Männer und Depression

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Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie | Bethel
Männer und Depression
Dr. Michaela Berg
Abteilungsleitende Ärztin Allgemeine Psychiatrie II
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie | Bethel
Was ist eigentlich eine Depression?
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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Thomas Buddenbrook (Th. Mann)
Die phantasievolle Schwungkraft, der muntere
Idealismus seiner Jugend waren dahin… Er fühlte
sich unaussprechlich müde und verdrossen.
Was für ihn zu erreichen gewesen war, hatte er
erreicht …
Der gänzliche Mangel eines aufrichtig feurigen
Interesses, das ihn in Anspruch genommen hätte,
die Verarmung und Verödung seines Inneren … daß
jedes Wort, jede Bewegung, jede geringste Aktion
unter Menschen zu einer anstrengenden und
aufreibenden Schauspielerei geworden war.
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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Depressive Episoden (ICD-10: F32.X)
A) Allgemeine Kriterien
1. Episode mind. 2 Wochen
2. Nicht auf Missbrauch psychotroper Substanzen oder organ. psychische Störung zurückzuführen
B) Hauptsymptome
1. Depressive Stimmung
2. Interessen- oder Freudeverlust
3. Verminderter Antrieb oder gesteigerte Ermüdbarkeit
C) Zusatzsymptome
1.
2.
3.
4.
Selbstvertrauen
Schuldgefühle, Selbstvorwürfe
Gedanken an den Tod oder Suizid
Konzentration, Denkvermögen, Unentschlossenheit
5. Psychomotorische Agitiertheit oder Hemmung
6. Schlafstörungen
7. Appetitverlust oder gesteigerter Appetit
Schweregrade
Leicht F32.0
A)
B)
C)
Erfüllt
mind. 2
mind. 2-3
Mittel F32.1
mind. 2
mind. 4-5
Schwer F32.2
alle 3
mind. 5
•
Ohne psychotischen Symptomen F32.2
•
Mit psychotischen Symptomen
F32.3
•
•
Ohne somatischem Syndrom
Mit somatischem Syndrom
F3x.x0
F3x.x1
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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Depressive Episoden (ICD-10: F32.X)
A)
Allgemeine Kriterien
1.
Episode mind. 2 Wochen
2.
Nicht auf Missbrauch psychotroper Substanzen oder organ. ps. Störung zurückzuführen
B) Hauptsymptome
1. Depressive Stimmung
2. Interessen- oder Freudeverlust
3. Verminderter Antrieb oder gesteigerte
Ermüdbarkeit
C) Zusatzsymptome
1. Selbstvertrauen
2. Schuldgefühle, Selbstvorwürfe
3. Gedanken an den Tod oder Suizid
4. Konzentration, Denkvermögen,
Unentschlossenheit
5. Psychomotorische Agitiertheit oder
Hemmung
6. Schlafstörungen
7. Appetitverlust oder gesteigerter Appetit
„Depression ist eine ernste
Krankheit, keine Phase der
schlechten Laune.“
Florian Gothe (VDV)
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Depressive Episoden (ICD-10: F32.X)
A)
Allgemeine Kriterien
1.
Episode mind. 2 Wochen
2.
Nicht auf Missbrauch psychotroper Substanzen oder organ. ps. Störung zurückzuführen
B) Hauptsymptome
1. Depressive Stimmung
2. Interessen- oder Freudeverlust
3. Verminderter Antrieb oder gesteigerte
Ermüdbarkeit
C) Zusatzsymptome
1. Selbstvertrauen
2. Schuldgefühle, Selbstvorwürfe
3. Gedanken an den Tod oder Suizid
4. Konzentration, Denkvermögen,
Unentschlossenheit
5. Psychomotorische Agitiertheit oder
Hemmung
6. Schlafstörungen
7. Appetitverlust oder gesteigerter Appetit
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
Alles langweilt mich.
Sir Winston Churchill
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Depressive Episoden (ICD-10: F32.X)
A)
Allgemeine Kriterien
1.
Episode mind. 2 Wochen
2.
Nicht auf Missbrauch psychotroper Substanzen oder organ. ps. Störung zurückzuführen
B) Hauptsymptome
1. Depressive Stimmung
2. Interessen- oder Freudeverlust
3. Verminderter Antrieb oder gesteigerte
Ermüdbarkeit
C) Zusatzsymptome
1. Selbstvertrauen
2. Schuldgefühle, Selbstvorwürfe
3. Gedanken an den Tod oder Suizid
4. Konzentration, Denkvermögen,
Unentschlossenheit
5. Psychomotorische Agitiertheit oder
Hemmung
6. Schlafstörungen
7. Appetitverlust oder gesteigerter
Appetit
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
Aus den Traurigkeiten
wächst keine Tat.
Stefan Zweig
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Depressive Episoden (ICD-10: F32.X)
A)
Allgemeine Kriterien
1.
Episode mind. 2 Wochen
2.
Nicht auf Missbrauch psychotroper Substanzen oder organ. ps. Störung zurückzuführen
B) Hauptsymptome
1. Depressive Stimmung
2. Interessen- oder Freudeverlust
3. Verminderter Antrieb oder gesteigerte
Ermüdbarkeit
C) Zusatzsymptome
1. Selbstvertrauen
2. Schuldgefühle, Selbstvorwürfe
3. Gedanken an den Tod oder Suizid
4. Konzentration, Denkvermögen,
Unentschlossenheit
5. Psychomotorische Agitiertheit oder
Hemmung
6. Schlafstörungen
7. Appetitverlust oder gesteigerter
Appetit
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
Aus den Traurigkeiten
wächst keine Tat.
Stefan Zweig
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Depressive Episoden (ICD-10: F32.X)
A)
Allgemeine Kriterien
1.
Episode mind. 2 Wochen
2.
Nicht auf Missbrauch psychotroper Substanzen oder organ. ps. Störung zurückzuführen
B) Hauptsymptome
1. Depressive Stimmung
2. Interessen- oder Freudeverlust
3. Verminderter Antrieb oder gesteigerte
Ermüdbarkeit
C) Zusatzsymptome
1. Selbstvertrauen
2. Schuldgefühle, Selbstvorwürfe
3. Gedanken an den Tod oder Suizid
4. Konzentration, Denkvermögen,
Unentschlossenheit
5. Psychomotorische Agitiertheit oder
Hemmung
6. Schlafstörungen
7. Appetitverlust oder gesteigerter
Appetit
Ich war zu sensibel für das
große Fußballgeschäft. Man
muss härter sein als ich.
Sebastian Deisler
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Depressive Episoden (ICD-10: F32.X)
A)
Allgemeine Kriterien
1.
Episode mind. 2 Wochen
2.
Nicht auf Missbrauch psychotroper Substanzen oder organ. ps. Störung zurückzuführen
B) Hauptsymptome
1. Depressive Stimmung
2. Interessen- oder Freudeverlust
3. Verminderter Antrieb oder gesteigerte
Ermüdbarkeit
C) Zusatzsymptome
1. Selbstvertrauen
2. Schuldgefühle, Selbstvorwürfe
3. Gedanken an den Tod oder Suizid
4. Konzentration, Denkvermögen,
Unentschlossenheit
5. Psychomotorische Agitiertheit oder
Hemmung
6. Schlafstörungen
7. Appetitverlust oder gesteigerter
Appetit
Dass Menschen in Schuld
geraten, ist schlimm; aber
sich schuldig zu fühlen und
nicht an Vergebung glauben
zu können, das ist die Hölle.
Eugen Drewermann
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Depressive Episoden (ICD-10: F32.X)
A)
Allgemeine Kriterien
1.
Episode mind. 2 Wochen
2.
Nicht auf Missbrauch psychotroper Substanzen oder organ. ps. Störung zurückzuführen
B) Hauptsymptome
1. Depressive Stimmung
2. Interessen- oder Freudeverlust
3. Verminderter Antrieb oder gesteigerte
Ermüdbarkeit
C) Zusatzsymptome
1. Selbstvertrauen
2. Schuldgefühle, Selbstvorwürfe
3. Gedanken an den Tod oder Suizid
4. Konzentration, Denkvermögen,
Unentschlossenheit
5. Psychomotorische Agitiertheit oder
Hemmung
6. Schlafstörungen
7. Appetitverlust oder gesteigerter
Appetit
„In zweifelhaften Fällen
entscheide man sich für das
Richtige.“
Karl Kraus
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Depressive Episoden (ICD-10: F32.X)
A)
Allgemeine Kriterien
1.
Episode mind. 2 Wochen
2.
Nicht auf Missbrauch psychotroper Substanzen oder organ. ps. Störung zurückzuführen
B) Hauptsymptome
1. Depressive Stimmung
2. Interessen- oder Freudeverlust
3. Verminderter Antrieb oder gesteigerte
Ermüdbarkeit
C) Zusatzsymptome
1. Selbstvertrauen
2. Schuldgefühle, Selbstvorwürfe
3. Gedanken an den Tod oder Suizid
4. Konzentration, Denkvermögen,
Unentschlossenheit
5. Psychomotorische Agitiertheit oder
Hemmung
6. Schlafstörungen
7. Appetitverlust oder gesteigerter
Appetit
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Depressive Episoden (ICD-10: F32.X)
A)
Allgemeine Kriterien
1.
Episode mind. 2 Wochen
2.
Nicht auf Missbrauch psychotroper Substanzen oder organ. ps. Störung zurückzuführen
B) Hauptsymptome
1. Depressive Stimmung
2. Interessen- oder Freudeverlust
3. Verminderter Antrieb oder gesteigerte
Ermüdbarkeit
C) Zusatzsymptome
1. Selbstvertrauen
2. Schuldgefühle, Selbstvorwürfe
3. Gedanken an den Tod oder Suizid
4. Konzentration, Denkvermögen,
Unentschlossenheit
5. Psychomotorische Agitiertheit oder
Hemmung
6. Schlafstörungen
7. Appetitverlust oder gesteigerter
Appetit
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Das Kunststück der
Lebensweisheit ist,
den Schlaf jeder Art
zur rechten Zeit
einzuschieben wissen.
Friedrich Nietzsche
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Depressive Episoden (ICD-10: F32.X)
A)
Allgemeine Kriterien
1.
Episode mind. 2 Wochen
2.
Nicht auf Missbrauch psychotroper Substanzen oder organ. ps. Störung zurückzuführen
B) Hauptsymptome
1. Depressive Stimmung
2. Interessen- oder Freudeverlust
3. Verminderter Antrieb oder gesteigerte
Ermüdbarkeit
C) Zusatzsymptome
1. Selbstvertrauen
2. Schuldgefühle, Selbstvorwürfe
3. Gedanken an den Tod oder Suizid
4. Konzentration, Denkvermögen,
Unentschlossenheit
5. Psychomotorische Agitiertheit oder
Hemmung
6. Schlafstörungen
7. Appetitverlust oder gesteigerter
Appetit
Aus meiner tiefsten
Seele zieht mit
Nasenflügelbeben ein
ungeheurer Appetit
nach Frühstück und
nach Leben.
Joachim Ringelnatz
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Männer und Frauen
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Altersaufbau und
Geschlechterverteilung der
Bevölkerung in
Deutschland
Quelle: Wikipedia
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Quelle: Nationalatlas Leibniz-Institut für Länderkunde e. V.
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Theorien und Erklärungsversuche für die
männliche Übersterblichkeit
• biologische und genetische Faktoren
• Psychosoziale Faktoren (Arbeits- und
Lebensbedingungen, gesundheitsriskantes
Verhalten)
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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(Mögliche) psychosoziale Ursachen männlicher
Übersterblichkeit
„Sensation seeking“, riskantes Verhalten
Suizide
Unfälle (Haushalt, Arbeit, Verkehr)
Alkohol
Rauchen
ungesündere Essgewohnheiten
Lebensstil
beruflicher Stress
schlechtere Arbeitsbedingungen (psychisch, physisch)
seltenere Inanspruchnahme von Präventionsmaßnahmen
Früherkennungsuntersuchungen
ungleiche Selektion durch den Zweiten Weltkrieg
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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(Mögliche) psychosoziale Ursachen männlicher
Übersterblichkeit
„Sensation seeking“, riskantes Verhalten
Suizide
Unfälle (Haushalt, Arbeit, Verkehr)
Alkohol
Rauchen
ungesündere Essgewohnheiten
Lebensstil
beruflicher Stress
schlechtere Arbeitsbedingungen (psychisch, physisch)
seltenere Inanspruchnahme von Präventionsmaßnahmen
Früherkennungsuntersuchungen
ungleiche Selektion durch den Zweiten Weltkrieg
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Getötete und schwer verletzte Frauen und Männer bei
Straßenverkehrsunfällen (1991-2004)
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Krank fühlen oder krank sein? Unterschiede zwischen
Männern und Frauen
Angabe einer Erkrankung (von 36 angebotenen)
Männer 1,45 gegenüber Frauen 2,06
aktueller und/oder früherer Erkrankungen:
Männern 3,63 gegenüber Frauen 4,79
Leberverhärtung bzw. Leberzirrhose häufiger)
(Ausnahme:
Herzinfarkt
und
Männer fühlen sich weniger anfällig gegenüber Krankheiten
Männer fühlen sich durch ihren Gesundheitszustand bei der Erfüllung alltäglicher
Aufgaben weniger beeinträchtigt
Männer achten weniger stark auf ihren Gesundheitszustand
Männer glauben weniger als Frauen, dass man seinen Gesundheitszustand selber
beeinflussen kann
(Hessel, Geyer, Plöttner, Schmidt und Brähler (1999) in einer repräsentativen Untersuchung an 2.179 Deutschen)
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Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen
Quelle:
Gesundheitsberichterstattung des
Bundes, 2006
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Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen
Quelle: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, 2006
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Alle 47 Minuten bringt sich in
Deutschland ein Mensch um sein
Leben.
Alle 4 Minuten versucht es einer.
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Suizide in Deutschland nach Geschlecht und Alter im Jahr 2007
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Ein Großteil der Suizide erfolgt im Rahmen depressiver
Erkrankungen.
Circa 15 Prozent der Patienten mit schweren depressiven
Erkrankungen versterben durch Suizid. Schätzungsweise
die Hälfte der depressiv Erkrankten begehen im Laufe ihres
Lebens einen Suizidversuch.
Angst, J., Angst, F., & Stassen, H.H. (1999). Suicide risk in
patients with major depressive disorder. Journal of Clinical
Psychiatry, 60 (Suppl. 2), 57-62.
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Männer und Depression
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GBE kompakt: Ausgabe 07/2011 - Psychische Gesundheit und gesunde
Lebensweise , Robert-Koch-Institut
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Quelle: Möller-Leimkühler, Der Gynäkologe 5/2008
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Suizidpräventionsprogramm Gotland (Schweden) 1
80er Jahre
Fortbildungstraining aller dort ansässigen Ärzte in Bezug auf
Depressionsdiagnostik und –behandlung
→ Reduktion der Suizidrate der Frauen um 90 %
→ Suzidrate der Männer blieben konstant
Psychologische Autopsien der Männer zeigten:
• häufig depressiv und/oder
• häufig alkoholabhängig
• weniger den Ärzten bekannt
• mehr der Polizei und den Ordnungsbehörden bekannt
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Suizidpräventionsprogramm Gotland (Schweden) 2
Übliche depressive Symptome in beiden Gruppen (Männer
und Frauen)
Daneben häufiger bei Männern:
Gereiztheit
Irritabilität
Aggressivität
Ärgerattacken
Antisoziales Verhalten
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Suizidpräventionsprogramm Gotland (Schweden) 3
→ Berücksichtigung dieser „Männerspezifischen
Symptomatik“ in Diagnostik und Therapie
= Reduktion der Suizidrate der Männer
Daraus entwickelte sich das Konzept der
„männlichen Depression“
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
MöllerLeimkühler, J
Neurol
Neurochir
Psychiatr,
2010
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Was sind die Besonderheiten?
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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Erkennen der Männerdepression
Patienten
Haben Sie in letzter Zeit öfter als sonst .....
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
sehr ausgiebig, fast übermässig Sport betrieben
hart durchgegriffen
die Beherrschung verloren
Ihren Kollegen/Kindern zeigen müssen, wer das Sagen hat
Streit mit Ihrer Frau oder Ihren Kollegen gehabt
Medikamente oder Alkohol konsumiert
sich alleine und unverstanden gefühlt
irgendwie das positive Lebensgefühl verloren
den Eindruck gehabt, die Kraft von früher sei draussen
sich nicht entscheiden können
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Erkennen der Männerdepression
Angehörige
Haben Sie Folgendes über mehrere Wochen
beobachten können?
•
•
•
•
•
•
•
er verträgt weniger Stress und fühlt sich schneller unter Druck
er hat ein Leeregefühl, fühlt sich ausgebrannt
er ist unentschlossen und unsicher in alltäglichen Situationen
er hat Schlafstörungen
er ist nervös, besonders am Morgen
er schaut nicht mehr auf sein Äusseres
er hat Gedanken über Ausstieg, Tod oder sogar Selbstmord
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Quelle: Möller-Leimkühler, Fortschr Neurol Psychiat, 2009
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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„Da befiel Traurigkeit seine Seele und diese
suchte bald nach einer Entschuldigung dafür
im Zorn. Denn aus der Traurigkeit wird der
Zorn geboren, woher auch die Menschen mit
ihrem Stammvater her die Traurigkeit, den
Zorn und was ihnen sonst noch an Schaden
bringt, übernommen haben.“
Aus: Causae et curae, Hildegard von Bingen,
1098-1179, erste geschlechtsspezifische
Beschreibung der Melancholie
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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„When women are depressed,
they either eat or go shopping.
Men invade another country“.
Comedian Elayne Boosler
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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Männliche Stress“bewältigungs“strategien
Fehlende oder ungenutzte
Entspannungsmöglichkeiten
verbissener Einzelkampf
Schweigen und Rückzug
Verdrängung
Flucht in die Arbeit
Flucht in die Sucht
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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Das beste Mittel gegen Schwermut ist
Arbeit. Das habe ich oft an mir selbst
ausprobiert - und glauben Sie mir: Das
hat immer geholfen.
Boris Jelzin
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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Männer haben's schwer, nehmen's leicht,
außen hart und innen ganz weich,
werden als Kind schon auf Mann geeicht.
Wann ist ein Mann ein Mann?
Herbert Grönemeyer
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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Männliche
Sozialisation...
Vermeiden von Eigenschaften, Reaktionsweisen und
Handlungen, die den Anschein von Weiblichkeit
haben könnten
Hochhalten der Prinzipien von Leistung, Konkurrenz
und Anerkennung
zäh, hart und unnachgiebig „seinen Mann zu stehen“
aggressiv und mutig zu sein
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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Einige haben mich hinter vorgehaltener Hand "die
Deislerin" genannt. Die konnten mich nicht mehr
ertragen.
Sebastian Deisler
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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Es war, als sei ich auf eine ewige Klassenfahrt geraten.
Da gibt es doch auch immer die Lauten – und die, die
bei der Kraftmeierei mitspielen, um nicht ausgelacht zu
werden.
Sebastian Deisler
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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Ich habe zu lange geglaubt, ich
könnte fehlende Härte
wettmachen durch besseren
Fußball.
Sebastian Deisler
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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„Es ist für Männer eine
tragische Tatsache, dass
Einstellungen und
Verhaltensmuster, die einen
Menschen zerstören, für
ausgesprochen männlich
gelten, während das, was für
persönliche Verwirklichung
und Menschsein wichtig ist,
weiblich genannt wird.“
Herb Goldberg, 1986
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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In welchem Kontext steht dieses
Gesundheitsförderungsprogramm?
Übungen alleine: strecken, gross machen, den eigenen
Körper abklopfen, Intensität wird je nach Körperregion
variiert, Fussgelenke rotieren, Gleichgewicht halten,
Kniegelenke rotieren, Schultern heben und beim Senken
ausatmen, Ohren und Gesichtsmuskulatur massieren Arme
nach unten führen und auf Oberschenkel schlagen, Hände
aneinander reiben. Imaginär einen Ball formen. Der Ball wird
nun auf einer Körperseite gehalten. Durch Drehen des
Rumpfes wechselt der Ball mehrmals die Seiten.
Übungen zu zweit: Rücken abklopfen mit beiden Händen, Schultern gegenseitig massieren, 3x mit den Händen über
den Rücken streichen.
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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Gesundheitsförderung auf der Baustelle
(Setz, 2004)
Übungen alleine: strecken, gross machen, den eigenen
Körper abklopfen, Intensität wird je nach Körperregion
variiert, Fussgelenke rotieren, Gleichgewicht halten,
Kniegelenke rotieren, Schultern heben und beim Senken
ausatmen, Ohren und Gesichtsmuskulatur massieren Arme
nach unten führen und auf Oberschenkel schlagen, Hände
aneinander reiben. Imaginär einen Ball formen. Der Ball wird
nun auf einer Körperseite gehalten. Durch Drehen des
Rumpfes wechselt der Ball mehrmals die Seiten.
Übungen zu zweit: Rücken abklopfen mit beiden Händen, Schultern gegenseitig massieren, 3x mit den Händen über
den Rücken streichen.
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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Nur 57 % der Bauarbeiter erreichen die Pensionierung
gesund (Architekten 85 %)! Handlungsbedarf !
Projekt mit Bauarbeitern (Firma Locher AG in Zürich):
Täglich während einer Viertelstunde wird unter Anleitung
des Poliers auf der Baustelle ein Programm aus
Entspannungs-, Energie- und Atemübungen absolviert.
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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Gesundheitsförderung auf der Baustelle:
Resultat: - 25 % Krankheitsabwesenheiten, weniger schwere
Unfälle, viel besserer Teamgeist, Kosteneinsparung von
ungefähr 100.000 Franken.
Weitere Verbreitung dieses einfachen und effizienten
Projektes kommt nur schleppend voran. Es sind vor allem
Rollenerwartungen, die dies verhindern.
«Habt ihr eigentlich nichts Gescheiteres zu tun?» ist
beispielsweise eine der Fragen, mit denen die Bauarbeiter von
Baustellenbesuchern konfrontiert werden!
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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Heute frage ich mich,
ob das System, das ich
verlassen habe,
vielleicht kranker ist, als
ich es war.
Sebastian Deisler
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
Quellen 1:
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie | Bethel
DFP: Depression bei Männern: Eine Einführung, Möller-Leimkühler AM, Journal für
Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie, 2010; 11 (3), 11-20
Männer, Depression und „männliche Depression“, Möller-Leimkühler AM, Fortschr
Neurol Psychiat 2009; 77: 412–422
Depression bei Männern: Einige klinische Aspekte der so genannten "männlichen
Depression“, Wolfersdorf M, Schulte-Wefers H, Schaller E, Blickpunkt der Mann
2009; 7 (4) 8-14
Männer weinen nicht – Depression bei Männern, Löffler C, Wagner B, Wolfersdorf M,
Goldmann 2012
Sebastian Deisler "Man muss härter sein als ich", Henning Sußebach, Stefan Willeke,
Die Zeit, 01.10.2009, Nr. 41
Eugen Drewermann, Ich steige hinab in die Barke der Sonne, dtv, 1994
Karl Kraus, Insel Clips, Nr. 23, 1996
Nietzsche, Kritische Gesamtausgabe, V1 Morgenröthe: Nachgelassene Fragmente
Anfang 1880 bis Frühjahr 1881, de Gruyter 1971
Thomas Mann, Buddenbrooks – Verfall einer Familie, Fischer 1989
Joachim Ringelnatz, 103 Gedichte, Rowohlt, 1933
Thomas Altgeld, Männergesundheit, Juventa 2004
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
Quellen 2:
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie | Bethel
Im www verfügbare Präsentationen:
Thomas Altgeld, Seinen Mann stehen oder gesund bleiben? Landesvereinigung für
Gesundheit Nds. e.V.
Elmar Brähler & Lena Spangenberg, Der kranke Mann, Universität Leipzig
Dr. Samuel Pfeifer, Worüber Männer schweigen, Sonnenhalde
Wolfgang Preinsperger, Männer und Sucht: Prävalenzen, Ursachen, Hintergründe,
Anton Proksch-Institut, Wien
H.-U. Wittchen, Depressionsseminar, TU Dresden
Webseiten:
http://www.suizidprophylaxe.de/
http://www.suizidpraevention-deutschland.de/
http://www.beyondblue.org.au/
http://www.gbe-bund.de/
Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie | Bethel
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Dr. Michaela Berg – Tag der offenen Tür im Haus Gilead IV – 23.02.2013
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