Der kleine Prinz

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1
Kapitel II
(Pilot)
Prinz »Bitte ... zeichne mir ein Schaf!«
Pilot
»Was?«
Prinz »Zeichne mir ein Schaf...«
Pilot
»Wo ... kommst du denn her?«
Prinz »Bitte ... zeichne mir ein Schaf...«
Pilot
„Ich kann nicht zeichnen.“
Prinz »Macht nichts. Zeichne mir ein Schaf. «
der Pilot macht eine Zeichnung „Hut“
»Nein! Nein! Ich will keinen Elefanten in einer Boa. Eine Boa ist sehr gefährlich, und
ein Elefant nimmt zu viel Platz weg. Bei mir zu Hause ist es ganz klein. Ich brauche
ein Schaf. Zeichne mir ein Schaf. «
der Pilot macht eine Zeichnung „krankes Schaf“
»Nein! Das da ist schon sehr krank. Mach ein anderes. «
der Pilot macht eine Zeichnung „Widder“
»Siehst du nicht ... das ist kein Schaf, das ist ein Widder. Er hat Hörner. ..«
der Pilot macht eine Zeichnung „altes Schaf“
»Das da ist zu alt. Ich will ein Schaf, das lange lebt. «
der Pilot macht eine Zeichnung „Kiste“
Pilot
»Das hier ist die Kiste. Das Schaf, das du haben willst, ist da drin. «
Prinz »Genau so wollte ich es haben! Glaubst du, dieses Schaf braucht viel Gras? «
Pilot
»Warum?«
Prinz »Weil es bei mir zu Hause ganz klein ist. ..«
Pilot
»Es reicht bestimmt. Ich habe dir ein ganz kleines Schaf gegeben. «
Prinz »So klein auch wieder nicht... Schau! Es ist eingeschlafen. ..«
2
Kapitel III
(Pilot)
Prinz »Was ist das da eigentlich für ein Ding?«
Pilot
»Das ist kein Ding. Es fliegt. Das ist ein Flugzeug. Das ist mein Flugzeug. «
Prinz »Ach so! Du bist vom Himmel gefallen! «
Pilot
»Ja«
Prinz »Ganz schön komisch! ...« Lachanfall »Dann kommst du auch vom Himmel! Von
welchem Planeten bist du? «
Pilot
»Du kommst also von einem anderen Planeten?«
Prinz »Stimmt schon, damit kannst du nicht von allzu weit herkommen...«
grübelt, betrachtet lange das Schaf
Pilot
»Wo kommst du her, mein kleiner Kerl? Wo ist >bei dir zu Hause<? Wohin willst du
mein Schaf mitnehmen? «
Prinz »Die Kiste, die du mir gegeben hast, ist gut, sie kann ihm nachts als Unterschlupf
dienen. «
Pilot
»Natürlich. Und wenn du nett bist, gebe ich dir auch einen Strick, damit
du es tagsüber anbinden kannst. Und einen Pflock.«
Prinz »Anbinden? Komische Idee!«
Pilot
»Wenn du es nicht anbindest, wird es irgendwohin laufen und sich verirren. «
Prinz Lachanfall »Aber wo soll es denn hinlaufen?«
Pilot
»Irgendwohin. Immer der Nase nach ...«
Prinz »Das macht nichts, bei mir zu Hause ist es so klein! « - »Immer der Nase nach kommt
man nicht weit... «
3
Kapitel V
(Pilot)
Prinz »Stimmt es wirklich, dass Schafe Sträucher fressen? «
Pilot
»Ja. Das stimmt. «
Prinz »Da bin ich aber froh!« »Also fressen sie auch Affenbrotbäume? «
Pilot
„Affenbrotbäume sind keine Sträucher, sondern Bäume, so groß wie Kirchen, und
selbst wenn man eine komplette Elefantenherde mitnähme, würde die nicht mal einen
einzigen Affenbrotbaum schaffen.“
Prinz »Man müsste sie übereinander stapeln...«
Pilot
»Richtig! Aber warum sollen deine Schafe kleine Affenbrotbäume fressen? «
Prinz »Na, warum wohl!«
Pilot
Natürlich, es gab auf dem Planeten des kleinen Prinzen, wie auf allen Planeten,
Kräuter und Unkräuter. Und folglich gute Samenkörner von Kräutern und schlechte
Samenkörner von Unkräutern. Aber Samenkörner sind unsichtbar. Sie schlummern
im Schutz der Erde, bis es einem von ihnen in den Sinn kommt aufzuwachen. Dann
räkelt es sich und treibt zunächst ganz schüchtern einen hinreißenden, harmlosen
kleinen Spross in Richtung Sonne. Wenn es sich um einen Radieschen- oder
Rosenspross handelt, kann man ihn wachsen lassen, wie er will. Doch wenn es sich
um eine schlechte Pflanze handelt, muss man die Pflanze schleunigst ausreißen,
sobald man sie erkannt hat. Nun gab es aber auf dem Planeten des kleinen Prinzen
furchtbare Samenkörner... nämlich die Samenkörner der Affenbrotbäume. Der Boden
des Planeten war damit verseucht. Und wenn man sich um einen Affenbrotbaum zu
spät kümmert, wird man ihn nie wieder los. Er überwuchert den ganzen Planeten. Er
durchbohrt ihn mit seinen Wurzeln. Und wenn der Planet zu klein ist und es zu viele
Affenbrotbäume gibt, sprengen sie ihn.
Prinz »Es ist eine Frage der Disziplin. Wenn man mit seiner Morgentoilette fertig ist, muss
man sich an eine gründliche Toilette des Planeten machen. Man muss sich
regelmäßig zwingen, die Affenbrotbäume auszureißen, sobald man sie von den
Rosen unterscheiden kann, denen sie als junge Sprösslinge ungeheuer ähnlich
sehen. Diese Arbeit ist ziemlich öde, aber ziemlich leicht.
Streng dich an und mach eine schöne Zeichnung, damit die Kinder bei dir zu Hause
das auch wirklich kapieren.
Wenn sie eines Tages verreisen, kann es ihnen von Nutzen sein. Manchmal ist es
nicht schlimm, seine Arbeit auf später zu verschieben. Aber wenn es um
Affenbrotbäume geht, ist das immer eine Katastrophe. Ich habe einen Planeten
gekannt, auf dem ein Faulpelz wohnte. Er hatte sich um drei Sträucher nicht
gekümmert. ..«
Pilot
» Vorsicht bei Affenbrotbäumen!«
4
Kapitel VI
(Pilot)
Prinz »Ich mag Sonnenuntergänge sehr. Komm, lass uns einen Sonnenuntergang
beobachten...«
Pilot
»Da müssen wir noch warten ...«
Prinz »Worauf warten? «
Pilot
»Warten, dass die Sonne untergeht.«
Prinz »Ich glaube immer, ich sei bei mir zu Hause!«
Pilot
Ja, sicher. Wenn in den Vereinigten Staaten Mittag ist, geht die Sonne, wie jeder
weiß, in Frankreich unter. Man müsste es nur innerhalb einer Minute nach Frankreich
schaffen, um den Sonnenuntergang zu erleben. Leider ist Frankreich viel zu weit
entfernt. Auf deinem so kleinen Planeten jedoch musstest du bloß deinen Stuhl ein
paar Schritte verrücken. Und du konntest die Abenddämmerung bewundern, sooft du
wolltest...
Prinz »Einmal habe ich vierundvierzig Sonnenuntergänge hintereinander gesehen!«
Prinz »Weißt du ... wenn man sehr traurig ist, liebt man Sonnenuntergänge ...«
Pilot
.
»An dem Tag mit den vierundvierzig Sonnenuntergängen warst du also sehr traurig?«
5
Kapitel VII
(Pilot)
Prinz »Wenn ein Schaf Sträucher frisst, frisst es dann auch Blumen? «
Pilot
»Ein Schaf frisst alles, was es findet.«
Prinz »Auch Blumen, die Dornen haben?«
Pilot
»Ja. Auch Blumen, die Dornen haben. «
Prinz »Wozu sind Dornen dann gut?«
Pilot
»Dornen sind zu nichts gut, die Blumen haben sie aus reiner Bosheit!«
Prinz »Oh!« - »Ich glaube dir nicht! Blumen sind schwach. Sie sind naiv. Sie machen
sich Mut, so gut sie können. Sie halten sich für furchterregend mit ihren Dornen ...«
Pilot
Wenn diese Schraube nicht nachgibt, schlage ich mit dem Hammer drauf.
Prinz »Und du glaubst also, dass Blumen...«
Pilot
»Nein! Nein! Ich glaube gar nichts! Ich habe irgendwas gesagt. Weißt du,
ich kümmere mich um ernste Dinge! «
Prinz »Um ernste Dinge! Du redest wie die Erwachsenen! Du verwechselst alles... du wirfst
alles durcheinander! Ich kenne einen Planeten mit einem knallroten Herrn. Nie hat er
an einer Blume gerochen. Nie hat er einen Stern betrachtet. Nie hat er irgendwen
geliebt. Nie hat er etwas anderes gemacht als Additionen. Und den ganzen Tag
wiederholt er wie du: Ich bin ein ernster Mensch! Ich bin ein ernster Mensch!’, und
dabei bläht er sich auf vor Stolz. Aber das ist kein Mensch, das ist ein Fliegenpilz! «
Pilot
»Ein was?«
Prinz »Ein Fliegenpilz!«
Prinz »Seit Millionen von Jahren bringen die Blumen Dornen hervor. Seit Millionen von
Jahren fressen die Schafe dennoch Blumen. Und es soll keine ernste Angelegenheit
sein, wenn man zu verstehen sucht, warum sie sich so viel Mühe geben, Dornen
hervorzubringen, die zu nichts gut sind? Und der Krieg zwischen Schafen und
Blumen ist nicht wichtig? Nicht ernster und wichtiger als die Additionen eines dicken,
roten Herrn? Und wenn ich eine Blume kenne, die einzigartig ist auf der Welt, die es
nirgendwo sonst gibt, nur auf meinem Planeten, und die ein kleines Schaf mit einem
Biss ausrotten kann, einfach so, eines Morgens, ohne zu begreifen, was es tut, das
soll nicht wichtig sein! «
»Wenn jemand eine Blume liebt, die es auf den Millionen und Abermillionen von
Sternen nur einmal gibt, so genügt das, um ihn glücklich zu machen, sobald er zu
ihnen hinaufschaut. zu sich Meine Blume ist irgendwo da oben ... Aber wenn das
Schaf die Blume frisst, dann ist das so, als ob plötzlich alle Sterne erlöschen! Und das
soll nicht wichtig sein!«
Pilot
»Die Blume, die du liebst, ist nicht in Gefahr... Ich zeichne einen Maulkorb für
dein Schaf... Ich zeichne dir einen Zaun für die Blume... Ich ... «
6
Kapitel VIII (Blume)
Blume
»Ah! ich bin gerade erst aufgewacht... Ich bitte um Verzeihung. .. Ich bin noch
ganz zerzaust...«
Prinz
»Sind Sie aber schön! «
Blume
»Nicht wahr. Und ich bin im gleichen Augenblick geboren wie die Sonne. ..«
Blume
»Ich glaube, es ist Zeit für das Frühstück, wären Sie so freundlich, an mich zu
denken. ..«
Prinz
»Auf meinem Planeten gibt es keine Tiger, und außerdem fressen Tiger kein
Grünzeug.«
Blume
»Sie sollen nur kommen, die Tiger mit ihren Krallen!«
Prinz
»Verzeihen Sie...«
Blume
»Tiger fürchte ich nicht, aber mir graut vor Zugluft. Hätten Sie vielleicht einen
Wandschirm? «
Prinz
»Ihr graut vor Zugluft... das ist Pech für eine Pflanze. Diese Blume ist ziemlich
kompliziert. .«
Blume
»Am Abend stülpen Sie eine Glasglocke über mich. Bei Ihnen ist es sehr kalt.
Sie wohnen ungemütlich. Da, wo ich herkomme... «
Blume
»Und der Wandschirm? ...«
Prinz
»Gerade wollte ich ihn holen, aber Sie sprachen mit mir! «
»Ich hätte nicht auf sie hören dürfen, man darf niemals auf Blumen hören.
Man muss sie anschauen und an ihnen riechen. Meine Blume hüllte den
Planeten in süßen Duft, aber ich konnte mich darüber nicht freuen. Diese
Geschichte mit den Krallen, die mich so ärgerte, hätte .. . eigentlich mein
Mitleid wecken sollen ...«
»Ich habe damals nichts begriffen! Nach ihrem Tun hätte ich sie beurteilen
müssen, nicht nach ihren Worten. Sie verströmte süßen Duft und Licht. Ich
hätte niemals fliehen dürfen! Hinter ihren armseligen Tricks hätte ich die
Zärtlichkeit erraten müssen. Blumen sind voller Widersprüche! Aber ich war zu
jung, ich verstand es nicht, sie zu lieben. «
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Kapitel IX
(Pilot)
Prinz
»Man kann nie wissen!«
Prinz
»Leb wohl«
Prinz
»Leb wohl«
Blume
»Ich bin dumm gewesen. Ich bitte dich um Verzeihung. Sieh zu, dass du
glücklich wirst. «
Blume
»Ja, ich liebe dich. - Das hast du nicht gewusst, und ich bin selber schuld.
Macht nichts. Aber du warst genauso dumm wie ich. Sieh zu, dass du
glücklich wirst... Lass diese Glasglocke. Ich will sie nicht mehr. «
Prinz
»Aber der Wind...«
Blume
»Ich bin gar nicht so erkältet... Die frische Nachtluft wird mir gut tun. Ich bin
eine Blume. «
Prinz
»Aber die Tiere.. .«
Blume
»Zwei oder drei Raupen werde ich schon aushalten müssen, wenn ich
Schmetterlinge sehen will. Sie sollen ja so schön sein. Wer sonst wird mich
besuchen? Du bist weit weg. Und was die großen Tiere angeht, ich fürchte
nichts. Ich habe meine Krallen. « zeigt ihre vier Dornen
Blume
»Steh nicht so herum, das macht mich nervös. Du hast beschlossen zu
gehen. Also geh.« sie weint
8
Kapitel X
(König)
König
»Ah! Da kommt ein Untertan! «,
Prinz
»Woher kennt der mich, er hat mich nie im Leben gesehen! «
König
»Tritt näher, damit ich dich besser sehen kann. Es verletzt die Etikette, in
Gegenwart eines Königs zu gähnen. Ich verbiete es dir. «
Prinz
»Ich kann nicht anders, ich habe eine lange Reise hinter mir und nicht
geschlafen. .«
König
»Gut, ich befehle dir zu gähnen. Seit Jahren habe ich nicht gesehen, wie
jemand gähnt. Gähnen ist für mich eine Rarität. Los! Gähn noch einmal. Das
ist ein Befehl. «
Prinz
»Das schüchtert mich ein ... es geht nicht mehr... «
König
»Hm! Hm! Dann... also dann befehle ich dir, mal zu gähnen und mal. ..«
»Wenn ich befehlen würde, wenn ich einem General befehlen würde, er soll
sich in einen Seevogel verwandeln, und der General würde nicht gehorchen,
dann könnte ich die Schuld nicht dem General zuschreiben. Ich müsste sie mir
selbst zuschreiben. «
Prinz
»Darf ich mich setzen? «,
König
»Ich befehle dir, dich zu setzen« raffte würdevoll einen Zipfel seines Mantels.
Prinz
»Majestät, bitte verzeihen Sie mir die Frage ...«
König
»Ich befehle dir, mich zu fragen!«
Prinz
»Majestät... worüber herrschen Sie?«
König
»Über alles.«.
Prinz
»Über alles? « vornehme Geste auf seinen Planeten, auf die anderen
Planeten und auf die Sterne.
Prinz
»Über das alles?«
König
»Über das alles.. .«
Prinz
»Und die Sterne gehorchen Ihnen?«
König
»Natürlich, sie gehorchen auf der Stelle. Ich dulde keinen Ungehorsam. «
Prinz
»Ich möchte einen Sonnenuntergang sehen... Tun Sie mir den Gefallen
. .. Befehlen Sie der Sonne unterzugehen . . . «
König
»Wenn ich einem General befehlen würde, er soll wie ein Schmetterling
von einer Blume zur anderen fliegen oder eine Tragödie schreiben oder
sich in einen Seevogel verwandeln, und der General würde den erhaltenen
Befehl nicht ausführen, wer hätte Unrecht, er oder ich? «
9
Prinz
»Sie.«
König
»Richtig. Man muss von einem jeden verlangen, was ein jeder leisten
kann. Autorität fußt zuallererst auf Vernunft. Wenn du deinem Volk befiehlst,
sich ins Meer zu stürzen, wird es eine Revolution vom Zaun brechen. Ich habe
das Recht, Gehorsam zu verlangen, weil
meine Befehle vernünftig sind. «
Prinz
»Und mein Sonnenuntergang?«
König
»Deinen Sonnenuntergang bekommst du. Ich werde ihn verlangen. In
meinem weisen Regieren will ich jedoch warten, bis die Bedingungen
günstig sind. «
Prinz
»Wann wird das sein?«
König
»Hm! hm! «, antwortete der König und blickte zunächst in einen großen
Kalender, »hm! hm! das wird so gegen ... so gegen ... das wird heute
Abend so gegen sieben Uhr vierzig sein! Und du wirst sehen, wie alles mir
gehorcht. «
Prinz
.
gähnt »Ich habe hier nichts mehr zu tun. Ich muss wieder los! «
König
»Geh nicht fort. Geh nicht fort, ich mache dich zum Minister! «
Prinz
»Zu was für einem Minister?«
König
»Zum... zum Justizminister!«
Prinz
»Aber es ist niemand da, über den man richten kann!«
König
»Wer weiß«, sagte der König. »Ich habe mein Königreich noch nicht inspiziert.
Ich bin sehr alt, ich habe keinen Platz für eine Karosse, und Gehen ermüdet
mich. «
Prinz
»Oh! Ich habe schon alles gesehen. Da unten ist auch niemand ...«
König
»Du wirst also über dich selbst richten«, entgegnete der König. »Das ist am
schwierigsten. Es ist viel schwieriger, über sich selbst zu richten als über
einen anderen. Wenn es dir gelingt, ehrlich über dich selbst zu richten, bist
du wahrhaftig ein Weiser. «
Prinz
»Ich, ich kann, ganz gleich wo, über mich selbst richten. Ich muss nicht hier
wohnen. «
König
»Hm! hm! Ich glaube, auf meinem Planeten gibt es irgendwo eine alte Ratte.
Ich höre sie nachts. Über diese alte Ratte könntest du richten. Von Zeit zu Zeit
verurteilst du sie zum Tode. So wird ihr Leben von deiner Rechtsprechung
abhängen. Aber dann begnadigst du sie jedes Mal, um sie aufzusparen. Es
gibt ja nur die eine. «
Prinz
»Ich verurteile nicht gern zum Tode und ich glaube, ich gehe jetzt.«
König
»Nein.«
10
Prinz
Prinz
»Wenn Eure Majestät wünschen, dass man Ihnen aufs Wort gehorcht,
könnten Sie mir einen vernünftigen Befehl geben. Zum Beispiel könnten
Sie mir befehlen, innerhalb einer Minute aufzubrechen. Mir scheint, die
Bedingungen sind günstig. .«
König
»Ich ernenne dich zu meinem Gesandten.«
Prinz
zu sich »Die Erwachsenen sind sehr merkwürdig. «
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Kapitel XI
(Eitler)
Eitler
»Ah! Ah! Da kommt ein Verehrer zu Besuch! «
Prinz
»Guten Tag. Sie haben aber einen komischen Hut. «
Eitler
»Damit ich grüßen kann. Damit ich grüßen kann, wenn man mir zujubelt.
Leider kommt hier nie irgendeiner vorbei. «
Prinz
»Ach so?«
Eitler
»Klatsch in die Hände. « grüßt bescheiden, indem er seinen Hut lüpfte
Prinz
»Das ist lustiger als der Besuch beim König klatscht in die Hände
der Eitle grüßt, indem er seinen Hut lüpft
Prinz
»Und was muss ich tun, damit der Hut runterfällt?«
Eitler
»Verehrst du mich eigentlich sehr? «
Prinz
»Was bedeutet >verehren<? «
Eitler
»>Verehren< bedeutet anerkennen, dass ich der schönste, der
bestgekleidete, der reichste und der intelligenteste Mann auf diesem Planeten
bin. «
Prinz
»Aber du bist allein auf deinem Planeten!«
Eitler
»Tu mir den Gefallen. Verehre mich trotzdem! «
Prinz
»Ich verehre dich.« zuckt die Schultern »Aber wozu soll das taugen?«
macht sich davon, zu sich »Die Erwachsenen sind wirklich sehr seltsam. «
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Kapitel XII
(Trinker)
Prinz
»Was machst du da?«,
Trinker
»Ich trinke«,
Prinz
»Warum trinkst du?«
Trinker
»Um zu vergessen.«
Prinz
»Um was zu vergessen?«
Trinker
»Um zu vergessen, dass ich mich schäme.«
Prinz
»Wofür schämst du dich?«
Trinker
»Fürs Trinken!«
Prinz
zu sich »Die Menschen sind wirklich sehr, sehr seltsam. «
13
Kapitel XIII (Geschäftsmann)
Prinz
»Guten Tag. Ihre Zigarette ist ausgegangen. «
Geschäftsmann
»Drei und zwei macht fünf. Fünf und sieben zwölf. Zwölf und drei ist
fünfzehn. Guten Tag. Fünfzehn und sieben zweiundzwanzig,
zweiundzwanzig und sechs achtundzwanzig. Keine Zeit zum
Anzünden. Sechsundzwanzig und fünf einunddreißig. Das macht also
fünfhundert und eine Millionsechshundertzweiundzwanzigtausendsiebenhunderteinunddreißig.«
Prinz
»Fünfhundert Millionen was?«
Geschäftsmann
»Hm? Bist du immer noch da? Fünfhundert und eine Million ... ich weiß
nicht mehr ... ich habe so viel Arbeit! Ich bin ernst, ich vertrödle meine
Zeit nicht mit Geschwätz! Zwei und fünf sieben. ..«
Prinz
»Fünfhundert und eine Million was?«,
Geschäftsmann.
»Ich wohne seit vierundfünfzig Jahren auf diesem Planeten und bin nur
dreimal gestört worden. Das erste Mal vor zweiundzwanzig Jahren
durch einen Maikäfer, der von weiß Gott wo heruntergefallen ist. Er
machte einen entsetzlichen Lärm, und ich habe mich in einer Addition
viermal verrechnet. Das zweite Mal vor elf Jahren durch einen
rheumatischen Anfall. Mir fehlt es an Bewegung. Zum Herumspazieren
habe ich keine Zeit. Ich bin ernst. Und jetzt... das dritte Mal! Ich sagte
also fünfhundert und eine Million. ..«
Prinz
»Millionen was?«
Geschäftsmann
»Millionen von diesen kleinen Dingern, die man zuweilen am Himmel
sieht. «
Prinz
»Fliegen?«
Geschäftsmann
»Nein, nein, funkelnde kleine Dinger.«
Prinz
»Bienen?«
Geschäftsmann
»Nein, nein. Kleine Golddinger, bei denen Faulenzer ins Träumen
verfallen. Aber ich bin ernst! Fürs Träumen habe ich keine Zeit. «
Prinz
»Ach! Sterne?«
Geschäftsmann
»Ja, richtig. Sterne.«
Prinz
»Und was machst du mit fünfhundert Millionen Sternen?«
Geschäftsmann
»Fünfhundert und eine Million sechshundertzweiundzwanzigtausendsiebenhunderteinunddreißig. Ich bin ernst, ich bin genau. «
Prinz
»Und was machst du mit diesen Sternen?«
Geschäftsmann
»Was ich damit mache? «
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Prinz
»Ja.«
Geschäftsmann
»Nichts. Besitzen. «
Prinz
»Du besitzt die Sterne?«
Geschäftsmann
»Ja.«
Prinz
»Ich habe aber schon einen König getroffen, der. .«
Geschäftsmann
»Könige besitzen nicht. Sie >herrschen< über. Das ist etwas ganz
anderes. «
Prinz
»Und was nützt es dir, die Sterne zu besitzen?«
Geschäftsmann
»Ich bin reich. «
Prinz
»Und was nützt es dir, reich zu sein?«
Geschäftsmann
»Ich kann andere Sterne kaufen, wenn jemand welche findet. «
Prinz
»Der da, der argumentiert ein bisschen wie mein Säufer.«
Prinz
»Wie kann man die Sterne besitzen?«
Geschäftsmann
griesgrämig »Wem gehören sie? «
Prinz
»Ich weiß nicht. Niemandem.«
Geschäftsmann
»Dann gehören sie mir, ich bin nämlich als Erster darauf gekommen. «
Prinz
»Reicht das? «
Geschäftsmann
»Natürlich. Wenn du einen Diamanten findest, der niemandem gehört,
dann gehört er dir. Wenn du eine Insel findest, die niemandem gehört,
dann gehört sie dir. Wenn du als Erster eine Idee hast, lässt du sie
patentieren: sie gehört dir. Und ich, ich besitze die Sterne, weil vor mir
niemals irgendwer dran gedacht hat, sie zu besitzen. «
Prinz
»Stimmt schon, und was machst du mit ihnen?«
Geschäftsmann
»Ich verwalte sie. Ich zähle sie, und ich zähle sie immer wieder. Das ist
schwierig. Aber ich bin ein ernster Mensch! «
Prinz
»Wenn ich einen Schal besitze, kann ich ihn mir um den Hals wickeln
und mitnehmen. Wenn ich eine Blume besitze, kann ich meine Blume
pflücken und mitnehmen. Aber du kannst die Sterne nicht pflücken! «
Geschäftsmann
»Nein, aber ich kann sie auf die Bank legen. «
Prinz
»Was heißt das?«
Geschäftsmann
»Das heißt, ich schreibe die Zahl meiner Sterne auf ein Stück Papier.
Und dann verschließe ich dieses Papier in einer Schublade. «
Prinz
»Und das ist alles?«
15
Geschäftsmann
»Das reicht! «
Prinz
»Das ist lustig. Das ist sehr poetisch. Aber nicht ganz ernst zu nehmen.
Ich besitze eine Blume, die ich jeden Tag gieße. Ich besitze drei
Vulkane, die ich jede Woche kehre. Denn ich kehre auch den
erloschenen. Man kann nie wissen. Es nützt meinen Vulkanen, und es
nützt meiner Blume, dass ich sie besitze. Du nützt den Sternen aber
nicht. .«
Geschäftsmann öffnete den Mund
Prinz
macht sich davon »Die Menschen sind wirklich äußerst sonderbar. « zu sich
16
Kapitel XIV (Laternenanzünder)
Prinz
zu sich »Vielleicht ist dieser Mann ja albern. Er ist jedoch weniger
albern als der König, als der Eitle, als der Geschäftsmann und als der
Trinker. Seine Arbeit hat zumindest einen Sinn. Wenn er seine Laterne
anzündet, ist das so, als würde er einen neuen Stern erschaffen oder
eine Blume. Wenn er seine Laterne löscht, fallen Stern oder Blume in
den Schlaf. Das ist eine sehr hübsche Beschäftigung. Sie ist wahrhaft
nützlich, denn sie ist hübsch.«
»Guten Tag. Warum hast du eben deine Laterne gelöscht? «
Laternenanzünder
»Das ist Vorschrift. Guten Tag.«
Prinz
»Was ist Vorschrift?«
Laternenanzünder.
»Meine Laterne zu löschen. Guten Abend.« er zündete sie wieder an
Prinz
»Aber warum zündest du sie jetzt wieder an?«
Laternenanzünder
»Das ist Vorschrift. «
Prinz
»Ich verstehe nicht.«
Laternenanzünder
»Da ist nichts zu verstehen. Vorschrift ist Vorschrift. Guten Tag. « er
löscht seine Laterne und wischt sich mit einem rotkarierten
Taschentuch die Stirn
»Ich verrichte da eine furchtbare Arbeit. Früher einmal war sie
vernünftig. Morgens löschte ich, und abends zündete ich an. Den
restlichen Tag hatte ich zum Ausruhen und die restliche Nacht zum
Schlafen...«
Prinz
»Und seit damals hat sich die Vorschrift geändert?«
Laternenanzünder
»Die Vorschrift hat sich nicht geändert. « »Das ist ja gerade das
Drama! Der Planet dreht sich von Jahr zu Jahr schneller, und die
Vorschrift hat sich nicht geändert! «
Prinz
»Und?«
Laternenanzünder
»Und jetzt, da er pro Minute eine Umdrehung macht, habe ich keine
Sekunde mehr Ruhe. Jede Minute muss ich einmal anzünden und
einmal löschen! «
Prinz
»Das ist aber komisch! Bei dir dauern die Tage eine Minute! «
Laternenanzünder
»Das ist überhaupt nicht komisch! Jetzt reden wir schon einen Monat
miteinander. «
Prinz
»Einen Monat?«
Laternenanzünder
»Ja. Dreißig Minuten. Dreißig Tage! Guten Abend. « zündet seine
Laterne wieder an
17
Prinz
»Weißt du ... es gibt ein Mittel, dich auszuruhen, wann du willst...«
Laternenanzünder
»Ich will immer. Man kann nämlich getreu und faul zugleich sein. «
Prinz
»Dein Planet ist so klein, mit drei Schritten bist du rundherum. Du
musst einfach nur so langsam gehen, dass du immer in der Sonne
bleibst. Wenn du dich ausruhen willst, gehst du ... und der Tag dauert
dann so lange, wie du willst. «
Laternenanzünder
»Das bringt mich auch nicht viel weiter. Das Liebste im Leben ist mir
das Schlafen. «
Prinz
»Da hast du Pech.«
Laternenanzünder
»Da hab ich Pech. Guten Tag. « er löscht seine Laterne
Prinz
setzt seine Reise fort »Der da würde von allen anderen verachtet
werden, vom König, vom Eitlen, vom Trinker, vom Geschäftsmann.
Und dennoch ist er der Einzige, der mir nicht lächerlich erscheint.
Vielleicht, weil er sich um etwas anderes kümmert als um sich selbst.«
seufzt »Der da ist der Einzige, der mein Freund hätte werden können.
Aber sein Planet ist wirklich zu klein. Für zwei ist kein Platz...«
18
Kapitel XV (Geograph)
Geograph
»Na, so was! Da kommt ein Forscher! «
Der kleine Prinz setzt sich auf den Tisch
Geograph
»Wo kommst du her?«
Prinz
»Was ist das für ein dickes Buch? Was machen Sie da? «
Geograph
»Ich bin Geograph.«
Prinz
»Was ist ein Geograph?«
Geograph
»Das ist ein Gelehrter, der weiß, wo Meere, Flüsse, Städte, Berge und
Wüsten sind. «
Prinz
»Das ist aber interessant. Endlich ein richtiger Beruf!« er schaut sich um
Prinz
»Ihr Planet ist sehr schön. Gibt es Ozeane? «
Geograph
»Das kann ich nicht wissen.«
Prinz
»Ach so!« enttäuscht »Und Berge? «
Geograph
»Das kann ich nicht wissen«, sagte der Geograph.
Prinz
»Und Städte und Flüsse und Wüsten?«
Geograph
»Das kann ich auch nicht wissen.«
Prinz
»Aber Sie sind doch Geograph!«
Geograph
»Das ist richtig. Aber ich bin kein Forscher. Mir fehlt es schlechtweg an
Forschern. Nicht der Geograph geht los und zählt Städte, Flüsse, Berge,
Meere, Ozeane und Wüsten. Der Geograph ist zu wichtig, als dass er
herumspazieren könnte. Er bleibt an seinem Schreibtisch. Doch er empfängt
die Forscher. Er befragt sie, und er schreibt ihre Erinnerungen auf. Und wenn
dem Geographen die Erinnerungen eines Forschers interessant erscheinen,
lässt er Erkundigungen über dessen Lebenswandel einholen. «
Prinz
»Warum?«
Geograph
»Weil ein Forscher, der lügt, in Geographiebüchern Katastrophen zur Folge
haben würde. Genau wie ein Forscher, der zu viel trinkt.«
Prinz
»Warum?«
Geograph
»Weil Säufer doppelt sehen. Der Geograph würde dann zwei Berge
einzeichnen, wo nur einer ist. «
Prinz
»Ich kenne jemanden, der wäre ein schlechter Forscher. «
Geograph
»Das ist möglich. Wenn also der Lebenswandel des Forschers tadellos
scheint, werden Erkundigungen über seine Entdeckung eingeholt. «
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Prinz
»Geht wer nachschauen?«
Geograph
»Nein. Das ist viel zu kompliziert. Von dem Forscher wird verlangt, dass er
Beweise liefert. Wenn es zum Beispiel um die Entdeckung eines gewaltigen
Berges geht, wird verlangt, dass er gewaltige Steine von dort mitbringt. nervös
»Du, du kommst doch von weit her! Du bist Forscher! Du musst mir deinen
Planeten beschreiben! « schlägt sein Register auf und spitzt seinen Bleistift.
»Also?«
Prinz
»Oh! bei mir zu Hause da ist es nicht sehr interessant, es ist ganz klein. Ich
habe drei Vulkane. Zwei tätige Vulkane und einen erloschenen Vulkan. Aber
man kann nie wissen. «
Geograph
»Man kann nie wissen.«
Prinz
»Ich habe auch eine Blume.«
Geograph
»Blumen schreiben wir nicht auf.«
Prinz
»Warum? Es gibt nichts Hübscheres! «
Geograph
»Weil Blumen vergänglich sind.«
Prinz
»Was bedeutet: >vergänglich<?«
Geograph
»Geographiebücher sind zuverlässiger als alle anderen Bücher. Sie veralten
nie. Es kommt äußerst selten vor, dass ein Berg den Platz wechselt. Es
kommt äußerst selten vor, dass ein Ozean ausrinnt. Wir halten ewige Dinge
fest. «
Prinz
»Erloschene Vulkane können wieder tätig werden. - Was bedeutet:
>vergänglich<? «
Geograph
»Ob Vulkane erloschen sind oder tätig, für uns läuft alles auf dasselbe hinaus.
Was für uns zählt, ist der Berg. Der ändert sich nicht. «
Prinz
»Aber was bedeutet >vergänglich<?«
Geograph
»Es bedeutet >von baldigem Verschwinden bedroht sein<. «
Prinz
»Meine Blume ist von baldigem Verschwinden bedroht?«
Geograph
»Natürlich.«
Prinz
»Meine Blume ist vergänglich und sie hat nur vier Dornen, um sich zu wehren
gegen die Welt! Und ich habe sie ganz allein zu Hause gelassen! «
Prinz
»Geben Sie mir einen Rat, welchen Planeten soll ich nun besuchen? «,
Geograph
»Die Erde. Sie hat einen guten Ruf...«
der kleine Prinz macht sich davon
20
Kapitel XVI (Schlange)
Prinz
»Gute Nacht
Schlange
»Gute Nacht.«
Prinz
»Auf welchen Planeten bin ich gefallen?«,
Schlange
»Auf die Erde, Afrika.«
Prinz
»Ach! ... Auf der Erde lebt also niemand? «
Schlange
»Das hier ist die Wüste. In den Wüsten lebt niemand. Die Erde ist groß. «
Prinz
setzt sich auf einen Stein und blickte zum Himmel »Ich frage mich ob die
Sterne leuchten, damit jeder seinen eigenen Stern eines Tages wiederfinden
kann. Schau, mein Planet. Er steht genau über uns... Wie fern er doch ist! «
Schlange
»Er ist schön. Warum bist du hierhergekommen? «
Prinz
»Ich habe Schwierigkeiten mit einer Blume.«
Schlange
»Ach so!«
sie schweigen
Prinz
»Wo sind die Menschen? Man ist ein bisschen allein in der Wüste. ..«
Schlange
»Man ist auch bei den Menschen allein.«
Prinz
»Du bist ein komisches Tier. Dünn wie ein Finger...«
Schlange
»Aber ich bin mächtiger als der Finger eines Königs.«
Prinz
lächelt »Du bist nicht sehr mächtig... du hast ja nicht einmal Beine... du
kannst ja nicht einmal reisen...«
Schlange
»Ich kann dich weiter forttragen als ein Schiff.«
rollt sich um den Knöchel des kleinen Prinzen
»Wen ich berühre, den gebe ich der Erde zurück, aus der er gemacht ist. Du
aber bist rein, und du kommst von einem Stern...
Du tust mir leid, so schwach wie du bist, auf dieser Erde aus Granit. Ich kann
dir helfen, wenn du dich eines Tages allzu sehr sehnst nach deinem Planeten.
Ich kann . . . «
Prinz
»Oh! Ich habe bestens verstanden, aber warum sprichst du ständig in
Rätseln? «
Schlange
»Ich löse sie alle.«
21
Kapitel XVIII (Blume)
Prinz
»Guten Tag.«
Blume
»Guten Tag.«
Prinz
»Wo sind die Menschen?«
Blume
» Die Menschen? Es gibt, glaube ich, sechs oder sieben. Vor Jahren habe ich
sie kurz erblickt als eine Karawane vorüberzog. Man weiß jedoch nie, wo man
sie finden kann. Der Wind treibt sie umher. Sie haben keine Wurzeln, das ist
sehr unbequem. «
Prinz
»Leb wohl. «
Blume
»Leb wohl. «
Kapitel XIX (Echo)
Prinz
»Von einem so hohen Berg sehe ich mit einem Blick den ganzen Planeten
und alle Menschen...«
»Guten Tag.«
Echo
»Guten Tag... Guten Tag... Guten Tag... «
Prinz
»Wer seid ihr?«
Echo
»Wer seid ihr... Wer seid ihr... Wer seid ihr... «
Prinz
»Werdet meine Freunde, ich bin allein. «
Echo
»Bin allein... Bin allein... Bin allein. «
Prinz
»Was für ein komischer Planet! Er ist ganz vertrocknet und ganz spitz und
ganz salzig. Und die Menschen haben keine Phantasie. Sie wiederholen, was
man ihnen sagt... Bei mir zu Hause hatte ich eine Blume: sie redete immer als
Erste...«
22
Kapitel XX (Rosen)
Prinz
»Guten Tag.«
Rosen
»Guten Tag.«
Prinz
»Wer seid ihr?«
Rosen
»Wir sind Rosen.«
Prinz
»Ach so!« - zu sich »Sie wäre sehr gekränkt, wenn sie das sähe... sie würde
furchtbar husten und so tun, als müsste sie sterben, bloß um sich nicht
lächerlich zu machen. Und ich müsste so tun, als pflegte ich sie, denn sonst,
bloß um mich ebenfalls zu demütigen, ließe sie sich wirklich sterben ... - Ich
fühlte mich reich dank einer einzigartigen Blume, und ich besitze nur eine
gewöhnliche Rose. Das und meine drei kniehohen Vulkane, von denen einer
vielleicht für immer erloschen ist, das macht aus mir noch keinen sehr großen
Prinzen...« er legte sich ins Gras und weinte
23
Kapitel XXI (Fuchs)
Fuchs
»Guten Tag. «
Prinz
»Guten Tag.«
Fuchs
»Ich bin hier, unter dem Apfelbaum...«
Prinz
»Wer bist du?« - »Du bist sehr hübsch...«
Fuchs
»Ich bin ein Fuchs. «
Prinz
»Komm und spiel mit mir. Ich bin so traurig. .«
Fuchs
»Ich kann nicht mit dir spielen. Ich bin nicht gezähmt. «
Prinz
»Oh! Verzeihung.« - »Was bedeutet >zähmen<? «
Fuchs
»Du bist nicht von hier. Was suchst du? «
Prinz
»Ich suche die Menschen«, sagte der kleine Prinz. »Was bedeutet
„zähmen“?«
Fuchs
»Die Menschen haben Gewehre und jagen. Das ist sehr lästig! Sie züchten
auch Hasen. Nur dafür interessieren sie sich. Suchst du Hasen? «
Prinz
»Nein, ich suche Freunde. Was bedeutet >zähmen<? «
Fuchs
»Etwas, das allzu sehr in Vergessenheit geraten ist. Es bedeutet >sich etwas
vertraut machen<...«
Prinz
» sich etwas vertraut machen? «
Fuchs
»Natürlich. Noch bist du für mich bloß ein kleines Mädchen wie
hunderttausend andere kleine Mädchen. Und ich brauche dich nicht. Und du
brauchst mich auch nicht. Ich bin für dich bloß ein Fuchs wie hunderttausend
andere Füchse. Doch wenn du mich zähmst, werden wir einander brauchen.
Du wirst für mich einzig sein auf der Welt. Ich werde für dich einzig sein auf
der Welt…«
Prinz
»Langsam verstehe ich. Es gibt da eine Blume ... ich glaube, sie hat mich
gezähmt...«
Fuchs
»Das kann schon sein. Auf der Erde passiert so manches ...«
Prinz
»Ach! Es ist gar nicht auf der Erde. «
Fuchs
»Auf einem anderen Planeten? «
Prinz
»Ja.«
Fuchs
»Gibt es Jäger auf diesem Planeten? «
Prinz
»Nein.«
24
Fuchs
»Das ist interessant! Und Hasen?«
Prinz
»Nein.«
Fuchs
»Nichts ist vollkommen. «
»Mein Leben ist eintönig. Ich jage Hasen, die Menschen jagen mich. Alle
Hasen gleichen einander, und alle Menschen gleichen einander. Mir ist also
ein bisschen langweilig. Aber wenn du mich zähmst, fällt in mein Leben ein
Sonnenstrahl. Ich werde den Klang eines Schrittes kennen, der sich von allen
anderen unterscheidet. Die anderen Schritte treiben mich unter die Erde.
Deiner wird mich aus dem Bau hervorlocken wie eine Melodie. Außerdem,
schau nur! Siehst du da drüben die Kornfelder? Ich esse kein Brot. Korn ist für
mich nutzlos. Kornfelder erinnern mich an nichts. Und das ist traurig! Aber du
hast goldblondes Haar. Darum wird es wundervoll sein, wenn du mich
gezähmt hast! Weil das Korn goldfarben ist, wird es mich an dich erinnern.
Und ich werde das Rauschen des Windes im Korn lieben. ..«
Fuchs
betrachtet den kleinen Prinzen lange »Bitte... zähme mich! «
Prinz
»Ja, gern, aber ich habe nicht viel Zeit. Ich muss Freunde finden und viele
Dinge kennenlernen. «
Fuchs
»Man kennt nur Dinge, die man zähmt. Die Menschen haben keine Zeit mehr,
irgendetwas kennenzulernen. Sie kaufen alles fix und fertig im Laden. Aber da
es keine Läden für Freunde gibt, haben die Menschen keine Freunde mehr.
Wenn du einen Freund willst, zähme mich! «
Prinz
»Was muss ich tun?«
Fuchs
»Du musst viel Geduld haben. Zuerst setzt du dich ein Stück weit von mir
einfach so ins Gras. Ich werde dich aus den Augenwinkeln beobachten, und
du wirst nichts sagen. Die Sprache ist eine Quelle für Missverständnisse. Aber
jeden Tag kannst du dich ein bisschen näher setzen. .«
[am nächsten Tag kam der kleine Prinz wieder]
Fuchs
»Es ist gut, um die gleiche Zeit zu kommen. Wenn du zum Beispiel am
Nachmittag um vier kommst, kann ich um drei anfangen, glücklich zu sein. Je
später es wird, desto glücklicher fühle ich mich. Um vier bin ich dann schon
ganz unruhig und aufgeregt: Ich werde entdecken, wie teuer das Glück ist!
Aber wenn du irgendwann kommst, werde ich nie wissen, um wie viel Uhr ich
mein Herz feierlich stimmen soll... Es muss feste Bräuche geben. «
Prinz
»Was ist ein Brauch?«
Fuchs
»Auch etwas, das allzu sehr in Vergessenheit geraten ist. Es ist das, was
einen Tag von den anderen Tagen, eine Stunde von den anderen Stunden
unterscheidet. Bei meinen Jägern zum Beispiel gibt es einen festen Brauch.
Am Donnerstag tanzen sie mit den Mädchen im Dorf. Deshalb ist der
Donnerstag ein wundervoller Tag! Ich flaniere bis zum Weinberg. Würden die
Jäger irgendwann tanzen, wären alle Tage gleich und ich hätte niemals frei. «
[als die Stunde des Abschieds näher rückte]
Prinz
»Ich muss gehen.«
25
Fuchs
»Ach!«... »Ich werde weinen. «
Prinz
»Du bist selber schuld. Ich wünschte dir nichts Böses, aber du hast gewollt,
dass ich dich zähme….
Fuchs
»Natürlich. «
Prinz
»Aber du wirst weinen!«
Fuchs
.
Prinz
»Natürlich«
Fuchs
»Ich habe dabei gewonnen. Denk an die Farbe des Korns. «
»Du hast also nichts dabei gewonnen! «
»Geh dir noch einmal die Rosen anschauen. Du wirst begreifen, dass deine
einzig ist auf der Welt. Dann kommst du mir Lebewohl sagen, und ich werde
dir ein Geheimnis schenken. «
Prinz
der kleine Prinz ging sich noch einmal die Rosen anschauen
»Ihr gleicht meiner Rose überhaupt nicht, ihr seid noch gar nichts. Niemand
hat euch gezähmt, und ihr habt niemanden gezähmt. Ihr seid so, wie mein
Fuchs war. Er war bloß ein Fuchs wie hunderttausend andere auch. Aber ich
habe ihn zu meinem Freund gemacht und jetzt ist er einzig auf der Welt. «
die Rosen schämten sich
»Ihr seid schön, aber ihr seid leer. Für euch kann man nicht sterben. Natürlich,
irgendwer, der zufällig vorbeikommt, mag vielleicht glauben, meine Rose sehe
aus wie ihr. Doch sie allein ist wichtiger als ihr alle miteinander, denn sie habe
ich gegossen. Denn über sie habe ich eine Glasglocke gestülpt. Denn sie
habe ich mit dem Wandschirm beschützt. Denn bei ihr habe ich die Raupen
getötet (außer zwei oder drei, wegen der Schmetterlinge). Denn ihr habe ich
zugehört, wenn sie klagte oder wenn sie prahlte oder manchmal sogar wenn
sie schwieg. Denn sie ist meine Rose. « und er kam wieder zum Fuchs
Prinz
»Leb wohl. «
Fuchs
»Leb wohl. Und nun mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit
dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. «
Prinz
»Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.«
Fuchs
»Die Zeit, die du deiner Rose zuliebe verloren hast, macht deine Rose so
wichtig.«
Prinz
»Die Zeit, die ich meiner Rose zuliebe verloren habe... «
Fuchs
»Diese Wahrheit haben die Menschen vergessen. Du aber darfst sie niemals
vergessen. Du wirst auf immer verantwortlich für das, was du gezähmt hast.
Du bist verantwortlich für deine Rose. ..«
Prinz
»Ich bin verantwortlich für meine Rose.. .«
26
Kapitel XXII (Weichensteller)
Prinz
»Guten Tag.«
Weichensteller
»Guten Tag.«
Prinz
»Was machst du da? «
Weichensteller
»Ich sortiere die Reisenden im Tausenderpack.Ich schicke die Züge,
mit denen sie fortfahren, mal nach rechts, mal nach links. «
ein hellerleuchteter, donnergrollender Schnellzug ließ das Weichenstellerhäuschen
erzittern.
Prinz
»Die haben es aber eilig. - Was suchen sie? «
Weichensteller
»Auch der Lokomotivführer weiß es nicht.«
aus der Gegenrichtung grollte ein zweiter hellerleuchteter Schnellzug.
Prinz
»Sie kommen schon zurück? «
Weichensteller
»Das sind nicht dieselben. - Sie werden ausgetauscht. «
Prinz
»Waren sie nicht zufrieden, da, wo sie waren? «
Weichensteller
»Man ist niemals zufrieden, da, wo man ist.«
es grollte der Donner eines dritten hellerleuchteten Schnellzugs
Prinz
»Sind sie hinter den ersten Reisenden her? «
Weichensteller
»Sie sind hinter überhaupt nichts her. Sie schlafen da drin, oder sie
gähnen. Nur die Kinder drücken sich an den Fensterscheiben die
Nasen platt. «
Prinz
»Nur die Kinder wissen, was sie suchen. Sie verbringen ihre Zeit mit
einer Stoffpuppe, und die werden ungeheuer wichtig, und nimmt man
sie ihnen weg, dann weinen sie...«
Weichensteller
»Sie haben Glück.«
27
Kapitel XXIII (Händler)
Prinz
»Guten Tag.«
Händler
»Guten Tag.«
Prinz
Was machst du da?
Händler
Ich handle mit hochwirksamen Pillen, die den Durst löschen. Man schluckt
eine pro Woche, und schon will man nichts mehr trinken.
Prinz
»Warum verkaufst du das? «
Händler
»Weil man viel Zeit gewinnt.«
Händler
»Die Fachleute haben nachgerechnet. Man spart dreiundfünfzig Minuten pro
Woche. «
Prinz
»Und was tut man mit diesen dreiundfünfzig Minuten? «
Händler
»Man tut damit, was man will...«
Prinz
»Wenn ich dreiundfünfzig Minuten übrig hätte, ich würde ganz langsam zu
einem Brunnen spazieren. ..«
28
Kapitel XXIV(Pilot)
Pilot
trinkt den letzten Schluck seines Wasservorrats:
»Ach! Deine Erinnerungen sind zwar hübsch, aber ich habe mein Flugzeug noch
immer nicht repariert, ich habe nichts mehr zu trinken, und auch ich wäre glücklich,
wenn ich ganz langsam zu einem Brunnen spazieren könnte! «
Prinz »Mein Freund, der Fuchs…«
Pilot
»Mein kleiner Kerl, jetzt geht's nicht mehr um den Fuchs! «
Prinz »Warum?«
Pilot
»Weil wir verdursten werden...«
Prinz »Es ist gut, einen Freund gehabt zu haben, auch wenn man sterben wird. Ich bin sehr
froh, dass ich einen Fuchs zum Freund gehabt habe. ..«
Pilot
zu sich »Er ist sich der Gefahr nicht bewusst. Er hat weder Hunger noch Durst. Ein
bisschen Sonne genügt ihm...«
Prinz »Auch ich habe Durst... Komm, wir suchen einen Brunnen ...«
Pilot
»Du hast also auch Durst?«
Prinz »Wasser kann auch für das Herz gut sein...«
Prinz »Die Sterne sind schön, wegen einer Blume, die man nicht sieht...«
Pilot
» Natürlich.«
Prinz »Die Wüste ist schön. »Es macht die Wüste schön, dass sie irgendwo einen Brunnen
birgt...«
Pilot
»Ja, ob Haus, ob Sterne oder Wüste, was ihre Schönheit ausmacht, ist unsichtbar! «
Prinz »Ich bin froh, dass du mit meinem Fuchs einer Meinung bist. « schläft ein, Pilot nimmt
ihn in den Arm
Pilot
zu sich »Was ich hier sehe, ist nur eine Hülle. Das Wichtigste ist unsichtbar...« »Was
mich an diesem schlafenden kleinen Prinzen so rührt, ist seine Treue zu einer Blume,
ist das Bild einer Rose, das in ihm strahlt wie die Flamme einer Lampe, selbst wenn
er schläft...« entdeckt den Brunnen
29
Kapitel XXV (Pilot)
Prinz »Die Menschen drängeln sich in Schnellzügen, wissen aber nicht mehr, was sie
suchen. Darum sind sie so rastlos und drehen sich im Kreis .. .Das lohnt sich nicht ...«
Brunnen (in den Sand gegrabenes Loch)
Pilot
»Merkwürdig, es ist alles da: die Rolle, der Kübel und das Seil. ..«
Prinz lacht, berührt das Seil, setzt die Rolle in Gang, die ächzt
»Hörst du, wir wecken den Brunnen, und er singt. .«
Pilot
»Lass mich machen, für dich ist das zu schwer. «
zieht langsam den Kübel bis an den Brunnenrand
Prinz »Mich dürstet nach diesem Wasser. Gib mir zu trinken. .«
hebt den Kübel an seine Lippen, trinkt mit geschlossenen Augen
Prinz »Die Menschen bei dir zu Hause pflanzen fünftausend Rosen in ein und denselben
Garten ... und sie finden darin nicht, was sie suchen. ..«
Pilot
»Sie finden es nicht.«
Prinz »Und doch könnten sie das, was sie suchen, in einer einzigen Rose finden oder in
einem Schluck Wasser. . .«
Pilot
»Natürlich.«
Prinz »Aber die Augen sind blind. Suchen muss man mit dem Herzen. Du musst dein
Versprechen einlösen.«
Pilot
»Was für ein Versprechen?«
Prinz »Du weißt schon ... der Maulkorb für mein Schaf ... ich bin verantwortlich für diese
Blume!«
Pilot zieht seine Entwürfe aus der Tasche. Der kleine Prinz erblickte sie und sagt
lachend
Prinz »Deine Affenbrotbäume, die sehen ein bisschen aus wie Kohlköpfe...«
Pilot
»Oh!«
Prinz »Dein Fuchs... seine Ohren... die sehen ein bisschen aus wie Hörner
... und zu lang sind sie auch! « lacht
Pilot
»Du bist ungerecht, kleiner Kerl, ich konnte nichts zeichnen außer geschlossenen
Boas und offenen Boas.«
Prinz »Ach! das geht schon. «
kritzelte einen Maulkorb
Pilot
»Du hast Pläne, von denen ich nichts weiß. ..«
30
Prinz »Weißt du, mein Sturz auf die Erde... morgen ist es genau ein Jahr...Ich bin hier ganz
in der Nähe heruntergefallen ...«
Pilot
»Es ist also kein Zufall, dass du an jenem Morgen, als ich dich kennenlernte, vor acht
Tagen, ganz allein herumspaziert bist, tausend Meilen entfernt von jeder bewohnten
Gegend! Du wolltest zurück an den Ort deines Absturzes?«
Pilot
»Vielleicht, weil es genau ein Jahr her ist...? Ach! Ich habe Angst...«
Prinz »Du musst jetzt arbeiten. Du musst zurück zu deiner Maschine. Ich warte hier auf
dich. Komm morgen Abend wieder ...«
31
Kapitel XXVI (Pilot)
Prinz »Du erinnerst dich also nicht? Es ist nicht genau hier!«
»Doch! Doch! Es ist der richtige Tag, aber hier ist nicht die richtige Stelle... «
».. . Natürlich. Du wirst schon sehen, wo meine Spur im Sand beginnt.
Du brauchst nur dort auf mich zu warten. Ich werde da sein heute Nacht. «
»Hast du gutes Gift? Bist du sicher, dass ich nicht allzu lang leiden muss? «
»Verschwinde jetzt. Ich will runter! «
Pilot
erblickt die Schlange »Was ist das für eine Geschichte! Du redest jetzt mit
Schlangen!« legt dem Prinzen die Arme um den Hals
Prinz »Ich bin froh, dass du herausgefunden hast, was an deiner Maschine kaputt war. Nun
kannst du zurück nach Hause...«
Pilot
»Woher weißt du das? «
Prinz »Verschwinde jetzt, ich will runter! «
Pilot
»Auch ich will heute nach Hause zurück...«
Prinz »Es ist viel weiter... viel schwieriger. .« schließt ihn in die Arme
Prinz »Ich habe dein Schaf. Und ich habe die Kiste für das Schaf. Und ich habe
den Maulkorb...«
Pilot
»Kleiner Kerl, du hast Angst gehabt. ..«
Prinz »Heute Abend werde ich noch viel größere Angst haben. ..«
Pilot
»Kleiner Kerl, ich will dich noch mal lachen hören. .«
Prinz »Heute Nacht ist es ein Jahr. Mein Stern wird genau über der Stelle sein,
wo ich letztes Jahr heruntergefallen bin...«
Pilot
»Kleiner Kerl, sag, diese Geschichte mit der Schlange und dem Treffpunkt
und dem Stern ist doch nur ein böser Traum ...«
Prinz »Was wichtig ist, das sieht man nicht ...«
Pilot
»Natürlich ...«
Prinz »Das ist wie mit der Blume. Wenn du eine Blume liebst, die auf einem Stern lebt,
dann tut es gut, nachts zum Himmel hinaufzuschauen. Alle Sterne sind
blumenübersät. «
Pilot
»Natürlich.. .«
Prinz »Das ist wie mit dem Wasser. Das Wasser, das du mir zu trinken gabst, war wie eine
Melodie, wegen der Rolle und dem Seil. .. du erinnerst dich ... es war gut. «
32
Pilot
»Natürlich. ..«
Prinz »Nachts wirst du zu den Sternen hinaufschauen. Mein Zuhause ist viel zu klein, ich
kann dir nicht zeigen, wo meiner ist. Umso besser. Mein Stern soll für dich
irgendeiner unter den Sternen sein. So wirst du gern zu allen Sternen inaufschauen...
Alle werden deine Freunde sein. Und dann will ich dir noch etwas schenken. ..« lacht
Pilot
»Ach! kleiner Kerl, kleiner Kerl, wie gern ich dieses Lachen höre! «
Prinz
»Ja, das ist mein Geschenk... es ist wie mit dem Wasser...«
Pilot
»Wie meinst du das? «
Prinz» Die Leute haben Sterne, aber nicht die gleichen. Für die einen, die Reisenden, sind
die Sterne Führer. Für andere sind sie nichts als kleine Lichter. Für noch andere, die
Gelehrten, sind sie Probleme. Für meinen Geschäftsmann waren sie Gold. Doch all
diese Sterne schweigen. Nur du wirst Sterne haben, wie keiner sie hat...«
Pilot
»Wie meinst du das? «
Prinz »Ich werde auf einem von ihnen wohnen, ich werde auf einem von ihnen lachen, und
wenn du nachts zum Himmel hinaufschaust, dann wird es für dich sein, als ob alle
Sterne lachten. Nur du wirst Sterne haben, die lachen können! « lacht wieder
»Und wenn du dich einmal darüber hinweggetröstet hast (man tröstet sich immer),
wirst du froh sein, mich gekannt zu haben. Du wirst immer mein Freund sein. Du wirst
Lust bekommen, mit mir zu lachen. Und manchmal wirst du dein Fenster öffnen,
einfach so, zum Spaß... Und deine Freunde werden sich wundern, dass du zum
Himmel hinaufschaust und lachst. Dann wirst du ihnen sagen: >Ja, die Sterne, die
bringen mich immer zum Lachen! < Und sie werden glauben, du bist verrückt. Damit
spiele ich dir einen üblen Streich . . . « lacht
»Es wird sein, als hätte ich dir, anstelle der Sterne, unzählige kleine Glöckchen
geschenkt, die lachen können. ..« lacht
Prinz ernst »Heute Nacht ... weißt du ... komm nicht. «
Pilot
»Ich lass dich nicht allein. «
Prinz »Es wird so aussehen, als hätte ich Schmerzen... es wird ein bisschen so aussehen,
als müsste ich sterben. So ist das nun mal. Komm nicht, schau nicht zu, es lohnt sich
nicht...«
Pilot
»Ich lass dich nicht allein. «
Prinz »Ich sage dir das... es ist auch wegen der Schlange. Sie darf dich nicht beißen...
Schlangen sind böse. Sie beißen nur so zum Vergnügen...«
Pilot
»Ich lass dich nicht allein. «
Prinz »Stimmt schon, sie haben kein Gift mehr für einen zweiten Biss...«
Prinz marschiert entschlossen voran, mit schnellem Schritt
»Ach! Da bist du ja...« fasst den Piloten an der Hand
33
»Du hast einen Fehler gemacht. Es wird dir wehtun. Es wird so aussehen, als wäre
ich tot, aber das wird nicht wahr sein. ..«
»Du verstehst. Es ist zu weit. Ich kann diesen Körper nicht mitnehmen.
Er ist zu schwer. «
»Er wird bloß daliegen wie eine alte, zurückgelassene Hülle. Alte Hüllen sind nichts
Trauriges . . . «
»Es wird nett sein, weißt du. Auch ich werde zu den Sternen hinaufschauen. Alle
Sterne werden Brunnen sein mit eingerosteter Rolle. Alle Sterne werden mir zu
trinken eingießen...«
»Es wird furchtbar lustig sein! Du wirst fünfhundert Millionen Glöckchen haben, ich
werde fünfhundert Millionen Brunnen haben...« weint
»Hier ist es. Lass mich einen Schritt allein machen...«
»Weißt du ... meine Blume... ich bin verantwortlich für sie! Und sie ist so schwach!
Und sie ist so naiv. Sie hat vier winzig kleine Dornen, die sie schützen sollen gegen
die Welt ...«
»So... Das ist alles...« ein gelber Blitz erscheint an seinem Knöchel, er fällt langsam
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