1.zwei_basale_begriffe_konkret - aktuelles [klasse

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1.1.2 Informieren Sie sich für drei Begriffe aus dieser Liste über wenigstens
eine alternative Position (z.B. anhand von zwei Autoren – etwa Klafkis oder von
Hentigs Position zum Bildungsbegriff - oder einem weiten und engen Begriff
oder mit Hilfe einer beliebigen anderen Unterscheidung). Begründen Sie die
Befürwortung oder Ablehnung dieser Begriffe!
- Erziehung
Definition nach Ziller:
Erziehung ist eine absichtliche, planvolle Einwirkung auf einen einzelnen
Menschen in seiner frühesten Jugend. Diese Einwirkung hat den Zweck, dass
eine bestimmte, aber gleichbleibende Gestallt (seines Willens, Charakters und
der Gesinnung) dem Plane gemäß bei ihm ausgebildet werde.
Kritik an Ziller:
Erziehung kann nicht nur im Jugendalter erfolgen, sondern während des
ganzen Lebens
zu starre Definition, da Erziehung ein Versuch ist auf einen Menschen
einzuwirken. Dieser Versuch kann jedoch misslingen.
Der Begriff planvoll ist zu starr, da aufgrund der Individualität jedes
Menschen die Erziehung an jeden einzelnen angepasst werden muss 
langfristige Planungssicherheit in der Erziehung ist nicht möglich
Beginn der Erziehung in frühestes Jugend wird im Vergleich zu Brezinka
explizit erwähnt (Positiv)
- Bildung
Definition nach Hartmut von Hentig:
Den notwendigen und wünschenswerten Vorgang, im Laufe dessen wir
1.
unsere Anlagen, also unsere Person, entfalten,
2.
taugliche Bürger werden und
3.
an unserer historischen Lebensform, also unserer Kultur, teilhaben als
deren erfreute Nutznießer und erfreuliche Fortzeuger und Kritiker.«
Kurz gefasst unterscheidet er also drei Bereiche: die persönliche Bildung, die
politische Bildung und die berufliche Bildung.
Hentig hat Maßstäbe formuliert, an denen sich Bildung »messen« lässt. Damit
meint er keinen Lernstoff, der sich durch Tests messen ließe, sondern Dinge, die
im Menschen vorhanden sein müssen, wenn Bildung wirklich stattgefunden hat.
Es sind dies
-
Abscheu und Abwehr von Unmenschlichkeit,
Wahrnehmung von Glück,
die Fähigkeit und der Wille, sich zu verständigen,
ein Bewusstsein von der Geschichtlichkeit der eigenen Existenz,
Wachheit für letzte Fragen und
die Bereitschaft zu Selbstverantwortung und Verantwortung in der
Gesellschaft.
Daraus wird deutlich, dass es bei der Bildung auf zwei große Bereiche ankommt:
Sachen zu klären und Menschen zu stärken.
Definition nach Daniel Goeudevert
Bildung ist „ein aktiver, komplexer und nie abgeschlossener Prozess in dessen
glücklichen Verlauf eine selbständige und selbsttätige, problemlösungsfähige
und lebenstüchtige Persönlichkeit entstehen kann“.
Kritik:
Positiv: ein aktiver, komplexer und nie abgeschlossener Prozess, weil man sich
immer weiterbilden muss, um mit der sich ständig wandelnden Gesellschaft
mithalten zu können.
Negativ: kein Grundwissen angesprochen wird, aber man benötigt einen gewissen
Grundstock an Informationen, um sich selbständig und selbsttätig
Problemlösefähigkeit anzueignen.
3. Bildung
siehe Heigl-Vorlesung!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Wichtig: Unterschied Wissen und Bildung
Wörterbuch:
- Verwendung des Begriffs seit Mitte des 18. Jhds
- Bildung wird zur Selbstbildung des Individualität in der Auseinandersetzung des
Menschen mit den Erscheinungsformen seiner Kultur
- Angebot von außen und Bereitschaft von innen zum Dialog
- Je umfassender, gründlicher und lebendiger die geistigen, seelischen und körperlichen
Kräfte entwickelt sind, umso günstiger die Voraussetzungen für Bildung
- Schule, Training, Konditionierung, Qualifikation, Drill keine hinreichenden
Voraussetzung für selbstständige und –verantwortliche Entfaltung der Humanität im
einzelnen Subjekt ABER können durchaus dienlich sein, da die Verfügbarkeit von
Fertigkeiten Techniken etc. die eigentlichen Bildungsprozesse entlasten
- ....
Didaktisches Wörterbuch:
- Inhalt des Begriffs nicht einheitlich bestimmt, sondern wird geprägt von dem
zugrundeliegenden Verständnis von Erziehung, der entsprechenden Bildungstheorie
und dem postulierten Menschenbild
Kron (122-126)
Bildung als Leitbegriff der Didaktik (neben Lernen und Interaktion)
1.)Die Theorie der kategorialen Bildung und ihre didaktische Relevanz: W. Klafki
- bildungstheoretische Bestimmung didaktischen Handelns entspringt einer Paradoxie
(auch von Herbart beschrieben):
- Kulturelle Vermittlungsprozesse müssen stets zielgerichtet und begründet sein 
bildsamkeit (nach Herbart) ist aber andererseits, dass in Interesse und Gedankenkreis
der Lernenden selbst eine individuelle Lebendigkeit entgegentritt, die sich den
Arrangements nicht immer unterwirft, sondern diese auch durchbricht.
- In der Tradition der bildungstheoretischen Diskussion wird der Prozess der
Bildsamkeit mit dem Begriff Bildung belegt.
- Klafki greift bei seiner Theorie der kategorialen Bildung ausdrücklich auf diese
Bildungstradition zurück
-
bildungstheoretische Diskussion führte zur Einsicht, dass der Mensch in einem
lebendigen Verhältnis zur kulturellen Welt steht und diese sinnverstehend auslegt
(Mensch hat zentrale Rolle, ist produktive Stelle durch Verarbeitung der Symbole in
der Welt und deren anschließenden kulturellen Veräußerung)
 2 wichtige Momente: materialer (kulturelle Inhalte) und formaler (innere Kräfte) im
(Bildungs-)Prozess
-
-
-
-
-
in der klassischen Bildungsdiskussion wurde dieser Zusammenhang immer wieder
gesprengt: zeigt sich vor allem bei Bestimmung von Bildungsauftrag und
Lehrplaninhalt
Was ist der primäre Zweck der Schule?
Innere Kräfte (formaler Aspekt) ausbilden oder Kulturgut weitergeben (materialer
Aspekt)?
 Diskussion führte zu einer Zweiteilung der beiden Aspekte und damit zu einer
Ideologisierung
Klafki und Schulen fordern die Stofffülle (materialer Aspekt) zu reduzieren und
Bildung durch „exemplarisches“ Lehren und Lernen zu begrenzen.
Klafki: Beides zum ganzheitlichen Lernen fördern (KATEGORIALE BILDUNG)!
Verweisungszusammenhang zwischen beiden.
Kategoriale Bildung meint: durch Erkenntnis geprüfte Aussagen machen (beide
Aspekte)
Nach Klafki: Dieser Konkretisierungszusammenhang der Bildung im Individuum
äußernt sich stets in den vielfältigsten Formen des Handelns, der Interaktion des
Gestaltens und der sprachlichen Darstellung. So erwächst Verantwortungsbewusstsein
in den vielfältigsten Bereichen.
Elementare Bildungsinhalte besitzen Zusammenhang im Kosmos: Das elementare
kommt zur Darstellung in 7 Grundformen:
1. das Fundamentale (Intention aller menschlichen Kultur; hier bestimmt sich das
Elementare; gehört auf den Lehrplan)
2. das Exemplarische (repräsentiert das Elementare als allgemeine Erkenntnis am
Beispiel)
3. das Typische (im Unterschied zum Exemplarischen die Versammlung von
Einzeldaten zu einem Allgemeinen; alle gotischen Kirchen)
4. das Klassische (taucht in literarisch-kulturkundlichen, lebenskundlichphilosophischen Kulturbereichen auf; latente Wertstrukturen der Gesellschaft
werden erlebbar, individuelle Verantwortung kann erwachsen)
5. das Repräsentative (verdichtet die Vielfalt einer Epoche z. B. an einer Person)
6. die einfachen Zweckformen (Grundformen des pädagogisch-elementarischen, z. B.
Schreiben)
7. die einfachen ästhetischen Formen (Grunderfahrungen in musischen und
ästhetischen Bildungsprozessen)
- Sozialisation
Definition nach Durkheim (hat Begriff eingeführt):
Sozialisation ist eine Vergesellschaftung des Menschen, Prägung der
menschlichen Persönlichkeit durch gesellschaftliche Bedingungen.
Sozialisation (sein wie alle anderen)  Personalisation (sein wie kein anderer)
Kritik: Kontroverse zwischen Sozialisation und Personalisation. Befürchtung:
Erziehung kann nur als Vergesellschaftung des Individuums gesehen
werden  Mensch als Subjekt kann nicht existieren, Mensch soll so
sozialisiert werden, dass er dem Idealbild der Gesellschaft entspricht.
Definition nach Geulen/ Hurrelmann:
Sozialisation ist zu verstehen als der Prozess der Entstehung und Entwicklung
der Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich
vermittelten sozialen und materiellen Umwelt. Vorrangig thematisch ist dabei ...,
wie sich der Mensch zu einem gesellschaftlich handlungsfähigen Subjekt bildet.
Exemplifizieren der Merkmale (bezieht sich auf Geulen/ Hurrelmann):
Sozialisation
bedeutet
Mitglied-Werden
in
einer
Gesellschaft.
Dieses Mitglied-Werden wird unter drei Perspektiven in der Sozialisationstheorie
gesehen:
- Subjektbezogene Perspektive:
Aktive Rolle des heranwachsenden Menschen in der Auseinandersetzung
mit seiner Umwelt
 wird zum gesellschaftlich handlungsfähigen Subjekt (Erfahrungsmuster,
Einstellung, Wissen, ... )
- Institutionsbezogene Perspektive:
Welche Zwecksetzung, welche Funktion haben gesellschaftliche
Institutionen, mit welchem Effekt arbeiten sie, wie vermitteln sie die
für nötig erachteten Werthaltungen und Kulturtechniken (Institutionen sind
Schulen, Kirche, Betriebe, ... )
- Kulturbezogene Perspektive:
Was verbindet die Menschen einer Gesellschaft miteinander, was macht sie
ähnlich, was ist ihre Kultur. Aneignung der Kultur durch die nachwachsende
Generation (ökonomische, soziale, politische, kulturelle Struktur)
(Vers. Bettina)
1.1.2
Hegel und Bildung (auch in: Problemfelder der Schulpädagogik 293f)
- geistige Selbstentfremdung bei jungen Menschen (obwohl Normen in dieser Welt
Produkte des menschlichen Geistes sind die jeder Mensch Kraft seiner Vernunft
partizipiert)
- Entfremdung von individueller Person und kultureller Welt ist eine Form der
Selbstentfremdung des menschlichen Geistes von sich
- Norm- und Anspruchcharakter der Bildung als Versuch einer Aufhebung der
Selbstentfremdung des menschlichen Geistes von sich
- metaphysische Überzeugung, dass im „Reich der Bildung“ nicht nur die einzelne
Person ihr ursprüngliches und angemessenes Selbstverständnis wiederfindet,
sondern durch den Prozess des Sich-Bildens auch zum „Werden der wirklichen
Welt“ des Geistes beiträgt Re-Identifizierung mit dem menschlichen Geist
dagegen: Metaphysikfreie Bildungskonzeptionen Iindividueller oder sozial-pädagogischer
Utilitarismus):
- kausale Konditionierung des einzelnen Verhaltens
- evolutionäre Überlebensmaximierung durch die Anpassung an die Kulturgüter
- Benachteiligung der Nichtangepassten
 Hegel klingt dann höchst befremdlich
Verhältnis Enkulturation – Sozialisation (Weber – Wurzbacher)
Loch:
- Sozialisation als Teilbereich der Enkulturation
- Enkulturation das gesamte Phänomen (alle Gebilde betreffend, die Gesamtheit der
Kultur mit der der Mensch sein Leben verwirklicht und das von jedem zur Welt
gekommenen Lebewesen gelernt werden muss, wenn er Mensch werden soll
- Sozialisation ist der Teilbereich, in dem Werte und Normen gelernt werden
Wurzenbacher:
- stellt sich gegen die Überbetonung des Sozialisationsaspekts
- Enkulturation und Sozialisation als getrennte Begriffe nebeneinanderstellen
- Enkulturation ist kulturelle Bindung (Wissensgüter, Gesetze)
- Sozialisation ist soziale Prägung (Verhalten)
Enkulturation:
Wörterbuch 2:
- Begriff stammt aus der Kulturanthropologie
- M. H. Herskovits: Lernerfahrungen, durch die der Mensch kulturelle Kompetenzen
erwirbt. Jeder unterliegt diesem bewusst oder unbewusst ablaufenden Prozess, ohne
den der Mensch nicht als Mitglied der Gesellschaft leben könnte.
- Voraussetzung: Mensch ist Kulturwesen:
Enkulturation ist Grundbegriff menschlichen Werdens.
-
Erziehung leistet Enkulturationshilfe
Verhältnis der Enkulturation zur Sozialisation:
- E. Weber: Sozialisation ist Teilbereich der Enkulturation, jener nämlich, der „nur auf
die soziale Dimension der Kultur bezogen“ ist und „in dem die Werte und Normen der
betreffenden Gesellschaft bzw. Gruppe gelernt werden“.
- Auch das umgekehrte Verhältnis ist zu finden – Sozialisation - ausgehend von der
Feststellung, dass keine Kultur ohne Gesellschaft denkbar ist – der Enkulturation
übergeordnet wird
- G. Wurzbacher: Enkulturation und Sozialisation als getrennte Begriffe nebeneinander
stellen: Enkulturation sei kulturelle Bindung und Sozialisation soziale Prägung
- Claessens: enge und weite Auslegung von Enkulturation:
Weit: soziale Einflüsse und deren Internalisierung miteingeschlossen
Eng: Stufe innerhalb der (familiären) Sozialisation. Dann ist mit E. die
kulturspezifische Beeinflussung, vor allem Übernahme kulturspezifischer
Verhaltensregeln (Normen gemeint.
- Pädagogische Anmerkung:
Mensch kann nicht nur Kultur in Besitz nehmen und Tradieren, er kann auch aktiv darauf
einwirken und sie mitgestalten. Erziehung, die produktiven und kreativen Umgang fördert
und für eine intensive Auseinandersetzung mit Kulturinhalten sorgt kann als
Enkulturationshilfe gesehen werden.
Kron S. 232:
Enkultation als Basisprozess
-
-
Lehren und Lernen von Kultur gehört zuden kulturellen Grundtätigkeiten des
Menschen
Herskovits verbindet den Begriff von Anfang seiner Darlegungen an systematisch mit
dem Begriff Kultur sowie mit den Begriffen Gesellschaft, Sozialisation, Lernen,
Person und Individuum (man vermittelt intentional und funktional Kultur)
Lernen ist damit als konstitutives Moment in der Definition von Enkulturation
mitzudenken
Enkulturation: Sinn des Lernens von Kultur durch Menschen und Gruppen (man lernt
kulturelle Inhalte und Fähigkeiten, Symbole, Ausdrucksformen etc.)
Herskovits: „Denjenigen Aspekt von Lernerfahrungen, durch den sich der Mensch von
anderen Lebewesen unterscheiden lässt, und durch den er im Laufe seines Lebens seine
kulturellen Kompetenzen erwirbt soll als Enkulturation bezeichnet werden.“
Wurzenbacher stellt Enkulturation mit kultureller Bildung gleich.
Differenzierungsprozesse der Enkulturation:
1.) Akkulturation
Hereinnahme neuer Kulturelemente in den bestehenden kulturellen Kontext einzelner
Gruppen (z. B. Essen, Kleidung)
2.) Assimilation
Wertschätzung angenommener anderer Kulturelemente bis hin zu selbstgewählten
Anpassung an diese und gegebenenfalls deren Verteidigung
3.) Diffusion
Prozesse, die in größeren Gruppen einer Gesellschaft stattfinden, in welchen andere
Kulturelemente (Ideen, Techniken)übernommen und zur Innovation der eigenen
Kultur benutzt werden
4.) Integration
Angleichung, Eingliederung von anderen Individuen und/oder Gruppen und deren
Kultur in die eigene Gesellschaft
Neben Anpassungsfunktion der Individuen im Enkulturationsprozess (und damit
Herausbildung der Grundpersönlichkeit) ist auch die individuelle und persönliche Leistung
der Individuen wichtig
Enkulturationsprozess auch relativ offen für selbstbestimmte Anteile der Individuen – der
Mensch kann auch selbstbestimmt handeln und ist nicht nur auf seine Grundkultur fixiert.
Eine Gesellschaft muss allen Mitgliedern die Chance geben, sich multikulturell
weiterzubilden. (Herskowitz)
Es entsteht aber oft Ethnozentrismus (Verstärkung der Entwicklung der Basispersönlichkeit
und die relative Horizontverschließung ihrer eigenen Kultur wie z. B. Schließung von
Grenzen, Abschottung von Schularten)
Sozialisation als Teilprozess der Enkulturation
Sozialisation: Lernen einer spezifischen Klasse von Kultur, nämlich der sozialen Normen,
Rollen, Wertorientierungen die das soziale Handeln bestimmen
Erziehung, Interventionistischer – reformpädagogischer Erziehungsbegriff
Arnold, S. 60 (Buch 2)
Interventionistischer Erziehungsbegriff:
Durch den Einsatz geeigneter Erziehungsmittel (z. B. Belohnung, Bestrafung,
Verstärkung) kann gewünschtes Verhalten prinzipiell erzeugt werden (Erzieher als
Bildhauer)
Brezinka: „Als Erziehung werden Handlungen bezeichnet, durch die Menschen versuchen,
die Persönlichkeit anderer Menschen in irgendeiner Hinsicht zu fördern.“
Reformpädagogischer Erziehungsbegriff:
Kritisiert die Vorstellung von Machbarkeit (Interventionistischer Erziehungsbegriff)
Es gibt keine Erziehungstechnologie, nur „Ermöglichung“ (Facilitatin)
 Erziehung ist nur durch ein Arrangement von Erfahrungsmöglichkeiten erreichbar,
kann
aber nicht durch gezielt zweckrationale Einwirkung erreicht werden
(Bild vom Gärtner, der nicht machen kann, dass seine Pflanzen wachsen, aber ihre
Entwicklung in fördernder Absicht beeinflussen kann.)
Beiden Bildern – Gärtner und Bildhauer wird die Möglichkeit einer positiven
Einflussnahme zugesprochen!
Erziehung:
Siehe Heigl-Vorlesung!
Vorlesung
Gudjons(1/48):
Im normativen Kontext:
Erzieher versuchen mit sozialen Handlungen
psychische Dimensionen zu verbessern/erhalten/beseitigen
Brezinka (1/52):
Wörterbuch:
- Handlungen von Eltern, Lehrern, Ausbildern, Erziehern Pädagogen u. a.
- zielorientiert  funktional
- zielorientiert:
Bewusste Absicht durch Einsatz von Erziehungsmitteln und Erziehungsmaßnahmen
Kenntnisse, Fähigkeiten, Einstellungen, Wertorientierungen, Handlungswillen,
Handlungsfähigkeit (= individuelle Mündigkeit der Kinder und Jugendlichen,
Kompetenz zur Teilnahme an der Gesellschaft) dauerhaft zu verbessern.
- funktional:
Veränderung im Verhalten durch Sozialisation auf Grund alltäglicher Erfahrungen (
nicht erzieherische Maßnahmen)
Unbewusst aufgebaute Reiz-Reaktionsmuster aus Identifikation mit für das eigene
Wohl wichtigen Modellprozessen, Rollenübernahme, Verstärkungen
-
Versuch im Kontext der Sozialisationsgeschichte eines Individuums ausgewählte
Elemente in dessen Verhalten zu ändern
ABER: Kinder haben Verstandeskräfte und unverwechselbare Identität  sie setzen
sich mit intentionaler Erziehung auseinander (keine bloße Reaktion)
-
Erziehung kann angewendet, modifiziert oder verworfen werden:
Erziehungswirkung lässt sich nur unter Beobachtung der Subjekthaftigkeit der zu
Erziehenden angemessen verstehen
Erziehung ist also umso erfolgreicher, wenn sie auf tatsächlich vorhandenen
Kompetenzen – Bedürfnissen – Motiven – Erfahrungender Kinder aufbaut.
-
-
wertvolle Ziele, die die Erziehungshandlung leiten sollten lassen sich nur erschließen
aus dem Zusammenspiel von:
a) Werte/Normen von Erzieher und Kultur
b) Pädagogischer Takt der Erzieher im Umgang mit zu Erziehendem
c) Persönliche Anerkennung der Angebote durch Erziehenden
Arnold, S. 60 (Buch 2)
Interventionistischer Erziehungsbegriff:
Durch den Einsatz geeigneter Erziehungsmittel (z. B. Belohnung, Bestrafung) kann
gewünschtes Verhalten prinzipiell erzeugt werden (Erzieher als Bildhauer)
Reformpädagogischer Erziehungsbegriff:
Kritisiert die Vorstellung von Machbarkeit (Interventionistischer Erziehungsbegriff)
Es gibt keine Erziehungstechnologie, nur „Ermöglichung“ (Facilitatin)
 Erziehung ist nur durch ein Arrangement von Erfahrungsmöglichkeiten erreichbar, kann
aber nicht durch gezielt zweckrationale Einwirkung erreicht werden
(Bild vom Gärtner, der nicht machen kann, dass seine Pflanzen wachsen, aber ihre
Entwicklung in fördernder Absicht beeinflussen kann.)
Beiden Bildern – Gärtner und Bildhauer wird die Möglichkeit einer positiven Einflussnahme
zugesprochen!
Der antipädagogische Erziehungsbegriff:
Negation der Erziehungsbedürftigkeit von Kindern, Erziehung gilt sogar als kinderfeindlich.
 Laissez-faire, Nichterziehung
---------------------------
Für eine konstruktive erziehungswissenschaftliche Debatte sind weder überzogene
interventionistische noch antipädagogische Argumente geeignet.
Vielmehr sind die Rahmenbedingungen und hilfreiche Feedbacks wichtig.
Wesentlich ist, dass deren innere Logik nicht dem widerspricht, was als Erziehungsstil
gelebt werden soll.
Ein demokratischer bzw. sozial-integrativer Erziehungsstil wirkt nachhaltiger, weil
das erzieherisch erwünschte Verhalten und die bevorzugten Umgangsformen für alle
Beteiligten sichtbar, erlebbar und glaubwürdig vorgelebt werden.
Aspekte des Erziehungsprozesses:
- Erziehung geschieht durch Personen
- Erziehung steht im Spannungsverhältnis Führen versus Wachsenlassen
- Erziehung verfolgt Erziehungsziele, die zumeist gesellschaftlich vorgegeben sind
- Erziehung geschieht im zwischenmenschlichen Kontakt zwischen Eltern und
Zöglingen
- Erziehung setzt die Aktivität und Offenheit des Zöglings voraus
- Erziehung erfolgt oft in Institutionen
- Es gibt keine Erziehungstechnologie
Krüger, S. 53 (Buch 6)
1. Die Unsicherheit mit der Erziehung:
- Begriff Erziehung und der mit ihm gemeinte Sachverhalt gelten oft als umstritten, da
jeder Erziehung genossen hat uns somit auch seine eigenen Emotionen dazu hat
- Erziehung gilt als Selbstverständlichkeit und unumgänglich
- Viele Hoffnungen und Erwartungen sind auf sie gerichtet, was Eltern auch oft
verunsichert
-
Vor dem Hintergrund des kulturellen Wandels, in welchem sich sozikulturelle und
moralische Milieus aufläsen, wirkt der Verlust von Normen und Orientierungen in
Erziehungsverhältnissen besonders drastisch
-
Erziehung und soziale Spannung
Einerseits Ablehnung der sozialen Unterstützung (Kinder haben keine Lobby – schon
gar nicht im Steuerrecht), anderseits die Forderung, Erziehung möge Defizite des
sozialen Miteinanders beseitigen oder kulturelle Verkehrsformen habituell verankern
 nur marktwirtschaftliches Denken!
-
paradoxe Situation:
Auf der einen Seite ein wachsendes Interesse an Erziehung
Andererseits verliert der Erziehungsbegriff selbst seine Konturen (Antipädagogik, die
ungeniert pädagogische Grundbegriffe – wie den des Unterstützens – gegen die
Erziehung ins Feld führt)
-
Eigentümlicherweise treten jedoch die für Begriff und Sache der Erziehung
charakteristischen Spannungen am deutlichsten in der mit ihr befassten Disziplin und
den durch sie akademisch ausgebildeten Professionen auf:
Reformpädagogik: „gemeinsame Idee“, „das eigentliche Geheimnis und den Sinn des
erzieherischen Willens“(Nohl, 1949)
Heute: „revisionsbedürftig“, oder ganz zu verwerfen
-
Erziehungswissenschaft befasst sich eher mit Pathologien des Erziehens oder richtet
ihre Aufmerksamkeit auf die pädagogischen Institutionen
Professionelle Orientierungen beruhen inzwischen auf psychologischen Konzeptionen:
psychiatrische od. medizinische Vorstellungen (Medikamente)
-
Fehlen eines Grundverständnisses der Erziehungswissenschaft
- Fehlen einer zureichenden Tatbestandgesinnung (nach Siegfried Bernfeld)
-
-
Theorien beschränken sich meist auf anthropologische Erwägungen, die das „Wesen“
der Erziehung festhalten wollen (oftmals Privatmeinungen ohne sachlich
gerechtfertigte Maßstäbe)
Versuche in den 70er, dies zu ändern:
Wolfgan Brezinka versuchte formal „Handlungen“ zu definieren, „die durch die
Menschen versuchen, die Persönlichkeit in irgendeiner Weise zu fördern“
Es gelang ihm weder die Operationalisierung des Erziehungsbegriffs, noch näherte er
sich der Erfahrung von Erziehung als einem interaktivem Geschehen
Theorie des Symbolischen Interaktionismus (Klaus Mollenhauer)
- sie sehen sich dem Anspruch der Mündigkeit des Subjekts verpflichtet: Erziehung
müsse als Emanzipation begriffen werden, daher stets im Kontext von sozialen und
politischen Bedingungen beachtet werden.
- Aber „vergessene Zusammenhänge“: Tradition des Denkens über Erziehung wurde
beiseite geschoben
 Eigentümlichkeiten des erziehungswissenschaftlichen Umgangs mit der Erziehung: Kaum
inhaltiche Auseinandersetzung mit den beiden oben genannten Ansätzen
Teilweise wurde „das Ende der Erziehung“ proklamiert  neue Chance für Schule und
Familie, da so die durch die „pädagogisierung de Gesellschaft“ vorangetriebene
Infantilisierung von Kindern und Erwachsenen aufgehalten werde.
2. Schwierigkeiten bei der Annäherung an Erziehung
Die Hemmungen der Erziehung bei der Auseinandersetzung mit ihrem eigentlichen
Gegenstand gründen freilich in der Sache selbst.
Aber verstärkt durch die Ambitionen, die nach einfachen Theorien suchen, die der
Komplexität dieses Sachverhalts nicht gerecht werden.
Hindernisse:
- Unsichtbarkeit der Erziehung
Kein einfaches, anschaulich aufzeigbares Objekt
Beobachtung und Verständnis von Erziehung hängen von der Bereitschaft ab, diese
überhaupt als solche wahrzunehmen.
- Diskrepanz zwischen alltäglichem Gebrauch des Konzepts und dem professionellen
(es ist überhaupt nicht ausgemacht, dass Eltern und Wissenschaftler von der gleichen
Sache reden)
- Die Perspektivität von Erziehungsvorstellungen verzerrt die Wahrnehmung von
Erziehung
Aus der Distanz groß, im Vorgang wird sie so klein, dass sie im Alltag oft nicht mehr
gesehen wird
- Ziehharmonikaeffekt im Erziehungsbegriff
Kompliziert verflochtener Zusammenhang von Strukturen und Handlungen, die in
einem Sinnzusammenhang fokussiert werden
- Flüchtigkeit der Erziehung
Komplexe Mischung von Begebenheiten bleiben nur in Erinnerungsspuren erhalten
Versuch, der Nichtfeststellbarkeit von Erziehung zu umgehen, indem man ihre
Impulse und Absichten benennt.
- Überschuss an Bestimmungsmerkmalen in der Theorie, so dass die Realität oft hinter
diesem Ideal zurückbleibt.
-
Doppelte Historizität:
Begrifflichkeit der Erziehung unterliegt historischen Wandlungen
Dies legt die Vermutung nahe, dass es unmöglich ist, gehaltvolle Theorien zu erstellen.
Dies wäre ein vorschneller Schluss:
Es gibt eine beobachtbare Kommunikation, die um den Begriff der Erziehung organisiert wird
und ein semantisches Feld konstituiert, das möglicherweise einen festen Zusammenhang
aufweist.
3. Das Problem, das die Erfindung von Erziehung löst
- Der Begriff Erziehung muss sich damit begnügen, eine Leistung der menschlichen
Gattung zu sein (Rückgriff auf Anthropologie oder Evolution hilft wenig zum
Verständnis, da Erziehung sich nicht aus dem Zusammenhang humaner
Selbstreflexion lösen lässt)
- Erziehung versucht, die durch die menschliche Gattung spezifische Problemstruktur
als sinnhaft zu begreifen und zu lösen.(angewiesen auf Problemstruktur und
Rekonstruktion der „Semantiken“
 Erziehung ist also ein soziale Formation, die sich nicht von den
Rationalisierungs- und Differenzierungsprozessen neuzeitlicher Gesellschaften
lösen lässt.
Geburtsproblem:
-
Erziehung stellt sich zunächst als Vermittlung des nichtgenetischen Erbes durch die
ältere Generation an die jüngere dar (Otto Willmann)
 Die kulturellen Voraussetzungen bleiben also nicht konstant, sondern werden mit
zunehmender Geschwindigkeit vererbt.
-
-
-
Die Differenz zwischen sozialen Anforderungen und Individuen wird immer größer
(und die Dauer der Ausbildung verlängert sich)
Man wird in eine geschichtlich, gesellschaftlich determinierte Welt hineingeboren, die
sich nicht unmittelbar selbst expliziert. Menschen entwickeln sich in ihr nach eigenem
Bauplan und in Interaktion mit ihren Lebensbedingungen
 Erziehung als „die Summe aller Reaktionen einer Gesellschaft auf die
Entwicklungstatsache“
Erziehung stellt der Aneignungstätigkeit der jungen Generation gleichsam jene
Grammatik der Lebenswelt zur Verfügung, die den andernfalls unverständlichen
Tätigkeiten zugrunde liegt – wobei sie erlaubt, dass die jüngere Generation selbst
schon neues, noch nicht Dagewesenes hervorbringt.
Allerdings: Mit der Etablierung einer besonderen, allein auf die jüngere Generation
gerichteten Aktivität hat die Menschheit ihre Unschuld in Sachen Erziehung verloren
und setzt diese unvermeidlich voraus. Frage nach Erziehung ist also nur noch Faktenund keine Rechtfertigungsfrage mehr.
1.1.3 Zeigen Sie anhand eines Beispiels auf, wie Bildung, Wissen, Sozialisation
und Milieu, Erziehung und Normen bei der Veränderung eines Individuums
zusammenwirken (Konstruieren Sie ein Beispiel oder betrachten Sie Ihre eigene
Entwicklung)!
Problematisieren Sie das Verhältnis von Bildung und Wissen!
Das Milieu, indem das Individuum aufwächst, beeinflusst die Sozialisation und
somit die Persönlichkeit des Individuums. Durch die Gesellschaft, in der sozialisiert
wird, werden Normen, die auf schichtspezifischen Werten basieren,
unterschiedlich interpretiert, z.B. die Norm „Du sollst nicht stehlen“ wird in
Grünwald anders ausgelegt, als im Hasenbergel.
Dies hat Auswirkung auf die Erziehung des Individuums des jeweiligen Milieus, in
dem ein gewisses Bildungsniveau vorherrscht.
Bildung kann nur dort entstehen, wo der Bildungsprozess freiwillig geschieht. Da
in unserer Gesellschaft Wissen verlangt wird, steigt der Drang von Außen
möglichst viel Information aufzunehmen. Durch das Wissen und Lernen allein
erreicht man jedoch keine Bildung. Wissen kann höchstens eine Komponente der
Bildung sein. Friedrich Paulsen äußert sich im enzyklopädischen Handbuch
der
Pädagogik von 1903 zu diesem Thema folgendermaßen: „Nicht die Masse
dessen, was [man] weiß oder gelernt hat macht die Bildung aus, sondern die Kraft
und Eigentümlichkeit womit [man] es sich angeeignet hat und zur
Auffassung
und Beurteilung des ihm Vorliegenden zu verwenden versteht.
Nicht
der
Stoff entscheidet über die Bildung, sondern die Form.“
(vers. Bettina)
1.1.3.)
Frauke beginnt eine Ausbildung zur Krankenschwester. Das Krankenhaus ist ihr, bis auf
wenige Besuche bei ihrer Oma, ziemlich fremd. Sie begibt sich also auf unbekanntes
Terrain, in ein neues Milieu.
Zu Beginn ist sie deshalb ein wenig verunsichert, traut sich nur wenig zu sagen und
wartet erst einmal darauf, wie das neue Umfeld auf sie reagiert.
Normen:
Mit der Zeit lernt sie die spezifischen Verhaltensweisen ihrer Kollegen und Vorgesetzten
kennen und weiß, wie sie mit wem umzugehen hat. Auch dass Genauigkeit, Pünktlichkeit,
Zuverlässigkeit und Fleiß die obersten Gebote in ihrem Beruf sind lernt sie und passt sich
daran an.
Erziehung:
Auf dem Weg dorthin hatte sie aber einen steinigen Weg hinter sich bringen müssen.
Einmal hat sie eine Arbeitskollegin im falschen Ton angesprochen, sie vergaß einem
Patienten eine Tablette zu verabreichen, und einmal lernte sie die medizinischen
Fachausdrücke nicht, die man ihr aufgetragen hatte. Dies alles führte zu
Erziehungshandlungen ihrer Vorgesetzen.
Sozialisation:
Nun hat sie langsam ihre eigene Rolle in der Arbeit gefunden. Viele Verhaltensweisen
(vor allem im Umgang mit Patienten) übernahm sie von ihren Arbeitskollegen (role
taking), brachte aber ihre eigene Persönlichkeit auch mit ein (role making).
Auch ihre Arbeitskollegen und Vorgesetzen teilen ihr jetzt eine gewisse Rolle/Position zu.
Wissen - Bildung
Das tun sie nicht zuletzt wegen Fraukes noch mangelnder Berufsbildung – man muss ihr
helfen und vieles noch erklären (Rolle des Auszubildenden). Zwar hat Frauke schon viel
in der Berufsschule gelernt und kann eine beträchtliche Anzahl von Fakten aufzählen
(wird auch von ihr verlangt – Norm), doch sie ist immer noch unsicher in der praktischen
Anwendung. Sie hat Angst, falsche Entscheidungen zu treffen oder ist sich in der
Anwendung einiger medizinischer Apparate noch unsicher.
Erst wenn Frauke sich sicher in der Ausübung ihres Berufes ist, wird sie eine
gleichberechtigte Position in der Arbeitswelt haben. Das muss sie sich noch erarbeiten.
1.2 Charakterisieren Sie einige Erziehungsziele!
Verantwortlichkeit
Kooperationsfähigkeit
Pflichterfüllung
Gehorsam
Verlässlichkeit
Pünktlichkeit
Ordnung
Fleiß
Erziehungsziele beschreiben einen gewünschten Zustand, etwas was erreicht
werden soll. Ziele gelten bisweilen nur für Untergruppen, nicht für den gesamten
Kulturkreis und werden in den verschiedenen Schichten unterschiedlich
bestimmt.
Mögliche Erziehungsziele:
Erziehung zur Friedfertigkeit (Ziel), du sollst nicht töten (Norm), die
Würde des Menschen ist unantastbar (Wert)
hohe Bildung für Kinder (Ziel), damit sie später einen
zukunftsreichen Beruf ergreifen können (Norm), denn viel Geld zu
verdienen und dabei noch zufrieden zu sein ist das wichtigste im
Leben (Wert)
Pünktlichkeit (Ziel): Wichtig als Voraussetzung für das Wirtschaften
Bsp. Zulieferer liefert nicht Pünktlich  Produktionsstop  Lieferung
unpünktlich  Kunde geht verloren  kein Geld
Verantwortungsbewusstheit gegenüber Natur (Ziel): Erhalt der
natürlichen Umgang, da sonst negative Auswirkung auf
den
Menschen entstehen (Krankheit, Naturkatastrophen, ... )
Verlässlichkeit Ziel: Planungssicherheit
Bsp.: Lieferung verdorbener Ware an Restaurant  Restaurant kann
nicht kochen
1.2.1 Begründen sie diese Ziele!
(Gudjons S.194) Rekus 1993, Löwisch 1995, Liebau 1999
- Mündigkeit als Voraussetzung einer Demokratie
- Partizipation (im Sinne der gleichberechtigten Teilhabe an den öffentlichen
Angelegenheiten
- Emanzipation zur Beseitigung unterdrückender und Gleichberechtigung
verhindernder Lebensbedingungen
- Pünktlichkeit, Ordnung, Fleiß, etc. als Wegmarken zur Erreichung der
übergeordneten Ziele
Hartwig Schröder S. 94 5.2.2 Bsp.für E-ziele in der päd. Literatur
-
Selbstbestimmung in der Verwirklichung der Grundnormen (Freiheit,
Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Zustimmung zur Welt
Begründung: n.Tröger:
- Mensch zeigt begrenzte Offenheit, er ist nicht durch Instinkte
festgelegt, aber auch nicht völlig frei
- Orientierung erfolgt durch objektive Normen
- Erziehung ist Festlegung aus Normen und gleichzeitig Erschließen eigener Möglichkeiten
-
Humanes Leben nach Kerstiens 1991
-Teilziele: Selbstverwirklichung, sprachliche Bildung, geschichtliche Bildung,
soziale und politische Bildung, naturkundlich- technische B, Gewissensbildung,
u.a.
- Begründung/Ansatz:
- Anthropologische Grundlagen über das Wesen des Menschen
- Mensch als Sinnsucher
- Transzendenz zum Absoluten
-Überleitung vom Faktischen zum Guten
- Personalität und Vieldimensionalität des Menschen
-
Erziehung zu kritischen Ja nach Brunnhuber und Zöpfl 1975
- Teilziele:
- Begründung:
-
Sinn- und Wertorientierung
Glück und Freude
Freiheit
soziale Beziehungen
Fragen, Wahrnehmen, Erkennen
Handeln, Gestalten, Verwirklichen
es besteht die Gefahr der Polarisierung in der Erziehung
H.S. Bsp. Für Erziehungsziele in der Länderverfassung S.96
Verfassung des Freistaats Bayern, Artikel 131
(2) Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung
und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und
Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft und Aufgeschlossenheit für alles Wahre,
Gute und Schöne und Verantwortung für die Natur und Umwelt.
(3) Die SS sind im Geiste der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum
deutschen Volk und im Sinne der Völkerversöhnung zu erziehen.
Hessen: Artikel 56
… Ziel der Erziehung ist es, den jungen Menschen zur sittlichen Persönlichkeit zu bilden,
seine berufliche Tüchtigkeit und die politische Verantwortung vorzubereiten, zum
selbständigen und verantwortlichen Dienst am Volk und der Menschheit durch Ehrfurcht
und Nächstenliebe, Achtung und Duldsamkeit, Rechtlichkeit und Wahrhaftigkeit.
Bremen Artikel 26
Die Erziehung und Bildung der Jugend hat im Wesentlichen folgende Aufgaben:
1. Erziehung zu einer Gemeinschaftsgesinnung, Würde jedes Menschen achten,
soziale Gerechtigkeit und politische Verantwortung, Sachlichkeit und Duldsamkeit
2.
3.
4.
5.
für Meinungen anderer, friedliche Zusammenarbeit mit anderen Menschen und
Völkern
Erziehung zu einem Arbeitswillen, für allgemeines Wohl, Ausrüstung mit
Fähigkeiten und Kenntnissen für Berufsleben
Erziehung zum eigenen Denken, Achtung vor der Wahrheit, zum Mut, sie zu
bekennen und das als richtig und notwendig Erkannte zu tun.
Erziehung zur Teilnahme am kulturellen Leben des eigenen und fremder Völker
Erziehung zum Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt
Klafki kategoriale
Wörterbuch:
- zielorientiert: (versus funktional)
Bewusste Absicht durch Einsatz von Erziehungsmitteln und Erziehungsmaßnahmen
Kenntnisse, Fähigkeiten, Einstellungen, Wertorientierungen, Handlungswillen,
Handlungsfähigkeit (= individuelle Mündigkeit der Kinder und Jugendlichen,
Kompetenz zur Teilnahme an der Gesellschaft) dauerhaft zu verbessern.
Heigl:
-
Erziehung zur Selbstachtung
Dem Leben einen Sinn geben
Geborgenheit und Freude
Förderung der Fragefähigkeit
Orientierung am Jetztsein
Orientierung am Ganzen
Kritisches Denken und Sensibilität
Ich-Identität und Sozialkompetenz
Erziehung zum Werk
Orientierung am Wesentlichen
Orientierung an Werten
Vorlesung:
Psychische Dispositionen der zu Erziehenden verbessern/erhalten/beseitigen
Normen/Werte
Schröder
Nach verschiedenen Autoren:
- Weckung und Stärkung wesentlicher Kräfte, gemeinschaftstragende Persönlichkeit
- Mündigkeit
- Förderung der Persönlichkeit
- Stabilisierung des sozialen Gleichgewichts und Reproduktion des kulturellen Erbes
- Selbstständige Bewältigung kultureller Lebensform und Lebensweise
1.2.3 Erläutern Sie grundsätzliche Schwierigkeiten bei der Bestimmung von
Erziehungszielen!
-
Erziehungsziele werden heute sehr gern abstrakt formuliert (Ich Autonomie), was die Gefahr der Lebens- und Weltfremdheit impliziert, da
die konkreten psychischen Voraussetzungen solcher formalen Ziele nicht
genannt werden
-
Erziehungsziele müssen als Produktbegriffe formuliert werden, nicht als ein
Vorgang wie z.B. „Entfaltung der Persönlichkeit“ (um einen Maßstab für die
Erfolgskontrolle abzugeben)
Beispiele:
Aufgrund der unterschiedlichen Normen und Werte in den verschiedenen
Kulturkreisen entstehen unterschiedliche Erziehungsziele, die auch
gegensätzlich sein können. (Bsp.: Türkische Familie hat andere
Erziehungsziele als eine Deutsche auf dem Gebiete der Selbstbestimmung
 Heirat)
(vers. Bettina)
Die Zielsetzung muss als offen gesehen werden, denn es gibt keine unveränderliche,
allgemein gültige Zielbestimmung. Die Probleme betreffen:
den Entscheidungsträger: Schwierigkeit, dass er bestimmt was für alle
erstrebenswert ist und als normatives Prinzip gehandhabt wird. Alle SS
müssen sich mit diesem Prinzip identifizieren. Wer darf so etwas entscheiden?
- Entscheidungskriterien: welche Kriterien gelten für die Festlegung der E-Ziele?
Transparenz der Kriterien des Entscheidungsträgers muss gegeben sein!
- Allgemeinheitsgrad: allgemeine Ziele z.B. Mitmenschlichkeit sind
Orientierungspunkte für Einzelziele, es ist regulatives Prinzip des konkreten
alltäglichen Erziehungshandelns (Kaiser/Kaiser 1994)
Durch die Operationalisierung von Zielen versucht man das gewünschte
Endverhalten konkret zu beschreiben.??? S.92
- Adressatengruppe: Bestimmung der Adressatengruppe, Zieldiskussion
verlagert sich dabei auf verschiedene semantische Ebenen
- Zielsetzungen innerhalb der Erziehungswissenschaft, ausgehend von und
ausgerichtet auf den Erziehungswissenschaftler
- Zielsetzung erziehungspraktischen Handelns als Ziel
erziehungspraktischer Aktivitäten
- Zielsetzungen für denjenigen, der erzieherischen Einflüssen ausgesetzt
ist.
- Verbindlichkeit: inwieweit sind die gesetzten Ziele als verbindlich anzusehen?
Es gibt kein Absolutheitsanspruch von Erziehungszielen, denn Werte und Normen
haben sich gewandelt, so dass man nicht mehr von allgemeinen anerkannten
Grundsätzen ausgehen kann (Hanselmann und Wetter 1989). Die Erziehungsziele
sind also von der Wertwandel-Problematik betroffen (Brezinka 1994)
- Inhaltbezug und Methodenwahl: Das Ziel gibt die Orientierung, die Inhalte
müssen darauf bezogen sein. Zwischen Ziel und Inhalt besteht immer ein
gegenseitiges Bedingungsverhältnis. Ebenso auch zwischen Erziehungsziel und
–Methode z.B. Demokratieverständnis nur durch bestimmte Methoden zu
erreichen- Mitsprachemöglichkeit
-
1.2.4 Identifizieren Sie in Ihrem Leben offene oder verdeckte Erziehungsziele!
offenes Erziehungsziel:
Schwester soll Erwachsene die in unser Haus kommen mit Sie
anreden
kein Mobbing anderer Schüler, aufgrund äußerlicher Merkmale
pünktliches Erscheinen zu Prof. Kiels Vorlesungen
verdecktes Erziehungsziel:
Verdeckt
- Selbständigkeit
Offen
- telefonische Absagen
- auch unangenehme Dinge selber
erledigen
- Hausaufgaben
- Leistungsbereitschaft
-helfen bei alltäglichen Dingen
- Schwierigkeiten überwinden
- Umgang in der Gesellschaft
- Kritisches Denken
- Benimmregeln
- Feierlichkeiten, Auftreten etc.
- Zeitungsartikel hinterfragen
- Aufklärung über Zusammenhänge
- eigenes Bild machen z.B. durch Reisen
in verschiedene Länder
1.3 Charakterisieren Sie einige Bildungsziele unter Bezug auf einen bestimmten
Autor oder eine theoretische Position!
Bildungsziele sind fachlich und überfachliche Ziele, die auf dem Bildungs- und
Erziehungsauftrag der Schule basieren
Schlüsselqualifikationen
des Lernen Lernens (Lernkompetenz)
sozialer Kompetenzen
von Wertorientierungen (soziale,
persönliche, demokratische Werte)
Klassifikation nach Weinert:
1. Erwerb intelligenten Wissens
o anwendungsfähigem Wissen
o variabel nutzbarer
o fachliche Kompetenzen: man benötigt Vorwissen um neue Information
beurteilt zu können, vernetztes System von flexibel nutzbaren
Fähigkeiten
o erfordert vertikalen Lerntransfer:
Ermöglichung und Erleichterung des weiteren Lernens in selben
Inhaltsgebiet, aufgrund bekannten Vorwissens. Direkte Instruktion als
Unterrichtsform (Lehrergesteuert und Schülerzentriert)
Bsp: Beherrschen der Grundrechenarten (Vorwissen)  Lösung von
Textaufgaben möglich (intelligentes Wissen)
2. Erwerb anwendungsfähigen Wissens
o situationsspezifische Erfahrungen
o erfordert horizontalen Lerntransfer:
 Intelligentes und adaptives Anwenden des Gelernten in
unterschiedlichen Situationen --> situationsspezifisches Lernen.
 Kombination von Lehrer- und Schülergesteuerten Unterricht.
 Bsp.: Projektunterricht, Teamarbeit
3. Erwerb variabel nutzbarer Schlüsselqualifikationen
o erlaubt vielfältige, flexible, variable Nutzung wichtiger Kompetenzen
(Kompetenzen sind: allgemeine Qualifikationen
Fachliche Qualifikationen
Methodische Qualifikationen
Soziale Kompetenzen
Emotionale/ personale)
o erfordert vertikalen und horizontalen Lerntransfer  Lehrer- und
schülergesteuerter Unterricht (Projektunterricht)
4. Erwerb des Lernen Lernens (Lernkompetenz)
o erfordert Reflexion über das eigene Lernen
o begünstigt durch lateralen Lerntransfer:
gefördert durch angeleitetes selbstständiges Lernen
(Bsp.: offener Unterricht)
5. Erwerb sozialer Kompetenzen
o soziales Verstehen, soziale Geschicklichkeit, soziale Verantwortung und
Konfliktlösungskompetenz erfordert reflektierte soziale Erfahrungen
o Bsp.: Batzerei am Pausenhof = soziale Erfahrung,  Reflektion  bei
der nächsten Batzerei handelt man Reflektiert
o begünstigt durch regelgeleitete Zusammenarbeit, Gruppenunterricht,
Teamarbeit, Konfliktlösungsaufgaben
6. Erwerb von Wertorientierungen (Soziale, demokratische, persönliche Werte)
o durch das Erleben einer Wertgemeinschaft (z.B. Schulkultur,
Klassengeist, Gemeinschaftserfahrungen)
o motivatonaler Lerntransfer wird nicht gefördert durch spezielle
Unterrichtsmethoden sonder durch lebendige Schulkultur
1.3.1 Begründen Sie diese Ziele!
(vers. Bettina)
1.3.1.)VON ALLEN FIND ICH KLAFKI AM BESTEN – DEN MAG KIEL AUCH GERN!
Der Deutsche Bildungsrat:
- Fähigkeit des einzelnen zu individuellem und gesellschaftlichem Leben, verstanden
als seine Fähigkeit, die Freiheit und die Freiheiten zu verwirklichen, die ihm die
Verfassung gewährt und auferlegt
(Recht auf Entfaltung der Persönlichkeit, Gleichheit vor dem Gesetz, freie Berufswahl,
Freiheit der religiösen und politischen Anschauungen, freie Meinungsäußerung, Schutz
vor Ehe und Familie, Recht auf Eigentum, Verpflichtung, es nicht nur im eigenen
Interesse, sondern zugleich zum Wohle der Allgemeinheit zu gebrauchen)
Heigl, Oberste Bildungsziele nach der Bayerischen Verfassung; auch die Begründungen
sind teilweise drin (1.3.2)
Vorlesung:
Zielsetzung
Fragenstellung für die
Bildungspraxis
Welcher inhaltlichen und
Kanon von Kenntnissen,
Fähigkeiten und Fertigkeiten
ist für die Gesellschaft
verbindlich?
Formale Bildungstheorien Möglichst umfassende
Welche Inhalte und
(Pestalozzi, Bittner)
Entfaltung der individuellen
Methoden sind geeignet, um
Persönlichkeit
die Entfaltung der inneren
Kräfte und Fähigkeit des
Individuums beizutragen?
Aneignung von Kategorien,
Wie lassen sich die
Kategoriale Bildung
die von grundsätzlicher
inhaltlichen Anforderungen
(Klafki)
Bedeutung von
in einer für die
 Soll die ersten beiden
Weltverstehen und
Personwerdung die und die
verbinden
Weltanschauung sind
Entwicklung des Einzelnen
fruchtbaren Weise
vermitteln?
Kritisch: Befähigung zur wachsenden Selbstbestimmung und Mitgestimmung und
Solidarität
Konstruktiv: Praxisbezug des Konzepts
Materiale
Bildungstheorien
(Schwaniz)
Möglichst umfassende
Kenntnis der Bildungsgüter
Kron (122-126)
Bildung als Leitbegriff der Didaktik (neben Lernen und Interaktion)
1.)Die Theorie der kategorialen Bildung und ihre didaktische Relevanz: W. Klafki
- bildungstheoretische Bestimmung didaktischen Handelns entspringt einer
Paradoxie (auch von Herbart beschrieben):
- Kulturelle Vermittlungsprozesse müssen stets zielgerichtet und begründet sein 
bildsamkeit (nach Herbart) ist aber andererseits, dass in Interesse und
Gedankenkreis der Lernenden selbst eine individuelle Lebendigkeit entgegentritt,
die sich den Arrangements nicht immer unterwirft, sondern diese auch
durchbricht.
- In der Tradition der bildungstheoretischen Diskussion wird der Prozess der
Bildsamkeit mit dem Begriff Bildung belegt.
- Klafki greift bei seiner Theorie der kategorialen Bildung ausdrücklich auf diese
Bildungstradition zurück
bildungstheoretische Diskussion führte zur Einsicht, dass der Mensch in einem
lebendigen Verhältnis zur kulturellen Welt steht und diese sinnverstehend auslegt
(Mensch hat zentrale Rolle, ist produktive Stelle durch Verarbeitung der Symbole
in der Welt und deren anschließenden kulturellen Veräußerung)
 2 wichtige Momente: materialer (kulturelle Inhalte) und formaler (innere
Kräfte) im
(Bildungs-)prozess
-
-
-
-
in der klassischen Bildungsdiskussion wurde dieser Zusammenhang immer wieder
gesprengt: zeigt sich vor allem bei Bestimmung von Bildungsauftrag und
Lehrplaninhalt
Was ist der primäre Zweck der Schule?
Innere Kräfte (formaler Aspekt) ausbilden oder Kulturgut weitergeben (materialer
Aspekt)?
 Diskussion führte zu einer Zweiteilung der beiden Aspekte und damit zu einer
Ideologisierung
Klafki und Schulen fordern die Stofffülle (materialer Aspekt) zu reduzieren und
Bildung durch „exemplarisches“ Lehren und Lernen zu begrenzen.
Klafki: Beides zum ganzheitlichen Lernen fördern (KATEGORIALE BILDUNG)!
Verweisungszusammenhang zwischen beiden.
-
-
Kategoriale Bildung meint: durch Erkenntnis geprüfte Aussagen machen (beide
Aspekte)
Nach Klafki: Dieser Konkretisierungszusammenhang der Bildung im Individuum
äußert sich stets in den vielfältigsten Formen des Handelns, der Interaktion des
Gestaltens und der sprachlichen Darstellung. So erwächst
Verantwortungsbewusstsein in den vielfältigsten Bereichen.
Elementare Bildungsinhalte besitzen Zusammenhang im Kosmos: Das elementare
kommt zur Darstellung in 7 Grundformen:
8. das Fundamentale (Intention aller menschlichen Kultur; hier bestimmt sich das
Elementare; gehört auf den Lehrplan)
9. das Exemplarische (repräsentiert das Elementare als allgemeine Erkenntnis am
Beispiel)
10. das Typische (im Unterschied zum Exemplarischen die Versammlung von
Einzeldaten zu einem Allgemeinen; alle gotischen Kirchen)
11. das Klassische (taucht in literarisch-kulturkundlichen, lebenskundlichphilosophischen Kulturbereichen auf; latente Wertstrukturen der Gesellschaft
werden erlebbar, individuelle Verantwortung kann erwachsen)
12. das Repräsentative (verdichtet die Vielfalt einer Epoche z. B. an einer Person)
13. die einfachen Zweckformen (Grundformen des pädagogisch-elementarischen,
z. B. Schreiben)
14. die einfachen ästhetischen Formen (Grunderfahrungen in musischen und
ästhetischen Bildungsprozessen)
Gudjons:
Bildung muss heute als selbsttätig erarbeiteter und personal verantworteter
Zusammenhang dreier Grundfähigkeiten verstanden werden:
- Fähigkeit zur Selbstbestimmung jedes einzelnen
- als Mitbestimmungsfähigkeit
- als Solidaritätsfähigkeit
Zusammenhang von Lehren und Lernen im Interaktionsprozess
- nachdenkenden und sinnhaftes, verstehendes Lernen
- Mitplanung des Unterrichts durch Schüler
- Gemeinsame Unterrichtskritik
- Schülerorientierter Unterricht
- Demokratische Sozialerziehung
1.3.3 Erläutern Sie grundsätzliche Schwierigkeiten bei der Bestimmung von
Bildungszielen!
Da der Bildungsprozess nur freiwillig geschehen kann, müssen Bildungsziele so
formuliert und gesetzt werden, dass sich jedes einzelne Individuum freiwillig
an sie annähert.
- Bildung muss von Wissen unterschieden werden. Einige Stimmen sprechen
jedoch von Bildung und meinen eigentlich Wissen. Ist Wissen transferierbar,
spricht man von Bildung.
- Eine Konkretisierung von Bildungszielen ist aufgrund der vielen verschiedenen
Ansichten von Bildung schwer vorzunehmen. Deshalb ergeben sich
Schwierigkeiten bei der Bestimmung von Bildungszielen. Einerseits benötigt
man Kompetenzen, die es einem möglich machen ...
 Probleme bei der Bestimmung von Bildungszielen
-
(Vers. Bettina)
1.3.3)
Vorlesung:
Man soll immer in bestimmten Kategorien/Schlüsselproblemen (Informationstechnologie,
Umwelt, Geschlechterbeziehungen) denken.
Die Schlüsselprobleme sollen Gegenwartsbedeutung, Zukunftsbedeutung haben und
exemplarisch sein.
Welches sind die wesentlichen Schlüsselprobleme? Widersprechen sie sich (Innovation
und Umweltschutz)?
Klafki: Epochaltyp. Schlüsselprobleme:
-
Friedensfrage/-erziehung
Umweltfrage
Gesellschaftlich produzierte Ungleichheiten (gibt keine egalitäre Gesellshchaft)
Gefahren (Entfremdung von den Dingen)
Subjektive Ich-Du-Beziehungen
Welche Beziehungen sind funktional?
Was bin ich selbst für ein Objekt?
Wie baue ich Beziehungen zu anderen auf?
Die meisten Bildungstheorien wollen die Kräfte des zu Bildenden aktivieren.
Wie macht man das?
1.3.4 Wie sieht es mit ihrem Leben innerhalb und außerhalb der Universität
aus? Können Sie dort konkrete Bildungsziele identifizieren und begründen?
Innerhalb der Uni
Erwerb anwendungsfähigen Wissens durch situationsspezifische Erfahrungen,
z.B. Praktikum in der Schule
- Kein intelligentes Wissen, da nur bloßes Dozieren stattfindet, intelligentes
Wissen entsteht erst durch aktive Auseinandersetzung des erworbenen Stoffes
durch Vor- und Nachbereitung
- Soziale Kompetenzen werden durch die Zusammenarbeit in Gruppen bei der
Lösung von Aufgaben erreicht (indirekte Vermittlung, da nicht direkt durch
einen Dozenten)
Außerhalb der Uni
-
-
intelligentes Wissen entsteht erst durch aktive Auseinandersetzung des
erworbenen Stoffes durch Vor- und Nachbereitung
Erwerb von Wertorientierungen, durch das Zusammensein mit Freunden und
anderen Menschen
Vers. Bettina
Ziel: Mehr über die Theorie der Jazzmusik wissen und dies auch anwenden können.
Begründung: Spaß, Ausgleich, Zusammenspielen mit anderen, Stolz
Ziel: viel über Ernährungswissenschaften wissen und dieses Wissen in meinen Alltag
selbstverständlich integrieren können
Begründung: will nicht jeden Abend die Vitamine, Nährstoffe abhaken müssen,
Mangelernährung vorbeugen
1.4 Was ist eine „Handlung“?
wenn Entscheidung zwischen Handlungsalternativen oder ein flexibles
Handlungskonzept vorliegt (Innensteuerung) bewusst, absichtlich, Einsatz zur
Zielerreichung, abwägen, erkennen, entwickeln
vers. Bettina
Wörterbuch 4:
- Handlung muss im Zusammenhang mit dem Wollen betrachtet werden
- Über den Entschluss zur Handlung gibt es viele Theorien:
a) nach N. Ach führen „determinierende Tendenzen“, die vom Willensakt
ausgehen die Handlung herbei
b) K. Lewin wies darauf hin, dass beim Entschluss ähnlich wie bei sich
regenden Bedürfnissen Spannungen entstehen
c) W. Keller betont, dass der Entschluss „selber Bewegungsspannung und
Bewegungsansatz“ enthält, da er die „praktische Vornahme eines Zieles“
ist. Anders als bei Trieb-, Instinkt- oder Affekthandlungen
- Es führt zu Verunsicherung der Handlung, wenn versucht wird, ihren Ablauf im
einzelnen bewusst zu vollziehen. – Das Wollen ist meist direkt auf das (Teil-)Ziel
gerichtet.
- Beim Erlernen oder weiterbilden von Handlungsformen haben emotional betonte
Erlebnisse des Erfolgs, der Erfolgsgefährdung und des Misserfolgs dirigierende
Bedeutung
- So werden Handlungshilfen erworben, die situationsangepasste Zielentwicklung
gewährleisten – und gewinnen mit der Zeit Ablaufsicherheit
- Routinierte Handlungen sind Fertigkeiten
- unerledigte Handlung - Entspannungsbedürfnis
Vorlesung : (nach Kron)
9/52
Pädagogisches Handeln erforschen:
Handlungsforschung – auch Aktionsforschung – bezeichnet einen jungen Ansatz
gesellschaftswissenschaftlicher Forschung, der sich bewusst und gezielt als direkter
Beitrag zur Veränderung pädagogischer Praxis als Innovationsforschung im Prozess
Reform pädagogischer Handlungsfelder versteht.
Handlungsforschung, um Zusammenhang zwischen Forschung und pädagogischer Praxis
aufzuhellen und zu verbessern und Theorien zu entwickeln.
Praxis begründen
Praxis entwickeln
Praxis rekonstruieren
9/56
Handlungsebenen:
Mikroebene
Mesoebene
Makroebene
1.4.1 Was versteht man unter „Verhalten“?
gewohnheitsmäßiges Tun
motiviert, zielgerichtet
situationsgebunden  starr
häufig Minimum an bewusster Kontrolle
bei Außensteuerung (durch Konsequenzen)
vers. Bettina
Wörterbuch 4:
- bezeichnet die durch innere oder äußere Bedingungen veranlasste Veränderung
eines Organismus durch sich selbst
- Reaktionen, Bewegungen, Aktivitäten oder Handlungen, die entweder in ihrer
Abfolge oder in ihrem Ergebnis beobachtbar oder beschreibbar sind.
- Offenes (Bewegungen, Handlungen, sprachlich) – verdecktes Verhalten
(psychologisch, neurophysiologisch, kognitiv, emotional)
- Verschiedene Verhaltensklassen: motorisch, kognitiv, emotional/affektiv, soziales
u.a.
- Verhaltensgewohnheiten (regelmäßig, Verknüpfung von Situationen und
Reaktionen) – Verhaltensmuster (komplex Handelns- oder Verhaltensabläufe)
Wörterbuch:
- Summe der inneren und äußeren Aktivitäten eines Individuums in der
Auseinandersetzung mit seinen materiellen und sozialen Lebensbedingungen
- 2 Formen:
beobachtbares Verhalten
durch Introspektion feststellbares Verhalten
Sprechen, Nervosität
Angst, Hungergefühl, Begierden...
Bewegung, Weinen...
-
Voraussetzungen für Verhalten:
- Eigenaktivität es Organismus
- Spontaneität des Menschen
-
Motive für Verhalten lassen sich lediglich vermuten und sind höchst
unterschiedlich.
Kron:
Nach Skinner:
- Behavioristische Forschung zielt auf die kontrollierte Erfassung tatsächlich
beobachtbaren Verhaltens ab.
- Unter Verhalten seien alle symbolischen und motorischen Äußerungen von
Menschen zu verstehen, insofern sie beobachtbar sind.
- Verhalten kann unter Einsatz von wissenschaftlichen Methoden gesteuert werden.
StimulusReaktion mit Verstärkung (operantes Konditionieren)
- spontane Äußerungen von Organismen werden durch ein modifiziertes
Verhaltensmodell nach dem selben Schema erklärt
- Im Verhaltensmodell wird eine Umwelt angenommen, die verhaltenssteuernd
wirkt. Dies erfolgt in organisierten Lehr- und Lernprozessen durch den Lernenden
sowie durch die von ihnen angewendeten Apparate, Organisationsformen und
Methoden (Lernprogramme, Sprachlabor, Test)
- Ziel behavioristisch orientierter Lehr- und Lernprozesse ist es, verwertbares
Wissen und Können bei Lernenden hervorzubringen.
(...)
1.4.2 Welche Beziehung besteht zwischen den Begriffen „Handlung“ und
„Verhalten“ auf der einen Seite und den Begriffen „Erziehung“, „Bildung“ und
Sozialisation“ auf der anderen?
Erziehung, Sozialisation und Bildung erfolgt durch Handlungen und Verhalten von außen
(anderer Menschen).
Bsp.: Kind wird durch das Verhalten und die Handlungen von Eltern, Freunden, ...
erzogen, gebildet und sozialisiert, da es in Interaktion mit diesen Personen tritt und so
deren Vorstellungen übernimmt bzw. dazu veranlasst wird, diese Vorstellungen zu
übernehmen. Die Bildung erfolgt dadurch, dass die Interaktionspartner dem Kind
anwendbares Wissen vermitteln, indem sie ihm z.B. zeigen wie man den TV anmacht 
Transfer: Power-Knopf für elektrische Geräte
Das Kind handelt und verhält sich aufgrund der durch Erziehung, Sozialisation und
Bildung erworbenen Verhaltens- und Handlungsweisen und erzieht, sozialisiert und bildet
durch diese Handlungen und Verhaltensweisen andere Menschen wieder.
 geschlossener Kreislauf
Vers. Bettina
- Durch Erziehung wird man zu bestimmten Handlungen/bestimmtem Verhalten
erzogen (Konsequenzen, Verstärkung etc.), die Erziehung reagiert aber auch auf
meine Handlungen/mein Verhalten
- durch Sozialisation (Normen) findet man sich in gewissen Rollen wieder, nach
denen man handelt/sich verhält. Die Gesellschaft reagiert wiederum auf meine
Rolle, meine Handlungen/mein Verhalten und stellt sich auch darauf ein
- und durch Bildung erfährt man gewisse Handlungsweisen/Verhaltensweisen, die
man durchführen kann.
1.4.3 Was bedeutet der Unterschied von „Handlung“ und „Verhalten“ in Ihrem
späteren
Beruf? Denken Sie dabei an Handlungen und Verhalten von Lehrerinnen und
Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern.
Verhalten von Lehrern
Junge Lehrer hängen noch sehr an ihrem ausgearbeiteten Handlungskonzept, d.h.
sie handeln mehr als dass sie sich verhalten. Auf Unterrichtsstörungen wird dann
aber eher intuitiv und reflexartig reagiert. Man verhält sich so zu sagen
situationsangepasst ohne vorher die Handlungsalternativen abzuwägen. Z.B.
Schlägerei im Klassenzimmer, 5 Schüler treten auf einen ein  nicht lange
überlegen, man greift einfach ein.
Alte Lehrer haben ihre Handlungskonzepte durch die Berufserfahrung schon so
verinnerlicht, dass man bei ihren Handlungen von Verhalten sprechen kann. Sie
wägen nicht mehr bei der Unterrichtsvorbereitung ab, ob es besser ist so oder so
zu handeln. Sie entscheiden intuitiv und verhalten sich dementsprechend.
Verhalten von Schülern
Lehrer gibt anzustrebende Verhaltensweisen vor, z.B. keine Schimpfwörter sagen,
in ganzen Sätzen sprechen oder nicht am Bleistift kauen.
Schüler denk bewusst daran in ganzen Sätzen und ohne Schimpfwörter zu
sprechen (Handlung)  Wiederholen durch mehrmaliges Artikulieren
Schüler verinnerlicht Handlung so, dass er nicht mehr nachdenken muss, sondern
unbewusst in ganzen Sätzen spricht und keine Schimpfwörter verwendet.
Vers. Bettina
Verhalten - Handlung
Unter Verhalten seien alle symbolischen und motorischen Äußerungen von Menschen zu
verstehen, insofern sie beobachtbar sind. Handlung muss im Zusammenhang mit dem
Wollen betrachtet werden und wird bewusst und auf das Ziel bezogen vollzogen.
(Verhalten kann auch von der Umwelt initiiert werden.)
Verhalten sind Reaktionen, Bewegungen, Aktivitäten oder Handlungen, die entweder in
ihrer Abfolge oder in ihrem Ergebnis beobachtbar oder beschreibbar sind. Handlungen
sind also ein Teilbereich des Verhaltens.
1.5 Erläutern Sie die Bedeutung des Begriffs „Emanzipation“ für
erziehungswissenschaftliches oder pädagogisches Denken anhand eines selbst
gewählten Beispiels!
Emanzipation:
Philosophische Bedeutung
Aufhebung von Entfremdung (Marx) durch Beseitigung des
Privatbesitzes an Produktionsmitteln und der Trennung von
Kopf- und Handarbeit (menschliche Emanzipation des
Menschen)
(Sozial-)Historische Bedeutung
Freiheitsbestrebungen bestimmter Sozialschichten (z.B. des
Bürgertums oder der Arbeiterschaft)
Politische Bedeutung
Erkämpfen von Freiheitsspielräumen (wie sie etwa im
Grundrechtskatalog oder der Carta der Menschenrechte
fixiert sind)
Soziologische Bedeutung
Aufhebung sozialstruktureller Benachteiligungen von sozialen
Gruppen (etwa Emanzipation der Frau oder der von
Minderheiten)
Vers. Bettina
Arnold A14:
Mollenhauer: „ Für die Erziehungswissenschaft konstitutiv ist das Prinzip, das besagt,
dass Erziehung und Bildung ihren Zweck in der Mündigkeit des Subjekts haben; dem
Korrespondiert, dass das erkenntnisleitende Interesse der Erziehungswissenschaft das
Interesse an Emanzipation ist.“
Wörterbuch 2:
Pädagogische Emanzipation bedeutet erzieherische Hilfe beim Streben des
Heranwachsenden, sich von unnötigen Zwängen und Einschränkungen zu befreien, die
die Entfaltung der vollen Menschlichkeit behindern.
Beispiel:
Einen Schüler so erziehen und bilden, dass er viel über Geschichte und deren Rolle des
Wehrdienstes weiß. Er soll sich seine eigene Meinung dazu bilden und selbst entscheiden,
wie er den Wehrdienst mit seinem Gewissen in Einklang bringen kann. Er soll sich von
den Zwängen und Einschränkungen, die dieser Pflichtdienst mit sich bringt befreien und
seine volle Menschlichkeit entfalten.
1.6 Erläutern Sie den Begriff „kritisch“ für erziehungswissenschaftliches oder
pädagogisches Denken!
Die kritisch-emanzipatorische Erziehungswissenschaft reflektiert alle Bildungs- und
Erziehungsprobleme in Bezug auf die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse,
insbesondere einschränkende Bedingungen der Lebenssituation der sozialen
Unterschicht und der sozialen Randgruppen. Mit der Rückführung des
erzieherischen
Verhältnisses
auf
die
vorherrschenden
gesellschaftlichen
Bedingungen wird ein aufklärerischer Anspruch deutlich: jene gesellschaftlich
bedingten Benachteiligungen bestimmter Gruppen sollen deutlich gemacht
werden, die von der traditionellen Pädagogik gar nicht thematisiert wurden.
„Die kritische Erziehungswissenschaft richtet sich gegen Herrschaft,
Unterdrückung, Verdinglichung und Selbstentfremdung im Interesse der
Aufklärung und Selbstbestimmung“ (Wulf 1983, S.206).
Vers. Bettina
Herbert Bath: Emanzipation als Erziehungsziel?
- politische Erweiterung des Begriffs Erziehung (da alle bisherige Erziehung als
Wissenschaft und als Praxis wegen ihrer erklärten Unparteilichkeit steril und
unfähig für die Lösung pädagogischer Fragen in gesellschaftlichem
Zusammenhang gewesen sei / bisherige Erziehung trage außerdem die
Verantwortung für präfaschistischen Erziehungsstrukturen in der Weimarer
Republik)
- Erziehung war nicht unparteilich – wenn sie sich unparteilich erklärte dann um
der Abwehr kommunistischer und nationalsozialistischer Ansprüche willen
-
Die Verantwortung für die politische Entwicklung in Deutschland dem
Erziehungswesen anzulasten, bedeutet eine unzulässige Verabsolutierung von
richtigen Einzelbeobachtungen
-
Pädagogik wird zunehmend als eine Veränderungsstrategie der gesellschaftlichen
Bedingungen begriffen (was ist pädagogisch richtig? Was ist gesellschaftlich
besser?)
 kommt der Frage ähnlich, ob Huhn oder Ei zuerst
 Damit wird der pädagogische Begriff nicht erweitert, sondern umgekehrt:
das Movens pädagogischen Denkens liegt im politischen und ist auf
Erziehung nur indirekt gerichtet
 Am Umschlagpunkt von Erziehung in eine Strategie zur
Gesellschaftsveränderung gerät Erziehungswissenschaft in ein Dilemma:
Entweder muss sie die Ziele gesellschaftlicher Veränderung aus sich selbst
heraus konstituieren oder sie muss sich mit einer politischen Doktrin
-
-
-
verbünden. Für die erste Möglichkeit gibt es noch keinen Beweis – die
zweite ist durch emanzipatorische Erziehung schon nachgewiesen
Als geeignete Mittel zum Zweck der Emanzipation werden dagegen politischer
Kampf, Parteilichkeit und Agitation angesehen
Emanzipation ist erst voll erreicht, wenn die Individuen so emanzipiert sind, dass
sie ihr wahres Klasseninteresse erkennen und die Gesellschaft revolutionär
umwälzen
(Emanzipation = Revolution)
Bernfeld (Sozialist) bezieht sich auf Marx und sagt, dass Pädagogik „ideologischer
Ausdruck gesellschaftlicher Machtverhältnisse“ ist (Klassensituationen) 
Sozialismus als Voraussetzung unabhängiger Erziehungswissenschaft
Problem der Preisgebung des Grundauftrages, konkret Hilfe für den Menschen zu
bieten, wenn sich alles an der Elle marxistischer Wunsch- und Zielvorstellungen
misst (Was brauchen Arbeiterkinder aufzusteigen, wo es um Klassenkampf geht
und es förderlich sein könnte Reformen zur Ermöglichung des sozialen Aufstiegs
zu unterlassen)
1.7 Welche Bedeutung haben Normen für erzieherisches und schulisches
Handeln?
Da Normen eine generelle Aufforderung für alle Menschen eines Typs sind, ist der
Lehrer gezwungen bei schulischen/ erzieherischen Handlungen diese Normen
zugrunde zu legen. Ein Lehrer in einem demokratischen Land, z.B. Deutschland
kann bei seinen Handlungen nicht Normen zugrunde liegen, die z.B. in China
zugrunde gelegt werden.
Der Lehrer muss so handeln, dass er seinem Unterricht Normen zugrunde legt, die
dem des Kulturkreises entsprechen, indem er erzieherisch tätig ist. Er muss sich
an die Überzeugungen und Soll-Vorstellungen dieses Kulturkreises halten.
Bsp.: Unterricht über Gewinn dem Normen der Planwirtschaft zugrunde gelegt
werden, würde in dem Kulturkreis der westlichen Welt (freie Marktwirtschaft)
wiedersprechen.
hinter Zielen liegende Überzeugungen/ Soll-Vorstellungen
Entwicklung von Normen über längeren Zeitraum
Gültig für größeren Kulturkreis
z.B. Menschenrechte, 10 Gebote
generelle Aufforderung für alle Menschen eines Typs
pragmatische Form von Werten
vers. Bettina
Norm:
- Jede Handlungsvorschrift, der erzieherisches oder unterrichtendes Denken und
Tun folgen sollte
- Stammen oft aus weltanschaulichen Lehrmeinungen (Christentum...)
- Verstehen sich als Prinzipien, deren Beachtung durch den Pädagogen dazu
beitragen kann, dass der heranwachsende Mensch sein Denken, Wollen und
Handeln best. Sollensanforderungen aus eigenem Entschluss unterstellt.
Wörterbuch 4:
Eine neue Pädagogik muss versuchen, die Normativität von den höheren Anforderungen
her „aufzubauen“, d. h. die Sicherung, Klärung und Festigung der höchsten Gesetze
durch Nachweis der geringeren Verbindlichkeiten der je niedern und durch Einübung in
die Begrenztheit dieser zu betreiben. Nur ein nicht durch patterns geknechtetes Dasein
ist frei für die Menschlichkeit; nur ein nicht vom Brauch fixierter Mensch ist offen für
eine natürliche Sittlichkeit. Nur ein in die Relativität der Sitte Eingeweihter hat die
menschliche Unvoreingenommenheit zur Begegnung mit Andersgearteten, mit
Minderheiten, mit Inkriminierten Die neue Pädagogik klammert sich weder an Normen
schlechthin, noch wirft sie einfach über Bord, sondern sie sieht ihre Aufgabe in einer
gerechten Beschränkung, die jeder Dimension ihr menschliches Maß zuerteilt und auf
diese Weise dem Menschen seine Freiheit gibt. Ohne Verpflichtung auf die Gesetze des
Menschlichen ist „Freiheit“ eine Illusion, ohne die Gelassenheit gegenüber Sitte und
Brauch und ohne die Befreiung von der unabsehbaren Zahl der ihre Geltung
usurpierenden Normen ist der Mensch nicht fei. Die „Gesetze“ sollen zwar eindeutig sein,
aber nicht endgültig formuliert werden, damit sie je anders und individuell akzentuiert
und profiliert werden können. Nur wenn diese Profilation möglich bleibt, kann der
einzelne die allgemeinsten Forderungen als seine eigene und innerste Sache ansehen und
erfüllen.
Beispiel:
Du sollst nicht lügen. – Manchmal sind aber Notlügen notwendig, um andere oder sich
selbst zu schützen.
Problemfelder der Schulpädagogik/ S.293f
Zerrissenheit und Entfremdung sind auch Ausgangspunkt und Struktur aller praktischen
Bildung. Die Bildungsgüter sind dem Selbstverständnis der jungen Menschen sehr fremd
und er findet sich in den kulturellen Gehalten nicht unmittelbar wieder.
Der normative Charakter der Bildungsgüter haben den kulturellen Anspruch, in das
Selbstverständnis der jungen Menschen aufgenommen zu werden. Denn auf diese Weise
stellt der individuelle menschliche Geist in den kulturellen Gehalten die Identität mit sich
selber wieder her, so lautet die These Hegels über den Ausgangspunkt der Bildung.
Natürlich braucht man diese Hegelsche Konzept der Bildung als Aufhebung der geistigen
Selbstentfremdung des Menschen nicht zu akzeptieren, ist es doch mit einer Reihe von
meatphysischen Überzeugungen verknüpft, so vor allem mit der Überzeugung, dass im
„Reich der Bildung“ nicht nur die einzelne Person ihr ursprüngliches und angemessenes
Selbstverständis wieder findet, sondern durch den Prozess des Sich-Bildens auch zum
„Werden der wirklichen Welt“ des Geistes beiträgt, zum „Werden“ der Welt der Kultur.
Re-Identifizierung des menschlichen Geistes
Wie kann man verständlich machen, dass die kulturellen Gehalte einer Welt in das
individuelle Selbst- und Wirklichkeitsverständnis derart übernommen werden können,
dass diese darin die Vorstellung ihrer eigenen Welt ausbilden?
Was ist mit nicht-angepassten?
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