Meine lieben Schwestern und Brüder in unserer

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Meine lieben Schwestern und Brüder in unserer Pfarreiengemeinschaft,
Gott wird Mensch − und der Mensch wird "Gott"
Es berührt uns jedes Jahr neu, wenn wir Weihnachten feiern und wieder das Kind in der Krippe
vor uns liegt. Alles, was in dieser Zeit geschieht, dreht sich
letztlich um dieses Kind; selbst im überbordenden Kommerz,
der davon nicht mehr viel weiß. - In der Tat: Dieses Kind
bewegt die Menschheit seit 2000 Jahren, und der Mensch wird
nicht satt, es anzuschauen und sich damit zu beschäftigen. Aber
warum eigentlich? Was lässt uns denn mit diesem Kind nie an
ein Ende kommen?
Was hier in der Krippe liegt, ist in der Tat mehr als ein nur
menschliches Kind. Hier ist GOTT in Menschengestalt! Gott
wollte Seine unermessliche Liebe zu uns Menschen zeigen und
beweisen durch Seine Kind-Werdung! Welch' ein Ereignis! Der
Ursprung und die Quelle der Welt und alles Geschaffenen
kommt zu uns und wird ein Geschöpf! Dies ist die Eröffnung
einer menschlich unausdenkbaren Geschichte: der Liebesgeschichte zwischen GOTT und Mensch,
einer "unendlichen Geschichte". Gott will uns Menschen lieben! ER will Beziehung zu uns,
Lebensgemeinschaft. Sicher bräuchte ER es nicht, weil ER ja alles in sich ist; aber er will es, weil
ER verliebt ist in uns Menschen, in jede/n von uns. Deshalb ist Weihnachten das Fest der Freude:
Wir feiern einen Gott, der uns wirklich liebt; nicht gezwungen und nicht gespielt. Leibhaftig
wirklich sehen wir Seine Liebe! – Wer sich davon berühren und ansprechen lässt, in dem beginnt
etwas, in dem entsteht eine Antwortbewegung, eine Reaktion aus dem Berührtsein. Wir
Christen haben nämlich nicht "etwas" ins Leben gerufen, was wir nun schon 2000 Jahre mühsam
durchhalten. Vielmehr wurden wir von unserem Gott, der uns liebt, ins Leben und in die Liebe
gerufen; deshalb und nur deshalb sind wir Christen!
Dies aber ist nicht etwas exklusiv "Clubmäßiges". Vielmehr wird deutlich, dass gerade dies das
"Wesen Mensch" ist. Der Mensch ist mehr - viel mehr - als er meint und normalerweise lebt! In
diesem Menschenkind in der Krippe wird uns deutlich: Der Mensch trägt Göttliches in sich! Gott
kam nämlich auf die Erde als Mensch, um uns die Tiefe menschlichen Seins zu enthüllen. Der
Mensch ist nicht das Produkt seiner eigenen Ideen und Pläne. Er ist vielmehr ein Teil von Gott
selbst. Aus IHM hervorgegangen trägt er Gott in sich! Gott wird Mensch, damit der Mensch
"Gott" durch Teilhabe werde; dass der Mensch göttlich werde, indem sich das göttliche Leben in
ihn ergießt. Die tiefste Tiefe und die größte Größe des Menschen also ist sein göttlicher Kern,
seine innerste Mitte, die GOTT ist und ihn göttlich macht!
Ist das alles nur "fromm"? Nein, in Wirklichkeit erleben wir täglich in uns das Sehnen nach dem
Unendlichen, nach Ent-Grenzung; wir spüren das Unzufriedene mit dem Geschaffenen in uns.
Gott komm nicht, um uns etwas überzustülpen, sondern um uns zu unserem eigenen Wesen zu
führen und uns zu dem zu machen, was wir eigentlich sind: MENSCH – Geschöpf und Bild
Gottes. Somit wird Weihnachten für uns zum Fest unserer eigenen Menschwerdung. Es tut sich
unserer Sehnsucht die Tür auf zu dem "Größeren", das allein stillt.
Deswegen lässt Weihnachten, lässt das Kind uns Menschen keine Ruhe. Denn es ist unser Fest!
Wir brauchen dieses Fest, damit wir mit uns selber und mit dem Leben fertig werden. Und wir
brauchen dieses Fest, dass es uns immer wieder auf den Weg bringt, Weihnachten zu leben:
Beziehung mit Gott zu leben, auch mitten im Alltag; einzutauchen in unsere innerste Mitte, um
eins zu werden mit "DIR, Gott in mir"; uns verwandeln zu lassen durch das Kommen Gottes zu
uns in "mehr Mensch", damit wir auch immer menschlicher miteinander umgehen und in der
Welt durch uns Gottes Liebe aufleuchten kann. Ja, Weihnachten ist unser Fest!
Ihr Pfarrer Daniel Maria Schmitt
Gebet
Ich staune und knie vor dem Wunder,
dass DU bei mir bist, mein Gott!
Oft fühlte ich DICH fern und meinte, ich sei allein.
Jetzt plötzlich sehe ich DICH, ganz wirklich!
Klein wurdest DU und schwach,
und doch so schön und gerne anzusehen − ein Kind!
DU willst mir zeigen, dass DU ganz liebevoll bist
und dass es etwas Schönes ist, bei DIR zu sein.
DU freust DICH, wenn ich zu DIR komme - ganz nah.
Da kann ich DIR erzählen - ohne Angst,
auslaufen kann mein Herz und ich fühle Deine erlösende Liebe.
Was ist es Schönes, dass DU gekommen bist!
Nie mehr gehst DU von mir weg,
auch nach Weihnachten nicht!
In meinem ganzen Leben bleibst DU mir nahe.
Ich beuge meine Knie und komme zu DIR,
und werde ganz klein − wie DU.
Pfr. Daniel Maria Schmitt
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