Der zerbrochne Krug

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„Der Zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist
Der zerbrochne Krug
Autor: Heinrich von Kleist
Charakteristik der Literaturepoche:
Heinrich von Kleist lässt sich nur schwer in eine Literaturepoche einordnen, denn er lebt seine
individuelle literarische Vorstellung aus. Seine Werke haben sowohl Merkmale der Klassik
als auch der Romantik. Im Folgenden werden daher beide Epochen kurz dargestellt.
Klassik:
Die Epoche der deutschen Klassik dauerte von 1786 bis 1832.
Berühmte Autoren:
Wolfgang Goethe (1749-1832)
Friedrich Schiller (1759-1805)
Die Hauptvertreter der Klassik sind Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller. Sie
arbeiteten zusammen in Weimar. Dort residierte Herzog Karl August (1775-1828) über das
kleine Fürstentum Sachsen, Weimar und Eisenach, das nur ca. 100.000 Einwohner hatte. Der
Herzog war sehr besorgt um seine Untertanen, obwohl er ein absolutistischer Fürst war. Sein
besonderes Interesse galt der Kunst und Wissenschaft. Er lud Goethe nach Weimar ein, der
für seinen erschienenen Roman „Die Leiden des jungen Werthers“ im Jahre 1774 bekannt
war. Goethe lernte die Antike 1786 in Italien kennen. Die Antike wurde daraufhin sein
entscheidendes Vorbild. Aus diesem Grund setzt man auch den Beginn der deutschen Klassik
1786 an. Schiller hingegen lebte ein weniger geordnetes Leben als Goethe. Sein Leben wurde
häufig durch Krankheiten und politische Verfolgung beeinträchtigt (wegen seinem Werk „Die
Räuber“). 1794 begann die Freundschaft und Zusammenarbeit mit Goethe. 1799 siedelte
Schiller nach Weimar um.
Die Ziele der Klassik:
Humanität
Die wahre Menschlichkeit (das Schöne, Gute, Wahre)
Nächstenliebe
Harmonie zwischen den Menschen
Romantik:
Die Epoche dauerte von 1800 bis 1830.
Die Romantik wurde in den romanischen Volkssprachen verfasst und nicht im Latein der
Gelehrten. Sie waren meist wunderbar, phantastisch, abenteuerlich und erfunden. In Romanen
kamen sehr schöne Landschaften vor, und im Gegensatz zur Klassik ist die Romantik
mittelalterlich und neuzeitlich.
Die Romantik wollte weg vom bürgerlichen Berufsleben, das sehr eintönig ist. Daher wandte
sich die Romantik von der Wirklichkeit des ausgehenden 18. und beginnenden 19.
Jahrhundert radikal ab. Die Romantik sah das Mittelalter als die ideale Zeit der Geschichte.
Die Frühromantik war stark philosophisch und theoretisch orientiert.
Berühmte Autoren und Werke der Romantik:
Clemens Brentano (1778-1842)
 schrieb Gedichte
 schrieb zusammen mit Achim von Armin(1781-1831) ab 1805 „Des
Knaben Wunderhorn“ (Volksliedsammlung)
Jakob Grimm (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859)
 schrieben Kinder und Hausmärchen (1812,1815,1822)
 Deutsches Wörterbuch (ab 1854, nach ihrem Tod fortgesetzt, 1961
abgeschlossen)
 Deutsche Grammatik
STROBL Martin
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„Der Zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist
Unterschied zwischen Klassik und Romantik:
Die Klassik hielt am Ideal fest, der Mensch sei in der Lage, alle seine Kräfte in harmonischer
Einheit zum Schönen, Wahren, Guten auszubilden. Die Romantik vermochte diesen Glauben
an die Veränderbarkeit des Menschen und der Gesellschaft nicht aufzubringen. Sie stellte
eigentlich keine Ideale auf, entwarf kein Bildungsprogramm, mit dessen Hilfe die Ideale
verwirklicht werden sollten. Sie stellte der Wirklichkeit eher Gegenwelten gegenüber, in die
man flüchten konnte, zusammen mit Gleichgesinnten oder aber alleine. Daher ist es nicht
verwunderlich, dass Goethe die Romantik ablehnte, obwohl viele Romantiker ihn und seine
Werke verehrten.
Entstehung des Werkes „Der zerbrochne Krug“(geschichtliche Voraussetzung):
Im Sommer 1802 sahen Kleist, Ludwig Wieland und Heinrich Zschokke einen Kupferstich
von Jean Jacques Le Veau mit dem Namen „Le juge ou la cruche cassée“ (auf Deutsch
übersetzt: Der Richter oder der zerbrochene Krug). Daraufhin entstand ein Wettstreit, wer den
Kupferstich am poetischsten darstellen könne. Dies war der Anstoß für das Werk „Der
zerbrochne Krug“. Es war das erste bedeutende Lustspiel der deutschen Literatur, das
ländliches Milieu nicht höflich darstellt, sondern realistisch derb und packend. Die
Niederschrift begann 1803 in Dresden. 1808 veröffentlichte Kleist in seiner Zeitschrift
„Phöbus“ drei Fragmente aus dem Werk „Der zerbrochne Krug“. Am 2. März 1808 wurde
„Der zerbrochne Krug“ unter Goethes Leitung in Weimar aufgeführt. Das Stück wurde jedoch
bei der Uraufführung ausgezischt. Kleist glaubte, schuld sei, dass Goethe den Einakter in drei
Akte unterteilt hatte. Goethe lobte zwar das Werk, aber er stand dem Werk ebenso wenig wie
dem Menschen Kleist mit voller Anteilnahme gegenüber. 1811 erschien es in Form eines
Buches in der Berliner Realschulbuchhandlung.
Außerliterarische Kulturleistungen:
Rund um 1800 kann man viele außerliterarische Ereignisse in den verschiedensten Bereichen
finden:
Wissenschaft:
Am 29.Juli 1800 wurde der Großglockner aufgrund einer Initiative des Gurker
Fürstbischofs Franz Altgraf Salm-Reifferscheidt erstmals bestiegen.
Technik:
Galvani entdeckte die natürliche Elektrizität bei Tieren im Jahre 1791 in Italien.
Mit Alessandro Voltas (1745-1827) erstem elektrischem Element lassen sich größere
Ströme erzeugen; ihm gelingt mit der Zerlegung von Wasser in Knallgas die
Entdeckung der Elektrolyse. Dies bedeutete die Erfindung der ersten elektrischen
Batterie im Jahre 1800.
Cruikshand erfand die erste Batterie, die für eine Massenproduktion geeignet war, in
England.
In Amerika wird mit der Serienproduktion von Feuerwaffen begonnen.
Geschichte – Politik:
Im Jahre 1804 krönt sich Bonaparte als Napoleon I. zum französischen Kaiser.
Der Jakobiner Maximilian Robespierre wird im Jahre 1794 gestürzt und selbst
hingerichtet, nachdem er Georges Danton hat hinrichten lassen.
Im Jahre 1795 wird in Frankreich das Metermaßsystem eingeführt.
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„Der Zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist
Architektur:
Im Jahre 1791 wurde in Berlin das Brandenburger Tor von C. G. Langhans gebaut.
Verfasser (kurzer Lebenslauf, Werke Bedeutung):
Der Verfasser ist der aus Frankfurt/Oder in Deutschland stammende Heinrich von Kleist.
Er wurde am 18.10.1777 geboren. Von 1792 bis 1799 gehörte er dem Potsdamer
Garderegiment an. Im Jahre 1799/1800 begann er Mathematik, Physik, Philosophie und
Staatswissenschaft in Frankfurt/Oder zu studieren. 1802 lebte er in Weimar, dort hatte er
auch die Anregung zum Werk „Der zerbrochne Krug“. Wie schon erläutert, sah er in Bern
den Kupferstich, auf dem eine Frau zu erkennen war, die einen zerbrochenen Krug in der
Hand hielt und mit diesem vor einem Richter stand.
In den Preußischen Staatsdienst tritt Kleist im Jahre 1804 ein. Nur drei Jahre später bei
dem Sieg Napoleons über Preußen gerät er als Spion in französische Gefangenschaft,
allerdings nur für einige Monate im Jahr 1807. Kurz darauf folgte die Uraufführung durch
Goethe in Weimar, welche, wie bereits gesagt, missglückte. Am 21.11.1811 nahm er sich
zusammen mit Henriette Vogel am Wannsee das Leben. Seine bekanntesten Werke
waren:
Die Familie Schroffenstein (1801)
Der zerbrochne Krug (1806)
Penthesilea (1808)
Robert Guiskard (Veröffentlichung 1808 im Phöbus)
Die Hermannsschlacht (1808)
Das Käthchen von Heilbronn (1810)
Prinz Friedrich von Homburg (1811)
Analytisches Drama:
Der Zerbrochne Krug ist ein analytisches Drama, weil die Sprache bzw. das Sprechen
selbst im Stück zur eigentlichen Handlung wird.
Es ist die Sprache Adams, die uns zum Beispiel klarmacht, dass er der eigentliche Täter
des Verbrechens ist. Er muss das Ganze auch nicht ausdrücklich auslegen; wir kommen zu
der nötigen Erkenntnis schon lange vor dem Ende der Gerichtsszene, wo es dann den
anderen Personen im Stück klar wird; Adam hat schon durch das ganze Drama genügend
Hinweise darauf fallen lassen.
Die wichtigsten Personen des Werks sind:
Dorfrichter Adam:
Er ist Ankläger, Richter und Verfolgter zugleich. Er spinnt aus lächerlichen, dreisten
Lügen ein Netz, in dem er sich zum Schluss selber fängt.
Gerichtsrat Walter:
Er erteilt Adam als aufmerksamer Hörer zwischendurch Lehren und behält dabei die
Oberhand.
Frau Mathe Rull:
Sie ist als Mutter von Eve total aufgebracht und verletzt zugleich, da ihr wertvoller Krug
zerbrochen worden ist.
Ruprecht (Bauernsohn):
Er ist verliebt in Eve und kann den Gedanken kaum ertragen, dass Eve einen nächtlichen
Besucher hatte.
Eve (Tochter von Frau Marthe Rull):
Sie ist verliebt in Ruprecht und versucht während einem Teil des Stückes, aus Angst, die
Wahrheit zu verheimlichen.
STROBL Martin
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Frau Brigitte:
Sie wird zu einer wichtigen Zeugin, weil sie einige Beweise hat.
Ort:
Dorf bei Utrecht in den Niederlanden ; in einem Gerichtssaal
Inhalt:
Der Schreiber Licht trifft am Morgen in der Gerichtsstube den Dorfrichter Adam nicht
eben in der besten Verfassung an. Er hat einige Wunden am Kopf und ist nicht ganz bei
Sinnen. Er erklärt, dass er sich beim Aufstehen den Kopf am Kamin gestoßen hat. Die
Lage wird für den Dorfrichter noch ein wenig problematischer, weil er erfährt, dass am
selben Tag noch der Gerichtsrat Walter vorbeischauen und seine Arbeit als Dorfrichter
begutachten wird. Er bereitet das Nötigste auf den Empfang des Gerichtrates vor, weil er
schon bald kommen werde. Nacheinander häufen sich die Probleme. Kurz vor dem
Empfang findet er seine Perücke nicht und muss ohne sie zum Gerichtstermin erscheinen.
Frau Marthe Rull beschuldigt Rupert, einen wertvollen Krug zerbrochen zu haben. Rupert
ist der Verlobte von Marthe Rulls Tochter Eve. Rupert ist außerdem der Sohn des Bauern
Veit Tümpel. Der Dorfrichter Adam versucht Eve zu drohen und sich somit als unschuldig
darzustellen. Der Gerichtsrat ist bereits eingetroffen und fordert den Dorfrichter auf,
endlich mit der Gerichtsverhandlung zu beginnen. Daraufhin wird die Verhandlung mit
dem Verhör von Frau Marthe Rull begonnen.
Diese erzählt sehr detailliert über diesen Vorfall und erwähnt jede Kleinigkeit, die sie
mitbekommen hat. In der besagten Nacht hörte sie laute Männerstimmen und einen
Tumult in der abgelegen Kammer ihrer Tochter Eve. Als sie die Kammer betreten habe,
hätte sie den zerbrochenen Krug gesehen sowie Rupert und Eve.
Rupert bestreitet sofort, den Krug zerbrochen zu haben. Er meint, dass eine dritte Person
daran schuld sei, aber er hatte sie nicht erkennen können. Der Dorfrichter versucht den
Prozess in die Länge ziehen oder auf ein anderes Gleis zu schieben. Dem Gerichtsrat fällt
das merkwürdige Verhalten des Dorfrichters auf und er möchte der Sache auf den Grund
gehen.
Während der Gerichtsverhandlung stellt sich heraus, dass nur Eve die Lösung des Falles
weiß. Sie sagt jedoch, dass Ruprecht nicht an dem zerbrochenen Krug schuld sei. Eve
traut sich aber nicht, die ganze Wahrheit zu sagen, weil sie Angst um das Leben von
Rupert hat.
Erst eine neue Zeugin, nämlich Tante Brigitte kann Licht ins Dunkle bringen. Sie benötigt
jedoch noch ein wenig Zeit, um im Gericht erscheinen zu können. Der Dorfrichter
versucht in dieser Zeit, den Gerichtsrat mit einem Frühstück und Rheinwein zu verwöhnen
und damit den Verdacht, der bereits auf ihn gefallen ist, abzuwenden.
Wie sich kurz darauf herausstellt, ist die Tante Brigitte eine sehr wichtige Zeugin. Sie hat
nämlich eine Perücke gefunden, die der Dorfrichter normalerweise trägt. Der Dorfrichter
gibt sofort zu, dass es sich um seine Perücke handelt, weil sie ihm wie perfekt passt.
Brigitte berichtet, dass jemand die Perücke verloren haben müsse. Das Stück befände sich
in der Nähe von Eves Kammer. Neben der Kammer hätte sie auch Fußabdrücke im
Schnee gesehen, die darauf hindeuteten, dass derjenige einen Klumpfuß habe. Der
Dorfrichter, der einen solchen hat, sagt jedoch, dass es möglicherweise der Teufel selbst
gewesen sei. Diese Aussage ist sehr verräterisch und lenkt den Verdacht immer mehr auf
ihn. Der Dorfrichter sieht nur mehr einen Ausweg: Er will Rupert als Schuldigen
verklagen und ins Gefängnis stecken.
Daraufhin bricht Eve ihr Schweigen und beschuldigt den Dorfrichter, den Krug
zerbrochen zu haben. Der Dorfrichter Adam flieht sofort aus dem Gericht. Eve fleht den
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„Der Zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist
Gerichtsrat an, die Einziehung ihres Verlobten zum Militär zu verhindern. Rupert hätte
seinen Einsatz in Ostindien, von wo kaum einer lebend zurückkehrt. Adam meinte
anfangs, er könne dies verhindern, aber für dies verlangte er von Eve „Schändliches“.
Es stellt sich jedoch heraus, dass dieser Brief von Adam gefälscht worden ist. Damit war
das Ende der Richterlaufbahn von Adam klar. Licht wurde als neuer Dorfrichter vom
Gerichtsrat Walter eingesetzt. Die Verlobten Eve und Rupert konnten sich wieder
versöhnen. Die Einzige, die noch unzufrieden ist, ist Frau Marthe Rull. Sie will bei der
Regierung in Utrecht wegen des zerbrochenen Kruges klagen.
Interpretation:
Das Thema der Wahrheitsfindung liegt Kleists Zerbrochnem Krug zu Grunde. Es geht in
diesem Stück nicht nur darum, dass das Gericht die Wahrheit der ganzen Geschichte mit
dem kaputten Krug und Eve’s Besuch herausfinden soll, sondern auch darum, dass Adam,
der hier für diese Entdeckung verantwortlich sein soll, eigentlich genau das Gegenteil
bewirkt, indem er die Wahrheit zu verstellen versucht. Kleist hat daraus auf interessante
Weise eine Komödie gemacht, die also dieses Thema der Wahrheitsfindung mit einer
besonderen Situations- und Charakterkomik verbindet. Die Sprache in diesem Stück
ermöglicht es Adam, die Wahrheit so lange zu verhüllen, und sie ist es auch, die Walter zu
seiner Erkenntnis bringt und somit das Ende des Konflikts auslöst. Walter erkennt durch
die Lügen und das komische Verhalten von Adam, dass er etwas vertuschen will, muss
ihn aber mit dem Prozess fortfahren lassen, um allgemeine Unruhe oder sogar einen
Aufstand zu verhindern.
Am Ende kann aber doch Adam überführt werden, weil der „Spruch gegen Ruprecht“ Eve
zwingt, endlich die Wahrheit auszusprechen. Adams eigenes Talent, die Worte im Munde
des vor ihm stehenden Zeugen umzudrehen, bringt ihm einen flüchtigen Aufschub des
kommenden Untergangs, kann ihn aber schließlich vor der Macht der
Wahrheitssuchenden nicht schützen.
Porträt von Heinrich von Kleist:
STROBL Martin
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