Wettbewerb SS 2016

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Wettbewerb
SS 2016
Prof. Dr. Susanne Soretz
Worum wird es gehen?
Arbeitsteilung macht Koordinationsmechanismus unverzichtbar ➜
Märkte erfüllen diese Funktion am besten
bei vollkommenem Wettbewerb sind Marktergebnisse
Pareto-optimal
Marktversagen führt zu Fehlallokationen
Unternehmen mit Marktmacht (Monopole, Oligopole) verhalten
sich anders als Mengenanpasser, in der Regel geringeres
Angebot zu höheren Preisen, dadurch wird die
Informationsfunktion der Preise gestört, es entstehen
Wohlfahrtsverluste
Wettbewerbspolitik: Regulierung soll Marktmacht reduzieren bzw.
Marktergebnisse korrigieren
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Gliederung
1. Einführung und Überblick: Warum Wettbewerb?
2. Das allg. Gleichgewicht und das 1. Wohlfahrtstheorem:
Pareto–Optimum — Wettbewerbsgleichgewicht — Gerechtigkeit
und Wohlfahrt — Marktgleichgewichte bei unvollk. Konkurrenz —
Anbieteranzahl und Kostenstruktur
3. Das Monopol:
Monopolist. Preissetzung: Partialanalyse — Monopolmacht im
allgemeinen Gleichgewicht — Das natürliche Monopol
4. Regulierung:
Grenzkostenpreisbildung — Ramsey-Preise — Tarifgestaltung —
Subvention — Ausschreibung eines natürlichen Monopols
5. Das Monopson und das bilaterale Monopol
6. Das Oligopol:
Mengenwettbewerb nach Cournot — Preiswettbewerb nach
Bertrand — Wettbewerbsbeschränkung: Kooperation
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Literatur
Bester, H. (2012), Theorie der Industrieökonomik, Springer.
Binger, B. R., Hoffman, E. (1998) Microeconomics with Calculus,
Addison Wesley.
Borrmann, J., FinsingerJ. (1999) Markt und Regulierung, Vahlen.
Henderson, J. M., Quandt, R. E. (1983) Mikroökonomische Theorie,
Vahlen.
Hey, J. D. (2003) Intermediate Microeconomics, McGrawHill.
Linde, R. (1996), Mikroökonomie, Kohlhammer Verlag.
Tirole, J. (1999), Industrieökonomik, Oldenbourg.
Wied-Nebbeling, S., (2009) Preistheorie und Industrieökonomik,
Springer.
Wiese, H., (2010) Mikroökonomik, Springer.
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Organisatorisches
Folien im Internet unter
www.uni-greifswald.de/soretz/lehre/
Sprechstunden Mittwoch Nachmittag nach Vereinbarung, bitte per
email anmelden:
[email protected]
Übung in 2 Gruppen
(beginnt mit Außenwirtschaft und Konjunktur und Wachstum):
siehe Übungsplan
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Klausuren
Scheinklausur für BWLer am Semesterende:
15. Juli 2016 um 08 Uhr s.t. im HS Loe
Klausur für B.A.-Studenten:
im Rahmen der AVWL Anfang September
Vorkorrekturanträge bitte per email mit Angabe des Grundes (und
Termins) bis zwei Wochen vor der betreffenden Klausur
beantragen:
z.B.: Vorkorrektur der AVWL wegen Fachmodulprüfung,
Vorkorrektur AVWL wegen Auslandsbewerbung am 15.09.
B.A.-Studenten, die ihre Fachmodulprüfung ablegen
möchten, müssen sich innerhalb der kommenden Woche
elektronisch melden!!
mit Angabe der PO, des gewünschten Fachs, der noch fehlenden
Vorleistungen, der Angabe ob Masterstudium
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1 Einführung und Überblick: Warum Wettbewerb?
Wettbewerb sichert Effizienz: das Marktergebnis ist pareto-optimal
Preise komprimieren alle Informationen über die Knappheit der
verschiedenen Güter
Wettbewerb ist damit allen anderen Allokationsverfahren
überlegen
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Soziale Wohlfahrt aus der Herstellung eines Gutes:
P
X
➩ maximale soziale Wohlfahrt, wenn Grenznutzen = Grenzkosten.
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Koordination durch einen Wettbewerbsmarkt:
P
X
Konsumenten erhöhen die Nachfrage, bis Preis = Grenznutzen
Produzenten erhöhen das Angebot, bis Preis = Grenzkosten
Marktgleichgewicht (Angebot = Nachfrage) bringt Grenznutzen
und Grenzkosten in Übereinstimmung
Das Gleichgewicht auf einem Wettbewerbsmarkt maximiert die
soziale Wohlfahrt!
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Der Fall vieler Güter und Produktionsfaktoren
Es müssen nicht nur Nutzen und Kosten aus der Herstellung
eines Gutes gegeneinander abgewogen werden, sondern auch
die Produktionsmengen verschiedener Güter sowie die Aufteilung
der Produktionsfaktoren auf die Sektoren.
Besonders in einem solchen komplexen Umfeld sind
Wettbewerbsmärkte allen anderen Allokationsverfahren
überlegen.
Sowohl Grenznutzen als auch Grenzkosten eines Gutes bzw.
eines Produktionsfaktors hängen auch von der Verfügbarkeit
anderer Güter bzw. Produktionsfaktoren ab.
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Beispiel: Der Nutzen von Skistiefeln ist größer, wenn mehr
Skiurlaube gemacht werden. Der Grenznutzen steigt bzw. die
Nachfrage verschiebt sich nach oben. Die optimale
Skistiefelmenge steigt.
P
X
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Beispiel: Die Herstellungskosten von Textilien steigen, wenn der
Lohnsatz steigt. Die Grenzkosten steigen bzw. das Angebot
verschiebt sich nach oben. Die optimale Menge Textilien sinkt.
P
X
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2 Das allgemeine Gleichgewicht und das erste
Wohlfahrtstheorem
Quelle: Wiese (Kap. M) oder Henderson/Quandt (Kap. 9)
Ziel: Herleitung des 1. Wohlfahrtstheorems:
„Jedes Marktgleichgewicht ist Pareto-optimal“
Weg: Charakteristische Eigenschaften des Parto-Optimums finden;
zeigen, dass diese Eigenschaften auch im Marktgleichgewicht erfüllt
sind
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Annahmen: Das 2x2x2-Modell
es gibt zwei Individuen: a und b
es gibt zwei Güter, Gut 1 und Gut 2
es gibt zwei Produktionsfaktoren: Arbeit L und Kapital K
jeder Sektor produziert mit beiden Produktionsfaktoren gemäß
X 1 = X 1 (L1 , K 1 )
bzw.
X 2 = X 2 (L2 , K 2 )
(1)
beide Produktionsfunktionen sind linear homogen (konstante
Skalenerträge).
die Produktionsfaktoren sind substituierbar, wobei die Grenzrate
der technischen Substitution abnimmt (konvexe Isoquanten)
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2.1 Das Pareto–Optimum
Bedingungen für Pareto–Optimalität:
1. Effiziente Produktion:
Verteilung der Produktionsfaktoren auf die Sektoren:
In keinem Sektor kann die Produktionsmenge erhöht werden, ohne
dafür in einem anderen Sektor die Produktionsmenge zu senken.
2. Effizienter Verbrauch:
Verteilung der Güter auf die Haushalte:
Kein Haushalt kann mehr besser gestellt werden, ohne dafür einen
anderen Haushalt schlechter zu stellen.
3. Effiziente Koordination von Produktion und Verbrauch:
Produktionsmengen der Güter:
Durch eine Änderung der Produktionsstruktur kann kein Haushalt
mehr besser gestellt werden kann.
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Effiziente Produktion
Isoquanten:
K
K
L
L
Die Produktionsbedingungen legen die Form der Isoquanten fest:
➜ je leichter die Substitution, um so weniger gekrümmt sind die
Isoquanten
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K
L
Steigung der Isoquanten:
Grenzrate der technischen Substitution GRTS
dX = 0
➩
➩
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dK XL
=
GRTS = dL XK
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(2)
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Die Edgeworth–Box der Produktion:
K1
L2
K2
L1
Effiziente Produktion
Die Produktionsfaktoren sind effizient auf die Sektoren aufgeteilt, wenn
die Grenzraten der technischen Substitution übereinstimmen.
dK 1 dK 2
=
➩ GRTS 1 = GRTS 2 das heißt
dL1
dL2
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Die effiziente Produktion: ein Zahlenbeispiel
So lange die Grenzraten der technischen Substitution verschieden
sind, ist es möglich, in einem Sektor mehr zu produzieren, ohne in
dem anderen Sektor weniger zu produzieren.
Ausgangspunkt: Sowohl Arbeit als
Kapital
werden voll
auch
2
1
1
1
beschäftigt.
Die GRTS beträgt dK /dL = 5, die GRTS beträgt
2
dK /dL2 = 10.
Erhöht man den Arbeitseinsatz in Sektor 2 um eine Einheit, kann
man zehn Einheiten Kapital einsparen.
Wenn man diese zehn Einheiten Kapital in Sektor 1 nutzt, werden
zwei Einheiten Arbeit frei.
Eine Einheit davon braucht man in Sektor 2, mit der anderen
Einheit kann man mehr als in der Ausgangssituation produzieren.
Erst wenn die GRTS in beiden Sektoren übereinstimmen, kann
man durch eine Änderung der Produktionsstruktur keine
Mehrproduktion mehr erreichen.
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Die Transformationskurve
Die Transformationskurve ist die grafische Darstellung aller effizienten
Güterkombinationen.
X2
K1
L2
K2
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L1
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X1
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Die Grenzrate der Transformation
in der Regel ist die Transformationskurve konkav
die Steigung der Transformationskurve heißt Grenzrate der
Transformation GRT
die GRT gibt an, auf wieviel Einheiten von Gut 2 verzichtet
werden muss, um eine Einheit von Gut 1 mehr zu produzieren:
Opportunitätskosten
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Opportunitätskosten und Grenzproduktivitäten:
Die Grenzrate der Transformation misst die Opportunitätskosten von
Gut 1:
2
dX (3)
GRT = 1 dX
Die Produktionsmengen verändern sich durch Veränderung des
Faktoreinsatzes
dX 1 = XL11 dL1 + XK1 1 dK 1
und dX 2 = XL22 dL2 + XK2 2 dK 2
Eine Bewegung auf der Transformationskurve erfolgt durch die
Verlagerung von Produktionsfaktoren von Sektor 2 in Sektor 1, d. h.
dL1 , dK 1 > 0
wobei dL1 = −dL2
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und
und
dL2 , dK 2 < 0
dK 1 = −dK 2
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(4)
(5)
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so dass die GRT
2
dX dX 1 =
➩
GRT =
XK2 2
XK1 1
(6)
=
XL22
(7)
XL11
Die GRT entspricht bei effizienter Produktion dem Verhältnis der
Grenzproduktivitäten von Arbeit bzw. Kapital.
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Effizienter Verbrauch
Indifferenzkurven:
X2
X2
X1
X1
Die Präferenzen bestimmen die Form der Indifferenzkurven:
➜ je besser die Güter substituierbar sind, um so weniger gekrümmt
sind die Indifferenzkurven
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X2
X1
Steigung der Indifferenzkurve: Grenzrate der Substitution GRS
U = U(X 1 , X 2 ) ➩
dU =
dU = 0 ➩
➩
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2
dX U 1
GRS = 1 = X
UX 2
dX
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(8)
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Die Edgeworth–Box des Verbrauchs:
X 2a
X 1b
X 2b
X 1a
Effizienter Verbrauch
Die Konsumgüter sind effizient auf die Haushalte verteilt, wenn die
Grenzraten der Substitution übereinstimmen.
➩ GRS a = GRS b das heißt
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dX 2a dX 2b
=
dX 1a dX 1b
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Effizienter Verbrauch: ein Zahlenbeispiel
So lange die Grenzraten der Substitution verschieden sind, ist es
möglich, einen Haushalt besser zu stellen, ohne den anderen Haushalt
schlechter zu stellen.
Ausgangspunkt: Sowohl Gut 1 als auch Gut 2 werden vollständig
verbraucht. Die GRS a beträgt dX 2a /dX 1a = 2, die GRS b beträgt
dX 2b /dX 1b = 1.
Erhöht man den Konsum an Gut 1 von Haushalt a um eine Einheit,
kann man seinen Konsum von Gut 2 um zwei Einheiten senken.
Wenn man diese zwei Einheiten von Gut 2 nun Haushalt b gibt,
dann werden zwei Einheiten des Gutes 1 frei.
Eine Einheit davon braucht man, um Haushalt a so gut zu stellen
wie zuvor, die andere Einheit kann zur Nutzensteigerung
verwendet werden.
Erst wenn die GRS beider Haushalte übereinstimmen, kann man
durch eine Änderung der Verbrauchsstruktur keine
Nutzensteigerung mehr erreichen.
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Effiziente Koordination von Produktion und Verbrauch
Produktionsmöglichkeiten ➩ Transformationskurve
daraus resultierende Konsummöglichkeiten ➩ Edgeworth-Box des
Verbrauchs
X2
Effiziente Koordination von
Produktion und Verbrauch
Produktion und Verbrauch sind
effizient koordiniert, wenn die
Grenzraten der Substitution der
Grenzrate der Transformation
entsprechen ➩ GRT = GRS.
X1
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Effiziente Koordination von Produktion und Verbrauch: ein
Zahlenbeispiel
So lange die Grenzraten der Substitution von der GRT abweichen, ist
es möglich, durch Änderung der Produktionsstruktur einen (beliebigen)
Haushalt besser zu stellen.
Ausgangspunkt: Sowohl Gut 1 als auch Gut 2 werden vollständig
verbraucht. Die GRS a = GRS b = GRS beträgt dX 2 /dX 1 = 2, die GRT
beträgt dX 2 /dX 1 = 1.
Wird um eine Einheit mehr von Gut 1 produziert, kann um eine
Einheit weniger von Gut 2 produziert werden.
Die Haushalte verzichten aber auf zwei Einheiten von Gut 2, wenn
sie eine Einheit mehr von Gut 1 bekommen.
Die „übrige“ Einheit von Gut 2 kann somit nutzensteigernd
verwendet werden.
Erst wenn die GRS mit der GRT übereinstimmen, kann man
durch eine Änderung der Produktionsmengen keine
Nutzensteigerung mehr erreichen.
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2.2 Das Wettbewerbsgleichgewicht
Annahmen: vollkommener/vollständiger Wettbewerb:
viele kleine Anbieter und Nachfrager auf allen Märkten
ein homogenes Produkt je Markt
kein technischer Fortschritt
Annahmen: kein Marktversagen
Rivalität im Konsum
Anwendbarkeit des Ausschlussprinzips
keine externen Effekte und Unteilbarkeiten
➜ Marktverhalten: Anbieter und Nachfrager sind
Mengenanpasser/Preisnehmer
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Die Faktormärkte
Faktornachfrage gewinnmaximierender, mengenanpassender
Unternehmen:
max G1 = p 1 X 1 (K 1 , L1 ) − wL1 − rK 1
L1 ,K 1
➩
XL11
XK1 1
=
w
r
➩
GRTS 1 = Faktorpreisverhältnis
genauso: max G2 = p 2 X 2 (K 2 , L2 ) − wL2 − rK 2
L2 ,K 2
➩
XL22
XK2 2
=
w
r
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➩
GRTS 1 = GRTS 2
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(9)
(10)
(11)
(12)
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Faktornachfrage:
w
w
L1
L2
➜ Wenn sich alle Firmen an dem gleichen Faktorpreis orientieren,
stimmen die jeweiligen Wertgrenzprodukte überein.
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noch einmal Faktornachfrage:
K1
K2
L1
L2
➜ Wenn sich alle Firmen an dem gleichen Faktorpreisverhältnis
orientieren, stimmen die jeweiligen GRTS überein.
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Ergebnis: effizienzte Produktion
Da sich alle Unternehmen am gleichen Faktorpreisverhältnis
orientieren, stimmen alle GRTS überein.
Faktorpreise bündeln alle relevanten Informationen über die
Knappheit der Faktoren.
Die Allokation der Produktionsfaktoren auf Wettbewerbsmärkten
ist Pareto-optimal.
Zentral dafür ist, dass alle Firmen den selben Faktorpreisen
gegenüber stehen.
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Die Gütermärkte
Güternachfrage nutzenmaximierender, mengenanpassender
Haushalte:
max U a (X 1a , X 2a ) u. N.y a = p 1 X 1a + p 2 X 2a
X 1a ,X 2a
➩
UXa 1a
p1
=
UXa 2a
p2
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(13)
(14)
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genauso: max U b (X 1b , X 2b ) u. N.y b = p 1 X 1b + p 2 X 2b
X 1b ,X 2b
➩
➩
UXb 1b
UXb 2b
=
p1
p2
(15)
GRS a = GRS b
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(16)
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35 / 190
Güternachfrage:
X 2a
X 2b
X 1a
X 1b
➜ Wenn sich alle Haushalte an dem gleichen Güterpreisverhältnis
orientieren, stimmen die jeweiligen GRS überein.
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Ergebnis: effizienter Konsum
Da sich alle Haushalte am gleichen Güterpreisverhältnis
orientieren, stimmen alle GRS überein.
Die Güterpreise bündeln alle relevanten Informationen über die
Knappheit der Güter.
Der Verbrauch der Güter erfolgt auf Wettbewerbsmärkten
Pareto-optimal.
Zentral dafür ist, dass alle Haushalte den selben Güterpreisen
gegenüber stehen.
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Die Koordination von Produktion und Verbrauch
Aus gewinnmaximierender und mengenanpassender Faktornachfrage
der Unternehmen folgte (s.o.):
p 1 XL11 = w = p 2 XL22
bzw. p 1 XK1 1 = r = p 2 XK2 2
Daraus bestimmt man die GRT im Marktgleichgewicht:
2
dX X 22
X 22
p1
GRT = 1 = L1 = K1 = 2
dX
p
X L1
XK 1
(17)
(18)
Aus nutzenmaximierender und mengenanpassender Güternachfrage
der Haushalte folgte (s.o.):
2
dX p1
(19)
GRS = 1 = GRS a = GRS b = 2
dX
p
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Zusammenfügen beider Bedingungen ergibt
GRT =
p1
= GRS
p2
(20)
Ergebnis: effiziente Koordination
Da Produzenten und Konsumenten den selben Güterpreisen
gegenüber stehen, stimmen GRT und GRS überein.
Die Güterpreise vermitteln die Knappheit der Güter zwischen
Produktion und Verbrauch.
Die Koordination von Produktion und Verbrauch ist im
Wettbewerbsgleichgewicht Pareto-optimal.
Zentral dafür ist, dass Unternehmen und Haushalte den selben
Güterpreisen gegenüber stehen.
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Zusammenfassung
Das erste Wohlfahrtstheorem:
Unter der Bedingung vollständigen Wettbewerbs (sowie der
Abwesenheit von Marktversagen) gilt:
Jedes Marktgleichgewicht ist Pareto-optimal.
Die Aufteilung der Produktionsfaktoren ist effizient
(GRTS 1 = w /r = GRTS 2 ), da alle Unternehmen auf der Basis des
gleichen Faktorpreisverhältnisses entscheiden.
Die Aufteilung der Konsumgüter auf die Haushalte ist effizient
(GRS a = p 1 /p 2 = GRS b ), da alle Haushalte auf der Basis des
gleichen Güterpreisverhältnisses entscheiden.
Die Koordination von Produktion und Verbrauch ist effizient
(GRT = p 1 /p 2 = GRS), da Unternehmen und Haushalte auf der
Basis des gleichen Güterpreisverhältnisses entscheiden.
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Die Preise erfüllen damit ihre Lenkungsfunktion, sie signalisieren
die Knappheit von Produktionsfaktoren und Gütern.
Die Preise können ihre Lenkungsfunktion nur erfüllen, wenn sie
nicht verzerrt werden: bspw. verschiedene Mehrwertsteuersätze
für verschiedene Güter; Wohngeld als Preissubvention für
manche Haushalte; vergünstigter Kinoeintritt für Studenten; sozial
gestaffelte Kindergartengebühren; geringere Ökosteuer für
energieintensive Branchen.
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2.3 Gerechtigkeit und Wohlfahrt
Quelle: Linde Kap. 6.3 oder Hey Kap. 9
Wie gut geht es den beteiligten Haushalten in den jeweiligen
Pareto-Optima?
Es gibt Pareto-Optima, die wir als ungerecht empfinden,
beispielsweise wenn Haushalt a nichts bekommt und Haushalt b
alles.
Gerechtigkeitsvorstellungen werden in sozialen
Wohlfahrtsfunktionen erfasst, die Auskunft darüber geben,
welches Pareto-Optimum sozial besser bewertet wird als welches
andere.
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Wenn die Gütermengen vorgegeben sind, dann kann man aus der
Kontraktkurve die zugehörigen Nutzenniveaus ableiten:
Ub
X 2a
X 1b
X 1a
Ua
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X 2b
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Auf der Basis gegebener Technologien und gegebener Faktormengen
sind viele Güterkombinationen möglich (sh. Edgeworth-Box der
Produktion). Entsprechend ist die Nutzenmöglichkeitenkurve die
Umhüllende:
Ub
Ua
Die Nutzenmöglichkeitenkurve gibt alle realisierbaren Kombinationen
von Nutzenniveaus zweier Haushalte an.
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Die Nutzenmöglichkeitenkurve verläuft immer fallend: Der Nutzen
eines Haushalts ist nur zu erhöhen, wenn dafür der Nutzen des
anderen Haushalts gesenkt wird (andernfalls wäre die erste
Situation nicht effizient gewesen).
Genauere Aussagen über den Verlauf der
Nutzenmöglichkeitenkurve sind ohne weiteren Annahmen über
die Präferenzen nicht möglich.
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Welcher Punkt auf der Nutzenmöglichkeitenkurve soll realisiert
werden?
➩ Welche Nutzenverteilung ist gerecht?
Gerechtigkeit hat immer etwas mit Gleichheit zu tun, es gibt aber sehr
verschiedene Ansichten, was gleich sein soll:
Startgerechtigkeit: gleiche Anfangsausstattung aller Haushalte
Leistungsgerechtigkeit: gleiches Einkommen bei gleicher Leistung
Regelgerechtigkeit: auf alle Wirtschaftssubjekte sollen die
gleichen Regeln angewendet werden
Ergebnisgerechtigkeit: gleiche Güterausstattung (oder gleiche
Nutzenniveaus) für alle Haushalte
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Wohlfahrtsfunktionen
Die Überlegungen bezüglich sozialer Gerechtigkeit werden in der
Regel in Form von sozialen Wohlfahrtsfunktionen zusammengefasst:
Soziale Wohlfahrtsfunktion:
Eine soziale Wohlfahrtsfunktion gibt an, welche Größen für das
Wohlergehen einer Gesellschaft (eines Landes) maßgeblich sind und
in welcher Weise das gesellschaftliche Wohlfahrtsniveau von ihnen
abhängt.
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Zwei verschiedene Ansätze: Leontief-Lerner und Bergsson
Die Leontief-Lerner-Wohlfahrtsfunktion unterstellt, dass das
Wohlergehen einer Gesellschaft von der Menge an Gütern
abhängt, die ihr zur Verfügung stehen (und nicht von der
Verteilung der Güter auf die Individuen):
W = W (X 1 , ...X n )
(21)
Die Bergsson-Wohlfahrtsfunktion unterstellt, dass das
Wohlergehen einer Gesellschaft von den Nutzenniveaus der
Individuen abhängt:
W = W (U a , ...U m )
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(22)
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Leontief-Lerner-Wohlfahrtsfunktion:
X2
X1
Die Leontief-Lerner-Wohlfahtsfunktion wird beispielsweise in der
Außenhandelstheorie viel benutzt. Für die Indifferenzkurven wird
die übliche konvexe Gestalt angenommen. Sie macht keine
Aussagen über die gesellschaftlichen Konsequenzen der
Verteilung.
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49 / 190
Bergsson-Wohlfahrtsfunktionen:
Ub
Ua
Die Gruppe der Bergsson-Wohlfahrtsfunktionen lässt sich weiter
unterteilen, je nach dem, wie groß die Ungleichheitsaversion der
Gesellschaft ist:
Konvexe Indifferenzkurven zeigen Ungleichheitsaversion. Weniger
ungleiche Nutzenverteilungen führen zu Punkten auf höher
gelegenen Indifferenzkurven.
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50 / 190
Die Wohlfahrtsfunktion nach Rawls: W = min[U 1 , ..., U m ]
Ub
Ua
Die gesellschaftliche Wohlfahrt hängt ausschließlich von dem
Nutzen des am schlechtesten gestellten Mitglieds der
Gesellschaft ab.
Die Wohlfahrtsfunktion nach Rawls impliziert unendliche
Ungleichheitsaversion.
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51 / 190
j
Die Wohlfahrtsfunktion nach Bentham: W = ∑m
j=1 U
Ub
Ua
Die gesellschaftliche Wohlfahrt kann durch die Summe der
individuellen Nutzenniveaus dargestellt werden.
Die Senkung des Nutzens eines Haushalts kann durch eine gleich
große Erhöhung des Nutzens eines anderen Haushalts
ausgeglichen werden.
Selbst Umverteilung von Armen zu Reichen ist wohlfahrtsneutral
möglich: Es gibt keine Ungleichheitsaversion
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52 / 190
Die Wohlfahrtsfunktion nach Nash: W = (U 1 − U¯1 ) · . . . · (U m − U¯m )
Ub
Ua
Die gesellschaftliche Wohlfahrt hängt multiplikativ von den
Überschüssen der individuellen Nutzen über gewisse
Mindestnutzenniveaus ab.
Für niedrige Nutzenniveaus sind die Indifferenzkurven stark
gekrümmt (hohe Ungleichheitsaversion), mit steigenden
Nutzenniveaus werden die Indifferenzkurven weniger gekrümmt,
die Ungleichheitsaversion nimmt ab.
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Das gesellschaftliche Wohlfahrtsmaximum
Ub
Ua
Nur Punkte auf der Nutzenmöglichkeitenkurve (d. h. nur effiziente
Punkte) können ein Wohlfahrtsmaximum sein.
➩ 1. Schritt: Herstellung von Effizienz
Der wohlfahrtsmaximierende Punkt ist der Tangentialpunkt von
Nutzenmöglichkeitenkurve und Indifferenzkurve.
➩ 2. Schritt: Herstellung von Verteilungsgerechtigkeit
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54 / 190
und warum das Wohlfahrtsmaximum i.d.R. nicht bestimmbar ist:
„Die richtige“ soziale Wohlfahrtsfunktion ist im Allgemeinen nicht
festzulegen, denn:
Die Mitglieder einer Gesellschaft haben verschiedene Ansichten
über soziale Wohlfahrtsfunktion, bspw. die Ungleichheitsaversion,
aber auch über die relevanten Variablen.
Unmöglichkeitstheorem von Arrow: Konsistente (aber
verschiedene) individuelle Präferenzen lassen sich nicht
widerspruchsfrei zu einer konsistenten gesellschaftlichen
Wohlfahrtsfunktion aggregieren.
➜ deshalb nutzen wir die Effizienz des Wettbewerbs
(Pareto-Kriterium) und ergänzen um sozialpolitische Maßnahmen
(Umverteilung, sozialer Ausgleich)
Prof. Dr. Susanne Soretz
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Wettbewerb — Neoliberalismus — Marktradikalismus?
Liberalismus (liberalis = freiheitlich)
ist im 17. Jahrhundert entstanden
zunächst insbesondere als Gegenbewegung zu
Ungleichheit der Menschen: Fürsten, Könige, Leibeigene...
Merkantilismus: strikte Regelung der Wirtschaft durch Könige
bzw. Fürsten, vor allem Exportförderung zur Generierung von
Staatseinnahmen und Importbeschränkung durch Zölle, keine
Berufsfreiheit
Kameralismus: Fürsten organisierten die Wirtschaft so, dass ihre
Einnahmen maximiert wurden
Prof. Dr. Susanne Soretz
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56 / 190
wichtige Wegbereiter:
John Locke (1632–1704)
Philosoph
früher Wegbereiter der Aufklärung
Adam Smith (1723 – 1790)
Moralphilosoph, Begründer der klassischen
Nationalökonomie
➜ Wealth of Nations ➜ unsichtbare Hand
John Stuart Mill (1806 – 1873)
Philosoph und Nationalökonom
Utilitarismus ➜ wichtig ist wie gut es den Menschen
geht (nicht die Macht der Nation)
➜ forderte Bildung, Gleichberechtigung, Erbschaftssteuer
Prof. Dr. Susanne Soretz
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57 / 190
Liberalismus
jeder Einzelne darf selbst bestimmen, was er produziert und wem
er es verkauft
bedeutet nicht ungezügelten Egoismus, sondern vor allem
Nutzung der Wettbewerbskräfte statt Interventionismus
selbstverständlich gibt es Grenzen, beispielsweise durch Gesetze
es soll der Gesellschaft möglichst gut gehen
(Utilitarismus ➜ dafür muss es den Bürgern möglichst gut gehen)
freiheitliches Weltbild und unsichtbare Hand
➜ Privateigentum; Wettbewerb als Koordinationsmechanismus
die Weltwirtschaftskrise und die große Rezession zeigten die Grenzen
der reinen Marktkräfte
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58 / 190
Gegenbewegung: Keynesianismus
John Maynard Keynes (1883 – 1946)
Mathematiker und Ökonom (und Philosoph
und Historiker, mathematische Dissertation)
propagierte nach Weltwirtschaftskrise und
Deflation nachfrageorientierte
Wirtschaftspolitik
Keynesianismus
Staat soll Nachfragerückgang der privaten Haushalte ausgleichen
Marktwirtschaft kann sich nicht alleine aus Deflation befreien:
sinkende Löhne ➜ sinkende Nachfrage ➜ sinkende
Unternehmensgewinne ➜ sinkende Löhne
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Reaktion auf Keynesianismus: Neoliberalismus
Chicagoer Schule
wichtig: Milton Friedman, Nobelpreis 1976
betonen besonders stark die Nachteile von
Staatseingriffen
Österreichische Schule
wichtig: Friedrich von Hayek, Nobelpreis 1974
heben Ungleichgewichte und Anpassungsprozesse an
Gleichgewichte hervor
(Keynes’sche Unterkonsumption unglaubwürdig)
Ordoliberalismus (ordo (lat.) = Ordnung)
wichtig: Walter Eucken
der Staat gibt den Ordnungsrahmen vor für den freien
Wettbewerb
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in Deutschland: Soziale Marktwirtschaft
Ludwig Erhard (1897 – 1977)
Wirtschaftswissenschaftler
deutscher Wirtschaftsminister 1949 – 1963
(danach Bundeskanzler)
gilt als Vater des Wirtschaftswunders und der
Sozialen Marktwirtschaft
Soziale Marktwirtschaft
soll „auf der Basis der Wettbewerbswirtschaft die freie Initiative mit
einem gerade durch die wirtschaftliche Leistung gesicherten
sozialen Fortschritt verbinden“ (Müller-Armack)
entstanden im Weltbild des Ordoliberalismus
aber stärkere soziale Komponente (nach Entwickler
Müller-Armack und auf Betreiben Adenauers)
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Zusammenfassung:
freie Entscheidung des Einzelnen und Koordination durch Märkte
erfüllen unsere Vorstellung einer freiheitlichen Grundordnung
Marktgleichgewicht ist Pareto-effizient (sh. erstes
Wohlfahrtstheorem), aber erfüllt nicht unsere Vorstellungen von
Gerechtigkeit
deshalb wird umverteilt ➜ soziale Marktwirtschaft
dabei entsteht ein Zielkonflikt zwischen Effizienz und
Gerechtigkeit (equity-efficiency trade off)
heute geht es bei „Neoliberalismus“-Diskussion primär um:
➜ wie viel Umverteilung empfinden wir als gerecht?
➜ wie wägen wir die Nachteile von Staatseingriffen gegen die
Nachteile der ungerechten Marktergebnisse ab?
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62 / 190
2.4 Überblick: Marktgleichgewichte bei
unvollkommener Konkurrenz
Quelle: Wied-Nebbeling (Kap. I)
Marktergebnisse in der Realität sind nicht immer Pareto–optimal:
es gibt Marktversagen ➜ Ursachen:
Gütereigenschaften wie Nichtrivalität im Konsum (Leuchtturm)
oder mangelnde Ausschließbarkeit (Straßennetz)
➜ Behandlung in Finanzwissenschaft
externe Effekte (Umweltverschmutzung)
➜ Behandlung in Umweltökonomie (und Finanzwissenschaft)
Marktmacht: Unternehmen verhalten sich dann nicht mehr
mengenanpassend (Oligopol auf dem Strommarkt)
➜ Thema hier im Folgenden
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63 / 190
Die Marktstruktur: das morphologische Marktformenschema
Die Marktstruktur hängt wesentlich davon ab, wie viele
Marktteilnehmer es auf den beiden Marktseiten gibt:
Nachfrager
einer
bilaterales
Monopol
beschränktes
wenige
Monopson
beschränktes
Monopol
bilaterales
Oligopol
viele
Oligopson
einer
Anbieter
wenige
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Monopson
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viele
Monopol
Oligopol
Polypol
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Relativierung des Marktformenschemas
Contestable Markets nach Baumol/Panzar/Willig (1982):
Nicht alleine die Anzahl der auf dem Markt befindlichen
Unternehmen entscheidet über deren Verhalten. Genau so wichtig
ist der potentielle Wettbewerb. Ist der Marktzugang frei und der
Marktaustritt kostenlos, dann ist der Markt bestreitbar und hohe
Marktanteile führen nicht zu Preissetzungsspielraum.
In der Realität überwiegen jedoch Märkte mit beschränktem
Zugang.
Abgrenzung wenige versus viele Anbieter:
Abgrenzung erfolgt in der Regel über die Spürbarkeit der Aktionen
einzelner Anbieter für die Mitkonkurrenten. Die Resultate sind
aber nicht immer eindeutig.
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65 / 190
Abgrenzung des Marktes:
Für die Anzahl der Marktteilnehmer ist der relevante Markt
entscheidend (Bsp.: Markt für Werbung auf Litfaßsäulen, Markt für
Werbung in allen Medien). Kriterium für den relevanten Markt sind
die Substitutionsmöglichkeiten, gemessen anhand der
Kreuzpreiselastizität
ηX 1 ,P 2 =
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dX 1 /X 1
dP 2 /P 2
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2.5 Anbieteranzahl und Kostenstruktur
Mengenanpassende Unternehmen:
max G(x) = Px − C(x)
x
(23)
➩
x
➜ individuelle Angebotsfunktion entspricht GK -Funktion
aggregiertes Angebot = Anbieteranzahl × individuelles Angebot
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Kurzfristiges versus langfristiges Marktgleichgewicht:
P
X
(kurzfristiges) Marktgleichgewicht: Preis und Menge konstant
verändert sich die Anbieteranzahl, dann verlagert sich die
Angebotsfunktion
➜ dann passen sich Preis und Menge im Marktgleichgewicht an
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68 / 190
positive Gewinne ➜ Markteintritte ➜ Anbieteranzahl steigt
negative Gewinne ➜ Marktaustritte ➜ Anbieteranzahl sinkt
langfristiges Marktgleichgewicht:
Im langfristigen Marktgleichgewicht bleibt die Anbieteranzahl konstant.
Dafür müssen die Gewinne null sein ➜ Nullgewinnbedingung.
Wann sind die Gewinne null?
G≷0
⇐⇒
⇐⇒
P ≷ DK
(24)
Zwischenfazit:
Gewinnmaximierung ➜ P = GK
Gewinne versus Verluste ➜ P ≷ DK
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69 / 190
Beziehung zwischen Grenzkosten und Durchschnittskosten:
x
normal: steigende Grenzkosten, Fixkosten
DK sind bei geringer Menge groß (Fixkosten) und sinken
zunächst (Fixkostendegression), später dominieren die
steigenden GK ➜ U-förmige DK
DK sinken, solange GK < DK und steigen, sobald GK > DK
➜ die GK schneiden die DK in deren Minimum
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70 / 190
Maximal realisierbarer Gewinn:
x
Angebot gemäß GK -Funktion
➜ positiver Gewinn, falls P > DK ➜ Markteintritte ➜
Angebotsfunktion verlagert sich nach rechts ➜ Preis sinkt ➜
Gewinn sinkt
➜ Verlust, falls P < DK ➜ Marktaustritte ➜ Angebotsfunktion
verlagert sich nach links ➜ Preis steigt ➜ Gewinn steigt
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71 / 190
langfristiges Marktgleichgewicht:
P
x
X
sei am Anfang n gering ➜ Preis hoch ➜ Gewinne ➜ Markteintritte
Preis sinkt so lange bis P = DK und damit Nullgewinne
erst dann Anbieteranzahl konstant ➜ Preis und Menge konstant
➜ langfristig produziert das einzelne Unternehmen im Minimum der
DK und die Anbieteranzahl ergibt sich aus n∗ x ∗ = X ∗
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72 / 190
Zusammenfassung Marktgröße:
die Anbieteranzahl ist nur konstant, wenn der Preis den
Durchschnittskosten entspricht
Mengenanpasser wählen ihre Angebotsmenge immer so, dass
der Preis den Grenzkosten entspricht
Nullgewinne und Gewinnmaximierung gleichzeitig sind nur
möglich, wenn Durchschnittskosten und Grenzkosten
übereinstimmen
langfristig produziert jedes Unternehmen im Minimum der
Durchschnittskosten
➜ die Anbieteranzahl hängt davon ab, wievielfach die
Nachfragemenge die individuelle Produktionsmenge übersteigt
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73 / 190
➜ je höher die Fixkosten, um so größer die Produktionsmenge, bei
der die Durchschnittskosten minimal sind ➜ um so weniger
Anbieter im langfristigen Marktgleichgewicht
(wenige Flugzeugproduzenten, aber viele Friseure)
➜ je größer die Nachfrage, um so mehr Unternehmen können
kostendeckend in dem Markt anbieten
(wenige Panzerproduzenten, aber viele Bäcker)
P
P
X
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X
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3 Das Monopol
Quelle: Wied-Nebbeling (Kap. II.1) und Tirole (Kap. 1.1.1, 10.1)
Der Monopolist nutzt seine Marktmacht, um das Marktergebnis zu
seinen Gunsten zu verändern:
In der Regel setzt er einen höheren Preis, so dass die
konsumierte Menge sinkt.
Dadurch entstehen Wohlfahrtsverluste.
Der soziale Überschuss auf dem betroffenen Markt sinkt. Es wird
suboptimal wenig in dem monopolisierten Sektor produziert, und
dadurch subpotimal viel in den anderen Sektoren.
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75 / 190
Einschränkung:
Der untersuchte Fall des sogenannten reinen Monopols ist
realitätsfern.
Die Marktmacht ist beschränkt, wenn es Substitute gibt oder der
Markt bestreitbar ist.
Die Marktmacht kann auch zeitlich beschränkt sein, wenn neue
Anbieter in den Markt kommen, bspw. weil Patente auslaufen oder
wegen der Monopolgewinne.
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3.1 Monopolistische Preissetzung: Partialanalyse
Der Monopolist maximiert seinen Gewinn
max G = PX (P) − C(X (P))
P
➩
∂G
=
∂P
➩
1
PM − C′
=−
M
η
p
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prozentualer Preisaufschlag
Monopolgrad nach Lerner
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(25)
77 / 190
Mengensetzung führt zum gleichen Gewinnmaximum
max G = P(X )X − C(X )
X
➩
∂G
=
∂X
➩
1
PM − C′
=−
M
η
p
➩ preissetzende und mengensetzende Monopolisten erheben den
gleichen Preisaufschlag und realisieren beide den Cournot’schen
Punkt
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Die Marktmacht des Monopolisten:
Erhöht der Monopolist den Preis, dann bekommt er für jede
verkaufte Einheit etwas mehr (positiver Bestandteil X aus dem
Grenzerlös).
Andererseits sinkt die nachgefragte Menge, so dass der
Monopolist weniger Einheiten verkaufen kann als vorher
(negativer Bestandteil PXP ).
Je elastischer die Nachfrage, um so stärker sinkt die nachgefragte
Menge.
Die Monopolmacht und damit der relative Preisaufschlag sind um
so größer, je unelastischer die Nachfrage ist, da sich
Preisaufschläge dann leichter durchsetzen lassen. (Bspw. relativ
geringe Preiselastizität des Energieverbrauchs ➩ große
Marktmacht der Energieversorger.)
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Statische Ineffizienz durch Marktmacht
P
X
!
Das Gewinnmaximum impliziert GE = GK
➩ Angebot im Cournot’schen Punkt.
!
Für das Wohlfahrtsmaximum gilt Preis = Grenzkosten.
Es entsteht ein Wohlfahrtsverlust aus dem monopolistischen
Preisaufschlag: Harberger Dreieck oder Dead-Weight Loss.
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80 / 190
Wird außerdem ineffizient produziert?
Monopolist würde trotz höherer Kosten nicht vom Markt verdrängt
aber: sein Gewinn würde sinken!
➜ auch Monopolisten produzieren zu minimalen Kosten
Sind Eigentumsebene (Aktionäre) und Entscheidungsebene
(Management) getrennt, hat das Management vielleicht andere
Ziele neben der Gewinnmaximierung
➜ dann ist ein Monopolist schwerer zu kontrollieren als ein
Konkurrenzunternehmen
➜ bei Monopolen wird eher sog. X-Ineffizienz auftreten
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81 / 190
falls ineffiziente Produktion, zusätzlicher Wohlfahrtsverlust:
P
X
bei höheren GK sinkt die Menge und steigt der Preis weiter
WFV steigt noch über den Wohlfahrtsverlust gemäß Harberger
Dreieck hinaus
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82 / 190
Dynamische Ineffizienz durch Marktmacht
Kernproblem:
technischer Fortschritt reduziert bspw. Produktionskosten oder
erhöht die Produktqualität, aber es erfordert Aufwand,
technischen Fortschritt zu erreichen (Forschungsabteilung)
Monopole sind oft wenig innovativ (Bsp. Deutsche Bahn)
Grund: geringere Anreize zu Innovationen im Monopol, da sich die
Kostenreduktion nur auf eine geringere Stückzahl auswirkt;
außerdem keine Gefahr, durch innovative Konkurrenz aus dem
Markt vertrieben zu werden
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83 / 190
Referenzsituation „soziales Optimum“:
Wann sollte eine Innovation durchgeführt werden?
P
X
sinken die
Grenzkosten von c̄ auf c, dann steigt die Wohlfahrt um
R c̄ D ∗
∗
WFG = c X (P (c))dc
➜ Innovation durchzuführen ist sinnvoll, wenn die Kosten der
Innovation geringer als WFG∗ sind
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84 / 190
Konkurrenzgleichgewicht:
P
X
KR steigt um gleiche Fläche wie WFG∗ im sozialen Optimum,
Konsumenten würden Innovation befürworten
aber Gewinne der Unternehmen bleiben null, also können Kosten
der Innovation sich nicht amortisieren
➜ Innovation wird nicht durchgeführt
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85 / 190
Konkurrenzgleichgewicht mit Patentschutz:
➩ innovatives Unternehmen ist das einzige, das über die neue
Technologie verfügt
P
falls Cournot’scher Preis
größer als c̄:
inkrementelle Innovation
X
Erfinder unterbietet die anderen infinitesimal ➜ setzt gesamte
Menge X D (c̄) ab ➜ Gewinnsteigerung aus Innovation ist:
GK = (c̄ − c)X D (c̄) < WFG∗
Innovation lohnt sich nur, wenn Kosten < GK
➜ falls GK < Kosten < WFG∗ , wäre Innovation sinnvoll, wird aber
nicht durchgeführt
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86 / 190
Konkurrenzgleichgewicht mit Patentschutz:
P
falls Cournot’scher Preis
kleiner als c̄:
drastische Innovation
X
Erfinder setzt Monopolpreis P M < c̄ ➜ verkauft Monopolmenge
X D (P M ) ➜ Gewinnsteigerung aus Innovation ist
GK = (P M − c)X D (P M ) < WFG∗
Innovationsanreiz wieder kleiner als im sozialen Optimum
➜ falls GK < Kosten < WFG∗ , wäre Innovation sinnvoll, wird aber
nicht durchgeführt
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87 / 190
Monopolist:
P
X
gewinnmaximierender Preis sinkt durch Innovation, Absatzmenge
steigt, Gewinn steigt
wie viel genau steigt der Gewinn? ➜ entscheidend für den
Innovationsanreiz des Monopolisten
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Veränderung des optimalen Gewinns mit den Grenzkosten:
d ((P M∗ − c)X D (P M∗ ))
dGM
=
dc
dc
∂ (P M∗ − c)X D (P M∗ ) ∂ (P M∗ − c)X D (P M∗ ) ∂ P M∗
=
+
M∗
∂{zc
∂P
} |
|
{z
} ∂c
=0 im Opt.
=−X D (P M∗ )
D
= −X (P
M∗
)
(26)
Gewinnsteigerung aus Innovation ist:
∆GM = GM (P M (c)) − GM (P M (c̄))
=
=
Z c̄
c
X D (P M∗ ) dc
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(27)
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89 / 190
P
X
Monopolist führt Innovation durch, wenn die Kosten der Innovation
geringer sind als ∆GM < GK < WFG∗
Innovationsanreiz des Monopolisten ist ebenfalls zu klein, es gibt
also sozial wünschenswerte Innovationen, die nicht durchgeführt
werden.
falls ∆GM < Kosten < WFG∗ , wäre Innovation sinnvoll, wird aber
nicht durchgeführt
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90 / 190
Ergebnisse:
im Konkurrenzgleichgewicht ohne Patentschutz fehlt der
Innovationsanreiz völlig
im Konkurrenzgleichgewicht mit Patentschutz ist der
Innovationsanreiz zu gering (GK < WFG): da eine suboptimal
geringe Menge produziert wird, sind die Auswirkungen der
Kostensenkung zu gering
im Monopol ist der Innovationsanreiz noch geringer als im
Konkurrenzgleichgewicht mit Patentschutz (∆GM < GK )
bei Konkurrenz profitieren Unternehmen davon, durch Innovation
Marktanteile zu gewinnen
Monopolist profitiert aber nur von Absatzsteigerung durch
sinkenden Preis:
„ersetzt sich selbst“ ➜ replacement effect (Arrow)
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91 / 190
Die Preissetzung des Mehrproduktmonopolisten
Ein Monopolist, der zwei Güter anbietet, maximiert seinen Gewinn:
max G =P 1 X 1 (P 1 , P 2 ) + P 2 X 2 (P 1 , P 2 )
P 1 ,P 2
− C(X 1 (P 1 , P 2 ), X 2 (P 1 , P 2 ))
∂G
=
∂ P1
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92 / 190
➩
′
XP21
P1 − C1
1
2
2′
=
−
−
(P
−
C
)
P1
η1
P 1 XP11
analog
➩
(28)
∂G !
=0
∂ P2
′
XP12
P2 − C2
1
1
1′
=
−
−
(P
−
C
)
P2
η2
P 2 XP22
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(29)
93 / 190
entscheidend ist die Beziehung zwischen den beiden Gütern:
Sind die Güter substitutiv, dann ist die Kreuzableitung positiv
∂X2
> 0 und
∂ P1
∂X1
>0
∂ P2
(30)
da die Nachfrage nach Gut 2 (Gut 1) steigt, wenn der Preis des
Gutes 1 (des Gutes 2) zunimmt.
Sind die Güter komplementär, dann ist die Kreuzableitung negativ
∂X2
< 0 und
∂ P1
∂X1
<0
∂ P2
(31)
da die Nachfrage nach Gut 2 (Gut 1) sinkt, wenn der Preis des
Gutes 1 (des Gutes 2) zunimmt.
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94 / 190
Preissetzung bei substitutiven Gütern (XP21 > 0):
Der Mehrproduktmonopolist erhebt in beiden Sektoren einen
höheren (prozentualen) Aufschlag auf die Grenzkosten als ein
Monopolist, der nur Sektor 1 oder nur Sektor 2 beliefert.
Der Mehrproduktmonopolist nutzt aus, dass er beide Preise
gleichzeitig anheben kann und damit den Konsumenten die
Möglichkeit nimmt, auf das günstigere Gut auszuweichen.
Die Marktmacht des Monopolisten steigt, wenn er nicht nur einen
Markt, sondern weitere Märkte für substitutive Güter kontrolliert
(Bsp.: (frühere) lokale Energieversorger, die frühere Post).
Prof. Dr. Susanne Soretz
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95 / 190
Preissetzung bei komplementären Gütern (XP21 < 0):
Der Mehrproduktmonopolist erhebt in beiden Sektoren einen
kleineren (prozentualen) Aufschlag auf die Grenzkosten als ein
Monopolist, der nur Sektor 1 oder nur Sektor 2 beliefert.
Durch Preiserhöhungen auf einem Markt verschlechtern sich die
Gewinnmöglichkeiten auf dem anderen Markt. Wenn der
Monopolist von der Verschlechterung selbst getroffen wird, senkt
das seinen Preisaufschlag.
Hier spürt der Monopolist einen Teil der verzerrenden Wirkung
seiner Preissetzung selbst auf dem zweiten Markt, so dass sich
sein Preissetzungsspielraum verringert.
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96 / 190
3.2 Monopolmacht im allgemeinen Gleichgewicht
Monopolisten nutzen ihre Marktmacht, um den Preis zu erhöhen
und dadurch ihren Gewinn zu steigern.
Inwieweit ist das allgemeine Gleichgewicht verzerrt?
Wird in der Ökonomie insgesamt „zu wenig“ produziert, das heißt
weniger als bei effizientem Faktoreinsatz produziert werden
könnte?
Wir werden zeigen, dass auch Monopolisten wegen ihrer
Gewinnerzielungsabsicht effizient produzieren.
Somit ist die Faktorallokation trotz Marktmacht effizient
(Produktion auf der Transformationskurve).
Aber die Abstimmung zwischen Produktion und Konsum ist
ineffizient, so lange nicht alle Märkte den gleichen Monopolgrad
aufweisen.
Prof. Dr. Susanne Soretz
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97 / 190
Effiziente Produktion?
Faktornachfrage des Monopolisten in Sektor 1:
max G1 = P 1 (X 1 (K 1 , L1 )) · X 1 (K 1 , L1 ) − rK 1 − wL1
K 1 ,L1
➩
(32)
∂ G1
=
∂K1
(33)
∂ G1
=
∂ L1
(34)
(35)
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Wettbewerb SS 2016
98 / 190
r
w
K1
L1
➜ Monopolist produziert weniger als Mengenanpasser
➜ dafür benötigt er weniger Kapital bzw. Arbeit
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
99 / 190
➩
GRTS 1 =
=
XL11
XK1 1
(36)
=
w
r
(37)
genauso für den Monopolist in Sektor 2:
➩
2
GRTS =
Prof. Dr. Susanne Soretz
XL22
XK2 2
=
w
r
➩ GRTS 1 = GRTS 2
Wettbewerb SS 2016
(38)
100 / 190
X2
K1
L2
K2
L1
X1
Ergebnis: effiziente Produktion
(Gütermarkt-)Monopolisten sind Mengenanpasser auf den
Faktormärkten
sie sind mit dem gleichen Faktorpreisverhältnis konfrontiert
ineffiziente Produktion (GRTS 6= w /r ) würde den Gewinn des
Monopolisten reduzieren
es werden Produktionspunkte auf der Kontraktkurve und
entsprechend auf der Transformationskurve realisiert
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
101 / 190
Effizienter Verbrauch?
Haushalte sind Mengenanpasser und maximieren ihren Nutzen
➩ Marktergebnis wie bei vollkommenem Wettbewerb:
GRS a = GRS b =
p1
p2
(39)
Ergebnis: effizienter Verbrauch
Haushalte sind Mengenanpasser auf den Gütermärkten.
Auch bei Monopolmacht werden Konsumpunkte auf der
Kontraktkurve realisiert.
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
102 / 190
Effiziente Koordination von Produktion und Verbrauch?
Die Grenzrate der Transformation:
2
dX X 22
X 22
GRT = 1 = L1 = K1
dX
X L1
XK 1
p 1 1 + η11
➩ GRT = p 2 1 + η12
(40)
(41)
Die Grenzrate der Substitution:
GRS a = GRS b = GRS =
Prof. Dr. Susanne Soretz
p1
p2
Wettbewerb SS 2016
(42)
103 / 190
Übereinstimmung von GRT und GRS?
p 1 1 + η11 ?? p 1
= 2
p
p2 1 + 1
(43)
η2
Wenn die Monopolgrade 1/η i nicht genau übereinstimmen —
oder wenn nur ein Sektor monopolisiert ist — dann unterscheidet
sich die Grenzrate der Transformation von der Grenzrate der
Substitution.
Beispiel: Monopol nur in Sektor 1
p 1 1 + η11
p1
<
p2
p2
(44)
Die GRT ist kleiner als die GRS, die Koordination von Produktion
und Verbrauch ist ineffizient.
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
104 / 190
Monopol nur in Sektor 1:
X2
X1
Ergebnis: keine effiziente Koordination von Produktion und
Verbrauch
der Produktionspunkt liegt auf der Transformationskurve, jedoch
ist die GRT kleiner als die GRS
es wäre eine Pareto–Verbesserung, wenn mehr von Gut 1 und
dafür weniger von Gut 2 produziert würde
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
105 / 190
3.3 Das natürliche Monopol
Bei steigenden Kosten ist das Monopol keine stabile Marktform.
Langfristig werden zusätzliche Anbieter in den Markt drängen.
Dies senkt die Produktionskosten für alle Anbieter.
Anders ist das bei sinkenden Kosten. In diesem Fall sind die
Kosten am geringsten, wenn nur ein Unternehmen den gesamten
Markt bedient. Zentrale Ursachen sind Unteilbarkeiten und
Netzeffekte.
(Beispiele: Elektrizitätsnetze, Müllabfuhr, Postzustellung)
Ein Monopol ist dann gesellschaftlich wünschenswert. Und es ist
eine stabile Marktform: Deshalb nennt man diesen Fall das
natürliche Monopol.
Trotzdem muss die monopolistische Preissetzung verhindert
werden, um keine Wohlfahrtseinbußen zu erleiden.
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
106 / 190
Subadditivität
Eine Kostenfunktion ist subadditiv, wenn die Herstellung einer
bestimmten Produktionsmenge in nur einer Produktionsstätte
kostengünstiger ist als die Herstellung in zwei (oder mehr)
Produktionsstätten:
C(X ) < C(X1 ) + . . . + C(Xn ) mit X = X1 + . . . + Xn
(45)
Subadditivität tritt im Wesentlichen in zwei Fällen auf:
bei steigenden Skalenerträgen
bei Fixkosten (Unteilbarkeiten)
In jedem Fall ist davon auszugehen, dass bei hinreichend hoher
Produktionsmenge die Kosten wieder steigen.
➩ Ein natürliches Monopol liegt vor, wenn die Kostenstruktur im
relevanten Bereich subadditiv ist.
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
107 / 190
Skalenvorteile
Im Einproduktunternehmen liegen Skaleneffekte vor, wenn bei einer
Mengenerhöhung die Kosten nur unterproportional steigen, d. h. wenn
die Kostenelastizität kleiner als 1 ist:
ηC,X =
dC/C
<1
dX /X
(46)
Daraus folgen sinkende Durchschnittskosten:
ηC,X < 1 ➩
d (C/X )
<0
dX
(47)
und Durchschnittskosten, die über den Grenzkosten liegen:
ηC,X < 1 ➩
Prof. Dr. Susanne Soretz
C
dC
>
X
dX
(48)
Wettbewerb SS 2016
108 / 190
Ursachen für Skalenvorteile
Technische Ursachen: Das Volumen steigt schneller als die
Oberfläche. Dadurch kann beispielsweise die beförderte
Wassermenge verdoppelt werden, während die Kosten für Rohre
nur weniger stark steigen.
Spezialisierte Produktionsfaktoren: Bei einer Ausweitung der
Produktionsmenge können spezialisierte Produktionsfaktoren
besser ausgelastet werden. Es ist dann lohnend, spezialisierte
Arbeitskräfte einzustellen oder Spezialmaschinen anzuschaffen.
Transaktionskosten: In der Regel steigen die Transaktionskosten
unterproportional: Beschaffung größerer Mengen je Transaktion;
häufigere Transaktionen
Gesetz der großen Zahl: Störungen im Produktionsprozess
werden besser kalkulierbar, so dass beispielsweise Ersatzlager
oder Überkapazitäten geringer ausfallen können.
Prof. Dr. Susanne Soretz
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109 / 190
Die Kosten bei Subadditivität
X
X
bei Produktionsmengen bis zum Minimum der DK herrschen
Skalenvorteile, danach überwiegen die steigenden Kosten
(Überstunden, etc.)
bei erheblichen Skalenvorteilen wird das Minimum der DK erst bei
einer großen Produktionsmenge erreicht
falls die Skalenvorteile immer wirken, haben die DK kein Minimum
Prof. Dr. Susanne Soretz
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110 / 190
Marktverhalten im natürlichen Monopol
Mengenanpassendes Verhalten ist unmöglich:
max G =PX − C(X )
X
➩
∂G
=
∂X
➩ P = GK
(49)
(50)
P
X
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111 / 190
➜ die Erlöse sind kleiner als die Kosten
➜ es entstehen Verluste
➜ bei sinkenden DK führt mengenanpassendes Verhalten immer zu
Verlusten
➜ der größte Produzent kann alle anderen Produzenten unterbieten
und vom Markt verdrängen
dann ist der Weg frei für monopolistische Preissetzung
Prof. Dr. Susanne Soretz
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112 / 190
Monopolistische Preissetzung im natürlichen Monopol:
P
X
die Höhe des Gewinns richtet sich nach der Differenz zwischen
Preis im Cournot’schen Punkt und Durchschnittskosten bei dieser
Produktionsmenge
denkbar ist auch der Fall, dass der Monopolist im Cournot’schen
Punkt Nullgewinne oder gar Verluste macht
Prof. Dr. Susanne Soretz
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113 / 190
Therapien des natürlichen Monopols
Dilemma:
einerseits ist die Produktion in nur einem Unternehmen mit
geringeren Kosten verbunden: Effizienzvorteil der Größe
andererseits führt Monopolmacht zu ineffizienter Allokation:
GRS 6= GRT
Drei mögliche Lösungen: (Milton Friedman: „Drei Übel“)
1. Lösung: das Monopol zum Staatsbetrieb machen (Bsp.: frühere
Post oder Bahn, Müllabfuhr)
Vorteil: Es kann (theoretisch) Pareto-effiziente
Produktionsmenge „befohlen“ werden
Nachteil: Tendenz zur Bürokratisierung, sog.
X-Ineffizienz; deshalb heute selten
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114 / 190
2. Lösung: das Monopol in privater Hand belassen und staatlich
regulieren (Bsp.: Gasversorgung)
heute am häufigsten gewähltes „geringstes“ Übel,
z.B. Eingriff in die Preisgestaltung
➜ detaillierte Besprechung im folgenden Kapitel
3. Lösung: Nichtstun, d. h. das Monopol unter vollständiger privater
Verfügungsmacht belassen
➜ insbesondere, wenn
man mit Nachfragewachstum rechnet, so dass die
Kosten nicht mehr subadditiv sind
der Markt bestreitbar ist, so dass potenzielle
Konkurrenz den Monopolisten diszipliniert
die Lösungen 1. und 2. noch schlechter sind
Prof. Dr. Susanne Soretz
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115 / 190
4 Regulierung
Quelle: Borrmann/Finsinger (Kap. 6,7 und 10)
Die wichtigsten Formen der Regulierung sind:
Preissetzung durch den Staat:
Grenzkostenpreisbildung würde zum sozialen Optimum führen,
allerdings entstehen Verluste, die durch den Staat ausgeglichen
werden müssen.
Durchschnittskostenpreisbildung (auch: Ramsey-Preise,
Eigenwirtschaftlichkeitsgebot, Gebot der Kostendeckung)
vermeidet das Verlustproblem, allerdings bleiben das Effizienzund das Informationsproblem bestehen.
Regulierung der Tarifgestaltung: Der zweigliedrige Tarif
ermöglicht, die bei Grenzkostenpreisen entstehenden Verluste
über Grundgebühren zu decken.
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116 / 190
Eingriff in die Preisgestaltung durch Subventionen: Durch
Subventionen kann der Grenzerlös des Monopolisten so weit
erhöht werden, dass sein Gewinnmaximum gerade bei der sozial
optimalen Produktionsmenge liegt.
Ausschreibung des Monopols: Wer bereit ist zum geringsten Preis
anzubieten, darf Monopolist sein. Ersetzt Wettbewerb im Markt
durch Wettbewerb um den Markt.
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117 / 190
4.1 Grenzkostenpreisbildung
Grenzkostenpreisbildung führt (theoretisch) zur Realisierung des
sozialen Optimums:
P
X
Mengenausweitung ist so lange wohlfahrtssteigernd, wie der
Grenznutzen (sh. Nachfrage) über den Grenzkosten liegt
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118 / 190
In der Praxis entstehen jedoch Probleme:
Effizienzproblem:
➩ keine Notwendigkeit zur Kostenminimierung ➩ ineffiziente
Produktion
➩ kein Anreiz zur Umsetzung technischen Fortschritts
Informationsproblem:
➩ Grenzkostenfunktion muss bekannt sein, auch Veränderungen
der Grenzkosten bei Kapazitätsveränderungen
➩ wenig verlässliche Informationen aus dem Unternehmen ➩
Grenzkosten werden zu hoch und Nachfrage zu gering ausgeben
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119 / 190
Anpassung an veränderte Bedingungen:
➩ Anpassung administrativ festgelegter Preise nicht hinreichend
flexibel
➩ Anpassungen u. U. auch politisch schwer durchsetzbar
Mittelaufbringung:
➩ Wohlfahrtsverluste (bspw. aus Steuern auf anderen Märkten)
zusätzlich zu der zu erhebenden Summe
➩ Subvention zum Verlustausgleich an einen Monopolisten
erzeugt u. U. politischen Widerstand
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120 / 190
4.2 Ramsey-Preise
Durchschnittskostenpreise maximieren die soziale Wohlfahrt unter der
Nebenbedingung der Kostendeckung:
P
X
➜ es entsteht ein Wohlfahrtsverlust gegenüber Grenzkostenpreisen
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121 / 190
Spezialfall: (teilweise) preisunelastische Nachfrage
Beispiele: Telefon, Strom, Gasversorgung
P
X
Preis kann ohne Wohlfahrtsverlust erhöht werden
Verlustdeckung durch höhere Preise ist wohlfahrtsneutral
aber höhere Preise entsprechen einer regressiven Besteuerung,
somit aus Verteilungssicht problematisch
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122 / 190
Bewertung der Durchschnittskostenpreise:
Effizienzproblem so wie bei Grenzkostenpreisen:
➩ kein Anreiz zu effizientem Faktoreinsatz
➩ kein Anreiz zur Umsetzung von kostensparendem technischen
Fortschritt
Informationsproblem so wie bei Grenzkostenpreisen:
➩ zu regulierendes Unternehmen ist im Besitz der Informationen
und hat keinen Anreiz, diese preiszugeben
Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen: unverändert
problematisch
Durchschnittskostenpreise verhindern Verluste und das damit
verbundene Mittelaufbringungsproblem
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123 / 190
Ramsey-Preise im Mehrproduktfall:
Durchschnittskostenpreis lässt sich nicht mehr sinnvoll definieren
viele Preiskombinationen denkbar, die die Nullgewinnbedingung
erfüllen
welche Preise sollten für ein Wohlfahrtsmaximum gesetzt werden?
Gesucht ist der maximale soziale Überschuss bei Kostendeckung
(sog. Ramsey-Problem)
max
P 1 ,P 2
KR + PR
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u. N. G = 0
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(51)
124 / 190
max
P 1 ,P 2
KR 1 + KR 2 + P 1 · X 1 (P 1 ) + P 2 · X 2 (P 2 ) − C(X 1 , X 2 )
u. N. P 1 · X 1 (P 1 ) + P 2 · X 2 (P 2 ) − C(X 1 , X 2 ) = 0
(52)
➩
L =
(53)
➩
∂L
=
∂ P1
(54)
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125 / 190
➩
(P 1 − CX 1 )/P 1 η 2
=
(P 2 − CX 2 )/P 2 η 1
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(55)
126 / 190
Ergebnisse:
Der (Gemeinkosten-)Aufschlag auf die GK sollte um so größer
sein, je geringer die Preiselastizität der Nachfrage für das
jeweilige Gut ist.
Bei unelastischer Nachfrage wirkt ein Preisaufschlag so wie eine
Kopfsteuer: verzerrungsfreie Möglichkeit der Verlustabdeckung.
Je nach der Höhe der Preiselastizitäten kann es sozial optimal
sein, Güter mit elastischer Nachfrage nahe an den Grenzkosten
anzubieten und die Fixkosten durch um so höhere
Preisaufschläge auf Güter mit weniger elastischer Nachfrage zu
decken ➩ interne Subventionierung
Beispiel: Im Fernverkehr der Bahn werden höhere Preise
berechnet, um im Nahverkehr die Preise reduzieren zu können.
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127 / 190
noch Ergebnisse:
Ramsey-Preise stehen im Widerspruch zu verbreiteten
Gerechtigkeitsvorstellungen: besonders hohe Preisaufschläge
sollen den Nachfragern auf Märkten „aufgebürdet“ werden, wo es
schlecht möglich ist auszuweichen.
Oft sind davon insbesondere geringer verdienende Nachfrager
betroffen (Reiche können auf den Privatjet ausweichen, Arme
müssen die Preiserhöhung im öffentlichen Nahverkehr
hinnehmen)
Bei Neueinführung von Ramsey-Preisen sind die Lasten ungleich
verteilt, das reduziert u. U. die politische Durchsetzbarkeit.
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128 / 190
4.3 Tarifgestaltung
Wenn es möglich ist, verschiedene Preise in Abhängigkeit vom
Verbrauch zu setzen, dann können Verluste trotz
Grenzkostenpreisen vermieden werden.
Das geht nur, wenn Güter nicht weiterverkauft werden können,
sonst gäbe es Zwischenhändler, die zu den jeweils günstigsten
Bedingungen einkaufen.
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129 / 190
Varianten:
Zweigliedrige Tarife, d. h. Grundgebühr + Stückpreis, mit dem
Spezialfall des Pauschaltarifs
Blocktarife, d. h. verschiedene Stückpreise in verschiedenen
Mengenintervallen
optionale Tarife, d. h. verschiedene Kombinationen von
Grundgebühren und Stückpreisen nach Wahl des Konsumenten
Beispiele: Vesorgungsbetriebe (Strom, Gas, Wasser, Telefon),
Bahncard (optional), Jahreskarten für Zoo/Schwimmbad o. ä.
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130 / 190
Zweigliedriger Tarif:
Grundgebühr L fällt für den Zugang zum Konsum an
Stückpreis P fällt für die Nutzung einer Einheit an
Idee:
die konsumierte Menge richtet sich nach dem Stückpreis
der entstehende Verlust kann durch die Grundgebühr gedeckt
werden
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131 / 190
Funktionsweise des zweigliedrigen Tarifs:
Wie viel des Gutes wird der Konsument nachfragen?
➩ Ausweitung der Nachfrage lohnt sich, so lange der Grenznutzen
größer ist als der Stückpreis (unveränderte Argumentation)
Wird das Gut überhaupt nachgefragt?
➩ Das Gut wird nachgefragt, wenn der Gesamtnutzen positiv ist,
d. h. nach Zahlung der Grundgebühr positiver Nutzen verbleibt.
P
X
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132 / 190
Ergebnisse:
So lange der Nutzen groß genug ist (der Stückpreis gering genug),
verändert sich die Nachfrage durch die Grundgebühr nicht.
bei Grenzkostenpreisen wird somit die optimale Menge realisiert
durch die Grundgebühr entstehen keine Verluste
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133 / 190
der gewinnmaximierende zweigliedrige Tarif:
P
X
Stückpreis im Cournot’schen Punkt maximiert den Gewinn
Grundgebühr erlaubt darüber hinaus Abschöpfung der
Konsumentenrente und weitere Erhöhung des Gewinns
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134 / 190
Bewertung des zweigliedrigen Tarifs:
Effizienzproblem bleibt erhalten: wenn der Nutzen der Haushalte
hinreichend groß ist, können Gebühren auch über das notwendige
Maß erhöht werden ➩ auch größere Verluste können gedeckt
werden
Informationsproblem: bleibt erhalten, da Stückpreis und
Grundgebühr staatlich festgelegt werden müssen
Problem der Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen
bleibt erhalten
Mittelaufbringung: erfolgt durch die Nutzer des Gutes, dadurch
keine zusätzlichen Verzerrungen auf anderen Märkten
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135 / 190
4.4 Subvention
Durch Zahlung einer Subvention können monopolistische
Gewinnmaximierung und soziales Optimum in Übereinstimmung
gebracht werden:
P
X
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136 / 190
Ergebnisse:
(Stück-)Subvention erhöht den Grenzerlös, ergo weitet der
Monopolist seine Produktionsmenge aus
bei optimaler Subvention liegt der Cournot’scher Punkt im
sozialen Optimum
der sozialer Überschuss ist dann maximal
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137 / 190
Bewertung der Regulierung durch Subvention:
Effizienzproblem: ist gelöst durch Gewinnmaximierung des
Monopolisten
Informationsproblem: wesentlich geringer, da kein direktes
Interesse des Unternehmens an Falschinformation besteht
Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen: Subventionssatz
muss neu bestimmt und festgelegt werden, aber auch hier
Vereinfachung, da das Unternehmen keinen Anreiz zu
Falschinformation mehr hat
Mittelaufbringung: Subventionszahlung ist noch höher als der bei
GK-preisen nötige Verlustausgleich
➩ Verzerrung durch Mittelaufbringung ist groß
➩ massiver Eingriff in die Verteilung: Monopole nutzen ihre
Marktmacht zur Gewinnerzielung und bekommen darüber hinaus
Subvention
➩ politische Probleme bei der Umsetzung: geringe Akzeptanz
einer Subvention an einen gewinnmaximierenden Monopolisten
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138 / 190
4.5 Ausschreibung eines natürlichen Monopols
Idee: Wettbewerb im Markt wird durch Wettbewerb um den Markt
ersetzt.
Bestreitbare Märkte hätten den gleichen Effekt: Ein Monopolist,
der fürchten muss, durch seinen Monopolgewinn Konkurrenten in
den Markt zu locken, wird zu Durchschnittspreisen (➩ Nullgewinn)
anbieten.
Die meisten natürlichen Monopole sind aber durch hohe Markteinoder -austrittskosten gekennzeichnet, somit nicht bestreitbar.
Der fehlende Wettbewerbsdruck kann dann durch regelmäßig
wiederkehrende Ausschreibungen des Monopols ersetzt werden.
Beispiele: Ausschreibung der Müllabfuhr, Ausschreibung von
Nahverkehrslinien
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139 / 190
Funktionsweise der Ausschreibung:
Konzession/Lizenz, einen Markt zu bedienen, wird
ausgeschrieben
Gebote um die Lizenz sind die Güterpreise
Zuschlag geht an das Unternehmen, das den geringsten Preis
geboten hat
P
X
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140 / 190
Bewertung des Ausschreibungsverfahrens:
Effizienzproblem: gelöst durch die Nutzung der Wettbewerbskräfte
(ineffizient produzierende Unternehmen werden unterboten)
Informationsproblem: gelöst, da Informationen über
Kostenverläufe und Nachfrage nur innerhalb des Unternehmens
benötigt werden
jedoch:
Auswahl der geeigneten Qualität durch den Staat (andernfalls
Qualitätsminimierung durch Monopolisten)
Beurteilung von Angeboten bei mehrteiligen Tarifen oder im
Mehrproduktfall erfordert detaillierte Kenntnisse der
Nachfragefunktion, z. T. auch der Kostenverläufe
Kollusion zwischen den Bietern muss ausgeschlossen werden
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141 / 190
Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen: immer dann
problematisch, wenn während des Lizenzzeitraums Anpassungen
nötig werden
Mittelaufbringung: gelöst durch Durchschnittskostenpreise
versunkene Kosten können entweder durch geeignete Wahl des
Lizenzzeitraums unbedeutend werden (Bsp. Lizenzzeitraum =
Lebensdauer eines Müllwagens) oder durch staatliche
Bereitstellung der irreversiblen Investitionen aus dem Markt
genommen werden (Bsp. Schienennetz versus Betreibung der
Bahnlinie)
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
142 / 190
5 Das Monopson und das bilaterale Monopol
Quelle: Wied-Nebbeling Kap. II.3 und II.4; Wiese Kap. O.4
Monopson: Ein Nachfrager trifft auf viele Anbieter
Der Nachfrager übt Marktmacht aus und wählt den für ihn besten
Punkt auf der Angebotsfunktion.
Beispiele: Lebensmittelketten als Nachfrager von Agrarprodukten,
VW als Nachfrager von spezifischen Zwischenprodukten
bilaterales Monopol: Ein Nachfrager trifft auf einen Anbieter
Sowohl Nachfrager als auch Anbieter verfügen über Marktmacht.
Das Marktergebnis hängt davon ab, wessen Macht größer ist, das
kann von der Existenz substitutiver Güter abhängen, aber auch
situationsabhängig sein.
Beispiel: Arbeitsmarkt, Rüstungsgüter.
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
143 / 190
5.1 Das Monopson
Nachfrage des Monopsonisten:
Für einen Monopsonisten ist der Güterpreis nicht mehr exogen.
Der Zusammenhang zwischen Güterpreis und Güterangebot ist
durch die Angebotsfunktion beschrieben.
Wenn der Monopsonist mehr nachfragt, steigt der Preis, den er für
das Gut bezahlen muss.
Der Monopsonist wählt den für ihn optimalen Punkt auf der
Angebotsfunktion.
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
144 / 190
Marktmacht im Monopson: Partialanalyse
P
X
Erhöht der Monopsonist seine Nachfrage, dann
steigt sein Nutzen um den Grenznutzen
steigen seine Ausgaben um die Grenzausgabe
∂ P(X )X
∂ P(X )
=
X + P(X ) > P
∂X
X }
| ∂{z
(56)
>0
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
145 / 190
Der Monopsonist wird seine Nachfrage ausweiten, bis der
Grenznutzen mit der Grenzausgabe übereinstimmt:
GN =
➩
∂ P(X )
X + P(X )
∂X
1
GN − P
=
P
ηA
Monopsongrad
(57)
der Monopsonist nutzt seine Marktmacht, um den Preis unter den
Grenznutzen zu senken
der Monopsonist reduziert die Nachfrage (im Vergleich zum
Mengenanpasser), weil dadurch der Preis sinkt
dadurch kann er seinen Nutzen insgesamt steigern
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
146 / 190
Der Monopsongrad 1/ηA :
der Monopsongrad ist positiv und liegt zwischen null und
unendlich
die prozentuale Abweichung des Preises vom Grenznutzen ist um
so größer, je unelastischer das Güterangebot ist, d. h. je größer
der Monopsongrad ist
geringe Elastizität des Güterangebots bedeutet, dass ein
Preisabschlag leicht durchgesetzt werden kann, ohne dafür die
nachgefragte Menge stark senken zu müssen, der Monopsonist
hat also große Marktmacht
wenn es nahe Substitute gibt (andere Güter, die die Anbieter
stattdessen produzieren können), dann liegt der Monopsongrad
nahe null, die Marktmacht des Monopsonisten ist gering
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
147 / 190
P
X
durch den Preisabschlag sinkt die angebotene Menge
➜ es entsteht ein Wohlfahrtsverlust
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
148 / 190
Ergebnisse Monopson:
der Monopsonist nutzt seine Marktmacht, um das Marktergebnis
zu seinen Gunsten zu verbessern
er reduziert seine Nachfrage, um den Preis (unter den
Grenznutzen) zu senken
die Marktmacht ist um so größer, je geringer die Preiselastizität
der Angebots ist
es entsteht ein Wohlfahrtsverlust, da die nachgefragte Menge
sinkt
alle Ergebnisse des Monopols sind übertragbar
in der Regel dürfte ein Monopson keine stabile Marktform sein
staatliche Regulierung kann erforderlich sein
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
149 / 190
Marktmacht im Monopson: allgemeines Gleichgewicht
Monopson in Sektor 1:
Gewinnmaximierung mengenanpassender Unternehmen
➩ GRTS 1 = w /r = GRTS 2 ➩ effiziente Produktion
➩ GRT = p 1 /p 2
Nutzenmaximierung des Nachfragers:
max U(X 1 , X 2 ) u. N. y = p 1 (X 1 )X 1 + p 2 X 2
X 1 ,X 2
L =
∂L
=
∂X1
∂L
=
∂X2
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
150 / 190
➩
➩
p 1 1 + η11
p1
UX 1
A
=
>
UX 2
p2
p2
GRS > GRT ➩ ineffiziente Koordination
X2
(58)
X2
X1
X1
Die Wohlfahrt würde steigen, wenn mehr von Gut 1 und dafür weniger
von Gut 2 produziert würde.
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
151 / 190
Realistischer: Monopsonist auf dem Arbeitsmarkt
Für einen Monopsonisten auf dem Arbeitsmarkt ist der Lohnsatz
nicht mehr exogen.
Der Zusammenhang zwischen Lohnsatz und Arbeitsangebot ist
durch die Arbeitsangebotsfunktion beschrieben.
max G(K , L) = PX (K , L) − w (L)L − rK
K ,L
∂G
=
∂K
∂G
=
∂L
(59)
(60)
(61)
➜ Grenzausgabe w (1 + ηw ,L) > w
➜ der Lohn für alle Beschäftigten muss erhöht werden
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
152 / 190
Monopsongrad:
PXL − w
1
=
w
ηL,w
(62)
Der Monopsongrad ist positiv und liegt zwischen null und
unendlich.
Die prozentuale Abweichung des Lohnsatzes vom
Wertgrenzprodukt der Arbeit ist um so größer, je unelastischer
das Arbeitsangebot ist.
Geringe Elastizität des Arbeitsangebots bedeutet, dass die
Arbeiter schlecht ausweichen können (stark spezialisierte
Arbeiter, regional einziger Arbeitgeber)
Wenn es gute Substitute gibt (andere Arbeitgeber), dann liegt der
Monopsongrad nahe null.
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
153 / 190
w
L
Ein Monopsonist nutzt seine Marktmacht, um zu einem
geringeren Lohn weniger Arbeit nachzufragen. Die produzierte
Menge ist dadurch suboptimal gering.
Es entsteht ein Wohlfahrtsverlust (Dreieck). Zusätzlich erfolgt eine
Umverteilung zu Gunsten des Monopsonisten.
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
154 / 190
5.2 Das bilaterale Monopol
Bilaterales Monopol auf dem Gütermarkt:
Ein Monopsonist würde gemäß „Grenznutzen = Grenzausgabe“
entscheiden und dadurch eine geringere Güternachfrage bei
geringerem Preis realisieren (s.o.).
Ein Monopolist würde gemäß „Grenzerlös = Grenzkosten“
entscheiden.
P
X
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
155 / 190
Der Preis, den der Monopsonist zahlen würde, ist geringer als P ∗ .
Der Preis, den der Monopolist setzen würde, ist größer als P ∗ .
Der Preis als Verhandlungsergebnis im bilateralen Monopol hängt
von der Verhandlungsmacht der beiden Seiten ab: Alternative
Produktion, alternative Konsumgüter,...
Der Preis im bilateralen Monopol kann größer oder kleiner als P ∗
sein.
Die Menge wird auf jeden Fall geringer sein als X ∗ !
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
156 / 190
Beispiel Arbeitsmarkt:
Der Monopsonist ist einziger Arbeitsnachfrager am Ort, würde
gemäß „Wertgrenzprodukt = Grenzausgabe“ entscheiden und
dadurch eine geringere Arbeitsnachfrage bei geringerem
Lohnsatz realisieren (s.o.).
Der Monopolist ist einziger Anbieter von Arbeit oder
Angebotskartell (d. h. Gewerkschaft) und würde gemäß
„Grenzerlös = Grenzkosten“ entscheiden,
Grenzkosten signalisieren das Arbeitsleid, entsprechen der
Arbeitsangebotskurve, Grenzausgabe resultiert aus der
Arbeitsangebotskurve
Wertgrenzprodukt entspricht der Arbeitsnachfragekurve,
Grenzerlös resultiert aus der Arbeitsnachfrage
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
157 / 190
w
L
Der Monopsonist würde wM.pson < w ∗ setzen, die Gewerkschaft
als Monopolist würde wM.pol > w ∗ setzen.
Der Lohn als Verhandlungsergebnis im bilateralen Monopol hängt
von der Verhandlungsmacht der beiden Seiten ab:
Glaubwürdigkeit von Streiks/Aussperrungen, Höhe der
Arbeitslosigkeit, politische Einflussnahme, etc.
Im bilateralen Monopol kann der Lohn größer oder kleiner als w ∗
sein, auf jeden Fall ist Lbil < L∗ .
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
158 / 190
Ergebnisse bilaterales Monopol:
das Verhandlungsergebnis im bilateralen Monopol hängt von der
Macht der beiden Marktseiten ab
über die Höhe des resultierenden Preises sind ohne
weitergehende Annahmen keine Aussagen möglich
die gehandelte Menge wird eindeutig suboptimal gering sein
es entsteht ein Wohlfahrtsverlust
auch das bilaterale Monopol ist inhärent instabil, da die
Extragewinne neue Marktteilnehmer anziehen
sollte die Marktmacht länger bestehen bleiben, ist staatliche
Regulierung nötig
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
159 / 190
6 Das Oligopol
Quelle: Borrmann/Finsinger (Kap. 3) und Wied-Nebbeling (Kap.
IV.1-IV.3 und VI.2)
Oligopol:
wenige Anbieter stehen vielen Nachfragern gegenüber
➩ jeder Anbieter hat Marktmacht, das Marktergebnis hängt aber auch
vom Verhalten der anderen Anbieter ab
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
160 / 190
Erinnerung: Wie viele Anbieter auf einem Markt tätig sind, hängt von
der Kostenstruktur ab:
X
X
wenn die Kostenstruktur im relevanten Bereich der Nachfrage
subadditiv ist, kann langfristig nur ein Anbieter auf dem Markt
bestehen
wenn die Größenvorteile bei sehr kleinen Mengen schon
verschwinden, ist Platz für sehr viele Anbieter ➜ vollkommene
Konkurrenz (Bsp. Friseure, Bäcker)
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
161 / 190
Oligopol:
X
„wenige“ Anbieter sind auf dem Markt tätig, wenn Subadditivität
zwar nicht bis in den relevanten Bereich der Nachfrage reicht,
aber den Marktzutritt neuer Anbieter behindert
➜ jeder Anbieter spürt die Auswirkungen des Verhaltens der
anderen Anbieter
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
162 / 190
Marktverhalten:
Jeder Anbieter muss Vorstellungen über das Verhalten der
anderen Anbieter entwickeln. (Beispiel: Marktführer und
Marktfolger)
Jeder Anbieter kann Mengen- oder Preisstrategie verfolgen.
Realistisch: Zunächst Mengenfestlegung
(Kapazitätsentscheidung), dann Preisfestlegung.
Wegen der Möglichkeit zu strategischem Verhalten sind viele
Verhaltensweisen im Oligopol möglich
Beispiele:
Mengenwettbewerb mit verschiedenen Machtverteilungen
Preiswettbewerb
Kollusion
Das konkrete Ergebnis hängt von den jeweiligen
Randbedingungen und den beteiligten Entscheidungsträgern (!)
ab.
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
163 / 190
6.1 Mengenwettbewerb nach Cournot
Die Anbieter stehen der gemeinsamen Marktnachfrage gegenüber:
Gi = P(X )Xi − Ci (Xi )
wobei X = X1 + . . . + Xn
(63)
Gegeben das Verhalten (Ausbringungsmenge) der anderen Anbieter,
kann man das optimale Verhalten des Anbieters i bestimmen:
maxGi = P(X )Xi − Ci (Xi )
Xi
➩
(64)
∂ Gi
=
∂ Xi
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
164 / 190
➩
P − Ci ′
Xi 1
=−
P
X η
(65)
Die Oligopolisten nutzen ihre Marktmacht, um den Preis über die
Grenzkosten anzuheben.
Der relative Preisaufschlag ist um so größer, je größer der
Marktanteil Xi /X ist. Bei Symmetrie (gleich große Oligopolisten)
ist der Marktanteil um so größer, je weniger Anbieter auf dem
Markt sind.
Der relative Preisaufschlag ist um so größer, je unelatischer die
Marktnachfrage reagiert, wie beim Monopol.
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
165 / 190
Ergebnisse:
Da der Preis höher ist als die Grenzkosten, entsteht ein
Wohlfahrtsverlust.
Es resultiert wettbewerbspolitischer Eingriffsbedarf wie beim
natürlichen Monopol.
Je weiter das Oligopol ist (mehr Oligopolisten), um so näher ist
das Marktergebnis am sozialen Optimum.
Je enger das Oligopol ist (weniger Oligopolisten), um so eher ist
mit Verzerrungen zu rechnen, die der Regulierung bedürfen.
Prof. Dr. Susanne Soretz
Wettbewerb SS 2016
166 / 190
Beispiel: Oligopol mit linearer Nachfrage und gleichen, linearen
Kosten
lineare Nachfrage P = a − bX = a − b(X1 + . . . + Xn )
identische, lineare Kosten Ci ′ = c ∀i
Für die Anbieter i bzw. j folgt:
∂ Gi
=
∂ Xi
∂ Gj
=
∂ Xj
➩
Xi = Xj
(Symmetrie wg. identischer Kosten)
(66)
Spezialfall Duopol:
X1 + X =
➩
a−c
b
X1 =
➩
a − c X2
−
2b
2
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und analog X2 =
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a − c X1
−
2b
2
167 / 190
X1
X2
Das Gleichgewicht liegt im Schnittpunkt der beiden
Reaktionsfunktionen und ist stabil.
Wegen Symmetrie X1 = X2 :
➩
1 a−c
➩
3 b
Cournot’sche 2/3-Lösung
➩
X1 = X2 =
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X=
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2 a−c
3 b
(67)
168 / 190
Gleichgewicht bei n Oligopolisten:
X = nXi
➩
➩
X=
n a−c
n+1 b
(68)
P
X
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169 / 190
Erweiterung: Marktführerschaft nach Stackelberg
Einer der Oligopolisten könnte die Reaktion des anderen
antizipieren: n könnte die Reaktionsfunktionen der anderen
kennen und berücksichtigen.
Dann wählt n auf den Reaktionsfunktionen der anderen
Oligopolisten denjenigen Punkt, der seinen Gewinn maximiert.
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170 / 190
Alle Marktfolger i = 1, . . . , n − 1 betrachten die Gesamtmenge als von
ihrer eigenen Entscheidung unabhängig (wie oben):
maxGi = P(X )Xi − Ci (Xi )
Xi
➩
mit P = a − bX und Ci′ = c
(69)
∂ Gi
=
∂ Xi
∂ Gj
=
∂ Xj
➩
Xi = Xj
(70)
Marktfolger verhalten sich wie Cournot-Oligopolisten.
Gesamtangebot X = (n − 1)Xi + Xn
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171 / 190
Die Reaktionsfunktion der Marktfolger ist:
−bXi + a − bX − c = 0
mit X = (n − 1)Xi + Xn
➩
a − c Xn
−
bn
n
➩
Xi =
➩
∂ Xi
=
∂ Xn
(71)
(72)
Der Marktführer maximiert seinen Gewinn
maxGn = P(X )Xn − Cn (Xn )
Xn
➩
mit P = a − bX und Cn′ = c
∂ Gn
=
∂ Xn
und beachtet dabei die Reaktionsfunktionen der Marktfolger
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172 / 190
➩
Xn =
➩
Xi =
➩
X=
a−c
2b
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Monopolmenge, unabhängig von n
(73)
(74)
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173 / 190
Beispiel Duopol: n = 2
Marktführer 2 bietet Monopolmenge an:
X2 =
a−c
2b
(75)
Marktfolger 1 bietet halbe Monopolmenge an:
X1 =
a−c
4b
(76)
Ergebnisse:
Der Marktführer hat einen größeren Marktanteil als im
Cournot-Gleichgewicht.
Der Marktfolger produziert eine geringere Menge.
Die Gesamtmenge ist größer, der Wohlfahrtsverlust geringer.
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174 / 190
P
X
(Hier) ohne Erklärung: die Festlegung von Marktführer und
Marktfolger ➜ Marktfolger könnte versuchen, zum Marktführer zu
werden ➜ beide Duopolisten würden dann je (a − c)/2b anbieten,
insgesamt würde die Konkurrenzmenge erzeugt ➜ beide
Duopolisten würden sich aber verbessern, wenn sie ihr Angebot
reduzierten
Generell gilt: Je geringer das „Einvernehmen“ zwischen den
Oligopolisten, um so größer ist die Gesamtmenge und um so
geringer ist der Wohlfahrtsverlust.
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175 / 190
6.2 Preiswettbewerb nach Bertrand
Setzen die Oligopolisten direkt die Preise, so ist das
Gleichgewicht grundlegend anders: Es resultieren
Grenzkostenpreise und somit das soziale Optimum.
Argumentation:
Wenn einer der Oligopolisten seinen Preis marginal senkt, so
zieht er die gesamte Nachfrage auf sich.
Die Umsatzeinbuße durch die Preissenkung wird durch den
starken Zuwachs der abgesetzten Menge mehr als ausgeglichen,
so dass der Gewinn steigt.
Da den anderen Oligopolisten so der Verlust der gesamten
Absatzmöglichkeit droht, senken sie ihrerseits den Preis.
Dieser Prozess setzt sich fort, bis Grenzkostenpreise erreicht
sind; eine weitere Preissenkung wäre gewinnmindernd.
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176 / 190
Würdigung:
Die Ergebnisse des Preiswettbewerbs nach Bertrand sind nicht
robust: Bei Kapazitätsgrenzen der einzelnen Anbieter oder
steigenden Grenzkosten kann nicht mehr sicher von
Grenzkostenpreisen ausgegangen werden.
Auch Produktdifferenzierung würde Grenzkostenpreise
verhindern, da ein Oligopolist dann nicht mehr durch marginale
Preissenkungen die gesamte Nachfrage auf sich ziehen kann.
Aus dem Bertrand-Gleichgewicht darf nicht der Optimismus
abgeleitet werden, dass trotz Marktmacht im Oligopol sozial
optimale Marktergebnisse resultieren.
Das Bertrand-Modell belegt vor allem die Bedeutung der
Annahmen über das Unternehmensverhalten und die strategische
Interaktion im Oligopol.
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177 / 190
Nobelpreis 2014 an Jean Tirole
Jean Tirole erhielt 2014 den Nobelpreis für
Wirtschaftswissenschaften
„for his analysis of market power and
regulation“
Tirole hat viel über Oligopole gearbeitet
er zeigt, dass man nicht einfache Prinzipien
auf alle Oligopole anwenden kann (z.B.
Preisobergrenzen), sondern die
Wettbewerbspolitik immer die speziellen
Bedingungen einer Industrie berücksichtigen
muss
seine Ideen haben Eingang in die
Wettbewerbspolitik gefunden: heute sind viel
stärker Ökonomen beteiligt, nicht nur
Juristen
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178 / 190
6.3 Wettbewerbsbeschränkung: Kooperation
Quelle: Wied-Nebbeling (Kap. VI 2.2)
Da sich die Gewinnmöglichkeiten der Oligopolisten durch
Machtkämpfe verschlechtern, liegt es nahe, „gemeinsame Sache“ zu
machen.
Implizite (stillschweigende) Kooperation (geringster
Kooperationsgrad)
Einigung auf Wettbewerbsregeln (auch: Niedrigstpreisgarantien ➜
reduzierte ein Anbieter den Preis, so würden alle anderen den
Preis übernehmen ➜ Preissenkungen erhöhen nicht den Gewinn
➜ Preise über den GK können aufrecht erhalten werden)
Verhaltensabstimmung (Quotierung, Preisabsprachen)
Kartellbildung
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179 / 190
gemeinschaftliche Maximierung des Gesamtgewinns durch
Kartellbildung/Kollusion:
G = P(X )X − C1 (X1 ) − . . . − Cn (Xn )
∂G
➩
=
∂ X1
∂G
➩
=
∂ Xi
mit X = X1 + . . . + Xn
die Gesamtproduktionsmenge wird so auf die Unternehmen
verteilt, dass die Grenzkosten gleich hoch sind
der (gemeinsame) Grenzerlös muss gleich den (einheitlichen)
Grenzkosten sein
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180 / 190
lineare Nachfrage P(X ) = a − bX und konstante Kosten c
∂P
X + P = Ci′
∂X
a−c
➩ X=
2b
➩
(77)
Die Gesamtmenge entspricht dann der Monopolmenge.
Die Summe des Gewinns ist so maximal, ebenso der
Wohlfahrtsverlust.
P
X
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181 / 190
Die Mengenverteilung auf die Unternehmen hängt von den
Kostenverläufen ab:
Bei gleichen und konstanten Grenzkosten ist die Aufteilung
irrelevant ➜ Aufteilung nach Marktanteilen vor Kartellbeginn oder
gleichmäßig
Bei steigenden und in allen Unternehmen identischen
Grenzkosten erfordert Gewinnmaximierung einheitliche
Produktionsmengen, was schwer durchsetzbar ist, wenn
Unternehmen vor Kartellbeginn verschiedene Größen hatten.
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182 / 190
Bei steigenden und unterschiedlichen GK muss das Unternehmen
mit den höchsten GK die geringste Menge produzieren ➜
Durchsetzung problematisch:
P
P
Xi
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X
183 / 190
Würdigung:
Gewinnaufteilung ist problematisch, insbesondere bei
unterschiedlichen Produktionsmengen müssen
Ausgleichszahlungen ausgehandelt werden.
Kartelle sind (wegen des Wohlfahrtsverlustes) verboten ➜
Zusammenschluss zu einem Unternehmen nicht möglich ➜
(illegale) Absprachen über das Marktverhalten:
Mengenkontingente, Mindestpreise.
So lange der einzelne Oligopolist damit rechnen kann, dass die
anderen Kartellmitglieder sich an die Absprache halten, kann er
unter Umständen seinen Gewinn durch eine Mengenausweitung
erhöhen (siehe unten).
Wegen der schlechten Sanktionsmöglichkeiten illegaler
Absprachen sind Kartelle inhärent instabil (siehe OPEC),
insbesondere bei vielen Oligopolisten.
Je nach dem tatsächlichen Verhalten der Kartellteilnehmer
können sie aber auch über lange Zeit gut funktionieren (sh.
Mineralölkonzerne, Zucker)
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184 / 190
Kartellstabilität:
Ein Kartell ist dann instabil, wenn es eine vorteilhafte
Außenseiterposition gibt.
Erhöht ein Anbieter seine Produktionsmenge, dann
steigt sein Gewinn, da die Kartellabsprache P > GK impliziert
sinkt sein Gewinn, da der Preis bei hinreichendem Einfluss des
Anbieters sinkt
Eine vorteilhafte Außenseiterposition gibt es, wenn der Preis nicht zu
stark fällt, so dass der Gewinnanstieg dominiert.
Dann ist es für alle Kartellmitglieder lohnend, die Menge auszudehnen
➜ das Kartell bricht zusammen.
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185 / 190
der Außenseiter ist der Einzige, der seine Produktionsmenge erhöht:
P
P
Xi
X
der erzielbare Preis sinkt weniger schnell, wenn nur der
Außenseiter seine Menge erhöht, nicht alle Kartellmitglieder
wenn jedoch alle Kartellmitglieder die Außenseiterposition
einnehmen, bricht das Kartell zusammen
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186 / 190
Wann gibt es eine vorteilhafte Außenseiterposition?
Beispiel: lineare Nachfragefunktion P = a − bX , konstante
Grenzkosten c
➩ Kartellmenge X K =
a−c
2b
XiK =
a−c
2bn
(78)
Der Preis beträgt dann
P=
=
a+c
2
(79)
und der Gewinn eines Kartellmitglieds ist
GiK =
a+c a−c
a−c
−c
2 2bn
2bn
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187 / 190
Der Außenseiter bestimmt seine gewinnmaximierende
Produktionsmenge bei gegebenem Verhalten der Kartellmitglieder:
P =a − b(X K + XA) =
a+c
=
− bXA
2
(80)
Der maximale Gewinn des Außenseiters ergibt sich aus
a+c
GA =
− bXA XA − cXA =
2
∂ GA
=
∂ XA
a−c
➩ XA =
4b
a + 3c
➩ PA =
=
4
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Wettbewerb SS 2016
188 / 190
➩
GA =
a−c
a + 3c a − c
−c
4
4b
4b
=
Die Außenseiterposition ist vorteilhaft, wenn der Gewinn höher ist als
im Kartell:
GA ≷ GiK
➩
➩ n≷4
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(81)
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189 / 190
Ergebnisse:
Die Gewinnsteigerung durch Kooperation ist nur durchsetzbar,
wenn alle Kartellmitglieder die Menge reduzieren.
Aus dem Kartell auszubrechen (wenn alle anderen sich an die
Mengenbeschränkung halten) ist lukrativ, wenn der Preis nicht zu
stark sinkt.
Der Preisrückgang wird um so größer ausfallen, je enger das
Oligopol ist.
Bei konstanten Grenzkosten und linearer Nachfragefunktion ist
das Kartell instabil, sobald n > 4.
Dann ist der Einfluss des einzelnen Anbieters auf den Preis so
gering, dass die gewinnsteigerne Wirkung der
Mengenausdehnung überwiegt.
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190 / 190
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