Sprachkultur Arbeitsgruppe Oktober 2009 - UK

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Sprachkultur
Am Anfang steht die Kommunikation
1. Existenz einer Normabweichung oder nicht
2. Bemerken dieser Normabweichung oder nicht
3. Bewertung dieser Normabweichung oder nicht
4. Falls Bewertung: negativ oder positiv
5. Bei negativer Bewertung: Einleiten des
Erarbeitens eines Lösungsvorschlags oder nicht
6. Die Korrekturen werden per Lösung werden
erfolgreich implementiert oder nicht
Text:
Übersetzung Scharnhorsts der
„Allgemeinen Grundsätze der Sprachkultur um 1932“
aus dem Tschechischen

Literatursprache hier Standardvarietät

Sprachwissenschaftler sollen:

Stabilität der Literatursprache unterstützen

funktionale Unterschiede und stilistischen Reichtum
der Literatursprache fördern
↓
Dazu muss die Literatursprache, d.h. die bestehende
Norm dieser, vollkommen erforscht sein
↓
Diese Erforschung ist grundlegende Aufgabe der
Sprachwissenschaftler


Forschung
 theoretische und planmäßige Arbeit

streng synchron und strukturell
Erforschung
 der durchschnittlichen literatursprachlichen Praxis der
letzten 50 Jahre

und des Sprachbewusstsein der gebildeten Schichten
und deren mündliche Sprachpraxis

der speziellen theoretische Normen der
Literatursprache
Festsetzung der Normen der Literatursprache nicht durch
Diktat der linguistischen Theorie
ABER der Prozess der Stabilisierung und Konsolidierung
nicht ohne normatives Eingreifen der Theoretiker
Eingegriffen wird in:
Weniger in:
Fast gar nicht:
Rechtschreibung
grammatischen Bau der
Sprache: Morphologie und
Syntax
Struktur und Inhalt
der Lexik
Normatives Eingreifen unter folgenden Grundsätzen:


Stützung der Stabilisierung der Literatursprache.
Stabilisierung:

funktionaler Gesichtspunkt – Zielgerichtetheit

allgemein-ästhetischer Gesichtspunkt – Geschmack der
betreffenden Epoche

synchronischer Gesichtspunkt – tatsächlicher Zustand der
Gegenwartssprache
kein Aufhalten von Fortschritt
Normatives Eingreifen unter folgenden
Grundsätzen:


Keine Vertiefung der Unterschiede
von Alltags- und Buchsprache
Stabilisierung keine Nivellierung,
sondern Erhaltung der Vielfalt der Sprache
Rechtschreibung: stabilisierte Schreibweise
Orthografie:
- Ideale Erfassung des phonologischen System der
Sprache
aber NICHT deren phonetische Realisierung
- Richtung der Aussprache nach der Aussprache der
gebildeten Schichten richten
- nicht nach irgendeinem Dialekt oder nach der
Volkssprache

Veränderungen unter den Gesichtspunkten
- Adäquatheit, also theoretische Genauigkeit
- Zweckmäßigkeit der Sprache
- Vermeidung unnötiger Kompliziertheit

Bekanntgabe der Veränderungen vor
der Durchsetzung
 Chance der Diskussion
unter Fachkritikern
1. …bei der Stabilisierung des grammatischen Baus
(Morphologie, Syntax) der Literatursprache


einerseits durch die Untersuchung der
bestehenden Norm
andererseits durch die Kodifizierung der Normen
Morphologie

Tatsächlicher gegenwärtiger Stand nicht vollständig
bekannt noch ausreichend kodifiziert
 konsequente Untersuchung der morphologischen
Struktur der Gegenwartssprache erforderlich
1. …bei der Stabilisierung des grammatischen Baus
(Morphologie, Syntax) der Literatursprache
Syntax
 Keine Verwischung der funktionalen
Unterschiede zwischen syntaktischer Varianten
 aus Unterschieden Erkenntnisse für die
notwendige Differenzierung der Literatursprache

Keine Störung der Entwicklung spezieller
syntaktischer Mittel
 Auszeichnung Buchsprache gegenüber der
Alltagssprache
2.



…bei der Stabilität der formalen und semantischen
Seite des Wortschatzes
Hier greift die linguistische Theorie am wenigsten sein
Förderung der Entwicklung von Fachterminologie
 keine Anwendung dieses Schemas auf den
Wortschatz der Literatursprache
Unterstützung der Stabilisierung der Sprache durch
Kritik
 Durch Vergleich von konkreten sprachlichen
Äußerungen mit der theoretisch fixierten Norm
3.



…bei der Entwicklung von Fachtermini
Zweckmäßigkeit
Vermeiden:
Mehrdeutigkeit von Wörtern, die der theoretischen
und juristischen Sprache widerspricht, keine
unerwünschte emotionale Färbung
Entlehnung der Internationalen Terminologie und
semantische Koordinierung mit den heimischen
Benennungen
4.
… bei der Bestimmung der funktionalen Belastung
sprachlicher Mittel und bei der Aufdeckung
stilistischer Möglichkeiten
Dazu muss folgendes geschehen:

systematische Feststellung der speziellen sprachlichen
Mittel der verschiedenen
Funktionalsprachen/Personen/Schulen und
Richtungen


Achten auf die Richtung der Entwicklungstendenzen
Aussprache von Empfehlungen ohne Strenge und
Zwang



1920er/30er Jahre in Prag
Forschungsgegenstand: Standardsprache der Gegenwart→
synchronische Betrachtung
Forschungsziel:
 Maßstäbe für die Standardsprache
 Erforschung der Normen der Standardsprache + Kodifizierung
 Grammatiken, Wörterbücher, Handbücher für Orthographie,
etc.
 Eingriff in die Entwicklung der gesprochenen und
geschriebenen Standardsprache
 Öffentlichkeitsarbeit > Lehrer, Journalisten, Schriftsteller,
Rundfunk

Veränderungen der gesellschaftlichen Verhältnisse
 die früher deutliche soziale Stratifikation der
Träger der Literatursprache verschwand
 „ Sozialisierung der Literatursprache“ /
„ Demokratisierung der Sprache“


Einbeziehung des „Empfängers“ in die Bemühungen
um die Sprachkultur
individuelle Haltung und Meinung der Menschen
gegenüber der Sprache und deren Einwirkung auf
engere und weitere Umgebung
 Resultat ist eine „öffentliche Meinung über Sprache“
Die Ergebnisse dienen für mehrere Zwecke der
Entwicklung von Sprachkultur:
1.
Grundlagen für das Einwirken auf die
„öffentliche
Meinung über die Sprache“ werden
geschaffen
2. Angaben in welcher Richtung die
Kommunikationspraxis selbst zu beeinflussen ist
3. Bedarf und Grenzen möglicher Eingriffe der
Sprachwissenschaftler können besser eingeschätzt
werden
Analyse der national-repräsentativen Sprachfunktion
und Erarbeitung von Kriterien der
Literatursprachlichkeit:
1. die nationale Repräsentationsfähigkeit
2. die Systemhaftigkeit
3. die Stabilität
4. die Verständlichkeit
5. die Zweckmäßigkeit


Interesse an sprachlichen Mitteln, die Varianten
(Dubletten) darstellen
neben den üblichen diachronen Betrachtungsweisen
rückten auch landschaftlich oder regional geprägte
sowie Kontaktvarianten ins Blickfeld

konkreter Bezug auf gegenwärtige
gesellschaftliche sprachliche Erscheinungen
Periphere Erscheinungen …
-
-
-
-
-
sind schwach in die Beziehungen
des Sprachsystems integriert
P
sind Erscheinungen mit einer
geringen Frequenz
haben im kollektiven Sprachbewusstsein keine feste Norm
sind untergehende oder neu
aufkommende Erscheinungen
sind häufig der Ausgangspunkt
für neue Entwicklungstendenzen
Z
Kodifizierung von „Dubletten“ für die Sprachkultur
von Vorteil


Dubletten als Widerspiegelung der Differenziertheit
innerhalb des Sprachgebrauchs
 stilistische und semantische Bereicherungen
der sprachlichen Kommunikation
Kritik:
 Praxis kann beim Sprachbenutzer auf Widerstand
stoßen, da Dubletten als Verletzung der Einheit
der Sprache angesehen werden kann


Bis in die 30er Jahre eine eher puristische Auffassung
einer „Sprachpolizei“
Seit den 30er Jahren der prognostische Standpunkt im
Vordergrund
 ermöglicht potentielle Konfliktsituationen in der
sprachlichen Kommunikation frühzeitig zu
erkennen und ihnen rechtzeitig vorzubeugen
=> PRÄVENTION

Sprachpolitik


> politische Maßnahmen innerhalb einer
Einzelsprache
Sprachenpolitik

> Verhältnis zwischen verschiedenen
Sprachen
 Die zu kommunizierende Sprache
 Sprachverbreitungspolitik

Aus dem Verfassungsentwurf von 2005:


„Ziel der Union ist es, den Frieden, ihre Werte und
das Wohlergehen der Völker zu fördern […]. Die
Union […] fördert den wirtschaftlichen, sozialen und
territorialen Zusammenhalt und die Solidarität zwischen
den Mitgliedsstaaten. Sie wahrt den Reichtum ihrer
kulturellen und sprachlichen Vielfalt und sorgt für den
Schutz und die Entwicklung des kulturellen Erbes
Europas“
(Artikel 3)
Dagegen: Erhaltung und Förderung der
Sprachenvielfalt???
„die allgemeine gesellschaftliche Lage, in der sich
Sprache in einem bestimmten Land oder
Territorium
während
eines
bestimmten
Zeitabschnitts unter gegebenen politischen,
sozialen,
ökonomischen
und
insbesondere
kulturellen Verhältnissen befindet“
(Scharnhorst, 1995)
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