Die Angst, zu kurz zu kommen

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Die Angst, zu kurz zu kommen
Mag. Herwig Sturm
Gedanken zum Gleichnis Jesu von den 2 Söhnen
Lukas-Evangelium Kap. 15, Verse 11-32
1. Die Angst des jüngeren Sohnes
1.1 Die Angst, zu kurz zu kommen in Bezug auf die große weite Welt
Was ist hinter meinem Horizont
Ich möchte entdecken: Menschen, Länder, Gerüche, Speisen
Ich möchte erforschen: Wirtschaft; Kulturen, Kunst
Ich möchte eindringen in Geheimnisse: Entstehung des Weltalls, Gehirn und Gefühle
eine produktive „Angst“; wertvolle Neugier.
1.2 Die Angst, zu wenig zu haben
Gib mir mein Erbteil
Er könnte in die weite Welt gehen mit Neugier und Mut und Phantasie stattdessen beerbt er den Vater noch zu seinen Lebzeiten und geht
mit prall gefüllter Brieftasche los.
Wir bitten nicht mehr ums Erbe: wir nehmen es uns: die Schätze der Erde,
das Wundes des Genoms. Wir beschneiden die Zukunft späterer Generationen.
Und das alles mit großer Gier: Wer nicht nimmt, was er kriegen kann,
hat das Nachsehen.
1.3 Bauch vor Kopf - Zu kurz kommt der Verstand und die Moral
Statt bebauen und bewahren – verschleudern und verprassen
Ihm haben die Dirnen den Kopf verdreht; und die guten Freunde sein Geld.
Im Vaterhaus war die Wirtschaft nachhaltig; das Klima ausgeglichen.
In der Welt des „befreiten“ Menschen überschreiten wir in vielen Bereichen
die vernünftigen Grenzen und gehen auf Katastrophen zu.
Die Schätze der Welt sind endlich; wie das Leben auch.
Was verdreht uns den Kopf und vernebelt den Verstand?- Macht, Erfolg, Ansehen;
die Angst, zu kurz zu kommen; die Macht der Gewohnheit und Konvention.
die Gesetze des Marktes? Die Gier – wir haben nie genug
Wir nähren die Illusion, dass wir das technisch oder genetisch verändern können;
dabei muss die Veränderung bei uns selber beginnen.
2.
Die bittere Lehre
2.1 Teuerung und Hunger
Er weiß nicht woher und warum, aber plötzlich ist das Geld wertlos und weg.
Irgendwer verdient daran; aber wir zahlen nur drauf.
Die Armen verlieren alles, die Reichen machen Gewinne.
Der Hunger in der Welt ist eine unerträgliche Schande.
Die ihn erleiden, können sich nicht mehr wehren; helfen können nur die Satten.
Es gibt auch einen Hunger der Seele; nach tiefer Erfahrung, nach Sinnerfüllung,
nach Erleuchtung und innerem Frieden.
Bei manchen Angeboten, diesen Hunger zu stillen hat man den Eindruck, dass der
Mensch erst wieder bei den Schweinen gelandet ist.
2.2 Schweine hüten
Schweine sind für Juden und Moslems unreine Tiere. Sie hüten zu müssen ist
eine tiefe Schmach. Hier ist es wohl der letzte Anstoß zur Umkehr.
Was ist für uns unrein und ein Gräuel, damit in Berührung zu kommen?
Bettler und Betrunkene; Obdachlose.
Ein Geschäft nicht zu machen, das Gewinn bringt; egal, ob es auch sauber ist.
Einen Fehler zugeben. Die Wahrheit sagen als Politiker oder Banker.
Das Eigentum angreifen; Vermögen in soziale Verantwortung stellen
2.3 Einsicht und Umkehr – der schwerste Weg
Der junge Mann ist gewachsen und gereift.
Er hat aus seiner Verelendung gelernt; sucht keinen Sündenbock,
sondern bekennt sein Versagen und seine Schuld.
Was gibt ihm die Kraft dazu? Die Erinnerung an sein Vaterhaus?
Die Sehnsucht nach einer verläßlichen Gemeinschaft und einem würdigen Leben?.
Es ist der schwerste Weg bisher; aber der Weg ins Leben; er kehrt um.
3
Die Angst des Vaters, dass der Sohn zu kurz kommt
3.1 Nicht Tagelöhner, sondern Würdenträger
Gottes Sehnsucht:
die Sehnsucht des Menschen nach tiefer Erfahrung, Geborgenheit und Sinn.
Die Sehnsucht Gottes nach dem freien und gerechten und liebevollen Menschen.
Der Vater läuft dem Sohn entgegen; jetzt ist nicht Zeit des Urteils, sondern der Freude.
Er war tot; verloren – nun lebt er: der Vater sieht in ihm nicht den zer-Lump-ten
Versager; sondern den Würdenträger seines Ebenbildes: und den macht er sichtbar:
Kleid, Ring, Schuhe und das gemästete Kalb..
Tagelöhner:
bezahlt wird die Arbeitskraft, nicht der Arbeiter. Den Dienstgeber kümmert
nicht der Mensch, sondern die Leistung; ein Tagelöhner ist austauschbar.
Gott will nicht Tagelöhner, sondern Töchter und Söhne um sich und am Werk.
3.2 Das Fest
Die Freude des Vaters wird wahr und konkret im Fest
und an dem Tisch der Versöhnung und der Freude..
Unsere Rede von Menschenrecht und Menschenwürde braucht auch die Bewährung,
dass wir sie einlösen in der Einladung an unsere Tische:
Bootsflüchtlinge, Haftentlassene, Abhängige von Drogen und Alkohol
4.
Der verbitterte Bruder
4.1 Der Grauton des Alltags
Er säubert den Stall und bestellt das Feld. Er steht früh auf und arbeitet hart.
Er würde auch einmal gerne über die Stränge hauen, aber er bleibt
seinen Prinzipien treu. Er bringt es nicht über sich, mitzufeiern mit diesem
Prasser und Verschwender.
Sind das nicht wir? Kirchgänger, ehrliche Steuerzahler, besonnen und bescheiden.
Auch ein bisschen neidisch auf die Reichen und Schönen.
4.2 Was mein ist, ist Dein
Der Vater kommt auch zu diesem Sohn heraus und ladet ihn ein,
sich mitzufreuen und mitzufeiern.
Er sagt das große Wort: Was mein ist, ist Dein.
Diese Güte und Größe Gottes ist ein weit größerer Schatz als jeder Reichtum.
Mit Sensibilität für die Chancen und die Schönheit des Alltags gelingt es vielleicht,
ohne Bitterkeit zu leben und sich zu freuen über alle, die umkehren
Es könnte ja sein, dass das Fest im Haus des Vaters auch andere zum Umdenken
und Umkehren bringt..
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