DIE SAISON 2015/2016 IM SCHAUSPIELHAUS BOCHUM Am 18. Juli 2010 beeindruckte das Ruhrgebiet sich selbst und den Rest der Welt mit dem „Still-Leben Ruhrschnellweg“ auf der A40. Nur wenige Wochen danach nahmen wir unsere Arbeit in Bochum auf, die unter dem Vorzeichen der europäischen Kulturhauptstadt stand. Wir entdeckten Bochum und das Schauspielhaus aus der Perspektive des europäischen Ruhrgebiets. Vielfalt und Internationalität gehören zu diesem Ruhrgebiet ebenso wie Bodenständigkeit und lokale Bindung: Wir leben in Bochum und sind als Mix aus über 150 Nationen immer schon Europäer gewesen. Aus diesem Credo entstand unser Programm für das Schauspielhaus Bochum und wir entwickelten eine Idee von Stadttheater, das Kunst und Kultur in der Verantwortung für die Stadt und ihre Bewohner entwirft. Wir brauchen eine Kultur, die aktiv in die Städte hineinwirkt, indem sie Orte, Menschen und Geschichten neu sichtbar und erfahrbar macht. Sie verändert damit unser Bild von uns und von der Stadt, in der wir leben. Diese Kraft haben wir alle an jenem Tag auf der A40 erlebt: Die soziale Plastik „Still-Leben Ruhrschnellweg“ ließ die Menschen auf der Straße zu einem Kunstwerk werden, das über sich selbst hinausweist und bis heute daran erinnert, welche Energien wir gemeinsam entwickeln können. Genau darin sehen wir die utopische Kraft der Kunst, die sich an einem sonnigen Tag auf der Straße erfahren lässt. Dieser Überzeugung folgend, entwickelten wir Kunstformen, die die Menschen, ihren Alltag und ihre Geschichten erforschen. Beispielhaft dafür stehen zahlreiche Stadtprojekte und Theaterformen, seien es Produktionen wie „Da-Heim“ oder „Angekommen“ des Jungen Schauspielhauses, die Arbeiten und Aktionen des DETROIT-PROJEKTS oder auch die Gründung der „Zukunftsakademie NRW“. Wir schließen Bündnisse und realisieren Projekte mit Initiativen und Kulturschaffenden aus allen Bereichen der Stadt. In Jugend-, Schul- und Stadtprojekten ebenso wie in unseren Kinder- und Familienstücken auf der Bühne verfolgen wir einen erweiterten Kultur- und Bildungsbegriff, denn das, was wir suchen und brauchen, sind offene Formen, die auch zukünftige Generationen erreichen. Nur wenn es uns gelingt, zwischen Tradition und Zukunft neue Wege zu gehen, werden wir ein lebendiges Theater und somit auch eine lebendige Stadt bleiben. Nur im Zusammenschluss von Bildung, Kultur und Wirtschaft können soziale, ökonomische und demografische Fragen gelöst werden. Die Anstalt des öffentlichen Rechts – Königsallee 15 – 44789 Bochum – www.schauspielhausbochum.de Christine Hoenmanns – Presse- und Öffentlichkeitsarbeit – Tel.: 0234 / 33 33 55 23 – Fax: 0234 / 33 33 54 37 – [email protected] Das Schauspielhaus Bochum ist Mitglied der Union des Théâtres de l’Europe (U.T.E.) innovative Kraft dieser Verbindungen für eine soziale und fortschrittliche Stadtentwicklung zu nutzen, ist eine wesentliche Erkenntnis der Politik des 21. Jahrhunderts. In diesem Sinne hoffen wir, dass Bochum auch in Zukunft um die innovative Kraft der Kultur weiß; ein Rückschritt in die Grabenkämpfe der Vergangenheit wäre fatal, nicht nur für dieses Theater, sondern für uns alle, die wir in dieser Stadt leben. Anselm Weber, aus dem Vorwort des Spielzeitmagazins 2015/2016 Die Spielzeit 2015/2016 Anselm Weber und sein Team haben für die Spielzeit 2015/2016 ein vielfältiges Angebot für alle Generationen und Interessen geplant und werden die zwei kommenden Spielzeiten mit vollem Einsatz für die Fortführung der Idee von einem politisch engagierten Stadttheater nutzen. Die Erforschung der Potenziale dieser Stadt steht dabei weiterhin im Zentrum. So entdeckt das kainkollektiv in der kommenden Saison die Möglichkeiten einer internationalen Stadt und ihrer globalen Verbindungen in der Bochumer Hustadt, das Junge Schauspielhaus verfolgt mit seinen zahlreichen Inszenierungen und Jugendprojekten eine innovative Bildungsarbeit und die ZECHE 1 wird mit Pottporus e.V./Renegade wiedereröffnet und zu einem Zentrum für urbane Kunst. Geplant sind rund 20 Neuproduktionen mit insgesamt vier Uraufführungen u. a. von Christoph Nußbaumeder und Lutz Hübner. Neben u. a. Anselm Weber, Roger Vontobel, Eric de Vroedt und Daniela Löffner werden erstmals Robert Schuster, Marius von Mayenburg, der Choreograf Samir Akika und der ungarische Regisseur Tamás Ascher am Schauspielhaus inszenieren. Darüber hinaus beteiligt sich das Schauspielhaus an dem gemeinsamen Lesemarathon „The Rest is Noise“ der sechs Ruhrgebiets-Schauspielhäuser, initiiert durch die Ruhrtriennale und inszeniert von Johan Simons. Im April 2016 wird zudem die jährliche Generalversammlung des internationalen Theaternetzwerks Union des Théâtres de l’Europe im Schauspielhaus stattfinden, die inhaltlich von der SchauspielhausDramaturgie vorbereitet wird. Eröffnung im September Die Spielzeit beginnt mit einem doppelten Premierenwochenende am 5./6. und 11./12. September. Wir eröffnen mit Tschechows Klassiker „Der Kirschgarten“ in der Regie von Tamás Ascher, der als internationaler Tschechow-Experte gilt (Premiere am 5.9.2015, Schauspielhaus) und der Dramatisierung von Joseph Roths Roman „Hiob“, inszeniert von Lisa Nielebock (Premiere am 6.9.2015, Kammerspiele). Am zweiten Eröffnungswochenende zeigen wir die musikalische Produktion „Monty Python’s Spamalot“, ein Musical basierend auf dem Film „Die Ritter der Kokosnuss“, in der Regie von Komödienspezialist Christian Brey (Premiere am 11.9.2015, Schauspielhaus, VVK-Start am 18.5.2015) und die Uraufführung „Das Fleischwerk“ von Christoph Nußbaumeder in der Regie von Robert Schuster (UA am 12.9.2015, Kammerspiele). Anfang Oktober wird Roger Vontobel erneut ein Hauptmann-Drama auf die Bühne bringen. Mit Jana Schulz in der Titelrolle und Olaf Johannessen als Christoph Flamm inszeniert er „Rose Bernd“ für das Schauspielhaus (Premiere: 4.10.2015). Lernen, ein Mensch zu sein: Spielzeitthema „Generationen“ Von jeher fragen sich die Menschen, wer sie sind und wie sie zu dem geworden sind, was sie zu sein glauben. Dabei beschäftigt Philosophie, Kunst und nicht zuletzt das Theater über Jahrtausende hinweg immer wieder die Frage, welche Rolle das Verhältnis der Generationen zueinander spielt: Wie können sich die Alten und die Jungen wechselseitig bereichern? Warum stehen sie sich gegenseitig immer wieder im Weg? Ausgewählte Produktionen der kommenden Saison beschäftigen sich daher auf unterschiedlichste Weise mit dem Thema Generationen, neben Josef Roths „Hiob“ außerdem Schillers „Don Karlos“ (Regie: Jan Neumann, Premiere: 7.11.2015, Schauspielhaus), Ayckbourns „Familiengeschäfte“ (Regie: Marius von Mayenburg, Premiere: 30.1.2016, Schauspielhaus), „Vater“ von Florian Zeller (Regie: Alexander Riemenschneider, Premiere: 13.2.2016, Kammerspiele) und das neue Stück von Lutz Hübner mit dem Arbeitstitel „Wunschkinder“ (Regie: Anselm Weber, UA: 25.5.2016, Kammerspiele), das für das Schauspielhaus und sein Ensemble entsteht. Auch die neue Arbeit des kainkollektiv setzt sich im weitesten Sinn mit dem Thema Generationen und dem Zusammenleben der Kulturen auseinander („C/O Brunnenplatz. Eine lokal-globale Opern-Performance“, UA am Brunnenplatz in der Bochumer Hustadt im Juni 2016). Renegade in Residence und Eröffnung der ZECHE 1 als Zentrum für urbane Kunst Bereits in der sechsten Saison führen wir unsere erfolgreiche Kooperation mit Pottporus e.V./Renegade weiter. Der Choreograf Samir Akika, Leiter der Tanzsparte des Theater Bremen, hat schon häufiger mit Renegade zusammengearbeitet. Für die Kammerspiele wird er im Herbst eine neue Tanztheaterproduktion mit den Tänzern von Renegade entwickeln (UA: 6.11.2015). Unsere Produktionen „Ruhr-Ort“ und „Ruhm“ werden auch in der kommenden Spielzeit bei zahlreichen Gastspielen im In- und Ausland zu sehen sein. Im November eröffnen wir zusammen mit Pottporus e.V./Renegade die ZECHE 1. Zusammen mit weiteren Partnern, u. a. den Instituten für Populäre Musik und für zeitgenössischen Tanz der Folkwang UdK, der Ruhr-Universität Bochum mit der Szenischen Forschung des Instituts für Theaterwissenschaft und der Sporthochschule Köln mit dem Institut für „Break Anatomy“, aber auch mit der ZAK NRW und dem kainkollektiv, soll ein Zentrum für urbane Kunst entstehen (Eröffnungswoche 6.-15.11.2015). Weitere Spielplanpositionen Anselm Weber inszeniert in der kommenden Spielzeit neben der Uraufführung von Lutz Hübners neuem Stück Kleists „Der zerbrochne Krug“ mit Dietmar Bär in der Hauptrolle (Premiere: 5.12.2015, Kammerspiele) und Eric de Vroedt wird Max Frischs „Stiller“ in einer Bearbeitung von Reto Finger für das Schauspielhaus in Szene setzen (Premiere: 2.4.2016). Hermann Schmidt-Rahmer beschäftigt sich in seinem neuen Projekt „Krieg der Welten“ mit der ultimativen Form von Fremdenfeindlichkeit: der Angst vor Angriffen außerirdischer Lebensformen (Premiere: 9.4.2016, Kammerspiele) und Daniela Löffner inszeniert „Mephisto“ nach dem Roman von Klaus Mann auf der Schauspielhaus-Bühne (Premiere: 13.5.2016). Unser Koproduktionsprojekt mit der Folkwang Universität der Künste ist in der kommenden Spielzeit Carlo Goldonis „Der Impresario aus Smyrna“ (Premiere: 12.2.2016, Theater Unten). Es inszeniert Ensemblemitglied Marco Massafra, der bereits einige Regiearbeiten am Bochumer Rottstr 5 Theater entwickelt hat. Junges Schauspielhaus / Kinder- und Jugendproduktionen Unser diesjähriges Kinder- und Familienstück ist Kirsten Boies „Der kleine Ritter Trenk“ in der Regie von Henner Kallmeyer, der bereits erfolgreich zwei Kinder- und Familienstücke am Schauspielhaus inszeniert hat (Premiere am 29.11.2015, Schauspielhaus). Das Junge Schauspielhaus unter der Leitung von Martina van Boxen setzt seine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fort. Neben der Produktion „Däumelinchen“ von Hans Christian Andersen für Kinder ab fünf Jahren (Premiere am 13.9.2015, Theater Unten) wird Martina van Boxen „Co-Starring“ von Theo Fransz im Theater Unten in Szene setzen (Premiere: 3.12.2015) und das erfolgreiche Großprojekt „Schulen in Bewegung“ mit Bochumer Schülerinnen und Schülern aus allen Schulformen fortsetzen (Premiere am 8.6.2016, Kammerspiele). Weiterhin bietet das Junge Schauspielhaus sein umfangreiches Workshop- und Jugendprogramm an. Mit SPOT startet es außerdem ein neues SchulKooperationsprojekt und die Urban-Art-AG, in Kooperation mit Pottporus e.V. und gefördert durch die Mercator Stiftung, ermöglicht SchülerInnen weiterführender Ganztagsschulen die Beschäftigung mit den urbanen Künsten Tanz, Wort (Rap), Klang (DJ/VJ) und Bild (Graffiti) zusammen mit Urban Artists aus dem künstlerischen Umfeld von Pottporus. Neue Ensemblemitglieder und neuer Dramaturg Das feste Ensemble des Schauspielhauses umfasst in der kommenden Spielzeit 30 Spielerinnen und Spieler und zahlreiche Gäste, zu denen u. a. Dietmar Bär, Jana Schulz, Olaf Johannessen, Felix Rech und Maja Beckmann gehören. Dramaturg Olaf Kröck übernimmt ab der kommenden Spielzeit die alleinige geschäftsführende Leitung der Dramaturgie. Neu im Team ist Dramaturg Alexander Leiffheidt, der vom Theater Marburg an das Schauspielhaus kommt. In der Spielzeit 2015/2016 werden außerdem zwei neue Ensemblemitglieder an das Schauspielhaus Bochum wechseln: Dennis Herrmann, der vom Potsdamer Hans-Otto-Theater nach Bochum kommt und Michael Kamp, der viele Jahre am Schauspiel Dortmund engagiert war und in Bochum bereits in Anselm Webers Inszenierung von „Ein Mann will nach oben“ gastiert hat.