Die Auswirkungen von Alkoholwerbung Bericht über das ELSA-Projekt und die Argumente für eine Verschärfung der Bestimmungen zum Schutz von Jugendlichen Am ELSA-Projekt (2005-2007) der STAP (Nationale Stiftung für Alkoholprävention in den Niederlanden) sind Vertreter aus 24 europäischen Staaten beteiligt. Das mit ELSA verfolgte Ziel besteht darin, die Durchsetzung nationaler Gesetze und der Selbstregulierung in der Werbung und Vermarktung alkoholischer Getränke in den EUMitgliedstaaten und in Norwegen zu bewerten und darüber Bericht zu erstatten. STAP Postfach 8181 3503 RD Utrecht Niederlande Tel.: + 31 (0) 30 656 50 41 Fax: + 31 (0) 30 656 50 43 E-Mail: [email protected] Homepage: www.stap.nl Dieser Bericht wurde von Peter Anderson für die Nationale Stiftung für Alkoholprävention, Niederlande, und das ELSA-Projekt 2005-2007 verfasst. Der Bericht wurde im Rahmen eines Vertrages mit der Europäischen Kommission [Vereinbarung Nr. 2004318] erstellt. Der Autor ist für den Inhalt dieses Berichts verantwortlich. Der Inhalt spiegelt weder die Auffassungen der Europäischen Kommission wider, noch ist die Kommission für jegliche Verwendung der hierin enthaltenen Informationen verantwortlich. Der Bericht sollte folgendermaßen zitiert werden: Anderson, P. (2007) The impact of Alcohol Advertising: ELSA project report on the evidence to strengthen regulation to protect young people. Utrecht: National Foundation for Alcohol Prevention. ISBN 979-90-79070-05-3 Nationale Stiftung für Alkoholprävention (STAP) Niederlande Mai 2007 Gestaltung: LS Designers BNO [Gerben Edens/Kenny Venekamp] Groningen, The Netherlands – www.ls.nl Inhaltsverzeichnis Danksagung 1 Über den Autor 2 Vorwort 3 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen 5 1 1.1 1.2 1.3 1.4 Einführung Kommerzielle Kommunikationen und ihre Regulierung Investitionen in kommerzielle Kommunikationen Bei der Erstellung des Berichts angewandte Methode Gliederung des Berichts 10 11 12 13 15 2 Regulierung kommerzieller Kommunikationen in Europa Bestimmungen auf europäischer Ebene Bestimmungen auf nationaler Ebene Schlussfolgerungen 16 2.1 2.2 2.3 3 3.1 3.2 3.3 3.4 3.5 4 4.1 4.2 4.3 4.4 5 5.1 5.2 6 Jugendliche und Alkoholkonsum Laufen Jugendliche Gefahr, alkoholbedingte Schädigungen zu erleiden? Gibt es Produktkategorien, die für Jugendliche entwickelt wurden, sie ansprechen oder auf sie abzielen? Beeinflussen der Alkoholpreis und die Verkaufsförderung das Alter beim ersten Alkoholgenuss, den Alkoholkonsum und alkoholbedingte Schädigungen? Beeinflusst die Verfügbarkeit von Alkohol das Alter beim ersten Alkoholgenuss, den Alkoholkonsum und alkoholbedingte Schädigungen? Schlussfolgerungen Jugendliche und kommerzielle Kommunikationen Sind Jugendliche empfänglich für Alkoholwerbung? Welche Medienarten werden in der kommerziellen Kommunikation eingesetzt? Zielen kommerzielle Kommunikationen auf Jugendliche ab? Schlussfolgerungen Kommerzielle Kommunikationen, Einstellungen der Jugendlichen und ihr Wunsch, Alkohol zu trinken Verändern kommerzielle Kommunikationen die Einstellung der Jugendlichen und ihren Wunsch, Alkohol zu trinken? Schlussfolgerungen Kommerzielle Kommunikationen und das Trinkverhalten der Jugendlichen 16 18 24 26 26 30 31 33 34 35 35 37 40 41 42 42 45 47 6.1 6.2 6.3 7 7.1 7.2 7.3 8 8.1 8.2 9 9.1 9.2 9.3 9.4 10 10.1 10.2 10.3 10.4 Verändern kommerzielle Kommunikationen das Verhalten der Jugendlichen? Kommerzielle Kommunikationen und ihre Auswirkungen in der Bevölkerung Schlussfolgerungen 47 Nichtgesetzliche Regulierung kommerzieller Kommunikationen Wird im Rahmen der nichtgesetzlichen Regulierung der Inhalt kommerzieller Kommunikationen vorgegeben? Wird im Rahmen der nichtgesetzlichen Regulierung die Menge kommerzieller Kommunikationen verringert? Schlussfolgerungen 56 Kommerzielle Kommunikationen und andere damit in Zusammenhang stehende Maßnahmen im Rahmen der Alkoholpolitik Sind andere kommunikationsbezogene Ansätze, z. B. die Aufklärung, ein wirksames Mittel gegen kommerzielle Kommunikationen? Schlussfolgerungen 52 55 57 59 60 61 61 65 Regulierung kommerzieller Kommunikationen und andere politische Maßnahmen Die öffentliche Meinung und kommerzielle Kommunikationen Regulierung kommerzieller Kommunikationen Vergleich mit anderen Maßnahmen im Rahmen der Alkoholpolitik Schlussfolgerungen 66 Empfehlungen für die Überwachung und Bewertung kommerzieller Kommunikationen Überwachung der Menge kommerzieller Kommunikationen Überwachung der Regulierung kommerzieller Kommunikationen Förderung der Forschung in Europa Schlussfolgerungen 76 79 79 Quellenverzeichnis 80 66 68 70 75 76 78 Danksagung Dieser Bericht wurde vom Autor für die Nationale Stiftung für Alkoholprävention, Utrecht, verfasst. Viele Personen standen mir beratend zur Seite, prüften und kommentierten die verschiedenen Berichtsentwürfe und leisteten ihre Beiträge dazu. Insbesondere möchte ich den folgenden Personen danken, die den gesamten Bericht oder Teile davon überprüften: Prof. Thomas Babor University of Connecticut Health Center, Abteilung Community Medicine and Health Care, USA. Dr. Joan Colom Direktor des Programms zur Thematik Substanzmissbrauch, Gesundheitsministerium der Regierung von Katalonien, Spanien. Prof. Gerard Hastings Direktor des Institute of Social Marketing and Centre for Tobacco Control Research, University of Stirling und Open University, Schottland, Großbritannien. Dr. Ann Hope Nationale Beraterin in Fragen der Alkoholpolitik, Ministerium für Gesundheit und Kinder, Irland. Dr. Bas van den Putte The Amsterdam School of Communication Research (ASCoR), Niederlande. Mr. Anders Ulstein ACTIS – Norwegian Policy Network On Alcohol and Drugs, Norwegen. Es versteht sich von selbst, dass allein der Autor für alle Fehler und Unvollständigkeiten im Hinblick auf den Inhalt des Berichts verantwortlich ist. 1 Über den Autor Dr. Peter Anderson Dr. med., Master of Public Health, Dr. phil. Berater für internationale Gesundheitsfragen [email protected] Dr. Anderson ist ausgebildeter Allgemeinmediziner und Spezialist für öffentliche Gesundheit an der University of Oxford sowie der London School of Hygiene and Tropical Medicine. Er promovierte über die Gefahren des Alkoholkonsums und ist derzeit als Berater in Fragen der Alkoholpolitik tätig. Von 1992 bis 2000 war er Regionalberater für Alkohol und Tabak im Regionalbüro für Europa der Weltgesundheitsorganisation. Seit 2001 arbeitet er als unabhängiger Fachberater und ist für die Europäische Kommission, die Weltgesundheitsorganisation und verschiedene Regierungen als Berater in Suchtfragen tätig. Er verfasste einen 400seitigen Bericht für die European Commission on Alcohol in Europe und bereitete die faktengesicherte Grundlage sowie die in der Alkoholpolitik und in Präventionsprogrammen gesammelten Erfahrungen für politische Entscheidungsträger, mit Programmeinführungen Betraute und Forscher auf. Er verfügt über einen umfassenden Forschungshintergrund in der Alkoholepidemiologie und Interventionsforschung sowie im Hinblick auf randomisierte Studien, Präventionsprojekte und metaanalytische Verfahren. Er veröffentlichte über 120 referierte Beiträge in Fachzeitschriften und ist Verfasser oder Herausgeber von 15 Büchern. 2 Vorwort Seit Jahrhunderten kennt die Menschheit alkoholische Getränke. Viele Schriften zum Thema Alkohol betonen diese lange Geschichte und beschwichtigen den Leser implizit: Mach dir keine Sorgen über die Jugendlichen von heute, die zu viel trinken. Unsere Vorfahren kannten bereits die schädliche Wirkung von Alkohol. Wenig hat sich bei den Inhaltsstoffen alkoholischer Getränke verändert: Wie Wein und Spirituosen schmeckt Bier seit Jahrhunderten ähnlich. Diese Getränke werden nach alten Verfahren hergestellt, für die wenig moderne Handwerkskunst erforderlich ist. Die größte Herausforderung für die Alkoholproduzenten ist nicht die Herstellung, sondern der Verkauf. Während die Substanz Alkohol über die Jahre hinweg gleich geblieben ist, muss der Verbraucher von der Existenz neuer Getränke auf dem Markt überzeugt werden: neue Marken, neue Mixturen, neue Geschmacksrichtungen, neue Verpackungen, die alle über neue Formen der Werbung mit den neuesten Medien vermarktet werden sollen. Die Alkoholindustrie verdankt ihre Innovationen eher dem Einfallsreichtum von Kommunikationsfachleuten als ihren Mitarbeitern in der Produktion, da sich der größte Teil des Herstellungsverfahrens im Laufe der Zeit nicht wesentlich verändert hat. Die Alkoholindustrie ist mehr oder weniger eine Werbeindustrie. In diesem Bericht steht die Alkoholwerbung im Mittelpunkt. Es wird gezeigt, dass Alkoholwerbung erfolgreich ist; sie erhöht den Konsum und trägt zu einem weit verbreiteten Problem für die europäischen Gesellschaften bei: der Zunahme des Alkoholkonsums von Kindern und Jugendlichen und einer wachsenden Anzahl von Opfern des Genusses alkoholischer Getränke. Jugendliche nutzen fast alle Arten von Medien, sie sind wissbegierig, möchten innovative Produkte ausprobieren und deren Geschmack kennenlernen. Sie sind nicht nur die Zielgruppe der Kommunikationsfachleute, die Werbung für Alkohol machen, sondern sie sind auch die Opfer, da die Forschung gezeigt hat, dass Alkoholwerbung für neue Konsumenten sorgt und den Alkoholkonsum der bereits erfahrenen Konsumenten erhöht. In diesem Bericht, der Teil des ELSA1-Projektes ist, werden Studien zusammengefasst, die diese drei Behauptungen unterstreichen. Die Mitglieder des Europäischen Parlaments und der nationalen Volksversammlungen sollten ihre Augen nicht vor den schädlichen Auswirkungen der Alkoholwerbung auf Jugendliche verschließen. Wirksame und kohärente Rechtsvorschriften zur Einschränkung der enormen Menge der auf junge und alte Menschen ausgerichteten Werbung und des Sponsorings scheinen unverzichtbar. Die beim Erstellen dieses Berichts unternommenen Bemühungen werden vielleicht mit der Einführung effektiver Rechtsvorschriften belohnt. Ich möchte Peter Anderson, dem Autor dieses Berichts, für seine sorgfältig durchgeführte Analyse aller verfügbaren Quellen danken. Es liegt nun bei den ELSAPartnern in den EU-Mitgliedstaaten, den politischen Entscheidungsträgern und allen anderen, die Ergebnisse dieses Berichts umzusetzen. Der wirksame Schutz der 1 ELSA steht für Enforcement of National Laws and Self-Regulation on Advertising and Marketing of Alcohol (Durchsetzung nationaler Gesetze und der Selbstregulierung bei der Werbung für und Vermarktung von Alkohol). Im Rahmen des Projekts werden nationale Rechtsvorschriften und die nicht gesetzliche Regulierung der Vermarktung von Alkohol überwacht, beschrieben und bewertet. ELSA ist ein europäisches Projekt mit Partnern in 23 Mitgliedstaaten und Norwegen und wird von der Europäischen Kommission kofinanziert. 3 Jugendlichen und anderer Risikogruppen vor den schädlichen Auswirkungen der Alkoholwerbung sollte Realität werden und nicht ein unerfüllbarer Wunsch bleiben. Wim van Dalen Hauptgeschäftsführer der Nationalen Stiftung für Alkoholprävention (STAP), Koordinator von ELSA. Utrecht, Niederlande Sommer 2007 4 ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN Trinkalkohol ist, obwohl es sich um einen ubiquitären Giftstoff handelt, sowohl in traditionellen als auch in nicht-traditionellen Medien, z. B. den Diensten der Informationsgesellschaft, ein weithin vermarktetes Produkt Alkohol ist ein ubiquitärer Giftstoff, der nahezu jedes System oder Organ des Körpers schädigen kann. Alkoholische Getränke sind im Wesentlichen vermarktete Produkte, deren Identitäten über ein komplexes Gemisch von Marketing-Verfahren geschaffen werden, z. B. über die herkömmliche Werbung und Sponsoring, Verlosungen, die Vergabe von Gutscheinen, Produktplatzierungen, die Entwicklung neuer Produkte, den Einsatz von Werbematerialien am Verkaufsort und Angebotsaktionen, das Einszu-eins-Marketing und virales Marketing, den Vertrieb und Verkauf von Markenware sowie den Einsatz von moderneren Technologien wie Mobiltelefonen und dem Internet. Kommerzielle Kommunikationen können als alle Arten von Werbung, Direktmarketing, Sponsoring, Verkaufsförderung und von Öffentlichkeitsarbeit für Produkte und Dienstleistungen definiert werden, die derzeit sowohl auf gesetzlichem als auch auf nichtgesetzlichem Wege geregelt werden. Die Gesamtausgaben der neun führenden Unternehmen der Alkoholbranche für traditionelle Werbung betrugen 2004 insgesamt 2,5 Milliarden €. Dabei handelt es sich aber wahrscheinlich nur um ein Drittel der Gesamtwerbeausgaben dieser Unternehmen, wenn man auch nichttraditionelle Werbemethoden berücksichtigt. Die gegenwärtigen europäischen Regelungen für kommerzielle Kommunikationen über Alkohol werden kaum überwacht und sind sehr unterschiedlich, so dass eine Annäherung in ganz Europa mit einer Spezifikation des Ausmaßes, in dem Alkoholwerbung in gewissen Kategorien von Medien und Veröffentlichungen erlaubt ist, notwendig wird Die einzige gesetzliche Regelung auf europäischer Ebene, die einen bestimmten Artikel zum Thema Alkohol enthält, ist die Richtlinie "Fernsehen ohne Grenzen", die derzeit geprüft wird und Artikel umfasst, die den Inhalt von Alkoholwerbung abdecken, aber keine Anforderungen hinsichtlich der Menge der Werbung stellen. Es gibt keine zuständige Stelle, die uns darüber informiert, inwieweit diese Richtlinie umgesetzt wird. Auf europäischer Ebene gibt es weiterhin die Empfehlung des Rates zum Alkoholkonsum junger Menschen, die einige Empfehlungen zum Inhalt von Alkoholwerbung umfasst, sowie eine Empfehlung, die sich teilweise auf ihre Menge bezieht (Werbung in Medien, die auf Kinder und Jugendliche abzielen oder die eine erhebliche Anzahl von Kindern und Jugendlichen erreichen). Die Empfehlung ist rechtlich nicht verbindlich, und auch hier gibt es keine zuständige Stelle, die uns darüber informiert, inwieweit die Empfehlung umgesetzt wird. Alle europäischen Länder verfügen über mindestens eine Regelung, die die Vermarktung von Alkohol und Alkoholwerbung betrifft; davon sind in 24 Staaten 49 Regelungen gesetzlich und 27 nichtgesetzlich. In allen Staaten – mit Ausnahme des Vereinigten Königreichs – gibt es ein wie auch immer geartetes Verbot einer oder mehrerer Arten von Werbung. Rechtsvorschriften scheinen insofern stärker als nichtgesetzliche Regelungen zu sein, als dass sie eher systematische Kontrollen im Hinblick auf Verstöße gegen Gesetze beinhalten und häufiger als nichtgesetzliche Regelungen Einschränkungen der Menge behandeln. Wie auf europäischer Ebene gibt es keine zuständige Stelle, die uns darüber informiert, inwieweit die Bestimmungen auf nationaler Ebene umgesetzt werden. Zwischen den europäischen Staaten bestehen deutliche Unterschiede hinsichtlich ihrer Gesetze, Regelungen und administrativer Verfahren in Bezug auf Werbung für Alkoholprodukte. Diese Art von Werbung ist üblicherweise länderübergreifend und steht mit auf internationaler Ebene organisierten Veranstaltungen in Zusammenhang. Wie bereits bei 5 Tabakerzeugnissen verursachen die Unterschiede zwischen den nationalen Gesetzgebungen wahrscheinlich zwischen den Staaten zunehmend Behinderungen des freien Verkehrs von Produkten oder Dienstleistungen, die solche Werbemaßnahmen unterstützen. Vieles spricht dafür, diese Hindernisse abzubauen und zu diesem Zweck die Vorschriften für Alkoholwerbung in bestimmten Fällen europaweit anzugleichen. Es ist insbesondere erforderlich, das Ausmaß zu bestimmen, in dem Alkoholwerbung in bestimmten Kategorien von Medien und Veröffentlichungen erlaubt ist. Jugendliche sind besonders durch Alkohol gefährdet und empfänglich für im Allgemeinen auf sie abzielende Alkoholwerbung Besonders Jugendliche laufen Gefahr, alkoholbedingte Schädigungen wie Unfälle und Verletzungen zu erleiden und vorzeitig zu versterben. Es ist nachgewiesen, dass Jugendliche in ganz Europa während der letzten zehn Jahre mehr Alkohol auf immer gefährlichere Weise konsumierten. Es ist besonders beunruhigend, dass Jugendliche mit umso größerer Wahrscheinlichkeit alkoholbedingte Schädigungen erleiden und als junge Erwachsene alkoholabhängig werden, je früher sie mit dem Trinken beginnen und je mehr sie in jungen Jahren konsumieren. Jugendliche werden durch die Verfügbarkeit von auf sie ausgerichteten Produkten beeinflusst, aber sie reagieren auch besonders stark auf Preiserhöhungen und eine verminderte Verfügbarkeit von Alkohol. Um bei Jugendlichen die durch Alkohol verursachten Schäden zu mindern, spricht vieles dafür, die Produktion von speziell für Kinder und Jugendliche hergestellten und auf sie abzielenden alkoholischen Getränken zu beschränken. Ebenso spricht vieles dafür sicherzustellen, dass alkoholische Getränke nicht noch leichter für Jugendliche bezahlbar werden und dass Begrenzungen der Verfügbarkeit von Alkohol für Jugendliche weitgehend durchgesetzt werden. Das Gehirn eines Heranwachsenden durchläuft wichtige Entwicklungen, die Jugendliche anfälliger für impulsives Handeln und empfänglicher für die Empfindungen Genuss und Belohnung machen. Jugendliche, die bereits Probleme in Bezug auf Alkohol haben, sind mit großer Wahrscheinlichkeit besonders empfänglich für Alkoholwerbung; dabei nimmt die Empfänglichkeit zu, je stärker der Alkoholkonsum ist. Alkoholwerbung manipuliert die Empfänglichkeit der Jugendlichen durch die Prägung ihrer Einstellungen, Wahrnehmungen und insbesondere der an den Alkoholkonsum geknüpften Erwartungen, die dann wiederum die Entscheidung der Jugendlichen, Alkohol zu trinken, beeinflussen. Diese Empfänglichkeit wird durch den intensiven Kontakt zu kommerziellen Kommunikationen noch verstärkt. Dies geschieht nicht nur über traditionelle Medien, die stark auf Jugendliche ausgerichtet sind, sondern auch über Mobiltelefone und das Internet. Beide wirken auf Jugendliche besonders anziehend. In Artikel 95(3) des Vertrags über die Europäische Union wird von der Kommission in den Vorschlägen für die Errichtung und die Abläufe des Binnenmarktes im Gesundheitsbereich gefordert, diesbezüglich ein hohes Schutzniveau zugrunde zu legen. Eine Annäherung der Gesetze zur Werbung in den europäischen Staaten mit Rechtsvorschriften und einem Verbot in gewissen Medien würde einen Schutz für Jugendliche schaffen, indem die Verkaufsförderung für Alkohol - ein für über 25% der Todesfälle bei jungen Männern und für 11% der Todesfälle bei jungen Frauen verantwortliches Suchtmittel – reguliert wird und Situationen vermieden werden, in denen Jugendliche infolge verkaufsfördernder Maßnahmen frühzeitig und auf riskante Weise damit beginnen, Alkohol zu konsumieren, und dadurch abhängig werden. 6 Alkoholwerbung steht in Zusammenhang mit den an Alkohol geknüpften Erwartungen der Jugendlichen und ihrem Wunsch nach Alkoholkonsum Belege dafür, dass Alkoholwerbung mit den positiven Einstellungen und Ansichten junger Menschen in Bezug auf Alkohol in Zusammenhang steht, liegen in sehr großer Zahl vor. Außerdem steht der Inhalt der Werbung in Zusammenhang mit den von den Jugendlichen an den Alkoholkonsum geknüpften Erwartungen und der Rolle des Alkohols in ihrem Leben. Auf Jugendliche wirken insbesondere musikalische Elemente, die Charaktere, die Geschichte und Humor anziehend. Jugendliche, denen eine Werbung gefällt, sind der Ansicht, dass die positiven Konsequenzen des Trinkens überwiegen, dass Gleichaltrige häufiger trinken und das Trinken in größerem Maße befürworten. Diese Auffassungen beeinflussen sich gegenseitig und führen so zu einer größeren Wahrscheinlichkeit des Alkoholkonsums oder der Absicht, in naher Zukunft Alkohol zu trinken. Diese Ergebnisse sind angesichts der Tatsache, dass ein verstärkter Wunsch nach Alkoholkonsum eines der Hauptziele der kommerziellen Kommunikationen darstellen muss, nicht überraschend. Ein Beispiel für ein Gesetz, dass den Inhalt von Werbung eingrenzt, ist das französische Loi Evin, das die Botschaften und Bilder von Alkoholwerbung dahingehend beschränkt, dass man sich nur auf die Qualität des Produkts beziehen darf. Alkoholwerbung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche mit dem Trinken beginnen, sowie die Menge, die sie insgesamt trinken, und die Menge, die sie zu einem einzigen Anlass trinken Sechs in den USA durchgeführte, gut angelegte Längsschnittstudien und eine gut angelegte belgische Längsschnittstudie zeigen, dass durch die Menge der Werbung und die Medienexposition die Wahrscheinlichkeit, mit der Jugendliche mit dem Trinken beginnen, die konsumierte Menge sowie die zu einem einzigen Anlass konsumierte Menge zunehmen (s. Tabelle 8). Es gibt keine veröffentlichten Längsschnittstudien, die eine solche Wirkung nicht belegen. Diese Ergebnisse ähneln Erkenntnissen über die Auswirkungen der Werbung auf das Rauchen und das Essverhalten und stellen keine Überraschung dar, weil eine Zunahme des Alkoholkonsums die hauptsächlich angestrebte Folge kommerzieller Kommunikationen sein muss. Es ist schwierig, den Zusammenhang zwischen den Ausgaben für kommerzielle Kommunikationen oder der Existenz bzw. dem Fehlen eines Verbots von Alkoholwerbung in einem Rechtssystem einerseits und dem Trinkverhalten junger Menschen andererseits zu untersuchen. Dort, wo solche Untersuchungen dennoch durchgeführt wurden, haben einige Studien ergeben, dass höhere Werbeausgaben in Zusammenhang mit einer Zunahme der alkoholbedingten Schäden bei Jugendlichen stehen und absolute Verbote alkoholbedingte Schädigungen verminderten. In anderen Studien konnte dies jedoch nicht nachgewiesen werden. Im Allgemeinen scheinen jüngere Studien stärkere Auswirkungen kommerzieller Kommunikationen festgestellt zu haben. Somit wäre der Nachweis erbracht, dass das Ausmaß, in dem Alkoholwerbung in gewissen Medienund Publikationskategorien erlaubt ist, genau bestimmt werden muss, und es wäre naheliegend, wie schon bei Tabakerzeugnissen ein Verbot von Werbung für Alkoholprodukte im Fernsehen und Radio und in spezifischen festgelegten Printmedien in Erwägung zu ziehen. Wissenschaftliche Belege dafür, dass die nichtgesetzliche Regulierung kommerzieller Kommunikationen Auswirkungen auf den Inhalt oder die Menge von Werbung hat, sind nicht verfügbar Wissenschaftliche Belege, die die Wirksamkeit der nichtgesetzlichen Regulierung prüfen oder zeigen, dass sie erfolgreich den Inhalt kommerzieller Kommunikationen reguliert oder deren Menge reduziert, sind nicht verfügbar. Andererseits veranschaulichen das Belegmaterial und Erfahrungswerte, dass Selbstregulierung 7 nicht zur Vermeidung der Art von Marketing führt, die jüngere Menschen beeinflussen kann. Man könnte einwenden, dass die Selbstregulierung in dem Maße Wirkung entfalten könnte, in dem es eine zeitgemäße und glaubhafte Androhung einer staatlichen Regulierung gibt. Des Weiteren könnte berücksichtigt werden, dass vom Standpunkt der Regierungen aus die Bewilligung einer durch den betroffenen Wirtschaftszweig vorgenommenen Selbstregulierung zu einem Verlust von politischer Kontrolle über die Vermarktung eines Produkts führt, das schwerwiegende Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit hat, sofern nicht Industrieabläufe im Zusammenhang mit den Normen für Alkoholwerbung in einen rechtlichen Rahmen eingefasst und von einer Regierungsbehörde überwacht und geprüft werden. Ansätze bei der Aufklärung können nicht als Alternativen im Rahmen der Alkoholpolitik zur Regulierung der Vermarktung von Alkohol, z. B. in Form von Werbung, angesehen werden Obwohl Ansätze im Bereich der Aufklärung zur Verminderung der durch Alkohol verursachten Schädigung von Jugendlichen rein intuitiv verlockend sind, so deuten theoretische Belege darauf hin, dass sie vermutlich keine nachhaltige Verhaltensänderung in einer Umgebung erreichen können, in der viele miteinander konkurrierende Botschaften in Form von Marketing und den Alkoholkonsum fördernden sozialen Normen aufgenommen werden und in der Alkohol leicht beschafft werden kann. Dies wird durch eine umfassende Belegsammlung bestätigt, die zeigt, dass Ansätze im Bereich der Aufklärung bei der Verminderung der Schädigungen von Jugendlichen durch Alkohol weitestgehend erfolglos sind. Somit können Ansätze im Bereich der Aufklärung nicht als alkoholpolitische Alternative zur Regulierung der Vermarktung von Alkohol, z. B. über den Preis, die Verfügbarkeit und die Werbung, angesehen werden. Drei Viertel der europäischen Bürger befürworten das europaweite Verbot von auf Jugendliche abzielender Alkoholwerbung Erfahrungen aus anderen Bereichen und Richtlinien belegen, dass es durchaus möglich ist, kommerzielle Kommunikationen sowohl in herkömmlichen als auch in nicht herkömmlichen Medien zu regulieren. Die EU-Tabakrichtlinie von 2003 hat gezeigt, dass die Werbung für Tabakerzeugnisse in Rundfunk und Fernsehen sowie in den Printmedien durchaus verboten und entsprechendes Sponsoring im Sport untersagt werden kann. Würde ein solches Verbot für Alkoholprodukte eingeführt, ergäben sich für den Medienbereich keine oder nur geringfügige Anpassungskosten. Neben der Besteuerung und Verkaufsbeschränkung würde ein Werbeverbot eine der kosteneffektivsten Möglichkeiten zur Verminderung alkoholbedingter Gesundheitsbeeinträchtigungen und vorzeitiger Todesfälle in der Europäischen Union darstellen. Drei Viertel der europäischen Bürger befürworten das europaweite Verbot von auf Jugendliche abzielender Alkoholwerbung. Der Schaffung eines europäischen Äquivalents zum US Centre on Alcohol Marketing and Youth zur Überwachung des Kontakts von Jugendlichen mit kommerziellen Kommunikationen muss dringend Beachtung geschenkt werden. Unter Nutzung von den Industrienormen entsprechenden Datenquellen und Methoden, die Werbeagenturen und Werbetreibenden zur Verfügung stehen, muss die anhand der Ausgaben und dem Kontakt der Jugendlichen zu kommerziellen Kommunikationen gemessene Menge dieser kommerziellen Kommunikationen überwacht, zurückverfolgt und in jährlichen Berichten über jeden Mitgliedstaat und die Europäische Union als Ganzes gemeldet werden. Die Exposition der Jugendlichen sollte mit der Zusammensetzung der jugendlichen Zielgruppe in Beziehung gesetzt werden. Unter Nutzung von Daten aus Regierungs- und Nichtregierungsquellen müssen die Verbreitung, der Inhalt und die Einhaltung von 8 Bestimmungen für kommerzielle Kommunikationen dokumentiert, zurückverfolgt und in jährlichen Berichten vorgestellt werden. Das ELSA-Projekt liefert die Basis für diese Arbeit. Es müssen beträchtliche Investitionen in die Finanzierung zusätzlicher Längsschnittstudien zur Bewertung der Auswirkungen kommerzieller Kommunikationen in einer Bandbreite von Medien und einer Vielzahl europäischer Kulturen auf das Trinkverhalten von Jugendlichen getätigt werden. 9 1. EINFÜHRUNG Alkohol ist ein ubiquitärer Giftstoff, der nahezu jedes System oder Organ des Körpers schädigen kann. Alkoholische Getränke sind im Wesentlichen vermarktete Produkte, deren Identitäten über ein komplexes Gemisch von Marketing-Verfahren geschaffen werden, z. B. über herkömmliche Werbung und Sponsoring, Verlosungen, Gutscheine, Produktplatzierung, Entwicklung neuer Produkte, Einsatz von Werbematerialien am Verkaufsort und Angebotsaktionen, Eins-zu-eins-Marketing und virales Marketing, Vertrieb und Verkauf von Markenware und über den Einsatz modernerer Technologien wie Mobiltelefone und das Internet. Kommerzielle Kommunikationen können als alle Arten von Werbung, Direktmarketing, Sponsoring, Verkaufsförderung und Öffentlichkeitsarbeit für Produkte und Dienstleistungen definiert werden. Sie werden derzeit sowohl auf gesetzlichem als auch auf nichtgesetzlichem Wege geregelt. Die Ausgaben für herkömmliche weltweite Werbung der neun führenden Hersteller von alkoholischen Getränken betrugen 2004 insgesamt über 2,5 Milliarden €. Dabei handelt es sich wahrscheinlich nur um ein Drittel der Gesamtwerbeausgaben dieser Unternehmen, wenn man auch nichttraditionelle Werbemethoden berücksichtigt. Angaben über die Ausgaben für nicht herkömmliche Werbung müssen zugänglich gemacht werden, und die Forschung zu den Auswirkungen nicht herkömmlicher Marketingstrategien muss mit den aktuellen technischen Neuerungen Schritt halten. Alkohol ist kein gewöhnlicher Handelsartikel (Babor et al. 2003), sondern vielmehr ein ubiquitärer Giftstoff, der nahezu jedes System oder Organ des Körpers schädigen kann, bereits bestehende psychische oder physische Erkrankungen verschlimmert und in Kombination mit anderen illegalen Drogen zu Nebenwirkungen führt (Anderson & Baumberg 2006). Nach dem Konsum einer bestimmten Menge Alkohol zeigen sich große individuelle Abweichungen bei seiner Giftwirkung, und es gibt keinen Schwellenwert, bis zu dem Alkoholkonsum als vollkommen risikolos angesehen werden kann. Alkohol kann zu einem Abhängigkeitszustand, Depressionen und der Stimulation des zentralen Nervensystems führen; dabei gibt es keine Möglichkeit herauszufinden, ob eine Person suchtgefährdet ist oder nicht. Trinkalkohol spielt unter den vielen Markenkonsumgütern, die insbesondere Jugendliche vermehrt als Möglichkeit nutzen, ihre Identität und ihren Platz in der Welt zu demonstrieren, eine herausragende Rolle. Die Hersteller von und Händler mit Trinkalkohol, von denen viele weltweit operierende Konzerne sind, setzten hochentwickelte verkaufsfördernde Verfahren ein, um auf bestimmte Gruppen wie Erstkonsumenten, jugendliche regelmäßige Konsumenten und jugendliche Gewohnheitskonsumenten abzuzielen. Diese Vermarktung findet über eine Vielzahl von Kanälen (Jugendradio, Fernsehen, Veranstaltungen, Webseiten, Mobiltelefone) und auf verschiedene Art und Weise (Werbung, Sponsoring, Markenbildung) statt. Diese Art der Vermarktung von Alkohol bei Jugendlichen steht an der Spitze des sogenannten post-modernen Marketings. Werbung und Markenbildung werden so gestaltet, dass sie vorherrschende Darstellungen der Jugendkultur und Lebensstile der Jugendlichen widerspiegeln und zum Ausdruck bringen. Die Verkaufsförderung bleibt niemals auf ein und demselben Stand, nicht einmal auf etablierten Märkten, da durch das Älterwerden ständig neue Gruppen von jungen Menschen als Zielgruppe für Vermarktungsaktivitäten zur Verfügung stehen. Marktsegmentierung und Zielgruppenorientierung werden von der Alkoholindustrie eingesetzt um 10 sicherzustellen, dass Werbung in bedeutendem Umfang dort platziert wird, wo sie eher von Jugendlichen wahrgenommen wird als von Erwachsenen. Produktplatzierung gegen Bezahlung in Filmen, im Fernsehen, in Büchern und Videospielen stellt eine weitere Möglichkeit dar, alkoholische Getränke in das Alltagsleben junger Menschen einzubetten. 1.1. KOMMERZIELLE KOMMUNIKATIONEN UND IHRE REGULIERUNG Kommerzielle Kommunikationen Eine vollständige Marketingstrategie umfasst fünf Schritte: Produktentwicklung, Preiskalkulation, physische Verfügbarkeit, Marktsegmentierung und Zielgruppenorientierung sowie Werbe- und Verkaufsförderungskampagnen (Cowan und Mosher 1985; Kotler 1992). Im Grünbuch der Kommission zu kommerziellen Kommunikationen im Binnenmarkt werden kommerzielle Kommunikationen als "sämtliche Formen von Werbung, Direktmarketing, Sponsoring, Verkaufsförderung und Öffentlichkeitsarbeit" definiert. Kommerzielle Kommunikationen können Folgendes umfassen: Werbung für alkoholische Getränke im Fernsehen, Radio, Internet, auf Reklamewänden und über andere für die Öffentlichkeit sichtbare Medien; Etikettierung und Verpackung von alkoholischen Getränken (hinsichtlich verkaufsfördernder Aspekte); Verkaufsförderung für alkoholische Getränke; Werbung mit niedrigeren Preisen für alkoholische Getränke; Werbung mit Mengenrabatten beim Kauf alkoholischer Getränke; Sponsoring von Veranstaltungen (Sport- u. Kulturveranstaltungen oder sonstige) durch die Verkaufsförderung für alkoholische Getränke; Verteilen von Proben oder Verkaufsförderung für alkoholische Getränken im direkten Kontakt; Platzierung und Vorstellung alkoholischer Getränke an Verkaufspunkten; Werbung mit Einsatz von Mobiltelefonen (z. B. SMS-Werbung); offenes Sponsoring (z. B. von TV-Sendungen oder Veranstaltungen); sowie bezahlte Produktplatzierung. Im Überblick werden nur kurz die Auswirkungen der Preissetzung und Verfügbarkeit erwähnt, da diese Aspekte schon an anderer Stelle im Detail thematisiert wurden (Anderson & Baumberg 2006). Regulierung kommerzieller Kommunikationen Regulierung setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen: Gesetzgebung (Definition geeigneter Regeln); Durchsetzung (Einleitung von Maßnahmen bei Gesetzesverstößen); und Rechtsprechung (Entscheidung darüber, ob ein Gesetzesverstoß stattgefunden hat und Verhängen einer angemessenen Strafe) (Swire 1997). Als gesetzliche Regulierung bezeichnet man in das Gesetz eingebettete und von der nationalen Regierung erlassene Regelungen. Nichtgesetzliche Regulierung umfasst freiwillige Verfahrensregeln, Satzungen und Leitlinien. Der Begriff "Selbstregulierung" bezieht sich darauf, dass die Wirtschaft und nicht die Regierung die Regulierung vornimmt. Dennoch ist es nicht notwendigerweise so, dass eine Mitwirkung der Regierung vollkommen ausgeschlossen ist. Anstatt alle drei Bereiche der Regulierung zu übernehmen, kann die Wirtschaft auch an einem oder an zweien beteiligt sein. Zum Beispiel kann ein Wirtschaftszweig im Stadium der Gesetzgebung mitwirken, indem er 11 Verfahrensregeln entwickelt, die Durchsetzung aber der Regierung überlassen, oder die Regierung kann Bestimmungen erlassen, die Durchsetzung aber dem privaten Sektor übertragen. Manchmal ordnet die Regierung an, dass ein Wirtschaftszweig Vorschriften zur Selbstregulierung verabschiedet und durchsetzt. Häufig verpflichtet sich ein Wirtschaftszweig zur Selbstregulierung in dem Versuch, eine Regulierung seitens der Regierung abzuwehren. Alternativ kann eine Selbstregulierung vorgenommen werden, um die Gesetzgebung einzuführen oder zu ergänzen (Kuitenbrower 1997). Der Begriff "Koregulierung" wird manchmal verwendet, wenn die Vorschriften von Regierungsbehörden in Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Wirtschaft entwickelt, angewandt und durchgesetzt werden (siehe Caswell und Maxwell 2005). In Großbritannien beispielsweise wird Radio- und Fernsehwerbung gemeinsam von Ofcom, einer zur Prüfung des Kommunikationssektors verpflichteten staatlichen Behörde für die Beaufsichtigung des Inhalts und der Struktur dieses Sektors, und einer Einrichtung der Wirtschaft, der Advertising Standards Authority (Instanz für Werbenormen), die zu einer zentralen Anlaufstelle für alle Beschwerden über die Werbenormen und von Seiten der Verbraucher geworden ist, reguliert. 1.2. INVESTITIONEN IN KOMMERZIELLE KOMMUNIKATIONEN In der weltweit agierenden Bier- und Spirituosenindustrie ist eine kleine Anzahl von Unternehmen führend (Impact Databank 2005). Seit 2004 wurden 60 Prozent der weltweiten Markenspirituosen von den zehn größten Unternehmen vermarktet. Während der letzten 15 Jahre ist der Konzentrationsgrad durch zahlreiche Fusionswellen hindurch stabil geblieben, die zu einem Wachstum der fünf führenden Unternehmen (jetzt mit einem Marktanteil von nahezu 50%) im Verhältnis zum restlichen Markt führten. Die Mehrheit des Marktanteils für weltweit unter einer Marke vertriebene Biere konzentriert sich dagegen erst seit kurzem in den Händen der zehn größten Brauereien, von denen die fünf führenden Brauer etwa die Hälfte des Weltmarktes direkt kontrollieren. Sechs der 20 führenden Hersteller alkoholischer Getränke befinden sich unter den 100 größten Werbetreibenden in der Welt, deren Ausgaben sich stark in den USA und in Europa konzentrieren (Endicott 2005). Die Gesamtwerbeausgaben der neun führenden Unternehmen für alkoholische Getränke allein beliefen sich 2004 auf über 2,5 Milliarden €. Wenn hierbei auch nicht erfasste Werbeaktivitäten wie Sponsoring, Produktplatzierung, Werbemaßnahmen auf Universitätsgeländen sowie Werbung am Verkaufsort berücksichtigt werden, ist diese Zahl vermutlich drei Mal größer. Die oben aufgeführten Zahlen für die Werbeausgaben beziehen sich nur auf herkömmliche oder erfasste Werbemaßnahmen. In diesem Bereich wird über das Marketing von Alkohol eine sehr intensive Werbeexposition der Bevölkerung erzielt, sowohl von Personen über dem gesetzlichen Mindestalter für den Konsum von Alkohol als auch von jüngeren. Alkoholprodukte herstellende Unternehmen setzen typischerweise eine Mischung von nicht erfassten Maßnahmen ein, die sowohl auf die Marke als auch auf den kulturellen, religiösen und regulatorischen Hintergrund abgestimmt ist. So ist das Sponsoring ein weites Tätigkeitsfeld, z. B. Sponsoring von Sportveranstaltungen, Modenschauen und Schönheitswettbewerben auf dem Universitätsgelände, von Sportereignissen an Universitäten, Musiksendungen im Radioprogramm, Radiosendungen mit Zuhöreranrufen, sowie Maskenbällen am Jahresende an Stränden oder in Parks (Jernigan und Obot 2006). Angesichts von Beschränkungen des Marketings haben die Hersteller von Alkoholprodukten ihre Markennamen in andere Bereiche eingebracht, z. B. in Waren wie Comics, Sportsammelkarten und CDs. 12 Die Produktplatzierung in Film und Fernsehen ist eine andere Möglichkeit, um die Wahrnehmung von Alkoholmarken zu verstärken. Laut der Webseite von AnheuserBusch hat dieses Unternehmen in den letzten 20 Jahren seine Produkte in folgenden Filmen platziert: Die Hochzeits-Crasher, Batman Begins, Seabiscuit – Mit dem Willen zum Erfolg, Spider Man, Oceans Eleven, Terminator 3, Voll auf die Nüsse – Dodgeball, Collateral, Good Will Hunting, Besser geht's nicht, Jerry Maguire – Spiel des Lebens, Gottes vergessene Kinder, Mission Impossible, Ace Ventura: Pet Detective, Forrest Gump, Das Schweigen der Lämmer, Platoon, Dirty Dancing, Die Waffen der Frauen, Top Gun, Rain Man, Erin Brockovich und Unheimliche Begegnung der dritten Art. Produktplatzierung ist auch in der Pop-Musik, insbesondere im Rap und Hip-hop, beliebt geworden. Alkoholwerbung im Internet überschreitet leicht nationale Grenzen (und Regulierungen). Forscher in den USA haben herausgefunden, dass eine große Anzahl Minderjähriger den Webseiten von Markenalkoholprodukten tiefer gehende Besuche abstatten (d. h. Besuche, die über die Bildschirmansicht zur Prüfung des Alters zu Beginn der Webseite zu einem Alkoholprodukt hinaus gehen) (Center on Alcohol Marketing and Youth 2004). Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2003 über Webseiten von Alkoholprodukten sind diese Seiten voll mit "heiklen Inhalten", die insbesondere auf Jugendliche eine anziehende Wirkung haben können, z. B. Videospiele, herunterladbare Audio- und Videodateien und Bildschirmschoner, Funktionen zum Erstellen des eigenen Musikvideos, Möglichkeiten, sich online ein virtuelles Ich zu schaffen und mit anderen zu interagieren, praktische WitzPostkarten und lustige individuelle anpassbare E-Mail-Funktionen, die den Vorteil aufweisen, aus Nutzern Werbetreibende zu machen und sie in das "virale" Marketing einzubinden, so dass sie unbemerkt gegenüber ihren Freunden zu Verkaufsförderern für die jeweilige Marke werden, wenn sie elektronische Grußkarten etc. dieser Marke versenden. 1.3. BEI DER ERSTELLUNG DES BERICHTS ANGEWANDTE METHODE Aufgrund beschränkter Ressourcen und der nur in begrenztem Umfang veröffentlichten Literatur ist dieser Bericht keine Reihe von neuen Meta-Analysen oder von formalen, auf systematischen Rezensionen basierenden Synthesen, sondern vielmehr eine umfassende Rezension auf der Grundlage systematischer Suchläufe nach veröffentlichten Rezensionen, systematischen Rezensionen, MetaAnalysen und Einzelarbeiten. Überraschenderweise und anders als bei Tabakerzeugnissen konnten keine offiziellen systematischen Synthesen oder MetaAnalysen zu den Auswirkungen kommerzieller Kommunikationen auf das Trinkverhalten Jugendlicher ermittelt werden. Zunächst einmal wurde Quellmaterial bei Anderson & Baumberg (2006) aufgespürt und zusätzliches Quellmaterial zur Aktualisierung der faktengesicherten Grundlage durch eine Literatursuche über PubMed 2 , MEDLINE 3 und PsychINFO 4 mit den folgenden Suchbegriffen ermittelt: Alkoholkonsum + Jugendliche + Kino Alkoholkonsum + Jugendliche + Filme Alkoholkonsum + Jugendliche + Radio 2 http://www.pubmedcentral.nih.gov/ http://medline.cos.com/ 4 http://www.psycinfo.com/ 3 13 Alkoholkonsum + Jugendliche + Zeitungen Alkoholkonsum + Jugendliche + Zeitschriften Alkoholkonsum + Jugendliche + Plakate Alkoholkonsum + Jugendliche + Reklamewände Alkoholkonsum + Jugendliche + Fernsehen Alkoholkonsum + Jugendliche + Verkaufsförderung Alkoholkonsum + Jugendliche + Werbung Alkoholkonsum + Jugendliche + Kommunikation Alkoholkonsum + Jugendliche + Telekommunikation Alkoholkonsum + Jugend + Kino Alkoholkonsum + Jugend + Filme Alkoholkonsum + Jugend + Radio Alkoholkonsum + Jugend + Zeitungen Alkoholkonsum + Jugend + Zeitschriften Alkoholkonsum + Jugend + Plakate Alkoholkonsum + Jugend + Reklamewände Alkoholkonsum + Jugend + Fernsehen Alkoholkonsum + Jugend + Verkaufsförderung Alkoholkonsum + Jugend + Werbung Alkoholkonsum + Jugend + Kommunikation Alkoholkonsum + Jugend + Telekommunikation Alkoholwerbung Alkoholreklame Verkaufsförderung für Alkoholprodukte Die Titel und Kurzzusammenfassungen der mit dieser Suchstrategie ermittelten Literaturhinweise wurden im Hinblick auf ihre Relevanz für den Bericht geprüft, beschafft und der jeweiligen Kapitelüberschrift des Berichts zugeordnet. Der Bericht hängt von der verfügbaren veröffentlichten Literatur ab, die nicht immer für alle Länder, Kulturen und Bevölkerungsgruppen repräsentativ ist. Obwohl die Literaturgrundlage in Europa wächst (Sanchez-Carbonell et al. 2005), ist die nordamerikanische Literatur immer noch deutlich zahlreicher. Im Bericht werden die für die Alkoholpolitik modifizierten Definitionen der evidenzbasierten Medizin angewandt. Dies kann als "gewissenhafte, explizite und überlegte Nutzung der derzeit besten Fakten bei informierten Entscheidungen zur Alkoholpolitik durch einen Ansatz definiert werden, der die Sammlung, Auswertung und Integration von zutreffenden, wesentlichen und anwendbaren aus der Forschung gewonnenen Fakten, die die Alkoholpolitik unterstützen können, fördert". Wird ein evidenzbasierter Ansatz übernommen, muss auf die Bedeutung seiner pragmatischen und realistischen Umsetzung hingewiesen werden. So stellt Gray (Gray 2001) fest: "Das fehlen herausragender Fakten macht die evidenzbasierte Entscheidungsfindung nicht unmöglich; was erforderlich ist, sind die besten verfügbaren Fakten und nicht die bestmöglichen Fakten". Es sollte zur Kenntnis genommen werden, dass ein Großteil der Literatur in den Kapiteln 5 und 6, in denen die Auswirkungen der Werbung auf die Einstellungen und Erwartungen der Jugendlichen und auf ihr Verhalten beschrieben werden, Querschittsstudien sind, von denen in einigen versucht wurde, über ihre Gestaltung Kausalitätsprobleme zu überwinden. Dennoch eröffnen Datensätze aus Querschnittsstudien die Möglichkeit, unterschiedliche Modelle anzuwenden, die den Daten ebenso gerecht werden, und können keine beweiskräftigen Belege für eine Kausalität liefern. Besonderes Gewicht wird auf Längsschnittstudien gelegt, die eine grundlegende Aufstellung der abhängigen Variablen sowie anderer relevanter Störfaktoren umfassen (z. B. Robinson et al. 1998; Wingood et al. 2003; Stacy et al. 14 2004; Ellickson et al. 2005; Sargent et al. 2006; Snyder et al. 2006 sowie McClure et al. 2006, Tabelle 8, Kapitel 6). Diese Längsschnittstudien liefern stichhaltige Beweise für die Auswirkungen der Werbung und des Medienkontakts auf das Trinkverhalten der Jugend. Das schnelle Wachstum der Informationstechnologie und insbesondere des Internets gibt den Herstellern neue Möglichkeiten zur Verkaufsförderung. Kommerzielle Webseiten von Alkoholherstellern sind leicht für Jugendliche zugänglich und werden oft über Suchmaschinen bei damit nicht in Zusammenhang stehenden Suchen nach Schlüsselwörtern für Spiele, Unterhaltung, Musik, Wettbewerbe und kostenlose Bildschirmschoner geöffnet. Die Inhaltsanalyse von Webseiten, für die große Hersteller von Alkoholprodukten als Betreiber registriert sind, zeigen, dass diese auf jugendliche Alkoholkonsumenten durch die Glorifizierung der Jugendkultur mittels Humor, im Trend liegender Sprache, interaktiver Spiele und Wettbewerbe, AudioDownloads von Rockmusik und Gemeinschaften bildende Chat-Rooms und OnlinePinnwände abzielen. Der Forschung zu den Auswirkungen dieser Marketingstrategien auf den Alkoholkonsum und alkoholbedingte Schädigungen ist es keineswegs gelungen, mit den technologischen Innovationen auf dem Markt Schritt zu halten. 1.4. GLIEDERUNG DES BERICHTS In Kapitel 2 des Berichts wird der aktuelle Stand der Regulierung von kommerziellen Kommunikationen auf europäischer und nationaler Ebene beschrieben. Die Beschreibung der Situation in den Ländern basiert auf dem ELSA-Bericht über die bestehende Regulierung der Werbung für und der Vermarktung von Alkohol (ELSA 2007a). In Kapitel 3 werden Jugendliche und ihr Alkoholkonsum unter Thematisierung des Maßes, in dem Jugendliche Gefahr laufen, alkoholbedingte Schädigungen zu erleiden, der Verfügbarkeit von speziell für Jugendliche hergestellten Alkoholprodukten und der Auswirkungen des Preises und der Verfügbarkeit auf den Konsum der Jugendlichen sowie auf alkoholbedingte Schäden beschrieben. In Kapitel 4 geht es um die Frage, ob Jugendliche für kommerzielle Kommunikationen empfänglich sind, welche Arten von Medien zur Verkaufsförderung von Alkoholprodukten bei Jugendlichen eingesetzt werden, und ob kommerzielle Kommunikationen auf Jugendliche ausgerichtet sind. In Kapitel 5 werden Belege für die Auswirkungen kommerzieller Kommunikationen auf die Beeinflussung der Einstellungen von Jugendlichen zu Alkohol und ihren Wunsch, Alkohol zu trinken, präsentiert, und in Kapitel 6 werden Belege für die Auswirkungen kommerzieller Kommunikationen auf das Trinkverhalten der Jugendlichen beschrieben. In Kapitel 7 wird die nichtgesetzliche Regulierung des Inhalts und der Menge kommerzieller Kommunikationen behandelt, und in Kapitel 8 werden Belege dafür untersucht, ob alkoholpolitische Maßnahmen wie Aufklärung und Überzeugungsarbeit eine wirksame Alternative zur Regulierung kommerzieller Kommunikationen sind oder nicht. In Kapitel 9 werden Möglichkeiten der Regulierung kommerzieller Kommunikationen und die Frage, wie sich ihre möglichen Auswirkungen im Vergleich zu anderen alkoholpolitischen Maßnahmen darstellen, behandelt. Schließlich werden in Kapitel 15 10 Empfehlungen dazu unterbreitet, wie kommerzielle Kommunikationen überwacht und bewertet werden können. 2. REGULIERUNG KOMMERZIELLER KOMMUNIKATIONEN IN EUROPA Die einzige gesetzliche Regelung auf europäischer Ebene ist die Richtlinie "Fernsehen ohne Grenzen", die derzeit geprüft wird und Artikel umfasst, die sich auf den Inhalt von Alkoholwerbung beziehen, aber keine Anforderungen hinsichtlich der Menge der Werbung stellen. Es gibt keine zuständige Stelle, die uns darüber informiert, inwieweit diese Richtlinie umgesetzt wird. Auf europäischer Ebene gibt es darüber hinaus die Empfehlung des Rates zum Alkoholkonsum von jungen Menschen, die eine Anzahl von Empfehlungen zum Inhalt von Alkoholwerbung umfasst, sowie eine Empfehlung, die sich teilweise mit der Menge befasst (Werbung in Medien, die auf Kinder und Jugendliche abzielen oder die eine erhebliche Zahl von Kindern und Jugendlichen erreichen). Die Empfehlung ist rechtlich nicht bindend, und auch hier gibt es keine Stelle, die uns darüber informiert, inwieweit die Empfehlung umgesetzt wird. Alle europäischen Länder verfügen über mindestens eine Bestimmung, die die Vermarktung von Alkohol und Alkoholwerbung abdeckt; davon sind in 24 Staaten 49 Bestimmungen gesetzlich und 27 nichtgesetzlich. Die meisten Staaten befassen sich mit fast allen Elementen der Empfehlung des Rates; dabei wird das die Menge beschränkende Element eher mittels einer gesetzlichen Bestimmung abgedeckt als durch eine nichtgesetzliche Bestimmung. In allen Staaten – mit Ausnahme des Vereinigten Königreichs – gibt es ein wie auch immer geartetes Verbot einer oder mehrerer Arten von Werbung. Die häufigsten Verbote beziehen sich auf bestimmte Tageszeiten (Watershed-Methode) für bestimmte Getränke und Medien, die üblicherweise durch gesetzliche Bestimmungen und nicht durch nichtgesetzliche Bestimmungen geregelt werden. Alle Länder verfügen über Verfahren zur Überwachung kommerzieller Kommunikationen, die allerdings in den häufigsten Fällen in einer Möglichkeit zur Beschwerde bestehen. Eine systematische Suche nach Verstößen wird in den meisten Ländern eher durch gesetzliche Bestimmungen als durch nichtgesetzliche Bestimmungen durchgeführt. Wie auf europäischer Ebene gibt es keine zuständige Stelle, die uns darüber informiert, inwieweit die Bestimmungen auf nationaler Ebene umgesetzt werden. Es spricht vieles dafür, dass die Unterschiede zwischen den Staaten hinsichtlich der Bestimmungen abgeschafft und zu diesem Zweck die Vorschriften bezüglich der Werbung für Alkoholprodukte angeglichen und das Ausmaß, in dem Alkoholwerbung in bestimmten Kategorien von Medien und Veröffentlichungen erlaubt ist, spezifiziert werden sollten. 2.1. BESTIMMUNGEN AUF EUROPÄISCHER EBENE Die einzige gesetzliche Regelung auf europäischer Ebene ist die Richtlinie "Fernsehen ohne Grenzen", die derzeit geprüft wird. In Artikel 15 der Richtlinie heißt es, dass Werbung für alkoholische Getränke folgende Kriterien erfüllen muss: (a) sie darf nicht speziell auf Minderjährige abzielen und vor allem keine diese Getränke konsumierenden Minderjährigen zeigen; 16 (b) sie darf Alkoholkonsum nicht in Zusammenhang mit verstärkter körperlicher Leistungsfähigkeit oder dem Steuern eines Fahrzeugs bringen; (c) sie darf nicht den Eindruck vermitteln, dass Alkoholkonsum zu sozialem oder sexuellem Erfolg beiträgt; (d) in ihr darf weder behauptet werden, dass Alkohol therapeutische Eigenschaften oder eine stimulierende Wirkung besitzt, noch dass er ein Beruhigungsmittel oder ein Mittel zur Lösung persönlicher Konflikte ist; (e) sie darf den maßlosen Alkoholkonsum nicht fördern oder Abstinenz und Mäßigung in einem negativen Licht darstellen, und (f) sie darf einen hohen Alkoholgehalt nicht als positive Eigenschaft der Getränke betonen. Es gibt keine zuständige Stelle, die uns darüber informiert, inwieweit diese Richtlinie umgesetzt wird. Auf europäischer Ebene gibt es des Weiteren die Empfehlung des Rates vom 5. Juni 2001 zum Alkoholkonsum von jungen Menschen, insbesondere von Kindern und Jugendlichen (2001/458/EC), in der es heißt, dass die Mitgliedstaaten 1. in Zusammenarbeit mit den Herstellern alkoholischer Getränke, den Einzelhändlern und betroffenen Nichtregierungsorganisationen die Ausarbeitung wirksamer Verfahren im Bereich der Verkaufsförderung, Vermarktung und des Einzelhandels fördern sollen; (a) um sicherzustellen, dass die Hersteller keine alkoholischen Getränke produzieren, die speziell auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet sind; (b) um sicherzustellen, dass alkoholische Getränke nicht so gestaltet und angepriesen werden, dass sie für Kinder und Jugendliche ansprechend sind, und u. a. folgende Aspekte mit besonderer Aufmerksamkeit zu betrachten: - Einsatz von Stilrichtungen (wie Charaktere, Motive und Farben), die mit der Jugendkultur assoziiert werden, - Einsatz von Kindern, Jugendlichen oder anderen jung aussehenden Modells als Darsteller in Werbekampagnen - Anspielungen auf oder Bilder in Zusammenhang mit dem Konsum von Drogen oder von anderen schädlichen Substanzen wie Tabak, - Verbindungen zu Gewalt und asozialem Verhalten, - Implikation von sozialem, sexuellem oder sportlichem Erfolg, - Ermutigung der Kinder und Jugendlichen zum Alkoholkonsum, z. B. Abgabe von alkoholischen Getränken an Jugendliche zu Niedrigpreisen, - Werbung während oder Sponsoring von sportlichen, musikalischen oder anderen bestimmten Veranstaltungen, an denen eine bedeutende Anzahl von Kindern und Jugendlichen aktiv oder als Zuschauer teilnimmt; - Werbung in auf Kinder und Jugendliche ausgerichteten Medien oder in Medien, die eine bedeutende Anzahl von Kindern und Jugendlichen erreichen, - kostenlose Vergabe von alkoholischen Getränken an Kinder und Jugendliche sowie Verkauf oder kostenlose Vergabe von Produkten, die zur Verkaufsförderung von alkoholischen Getränken eingesetzt werden und die insbesondere Kinder und Jugendliche ansprechen könnten; […] (d) um es den Herstellern zu ermöglichen, sich beraten zu lassen, bevor sie ein Produkt vermarkten oder in ein Produkt investieren sowie vor dem tatsächlichem Start von Marketingkampagnen; (e) um sicherzustellen, dass Beschwerden über Produkte, die nicht gemäß den unter den Punkten (a) und (b) dargelegten Grundsätzen empfohlen, vermarktet oder im Einzelhandel verkauft werden, erfolgreich bearbeitet werden, und dass solche 17 Produkte ggf. aus dem Verkauf genommen und die entsprechenden unangemessenen Marketing- oder Verkaufsförderungsmaßnahmen unterbunden werden können; 2. die maßgeblichen Hersteller- und Handelsorganisationen für alkoholische Getränke dazu drängen sollen, sich selbst dazu zu verpflichten, die oben aufgeführten Grundsätze zu berücksichtigen. Auch hier gibt es keine zuständige Stelle, die uns darüber informiert, inwieweit diese Richtlinie umgesetzt wird. Ende 2006 veröffentlichte die Kommission ihre Mitteilung, eine EU-Strategie zur Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Verringerung alkoholbedingter Schädigungen (Europäische Kommission 2006). In ihr wurde festgestellt, dass besorgniserregende Tendenzen beim Trinkverhalten junger Menschen durch politische Maßnahmen wirksam angegangen werden können, z. B. durch die Durchsetzung von Beschränkungen für die Produktvermarktung, die mit großer Wahrscheinlichkeit einen Einfluss auf Jugendliche hat. Hinsichtlich kommerzieller Kommunikationen jedoch wurde in der Mitteilung die Auffassung vertreten, dass zunehmend Klarheit über diejenigen bewährten Praktiken der Selbstregulierung herrscht, die die Schaffung effektiver Verhaltensparameter für Werbetreibende unterstützen und somit die Werbepraktiken an soziale Erwartungen angleichen, obwohl auch zur Kenntnis genommen wurde, dass im Gemeinschaftsrecht bereits gewisse Aspekte kommerzieller Kommunikationen geregelt und einige Instrumentarien derzeit geprüft und aktualisiert werden. Die Kommission vertrat die Auffassung, dass ihr Hauptziel darin bestehe, Maßnahmen der Europäischen Union (EU) und der nationalen/lokalen Regierungen zu unterstützen, um die unverantwortliche Vermarktung alkoholischer Getränke zu vermeiden und regelmäßig Tendenzen in der Werbung und Besorgnis erregende Punkte im Hinblick auf Werbung, z. B. für Alkohol, zu prüfen. Eine Zielsetzung dieser gemeinsamen Bemühungen besteht darin, eine Einigung mit Vertretern verschiedener Sektoren (Gaststättengewerbe, Einzelhandel, Hersteller und Medien/Werbebranche) auf einen Kodex für kommerzielle Kommunikationen mit auf nationaler und europäischer Ebene eingeführten Maßstäben zu erreichen. Als Teil dieses Ansatzes kündigte die Kommission an, dass die Auswirkungen dieser im Zuge der Selbstregulierung erstellten Normen auf das Trinkverhalten der Jugendlichen und die Befolgung solcher Normen durch die Wirtschaft überwacht werden. Dabei werden unabhängige Parteien dazu aufgefordert, die Effizienz und die Ergebnisse der im Rahmen der Selbstregulierung ausgearbeiteten Normen vor dem Hintergrund der vereinbarten Maßstäbe zu überprüfen. Den Organisationen der Alkoholwirtschaft wird es so ermöglicht, ihre Zielsetzungen entsprechend anzupassen. 2.2. BESTIMMUNGEN AUF NATIONALER EBENE Mit dem ELSA-Projekt wurden die Verbreitung und die Arten von sich auf kommerzielle Kommunikationen beziehenden Regulierungen dokumentiert. Die Ergebnisse werden im Folgenden zusammengefasst (ELSA 2007a). Verbreitung der Bestimmungen Eine Überprüfung von 24 europäischen Ländern ergab, dass es in allen Ländern zumindest eine Bestimmung für die Vermarktung von Alkohol und Alkoholwerbung gibt. Die meisten Länder verfügen sogar über mehrere. Insgesamt wurde von 79 Bestimmungen berichtet (49 gesetzliche und 27 nichtgesetzliche), s. Tabelle 1. 23 Länder verfügten über eine oder mehrere Formen gesetzlicher Regulierung, und 17 18 über eine oder mehrere Formen nichtgesetzlicher Regulierung. In einem Staat (UK) gab es eine Koregulierung auf der Grundlage eines Vertrags zwischen der staatlichen Behörde und der nicht staatlichen für Werbung zuständigen Stelle. In sechs Staaten gab es ausschließlich gesetzliche Regelungen, und zwei Länder verfügten praktisch über keine gesetzliche Regelung: Großbritannien (nichtgesetzliche Regulierung und Koregulierung) und die Niederlande (die bestehende gesetzliche Regelung ist nicht in Kraft getreten und kann dies ohne eine Ministererklärung auch nicht). Von der Empfehlung des Rates abgedeckte Bereiche Von den 24 Staaten behandelten alle in ihren nationalen Regelungen oder Gesetzen mindestens 4 Bereiche der Empfehlung des Rates. Dabei deckten die meisten Länder sogar fast alle Bestandteile ab, s. Tabelle 2. Es gab in den Ländern dahingehend Unterschiede, dass die verschiedenen Elemente manchmal in gesetzlichen und manchmal in nichtgesetzlichen Bestimmungen inbegriffen sind, s. Tabelle 3. Der die Menge beschränkende Bereich "Medien" wird häufiger durch eine gesetzliche Regelung abgedeckt als durch eine nichtgesetzliche, und die den Inhalt beschränkenden Elemente "Stilrichtungen" und "Gewalt" werden häufiger in nichtgesetzlichen Regelungen behandelt als in gesetzlichen. Verbreitung von Verboten Alle 24 Länder verfügen über mindestens ein Verbot in ihrer nationalen Regelung. Das Vereinigte Königreich bildet die Ausnahme, s. Tabelle 4. Verbote bezüglich bestimmter Örtlichkeiten und bestimmter Zeiten sind am häufigsten, während Verbote bezüglich bestimmter Werbetreibender am seltensten sind. Verbote bezüglich spezifischer Zeiten werden weitgehend durch gesetzliche und eher nicht durch nichtgesetzliche Regelungen bestimmt, s. Tabelle 5. Die meisten Verbote bezüglich spezifischer Zeiten werden üblicherweise für bestimmte Getränke und Medien nach der Watershed-Methode gestaltet. In der Regel beschränken sie die Vermarktung von Alkohol den ganzen Tag oder Nachmittag über bis zu einem Zeitpunkt zwischen 18 Uhr und 22.30 Uhr. Verfahren zur Kontrolle von Verstößen In allen 24 Ländern gibt es mindestens zwei Verfahren zur Überwachung der Regelungen. Portugal bildet die Ausnahme und verfügt über kein Verfahren, s. Tabelle 6. Die Möglichkeit zur Beschwerde ist das häufigste Verfahren (23 Länder), und die Möglichkeit, sich vorab beraten zu lassen, ist das seltenste Verfahren (15 Länder). Die Vorab-Beratung wird prozentual in mehr Staaten durch nichtgesetzliche Regelungen als durch gesetzliche Regelungen eingeführt, und eine systematische Suche nach Verstößen wird im überwiegenden Anteil der Staaten über gesetzliche Regelungen und seltener durch nichtgesetzliche Regelungen eingeführt, s. Tabelle 7. Sanktionen im Zusammenhang mit Verstößen variieren stark und umfassen Geldbußen, Verwarnungen, Abmahnungen, die zeitweise oder vollständige Einstellung der Vermarktungsmaßnahmen oder die Erschwerung des Handels mit dem Produkt aus der fraglichen Werbung. Geldbußen variieren zwischen 2,50 € bis zu 600.000 €. Es ist nicht bekannt, wie häufig die Sanktionen durchgesetzt werden. 19 Tabelle 1 Anzahl der Bestimmungen für die Vermarktung von Alkohol pro Land. Land gesetzlich nichtgesetzlich Koregulierung* Gesamt 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 3 3 4 7 2 5 3 2 1 4 3 4 4 6 3 1 3 2 2 2 5 3 1 5 2 5 79 1 24 Österreich 3 1 Belgien 6 1 Bulgarien 2 0 Tschechische Republik 3 2 Dänemark 2 1 Estland 1 1 Finnland 1 0 Frankreich 1 3 Deutschland 2 1 Ungarn 2 2 Irland 1 3 Italien 4 2 Lettland 3 0 Litauen 1 0 Niederlande 1 2 Norwegen* 2 0 Polen 1 1 Portugal 1 1 Rumänien 5 0 Slowakei 2 1 Slowenien 1 0 Spanien 3 2 Schweden 1 1 Vereinigtes Königreich 2 0 gesamt 49 27 Anzahl der Länder mit dieser Art von 23 17 Regulierung * In Norwegen besteht ein vollständiges Verbot für Alkoholwerbung. c. Kinder d. Drogen e Gewalt f. Erfolg** g. Ermutigung h. Veranstaltung en i . Medien j. kostenlose Abgabe k. sonstige Anzahl der behandelten Bestandteile Österreich Belgien Bulgarien Tschechische Republik Dänemark Estland Finnland Frankreich b. Stilrichtungen Land a. Herstellung Tabelle 2 Bestandteile der Empfehlung des Rates, die in wenigstens einer der Bestimmungen oder Vorschriften eines Landes behandelt werden. nein nein nein ja ja ja ja ja ja nein ja nein ja ja nein ja ja ja ja ja ja ja ja nein ja ja ja nein ja ja ja ja no 8 10 6 nein ja ja nein ja ja ja ja ja ja ja 9 ja ja nein ja ja ja nein ja ja ja ja ja ja ja nein ja ja ja ja ja ja ja ja ja nein ja ja ja nein ja ja ja ja ja ja ja nein nein ja ja nein ja ja ja 7 10 8 11 20 Deutschland ja ja ja ja ja ja ja ja ja nein nein 9 ja ja ja Ungarn ja ja ja ja ja ja ja 10 nein ja ja ja ja Irland ja ja ja ja ja ja ja 11 ja ja Italien ja ja ja ja ja nein nein nein 7 nein ja ja Lettland ja ja ja ja ja nein nein nein nein 7 ja ja ja ja Litauen ja ja ja nein nein nein nein 7 ja ja ja ja Niederlande ja ja ja ja ja nein 9 nein Norwegen* * * * * * * * * * * 0 * ja Polen ja ja ja ja ja nein nein nein 6 nein nein ja ja ja ja Portugal ja ja ja ja ja ja nein 10 ja Rumänien ja ja ja ja ja nein nein 6 nein nein nein ja Slowakei ja ja ja nein nein nein nein nein 4 nein nein ja ja ja Slowenien ja ja ja ja nein nein nein nein 7 ja ja ja ja Spanien ja ja ja ja ja nein 9 nein ja ja ja ja Schweden ja ja ja ja nein nein 8 nein Vereinigtes ja ja ja ja ja ja ja ja ja nein nein 9 Königreich Anzahl der Länder mit 9 17 22 12 21 23 19 17 22 14 12 "ja" * In Norwegen wird keiner der Bestandteile behandelt, da es ein vollständiges Verbot von Alkoholwerbung gibt. ** Besonders dieser Bestandteil spiegelt sich in Artikel 15 der Richtlinie "Fernsehen ohne Grenzen" wider. kostenlose Abgabe Medien Veranstaltun gen Erfolg Gewalt Drogen Kinder Ermutigung (NG) Anzahl der Länder mit G Behandlung dieses Bestandteils in der gesetzl. Regulierung G Anzahl der Länder mit NG Behandlung dieses Bestandteils in der nichtgesetzl. Regulierung NG Stilrichtunge n gesetzlich (G) / nichtgesetzlich Herstellung Tabelle 3 Bestandteile der Empfehlung des Rates, die in wenigstens einer der Bestimmungen oder Vorschriften eines Landes mit Gesetzescharakter behandelt werden. 5 8 20 9 12 20 14 12 20 10 23% 36% 91% 41% 55% 91% 64% 55% 91% 45% 6 14 15 5 16 15 11 6 11 7 35% 82% 88% 29% 94% 88% 65% 35% 65% 41% Tabelle 4 Art der Verbote in wenigstens einer der Bestimmungen oder Vorschriften eines Landes Land Österreich Belgien Bulgarien Tschechische Republik Dänemark iv Produktart ja ja ja vi Werbetreibender ja nein nein Anzahl der abdeckten Verbote 3 4 3 i Ort nein ja nein ii Zeit ja ja ja iii Medium Kanal nein ja ja ja nein nein nein nein 1 ja nein nein nein nein 1 21 ja ja ja ja Estland nein nein Finnland ja nein nein nein ja ja ja nein Frankreich nein ja nein Deutschland nein nein nein ja ja ja ja nein Ungarn ja ja ja ja nein Irland ja ja ja ja nein Italien ja ja nein Lettland nein nein ja ja ja nein Litauen nein ja ja ja nein Niederlande ja Norwegen* * * * * * ja ja ja ja ja Polen ja ja ja nein Portugal nein ja ja ja nein Rumänien nein ja ja nein Slowakei nein nein ja ja ja ja nein Slowenien ja ja ja ja nein Spanien ja ja nein Schweden nein nein Vereinigtes nein nein nein nein nein Königreich Anzahl der 17 17 14 15 2 Länder mit "ja" * In Norwegen wird keine dieser Verbotsarten erwähnt, da es ein vollständiges Verbot von Alkoholwerbung gibt. 4 1 3 1 4 4 4 2 3 4 0 5 3 3 2 4 4 2 0 Tabelle 5 Art der Verbote in wenigstens einer der Bestimmungen oder Vorschriften mit Gesetzescharakter in einem Land Land Anzahl der Länder mit diesem Verbot in der gesetzlichen Regulierung Anzahl der Länder mit diesem Verbot in der nichtgesetzlichen Regulierulng gesetzli ch (G) / nichtgesetzli ch (NG) iv Produktart vi Werbetreibe nder i Ort ii Zeit iii Medium Kanal G 14 15 12 14 2 G 64% 68% 55% 64% 9% NG 7 5 6 5 0 NG 41% 29% 35% 29% 0% 22 Tabelle 6 Art der Verfahren in wenigstens einer der Bestimmungen oder Vorschriften eines Landes systematische Suche nach Verstößen ja ja ja ja Möglichkeit zur Beschwerde ja ja ja ja Sanktionen im Zusammenha ng mit Verstößen ja ja ja ja nein ja ja ja ja ja nein ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja nein ja ja ja nein ja ja ja ja ja ja nein ja ja ja ja ja ja nein ja ja ja ja ja ja 15 19 23 23 VorabBeratung ja ja nein Land Österreich Belgien Bulgarien Tschechische Republik Dänemark Estland Finnland Frankreich Deutschland Ungarn Irland Italien Lettland Litauen Niederlande Norwegen Polen Portugal Rumänien Slowakei Slowenien Spanien Schweden Vereinigtes Königreich Anzahl der Länder mit "ja" nein ja nein ja ja ja ja ja ja nein nein no ja ja ja nein ja nein nein behandelte Verfahren 4 4 3 3 3 3 4 4 4 4 3 4 3 2 4 3 4 0 3 4 3 3 4 4 Tabelle 7 Art der Verfahren in wenigstens einer der Bestimmungen oder Vorschriften eines Landes mit Gesetzescharakter Land gesetzli ch (G / nichtgesetzli ch (NG) Anzahl der Länder mit diesem Verfahren S in der gesetzlichen Regulierung S Anzahl der Länder mit diesem Verfahren NS in der nichtgesetzlichen Regulierung NG VorabBeratung Systematische Suche Beschwerde Sanktionen 9 17 22 21 39% 74% 96% 91% 13 8 16 14 76% 47% 94% 82% 23 Befolgung der Regelungen Bei systematischen Suchläufen findet man nur sehr wenig Dokumentationsmaterial und kaum wissenschaftliche Studien, in denen die Auswirkungen der Befolgung solcher Regelungen für die Produktvermarktung untersucht werden, d. h. es ist nicht möglich, Rückschlüsse darüber zu ziehen, ob für das Marketing geltende Regelungen befolgt werden (ELSA 2007b). Obwohl es Beschwerden bezüglich einer auf Minderjährige abzielenden Vermarktung gibt, scheint es im Allgemeinen so zu sein, dass Sanktionen nur eine geringe strafende Wirkung und manchmal sogar die gegenteilige Wirkung haben. In Österreich wurde festgestellt, dass in der Öffentlichkeit bekannte Sanktionen die Wirkung der Werbeeffekte verdoppelten, anstatt sie zu verringern (Berka et al. 2006). Heranwachsende fühlen sich insbesondere zu solchen Produkten hingezogen, die kritisiert und von offiziellen Stellen sanktioniert werden. Es scheint jedoch auch keine Lösung zu sein, die Sanktionen privaten Stellen zu übertragen, da dies zu einer Abnahme der Transparenz hinsichtlich der Befolgung der Regelungen führt. In vielen EUMitgliedstaaten gibt es immer noch kein Vorab-Beratungssystem, und in Ländern mit einem solchen Vorab-Beratungssystem mangelt es im Allgemeinen an Transparenz. In einigen Ländern (z. B. im Vereinigten Königreich) ist die Vorab-Beratung sogar vertraulich. Somit kann überall ein Mangel an strukturierten und unabhängigen Bewertungssystemen für die Befolgung von Regelungen festgestellt werden, und daher ist es schwierig, Schlussfolgerungen hinsichtlich der Wirksamkeit und der Einhaltung der Regelungen zu ziehen. Ein umfassendes, strukturiertes System für die Bewertung der Einhaltung der nationalen Regelungen für die Alkoholvermarktung, das unabhängig ist und auf vereinbarten Normen und Methoden basiert, ist erforderlich. Im Idealfall sollte dieses System in der gesamten EU kompatibel und transparent sein, da das Alkoholmarketing über nationale Grenzen hinweg betrieben wird. Dies entspricht einem bedeutenden Teil der Mitteilung der Kommission zum Thema Alkohol, in der unabhängige, die Befolgung der bestehenden Normen prüfende Parteien sowie eine Diskussion über die Einführung gemeinsamer Maßstäbe vorgeschlagen werden (Europäische Kommission 2006). 2.3 SCHLUSSFOLGERUNGEN Es gibt keine zuständige Stelle, die uns darüber informiert, inwieweit die Normen auf europäischer oder nationaler Ebene, die für den Inhalt von Alkoholwerbung gelten, befolgt werden. Rechtsvorschriften scheinen insofern stärker als nichtgesetzliche Regelungen zu sein, als dass sie eher systematische Kontrollen von Verstößen gegen Normen beinhalten und häufiger als nichtgesetzliche Regelungen Einschränkungen der Menge nach sich ziehen. Zwischen den europäischen Staaten bestehen deutliche Unterschiede hinsichtlich ihrer Gesetze, Reglementierung und Verwaltungsbestimmungen in Bezug auf Werbung für Alkoholprodukte. Diese Art von Werbung ist üblicherweise länderübergreifend und umfasst auf internationaler Ebene organisierte Veranstaltungen. Wie bereits bei den Tabakerzeugnissen schaffen die Unterschiede zwischen den nationalen Gesetzgebungen wahrscheinlich zwischen den Staaten zunehmend Barrieren für den freien Verkehr von Produkten oder Dienstleistungen, die solche Werbemaßnahmen unterstützen. Vieles spricht dafür, dass diese Barrieren abgebaut werden und zu diesem Zweck die Vorschriften für die Alkoholwerbung in bestimmten Fällen in ganz Europa angeglichen werden sollten. Es ist insbesondere erforderlich, das Ausmaß zu bestimmen, zu dem Alkoholwerbung in bestimmten Kategorien von Medien und Veröffentlichungen erlaubt ist. Die europäische Rechtsprechung stellt fest, dass es in der Tat nicht von der Hand zu weisen ist, dass Werbung eine Aufforderung zum Konsum darstellt, dass Beschränkungen der Menge der Werbung angemessen sind, um das damit verfolgte 24 Ziel des Schutzes der öffentlichen Gesundheit sicherzustellen, und dass sie nicht über das für die Zielerreichung notwendige Maß hinausgehen (Europäischer Gerichtshof 2004). 25 3. JUGENDLICHE UND ALKOHOLKONSUM Jugendliche laufen besonders stark Gefahr, alkoholbedingte Schädigungen zu erleiden, und sind auf Grund ihrer geringeren Körpergröße und einem Mangel an Erfahrung mit Alkohol anfälliger für solche Schädigungen. Heranwachsende sind vor allem auf Grund der Entwicklung ihres Gehirns, die zu diesem Zeitpunkt stattfindet und besonders schwerwiegend durch die Auswirkungen des Alkoholkonsums beeinträchtigt wird, gefährdet. Je größer die während der Jugend konsumierte Alkoholmenge ist, desto größer ist die Gefahr, als junger Erwachsener mit bestimmten Problemen konfrontiert zu werden, z. B. ein erhöhtes Risiko der Alkoholabhängigkeit. Obwohl die Tendenzen während der letzten 10 Jahre nicht den Schluss nahe legen, dass junge Menschen mehr Alkohol trinken, gibt es Belege dafür, dass sie beim ersten Konsum von Alkohol jünger sind und auf gefährlichere Weise trinken, d. h. ihr Alkoholkonsum konzentriert sich auf eine geringere Anzahl von Tagen. Jugendliche tragen die Hauptlast der alkoholbedingten Schädigungen mit einem höheren Unfall- und Verletzungsrisiko und der Gefahr, vorzeitig zu versterben. Es gibt stichhaltige Belege dafür, dass bestimmte für junge Menschen attraktive Trinkalkoholmarken sowohl für Jugendliche produziert werden als auch auf sie abzielen. Jugendliche reagieren besonders stark auf den Alkoholpreis und auf die Verfügbarkeit von Alkohol. Je preiswerter und je leichter verfügbar Alkohol ist, desto größer ist die Gefahr eines stärkeren Alkoholkonsums und schwerwiegender alkoholbedingter Schädigungen. 3.1. LAUFEN JUGENDLICHE ERLEIDEN? GEFAHR, ALKOHOLBEDINGTE SCHÄDIGUNGEN ZU Größere Anfälligkeit junger Menschen Die Anfälligkeit von Kindern für durch Alkoholkonsum verursachte Schädigungen ist größer als bei Erwachsenen. Zum einen weisen sie eine geringere Körpergröße auf, und zum anderen mangelt es ihnen an Erfahrung mit Alkoholgenuss und seinen Auswirkungen. Sie verfügen über keinen Rahmen oder Bezugspunkt, um ihr Trinken zu bewerten oder zu regulieren, und haben des Weiteren keine Alkoholverträglichkeit entwickelt. Vom mittleren Abschnitt der Jugend bis ins junge Erwachsenenalter hinein kann eine wesentliche Zunahme der konsumierten Alkoholmenge, der Häufigkeit des Konsums sowie der alkoholbedingten Probleme festgestellt werden (Wells et al. 2004; Bonomo et al. 2004). Diejenigen, die im Alter von etwa 15 Jahren mehr Alkohol tranken, konsumierten im jungen Erwachsenenalter häufiger größere Mengen, waren alkoholabhängig und wiesen alkoholbedingte Schädigungen mit einer schlechteren psychischen Gesundheit, einem schlechteren Bildungsergebnis und einer verstärkten Kriminalitätsgefahr auf (Jefferis et al. 2005). Während der Jugend kann Alkohol zu strukturellen Veränderungen im Hippocampus (einem am Lernprozess beteiligten Bereich des Gehirns) führen (De Bellis et al. 2000) und bei einem Konsum in großen Mengen die Entwicklung des Gehirns dauerhaft schädigen (Spear 2002). Rauschtrinken bei Jugendlichen Beinah alle 15- bis 16-jährigen europäischen Schüler (>90%) haben irgendwann schon einmal Alkohol getrunken, konsumieren im Durchschnitt im Alter von 12,5 Jahren das erste Mal Alkohol und sind mit 14 das erste Mal betrunken. Am 26 häufigsten trinken sie bei sich oder jemand anderem zu Hause Alkohol, obwohl eine beträchtliche Anzahl auch auf öffentlichen Plätzen oder in Kneipen trinkt. Die Durchschnittsmenge, die zum letzten sich ergebenden Anlass von 15- bis 16Jährigen getrunken wurde, beträgt mehr als 60 g Alkohol und erreicht sogar bei den weniger konsumierenden 15- bis 16-Jährigen Südeuropäern beinah 40 g. Mehr als einer von acht 15- bis 16-Jährigen (13%) waren in ihrem Leben über 20 Mal betrunken, und mehr als einer von sechs (18%) haben drei Mal oder öfter während des letzten Monats ein als Rauschtrinken bezeichnetes Verhalten gezeigt (fünf und mehr alkoholische Getränke zu einem einzigen Anlass). Obwohl in einigen Ländern 2003 gewissermaßen zum ersten Mal eine stärkere Trunksucht bei Mädchen als bei Jungen beobachtet wurde, konsumieren Jungen immer noch mehr Alkohol und sind häufiger betrunken als Mädchen, wobei insgesamt nur eine geringe Abnahme des Unterschieds zwischen den Geschlechtern festgestellt wurde. In den meisten Ländern ist für Jungen eine Zunahme des Rauschtrinkens im Zeitraum 1995-1999 bis 2003 zu beobachten, und fast alle Länder zeigen diesen Trend für Mädchen, s. Schaubild 1. Dies liegt an einer Zunahme des Rauschtrinkens und der Trunkenheit in fast der gesamten EU zwischen 1995 und 1999 mit einer gemischteren Tendenz zwischen 1999 und 2003. Eine Abnahme der Unterschiede zwischen Ost- und Westeuropa kann ebenfalls für das Rauschtrinken und die Trunkenheit sowohl auf Grund des Umfangs der Veränderungen als auch wegen einer beständigen Zunahme des Konsums in Teilen Osteuropas, insbesondere für Mädchen, die mit Zunahmen bei anderen Aspekten des Alkoholkonsums einhergehen (z. B. Konsum zum letzten Anlass), beobachtet werden. Für viele andere Aspekte des Trinkens sind die Tendenzen jedoch eher ambivalent, z. B. die Häufigkeit des Alkoholkonsums und der geschätzte Gesamtkonsum. Während es daher keine Belege dafür gibt, dass der Alkoholkonsum von Jugendlichen im Laufe des letzten Jahrzehnts zugenommen hat, scheint es so zu sein, dass es eine Tendenz zu einem zunehmend gefährlichen Konsum gibt, insbesondere in Osteuropa. 27 35% 35% 30% 20% 25% Estland Schweden Malta Bulgarien 15% 10% 5% Estland Norwegen Slowenien 20% Dänemark 15% Litauen 10% Polen, Zypern, Ungarn Rumänien 0% 0% 10% Rauschtrinken bei Mädchen 1995 Dänemark Slowenien Schweden Bulgarien Vereinigtes Königreich Norwegen Tschechische R., Lettland Portugal Rumänien Slowakei Litauen Tschechische R., Lettland Finnland Griechenl. Island Italien Frankreich Irland 30% Vereinigtes Königreich Portugal 25% Malta Irland Slowakei Italien Finnland Polen Griechenland Zypern Island FrankreichUngar n 5% 20% 5% 15% Rauschtrinken bei Jungen 1995 30% (♦ = 1999) 25% 35% (♦ = 1999) Schaubild 1. Trends für das Rauschtrinken bei 15- bis 16-jährigen Mädchen und Jungen, 1995-2003 mehr als 5 alkoholische Getränke pro Anlass, mehr als 3 Mal in den letzten 30 Tagen. Quelle: ESPAD surveys (Hibell et al. 1996; 2000; 2004) Ein Punkt über der gestrichelten Linie bedeutet, dass das Rauschtrinken zugenommen hat. Die rot markierten Länder verzeichnen einen Anstieg um mehr als 2% ; die blau markierten Länder verzeichnen einen Rückgang um mehr als 2%. In den schwarz dargestellten Ländern betrug die Veränderung weniger als 2%. Durch Alkohol bei Jugendlichen verursachte Schädigungen Die durch Alkohol verursachte Krankheitslast wird in Europa in unverhältnismäßig großem Maße von jungen Männern getragen, von denen in der EU jedes Jahr 13.000 auf Grund alkoholbedingter Erkrankungen sterben. Dies macht einen von vier Todesfällen bei jungen Männern aus, und der Anteil steigt auf nahezu einen Todesfall von dreien in den neueren EU10-Mitgliedstaaten. Alkohol ist für eine geringfügig niedrigere, aber dennoch beträchtliche Zahl von Sterbefällen bei jungen Frauen verantwortlich; mit 2.000 Todesfällen entspricht dies 11% der Frauensterblichkeit für dieses Alter in der gesamten EU. Schaubild 2 zeigt, inwieweit dies eine größere Belastung darstellt als für jede andere Altersgruppe und illustriert, dass der Anteil der alkoholbedingten Todesfälle bei den 15- bis 29-jährigen Männern und Frauen am größten ist. Das hohe Niveau der Schädigungen bei jungen Menschen ist bedingt durch die Bedeutung der vorsätzlichen und nicht vorsätzlichen Verletzung als Haupttodesursachen bei jungen Menschen. 28 30 Männer Frauen 25 20 15 10 5 0 0-15 15-29 30-44 Altersgruppe 45-59 60-69 Schaubild 2 Anteil der alkoholbedingten Todesfälle von EU-Bürgern unter 70 Jahren (Jahr 2000). Quelle: GBD data (Rehm 2005). In Zusammenhang mit Alkohol begangene Straftaten und die Erregung öffentlichen Ärgernisses sind bei Jugendlichen ebenfalls beträchtlich. Der einzige Vergleich mit Erwachsenen (aus Estland) legt nahe, dass Alkohol bei von Jugendlichen begangenen Tätlichkeiten eine größere Rolle spielt als bei den von Erwachsenen begangenen. Eine Drittelmillion der 15- bis 16-jährigen Schüler in der Europäischen Union geben an, dass es zu durch ihr eigenes Trinkverhalten ausgelösten Prügeleien kam (8% der Jungen und 4% der Mädchen), obwohl dies weniger auf den Süden der EU15-Mitgliedstaaten zutrifft und für Mädchen weniger auf die EU10-Mitgliedstaaten (Hibell et al. 2004). Ähnlich geben 220.000 Schüler an, auf Grund ihres Alkoholkonsums mit der Polizei in Konflikt geraten zu sein (4%). Dies gilt vor allem für Schüler aus Zentraleuropa und Mädchen aus Nordeuropa. Diese Zahlen liegen laut einer dänischen und polnischen Studie bei älteren jungen Erwachsenen (17- bis 30-Jährige) vermutlich sogar noch höher. Jugendliche scheinen Alkohol auch als einen wichtigen Auslöser von aggressivem Verhalten zu sehen (laut einer Studie aus den Niederlanden der Hauptauslöser; KPMG 2001). Andere Ergebnisse der ESPAD-Studie legen nahe, dass über 5% der 15- bis 16jährigen Schüler es bedauerten, infolge von Alkoholkonsum Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Aus der Perspektive der öffentlichen Gesundheit betrachtet ist es besorgniserregend, dass 200.000 Schüler (3,6%) angeben, infolge von Alkoholkonsum ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt zu haben – dabei ist es in einigen Ländern deutlich wahrscheinlicher, dass Mädchen diese Angabe machen als Jungen (Vereinigtes Königreich, Schweden, Island, Finnland). In geringerem Maße geben Schüler auch an, dass sie auf Grund ihres Alkoholkonsums Probleme auf der Arbeit/in der Schule (2,4%) oder mit ihren Lehrern (1,2%) haben. Der Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener wird mit Verletzungen und Todesfällen durch Autounfälle, Selbstmord und Depressionen, verpassten Schulstunden und einer Abnahme der schulischen Leistungen, Gedächtnisverlust, Blackouts, Prügeleien, Sachbeschädigung, Streit mit Gleichaltrigen und aufgekündigten Freundschaften, Vergewaltigung durch Bekannte oder Freunde sowie ungeschütztem Geschlechtsverkehr, der die Beteiligten dem Risiko von sexuell übertragbaren Krankheiten, einer HIV-Infektion und ungeplanter Schwangerschaften aussetzt, in 29 Verbindung gebracht (Williams und Knox 1987). 3.2. GIBT ES PRODUKTKATEGORIEN, DIE FÜR JUGENDLICHE ENTWICKELT WURDEN, SIE ANSPRECHEN ODER AUF SIE ABZIELEN? Die Entwicklung neuer alkoholischer Getränke wurde seit den 1990er Jahren besonders aktiv vorangetrieben (Jackson et al. 2000; Mosher und Johnsson 2005). Dies begann mit Designerdrinks, die sich durch ihre leuchtenden Farben und innovativen Verpackungen auszeichneten und so Produkteigenschaften wie Stärke, Geschmack und Marktgängigkeit vermittelten, z. B. in Falschen abgefüllter Apfelwein und aufgespritete Fruchtweine. Der Boom der Desingerdrinks dauerte bis Mitte der 1990er Jahre an, als ein neues Angebot von alkoholischen Softdrinks, die später als "Alkopops" bekannt wurden, auf den Markt kam. Alkopops wurden dann von "Pre-mix Cocktails" (Mischungen aus Spirituosen, Softdrinks und anderen einzigartigen Geschmacksrichtungen, die nicht so einfach von den Verbrauchern selbst zusammengemischt werden können) und dem Trend, hochenergetische Softdrinks (wie Red Bull) mit Spirituosen (z. B. Wodka) zu mischen, verdrängt. Eine Entwicklung im Rahmen dieses Trends ist die Einführung von trinkfertigen alkoholischen Energiedrinks, die auf Grund ihrer stimulierenden Eigenschaften verkauft werden. Diese Getränke beinhalten eine Mischung aus Wodka, Koffein, Glukose und Taurin und weisen einen durchschnittlichen Alkoholgehalt von 5,4% auf. Eine andere Produktart - starke Spirituosen, die in einem Schluck aus kleinen "Shot-Gläsern" getrunken werden - gewinnt zunehmend an Beliebtheit. Zu den gängigen Marken zählen "Aftershock" und "Goldshlager", die von jungen Alkoholkonsumenten deswegen gewählt werden, weil ihre Stärke schlagartig Wirkung erzielt und ihr ausgeprägter Geschmack (z. B. Zimt), Markennamen und Verpackungen die Assoziation mit wagemutigem Verhalten schaffen (s. Hastings et al. 2005). Ob es sich nun um Bowlen (Goldberg et al. 1994), Designerdrinks (McKeganey et al. 1996) oder Alkopos (Barnard und Forsyth 1998) handelt: Studien über die Einstellungen und das Verhalten von Jugendlichen in verschiedenen Ländern haben belegt, dass diese neuen Produkte von Jugendlichen bevorzugte Getränke sind, die zu einem stärkeren Konsum und zu einer Absenkung der Altergrenze für den ersten Alkoholkonsum beitragen können. In einigen Fällen scheinen diese Produkte direkt mit dem auf Jugendliche ausgerichteten Markt für illegale Drogen zu konkurrieren (Jackson et al. 2000). Die Markensymbolik der Designerdrinks stimmte – im Gegensatz zu der von eher etablierten Getränken – mit vielen Wahrnehmungen und Erwartungen von 14- bis 15Jährigen im Hinblick auf den Konsum von Alkohol überein. Demnach werden Designerdrinks eher in weniger stark kontrollierten Umfeldern konsumiert und mit einer größeren Alkoholaufnahme und stärkerer Trunkenheit assoziiert (Hughes et al. 1997). Die Daten aus der Studie über das Gesundheitsverhalten von Schulkindern (Health Behaviour in School-aged Children study) ergaben, dass in Wales der Konsum von Alkopops zwischen 1994 und 1996 mit der Gesamtzunahme des wöchentlichen Alkoholkonsums 11- und 12-Jähriger sowie mit der Hälfte der Zunahme bei 13- und 14-Jährigen und mit dem größten Teil der Zunahme bei den 15- und 16-jährigen Mädchen übereinstimmte (Roberts et al. 1999). In schwedischen Studien wurde herausgefunden, dass Alkopops und süße Apfelweine zwischen 1996 und 1999 mehr als die Hälfte der erfassten Zunahme des Alkoholkonsums 15- bis 16-jähriger Jungen und zwei Drittel der Zunahme des Konsums bei Mädchen ausmachten. Zur selben Zeit blieb der Alkoholkonsum schwedischer Erwachsener auf demselben Niveau (Romanus 2000). 30 Vertreter der Wirtschaft bestreiten die Bedeutung neuer Produkte nicht, die dafür gestaltet werden, "neue Trinker" bzw. "Einstiegstrinker", oder wie auch immer man sie nennen mag, zu erreichen: "Ganz egal, wo auf der Welt sie getrunken werden und zu welchem Anlass, es besteht kein Zweifel daran, dass FABs (flavoured alcoholic beverages – alkoholische Getränke in verschiedenen Geschmacksrichtungen) von jüngeren Menschen konsumiert werden. Die Kombination von Verpackung, Geschmack und Alkoholgehalt machen sie für ältere Konsumenten nur wenig anziehend" (Euromonitor 2004; 6, Abschnitt 22.15). 3.3. BEEINFLUSSEN DER ALKOHOLPEIS UND DIE VERKAUFSFÖRDERUNG DAS ALTER ALKOHOLGENUSS, DEN ALKOHOLKONSUM UND BEIM ERSTEN ALKOHOLBEDINGTE SCHÄDIGUNGEN? In Studien wurde festgestellt, dass Erhöhungen des Alkoholpreises den Alkoholkonsum junger Menschen vermindern; dabei haben Preiserhöhungen größere Auswirkungen auf Konsumenten, die häufiger und mehr trinken, als auf solche, die seltener und weniger trinken (Grossman et al. 1987; Coate und Grossman 1988; Laixuthai und Chaloupka 1993; Chaloupka und Wechsler 1996; Cook und Moore 2002). Es wurde auch festgestellt, dass über die getrunkene Menge hinaus der Preis auch das Phänomen des Trinkens bis zum Erreichen eines Rauschzustands beeinflusst. Eine große in den USA durchgeführte Studie ergab, dass eine Preiserhöhung um 10% die Häufigkeit des Alkoholkonsums bis zur Trunkenheit pro Monat um 8% verringern würde (definiert als Konsum von mehr als 5 alkoholischen Getränken zu einem Anlass; Sloan et al. 1995). Die Auswirkungen der Besteuerung von Alkohol unterscheiden sich je nach Alter; dabei wird mit zunehmendem Alter der Jugendlichen möglicherweise die Wirkung des Preises auf den Konsum verdrängt (Gius 2005). Obwohl alkoholische Getränke sich auf dem Markt wie die meisten anderen Konsumgüter zu verhalten scheinen, kann sich die Nachfrage einiger Konsumenten nach alkoholischen Getränken auf Grund der suchterzeugenden Eigenschaften des Alkohols von der nach anderen Produkten unterscheiden. Die suchterzeugenden Eigenschaften von Alkohol implizieren, dass eine Zunahme des Alkoholkonsums in der Vergangenheit den derzeitigen Konsum erhöhen würde; somit wäre die kurzfristige Preiselastizität, die den Konsum in der Vergangenheit konstant hält, in ihrem absoluten Wert kleiner als die langfristige Preiselastizität, bei der der Konsum in der Vergangenheit variieren kann. Zum Beispiel würde eine Preiserhöhung im Jahr 2004 den Konsum desselben Jahres reduzieren; dabei bliebe der Konsum aus vorherigen Jahren konstant. Wegen der suchterzeugenden Eigenschaften des Alkohols würde man erwarten, dass der Konsum im Jahr 2005 und in allen darauffolgenden Jahren auch zurückgehen würde. Folglich würde die Verringerung des über mehrere Jahre (d. h. langfristig) nach der Preiserhöhung beobachteten Konsums den 2004 festgestellten Konsumrückgang übertreffen (d. h. kurzfristig). In Studien zur Beziehung zwischen dem Preis und dem Alkoholkonsum junger Erwachsener zwischen 17 und 29 wurde genau dies festgestellt (Grossman et al. 1998). Ohne Kenntnis des Konsums aus dem Vorjahr (und somit der suchterzeugenden Seite des Alkohols), betrug die Preiselastizität der Alkoholnachfrage – 0,29. Als jedoch der Konsum aus dem Vorjahr (und somit der suchterzeugende Aspekt des Alkohols) berücksichtigt wurde, war die geschätzte langfristige Preiselastizität der Nachfrage mehr als zwei Mal so hoch und betrug -0.65. Somit wurde gezeigt, dass der Preis einen viel größeren Einfluss auf den Alkoholkonsum hat. Dies bedeutet auch, dass einer der wesentlichen Gründe, warum stark trinkende junge Erwachsene ihren Alkoholkonsum nicht verringern, die Schwierigkeiten (Kosten) beim Überwinden der suchterzeugenden Eigenschaften 31 des Alkohols sind. In zahlreichen Studien wurde herausgefunden, dass die Erhöhung des Preises von Alkohol und Bier die Anzahl der Unfälle und Todesfälle im Straßenverkehr insbesondere bei jungen Fahrern vermindert (Saffer und Grossman 1987a,b; Kenkel 1993; Ruhm 1996; Dee 1999; Mast et al. 1999; Dee und Evans 2001; Chaloupka et al. 2002 Saffer und Chaloupka 1989; Evans et al. 1991; Chaloupka et al. 1993; Sloan et al. 1994a; Mullahy und Sindelar 1994a). Eine Erhöhung der Alkoholpreise vermindert die Häufigkeit vorsätzlicher und nicht vorsätzlicher Verletzungen (Sloan et al. 1994; Grossman und Markowitz 1999). Es wurde nachgewiesen, dass höhere Bierpreise zu einer Abnahme der Zahl der Vergewaltigungen und Raubüberfälle (Cook und Moore 1993), Tötungsdelikte (Sloan et al. 1994), Verbrechen (Saffer 2001), Gewalttaten an Universitäten (Grossman und Markowitz 2001) und gewaltbedingten Verletzungen (Matthews et al. 2005) führten. Des Weiteren führten Sondersteuern für süße vorgemischte Getränke auf Spirituosenbasis zu einer Abnahme des Verkaufs und Konsums dieser speziellen Getränke, Schaubild 3. 30 2004 2005 25 20 15 10 5 0 Alkopops Alkopops mit Wein/ mit Spirituosen Bier Bier Wein Spirituosen wöchentlicher Alkoholkonsum von 12- bis 17-Jährigen Schaubild 3 Auswirkung einer spezifischen im Jahr 2004 eingeführten Steuer auf spirituosenbasierte Alkopops auf den wöchentlichen Konsum von 12- bis 17-Jährigen in Deutschland. Quelle: Bundesministerium für Gesundheit, Deutschland (2006). Es gibt einen beträchtlichen Trend hin zum Besuch beliebter Treffpunkte für den Alkoholkonsum, an denen verkaufsfördernde Angebote und "Happy Hours" (vorübergehende Preisnachlässe) für Produkte angeboten werden, die regelmäßig von jungen Trinkern konsumiert werden (s. Hastings et al. 2005). Beispiele umfassen: ein niemals leeres Wodka-Glas (kaufe ein Glas Wodka und fülle es so oft auf, wie du willst); Happy Hours, während denen man ein Getränk kauft und ein weiteres umsonst erhält; und günstige Preise für beliebte Getränke an speziellen Abenden in der Woche. Nachlässe beim Alkoholpreis stehen mit zunehmendem Rauschtrinken in Zusammenhang (Kuo et al. 2003). 32 3.4. BEEINFLUSST DIE VERFÜGBARKEIT VON ALKOHOL DAS ALTER BEIM ERSTEN ALKOHOLGENUSS, DEN ALKOHOLKONSUM UND ALKOHOLBEDINGTE SCHÄDIGUNGEN? Im Hinblick auf Jugendliche verringern Gesetze, mit denen das Mindestalter für den Alkoholkonsum heraufgesetzt wird, den Verkauf von Alkohol an junge Konsumenten und deren Probleme mit Alkohol (Grube und Nygaard 2001; Babor et al. 2003). Obwohl die gesetzlichen Beschränkungen des Alters, ab dem Jugendliche Alkohol kaufen dürfen, von Land zu Land stark variieren - üblicherweise schwankt das Alter zwischen 16 und 21 Jahren - beschränken beinah alle Staaten diese Verkäufe per Gesetz. In einer Rezension von 132 zwischen 1960 und 1999 veröffentlichten Studien wurden stichhaltige Belege dafür gefunden, dass Veränderungen bei den Gesetzen zum Mindestalter für den Alkoholkonsum wesentliche Auswirkungen auf das Trinkverhalten der Jugendlichen und alkoholbedingte Schädigungen, insbesondere Verkehrsunfälle, haben, und dies häufig weit über den Zeitpunkt hinaus, zu dem Jugendliche das gesetzliche Mindestalter erreichen (Waagenar und Toomey 2000). In zahlreichen Studien wurde herausgefunden, dass die Anhebung des gesetzlichen Mindestalters für den Alkoholkonsum von 18 auf 21 Jahre die Anzahl der nächtlichen Unfälle, an denen nur ein einziges von einem jungen Fahrer gesteuertes Fahrzeug beteiligt war, für alle Schweregrade des Unfalls um 11 bis 16% verringerte (Klepp et al. 1996; Saffer und Grossman 1987a,b; Wagenaar 1981 1986; Wagenaar und Maybee 1986; O'Malley und Wagenaar 1991; Voas und Tippett 1999). Veränderungen des Mindestalters für den Alkoholkonsum stehen in Zusammenhang mit Veränderungen bei anderen Einweisungen in Krankenhäuser wegen alkoholbedingter Verletzungen (Smith 1988) und tödlichen Verletzungen (Jones et al. 1992). In einer Studie aus Dänemark, wo ein Mindestalter von 15 Jahren für den Verkauf im Einzelhandel eingeführt wurde, wird gezeigt, dass damit der Konsum von Teenagern verringert wurde, dass aber auch das Trinkverhalten von Personen obersowie unterhalb der Altersgrenze beeinflusst wurde (Møller 2002). Alle Vorteile eines höheren Mindestalters für den Alkoholkonsum werden nur dann spürbar, wenn das Gesetz durchgesetzt wird. Trotz eines höheren gesetzlichen Mindestalters für den Alkoholkonsum gelingt es Jugendlichen, Alkohol zu kaufen (z. B. Forster et al. 1994 1995; Preusser und Williams 1992; Grube 1997). In den meisten EU-Mitgliedstaaten gab eine Mehrheit der 15- bis 16-jährigen Schüler in der Europäischen Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen (ESPAD-Studie) an, dass es ziemlich einfach oder sehr einfach sei, jede Art von Alkohol zu bekommen. Der Anteil dieser Jugendlichen beläuft sich auf 70 bis 95% für Bier und Wein (Hibell et al. 2004). Solche Verkäufe sind in einem niedrigen und inkonsequenten Durchsetzungsniveau begründet, insbesondere wenn Durchsetzungsmaßnahmen für den Verkauf von Alkohol an Minderjährige in der Gemeinschaft nur wenig unterstützt werden (Wagenaar und Wolfson 1994 1995). Jede mäßige Verstärkung der Durchsetzung kann den Verkauf an Minderjährige um ganze 35 bis 40% senken, insbesondere, wenn sie mit Maßnahmen der Medien und anderen gemeinschaftlichen Aktivitäten kombiniert wird (Grube 1997; Wagenaar et al. 2000). In Forschungsarbeiten wurden die Zusammenhänge zwischen der Marktdichte und dem Ausmaß des Alkoholkonsums von Schülern und Minderjährigen untersucht. Es wurde festgestellt, dass die Marktdichte in einem engen Zusammenhang mit schweren Alkoholkonsumproblemen und mit durch den Alkoholkonsum bedingten Problemen von Studenten an Colleges steht (Weitzman et al. 2003); ähnliche Verbindungen wurden für die Anzahl der Quellen für den Erwerb von Alkohol und dem Rauschtrinken sowie dem Alkoholkonsum an unangebrachten Orten von Schülern zwischen 16 und 17 Jahren festgestellt (Dent et al. 2005). 33 Alkoholwerbung kann auch am Verkaufsort mit externer und interner Werbung für alkoholische Getränke stattfinden: kostenlose Vergabe von funktionalen Gegenständen mit den Markenlogogs von Alkoholproduzenten an Einzelhändler (z. B. Schalen für Wechselgeld mit dem Logo eines Alkoholherstellers); Platzierung von Bier (z. B. einzelne Dosen oder Flaschen, die in Behältern in der Nähe der Kassen gekühlt werden); sowie Werbung in niedriger Höhe (d. h. im Blickfeld von Kindern und Jugendlichen angebrachte Werbung, die somit nicht im Blickfeld der Erwachsenen platziert wurde) (CDC 2003). Für Nicht-Trinker zwischen 12 und 13 Jahren kann davon ausgegangen werden, dass sie im Alter von 14 bis 15 Jahren mit dem Alkoholkonsum beginnen, wenn sie Kontakt zu in Geschäften ausgestelltem Bier hatten (Ellickson et al. 2005) (s. Kapitel 6). 3.5 SCHLUSSFOLGERUNGEN Besonders Jugendliche laufen Gefahr, alkoholbedingte Schädigungen wie Unfälle und Verletzungen zu erleiden und vorzeitig zu versterben. Es ist nachgewiesen worden, dass Jugendliche in den letzten zehn Jahren in ganz Europa mehr Alkohol auf zunehmend gefährliche Weise konsumieren. Es ist besonders beunruhigend, dass Jugendliche desto eher alkoholbedingte Schädigungen erleiden und als junge Erwachsene alkoholabhängig werden, je früher sie mit dem Trinken beginnen und je mehr sie in jungen Jahren konsumieren. Jugendliche werden durch die Verfügbarkeit von auf sie abzielenden Produkten beeinflusst, aber sie reagieren auch besonders stark auf Preiserhöhungen und eine verminderte Verfügbarkeit von Alkohol. Um die bei Jugendlichen durch Alkohol verursachten Schädigungen zu verringern, spricht vieles dafür, die Produktion von speziell für Kinder und Jugendliche hergestellten und auf sie abzielenden alkoholischen Getränken zu beschränken. Ebenso spricht vieles dafür sicherzustellen, dass alkoholische Getränke nicht noch leichter für Jugendliche finanzierbar werden und dass Begrenzungen der Verfügbarkeit von Alkohol für Jugendliche weitgehend durchgesetzt werden. In Kapitel 9 wird gezeigt, dass diese politischen Maßnahmen eine Ergänzung der Bestimmungen und Beschränkungen zur Alkoholwerbung darstellen. In Kapitel 8 wird verdeutlicht, dass Ansätze bei der Aufklärung keine wirksame Alternative zu diesen Maßnahmen darstellen. 34 4. JUGENDLICHE UND KOMMERZIELLE KOMMUNIKATIONEN Das Gehirn eines Heranwachsenden durchläuft wichtige Entwicklungen, die ihn anfälliger für Impulsivität und empfänglicher für die Empfindungen Genuss und Belohnung machen. Jugendliche, die bereits Alkoholprobleme haben, sind tendenziell besonders empfänglich für Alkoholwerbung; dabei nimmt die Empfänglichkeit zu, je ausgeprägter der Alkoholkonsum ist. Alkoholwerbung manipuliert die Anfälligkeit der Jugendlichen durch die Prägung ihrer Einstellungen, Wahrnehmungen und vor allem der an den Alkoholkonsum geknüpften Erwartungen, die dann wiederum die Entscheidung der Jugendlichen, Alkohol zu trinken, beeinflussen. Alle Medienarten werden für kommerzielle Kommunikationen eingesetzt, darunter Fernsehen, Musik und Musikvideos, Filme, bezahlte Platzierung in Filmen und Fernsehshows, das Internet, grundlegende Mundpropaganda und Sponsoring im Sport. Einige dieser Medien sind leicht zu regulieren (zum Beispiel das Fernsehen und Sponsoring im Sport), wohingegen andere wie das Internet, das scheinbar zunehmend als Medium für kommerzielle Kommunikationen über Alkohol genutzt wird, schwieriger zu regeln sind. Es gibt stichhaltige Belege dafür, dass kommerzielle Kommunikationen über Alkohol auf Jugendliche abzielen. Dabei stammen diese Belege hauptsächlich aus den USA. 4.1. SIND JUGENDLICHE EMPFÄNGLICH FÜR ALKOHOLWERBUNG? Heranwachsende haben drei markante Schwächen: Impulsivität auf Grund einer vorübergehenden Diskrepanz zwischen der Entstehung hormoneller und umweltbedingter Impulse in den Mandelkernen und der eher schrittweisen Entwicklung der inhibitorischen Steuerung durch die führenden Planungs- und Entscheidungsfunktionen des präfrontalen Kortex; Befangenheit und Selbstzweifel, die zumindest zum Teil durch das Aufkommen des abstrakten Denkens bedingt sind, sich aber in der zunehmenden Häufigkeit und Intensität negativer Stimmungslagen während der Pubertät äußern; und eine erhöhte Gefährdung durch den Konsum von Produkten sowie impulsives Verhalten, z. B. Alkohol am Steuer, aber auch eine größere Anfälligkeit für Toxine auf Grund der Plastizität des sich entwickelnden Gehirns sowie einer größeren Empfänglichkeit für die "prägenden" Funktionen des Gehirns bei den Empfindungen Genuss und Belohnung (Pechmann et al. 2005). Heranwachsende zwischen 14 und 17 Jahren mit einem gestörten Alkoholkonsumverhalten zeigten eine wesentlich größere Hirnaktivität beim Betrachten von Bildern von alkoholischen Getränken als Jugendliche aus der Kontrollgruppe, und dies hauptsächlich in Bereichen des Gehirns, die mit den Empfindungen Belohnung, Wunsch und positiver Affekt in Zusammenhang stehen (Tapert et al. 2003). Die Stärke der Reaktionen im Gehirn auf die Alkoholbilder war bei den Jugendlichen am größten, die pro Monat mehrere alkoholische Getränke konsumierten und von einem größeren Wunsch zu trinken berichteten (s. Schaubild 4). 35 signal contrast: Abweichung der Antwortsignale voneinander No. of Drinks per Months: Anzahl der alkoholischen Getränke pro Monat Schaubild 4 Abweichung des vom Sauerstoffgehalt im Blut abhängigen Antwortsignals im rechten Praecuneus/in der posterioren cingulären Region während des Betrachtens von Bildern alkoholischer Getränke im Vergleich zum Kontakt mit Bildern nichtalkoholischer Getränke und dargestellt als Funktion der monatlich von Jugendlichen mit Alkoholproblemen konsumierten alkoholischen Getränke. Quelle: Tapert et al. (2003) Frühe Arbeiten zum Thema Alkoholwerbung und Jugend hielten sich überwiegend an eine einfache theoretische Grundlage: Die Exposition gegenüber Alkoholwerbung beeinflusst das Trinkverhalten von Jugendlichen. Aktuellere Studien weisen allerdings auf die Bedeutung der Alkoholwerbung für die Ausformung der Einstellungen, Wahrnehmungen und insbesondere der Erwartungen der Jugendlichen im Hinblick auf den Alkoholkonsum hin, die dann wiederum die Entscheidung der Jugendlichen, Alkohol zu trinken, beeinflussen (Grube und Waiters 2005). Es scheint bei jungen Menschen eine kognitive Entwicklung zu geben von der positiven Aufnahme der Alkoholwerbung (eine emotionale Reaktion in Zusammenhang mit der Attraktivität von Darstellungen in der Werbung und der daraus resultierenden Identifikation mit den Charakteren aus der Werbung) hin zu positiven Erwartungen, die an den Alkoholkonsum geknüpft werden, der Absicht zu trinken sowie dem tatsächlichen Konsum junger Menschen (Austin und Knaus 2000; Austin et al. 2000). Jugendliche scheinen an Alkoholwerbung humoristische und erzählende Elemente zu mögen, wobei Musik, Tiercharaktere und menschliche Charaktere etwas weniger geschätzt werden. Die Tatsache, dass diese Elemente gemocht werden, trägt entscheidend zur Gesamtbeliebtheit einer spezifischen Werbung bei und somit zu einer größeren Wahrscheinlichkeit, dass potenzielle Kunden beabsichtigen, die Marke und das Produkt aus der Werbung zu kaufen (Chen et al. 2005). In Querschnittsuntersuchungen einer amerikanischen Studie wurde herausgefunden, dass Heranwachsende schrittweise die Werbebotschaften über Alkohol verinnerlichten und diese Botschaften ihr Trinkverhalten beeinflussten. Jugendliche, die häufiger zur Hauptsendezeit fernsahen, hielten die Darstellungen von Alkohol in der Alkoholwerbung für attraktiver und wünschten sich in stärkerem Maße, die 36 Personen aus der Werbung nachzuahmen. Bei diesen Jugendlichen wurden positivere Erwartungen im Hinblick auf den Alkoholkonsum festgestellt, und zu Recht wurde davon ausgegangen, dass sie sowohl Biermarken als auch den Konsum von Alkohol mögen (Austin 2006). In weiteren Untersuchungen wurde gezeigt, dass es in der Altersgruppe der 9- bis 16-Jährigen aus neun Counties im San Fransisco Bay Area durchaus eine Verbindung zwischen dem anfänglichen Gefallen an Alkoholwerbung und dem Alkoholkonsum während eines Folgezeitraums von drei Jahren gab. Die Auswirkungen des Gefallens an der Werbung wurden in den Erwartungen im Hinblick auf den Alkoholkonsum sowie in den normativen Auswirkungen des Kontakts mit Alkoholwerbung deutlich. Jugendliche, denen Alkoholwerbung gefielt, glaubten nicht nur, dass Alkoholkonsum eher positive Konsequenzen habe, sondern waren auch häufiger der Ansicht, dass Gleichaltrige häufiger Alkohol trinken und den Alkoholkonsum in stärkerem Maße befürworten würden. All diese Ansichten beeinflussten sich gegenseitig und führten zu einer größeren Wahrscheinlichkeit des Alkoholkonsums oder der Absicht, innerhalb des nächsten Jahres Alkohol zu konsumieren (Chen und Grube 2004). 4.2. WELCHE MEDIENARTEN WERDEN IN DER KOMMERZIELLEN KOMMUNIKATION EINGESETZT? Der Darstellung des Alkoholkonsums im Fernsehen wurde große Aufmerksamkeit gewidmet. Wenn im Fernsehen Personen gezeigt werden, die etwas trinken, handelt es sich dabei meist um Alkohol (Brown und Witherspoon 2002). Pendleton et al. (1991) fanden zum Beispiel heraus, dass in ihren Proben aus 50 britischen Fernsehprogrammen alle 6,5 Minuten auf Alkohol Bezug genommen wurde. Insbesondere in fiktionalen Serien sticht der Alkoholkonsum hervor. Furnham et al. (1997) konzentrierten sich in ihrer Arbeit auf die Darstellung von Alkohol und des Trinkens in sechs britischen Seifenopern und schlussfolgerten, dass 86% aller Sendungen visuelle oder verbale Verweise auf alkoholische Getränke beinhalteten. Es wurde mehr Alkohol als jedes andere Getränk konsumiert, aber in den ausgewählten Serien wurde fast nie auf die Gefahren des Alkoholkonsums hingewiesen. Inhaltsanalysen von Darstellungen des Alkoholkonsums im Fernsehen legen nahe, dass Situationen, in denen Alkohol konsumiert wird, häufig vorkommen und dass diese Darstellungen das Trinken als eine Tätigkeit ohne nennenswerte Konsequenzen zeigen (Christenson et al. 2000; Grube 1993; Mathios et al. 1998; Wallack et al. 1990). Alkohol trinkende Fernsehdarsteller verkörpern eher Charaktere mit "hohem sozialen Status", die reich, erfolgreich, attraktiv und in leitender Position beschäftigt sind. Ihr Alkoholkonsum wird häufig mit Glück, sozialem Erfolg, Entspannung und Kameradschaft in Verbindung gebracht (Hundley 1995; Wallack et al. 1990). Inhaltsanalysen der in der Alkoholwerbung eingesetzten Appelle lassen darauf schließen, dass Alkoholkonsum als wichtiger Teil der Geselligkeit, physischer Attraktivität, Männlichkeit, Romantik, Entspannung und des Abenteuers dargestellt wird (Grube 1993; Finn und Strickland 1982; Madden und Grube 1994). In vielen Alkoholwerbungen werden Rockmusik, Animationen, Bildappelle und Prominente als Werbepartner eingesetzt. Dies steigert ihre Beliebtheit bei minderjährigen Fernsehzuschauern (Aitken 1989; Grube 1993; Jones und Donovan 2001; Martin et al. 2002; Waiters et al. 2001). Somit ist es nicht überraschend, dass sich Teenager mit größter Wahrscheinlichkeit an Alkoholwerbung erinnern und sie am häufigsten als ihre Lieblingswerbung bezeichnen (Aitken 1989; Aitken et al. 1988; Aitken et al. 1988; Grube 1993). 37 Musik und Musikvideos Eine Untersuchung der bei Jugendlichen beliebten Musik ergab, dass in 17% der Liedtexte aller Stilrichtungen auf Alkohol Bezug genommen wurde (Roberts et al. 1999). Alkohol wurde häufiger in der Rap-Musik thematisiert (47%) als in anderen Stilrichtungen wie Country-Western (13%), den Top 40 der Charts (12%), Alternative Rock (10%) und Heavy Metal (3%). Ein verbreitetes Thema ist das Erreichen eines Rauschzustandes oder das High-Werden, obwohl Alkoholkonsum auch mit Wohlstand und Luxus, dem Sexualleben, Verbrechen oder Gewalt in Verbindung gebracht wird. Wie schon bei Film und Fernsehen werden die Konsequenzen des Alkoholkonsums nur in wenigen Liedern erwähnt, und gegen den Alkoholkonsum gerichtete Botschaften sind nur selten Gegenstand der Stücke. Produktplatzierungen oder die Erwähnung von Markennamen kamen in annähernd 30% der Lieder mit Thematisierung von Alkohol vor und sind insbesondere in der Rap-Musik verbreitet (48%). Zwischen 1979 und 1997 nahm die Anzahl der Liedtexte in der Rap-Musik, die sich auf Alkohol beziehen, um das Fünffache zu (von 8% auf 44%); die Häufigkeit der Texte, in denen diesbezüglich eine positive Einstellung vertreten wurde, stieg von 43% auf 73% an, und die Erwähnung von Markennamen stieg von 46% auf 71% an (Herd 2005). Außerdem nahm die Anzahl der Lieder, in denen Sekt und Spirituosen erwähnt werden (hauptsächlich teure Markennamen) beachtlich zu, wenn man nach 1994 veröffentlichte Lieder mit denen aus den Vorjahren vergleicht. Zusätzlich gab es bedeutende Zunahmen bei den Verweisen auf Alkohol zur Darstellung von Glanz und Reichtum sowie zum Alkoholkonsum in Kombination mit Drogen und als Freizeitgestaltung. Diese Ergebnisse zeigten auch, dass der Alkoholkonsum in der Rap-Musik viel häufiger zu positiven als zu negativen Konsequenzen führte. Ein ähnliches Muster findet sich auch bei Musikvideos. DuRant et al. (1997) stellten fest, dass in Videos für Rap-Musik prozentual am häufigsten Alkoholkonsum dargestellt wurde, wohingegen Rhythm-and-Blues-Videos am seltensten den Konsum von Alkohol zeigten. Des Weiteren wurde Alkoholkonsum in einem größeren Anteil von Musikvideos festgestellt, deren Inhalt einen Bezug zu Geschlechtsverkehr hatte, als in Videos, die keinen sexuellen Bezug hatten. Sowohl der Inhalt, der erwiesenermaßen den Konsum von Alkohol glorifiziert, als auch die Werbung im Umfeld der Musikvideos verfügen über das Potential, den Alkoholgenuss für junge Zuschauer verlockender zu machen. Filme Inhaltsanalysen ergeben, dass Alkohol in den meisten Filmen gezeigt oder konsumiert wird. So beinhalteten 92% (185) der 200 beliebtesten US-Filme von 1996/1997 Szenen, in denen Alkohol getrunken wird (Roberts et al. 1999). Der Alkoholkonsum Minderjähriger wurde in annähernd 9% dieser Filme gezeigt. Im Allgemeinen wurde der Alkoholgenuss in 34% der Filme, die Verweise auf Alkohol beinhalteten, mit Wohlstand und Luxus in Verbindung gebracht, und Aussagen zugunsten des Konsums von Alkohol oder seine offene Befürwortung kamen in 20% dieser Filme vor. Aussagen, die gegen den Konsum von Alkohol sprachen, wurden nur in 9% der Filme mit Verweisen auf Alkohol festgestellt. Alles in allem zeigten 57% der Filme mit Verweisen auf Alkohol dem Konsumenten überhaupt keine Konsequenzen des Alkoholgenusses. Ähnliche Ergebnisse lieferten andere Inhaltsanalysen (Everett et al. 1998). Überraschenderweise ergab eine Untersuchung von Zeichentrickfilmen für Kinder, dass in 47% von ihnen Alkohol oder sein Konsum gezeigt wurden (Thompson und Yokota 2001). Keiner dieser Zeichentrickfilme enthielt eine offene Warnung vor den gesundheitlichen Risiken des Alkoholkonsums, und meistens waren es gute oder neutrale Charaktere, bei denen Alkoholkonsum dargestellt wurde. Im Hinblick auf das Persönlichkeitsbild von Alkoholkonsumenten wurden in einer Inhaltsanalyse von 100 zwischen 1940 und 1989 veröffentlichten Filmen 38 Konsumenten von Alkohol mit Nicht-Konsumenten verglichen; die Konsumenten von Alkohol wurden positiver dargestellt als die Nicht-Konsumenten (McIntosh et al. 1999). Alkoholkonsumenten wurden insbesondere mit einem höheren sozioökonomischen Status, attraktiver und mit mehr romantischen und sexuellen Beziehungen sowie aggressiver als Nicht-Konsumenten dargestellt. In diesen Filmen wurden jedoch negative Konsequenzen des Alkoholkonsums wie Tod und Verlust von geliebten Menschen genauso wie positive Konsequenzen, z. B. Reichtum und Romanzen, gezeigt. Eine ähnliche Untersuchung von zwischen 1906 und 2001 produzierten Filmen ergab, dass Alkoholgenuss hauptsächlich in einer normalisierten Form dargestellt wurde im Vergleich zur Verteufelung illegaler Drogen wie Cannabis (Cape 2003). Produktplatzierung Die Produktplatzierung gegen Bezahlung in Filmen, im Fernsehen, in Büchern und Videospielen stellt eine weitere Möglichkeit dar, alkoholische Getränke in das Alltagsleben junger Menschen einzubetten. Entscheidungen über die Produktplatzierung in den Medien sind das Ergebnis umfassender Marktforschungen und der Nutzung von Standarddatenbanken für die Marktforschung, um die demographischen Profile der Zielgruppen der verschiedenen Medienträger sowie die Wirksamkeit solcher Träger bei der Herstellung einer Verbindung zwischen den Zielgruppen und den Firmen, die Interesse an der Platzierung von Werbung in solchen Trägern haben, zu bewerten (Jernigan and O’Hara 2005). Internet Das schnelle Wachstum der Informationstechnologie und insbesondere des Internets gibt den Herstellern neue Möglichkeiten für Verkaufsförderungsmaßnahmen. Technisch hochentwickelte Webseiten wurden unter Einsatz von Technologien geschaffen, mit denen interaktive Schauplätze mit beeindruckenden Graphiken und ins Auge stechenden Animationen entwickelt werden können. Die Forschung zur Darstellung von Alkohol im Internet konzentrierte sich auf die Zugänglichkeit für Jugendliche, den Kontakt mit Elementen der Vermarktung von Alkohol und die mögliche Anziehungskraft kommerzieller Webseiten über Alkohol auf Jugendliche. In den Forschungsarbeiten wurde der Inhalt nicht-kommerzieller Webseiten, deren Schwerpunkt auf Alkoholprodukten oder Trinkkulturen liegt, nicht behandelt. Auch gibt es keine Studie, in der die möglichen Auswirkungen des Kontakts mit der Darstellung und Förderung von Alkohol im Internet auf den Konsum der Jugendlichen thematisiert wurden. Das Center for Media Education (zitiert in Grube und Waiters (2005) fand heraus, dass kommerzielle Webseiten von Alkoholprodukten leicht für Jugendliche zugänglich sind und oft über Suchmaschinen bei damit nicht in Zusammenhang stehenden Suchen nach Schlüsselwörtern für Spiele, Unterhaltung, Musik, Wettbewerbe und kostenlose Bildschirmschoner geöffnet werden. Die Inhaltsanalyse von Webseiten, für die große Hersteller von Alkoholprodukten als Betreiber registriert sind, zeigte, dass diese durch die Glorifizierung der Jugendkultur mittels Humor, im Trend liegender Sprache, interaktiver Spiele und Wettbewerbe, Audio-Downlods von Rockmusik sowie Gemeinschaften bildende Chat-Rooms und Online-Pinnwände auf jugendliche Alkoholkonsumenten abzielen. Insgesamt wurde festgestellt, dass diese Seiten den Alkoholkonsum fördern. Nur eine sehr geringe Anzahl von Webseiten enthielt überhaupt Informationen zu den durch Alkohol verursachten Schäden. Grundlegendes und virales Marketing Das Basismarketing nahm im Laufe der 1990er Jahre ebenfalls durch den Einsatz von Technologien wie dem Internet, der Übernahme von Feiertagen und Feierlichkeiten bestimmter Völker oder Ethnien und die Ausweitung des Sponsoring angefangen bei Sportveranstaltungen, über Popmusikkonzerte als Anlässe für die Vermarktung von Alkohol (McBride und Mosher 1985:143; Alaniz und Wilkes 1998) bis hin zu Veranstaltungen, bei denen 39 Alkohol häufig ein zentraler Teil der Aktivitäten ist, zu. Damit werden die Produkte in den Lebensstil und die Alltagsroutine der Jugendlichen eingebettet (Aaker 1996; Fleming und Zwiebach 1999). Virale Marketingverfahren sind ebenfalls beliebt, um die Konsumenten dazu zu ermutigen, ihre Freunde auf Internetseiten zu bringen, z. B. mit Funktionen, über die die Konsumenten ihren Freunden E-Mails und SMS für Mobiltelefone schicken können (Cooke et al. 2002). Bisher wurden die Auswirkungen dieser Marketingstrategie auf die Jugend nur wenig erforscht. Sponsoring im Sport Werbesponsoring hat seit den 1980er Jahren stark zugenommen. Dabei liegt die Tabakindustrie ganz vorn, die Alkoholindustrie steht jedoch an zweiter Stelle (Meenaghan 1991, Meerabeau et al. 1991; Cooke et al. 2002). In der Folge wurde das Sponsoring durch Alkoholproduzenten in ganz Europa in allen Schlüsselbereichen der Jugendkultur wie Musik, Sport, Tanz, Film und Fernsehen üblich. Das Sponsoring bringt für den Sponsor eine Reihe von möglichen Vorteilen mit sich: Es kann einen Weg darstellen, um Regelungen zur direkten Werbung zu umgehen (Meerabeau et al. 1991). Es ist eine kostengünstige Form der Werbung, mit der man leicht das gewünschte Marktsegment erreicht (junge Männer sind sowohl die größten Sportfans als auch die stärksten Trinker), und diese Konsumenten sind weniger kritisch im Hinblick auf Sponsoring als bei herkömmlichen Werbeformen. Darüber hinaus kann das Sponsoring großer internationaler Sportveranstaltungen es der Marke eines Unternehmens ermöglichen, über Grenzen hinweg andere Länder zu erreichen, in denen Alkoholwerbung stark beschränkt oder sogar verboten sein kann. 4.3. ZIELEN KOMMERZIELLE KOMMUNIKATIONEN AUF JUGENDLICHE AB? Die Forschung in den USA hat gezeigt, dass Alkohol produzierende Unternehmen Werbung in beachtlicher Menge dort platzieren, wo pro Kopf mehr Jugendliche als Erwachsene der Werbung ausgesetzt sind (Jernigan et al. 2005). Im Jahr 2002 sahen Minderjährige in den USA 45% mehr Werbung für Bier und Ale, 12% mehr Werbung für Spirituosen, 65% mehr Werbung für Erfrischungsgetränke mit geringem Alkoholgehalt und 69% weniger Werbung für Wein als Personen im Alter von über 21 Jahren (Jernigan et al. 2004). Mädchen zwischen 12 und 20 Jahren hatten mit größerer Wahrscheinlichkeit Kontakt zu Werbung für Bier, Ale und Erfrischungsgetränke mit niedrigem Alkoholgehalt als Frauen der Altersgruppe von 21 bis 34. Die Exposition von Mädchen gegenüber Werbung für Erfrischungsgetränke mit niedrigem Alkoholgehalt nahm von 2001 bis 2002 um 216% zu, wohingegen dies bei Jungen nur um 46% der Fall war. Zeitschriften stehen von allen ausgewerteten Medien am stärksten im Mittelpunkt. Bisher wurde die Alkoholwerbung in diesem Medium in zwei Studien untersucht. In Anlehnung an Untersuchungen, die nahelegen, dass Werbung für bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren beliebte Zigarettenmarken häufiger als Werbung für andere Marken in Zeitschriften abgedruckt wird (King et al. 1998), entnahmen Sanchez et al. (2000) willkürlich 15 Zeitschriften als Stichprobe, darunter 11 Zeitschriften mit der größten jugendlichen Leserschaft (größer als 1,9 Millionen Leser) und vier mit der kleinsten jugendlichen Leserschaft (weniger als 0,8 Millionen), und bewerteten das Ausmaß der Beeinflussung, indem in jedem Magazin die Seiten mit Werbung für Alkohol oder Tabak gezählt wurden. Die Autoren stellten einen Zusammenhang zwischen der Größe der jugendlichen Leserschaft und der Alkoholund Tabakwerbung fest, wobei Zeitschriften mit einer größeren jugendlichen Leserschaft mehr Alkohol- und Tabakwerbung enthielten. Zu ähnlichen Erkenntnissen kamen auch Garfield et al. (2003), die herausfanden, dass nach der 40 Anpassung an andere Zeitschriftenmerkmale der Quotient der Werbung für Bier und Spirituosen für jede zusätzliche Million jugendlicher Leser 1,6 Mal größer war. Für die Werbung der Weinindustrie wurde kein Zusammenhang mit der jugendlichen Leserschaft festgestellt (s. Schaubild 5). 3.5 3 2,5 12-19 Jahre 20-24 Jahre + 25 Jahre 2 1,5 1 0,5 Bier Spirituosen Wein 0 Schaubild 5 Zeitschriftenleserschaft und Alkoholwerbung. Das Verhältnis des Werbeanteils für jede zusätzliche Million jugendlicher Leser. Z. B. weist eine US-amerikanische Zeitschrift, die 1 Millionen mehr Leser zwischen 12 und 19 Jahren hat als eine andere US-amerikanische Zeitschrift, die 1,-fache Menge von Werbung für Bier und Spirituosen auf. Quelle: Garfield et al. (2003). 4.4 Schlussfolgerungen Auf Grund der biologischen Veränderungen in der Pubertät sind Jugendliche besonders empfänglich für Alkoholwerbung, die die Anfälligkeit der Heranwachsenden über die Formung ihrer Haltungen, Wahrnehmungen und an den Alkoholgenuss geknüpften Erwartungen manipuliert. Diese Empfänglichkeit wird durch die starke Exposition gegenüber kommerziellen Kommunikationen noch verstärkt. Dies geschieht nicht nur über traditionelle Medien, die stark auf Jugendliche ausgerichtet sind, sondern auch über Kommunikationsmittel wie Mobiltelefone und das Internet, die auf Jugendliche besonders anziehend wirken. In Artikel 95(3) des Vertrags über die Europäische Union wird von der Kommission in den Vorschlägen für die Errichtung und das Funktionieren des Binnenmarktes im Hinblick auf die Gesundheit gefordert, ein hohes Schutzniveau zugrunde zu legen. Eine Annäherung der Gesetze für Werbung in den europäischen Staaten mit Rechtsvorschriften und einem Verbot gewisser Medien würde zum Schutz der Jugendlichen beitragen, indem Werbung für Alkohol - ein für über 25% der Todesfälle bei jungen Männern und für 11% der Todesfälle bei jungen Frauen verantwortliches Suchtmittel – reguliert und Situationen vermieden werden würden, in denen Jugendliche infolge der Verkaufsförderung frühzeitig und auf riskante Weise damit beginnen, Alkohol zu konsumieren und abhängig werden. 41 5. KOMMERZIELLE KOMMUNIKATIONEN, EINSTELLUNGEN DER JUGENDLICHEN UND IHR WUNSCH, ALKOHOL ZU TRINKEN Es gibt in großer Zahl Belege dafür, dass Alkoholwerbung in Zusammenhang steht mit den positiven Einstellungen und Auffassungen junger Menschen im Hinblick auf Alkohol. Außerdem steht der Inhalt der Werbung in Zusammenhang mit den an den Konsum von Alkohol geknüpften Erwartungen der Jugendlichen und der Rolle, die Alkohol in ihrem Leben spielt. Auf Jugendliche wirken insbesondere musikalische Bestandteile, Darsteller, erzählende Elemente und Humor anziehend. Jugendliche, denen eine Werbung gefällt, glauben, dass die positiven Konsequenzen des Trinkens überwiegen, dass Gleichaltrige häufiger trinken und den Konsum von Alkohol in größerem Maße befürworten. Diese Auffassungen beeinflussen sich gegenseitig und führen so zu einer größeren Wahrscheinlichkeit des Alkoholkonsums oder der Absicht, in naher Zukunft zu trinken. Diese Ergebnisse sind angesichts der Tatsache, dass ein verstärkter Wunsch nach Alkoholkonsum eines der Hauptziele kommerzieller Kommunikationen darstellen muss, keine Überraschung. 5.1. VERÄNDERN KOMMERZIELLE KOMMUNIKATIONEN DIE EINSTELLUNG DER JUGENDLICHEN UND IHREN WUNSCH, ALKOHOL ZU TRINKEN? Soziale Normen spiegeln die Ansichten über die Normalität und Angemessenheit bestimmter Ansichten und Verhaltensweisen wider und erzeugen folglich den Druck, sich anzupassen und sich auf eine bestimmte Weise zu verhalten (Aas und Klepp 1992; Austin und Johnson 1997a; 1997b; Austin und Knaus 2000; Austin und Meili 1994; Austin und Nach-Ferguson 1995; Thomsen und Rekve 2004). In den meisten Fällen handelt es sich um einen inneren Druck, der das widerspiegelt, von dem wir denken, dass andere es von uns in bestimmten Situationen erwarten. Die sozialkognitive Theorie legt nahe, dass soziale Normen häufig durch Beobachtung und vielfältige Erfahrungen erlernt werden. Zum Beispiel können Teenager, die andere Teenager Alkohol trinken sehen - im Fernsehen oder in realer Umgebung - zu der Auffassung gelangen, dass alle Teenager trinken. Dies erzeugt wiederum den Druck, sich diesem normativen Standard anzupassen (Aas und Klepp 1992). Das Problem besteht darin, dass Teenager dazu neigen, die Häufigkeit des Alkoholkonsums der anderen Teenager zu überschätzen und somit Ansichten und einen damit zusammenhängenden Druck zu entwickeln, die nicht der Realität entsprechen (Aas und Klepp 1992). Bei Kindern und Heranwachsenden, die bisher noch keinen Alkohol konsumiert haben, werden Erwartungen (d. h. das Erwarten und Akzeptieren der Realität des zukünftigen Alkoholkonsums) durch normative Annahmen über das Trinkverhalten Jugendlicher sowie durch das Beobachten des Alkoholkonsums von Eltern, Gleichaltrigen und Vorbildern in den Massenmedien beeinflusst (Aas 1993; Ary et al. 1993; Cumsille et al. 2000; Curran et al. 1997; Grube und Wallack 1994; Jackson et al. 1999; Webb et al. 1996). Ein wachsender Forscherkreis hat eine Verbindung zwischen dem Kontak zur Darstellung von Alkoholkonsum in den Massenmedien und 42 der Entwicklung positiver Erwartungen von Kindern und Jugendlichen im Hinblick auf Alkoholgenuss hergestellt (Andsager et al. 2002; Austin und Johnson 1997a; 1997b; Austin und Knaus 2000; Austin und Meili 1994; Aitken 1989; Aitken et al. 1988; Austin und Knaus 2000; Austin und Meili 1994; Austin und Nach-Ferguson 1995; Austin et al. 2000; Dunn und Yniguez 1999; Grube und Wallack 1994; Kelly und Edwards 1988; Kotch et al. 1986; Martin et al. 2002; Hill und Caswell 2001). Die Ergebnisse zahlreicher Studien deuten darauf hin, dass die Darstellung des beiläufigen Alkoholkonsums in Unterhaltungsmedien sowie Botschaften und Bilder in der Werbung die Ansichten und Verhaltensweisen derjenigen Personen beeinflussen, die das gesetzliche Mindestalter für den Alkoholkonsum noch nicht erreicht haben (Aitken 1989; Atkin 1990; Connolly et al. 1994; Jones und Donovan 2001; Martin et al. 2002; Waiters et al. 2001; Wyllie et al. 1998). Positive Erwartungen im Hinblick auf Alkohol sind wiederum auch mit dem derzeitigen Alkoholkonsum von Jugendlichen in Verbindung gebracht worden (Aas 1993; Aas et al. 1995; Aas et al. 1998; Austin und Johnson 1997a; 1997b; Brown et al. 1987; Connelly et al. 1994; Grube und Wallack 1994; Kotch et al. 1986). Einige dieser Studien wurden jedoch dahingehend kritisiert, dass sie empirisch nicht ausreichend gestützt sind, um eine kausale Verbindung zwischen der Medienexposition einerseits und Einstellungen und Verhaltensweisen andererseits zu bestätigen (Kohn und Smart 1984; Smart 1988). Es wird auch kritisiert, dass in einigen Studien nur von einem sehr geringen Ausmaß dieser Wirkung berichtet wurde (Beccaria 2001; Grimm 2002; Nelson 1999; Strickland 1983). Inhaltsanalysen deuten darauf hin, dass in vielen Alkoholwerbungen der Alkoholgenuss mit positiv bewerteten persönlichen Eigenschaften (z. B. Geselligkeit, Eleganz, physische Attraktivität) sowie mit erwünschten Resultaten (z. B. Erfolg, Entspannung, Romantik, Abenteuer) in Verbindung gebracht wird (Strickland et al. 1982). Im Allgemeinen halten Kinder und Jugendliche Alkoholwerbung mit berühmten Werbeträgern, Humor, Animationen und Popmusik für besonders ansprechend (Chen und Grube 2002, Atkin und Block 1983). Heranwachsende Jungen werden insbesondere von Alkoholwerbung angezogen, die mit dem Bereich Sport arbeitet (Slater et al. 1996; 1997). In einer relativ umfassenden Studie wurden die Verbindungen zwischen der bewussten Wahrnehmung der Kinder von Alkoholwerbung und ihrem Wissen über und ihren Auffassungen von Alkoholgenuss untersucht (Grube 1995; Grube und Wallack 1994). Die bewusste Wahrnehmung von Alkoholwerbung seitens der Schüler wurde dadurch überprüft, dass ihnen eine Reihe von bewegungslosen Fotografien aus Fernsehwerbespots für Bier gezeigt wurde, wobei alle Verweise auf das Produkt oder die Marke entfernt worden waren. Die Kinder wurden für jede Werbung gefragt, ob sie sie schon einmal gesehen hatten, und wenn ja wurden sie gebeten, das Produkt, für das geworben wurde, zu identifizieren. Kinder, die die Werbung bewusster wahrnahmen, wussten mehr über Biermarken und Werbeslogans und vertraten positivere Ansichten über den Alkoholgenuss. Obwohl versucht wurde, die Möglichkeit in der Analyse zu berücksichtigen, dass schon vorher bestehende Ansichten und Wissen die bewusste Wahrnehmung von Werbung seitens der Kinder beeinflussen könnten, ist es immer noch möglich, dass der beobachtete Zusammenhang daher stammt, dass Kinder, die positivere Ansichten über den Alkoholkonsum haben, auch diejenigen sind, die Werbung bewusster wahrnehmen. Eine andere Studie ergab, dass junge Menschen, die emotional positiver auf Alkoholwerbung reagierten, günstigere Erwartungen an den Alkoholgenuss knüpften, eine größere soziale Billigung des Alkoholkonsums wahrnahmen, das Trinken von 43 Alkohol bei Gleichaltrigen und Erwachsenen für häufiger hielten, beabsichtigten, als Erwachsene mehr zu trinken, und häufiger größere Mengen Alkohol zu sich nahmen (Chen und Grube 2002). Auch hier wurde zwar versucht, die sich gegenseitig beeinflussenden Wirkungen des Alkoholkonsums, der Konsumabsichten und der Ansichten auf die positive Reaktion auf Alkoholwerbung einzuschränken, aber es bleibt dennoch möglich, dass der festgestellte Zusammenhang daraus resultiert, dass Kinder, die Alkohol konsumieren, und zwar in größeren Mengen, positiver auf Alkoholwerbung reagieren. In einer Vielzahl von Studien wurde versucht herauszufinden, ob Kinder und Jugendliche, denen Alkoholwerbung gefällt, ein anderes Trinkverhalten aufweisen als diejenigen, die diese Werbung nicht mögen. Eine Studie mit 213 Kindern zwischen 7 und 12 Jahren zeigte, dass die Kinder umso häufiger mit Alkohol experimentierten, je besser Ihnen die Alkoholwerbung gefiel (Austin und Nach-Ferguson 1995). In einer Studie mit 500 neuseeländischen Kindern zwischen 10 und 17 Jahren wurde festgestellt, dass das Maß, in dem die Kinder eine Reihe von Bierwerbungen mochten, deren Einschätzung der Wahrscheinlichkeit beeinflusste, mit der sie im Alter von 20 Jahren voraussichtlich Alkohol trinken würden (Wyllie et al. 1998a). Aus einer statistischen Analyse kann gefolgert werden, dass, obwohl das Maß, in dem Alkoholwerbung gemocht wird, den aktuellen Konsumstatus und die Zukunftsabsichten beeinflusst, der Umkehrschluss nicht zutreffend zu sein scheint. Eine ähnliche Studie mit einer älteren Altersgruppe ergab bei 1.012 zufällig ausgewählten 18- bis 29-Jährigen deutlichere Ergebnisse (Wyllie et al. 1998b). In diesem Fall galt, dass die Teilnehmer umso häufiger große Mengen Alkohol zu sich nahmen und positiven Aussagen wie "Trinken ist ein guter Weg, um dem Ärger im Alltag zu entkommen" zustimmten, je besser den Teilnehmern Alkoholwerbung gefiel. Von großer Bedeutung ist auch die Feststellung, dass die Teilnehmer umso häufiger von Problemen in Zusammenhang mit Alkoholgenuss, z. B. die Verwicklung in Schlägereien nach dem Trinken von Alkohol, berichteten, je besser ihnen die Werbung gefiel. Statistische Modelle wurden eingesetzt, um den Schluss nahezulegen, dass Alkoholwerbung und die Reaktionen auf Alkoholwerbung eher die Ansichten im Hinblick auf Alkoholkonsum, das Trinkverhalten und alkoholbedingte Probleme beeinflussen als umgekehrt. 15- bis 20-Jährige werden von Alkoholwerbung über die Formung ihrer Haltungen und Wahrnehmungen im Hinblick auf die in der Werbung beinhalteten Botschaften beeinflusst, die wiederum Vorhersagen sowohl über positive an Alkohol geknüpfte Erwartungen als auch über die Absicht, Alkohol zu konsumieren, ermöglichen und den Schluss nahe legen, dass die Auswirkungen der Alkoholwerbung auf die Absicht, Alkohol zu konsumieren, über kognitive Reaktionen auf die Botschaften der Alkoholwerbung und positive Erwartungen erzielt werden (Fleming et al. 2004). 14Jährige, die öfter Kontakt zu Werbung in Zeitschriften, auf Sport- und Musikveranstaltungen und über das Fernsehen haben, nehmen Werbung bewusster wahr als diejenigen mit geringerer Exposition, genau wie Teenager, die häufiger fernsehen, auf Bierwerbung achten und Erwachsene kennen, die Alkohol konsumieren (Collins et al. 2003). Bei den 10- bis 17-Jährigen ist die wahrgenommene Beliebtheit der Bierwerbung abhängig von den positiven emotionalen Reaktionen, die durch die spezifischen in der Werbung dargestellten Elemente hervorgerufen werden. Die Tatsache, dass bestimmte in der Bierwerbung dargestellte Elemente gemocht wurden, trug wesentlich zur Gesamtbeliebtheit dieser Werbung bei und folglich auch zur Wirksamkeit der Werbung, die durch die Absicht, ein in dieser Werbung empfohlenes Produkt oder eine Marke zu kaufen, angezeigt wurde (Chen et al. 2005). 44 In einer Reihe von Studien wurde der Versuch unternommen, den Prozess zu verstehen, der bei der Beeinflussung von Ansichten über Alkohol und von alkoholbedingtem Verhalten von Kindern und Heranwachsenden über den Kontakt zu Alkoholwerbung und der beiläufigen Darstellung von Alkoholkonsum im Fernsehen und in Musikvideos abläuft (DuRant et al. 1997; Robinson et al. 1998). Aas und Klepp (1992), Atkin (1990) sowie Austin und Meili (1994) vertreten die Auffassung, dass Alkoholkonsum ein erlerntes Verhalten und ein Teil des Sozialisationsprozesses von Jugendlichen ist. Sie behaupten, dass Heranwachsende, insbesondere solche, die noch nicht damit begonnen haben, selbst Alkohol auszutesten, aktiv und ganz bewusst Informationen über Alkohol aus kulturellen Quellen sowie über die Familie und Gleichaltrige sammeln. Eine der Hauptquellen ist das Fernsehen, das möglicherweise nur eine verzerrte Sicht der Wirklichkeit des Alkoholkonsums wiedergibt (Atkin 1990; Austin und Nach-Ferguson 1995; Christenson et al. 2000; Grube 1993; Kelly und Donohew 1999; Mirazee et al. 1989; Wallack et al. 1990). Bei schwergewichtigen Zuschauern ist es wahrscheinlicher als bei schlankeren Zuschauern, dass sie Aussagen wie "Menschen, die Alkohol trinken, sind glücklich" und "Man muss Alkohol trinken, um auf einer Sportveranstaltung Spaß zu haben" zustimmen (Neuendorf 1985). Studien zu den Auswirkungen des Kontakts von Jugendlichen mit der Darstellung von Alkoholkonsum in Filmen sind selten (Thompson 2005). Im Rahmen einer Studie wurden College-Studenten mit zwei Versionen von "A Star is Born" konfrontiert: In der einen wurden die negativen Folgen des Alkoholkonsums des Hauptdarstellers gezeigt, wohingegen in der anderen Version die negativen Auswirkungen gelöscht wurden (Bahk 1997; 2001). Personen, die die Version sahen, aus der Szenen herausgeschnitten worden waren, bewerteten Alkoholgenuss positiver und beabsichtigten in stärkerem Maße, Alkohol zu konsumieren. In einer ähnlichen Studie wurde College-Studenten eine Reihe von Filmausschnitten gezeigt, in denen entweder die negativen Konsequenzen des Konsums von Spirituosen, die positiven Konsequenzen oder Kontrollausschnitte ohne die Darstellung von Alkoholkonsum gezeigt wurden (Kulick und Rosenberg 2001). Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Teilnehmer, die die Ausschnitte mit der Darstellung der positiven Konsequenzen des Alkoholgenusses sahen, deutlich positivere Erwartungen an den Alkoholkonsum knüpften als Teilnehmer der Kontrollgruppe. Mitglieder der Kontrollgruppe und der Gruppe, die Ausschnitte mit der Darstellung der negativen Konsequenzen gesehen hatten, unterschieden sich in ihrer Absicht, im Laufe der nächsten Woche Spirituosen zu trinken, nicht. 5.2 Schlussfolgerungen Es bestehen so gut wie keine Zweifel daran, dass Alkoholwerbung in Zusammenhang mit den positiven Einstellungen und Ansichten junger Menschen im Hinblick auf Alkohol steht und dass der Inhalt der Werbung mit den Erwartungen, die die Jugendlichen an Alkoholgenuss knüpfen, sowie der Rolle, die Alkohol in ihrem Leben spielt, in Verbindung steht. In Kapitel 2 wurde dargelegt, dass es deutliche Unterschiede zwischen der Gesetzgebung, den Regelungen und administrativen Bestimmungen hinsichtlich der Werbung für Alkoholprodukte in den europäischen Staaten gibt. Es gibt auch keine Belegsammlung mit Nachweisen dafür, dass in der Alkoholwerbung bezüglich des Inhalts Normen befolgt werden. Da Unterschiede bei den nationalen Gesetzgebungen wahrscheinlich zunehmend zwischen den Staaten Behinderungen des freien Verkehrs von Produkten und Dienstleistungen, die als Hilfsmittel für solche Werbung dienen, zur Folge haben, spricht vieles dafür, die Gesetze zum Inhalt der Werbung europaweit anzunähern. Ein Beispiel für ein solches Gesetz ist das französische Loi Evin, das die Botschaften und Bilder von 45 Alkoholwerbung dahingehend beschränkt, dass man sich nur auf die Qualität des Produkts beziehen darf. 46 6. KOMMERZIELLE KOMMUNIKATIONEN UND DAS TRINKVERHALTEN DER JUGENDLICHEN 6.1. VERÄNDERN KOMMERZIELLE JUGENDLICHEN? KOMMUNIKATIONEN DAS VERHALTEN DER Sechs in den USA durchgeführte, gut angelegte Längsschnittstudien und eine gut angelegte belgische Längsschnittstudie zeigen, dass durch die Häufigkeit der Werbung und der Medienexposition die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche mit dem Trinken von Alkohol beginnen, zunimmt und die konsumierte Menge sowie die zu einem einzigen Anlass konsumierte Menge beeinflusst werden (s. Tabelle 8). Es gibt keine veröffentlichten Längsschnittstudien, die eine solche Wirkung nicht belegen. Diese Ergebnisse ähneln den Auswirkungen der Tabakwerbung und der Werbung für Produkte aus dem Bereich Ernährung und sind keine Überraschung, da eine Zunahme des Alkoholkonsums das Hauptziel kommerzieller Kommunikationen sein muss. Es ist schwierig, die Beziehung zwischen den Ausgaben für kommerzielle Kommunikationen oder der Existenz bzw. dem Fehlen eines Verbots von Alkoholwerbung in einem Rechtssystem und dem Trinkverhalten junger Menschen zu untersuchen. Dort, wo solche Untersuchungen dennoch durchgeführt wurden, haben einige Studien ergeben, dass vermehrte Werbeausgaben mit einer Zunahme der alkoholbedingten Schädigungen bei Jugendlichen in Zusammenhang stehen und dass ein vollständiges Werbeverbot alkoholbedingte Schäden vermindert. In anderen Studien konnte dies jedoch nicht nachgewiesen werden. Im Allgemeinen scheinen jüngere Studien stärkere Auswirkungen kommerzieller Kommunikationen festgestellt zu haben. Rauchen Die Auswirkungen, die Werbung auf das Verhalten junger Menschen haben kann, wurden für das Rauchen gut dargestellt: In diesem Kontext wurde anerkannt, dass die Werbung mit dem Zigarettenkonsum in Verbindung steht. Eine systematische Durchsicht von neun Längsschnittstudien, in denen insgesamt mehr als 12.000 anfängliche Nichtraucher begleitet wurden, ergab, dass die Exposition gegenüber Tabakwerbung und verkaufsfördernden Aktionen in Zusammenhang mit der Wahrscheinlichkeit stand, dass Heranwachsende mit dem Rauchen beginnen (Lovato et al. 2003). Auf der Grundlage dieses ausgeprägten Zusammenhangs, der Übereinstimmung der Ergebnisse zahlreicher Beobachtungsstudien, des zeitlichen Zusammenhangs zwischen der Exposition und dem beobachteten Rauchverhalten sowie der theoretischen Plausibilität im Hinblick auf die Auswirkungen der Werbung wurde im Rahmen der Durchsicht dieser Studien der Schluss gezogen, dass Tabakwerbung und verkaufsfördernde Aktionen zu einer Zunahme der Wahrscheinlichkeit führten, dass Jugendliche mit dem Rauchen begannen. Nahrungspräferenzen Ähnlich fielen die Ergebnisse im Bereich der Nahrungsmittelpräferenzen aus, wo eine systematische Prüfung Folgendes ergab: ausreichend stichfeste Belege (aus 14 Studien) dafür, dass der Kontakt zu verkaufsfördernden Maßnahmen bei Lebensmitteln die Nahrungspräferenzen von Kindern beeinflusst; stichfeste und übereinstimmende Belege (aus 7 Studien) dafür, dass der Kontakt zu verkaufsfördernden Maßnahmen bei Lebensmitteln die Käufe von Kindern und das 47 mit dem Kaufen in Zusammenhang stehende Verhalten von Kindern beeinflusst; schwache Belege (aus 11 Studien) dafür, dass der Kontakt zu verkaufsfördernden Maßnahmen bei Lebensmitteln den Nahrungsmittelkonsum bei Kindern beeinflusst; Belege (aus 6 Studien) dafür, dass eine bedeutende Beziehung zwischen Fernsehen und Ernährung, Fettleibigkeit und Cholesterin besteht; Belege (aus einer Studie) dafür, dass ein intensiverer Kontakt zu Lebensmittelwerbung in Zusammenhang mit einer größeren Anzahl von Snacks zwischen den Mahlzeiten und einer höheren Kalorienzufuhr steht; Belege (aus 8 Studien) dafür, dass die Verkaufsförderung bei Lebensmitteln unabhängig von anderen Einflüssen wie dem Verhalten der Eltern oder dem Preis das Essverhalten und die Ernährung von Kindern beeinflusst; und insbesondere Belege (aus 13 Studien) dafür, dass die Verkaufsförderung bei Lebensmitteln die Vorlieben der Kinder für bestimmte Marken und für bestimmte Kategorien beeinflusst (Hastings et al. 2003). Alkoholkonsum In frühen Studien über Kinder und Jugendliche gab es einige Belege für Zusammenhänge zwischen Alkoholwerbung und einer größeren Wahrscheinlichkeit des Alkoholkonsums (Aitken et al. 1988; Atkin und Block 1980; Atkin et al. 1983 1984; Austin und Meili 1994; Austin und Nach-Ferguson 1995; Grube 1995; Grube und Wallack 1994; Wyllie et al. 1998a,b). Die Auswirkungen waren allerdings nur geringfügig, und in einigen Studien wurde keine bedeutende Beziehung festgestellt (Adlaf und Kohn 1989; Strickland 1982 1983). Zudem waren die Umfragen so gestaltet, dass nicht festgestellt werden konnte, ob z. B. die Werbung die Verhaltensweisen auslöste, oder ob bereits bestehende Verhaltensweisen zu einer verstärkten Wahrnehmung der Werbung führten. Jungen auf weiterführenden Schulen, die mehr fernsehen, trinken mehr Alkohol als solche, die weniger fernsehen (Tucker 1985; Atkin 1990), obwohl das nicht für alle Fernsehprogramme gilt (Klein et al. 1993). Kürzlich wurde herausgefunden, dass das Fernsehen mit dem Einsetzen des Alkoholkonsums in den nächsten 18 Monaten in Zusammenhang steht (Robinson et al. 1998). Jede zum Ausgangswert zusätzliche Stunde Fernsehkonsum wurde mit einem um 9% erhöhten Risiko in Verbindung gebracht, in den folgenden 18 Monaten mit dem Trinken von Alkohol zu beginnen. Eine in Neuseeland durchgeführte Studie, in der 677 zufällig ausgewählte Teenager über mehrere Jahre hinweg begleitet wurden, ergab, dass junge Männer, die sich im Alter von 15 Jahren an mehr Alkoholwerbespots (überwiegend Bierwerbung) erinnern konnten, im Alter von 18 Jahren größere Mengen Bier konsumierten als diejenigen, die sich mit 15 an weniger Werbespots erinnern konnten (Connolly et al. 1994). Für Frauen wurde jedoch das Gegenteil festgestellt. Der Alkoholkonsum von Jugendlichen wird mit einer stärkeren Exposition gegenüber Musikvideos in Verbindung gebracht (Robinson et al. 1998; Durant et al. 1997; Brown und Witherspoon 2002). Robinson et al. (1998) fanden heraus, dass die Gefahr, im Laufe der nächsten 18 Monate mit dem Trinken zu beginnen, mit jeder zusätzlichen Stunde, in der Musikvideos angesehen werden, um 31% anstieg. In einer anderen Studie zu den Auswirkungen von Popmusikvideos auf das Trinkverhalten der Jugendlichen wurde ein echter Zusammenhang zwischen dem Kontakt mit Rapmusikvideos und der Wahrscheinlichkeit des Alkoholkonsums jugendlicher Frauen afro-amerikansicher Herkunft festgestellt (Wingood et al. 2003). In einer 12-monatigen Prospektivstudie wurde gezeigt, dass Jugendliche mit intensiverem Kontakt zu Rapmusikvideos mit einer um den Faktor 1,5 erhöhten Wahrscheinlichkeit Alkohol konsumiert hatten als Jugendliche mit einer schwächer ausgeprägten Exposition gegenüber Rapmusikvideos. In einer belgischen Studie wurde der Zusammenhang zwischen dem Ansehen von Musikvideos und der Menge 48 des von Jugendlichen konsumierten Alkohols untersucht (Van Den Bluck und Beullens 2005). Die Ergebnisse zeigten, dass die im Februar 2004 beim Ausgehen konsumierte Alkoholmenge mit dem Gesamtfernsehkonsum der Jugendlichen und ihrem Kontakt zu Musikvideos im Vorjahr in Zusammenhang stand. Auch nach der Kontrolle im Hinblick auf Geschlecht, Klassenstufe und Alkoholkonsum im Jahr 2003 blieben diese Ergebnisse aussagekräftig. Andere Studien zeigten einen positiven Zusammenhang zwischen der Einschränkung des Konsums von nicht kindgerechten Filmen seitens der Eltern und einer abnehmenden Wahrscheinlichkeit, mit der Jugendliche Alkohol trinken. Dalton et al. (2002) fanden z. B. heraus, dass die Häufigkeit des Alkoholkonsums von Schülern der mittleren Klassenstufen abnahm, wenn die Einschränkungen seitens der Eltern für das Ansehen von Filmen zunahmen. Die Häufigkeit, mit der Alkohol ausprobiert wurde, lag bei 46% für Jugendliche, deren Eltern ihren Fernsehkonsum nicht beschränkten, bei 16% für Jugendliche, deren Eltern den Fernsehkonsum beschränkten, und bei 4% für diejenigen, deren Eltern das Fernsehen komplett verboten. Diese Häufigkeitsquoten blieben auch nach der Kontrolle im Hinblick auf andere Variablen wie der Merkmale des Schülers und der Erziehung seitens der Eltern konstant. In den USA begleiteten Ellickson et. al. (2005) drei Jahre lang über 3.000 13- bis 15Jährige. Beim Vergleich von Alkoholkonsumenten und Nichtkonsumenten zum Ausgangszeitpunkt der Studie fanden Sie heraus, dass der Kontakt zu Bierdarstellungen in Geschäften für Nichtkonsumenten darauf hindeutete, dass sie zwei Jahre später mit dem Trinken beginnen würden, und dass der Kontakt zu Werbung in Zeitschriften und einem Bierausschank bei Sport- und Musikveranstaltungen die Häufigkeit des Alkoholkonsums nach zwei Jahren vorhersagen ließ. Aus dem Kontakt zu Alkoholwerbung im Fernsehen konnten weder für Alkoholkonsumenten noch für Nichtkonsumenten wesentliche Vorhersagen abgeleitet werden. Stacy et. al. (2004) stellten jedoch durchaus Auswirkungen von Fernsehwerbung fest. Sie begannen mit einer Altersgruppe, die 2.250 12- bis 13Jährige umfasste, setzten eine Mischung aus Kontakt- und Erinnerungsvariablen ein und fanden heraus, dass 11- bis 12-Jährige, wenn sie 60% mehr Alkoholwerbung im Fernsehen als der Durchschnitt sahen, ein Jahr danach mit einer um 44% erhöhten Wahrscheinlichkeit Bier getrunken haben, mit einer um 34% erhöhten Wahrscheinlichkeit schon einmal Wein/Spirituosen konsumiert haben und mit einer um 26% erhöhten Wahrscheinlichkeit zu einem einzigen Anlass drei oder mehr alkoholische Getränke zu sich genommen haben. 49 Tabelle 8 Ergebnisse von Längsschnittstudien zu den Auswirkungen der Medien- und Werbeexposition auf den Alkoholkonsum Studie Land Altersgruppe (Jahre) Folgezeitraum (Monate) Ergebnisse im Folgezeitraum Robinson et al. (1998) USA 14-15 18 Jede Zunahme des Fernsehens um eine Stunde stand in Verbindung mit einem um 9% erhöhten Risiko, mit dem Trinken von Alkohol zu beginnen. Jede Zunahme des Anschauens von Musikvideos um eine Stunde stand in Verbindung mit einem um 31% erhöhten Risiko, mit dem Trinken von Alkohol zu beginnen. Wingood et al. 2003 USA 14-18 12 Häufiger Kontakt zu Rap-Musik führt im Vergleich mit einer geringen Exposition zu einer 1,5 Mal größeren Wahrscheinlichkeit, in den folgenden 12 Monaten Alkohol zu konsumieren. Stacy et al. (2004) USA 11-12 12 Diejenigen, die 60% mehr Alkoholwerbung im Fernsehen sahen, hatten mit um 44% größerer Wahrscheinlichkeit Bier getrunken und hatten mit einer um 34% größeren Wahrscheinlichkeit schon einmal Wein/Spirituosen und mit einer um 26% größeren Wahrscheinlichkeit 3 oder mehr alkoholische Getränke zu einem einzigen Anlass konsumiert. Van Den Bluck & Beullens (2005) Belgien 13-16 12 Menge des beim Ausgehen konsumierten Alkohols im Verhältnis zum Fernsehkonsum insgesamt und dem Kontakt zu Musikvideos. Ellickson et al. (2005) USA 13-15 36 Der Kontakt zu in Geschäften ausgestelltem Bier, der Werbung in Geschäften und zu Bierausschänken bei Sport- oder Musikveranstaltungen ließ für Nichttrinker den Beginn mit dem Alkoholkonsum nach 2 Jahren vorhersagen. Snyder et al. (2006) USA 15-26 21 Je 4% mehr Alkoholwerbung, die über das Fernsehen, Radio, Reklamewände und Zeitschriften wahrgenommen wurden, wurde monatlich 1% mehr an alkoholischen Getränken konsumiert, und je 15% mehr 50 Kontakt mit Alkoholwerbung in ihrem Medienmarkt wurden 3% mehr alkoholische Getränke im Monat konsumiert. Sargent et al. (2006) USA 10-14 12-24 Bedeutende lineare und quadratische Beziehung zwischen dem Kontakt zu Alkohol in Filmen und dem Einsetzen des Alkoholkonsums, dabei größere Dosis-WirkungBeziehung bei geringerem Kontakt zu Alkohol in Filmen im Vergleich zu einem intensiveren Kontakt McClure et al. (2006) [gleiche Studie wie Sargent et al. (2006)] USA 10-14 12-24 Bei Besitzern von Gegenständen mit dem Label von Alkoholproduzenten begann ein größerer Anteil damit, Alkohol zu konsumieren (25%) als bei Personen, die solche Artikel nicht besitzen (13.1%) Sargent und seine Kollegen (2006) kombinierten eine in Schulen durchgeführte Querschnittstudie mit 4655 Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 14 Jahren aus New Hampshire und Vermont mit einer anschließenden Längsschnittstudie mit den 2406 Teilnehmern, die angaben, nie Alkohol zu trinken, um die Auswirkungen des Kontakts mit Alkoholkonsum in Filmen auf den frühen Beginn des Alkoholkonsums Jugendlicher zu bewerten. Die Forscher stellten in 92% einer Auswahl von 601 zeitgenössischen Filmen Szenen fest, in denen Alkohol konsumiert und dieser Konsum im Durchschnitt für 2,5 Minuten gezeigt wurde. Nach der Kontrolle im Hinblick auf soziodemographische Faktoren, Persönlichkeitsmerkmale, schulische Leistung, Erziehungsstil und experimentelle Erfahrungen mit dem Rauchen stellten sie in der Querschnittsstudie eine direkte lineare Beziehung zwischen dem Kontakt zu Alkoholkonsum in Filmen und der Häufigkeit des frühzeitigen Beginns mit dem Trinken von Alkohol fest. Die lineare Beziehung bestand auch in der Längsschnittsstudie, wobei die Auswirkungen bei den niedrigeren Expositionsniveaus am stärksten waren. Laut den Autoren ist dies ein weiteres Argument für eine unabhängige Auswirkung des Kontakts mit Alkoholkonsum in Filmen auf einen frühen Beginn mit dem Trinken von Alkohol und widerlegt die Beobachtung, dass die Beziehung einfach daher stammt, dass es schlecht betreute oder bildungsferne Jugendliche sind, die sich häufig Filme ansehen. In derselben Studie wurde auch der Zusammenhang zwischen dem Besitz von Produkten einer Alkoholmarke und dem frühen Beginn mit dem Trinken untersucht. Alkoholhersteller verteilen mit dem Markenzeichen versehende Kleidung, Spielzeug, Spielezubehör etc. als Teil ihrer Strategie, ihre Marken zu einem Teil des Alltags werden zu lassen. Nach Bereinigung von den oben beschriebenen Störfaktoren ergab sich, dass Jugendliche, die mit Markenzeichen versehene Waren besaßen, mit bedeutend größerer Wahrscheinlichkeit mit dem Alkoholkonsum begannen als Schüler, die solche Waren nicht besaßen (McClure et al. 2006). Forschungsarbeiten zu den Auswirkungen des Sponsorings wurden nur in begrenztem Umfang durchgeführt; man benötigt sie in viel größerer Anzahl. Sponsoring führt sowohl bei Konsumenten als auch bei Nichtkonsumenten zu einer 51 stärkeren Wahrnehmung der untersuchten Marke, als das bei Werbung der Fall ist (Hoek et al. 1997). Für Nicht-Trinker zwischen 12 und 13 Jahren kann der Beginn des Alkoholkonsums für das Alter von 14 bis 15 Jahren vorhergesagt werden, wenn sie Kontakt zu Bierausschänken im Umfeld von Sportereignissen hatten (Ellickson et al. 2005). Des Weiteren kann beim Besuch von Unterhaltungsmöglichkeiten für Familien in Zusammenhang mit Sportveranstaltungen Alkoholkonsum bei 12- bis 13Jährigen vorhergesagt werden (Thomsen et al. 2004). 6.2. KOMMERZIELLE KOMMUNIKATIONEN UND IHRE AUSWIRKUNGEN IN DER BEVÖLKERUNG Eine andere Möglichkeit zur Untersuchung der Auswirkungen kommerzieller Kommunikationen zum Thema Alkohol besteht darin, den Zusammenhang zwischen dem Trinkverhalten junger Menschen und den Ausgaben für kommerzielle Kommunikationen oder der Existenz von Verboten für Alkoholwerbung in einem Rechtssystem und dem Alkoholkonsum von Jugendlichen zu berücksichtigen. Solche Studien haben unterschiedliche Ergebnisse geliefert, s. Tabelle 9 (s. Calfee und Scheraga 1994; Saffer 1995 1996). Eine in Großbritannien durchgeführte Studie legt nahe, dass eine Reduzierung der Alkoholwerbung um ein Prozent zu einer Abnahme um höchstens 0,1 Prozent des Konsums führen würde (Godfrey 1994). Daten aus den USA aus dem Zeitraum von 1970 bis 1990 wurden ebenfalls untersucht, um Veränderungen des Konsums pro Kopf in Abhängigkeit von Veränderungen in der Werbung auszuwerten. Obwohl in den Jahren mit insgesamt vermehrter Wein- und Spirituosenwerbung das relative Konsumniveau höher lag, konnten in einem Modell, in dem die Veränderungen im Laufe der Zeit berücksichtigt wurden, keine Belege dafür gefunden werden, dass Veränderungen bei der Werbung mit Veränderung des Konsums in Zusammenhang standen (Fisher und Cook 1995). Die Ergebnisse wiesen aber darauf hin, dass verstärkte Werbung für Spirituosen in Zusammenhang mit einem Rückgang des Marktanteils von Wein stand, und legten die Vermutung nahe, dass diese Werbung die Marktanteile neu ausrichten könnte. 52 Tabelle 9 Ergebnisse ökonometrischer Studien zu Werbung für Alkoholkonsum und Schädigungsvariablen1 ZEITREIHENSTUDIEN Blake und Nied (1997) Rechtssystem Vereinigtes Königreich Zeitraum 1952-1991 Bourgeois und Barnes (1979) Calfee und Scheraga (1994) Kanada 1951-1974 Franke und Wilcox (1987) Frankreich, Deutschland, Niederlande, Schweden Vereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich USA Grabowski (1976) USA 1956-1972 Lee und Trembley (1992) USA 1953- 1983 McGuiness (1980) Vereinigtes Königreich 1956-1975 McGuiness (1983) Vereinigtes Königreich 1956-1979 Nelson (1999) USA vierteljährlich Nelson und Moran (1995) USA 1964-1990 Selvanathan (1989) Vereinigtes Königreich 1955-1975 QUERSCHNITTSTUDIEN Goel und Morey (1995) Rechtssystem USA Zeitraum 1959-1982 Saffer (1997) USA STUDIEN ZU VERBOTEN Unterbrochene Zeitreihen Makowsky und Whitehead (1991) Ogborne und Smart (1980) Smart und Cutler (1976) Rechtssystem 1986-1989 vierteljährlich Zeitraum Duffy (1987) Duffy (1991) Duffy (1995) Duffy (2001) 1963-1983 1963-1985 vierteljährlich 1963-1988 vierteljährlich 1964-1996 vierteljährlich 1964-1984 vierteljährlich Saskatchewan (Kanada) Manitoba (Kanada) keine Wirkung von Werbung keine Wirkung von Werbung keine Wirkung von Werbung keine Wirkung von Werbung schwache positive Wirkung von Bierund Weinwerbung keine Wirkung von Werbung keine Wirkung von Werbung schwache positive Wirkung von Spirituosenwerbung schwache positive Wirkung von Bierwerbung keine Wirkung von Werbung keine Wirkung von Werbung schwache positive Wirkung von Bierwerbung Wirkung positive Wirkung der Werbung positive Wirkung der Werbung Wirkung keine Wirkung von Werbung keine Wirkung von Werbung keine Wirkung von Werbung Britisch-Kolumbien (Kanada) Multivariat Ornstein und Hanssens (1985) Saffer (1991) USA 1974-1978 OECD 1970-1990 Young (1993) Nelson und Young (2001) OECD OECD 1970-1990 1970-1990 53 Wirkung schwache positive Wirkung von Werbung keine Wirkung von Werbung keine Wirkung von Werbung positive Wirkung von Preiswerbung negative Wirkung von Verboten gemischte Ergebnisse positive Wirkung von Saffer und Dave (2002) OECD 1970-1995 1 Verboten negative Wirkung von Verboten aus Saffer und Dave (2003). Spätere Studien haben auf bedeutende Auswirkungen der Alkoholwerbung auf den Alkoholkonsum und alkoholbedingte Probleme hingewiesen (Saffer 1991 1997; Saffer und Dave 2004), obwohl diese Auswirkungen auch nur geringfügig sein können (Saffer & Dave 2006). In Ländern mit teilweisen Beschränkungen waren die Alkoholkonsumraten 16% und die Anzahl der tödlichen Verkehrsunfälle um 10% niedriger als in Ländern ohne Beschränkungen, und in Ländern mit einem vollständigen Verbot von Alkoholwerbung im Fernsehen waren die Konsumraten um 11% und die Anzahl der tödlichen Verkehrsunfälle um 23% niedriger als in Ländern mit teilweisen Beschränkungen (Saffer 1991 1993b). Nach Berücksichtigung regionaler Preisunterschiede und der Bevölkerungsvariablen wie Einkommen und Religion ergab sich ein bedeutender Zusammenhang zwischen der Zunahme der Alkoholwerbung und der Zunahme der Gesamtzahl der tödlichen Verkehrsunfälle in allen US-Staaten sowie den tödlichen Verkehrsunfällen während der Nacht (Saffer 1997). Es wurde geschätzt, dass ein vollständiges Verbot der Alkoholwerbung die Todesfälle im Straßenverkehr um jährlich zwischen 5.000 und 10.000 Fälle verringern könnte. In einer Studie aus den USA, in der Längsschnittdaten verwendet wurden, konnte gezeigt werden, dass die Ausgaben für Alkoholwerbung auf Markt-Ebene durchaus in Zusammenhang standen mit den Selbstangaben zum Kontakt mit Alkoholwerbung und dem individuellem Alkoholkonsum bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, obwohl die Auswirkungen nur gering waren (Snyder et al. 2006). Junge Amerikaner zwischen 15 und 26 Jahren (die zu Studienbeginn durchschnittlich 23 Werbungen im Monat sahen, pro Jahr Kontakt zu Werbung im Wert von 3,4 $ pro Erwachsenem hatten und im Monat 38,5 alkoholische Getränke konsumierten) tranken 21 Monate nach Beginn der Studie für jede 4%, um die die im Fernsehen, Radio, auf Plakaten oder in Zeitschriften zu Studienbeginn wahrgenommenen Werbungen zunahmen, monatlich 1% mehr an alkoholischen Getränken, und pro 15%, um die die Exposition gegenüber Alkoholwerbung in ihrem Medienmarkt zunahm, tranken sie monatlich 3% mehr an alkoholischen Getränken (Snyder et al. 2006). In den USA wurde geschätzt, dass ein Werbeverbot die Anzahl der Todesfälle durch schädlichen Alkoholkonsum um mehr als 7000 reduzieren und eine Abnahme der durch Alkoholkonsum verlorenen Lebensjahre um 16% verursachen würde (Hollingworh et al. 2006). Für 12- bis 16-Jährige Teenager in den USA wurde die Elastizität der Werbeausgaben im Hinblick auf den Alkoholkonsum des letzten Monats auf etwa 0,08 und im Hinblick auf die Beteiligung am Rauschtrinken im letzten Monat auf etwa 0,14 geschätzt (Saffer und Dave 2003; Saffer und Dave 2006). Die Daten lassen darauf schließen, dass die vollständige Beseitigung von Alkoholwerbung den monatlichen Alkoholkonsum der Jugendlichen um etwa 24% und die Beteiligung am Rauschtrinken um etwa 42% reduzieren könnte. Das Ausmaß dieser Auswirkung war ähnlich wie bei einer Verdopplung des Preises von alkoholischen Getränken, die den monatlichen Alkoholkonsum der Jugendlichen schätzungsweise um 28% und die Beteiligung am Rauschtrinken um 51% reduzieren würde. Ökonometrische Studien zu den Auswirkungen der Werbung weisen eine Reihe von Schwachpunkten auf, die sich aus der Tatsache ergeben, dass sie von der Erstellung komplexer Gleichungen zur Darstellung eines äußerst schwierigen sozialen Phänomens abhängen (Smart 1988; Godfrey 1989; Harrison und Godrey 1989; Saffer 196); häufig fehlen Daten zu Schlüsselvariablen, besonders zu den 54 Werbeausgaben; die Ausgaben für Werbung werden als genaues Kennzeichen für die Effektivität der Werbung angesehen, wobei der Inhalt auch von Bedeutung ist (Strickland 1982); in den Modellen wird die aktive Beteiligung der Konsumenten am Kommunikationsprozess, die zu einer effektiveren Werbung führt (Casswell und Zhang 1998), nicht berücksichtigt (Casswell 1995); häufig werden in diesen Modellen Komplikationen wie das Feedback, die mögliche Wechselwirkung zwischen Werbung und Konsumniveau sowie die "Abnutzung" von Werbung nicht berücksichtigt, und sie konzentrieren sich auf die Werbung und lassen den integrativen Charakter des Marketings außen vor. Daher ist es nicht überraschend, dass man in anderen Studien zu dem Schluss kam, dass ein vollständiges Verbot der Ausstrahlung von Alkoholwerbung keine messbaren Auswirkungen auf den Alkoholkonsum hat - vermutlich und größtenteils auf Grund von Substitutionseffekten (Nelson 2003). 6.3. SCHLUSSFOLGERUNGEN Wie für die Auswirkungen der Werbung auf das Rauch- und Essverhalten gibt es nun eine Belegsammlung aus sechs qualitativ hochwertigen Längsschnittsstudien, in denen gezeigt wird, dass die Häufigkeit der Werbung und des Medienkontakts die Wahrscheinlichkeit, mit der Jugendliche mit dem Trinken von Alkohol beginnen, sowie die konsumierte Menge und die zu einem einzigen Anlass konsumierte Menge erhöhen. In Kapitel 2 wurde die Schlussfolgerung gezogen, dass die Regelungen für Alkoholwerbung in bestimmten Fällen europaweit angeglichen werden sollten und dass es insbesondere erforderlich ist, das Ausmaß genauer zu bestimmen, zu dem Alkoholwerbung in bestimmten Medienkategorien und Publikationen erlaubt ist. Die im vorliegenden Kapitel vorgestellten Nachweise legen es nahe, dass wie bei Tabak ein Verbot der Werbung für alkoholische Produkte im Fernsehen und Radio sowie in bestimmten Printmedien in Betracht gezogen werden sollte. 55 7. NICHTGESETZLICHE REGULIERUNG KOMMERZIELLER KOMMUNIKATIONEN Obwohl man sich in vielen Ländern auf die Selbstregulierung der Alkoholvermarktung verlässt, sind keine wissenschaftlichen Belege verfügbar, die die Wirksamkeit der Selbstregulierung überprüfen oder zeigen, dass sie bei der Regulierung des Inhalts der Werbung erfolgreich ist. Es ist belegt, dass in Normen für den Inhalt nicht die Elemente der Werbung behandelt werden, die junge Menschen besonders ansprechend finden, z. B. Humor. Bei der Interpretation der Normen gibt es Diskrepanzen zwischen den Ansichten der Marketingexperten und denen der Selbstregulierungsstellen; dabei neigen die Experten eher dazu, bei einer größeren Anzahl von Alkoholwerbungen Verstöße gegen die Normen festzustellen als dies bei Selbstregulierungsstellen der Fall ist. Noch bedeutender ist aber, dass die Interpretation der Jugendlichen von kommerziellen Kommunikationen weit über das hinaus geht, was über Normen bezüglich des Inhalts erfasst werden kann. Es gibt keine verfügbaren wissenschaftlichen Nachweise, mit denen die Wirksamkeit der Selbstregulierung geprüft wurde oder die zeigen, dass sie bei der Regelung der Menge der Werbung erfolgreich ist. Es gibt Belege dafür, dass dort, wo sie in Kraft ist, Normen bezüglich der Menge ersetzt wurden. Die angeführten Vorteile der Selbstregulierung gegenüber der staatlichen Regelung umfassen die Wirksamkeit, größere Flexibilität, den größeren Anreiz zur Befolgung und verminderte Kosten. Es wird z. B. angeführt, dass Wirtschaftsteilnehmer vermutlich ein fundierteres Wissen auf diesem Themengebiet haben als Mitarbeiter einer Regierungsbehörde (Michael 1995). Dieser Faktor kann von besonders großer Bedeutung sein, wenn technisches Wissen erforderlich ist, um angemessene Regeln auszuarbeiten und darüber zu entscheiden, ob diese verletzt wurden. Zweitens wird angeführt, dass die Selbstregulierung flexibler ist als von der Regierung vorgegebene Regelungen (Michael 1995). Für eine Handelsorganisation ist es leichter, Regeln als Reaktion auf sich wandelnde Umstände zu verändern, als für eine Regierungsorganisation, ihre Vorschriften abzuändern. Des Weiteren kann die Selbstregulierung spezieller auf den bestimmten Wirtschaftszweig zurechtgeschnitten werden als staatliche Regelungen. Ein weiteres Argument für die Selbstregulierung lautet, dass diese einen größeren Anreiz zur Befolgung bietet (Swire 1997). Man geht davon aus, dass von der Wirtschaft erstellte Regeln von den Wirtschaftsteilnehmern eher als vernünftig empfunden werden. Unternehmen könnten eher gewillt sein, von ihresgleichen erarbeitete Regeln zu befolgen als von außen stammende. Viertens wird angeführt, dass die Selbstregulierung die Regierung weniger kostet, da die Kosten für die Entwicklung und Durchsetzung der Regeln auf die Wirtschaft übertragen werden (Campbell 1999). Kritiker der Selbstregulierung stellen die Grundlage der Argumente für die Selbstregulierung in Frage. Man erkennt zwar an, dass in der Wirtschaft ein größeres Fachwissen vorhanden ist als in der Regierung, aber es wurde zum Beispiel in Frage gestellt, dass die Unternehmen dieses Fachwissen zum Wohle der Öffentlichkeit einsetzen. Es wird vielmehr vermutet, dass die Unternehmen ihr Fachwissen dazu verwenden, die von ihrem Wirtschaftszweig erzielten Gewinne zu maximieren (Swire 1997). In ähnlicher Weise erscheint der Gedanke, dass die Wirtschaft eher bereit ist, ihre eigenen Regelungen zu befolgen, als solche, die ihr von außen aufgezwungen 56 wurden, doch nur wenig überzeugend, da die Wirtschaft ja aktiv an der Ausarbeitung der Bestimmungen beteiligt ist. Wenn man es der Wirtschaft überlässt, Regelungen auszuarbeiten, kann es passieren, dass die Wirtschaft die mit den Regelungen verfolgten Ziele ihren eigenen Geschäftszielen unterordnet (Baker und Miller 1997). An der Selbstregulierung beteiligte Gruppen sind dem Druck der Wirtschaft stärker ausgesetzt als Regierungsbehörden. Darüber hinaus kann die der Selbstregulierung eigene Natur dazu führen, dass den Bedürfnissen der Öffentlichkeit oder den Ansichten der betroffenen Parteien außerhalb der Wirtschaft nicht die angemessene Aufmerksamkeit gewidmet wird. Viele stellen die Angemessenheit der Durchsetzung in einem Selbstregulierungssystem in Frage und vermuten, dass die Wirtschaft nicht gewillt sein könnte, die für eine strenge Durchsetzung in Eigenregie benötigten Mittel bereitzustellen (Balkam 1997). Auch ist unklar, ob die Wirtschaft stark genug ist, um angemessene Sanktionen durchzusetzen. Ein Handelsverband kann einen Verstoß höchstens mit dem Ausscheiden aus dem Verband bestrafen. Ob das Ausscheiden aus dem Verband ein wirksames Mittel zur Abschreckung ist, hängt von der Bedeutung der Vorteile einer Mitgliedschaft ab (Perrit 1997). Wenn ein Unternehmen durch die Missachtung der Selbstregulierung größere Gewinne erzielen kann als durch deren Einhaltung, wird es wahrscheinlich entsprechend gewinnorientiert handeln, insbesondere, wenn Verstöße nicht leicht vom Konsumenten aufgedeckt werden oder dem Ruf des speziellen Unternehmens schaden können (Swire 1997). 7.1. WIRD IM RAHMEN DER NICHTGESETZLICHEN REGULIERUNG DER INHALT KOMMERZIELLER KOMMUNIKATIONEN VORGEGEBEN? Normen bezüglich des Inhalts umfassen üblicherweise die Verpflichtung, Alkohol nicht mit sozialem oder sexuellem Erfolg in Verbindung zu bringen, keinen Rauschzustand darzustellen oder Alkohol in Zusammenhang mit Jugendlichen oder dem Steuern eines Fahrzeugs zu zeigen. In Forschungsarbeiten wurde durchweg gezeigt, dass die Interpretation dieser Bestimmungen je nachdem variiert, ob sie von einer durch die Wirtschaft bestimmten Stelle, von Vertretern der Öffentlichkeit oder der bestimmten beteiligten Zielgruppe geprüft werden. In einer australischen Studie wurde z. B. berichtet, dass Vertreter der allgemeinen Bevölkerung eine umfassende Auswahl von Werbungen identifizierten, die die geltenden freiwilligen Normen verletzten, wohingegen die Prüfstelle der Wirtschaft diese Verstöße nicht feststellte (Saunders und Yap 1991). Wie oben bereits angemerkt sind die Inhalte des zeitgenössischen Marketings zunehmend geschickt konzipiert, subtil und interaktiv. Dies stellt eine noch größere Herausforderung für die Überwachung und Kontrolle des Inhalts dar. Brown (1995) stellt in der modernen Werbung den zunehmenden Einsatz postmoderner Elemente fest – Skeptizismus, Staatsfeindlichkeit, Ironie, Anarchie, Verspieltheit und der Aspekt des Paradoxen. Die Tatsache, dass Zuschauer "aktive Empfänger" der Werbung sind, stellt eine weitere Hauptschwierigkeit für die Anwendung der Normen bezüglich des Inhalts dar. Werbebotschaften werden jeweils im Kontext der Lebenserfahrung des Empfängers aufgenommen und verstanden. Zum Beispiel können Werbungen, die implizit auf den Rauschzustand hinweisen, ohne diesen ausdrücklich zu zeigen, den starken Alkoholkonsum fördernde soziale Normen verstärken. In Forschungsarbeiten ist belegt worden, dass Jugendliche gewisse Werbebotschaften als Aufforderung zum Alkoholkonsum bis zum Rausch interpretieren (Wyllie et al. 1997; 1998), aber diese Werbungen würden nicht zwangsläufig von allen Zuschauern so wahrgenommen werden. In ähnlicher Weise beschränken zahlreiche Normen zwar die Darstellung von Jugendlichen in der Werbung, jedoch müssen Jugendliche nicht unbedingt in einer Werbung gezeigt werden, damit diese auf minderjährige Konsumenten ansprechend wirkt – es genügt bereits, den Lebensstil darzustellen, den junge Erwachsene anstreben (Hill und Caswell 2001). Daher ist es häufig wahrscheinlich, 57 dass Alkoholmarketing minderjährige Jugendliche mit Erfolg anspricht, ohne dabei die bestehenden Normen zu verletzen. In den USA stellte die Federal Trade Commission (FTC, US-Kartellamt) (1999) in der Vergangenheit die Wirksamkeit von Bestimmungen im Zuge der Selbstregulierung in Frage. Im August 1998 startete die FTC eine Untersuchung der Werbepraktiken von acht der führenden US-amerikanischen Bier-, Wein- und Spirituosenhändler. Es wurden speziell Informationen darüber gesammelt, wie die Unternehmen Bestimmungen entsprechend den Normen zum Verbot von Werbung, mit der Personen unterhalb des gesetzlichen Mindestalters für den Alkoholkonsum angesprochen oder erreicht werden sollten, umgesetzt hatten. Zur selben Zeit reichte die FTC (1998) eine Beschwerde gegen eine Bierwerbung ein, in der junge Erwachsene beim Feiern und Bier Trinken auf einem Segelboot gezeigt wurden. In der Beschwerde heiß es, dass die Werbung nicht mit den Normen des Beer Institute übereinstimmte, da Bootspassagiere beim Bier Trinken gezeigt wurden, "während sie Tätigkeiten nachgingen, die ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Koordination erfordern, um nicht über Board zu gehen". Diese Schritte der FTC ließen vermuten, dass die Normen im Rahmen der Selbstregulierung seitens der Alkoholgetränkeindustrie nicht wirksam durchgesetzt wurden. 2003 gab die Federal Trade Commission an, dass sich die Verfahren der Selbstregulierung seit dem Bericht von 1999 verbessert hätten, obwohl sie sich auch darüber besorgt zeigte, dass "Werbung, die auf junge Alkoholkonsumenten über dem gesetzlichen Mindestalter abzielt, auch Personen ansprechen könnte, die das gesetzliche Mindestalter noch nicht erreicht haben, sofern man keine Vorsicht walten lässt". Die Richtigkeit dieser Schlussfolgerungen wurde jedoch in Frage gestellt (Mosher und Johnsson 2005). In seinem Bericht von 2003, stellte das australische National Committee for the Review of Alcohol Advertising (NCRAA, Nationales Komitee zur Prüfung von Alkoholwerbung) fest, dass sich annähernd 5% aller beim Advertising Standards Board (ASB, Ausschuss für Werbenormen) eingehenden Beschwerden auf Alkoholwerbung bezogen. Keine der 361 Beschwerden über insgesamt 48 verschiedene Alkoholwerbungen wurde bestätigt. Der Kodex für Alkoholwerbung mit der Bezeichnung Alcohol Beverages Advertising Code (ABAC), wurde von der Alkoholindustrie erstellt und behandelte alkoholspezifische Werbethemen, wie die Attraktivität für Jugendliche und die Darstellung des Alkoholkonsums in Zusammenhang mit sportlichem oder sexuellem Erfolg. Dieser Wirtschaftszweig errichtete einen Adjudication Panel (Anhörungsausschuss) zur Anhörung von Beschwerden, die unter den ABAC-Kodex fallen. Seit seiner Errichtung 1998 hat der ABAC-Adjudication Panel insgesamt 20 Beschwerden angehört. Von dieser Gesamtzahl wurden fünf bestätigt und 13 abgewiesen. Zwischen Mai 1998 und April 1999 wurden 11 Beschwerden über Alkoholwerbung (in Bezug auf 9 verschiedene Werbungen) von der allgemeinen Bevölkerung an den Advertising Standards Board (ASB) gerichtet. Marketingexperten und Studenten des Werbefachs wurden gebeten, ohne dass sie die Entscheidungen des ASB kannten, zu beurteilen, ob die Werbung(en) gegen eine der Klauseln des australischen Kodex Australian Association of National Advertisers' Code of Ethics or Alcoholic Beverages Advertising Code verstieß(en) (Jones und Donovan 2002). Die Mehrheit der Expertenrichter stellte bei sieben der neun Werbungen Verstöße gegen den Kodex fest. Bei allen neun Werbungen war eine Mehrheit der Hochschulstudenten der Ansicht, dass jede der Werbungen einen Verstoß gegen eine oder mehrere der Verhaltensnormen darstellte. Die Entscheidung der ASB besagte, dass keine der Werbungen gegen eine der Normen verstieß. Während seiner Prüfung kam das NCRAA zu dem Schluss, dass das derzeitige System nicht auf die Bedenken für die 58 öffentliche Gesundheit bezüglich der Alkoholwerbung und des Alkoholkonsums einging: die allgemeine Bevölkerung hatte das System zur Entscheidung über Beschwerden größtenteils überhaupt nicht zur Kenntnis genommen und wusste insbesondere nicht, wie Beschwerden eingereicht werden; es wurde nur unzureichend darüber berichtet, wie über Beschwerden entschieden wurde und zu welchen Ergebnissen solche Beschwerden führten; das derzeitige System galt nicht für alle Werbeformen, z. B. nicht für Werbung und Verkaufsförderung im Internet; zudem wurde die Wirksamkeit des derzeitigen Systems durch die für die Abwicklung der Beschwerden benötigte Zeit beeinträchtigt. Die Bedeutung der Frage, wie junge Menschen Werbung wahrnehmen, wird in einer Studie aufgezeigt, in der drei Gruppen von US-amerikanischen College-Studenten (von denen zwei Drittel 20 Jahre oder jünger waren) ein Beispiel für Bierwerbung gezeigt wurde (Proctor et al. 2005). Dabei wurden allen Gruppen dieselben beiden Werbespots gezeigt. Für diese Werbungen schrieben es die Normen vor, dass die Schauspieler nicht jünger als 25 Jahre sein durften und nicht jünger als 21 Jahre aussehen sollten. Die Ergebnisse belegten, dass zwar alle Schauspieler im Durchschnitt älter als das gesetzliche Mindestalter für den Kauf von Alkohol (21 Jahre) geschätzt wurden, die Schauspieler in einer der Werbungen allerdings jünger wirkten als das geforderte (tatsächliche) Mindestalter von 25 Jahren. Alle Darsteller in der Werbung wurden als attraktiv empfunden, wobei die weiblichen Charaktere die höchsten Punktwerte erhielten. Obwohl in keinem der Werbespots die physische Trinkhandlung dargestellt wurde, nahmen die die Werbung begutachtenden Studenten die Darsteller trotzdem als Rauschtrinker und in einer der Werbungen als Konsumenten von mehr als fünf alkoholischen Getränken zu normalen Anlässen und von mehr als zehn alkoholischen Getränken bei festlichen Anlässen wahr. Diese Daten lassen vermuten, dass der Informationsgehalt einiger Werbungen, der sich vielleicht im Verhalten der Darsteller, ihrer Erscheinung, Sprache und dem situativen Kontext widergespiegelt, die Botschaft vermittelt, dass diese Darsteller starke episodische Trinker sind. Dies kann nur schwer von Werbenormen erfasst werden. 7.2. WIRD IM RAHMEN DER NICHTGESETZLICHEN REGULIERUNG DIE MENGE KOMMERZIELLER KOMMUNIKATIONEN VERRINGERT? Es sind keine wissenschaftlichen Belege darüber verfügbar, ob nichtgesetzliche Bestimmungen die Menge kommerzieller Kommunikationen verringern. Andererseits stammt ein Beispiel für die Anfälligkeit von Selbstregulierungssystemen, in denen versucht wurde, auf die Menge der Werbung einzugehen, aus der Spirituosenwerbung im US-Fernsehen, wie Campbell berichtet (1999): "Die Rundfunk- und Fernsehwerbung für Spirituosen wurde im "Code of Good Practice" (Verhaltenskodex) des Distilled Spirits Council of the United States (DISCUS 1995), des US-amerikanischen Handelsverbands der Spirituosenhersteller und -Händler, verboten. Im März 1996 verstieß Seagram, der zweitgrößte Spirituosen-Händler, gegen den Verhaltenskodes, indem er Spirituosenwebung über einen kleinen Sportsender im Kabelfernsehen ausstrahlen ließ. Einige Monate später verstieß er erneut gegen das Verbot und ließ eine Werbung über einen ABC-Partner in Corpus Christi, Texas, ausstrahlen. Anstatt Sanktionen zu verhängen beschloss der Verband DISCUS im November 1996 die Aufhebung des freiwilligen Verbots (s. Campbell 1999). Laut dem Vorsitzenden von DISCUS sah der Verband keine Grundlage dafür, dass die Fernsehwerbung für Bier und Wein, aber nicht für andere alkoholische Getränke erlaubt sei. Die Verbandsmitglieder wussten zweifellos von der Entscheidung des Supreme Court (Oberstes Gericht) in 44 Liquormart, Inc. v. Rhode Island, die im Mai 1996 bekannt gegeben worden war und mit der ein bundesstaatliches Gesetz zum Verbot der Werbung für Spirituosenpreise außer Kraft 59 gesetzt wurde. Mit dieser Entscheidung wurde letztendlich eine glaubhafte Drohung mit einer Regulierung seitens der Regierung aufgehoben. Obwohl DISCUS das Verbot der Fernsehwerbung aufhob, blieben andere Bestimmungen des DISCUSVerhaltenskodex in Kraft. Z. B. ermahnt der Kodex dazu, destillierte Spirituosen "in verantwortungsvoller Weise" darzustellen und "für sie nicht in einer Weise zu werben oder sie in einer Weise zu vermarkten, die vorrangig auf Personen ausgerichtet oder für solche Personen bestimmt ist, die das gesetzliche Mindestalter für den Erwerb von Alkohol noch nicht erreicht haben". 7.3. SCHLUSSFOLGERUNGEN Es gibt keine verfügbaren wissenschaftlichen Belege, die die Wirksamkeit der nichtgesetzlich fixierten Regulierung prüfen oder zeigen, dass sie erfolgreich den Inhalt kommerzieller Kommunikationen reguliert oder deren Menge reduziert. Andererseits gibt es Dokumentationsmaterial und Erfahrungswerte, die zeigen, dass die Selbstregulierung nicht zur Vermeidung der Art von Marketing führt, die Jugendliche beeinflussen kann. Man könnte argumentieren, dass Selbstregulierung in dem Maß Wirkung entfalten könnte, in dem es eine zeitgemäße und glaubhafte Drohung seitens der Regierung mit einer staatlichen Regulierung gibt. Des Weiteren könnte man die Ansicht vertreten, dass die Regierungen möglicherweise zu dem Schluss gelangen, dass eine Erlaubnis für den Wirtschaftszweig zur Selbstregulierung zu einem Verlust politischer Kontrolle über die Vermarktung eines Produkts führt, der schwerwiegende Auswirkungen auf die Volksgesundheit hat, sofern Industrieabläufe im Zusammenhang mit den Normen für Alkoholwerbung nicht in einem rechtlichen Rahmen eingefasst und von einer Regierungsbehörde überwacht und überprüft werden. 60 8. KOMMERZIELLE KOMMUNIKATIONEN UND ANDERE DAMIT IN ZUSAMMENHANG STEHENDE MAßNAHMEN IM RAHMEN DER ALKOHOLPOLITIK 8.1. SIND ANDERE KOMMUNIKATIONSBEZOGENE ANSÄTZE, Z. B. DIE AUFKLÄRUNG, EIN WIRKSAMES MITTEL GEGEN KOMMERZIELLE KOMMUNIKATIONEN? Bei dem Versuch, alkoholbedingte Schäden zu verringern, wurde eine Vielzahl von Bildungsansätzen angewandt, darunter z. B.: Aufklärung der Jugendlichen im schulischen Umfeld; Informationskampagnen in Massenmedien mit dem Einsatz von Richtlinien für den Alkoholkonsum; Aktionen im schulischen Bereich als Bestandteil von Schule und Familie verbindenden Initiativen und von Aktionsprojekten der Gemeinden; sowie Initiativen der Gemeinde zur Infragestellung der Normen für den Alkoholkonsum und –vertrieb. Während die Bereitstellung von Informationen und die Überzeugungsarbeit zur Verminderung der durch Alkohol verursachten Schädigungen verlockend zu sein scheinen, insbesondere im Hinblick auf junge Menschen, legen es theoretische Belege doch nahe, das dieser Ansatz vermutlich keine nachhaltige Verhaltensänderung in einer Umgebung erreichen kann, in der viele miteinander konkurrierende Botschaften über das Marketing und das Trinken fördernde soziale Normen aufgenommen werden und in der Alkohol leicht zu beschaffen ist. In vielen sorgsam konzipierten systematischen Untersuchungen konnten keine Auswirkungen solcher Bildungsansätze festgestellt werden. Somit handelt es sich bei diesen Ansätzen nicht um Alternativen zur wirksamen Regulierung kommerzieller Kommunikationen. Andererseits gibt es Belege, die dafür sprechen, Maßnahmen an Schulen und in Gemeinden miteinander zu kombinieren, teilweise auch schon deshalb, weil Maßnahmen seitens der Gemeinde erfolgreich den Zugang junger Menschen zu Alkohol beschränken können. Obwohl die meisten Darstellungen von Alkohol in den Medien über kommerzielle Werbung stattfinden, werden auch Standpunkte aus Sicht der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit in den Massenmedien vertreten. Mit Meldungen öffentlicher Einrichtungen im Fernsehen oder Radio, bezahlter Gegenwerbung, Plakaten, Zeitschriftenartikeln, Berichten in Zeitungen sowie Nachrichten und umfassenderen Berichten im Fernsehen oder Radio wird versucht, Informationen über die Risiken und Gesundheitsschäden im Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum zur Verfügung zu stellen. Meldungen öffentlicher Institutionen sind von Nichtregierungsorganisationen, Gesundheitsbehörden oder Medienverbänden ausgearbeitete Botschaften zur Bereitstellung von Informationen für den Nutzen eines bestimmten Publikums. Im Gegensatz zu bezahlter Werbung hängen Meldungen öffentlicher Institutionen von gespendeter Zeit oder gespendetem Raum für ihre Verbreitung in der Öffentlichkeit ab. Im Bezug auf Alkohol handeln Meldungen öffentlicher Institutionen für gewöhnlich vom "verantwortungsbewusstem Umgang mit Alkohol", von den Gefahren von Alkohol am Steuer und verwandten Themen. Trotz aller guten Absichten hält man Meldungen öffentlicher Einrichtungen für ein wirkungsloses Gegenmittel zu den qualitativ hochwertigen Botschaften zugunsten des Alkoholkonsums, die viel häufiger 61 in Form von bezahlter Werbung in den Massenmedien erscheinen (s. Ludwig 1994; Murray et al. 1996). Häufig sollen sich die Botschaften in Meldungen öffentlicher Einrichtungen besonders auf das Trinkverhalten Jugendlicher beziehen (Connoly et al. 1994; Holder 1994). Untersuchungen weisen auf die begrenzten Auswirkungen von Aktionen in den Massenmedien auf den Alkoholkonsum und alkoholbedingte Probleme hin, wenn eine universelle Strategie angewandt wird (Gorman 1995). Dennoch wurde in einer kanadischen Studie (Casiro et al. 1994) herausgefunden, dass nach einer Fernsehkampagne zu den Gefahren des Alkoholkonsums während der Schwangerschaft mehr Frauen zu dem Schluss kamen, dass Alkoholgenuss ihr Baby gefährdet, und sie schrieben dieses Wissen dem Fernsehen zu. Allgemein werden noch mehr Forschungsarbeiten benötigt um herauszufinden, was Zuschauergruppen von Kampagnen in den Massenmedien wahrnehmen und verstehen (Martin 1995). Die Betrachtung der Frage, wie die Medien die politische Tagesordnung bestimmen, ist vielleicht fruchtbarer (Casswell 1997). So ist die Darstellung der Alkoholthematik in den Nachrichtenmedien (Printmedien, Fernsehen und Radio) tendenziell eher vereinfachend, aufsehenerregend und drastisch (Gusfield 1995), und konzentriert sich stärker auf Geschichten einzelner Personen, als dass sie die Alkoholproblematik aus einer sozialen Perspektive behandelt. Diese Darstellungen werfen interessante Fragen über die Art und Weise auf, wie die Nachrichtenberichterstattung die Einstellungen der Öffentlichkeit und die Alkoholpolitik formen können, aber dieser Bereich wurde noch nicht umfassend untersucht. Gegenwerbung umfasst die Verbreitung von Informationen über ein Produkt, seine Auswirkungen oder den Wirtschaftszweig, der seinen Absatz fördert, um seine Attraktivität und seinen Konsum zu verringern. Sie unterscheidet sich darin von anderen Arten von Informationskampagnen, dass die direkt auf die Tatsache eingeht, dass diese bestimmte Ware durch Werbung vermarktet wird (Stewart 1997). Ihre Taktiken umfassen Aufschriften mit Gesundheitswarnungen auf der Produktverpackung und Bemühungen um die Medienkompetenz, um das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Werbetaktiken eines Wirtschaftszweigs zu schärfen, sowie präventionsfördernde Botschaften in Zeitschriften und im Fernsehen. Gegenwerbung kann auch ein Modul in Präventionsprogrammen der Gemeinden oder Schulden darstellen (z. B. Giesbrecht et al. 1990; Greenfield und Zimmerman 1993), und sie kann als Bestandteil eines vielseitigen Programms des Regierungsausschusses für Spirituosen im Einzelhandel eingesetzt werden (Goodstadt und Flynn 1993). In den meisten Ländern entspricht die Anzahl der Meldungen öffentlicher Institutionen und der Gegenwerbungen zur Alkoholthematik bestenfalls einem Bruchteil der Menge der Alkoholwerbung (s. Fedler et al. 1994; Wyllie et al. 1996), und sie werden nur selten im Fernsehen gesendet. Zudem ist die Qualität der Gegenwerbung oftmals schlecht. Eine Studie mit Hochschulstudenten aus der Region Moselle in Frankreich (Pissochet et al. 1999) ergab, dass die Teilnehmer die Werbung für Alkoholprävention für weniger wirksam hielten als Alkoholwerbung, und Personen, die täglich Alkohol konsumierten, waren kritischer als Personen, die nur ab und zu oder gar nicht Alkohol tranken. Medienanwaltschaft Das Marketing über Massenmedien kann jedoch dazu genutzt werden, das Bewusstsein der Gemeinschaft hinsichtlich der durch Alkoholkonsum entstehenden Probleme zu stärken und spezifischen Interventionen den Weg zu bereiten (Casswell et al. 1990; Holder and Treno 1997). Ansätze bei der Bildung und der Information der Öffentlichkeit können nicht nur bei dem Versuch eingesetzt 62 werden, den einzelnen Alkoholkonsumenten davon zu überzeugen, sein bzw. ihr Verhalten zu ändern, sondern auch, um die Unterstützung der Öffentlichkeit für präventive Ansätze zu gewinnen, deren Wirksamkeit erwiesen ist (Casswell und Gilmore 1989), darunter auch die Beschränkung der Verfügbarkeit von Alkohol, Gegenmaßnahmen zu Alkohol am Steuer sowie Regelungen und Schadensbegrenzung in Kontexten, in denen Alkohol konsumiert wird, sowie in deren Umfeld. Die Medienanwaltschaft kann auch zur Unterstützung einer Umorientierung der öffentlichen Meinung im Hinblick auf politische Veränderungen eingesetzt werden (Wallack et al. 1993), z. B. die Einführung einer normierten Beschriftung auf allen australischen Trinkbehältnissen für alkoholische Getränke (Stockwell und Single 1997). Warnhinweise Auf in Kanada und den USA vorgeschriebenen Warnhinweisen auf Getränkebehältnissen wird die Möglichkeit von Geburtsschäden hervorgehoben, wenn Alkohol während der Schwangerschaft konsumiert wird, sowie die Gefahr von alkoholbedingten Beeinträchtigungen, wenn man nach Alkoholkonsum ein Fahrzeug steuert oder eine Maschine bedient. Gesundheitsrisiken werden ebenfalls erwähnt. In einigen Staaten müssen in Einrichtungen, in denen Alkohol ausgeschenkt oder verkauft wird, Warnhinweise bezüglich der Gefahren des Alkoholkonsums angebracht werden. In Verbindung mit in den USA angeordneten Warnhinweisen auf Behältnissen für alkoholische Getränke wurden insgesamt recht kostenintensive Forschungen betrieben (Kaskutas 1995). In Studien wurde herausgefunden, dass ein bedeutender Anteil der Bevölkerung angibt, Warnhinweise gesehen zu haben (Hilton 1993; Graves 1993; Greenfield et al. 1993; Kaskutas und Greenfield 1992), und es gibt einige Belege dafür, dass Warnhinweise das Wissen über die Gefahren von Alkohol am Steuer und Alkoholkonsum während der Schwangerschaft erweitern können (Kaskutas und Greenfield 1992; Greenfield 1997; Greenfield und Kaskutas 1998; Greenfield et al. 1999; Kaskutas und Greenfield 1997), sowie einige Belege für eine Beziehung zwischen der Dosierung und der Resonanz, d. h. zwischen Gesprächen über Schwangerschaft bzw. über Alkoholkonsum während der Schwangerschaft und der Anzahl der Arten von wahrgenommenen Botschaften (Kaskutas et al. 1998). Es wird nicht von direkten Auswirkungen der Warnhinweise auf den Alkoholkonsum oder auf alkoholbedingte Probleme berichtet (MacKinnon et al. 1993; Grube und Nygaard 2001; Agostinali und Grube 2002). Trotzdem sollten die Verbraucher dann, wenn ein Gesundheitsrisiko beim Konsum alkoholischer Getränke und insbesondere während der Schwangerschaft, der Einnahme von Medikamenten oder wenn sie ein Fahrzeug steuern bzw. eine Maschine bedienen, über die Risiken informiert werden, auch wenn Belege für die Wirksamkeit von Warnhinweisen nur eingeschränkt vorhanden sind. Diese Ergebnisse stehen im Gegensatz zu den Belegen bezüglich des Tabakkonsums, für den die Wirksamkeit der Warnhinweise nachgewiesen ist, aber dies kann durch die Art der Warnhinweise begründet sein. Neuere Studien lassen darauf schließen, dass die Einführung größerer Warnhinweise mit mehr Graphiken für Zigaretten Auswirkungen auf das Konsumverhalten hatte (Hammond et al., 2003) und für die Verbraucher eine Informationsquelle darstellte (Hammond et al. 2006). Aufklärung in der Schule Obwohl die Bereitstellung von Informationen und die Überzeugungsarbeit zur Verminderung der durch Alkohol verursachten Schädigungen, insbesondere im Hinblick auf Jugendliche, attraktiv zu sein scheint, kann auf diese Weise vermutlich keine nachhaltige Verhaltensänderung in einer Umgebung erreicht werden, in der viele miteinander konkurrierende Botschaften über das Marketing und das Trinken fördernde soziale Normen aufgenommen werden und 63 in der Alkohol leicht beschafft werden kann. In zahlreichen gut angelegten und systematischen Prüfungen wurde die Aufklärung in der Schule zur Verringerung alkoholbedingter Schäden bewertet, und es wurde festgestellt, dass die Aufklärung im Unterricht kein wirksames Mittel zur Verminderung dieser Schädigungen ist; obwohl positive Effekte im Hinblick auf ein erweitertes Wissen über Alkohol und verbesserte Einstellungen nachgewiesen werden konnten, gibt es keine Belege für eine anhaltende Wirkung auf das Verhalten (s. Anderson & Baumberg 2006). Ein gutes Beispiel für die gelungene Konzipierung einer Studie ist das in Australien umgesetzte School Health and Alcohol Harm Reduction Project (Projekt für Gesundheit in der Schule und die Verringerung alkoholbedingter Schädigungen, kurz SHAHRP-Studie), das darauf abzielt, alkoholbedingt Schädigungen bei Schülern weiterführender Schulen zu verringern. Die Studie ergab, dass die Interventionsgruppe (bei der 13-Jährige acht bis zehn 40- bis 60-minütige Unterrichtsstunden über fertigkeitsbasierte Tätigkeiten zur Minimierung der Schädigungen erhielten bzw. 14-Jährige zwölf weitere fertigkeitsbasierte Tätigkeiten über einen Zeitraum von fünf bis sieben Wochen) in den folgenden acht Monaten deutlich weniger Alkohol konsumierte (Unterschied von 31%) und mit geringerer Wahrscheinlichkeit gefährliche Mengen konsumierte (Unterschied von 26%). 17 Monate nach Durchführung der Maßnahme hatte sich der Unterschied in der Gesamtmenge des von den Interventions- und Vergleichsgruppen konsumierten Alkohols auf 9% und der Unterschied beim risikoreichen Konsum auf 4% verringert. Kampagnen zur Aufklärung der Öffentlichkeit Im Allgemeinen stellen öffentliche Informationskampagnen ebenfalls ein unwirksames Gegenmittel zu den qualitativ hochwertigen, den Alkoholkonsum befürwortenden Botschaften dar, die weitaus häufiger in den Medien gezeigt werden (s. Anderson & Baumberg 2006). Die Ausnahme von diesen eher negativen Effekten sind die nachgewiesenen Auswirkungen von Kampagnen in den Massenmedien zur Verringerung der Häufigkeit von Alkohol am Steuer, insbesondere in Rechtssystemen, in denen eine strenge Politik im Hinblick auf Alkohol am Steuer betrieben wird. Leitlinien für den Alkoholkonsum Obwohl Leitlinien für den Alkoholkonsum in einigen Ländern eingesetzt werden, gibt es noch keine Auswertungen, in denen Auswirkungen dieser Leitlinien auf alkoholbedingte Schäden festgestellt werden konnten (s. Anderson & Baumberg 2006). In Großbritannien gelang es nicht, mittels der 'sensible drinking guidelines' (Leitlinien für den verantwortungsbewussten Alkoholkonsum), auf die man sich als präventive Schlüsselstrategie bei der Liberalisierung des politischen Kontextes verließ, den Anstieg des Alkoholkonsums aufzuhalten. Verantwortungsvolle Werbung seitens der Industrie Während im Großteil der Alkoholwerbung im Fernsehen Alkoholprodukte empfohlen werden, platzieren Alkoholprodukte vertreibende Unternehmen auch beträchtliche Mengen von sogenannten "verantwortungsvollen" Werbespots, die z. B. vor Alkohol am Steuer oder dem Alkoholkonsum Minderjähriger warnen können oder darüber hinaus dazu aufrufen, Alkohol verantwortungsbewusst und moderat zu konsumieren. Laut dem Center on Alcohol Marketing and Youth (Zentrum für Alkoholmarketing und Jugend) platzierten Alkohol vertreibende Unternehmen zwischen 2001 und 2003 21.461 solcher Werbespots im Vergleich zu 761.347 Produktwerbungen. Es war weitaus wahrscheinlicher, dass Jugendliche mit Produktwerbung in Kontakt kamen als mit verantwortungsvoller Werbung: 2003 war die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche eine Produktwerbung sahen, 96 Mal größer, als dass sie eine von der Wirtschaft finanzierte Werbung zum Alkoholkonsum Minderjähriger sahen, und es war 43 Mal wahrscheinlicher, dass sie eine Produktwerbung sahen als eine Werbung der 64 Industrie über Alkohol am Steuer (Center on Alcohol Marketing and Youth 2005). In einer vor Kurzem erschienen Studie wurde versucht, die Auswirkungen dieser Botschaften auf Jugendliche zu bewerten, und man kam zu dem Schluss, dass die Werbemaßnahmen Beispiele für strategische Mehrdeutigkeit waren, die definiert wird als "der strategische und absichtliche Einsatz von Botschaften mit einem hohen Abstraktionsgrad zur gleichzeitigen Erreichung mehrerer, und häufig sich widersprechender, organisatorischer Ziele" (Smith et al. 2006, 2). Teenager (in der Studie 16- bis 18-Jährige) entnahmen den Werbungen häufiger unterschiedliche Botschaften als junge Erwachsene (19- bis 22-Jährige). Vor dem Hintergrund, dass es nur wenig Belege dafür gibt, dass solche Werbungen erfolgreich ein verantwortungsbewusstes Trinkverhalten fördern (DeJong et al. 1992), wurde in der Studie herausgefunden, dass die Jugendlichen die Brauer, die die Werbung platzierten, überwiegend positiv bewerteten, während in ihrer Interpretation der Werbungen der Alkoholgenuss meist befürwortet wurde. Ansätze in Schule und Gemeinde Im Gegensatz zu dem eher negativen Bild der Auswirkungen von Ansätzen im Bildungsbereich, gibt es Belege, die für eine Kombination von Maßnahmen in Schule und Gemeinde sprechen. Dies kann teilweise daran liegen, dass Maßnahmen auf Gemeindeebene erfolgreich den Zugang Jugendlicher zu Alkohol beschränken können (s. Anderson & Baumberg 2006). Ein wichtiger Bestandteil der Gemeindeprogramme, die nachweislich Auswirkungen auf den Alkoholkonsum Jugendlicher und alkholbedingte Schäden wie Verkehrsunfälle und Gewalt haben, ist die Medienanwaltschaft, die die Bevölkerung und die Hauptbeteiligten in der Gemeinde aufklären kann, indem der Status der Alkoholthematik auf der politischen und öffentlichen Tagesordnung bedeutender wird und die Lösung alkoholbedingter Probleme derart geändert wird, dass sie zwischen den betroffenen Sektoren wie Gesundheit, Exekutive, Nichtregierungsorganisationen und Gemeindebehörden koordinierte Ansätze umfassen. Somit können Ansätze bei der Aufklärung und Information der Öffentlichkeit genutzt werden, um die Unterstützung der Öffentlichkeit für präventive Ansätze, deren Wirksamkeit erwiesen ist, zu gewinnen, und die Medienanwaltschaft kann zudem eingesetzt werden, um einen Wandel der öffentlichen Meinung hinsichtlich politischer Veränderungen zu fördern. 8.2. SCHLUSSFOLGERUNGEN Obwohl Ansätze bei der Aufklärung zur Verminderung der durch Alkohol verursachten Schädigung von Jugendlichen rein intuitiv verlockend sind, so legen es theoretische Beweise nahe, das sie vermutlich keine nachhaltige Verhaltensänderung in einer Umgebung erreichen können, in der viele miteinander konkurrierende Botschaften über das Marketing und das Trinken fördernde soziale Normen aufgenommen werden und in der Alkohol leicht beschafft werden kann. Dies wird durch eine umfassende Belegsammlung bestätigt, die zeigt, dass Ansätze bei der Aufklärung weitestgehend erfolglos bei der Verminderung der Schädigungen von Jugendlichen durch Alkohol sind. Somit können auf die Aufklärung gestützte Ansätze nicht als alkoholpolitische Alternative zur Regulierung der Vermarktung von Alkohol, z. B. über den Preis, die Verfügbarkeit und Werbung, angesehen werden. 65 9. REGULIERUNG KOMMERZIELLER KOMMUNIKATIONEN UND ANDERE POLITISCHE MAßNAHMEN Der überwiegende Teil der europäischen Bürger ist der Auffassung, dass auf Jugendliche abzielende Alkoholwerbung europaweit verboten werden sollte. Es ist möglich, Regelungen für kommerzielle Kommunikationen durchzusetzen, u. a. in Zeitschriften, Werbe- und Marketingkampagnen, Darstellungen im Fernsehen, in der Musik und in Musikvideos, in Filmen, für bezahlte Produktplatzierung, im Internet, im grundlegenden und viralen Marketing sowie im Sponsoring. Selbst die endgültigste Regelung kommerzieller Kommunikationen, d. h. ein Werbeverbot, würde keine spürbaren oder nur sehr geringfügige Anpassungskosten im gesamten Werbesektor nach sich ziehen. Beim Vergleich von fünf verschiedenen politischen Ansätzen - d. h. knappe Ratschläge für Gefährdungen und Schädigungen riskierende Verbraucher, Maßnahmen zur Thematik Alkohol am Steuer, Besteuerung, Verkaufsbeschränkungen und Werbeverbot - kam man in einem Model der Weltgesundheitsorganisation zu dem Schluss, dass die Besteuerung, Verkaufsbeschränkung und ein Werbeverbot die kosteneffektivsten Möglichkeiten zur Verringerung alkoholbedingter Erkrankungen und vorzeitiger Todesfälle in der Europäischen Union sind. 9.1. DIE ÖFFENTLICHE MEINUNG UND KOMMERZIELLE KOMMUNIKATIONEN In einer Eurobarometer-Umfrage von 2006 wurde festgestellt, dass 76% der EUBevölkerung einem Verbot für auf Jugendliche abzielende Alkoholwerbung in allen Mitgliedstaaten zustimmen würden (Eurobarometer 2007), s. Schaubild 6. Jeder zweite Befragte (50%) gab an, dass er/sie dieser Idee "voll und ganz zustimmt". 66 Schaubild 6 Das Ausmaß, in dem europäische Bürger der Aussage zustimmen, dass auf Jugendliche abzielende Alkoholwerbung in allen Mitgliedstaaten verboten werden sollte [totally agree: stimme voll und ganz zu; tend to agree: stimme eher zu; tend to disagree: stimme eher nicht zu; totally disagree: stimme überhaupt nicht zu; DK: weiß nicht], Quelle: Eurobarometer (2007). Eine separate Analyse für jedes Land ergab, dass in allen befragten Ländern die Mehrheit der Befragten ein solches Verbot befürworten würde, s. Schaubild 7. Befragte aus der Slowakei sind die stärksten Befürworter (93% ("stimme voll und ganz zu" 68%)), während Befragte aus Luxemburg (58% ("stimme voll und ganz zu" 41%)) und aus Dänemark (59% ("stimme voll und ganz zu" 37%)) in dieser Hinsicht am wenigsten engagiert zu sein scheinen. 67 Schaubild 7 Das Ausmaß, in dem europäische Bürger mit der Aussage übereinstimmen, dass auf Jugendliche abzielende Alkoholwerbung in allen Mitgliedstaaten verboten werden sollte [Agree: stimme zu; Disagree: stimme nicht zu]; *CY [tcc]: Zypern [türkisch-zypriotische Gemeinde]. Quelle: Eurobarometer (2007). 9.2. REGULIERUNG KOMMERZIELLER KOMMUNIKATIONEN Regulierung kommerzieller Kommunikationen Es gibt beachtliche Erfahrungswerte und Präzedenzfälle für die Regulierung kommerzieller Kommunikationen auf europäischer und nationaler Ebene, sowohl für traditionelle als auch für modernere Medien. Zum Beispiel verhängt die Richtlinie aus dem Jahr 2003 über Werbung und Sponsoring zugunsten von Tabakerzeugnissen 5 Verbote für Tabakwerbung in Printmedien und Diensten der Informationsgesellschaft, für Radiowerbung und Sponsoring sowie für das Sponsoring von Veranstaltungen. Dabei müssen die Staaten die für die Einhaltung der Richtlinie erforderlichen Gesetze, Regelungen und administrativen Bestimmungen verabschieden und der Kommission den Wortlaut der Hauptbestimmungen der nationalen Gesetzgebung, die sie im von der Richtlinie abgedeckten Bereich erlassen haben, mitteilen. Dienste der Informationsgesellschaft, wie z. B. das Internet, Mobiltelefone und virales Marketing unterliegen einer Bandbreite bereits bestehender Richtlinien, Empfehlungen und Befragungen zur Verbesserung der Technologien, z. B. einer 5 http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/site/en/oj/2003/l_152/l_15220030620en00160019.pdf 68 Richtlinie aus dem Jahr 2000 über Dienste der Informationsgesellschaft6 und einer Richtlinie aus dem Jahr 2002 über den Schutz der Privatsphäre im Bereich der elektronischen Kommunikation 7 , die beide die Thematik der unerwünschten Mitteilungen zum Zwecke des direkten Marketings behandeln; eine Richtlinie aus dem Jahr 2003 zur Privatsphäre in der elektronischen Kommunikation8, in der das Thema Marketing mittels elektronischer Mittel, z. B. Telefonmarketing, Marketing per Fax, Marketing via E-Mail, Text-, Bild- oder Videomitteilungen und virales Marketing, behandelt wird; einer Empfehlung aus dem Jahr 2006, in der der Schutz von Minderjährigen in der Industrie der audiovisuellen und Online-Informationsdienste mittels regulatorischer, selbstregulierender und koregulierender Maßnahmen 9 behandelt wird, sowie einem Konsultationspapier aus dem Jahr 2006 zur Sicherheit von Kindern und Mobiltelefondiensten, in der Techniken zum Schutz der Kinder berücksichtigt werden, die sowohl leichte Ansätze umfassen bis hin zur Beurteilung des Inhalts, der Aus- und Einwahl und dem vollständigen Verbot auf der Grundlage von Verfahren wie der Prüfung des Alters, dem Filtern und Sperren sowie der Meldung und Registrierung10. Auswirkungen der Regelungen Der politische Ansatz im Bereich Werbung, der die weitest reichenden Auswirkungen auf den Alkoholkonsum der Jugendlichen hätte, ist ein vollständiges Werbeverbot. Langfristig gehen Volkswirtschaftler davon aus, dass die Auswirkungen auf die Gesamtbeschäftigung tatsächlich bei Null lägen (s. Baumberg 2006). Wenn die Menschen weniger Geld für Alkohol ausgeben, dann geben sie mehr Geld für andere Produkte aus, was zur Schaffung von Arbeitsplätzen in anderen Wirtschaftsbereichen führt. Die Kosten, die daher in Betracht gezogen werden sollten, sind die kurzfristigen Anpassungskosten. Die Anpassungskosten im Alkohol produzierenden Sektor werden von der Situation im jeweiligen Land abhängen und bei einem langsamen Rückgang des Konsums viel geringer sein als bei einem schnellen Rückgang. Eine größere Anzahl von Arbeitsplätzen steht in anderen Bereichen mit Alkohol in Zusammenhang, insbesondere im Einzelhandel und der Hotel-, Restaurant- und Catering- (Horeca-) Branche. Allerdings werden die Anpassungskosten in diesen Branchen viel niedriger sein als in der Getränkeindustrie (Baumberg 2006). In Dienstleistungsbranchen wie dem Medien- und Werbesektor, in dem nur ein geringfügiger Anteil des Umsatzes mit Alkohol in Verbindung steht, fallen wahrscheinlich nur sehr geringe Anpassungskosten an. Solche Betrachtungen im Tabakbereich veranlassten eine Beraterfirma dazu festzustellen, dass "man nicht treffend schlussfolgern kann, dass ein Arbeitsplatz, bei dem nur ein kleiner Anteil der Zeit dem Produkt Tabak gewidmet wird und für den nur ein kleiner Anteil des Einkommens vom Tabak stammt, tatsächlich für seine Existenz von dieser Industrie abhängt" (Arthur Andersen Economic Consultign 1993, Seite 4). Die Werbeausgaben schwanken typischerweise sowohl insgesamt als auch zwischen den verschieden Werbemedien und –sektoren; der Global Marketing 6 http://eurlex.europa.eu/smartapi/cgi/sga_doc?smartapi!celexapi!prod!CELEXnumdoc&lg=en&numdoc= 32000L0031&model=guichett 7 http://europa.eu/scadplus/leg/en/lvb/l24120.htm 8 http://www.opsi.gov.uk/si/si2003/20032426.htm 9 http://europa.eu7scadplus/leg/en/lvb/l24030b.htm 10 http://ec.europa.eu/information_society/activities/sip/public_consultation/index_en.htm 69 Report zeigt, dass die Marketingausgaben der drei größten Telekommunikationsunternehmen zwischen 2003 und 2004 um 33% zunahmen, während die mit 4% niedrigste Zunahme bei den sechs größten Alkohol produzierenden Unternehmen festgestellt wurde (Advertising Age Global Marketing Report 2005). Die Kombination aus dem Trend zu steigenden Werbeausgaben, den bedeutenden typischen Schwankungen zweier aufeinander folgender Jahre sowie der schwachen Abhängigkeit des Sektors von der Alkoholwerbung bedeutet, dass die Anpassungskosten der alkoholpolitischen Maßnahmen, die für bestimmte Firmen sehr wohl spürbar sein können, für die Werbebranche als ganzes nur sehr geringfügig ausfallen werden. 9.3. VERGLEICH MIT ANDEREN MAßNAHMEN IM RAHMEN DER ALKOHOLPOLITIK Im Rahmen des CHOICE-Projekts der Weltgesundheitsorganisation (Chisholm et al. 2004) wurden fünf mögliche politische Ansätze entwickelt: Gesetze zu Alkohol am Steuer, die an das aktuelle Niveau der Einführung und Durchsetzung mittels stichprobenartig durchgeführter Alkoholtest angepasst werden; Auswirkungen einer Alkoholsteuer, die 25% über dem derzeitigen Niveau festgesetzt wird, im Vergleich zur Situation ganz ohne Steuer, und die an das beobachtete oder erwartete Niveau des nicht erfassten Konsums angepasst wird; verringerter Zugang zu und verringerte Verfügbarkeit von Alkohol, wobei abgeschätzt wird, was passieren würde, wenn Alkohol für einen Zeitraum von 24 Stunden am Wochenende nicht gekauft werden könnte; wenig Zeit in Anspruch nehmende Maßnahmen wie ärztliche Beratung im Rahmen der primären Gesundheitsversorgung für 50% der gefährdeten Bevölkerung (bei den aktuellen Berechnungen wird von 25% ausgegangen); sowie die Auswirkungen der Kontrolle der Werbung auf der Grundlage einer Abnahme des gefährlichen Alkoholkonsums um 2 bis 4%, die sich aus einer internationalen Zeitreihenanalyse der Auswirkungen eines Werbeverbotes ableitet (Grube und Agostinelli 2000; Saffer 2000; Saffer und Dave 2002). Eine Zusammenfassung der geschätzten Auswirkungen der fünf unterschiedlichen Maßnahmen (verhinderte DALYs11 pro eine Million Menschen pro Jahr) im Vergleich zu einem Europa ohne all diese politischen Maßnahmen wird in Schaubild 8 gezeigt, und die geschätzten Kosten (Euro pro 100 Personen pro Jahr) werden für die drei Regionen der Europäischen Union in Schaubild 9 veranschaulicht und basieren auf der Klassifikation der WHO, Tabelle 10. 11 Als DALY (Disability-Adjusted Life Year) bezeichnet man das Maß für die Anzahl der bei voller Gesundheit verbrachten Lebensjahre, die auf Grund eines bestimmten Risikofaktors verloren gehen (in diesem Fall Alkohol). Ein Jahr bei vollständiger Gesundheit wird mit der Ziffer 1 wiedergegeben, und das Jahr des Versterbens mit 0. Ein Jahr mit beeinträchtigter Gesundheit, das die Lebensqualität entscheidend beeinflusst, liegt irgendwo dazwischen. Mit DALYs wird die Differenz des aktuellen Gesundheitszustands zum möglichen Gesundheitszustand gemessen. Jedes DALY kann als Jahr mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder dem vorzeitigen Tod angesehen werden. 70 pro 1 Million Menschen im Jahr verhinderte DALYs 1800 kurze Beratung 1600 Maßnahmen zu Alkohol am Steuer 1400 aktuelle Steuer + 25% Erhöhung 1200 Verkaufsbeschränkung 1000 Werbeverbot 800 600 400 200 0 Euro A Euro B Euro C Schaubild 8 Die Auswirkungen verschiedener politischer Optionen (pro 1 Millionen Menschen im Jahr verhinderte DALYs) in den drei Subregionen der Europäischen Union. Quelle: Chisholm et al. (2004), angepasst. 200 kurze Beratung Maßnahmen zu Alkohol am Steuer aktuelle Steuer + 25% Erhöhung Verkaufsbeschränkung Werbeverbot 180 160 140 120 100 80 60 40 20 0 Euro A Euro B Euro C Schaubild 9 Die Kosten für die verschiedenen politischen Optionen (pro 100 Personen pro Jahr (€)) in den drei Subregionen der Europäischen Union. Quelle: Chisholm et al. (2004), angepasst. 71 Tabelle 10 WHO-Klassifikation der Länder der Europäischen Union auf der Grundlage der Sterblichkeitsraten. Europe A sehr niedrige KinderErwachsenensterblichkeit Österreich Belgien Tschechische Republik Dänemark Finnland Frankreich Deutschland Griechenland Irland Italien Luxemburg Malta Niederlande Portugal Slowenien Spanien Schweden Vereinigtes Königreich und Europe B niedrige Kinder- und Erwachsenensterblichkeit Zypern Polen Slowakei Europe C niedrige Kinder- und hohe Erwachsenensterblichkeit Estland Ungarn Lettland Litauen Würde ein Werbeverbot EU-weit eingeführt werden, könnten Schätzungen des Modells zufolge jährlich zwischen 300 (EuroB-Länder) und 616 (EuroC-Länder) DALYs pro 1 Million Menschen bei Kosten zwischen jährlich 12 € (EuroC-Länder) und 23 € (EuroA-Länder) pro 100 Menschen verhindert werden. Nach Schätzungen des Modells könnte ein in der gesamten EU umgesetztes Werbeverbot 202.000 Jahre mit Behinderung und vorzeitigem Tod bei geschätzten Kosten von jährlich 95 Millionen € verhindern. In allen drei Regionen der Europäischen Union hat die Besteuerung (derzeitiges Steuerniveau mit einem Anstieg der Besteuerung um 25% verglichen mit der Situation ohne Steuer) die größten Auswirkungen auf die Verringerung der durch Alkohol verursachten Schädigungen, gefolgt von wenig Zeit in Anspruch nehmenden Interventionen seitens der Leistungserbringer in der primären Gesundheitsversorgung für 25% der gefährdeten Bevölkerung. Die drei regulatorischen Maßnahmen (Besteuerung, Verkaufsbeschränkungen und Kontrolle der Werbung) sind hinsichtlich der Einführungskosten am billigsten, während Maßnahmen im Bereich Alkohol am Steuer und wenig zeitaufwändige Interventionen am kostenintensivsten sind. In den Schaubildern 10 bis 12 wird die Kosteneffizienz der unterschiedlichen Maßnahmen einzeln und in Kombination miteinander dargestellt. Die vertikale Achse (logarithmischer Maßstab) zeigt die jährlichen Kosten (in €) pro 100 Millionen Menschen, und die horizontale Achse (logarithmischer Maßstab) gibt die Anzahl der jährlich verhinderten DALYs pro Millionen Menschen an. Die blauen diagonalen Linien (auch auf einem logarithmischen Maßstab von rechts nach links) zeigen die Kosteneffizienz in Euro pro verhindertem DALY, die zwischen 100 € pro DALY (unten rechts) und 10.000 € pro DALY (oben links) variieren. So wird z. B. in Schaubild 10 geschätzt, dass ein Werbeverbot mit Kosten von jährlich 23 € pro 100 Personen im Jahr 440 DALYs pro Millionen Menschen verhindern könnte, und dies bei einem Kosteneffizienzverhältnis von 500 € pro verhindertem DALY. 72 1000 10.000 € pro DALY 1.000 € pro DALY Kosten pro 100 Personen pro Jahr(€) 100 100 € pro DALY 10 100 1000 10000 pro 1 Million Menschen im Jahr verhinderte DALYs A. Brief physician adv ice (25% cov erage) F4. Brief adv ice+Tax B. Random Breath Testing F5. Tax+Ad Ban+Restrict access C1. Current tax F6. Brief adv ice+Tax+RBT C2. Current tax + 25% F7. Brief adv ice+Tax+Ad Ban D. Restricted access (sales) F8. Brief adv ice+Tax+Ad Ban+Restrict access E. Adv ertising ban F9. Brief adv ice+Tax+Ad Ban+RBT F1. Brief adv ice+RBT F10. Tax+Ad ban+Restrict access+RBT F2. Tax+Ad Ban F3. Tax+RBT A. knappe Beratung durch den Arzt (25% Abdeckung) B. stichprobenartige Alkoholtests C1. aktuelle Steuer C2. aktuelle Steuer + 25%ige Steigerung D. Zugangsbeschränkung (Verkauf) E. Werbeverbot F1. knappe Beratung + stichprobenartige Alkoholtests F2. Steuer + Werbeverbot F3. Steuer + stichprobenartige Alkoholtests 10 100 1000 10000 F11. Brief adv ice+Tax+Ad ban+RBT+Restrict access DA LYs prevented per millio n peo ple per year F4. knappe Beratung + Steuer F5. Steuer + Werbeverbot + Zugangsbeschränkung F6. knappe Beratung + Steuer + stichprobenartige Alkoholtests F7. knappe Beratung + Steuer + Werbeverbot F8. knappe Beratung + Steuer + Werbeverbot + Zugangsbeschränkung F9. knappe Beratung + Steuer + Werbeverbot + stichprobenartige Alkoholtests F10. Steuer + Werbeverbot + Zugangsbeschränkung + stichprobenartige Alkoholtests F11. knappe Beratung + Steuer + Werbeverbot + stichprobenartige Alkoholtests + Zugangsbeschränkung Schaubild 10 Die Kosteneffizienz der verschiedenen politischen Optionen für EU-A-Länder (logarithmischer Maßstab). Die Diagonalen zeigen die Kosteneffizienz in € pro verhindertem DALY (Legende s. unten). Quelle: Chisholm et al. (2004) (angepasst). 73 1000 10.000 € pro DALY 1.000 € pro DALY Kosten pro 100 Personen im Jahr(€) 100 100 € pro DALY 10 100 1000 10000 pro 1 Millionen Menschen pro Jahr verhinderte DALYs Schaubild 11 Die Kosteneffizienz der verschiedenen politischen Optionen für EU-B-Länder (logarithmischer Maßstab). Die Diagonalen zeigen die Kosteneffizienz in € pro verhindertem DALY. (Legende s. Schaubild 10). Quelle: Chisholm et al. (2004) (angepasst). 1000 10.000 € pro DALY Kosten pro 100 Personen im Jahr (€) 100 10 100 1.000 € pro DALY 100 € pro DALY 1000 10000 pro 1 Millionen Menschen im Jahr verhinderte DALYs Schaubild 12 Die Kosteneffizienz der verschiedenen politischen Optionen für EU-C-Länder (logarithmischer Maßstab). Die Diagonalen zeigen die Kosteneffizienz in € pro verhindertem DALY. (Legende s. Schaubild 10). Quelle: Chisholm et al. (2004) (angepasst). 74 9.4. SCHLUSSFOLGERUNGEN Erfahrungen aus anderen Bereichen und mit Richtlinien zeigen, dass es durchaus möglich ist, kommerzielle Kommunikationen sowohl in herkömmlichen als auch in nicht herkömmlichen Medien zu regulieren. Die EU-Tabakrichtlinie von 2003 hat gezeigt, dass es durchaus möglich ist, die Werbung für Tabakprodukte in Rundfunk, Fernsehen und den Printmedien zu verbieten und entsprechendes Sponsoring im Sport zu untersagen. Würde ein solches Verbot für Alkoholprodukte eingeführt, so gäbe es für den Medienbereich keine oder nur geringfügige Anpassungskosten. Neben der Besteuerung und Verkaufsbeschränkungen würde ein Werbeverbot eine der kosteneffektivsten Möglichkeiten zur Verminderung alkoholbedingter Gesundheitsbeeinträchtigungen und vorzeitiger Todesfälle in der Europäischen Union darstellen. Drei Viertel der europäischen Bürger befürworten das Verbot von auf Jugendliche abzielender Alkoholwerbung in ganz Europa. 75 10. EMPFEHLUNGEN FÜR DIE ÜBERWACHUNG UND BEWERTUNG KOMMERZIELLER KOMMUNIKATIONEN Aus den vorherigen Kapiteln geht eindeutig hervor, dass es ein Defizit bei standardisierten Systemen gibt, die kommerzielle Kommunikationen im Zusammenhang mit Alkohol überwachen und bewerten können. In diesem Kapitel werden einige Empfehlungen ausgesprochen, um dieses Defizit zu beheben, was wiederum zu einer besseren Information der politischen Entscheidungsträger führen sollte. Unter Nutzung von den Industrienormen entsprechenden Datenquellen und Methoden, die Werbeagenturen und Werbetreibenden zur Verfügung stehen, muss die Menge der kommerziellen Kommunikationen - gemessen anhand der Ausgaben für und der Exposition der Jugendlichen gegenüber kommerziellen Kommunikationen - überwacht und zurückverfolgt und in jährlichen Berichten über jeden Mitgliedstaat und die Europäische Union als Ganzes dargestellt werden. Die Beschreibung des Kontakts der Jugendlichen mit der Werbung sollte mit der Zusammensetzung der jugendlichen Zielgruppe in Zusammenhang gebracht werden. Unter Nutzung von Daten aus Regierungs- und Nichtregierungsquellen müssen die Verbreitung, der Inhalt und die Einhaltung von Bestimmungen zu kommerziellen Kommunikationen dokumentiert, zurückverfolgt und in jährlichen Berichten vorgestellt werden. Es müssen beträchtliche Investitionen in die Finanzierung von Längsschnittstudien zur Bewertung der Auswirkungen kommerzieller Kommunikationen auf das Trinkverhalten von Jugendlichen in einer Bandbreite von Medien und einer Vielzahl europäischer Kulturen getätigt werden. 10.1. ÜBERWACHUNG DER MENGE KOMMERZIELLER KOMMUNIKATIONEN Ausgaben als Maß für die Menge kommerzieller Kommunikationen Wie in Kapitel 7 dargestellt besteht ein Zusammenhang zwischen der Höhe der Werbeausgaben und dem Alkoholkonsum Jugendlicher. Viele Handelsunternehmen verfolgen die Ausgaben für Alkoholwerbung zurück. Die Höhe der Werbeausgaben sollte regelmäßig für die traditionellen Rundfunk- und Fernsehmedien, Printmedien und Plakate sowie für die nicht traditionellen Medien, auch im Hinblick auf Sponsoring, Produktplatzierung, Verkaufsförderung, Werbung am Verkaufsort sowie Kommunikationen über das Internet und Mobiltelefone, veröffentlicht werden. Exposition der Jugendlichen über traditionelle Medien Wie in Kapitel 6 und 7 gezeigt wurde, steigert der Kontakt mit Alkoholwerbung die Erwartungen, die an den Alkoholgenuss geknüpft werden, sowie den Konsum der Jugendlichen. Der Kontakt Minderjähriger zu Alkoholwerbung sollte kontinuierlich überwacht werden und Gegenstand regelmäßiger Berichte an die Regierung und die Öffentlichkeit sein. Die Überwachung kann auf den Industrienormen entsprechenden Datenquellen und Methoden basieren, die Werbeagenturen und Werbetreibenden zur Verfügung stehen, wenn diese ihre Entscheidungen darüber treffen, wo sie ihre Werbung 76 platzieren möchten. Die "Reichweite" bezieht sich auf die Anzahl oder den Anteil der Personen aus der Zielgruppe, die die Gelegenheit haben, eine Werbung oder eine Kampagne über den Kontakt mit ausgewählten Medien zu sehen. Die "Häufigkeit" gibt die Anzahl der Gelegenheiten an, zu denen Einzelpersonen in Kontakt mit einer Werbung oder einer Kampagne kommen, und wird meist als Durchschnittswert der Exposition angegeben. Die "Gross rating points", bzw "GRPs" (Maß für den Werbedruck) geben an, wie viele Werbekontakte für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe pro Kopf anfallen. Zum Beispiel gibt das Maß von 100 GRPs an, dass die Bevölkerung durchschnittlich einen Kontakt pro Person aufweist (obwohl dies auch heißen kann, dass 50% der Bevölkerung die Werbung zwei Mal gesehen haben). Die GRPs sind mathematisch gesehen das Produkt aus Reichweite und Häufigkeit: Wenn die Reichweite 80% beträgt und sich die Durchschnittshäufigkeit auf 2,5 beläuft, ergeben sich 200 GRP. GRPs liefern somit ein Vergleichsmaß für die Pro-Kopf-Exposition gegenüber Werbung. Sie umfassen sowohl die Menge der vom Durchschnittszuschauer gesehenen Werbungen (Häufigkeit) als auch den Anteil einer bestimmten Bevölkerungsgruppe, die die Werbung wahrscheinlich gesehen hat (Reichweite). Die Überwachung und die entsprechenden Berichte sollten Informationen über den Anteil der minderjährigen Zuschauer, die Kontakt mit der Werbung haben, beinhalten und die geschätzte Anzahl der minderjährigen Empfänger von Alkoholwerbung in Printmedien sowie im Radio und Rundfunk auf nationalen Märkten sowie bei Fernseh- und Radioaustrahlungen für eine Auswahl großer lokaler oder regionaler Märkte umfassen. Die Überwachung sollte von verschiedenen Niveaus der Zusammensetzung von jugendlichen Zuschauern ausgehen, darunter auch solche Zusammensetzungen, bei denen der Anteil der 12- bis 17-jährigen Zuschauer deren Anteil in der allgemeinen Bevölkerung für einen gegebenen lokalen Markt übersteigt, und solche, in denen der Jugendmarkt seinen genauen Anteil in der allgemeinen Bevölkerung der Zuschauerschaft übersteigt, und diesen Anteil verdoppeln. Webseiten der Alkoholindustrie Webseiten der Alkoholindustrie sollten verfolgt und die Anzahl der tiefer gehenden Besuche minderjähriger Jugendlicher überwacht werden. Der Inhalt von Webseiten der Alkoholindustrie sollte überwacht werden, auch im Hinblick auf das Angebot von interaktiven Spielen und Sportarten, Spielautomaten, kundenspezifische Funktionen für Musik und das sofortige Versenden von Nachrichten, technisch hochentwickelte E-Mail-Features und herunterladbare Bildschirmschoner und Hintergrundbilder. Beschreibung der Marketingpraktiken Neben dem Produkt selbst sollten alle Gestaltungsarten und Formen einer Marketingpraktik - Sponsoring im Sport, Preiswerbung, Veranstaltungen wie z. B. Musikveranstaltungen mit jugendlichem Publikum - und neuere Trends bei den Marketingpraktiken wie z. B. integratives Marketing, virales Marketing, Markenbildung sowie Underground-Marketing wie Design-Wettbewerbe, Spaßquizzes, vermeintlich spontane Straßenfeste, und Radio- und Fernsehnetzwerke beschrieben, überwacht und über einen längeren Zeitraum weiterverfolgt werden. 77 10.2. ÜBERWACHUNG DER REGULIERUNG KOMMERZIELLER KOMMUNIKATIONEN Verbreitung von Regelungen Die Verbreitung von Regelungen auf den verschiedenen Ebenen eines Rechtssystems (europäisch, national, regional und kommunal) sollte dokumentiert, analysiert und im Laufe der Zeit weiterverfolgt werden, wobei die Regelungen als gesetzlich, nichtgesetzlich und koregulierend klassifiziert werden; die Art der abgedeckten Medien (Radio und Fernsehen, Printmedien, Plakate, Internet, Mobiltelefone und Sponsoring) ist zu berücksichtigen; EU-Richtlinien und Empfehlungen, die die Thematik der Rundfunkmedien und Dienste der Informationsgesellschaft wie das Internet, Mobiltelefone und virales Marketing behandeln, sollen eingeführt werden. Die Artikel der Regelungen sollten beschrieben werden, darunter auch diejenigen, die die Menge der Werbung behandeln, z. B. Verbote in Zusammenhang mit dem Ort, der Zeit, den Medien, der Art des Produkts oder Werbetreibenden, und diejenigen, die sich mit dem Inhalt der Werbung befassen, z. B. mit Humor, Stilrichtungen, der Beteiligung von Kindern, Drogen, Gewalt, Erfolg, sexuellem Erfolg und der Förderung des Alkoholkonsums. Verfahren zur Kontrolle von Verstößen Die Verbreitung von Verfahren zur Kontrolle von Verstößen gegen die Regelungen auf den verschiedenen Ebenen des Rechtssystems (europäisch, national, regional und kommunal) sollten mit als gesetzlich oder nichtgesetzlich klassifizierten Verfahren dokumentiert, analysiert und über die Zeit hinweg weiterverfolgt werden, z. B. durch Verfahren wie Kontrollen vor der erstmaligen Verbreitung einer Werbung, systematische Kontrollen sowie Beschwerdemöglichkeiten in Kombination mit einer Beschreibung der aus diesen Verstößen resultierenden Sanktionen. Einhaltung der Regelungen Aus Kapitel 2 geht eindeutig hervor, dass es keine zuständige Informationsstelle gibt, die uns mitteilt, in welchem Maße bestehende Regelungen auf europäischer oder nationaler Ebene eingeführt und befolgt werden. Systematische Überwachungssysteme müssen angeregt werden, um regelmäßig Berichte zur Einführung und Befolgung der Regelungen sowie zur Anzahl der Verstöße auszuarbeiten. Einstufung der Werbung Aus Kapitel 8 geht eindeutig hervor, dass es bei der Interpretation der Normen beträchtliche Diskrepanzen zwischen den Ansichten der Marketingexperten und denen der Selbstregulierungsstellen gibt; dabei neigen die Experten eher dazu, bei einer größeren Anzahl von Alkoholwerbungen Verstöße gegen die Normen festzustellen als dies bei Selbstregulierungsstellen der Fall ist. Noch bedeutender ist aber, dass die Interpretation der Jugendlichen von kommerziellen Kommunikationen weit über das hinaus geht, was über Normen bezüglich des Inhalts erfasst werden kann. Daher sollte es Systeme geben, um regelmäßig in Gremien mit Werbeexperten und Jugendlichen Einstufungen der Alkoholwerbung in Zusammenhang mit den bestehenden Regelungen für den Inhalt vorzunehmen. Bei der Einstufung sollte die Wahrnehmung der Fachleute und der Jugendlichen in Bezug auf Marketingpraktiken, die den bestehenden Regelungen entsprechen, erfasst werden. 78 10.3. FÖRDERUNG DER FORSCHUNG IN EUROPA In Kapitel 6 wurde festgestellt, dass von wenigen Ausnahmen abgesehen ein Großteil der Belegsammlung, mit der die Auswirkungen der Menge der Werbung auf den Alkoholkonsum der Jugendlichen veranschaulicht werden, aus den USA stammt. Dem Mangel an Belegen wurde in den USA in Folge eines Berichts der U.S. Federal Trade Commission 1999 und eines Sonderberichts an den U.S. Kongress aus dem Jahr 2000 Abhilfe geschaffen. Das National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism (NIAAA, Nationales Institut für Alkoholmissbrauch und Alkoholismus) finanzierte vier Längsschnittsstudien zu diesem Thema, auf die in Kapitel 6 Bezug genommen wurde. Ungeachtet der Tatsache, dass die vorhandenen Belege die Schlussfolgerung, dass die Menge der Werbung tatsächlich Auswirkungen auf den Alkoholkonsum der Jugendlichen hat, deutlich stärken, ist es dringend notwendig, über eine ähnliche Finanzierung die Belegsammlung in Europa zu erweitern. 10.4. SCHLUSSFOLGERUNGEN Angesichts der Schätzungen zum Umfang der Ausgaben für die Vermarktung alkoholischer Erzeugnisse in Europa (s. Kapitel 1) und in Anbetracht der Bedeutung der Auswirkungen kommerzieller Kommunikationen auf die Erwartungen, die Jugendliche an den Alkoholkonsum knüpfen, ist es vielleicht erstaunlich, dass das in Europa verfügbare Wissen auf diesem Gebiet nur begrenzt ist. Es gibt keine für die Öffentlichkeit leicht zugänglichen Quellen, mit deren Hilfe man die Menge kommerzieller Kommunikationen und die Exposition der Jugendlichen gegenüber diesen Kommunikationen nachverfolgen kann, obwohl es solche Möglichkeiten gäbe. Mit einer Arbeit aus dem Centre on Alcohol Marketing and Youth of the United States wird ein Modell zur Zurückverfolgung und Berichterstattung über die Exposition von Jugendlichen bereitgestellt (www.camy.org). Obwohl im Rahmen des ELSA-Projekts die aktuellen Regelungen für kommerzielle Kommunikationen europaweit dokumentiert wurden (http://www.stap.nl/elsa/elsa_project/introduction.html), konnte im Rahmen des Projekts u. a. überraschend geschlussfolgert werden, dass bezeichnenderweise ein Wissensbestand fehlt, in dem die Einhaltung dieser Regelungen bewertet wird, ganz zu schweigen von den Auswirkungen der aktuellen regulatorischen Systeme auf europäischer und nationaler Ebene, z. B. die einiger EU-Richtlinien und Empfehlungen, in denen eine routinemäßige Überwachung gefordert wird. Der Behebung dieses Missstands muss dringend durch die Schaffung eines europäischen Äquivalents zum Centre on Alcohol Marketing and Youth Beachtung geschenkt werden. 79 QUELLENVERZEICHNIS Aaker, D.A. (1996). Building strong brands. New York: The Free Press. Aas, H. (1993): Adaptation of the Alcohol Expectancies Questionnaire (AEQ-A): A short version For use among 13-year-olds in Norway. Scandinavian Journal of Psychology 34: 107118. Aas, H. and Klepp, K.I. (1992): Adolescents’ alcohol use related to perceived norms. Scandinavian Journal of Psychology 33: 315-325. Aas, H. and Klepp, K.I. and Laberg, J.C. and Aarø, L.E. (1995): Predicting adolescents’ intentions to drink alcohol: Outcome expectancies and self-efficacy. Journal of Studies on Alcohol 56: 293-299. Adlaf, E. M. and Kohn, P. M. (1989). 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