Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________1 Entscheidungsorientierte Grundlagen Entscheidungssituationen Eine Entscheidung bezeichnet die Auswahl einer von mehreren Handlungsalternativen, die dem oder den Entscheidungsträger(n) zur Erfüllung eines oder mehrerer Ziel zur Verfügung steht(en). Es muß gewährleistet sein, daß die Alternativen bezogen auf die Zielerfüllung tatsächlich gleichwertig sind. Eine Entscheidung liegt bei bewußter und unbewußter Auswahl einer Handlungsalternative vor. D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________2 Bei der analytischen Betrachtung der im Unternehmen vorkommenden Wahlhandlungen (Entscheidungsverhalten) werden zwei Hauptrichtungen unterschieden: 1. normative Entscheidungen (normative Entscheidungsheorie) 2. deskriptive Entscheidungen (deskriptive Entscheidungstheorie) D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________3 Die normative Entscheidungstheorie .... geht vom rational handelnden Entscheidungsträger (Akteur, Handelnde/r) aus. Das rationale Handeln wird als zweckmäßige Grundeinstellung betrachtet. Diese Richtung steht für die normative (wertende) Entscheidungstheorie -–eben auf festgelegten Normen basierend. Sie bezieht sich auf die jeweilige Systemrationalität (z.B. erwerbswirtschaftiches Prinzip, ökonomisches Prinzip, immer im Kontext mit einem definierten Ziel/Zielsystem)!! D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________4 Die deskriptive Entscheidungstheorie ... will das Zustandekommen von Entscheidungen in der Realität aufzeigen, indem sie das tatsächliche Handeln mit dem Ziel beschreibt und erklärt, empirisch gehaltvolle Hypothesen über das menschliche Entscheidungsverhalten zu erlangen. Bezeichnet wird diese Richtung auch als empirischrealistische Entscheidungstheorie.1 (Bsp. heute: Strategische Überlegungen, Konsumentenverhalten, Wettbewerberverhalten) 1 Siehe zu der Thematik auch Dinkelbach, W.: Entscheidungsmodelle, in: Handwörterbuch der Organisation, 2. A. Stuttgart 1980, Sp 23-633; Witte, E.: Entscheidungsprozesse, in ebenda, Sp 633-641; Strunz, H.: Entscheidungstabellen, in: ebenda, Sp 641-651; Kirsch, W./Esser, W.-M.: Entscheidungstheorie, in: ebenda, Sp. 651-659. D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________5 Die im folgenden aufgezeigten Entscheidungsregeln basieren auf der normativen Entscheidungstheorie, d.h. bewußt handelnder Akteur unter Rationalitätsbedingungen. Es wird also bei gegebenem Ziel nicht analysiert wie ein Entscheidungsträger tatsächlich entscheidet, sondern wie er u. bestimmten Annahmen entscheiden sollte. Diese Annahmen werden allerdings vom Entscheider bzw. dem Entscheidungsteam „festgelegt“. D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________6 Um überhaupt von einem Entscheidungsproblem zu sprechen, müssen mindestens zwei Alternativen (Aktionen) existieren, die im Rahmen zielorientierten Verhaltens als potentielle Lösung gelten können. Die Gesamtheit der Handlungsmöglichkeiten werden "Aktionsraum" oder "Entscheidungsraum" genannt. Die möglichen Aktionen im Aktionsraum können Einzeloder Bündelmaßnahmen zur Zielerfüllung sein. So ist es zu erklären, das jede Aktion aus verschiedenen "Aktionsparametern" zusammengesetzt (kombiniert) sein kann dazu folgendes Beispiel: 2 2 Wöhe, G.: ABWL, a.a.O., S. 131. D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________7 Ein Unternehmen hat 6.000.000 EURO zur Verfügung um die Gesamtkapitalrentabilität zu erhöhen. Die Alternativen sind: 1. Produktion eines Produktes A (Testeron) 2. Produktion eines Produktes B (Viagra II) 3. Finanzanlage über die Bank Die Produktion pro Produktart könnte mit einem Engagement von jeweils 2.000.000 oder 4.000.000 EURO gestartet werden. Welche Konstellationen bestimmen den Aktionsraum ? Das Beispiel wird fortgesetzt! D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________8 Entscheidungen und Umweltkonstellationen Die „richtige“ Wahl einer Handlungsalternative ist prinzipiell nur dann möglich, wenn Informationen aus der relevanten Umwelt vorliegen. Hintergrund ist: die Richtigkeit unserer Entscheidung beantwortet immer die Zukunft – ein sog. Zukunftszustand. Daten sind deshalb für „richtige“ notwendig – ohne sie geht es nur im Grenzfall. D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________9 Da der/die Entscheidungsträger diese Umweltzustände i.d.R. nicht beeinflussen können, ist der Erfolg der gewählten Handlungsalternative von der "richtigen" Einschätzung der jeweiligen relevanten Umweltzustände abhängig. Dafür sind nicht nur Daten notwendig, sondern auch deren Deutung, Erfahrungen und die entsprechende Antizipation. Dadurch werden aus Daten etc. Informationen. Je mehr Informationen wir haben, um so sicherer wird die Entscheidung in bezug auf die Zielereichung. In diesem Zusammenhang wird jede denkbare Konstellation die das Ergebnis einer Handlungsalternative beeinflussen kann als "Zustand" bezeichnet. Dieser Zustand bzw. die dahinterstehende Handlungsalternaive drückt dann eine Wertkombination aller relevanten Umweltdaten aus; die Menge aller möglichen Umweltzustände ergibt dann den "Zustandsraum". D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________10 ... dazu die Beispielfortsetzung: Die Umweltkonstellation kann folgende Zustände bereit halten: D:\68621097.doc Es besteht die Möglichkeit eines Verkaufsverbots für das Produkt A. Es besteht die Möglichkeit eines Verkaufsverbots für das Produkt B. Es besteht die Möglichkeit eines Verkaufsverbots beider Produkte. Es besteht die Möglichkeit der Verlust der Finanzanlage. Es besteht die Möglichkeit einer Vermischung der Möglichkeiten. Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________11 ZR 1 2 3 4 5 6 7 8 D:\68621097.doc Zustandsparameter Verbot Verbot Verbot Verbot Konkurs des Schuldners/ Verbot wie gehabt Konkurs des Schuldners/ Verbot wie gehabt Konkurs des Schuldners/ Verbot wie gehabt Konkurs des Schuldners/ Verbot wie gehabt Produkt A ja nein ja nein ja Produkt B ja ja nein nein ja Geldanlage Erfolgreich Erfolgreich Erfolgreich Erfolgreich Nicht erfolgreich nein ja Nicht erfolgreich ja nein Nicht erfolgreich nein nein Nicht erfolgreich Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________12 In Entscheidungsmodellen wird der Aktions- und Zustandsraum so definiert, daß in einer Entscheidungssituation jeweils eine Aktion einem Umweltzustand zugeordnet werden kann. Dies geschieht z.B. in einer Ergebnismatrix. Zustandsraum/ Aktionsraum A1 A2 A3 Z1 Z2 Z3 u1,1 u1,2 u1,3 u2,1 u2,2 u2,3 u3,1 u3,2 u3,3 Die Problematik der sog. "Informationslage" bzw. mit dem zur Verfügung stehenden Informationssystem gekoppelt letztlich also eine Frage inwieweit das Unternehmen über seine relevante Umwelt informiert ist oder nicht! D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________13 Ein Problem besteht darin, die Ergebnisse aus den Kombinationen der Aktionen und der Umweltzustände vergleichbar zu machen, d.h. für die Ergebnisse werden vergleichbare Werte gesucht. Dies ist durch die Bildung von Nutzwerten (Nutzwert: subjektiver, d.h. durch die Tauglichkeit zur Bedürfnisbefriedigung (den Nutzen) bestimmter Wert eines Gutes) grundsätzlich (hilfsweise) möglich, d.h. der Entscheidungsträger ordnet den Ergebnissen reelle Zahlen zu (sog. Nutzen(werte).3 Dies stellt sich häufig als Problem dar und ist oft Ergebnis langer Diskussionen oder aber einer gewissen Willkür. 3 Siehe in diesem Zusammenhang die Nutzwert-Analyse (Standortfaktoren) D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________14 Ist die Zuordnung von Nutzen zu den jeweiligen Konstellationen Aktion/Zustand geschehen kann mit Hilfe sog "Entscheidungsregeln" eine Alternativenauswahl erfolgen.4 Es gibt Entscheidungsregeln für Entscheidungssituationen: a) unter Sicherheit (dieMethode des "maximalen Spaltenwertes") b) unter Risiko (Bayes-Prinzip) c) unter Unsicherheit; z.B.: Maximin-Regel, Maxima-Regel, Hurwicz-Regel, Savage-Niehans-Regel und Laplace-Regel 4 Siehe dazu z.B. die Zusammenfassungen bei Selchert, F.W.: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, a.a.O., S. 84ff. D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________15 Die Entscheidungsregeln 5 Die Entscheidungsmatrix, die Aktionen als Zeilenausdrücke a1 - am und Zustände als Spaltenausdrücke z1 - zn, sowie die zusammengestellten Nutzenwerte u11 - umn enthält, wird nun so ausgewertet, daß entsprechend den Zielvorstellungen des Entscheidungsträgers diejenige Alternative mit dem höchsten Nutzwert gewählt wird. Entscheidungen unter Die Methode des sog. "maximalen Spaltenwertes" kann bei Situationen unter Sicherheit angewendet werden, d.h. der Eintritt des Zustandes (Z1) geschieht mit der Wahrscheinlichkeit (p) 0 oder 1. 5 Siehe dazu auch Kahle, E.: Betriebliche Entscheidungen, 2.A., München 1990, S. 123ff. D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________16 Stellen die Aktionen des unten gezeigten Beispiels a1 bis a3 Handlungsmöglichkeiten für die Verfolgung eines Zieles dar, wird aus der nachstehenden Matrix die Aktion mit dem höchsten Spaltenwert als Handlungsalternative gewählt. Zustandsraum/ Aktionsraum A1 A2 A3 Z1 Z2 Z3 (p=1) (p=0) (p=?) 12 30 18 25 04 20 18 12 01 Mit p wird die Eintrittswahrscheinlichkeit bezeichnet. Entscheidungen bei Sicherheit stellen in der Praxis die Ausnahmen dar. D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________17 Entscheidungen unter Bei unvollkommener Informationslage kann ein sog. Risiko vorherrschen. Eine Risikosituation besteht dann, wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit angegeben werden kann. Beispiele: z.B. welche konkrete Augenzahl bei einem Wurf mit einem Würfel gewürfelt wird 1:6, Verschleißzahlen in der Materialwirtschaft, Risikofaktoren im medizinischen Bereich, Riskofaktoren in der Versicherungswirtschaft.6 6 In diesem Zusammenhang ist der Eintrittszeitpunkt des Risikofalles ein wichtige entscheidungsrelevanter Aspekt. Risikofaktoren sind Maßzahlen über Eintrittswahrscheinlichkeiten gebildet. D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________18 Das Bayes-Prinzip (Erwartungsprinzip) verlangt diejenige Handlungsalternative zu wählen, bei der die über alle Umweltsituationen gebildete Zeilensumme der mit den Eintrittswahrscheinlichkeiten gewichteten Zielerreichungsgrade am höchsten sind. Beispiel: Zustandsraum Z1 Z2 Z3 Wahrscheinlichkeit 0,1 0,6 0,3 Erwartungswert (µ) = Summe aller Produkte aus Nutzwerten und ErAktionsraum wartungswerten A1 10 30 25 10*0,1+30*0,6+25*0,3 = 26,5 A2 35 05 30 35*0,1+05*0,6+30*0,3 = 15,5 A3 40 20 10 40*0,1+20*0,6+10*0,3 = 19,0 D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________19 Die höchste Zeilensumme signalisiert den höchsten Erwartungswert. Es ist dann die dazugehörige Alternative zu wählen. Diese Entscheidungsregel birgt das Problem, daß die individuelle Risikobereitschaft des Entscheidungsträgers nicht berücksichtigt wird. Die unterschiedliche Risikobereitschaft bei Akteuren ist ein typisches „Entscheidermerkmal“, daß die normativen Entscheidungsregeln unter Unsicherheit berücksichtigen! D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________20 Entscheidungen unter Bei Entscheidungen unter Unsicherheit können keine Eintrittswahrscheinlichkeiten der Zustände angegeben werden es wird somit von "unsicheren Erwartungen" gesprochen. Das bedeutet auch, daß dem Entscheidungsträger ein individuelles "Eingriffsrecht" in die Entscheidungssituation eingeräumt werden muß. Die Entscheidungsregeln lassen für Situationen unter Unsicherheit je nach "Einstellung" des Entscheidungsträgers zum Optimismus oder Pessimismus Wahlmöglichkeiten. D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________21 Maximin-Regel: Die Maximin-Regel enthält ein sog. Pessimismus-Kriterium. Mit Hilfe dieses Kriteriums wird die zweckmäßigste Handlungsalternative als Maximum der Zeilenminima ermittelt. Das bedeutet die Ermittlung desjenigen Wertes, der für den Entscheidungsträger bei Eintreten der ungünstigsten Umweltbedingungen noch am besten ist. Zustandsraum/ Aktionsraum A1 A2 A3 D:\68621097.doc Z1 Z2 Z3 Zeilenminima 18 20 12 35 14 15 05 25 30 05 14 12 Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________22 Wird die Handlungsalternative a2 gewählt, wird ausgeschlossen, daß der Nutzwert unter 14 fällt. Gibt es Gründe für die Anwendung der Maximin-Regel? Diese Regel kann z.B. im Verhalten gegenüber einem rational entscheidenden Gegenspieler Relevanz bekommen. Das Ziel des Gegenspielers ist im Wettbewerb i.d.R. konfliktär zu unserem Ziel (Konflikt auf der gleichen Zielebene „homogene Zielkonkurrenz“). Es ist anzunehmen, daß durch gegnerische Aktionen, das Ergebnis des betrachteten Entscheidungsträgers möglichst negativ beeinflußt werden soll (Sekundärwirkung einer Entscheidung). D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________23 Maximax-Regel Es kann nicht unbedingt davon ausgegangen werden, daß sich der Entscheidungsträger immer in einer grundsätzlich feindlichen Umwelt befindet. Optimistische Erwartungen des Entscheidungsträgers in bezug auf seine Umwelt können im Rahmen einer Entscheidungssituation schon bei der Wahl der sog. "Maximax-Regel" konstatiert werden (siehe dazu „schumpeterscher Unternehmer“). Im Falle der Maximax-Regel wird diejenige Handlungsalternative ausgewählt, die das Maximum der Zeilenmaxima beschreibt. ... d.h. die Erwartungen des Entscheidungsträgers sind bezogen auf das günstigste Zustandsereignis am höchsten. D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________24 Maximax-Regel Zustandsraum/ Aktionsraum A1 A2 A3 Z1 Z2 Z3 Zeilenminima 18 20 12 35 14 15 05 25 30 35 25 30 Das Eintreffen optimistischer Erwartungen ist allerdings rational nicht begründbar. In der Realität kann diese Verhaltensweise auf den Hintergrund von tatsächlich „sicheren Erwartungen“ hindeuten. D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________25 Hurwicz-Regel: Die Hurwicz-Regel kombiniert die beiden vorangestellten Regeln. Es wird ein Parameter "" eingeführt der das Risikobewußtsein der Entscheidungsträger angibt. „„ liegt zwischen 0 und 1. Bei „= 1“ herrscht "grenzenloser" Optimismus, bei „= 0“ entsprechend absoluter Pessimismus. Vorerst werden aus die Werte der Zeilenminima und Zeilenmaxima ermittelt: Zustandsraum/ Aktionsraum A1 A2 A3 D:\68621097.doc Z1 Z2 Z3 Zeilenmaxima Zeilenminima 18 20 12 35 14 15 05 25 30 35 25 30 05 14 12 Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________26 Anschließend werden die Werte des Zeilenmaxima mit Lambda (0,3), die der Zeilenminima mit (1 - Lambda = 0,7) multipliziert. In dem von Wöhe entliehenen Beispiel wird von einem geringen Risikobewußtsein des Akteurs ausgegangen - Lambda = 0,3. Die Handlungsalternative mit der höchsten Summe aus Zeilenmaxima und Zeilenminima der jeweiligen Aktionen ist dann die vorteilhafteste Entscheidung. Zeilenextremwerte/ Aktionsraum A1 A2 A3 D:\68621097.doc Zeilenmaxima Zeilenminima * *(1-) 35*0,3=10,5 25*0,3=07,5 30*0,3=09,0 05*0,7=03,5 14*0,7=09,8 12*0,7=08,4 Summe 10,5+03,5=14,0 07,5+09,8=17,3 09,0+08,4=17,4 Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________27 Savage-Niehans-Regel Die Savage-Niehans-Regel oder die Regel des "kleinsten Bedauerns" orientiert sich nicht an höchsten Nutzwerten, sondern zeigt diejenige Entscheidung auf, die durch eine Fehleinschätzung des erwarteten Zustands den geringsten Nachteil darstellt (Minimierung des höchstmöglichen Nachteils). Verfahren - 1. Schritt: Ermittlung der Spaltenmaxima (Aufzeigen des besten Aktion beim Eintreten eines bestimmten Zustands): Zustandsraum/ Z1 Z2 Z3 Aktionsraum A1 18 35 05 A2 20 14 25 A3 12 15 30 Spaltenmaxima 20 35 30 D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________28 Verfahren - 2. Schritt: Anschließend wird jeder Nutzwert der Entscheidungsmatrix durch Differenzbildung in einen neuen Wert überführt. Im Ergebnis entsteht eine neue Matrix die die maximal möglichen Nachteile zeigt. Der ursprüngliche Nutzwert in der Matrix wird durch die Differenz aus dem jeweiligem Spaltenmaxima und dem ehemaligem Spaltennutzwert ersetzt. D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________29 Beispielfortsetzung: Zustandsraum/ Aktionsraum A1 A2 A3 Z1 Z2 Z3 02 00 08 00 21 20 25 05 00 Maximales Risiko 25 21 20 Aus den so entstandenen Werten wird die Zeilensumme bestimmt, die das maximale Risiko für die jeweiligen Aktionen (a1 - a3) angibt. Es wird jetzt die Aktion gewählt die das niedrigste "maximale Risiko" erwarten läßt. D:\68621097.doc Ergebnis: der durch Fehleinschätzung kleinste Schaden entsteht bei Wahl von A3 Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________30 Laplace-Regel Die Laplace-Regel kann dann als Entscheidungshilfe hinzugezogen werden, wenn über die Eintrittswahrscheinlichkeiten irgendwelcher Umweltkonstellationen keinerlei begründete Information zur Verfügung stehen. Man kann die Ansicht vertreten, daß es keinen "vernünftigen" Grund gibt anzunehmen, daß die eine oder andere Umweltkonstellation mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eintritt. Die Konsequenz daraus ist, daß alle Umweltkonstellationen als gleich wahrscheinlich eingestuft werden. Dies führt zu einer identischen Wertung aller als möglich erachteten Umweltkonstellationen. D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________31 Beispiel Laplace-Regel: Zustandsraum Z1 Gewichte 1/3 Aktionsraum A1 18*1/3 A2 20*1/3 Z2 1/3 Z3 1/3 35*1/3 14*1/3 05*1/3 25*1/3 Summe 58*1/3=191/3 59*1/3=192/3 A3 12*1/3 15*1/3 30*1/3 57*1/3=19 Die Gleichgewichtung der Zustände führt zur Wahl der Aktion 2. Der Anwendung dieser Entscheidungsregel kann entgegengehalten werden, daß es wohl relativ unrealistisch ist von gleichen Eintrittswahrscheinlichkeiten auszugehen, vor allem unter dem Gesichtspunkt, daß bereits Zustände im Zustandsraum definiert worden sind. D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________32 Was halten Sie von diesen Entscheidungshilfen? Alle Entscheidungsregeln sind kritisierbar. Es wird gezeigt, daß je nach Einstellung des Entscheidungsträgers andere Lösungen denkbar sind - rational begründet, allerdings unter verschiedenen Einschätzungen der wahrgenommenen Realität. So ist es zu erklären, daß alle Handlungsalternativen (a1, a2 und a3) in den vorangegangenen Beispielen durchaus unter Berücksichtigung von bestimmten Prämissen zieladäquate Entscheidungen sein können. Weiterführende Literatur zur Problematik betrieblicher Entscheidungen findet sich z.B. bei Kahle, E.: Betriebliche Entscheidungen, 2. A. München 1990, S. 192. D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________33 Die Bedeutung von Entscheidungsmodellen Während eine Entscheidung immer individuellen Rationalitäten oder letztlich auch Irrationalitäten unterliegt, wird sie trotzdem als rationale Wahl verstanden, d.h., die Entscheidung erfolgt unter Verwendung irgend eines als sinnvoll ausgewählten Kriteriums (Ziel), daß als Prüfstein zur Beurteilung einer Alternative gilt, ebenso als Maßstab für den Vergleich mehrerer Alternativen. Entscheidungsmodelle sind als Entscheidungshilfen zu sehen. Das kann eindrucksvoll an den hier aufgezeigten Entscheidungsregeln gezeigt werden - je nach individueller Einstellung, z.B. des Risikoverhaltens des Entscheiders, findet zunächst einmal die Wahl des geeigneten Entscheidungsmodells statt. D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________34 Entscheidungsmodelle sind, wenn sie denn als Entscheidungshilfe herangezogen werden sollen, immer auch unter ihren Prämissen (Einschränkungen) zu betrachten. Je abstrakter und unrealistischer diese Prämissen für den Entscheidungsfall erscheinen, um so ungeeigneter ist das Entscheidungsmodell grundsätzlich. Es kommt daher für betriebswirtschaftlich orientierte und entscheidungsberechtigte Person weniger darauf an, Entscheidungsprobleme zu algorithmisieren und die Entscheidung auszurechnen, als vielmehr zu überprüfen, inwieweit der Bedingungsrahmen des Entscheidungsmodells (die Prämissen) zur Lösung des Entscheidungsproblems geeignet ist. In diesem Zusammenhang muß darauf hingewiesen werden, daß Entscheidungen sich möglichst nicht an monokausalen Wirkungsketten orientieren sollten; vor allem wenn die Entscheidung nur an einem Ziel orientiert ist, besteht diese Gefahr. Gefahr deshalb, weil sog. "fließende variable Wirkungsketten" durch Entscheidungen entstehen, d.h. die Wirkungen der Entscheidung und der durch sie ausgelösten Synergien, können gleichzeitig oder zeitversetzt konfliktäre Situation bei der Zielsystemerreichung determinieren. Es ist also darauf zu achten nur solche Entscheidungen zu treffen, die für die Zukunft keinerlei negative Zielbeiträge (über Sekundärwirkungsketten die aus den Konsequenzen der Entscheidungen entstehen) erwarten lassen. Für die Einhaltung dieser Forderung gibt es unterschiedliche Verfahrensideen. Eine davon ist z.B. der Ansatz von Probst und Gomez: Die Methode des vernetzten Denkens. Es geht dabei darum, möglichst viele Wirkungsketten von Entscheidungen aufzueigen, um (unbeabsichtigte) Sekundärwirkungen gering zu halten und diese Wirkungsketten auch erst einmal zu lokalisieren.7 7 Siehe dazu Probst, G.J.B./Gomez, P. (HG): Vernetztes Denken, 2.A., Wiesbaden 1991. D:\68621097.doc Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Entscheidungsorientierte Grundlagen ____________________________________________________________________________________________________________________________________________35 Zusammengefaßt: Entscheidung/Entscheidungstheorie: 1. Begriff: Auswahl einer Aktion aus einer Menge verfügbarer Maßnahmen unter Berücksichtigung möglicher Umweltzustände mit Willensakzent: Entscheidung = Willenbildung + Entschluß. (Unverbindliche gedankliche Alternativen-Wahlen ohne Realisierungsabsicht aus der Menge der Entscheidung sind ausgeschlossen). 2. Voraussetzung: Zielkriterien zur Bewertung der möglichen Aktionen. 3. Arten: (1) Nach der Häufigkeit: einmalige und wiederkehrende Entscheidung; (2) nach der Fristigkeit: kurz, mittel- und langfristige Entscheidung; (3) nach der Tragweite: konstitutive (z. B. Gründungsentscheidung) und laufende Entscheidung; (4) nach dem Geltungsbereich: Gesamtbetriebs- und Funktions-Entscheidung bzw. Total- und Partial-Entscheidung; (5) nach dem Sicherheitsgrad der Informationen: Entscheidung unter Sicherheit, unter Risiko und unter Unsicherheit; (6) nach der Zahl der zu berücksichtigenden Ziele: Entscheidung bei Einfach- und Mehrfachzielsetzung; (7) nach der personalen Dimension (Zahl der Entscheidungsträger): Individualentscheidung und Kollektiventscheidung; (8) nach getrennter oder vereinter Entscheidungs- und Ausführungsaufgabe: Selbstentscheidung und Fremdentscheidung; (9) nach dem Verlauf des Entscheidungsprozesses: simultane und sukzessive Entscheidung; (10) nach der Struktur des Entscheidungsproblems: Entscheidung für wohlstrukturierte und schlecht strukturierte Entscheidungsprobleme. 4. Eine allgemein gültigere Typologie knüpft an die übergreifenden Merkmale Komplexität und Determiniertheit an: (1) Komplexität: Art und Anzahl von Variablen und ihren Beziehungen; (2) Determiniertheit: Möglichkeit bzw. Ausmaß der Festlegbarkeit des Entscheidungsablaufs. Extrempunkte sind nichtprogrammierbare Entscheidung und programmierbare Entscheidung. Weitere Stichwörter: Entscheidungsphasen, Entscheidungsprozeß, situative Entscheidung. D:\68621097.doc