Konzeption

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Institut für Kindheit, Jugend, Familie und Erwachsene
KJFE
Konzeption
(Stand April 2003)
Angehörige des Instituts
Geschäftsführende Direktorin:
Prof. Dr. phil. Sigrid Tschöpe-Scheffler
([email protected])
Stellvertretender Direktor:
Prof. Dr. phil. Volker Schmidt-Kohl
([email protected])
Dipl. Soz. Päd. Wolfgang Feldmann
([email protected])
Prof. Dr. rer. soc. Georg W. Green
PD Dr. Anne Lützenkirchen
([email protected])
Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Karla Misek-Schneider
([email protected])
Dipl. Psych. Reinhold Schulte
([email protected])
Dr.phil. Andreas Thimmel
([email protected])
Dipl. Päd. Reiner Cousin (externer Mitarbeiter)
Nadja Gammel (Studentin)
([email protected])
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Institut für Kindheit, Jugend, Familie und Erwachsene
KJFE
Ausgangssituation
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Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben spezifische und altergemäße Bildungs, Lern- und Freizeitansprüche, mit denen sich professionell auseinanderzusetzen ist.
Subjektorientierte Bildungs- und Freizeitarbeit in den Bereichen Familienbildung,
Kinder- und Jugendarbeit, Erwachsenenbildung sieht ihren zentralen Fokus in den Interessen und Bedürfnissen ihrer AdressatInnen.
Die Dimensionen des Aufwachsens und der Lebensgestaltung in allen Altersphasen
stellen spezifische Anforderungen an das Individuum dar, die als zentrale Entwicklungsaufgaben zu bewältigen sind. Eine Sozialpädagogik der Lebensalter hat hier ihre
Orientierung.
Der beschleunigte technische, gesellschaftliche, politische und sozialpolitische Wandel vollzieht sich auf verschiedenen Ebenen (lokal, regional, national, europäisch und
global) und ist mit grundlegenden Veränderungen verbunden, denen sich Individuen
und Gesellschaft zu stellen haben. Bisher bekannte soziale Problemlagen, z.B. Armut,
Arbeitslosigkeit, soziale Ausgrenzung, Diskriminierung sowie die Gesellschaft strukturierende Kategorien wie z.B. Gender, Ethnie, Alter, Herkunft, Verfügung über soziales und kulturelles Kapital, Gesundheit/Krankheit verlieren nicht an Bedeutung, sondern treten in weniger klar strukturierten Mustern auf. Dabei geht es auch um die politische Deutung und die adäquaten politischen Rahmenbedingungen als Antwort auf
den beschriebenen Wandel.
Veränderungen und der beschleunigte Entwicklungsprozess z.B. in familiärer, beruflicher, räumlicher, finanzieller Hinsicht führen zu Orientierungs- Sinn- und Lebenskrisen, die potentiell alle Personen betreffen können. Neben den genannten Erziehungs- und Bildungsaufgaben stellen diese Folgen der Risikogesellschaft im Kontext der Zweiten Moderne einen weiteren Bezugspunkt für professionelles Handeln in
der Sozialen Arbeit dar.
Aufgaben
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Das Institut KFJE sieht sich den Bildungs- Erziehungs- und Lernaufgaben der Individuen verpflichtet. Diese haben für eine demokratische und plurale Gesellschaft eine
konstitutive Funktion. Dies schließt „Hilfen in schwierigen Lebenssituationen“ mit
ein.
Bildung, Lernen, Erziehung, Unterstützung, Bereitstellung von sozialen und materiellen Ressourcen, Begleitung, Beratung, das Arrangieren von Lebenswelten, Planung,
Öffentlichkeitsarbeit, Information und Intervention sind zentrale Handlungsformen
einer Sozialen Arbeit deren Fokus sowohl in der subjektorientierten Bildungsarbeit
als auch in der Unterstützung der zu bewältigenden Identitätsarbeit und krisenhafter Lebenssituationen spezifischer Zielgruppen liegt.
Im Mittelpunkt der Sozialpädagogik stehen die Beziehungen der Individuen zu sich
selbst (Personwerdung) und die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft. An
den Konflikten dieser Interaktion setzen Analysen der Sozialpädagogik an, hier sucht
sie nach produktiven, subjektorientierten Handlungsoptionen.
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KJFE
Handlungsfelder
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Für die Darstellung der Praxisbereiche wird im Institut für Kindheit, Jugend, Familie
und Erwachsene ein „biographischer Zugang“ (Franz Hamburger) gewählt. Ausgangspunkt ist eine biografisch orientierte Strukturierung des Lebenslaufs. Die zentralen Abschnitte des Lebens, nämlich Kindheit, Jugend, Erwachsene/r, Alter stellen
nach wie vor relevante Zuordnungen und Selbstdefinitionen dar. Dies gilt auch dann,
wenn durch die Individualisierung von Lebensläufen in modernen Gesellschaften die
Altersphasen keinem starren Verlauf mehr unterworfen sind. Viele der Institutionen in
der sozialen Arbeit einschließlich des spezifischen sozialpädagogischen Hilfesystems
sind nach Lebensalter strukturiert. (Sozialpädagogik der Lebensalter, Lothar Böhnisch,
1997).
Aus diesem „biographischen Zugang“ ergeben sich die Zielgruppen/Adressatinnen
und Adressaten und die Bezugnahme des Instituts auf Handlungs-, Arbeits- und Leistungsfelder.
Inhalte
Ausgehend von der beschriebenen lebensalterbezogenen Strukturierung ergeben sich folgende
drei thematische Schwerpunkte (Module) mit drei Querschnittsthemen, an denen in Lehre, Forschung und Weiterbildung im Institut KJFE schwerpunktmäßig gearbeitet wird:
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KJFE
• Drei Module/Aufgabenschwerpunkte
Modul 1
Modul 2
Modul 3
Kindheit und Familie
(Tschöpe-Scheffler, Schulte,
Jugend- und
Erwachsenenbildung
(Thimmel, Cousin, Green)
Misek-Schneider,
Feldmann)
(Thimmel, Schmidt-Kohl,
Green)
Koordination:
Sigrid Tschöpe-Scheffler
Koordination:
Volker Schmidt-Kohl
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Jugend- Schule- Beruf
Koordination:
Andreas Thimmel
Inhaltliche Bestimmung der Module
Modul 1
Kindheit und Familie
Das Modul „Kindheit und Familie“ umfasst das Verstehen des Kindseins im historischen
Kontext und in seiner aktuellen Lebenswelt, wozu u.a. auch die Analyse spezifischer Familiensituationen gehört.
Erziehungsvorstellungen- und –stile, Konfliktsituationen, Lebensarrangements, Arbeitsteilung,
Rollenübernahme und Machtverhältnisse, Gewalt in Familien, Mitbestimmung von Kindern
etc in den verschiedenen Phasen der Familienentwicklung sind Bestandteile von Lehre und
Forschung.
Ein spezieller Fokus liegt hierbei in der Analyse der speziellen Lebenssituationen problembelasteter Familien (MigrantInnen, gewaltbelastete Familien, Familien in Armut etc.) die von
den herkömmlichen Bildungsangeboten nicht erreicht werden.
Im Kontext mit dem Querschnittbereich „Hilfen zur Erziehung“ werden spezielle Problemlagen unter gesellschaftspolitischen Gesichtspunkten analysiert. In Praxisforschungsprojekten
sollen konzeptionelle, individuelle und gesellschaftspolitische Ressourcen im Bereich der Präventionsarbeit mit problembelasteten Familien gebündelt und weitere methodische Unterstützungsmaßnahmen erarbeitet werden.
Institutionen der Erziehung und Bildung im Kindesalter, wie z.B. selbstorganisierte Mutter-
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Kind-Gruppen (Vater-Kind/Eltern-Kind-Gruppen), Kindertageseinrichtungen, Kinder(rechte)häuser, Horte, Freizeit- und Kultureinrichtungen, Nachbarschaftsnetzwerke, Ganztagsschulen etc. versuchen den Bedingungen des Aufwachsens heutiger Kinder außerhalb der
und neben den Familien gerecht zu werden. Vor diesem Hintergrund bekommen die Aspekte
einer "Politik für Kinder" mit den Stichworten: Subjektstellung des Kindes, Kinderrechte, Respekt vor Kindern, gewaltfreie Erziehung eine zunehmende Bedeutung. Die Orientierung sozialpädagogischer Institutionen an den jeweiligen sozialen Voraussetzungen von Familien und
den politischen Grundstrukturen stellen ein wesentliches Qualitätsmerkmal dar.
Modul 2
Jugend- und Erwachsenenbildung
a) Jugendbildung / Jugendarbeit
Jugendarbeit ist Teil des Sozialisations-, Erziehungs- und Bildungsangebotes für Jugendliche
und junge Erwachsene. Jugendarbeit umfasst als eigenständiges pädagogisches Feld eine
Vielzahl von Angeboten und Maßnahmen, die in unterschiedlichen Einrichtungen von verschiedenen Trägern angeboten werden. Es handelt sich um ein heterogenes Praxisfeld der
Freizeit und Bildung. Jugendarbeit ist ein Lern- und Erfahrungsort für „alle Jugendliche“.
Freiwilligkeit, Selbstbestimmung, Interessenorientierung und Offenheit sind konstitutiv. Jugendarbeit ist ein Ort selbstbestimmter jugendkultureller Praxis und eröffnet ein Bildungsangebot, das neue Erfahrungen und biografische Klärungsprozesse sowie politische, ökologische, kulturelle, soziale, gesundheitsbezogene Lernprozesse.
Neue Herausforderungen ergeben sich aus dem Spannungsverhältnis zwischen der Orientierung an den Jugendlichen und den konstitutiven Merkmalen der Jugendarbeit einerseits und
dem gesellschaftlichen Anspruch auf „Lebensbewältigung und Sozialintegration“ andererseits.
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Modul 2
b) Erwachsenenbildung
Erwachsenenbildung / Weiterbildung bezieht sich auf kulturelle, soziale und politische Bildungsbereiche durch Aufklärung, Wissensvermittlung und Kompetenzentfaltung.
Bildungsarbeit ist wissensvermittelnd im Sinne der Aneignung von Wissensbeständen, die
sich zur individuellen Ausgestaltung und Steigerung von Persönlichkeitskompetenz ebenso
eignen wie zur kollektiven Bewältigung lebenspraktischer Probleme. In methodischdidaktischer Hinsicht werden am Institut KJFE Bildungs- und Lernarrangements präferiert,
die sich in Inhalten und Methoden auf selbstgesteuertes Lernen und das Prinzip der didaktischen Selbstwahl beziehen.
Alterunabhängige Lern- und Weiterbildungsbemühungen reflektieren auf die Lebensgeschichte ihrer AdressatInnen. Lebensbegleitende Bildungs- und Lernprozesse im Erwachsenenalter finden ihre institutionelle Form z.B. in der Multiplikatorenschulung, Erwachsenenbildung, Familien- und Elternbildung, beruflichen Weiterbildung und Altenbildung. Auch
soziale Probleme sind Ausgangspunkte der Bildungsarbeit, insbesondere bei bestimmten
Zielgruppen, z.B. Eltern problembelastender Kinder und Jugendlicher, MigrantInnen, Analphabeten und Senioren.
Bildungsarbeit mit Erwachsenen gewinnt für AbsolventInnen der Sozialen Arbeit eine immer
stärkere Bedeutung. Zu nennen sind die Bereiche: Politische Bildung, Bildungsarbeit mit
Frauen, Seniorenbildung, Interkulturelle Bildung, berufliche Fort- und Weiterbildung, , Beratung, Betriebssozialarbeit, Mediation usw.
Modul 3
Jugend - Schule - Erwerbsarbeit
Die Bereiche Jugendhilfe – Schule – Erwerbsarbeit haben eigenständige und unterschiedliche
Bildungsaufträge, Integrationsaufgaben und Methoden. Die Lebenswelt der Jugendlichen und
die Notwendigkeit einer koordinierten Gestaltung des Sozialen führen aber zu gemeinsamen
Aufgaben und Schnittstellen. Im Zentrum stehen die auf Schule, Ausbildung und Beruf
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bezogenen sozialpädagogischen Hilfen und Angebote zur beruflichen und sozialen Integration
benachteiligter junger Menschen. Über den Zugang zu Arbeit und Beschäftigung werden wesentlich individuelle Entfaltung, Identität und gesellschaftliche Verortung entwickelt. Jugendsozialarbeit unterstützt Jugendliche und junge Erwachsene in ihrer schulischen und beruflichen Bildung, ihrer Eingliederung in Arbeitswelt und Gesellschaft und bei ihrem beruflichen
Auf- und Umstieg. Angesichts des Wandels der Arbeitsgesellschaft und der schwierigen Situation auf dem Ausbildungsstellen- und Arbeitsmarkt sind potentiell alle jungen Menschen, die
Probleme beim Übergang von der Schule in den Beruf haben, die Adressaten sozialpädagogischer Hilfen. Die Handlungsfelder der Kinder- und Jugendhilfe im Kontext der Schule knüpfen an den Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen als Schülerinnen und Schüler an. Neben den Angeboten der Schulsozialarbeit, der Arbeit im Kooperationsbereich Hilfen zur Erziehung und Schule sowie Jugendarbeit und Schule wird sozialpädagogische Arbeit an Schulen immer stärker eingefordert. Soziale Arbeit besitzt ein umfassendes methodisches Repertoire, das innerhalb der Schulentwicklungsprozesse sinnvoll und hilfreich eingesetzt werden
kann.
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• Querschnitts-Bereiche
Gesundheit
(Lützenkirchen, Misek-Schneider)
Gesundheit wird als Balance von Anforderungen, Bedürfnissen und Belastungen
a) des Körpers
b) der sozialen Lebenswelt
der physischen Umwelt verstanden.
Hilfen zur Erziehung
(Feldmann, Tschöpe-Scheffler)
Konzeptentwicklung in und von Institutionen der Sozialen Arbeit, Systemische Ansätze Sozialer Arbeit und ihre Qualitätssicherung, Methoden Sozialer Arbeit, EDV-gestützte Soziale
Arbeit als Fall-, Betreuungs- und ambulanter Arbeit.
Europäische und vergleichende Soziale Arbeit
(Green, Tschöpe-Scheffler, Thimmel)
International vergleichende Fragen der Sozialen Arbeit, systematisches Hintergrundwissen
zum politischen System der EU, Bedeutung makropolitischer Entwicklung für das professionelle Handeln.
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Studienschwerpunkt
Das Institut „Kindheit, Familie, Jugend, Erwachsene“ bildet zusammen mit dem Institut
„Medienforschung und Medienpädagogik“ den Studienschwerpunkt:
„Bildung, Erziehung und Medien“
Das Institut kooperiert durch einzelne Veranstaltungen und Forschungsvorhaben
mit den Studienschwerpunkten:
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Sozialmanagement
Gender
Interkulturelle Kompetenz
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Exemplarische Praxisfelder
(orientiert am „biografischen Zugang“)
Biografischer Zugang
Familie und
Kindheit
Familie und
Jugend
Familie und
Erwachsene
Familie und
Senioren
Sozialpädagogische
Krisenbearbeitung von
Strukturproblemen
Familienbildung- und
Beratung,
niedrigschwellige Angebote für
mehrfache belastete
Familien, Hilfen zur
Erziehung
Hilfen zur Erziehung
Integration in die
Erwerbsarbeit
Sinngestaltung
letzte Lebensphase
Sozialpädagogische
Normalisierungsangebote
Tagesgruppen
ErziehungsBeratung
Familienbildung
Gesundheitsvorsorge
Schulsozialarbeit
Jugendsozialarbeit,
Jugend – Beruf –
Schule
Lebens- und EheBeratung
Mediation
Gesundheitsprävention
Berufsberatung
Altenwohnheime,
Offene und ambulante
Altenarbeit
Sozialpädagogische
und sozialpolitische
Institutionen
Kindertageseinrichtung,
Hort, Kinderhäuser,
Vorschuleinrichtungen,
Elternbildung
Jugendarbeit
Erwachsenenbildung,
Senioren bildung
Basisinstitutionen
Familie
Schule
Berufsausbildung
Erwerbsarbeit
Familienarbeit
Familie
Diese Übersicht wurde entnommen und teilweise erweitert von Franz Hamburger: Sozialpädagogik, in: Bernhard, A., Rothermel, L.: (Hrsg.): Handbuch Kritische Pädagogik, Weinheim 2001, 2. Aufl., S. 251
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