psychoanalytischen
Frage der „Objektsuche“ – warum sucht der triebhafte Säugling die
Mutter? „ Eine solche Frage macht keinen Sinn, denn sie setzt voraus,
dass „Selbst“ und „Objekt“ getrennte Wesenheiten sind. Die
relationale Sichtweise sagt: Das ist nicht so! „Selbst“ und „Objekt“
sind keinesfalls getrennte Wesenheiten, d. h. wir sind unsere Objekte
und unsere Objekte sind wir.“ Objektsuche ist daher kein Trieb,
sondern sie ist uns Menschen als Hordenwesen evolutionär angelegt.
Aus der Sicht der relationalen Psychoanalyse sind gesunde
Objektbeziehungen nicht nur und auch nicht vor allem durch ein
klares Unterscheiden-Können zwischen Selbst und Anderem definiert,
sondern durch die Fähigkeit, verschiedene Formen von
Bezogenheiten, von Erlebsnismodi, Domänen des Erlebens, wie Stern
sie nennt, zu integrieren, je nach Erfordernis der realen Situation; z. B.
die Domäne der Kernbezogenheit mit jener der verbalen Bezogenheit,
die sich dann in einer sog. verbundenen Sprache äußert.
Gemeinsam mit den Körpertherapeuten ist den Relationalisten, dass
die einzelnen Ansätze stark individuell variieren, sodass man kaum
von einer einheitlichen Methode sprechen kann – höchstens von einer
Strömung. Die folgenden Kernaspekte gelten also nicht für alle
Relationalisten in gleicher Weise:
These 1: Das Bedürfnis nach Bezogenheit (Bindung) ist der menschlichen
Natur inhärent
Grund: Weil Menschen während der Evolution so stark aufeinander
angewiesen waren. Folge: Es hat sich eine enorm differenzierte
affektive Kommunikation entwickelt.
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These 2: Die Psyche ist eine soziale Entität
Das ist das Gegenstück zu einer monadischen Sichtweise der Psyche,
wie sie für Freud typisch war, oder für Reich, und später in etwas
abgeschwächter Form auch für M. Mahler, für welche Autonomie und
Individuation DAS Therapieziel war. Das sehen die Relationalisten
anders – Bezogenheit, Bindung, Eingebettet-Sein in eine soziale
Matrix ist für sie selbstverständlich. Nicht der Charakter ist der
wesentliche Bezugspunkt in der Therapie, sondern die Beziehung.
Das gilt für die psychotherapeutische Situation ebenso wie für die
Eltern-Baby-Beziehung.
Menschen erleben gemeinsame Affektzustände, Affekte sind
gewissermaßen ansteckend. Beispiel: Sullivan machte z. B. schon in
den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts klar, dass Affekte für ihn
wichtiger sind als Triebe, und dass beispielsweise die Angst eines
Babys nicht eine Trieb-Angst ist, sondern dass der Säugling von der
Angst der Mutter angesteckt – er nahm damit Konzepte wie
Affektabstimmung und Affektansteckung aus der Säuglingsforschung
um Jahrzehnte vorweg.
These 3: Therapie ist ein zutiefst intersubjektives Geschehen, es ist die
Interaktion zweier Menschen, die einander auf gleicher Ebene begegnen
(jedoch unter der Voraussetzung unterschiedlicher Funktionen bzw.
Rollendefinitionen.)
Der Therapeut ist immer Teilnehmer und nie Beobachter des
Therapieprozesses. Die Veränderung wird in der Therapie durch
Beziehung und nicht durch Deutung eingeleitet, und sie betrifft beide
Teile, wenn auch meist in unterschiedlichem Ausmaß. Es handelt sich
um ein beidseitig determiniertes Wirkgeschehen, um wechselseitige
Be-Handlung. Wenn der Patient die Deutungen des Therapeuten hört,
macht er eine Beziehungserfahrung, die eine Veränderung seiner
Beziehungsmuster in Gang setzen kann.
Weder Therapeut noch Patient haben einen privilegierten Zugang zu
dem, was wirklich zwischen ihnen geschieht („perspektivische
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Position“). Der Realitätswahrnehmung des Therapeuten kommt kein
privilegierter Status zu. Die Authentizität in der Begegnung ist für den
Verlauf der Therapie von wesentlicher Bedeutung und rechtfertigt
einen gewissen Grad an Selbstenthüllung seitens des Therapeuten.
These 4: Es findet ununterbrochen ein Miteinander-Handeln statt
In jeder psychoanalytischen Vorgehensweise ist das Unbewusste der
Schlüsselaspekt zum Verstehen. Im Verstehen des Unbewussten ist
nicht nur die unbewusste Fantasie so wichtig, sondern genauso
unbewusste Anteile der Interaktion im Sinne prozeduraler Muster, an
denen beide Interaktionspartner beteiligt sind – auf der Ebene der
primären Lebensorganisation (Holderegger), einer präsymbolischen,
präkonzeptuellen Erfahrungswelt, die in etwa Sterns Domäne der
Kernbezogenheit entspricht.
These 5: Ein Agieren des Therapeuten ist daher unvermeidlich, da Patient
und Therapeut ununterbrochen miteinander handeln.
Wenn Handeln sowieso stattfindet, spricht nichts dagegen, bewusst
geplante Handlungsproben in die Arbeit mit einzubeziehen – im
Wissen, dass ein Unterschied besteht zwischen solchen
Probehandlungen und unbewussten Inszenierungen auf der Ebene des
unbewussten Handlungsdialoges. Beides kann zum Verstehen
beitragen.
Agieren des Patienten und/oder des Therapeuten ist also nicht per
definitionem kontrapdoduktiv, wie Freud meinte.
In der Therapie spielt die Einsicht in die Interaktion auf der Ebene
prozeduraler Muster, auf der Ebene der primären Lebensorganisation,
eine entscheidende Rolle. Parallel zur kognitiven Einsicht sind es aber
unmittelbare Wirkfaktoren im Miteinander-Handeln und sich
gegenseitig Be-Handeln, die therapeutische Wirkung ausmachen. In
unserem Lehrbuch sprechen G. Heisterkamp und ich von einem
unmittelbaren Wirkgeschehen, das im „Hier und Jetzt“ geschieht,
anstatt dass es nachträglich reflektiert wird.
These 6: Übertragung ist nicht im klassischen Sinn zu verstehen
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Übertragung ist nicht nur eine verzerrte Projektion des Patienten,
sondern auch eine soziale Reaktion auf das Verhalten des Therapeuten
– die Übertragung enthält klassische Übertragungskomponenten, aber
auch solche, die nicht Teil der Übertragung sind – sie ist ein
interaktionelles Phänomen, und der reale Beziehungsaspekt ist ebenso
herauszuarbeiten. Die Realität des Patienten und auch des Therapeuten
wird während konkret-körperlicher Interaktionen besonders gut
wahrnehmbar, sie wird sogar unabweisbar – und genau dies birgt in
einem interaktionellen Vorgehen verschiedene Möglichkeiten und
auch Schwierigkeiten, weil der Therapeut eigene Schwachstellen nicht
verleugnen kann. Sie kennen alle das Phänomen, dass schwer gestörte
Patienten den Therapeuten regelrecht erpressen können, wenn der
bestimmte Fehler macht – Fehler aus der Sicht des Patienten. Hat der
Patient nun sozusagen konkrete körperliche Beweise, kann es für den
Therapeuten sehr eng werden – v. a. wenn er kein gutes
psychoanalytisches Rüstzeug im Umgang mit negativen
Übertragungen und projektiven Identifizierungen hat.
Dadurch wird die Belastung für den Therapeuten größer, weil er aus
der Sicht der Patienten leichter angreifbar wird – real sowie
symbolisch. D. h. die Möglichkeiten der Verstickung nehmen zu, je
mehr man sich als realer Interaktionspartner betrachtet. Dies ist der
Preis eines interaktionellen Vorgehens.
Entwicklungspsychologie
Der intersubjektiv-relationalen Psychoanalyse liegt ein
Entwicklungskonzept zugrunde, das sich auf die moderne
Säuglingsforschung stützt und in dem Selbstregulation eng
verflochten ist mit interaktiver Regulierung.
Hartmann (2004, S. 41) in dem von mir herausgegebenen Buch sagt:
„Selbstregulation ist einer der entscheidenden, wenn nicht der
entscheidende Prozess im Verlauf der Entwicklung vom Säugling zum
Erwachsenen. Es geht um… die Beibehaltung eines individuell als
kontrollierbar empfundenen Spannungsniveaus, welches trotz
unterschiedlicher Umwelteinflüsse beibehalten werden kann.“
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Und Schore, ein gegenwärtig sehr bedeutsamer Neurowissenschaftler
und Psychoanalytiker, stellt fest: „Wir können heute… sagen, dass die
Förderung der Selbstregulierung von zentraler Bedeutung für die
kindliche Entwicklung ist, und es sieht so aus, als wäre die größte
Leistung der frühen Zeit die Fähigkeit, Affekte zu regulieren (Schore
2002, S. 2).
In den neueren Entwicklungspsychologien wird mit Selbstregulierung
also besonders die Fähigkeit bezeichnet, affektive Erregungszustände
selbständig zu steuern.
Obwohl die Affekte in der Selbstregulierung eine zentrale Rolle
spielen, geht es auch um mit den Affekten zusammenhängende
Reaktionsweisen, wie die Stressreaktivität und die
Aufmerksamkeitsregulierung, die beide zu den Temperamentsfaktoren
gerechnet werden.
Die motorische und emotionale Reaktionsbereitschaft auf Stress ist
sehr unterschiedlich ausgeprägt und ist bereits pränatal über die
physische und psychische Beeinflussung der Genexpression von
Stresshormonen veränderbar. In Tierversuchen konnte gezeigt werden,
dass hier der Erziehungsstil der Elterntiere gegenüber genetischen
Anlagen wesentlich bedeutsamer war und transgenerational
weitergegeben wurde – wiederum auf nicht-genetische Weise. Die
Qualität der Bindungserfahrung ist maßgeblich verantwortlich für die
Art und Weise, wie der Säugling auf Stress reagiert.
Bei der Aufmerksamkeitsregulierung geht es um die Frage, wie es
gelingen kann, dass einzelne Aspekte im Wahrnehmungsfeld bemerkt
werden, andere unbeachtet bleiben. Ausgehend vom
Orientierungsreflex des Säuglings kommt hier – in enger Verflechtung
mit der Stressregulierung – ein kognitiver Prozess in Gang, der im
positiven Fall darin mündet, dass etwa ab dem dritten Lebensjahr das
Kleinkind zunehmend in der Lage ist, sein Verhalten durch selektive
Ausrichtung der Aufmerksamkeit zu kontrollieren. Neben sicherer
Bindung sind dabei die Eltern schon in den ersten Lebensmonaten
gefordert, Zustände von Anspannung dadurch zu vermindern, dass sie
9
die Aufmerksamkeit des Säuglings durch fesselnde Reize fokussieren
und dadurch die seelische Spannung verringern können. Hier liegt
vermutlich der Beginn des Gefühls von Urheberschaft, Effektanz und
Kompetenz gegenüber Unbehagen und Kummer.
Zwar verfügt das schon das Neugeborene über selbstberuhigende
Strategien, wie Daumenlutschen, jedoch ist der Säugling zentral auf
interaktive Regulation durch die Bezugspersonen angewiesen. Dabei
spielt – neben dem taktilen - der auditive Kanal eine große Rolle – d.
h. die Art und Weise, wie die Bezugspersonen über stimmliche
Signalgebungen den Affektzustand des Säuglings regulieren können.
Die Qualität der Bindung ist wiederum eng verzahnt mit der
Emotionsregulierung, zuerst durch Affektspiegelung, dann durch
Mentalisierung – diese bildet den Ausgangspunkt für Affektregulation
auf repräsentationaler Ebene. Mit Hilfe metakognitiver Fähigkeiten
stellt sich ein feinfühliger Elternteil die geistige Welt des Säuglings
vor, bedenkt seine möglichen Motivationen mit und bezieht
Auswirkungen eigener Zustände und Verhaltensweisen auf den
Säugling mit ein. Kindliches Unbehagen kann somit im Hinblick auf
mögliche elterliche Auslöser verstanden werden, und der affektive
Zustand des Säuglings kann als etwas gewürdigt werden, das sich vom
eigenen Zustand unterscheidet. All dies sind keine
selbstverständlichen Voraussetzungen bei Eltern, wie wir aus der
Arbeit mit unseren Patienten nur zu gut wissen.
Fonagy und Target (2002) legen den Schwerpunkt auf mentale
Prozesse der Eltern. Ihrer Meinung nach ist die Fähigkeit zur
Selbstregulation intrinsisch mit der Fähigkeit zur Mentalisierung
verbunden, d. h. Selbstregulation benötigt die Repräsentation mentaler
Zustände von sich selbst und von anderen.
Eine der wichtigsten neueren Beiträge zur Selbstregulation kommen
von Beebe und Lachmann – sie kombinieren psychoanalytische mit
systemtheoretischen Überlegungen. Beide Interaktionspartner werden
von ihrem eigenen Verhalten beeinflusst (z. B. Selbstberührung als
Mittel der Spannungsregulierung) - als auch vom Verhalten des
Interaktionspartners, und zwar auf einer kontinuierlichen Moment-zu10
Moment-Basis. Selbstregulation und interaktive Regulation
beeinflussen einander konstant wechselseitig – die Autoren sprechen
von Ko-Regulierung. Diese geht so weit, dass sich das gemeinsame
innere Erleben auf einer organismischen Basis bis hin zu einer
Abstimmung von Biorhytmen synchronisiert, indem also beide Partner
an einem Prozess nonverbaler, reziproker Beeinflussung partizipieren,
der sich zum größten Teil außerhalb der bewussten Wahrnehmung
befindet. Die beidseitige Ko-Regulierung ist im Prinzip – d. h. von
den Fähigkeiten des Säuglings her – auf Systeme ausweitbar, wenn
der Säugling dafür die nötige Unterstützung erhält. E. FivazDepeursinge aus Lausanne konnte zeigen, dass Säuglinge fähig sind,
sich auf beide Eltern einzustimmen und die Beziehung zu beiden
mitzuregulieren, wenn sie dazu die nötige Unterstützung erhalten.
Schon im ersten Lebensjahr und vermutlich sogar schon vor der
Geburt organisieren Säuglinge bzw. Feten Erfahrung – vor der Geburt
überwiegend im Signalaustausch über den akustischen
Kommunikationskanal. Die elterliche Stimme ist in der zweiten
Schwangerschaftshälfte das Transportmittel elterlicher Affekte, und
das Neugeborene erkennt sie sofort. Es werden, vermutlich bereits
pränatal, Vorstufen unbewusster Erwartungen ausgebildet, die über
die Determinanten Zeit, Raum, Erregung und Affekt organisiert
werden. Spätestens gegen Ende des ersten Lebensjahres werden diese
Erwartungen prototypisch organisiert, kategorisiert und abstrahiert.
Auf dieser Basis bilden sich erste Formen von
Interaktionsrepräsentanzen (sie beinhalten Selbst- und
Objektrepräsentanzen, der wesentlich repräsentierte Teil ist aber die
Interaktion und die damit verbundene affektive Erfahrung). D. h. auf
präsymbolischer Ebene wird der Interaktionsprozess selbst
repräsentiert, d. h. die Art und Weise des reziproken Zusammenspiels
und wie dieses der Säugling erlebt. Die Gedächtnisbildung hat daher
wesensmäßig mit dem Prozess selbst zu tun, d. h. der Interaktion – D.
Stern spricht folgerichtig von Interaktionsrepräsentanzen als kleinsten
strukturellen seelischen Bausteinen.
Interaktion ist somit ein wesentlicher Grundbaustein des Seelischen,
und die Abstimmung trägt im Bereich der Affekte das ihre bei.
Mittlerweile gelingt es einigermaßen verlässlich, aufgrund der
11
Videoanalysen Bindungsstile vorauszusagen – z. B. aufgrund
stimmlicher Rhythmen. Es zeigt sich, dass keinesfalls sehr hohe bzw.
optimale Abstimmung zu sicherer Bindung führt. Ein mittleres
Koordinationsmuster mit der Möglichkeit für Eigengestaltung des
Babys und dem Erleben von Grenzerfahrungen erweist sich für eine
sichere Bindung und gute Selbstregulierung als optimal. D. h. sowohl
Erfahrungen von Entsprechung als auch Nicht-Entsprechung der
jeweiligen Affektmuster sind wichtig und werden auf prozeduraler
Ebene kodiert. Babys besitzen allerdings unterschiedliche
Toleranzgrenzen – erinnern Sie sich an Stressreaktivität als
Temperamentsfaktor – d. h. manche Babys brauchen eine präzisere
elterliche Abstimmung als andere. Problematisch werden
Fehlabstimmungen erst dann, wenn diese Toleranzgrenzen immer
wieder massiv überschritten werden.
Beebe und Lachman unterscheiden drei Organisationsprinzipien
präsymbolischer Repräsentation:
Prinzip ständiger Regulierung
Prinzip der Unterbrechung und Wiederherstellung
Prinzip der Momente von Affektsteigerung
Unter Verwendung dieser drei Prinzipien bildet der Säugling Modelle
von Interaktionsmustern, die als Beziehungsregeln repräsentiert
werden. Diese drei Prinzipien sind auch in Therapieprozessen voll
gültig.
Das Prinzip der ständigen Regulierung umfasst charakteristische,
erwartbare Muster von Interaktionen, die sich in der Therapiesituation
ständig wiederholen. Beide Interaktionspartner tragen Moment für
Moment aktiv dazu bei, ihren Austausch miteinander so zu regulieren,
dass diese Muster hergestellt werden. Der Austausch läuft über
nonverbale Verhaltensweisen wie Körperhaltung, Mimik, Tonfall,
stimmlichem Klang usw. Beide Teilnehmer an der Interaktion
erwarten und repräsentieren diese spezifischen Regulierungen und
deren einzigartige Wirksamkeit mit dem jeweiligen Partner.
12
Im Prinzip der Unterbrechung und Wiederherstellung liegt der
Schwerpunkt dort, wie es gelingt, die ständig stattfindenden „Risse“
im Kontakt auf der Mikroebene wieder zu kitten. Von
Unterbrechungs- und Wiederherstellungsprozessen geprägte
Interaktionen treten besonders in Phasen der Konfrontation oder der
Deutung auf. Sie lassen sich unter dem Aspekt betrachten, dass sie für
die Entwicklung notwendig sind und vom Widerstand des Patienten
ausgehen. Die Art und Weise, wie es beiden Interaktionspartnern
gelingen kann, die Kontaktbrüche zu reparieren, hängt entscheidend
mit dem Erfolg/Misserfolg der Therapie zusammen.
Zum Prinzip von Momenten der Affektsteigerung kann man sagen:
Eine Form elterlicher Regulierung zielt darauf ab, die
Erregungstoleranz des Babys zu steigern. In ihrem Verhalten
stimulieren sie ihr Kind über dessen momentanes Erregungsniveau
hinaus und ermöglichen ihm auf diese Weise eine neue Qualität
inneren Erlebens oder äußeren Verhaltens. Beispiel: Ein Kind trägt
gern einen Ball herum – Papa sagt: Oh, das ist aber toll! Dabei wird
die Begeisterung des Elternteils verbal und verhaltensmäßig
ausgedrückt, z. B. über die stimmliche Signalgebung.
Finden genügend Wiederholungen einer solchen Erfahrung
gemeinsam geteilter positiver Spitzenaffekte statt, finden sie als Rigs
(Stern) ihren repräsentationalen Niederschlag. Gerät das Kind später
in eine ähnliche Situation, taucht innerlich – unbewusst – diese
Repräsentanz auf, wobei Stern den Objektaspekt als „evozierten
Gefährten“ bezeichnet. Dieser „innere Begleiter“ fördert die weitere
Entwicklung und hilft dem Kind dabei, das eigene Erregungsniveau
immer wieder in Richtung positiver Affekte zu überschreiten.
Im Falle positiver Spitzenaffekte geht es beim Kind um eine
Bewegung hin zu einem Zustand, den es noch nicht erreicht hat. Man
spricht von einem proximalen Entwicklungsbreich (Stern 1998, S.
272), und er wird dadurch möglich, dass die Eltern diesbezüglich eine
mentale Vorstellung haben – bewusst oder unbewusst glauben sie
daran, dass eine solche Ko-Regulierung in einen proximalen
Entwicklungsbereich möglich ist.
13
Kreditierung
Mit dem Begriff der Kreditierung, der von Heigl-Evers stammt, ist ein
bestimmter Modus entwicklungsfördernder Kommunikation gemeint
– eine bestimmte Form der Bezogenheit, wenn Sie so wollen. Alfred
Adler sprach von Ermutigung. Grundlage für diese Bezogenheit ist
eine elterliche Haltung, die alle Lebensbewegungen des Kindes, schon
im Mutterleib, mit einer positiven Entwicklungsaussicht verknüpft, d.
h. sie als positives Anzeichen für eine weitere Entfaltung in der
Zukunft sehen kann. Den Lebensbewegungen des Kindes – ein
Begriff, den G. Heisterkamp und ich im Lehrbuch geprägt haben wird eine Entwicklungsperspektive zugeschrieben, die Eltern geben
den Kindern gleichermaßen „Kredit“, indem sie davon ausgehen, dass
diese aus ihrem Potenzial das Beste machen werden. Beispiel: Die
unspezifische Lautäußerung, das Brabbeln des Babys – die Eltern
glauben unbewusst daran, dass sich aus ihnen irgendwann sinnvolle
Mitteilungen entwickeln werden. Die positiven Erwartungen der
Eltern steuern ihre Aufmerksamkeit und das Maß an Anerkennung
und Förderung, das sie dem Kind geben. Kreditierung meint einen
Beziehungsmodus, der motivierend und ermutigend wirkt, nach dem
Motto: „Ich glaube an Dich!“ Das gilt für Baby, und es gilt für unsere
Patienten!! Dieser Modus fördert die Selbstregulationskompetenz.
Das Gegenteil von Kreditierung gibt es natürlich auch – die
Diskreditierung, das Absprechen von Kompetenzen – „Aus Dir wird
ja sowieso nichts!“
ZUSAMMENFASSUNG UND ABSCHLUSS
1.
In menschlichen Diaden werden Bezogenheiten ständig neu
ausgehandelt, von Moment zu Moment (das kann man in
Videomikroanalysen eindrucksvoll beobachten); dadurch sind
Bezogenheitsmuster grundsätzlich für Veränderungen offen.
Wir befinden uns bei diesen Aushandlungsprozessen auf einer
prozeduralen Ebene, also in der Sphäre des unmittelbaren Handelns
14
bzw. Wirkgeschehens, von dem uns nur ein kleiner Teil bewusst ist.
Patient und Therapeut behandeln einander ständig gegenseitig im
Sinne eines unmittelbaren Wirkgeschehens, das oft nicht reflektiert
werden muss, das aber trotzdem wirkt, im Positiven genau wie im
Negativen.
Der psychoanalytische Zugang über die Widerstandsanalyse und die
nachträgliche verbale Reflexion des Therapiegeschehens ist also nur
ein Teil der therapeutischen Aufgabe, in den analytischen
Therapieformen natürlich ein wichtiger Teil. Es betrifft den sog.
Konfliktpol. Das psychische Heilungssystem ist ein lebendiges
System, das organisch und selbstregulierend zwischen den Polen
Konflikt und Ressourcen schwankt bzw. Übergänge von funktionalen
zu dysfunktionalen Ordnungsmustern (und umgekehrt!!!) von selbst
erzeugt.
Der Therapeut ist permanent an der Ko-Konstruktion der Beziehung
beteiligt – die Beziehung wird aus intersubjektiv-relationaler Sicht als
System betrachtet, d. h. die beiden Interaktanden werden nicht so sehr
als getrennte Einheiten gesehen, sondern als System, das etwas sehr
Spezifisches hervorbringt. Sie bewegen sich gemeinsam, als System,
konstant zwischen dem Konflikt- und dem Ressourcenpol.
Durch Psychotherapie kann das Einlassen beider Partner in einen
interaktiven Regulierungsprozess zur Veränderung von
Selbstregulation und Beziehungsfähigkeit führen. Dabei gibt es viele
verschiedene Wege das zu tun (AKP ist einer von ihnen), jedoch ist
das unmittelbare gemeinsame Wirkgeschehen in jedem dieser Wege
am Werk – analytische Körperpsychotherapie nutzt zusätzlich den
Weg der bewussten und unbewussten Handlungsdialoge als
Verstehensquelle im Hinblick auf unbewusste Prozesse, basierend auf
Theorien über die Interaktion, die u. a. auf die neue
Säuglingsforschung einbeziehen.
2.
Wenn Patienten zu uns kommen, haben sie in der Regel das Vertrauen
in ihre Selbstregulierungsfähigkeiten verloren. Sie sind daher in der
15
Therapie auf ein Gegenüber angewiesen, das ihnen glaubwürdig
Zuversicht auf Veränderung und auf Vertrauen in die eigenen
Entwicklungsfähigkeiten entgegenbringt, ohne den Patienten zu
entmündigen und auch ohne als omnipotenter Retter aufzutreten. Im
Eröffnen einer Hoffnungsperspektive liegt somit ein zentraler
therapeutischer Wirkmechanismus.
Dabei ist zu beachten, dass die Vermittlung positiver
Therapieerwartungen kein technisch handhabbares Instrument
darstellt, sondern dass es dabei um die echte Erwartung und
Einstellung des Therapeuten geht. Der Therapeut muss so viel
Wertschätzung für die Person des Patienten und Zutrauen in seine
Entwicklungsmöglichkeiten aufbringen, dass er in seiner inneren
Einstellung einen positiven Entwurf für eine eventuelle therapeutische
Zusammenarbeit erstellen kann.
Dem Patienten Kredit zu geben heißt auch, ihm etwas zuzumuten, ihn
herauszufordern, ihn zu konfrontieren. In der Therapie übernimmt der
Therapeut die Funktion eines selbstregulierenden Anderen, der sich
im Stadium der Unsicherheit und Angst als Hilfs-Ich, als Selbstobjekt
anbietet und den Patienten in seinem proximalen Entwicklungsbereich
anspricht. Besonders in jenen Fällen ist therapeutische Kreditierung
notwendig, wo die Verinnerlichung entwicklungsstimulierender
Selbstregulationsfunktionen noch gar nicht stattgefunden hat.
Eine kreditierende Haltung des Therapeuten zeichnet sich auch
dadurch aus, dass der Therapeut den Patienten zur Anerkennung des
eigenen Akteurstatus herausfordert. Im Gespräch versucht der
Therapeut daher die Aufmerksamkeitsausrichtung so zu steuern, dass
sich der Patient mehr seiner Täterrolle bewusst werden kann.
Konkrete Handlungsszenen ermöglichen es u. U. besonders gut, dass
sich der Patient seiner Täteranteile bewusst wird – vorausgesetzt, die
therapeutische Beziehung ist stabil genug, damit der Patient diese
Konfrontationen ertragen kann.
Der Therapeut übernimmt also weder die ihm häufig vom Patienten
angetragene Rolle des Sympathisanten im Leiden, der den Patienten
als Opfer bedauert, noch die Rolle des omnipotenten Helfers, der den
16
Patienten gesund macht. Grundlegend ist eine Haltung, die etwa so
beschreibbar ist: „Ich glaube, dass Du diesen Schritt schaffen kannst,
und deswegen erwarte ich ihn auch von Dir.“ Gemeinsam geteilter
Freude über Entwicklungsfortschritte kommt dabei eine wichtige
Rolle in der wachsenden Selbstregulationskompetenz des Patienten
zu.
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