Wie die Einzeldisziplin Betriebswirtschaftslehre differenziert werden

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Allgemeine Betriebswirtschaftslehre
Entscheidungsorientierte Grundlagen
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Entscheidungsorientierte Grundlagen
Entscheidungssituationen
Eine Entscheidung bezeichnet die Auswahl einer von mehreren Handlungsalternativen, die dem oder den Entscheidungsträger(n) zur Erfüllung eines oder mehrerer Ziel zur
Verfügung steht(en).
Es muß gewährleistet sein, daß die Alternativen bezogen
auf die Zielerfüllung tatsächlich gleichwertig sind.
Eine Entscheidung liegt bei bewußter und unbewußter
Auswahl einer Handlungsalternative vor.
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Entscheidungsorientierte Grundlagen
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Bei der analytischen Betrachtung der im Unternehmen vorkommenden Wahlhandlungen (Entscheidungsverhalten) werden
zwei Hauptrichtungen unterschieden:
1. normative Entscheidungen
(normative Entscheidungsheorie)
2. deskriptive Entscheidungen
(deskriptive Entscheidungstheorie)
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Die normative Entscheidungstheorie
 .... geht vom rational handelnden Entscheidungsträger (Akteur, Handelnde/r) aus.
 Das rationale Handeln wird als zweckmäßige Grundeinstellung betrachtet.
 Diese Richtung steht für die normative (wertende) Entscheidungstheorie -–eben auf festgelegten Normen basierend.
Sie bezieht sich auf die jeweilige Systemrationalität (z.B. erwerbswirtschaftiches Prinzip, ökonomisches Prinzip, immer im
Kontext mit einem definierten Ziel/Zielsystem)!!
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Die deskriptive Entscheidungstheorie
 ... will das Zustandekommen von Entscheidungen in der Realität aufzeigen, indem sie das tatsächliche Handeln mit dem
Ziel beschreibt und erklärt, empirisch gehaltvolle Hypothesen über das menschliche Entscheidungsverhalten zu erlangen.
 Bezeichnet wird diese Richtung auch als empirischrealistische Entscheidungstheorie.1
(Bsp. heute: Strategische Überlegungen, Konsumentenverhalten, Wettbewerberverhalten)
1
Siehe zu der Thematik auch Dinkelbach, W.: Entscheidungsmodelle, in: Handwörterbuch der Organisation, 2. A. Stuttgart 1980, Sp 23-633; Witte, E.: Entscheidungsprozesse,
in ebenda, Sp 633-641; Strunz, H.: Entscheidungstabellen, in: ebenda, Sp 641-651; Kirsch, W./Esser, W.-M.: Entscheidungstheorie, in: ebenda, Sp. 651-659.
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Entscheidungsorientierte Grundlagen
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 Die im folgenden aufgezeigten Entscheidungsregeln basieren
auf der normativen Entscheidungstheorie, d.h. bewußt handelnder Akteur unter Rationalitätsbedingungen.
 Es wird also bei gegebenem Ziel nicht analysiert wie ein Entscheidungsträger tatsächlich entscheidet, sondern wie er u.
bestimmten Annahmen entscheiden sollte.
 Diese Annahmen werden allerdings vom Entscheider bzw.
dem Entscheidungsteam „festgelegt“.
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Entscheidungsorientierte Grundlagen
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 Um überhaupt von einem Entscheidungsproblem zu sprechen,
müssen mindestens zwei Alternativen (Aktionen) existieren,
die im Rahmen zielorientierten Verhaltens als potentielle Lösung gelten können.
 Die Gesamtheit der Handlungsmöglichkeiten werden "Aktionsraum" oder "Entscheidungsraum" genannt.
 Die möglichen Aktionen im Aktionsraum können Einzeloder Bündelmaßnahmen zur Zielerfüllung sein.
 So ist es zu erklären, das jede Aktion aus verschiedenen "Aktionsparametern" zusammengesetzt (kombiniert) sein kann dazu folgendes Beispiel: 2
2
Wöhe, G.: ABWL, a.a.O., S. 131.
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Ein Unternehmen hat 6.000.000 EURO zur Verfügung um die
Gesamtkapitalrentabilität zu erhöhen. Die Alternativen sind:
1. Produktion eines Produktes A (Testeron)
2. Produktion eines Produktes B (Viagra II)
3. Finanzanlage über die Bank
Die Produktion pro Produktart könnte mit einem Engagement
von jeweils 2.000.000 oder 4.000.000 EURO gestartet werden.
Welche Konstellationen bestimmen den Aktionsraum ?
Das Beispiel wird fortgesetzt!
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Entscheidungen und Umweltkonstellationen
 Die „richtige“ Wahl einer Handlungsalternative ist prinzipiell nur
dann möglich, wenn Informationen aus der relevanten Umwelt
vorliegen.
 Hintergrund ist: die Richtigkeit unserer Entscheidung beantwortet immer die Zukunft – ein sog. Zukunftszustand.
 Daten sind deshalb für „richtige“ notwendig – ohne sie geht es
nur im Grenzfall.
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 Da der/die Entscheidungsträger diese Umweltzustände i.d.R. nicht beeinflussen können, ist der Erfolg der gewählten Handlungsalternative von der
"richtigen" Einschätzung der jeweiligen relevanten Umweltzustände abhängig.
 Dafür sind nicht nur Daten notwendig, sondern auch deren Deutung, Erfahrungen und die entsprechende Antizipation. Dadurch werden aus Daten etc.
Informationen. Je mehr Informationen wir haben, um so sicherer wird die
Entscheidung in bezug auf die Zielereichung.
 In diesem Zusammenhang wird jede denkbare Konstellation die das Ergebnis einer Handlungsalternative beeinflussen kann als "Zustand" bezeichnet.
 Dieser Zustand bzw. die dahinterstehende Handlungsalternaive drückt dann
eine Wertkombination aller relevanten Umweltdaten aus; die Menge aller
möglichen Umweltzustände ergibt dann den "Zustandsraum".
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... dazu die Beispielfortsetzung:
Die Umweltkonstellation kann folgende Zustände bereit halten:





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Es besteht die Möglichkeit eines Verkaufsverbots für das Produkt A.
Es besteht die Möglichkeit eines Verkaufsverbots für das Produkt B.
Es besteht die Möglichkeit eines Verkaufsverbots beider Produkte.
Es besteht die Möglichkeit der Verlust der Finanzanlage.
Es besteht die Möglichkeit einer Vermischung der Möglichkeiten.
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ZR
1
2
3
4
5
6
7
8
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Zustandsparameter
Verbot
Verbot
Verbot
Verbot
Konkurs des Schuldners/
Verbot wie gehabt
Konkurs des Schuldners/
Verbot wie gehabt
Konkurs des Schuldners/
Verbot wie gehabt
Konkurs des Schuldners/
Verbot wie gehabt
Produkt A
ja
nein
ja
nein
ja
Produkt B
ja
ja
nein
nein
ja
Geldanlage
Erfolgreich
Erfolgreich
Erfolgreich
Erfolgreich
Nicht erfolgreich
nein
ja
Nicht erfolgreich
ja
nein
Nicht erfolgreich
nein
nein
Nicht erfolgreich
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 In Entscheidungsmodellen wird der Aktions- und Zustandsraum so definiert, daß in einer Entscheidungssituation jeweils eine Aktion einem Umweltzustand zugeordnet werden
kann.
 Dies geschieht z.B. in einer Ergebnismatrix.
Zustandsraum/
Aktionsraum
A1
A2
A3
Z1
Z2
Z3
u1,1
u1,2
u1,3
u2,1
u2,2
u2,3
u3,1
u3,2
u3,3
 Die Problematik der sog. "Informationslage" bzw. mit dem
zur Verfügung stehenden Informationssystem gekoppelt letztlich also eine Frage inwieweit das Unternehmen über seine relevante Umwelt informiert ist oder nicht!
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 Ein Problem besteht darin, die Ergebnisse aus den Kombinationen der Aktionen und der Umweltzustände vergleichbar
zu machen, d.h. für die Ergebnisse werden vergleichbare
Werte gesucht.
 Dies ist durch die Bildung von Nutzwerten (Nutzwert: subjektiver, d.h. durch die Tauglichkeit zur Bedürfnisbefriedigung
(den Nutzen) bestimmter Wert eines Gutes) grundsätzlich
(hilfsweise) möglich, d.h. der Entscheidungsträger ordnet
den Ergebnissen reelle Zahlen zu (sog. Nutzen(werte).3
 Dies stellt sich häufig als Problem dar und ist oft Ergebnis
langer Diskussionen oder aber einer gewissen Willkür.
3
Siehe in diesem Zusammenhang die Nutzwert-Analyse (Standortfaktoren)
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 Ist die Zuordnung von Nutzen zu den jeweiligen Konstellationen
Aktion/Zustand geschehen kann mit Hilfe sog "Entscheidungsregeln" eine Alternativenauswahl erfolgen.4
Es gibt Entscheidungsregeln für Entscheidungssituationen:
a) unter Sicherheit
(dieMethode des "maximalen Spaltenwertes")
b) unter Risiko
(Bayes-Prinzip)
c) unter Unsicherheit; z.B.:
Maximin-Regel,
Maxima-Regel,
Hurwicz-Regel,
Savage-Niehans-Regel und Laplace-Regel
4
Siehe dazu z.B. die Zusammenfassungen bei Selchert, F.W.: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, a.a.O., S. 84ff.
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Die Entscheidungsregeln 5
Die Entscheidungsmatrix, die Aktionen als Zeilenausdrücke
a1 - am und Zustände als Spaltenausdrücke z1 - zn, sowie die
zusammengestellten Nutzenwerte u11 - umn enthält, wird nun
so ausgewertet, daß entsprechend den Zielvorstellungen des Entscheidungsträgers diejenige Alternative mit dem höchsten
Nutzwert gewählt wird.
Entscheidungen unter
Die Methode des sog. "maximalen Spaltenwertes" kann bei
Situationen unter Sicherheit angewendet werden, d.h. der Eintritt des Zustandes (Z1) geschieht mit der Wahrscheinlichkeit (p)
0 oder 1.
5
Siehe dazu auch Kahle, E.: Betriebliche Entscheidungen, 2.A., München 1990, S. 123ff.
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 Stellen die Aktionen des unten gezeigten Beispiels a1 bis a3 Handlungsmöglichkeiten für die Verfolgung eines Zieles dar, wird aus
der nachstehenden Matrix die Aktion mit dem höchsten Spaltenwert als Handlungsalternative gewählt.
Zustandsraum/
Aktionsraum
A1
A2
A3
Z1
Z2
Z3
(p=1)
(p=0)
(p=?)
12
30
18
25
04
20
18
12
01
Mit p wird die Eintrittswahrscheinlichkeit bezeichnet.
 Entscheidungen bei Sicherheit stellen in der Praxis die Ausnahmen
dar.
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Entscheidungen unter
 Bei unvollkommener Informationslage kann ein sog. Risiko
vorherrschen.
 Eine Risikosituation besteht dann, wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit angegeben werden kann.
Beispiele:
z.B. welche konkrete Augenzahl bei einem Wurf mit einem Würfel gewürfelt wird 1:6,
Verschleißzahlen in der Materialwirtschaft,
Risikofaktoren im medizinischen Bereich,
Riskofaktoren in der Versicherungswirtschaft.6
6
In diesem Zusammenhang ist der Eintrittszeitpunkt des Risikofalles ein wichtige entscheidungsrelevanter Aspekt. Risikofaktoren sind Maßzahlen über Eintrittswahrscheinlichkeiten gebildet.
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 Das Bayes-Prinzip (Erwartungsprinzip) verlangt diejenige
Handlungsalternative zu wählen, bei der die über alle Umweltsituationen gebildete Zeilensumme der mit den Eintrittswahrscheinlichkeiten gewichteten Zielerreichungsgrade am höchsten
sind.
Beispiel:
Zustandsraum
Z1 Z2 Z3
Wahrscheinlichkeit 0,1 0,6 0,3 Erwartungswert (µ) = Summe aller
Produkte aus Nutzwerten und ErAktionsraum
wartungswerten
A1
10 30 25 10*0,1+30*0,6+25*0,3 = 26,5
A2
35 05 30 35*0,1+05*0,6+30*0,3 = 15,5
A3
40 20 10 40*0,1+20*0,6+10*0,3 = 19,0
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 Die höchste Zeilensumme signalisiert den höchsten Erwartungswert. Es ist dann die dazugehörige Alternative zu wählen.
 Diese Entscheidungsregel birgt das Problem, daß die individuelle Risikobereitschaft des Entscheidungsträgers nicht berücksichtigt wird.
 Die unterschiedliche Risikobereitschaft bei Akteuren ist ein
typisches „Entscheidermerkmal“, daß die normativen Entscheidungsregeln unter Unsicherheit berücksichtigen!
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Entscheidungen unter
 Bei Entscheidungen unter Unsicherheit können keine Eintrittswahrscheinlichkeiten der Zustände angegeben werden es wird somit von "unsicheren Erwartungen" gesprochen.
 Das bedeutet auch, daß dem Entscheidungsträger ein individuelles "Eingriffsrecht" in die Entscheidungssituation eingeräumt werden muß.
 Die Entscheidungsregeln lassen für Situationen unter Unsicherheit je nach "Einstellung" des Entscheidungsträgers zum Optimismus oder Pessimismus Wahlmöglichkeiten.
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Maximin-Regel:
 Die Maximin-Regel enthält ein sog. Pessimismus-Kriterium.
 Mit Hilfe dieses Kriteriums wird die zweckmäßigste Handlungsalternative als Maximum der Zeilenminima ermittelt.
 Das bedeutet die Ermittlung desjenigen Wertes, der für den
Entscheidungsträger bei Eintreten der ungünstigsten Umweltbedingungen noch am besten ist.
Zustandsraum/
Aktionsraum
A1
A2
A3
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Z1
Z2
Z3
Zeilenminima
18
20
12
35
14
15
05
25
30
05
14
12
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 Wird die Handlungsalternative a2 gewählt, wird ausgeschlossen, daß der Nutzwert unter 14 fällt.
Gibt es Gründe für die Anwendung der Maximin-Regel?
 Diese Regel kann z.B. im Verhalten gegenüber einem rational entscheidenden Gegenspieler Relevanz bekommen.
 Das Ziel des Gegenspielers ist im Wettbewerb i.d.R.
konfliktär zu unserem Ziel (Konflikt auf der gleichen
Zielebene „homogene Zielkonkurrenz“).
 Es ist anzunehmen, daß durch gegnerische Aktionen, das
Ergebnis des betrachteten Entscheidungsträgers möglichst
negativ beeinflußt werden soll (Sekundärwirkung einer
Entscheidung).
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Maximax-Regel
 Es kann nicht unbedingt davon ausgegangen werden, daß sich
der Entscheidungsträger immer in einer grundsätzlich feindlichen Umwelt befindet.
 Optimistische Erwartungen des Entscheidungsträgers in bezug
auf seine Umwelt können im Rahmen einer Entscheidungssituation schon bei der Wahl der sog. "Maximax-Regel" konstatiert werden (siehe dazu „schumpeterscher Unternehmer“).
 Im Falle der Maximax-Regel wird diejenige Handlungsalternative ausgewählt, die das Maximum der Zeilenmaxima beschreibt.
 ... d.h. die Erwartungen des Entscheidungsträgers sind bezogen auf das günstigste Zustandsereignis am höchsten.
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Maximax-Regel
Zustandsraum/
Aktionsraum
A1
A2
A3
Z1
Z2
Z3 Zeilenminima
18
20
12
35
14
15
05
25
30
35
25
30
 Das Eintreffen optimistischer Erwartungen ist allerdings rational nicht begründbar.
 In der Realität kann diese Verhaltensweise auf den Hintergrund von tatsächlich „sicheren Erwartungen“ hindeuten.
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Hurwicz-Regel:
 Die Hurwicz-Regel kombiniert die beiden vorangestellten Regeln.
 Es wird ein Parameter "" eingeführt der das Risikobewußtsein
der Entscheidungsträger angibt.
 „„ liegt zwischen 0 und 1. Bei „= 1“ herrscht "grenzenloser"
Optimismus, bei „= 0“ entsprechend absoluter Pessimismus.
Vorerst werden aus die Werte der Zeilenminima und Zeilenmaxima ermittelt:
Zustandsraum/
Aktionsraum
A1
A2
A3
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Z1
Z2
Z3 Zeilenmaxima Zeilenminima
18
20
12
35
14
15
05
25
30
35
25
30
05
14
12
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 Anschließend werden die Werte des Zeilenmaxima mit Lambda
(0,3), die der Zeilenminima mit (1 - Lambda = 0,7) multipliziert.
In dem von Wöhe entliehenen Beispiel wird von einem geringen
Risikobewußtsein des Akteurs ausgegangen - Lambda = 0,3.
 Die Handlungsalternative mit der höchsten Summe aus Zeilenmaxima und Zeilenminima der jeweiligen Aktionen ist dann
die vorteilhafteste Entscheidung.
Zeilenextremwerte/
Aktionsraum
A1
A2
A3
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Zeilenmaxima Zeilenminima
*
*(1-)
35*0,3=10,5
25*0,3=07,5
30*0,3=09,0
05*0,7=03,5
14*0,7=09,8
12*0,7=08,4
Summe
10,5+03,5=14,0
07,5+09,8=17,3
09,0+08,4=17,4
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Savage-Niehans-Regel
 Die Savage-Niehans-Regel oder die Regel des "kleinsten Bedauerns" orientiert sich nicht an höchsten Nutzwerten, sondern zeigt
diejenige Entscheidung auf, die durch eine Fehleinschätzung
des erwarteten Zustands den geringsten Nachteil darstellt (Minimierung des höchstmöglichen Nachteils).
Verfahren - 1. Schritt: Ermittlung der Spaltenmaxima (Aufzeigen des besten Aktion beim Eintreten eines bestimmten Zustands):
Zustandsraum/ Z1
Z2
Z3
Aktionsraum
A1
18
35
05
A2
20
14
25
A3
12
15
30
Spaltenmaxima 20
35
30
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Verfahren - 2. Schritt: Anschließend wird jeder Nutzwert der Entscheidungsmatrix durch Differenzbildung in einen neuen Wert überführt.
 Im Ergebnis entsteht eine neue Matrix die die maximal möglichen
Nachteile zeigt.
 Der ursprüngliche Nutzwert in der Matrix wird durch die Differenz aus dem jeweiligem Spaltenmaxima und dem ehemaligem
Spaltennutzwert ersetzt.
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Beispielfortsetzung:
Zustandsraum/
Aktionsraum
A1
A2
A3
Z1
Z2
Z3
02
00
08
00
21
20
25
05
00
Maximales
Risiko
25
21
20
 Aus den so entstandenen Werten wird die Zeilensumme bestimmt,
die das maximale Risiko für die jeweiligen Aktionen (a1 - a3)
angibt. Es wird jetzt die Aktion gewählt die das niedrigste "maximale Risiko" erwarten läßt.

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Ergebnis: der durch Fehleinschätzung kleinste Schaden entsteht
bei Wahl von A3
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Laplace-Regel
Die Laplace-Regel kann dann als Entscheidungshilfe hinzugezogen werden, wenn über die Eintrittswahrscheinlichkeiten irgendwelcher Umweltkonstellationen keinerlei begründete Information zur Verfügung stehen.
 Man kann die Ansicht vertreten, daß es keinen "vernünftigen" Grund gibt anzunehmen, daß die eine oder andere
Umweltkonstellation mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eintritt.
 Die Konsequenz daraus ist, daß alle Umweltkonstellationen
als gleich wahrscheinlich eingestuft werden.
 Dies führt zu einer identischen Wertung aller als möglich
erachteten Umweltkonstellationen.
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Beispiel Laplace-Regel:
Zustandsraum
Z1
Gewichte
1/3
Aktionsraum
A1
18*1/3
A2
20*1/3
Z2
1/3
Z3
1/3
35*1/3
14*1/3
05*1/3
25*1/3
Summe
58*1/3=191/3
59*1/3=192/3
A3
12*1/3
15*1/3
30*1/3
57*1/3=19
Die Gleichgewichtung der Zustände führt zur Wahl der Aktion 2.
 Der Anwendung dieser Entscheidungsregel kann entgegengehalten
werden, daß es wohl relativ unrealistisch ist von gleichen Eintrittswahrscheinlichkeiten auszugehen, vor allem unter dem Gesichtspunkt, daß bereits Zustände im Zustandsraum definiert worden sind.
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Was halten Sie von diesen Entscheidungshilfen?
 Alle Entscheidungsregeln sind kritisierbar. Es wird gezeigt,
daß je nach Einstellung des Entscheidungsträgers andere Lösungen denkbar sind - rational begründet, allerdings unter verschiedenen Einschätzungen der wahrgenommenen Realität.
So ist es zu erklären, daß alle Handlungsalternativen (a1, a2 und
a3) in den vorangegangenen Beispielen durchaus unter Berücksichtigung von bestimmten Prämissen zieladäquate Entscheidungen sein können.
 Weiterführende Literatur zur Problematik betrieblicher Entscheidungen findet sich z.B. bei Kahle, E.: Betriebliche Entscheidungen, 2. A. München 1990, S. 192.
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Die Bedeutung von Entscheidungsmodellen
Während eine Entscheidung immer individuellen Rationalitäten oder
letztlich auch Irrationalitäten unterliegt, wird sie trotzdem als rationale Wahl verstanden, d.h., die Entscheidung erfolgt unter Verwendung irgend eines als sinnvoll ausgewählten Kriteriums (Ziel), daß
als Prüfstein zur Beurteilung einer Alternative gilt, ebenso als Maßstab für den Vergleich mehrerer Alternativen.
Entscheidungsmodelle sind als Entscheidungshilfen zu sehen. Das
kann eindrucksvoll an den hier aufgezeigten Entscheidungsregeln
gezeigt werden - je nach individueller Einstellung, z.B. des Risikoverhaltens des Entscheiders, findet zunächst einmal die Wahl des
geeigneten Entscheidungsmodells statt.
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Entscheidungsmodelle sind, wenn sie denn als Entscheidungshilfe herangezogen werden sollen, immer auch
unter ihren Prämissen (Einschränkungen) zu betrachten. Je abstrakter und unrealistischer diese Prämissen
für den Entscheidungsfall erscheinen, um so ungeeigneter ist das Entscheidungsmodell grundsätzlich.
Es kommt daher für betriebswirtschaftlich orientierte und entscheidungsberechtigte Person weniger darauf an,
Entscheidungsprobleme zu algorithmisieren und die Entscheidung auszurechnen, als vielmehr zu überprüfen,
inwieweit der Bedingungsrahmen des Entscheidungsmodells (die Prämissen) zur Lösung des Entscheidungsproblems geeignet ist. In diesem Zusammenhang muß darauf hingewiesen werden, daß Entscheidungen
sich möglichst nicht an monokausalen Wirkungsketten orientieren sollten; vor allem wenn die Entscheidung
nur an einem Ziel orientiert ist, besteht diese Gefahr.
Gefahr deshalb, weil sog. "fließende variable Wirkungsketten" durch Entscheidungen entstehen, d.h. die
Wirkungen der Entscheidung und der durch sie ausgelösten Synergien, können gleichzeitig oder zeitversetzt
konfliktäre Situation bei der Zielsystemerreichung determinieren.
Es ist also darauf zu achten nur solche Entscheidungen zu treffen, die für die Zukunft keinerlei negative
Zielbeiträge (über Sekundärwirkungsketten die aus den Konsequenzen der Entscheidungen entstehen) erwarten lassen.
Für die Einhaltung dieser Forderung gibt es unterschiedliche Verfahrensideen. Eine davon ist z.B. der Ansatz
von Probst und Gomez: Die Methode des vernetzten Denkens. Es geht dabei darum, möglichst viele Wirkungsketten von Entscheidungen aufzueigen, um (unbeabsichtigte) Sekundärwirkungen gering zu halten und
diese Wirkungsketten auch erst einmal zu lokalisieren.7
7
Siehe dazu Probst, G.J.B./Gomez, P. (HG): Vernetztes Denken, 2.A., Wiesbaden 1991.
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Zusammengefaßt:
Entscheidung/Entscheidungstheorie:
1. Begriff: Auswahl einer Aktion aus einer Menge verfügbarer Maßnahmen unter Berücksichtigung möglicher
Umweltzustände mit Willensakzent: Entscheidung = Willenbildung + Entschluß. (Unverbindliche gedankliche Alternativen-Wahlen ohne Realisierungsabsicht aus der Menge der Entscheidung sind ausgeschlossen).
2. Voraussetzung: Zielkriterien zur Bewertung der möglichen Aktionen.
3. Arten: (1) Nach der Häufigkeit: einmalige und wiederkehrende Entscheidung; (2) nach der Fristigkeit: kurz, mittel- und langfristige Entscheidung; (3) nach der Tragweite: konstitutive (z. B. Gründungsentscheidung)
und laufende Entscheidung; (4) nach dem Geltungsbereich: Gesamtbetriebs- und Funktions-Entscheidung
bzw. Total- und Partial-Entscheidung; (5) nach dem Sicherheitsgrad der Informationen: Entscheidung unter
Sicherheit, unter Risiko und unter Unsicherheit; (6) nach der Zahl der zu berücksichtigenden Ziele: Entscheidung bei Einfach- und Mehrfachzielsetzung; (7) nach der personalen Dimension (Zahl der Entscheidungsträger): Individualentscheidung und Kollektiventscheidung; (8) nach getrennter oder vereinter Entscheidungs- und Ausführungsaufgabe: Selbstentscheidung und Fremdentscheidung; (9) nach dem Verlauf
des Entscheidungsprozesses: simultane und sukzessive Entscheidung; (10) nach der Struktur des Entscheidungsproblems: Entscheidung für wohlstrukturierte und schlecht strukturierte Entscheidungsprobleme.
4. Eine allgemein gültigere Typologie knüpft an die übergreifenden Merkmale Komplexität und Determiniertheit an: (1) Komplexität: Art und Anzahl von Variablen und ihren Beziehungen; (2) Determiniertheit: Möglichkeit bzw. Ausmaß der Festlegbarkeit des Entscheidungsablaufs. Extrempunkte sind nichtprogrammierbare Entscheidung und programmierbare Entscheidung. Weitere Stichwörter: Entscheidungsphasen, Entscheidungsprozeß, situative Entscheidung.
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