Pt 06f) - Studie zur Europäischen Nachbarschaftspolitik

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Brüssel, den 27. November 2015
164. PRÄSIDIUMSSITZUNG DES EUROPÄISCHEN AUSSCHUSSES DER REGIONEN
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– 2. DEZEMBER 2015 –
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PUNKT 6F) DER TAGESORDNUNG
STUDIE ZUR EUROPÄISCHEN NACHBARSCHAFTSPOLITIK
Vorlage des Generalsekretärs
ZUR BESCHLUSSFASSUNG
COR-2015-05320-09-01-NB-TRA (EN) 1/7
DE
VERMERK FÜR DIE PRÄSIDIUMSMITGLIEDER
164. PRÄSIDIUMSSITZUNG DES EUROPÄISCHEN AUSSCHUSSES DER REGIONEN
– 2. Dezember 2015 –
Punkt 6f) der Tagesordnung
Studie zur Europäischen Nachbarschaftspolitik
1.
Hintergrund
Die Europäische Nachbarschaftspolitik (ENP) wurde 2003 konzipiert, um die Beziehungen zwischen
der EU und ihren Nachbarländern zu vertiefen. Politische Entwicklungen, Bürgerkriege,
darauffolgende humanitäre Krisen, Migration und eine allgemeine Zunahme interner und externer
Konflikte haben die Schwierigkeiten beim Vorantreiben der Kernziele der ENP verschärft und zu
zahlreichen neuen Herausforderungen geführt.
Die Herausforderungen finden ihren Ausdruck auf subnationaler Ebene, sei es in der Zusammenarbeit
mit den ENP-Partnern oder in den Beiträgen der lokalen und regionalen Gebietskörperschaften (LRG)
zur allgemeinen Politikformulierung gegenüber den ENP-Ländern.
Mit dem Vorschlag für einen Studienantrag soll vor allem die Grundlage für die bevorstehende Phase
der ENP festgelegt werden, ohne unbedingt auf den politischen Rahmen der ENP einzugehen, weil
dessen Schwerpunkt höchstwahrscheinlich auf supranationaler und nationaler Ebene liegen wird.
Unter Berücksichtigung der bevorstehenden gemeinsamen Mitteilung der Kommission und des EAD
zu einer überarbeiteten ENP, die – in Abhängigkeit von der politischen Beschlussfassung – zur
Erarbeitung einer Stellungnahme innerhalb des CIVEX-Sekretariats führen könnte, wird der
Schwerpunkt der Studie auf der Entwicklung einer Analyse der kommunalen Selbstverwaltung in den
ENP-Ländern liegen (einschließlich der jüngsten Auswirkungen der Migrationsströme und des
Bedarfs der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung in den ENP-Ländern). Darüber hinaus werden in
der Studie bewährte Verfahren untersucht und der Bedarf und das Fördersystem bewertet. Gegenstand
der Studie werden folgende Hauptthemen sein:
a)
b)
c)
d)
e)
Regionale Zusammenarbeit
Sektorale Entwicklung der LRG, insbesondere im Bereich der Wirtschaftsentwicklung
Finanzierung
Assoziierungsabkommen
Migration
Die Studie wird somit über die strategischen Überlegungen hinausgehen, die im Rahmen der neuen
ENP stattfinden und die Beziehungen zwischen der EU und den ENP-Ländern betreffen werden, deren
Schwerpunkt jedoch auf den Verfahren, Herausforderungen und Problemen liegen wird, die derzeit
anzutreffen sind und in Verbindung mit dieser neuen ENP angegangen werden müssen, falls ein völlig
anderer Ansatz verfolgt werden soll, was noch zu entscheiden ist.
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a)
Analyse der regionalen und subregionalen Zusammenarbeit im Rahmen der ENP
 Analyse der laufenden konkreten regionalen und subregionalen Kooperationsprojekte
innerhalb der ENP und mit der EU
 Analyse der Engpässe in der regionalen und subregionalen Zusammenarbeit
b)
Entwicklung in einzelnen Bereichen (insbesondere auf dem Gebiet der wirtschaftlichen
Entwicklung) und die Rolle der LRG
 Bestandsaufnahme und Engpässe für LRG
c)
Erreicht die Finanzierung die LRG und falls nicht, warum?
 Analyse der Auswirkungen auf die LRG der Östlichen Partnerschaft und in den südlichen
Mittelmeerländern (aufgeschlüsselt nach finanzierten Körperschaften, Umfang, Programme,
Zahl der erreichten Bürgerinnen und Bürger, im Verhältnis zur allgemeinen Haushaltslage
der LRG)
 Verfahren einer wiederholten Bezuschussung und deren besonderes Potenzial bei der
Finanzierung in der Östlichen Partnerschaft
d)
Konkrete Rolle der LRG bei der Umsetzung der Assoziierungsabkommen und ähnlicher
Verträge1
 Das Gleichgewicht zwischen multilateralen und bilateralen Nachbarschaftsbeziehungen
muss an die aktuellen Herausforderungen angepasst werden. Länder, die ein
Assoziierungsabkommen unterzeichnet haben, werden für diejenigen Länder, mit denen die
Zusammenarbeit begrenzt ist, eine Vorreiterrolle spielen. Eine Analyse des Potenzials und
der Umsetzungspraxis in Bezug auf die Rolle der LRG sollte auf einer Typologie von
Verträgen basieren, der anschließend ein Katalog bewährter Verfahren für die Beteiligung
der LRG und der Auswirkungen auf diese sowie ihrer länderspezifischen Engpässe beigefügt
sollte.
e)
Migrationsströme
 Ermittlung von Lösungen zur Bewältigung der Migrationsströme auf lokaler und regionaler
Ebene sowie möglicher Rollen für die subnationale EU-Ebene
 Der Aspekt der zirkulären Migration in den Nachbarländern und der damit verbundenen
Herausforderungen für die subnationale Ebene (ausgearbeitet auf der Grundlage konkreter
Beispiele)
 Einrichtung von Aufnahmezentren in den Ländern und die konkrete Rolle der subnationalen
Ebene
1
Anfang dieses Jahres wurden Verhandlungen mit Belarus und Armenien über Verträge aufgenommen, deren Umfang nicht dem der
Assoziierungsabkommen entspricht (keine Zollvorteile), die jedoch trotzdem eine verstärkte Zusammenarbeit vorsehen.
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Der AdR ist der Auffassung, dass die neue ENP nur eine minimale oder gar keine Wirkung zeigen
wird, wenn sie keinen greifbaren Nutzen für konkrete Akteure bringt bzw. wenn diese Ergebnisse erst
in der fernen Zukunft eintreten. Unabhängig von der Formulierung der neuen ENP sind die vorstehend
beschriebenen Herausforderungen für die subnationale Ebene immens. Wie sich die lokale und
regionale Selbstverwaltung in der EU-Nachbarschaft positionieren kann, ist von maßgeblicher
Bedeutung für den Verlauf der Demokratisierung dieser Länder und prägt deren Rolle als wichtige
Akteure bei der Durchführung bedeutender Reformvorhaben auf lokaler und regionaler Ebene.
Während des Konsultationsprozesses brachte der AdR seine Meinung zu der neuen ENP in seiner
Stellungnahme "Eine neue Europäische Nachbarschaftspolitik" in Bezug auf die Notwendigkeit der
Festsetzung spezifischer Ziele mit konkretem Nutzen für bestimmte Akteure zum Ausdruck und
berücksichtigte dabei die Bedürfnisse und Interessen der jüngeren Generation; die Mobilität von
Studierenden, Arbeitnehmern und Beamten aus Drittstaaten in EU-Mitgliedstaaten hat positive
Auswirkungen, nicht nur in Bereichen wie Bildung und Kulturaustausch, sondern auch im Bereich der
öffentlichen Verwaltung.
Der AdR als politisches Organ


sollte die Schaffung von Vertrauen sowie die unkomplizierte Zusammenarbeit an der Basis mit
den Politikern, die die europäischen Werte teilen und Meinungsfreiheit und Rechtsstaat
respektieren, erleichtern und fördern, wobei dies für die östliche wie für die südliche
Nachbarschaft gelten sollte;
sollte seine politische Botschaft verstärken und neue Vorschläge und Aktivitäten zur ENP
vorstellen sowie Vorschläge dazu, wie die ENP verbessert werden kann und wie aus früheren
Erfahrungen Lehren gezogen werden können.
Die nächste Phase der ENP soll umfassender und flexibler sein. Sie sollte eine langfristige strukturelle
Beteiligung mit besseren Instrumenten für kurzfristige Auswirkungen verbinden. Und sie sollte viel
mehr Eigenverantwortung beinhalten.
2.
Vorschlag für eine Studie des AdR zum Thema "Ein neuer Ansatz für die Europäische
Nachbarschaftspolitik"
2.1
Ziele der Studie
Das Ziel der Studie ist, Nachweise für die anliegenden Herausforderungen der subnationalen Ebene in
Nachbarländern in den Bereichen regionale und subregionale Zusammenarbeit, Finanzierung,
sektorale Entwicklung, Umsetzung der Assoziierungsabkommen und ähnlicher Verträge sowie
Migration zu erbringen.
Jedes dieser zu untersuchenden Themen (Punkte a) bis e)) sollte in drei Schritten bearbeitet werden:
a)
b)
c)
Typologie der subnationalen Körperschaften
Datenbasierte empirische Analyse
Engpässe, Lösungen und bewährte Verfahren zur Veranschaulichung der größten Auswirkungen
auf LRG
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Unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklungen und deren Auswirkungen in der angekündigten
Mitteilung der Europäischen Kommission in Bezug auf die neue Europäische Nachbarschaftspolitik
im Herbst, beabsichtigt der AdR, weitere Initiativen vorzubereiten, die mit den EU-Initiativen im
Bereich der ENP vereinbar sind, und diese ergänzen. Der AdR ist bereit, zu den Aktivitäten der
Europäischen Kommission beizutragen, um eine angemessene und zielgerichtete Unterstützung der
lokalen und regionalen Gebietskörperschaften sicherzustellen und sie in ihrer Rolle bei der Verfolgung
der Ziele der Östlichen Partnerschaft unter gemäß der Leitlinien des Gipfeltreffens der Östlichen
Partnerschaft in Riga zu unterstützen.
Der AdR will weiterhin als Katalysator für die regionale Zusammenarbeit fungieren und diese durch
seine beratenden Arbeiten und weitere Aktivitäten unterstützen. Dieser Ansatz muss angesichts der
aktuellen Entwicklungen neu erwogen und partnerorientierter gestaltet werden. Darüber hinaus muss
der AdR den Schwerpunkt stärker auf konkrete Themen legen, die für lokale und regionale
Gebietskörperschaften in den ENP-Ländern von Interesse sind.
2.2
Umfang der Studie
Die Studie sollte die 16 Partnerstaaten berücksichtigen: Ägypten Algerien, Armenien, Aserbaidschan,
Belarus, Georgien, Israel, Jordanien, Libanon, Libyen, die Republik Moldau, Marokko, Palästina,
Syrien, Tunesien, und die Ukraine.
Die Durchführung der Studie erfolgt in zwei Phasen:
Phase 1
Anfangsbericht

Methodik
Der Auftragnehmer sollte eine angemessene Methodik vorstellen, d.h. anzuwendende
Forschungsmethoden, und die besten Instrumente zur Erfassung und Analyse der Daten ermitteln
(Statistiken, Befragungen, Fragebögen, wissenschaftliche Forschung usw.).
Die vorgeschlagene Methodik sollte auch Vorschläge für ein Qualitätssicherungsverfahren auf der
Auftragnehmerseite enthalten.
Der Ausschuss der Regionen wird überdies ein eigenes Qualitätssicherungsverfahren schaffen.
Für jede der im ersten Teil dieses Antrags (Hintergrund) beschriebenen Forschungsschritte a) bis e)
muss der Auftragnehmer eine geeignete Typologie entwickeln.

Literaturverzeichnis – Rechtsetzung, Internetportale, Veröffentlichungen und Studien
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Phase 2
In diesem Rahmen könnte der Bericht in etwa fünf Abschnitte gegliedert werden, die jeweils in zwei
Teile aufgeteilt sind (östliche und südliche Nachbarschaft), und die fünf im Abschnitt "Hintergrund"
genannten Themen zum Gegenstand haben (Zusammenarbeit, Finanzierung, Migration, Entwicklung
in einzelnen Bereichen, Rolle der LRG in Verträgen und bei deren Umsetzung).
Teile mit allgemeinen Erklärungen zu offenkundigen politischen Entwicklungen auf europäischer
Ebene mit den betreffenden Ländern und die Erläuterung politischer Dokumente wie der
Stellungnahmen des AdR sind zu vermeiden, statt dessen sollten mehr wissenschaftliche Forschung
und empirisches Material in die Studie einfließen.
3.
Zeitplan für die Umsetzung des Studienprojekts
Geplanter Zeitplan für die Umsetzung des Studienprojekts:
(18. November 2015: Veröffentlichung der gemeinsamen Mitteilung der Kommission und des EAD
zu einer überarbeiteten ENP)
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24. November:
2. Dezember 2015:
Dezember 2015:
1. Februar 2016:
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15. März 2016:
30. April 2016:
20. Mai 2016:
4.
Finanzielle Auswirkungen auf die Haushaltslinie 2620 "Externe Sachverständige und nach
außen vergebene Studien"
CAFA-Beschluss zum Studienprojekt
Beschluss des AdR-Präsidiums zum Studienprojekt
Beginn der Studie
Vorstellung des Anfangsberichts durch den Auftragnehmer (Entwurf der
Methodik)
Fortschrittsbericht
Entwurf des Abschlussberichts
Abschlussbericht
Die vorgeschlagene Studie soll im Rahmen des neuen Rahmenvertrags CDR/DE/39/2014
"Außenbeziehungen" erarbeitet werden und folgende Zielvorgaben haben:
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50 Seiten (Methodik, Studie)
Die Mittel für die Gesamtkosten der Studie (= 50 350,00 EUR) müssten im Rahmen des
Haushaltsplans 2015 gebunden werden.
5.
Politische Genehmigung
Im Anschluss an die Genehmigung durch den Vorsitzenden und die politischen Koordinatoren der
Fachkommission CIVEX am 16. November 2015 wurde dieser Vorschlag aus haushaltspolitischer
Sicht von der CAFA am 24. November bestätigt.
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Da der Betrag der Mittelbindungen für diese Studie über den im Beschluss 0246/2012 des AdR
festgelegten Grenzwert von 50 000,00 EUR hinausgeht, ist eine Genehmigung durch das Präsidium
erforderlich.
VORSCHLAG
Die Präsidiumsmitglieder werden gebeten, dieses Dokument zu genehmigen.
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