DEPRESSION Trotz Wohlstand, Berufskarriere und geordneten Lebensverhältnissen sehen manche Menschen ihr Leben als eine einzige Last an. Die eigene Person, die ganze Welt und Zukunftsperspektiven werden negativ eingeschätzt, vom Leben wird nichts Positives mehr erwartet. Die Depression ist eine Erkrankung, die in unserer Zeit immer häufiger auftritt. Jeder zweite Mensch hat mindestens einmal im Leben eine Depression gehabt und immer mehr Menschen erkranken daran. Leider ist diese Krankheit allem Anschein nach im Zunehmen begriffen. Die verschiedenen Formen der Depression haben unterschiedliche Ursachen und sind daher unterschiedlich zu behandeln. Es wurden verschiedenste Therapien zur Behandlung der Depressionen entwickelt 2. DEFINITION Def: lat., “Niederdrückung”, in der Psychologie und Psychopathologie Stimmung der Niedergedrücktheit, die entweder bloß affektiv oder konstitutionell und als solche von charakterologischer Bedeutung ist. Psychiater unterscheiden sekundäre (motivierte) und primäre (unmotivierte) Depression. ( Das moderne Lexikon. Verlagsgruppe Bertelsmann, Gütersloh 1979, S.260) Das Wort “Depression” leitet sich von “deprimere” ab. Übersetzt bedeutet es herab- oder niederdrücken, aber auch “in die Tiefe gehen”, “nach etwas graben”. 2.1. Abgrenzung der Depression von der Trauer und der Melancholie Der Begriff Depression wird in der heutigen Zeit sehr häufig verwendet, was dazu führt, daß alle möglichen Reaktionen auf Schwierigkeiten, Krisen oder Verlusterlebnisse als “Depressionen” bezeichnet werden. Ein depressiver Mensch kann sich jedoch über nichts mehr freuen, er hat sein Vertrauen in sich und seine Mitmenschen verloren und ist nicht mehr fähig, Entschlüsse zu fassen. Ein trauriger oder melancholischer Mensch ist zu all dem aber noch imstande. * Trauer Der Begriff Trauer wird dann verwendet, wenn ein Verlusterlebnis vorausgesetzt werden kann. Dieses kann sich ausdrücken durch den Tod einer nahestehenden Person, durch Trennung eines geliebten Menschen, aber auch bei Verlust des Arbeitsplatzes... e Auf solche Situationen reagieren Menschen mit Trauer, die in einem Erschöpfungszustand endet. Oft wirkt sich dieser Erschöpfungszustand auch körperlich aus, zum Beispiel in Schlafstörungen, Eßstörungen... Zum Unterschied zur Depression sieht der Trauernde bald wieder Hoffnung, er steckt sich neue Ziele und kann den Verlust verarbeiten. Der depressiv Kranke findet im Gegensatz kein neues Ziel mehr, auf das er hinarbeiten könnte. * Melancholie Melancholie wird eher als ein Persönlichkeitsmerkmal angesehen. Zurückgezogene, traurige Menschen, die oft als sehr ruhig und nachdenklich bezeichnet werden, bezeichnet man als melancholisch. 3. VERTEILUNG DEPRESSIVER MENSCHEN: MÄNNER - FRAUEN Frauen erkranken circa doppelt so häufig an Depressionen wie Männer, was verschiedenste Ursachen haben kann. Man nimmt an, daß vor allem hormonelle Störungen die höhere Depressionsrate von Frauen erklären können, da sie starken Hormonschwankungen ausgesetzt sind. Diese können ihre psychische Verfassung beeinflussen, müssen es aber nicht. Zum Beispiel: 3.1. Depressionen nach der Geburt eines Kindes Unmittelbar nach der Geburt eines Kindes verfallen viele Mütter in Depressionen, d.h. sie fühlen sich müde, schlapp und haben an nichts Interesse, auch nicht an ihrem eigenen Baby. Diese Frauen entwickeln deshalb Schuldgefühle, da sie ihr Kind doch eigentlich lieben sollten. Dadurch verschlechtert sich ihre Stimmung noch mehr. Nach einigen Tagen bis Wochen verschwindet diese Depression jedoch wieder. Erklärt wird dieses Phänomen anhand der enormen Hormonumstellung, die nach der Geburt eines Kindes stattfindet. . VERSCHIEDENE ARTEN DER DEPRESSION 4.1. Anaklitische Depression Die anaklitische Depression wird auch Säuglingsdepression benannt. Verliert ein Säugling seine Bezugsperson, ohne eine adäquate Bezugsperson zu finden, so reagiert er mit starken emotionalen Veränderungen: er weint sehr viel, ist unruhig, hat Eßund Schlafstörungen, bis er völlig apathisch wird. 4.2. Schuldepression Die Schuldepression ist eine reaktive Depression. Von einer Schuldepression spricht man dann, wenn sich das Kind in der Schule nicht wohl fühlt, sehr häufig traurig und niedergeschlagen ist. Oft sind diese Kinder in der Schule überfordert oder werden vom Klassenlehrer abgelehnt. Sobald jedoch die Ferien beginnen, sind die Kinder fröhlich und ausgelassen. 4.3. Larvierte Depression Die larvierte Depression kann bei Kindern als auch bei Erwachsenen auftreten. Sie ist sehr schwer zu erkennen, deshalb wird sie auch “maskierte Depression” genannt. Kinder drücken ihre negative Stimmung vor allem somatisch aus, das heißt sie haben ständig körperliche Beschwerden, deren Ursachen aber nicht auffindbar sind. 5. ENDOGENE DEPRESSION 5.1 Allgemeines Die endogene Depression ist eine chronische Depression. Man nimmt an, daß die Disposition für diese Krankheit vererbbar ist. Die endogene Depression, auch Melancholie genannt, geht auf eine Stoffwechselstörung zurück, die eine Verzögerung der Impulsübertragung im Nervensystem und damit eine Blockierung des vegetativen Nervensystems zur Folge hat. Dies wird auch schon im Begriff “endogen” angedeutet, der wörtlich übersetzt “aus dem Inneren” bedeutet. Endogene Depressionen sind die Folge von unbekannten internen Prozessen, sie werden durch keine äußeren Ereignisse gesteuert. Es wird angenommen, daß die Disposition für Depressionen vererbbar ist. Ungefähr 20% aller Depressiven leiden unter endogenen Depressionen. Endogene Depressionen folgen einem zyklischen Verlauf und können in zwei Variationen ablaufen: bipolar oder unipolar. 5.1.1. Bipolare Depressionen Bipolare Depressionen werden manisch-depressive Störungen genannt. Das bedeutet, daß der Patient regelmäßig wiederkehrende Phasen durchläuft: Verzweiflung, neutrale Stimmung und einen Zustand von Überaktivität, der als Manie bezeichnet wird. Dann sinkt der Kranke wieder durch die neutrale Stimmung in Verzweiflung. Die Depression muß aber nicht immer mit Manie auftreten: heute weiß man, daß die Depression gelegentlich ohne Manie auftreten kann und umgekehrt Manie ohne Depression auftritt. Bei bipolaren Depressionen spricht man von einem morgendlichen Pessimum, das bedeutet, daß die Krankheit am Morgen am stärksten ausgeprägt ist. 5.1.2. Unipolare Depressionen Unipolare Depressionen äußern sich darin, daß ein regelmäßiger Wechsel zwischen Niedergeschlagenheit und neutraler Stimmung ohne manische Phasen stattfindet. Diese Form der Depression ist häufiger anzutreffen, ca. 75% aller Depressiven leiden an unipolaren Depressionen. 5.2. Symptome endogener Depressionen Der endogen Depressive wird nicht als geisteskranker, sondern als gemütskranker Mensch beschrieben. Das bedeutet, daß er die Fähigkeit besitzt, seine Krankheit so gut es geht zu verbergen - zu dissimulieren. Die endogene Depression unterscheidet sich von allen anderen Depressionen auch dadurch, daß sie deutliche körperliche Symptome aufweist. Diese Form der Depression erkennt man an folgenden Merkmalen: * traurige Verstimmung mit Beharrungstendenzen * psychische und körperliche Hemmung * absoluter Pessimismus * Selbstvorwürfe * Angst * hypochondrische Ideen * körperliche Symptome * intensive Selbstmordtendenzen 5.2.2. Psychische und körperliche Hemmung Die Bewegungen des Patienten verlangsamen sich und seine Muskulatur ist oft erstarrt. Der Gesichtsausdruck wirkt mit der Zeit “eingefroren”. Auch im psychischen Bereich geht eine Verlangsamung vor sich: Die Sprache wirkt gehemmt und verzögert. Assoziationen können fast nicht mehr geschlossen werden, wodurch auch bald jede Form von Kreativität unmöglich erscheint. Aus diesem Grund sind viele endogen Depressive der Meinung, sie wären “verblödet” und geistig geschwächt. Diesen Zustand kann man sehr gut mit dem Begriff Antriebslosigkeit oder auch Adynamie definieren. Der endogen Depressive muß sich zu jeder Tätigkeit zwingen, was ihm große Mühe und Anstrengungen bereitet. 5.2.3. Absoluter Pessimismus Der Kranke kann keine positiven Gedanken mehr fassen, er sieht alles negativ besetzt. Ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit dominiert. Man spricht auch von einem depressiven Verarmungsgefühl, z.B. sind Millionäre in dieser Phase davon überzeugt, daß sie all ihr Geld verloren haben. Endogen Depressive sind nicht mehr in der Lage, positive Meldungen zu glauben. Auch wenn ein Patient mehrere solcher Phasen hatte, die alle vorübergingen, so ist er nicht imstande zu glauben, daß auch diese Phase vorübergehen wird. Trotzdem sollte man immer wieder versuchen, dem Patienten Hoffnung zu geben (auch wenn er sie nicht annehmen kann). 5.2.4. Selbstvorwürfe Der endogen Depressive hat jedes Selbstwertgefühl verloren, er hat keine Achtung mehr vor sich selbst und ist der Meinung, er wäre unfähig. Er traut sich nicht mehr zu, etwas in die Hand zu nehmen, da er davon überzeugt ist, seinen Aufgaben nicht gewachsen zu sein. Er sucht für alles mögliche die Schuld bei sich selbst und macht sich in weiterer Folge starke Vorwürfe. Der endogen Depressive erlebt seine Depression nicht als Krankheit, sondern als Bestätigung seiner Unfähigkeit. Resultierend aus diesem verlorengegangenen Selbstwertgefühl ist der Patient unfähig, irgendeinen Entschluß zu fassen. In diesem Zustand sollte man daher vermeiden, den Depressiven vor Entscheidungen zu stellen. 5.2.5. Angst In jedem endogen Depressiven ist starkes und sehr gefährliches irrationales (d.h.vom Gemütszustand abgeleitetes) Angstpotential enthalten. Man unterscheidet hier zwei Typen: - Melancholia agitata: Angst und daraus entstehende Ruhelosigkeit stehen im Vordergrund. - Melancholia passiva: Die Hemmung dominiert so, daß man die Angst nicht merkt. Durch plötzlich ausbrechende Angstanfälle, die Raptus genannt werden, ist ersichtlich, daß die Angst aber vorhanden ist. Diese Angstanfälle können auch zu blitzschnellen Selbstmordhandlungen führen. 5.2.6. Hypochondrische Ideen Diese hypochondrischen Ideen werden durch starken Pessimismus und durch Schuldgefühle erzeugt. Der Kranke wird in seinem Gefühl der Auswegslosigkeit bestätigt. Unbewußt bestraft er sich selbst für sein vermeintliches Versagen. Der Kranke wird somit in seiner Depression zusätzlich bestärkt. Solche hypochondrische Ideen sind nur dadurch zu beseitigen, indem die endogene Depression erfolgreich behandelt wird und abklingt. Sehr oft stellen sich endogen Depressive vor, an Krebs zu erkranken. In diesem Stadium ist der Kranke sehr gefährdet, Selbstmord zu verüben. 5.2.7. Körperliche Symptome Die körperlichen Symptome werden durch Stoffwechselstörungen hervorgerufen. Am häufigsten sind hier Schlafstörungen zu nennen. Die Patienten können häufig sehr rasch einschlafen, wachen aber ungewöhnlich früh auf - ca. um 3 Uhr, 4 Uhr oder 5 Uhr. Um diese Zeit findet auch der “Höhepunkt” der endogenen Depression statt: der Patient hat Angstvorstellungen, Grübelzwang, pessimistische Einstellungen und Selbstmordvorstellungen; weitere Symptome sind Mundtrockenheit, Reduzierung der Tränenproduktion, Appetitlosigkeit, Verstopfung.... Sehr oft wird von sehr unangenehmen Träumen mit ängstlich-depressivem Inhalt erzählt dies beweist, daß die Depression auch im Unbewußten verankert ist. 5.2.8. Intensive Selbstmordtendenz Durch das Zusammenwirken all dieser verschiedenen Symptome ist es leicht verständlich, wenn man die endogene Depression als die selbstmordgefährlichste Erkrankung beschreibt. Fast ein Drittel aller Suizide werden von endogen Depressiven durchgeführt. In den Ausführungen wurde das Bild einer voll ausgeprägten endogenen Depression beschrieben. Es gibt heutzutage aber auch eine Reihe von “abgeschwächten” endogenen Depressionen, die weniger deutliche Symptome aufweisen und dadurch schwerer zu erkennen sind. Diese abgeschwächte Depression - Melancholia Mitis genannt - ist leider nicht mit einer abgeschwächten Selbstmordgefahr verbunden. Im Gegenteil: bei dieser Form der Depression fällt die Hemmung weg, dadurch ist ein wichtiger Faktor nicht gegeben, der dem Selbstmord im Wege steht. 5.3. Behandlungsmöglichkeit der endogenen Depression Da es sich bei der endogenen Depression um eine organisch bedingt Depressionsform handelt, wird der Arzt zur Primärbehandlung Medikamente - in diesem Fall Antidepressiva verschreiben. Diese bewirken im Ablauf weniger Wochen ein Abklingen der Depressionsphase. (Vgl. Földy, R. / Ringel, E.: Machen uns die Medien krank? Universitas Verlag, München 1993. S. 127 - 137) 6. NEUROTISCHE DEPRESSION Die neurotische Depression verläuft - anders als die endogene Depression - nicht in Phasen, sondern ist ein chronischer Prozeß. Auch der Tagesablauf eines neurotisch Depressiven ist völlig anders als der eines endogen Depressiven: Der neurotisch Depressive fühlt sich oft am Morgen am besten, sein Zustand wird dann aber im Verlauf des Tages immer schlechter. Bei dieser Art der Depression findet man auch keinen absoluten Pessimismus, keinen Grübelzwang, keine andauernde Selbstvorwürfe und fast keine hypochondrischen Ideen. Die neurotische Depression zeigt keine körperlichen Symptome, da sie auf keine Stoffwechselstörung im Körper zurückgeht. Betroffene klagen jedoch manchmal über Schlafstörungen, die aber psychologisch, nicht organisch zu begründen sind. Man spricht hier vom “Etappenschlaf”, d.h. die Menschen schlafen sehr unruhig und wachen öfters auf. 6.1. Grundsymptome der Neurose Die Neurose ist grundsätzlich ein Konflikt zwischen bewußten und unbewußten Trieben, die in unserem Inneren stattfinden. Durch Verdrängung des Triebwünsches wird der Konflikt scheinbar gelöst. Diese Verdrängung hat aber ein unbewußt bleibendes Schuldgefühl zur Folge, welches die Tendenz zur Selbstschädigung und Eigenbehinderung in sich trägt. Man unterscheidet verschiedene Symptome, durch die diese Krankheit gekennzeichnet ist: 6.1.1. Ambivalenz Man spricht von Ambivalenz, wenn man einer Person gegenüber unterschiedliche Gefühle, z.B Haß und Liebe, verspürt. Die negativen Gefühle werden aber im Unbewußten gehalten, das bedeutet, daß man sich der starken Ablehnung nicht bewußt ist. 6.1.2. Neurotische Angst Wenn die verdrängten unbewußten Tendenzen sich langsam in das Bewußtsein vorschieben, so wird dieser Vorgang als enorm beunruhigend erlebt. Daraus resulitiert eine irrationale - d.h. sie hat nichts mit dem Verstand zu tun, sondern wird durch verdrängte Gefühle ausgelöst - neurotische Angst. 6.1.3. Neurotisches Minderwertigkeitsgefühl Menschen, die sich von anderen als nicht geliebt fühlen, sind nicht mehr imstande, eine gute, natürliche, gesunde Beziehung zum eigenen Ich aufzubauen. So kommt es zu einer Verunsicherung des eigenen Ichs, man fühlt sich minderwertig und benötigt die Hilfe der Mitmenschen, um das Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. Dieses Minderwertigkeitsgefühl kann in ein Gefühl der Sinnlosigkeit der eigenen Existenz münden. 6.1.4. Neurotisches Schuldgefühl und die daraus resultierende neurotische Selbstbestrafungstendenz Wenn z.B. ein Kind seinen Eltern gegenüber Haßgefühle entwickelt, diese aber im Vorbewußten hält, so können starke Schuldgefühle entstehen, die sich gegen die eigene Person richten. Auf Grund dieser unbewußten Schuldgefühle entwickelt sich die unbewußte Selbstbestrafungstendenz. 6.1.5. Bedürfnis, die neurotische Konfliktsituation durch immer neue Symptome symbolisch darzustellen Indem unbewußte Triebe verdrängt werden, kommt es zu einer “Scheinlösung”, da die verbotenen Triebwünsche nicht ausgelebt werden können. In neurotischen Symptomen werden diese Triebe symbolisch zum Ausdruck gebracht. Neurotische Proteste äußern sich vor allem in: psychosomatischen Erkrankungen allen Formen der Sucht Eßgewohnheiten Kriminalität Spielleidenschaft Provokation von Unfällen Kriegsbereitschaft 6.2.2. Neurotische Lebensverunstaltung Die neurotische Depression wird als Konsequenz einer über lange Zeit andauernden neurotischen Lebensverunstaltung gesehen, die sich durch schwere Neurotisierung in der Kindheit ausgezeichnet hat. Die neurotische Lebensverunstaltung drückt sich in drei Stadien aus: a) Verkümmerung und Verlust der expansiven Kräfte Die Menschen verlieren ihr Vertrauen zu sich selbst, anderen gegenüber etc. So werden sie immer mehr entmutigt, bis sie sich selbst nichts mehr zutrauen und nichts mehr anstreben. b) Stagnation Der Betroffene ist auf starre, gleichbleibende Verhaltensmuster fixiert, er entdeckt somit nichts Neues mehr, ist nicht mehr lernfähig und hat das Gefühl, daß ihm alles mißlingt. Dadurch kommt ein Gefühl der Ausweglosigkeit zutage, welches wiederum leicht zum Suizid führen kann. c) Regression In diesem Stadium ist der Depressive nicht mehr fähig, aktiv tätig zu werden, er leistet keinen Beitrag mehr zur Gestaltung des Lebens in der Gemeinschaft. Gleichzeitig aber ist der Betroffene äußerst abhängig von seiner Umwelt, er möchte geliebt werden, ist aber nicht mehr fähig, selbst zu lieben. In weiterer Folge fühlt sich der Kranke von seiner Umwelt nicht verstanden und alleine gelassen, was wiederum dazu führt, daß er sich mehr in sich zurückzieht, sich weiter von den Mitmenschen entfernt und immer isolierter wird. 6.3. Behandlungsmöglichkeit der neurotischen Depression Bei neurotischen Depressionen wird die Psychotherapie angewendet, da diese Depressionsform auf einem seelischen Konflikt zwischen unbewußten und bewußten Trieben basiert. (Vgl. Földy, R. / Ringel, E.: Machen uns die Medien krank? Universitas Verlag, München 1993. S. 23 - 75) 7. EXOGENE DEPRESSIONEN Unter exogenen Depressionen versteht man alle Verstimmungszustände, die durch äußere Faktoren zustandekommen. Äußere Faktoren sind z.B.: Schicksalsschläge Unglücksfälle etc. Es herrscht also eine belastende Situation vor, die der Betroffene aktiv durch seinen persönlichen Beitrag bewältigen muß. Im Normalfall klingt diese Form der Depression mit der Zeit ab. Dauert eine exogene Depression länger als ein paar Monate an, so handelt es sich wahrscheinlich bereits um eine neurotische Depression. Die exogene Depression zeichnet sich durch eine Vielfalt von Symptomen aus (z.b. Gereiztheit, Müdigkeit, Erschöpfung, verringerte Konzentrationsfähigkeit, Gespanntheit...), jedoch ist der Betroffene von diesen Symptomen leicht ablenkbar. Exogene Depressionen bringen oft Nebenerscheinungen wie Herzklopfen, innere Unruhe und Angst, Magen-Darm-Beschwerden etc mit sich, die auf Irritationen des vegetativen Nervensystems zurückzuführen sind. Die exogene Depression wird als harmloseste aller Depressionsformen angesehen, trotzdem darf sie nicht unterschätzt werden. 8. ALTERSDEPRESSION Durch das Altern wird der Mensch vor ein schwieriges Problem gestellt. Wenn die Altersadaption nun mißglückt, wird man in eine depressive Verarbeitung gedrängt. Im Alter erlebt der Mensch, daß ständig bestimmte Körperfunktionen nachlassen, er erlebt Funktionsverluste, hat Schmerzen und Krankheiten. All dies kann leicht zu einer hypochondrischen Grundhaltung führen, da der alternde Mensch ständig damit konfrontiert ist, daß ein erneuter Funktionsverlust eintreten könnte. Alte Menschen fühlen sich weiters oft entwertet, ihrer Würde beraubt, da sie in unserer Zeit oft degradiert und nicht mehr wichtig genommen werden. Daraus entwickelt sich ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und der Nutzlosigkeit, das in Verbindung mit der Depression auftritt. Alte Menschen verlieren weiters zunehmend den Kontakt zu ihren Mitmenschen (z.B. durch Tod von Freunden), wodurch sie sich immer einsamer und isolierter fühlen. 8.1. Behandlungsmöglichkeit der Altersdepression Da bei der Altersdepression hauptsächlich die Symptome der endogenen Depression vorhanden sind, wird eine medikamentöse Behandlung angewendet. Eine Besserung der Situation ist aber nur dann zu erwarten, wenn der Patient lernt, mit der Tatsache des Alterns umzugehen. Der Arzt muß also alle Faktoren, die für eine gelungene Altersadaption wichtig sind, berücksichtigen.