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Sozialistische Jugend Deutschlands
Die Falken
UND WEIL DER MENSCH EIN MENSCH IST.
FÜR EINE SOZIALISTISCHE ZUKUNFT!
Beschluss der 31. Bundeskonferenz in Düsseldorf
05. Mai - 08. Mai 2005
Wir sind das Bauvolk der kommenden Welt, weil für uns
internationale Freundschaft zählt
Woher wir kommen:
Schon seit mehr als 100 Jahren wissen wir, dass die Arbeit von vielen den Reichtum weniger
ermöglicht. Es ist auch kein Geheimnis, dass arm oder reich zu sein nicht nur heißt, viel oder
wenig Geld zu haben, sondern auch viele oder weniger Möglichkeiten zu haben, unsere
Gesellschaft zu beeinflussen, zu gestalten und zu verändern. Nach wie vor hängen
Bildungschancen und damit auch Beteiligungschancen häufig vom Geldbeutel der Eltern ab. Im
europäischen Vergleich schneidet die Bundesrepublik schlecht ab, wenn es um
Chancengleichheit im Bildungswesen geht. Doch Mechanismen der materiellen und sozialen
Ausgrenzung wirken in anderen Teilen der Welt noch stärker als hier.
Der Verband war immer mehr als eine Lobby für benachteiligte Kinder. Er schuf auch die
Möglichkeit, dass alle sich gemeinsam für ihre Sache einsetzen konnten. Wir haben es immer
als richtig erachtet, mit den Kindern Politik zu machen und nicht nur für Kinder. Arbeit mit
Kindern in unserem Verband ist politisch; denn unser Programm ist es, Kinder zu kritischen und
handlungsfähigen Subjekten zu erziehen. Grundlage unserer Erziehung war immer die
Überzeugung, dass erst freie und aufgeklärte Menschen ein Klassenbewusstsein entwickeln
werden und sich in ihrem Kampf um ein besseres Leben organisieren wollen. Heute ist dies
immer noch genau so aktuell und notwendig wie vor achtzig Jahren, als sich die
„Kinderfreunde“ in Deutschland organisierten; denn nach wie vor müssen wir der alltäglichen
Erfahrung „ja sowieso nichts ändern zu können“ etwas entgegen setzen.
Das Kapital ist international
Nur wer Gesellschaft mit all ihren Strukturen erkennt und versteht, kann sie auch verändern.
Eine der notwendigen Grundlagen dafür ist es, zu erkennen, dass die eigene Meinung zählt und
man ihr Gehör verschaffen muss. Und gemeinsam klappt das auch. Unser Kampf für eine
bessere Gesellschaft hatte immer ein internationales Gesicht. Gerade durch die Arbeit über
nationale Grenzen hinweg lernten und lernen wir voneinander. Wir wissen, dass Kapitalismus
nicht nur in Deutschland existiert und erkennen internationale Zusammenhänge.
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Ideologien wie die „Standortdebatten“ verängstigen die Menschen. Wer Angst hat den
Arbeitsplatz zu verlieren, weil Unternehmen damit drohen, die Produktion in’s billigere Ausland
zu verlagern, wird Parolen nach Sicherung des Produktionsstandorts Deutschlands leichter
Gehör schenken. In die gleiche Kerbe schlagen aktuelle Bemühungen, „Deutschland am
Hindukusch verteidigen zu wollen“, die „Festung Europa“ abzuschotten oder auch Debatten
darum zu führen, es gäbe zu wenige deutsche Kinder.
Internationale Arbeit muss zum einen bedeuten, die internationalen Verflechtungen des
Kapitalismus aufzuzeigen und Argumentationen gegen Parolen zu entwickeln, die - getarnt als
„nationale“ Interessen - die Interessen des Kapitals schützen und zu vertreten versuchen. Zum
anderen soll sie durch das Erleben internationaler Begegnungen und Freundschaften das
Gefühl von internationaler Solidarität und daraus resultierender Handlungsfähigkeit stärken.
Wer hier über Armut in Deutschland spricht, über die bewusste Auslagerung von Arbeitsplätzen
in sogenannte Entwicklungsländer und deren Folgen, sollte auch sehen, dass weder den
Menschen hier noch dort damit geholfen ist. So räumen Staaten Unternehmen in sogenannten
Freihandelszonen die Möglichkeit ein, an einem Standort innerhalb ihrer Grenzen ihr
Unternehmen so zu führen, dass dort jegliche Rechte für ArbeitnehmerInnen ausgehebelt sind
und dem Kapital völlig freie Hand zur Ausbeutung der ArbeiterInnen gegeben wird.
Wohin wir wollen:
Die ungleiche Verteilung von Ressourcen hat zunehmend Auswirkungen auf die Arbeit des
Verbandes. Wir müssen uns bewusst machen, wie wichtig unsere Erziehungsgrundlagen und
unsere Bildungsarbeit sind, um allen Kindern und Jugendlichen im Verband zu ermöglichen, an
unseren Aktivitäten und Entscheidungen gleichberechtigt mitzuwirken. Unsere Erziehung zielt
aber auch auf gesellschaftliche Mitbestimmung ab: Wir helfen Kindern und Jugendlichen, sich
auch vor Ort und zu Hause einzumischen.
Gegen ungerechte Verteilung Stellung beziehen
Auch in der gesellschaftlichen Wirkung ist es wichtig, häufiger aus unseren Erfahrungen heraus
Stellung zur Ungleichheit und gegen Ausgrenzung zu nehmen. Wir lassen uns nicht einreden,
dass „Hartz IV“ und Sozialgeld Armut verhindern. Wir orientieren uns an der Armutsdefinition
der europäischen Gemeinschaft, die 1984 festhielt, dass Menschen als arm zu bezeichnen
sind, „die über so geringe (materielle, kulturelle und soziale) Mittel verfügen, dass sie von der
Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedsstaat, in dem sie leben, als Minimum
annehmbar ist“. Wer über weniger als 50 Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens
verfügt, liegt unter diesem Minimum. Zunehmende Erwerbslosigkeit, eine wachsende Zahl von
Mini-Jobs, die nicht existenzsichernd sind, und das jahrzehntelange Desinteresse der
Regierungen an einer Vereinbarkeit von Erziehungs- und Erwerbsarbeit, lassen Familien mit
ihren Kindern und besonders allein erziehende Mütter in Not geraten. Die Schere zwischen arm
und reich klafft immer weiter auseinander. Die Armen werden immer ärmer, während sich das
Vermögen der Reichen mehrt.
Von Armut betroffene Kinder verfügen über schlechtere Bildungschancen und weniger Freizeitund Konsummöglichkeiten. Bei vielen Kindern hat dies Folgen wie geringeres Selbstwertgefühl,
Depressivität, Einsamkeit, Misstrauen, Nervosität, Konzentrationsschwäche und Resignation in
Bezug auf ihre Zukunftschancen. Armut bedeutet häufig aber auch Aufwachsen in beengten
Wohnverhältnissen, unter schlechteren Umweltbedingungen und mit unzureichender
Ernährung. Kinder, die in Armut aufwachsen, werden häufiger krank.
Unsere Solidarität ist gefragt
Diese Gruppe verdient unsere besondere Aufmerksamkeit. In unserem Verband versuchen wir,
den Geldbeutel nicht zum Maßstab werden zu lassen und möglichst vielen Kindern die
Teilnahme an unseren Aktivitäten zu ermöglichen. Allerdings wird dies auf Grund der
Sparmaßnahmen, denen die Jugendverbandsarbeit zunehmend ausgesetzt wird, immer
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schwieriger. Dies gilt es nicht einfach hinzunehmen, sondern immer wieder lautstark und
gemeinsam mit anderen Verbänden zu kritisieren und zu verhindern.
Wir bieten einen verbandlichen Gegenentwurf an, Menschen nicht in ihrer Armut zu lassen. Wir
haben eine gesellschaftliche Utopie und Vorstellungen, wie Produktion und Verteilung gerecht
organisiert sein müssen, so dass es keine Armut mehr gibt. Diese Armut in unserer eigentlich
reichen Gesellschaft ist eine Folge kapitalistischer Verteilungs- und Produktionsprozesse.
Reichtum muss anders verteilt werden und Lebensrisiken, die zu Armut führen, müssen von der
gesamten Gesellschaft solidarisch abgesichert werden.
Die in Deutschland herrschende Ungleichheit und die Veränderungen im Sozialsystem werden
von PolitikerInnen und WirtschaftsvertreterInnen mit der verschärften Konkurrenzsituation in
einem globalisierten Wirtschaftssystem begründet und gerechtfertigt. Aber was steckt eigentlich
hinter den Argumenten, die da aufgebaut werden? Welche Auswirkungen hat dieses
Geschwätz? Gerade heute, wo wir täglich mit Phrasen konfrontiert werden wie „Lohnverzicht
erhält Arbeitsplätze“, „Überfremdung“ oder „Abwanderung von WissenschaftlerInnen“ u.ä., ist es
besonders wichtig, die internationale Arbeit zu fördern, um Argumente dagegen zu stärken.
Wir sehen die Situation nicht nur aus der nationalen Perspektive. In immer mehr Ländern
machen sich die Auswirkungen der Neoliberalisierung von Märkten auf brutale und
menschenverachtende Weise bemerkbar. Die Privatisierung der Trinkwasser-Versorgung führt
zu universalem Durst, Freihandelszonen untergraben die Einflussbereiche von Gewerkschaften.
Die bei uns zunehmende Armut und die unverfrorene Ausbeutung unterentwickelter Länder
werden uns mit Sachzwängen als notwendig eingeredet. Davon lassen wir uns nicht das Hirn
vernebeln, sondern müssen gerade in einer solchen Lage gemeinsam an der Idee anderen
Lebens, Lernens und Arbeitens festhalten und uns nicht durch nationales Konkurrenzdenken in
Standortdebatten auseinanderbringen lassen.
Wir müssen handeln
Bildung trägt einen entscheidenden Teil dazu bei, dass die gleichberechtigte Partizipation aller
nicht nur im Verband, sondern auch gesellschaftlich gefördert wird. Denn um Gesellschaft
mitgestalten zu können, muss man sie verstehen können. Gleiche Zugangschancen zu Bildung
sind daher eine, aber nicht die einzige Grundvoraussetzung für gleichberechtigte Teilhabe.
Partizipation in unserer Gesellschaft hat aber letztlich keinen Eigennutzen, sondern soll die
Abschaffung des Kapitalismus beschleunigen. Denn eine Gesellschaft mit gleichen Zugängen
und gleicher Verfügbarkeit über alle Ressourcen ist eine notwendige, wenn auch nicht
hinreichende Voraussetzung für die Entwicklung des Sozialismus. Und Menschen brauchen
mehr als Strukturen zur Partizipation, Mitbestimmung und Gestaltung ihrer eigenen
Gesellschaft. Wie Bildung aussehen soll, da haben wir allerdings eine von der üblichen
Auffassung abweichende Meinung. Wir wissen, dass ein Schulsystem, dass selektiert wie das
unsere, keine gleichberechtigten Bildungschancen für alle bieten kann. Und Bildung, deren
Hauptzweck in der Vorbereitung auf das spätere Berufsleben gesehen wird, fördert nicht die
Emanzipation der Menschen. Für uns bedeutet Bildung die freie Entfaltung des Menschen,
Erkennen gesellschaftlicher Prozesse und Strukturen als Grundlage für deren Veränderung
Gerade weil wir sehen, dass Ungleichheit durch Soziale Marktwirtschaft und durch den Aufbau
demokratischer Strukturen in westlichen Gesellschaften nicht wesentlich abgemildert werden
konnte, wollen wir einen anderen Entwurf dagegen stellen. Gerade auch in jüngster Zeit werden
immer mehr gesellschaftliche Errungenschaften wieder abgebaut, die etwa durch
Gewerkschaften erkämpft wurden, um dem Liberalismus nicht völlig freie Hand zu lassen. Die
grundsätzliche ungerechte Verteilung von Ressourcen ist aber Teil des Kapitalismus, innerhalb
des Kapitalismus wird es keine gerechte Verteilung geben können. Es darf deswegen nicht
(nur) um Umverteilung gehen, sondern es muss um Strukturveränderungen gehen.
Internationale Kontakte erweitern die Möglichkeiten der Bildungsarbeit, der Erfahrungen und
Freundschaften. Im Erfahrungsaustausch und in gemeinsamen Projekten können alle
voneinander lernen und über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Gerade
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Schwesterorganisationen, die sich in ihrer Arbeit auf arme und benachteiligte Kinder
konzentrieren, haben Methoden zur Beteiligung dieser Kinder und Jugendlichen entwickelt. Um
genau diese Öffnung von Perspektiven, um das gegenseitige Lernen und den
Erfahrungsaustausch zu unterstützen, wird der Bundesvorstand in Zusammenarbeit mit der
IFM-SEI und der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein eine internationale
HelferInnenfortbildung durchführen. Besonderer Schwerpunkt dieser Maßnahme ist die
internationale Arbeit im RoFa-Alter.
Solidarität leben
Auch innerhalb der SJD – Die Falken gibt es Modellprojekte zur Unterstützung besonders
benachteiligter Kinder, die Beispiele für andere sein können. Die Kommunikation innerhalb des
Verbandes muss noch stärker ausgebaut werden. Dabei werden wir auf die Erfahrungen
aufbauen, die wir in den vergangenen zwei Jahren gemacht haben.
Unsere Publikationen und Veranstaltungen waren stark auf die Darstellung und Vermittlung
dessen, was es alles im Verband gibt, ausgerichtet. Deswegen hat das Pfingstcamp so gut
geklappt, weil alle etwas dazu beigetragen haben.
Global Village 2006
Der Schwerpunkt der Arbeit des Bundes-Falken-Ringes wird in der Vorbereitung des Global
Village 2006 liegen, dem nächsten IFM-Camp in Großbritannien. Im Hinblick darauf bilden wir
mit interessierten Gliederungen eine Vorbereitungsgruppe, die dann auch gemeinsam das
Ringtreffen und die Organisation der Delegation regelt. Unser Schwerpunkt in der Beteiligung
am IFM-Camp sind die Themen Geschlechtergerechtigkeit und Armut. An beiden Themen
lassen sich gut Verknüpfungen von Problemfeldern und Lösungsansätzen in Deutschland und
bei der SJD – Die Falken mit der Situation weltweit aufzeigen und anschaulich machen.
Gemeinsam können wir eine Vorstellung entwickeln wie ein anderes und besseres Leben
aussehen kann. Gerade deshalb bietet die Behandlung der beiden Themen im internationalen
Kontext einen Ausgangspunkt, die Situation von Menschen in der ganzen Welt vor dem
Hintergrund europäischer Entwicklungen aufzuzeigen. Gerade die Idee, dass eine Veränderung
nicht nur im nationalen Kontext zu betrachten ist, wird ein wichtiges inhaltliches Handlungsfeld
werden. Auf diese Art kann die Vorstellung eines anderen Lebens, anderen Lernens und
anderer Arbeit entwickelt werden.
Publikationen
Unsere Publikationen werden wir weiter nutzen, die Kommunikation zwischen den
Gliederungen auszubauen. Der Bundesvorstand wird drei Ausgaben der „Freundschaft“ und
zwei Ausgaben der Reihe „24 Stunden sind kein Tag“ pro Jahr herausgeben. Besonders die
„Freundschaft“ wird zur bundesweiten Mobilisierung auf das Global Village genutzt.
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