pressemitteilung

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PRESSEMITTEILUNG
Wann wird Trauer zur Depression?
Laien können Symptome von Trauer und Depressionen auf
den ersten Blick schwer unterscheiden. Doch auch Fachleute
diskutieren, ob und wann nach einem Trauerfall eine
Depression diagnostiziert werden kann. Einfluss hat das
unter anderem auf Kataloge, nach denen Krankheiten
klassifiziert werden. Sind Trauernde also krank?
Königswinter, 22.03.2012 – „Im Normalfall bedarf Trauer keiner klinischen
Intervention“, weiß die Diplompsychologin Hildegard Willmann. Als Redakteurin
ist sie am Newsletter-Projekt „Trauerforschung im Fokus“ beteiligt, das von der
Verbraucherinitiative Aeternitas gefördert wird. Zwar ist der Tod eines
Angehörigen fast immer ein belastendes Ereignis, welches intensive und
schmerzhafte Reaktionen hervorruft. Doch meistens werden danach erfolgreich
Bewältigungsprozesse in Gang gesetzt, die zu einem neuen seelischen
Gleichgewicht
führen.
Einige
der
Betroffenen
entwickeln
jedoch
so
schwerwiegende und anhaltende psychische Probleme, dass diese sorgfältig
diagnostiziert und entsprechend behandelt werden müssen.
Ab wann normale Trauer zur psychischen Erkrankung wird, darüber diskutieren
derzeit amerikanische Experten im Hinblick auf die für 2013 geplante
Neuausgabe des DSM („Diagnostic and Statistical Manual of Mental
Disorders“). Beim DSM handelt es sich um ein 1952 zum ersten Mal von der
amerikanischen
Psychiater-Vereinigung
APA
herausgegebenes
Klassifikationssystem für Krankheiten. Damit sollen Diagnosen reproduzierbar
sein
und
Diagnose
und
Heilung
erleichtert
werden.
Kliniken
und
Versicherungsgesellschaften berufen sich darauf. Das DSM legt damit fest,
„wann das Normalsein aufhört und wann die Krankheit beginnt“, wie es Spiegel
Online kürzlich beschrieben hat.
Bisher durfte nach dem geltenden DSM-4 in einem Trauerfall eine Depression
erst dann diagnostiziert werden, wenn die Symptome länger als zwei Monate
anhielten. Diese „Trauer-Ausschluss-Klausel“ soll in der neuen Ausgabe DSM-5
gestrichen werden. Bei Trauernden könnte dann schon kurz nach dem
Todesfall eine Depression diagnostiziert werden. Eine weitere Diskussion
betrifft die Aufnahme von „Komplizierter
Trauer“
in das
DSM-5 als
eigenständige psychische Störung. Kritiker dieser Änderungen sehen dabei die
Gefahr der Pathologisierung und Medikalisierung von Trauer – dass Trauernde
also unnötigerweise als krank eingestuft und mit Medikamenten behandelt
werden.
Befürworter hingegen weisen darauf hin, dass es im zweiten großen
Diagnosekatalog,
dem
internationalen
Klassifikationssystem
der
Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen („International Statistical
Classification of Diseases and Related Health Problems“, ICD-10) noch nie eine
Trauer-Ausschluss-Klausel gegeben habe. Dennoch habe dies nicht zur
befürchteten
Pathologisierung
trauernder
Menschen
geführt.
Zwischen
„normaler“ Trauer oder einer Depression sei gut zu unterscheiden. Auch
könnten
in
der
Praxis
nicht
alle
Probleme
der
Psychiatrie
über
Diagnosekataloge entschieden werden. Hildegard Willmann bekräftigt dies:
„Entscheidend ist, dass Fachkräfte, wie zum Beispiel Hausärzte, die
Unterscheidungsmerkmale kennen und genau hinhören, bevor sie vorschnell
eine Diagnose vergeben oder aber eine behandlungsbedürftige Störung
übersehen.“
Der Newsletter „Trauerforschung im Fokus“ greift in seiner heute erscheinenden
Ausgabe die Diskussion auf. Einer der Beiträge trägt den Titel „Komplizierte
Trauer und damit verbundene Fragen im Hinblick auf DSM-5“ und fasst den
Aufsatz mehrerer amerikanischer Forscher zum Thema zusammen. Weitere
Beiträge verweisen auf andere aktuelle Themen aus der internationalen
Trauerforschung.
Den
Newsletter
können
Interessierte
unter
www.trauerforschung.de kostenfrei abonnieren. Ein Archiv stellt sämtliche
bereits erschienen Newsletter zur Verfügung.
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Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Alexander Helbach
Aeternitas e.V. – Verbraucherinitiative Bestattungskultur
Dollendorfer Straße 72, 53639 Königswinter
Telefon: 0 22 44 / 92 53 85, Fax: 0 22 44 / 92 53 88
E-Mail: [email protected]
Twitter: twitter.com/Aeternitas_eV
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www.aeternitas.de. Über ein Belegexemplar bei Abdruck würden wir uns
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