2. VL (Coenzyme, Thermodynamik)

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Vorlesung
Zell- und Molekularbiologie
Stoffwechsel
Metabolismus
(2)
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Coenzyme
und
prosthetische Gruppen
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1
Coenzyme
Apoenzym + Coenzym
→ funktionsfähiges
Holoenzym
• Das Coenzym kann
nach der Reaktion
verändert sein, das
Enzym verlassen und
mit einem anderen
Enzym reagieren.
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NAD und FAD
NAD FAD
• sind die wichtigsten Elektronenüberträger.
• NADP meist bei anabolischen, NAD in katabolischen Reaktionen
• FMN ist oft fest gebundene prosthetische Gruppe von RedoxEnzymen.
• Redoxpotential von NAD/NADH2: -320 mV
• Redoxpotential von FAD/FADH2: ≈ -200 mV
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2
Prosthetische Gruppen
Prostethische Gruppen
Eisen-SchwefelZentren und
Porphyrine sind
wichtige
prosthetische
Gruppen (fest
gebundene
Coenzyme).
Porphyrine treten
auch als
Bestandteile von
Coenzymen auf.
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Was sind Reduktionsequivalente?
Elektronen
• e- ?
← Keine freien Elektronen (Elektronenstrahl) in der Zelle!
•H?
← Wasserstoffatome ??
• H+ ?
← Protonen ganz ohne Elektronen??
• H2 ?
• H+ + e- ?
• [H] ?
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← Molekularer gasförmiger Wasserstoff??
← Das ist gemeint, manchmal zu verwenden, siehe aber erste Zeile!
← Das ist es!
• [H] beschreibt Reduktionsequivalente ohne Rücksicht auf die
beteiligten Überträger. Energetische Berechnungen sind damit nicht
möglich.
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ATP
ATP
Anhydrid
Ester
Adenin
N-glykosidische Bindung
Nukleosid
Adenosin
Adenosinmonophosphat
AMP
Adenosindiphosphat
ADP
Adenosintriphosphat
ATP
Nukleotide
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Weshalb steckt in ATP Energie?
~
~
ATP
• Zahlreiche O-Atome und negative
Ladungen stoßen sich ab
• Oft Mg2+ zur Kompensation benötigt
Wieviel Energie steckt in ATP?
ATP + H2O → ADP + Pi
∆G°' = -31.8 kJ/mol (-7.6 kcal/mol)
• Hydrolyse, Wasser oft nicht aufgeschrieben
• ° bezeichnet Standard-Bedingungen (manchmal auch °):
- alle Konzentrationen 1 mol/l, Wasser 1, Gase 1 atm
- Temperatur 25 °C = 298 K
• ' bedeutet [H+] = 10-7 mol/l, d.h. pH = 7
wg. Milieu biologischer Systeme
• Phosphatgrupppen meist nicht abgespalten sondern übertragen
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Wieviel Energie steckt im ATP?
ATP
PPi =
Pyrophosphat,
Abspaltung bei
besonders wichtigen
Reaktionen, z.B.
Protein- oder DNASynthese
*)
~
~
Freie Energie ∆G0’ einiger Reaktionen von ATP
kJ/mol
ATP + H2O → ADP + Pi
ATP + H2O → AMP +
PPi*)
-31.8
-41.7
ATP + AMP → 2 ADP
PPi + H2O → 2 Pi
0
Achtung: Werte
gelten nur unter
Standardbedingungen
bei pH = 7
-21.9
Die Adenylatkinase ist eines der aktivsten Enzyme:
ATP + AMP ↔ 2 ADP
A-R-P-P-P + P-R-A ↔ A-R-P-P + P-P-R-A
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Wieviel ATP ist in der Zelle?
ATP
Energieladungszustand (energy charge, EC) der
Zelle
EC =
[ATP] + 0.5 [ADP]
[ATP] + [ADP] + [AMP]
> 0.8
z.B. [ATP] ≈ 10 mM, ADP ≈ 1 mM, AMP ≈ 1 mM
EC = 10.5/12 = 0.875
D.h. die Zelle ist normalerweise immer energetisch
aufgeladen.
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5
Wieviel ist ATP in der Zelle wert?
ATP
Berücksichtigung von Konzentrationen für
energetische Berechnungen:
∆G = ∆G° + RT ln(cProdukt/cEdukt)
bei mehreren Edukten und/oder
Produkten wird multipliziert:
∆G = ∆G°+ RT ln(CP1 . CpP2 / CE1 . CE2)
• Chemiebuch (Standardbedingungen)
ATP + H2O → ADP + Pi
∆G°' = -32 kJ/mol
• In der Zelle: [ATP]≈0.01 M, [H2O]='1', ADP≈0.001 M, [Pi] ≈0.01 M
Produkt-Edukt-Verhältnis wird (0.001*0.01)/(0.01 * 1) = 0.001
∆Gbiol. = ∆G0' + RT ln 0.001 = ∆G0' -17 = -49 kJ/mol
∆Gbiol= -50 kJ/mol
• Für Regenerierung aufgewendet: meist etwa 75 kJ/mol ATP
In der Zelle ist ATP mehr wert als unter Standardbedingungen und auch nicht so leicht zu regenerieren.
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Mechanismen der ATP-Nutzung
ATP-Nutzung
Typische anabole Reaktionen sind endergon und nicht spontan ablaufend:
X → Y
∆G > 0
Aber (a)
X + ATP → X-Pi + ADP
∆G ≤ 0 (möglich)
(b)
X-Pi → Y + Pi
∆G ≤ 0 (möglich)
________________________________________________________
Summe (a + b)
X + ATP → Y + ADP + Pi
∆G ≤ 0 (möglich)
Reaktionsgleichungen und ∆G-Werte dürfen addiert und substrahiert werden.
Für mindestens eine der Reaktionen a und b muss ∆G < 0 sein.
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Mechanismen der ATP-Regenerierung
ATP-Regenerierung
Es gibt nur zwei Möglichkeiten.
• Substrat-Phosphorylierung
(b + a rückwärts, gekoppelt an gleichzeitige exergone Reaktionen,
z.B. Redoxreaktion)
• Ionentransport-Phosphorylierung (H+ oder Na+)
(membrangebunden, getrieben durch elektrisches Membranpotential +
chemischen Gradienten)
Begriffe:
Energiegewinn? 'Energie-Konservierung', 'ATP-Gewinn'
? Substratketten-Phosphorylierung, engl. substrate level phosphorylation
!? Es gibt keine oxidative Phosphorylierung oder Elektronentransportgetriebene Phosphorylierung, und auch keine Photophosphorylierung
Lassen Sie sich durch veraltete Begriffe nicht verdummen!
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Thermodynamik - Wärmelehre
Haupsätze
1. Haupsatz:
Die Energie eines abgeschlossenen Systems bleibt unverändert.
Verschiedene Energieformen können sich ineinander umwandeln.
Energieerhaltungssatz: Es gibt kein perpetuum mobile 1. Art.
2. Haupsatz:
Es gibt eine extensive Zustandsgröße Entropie S, die in einem
abgeschlossenen System niemals abnimmt.
Es gibt kein perpetuum mobile 2. Art.
3. Haupsatz:
Beim absoluten Temperatur-Nullpunkt wird die Entropie eines idealen
Kristalls 0.
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Entropie
Entropie
Weshalb fliegen Gasmoleküle mit ≈1000 km/h durch die Luft?
Solange Teilchen bei einer Temperatur >0 K sind, enthalten
sie Energie, die Entropie (Energie pro Temperatur). Diese
kann (bei konstantem Druck und Temperatur) nicht für
Arbeit genutzt werden.
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Energie/Entropie
Woher weiß ich, dass die Teilchen sich
nach rechts oben bewegen werden?
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Energie/Entropie
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Teilchen
von rechts oben nach links unten bewegen,
ist momentan Null.
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Maxwell‘s Dämon
Weshalb steckt in einem Gradienten Energie?
Der Dämon lässt nur
heiße Teilchen von
links nach rechts.
Warum soll es ihne
kann es ihn nicht
geben können?
Energie hängt ab von Information
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Patent-Membran
Weshalb steckt in einem Gradienten Energie?
Die drehbaren
Dreiecke lassen
impulsreiche (heiße)
Teilchen in eine
Richtung durch.
Leider verlieren die
Teilchen bei der
Wechselwirkung mit
der Patentmembran
Energie.
Ohne Energie lässt sich kein Gradient
herzaubern. Energie in Gradienten
lässt sich aber nutzen.
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Energie/Entropie
Wieviel Energie steckt in einem Gradienten?
C2
Merken!
C1
∆G = (-)RT . ln(c1/c2)
Dieselbe Formel wie bei der Berechnung
der Konzentrationsabhängigkeit
chemischer Reaktionen!
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Beispiel Transportenergie:
Transport
Aufnahme ungeladener Teilchen über eine
Membran entlang einem Gradienten
caußen und cinnen seien 100 und 1 mM
Es gilt (pro Mol):
∆G = -RT ln(ca/ci)
ln(100) = 4.605
RT = 8.314 J mol-1 K-1
.
298 K = 2478 J mol-1
∆G = -11.4 kJ mol-1
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Chemische Energie
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Chemische Energie
o in Reaktionsmöglichkeiten, nicht in
Verbindungen!
o auch Licht sofort in chemische Energie
umgewandelt
o Die freie Energie ∆G entscheidet, ob
eine Reaktion abläuft
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Freie Energie chemischer Reaktionen
∆G = ∆H - T
.
∆S
chem. Reaktionen
(Gibbs-Helmholtz-Gleichung)
G : freie Energie [J] (nutzbar bei T, P = const.)
H : Reaktions-Enthalpie (Bestreben der
Reaktanten) [J]
T : absolute Temperatur [K]
S : Entropie (Energie pro Temperatur, J K-1)
Das ∆G chemischer Reaktionen setzt sich aus dem Bestreben zu
reagieren (Enthalpie) und der Änderung der Entropie (bei
Raumtemperatur meist ±10 %) zusammen.
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∆G chemischer Reaktionen kann leicht aus
den tabellierten Bildungsenthalpien ∆G°'(f)
berechnet werden:
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∆G berechnen
∆G = Σ ∆Gf(Produkte) - Σ ∆Gf(Edukte)
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Glucose-Oxidation
Beispiel Glucose-Oxidation mit Sauerstoff
Dass Sauerstoff nicht direkt
mit Glucose reagiert, spielt in
der Thermodynamik keine Rolle,
nur die Differenz zwischen
Anfangs- und Endzustand.
C6H12O6 + 6 O2 → 6 CO2 + 6 H2O
Bildungsenthalpien ∆G°'(f) laut Tabelle unter Standardbedingungen
([°]: 25°C, je 1 mol/l in Wasser [Gas 1atm], [']: bei pH=7) in kJ/mol
C6H12O6
O2
: -917.2
(Edukt:
x -1)
:
(Edukt:
x -6)
0
+917.2
0
CO2
: -394.4
(Produkt: x 6)
-2366.4
H 2O
: -237.2
(Produkt: x 6)
-1423.2
Summe:
∆G°'= -2872.4 kJ mol-1
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Energie von Redoxreaktionen
∆G = -n F
.
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Redoxreaktionen
∆E
R T
∆E = ∆E0 - 
n F
.
cred
ln 
cox
(Nernstsche Gleichung)
∆E0 : Redoxpotential unter Standardbedingungen
n : Zahl der Ladungen oder Elektronen pro
Reaktion
F : Faradaykonstante (Energie pro mol
Ladungen und Volt) 96.5 kJ mol-1 V-1
Die Faraday-Konstante erlaubt die einfache Umrechnung von
∆E und ∆G.
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Knallgasreaktion
Beispiel Knallgasreaktion
H2 + ½ O 2 → H2O
Standard-Redoxpotenziale
2 H+/H2
½ O2 + 2 H+/H2O
∆G = -n F
.
E0' (V)
-0.413
+0.814
∆E
∆G0' = -2 . 96.5 kJ mol-1 V-1 . 1.23 V = -238 kJ/mol
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Knallgasreaktion
Beispiel Knallgasreaktion
H2 + ½ O 2 → H2O
Bildungsenthalpien ∆G°'(f) laut Tabelle unter
in kJ/mol
Summe:
H2
:
0 (Edukt:
x -1)
0
O2
:
0 (Edukt:
x -0.5)
0
H 2O
: -238 (Produkt: x 1)
-238
-238 kJ/mol
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Lichtenergie
Lichtenergie
E=h.ν
E : Energie in kJ/mol
h : Planck'sches Wirkungsquantum (6.626 .10-34 Js)
ν : Frequenz (Lichtgeschwindigkeit (≈1 sec zum Mond)
[300 . 106 m/s]/Wellenlänge [nm])
Beispiel grünes Licht mit 546 nm: 220 kJ mol-1 Photonen
zum Vergleich:
E = m . c2 (Kernreaktionen!)
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