Griffelbeinfrakturen

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Griffelbeinfrakturen
xxx
Patient:
xxx
4 jähriger Araberhengst
Vorbericht:
Griffelbeinfraktur MT IV dext. durch Tritt eines anderen Pferdes. Danach 2 Tage ggr.
Lahmheit.
Orthopädische Untersuchung:
Lahmheitsuntersuchung erfolgte auf Wunsch der Besitzerin nicht, lediglich ein „kurzer
Blick“, wobei aber durch das Hengstgehabe die Beurteilung nicht möglich war.
Es konnte keine Schwellung oder Schmerzhaftigkeit festgestellt werden. Die
Besitzerin wollte dennoch die Operation um eventuelle Reizung des M. interosseus
zu verhindern und zusätzlich sollte das Pferd kastriert werden.
Röntgenologische Untersuchung:
Die Fraktur befand sich im distalen Drittel. Das Bruchstück war ca. 8 cm lang und
nach latero-palmar verlagert.
Operation:
Zuerst erfolgte die Kastration, danach die Griffelbeinextraktion. Hierbei war
besonders auf die Hauptmittelfußarterie zu achten, welche an der Hinterextremität
zwischen MT III und MT IV verläuft.
Die Entfernung des Bruchstückes war problemlos und eine Abmeißelung des distalen
Knochenendes war auf Grund der geraden Bruchlinie nicht notwendig.
Allgemein:
Griffelbeinfrakturen befinden sich meist im distalen Drittel. Hierbei handelt es sich
meist um einfache Frakturen. Mittlere und proximale Frakturen sind oft offene
Trümmerfrakturen, welche durch Ostmyelitis und Sequesterbildung verkompliziert
werden können.
Frakturen durch inneres Trauma:
Betroffen sind meist Pferde ab 5-7 Jahren. Bei jüngeren Pferden treten eher
Schäden am Mittelfußknochenzwischenband auf, welche zu Überbeinen führen
können.
Bie Rennpferden besteht ein Zusammenhang zwischen der Lokalisation der Fraktur
und der Laufrichtung. Diese erfolgt gegen den Uhrzeigersinn, daher resultieren an
den Vordergliedmaßen Frakturen li-lat und re-med, an den Hintergliedmaßen li-med
und re-lat.
Griffelbeinfrakturen sind oft kombiniert mit Tendinitiden des M. interosseus,
Gleichbeinlahmheit, sowie Arthrosen des Fesselgelenkes. Hierbei wird vermutet,
dass der geschädigte M. interosseus die Primärerkrankung darstellt.
Ätiologie:
1. Äußeres Trauma: Schlag, Streichen
2. Inneres Trauma:
-
verstärkte axiale Kompressions- und Zugkräfte
Druck durch den M. interosseus
Verstärkter Zug der Faszie
Symptome:
Bei distalen Frakturen findet sich meist keine Umfangsvermehrung. Bei proximalen
Frakturen ist die Umfangsvermehrung meist deutlich. Je nach weiteren Erkrankungen
sind Verdickungen des M. interosseus und des Fesselgelenkes möglich.
Vorhandensein einer Lahmheit ist abhängig von der Lokalisation der Fraktur. Diese
kann bei erhöhter Geschwindigkeit und Arbeit auf dem Zirkel provoziert werden.
-
Wärme
Schwellung
Schmerzhaftigkeit
Lahmheit
Diagnose:
Röntgenaufnahmen: AP, seitlich, schräg
DD: distale Epiphysenfuge
Bei Vorhandensein einer Lahmheit kann man die Frakturstelle anästhesieren, um
festzustellen, ob sie die Ursache der Lahmheit ist.
Therapie:
1. Bei einer distalen Fraktur ist eine Spontanheilung möglich. Die Entfernung des
Bruchstückes ist nur notwendig, wenn
- eine Lahmheit vorhanden ist
- das Bruchstück stark verlagert ist
- keine oder überschießende Kallusbildung erfolgt
2. Bei einer proximalen Fraktur ist auf alle Fälle eine Operation indiziert.
Prognose:
Die Prognose ist abhängig vom Zustand des M. interosseus.
- ohne Beteiligung des MI 75%
- mit Beteiligung des MI inkl. Sehnensplitting (veraltet?) 50%
- mit Beteiligung des MI ohne Sehnensplitting 25%
Die Rolle des M. interosseus bei der Entstehung einer Griffelbeinfraktur
Hohe Belastung des M. interosseus erfolgt durch:
-
hohe Geschwindigkeit
schwere Zugtätigkeit
Springen
Wendungen
Steile Hufe
Rückbiegigkeit
Ad) Steile Hufe – Rückbiegigkeit
Durch steile Hufe (> 45°; verursacht durch Fehlerhafte Hufkorrektur,
Hufrollenentzündung...) kommt es zu einer geringeren Streckung des Krongelenkes,
durch welche der M. interosseus mehr angespannt wird – ist an den Dorsalästen
sichtbar. Diese Fehlbelastung kann auf Dauer zu einer Rückständigkeit und in
weiterer Folge zur Rückbiegigkeit führen, welche die Belastung des M. interosseus,
sowie den Zug der Faszien an den Griffelbeinen erhöht.
Es gibt Beobachtungen, dass eine Verlagerung des Bruchstückes durch das Kürzen
der Trachten verringert und somit eine chirurgische Entfernung verhindert werden
kann.
Ad) Rückbiegigkeit beim Auffußen
Durch das Auffußen mit gebeugten Karpal-gelenk, wie es z.B. bei schwerer Zugarbeit
möglich ist, kommt es zu einer Überbelastung durch die Faszien.
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