Die durch die syntaktische Umgebung

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Die durch die syntaktische Umgebung bedingte “prädikative
Bedeutung”
1986(「竹林滋教授還暦記念論文集」研究社)
Die durch die syntaktische Umgebung bedingte “prädikative
Bedeutung”
1.
Fragestellung
Die “Verbbedeutung" innerhalb eines Satzes variiert je nach der syntaktischen Struktur,
obwohl dasselbe Verb verwendet wird. In dem Satzpaar (1a, 1b)drückt das Verb
SCHÜTTELN im Satz(1a)mit der syntaktischen Umgebung NP1____ NP2 die “einfache”
Handlung ETWAS HIN UND HER BEWEGEN aus, während im Satz(1b)mit der
syntaktischen Umgebung NP1
____
NP2 PP die “komplexe” Handlung ETWAS DURCH
EINE HEFTIGE BEWEGUNG ZUM HERUNTERFALLEN BRINGEN ausgedrückt
wird:
(1) a. NP1 ____ NP2
Er schüttelt den Baum.
b. NP1 ____ NP2 PP
Er schüttelt die Äpfel vom Baum.
* NP1 =Nominativsubjekt/NP2=Akkusativobjekt/PP =Präpositionalobjekt
In Zaima(1984, 1985)habe ich ausgeführt, daß die Verbbedeutung des a-Satzes im
obigen Beispiel als Resultat der Interaktion der Bedeutung des Verbs SCHÜTTELN mit
der “valenzrelevanten” syntaktischen Umgebung betrachtet werden kann.
Diese Annahme impliziert, daß außer der “inhärenten Verbbedeutung” ( d.h. der
Bedeutung eines Verbs als morphologischer Einheit)eine weitere Bedeutungseinheit
angenommen werden kann, die als solche nicht allein von der morphologischen Einheit
getragen,
sondern
durch
die
semantische
Interaktion
des
Verbs
und
seiner
syntaktischen Umgebung gebildet wird. Zwischen der Satzbedeutung und der
Satzgliedbedeutung
wird
also
noch
eine
dazwischenliegende
Bedeutungseinheit
angenommen. Wenn man diese Bedeutungseinheit mit X bezeichnet, läßt sich die
Beziehung zwischen diesen drei Bedeutungseinheiten wie folgt darstellen:
Satzbedeutung < X < Satzgliedbedeutung
Die Verbbedeutung, die auf der Ebene von X relevant ist, nenne ich “prädikative
Bedeutung”. Die prädikative Bedeutung ist einfach gesagt die Bedeutung, die übrig
bleibt, nachdem man aus der Satzbedeutung die Bedeutung der Ergänzungen und freien
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Angaben abgezogen hat. Z.B. ist die prädikative Bedeutung vom Satz(1a)ETWAS
HEFTIG HIN UND HER BEWEGEN und die prädikative Bedeutung von(1b)ETWAS
DURCH EINE HEFTIGE BEWEGUNG ZUM HERUNTERFALLEN BRINGEN. Beim
Satz(1a)ist die prädikative Bedeutung mit der inhärenten Verbbedeutung identisch.
Von dieser Annahme ausgehend, versuche ich in diesem Aufsatz zu folgenden drei
Punkten einige Überlegungen anzustellen:
i)
Patterns der semantischen Variation
ii)
Beziehungen zwischen der inhärenten Verbbedeutung und den jeweiligen
Variationspatterns
iii) Formalisierung dieser Variationspatterns.
2.
Charakterisierung von Variationspatterns
Hier versuche ich, drei Variationspatterns zu charakterisieren, um zu zeigen, daß in der
Variation der durch dasselbe Verb bezeichneten verbalen Bedeutungen Regularitäten
vorhanden sind.
2.1
Ableitungstyp
Im Falle des Verbs SCHÜTTELN wird im Satz(1a)als prädikative Bedeutung eine
“einfache” Handlung bezeichnet, während im Satz ( 1b ) die “Fortbewegung” eines
Gegenstandes durch die in(1a)ausgedrückte Handlung bezeichnet wird. Wie im Schema
2 dargestellt, ist in der prädikativen Bedeutung von(1b)die prädikative Bedeutung von
(1a)als Modifikator(siehe Gerling / Orthen 1977)enthalten:
Schema 2:
prädikative Bedeutung von(1a): ETWAS HIN UND HER HEFTIG BEWEGEN
prädikative Bedeutung von(1b): ETWAS DURCH EINE HEFTIGE BEWEGUNG
ZUM HERUNTERFALLEN BRINGEN
Das Variationspattern, in dem wie beim Verb SCHÜTTELN die eine prädikative
Bedeutung in der anderen prädikativen
Bedeutung enthalten ist, nenne ich
Ableitungs-typ.
Unter den Variationspatterns des Ableitungstyps nenne ich dasjenige, das das Verb
SCHÜTTELN bildet, SCHÜTTELN-Variationspattern. Zu diesem Pattern gehören die
Verben, die in der Liste 1 genannt werden.
77
2.2
Fokusverschiebungstyp
Im Falle des Verbs SCHEUERN wird im Satz(2a)die Fortbewegung("Entfernung")
eines Gegenstandes vom Ausgangspunkt(source)ausgedrückt, während im Satz
(2b)die Zustandsveränderung des Ausgangspunktes ausgedrückt wird.
(2) a. Er scheuert den Schmutz von den Dielen.
(NP1 ____ NP2 PP)
b. Er scheuert die Dielen.
(NP1 ____ NP2)
Wichtig ist hierbei, daß die beiden prädikativen Bedeutungen nicht in einer “einfachen
koordinativen” Beziehung, sondern in einer “untrennbaren” Beziehung stehen. D.h. die
prädikative Bedeutung von(2a)impliziert einerseits als logische Folge die prädikative
Bedeutung von(2b), nämlich ZUSTANDSVERÄNDERUNG, andererseits setzt die
prädikative Bedeutung von(2b)die prädikative Bedeutung von(2a), nämlich die
FORTBEWEGUNG EINES GEGENSTANDES voraus.
Der Unterschied zwischen den beiden prädikativen Bedeutungen besteht darin, daß in
einem Falle ZUSTANDSVERÄNDERUNG und im anderen Falle FORTBEWEGUNG
EINES GEGENSTANDES dominiert.
Das Variationspattern, in dem wie beim Verb SCHEUERN zwischen den prädikativen
Bedeutungen die Beziehung von Einschließung und Voraussetzung besteht, nenne
Fokusverschiebungstvp. Unter den Variationspatterns des Fokusverschiebungstyps
nenne ich dasjenige, das das Verb SCHEUERN bildet, SCHEUERN-Vanationspattern.
Zu diesem Pattern gehören die Verben, die in der Liste 2 genannt werden.
Die Beziehung zwischen dem Ableitungstyp und dem Fokusverschiebungstyp kann in
dem Paradigma HANDLUNG ( , die keine Zustandsveränderung bewirkt ) -
FORTBEWEGUNG-ZUSTANDSVERÄNDERUNG wie folgt schematisiert werden:
ZUSTANDSschütteln
HANDLUNG
FORTBEWEGUNG
(la)
(1b)
scheuern
→
(2a)
→
VERÄNDERUNG
(2b)
Im Falle des SCHÜTTELN-Vanationstyps verschiebt sich die prädikative Bedeutung
von
HANDLUNG
zu
FORTBEWEGUNG,
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während
sich
im
Falle
des
SCHEUERN-Variationstyps die prädikative Bedeutung von FORTBEWEGUNG zu
ZUSTANDS-VERÄNDERUNG verschiebt.
2.3
Auswechslungstyp
Im Falle des Verbs ÖFFNEN wird im Satz ( 3a ) nur ein Ereignis ausgedrückt
(intran-sitive Bedeutungsvariante), während im Satz(3b)die das betreffende Ereignis
bewirkende Handlung ausgedrückt wird(transitive Bedeutungsvariante).
(3) a. Die Tür öffnet sich.
b. Er öffnet die Tür.
(NP1____ sich)
(NP1____ NP2)
Das Variationspattern, in dem wie beim Verb ÖFFNEN zwischen den prädikativen
Bedeutungen eine Plus-minus-Opposition in Bezug auf ein bestimmtes semantisches
Merkmal(hier:[CAUS])besteht, nenne ich Auswechslungstyp.
Unter den Variationspatterns des Auswechslungstyps nenne ich dasjenige, das das Verb
ÖFFNEN bildet, ÖFFNEN-Variationspattern. Zu diesem Pattern gehören die Verben,
die in der Liste 3 genannt werden.
3.
Variationspattern und die inhärente Verbbedeutung
In 2. habe ich versucht, drei Variationstypen zu definieren. Hier möchte ich zeigen, daß
zwischen den jeweiligen Variationspatterns und der inhärenten Verbbedeutung
regelhafte Beziehungen bestehen.
Um dieses Problem zu behandeln, muß zuerst klargemacht werden, welche prädikative
Bedeutung in der jeweiligen semantischen Variation als inhärente Verbbedeutung
betrachtet werden soll. Das ist in einem jetzigen Standpunkt der Forschung eine offene
Frage. Es gibt kein theoretisches Verfahren, mit dem bestimmt werden kann, welche
prädikative Bedeutung als inhärente Verbbedeutung betrachtet werden soll. Diese Frage
kann nur durch weitere empirische Untersuchungen beantwortet werden. Hier gehe ich
vorläufig von meiner intuitiven Bestimmung der inhärenten Verbbedeutung aus und
untersuche unter dieser Annahme, ob zwischen den jeweiligen Variationspatterns und
der inhärenten Verbbedeutung regelhafte Beziehungen bestehen.
3.1
SCHÜTTELN-Typ
Als inhärente Verbbedeutung betrachte ich beim SCHÜTTELN-Typ die prädikative
Bedeutung, die als Modifikator in der anderen prädikativen Bedeutung enthalten ist.
79
Das sind die a-Sätze in der Liste 1. Der Grund dafür ist, daß der Bedeutungsinhalt der
prädikativen Bedeutung der a-Sätze kleiner ist als der der prädikativen Bedeutung der
b-Sätze.
In Zaima(1985)wurde dargestellt, daß den inhärenten Verbbedeutungen, die das
SCHÜTTELN-Vanationspattern bilden, ein semantisches Merkmal [ +Aktivität ]
gemeinsam
ist.
D.h.
die
Verben
mit diesem
semantischen
Merkmal können
grundsätzlich das SCHÜTTELN-Variationspattern bilden.
Das semantische Merkmal [ +Aktivität ] zeigt, daß es sich bei der betreffenden
Verbbedeutung eher um die Handlung als solche denn um die Bewirkung einer
Veränderung in Bezug auf den Zustand bzw. die Position handelt.
Das Gegenteil davon ist das semantische Merkmal [ +Resultativität ] . Dieses
semanti-sche Merkmal zeigt, daß es sich bei der betreffenden Verbbedeutung eher das
Resultat/ Ergebnis einer Handlung als um die Handlung als solche handelt.
3.2
SCHEUERN-Typ
Als inhärente Verbbedeutung betrachte ich beim SCHEUERN-Typ die prädikative
Bedeutung, die Fortbewegung(”Entfernung”)eines Gegenstandes bezeichnet. Das sind
die a-Sätze in der Liste 2. Das Argument für diese Annahme ist, daß diese prädikative
Bedeutung die Voraussetzung der anderen prädikativen Bedeutung bildet.
Zuerst kann im Vergleich mit den Verben des SCHÜTTELN-Typs und mit der anderen
prädikativen
Bedeutung der b-Sätze festgestellt werden, daß den inhärenten
Verbbedeutungen, die das SCHEUERN-Variationspattern bilden, die semantischen
Merkmale[+Resultativität]und[+Fortbewegung]gemeinsam sind.
Außerdem kann im Vergleich mit einem anderen Variationspattern dieses Typs, z.B.
dem des Verbs PACKEN, ein semantisches Merkmal[+mittelbare Fortbewegung]als
relevantes Merkmal festgestellt werden:
(4) a. Er packt die Kleider in den Koffer.
b. Er packt die Kleider aus dem Koffer.
c. Er packt den Koffer.
Bei der Bedeutung des Verbs PACKEN wird die vom Agens direkt bewirkte
Fortbe-wegung eines Gegenstandes ausgedrückt, während bei der Bedeutung des Verbs
des SCHEUERN-Typs die Fortbewegung als indirekte Folge der Handlung des Agens
bewirkt, nämlich veranlaßt wird.
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Die bisherige Untersuchung zeigt, wie oben dargestellt, daß die drei semantischen
Merkmale[+Resultativität],[+Fortbewegung]und[+mittelbare Fortbewegung]für die
Bildung des SCHEUERN-Variationspatterns relevant sind. Das impliziert umgekehrt,
daß die Verben mit den betreffenden Merkmalen das SCHEUERN-Variationspattern
bilden können.
3.3
ÖFFNEN-Typ
Als inhärente Verbbedeutung betrachte ich beim ÖFFNEN-Typ die prädikative
Bedeutung, die ein einfaches Ereignis bezeichnet. Das trifft auf die a-Sätze in der Liste 3
zu. Das Argument für diese Annahme ist, daß diese prädikativen Bedeutungen
inhaltlich weniger umfassend sind als die der entsprechenden transitiven Verwendung.
Außerdem gibt es verschiedene Beispiele, in denen das semantische Merkmal[+ CAUS]
hinzuge-fügt wird. Mir scheint deswegen, daß es leichter ist, eine Regel der Hinzufügung
des Merkmals, als eine Regel der Reduzierung des Merkmals aufzustellen.
Zuerst kann im Vergleich mit anderen intransitiven Verben festgestellt werden, daß den
inhärenten
Verbbedeutungen,
die
das
ÖFFNEN-Variationspattern
bilden,
das
seman-tische Merkmal[+Veränderung]gemeinsam ist.
Außerdem kann im Vergleich mit anderen Variationspatterns dieses Typs, z.B. den der
Verben BRECHEN bzw. ROLLEN das semantische Merkmal[+Zustand(Qualität)] als
relevantes Merkmal festgestellt werden:
(5) a. Der Zweig bricht.
b. *Der Zweig bricht sich.
c. Er bricht den Zweig.
(6) a. Das Faß rollt.
b. *Das Faß rollt sich.
c. Er rollt das Faß.
Während Verben wie BRECHEN bzw. ROLLEN, die zu anderen Vanationspatterns
dieses Typs gehören, die Veränderung einer Position bzw. Fortbewegung bezeichnen,
bezeichnen die Verben des ÖFFNEN-Typs wie ÖFFNEN eine Zustandsveränderung. Die
bisherige Untersuchung zeigt, daß die semantischen Merkmale[+Veränderung]und
[ +Zustand ] für die Bildung des ÖFFNEN-Variationspatterns relevant sind. Das
impliziert umgekehrt, daß die Verben mit den betreffenden Merkmalen das
ÖFFNEN-Variationspattern bilden können.
81
Die obige Analyse zeigt, daß für die Bedeutungen der Verben, die ein bestimmtes
Variationspattern bilden, ein gemeinsames semantisches Merkmal angenommen werden
kann. D.h. daß das Variationspattern der prädikativen Bedeutungen, die durch die
Interaktion mit der syntaktischen Umgebung zum Ausdruck gebracht werden, anhand
eines bestimmten semantischen Merkmals vorhergesagt werden kann.
4.
Formalisierung
In 3. habe ich dargestellt, daß die Variationspatterns anhand der semantischen
Merkmale der betreffenden Verben vorhergesagt werden können. Zum Schluß behandle
ich das Problem, wie diese Erscheinung im Lexikon beschrieben werden kann und soll.
Die(valenzrelevanten semantischen Merkmale der)prädikativen Bedeutungen und ihre
syntaktische Umgebung sind grundsätzlich immer kongruent. Wenn also wie oben
gesehen zwischen den semantischen Eigenschaften der inhärenten Verbbedeutung und
deren prädikativen Bedeutungen eine vorhersagbare Beziehung besteht, dann ist als
logische Folge anhand der semantischen Eigenschaft der inhärenten Verbbedeutung
auch die syntaktische Umgebung vorhersagbar. D.h. die semantische Eigenschaft der
inhärenten Verbbedeutung kann nicht nur die semantische Variation, sondern auch ihre
syntaktische Umgebung vorhersagen. Deshalb sind die prädikativen Bedeutungen und
die ihnen entsprechenden syntaktischen Umgebungen gleichzeitig anhand der
bestimmten semantischen Merkmale der inhärenten Verbbedeutung bestimmbar. Um
die prädikativen Bedeutungen, die aufgrund der inhärenten Verbbedeutung gebildet
werden, im Lexikon als lexikalische Einheiten zu beschreiben, ergibt sich aus der obigen
Überlegung die Folgerung, daß im Lexikon eine Regelkomponente angenommen werden
soll, in der die Redundanzregeln bezüglich der Bildung der verschiedenen prädikativen
Bedeutungen enthalten sind. Unten stelle ich grob dar, wie die Redundanzregeln
bezüglich der obigen Beispiele aussehen.
4.1
Komponente der lexikalischen Einheiten
Die oben beschriebenen Verben werden als lexikalische Einheiten in der Komponente
der lexikalischen Einheiten wie folgt charakterisiert. Die Abkürzung pM bezeichnet
“phonologische Merkmale”, sU “syntaktische Umgebung” und sM “semantische
Merkmale”.(”-” bedeutet andere semantische Merkmale.)
schütteln
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pM: /SCHÜTTELN/
sN: NP1____ NP2
sM: [+Agentivität]/[+Aktivität]/---
scheuern
pM: /SCHEUERN/
sU: NP1____ NP2 PP
sM: [+Agentivität]/[+Resultativität]/[+Fortbewegung]/[+mittelbar]/
---
öffnen
pM: /ÖFFNEN/
sU: NP1____ sich
sM: [+Ereignis]/[+Veränderung]/[+Zustand]/---
4.2
Komponente der Redundanzregeln
Die Redundanzregeln, die auf die obigen Verben anwendbar sind, werden grob in der
Komponente der Redundanzregeln wie folgt beschrieben. Das Zeichen * bezeichnet die
jeweiligen Merkmale der lexikalischen Einheit, auf die diese Regel angewendet wird.
(I) Ableitungsregel
a)
Anwendungsbedingung:[+Aktivität]
b)
Variation: i) verbale Bedeutung → Modifikator(Instrumental)
ii)Hinzufügen von[+ Resultativität]und[+Fortbewegung]
c)
abgeleitete lexikalische Einheit:
pM: *
sU: NP1____ NP2 PP
sM: [+Agentivität]/[+Resultativität]/ [+Fortbewegung]/
[+Instrumental= *]
(II) Fokusverschiebungsregel
a)
Anwendungsbedingung: [+Agentivität]/[+Resultativität]/
[+Fortbewegung]/[+mittelbar]
b)
Variation:[+Fortbewegung]・[+mittelbar] → [+Zustandsveränderung]
c)
abgeleitete lexikalische Einheit:
pM: *
sU: NP1____ NP2
sM: [+Agentivität]/[+Resultativität]/
83
[+Zustandsveränderung]/[+Instrumental = *]
(III) Auswechslungsregel
a)
Anwendungsbedingung: [+Ereignis]/[+Veränderung]/[+Zustand]
b)
Variation: Hinzufügen von[+Caus] → [+Zustandsveränderung]
c)
abgeleitete lexikalische Einheit:
pM: *
sU: NP1____ NP2
sM: [+Caus]/[+Ereignis = *]
4.3
Veränderte lexikalische Einheiten
Wenn die oben dargestellten Regeln auf die die betreffenden Bedingungen erfüllenden
Lexeme angewendet werden, werden folgende lexikalische Einheiten generiert. Dadurch
werden die genannten Sätze bildbar:
A)falls die Ableitungsregel auf das Lexem schütteln angewendet wird:
pM: /SHÜTTELN/
sU: NP1____ NP2 PP
sM: [+Agentivität]/[+Resultativität]/[+Fortbewegung]/
[+Instrurnental = SCHÜTTELN]
Beispiel: Er schüttelt die Äpfel vom Baum.
B)falls die Fokusverschiebungsregel auf das Lexem scheuern angewendet wird:
pM: /SCHEUERN/
sU: NP1____NP2
sM: [+Agentivität]/[+Resultativität]/[+Zustandsveränderung]/
[+Instrumental= SCHEUERN]
Beispiel: Er scheuert den Fußboden.
C)falls die Auswechslungsregel auf das Lexem öffnen angewendet wird:
pM: /ÖFFNEN/
sU: NP1____NP2
sM: [+Caus]/[+Ereignis = OFFEN WERDEN]
Beispiel: Er öffnet die Tür.
84
5.
Zusammenfassung
In 4. habe ich vorgeschlagen, daß das Lexikon zwei Komponenten enthalten soll,
nämlich eine Komponente, in der die primären lexikalischen Einheiten beschrieben sind,
und eine Komponente, in der die Redundanzregeln, die anhand bestimmter
semantischer Merkmale neue semantische Einheiten generieren und entsprechend ihre
syntaktischen Umgebungen bestimmen, beschrieben werden.
Als Argumente des oben genannten Verfahrens werden folgende zwei Punkte genannt:
i) Es ist praktisch unmöglich und nicht ratsam, alle prädikativen Bedeutungen, wie
sie in den Listen 1, 2 und 3 genannt sind, im Lexikon als lexikalische Einträge zu
beschreiben.
ii) Durch die Aufstellung der “generativen” Regelkomponente wird es möglich,
unterschiedliche Bedeutungsvarianten desselben Verbs systematisch zu erklären und
wichtige Regularitäten in Bezug auf die Bedeutungsvariation der Verben zu erfassen.
Die Richtigkeit dieser Annahme soll selbstverständlich durch weitere empirische
Untersuchungen, die den größten Teil der deutschen Verben umfassen, überprüft und
bestätigt werden.
85
LITERATUR
Gerling, M/N. Orthen. 1979. Deutsche Zustands- und Bewegungsverben, Gunter Narr
Zaima, S. 1984. Syntaktisch-semantisch bedingte abgeleitete Bedeutung der deutschen
Verben, Tokyo(Tokyo Gaikokugo Daigaku Ronsyu 33)
Zaima, S. 1985. Einige Überlegungen zur syntaktisch-semantisch bedingten Verbbedeutung, Tokyo(Tokyo Gaikokugo Daigaku Ronsyu 34)
86
Liste 1: Verben des SCHÜTTELN-Typs
klopfen
a)
Er klopft ihm auf die Schulter.
b)
Er klopft den Staub von den Schultern.
lecken.
a)
Er leckt mir die Hand.
b)
Er leckt das Blut aus der Wunde.
prügeln
a)
Er prügelt den Lehrer.
b)
Er prügelt die Leute in den Saal / aus dem Saal.
reiben.
a)
Er reibt den Tisch.
b)
Er reibt den Fleck vom Tisch.
schlagen
a)
Er schlägt auf den Tisch.
b)
Er schlägt ihm den Hut vom Kopf.
schütteln
a)
Er schüttelt den Baum.
b)
Er schüttelt die Äpfel vom Baum.
stoßen
a)
Er stößt den Mann mit einer Stange.
b)
Er stößt den Mann ins Wasser / aus dem Zug.
trampeln
a)
Er trampelt.
b)
Er trampelt den Schnee von den Schuhen.
Vgl.: bohren
a)
Er bohrt.
b)
Er bohrt einen Pfahl in die Erde. (goal-orientiert)
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Liste 2: Verben des SCHEUERN-Typs
bürsten
fegen
kämmen
kehren
saugen
schaben
schälen
scheuern
Spülen
Waschen
wischen
a)
Er bürstet den Staub von den Schuhen.
b)
Er bürstet die Schuhe.
a)
Er fegt die Blätter in die Ecke.
b)
Er fegt das Zimmer.
a)
Er kämmt sich den Staub aus den Haaren.
b)
Er kämmt das Haar.
a)
Er kehrt den Schnee vom Dach.
b)
Er kehrt das Zimmer.
a)
Er saugt Zement aus den Lastkähnen.
b)
Er saugt den Teppichboden.
a)
Er schabt den Teig aus dem Topf.
b)
Er schabt Karotten.
a)
Die Männer schälen die Rinde vom Baum.
b)
Er schält Bananen.
a)
Er scheuert den Schmutz von den Dielen.
b)
Er scheuert den Fußboden.
a)
Er spült die Seife aus den Haaren.
b)
Er spült die Gläser.
a)
Er wäscht sich den Dreck vom Knie.
b)
Er wäscht das Haar.
a)
Er wischt den Staub vom Zimmer.
b)
Er wischt das Zimmer.
88
Liste 3: Verben des ÖFFNEN-Typs
abfahren
abschreiben
auflösen
ausweiten
biegen
lösen
öffnen
rollen
schließen
a)
Die Reifen haben sich schon abgefahren.
b)
Er hat die Reifen schnell abgefahren.
a)
Der Bleistift schreibt sich schnell ab.
b)
Er schreibt den Bleistift ab.
a)
Die Tablette löst sich im Wasser auf.
b)
Er löst eine Tablette im Wasser auf.
a)
Das Gummiband weitet sich aus.
b)
Er weitet das Gummiband aus.
a)
Das Blech hat sich gebogen.
b)
Er biegt ein Blech.
a)
Der Stein löst sich.
b)
Er hat den Stein aus der Mauer gelöst.
a)
Die Tür öffnet sich.
b)
Er öffnet die Tür.
a)
Der Teppich rollt sich an den Rändern.
b)
Ich habe einen Teppich gerollt.
a)
Die Tür hat sich wieder geschlossen.
b)
Er schließt die Tür.
89
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