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 Mach mit und bleib fit Projektdokumentation Mein Gleichgewicht 2015 Stiftung Bernaville, Schwarzenburg Projektdokumentation ‚Mein Gleichgewicht‘ Inhalt Ausgangslage ............................................................................................................................... 3 Projektschwerpunkte .................................................................................................................. 4 Leichte Sprache ....................................................................................................................... 4 Ernährung ................................................................................................................................ 4 Ateliers .................................................................................................................................... 5 Ferienwochen .......................................................................................................................... 5 Entspannung ............................................................................................................................ 5 Finanzierung ............................................................................................................................ 5 Projektergebnisse ........................................................................................................................ 6 Dank ............................................................................................................................................. 7 Anhang ........................................................................................................................................ 7 In diesem Dokument wird der zugunsten der Lesefreundlichkeit darauf verzichtet, die weibliche und männliche Form immer auszuschreiben. Die eine steht stellvertretend auch für die andere Form. Stiftung Bernaville November 2015 Seite 2 Projektdokumentation ‚Mein Gleichgewicht‘ Ausgangslage Das Angebot der Stifung Bernaville in den Bereichen Bewegung und Entspannung ist sehr vielfältig und erfreut sich grosser Beliebtheit. Pro Halbjahr werden diverse Freizeitalteliers angeboten. Einige davon entwickelten sich über die Jahre aus den beliebten Tätigkeiten von Bewohnern, andere werden aufgrund eines aktuellen Bedürfnisses geschaffen. So erhielten individuelle Freizeitbeschäftigungen zum Thema Bewegung und Entspannug einen festen Platz im Alltag. Im Bereich des Sports können wir dieses Jahr sogar auf unerwartete Erfolge zurückschauen, nahmen doch unsere Radfahrer als Teil der Schweizer Delegation an den Special Olympics World Summer Games in Los Angeles teil und brachten sogar mehrere Medaillen mit nach Hause. Diese Gruppe startete vor Jahren als Freizeitatelier und entwickelte sich zu einem ambitionierten Team. Berührend war auch der offizielle Empfang der Gemeinde Schwarzenburg für die erfolgreichen Athleten. Immer wieder bestätigt sich, dass der Sport auch eine gesunde Brücke zwischen Menschen mit und ohne Behinderung schlägt und somit ein wichtiger Schritt ist auf dem langen Weg zur Inklusion. Ein gutes Beispiel dafür sind die kürzlich im Gemeindeblatt erschienenen Artikel zu diesem Thema.1 Die Stiftung Bernaville organisiert auch diverse Ferienwochen für die Bewohnerinnen und Bewohner, die rege besucht werden und ein wichtiger Ausgleich zum Alltag darstellen. Basierend auf einem neuen Ernährungskonzept wurde dieses Jahr eine interne Ernährungsberatung aufgebaut, die unter Anderem ein spezielles Augenmerk auf die Ernährung im Alter legt. Nebst Einzelpersonen werden auch Gruppen mit Gesprächen und Schulungen sensibilisiert. Mit Wettbewerben und anderen Aktionen wird spielerisch auf die Thematik aufmerksam gemacht. Diese vielfältigen Angebote werden im Rahmen des vorliegenden Projektes in drei übersichtlichen Flyer zusammengefasst. Das ermöglicht den Menschen mit Behinderung möglichst selbstbestimmt ein individuelles Programm zum eigenen Gleichgewicht zusammenzustellen, wobei sie bei Bedarf von den Mitarbeitern punktuell unterstützt werden. Die Flyer werden in Leichter Sprache verfasst und sind so für die Zielgruppe in einem hohen Masse verständlich. 1
Schwarzeburger Nr. 7 / Oktober 2015, Titelseite, Seiten 4‐9 Stiftung Bernaville November 2015 Seite 3 Projektdokumentation ‚Mein Gleichgewicht‘ Projektschwerpunkte Die jährlich aktualisierte Angebotspalette im Bereich der Bewegung und Entspannung setzt sich aus Vorschlägen der Mitarbeiterinnen mit IV‐Rente und dem Personal zusammen. Die Programme weisen den Charakter eines Wissenserwerbs oder eines positiven Erlebnisses auf und tragen so nachhaltig zur Verankerung des persönlichen Gleichgewichts im Alltag bei. Leichte Sprache Die erarbeiteten Flyer wurden in Leichter Sprache verfasst, damit möglichst viele Bewohner diese selbständig verstehen können. Auch ist das Layout übersichtlich und klar gehalten. Der Verein ‚Einfache Sprache Schweiz‘ unterstützte uns mit fachlicher Kompetenz beim Entwerfen der Flyer, zudem werden alle Dokumente von der internen Prüfgruppe auf die Verständlichkeit geprüft. Alle Flyer werden einheitlich als Broschüre auf ein A3 gedruckt und sind im Anhang ersichtlich. Das gefaltete A4 weist dickes Papier zur einfachen Handhabung auf. Ernährung Das Angebot im Bereich der Ernährung ist vielfältig. Das neue Ernährungskonzept2 ist auf eine ausgewogene Ernährung ausgerichtet, es sind je nach Bedarf auch verschiedene Kostformen erhältlich. Das Thema Selbstbestimmung, das Jahresziel der Stiftung, wird zunehmend auch im Bereich der Ernährung umgesetzt und führt immer wieder zu kontroversen Diskussionen. Umso wichtiger erscheint eine fundierte und gute Information der Bewohner zum Thema Ernährung. Im Rahmen einer Diplomarbeit der Leitung Hauswirtschaft3 wurde in der Stiftung Bernaville eine interne Ernährungsberatung aufgebaut. Die Beratung ist für alle Mitarbeiterinnen mit und ohne IV‐Rente offen und wurde bereits rege genutzt. Der Aufbau einer Beratung ist modular4 und wird je nach Situation angepasst. Ein wichtiger Punkt ist in der Stiftung Bernaville auch die Ernährung im Alter5, da sich ein grosser Teil der Bewohner bereits im Fortgeschrittenen Lebensalter befindet. Nebst einer Beratung stehen auch spielerische Vermittlungstechniken im Angebot. Im neu gestalteten Flyer werden die Angebote Ernährungsberatung, Ernährung im Alter, der Themenabend Steinzeit‐Ernährung6 sowie die mehrmals im Jahr durchgeführten Rätsel zum Thema Gesundheit übersichtlich dargestellt. 2
Ernährungskonzept Stiftung Bernaville, August 2013 Aufbau einer internen Ernährungsberatung, Beatrice Sterren, November 2015 4
Aufbau einer internen Ernährungsberatung, Beatrice Sterren, November 2015, Seiten 11 ‐ 26
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Aufbau einer internen Ernährungsberatung, Beatrice Sterren, November 2015, Seiten 26 ‐ 33 6
Aufbau einer internen Ernährungsberatung, Beatrice Sterren, November 2015, Seiten 34 – 35 Stiftung Bernaville November 2015 3
Seite 4 Projektdokumentation ‚Mein Gleichgewicht‘ Ateliers Die Freizeitateliers werden halbjährlich durchgeführt. Das Sommerprogramm unterscheidet sich vom Winterprogramm, beide Zyklen werden jedes Mal aufgrund von Ideen und Bedürfnissen der Mitarbeiter mit IV‐Rente sowie dem Personal angepasst und immer mal wieder wird ein neues Angebot eingeführt. Die Ateliers stehen den internen wie auch externen Mitarbeiter mit IV‐Rente offen. Nebst den Freizeitateliers wird den Bewohnern auch eine wöchentliche Zumbalektion angeboten. Auch steht eine interne Pedicure zur Verfügung. Für das Winterhalbjahr 2015/2016 wurde erstmals das breite Angebot der Freizeitateliers in einem einfachen Flyer dargestellt und in Leichter Sprache verfasst. Klare Bilder geben auch Menschen, die nicht lesen können, die Möglichkeit, ihr Freizeitprogramm selbständig zu gestalten. Ferienwochen Die Stiftung Bernaville führt jedes Jahr mehrere Ferienwochen durch. So erhalten auch Bewohner, die nicht mit Verwandten in die Ferien reisen können, eine Möglichkeit, ausserhalb des gewohnten Rahmens erholsame und erlebnisreiche Tage zu verbringen. Es stehen aktive wie auch ruhige Ferien im Angebot. Erstmals wurden die Ferienwochen 2016 in einem übersichtlichen und einfachen Flyer dargestellt. Mit Bildern werden die einzelnen Angebote einfach und klar beschrieben. Entspannung Die Möglichkeiten im Bereich der Entspannung sind sehr breit. Nebst den organisierten Ferienwochen oder Freizeitateliers werden die Bewohnerinnen auch in der individuellen Freizeitgestaltung unterstützt. Entspannung wird sehr individuell wahrgenommen. Je nach Bedürfnis stehen die internen Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Diese sind Ausdrucksmalen, Eselgestützte Therapie, Halliwicktherapie und Musiktherapie. Die Hauseigenen Bäder (Hallenbad und Therapiebad) werden auch im Alltag regelmässig genutzt. Auch spielt im Arbeitsalltag Entspannung eine wichtige Rolle und wird Beispielweise mit einem täglichen Spaziergang angestrebt. Im Zuge der wachsenden Selbstbestimmung in der Stiftung Bernaville wurden bereits viele Zimmer nach den Wünschen der Bewohner umgestaltet und ausgerüstet, sei das mit Mobiliar, einem Fernseher oder anderen Accessoires zur Steigerung des individuellen Wohlbefindens. Finanzierung Alle Angebote im Bereich des Sports und der Therapien werden nicht von der öffentlichen Hand abgegolten und nur durch Spenden finanziert. Die Stiftung Bernaville setzt grossen Wert auf dieses Angebot und wird sich auch in Zukunft für eine vielfältiges Angebot einsetzen. Stiftung Bernaville November 2015 Seite 5 Projektdokumentation ‚Mein Gleichgewicht‘ Projektergebnisse Anhand von einem Rückmeldebogen können wir jedes Angebot einzeln beurteilen, bei Bedarf verfeinern oder verändern und so laufend den Bedürfnissen anpassen. Die interne Ernährungsberatung wurde bereits rege genutzt, bisher wurden bei sechs Bewohnerinnen aus unterschiedlichen Altersgruppen umfassende Beratungen durchgeführt. Die Teilnahme an den Wettbewerben war beliebt, im Schnitt haben rund 80 Personen daran teilgenommen. Die Rückmeldung zu den Schulungen der Betreuung in den spezifischen Ernährungsfragen war durchwegs positiv. Bei zwei Teams wurde zudem je eine Schulung zum Thema ‚Ernährung im Alter‘ durchgeführt. Auch der ‚Steinzeit‐Abend‘ mit den Bewohner und Betreuerinnen einer Wohngruppe fand grossen Anklang und begeisterte die Teilnehmer. Wir sind motiviert, diese Entwicklung weiter zu verfolgen und den Mitarbeitern mit IV sowie dem Personal Gesundheitskompetenz zu vermitteln. Das Zusammentragen dieser verschiedensten Angebote zeigte uns auf, wie vielfältig bereits heute die Möglichkeiten an individueller Freizeitgestaltung in der Stiftung Bernaville sind. Da die Flyer in Leichter Sprache verfasst sind, wird eine grösstmögliche Selbstbestimmung ermöglicht, getreu unserem Jahresmotto ‚Selbstbestimmung‘. Die Rückmeldungen waren bisher sehr positiv. Die Begleitung der einzelnen Bewohner hin zu einem selbstbestimmten, gesunden Gleichgewicht ist ein Bestreben der Stiftung und in vielen Fällen bereits gut. Die Stiftung trägt mit einer positiven Medienpräsenz, zum Beispiel mit der Teilnahme an den Special Olympics, mit der soliden Verankerung in der Region und den vielen Anlässen, die Menschen vom Dorf und die Stiftung verbinden, zur Vermittlung der Anliegen von Menschen mit Behinderung bei und leistet so einen wertvollen Beitrag auf dem Weg zur Inklusion. Stiftung Bernaville November 2015 Seite 6 Projektdokumentation ‚Mein Gleichgewicht‘ Dank Ein grosser Dank geht an Frau Gubler vom Verein ‚Einfache Sprache Schweiz‘ für Ihre Unterstützung und die wichtigen Hinweise betreffend dem Layout und der Formulierung der Flyer. Anhang Flyer Ernährungsberatung im Bernaville Flyer Ferienwochen 2016 Flyer Ateliers Winter 2015 / 2016 Auswertungsbogen: Beispiel Ferienwoche Auszug aus der Diplomarbeit zur Ernährungsberaterin: Aufbau einer internen Ernährungsberatung, Beatrice Sterren, 2015 Ernährungskonzept der Stiftung Bernaville, 2013 Artikel im Gemeindemagazin ‚Schwarzeburger‘ zum Thema Sport und Bewegung Stiftung Bernaville November 2015 Seite 7 Mach mit und bleib fit Ernährungs ∙ Beratung Stiftung Bernaville Schwarzenburg Ernährungs ∙ Beratung Damit es uns gut geht, ist gesund essen und viel trinken wichtig. In der Ernährungs ∙ Beratung reden wir über gesundes Essen. Und schreiben uns wichtige Sachen auf. Die Ernährungs ∙ Beratung macht Frau Beatrice Sterren. Eine Beratung geht eine Stunde. Du kannst bei Ihr im Büro einen Termin abmachen. Ernährung im Alter Im Alter gesund bleiben. Menschen werden älter und verändern sich. Zum Beispiel wird der Körper langsamer und schneller müde. Gesund essen ist deshalb wichtig für ältere Menschen. Frau Beatrice Sterren spricht mit dir über gesundes Essen im Alter. Ein Gespräch geht eine Stunde. Du kannst bei Ihr im Büro einen Termin abmachen. Für alle Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter. Gesund essen. Gesund bleiben. Für ältere Menschen. Gesund und fit bleiben. Steinzeit ∙ Ernährung Die Erde ist alt. Und Menschen gibt es schon lange. Früher lebten Menschen in Höhlen. Das nennt man Steinzeit. Die Steinzeit ist sehr lange her. Frau Beatrice Sterren bietet die Steinzeit ∙ Abende an. Wir reden über die Steinzeit. Wir vergleichen die Steinzeit mit der heutigen Zeit. Und wir essen zusammen ein Steinzeit ∙ Abendessen. Frage Frau Beatrice Sterren. Für Wohngruppen. Und andere Interessierte. Essen wie in der Steinzeit. Mach mit und bleib fit Es gibt ein Blatt mit Fragen zum Thema Gesundheit. Die Antworten muss man wissen. Und aufschreiben. Das nennt man Rätsel. Das Rätsel findet mehrmals im Jahr statt.
Blätter mit Fragen gibt es in der Halle. Alle können mitmachen und ein Znüni gewinnen. Das nächste Rätsel findet statt am: Für alle im Bernaville. Rätsel lösen und Znüni gewinnen. Stiftung Bernaville Langenwilweg 94 3150 Schwarzenburg 031 734 21 21 [email protected] www.bernaville.ch Feriienw
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Skiwoche und Sportwoche an der Lenk In diesen Ferien kann man Ski fahren und Schlitten fahren. Und Baden oder Langlaufen. Man kann auch wünschen. Sagen, auf was man Lust hat. Wir wohnen in Ferien ∙ Wohnungen. Die Wohnung ist modern. Man kann auch ausruhen und frei haben. Es hat Platz für 6 Personen. Von Sonntag, 24. Januar
Bis Samstag, 30. Januar Du fährst Ski. Oder machst gerne Sport. Wanderwoche im Hasliberg Diese Ferien sind im Hasliberg. Da hat es viele Wanderwege. Wir wandern und spazieren. Und wohnen in Wohnungen im REKA ∙ Feriendorf. Da hat es auch ein Hallenbad. Die WG 9 ist auch dort. In eigenen Wohnungen. Wer Lust hat kann zusammen etwas unternehmen. Es hat Platz für 7 Personen. Von Sonntag, 4. Juni Bis Samstag, 11. Juni Du wanderst gerne. Und du bist gerne draussen. Kulinarisches Graubünden in Scuol Wir wohnen in einem Ferien ∙ Haus. Das ist im Graubünden. Das Thema der Ferien ist fein essen und trinken. Das schwierige Wort dafür ist Kulinarik. Wir kochen zusammen oder Essen auswärts. Wir machen einen Spaziergang oder gehen ins Thermal ∙ Bad. Und wir ruhen aus. Für 8 bis 10 Personen. Wohlfühl ∙ Woche in Badenweiler In diesen Ferien wohnen wir in einem Hotel. Wir essen auswärts oder im Hotel. Wir gehen ins Thermal ∙ Bad und machen Ausflüge. Und wir haben Zeit für uns. Zum Ausruhen und Wohl ∙ Fühlen. Es hat Platz für 7 Personen. Von Samstag, 27. August bis Samstag, 3. September Du magst Ruhe. Und du kochst gerne. Mitte oder
ende Oktober Du badest gerne. Und du magst Ruhe. Sonder ∙ Angebot Wohnen mit Beschäftigung Diese Ferien sind für die Wohngruppen 1, 8 und 9 Und für alle die im Kreativ ∙ Atelier oder im Werk ∙ Atelier arbeiten. Wir machen Ferien im Bernaville. Du schläfst in deinem Zimmer. Wir basteln und kochen zusammen. Oder machen Spiele. Und wir machen Ausflüge. Und ruhen aus. Stiftung Bernaville Langenwilweg 94 3150 Schwarzenburg 031 734 21 21 [email protected] www.bernaville.ch Von Montag, 1. August bis Sonntag, 7. August Du machst gerne Ferien im Bernaville. Winter ∙ Ateliers 2015 / 2016 Stiftung Bernaville Schwarzenburg Interessiert dich ein Atelier? Dann sag es deiner Bezugs ∙ Person. Die organisiert das. Die Ateliers sind am Dienstag ∙ Abend nach dem Nacht ∙ Essen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nicht im Bernaville wohnen können auf einer Wohngruppe essen. Es gibt einen Bahnhof ∙ Transport wenn das Atelier fertig ist. Leichte Gymnastik für Frauen Wir turnen und machen zum Beispiel Rücken ∙ Übungen. Und Entspannungs ∙ Übungen. Das Atelier ist für Frauen. Spiel und Spass Wir Spielen. Zum Beispiel Tisch ∙ Spiele oder Karten ∙ Spiele Und Wissens ∙ Spiele. Geschichten aus aller Welt Wir hören Geschichten und trinken Tee. Oder wir erzählen uns Geschichten. Manchmal machen wir ein Feuer in der Halle. Brandmalen Wir brennen schöne Bilder auf Holz. Kegeln Wir Kegeln auf der Kegel ∙ Bahn im Restaurant Gärbi. Basteln Wir basteln mit verschiedenen Sachen zum Beispiel Gips oder mit Alt ∙ Papier Schwimmen und Baden im Hallenbad Wir baden und spielen im Hallenbad. Hallen ∙ Fussball Hallen ∙ Sport Sport und Hallen ∙ Fussball in der Turn ∙ Halle. Musik Wir machen zusammen Musik im Musik ∙ Raum. Stiftung Bernaville Langenwilweg 94 3150 Schwarzenburg 031 734 21 21 [email protected] www.bernaville.ch Frage ∙ Bogen Hat dir die Ferien ∙ Woche gefallen?
War das Hotel gut? War das Essen gut? Hat dir das Baden gefallen?
Hat dir der Ausflug gefallen?
Bemerkungen: Aufbau einer internen Ernährungsberatung in der Stiftung Bernaville © SRF / Danielle Liniger Quelle: ernährungskochen.ch Quelle: Stiftung Bernaville Auszug aus der Diplomarbeit zur Ernährungsberaterin Verfasserin: Beatrice Sterren, Leiterin Hauswirtschaft Stiftung Bernaville Schwarzenburg 24. November 2015 Inhalt 1. Einleitung .............................................................................................................................................. 4 Vorstellung Institution .............................................................................................................................. 4 2. Ausgangslage ........................................................................................................................................ 4 3. Neue Lösungswege suchen .................................................................................................................. 5 4. Die Handlung der Aufbauarbeit ........................................................................................................... 6 5. 4.1. Die möglichen Arbeitsfelder einer internen Ernährungsberaterin in der Stiftung Bernaville ..... 6 4.2. Präventives Arbeiten mit den verschiedenen Personengruppen ................................................ 6 4.3. Entwicklungsgeschichtliche Hintergrundinformationen .............................................................. 6 4.4. Individuelle Beratung ................................................................................................................... 8 4.5. Beratungsgespräch – Menschenbild / Grundhaltung .................................................................. 8 Durchführungsphase .......................................................................................................................... 10 5.1. Beratungsablauf ......................................................................................................................... 10 5.2. Erste Beratungseinheit ............................................................................................................... 12 5.2.1. Bewohnerin mit Übergewicht – Ausgangslage ...................................................................... 12 5.2.2. Anamnese‐ und Ernährungsberatungsbogen ......................................................................... 12 5.2.3. Ernährungsbilanz .................................................................................................................... 14 5.2.4. Das Fettgewebe – Was sind Fettzellen? ................................................................................. 14 5.2.5. Die Lebensmittelpyramide ..................................................................................................... 15 5.2.6. Einfache Gymnastikübungen .................................................................................................. 16 5.3. Zweite Beratungseinheit ............................................................................................................ 16 5.3.1. Kurzer Rückblick auf die vergangene Zeit .............................................................................. 16 5.3.2. Was ist der Stoffwechsel ........................................................................................................ 16 5.3.3. Mögliche Zivilisationskrankheiten bei Übergewicht .............................................................. 18 5.3.4. In Ruhe, langsam und genussvoll essen und trinken ............................................................. 18 5.4. Dritte Beratungseinheit .............................................................................................................. 18 5.4.1. Kurzer Rückblick auf die vergangene Zeit .............................................................................. 18 5.4.2. Was ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung? ............................................................ 18 5.4.3. Lebensmittelpyramide ........................................................................................................... 22 5.4.4. Schokoladentest ..................................................................................................................... 23 5.4.5. Führen eines Esstagebuches .................................................................................................. 23 5.5. Vierte Beratungseinheit ............................................................................................................. 23 5.5.1. Kurzer Rückblick auf die vergangene Zeit .............................................................................. 23 5.5.2. Auswerten eines Esstagebuches ............................................................................................ 23 2 5.5.3. Erstellen einer „Freudebox“ ................................................................................................... 23 5.5.4. Neue Bauchübungen zeigen ................................................................................................... 23 5.6. Fünfte Beratungseinheit ............................................................................................................. 23 5.6.1. Kurzer Rückblick auf die vergangene Zeit .............................................................................. 23 5.6.2. Erklärung der Verdauungsfunktion ........................................................................................ 24 5.7. Sechste Beratungseinheit ........................................................................................................... 25 5.7.1. Kurzer Rückblick auf die vergangene Zeit .............................................................................. 25 5.7.2. Abschlussgespräch ................................................................................................................. 25 6. Die zwei Beratungen im Alter ............................................................................................................. 26 6.1. Grundbedürfnisse des älteren Menschen .................................................................................. 26 6.2. Alter und Ernährung ................................................................................................................... 26 6.3. Krankheiten im Alter .................................................................................................................. 30 6.4. Bewegung und Aktivität im Alter ............................................................................................... 30 6.5. Die zweite Person ....................................................................................................................... 31 6.6. Die dritte Person ........................................................................................................................ 33 7. Durchführung von Ernährungsvorträgen und ‐schulungen ............................................................... 34 8. Persönliche Stellungnahme ................................................................................................................ 34 9. Quellenverzeichnis ............................................................................................................................. 36 10. Anhang ........................................................................................................................................... 36 3 1. Einleitung Vorstellung Institution Die Stiftung Bernaville in Schwarzenburg betreut und begleitet seit mehr als 30 Jahren jugendliche und erwachsene Menschen mit einer geistigen Behinderung und fördert deren berufliche, gesellschaftliche und kulturelle Integration. Bernaville geht mit zeitgemässen und sorgfältig geplanten Angeboten auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen mit einer geistigen Behinderung und deren Umfeld ein. Die Angebote sind auf die Phasen berufliche Ausbildung, Berufsleben und Lebensabend bis zum Lebensende fokussiert und sind untereinander durchlässig. Die Stiftung Bernaville ist bestrebt, ihre Angebote so flexibel anzupassen, dass bei einer Veränderung des individuellen Bedarfs kein Institutionswechsel nötig wird. Die Stiftung Bernaville bietet für Menschen mit einer geistigen Behinderung ein Umfeld mit einem Optimum an Lebensqualität. Das Wohnheim der Stiftung Bernaville wird ganzjährig betrieben. Es bietet 90 Bewohnern ein Zuhause. Für 30 von ihnen besteht ein Angebot von Wohnen mit Beschäftigung. Die Werkstätten, die Hauswirtschaft, die Betriebe sowie die Administration bieten 95 geschützte Arbeitsplätze für interne und ca. 30 externe Mitarbeiter mit IV‐Rente. Bei Bedarf durchlaufen die Abgänger von Sonderschulen in Bernaville eine IV‐Anlehre oder eine zweijährige praktische Ausbildung.1 2. Ausgangslage Seit Jahren werden in der Stiftung Bernaville einmal jährlich mit den Mitarbeitern der Wohngruppen, der Küchenleitung sowie der Leiterin Hauswirtschaft Ernährungssitzungen durchgeführt mit dem Ziel, das Gewicht der Bewohner zu kontrollieren und abzuklären, ob die angewandte Kostform dem Bewohner entspricht. Noch vor einigen Jahren, beschlossen die Verantwortlichen, wenn ein Bewohner übergewichtig war, eine kalorienreduzierte Diät durch den Arzt verordnen zu lassen. Der Bewohner wurde in den meisten Fällen zu wenig oder gar nicht einbezogen, was zur Folge hatte, dass der Bewohner am Tisch oft über seinen angerichteten Teller murrte und es vorkam, dass dem Frieden zuliebe die Betreuung nachgab und dem frustrierten Bewohner noch zusätzlich von der normalen Kost zu essen gab. Andere Bewohner wiederum nutzten ihren Ausflug ins Dorf, um sich mit allerlei kalorienreichen Lebensmitteln wie Chips, Schokolade und andere feinen süssen Naschereien in allen Geschmackrichtungen sowie stark zuckerhaltigen Getränken einzudecken. Wieder andere waren so clever, einem Kollegen Geld zu geben, der damit im internen Café und Kiosk den gewünschten Artikel für sie einkaufte. Andere bekamen von ihren Angehörigen allerlei Knabberlebensmittel und diese wurden dann ins Bernaville geschmuggelt und im Zimmer versteckt. Einige der übergewichtigen Bewohner, welche schon seit Jahren eine verordnete Diät hatten, dabei aber wenig sichtbare Erfolge verzeichnen konnten, wurden sehr frustriert. Diese Frustration schlug sich oft in emotionalen Äusserungen am Tisch nieder. 1
Vinzenz Miescher, Direktor Stiftung Bernaville 4 Aber es gab noch andere Ernährungsprobleme, welche in der Vergangenheit zu wenig beachtet worden sind, so zum Beispiel das Untergewicht bei jüngeren, aber auch Bewohnern mittleren Alters. Bei der Verpflegung der älteren Bewohner wurde im Besonderen nur auf die geschnittene und pürierte Kostform geschaut. 3. Neue Lösungswege suchen Mir war bewusst, dass wir mit diesen „persönlichen“ Ernährungssitzungen in eine Sackgasse geraten waren. Der Schwerpunkt musste nicht hauptsächlich auf die Bewohner mit Übergewicht gelegt werden, sondern es musste ein ganzheitliches Gesundheitskonzept angestrebt werden, welches die vorhandenen Konzepte wie Arbeitssicherheit, Umweltschutz und Gesundheitsschutz sinnvoll miteinander ergänzt. Im Zentrum meiner jetzigen Arbeit sollten die verschiedenen Klientengruppen mitberücksichtigt sein, d. h. von den jungen Menschen, die ab der Sonderschule kommen, bis zu den Senioren, welche in der Stiftung Bernaville bleiben können, solange der pflegerische Aufwand vom Betreuungspersonal noch abgedeckt werden kann. Es ist wichtig, dass die Bewohner sowie Mitarbeiter mit und ohne IV‐Rente und die Kunden eine ausgewogene, genussvolle und saisongerechte Ernährung erhalten, welche eine ausreichende Zufuhr von Energie‐, Nähr‐, und Schutzstoffen gewährleistet. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die unterschiedlichen Klientengruppen entsprechend ihren Möglichkeiten Ernährungswissen erlangen und auf gesundheitliche Risiken aufmerksam gemacht werden können. Weiter sind die Mitarbeiter mit und ohne IV Rente so zu motivieren, dass sie die Kenntnisse einer ausgewogenen vollwertigen Ernährung auch in der täglichen Praxis umsetzen können und bei Bedarf auch Hilfestellungen erhalten, damit sie ihre Gesundheit verbessern oder zusätzlich mit einer geeigneten Sportart oder Bewegungsmöglichkeit steigern können und ihre individuelle Entspannungsform finden. Daher ist es in der Beratung wichtig, den Kunden ganzheitlich zu sehen und im Rahmen der Evaluation die verschiedenen Ebenen einzubeziehen. Wie bereits erwähnt handelt es sich um verschiedene Altersgruppen mit unterschiedlich starken kognitiven Beeinträchtigungen (wie z. B. Autismus, Trisonomie 21, Epilepsie). Je nach Alter, Geschlecht und Gewicht sowie der körperlichen Aktivität braucht der Bewohner individuelle Energie in Form von Lebensmitteln. Der Energiebedarf reduziert sich bei älteren Menschen. Je nach Behinderungsform kann der Alterungsprozess bei Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung früher beginnen, d. h. die körperlichen und geistigen Fähigkeiten nehmen ab und die Anfälligkeiten für Krankheiten nehmen zu. Die Einschränkung der persönlichen Bewegungsabläufe aber auch die allgemeine Mobilität des Bewohners sind Schwierigkeiten, welche die Lebensqualität vermindern können. Im schlimmsten Fall wird der Bewohner pflegebedürftig und gegebenenfalls muss ein Umzug in ein Pflegeheim in Betracht gezogen werden. 5 4. Die Handlung der Aufbauarbeit Es handelt sich um die Entwicklung einer internen Aufbauarbeit des Ernährungsbereiches in der Stiftung Bernaville. Ich baue sie auf drei Bereiche auf. Der erste Bereich ist die Prävention, der zweite Bereich die Beratung und der dritte Bereich die Schulung. Wenn es um Krankheitsbilder und oder medikamentöse Verordnungen der Bewohner geht, werde ich mich an die entsprechenden fachlichen Instanzen wenden, sei dies der Heimarzt, der Psychiater, die Physiotherapeutin oder gegebenenfalls eine spezialisierte Ernährungsberatungsstelle. 4.1. Die möglichen Arbeitsfelder einer internen Ernährungsberaterin in der Stiftung Bernaville 1.
2.
3.
4.
5.
Ein präventives Arbeiten mit den verschiedenen Personengruppen Individuelle Beratung der Mitarbeiter mit und ohne IV‐Rente Durchführen von Ernährungsvorträgen und Schulungen Erstellen einer bedarfsorientierten Ernährung für jegliches Alters Zusammenarbeit mit Mitarbeiter mit IV‐Rente, Angehörigen, Personal sowie der Betreuung, und dem Arbeitsbereich. 4.2. Präventives Arbeiten mit den verschiedenen Personengruppen Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gesundheit als "Zustand des völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens". Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gab heraus: „(…) die Krankheitskosten von Übergewicht und Adipositas hingegen haben sich seit der letzten Untersuchung im 2004 von 2648 Mio. auf 5755 Mio. Franken pro Jahr verdoppelt.“2 Aufgrund dieser ausschlagkräftigen Zahlen ist es sehr wichtig, präventiv zu arbeiten. Den Verantwortlichen der Stiftung Bernaville war das Thema Bewegung schon immer wichtig. So wurde z. B. wöchentlich während der Arbeitszeit eine Turn‐ oder Badelektionsstunde für alle im Arbeitsbereich Tätigen angeboten. Im 2013 starteten wir mit einem wöchentlich Zumbakurs, der von einer extern angestellten Zumbatrainerin angeboten wird. Es finden jährlich verschiedene Sportateliers statt wie z. B. Fussballturniere, Olympiaspecial, Radfahren etc., oder die Interessierten machen in einem Sportverein mit. 4.3. Entwicklungsgeschichtliche Hintergrundinformationen Unser Körper wurde gemacht, um Nahrung zu beschaffen. Der heutige Lebensstil führt aber dazu, dass wir uns weniger bewegen und vieles im Sitzen verrichten. Wir werden langsam zu Bewegungsmuffeln. 2
BAG Kosten der Adipositas in der Schweiz 6 Das fängt schon damit an, dass wir den Lift statt der Treppe benutzen oder für kurze Strecken das Auto in Betracht ziehen. Quelle: cosmiq „Wenn wir uns zu wenig bewegen, schwächt dies die Muskulatur; Verspannungen, Kopf‐ und Rückenschmerzen treten auf. Der Bewegungsmangel hat aber auch Einfluss auf das Herz, die Knochen und die Gelenke; Übergewicht – die neue Volkskrankheit ist u. a. die Folge, aber auch Allergien, Herz‐
Kreislauf‐Erkrankungen und Bluthochdruck sind zu beklagen. Wir nehmen ausserdem zu wenig Nahrungsfasern und Mikronährstoffe zu uns. Die Folge davon sind Zivilisationserkrankungen wie z. B. Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, Depression, Bluthochdruck oder Herz‐Kreislauf‐Erkrankungen, Herzinfarkt, Hirnschlag, Durchblutungsstörung, Diabetes mellitus, Arthrose, Infektionsanfälligkeiten, Osteoporose, degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems wie Parkinson, Alzheimer, Augenerkrankungen oder auch Makuladegeneration, grauer Star, Übergewicht (Adipositas) und vor allem Krebs! Ca. 55% der Erwachsenen und bereits jedes vierte Kind sind übergewichtig. Ca. 200 Krankheiten haben bekanntlich ihren Ursprung in der Fehlernährung. Die Ernährungspyramide steht auf dem Kopf.“3 Das sollte uns zu denken geben. Treiben wir regelmässig Sport oder bewegen wir uns genügend, haben wir mehr Energie, sind ausgeglichener und entspannter. Wenn eine gute Muskelkraft und Beweglichkeit vorhanden sind, bleibt man im Alter unabhängiger und man hat eine grössere Lebensqualität. Es wurden Studien gemacht, die belegen, dass Sport den Alterungsprozess verlangsamen kann. Wird der Bewegungsapparat jedoch vernachlässigt, kann das unsere Lebenserwartung senken, wir leben mit einer verminderten Lebensqualität, weil wir durch Schmerzen oder körperlichen Leistungsabfall beeinträchtigt sind. Meine ersten Schritte, um präventiv in der Stiftung zu arbeiten, bestehen darin, individuelle Beratungen anzubieten und situativ Themen zur Ernährung aufzugreifen und nötigenfalls auf den Wohngruppen die Mitarbeiter mit und ohne IV‐Rente themenschwerpunktmässig zu schulen und zu sensibilisieren. Ein weiterer Schritt ist, für die Mitarbeiter mit IV‐Rente und die Mitarbeiter eine gezielte Gesundheitsaufklärung anzubieten, welche in spielerischer Form auf Rätseln aufgebaut ist. Die Teilnehmer würden ein ausgewogenes Znüni gewinnen können (siehe Anhang). Ich würde es toll finden, wenn wir in kleinen, aber nachhaltigen Schritten präventiv in der Gesundheitsvorsorge arbeiten könnten. Eingeläutet wurde diese Gesundheitsaufklärung mit der Schulung über die Steinzeit (siehe Kapitel 8). 3
Zitat von Dr. med Herbert Noppeney, Internist/ Ernährungs‐/Umweltmedizin, Bayreuth 7 4.4. Individuelle Beratung In der Hypothesenarbeit werden drei Bewohner näher betrachtet. Ich stelle mir die Frage, was will ich mit wem, in welcher Zeit, wie erreichen. Da ich aus Datenschutzgründen die Namen der Bewohner nicht nennen darf, verwende ich jeweils ein Pseudonym. Ich wurde öfters von Betreuungspersonen um Rat gefragt, wenn es um Ernährungsprobleme der Bewohner ging. Dabei standen jeweils speziell drei Personen im Fokus. Über diese werde ich vertieft schreiben. Die erste Bewohnerin ist eine junge Frau mit einem BMI von 38, welche gerne ihr Gewicht reduzieren möchte. Da sie meine erste Klientin ist, die eine Ernährungsberatung in Anspruch nimmt, ist es zunächst wichtig, einen Beratungsablauf mit den nötigen Hilfsmitteln zu erstellen. Die erste Beratung findet am 9. September 2014 statt. In den ersten fünf Monaten sammle ich laufend Bildmaterial, das ich für Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung anwenden kann. Da ich im Rahmen dieses Pilotprojektes nicht abschätzen kann, wie aktiv Romi mitarbeiten und wie aufnahmefähig sie sein wird, wird der zeitliche Beratungsrahmen möglichst offen gehalten. Weiter werde ich mich zweier Personen annehmen; die eine ist mit 53 Jahren an Demenz erkrankt, die andere befindet sich im hohen Alter von 80 Jahren und ist sehr schwach. Beide leiden unter einem markanten Gewichtsverlust. Mein Ziel für die beiden Personen wird es sein, dass sie in einer realistischen Frist wieder an Gewicht zulegen könnten. Dabei werde ich mich in dieses Thema einlesen („Ernährung im Alter“) und gegebenenfalls auch Rat bei einer Fachperson (Gerontologe) einholen. 4.5. Beratungsgespräch – Menschenbild / Grundhaltung Den Schwerpunkt setze ich auf die Beratung von übergewichtigen und älteren Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung. Ich stützte mich in meinem Beratungsgespräch auf die Techniken der klientenzentrierten Gesprächsführung von Carl Rogers. Dabei ist zu beachten, dass diese auf die Besonderheit der Klientengruppe anzupassen ist. In dieser Art von Gesprächsführung geht es grundsätzlich darum, dass der Klient sehr oft selber weiss, „wo der Schuh drückt“. Natürlich werde ich meinen Klienten Ratschläge, Interpretationen oder sogar fertige Lösungen präsentieren müssen, aber in meiner Grundhaltung als Ernährungsberaterin werde ich versuchen, diese Menschen soweit wie möglich zu ermutigen, eigene Vorschläge hervorzubringen. Mein Beratungsgespräch wird aber nur die Initialzündung sein, welche in der Wohngruppe unter fachlicher, d. h. sozialpädagogischer bzw. sozialtherapeutischer Begleitung aufgenommen und unter meiner Beobachtung und Führung so weit wie möglich weitergeführt wird. Im Beratungsgespräch sind nicht nur die nüchternen Zahlen und Fakten ein Hinweis auf ein Ernährungsproblem. Sehr oft bestehen Einstellungs‐ und Verhaltensmuster, welche das Essverhalten wesentlich steuern. Ein grundlegendes Prinzip von Rogers ist, „die dem Organismus innewohnende Tendenz zur Entwicklung all seiner Möglichkeiten hervorbringen; und zwar so, dass sie 8 der Erhaltung oder Förderung des Organismus dienen“.4 Rogers spricht in diesem Zusammenhang von der Aktualisierungstendenz. Der Klient bewertet, ob diese Erfahrung für ihn förderlich ist oder nicht. Sehr oft wird der Erhaltung des Selbstkonzeptes der Vorrang gegeben, „wo doch Krabbeln müheloser zur selben Bedürfnisbefriedigung führen würde“.4 Es geht aber in meinem Beratungsgespräch nicht darum, ein psychotherapeutisches Gespräch aufzubauen. Vielmehr soll der Klient, mein „Beziehungsangebot“ erkennen und mit dem neuen Wissen, den neuen Erkenntnissen und vor allem der neu gewonnenen Erfahrung sein Selbstkonzept in Frage stellen und seine Grundhaltungen und Einstellungen gegenüber Ernährung weiterentwickeln. Dabei stütze ich mich auf die Grundkonzepte der klientenzentrierten Beratung:4 ‐
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Akzeptieren, Anteilnahme und Wertschätzung Einfühlsames Verstehen und Empathie Echtheit und Kongruenz Es sind folgende Arten des Gespräches möglich: Art des Gespräches Nicht‐direktiv, offen, stützend Lenkend, vorschreibend Beeinflussend, aufdeckend, konfrontierend Ausgangslage Konflikte, Störungen, emotionale Zusammenhänge sind bedeutsam, aber noch undeutlich Die wesentlichen Daten liegen auf der Hand Ungünstiges Verhalten wird von kognitiven Vorgaben gesteuert, günstiges Verhalten ist blockiert Ziel Arbeit auf der Ebene der Gefühle, Hilfe zur Selbsterkundung Wegweisung. Tipps geben. Bessere Arbeitstechniken etc. vorschreiben. Hilfe beim Umbau von behindernden Denkmustern Sehr oft werde ich mich zwischen der lenkenden und beeinflussenden Gesprächsführung bewegen, mit dem klaren Bestreben, auf der Ebene der Gefühle ein offenes Gespräch zu führen. Dabei wird es darum gehen, ungünstige Denkmuster durch konstruktive Denkmuster zu ersetzen. Der Klient soll den Eindruck erhalten – aber auch objektiv feststellen können –, dass die eingeleiteten Handlungspläne fruchten, d. h. er soll sich sagen können, „es geht voran, ich bin auf dem richtigen Weg“. Im Gespräch wird der Klientin aufgezeigt, dass sie ihr Denkmuster „Ich schaffe es nicht, weil es mir zwischendurch nicht gelingt“ ersetzt durch das neue konstruktive Denkmuster: „Ich mache kleine Schritte, Rückschritte gehören zum Fortschritt. Diejenigen, denen es gelungen ist, haben auch Rückschritte erlebt, und auch wenn ich es will, brauche ich Pausen.“ Meine Beratungsgespräche werde ich in zwei Phasen einteilen: 4
Rogers 1985 9 1. Entdeckung: Auskundschaften der Lage, Offenheit für Neues, Gefühle, Eindrücke und Stimmungen, aber auch für Fragen und vielleicht auch Ratlosigkeit. Verbindungen zu Einzelbeobachtungen herstellen. 2. Handlungsplanung: Es wird ein Programm zusammengestellt. Wenn möglich soll der Klient aufgrund des Gehörten und Ausgetauschten eigene Ideen einbringen können. Die Handlungsplanung wird mit den Wohngruppen, der Küche und mir koordiniert. 5. Durchführungsphase Individuelle Beratung einer Mitarbeiterin mit IV‐Rente 5.1. Beratungsablauf Der Ernährungsberatungsablauf berücksichtigt nebst der Ernährung die Bewegung und die Entspannung. Eine Beratungseinheit bzw. ein Beratungsgespräch dauert eine Stunde. Gesamthaft werden sechs Beratungsgespräche durchgeführt. Die Modalitäten dieser sechs Beratungsgespräche werden je nach Themenschwerpunkt ausgestaltet und finden idealerweise in einem 3‐Wochen‐Rhythmus statt. Empfehlenswert ist ein Gespräch alle zwei Wochen. Bei stark übergewichtigen und untrainierten Menschen ist ein Ärztecheck erwünscht. Der Klientin werden die wichtigsten Aussagen anhand von Bildern und Schlüsselsätzen veranschaulicht. Wenn ich Beratungen für Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung mache, ist es mir wichtig, je nach deren Beeinträchtigung bei der Bezugsperson, im Vorfeld einige Informationen für die Sozialanamnese einzuholen. Diese Personen kennen die Biographie und den Bewohner sehr gut. Sie können mir aufzeigen, was den Bewohner motivieren könnte und was nicht. Durch diese Vorabklärung kann ich mich gezielter auf den jeweiligen Bewohner vorbereiten und verhindern, dass der Bewohner nach dem Gespräch überfordert und demotiviert sein wird. 10 Erste Beratungseinheit ‐ Kontakt und Einstieg ‐ Mit dem Kunden zusammen den Anamnesebogen ausfüllen ‐ Haupt‐ und Teilzielvereinbarungen anhand der Themenschwerpunkte festlegen (siehe Anamnesebogen) ‐ Die Ernährungsbilanz anhand der Strichmännchen erklären und abgeben ‐ Das Fettgewebe: „Was sind Fettzellen?“ / Bilder zeigen ‐ Lebenspyramide kurz erklären und eine Kopie abgeben ‐ Einfache Gymnastikübungen zeigen und Blatt mit drei Bauch‐ und Rückenübungen abgeben Zweite Beratungseinheit ‐ Kurzer Rückblick auf die vergangene Zeit ‐ Was ist der Stoffwechsel? ‐ Mögliche Zivilisationskrankheiten bei Übergewicht ‐ In Ruhe, langsam und genussvoll essen ‐ Weitere Bauch‐ und Rückenübungen zeigen Dritte Beratungseinheit ‐ Kurzer Rückblick auf die vergangene Zeit ‐ Was ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung? ‐ Mit der Lebensmittelpyramide und einzelnen Lebensmittelbildern (Nährstoffkategorien) arbeiten ‐ Schokoladen‐Test machen ‐ Führen eines Esstagebuches Vierte Beratungseinheit ‐
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Kurzer Rückblick auf die vergangene Zeit Auswerten des Esstagebuches Erstellen einer „Freudebox“ Neue Bauchübungen zeigen Fünfte Beratungseinheit ‐ Kurzer Rückblick auf die vergangene Zeit ‐ Erklärung der Verdauungsfunktion Sechste Beratungseinheit ‐ Kurzer Rückblick auf die vergangene Zeit ‐ Abschlussgespräch oder weitere unterstützende Massnahmen treffen 11 5.2. Erste Beratungseinheit 5.2.1. Bewohnerin mit Übergewicht – Ausgangslage Romi ist eine 19‐jährige Bewohnerin. Sie war im Januar 2014 102 kg schwer. Als sie nach den zweiwöchigen Betriebsferien von zu Hause ins Bernaville zurückgekommen war, wog sie 107 kg. Dies entsprach einem BMI von 38. Sie nahm in dieser Zeit 5 kg zu und war bereit, diese wieder abzunehmen. Das würde für sie bedeuten, dass sie über einen Zeitraum von 70 Tagen täglich 100 kcal einsparen müsste, denn um 1 kg Fett abzunehmen, müsste sie 7000 kcal verbrennen. Als sie das erste Mal in die Beratung kam, füllte ich mit ihrer Hilfe das Anamneseblatt aus, welches ich über diese Zeit immer weiterentwickelte. Etwas später erarbeitete ich den Beratungsablauf. 5.2.2. Anamnese‐ und Ernährungsberatungsbogen Personalien Vorname, Nachname Romi Geburtstagsdatum 1995 Gewicht BMI 107.2 kg 38 Datum der Beratung Zeitdauer ‐ 9.September 2014, 1 Std. Grund der Beratung ‐ Hat innerhalb eines Monates von 104 kg auf 107 kg zugenommen. Ziel der Beratung ‐ Gewicht reduzieren Erfassen des gesundheitlichen Wohlbefindens / Medikamente ‐ Gut, keine Medikamente Allergien / Unverträglichkeiten ‐ Keine bekannt Erwartungen an die Beraterin ‐ weiss es nicht Was weiss der Kunde über eine ausgewogene Ernährung? ‐ Einiges, war früher schon mal bei einer Ernährungsberaterin Wie sieht das tägliche Verpflegungsverhalten aus? Tageszeiten Flüssigkeit Morgenessen Wasser oder Tee Znüni Wasser oder Tee Wasser Mittagessen Zvieri Menge in dl 2 dl 3 dl 2 dl 12 Lebensmittel mit Mengenangabe 1 Stk. Brot, 100 g Naturjogurt 1 Stk. Käse am Dienstag anstelle vom Naturjogurt 1 Frucht 1 Gericht gemäss Menüplan 2 x Salat Tageszeiten Flüssigkeit Abendessen Wasser oder Tee Spätmahlzeit Wochenende Ferien Wasser oder Süssgetränke Wasser oder Süssgetränke Menge in dl 3 dl Lebensmittel mit Mengenangabe 1 Gericht gemäss Menüplan 2 x Salat Am Donnerstag 1 Glace oder 1 Frucht Was die Mutter kocht Was die Mutter kocht Gewohnheiten (Süsses, Snacks, Alkohol) ‐ Zuhause auf dem Bauernhof ass sie mehrere Glacen und Snackwaren am Tag. Wie kompensierst du den Alltagsfrust? ‐ mit Essen Wie belohnst du dich? ‐ weiss ich nicht Was hast du für Hobbys? ‐ weiss ich nicht Machst du Sport und wenn ja, welchen? ‐ 2 x pro Woche Zumba Haupt‐ und Teilzielvereinbarungen ‐ Vor jeder Mahlzeit ein Glas Wasser trinken ‐ Während der Arbeit Wasser aus einer 1.5 Liter Flasche trinken ‐ Während dem Essen die Nahrung gut kauen ‐ Zuhause nur noch eine Kugel Glace oder eine kleine Portion Snackwaren ‐ 2 x pro Woche Zumba ‐ 3 x pro Woche Bauch und Rückenübungen machen und jede Übung 10 x ausführen ‐ 3 x pro Woche 20 Minuten auf den Hometrainer Velo fahren Kontrolle bzw. Auswertung der Vereinbarungen in Bezug auf ihre Umsetzung Inwieweit konnte ich mein Hauptziel erreichen? ‐ Ich konnte drei Kilogramm abnehmen. Welche Teilziele konnte ich erreichen? ‐ Ich halte mich an die Abmachungen. Was ist mir gut gelungen? ‐ Ich esse sehr langsam und kaue mehrmals. Was war förderlich für die Umsetzung? ‐ Dass ich auf dem Hometrainer Velo fahren kann. Was ist mir weniger gut gelungen? ‐ Ich weiss es nicht Was hindert mich an der Umsetzung? ‐ Ich weiss es nicht 13 15. Januar 2015 Bemerkungen: Ich bin erstaunt, wie willig Romi ist und wie sie versucht die Abmachungen einzuhalten. Sie geht jedes zweite Wochenende nach Hause. Nach jedem Beratungsgespräch werde ich auf dem Anamneseblatt weitere Auswertungen und Abmachungen notieren. Bevor ich Romi die Fettzellen erkläre, gehe ich kurz auf die Energiebilanz ein und behandle den Gesamtenergiebedarf. 5.2.3. Ernährungsbilanz Jeder von uns braucht unterschiedlich viel Energie zur Aufrechterhaltung unserer Körperfunktionen wie Herztätigkeit, Atmung, Gehirntätigkeit, Stoffwechselvorgänge und Körperpertemperaturregulierung. Dies ist der Energie‐Grundumsatz. Es ist also die Energiemenge, die der Mensch in 24 Stunden bei völliger Ruhe und im Liegen verbraucht. Der Grundumsatz nimmt mit zunehmendem Alter ab, dies hängt mit dem trägeren Stoffwechselverbrauch und mit dem Abbau der Muskelmasse zusammen. Der Grundumsatz der Frauen ist tiefer als der der Männer. Dies liegt daran, dass die Männer im Gegensatz zu den Frauen eine höhere Muskelmasse besitzen bzw. der Fettanteil im Gewebe bei den Frauen grösser ist. Der Grundumsatz des Menschen beträgt 50 % bis 70 % des Gesamt‐Energieverbrauchs. Der Energieverbrauch (Grundumsatz) kann durch mehr Bewegung gesteigert werden, was den Energiestoffwechselverbrauch erhöht. Dieser Grundumsatz ist abhängig von verschiedenen Faktoren wie u. a. Alter, Geschlecht, der Körpergrösse oder ‐konstruktion, der Genetik, aber auch dem Klima und der allgemeinen körperlichen Verfassung wie Fieber oder Stress. Reduziert wird er z. B. durch Zustände der Depression oder Schmerzmedikamente. Der Grundumsatz macht den grössten Energieverbrauch aus. Sobald sich eine Person körperlich betätigt und durch ihren Beruf oder durch ihre Freizeitbeschäftigung tätig wird, verbraucht sie mehr Energie. Diese wird als PAL‐Wert (physical activity level) bezeichnet. Dieser Leistungsumsatz kann nur durch körperlich anstrengende Arbeit oder intensiven Sport erhöht werden. Diese beiden Werte ergeben den Gesamtenergiebedarf. Damit der Mensch nicht stark zunimmt, muss seine Energiebilanz ausgeglichen sein. Er darf nicht mehr essen, als sein Körper bei einer sinnvollen Beschäftigung verbrauchen kann. Isst er über seinen Energieverbrauch, spricht man von einer positiven Energiebilanz. Er nimmt zu. Das Gegenteil ist die negative Energiebilanz: Er isst weniger, als er benötigt. Er nimmt ab. Wer Gewicht verlieren will, muss also seine Energiezufuhr reduzieren und sich körperlich mehr betätigen. 5.2.4. Das Fettgewebe – Was sind Fettzellen? Das Fettgewebe, welches aus bestimmten Bindegewebszellen besteht, wird in Speicher‐ oder Reservedepotfett und Baufett unterteilt. Bei Hungerzuständen wird dieses Fett zur Energiegewinnung aufgebraucht. Die Zellen können also Fett abgeben und wieder Fett speichern. 14 Das Baufett dient als Polsterung und Formgebung an den Handtellern, Fusssohlen, Nieren, Augen, Gesässpolstern und den weiblichen Brustdrüsen. Bei lang andauernden Hungerzuständen wird das Baufett zuletzt abgebaut. Das Speicherfett kommt im Gekröse des Darms und in der Unterhaut vor. Seine Aufgabe ist es, uns vor Wärmeverlust zu schützen und als Kaloriendepot zu dienen. Quelle:TBecker‐illustration.de Quelle:wikipedia.org Wenn der Energiewert der aufgenommenen Nahrung über dem Gesamtenergiebedarfswert liegt, wird die „überschüssige“ Nahrung bzw. Energie als Speicherfett in der Unterhaut gespeichert. Bei Frauen ist dieses Körperfett vermehrt an der Hüfte und an den Oberschenkeln festzustellen. Diese Körperfettverteilung nehmt man Birnenform (gynoide Fettverteilung). Ein erhöhtes gesundheitliches Risiko besteht bei ihnen bei einem Bauchumfang ab 81 cm. Quelle: neuepresse.de Quelle:artikelmagazin.de Männer speichern das Körperfett am Bauch. Bei übergewichtigen Männern wird diese Körperfettverteilung als Apfelform (androide Fettverteilung) bezeichnet. Ist dieser Bauchumfang über 95 cm, besteht in erhöhtes Risiko für die Entstehung von Krankheiten. Diese sind Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen und Herz‐Kreislauf‐Erkrankungen. OLIVER SANNE So sah der Mister Germany 2014 früher aus (Fotos aus Zeitschrift Bild) Durch eine ausgewogene Ernährung und gezielte Bewegung können unliebsame Fettpolster verschwinden 5.2.5. Die Lebensmittelpyramide Quelle: www.sge.ch Ich erkläre Romi anhand der Lebensmittelpyramide der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung, was eine ausgewogene und gesunde Ernährung beinhaltet. 15 Ich nehme mir besonders Zeit, ihr anhand von anschaulichen Beispielen zu erklären, warum die letzte Stufe so klein ist. 5.2.6. Einfache Gymnastikübungen Im Vorfeld habe ich mit einer Physiotherapeutin einfache Bauch‐ und Rückenübungen für übergewichtige Menschen zusammengestellt und die Übungen in Bilderform auf einem Übungspapier festgehalten. Diese Übungen habe ich am Schluss der ersten Beratung mit Romi geübt und ihr das Gymnastikpapier mit den abgemachten Übungseinheiten abgegeben. Weiter erhält sie in schriftlicher Form die Haupt‐ und Teilzielvereinbarungen sowie die Lebensmittelpyramide, damit sie sich an die Abmachung erinnern kann. 5.3. Zweite Beratungseinheit In der zweiten Beratung lege ich den Schwerpunkt auf mögliche Krankheiten, die bei Übergewicht entstehen können. Wenn der Mensch nicht eine ausgewogene Mischkost zu sich nimmt und die Portionsgrösse nicht im richtigen Verhältnis steht, entsteht eine Fehlernährung. Letztere gekoppelt mit Bewegungsmangel führt zu Übergewicht und Fettleibigkeit. Diese übermässige Ansammlung von Fettgewebe im Körper wird als Fettleibigkeit bezeichnet; der Mensch hat Übergewicht. 5.3.1. Kurzer Rückblick auf die vergangene Zeit Nach der Begrüssung und der allgemeinen Nachfrage, veranschauliche ich Romi anhand von Bildern die wichtigsten Aussagen zum Stoffwechsel und wir sprechen über mögliche Zivilisationskrankheiten bei Übergewicht. Ich vermittle ihr den Inhalt bildlich und in vereinfachter Form. 5.3.2. Was ist der Stoffwechsel Der Stoffwechsel wird auch Metabolismus genannt. Er stellt alle biochemischen Vorgänge dar, die innerhalb der Zelle ablaufen und in Lebensäusserungen der Organismen in Erscheinung treten, wie: Bewegung, Reizbarkeit, Fortpflanzung, Wachstum Regeneration, Vermehrung, Sekretion, Phagozytose, Hypertrophie und Hyperplasie. Man kann auch sagen, er ist der Motor unseres Körpers. Damit er funktioniert, gibt er Stoffe wie Wasser, Salze, Kohlenstoffdioxid und Wärme ab und nimmt Nährstoffe und Sauerstoff auf. Diese zugeführte Nahrung kann einerseits energieliefernde Nahrungsbestandteile enthalten wie Kohlenhydrat, Eiweiss und Fett, sowie funktionale Nahrungsbestandteilgruppen wie Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Wasser und Nahrungsfasern. Diese benötigt der Körper zum Aufbau und Wachstum, zum Erhalten des Gewebes und zur Energiegewinnung. Diese Stoffe werden in den Zellen verarbeitet bzw. ab‐ und umgebaut. Diesen Umwandlungsprozess steuert das Nerven‐ und Hormonsystem. Es ermöglicht komplexe Reaktionsabläufe, damit Energie aus der Nahrung freigesetzt werden kann und der Aufbau von den Baustoffen (Eiweiss, Mineralstoff und Wasser) und Brennstoffen (Kohlenhydrate und Fett) sichergestellt ist. Die Betriebsstoffe werden zur Energiegewinnung für die Organe gebraucht. Denn der Körper braucht zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur 60 % des Energiebedarfes. Die restlichen 40 % werden als chemische Energie in Form von ATP zur Aufrechterhaltung der Körpervorgänge wie Atmung, 16 Herztätigkeit, Funktion der Leber, Niere, Verdauung, Arbeitsleistungen und körperliche Aktivität verwendet. Die Baustoffe dienen nicht als Energielieferant, sondern zum Wachstum, Aufbau der Muskeln und zur Heilung von Verletzungen. Im Körper wird ständig etwas um‐ oder neugebaut. Somit werden alte Zellen mit neuen Zellen ersetzt. Das wichtigste Stoffwechselorgan ist die Leber. Im Magen‐Darm‐Trakt werden die Nahrungsinhaltsstoffe in ihre Grundbausteine zerlegt, Kohlenstoffe in Einfachzucker, Fette in Fettsäuren und Glycerin sowie Eiweiss in Aminosäuren umgewandelt.
Der Transport der Nährstoffe wird durch das Blut zu den Zellen im ganzen Körper geführt und dort verstoffwechselt. Zudem werden giftige Stoffwechselprodukte ausgeschieden. Steht den Zellen genügend Energie zur Verfügung, wird der Einfachzucker in der Leber und der Muskulatur in Mehrfachzucker umgewandelt und gespeichert. Aminosäuren benötigt der Körper zum Aufbau von Muskelzellen, Hormonen, Enzymen. Fett wird auch für die Bildung von Hormonen gebildet, und was der Körper nicht braucht, wird im Depotfett als Reserve gespeichert. Braucht der Körper zusätzliche Energie, wird aus den verschiedenen Depots die gespeicherte Energie wieder in ihre Grundbestandteile zerlegt und verbraucht. Somit bleibt der Blutzuckerspiegel konstant und die Muskeln können daraus Energie gewinnen. Vorbeugen von Stoffwechselstörungen Liegt eine Stoffwechselstörung vor, können einzelne Nährstoffe nicht mehr richtig verwertet werden. Die Substanz kommt nicht dort an, wo sie gebraucht wird. Es entstehen verschiedene Krankheiten wie Diabetes mellitus, Gicht, Schilddrüsenunter‐ oder Schilddrüsenüberfunktion. Es gibt auch Stoffwechselstörungen, die selbst verschuldet sind, z. B. ungesunde und einseitige Ernährung, starker Alkohol‐, Medikamenten‐ oder Tabakgenuss oder unnatürlicher Schlafrhythmus. Eine Stoffwechselstörung kann jedes Organ im Körper betreffen, vom Herz über die Schilddrüse und die Leber hin zum Gehirn. Die Stoffwechselstörung zeigt sich ganz häufig durch ein starkes körperliches Unwohlsein, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, drastischen Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme, Veränderung der Haut oder Haarausfall in kurzer Zeit. Einer Stoffwechselstörung, welche nicht genetisch vorliegt, kann nur bedingt vorgebeugt werden. Vermeiden kann man dies, indem regelmässig Untersuchungen durchgeführt werden. Zudem sollte auf eine gesunde Lebensweise und genügend Schlaf geachtet werden. Des Weiteren sollten eine gesunde ausgewogene Ernährung, ein gesundes Gewicht, ein guter Umgang mit Stress und bestmöglicher Verzicht auf grosse Mengen Alkohol, Medikamente und Tabak angestrebt werden. 17 5.3.3. Mögliche Zivilisationskrankheiten bei Übergewicht Mögliche Krankheiten, die bei einer Fettleibigkeit entstehen können, sind folgende:
 Beschwerden, Kurzatmigkeit beim Treppensteigen  verstärkte Schweissneigung, Kreuz‐und Gelenkschmerzen  Diabetes mellitus Typ 2  Gallenblasenerkrankungen  Bluthochdruck  Fettstoffwechselstörungen  Atembeschwerden  Schlafapnoe  Krebserkrankungen  Sexualhormonstörungen  Rückenschmerzen Quelle: nue3 Quelle: Biemann‐medizin.ch Zwei‐ bis dreimal häufiger als bei Normalgewicht treten auf: 
koronare Herzkrankheiten Arthrose und Gicht
Hat eine Person Übergewicht, erhöht dies zusätzlich die Thrombose‐ und Emboliegefahr und bedeutet nicht zuletzt auch ein erhöhtes Risiko bei Operationen und Narkosen. Adipositas führt zu psychosozialen Problemen und Einschränkungen der Lebensqualität. Betroffene leiden häufig unter Depressionen, einem verminderten Selbstwertgefühl sowie einer geringeren Anerkennung durch die Umgebung. 5.3.4. In Ruhe, langsam und genussvoll essen und trinken Da Romi die Tendenz hat, schnell zu essen und wenig zu trinken, besprachen wir diese Punkte. Es wurde vereinbart, dass sie pro Tag zusätzlich aus einer Wasserflasche trinkt. Am jeweiligen Abend wird die getrunkene Menge schriftlich festgehalten. Zudem soll vermieden werden, dass sie die Nahrungsmittel nur herunterschluckt, stattdessen das jeweilige Nahrungsmittel fünfmal kaut. 5.4. Dritte Beratungseinheit 5.4.1. Kurzer Rückblick auf die vergangene Zeit Am Anfang der dritten Beratung erkundige ich mich unter anderem über die Abmachungen der letzten Beratung. Sie findet es irgendwie lustig, so lange an einem Stück Fleisch zu kauen und meint, dass durch diese Übung das Essen länger auf dem Teller stehen bleibt. Sie hat aber nach wie vor Mühe mehr zu trinken. Ich ermutige sie weiter, bei einem Hungergefühl zunächst zu trinken. 5.4.2. Was ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung? In der dritten Beratung lege ich bei Romi den Schwerpunkt auf das, was eine gesunde und ausgewogene Ernährung ausmacht. 18 Eine gesunde Ernährung ist eine ausgewogene Mischkost. Der Nährstoffbedarf besteht aus Kohlenhydraten, Fetten, Eiweissen, Vitaminen, Mineralstoffen, sekundären Pflanzenstoffen und Nahrungsfasern. Unter Nährstoffdichte versteht man das Verhältnis von Nährstoffgehalt zu Energiequelle eines Lebensmittels. Gemüse weist eine hohe Nährstoffdichte auf, Süssigkeiten dagegen eine geringe. Ich erkläre ihr die einzelnen Nährstoffe anhand von Bildern in sehr vereinfachter Form. Zusammenfassung der Nährstoffe Was sind Kohlenhydrate?  Kohlenhydrate kommen hauptsächlich aus pflanzlichen Bestandteilen. Sie werden auch Saccharide genannt. Sie liefern schnell verfügbare Energie.  Kohlenhydrate und Fette sind Brennstoffe (Energielieferanten) und Hauptlieferanten unserer Nahrung. Die empfohlene Zufuhr sind ca. 55 Energieprozente. Wo kommen sie vor?  In Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Hülsenfrüchte, Früchten, Milch. Diese Lebensmittel liefern dem Körper nicht nur Energie, sondern auch Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Eiweiss und Nahrungsfasern.  Zucker und Zuckerprodukte (z.B. Limonaden, Backwaren, Süssigkeiten) liefern dem Körper die Energie rascher (nur mit Mass zu konsumieren).  Tierische Lebensmittel erhalten mit Ausnahme des Honigs wenig Kohlenhydrate.  In der Leber der Tiere ist Glykogen gespeichert und das gelagerte Muskelfleisch enthält nur noch Spuren von Glykogen. Warum braucht unser Körper Kohlenhydrate?  Sie liefern dem Körper die notwendige Energie, welche er beim Abbau zum grössten Teil für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur und die körperlichen Aktivitäten braucht.  Abbau von Körpersubstanzen wie abgestorbene Zellen ersetzen. Bei Kindern und Jugendlichen geschieht dies noch in einem höheren Masse.  Die roten Blutkörperchen, sog. Erythrozyten und die Nervenfasern sind zu 100 % auf Glukose angewiesen.  Die Hirnzellen und Muskelzellen benötigen täglich Glukose.  Die tägliche Ernährung muss mindestens 140 g Glucose beinhalten.  Kohlenhydrate können in Form von Glykogen in Leber und Muskeln gespeichert werden.  Sie werden benötigt, um die nichtessenziellen Aminosäuren herzustellen, aus denen der Körper Eiweiss bildet.  Weiter sind sie am Fettstoffwechsel sowie am Aufbau von Knorpel, Knochen und Nervenfasern beteiligt. Was sind Fette?  Fette werden auch Lipide genannt. Sie bestehen aus Kohlenstoff (C), Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O). Sie sind Energielieferanten.  Sie machen 25 % bis 30 % der täglich zugeführten Energie aus. 19 Wo kommen sie vor und welche Fettsäuren gibt es?  Diese energiereichsten Nährstoffe kommen in tierischen und pflanzlichen Nahrungsmitteln vor.  Je nach Nahrungsmittelursprung gibt es unterschiedliche Fettsäuren im Fett:  Gesättigte Fettsäuren  Einfach ungesättigte Fettsäuren  Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind lebensnotwendig, diese müssen mit der Nahrung zugeführt werden und deuten auf eine gute Fettqualität hin. Sie werden Omega 3 und Omega 6 genannt. Warum braucht unser Körper Fette?  Aufbau der Zellmembrane (Abgrenzung einer Zelle). Außerdem findet an der Zellmembran durch die Versorgung der lebensnotwendigen Fettsäuren ein Stoffaustausch statt.  Baustein für die Bildung von Gewebehormonen (Immunsystem)  Schützt und isoliert innere Organe wie Augapfel, Nieren etc. vor Druck und Stoss.  Speicherfett ist eine unerschöpfliche Energiereserve. Das Depotfett dient als Wärmeschutz. Ab vier Stunden oder über Nacht und bei körperlicher Aktivität wird es zur Energiegewinnung herangezogen.  Bei geringer und mittlerer Intensität kann der Körper mit Hilfe von Sauerstoff je nach Trainingszustand 50 % bis 80 % Energie durch die Fettverbrennung abdecken.  Fette sind Träger der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K. Diese Vitamine können nur vom Darm aufgenommen werden, wenn Fette vorhanden sind.  Träger von essentiellen Fettsäuren Linol‐ und Linolensäure  Aromaträger  Hormonbildung  Beeinflusst den Cholesterinspiegel und die Entzündungsreaktionen im Körper Was sind Proteine?  Proteine werden auch Eiweisse genannt. Sie sind die Grundlage aller Lebensvorgänge.  Eiweisse gehören mit den Mineralstoffen und dem Wasser zu den Baustoffen. Die kleinsten Bausteine der Proteine werden Aminosäuren genannt. Wo kommen sie vor?  Aminosäuren kommen in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln vor. Die Zusammensetzung der Aminosäuren in tierischen Nahrungsmitteln sind hochwertiger als die pflanzlichen Nahrungsmittel, weil ihnen die Aminosäuren Lysin und Methionin fehlen.  Tierische Proteinlieferanten sind: Fleisch, Fisch, Eier, Milch, Milchprodukte  Pflanzliche Proteinlieferanten: Hülsenfrüchte, Getreideprodukte, Nüsse sowie Kartoffeln haben einen beachtlichen Eiweissgehalt.  Eiweiss kann nicht im Organismus gespeichert werden. Zuviel tierisches Eiweiss ist wegen des hohen Fettgehaltes und der ungünstigen Fettsäurenzusammensetzung nicht empfehlenswert.  Isst man zu wenig eiweisshaltige Lebensmittel, kann die Flüssigkeit im Blut nicht mehr in den Blutbahnen gehalten werden. Die Flüssigkeit gelangt ins Gewebe und es kommt zu Wassereinlagerungen. Weitere Defizite können durch eine Eiweissmangelernährung 20 hervorgerufen werden; dies führt dann zu körperlicher Schwäche, Antriebsarmut, erhöhter Anfälligkeit für Infektionskrankheiten, einer verzögerten Wundheilung und Muskelabbau.  Nimmt man zu viel Eiweiss zu sich, kann dies zur Folge haben, dass die Nieren durch die vermehrte Produktion von Urin zusätzlich belastet werden. Es besteht die Gefahr der Nierensteinbildung. Warum braucht unser Körper Protein?  Zum Aufbau und Erneuerung von körpereigenem Protein (Zellen, Gewebe, Kollagen, Sehnen, Knochen, Muskeln, Myosin in Knochen.  Jede Zelle besteht zu 50 % des Trockengewichts aus Eiweiss.  Enzyme und Hormone, die für alle Stoffwechselvorgänge Voraussetzung sind, bestehen aus Eiweiss.  Für das Immunsystem und die Blutgerinnung bedeutsam, da Antikörper und Gerinnungsfaktoren aus Eiweiss aufgebaut sind.  Eiweisse bilden Hüllen, in die Fette verpackt werden, um sie in der Blutbahn transportieren zu können.  Mit Eiweiss kann das Verhältnis von Körperflüssigkeit und darin gelösten Stoffen reguliert werden.  Wird mehr Eiweiss aufgenommen, als benötigt wird, wird daraus Energie gewonnen oder es wird in Fett umgewandelt und als Depotfett eingelagert.  Es gibt 20 verschiedene Aminosäuren, von denen 9 essenziell sind. Einige müssen vom Menschen aufgenommen werden; sie sind unentbehrlich. Andere Aminosäuren werden im Körper gebildet, wenn ausreichender organischer Stickstoff vorhanden ist. Was sind Vitamine?  Jedes Vitamin ist für eine spezifische Funktion zuständig und unser Körper braucht alle Vitamine.  Sie sind organische Verbindungen, die der Körper nicht selber herstellen kann.  Vitamine werden auch Wirkstoffe oder Regelstoffe genannt. Wo kommen sie vor?  Viele Lebensmittel, ob sie nun tierischer oder pflanzlicher Herkunft sind, enthalten Vitamine.  Obst ist eine gute Quelle für Vitamin C.  Einige Vitamine sind sehr empfindlich gegen äussere Einflüsse, z. B. Sauerstoff, Wasser, Hitze, Transport, Lagerung. Deshalb sollten frisch geerntete Nahrungsmittel vorzugsweise frisch aus dem Garten, nicht zu lange gewaschen und nicht zu heiss oder zu lange gegart werden.  Die Vitamine werden in wasserlösliche oder fettlösliche Vitamine eingeteilt.  Fettlösliche sind die Vitamine A, D, E und K.  Wasserlösliche sind die Vitamine C, B1, B2, B3, B5, B6, B12, Biotin und Folsäure. Warum braucht unser Körper Vitamine?  Zur Ausübung und Aufrechterhaltung physiologischer Funktionen  Um im Stoffwechsel gewisse Nährstoffe aufzunehmen und in körpereigene Stoffe umzubauen  Sie sind beteiligt bei der Energiegewinnung im Zellstoffwechsel.  Stoffwechsel steht in enger Beziehung mit Enzymen und Hormonen. 21 Was sind Mineralstoffe?  Mineralstoffe sind Substanzen, die in Gestein oder Metallerzen vorkommen. Wo kommen sie vor?  Sie kommen in Pflanzen vor, mithilfe derer die Mineralien aus dem Boden aufgenommen werden. Deshalb kommen sie auch bei pflanzenfressenden Tieren vor.  Auch mineralhaltiges Wasser versorgt uns mit Mineralstoffen. Warum braucht unser Körper Mineralstoffe?  Der Körper braucht nur kleine Mengen an Mineralstoffen. Sie werden auch als Spurenelemente bezeichnet.  Wir kennen sie als Kalzium, Magnesium, Phosphor, Kalium, Natrium, Schwefel, Chrom, Kupfer, Fluor, Jod, Eisen, Selen, Zink.  Unser Körper braucht Mineralstoffe für den Auf‐ und Abbau von Körpergewebe und für die Regulierung des Stoffwechsels.  Das Kalzium, Magnesium und Phosphor wird zu einem grossen Teil in den Knochen eingelagert. Wenn der Körper einen Mangel an diesen Substanzen hat, holt er sie aus den Knochen. Die Zähne enthalten grössere Mengen an Kalzium und Phosphor.  Sie beteiligen sich im Körper an wichtigen Funktionen und chemischen Reaktionen, wie z. B. bei der Bildung von Verdauungsenzymen, bei Sauerstofftransport der roten Blutkörperchen, bei allgemeinen Zellfunktionen, beim Weiterleiten elektrischer Impulse der Nervenfasern und der Muskelkontraktionen. Was sind sekundäre Pflanzenstoffe?  schützende Substanzen in pflanzlichen Lebensmitteln Wo kommen sie vor?  Sie kommen in Pflanzen vor, wie Gemüse und Früchten.  In einer einzigen Portion Gemüse kommen über 100 verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe vor. Warum braucht unser Körper sekundäre Pflanzenstoffe?  Die sekundären Pflanzenstoffe sind nicht lebensnotwendig, aber sie haben eine antioxidative Wirkung im Körper; sie besitzen gesundheitsförderliche Eigenschaften.  Sie schützen den menschlichen Körper vor Krebs, Herz‐ und Kreislauferkrankungen, Diabetes, Harnwegsinfektionen, rheumatoider Arthritis, Immunschwächen und anderen Krankheiten. 5.4.3. Lebensmittelpyramide Romi kennt die Lebensmittelpyramide schon. Ich lege ihr verschiedene Nahrungsbilder mit Speisen oder einzelnen Produkten vor und ermutige sie, diese auf die entsprechende Stufe der Lebensmittelpyramide zu legen. Diese Übung zeigt mir, dass sie die Nahrungsmittel gut zuordnen kann. Nach den vielen Nährstoffinformationen mache ich mit ihr den Schokoladentest. 22 5.4.4. Schokoladentest Sie bekommt eine kleine Kugel Schokolade und lernt, diese sehr langsam und genussvoll zu verzehren. Dabei merkt sie, dass eine solche Portion eigentlich genügt, wenn sie etwas langsam und mit Genuss isst. 5.4.5. Führen eines Esstagebuches Am Schluss der dritten Beratung motiviere ich sie, ein Esstagebuch zu führen. Mit diesem Auftrag kann sie das Gehörte mit der Praxis verbinden. Der Sinn des Führens eines Esstagebuches liegt darin, dass Romi alle Speisen und Getränke, die sie an einem Tag konsumiert, aufschreibt und diese Auflistung zwei Wochen lang durchführt. Zusammen werden wir den Inhalt des Esstagebuches bei der vierten Beratungseinheit besprechen und auswerten und – wenn nötig – neue Ziele definieren. 5.5. Vierte Beratungseinheit 5.5.1. Kurzer Rückblick auf die vergangene Zeit In der vierten Beratung werten wir ihr Esstagebuch aus. Romi ist weiterhin motiviert abzunehmen, sie hat von September 2014 bis Januar 2015 drei Kilogramm abgenommen. 5.5.2. Auswerten eines Esstagebuches Sie zeigt mir ihr Esstagebuch, welches in unterschiedlicher Schriftgrösse geschrieben ist. Das Geschriebene ist manchmal schwer zu entziffern. Sie ist sehr stolz, wie sie den Auftrag ausgeführt hat. Sie versucht, die Haupt‐ und Teilzielvereinbarungen umzusetzen. Wenn sie am Wochenende nach Hause geht, weist sie sogar ihre Mutter an, wieviel Gemüse und Salat bereitzustellen ist und wie die Schöpfmenge sein soll. Das Wesentliche hat sie verstanden (mehr Gemüse, kleinere Portionen) und übt sich in der Umsetzung. 5.5.3. Erstellen einer „Freudebox“ In dieser Sitzung erkläre ich ihr, wie sie eine Freudebox erstellen kann. Die Idee dahinter ist, dass sie bei Naschversuchungen nicht etwas isst, sondern etwas unternimmt, was im Vorfeld in dieser Freudebox aufgeschrieben wurde und ihr Spass macht. 5.5.4. Neue Bauchübungen zeigen 5.6. Fünfte Beratungseinheit 5.6.1. Kurzer Rückblick auf die vergangene Zeit Romi teilt mir mit, dass sie einzelne Karten für die Freudebox erstellt hat. Als ich sie frage, was so auf einer Karte steht, sagt sie mir: „Velofahren auf dem Hometrainer.“ Es freut mich, dass sie das Prinzip verstanden hat. Ich erkläre ihr in vereinfachter Form den Verdauungsvorgang anhand der Bilder, die ich im Intranet auf der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung gefunden habe. 23 5.6.2. Erklärung der Verdauungsfunktion Mundhöhle / Speichel Wenn der Mensch etwas isst, beginnt die Verdauung bereits in der Mundhöhle. Die ca. 32 Zähne (Erwachsener) zermahlen die eingenommene Nahrung und dieser Brei wird mit dem Speichel durchfeuchtet. Der Nahrungsbrei wird durch das Einspeichern gleitfähiger und es werden Enzyme freigesetzt, die damit beginnen, die Nahrung zu zersetzen. Das Enzym Ptyalin, welches im Speichel enthalten ist, spaltet die Stärke in Disaccharide. Magen / Magensaft Der Brei wird über die Speiseröhre in Richtung Magen gedrückt und gelangt durch den Magenmund in den Magen. In der Magenschleimhaut befinden sich Drüsenschläuche, die den Magensaft bilden. Dieser besteht aus Salzsäure, welcher die Aufgabe hat, Pepsinogen zu Pepsin (eiweißspaltendes Enzym) umzuwandeln und Krankheitserreger abzutöten. Das Enzym Pepsin zerkleinert das Eiweiss in etwa 10 bis 100 Aminosäuren. Die säurebildenden Belegzellen der Magenschleimhaut werden auch in der Intrinsic‐
Factor gebildet, der für die Aufnahme vom Vitamin B12 im Dünndarm wichtig ist. Später im Dünndarm gelangt das Vitamin B12 über die Blutwege zur Leber und von dort bei Bedarf zur Reifung der Erythrozyten in das Knochenmark. Ein weiterer Bestandteil des Magensaftes ist der fast neutrale Schleim, welcher die Magenschleimhaut vor der aggressiven Salzsäure schützt. Fette bleiben relativ lange im Magen. Innerhalb von 24 Stunden bildet diese Drüse 1 bis 2 Liter Magensaft. Im sauren Milieu des Magens wird die Nahrung weiter zersetzt. Durch die Pendel‐Bewegung des Magens – etwa alle 20 Sekunden zieht sich der Magen in einer Wellenbewegung von oben nach unten zusammen – wird allerdings verhindert, dass sich große, schwer verdauliche „Fettklümpchen“ bilden. Die im Mund durch den Speichel eingeleitete Verdauung der Kohlenhydrate wird im Magen unterbrochen. Durch Muskelkontraktion wird der Nahrungsbrei weiter Richtung Pförtner gedrückt. Der Pförtner schließt Magen und Darm gegeneinander ab. Dünndarm Die Länge des Dünndarms beträgt ca. 3.5 bis 5 m lang und er hat einen Durchmesser von 2,3 bis 3 cm. Er besteht aus drei Abschnitten: dem Zwölffingerdarm, dem Leerdarm und dem Krummdarm. Der Dünndarmschlauch liegt an dem Aufhängeband an der hinteren Bauchwand als lockere Schlinge mit vielen Falten und Zotten. Der Darmsaft besteht aus Wasser, Schleim, Enzymen und abgeschliffenen Epithelzellen (etwa 5 bis 15 Liter in 24 Stunden). Weitere Verdauungssäfte, die sich mit dem Darmsaft mischen, sind die Sekrete aus der Pankreas und der Galle sowie der Magensaft. Nachdem die Nahrung den Magen passiert hat, kommt sie in den Zwölffingerdarm. In diesen Darmabschnitt münden das Pankreas und der Gallensaft ein. Die Galle spaltet die Nahrungsfette im Darm und sorgt dafür, dass diese besser verdaut werden können. Das basische Sekret der 24 Bauchspeicheldrüse neutralisiert den sauren Magensaft. Diese Proenzyme spalten Fette, Eiweisse und Kohlenhydratverbindungen in ihre Bausteine auf. Die Dünndarmwand enthält grössere Blut‐ und Lymphgefässe wie auch Nervengeflechte, welche die peristaltischen Bewegungen der Muskelschichten steuern, um den Brei weiter zu befördern. Der Dünndarmtrakt ist das wichtigste Organ bei der Verdauung. Die Nahrung wie Kohlenhydrate, Eiweiss und Fette wird durch Verdauungsenzyme in kleinste wasserlösliche Teilchen zerlegt. Danach werden sie von den Darmzotten aufgenommen und in die Blut‐ und Lymphgefässe weitergeleitet. Die Kohlenhydrate werden in Monosaccharide und Eiweisse in Aminosäuren zerlegt und ins Pfortadersystem aufgenommen. Mit den kurz‐ und mittelkettigen Fettsäuren gelangen die Monosaccaride und die Aminosäuren in die Leber. Die grossen Fettmoleküle werden als Glyzerin und Fettsäuren in die Darmlymphgefässe aufgenommen. Sie gelangen als kleinste Fetttröpfchen in den Hauptlymphgang, die linke Schlüsselbeinvene. Dickdarm Der Dickdarm kommt nach dem Krummdarm und endet beim After. Seine Länge reicht von 1.2 bis 1,4 Meter. Die Aufgabe des Dickdarms ist es, die restlichen Nahrungsbestandteile, die bis hierhin noch nicht verdaut werden konnten, einzudicken, Reste von Elektrolyten und Nährstoffen mit dem Wasser aufzunehmen und ins Blut abzugeben, Schleim zu produzieren und den Gärungs‐ und Fäulnisprozess mit Hilfe der Coli‐Bakterien durchzuführen. Schließlich werden die unverdaulichen Nahrungsfasern ausgeschieden. 5.7. Sechste Beratungseinheit 5.7.1. Kurzer Rückblick auf die vergangene Zeit Ich habe mir im Vorfeld gedacht, nach der sechsten Beratung abschliessen zu können. Doch ich stellte fest, dass ich Romi weiter punktuell unterstützen und beraten muss, damit sie motiviert bleibt. Ich fand die Zusammenarbeit mit ihr sehr bereichernd. Sie überraschte mich mit ihrem Willen, immer wieder abzunehmen. Sie hält sich an die Anweisungen, und wenn sie Zuhause zu viel gegessen hat, macht sie mit dem Hund einen grossen Spaziergang. Weiter zeigt sie mir regelmässig die ausgefüllten Fitnessblätter. Sie nahm konstant an Gewicht ab und teilte mir mit Freude mit, dass sie wieder ihre Lieblingskleider tragen kann. In diesen Monaten nahm sie „nur drei Kilogramm“ ab, was im ersten Moment nicht viel ist. Doch das Prinzip hat sie verstanden und nahm in der Beratungszeit nicht wieder zu. Ihr neues Gewichtsziel ist, 100 kg zu erreichen. 5.7.2. Abschlussgespräch In welchen Rahmen ich die Beratung fortführen werde, ist noch offen. Eine Möglichkeit besteht darin, dass ich andere motivierte Übergewichtige in einer gemeinsamen Gruppe weiter auf ihrem Weg begleiten werde. In der Zwischenzeit berate ich vier weitere übergewichtige Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Ich habe in der Beratung gemerkt, dass ich noch viel mehr Bildmaterial erarbeiten muss, damit ich schwächeren Bewohnern dieses Thema näher bringen kann. Diese Beratungen fordern 25 mich jedes Mal heraus, das Fachwissen so einfach wie nur möglich und je nach Beeinträchtigung der Person zu vermitteln. 6. Die zwei Beratungen im Alter Die weiteren zwei Beratungen führte ich mit älteren Menschen durch. Ich machte mir zuerst Gedanken, was älter werdende Menschen für Bedürfnisse haben, insbesondere Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. 6.1. Grundbedürfnisse des älteren Menschen  Eine ausgewogene Ernährung mit einer ausreichenden Zufuhr von Energie, Nähr‐ und Schutzstoffen.  Aktive und gesunde Lebensgestaltung mit vielen sozialen Kontakten und Erlebnissen, regelmässige körperliche Aktivitäten.  Ein selbständiges abwechslungsreiches Leben bis ins hohe Alter. Möglichkeiten, verschiedenste Unterstützungs‐Dienstleistungen zu beanspruchen.  Genügend Ruhe und Regenerationsphasen. 6.2. Alter und Ernährung Je nach physiologischer Veranlagung und Leistungsfähigkeit einer älteren Person sind die altersbedingten Veränderungen unterschiedlich. Denn im Alter verändert sich der Körper nochmals sehr stark. Der tägliche Energiebedarf sinkt um ein Viertel. Bei der Skelettmuskulatur, den Knochen und den inneren Organen nehmen die fettfreie Körpermasse und der Wassergehalt ab. Durch diesen Vorgang nimmt die Fettmasse zu und häufig steigt auch das Gewicht der Person. Der Stoffwechsel arbeitet langsamer als in jungen Jahren. Ab dem 40. Lebensjahr sinkt der Energiebedarf und nach dem 55. Lebensjahr braucht der Mensch in einem Rhythmus von 10 Jahren bis zu 8 Prozent weniger Energie. Durch diese dramatische körperliche Veränderung muss der älter werdende Mensch, wenn er seine ausgeglichene Energiebilanz beibehalten will, pro Lebensjahrzent etwa 100 kcal einsparen. Er kann dies tun, indem er sein Essverhalten überprüft und anpasst oder sich mehr bewegt und dadurch seinen Leistungsumsatz steigert. Auch die Immunfunktionen lassen nach; daher ist es wichtig, genügend Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe zu sich zu nehmen. Es ist wichtig, dass ein älterer Mensch eine bedarfsorientierte Ernährung mit einer hohen Nährstoffdichte zu sich nimmt, weil sein Energiebedarf sinkt – also Qualität statt Quantität. Der Einbezug der persönlichen Vorlieben und Abneigungen ist sehr wichtig. Ein älterer Mensch isst oft auch kleinere Portionen als in jüngeren Jahren. Daher ist darauf zu achten, dass seine Mahlzeiten über mehrere Portionen über den Tag verteilt werden. Damit der Bewohner auch im Alter genussvolle Momente erleben kann, ist es wichtig, dass die Betreuung auch auf die individuellen Essgewohnten des Bewohners eingeht und diese schriftlich festhält. Somit kann die Betreuung dem Bewohner von Zeit zu Zeit eine Freude machen, wenn sie sein Lieblingsgericht mit ihm zusammen kocht oder wenn sie auf der Gruppe einen Wunschmenüplan schreiben, nach welchem die Küche einmal pro Jahr für alle kocht. Die Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für eine ausgewogene Mischkost sind: 26 Getränke Täglich 1‐2 Liter, bevorzugt in Form von ungesüssten Getränken, z. B. Trink‐/Mineralwasser oder Früchte‐/Kräutertees. Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, schwarzer und grüner Tee können zur Flüssigkeitszufuhr beitragen. Bei verminderter Calziumaufnahme ist ein calciumreiches Mineralwasser (ab 300 mg Calcium pro Liter) empfehlenswert. Gemüse und Früchte Täglich 5 Portionen in verschiedenen Farben, davon 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Früchte. 1 Portion entspricht 120 g. Pro Tag kann eine Portion durch 2 dl ungezuckerten Frucht‐/Gemüsesaft ersetzt werden. Getreide, Kartoffeln und Hülsenfrüchte Täglich 3 Portionen. Bei Getreideprodukten Vollkorn bevorzugen. 1 Portion entspricht: 75‐125 g Brot/Teig oder > 60‐100 g Hülsenfrüchte (Trockengewicht) oder > 180‐300 g Kartoffeln oder > 45‐75 g Knäckebrot/Vollkornkräcker/Flocken/Mehl/Teigwaren/Reis/Mais/andere Getreidekörner (Trockengewicht) Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Eier und Tofu Täglich 3 Portionen Milch/Milchprodukte. 1 Portion entspricht: > 2 dl Milch oder > 150‐200 g Joghurt/Quark/Hüttenkäse/andere Milchprodukte oder > 30 g Halbhart‐/Hartkäse oder > 60 g Weichkäse. Täglich zusätzlich 1 Portion Fleisch, Geflügel, Fisch, Eier, Tofu, Quorn, Seitan, Käse oder Quark. Zwischen diesen Eiweisslieferanten abwechseln. 1 Portion entspricht: > 100‐120 g Fleisch/Geflügel/Fisch/Tofu/Seitan/Quorn (Frischgewicht) oder > 2‐3 Eier oder > 30 g Halbhart‐
/Hartkäse oder > 150‐200 g Quark/Hüttenkäse. Öl, Fette und Nüsse Täglich 2‐3 Esslöffel (20‐30 g) Pflanzenöl, davon mindestens die Hälfte in Form von Rapsöl. Täglich eine Portion (20‐30 g) ungesalzene Nüsse, Samen oder Kerne. Zusätzlich können sparsam Butter, Margarine, Rahm etc. verwendet werden (ca. 1 EL = 10 g pro Tag). Mit Fett sparsam umgehen. Süsses, Salziges und Alkoholhaltiges Süssigkeiten, gesüsste Getränke, salzige Knabbereien und alkoholische Getränke mit Mass geniessen. Die täglichen Empfehlungen für einen Menschen ab ca. 60 Jahren sind: Eiweiss: 1‐1.2g pro kg Körpergewicht; bei einem 70‐Jährigen mit einem Körpergewicht von 60 kg entspricht dies z. B. 60‐72 g Eiweiss. Damit der Zustand der Knochenmasse erhalten werden kann, ist eine ausreichende Zufuhr von Calcium erforderlich, denn die Knochendichte nimmt bereits im Alter von 30 Jahren stetig ab. In der Zeit der Wechseljahre (hormonellen Veränderung) verringert sich die Knochenmasse bei den Frauen um 35 %, die der Männer um 12 %. 27 Um die Knochendichte zu verbessern, ist eine ausreichende körperliche Betätigung und ausreichende Zufuhr von Calcium und Vitamin D notwendig. Da im Alter die Energiezufuhr am niedrigsten ist, kann eine so hohe Eiweiss‐Zufuhr nur durch eine sorgfältige und fettreduzierte Lebensmittel gewährleistet werden. Gute Eiweissquellen sind mageres Fleisch und Fisch. Um den Bedarf zu decken, reichen 400 g Fleisch pro Woche aus. Diese liefern dem Körper neben dem Eiweiss, die Vitamine B1, B6 und B12. Fisch enthält noch Jod. Fettreiche Seefische wie Makrele, Hering und Lachs enthalten Omega‐3‐Fettsäuren, die Entzündungen hemmen, die Blutfette senken und Bluthochdruck entgegenwirken, sowie Vitamin D, das für die Kalziumaufnahme wichtig ist. In den Wintermonaten (November bis März) ist es empfehlenswert, ein Vitamin‐D‐Präparat einzunehmen, weil in unseren Breitengraden die Sonneneinstrahlung zu gering ist und der Körper dieses Hormon in dieser Zeit schlecht bilden kann. Gute Kalziumlieferanten sind fettarme Milch und Milchprodukte. Diese sollten täglich als 3‐4 Portionen gegessen werden. Weitere gute calziumreiche Lebensmittel sind gewisses Mineralwasser über 150 mg, Nüsse, Gemüsesorten wie Spinat, Grünkohl, Broccoli oder Lauch. Eine bessere Eiweisszufuhr erhält man durch Kartoffeln und Eier. Welche Ursachen gibt es im Alter für Mangelernährung? Das Durstgefühl lässt nach Dadurch wird zu wenig getrunken oder der Appetit lässt nach. Der Senior sollte pro Tag bis 1‐2 Liter Trinkflüssigkeit zu sich nehmen und ca. 0.8 Liter Flüssigkeit durch Lebensmittel aufnehmen, um den Körper vor dem Austrocknen zu bewahren. Da sich Flüssigkeit nicht im Körper speichern lässt, ist es umso wichtiger, dass genügend getrunken wird. Denn Wasser ist ein Baustoff, ein Lösungs‐, Transport‐ und Quellmittel sowie Wärmeregulator. An warmen und heissen Tagen, bei Fieber, trockener Luft, vermehrter körperlicher Arbeit, Erbrechen und Durchfall braucht der Mensch mehr Flüssigkeit. Nimmt er zu wenig Flüssigkeit zu sich, treten bei 4 % bis 6 % Kopfschmerzen auf, die Person hat eine verminderte Harnproduktion, was Nierenschäden zur Folge haben kann, und die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit lässt nach. Denn bei einem Wasserverlust von 10 % können Verwirrtheitszustände und bei mehr als 20 % der Tod durch Nieren‐ und Kreislaufversagen eintreten. Damit ein Bewohner nicht austrocknet, sollten die Getränke im Blickfeld sein, damit in regelmässigen Abständen getrunken wird. Wenn die Betreuung die Bewohner zu regelmässigem Trinken auffordert, sind kalorienfreie und ‐arme Getränke wie Wasser, ungesüsste Kräuter‐ und Früchtetees, verdünnte Obst‐ und Fruchtsäfte. Damit das Trinkvergnügen gesteigert werden kann, gibt es verschiedene alkoholfrei Drinks, die die Betreuung mit den Bewohnern herstellen können. Ein solches Getränk, schön angerichtet und dekoriert, kann einem normalen Alltag in jeglicher Hinsicht eine spezielle Würze geben. Wenn demente oder geistig beeinträchtigte ältere Menschen aber wegen ihrer reduzierten Sinneswahrnehmung lieber süsse, zuckerhaltige Getränke trinken, sollten diese trotzdem abgegeben werden, wenn sie dadurch ausreichend trinken. Auch Suppen werden als Flüssigkeitszufuhr dazugerechnet. 28 Es gibt Krankheiten, bei denen es eine Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr gibt. Diese wird aber durch den Arzt verordnet. Das Geschmacks‐ und Geruchsempfinden nimmt ab Bei der Zubereitung der Speisen ist es wichtig, dass nicht mehr als notwendig gesalzt wird. Verstärktes Salzen verstärkt bei einzelnen Menschen den Bluthochdruck. Alternativen zum Salz sind Kräuter wie Liebstöckel, Bohnenkraut, Majoran oder Kümmel, welche eine kräftige Würze haben. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die restlichen Sinne wie den Hör‐, Seh‐, Tast‐ und Geruchsinn anzusprechen. Wenn die Kaffeemaschine beim Herstellen von Kaffee Geräusche macht oder das Geschirr beim Tischdecken klappert, das Essen in der Pfanne brutzelt, sind unsere Hörsinne angeregt. Werden die Speisen schön angerichtet und dekoriert, z. B. durch essbare Blüten, Früchte, Gemüse oder Gewürze, isst das Auge mit. All dies regt den Appetit an. Essen kann auch spannend werden, wenn mit den Händen gegessen wird. Demenzkranke Menschen bekommen ein Gefühl, wenn der Betreuer dem Bewohner das Besteck oder Trinkbecher in die Hände gibt und dieser es selber zum Mund führen kann. Ein angenehmer Duft regt auch zum Essen an. Wenn Menschen süsse Speisen bevorzugen, kann man auch ein traditionelles Gericht wie z. B. einen Braten süssen, um das Gericht für die jeweilige Person geschmacklich attraktiver zu machen. Es können Kau‐ und Schluckbeschwerden auftreten, welche die Aufnahme der Nährstoffe aus den Lebensmitteln verschlechtern. Tipps bei Kau‐ und Schluckbeschwerden Eine Alternative sind eingedickte oder breiartige Speisen. Obst kann geraffelt zusammen mit Joghurt oder/und Magerquark leichter gegessen werden. Das Gemüse sollte gedünstet oder wenn nötig püriert werden. Die Speisen müssen weich gekocht sein. Ideal sind leicht zu kauende Hackfleischgerichte oder gedunsteter Fisch. Stark faserhaltiges Fleisch sollte vermeiden werden. Die gekochten Kräuter werden in einem Säckchen mitgekocht und vor dem Anrichten entfernt. Somit ist der Geschmack vorhanden, doch in den Speisen keine störenden Teile. Das pürierte Lebensmittel sollte in seiner Farbe als solches erkannt werden. Dieses kann mit Förmchen oder mit Spritzhüllen geschehen. Älteren Menschen sollte die Nahrung schmecken. Die Nahrung sollte solange wie möglich über die normale Mischkost‐Ernährung erfolgen. Vorschläge für Eiweiss‐Zwischenmahlzeiten ‐ Früchte in Schnitze schneiden (Fingerfood) ‐ Fruchtsalat zubereiten ‐ Apfelmuss machen ‐ Früchtekompott ‐ gekochte Apfel‐ oder Birenschnitze mit oder ohne Magerquark ‐ Früchte‐Sorbert herstellen ‐ Früchtekuchen herstellen ‐ Quarkcreme mit geraffelten Saisonfrüchten 29 ‐ Quarkkuchen, Quarkschnitten mit Früchten herstellen ‐ Joghurt mit geraffelten Saisonfrüchten ‐ Cremes (Vanille, Süssmost etc.) herstellen ‐ Haferflocken mit warmer Milch ‐ Haferflocken mit Quark oder Joghurt mit oder ohne Früchte ‐ Milchreis ‐ Griessköpfli ‐ Hüttenkäse auf Vollkorntoast oder Brot 6.3. Krankheiten im Alter Im Alter nimmt die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit ab. Der ältere Mensch verliert Kraft, und eine Zunahme chronischer und körperlicher Beschwerden tritt ein. Je nach Person kann der Senior an verschiedenen altersbedingten Krankheiten erkranken. Eine ist zum Beispiel die Demenz. Dieser Oberbegriff steht für eine Reihe von Erkrankungen, die ausgeprägte Störungen des Gedächtnisses, des Denkvermögens und meist auch gravierende Veränderungen der Persönlichkeit verursachen. Daher ist es für die Betreuer wichtig, sich gut mit den Alterskrankheiten zu befassen, damit die Bewohner eine ausreichende Betreuung erhalten. Erkrankt eine Person an Demenz, wie Dan (zweite Person), muss die Ernährung je nach Krankheitsphase angepasst werden, und die jeweilige Person braucht mehr oder weniger Unterstützung. Sie können Schwierigkeiten haben, wenn es sich um das selbstständige Essen handelt, und sie erkennen die Speisen oft nicht mehr. Sie wissen nicht mehr, wie sie das Besteck gebrauchen können. Und im fortgeschrittenen Alter treten oft Schluckbeschwerden auf. Damit eine Person, die an Demenz erkrankt ist, sich ausreichend und ausgewogen ernährt, habe ich ein Formular (siehe Anhang) erstellt, das es der Betreuung ermöglicht, das Essverhalten der erkrankten Person zu erfassen und bei Bedarf anzupassen. 6.4. Bewegung und Aktivität im Alter Die Muskelmasse baut sich vom 20. bis 80. Lebensjahr um bis zu 50 % ab. Werden im Alter mit Krafttraining die richtigen Muskelgruppen trainiert, bleibt die Muskelmasse bis ins hohe Alter erhalten und man kann sie auch wieder aufbauen. Es ist sehr wichtig, dass Menschen im hohen Alter so lang wie möglich ganz normale Alltagsverrichtungen (pflegen, kleiden, kochen, essen, putzen usw.) alleine oder mit Unterstützung erledigen können. Dazu gehört auch das tägliche Spazierengehen von mindestens einer halben Stunde. Weitere sportliche Aktivitäten können je nach Interesse z. B. Schwimmen, Gymnastik, Krafttranig, Skilaufen, Velofahren, Walken, Wandern oder Tanzen sein. Dadurch schützt sich der Senior vor Stürzen, weil er eine gute Gangsicherheit und ein besseres Gleichgewicht erwirbt als Menschen, die sich wenig bis gar nicht bewegen. Es verlangsamt den altersbedingten Abbau von Konchen‐ und Muskelmasse. Durch den Erhalt der Muskelmasse kann der ältere Mensch sein Gewicht halten oder, wenn nötig, abnehmen. Weiter sollte mit persönlichen Vorlieben die geistige Aktivität und die soziale Teilhabe unter oder mit anderen erhalten werden. Denn die Muskelzellen kann man bei regelmässigem Training erhalten oder sogar verbessern, wenn keine Krankheit vorhanden ist. Bei alldem sollten die Freude, Geselligkeit, der soziale Austausch und der Spass nicht vergessen werden. Werden diese Schritte berücksichtigt, kann der ältere Mensch sicher davon ausgehen, dass er seine Lebensqualität steigert und dabei hilft Gesundheitskosten zu sparen. 30 6.5. Die zweite Person Wie bereits erwähnt erkrankte Dan an Demenz. Damit ich mir ein Bild seiner momentanen Situation machen kann, erstelle ich ein Erfassungsformular der Nahrungs‐ und Flüssigkeitsaufnahme sowie der gesundheitlichen Aspekte. Ich fülle dieses Formular mit den beteiligten Personen der Wohngruppe, dem Leiter des Kreativ‐Ateliers und dem Mittagsdienst aus. Mit dem Küchenchef besprach ich die Umsetzung für die Verpflegung und organisierte für Dan die Nahrungsergänzung, welche durch den Arzt verordnet wurde. Erfassung der Nahrungs‐, und Flüssigkeitsaufnahme sowie der gesundheitlichen Aspekte Vorname Dan Alter 53 Krankenkasse XXX Die Erhebung wurde am 10. Juli 2014 gemacht. Allgemeines Essverhalten  Dan isst sehr gerne, stellt sich aber im Moment beim Essen sehr hilflos an.  Oft sitzt er vor dem Teller und weiss nicht wie essen. Sobald die Betreuung ihm das Essen an die Gabel steckt und ihm die Gabel zum Mund führt oder die Lebensmittel in die Hände geben, fängt er an zu essen. Er vergisst zu trinken; wenn er aber aufgefordert wird, trinkt er.  Er isst langsam und bevorzugt kleine Mengen auf dem Teller (nicht überhäufen). Das Frühstück  ein 1/2 Stück Brot mit einer dicken Scheibe Weichkäse, 2 Rädli Lyoner und 1 Früchtezwerg  3 dl Ovomaltine und 3 dl Eistee Das Mittagessen  Gemäss Menüplan, das Essen muss kleingeschnitten sein. Der Mittagsdienst sollte Dan zum Essen motivieren, auch wenn es länger dauert. Das Abendessen Je nach Gericht isst er es. Ansonsten isst er ein Café complet vollständig.  Er isst kein Gemüse ausser Kartoffelstock, Geschwellte oder Salzkartoffeln ohne Schnittlauch.  Er liebt Fondue, mag Teigwaren und Fleisch; isst er wenn es kleingeschnitten ist.  Belegte Brötli mit Eiern und mit Schinken mag er, aber ohne Gemüsedekoration. Wie ist die Nahrungsaufnahme während der letzten drei Monate?  Er isst gut und gerne, wenn er dazu animiert wird.  Er hat mit den Zähnen Probleme. Für die Untersuchung beim Zahnarzt braucht er eine Narkose.  Er hat keine Schluckstörungen und Verdauungsprobleme. 31 Wie ist der Gewichtsverlust in den letzten drei Monaten?  Dan hat innerhalb eines Monats 2 kg abgenommen und ist jetzt 45 kg schwer. Das heisst, dass sein BMI jetzt bei 18.2 ist, also Untergewicht.  Er braucht Eins‐zu eins‐Betreuung. Den Weg ins Werkatelier kann er nicht mehr gut alleine gehen, er braucht eine Person die ihn begleitet. Er hat Mühe mit Wegübergängen wie Schwelle, Lift und Treppen. Weiter zittert er vermehrt und kann sich nicht mehr selber anziehen. Hatte der / die Bewohner eine akute Krankheit oder psychischen Stress?  Dan wird neurologisch abgeklärt. Sein allgemeiner Widerstand nimmt ab. Massnahmen  Dan zum Essen motivieren. Eine kleinere Portion auf das Teller geben und das Essen klein schneiden. Wenn möglich Nachservice geben. Ihm das geben was er mag.  Die Küche reichert sein Essen an.  Wichtig das er Znüni und Zvieri isst. Um 15.00 Uhr Nahrungsergänzung abgeben.  Um sein Essverhalten kontrollieren zu können, füllen die Mitarbeiter des Mittagsdienst, Kreativatelier, der Wohngruppe das Nahrungs‐ und Flüssigkeitsaufnahme‐Journal aus.  Die Wohngruppe wägt Dan wöchentlich und meldet sein Gewicht an mich.  Ich überprüfe wöchentlich das Journal und bespreche die Anpassungen mit den beteiligten Mitarbeiter 17. Juli 2014 / Dieses Formular geht an alle Beteiligten Weil er nicht an einem Ort sein Mittagessen einnimmt, erstelle ich ein Nahrungsübersichtsblatt. Mit diesem Formular können wir sein Trink‐ und Essverhalten überprüfen und laufend Anpassungen vornehmen. Der gesundheitliche Zustand von Dan verschlechtert sich innerhalb von sechs Monaten so stark, dass er nicht mehr alleine von seiner Wohngruppe zum Werkatelier laufen kann, und er benötigt vermehrte pflegerische Unterstützung. Dies kann die Betreuung nicht mehr abdecken und so wechselt er im Januar 2015 in das dorfeigene Pflegeheim. Wir alle konnten wertvolle Erfahrungen mit der gesundheitlichen Situation von Dan sammeln. Die gemachten Erfahrungen werden intern festgehalten und können in einer anderen Situation einfacher verwendet werden. Bei Dan handelt es sich um einen Mann, der durch seine Erkrankung stark auf die Hilfe von anderen angewiesen ist. Für die Mitarbeiter ist es nicht einfach, ihn immer wieder zum Essen zu motivieren. Oft weint er beim Essen. Wenn er aber seine Lieblingsspeisen und Getränke bekommt und zweimal täglich den Nahrungsergänzungsdrink einnehmen kann, gibt es keine Schwierigkeiten. Ich stellte mir die Frage, was ich in Zukunft anders machen würde? Am Anfang habe ich alle Beteiligten zu einer Sitzung eingeladen und machte mir ein gesundheitliches Bild von Dan. Ich gab die 32 Ernährungsanweisungen aus und überprüfte das Essverhalten von Dan. Was mir aber fehlte, war die professionelle Zusammenarbeit mit der Wohngruppe. Ich musste oft bei den Verantwortlichen nachfragen, sei dies, um in Erfahrung zu bringen, was der Arzt diagnostiziert hatte oder ergänzende Informationen zu den ungenügend ausgefüllten Nahrungs‐ und Flüssigkeitsjournals zu erhalten. Die Begründung der Wohngruppe war, dass sie noch andere Bewohner zu betreuen habe. Das Werkatelier und der Mittagsdienst füllten dieses Formular ihrerseits sehr gewissenhaft aus. Diese Wohngruppen‐
Problematik wurde in der Geschäftsleitung zur Kenntnis genommen und neue Arbeitsformen werden erarbeitet. 6.6. Die dritte Person Frau Annette ist achtzig Jahre alt und ist 62 kg schwer und 1.70 m gross. Berechnet man ihren Energiebedarf nach Harris‐Benedict‐Gleichung sieht dies wie folgt aus: 655+9,6 kg *62 kg +1,9 * 170 cm – 4,7 * 80 Jahre = 1197.2 kcal Grundumsatz 1197.2 kcal * 1,2 PAL = 1436.64 kcal täglicher Energieumsatz Das heisst, damit sie nicht weiter abnimmt und noch mehr Muskelmasse verliert, muss sie täglich mindestens die berechneten Kalorien von 1436.64 kcal zu sich nehmen. Ihre Körperhaltung ist stark gebeugt, was zur Folge hat, dass sie einen Rollator oder eine Person zum Laufen benötigt. Sie ist oft schlecht gelaunt, isst schlecht am Tisch und ihre verbalen Äusserungen waren alles andere als konstruktiv. In einem längeren Beratungsgespräch mit der Betreuung fand man heraus, dass sie sehr schlechte Zähne hat. Weiter fand man heraus, dass sie am Morgen starke Schwindelsymptome hat und es ihr in der Dusche schlecht wurde. Man beschloss, ihr vor dem Duschen im Bett ein Joghurt zu geben. Das Frühstück nimmt sie anschliessend im Gruppenessraum ein. Sie geniesst ihren Milchkaffee mit eingeweichten Brotstücken oder Brot ohne Kruste mit Streichkäse darauf. Da sie sehr gerne Suppe isst, wurde mit ihr abgemacht, dass sie das vollständige Mittagsgericht angereichert in Form einer Suppe erhält. Zur Zwischenverpflegung am Morgen oder am Nachmittag erhält sie wie unter dem Thema „Vorschläge für Eiweiss‐Zwischenmahlzeiten“ aufgeführt, angepasste Speisen. Und am Abend kann sie zwischen Gerichtsalternativen, welche am Abend angeboten werden, wählen, wie:  Griessbrei oder Haferbrei oder Milchreis mit Zimt und Zucker und Kompott  Teigwaren oder Kartoffelstock mit Bratkügeli an einer Rahmsauce oder Gehacktem oder Reibkäse und weichem Gemüse Diese Massnahmen führen dazu, dass es ihr psychisch und körperlich besser geht und sie zufriedener wird. Sie nimmt auch zu und hat jetzt ein Gewicht von 64 kg. Die Betreuung führt weiter das Nahrungs‐ und Flüssigkeitsjournal aus und kann somit das Essverhalten von Frau Annette verfolgen. Ich überprüfe monatlich die Gewichtsübersichtliste der Wohngruppe, insbesondere von Frau Annette und bin mit der Gruppenleiterin in Kontakt. 33 7. Durchführung von Ernährungsvorträgen und ‐schulungen Mit diesem letzten Punkt beginne ich, die Betreuung an den jährlichen Ernährungsberatungen über gewisse Themen zu informieren oder zu spezifischen Themen wie Ernährung im Alter zu schulen. Weiter werde ich mit der Jugend‐Wohngruppe eine Schulung über das Essverhalten in der Steinzeit und wie wir heute essen durchführen. Das Ziel an diesem Abend wird sein, die Bewohner für ihr Essverhalten zu sensibilisieren. Quelle: welt.de Wir essen ständig, Essen ist jederzeit abrufbar, wir essen zu viel, zu fettig, zu salzig, zu süss, zu energiereich. Dadurch werden viele Menschen krank und müssen Medikamente nehmen und demzufolge hohe Arztrechnungen bezahlen. Ich erzähle ihnen, wie diese Menschen leben, was für ein Aufwand die Nahrungsbeschaffung für sie ist und was sie essen. Wir essen zusammen das Abendessen. Dieses Essen essen wir mit den Händen. Die Speisen können die Bewohner aus einem Wirzblatt essen. Sie bekommen grobgeschnittenes Gemüse, Kartoffeln und Pouletschenkel. Nach dem Essen vergleichen wir zusammen das Essverhalten der Steinzeitmenschen und unserer heutigen Lebensmittelpyramide. Ich weise sie auch darauf hin, dass unser Körper nicht gemacht ist, dass wir uns zu wenig bewegen, denn wir riskieren, dass wir krank werden. Wir besprechen danach das Entstehen von Zivilisationskrankheiten. Am Schluss verteile ich Karten mit einem Steinzeitmotiv und jeder kann einen Punkt aufschreiben, den er bei sich ändern will. Auch bei dieser Schulung merke ich, dass es wichtig ist, dass alle Sinne angesprochen sind, damit auch die schwächeren Bewohner etwas mitnehmen können. Zum Auswerten des Kurses verteile ich verschiedene Smileys mit unterschiedlichsten Ausdrücken. Jeder darf ein solches Bild nehmen und mir in kurzen Worten mitteilen, wie er den Abend empfunden hat. Es ist schön zu hören, dass es ihnen Spass gemacht hat und was ihnen wichtig wurde. Damit eine Langzeitwirkung stattfinden kann, sollte verschiedene Ernährungsthemen mit regelmässigen Schulungen, Informationen und Wettbewerben durchgeführt werden. Ein Ziel wäre, die Mitarbeiter mit und ohne IV‐Rente so zu sensibilisieren, dass sie Lust und Freude bekommen, etwas für ihre Gesundheit zu tun und die Themen Ernährung, Bewegung und Entspannung für sie keinen Stress bedeuten, sondern sie für den Alltag gut ausgerüstet sind, um den täglichen Anforderungen gerecht zu werden. 8. Persönliche Stellungnahme Dieser Aufbau einer internen Ernährungsberatung aufzubauen war für mich eine grosse Bereicherung, denn ich konnte die erarbeiteten Dokumente in die Praxis integrieren und dort anwenden und enorm profitieren. Ich lernte die Bewohnerinnen wieder von einer anderen Seite kennen und fand es spannend, wie sie mit den Informationen umgegangen sind und nach wie vor umgehen. Weiterhin 34 schätzte ich die Zusammenarbeit mit den Betreuern, die bei den Beratungsgesprächen anwesend waren und mit den Bewohnern zusammen das Gehörte im Alltag trainierten, sehr. 35 9. Quellenverzeichnis Literaturhinweise: Carl R. Rogers (1985): Die nicht‐direktive Beratung. Geist und Psyche. Fischer Verlag. Claudia Menebröcker& Christine Smoliner (2013): Ernährung in der Altenpflege. Urban und Fischer Verlag. Erica Jecklin (2012): Arbeitsbuch Anatomie und Physiologie. Urban und Fischer Verlag. Hotel und Gastro formation (2011): Die Ernährungslehre. Denken beim Essen. SGE Schweizerische Gesellschaft für Ernährung. Lisa Hark &Darwin Deen(2008): Gesunde Ernährung. Empfohlen vom Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner e.V. Dorling Kindersley. Swiss Prävensana Akademie (2013‐2014): Unterlagen 10. Anhang 36 Sommerzeit, warme Zeit, Trink‐Zeit Mach doch beim Sommerrätsel mit und gewinne einen tollen fruchtigen Znüni‐Drink. Füll den Rätselbogen aus, wirf ihn in die Kiste und mit etwas Glück gehörst du vielleicht zu den zwanzig Gewinnern. Die Auslosung der richtig ausgefüllten Rätselbogen findet am Mittwoch 1. Juli 2015 um 9.45 Uhr, in der Halle statt. Also, los geht’s…… Was meinst du…..? Wie viel sollte ein gesunder Mensch pro Tag trinken?  3 ‐ 4 Liter  2 ‐ 3 Liter  1 – 2 Liter Welches Welche Getränke sind für meinen Körper und für meine Zähne gut?  Coca Cola  Wasser  Eistee  ungezuckerter Tee  Orangensaft  Red Bull Warum ist zu viel Haushaltszucker für meinen Körper und meine Zähne nicht gut?  es gibt Durchfall  zu viel Zucker im Körper wird in Fett umgewandelt; es entsteht Übergewicht  man ist vermehrt müde  schwaches Immunsystem  es entsteht Karies  man hat dauernd Hunger Was meinst du, wieviel Zucker hat es in 2 dl des jeweiligen Getränkes? Coca Cola Coca Cola Zero Zero Sinalco  22 g  10 g  15 g  10 g  0 g  1 g Eistee  11 g  20 g Orangensaft Rivella rot  5 g  8 g  18 g  18 g Wasser Flauder Rivella blau  O g  4 g  10 g  2 g  8 g  3 g Name:............................................................ Vorname:................................................... 37 Mach mit – bleib fit Mach beim Gesundheitsrätsel mit und gewinne ein feines Znüni. Füll den Rätselbogen aus, wirf ihn in die Kiste und mit etwas Glück gehörst du vielleicht zu den zwanzig GewinnerInnen. Die Auslosung der richtig ausgefüllten Rätselbögen findet am Mittwoch, 11. November 2015 um 9.45 Uhr, in der Halle statt. Also, los geht’s…… Was meinst du…..? Welches Wie viele Stufen hat die Treppe vor dem Hallenbad zur grossen Halle?  26 Stufen  25 Stufen  24 Stufen Wie viele Minuten sollte sich der Mensch täglich mindestens bewegen?  5 Minuten  30 Minuten  90 Minuten Warum sollte sich der Mensch regelmässig entspannen und genügend schlafen?  Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens  Förderung der Konzentration  man hat dauernd Hunger  Erschöpfungssyndrome vorbeugen
 besseres Immunsystem  Stressabbau Welche Nährstoffe braucht der Mensch damit sein Stoffwechsel richtig arbeiten kann?  Alkohol  Wasser  Koffein  Fette  Vitamine  Nahrungsfasern  Proteine  Backwaren  sekundäre Pflanzenstoffe  Mineralstoffe  Kohlenhydrate  Gummibärli Was für Zivilisationskrankheiten gibt es, wenn wir nicht ausgewogen essen, uns nicht genügend entspannen und zu wenig bewegen?  Bluthochdruck  Arthrose  krumme Zehen  Müdigkeit  Krebs  Depressionen  Alzheimer  Herzinfarkt Name ................................................. WG ................................................. Vorname ................................................... WS ................................................... 38  Kopf‐, Gelenke‐, Rückenschmerzen
 glänzende Haare  gesunde Augen  Diabetes mellitus Typ 2 Bauch‐ und Rückenübungen für Jede Übung 3‐mal mit 8 ‐12 Bewegungen machen. Zwischen den Übungen eine kurze Pause machen. Datum
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39 nestle.ch Quelle: n
40 Ernährungskonzept
Stiftung Bernaville
Dieses Ernährungskonzept dient als Grundlage, soll zur Diskussion anregen und laufend
durch neue Erkenntnisse bzw. Ergänzungen aktualisiert werden.
Schwarzenburg
29. August 2013
Verfasserin
Überprüft durch
Beatrice Sterren, Leiterin Hauswirtschaft Stiftung Bernaville
Rita Fricker, Dipl. Ernährungsberaterin FH
Die Grundlagen beruhen auf den Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für
Ernährung und des Inselspitals. Die verwendete weibliche oder männliche Form gilt jeweils
analog auch für das andere Geschlecht.
Inhaltsverzeichnis
1.
2.
3.
Einleitung .......................................................................................................................... 4
Zielsetzung ........................................................................................................................ 4
Angebot der Bernaville-Küche .......................................................................................... 5
3.1. Frühstück ...................................................................................................................... 5
3.2. Mittagessen.................................................................................................................. 5
3.3. Zwischenmahlzeiten..................................................................................................... 5
3.4. Abendessen .................................................................................................................. 6
3.5. Lebensmittelbestellungen............................................................................................ 6
3.6. Wochenende und reduzierter Betrieb ......................................................................... 6
3.7. Anlässe, Bankette und Catering ................................................................................... 6
3.8. Eigenprodukte .............................................................................................................. 6
4.
Qualität ............................................................................................................................. 7
5.
Dienstleistungen ............................................................................................................... 7
5.1. Kostformen................................................................................................................... 7
5.2. Menüplan ..................................................................................................................... 7
6.
Der Energiebedarf ............................................................................................................. 8
6.1. Energiebilanz ................................................................................................................ 9
6.2. Gesamtenergiebedarf .................................................................................................. 9
7.
Body-Mass-Index (BMI) .................................................................................................... 9
8.
Lebensmittelpyramide .................................................................................................... 10
9.
Ausgewogener Teller ...................................................................................................... 10
10. Basisernährung nach der Schweizer Lebensmittelpyramide ......................................... 10
10.1. Getränke..................................................................................................................... 10
10.2. Gemüse und Früchte .................................................................................................. 11
10.3. Getreideprodukte, Kartoffeln und Hülsenfrüchte ..................................................... 11
10.4. Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Eier und Tofu ............................................................. 11
10.5. Öle, Fette und Nüsse .................................................................................................. 11
10.6. Süsses, Salziges und Alkoholisches ............................................................................ 11
11. Verschiedene Kostformen .............................................................................................. 12
11.1. Leichte Vollkost .......................................................................................................... 12
11.2. Ernährung im Alter ..................................................................................................... 12
11.3. Fein geschnittene Ernährung ..................................................................................... 13
11.4. Gemixte Ernährung .................................................................................................... 13
11.5. Mangel-Ernährung ..................................................................................................... 14
11.6. Glutenfreie Ernährung ............................................................................................... 14
11.7. Lactosearme Ernährung ............................................................................................. 15
11.8. Energiereduzierte Ernährung ..................................................................................... 15
11.9. Herzfreundliche Ernährung. ....................................................................................... 16
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11.10. Ernährung bei Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 .................................................... 16
12. Ernährungssitzungen ...................................................................................................... 17
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1.
Einleitung
Die Stiftung Bernaville in Schwarzenburg betreut und begleitet seit mehr als 30 Jahren
jugendliche und erwachsene Menschen mit einer geistigen Behinderung und fördert deren
berufliche, gesellschaftliche und kulturelle Integration. Bernaville geht mit zeitgemässen und
sorgfältig geplanten Angeboten auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen mit einer
geistigen Behinderung, deren Umfeld und die Gesellschaft ein.
Die Angebote sind auf die Phasen berufliche Ausbildung, Berufsleben und Lebensabend bis
zum Lebensende fokussiert und sind untereinander durchlässig. Die Stiftung Bernaville ist
bestrebt, ihre Angebote so flexibel anzupassen, dass bei einer Veränderung des individuellen
Bedarfs kein Institutionswechsel nötig wird. Die Stiftung Bernaville bietet für Menschen mit
einer geistigen Behinderung ein Lebensumfeld mit einem Optimum an Lebensqualität.
Das Wohnheim der Stiftung Bernaville wird ganzjährig betrieben. Es bietet 90 BewohnerInnen ein Zuhause. Für 30 von ihnen besteht ein Angebot von Wohnen mit Beschäftigung.
Die Werkstätten, die Hauswirtschaft, die Betriebe sowie die Administration bieten 95
geschützte Arbeitsplätze für Interne und ca. 30 Externe. Bei Bedarf durchlaufen die
Abgängerinnen von Sonderschulen in Bernaville eine IV-Anlehre oder eine zweijährige
praktische Ausbildung.
2.
Zielsetzung
Dieses Ernährungskonzept gilt für alle MitarbeiterInnen mit und ohne IV-Rente der Stiftung
Bernaville als verbindliche Richtlinie für jegliche ernährungsrelevante Themen.
Unsere Ernährungsgrundsätze basieren auf der Schweizer Lebensmittelpyramide, nötige
Einschränkungen werden davon weitgehend abgeleitet. Ein institutionsspezifisches
Umsetzungsverfahren kann laufend angepasst werden.
Es ist wichtig, dass unsere BewohnerInnen, MitarbeiterInnen mit IV Rente, MitarbeiterInnen
und Kunden eine ausgewogene, genussvolle und saisongerechte Ernährung erhalten, welche
eine ausreichende Zufuhr von Energie-, Nähr- und Schutzstoffen gewährleistet.
Die ausgewogene Ernährung richtet sich nach folgenden Grundprinzipien:
-
-
Es soll so weit als möglich die persönlichen Vorlieben, Gewohnheiten und Abneigungen
berücksichtigt werden und nur so weit als notwendig eine „restriktive“ Anpassung der
Ernährung stattfinden.
Die Auswahl der Lebensmittel bzw. der Ernährung erfolgt aufgrund des persönlichen
Energiebedarfs abhängig von Alter, Geschlecht, Grösse, körperlicher Aktivität etc.
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-
-
3.
Es soll ein geregelter Mahlzeitenablauf stattfinden unter Berücksichtigung von
ausgewogenen Mahlzeiten.
Ein weiterer Bestandteil der Gesundheitsförderung und Prävention ist die
Sensibilisierung für einen gesunden Lebensstil mit ausreichender Bewegung und
Ruhephasen.
Die MitarbeiterInnen mit und ohne IV-Rente verstehen das Funktionieren des
Organismus und den Zusammenhang zwischen der ausgewogenen Ernährung und des
nachhaltigen körperlichen Wohlbefindens. Es werden jährliche Informationsplattformen
organisiert, welche in Form von Checklisten festgehalten werden.
Angebot der Bernaville-Küche
3.1. Frühstück
Anhand der täglichen Bestellliste haben die Wohngruppen am Vortag die Möglichkeit, in der
Küche die Lebensmittel für das Frühstück zu bestellen.
Täglich erhalten sie eine andere Brotsorte (zweimal wöchentlich Vollkornbrot) sowie Butter,
Margarine, Konfitüre, Natur- oder Früchtejoghurt, Joghurt light, Hartkäse, Hütten- und
Streichkäse.
3.2. Mittagessen
Die Küche verpflegt am Mittag von Montag bis Freitag ca. 160 Erwachsene im Alter von
16 bis ca. 90 Jahren.
Dazu gehören 90 BewohnerInnen, die im Bernaville auf 9 Wohngruppen verteilt leben,
30 MitarbeiterInnen mit IV-Rente und 15-25 MitarbeiterInnen, die das Mittagessen im
Bernaville einnehmen. Die interne Mittagsverpflegung umfasst ein Tagesgericht mit Salat
und an vier Tagen während der Wochen zusätzlich einem Dessert. Unter Berücksichtigung
des Gesamtenergiebedarfs können die MitarbeiterInnen mit IV Rente auch verschiedene
Portionengrössen wählen wie ½, 1, 1 ½ Portionen.
Täglich werden zwischen 20 und 25 Seniorinnen und Senioren durch den Mahlzeitendienst
beliefert und verpflegt. Die Qualität und Quantität der gelieferten Mahlzeiten orientiert sich
an den „Kostformen“, welche in Kapitel 11 aufgeführt sind und berücksichtigt soweit als
möglich die individuellen Bedürfnisse der Senioren. Von Montag bis Freitag erhalten die
Senioren jeweils eine Suppe, einen Salat und ein Tagesgericht.
3.3. Zwischenmahlzeiten
Für MitarbeiterInnen mit und ohne IV-Rente besteht die Möglichkeit, täglich zum Znüni und
zum Zvieri eine Frucht als Zwischenmahlzeit zu nehmen.
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Für MitarbeiterInnen mit IV-Rente deren BMI unter 18.5 ist werden die Zwischenmahlzeiten
angereichert (siehe Kapitel 11).
3.4. Abendessen
Um das Abendessen bestellen zu können, füllen die Verantwortlichen der Wohngruppen die
tägliche Bestellliste am Morgen aus und geben diese in der Küche ab. Das bestellte Abendessen ist ab 17.20 Uhr in der Küche abholbereit.
Die Wohngruppe kann zusätzlich zu den verschiedenen Kostformen auf Wunsch ein Café
complét und zusätzlich grünen Salat bestellen.
Am Mittwochabend wird auf der Wohngruppe gekocht. Die Lebensmittel kauft die jeweilige
Wohngruppe mit den BewohnerInnen im Dorf ein.
3.5. Lebensmittelbestellungen
Die Wohngruppen können am Donnerstagmorgen Lebensmittel für das folgende
Wochenende oder für spezielle Anlässe mittels Lebensmittelbestelllisten bestellen. Die
Listen sind im Intranet aufgeschaltet.
3.6. Wochenende und reduzierter Betrieb
Am Wochenende werden die Wohngruppen von der Küche beliefert. Die Ausnahme bildet
ein Sonntag pro Monat weil die Küche dann geschlossen ist. Die Wohngruppen haben aber
auch die Möglichkeit an den anderen Wochenenden selber zu kochen.
Zweimal jährlich während dem reduzierten Betrieb werden die Menüpläne von der Küche
erstellt und mit der Lagerleitung besprochen.
3.7. Anlässe, Bankette und Catering
Dreimal jährlich werden interne Anlässe und einmal jährlich wird ein externer Anlass mit
verschiedenen Themen angeboten.
Interne und externe Kunden können in der Stiftung Bernaville Bankette durchführen oder
von der Cateringdienstleistung Ware beziehen.
3.8. Eigenprodukte
Ein weiteres Angebot sind Eigenprodukte wie Ostereier, Weihnachtsgüetzi und andere
Köstlichkeiten.
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4.
-
5.
Qualität
Wir achten auf eigene und frische Herstellung der Mahlzeiten; Convenience-Produkte
(ausser Saucen) werden nur in Einzelfällen verwendet.
Wir sind bestrebt, saisonale und regionale Produkte einzukaufen.
Wir tragen mit einer schonenden Zubereitung dazu bei, wertvolle Inhaltstoffe zu
erhalten.
Wir verwenden hochwertige Öle gemäss Empfehlung der Schweizererischen
Lebensmittelpyramide.
Wir berücksichtigen Lieferanten aus der Region.
Wir verwenden Fleisch aus artgerechter Tierhaltung und Fische mit dem MSC-Label.
Wir bieten eine hygienisch einwandfreie Verpflegung gemäss den HACCP-Gefahrenanalyse-Richtlinien (Hazard, Analysis, Critical, Control, Points).
Wir gewährleisten Qualität und Kundenzufriedenheit durch eine jährliche interne
Befragung und einer zweijährlichen Kundenbefragung bei den Mahlzeiten-Bezügern und
aus den täglich abgegebenen Feedbackbögen.
Dienstleistungen
5.1. Kostformen
Die Bernaville-Küche bietet verschiedene Kostformen an
-
Basisernährung nach Schweizer Lebensmittelpyramide für die verschiedenen
Altersgruppen
Energiereduzierte Ernährung (Diät)
Gemixte Ernährung
Fein geschnittene Ernährung
Mangelernährung (erhörter Energiebedarf)
Herzfreundliche Ernährung
Glutenfreie Ernährung
Laktosearme Ernährung
Ernährung bei Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2
Leichte Vollkost
5.2. Menüplan
Wöchentlich erstellt die Küche einen saisonalen und abwechslungsreichen Menüplan.
Jede Woche wird mindestens ein neues Gericht gekocht.
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Eine optimale Mengenberechnung (gemäss Schweizer Lebensmittelpyramide) und eine
schonende Zubereitung sind Voraussetzung.
Generell wird leicht und ausgewogen gekocht. Der Menüplan wird wöchentlich gemäss der
Checkliste „Wochennährwert“ qualitativ und quantitativ überprüft. Alle Kunden können ihre
Essenswünsche in Form eines Menüplans in der Küche abgeben. Dieser muss saisonal und
nach den Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung erstellt sein. Jede
dritte Woche im Monat werden diese verschiedenen Wunschmenüzettel berücksichtigt. Das
tägliche Menü besteht aus Suppe, Salat und Hauptgang und jeweils montags, mittwochs,
freitags und sonntags wird es mit einem Dessert ergänzt. Für Vegetarier gibt es zu jeder
Hauptmahlzeit einen Fleischersatz. Ein- bis zweimal wöchentlich wird am Mittag ein lactoovo-vegetarisches Gericht angeboten.
Der Mittagsdienst betreut während dem Mittagsessen die MitarbeiterInnen mit IV-Rente.
Das Mittagessen wird zusammen im Café Bernaville eingenommen. Beim Anrichten der
Tabletts in der Küche werden die individuellen Essenswünsche und/oder die ärztlichen
Verordnungen berücksichtigt. Die MitarbeiterInnen der Hauswirtschaft verteilen das
jeweilige Kunden-Tablett an den entsprechenden Platz.
Die MitarbeiterInnen und die Gäste essen auf der rechten Seite des Cafés und können sich
das Mittagessen mit Suppe, Salat, Hauptgang und Dessert selber schöpfen.
Die externen MahlzeitenbezügerInnen bestellen das Essen telefonisch in der Küche. Dieses
wird pro Kunde in Dinerboxen angerichtet und von Montag bis Freitag ausgeliefert. Während
dem reduzierten Betrieb werden keine Mahlzeiten geliefert.
6.
Der Energiebedarf
Der Energiebedarf eines Menschen setzt sich aus dem Grundumsatz (Basis-Energieverbrauch), abhängig von Alter, Geschlecht, Gewicht, Grösse, Klima, Stress, Krankheiten
sowie der körperlichen Aktivität zusammen.
Faustregel für die Berechnung des Grundumsatzes in 24 Stunden in Kilojoule:
Körpergewicht x 100 => z.B. bei einem Körpergewicht von 60 kg x 100 = 6000 kJ
In Kilokalorien wird 1 kcal pro kg Körpergewicht und Stunde gerechnet
z.B. bei einem Körpergewicht von 60 kg x 24 Std. = 1440 kcal
Bei übergewichtigen und adipösen Personen muss die Formel leicht angepasst werden, da
sonst der Grundumsatz zu hoch angesetzt wird.
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Leistungsumsatz
Mit zusätzlicher körperlicher Aktivität lässt sich der Leistungsumsatz in PAL- Werten (Physical
Activity Level = körperliches Aktivitätsniveau von 1,2-2,4 ermittelt) erheblich steigern. Dies
gehört zum Gesamtenergiebedarf
6.1. Energiebilanz
Die Energiezufuhr und der Energieverbrauch müssen bei einer sinnvollen Ernährung
ausgeglichen sein.
- Die überschüssige Energie wird als Fett gespeichert
Folge: Gewichtszunahme
- Im umgekehrten Fall wird das gespeicherte Fett abgebaut
Folge: Gewichtsabnahme
- Ursache für Übergewicht ist also in erster Linie ein im Verhältnis zur körperlichen
Leistung zu hoher bzw. ein zu geringer Energieverbrauch
6.2. Gesamtenergiebedarf
Der Gesamtenergiebedarf ergibt sich aus dem Grundumsatz und Leistungsumsatz. Man
berechnet ihn, indem man den Grundumsatz mit den PAL-Werten multipliziert.
7.
Body-Mass-Index (BMI)
Körpergewicht in Kilogramm zur Körpergrösse in Meter im Quadrat
Untergewichtig
BMI 18.5
Normalgewichtig
BMI 18.5-24.9
Übergewichtig
BMI 25-30
Fettleibig (adipös)
BMI über 30
64 kg (Körpergewicht in kg)
1,70m x 1,70m (Körpergrösse in m x Körpergrösse in m)
= 22,1 kg /m2
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8.
Lebensmittelpyramide
9.
Ausgewogener Teller
Beim Anrichten der Basisernährung wird der Teller gemäss
dem Modell des ausgewogenen Tellers gefüllt.
10.
Basisernährung nach der Schweizer Lebensmittelpyramide
Die Mengenempfehlungen der Schweizer Lebensmittel basieren auf 1800 – 2500 kcal.
10.1. Getränke
Täglich 1-2 Liter, bevorzugt in Form von ungesüssten Getränken, z.B. Trink-/Mineralwasser
oder Früchte-/Kräutertee. Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, schwarzer und grüner Tee
können zur Flüssigkeitszufuhr mitgezählt werden.
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10.2. Gemüse und Früchte
Täglich 5 Portionen in verschiedenen Farben, davon 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen
Früchte. 1 Portion entspricht 120 g oder eine Handvoll pro Tag. Bei Bedarf kann eine Portion
durch 2 dl ungezuckerten Frucht-/Gemüsesaft ersetzt werden.
10.3. Getreideprodukte, Kartoffeln und Hülsenfrüchte
Eine Portion richtet sich nach dem Gesamtenergiebedarf (siehe Kapitel 6.2).
Täglich 3 Portionen. Bei Getreideprodukten Vollkorn bevorzugen. 1 Portion entspricht:
75-125 g Brot/Teig oder 60-100 g Hülsenfrüchte (Trockengewicht) oder 180-300 g Kartoffeln
oder 45-75 g Knäckebrot/Vollkornbrot/Flocken/Mehl/Teigwaren/Reis/Mais/andere Getreidekörner (Trockengewicht).
10.4. Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Eier und Tofu
Täglich drei Portionen Milch/Milchprodukte. 1 Portion entspricht: 2 dl Milch oder 150-200 g
Joghurt/Quark/Hüttenkäse/andere Milchprodukte oder 30 g Halbhart-/Hartkäse oder 60 g
Weichkäse.
Täglich zusätzlich 1 Portion Fleisch/Geflügel/Fisch/Eier/Quorn/Seitan/Käse/Quark.
Zwischen diesen Eiweisslieferanten abwechseln.
1 Portion entspricht: 100-120 g Fleisch/Geflügel/Fisch/Tofu/Seitan/Quorn (Frischgewicht)
oder 2-3 Eier oder30 g Hart-/Halbhartkäse oder 60 g Weichkäse oder 150-200 g Quark/
Hüttenkäse.
10.5. Öle, Fette und Nüsse
Täglich 2- 3 Esslöffel (20-30 g) Pflanzenöl, davon mindesten die Hälfte in Form von Rapsöl.
Täglich 1 Portion (20-30 g) ungesalzene Nüsse, Samen oder Kernen. Zusätzlich können
sparsam Butter, Margarine, Rahm, etc. verwendet werden (ca. 1 EL= 10 g pro Tag).
10.6. Süsses, Salziges und Alkoholisches
Süssigkeiten, gesüsste Getränke, salzige Knabbereien und alkoholhaltige Getränke mit Mass
geniessen. Es sollte nur eine Portion sein. Diese entspricht einer Reihe Schokolade oder 20 g
Schokoladenaufstrich oder 3 Stück „Petit beurre“ oder einer Glacekugel oder 20-30 g salzige
Knabbereien oder ein Glas 2-3 dl Süssgetränk.
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11.
Verschiedene Kostformen
Die Schweizer Lebensmittelpyramide ist die Basis zur Ableitung der verschiedenen
Kostformen. Die erforderlichen Anpassungen werden mit dem Kunden besprochen.
Sofern es die Gesundheit zulässt auf eine regelmässige körperliche Bewegung (mindestens
30 Minuten pro Tag) achten.
11.1. Leichte Vollkost
Anwendung
Bei Unverträglichkeiten von blähenden und fettgebackenen Speisen.
Bei chronischen gastroenterologischen Erkrankungen, bei welchen Verdauungsbeschwerden
wie beispielsweise Blähungen, Völlegefühl nach dem Essen auftreten. Es muss sichergestellt
sein, dass keine Erkrankung der Verdauungsorgane vorliegt, z.B. Lactoseunverträglichkeit
oder Zöliakie, welche eine gezielte Anpassung erfordern.
Was gilt es zusätzlich zur Basisernährung zu beachten?
- Es ist eine leichtverdauliche Ernährung
- Keine unnötigen Einschränkungen, alles was vertragen wird, ist erlaubt. Die
Unverträglichkeiten können von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein.
- Getränke: stark kohlensäurehaltige Getränke meiden
- Gemüse und Früchte: schwerverdauliche, blähende Sorten einschränken; reifes Obst
wählen
- Allgemein: fettreiche, fettgebackene, frittierte, stark gebratene und überbackene und
scharfe Speisen meiden
- Zur Entlastung des Verdauungstrakts kleinere Hauptmahlzeiten und dafür
Zwischenmahlzeiten einplanen.
11.2. Ernährung im Alter
Im Alter ist der Energiebedarf bei weitgehend gleichem Nährstoffbedarf geringer. Es muss
darauf geachtet werden, dass die Lebensmittel mit einer hohen Nährstoffdichte (Basis
Schweizer Lebensmittelpyramide) bevorzugt werden, da die gegessene Menge oft unter
dem Bedarf liegt. Es muss eine Mangelernährung vermieden werden.
Was gilt es zusätzlich zur Basisernährung zu beachten?
- Das Menü sollte altersgerecht (den Gewohnheiten entsprechend, weich, gut kaubar)
sein.
- Zum Erhalt der Muskel- und Knochenmasse sowie verschiedener Körperfunktionen (z.B.
Immunabwehr) ist vor allem auf eine ausreichende Zufuhr an Eiweiss zu achten. Am
einfachsten lässt sich der Bedarf durch den täglichen Verzehr von eiweissreichen
Lebensmitteln wie Milch, Milchprodukte, Fisch, Fleisch, Geflügel, Eier, Tofu, Quorn oder
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-
Seitan decken. Es ist allgemein sinnvoll, magere Produkte vorzuziehen und fettarme
Zubereitungsarten zu wählen.
Milch und Milchprodukte: 3-4 Milchportionen einplanen
Für eine ausreichende Nahrungsfaserzufuhr Gemüse, Früchte, Kartoffeln,
Vollkornprodukte einplanen.
Im Alter nimmt das Durstgefühl und die Fähigkeit der Nieren, den Urin zu konzentrieren,
ab. Das Trinken benötigt deshalb grosse Aufmerksamkeit.
Bei Untergewicht, Gewichtsverlust muss die Ernährung angepasst werden, um eine
Mangelernährung zu vermeiden.
Auf die individuellen Ernährungsbedürfnisse des Kunden Rücksicht nehmen.
Ein Vitamin-D-Supplementierung in Betracht ziehen, da über die Ernährung eine
bedarfsgerechte Zufuhr nicht möglich ist.
11.3. Fein geschnittene Ernährung
Anwendung
Bei reduzierter Kaufähigkeit oder bei leichten Verengungen der Speiseröhre.
Was gilt es zusätzlich zur Basisernährung zu beachten?
- Die Lebensmittel werden so zerkleinert (Würfelchen, Streifen etc.) und weich gekocht,
dass nur ein Minimum an Kaufähigkeit notwendig ist. Die Speisen sind mit der Zunge am
Gaumen leicht zerdrückbar und ermöglichen dadurch ein Schlucken ohne grosses Kauen.
- Genügend Sauce zu den Gerichten servieren, damit das Essen nicht zu trocken ist.
- Zur Deckung der lebensnotwendigen Fettsäuren darauf achtgeben, dass die 15 g Rapsöl
unter die Speisen gemischt werden.
- Bei ungenügender Energie- und Nährstoffzufuhr (z.B. ½ Portion) die Speisen anreichern
und täglich 2-3 Zwischenmahlzeiten servieren.
- Bei Verdauungsproblemen mit der leichten Vollkost kombinierbar.
Hinweis: Bei einer Mitarbeiterin mit IV-Rente, bei welcher die Speisen angereichert werden
müssen, wird die persönliche Berechnungstabelle genaue Auskunft geben.
11.4. Gemixte Ernährung
Anwendung
Bei Verlust der Kaufähigkeit oder bei Verengungen der Speiseröhre.
Was gilt es zusätzlich zur Basisernährung zu beachten?
- Die Speisen haben eine homogene-pürierte (fein gemixte) Konsistenz und sind deshalb
ohne Kauarbeit schluckbar. Zum Teil müssen die Speisen, z.B. Beeren passiert werden.
- Genügend Sauce zu den Gerichten servieren, damit das Essen nicht zu trocken ist.
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-
Zur Deckung der lebensnotwendigen Fettsäuren darauf achtgeben, dass 15 g Rapsöl
unter die Speisen gemischt werden.
Bei ungenügender Energie- und Nährstoffzufuhr (z.B. ½ Portion) die Speisen anreichern
und täglich 2-3 Zwischenmahlzeiten servieren.
Bei Verdauungsproblemen mit der leichten Vollkost kombinierbar.
Hinweis: Bei einer BewohnerInnen, bei welcher die Speisen angereichert werden müssen,
wird die persönliche Berechnungstabelle genaue Auskunft geben.
11.5. Mangel-Ernährung
Anwendung
Die angereicherte Ernährung ist für BewohnerInnen, welche wegen ihrer verminderten
Speiseaufnahme nicht mehr in der Lage sind, ihren Energie- und Nährstoffbedarf zu decken.
Was gilt es zusätzlich zur Basisernährung zu beachten?
- Die Speisen werden in Form von Fett, Zucker und Proteinen angereichert und es werden
energiereiche Zwischenmahlzeiten serviert
- Durch regelmässige Gewichtskontrolle und das Führen der individuellen Ernährungskarte
des Bewohners erhält er den nötigen täglichen Energie- und Nährstoffbedarf
11.6. Glutenfreie Ernährung
Anwendung
Bei Zöliakie und Dermatitis herpetiformis Duhring
Die Zöliakie ist eine Erkrankung des Dünndarmes und wird durch das Gluten (Klebereiweiss)
gewisser Getreidesorten verursacht. Detaillierte Informationen finden sich unter:
www.zoeliakie.ch
Was gilt es zusätzlich zur Basisernährung zu beachten?
- Die glutenfreie Nahrung schliesst alle Lebensmittel, Speisen und Getränke aus, welche
Gluten (Kleberweiss) enthalten.
- Ungeeignete Getreide sind Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Grünkern, Einkorn, Emmer,
Kamut, Triticale, Hafer (sofern nicht als glutenfrei deklariert) und daraus hergestellte
Produkte wie z.B. Couscous, Ebly, Bulgur
- Als Ersatz stehen Kartoffeln, Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Hülsenfrüchte, Quinoa,
Amarant, Teff, Süsskartoffeln, Maniok und glutenfreie Speziallebensmittel
(Gekennzeichnet mit durchgestrichener Ähre) zur Verfügung. Deren Eiweisse sind für
Zöliakie-Patienten unschädlich.
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11.7. Lactosearme Ernährung
Anwendung
Bei einer Milchzucker(Lactose)-Unverträglichkeit infolge eines Verminderten Aktivität des
Enzym „Laktase“.
Was gilt es zusätzlich zur Basisernährung zu beachten?
- Die Ernährung soll dem Ausmass der Milchzucker-Unverträglichkeit angepasst werden. In
der Regel benötigt es keine lactosefreie Ernährung.
- Milch und Milchprodukte: Extra-, Hart-, Halbhart- und Weichkäse, Butter sowie
lactosefreie Milch und –produkte sind erlaubt.
- In der Regel werden kleine Mengen bis max. 10 g Lactose (entspricht z.B. max. 2 dl Milch)
pro Tag gut vertragen, wenn die Lactose über den Tag verteilt wird. Dies muss individuell
ausgetestet werden. Die vertragene Menge ist sehr individuell.
- Fermentierte Milchprodukte, wie Jogurt werden oft gut vertragen.
11.8. Energiereduzierte Ernährung
Anwendung
Auf ärztliche Verordnung bei übergewichtigen und adipösen BewohnerInnen und Kunden.
Für einen langfristigen Gewichtserfolg sollte ein Basisprogramm berücksichtig werden, das
die Komponenten Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie umfasst.
Was gilt es zusätzlich zur Basisernährung zu beachten?
- Es wird ein tägliches Energiedefizit von bis zu ca. 500 Kilokalorien angestrebt. Der
Grundenergieumsatz sollte dabei nicht unterschritten werden.
- Getränke: ungesüsste Getränke
- Gemüse: Der Gemüseanteil wird beim Mittag- und Abendessen erhöht
- Kartoffel, Hülsenfrüchte Getreideprodukte: Vollkornprodukte bevorzugen und die Menge
der Kohlenhydrate zu reduzieren (abhängig vom Energiebedarf)
- Milch und Milchprodukte: fettreduzierte bevorzugen
- Fleisch: fettarmes Fleisch (max. 5 x pro Woche)
- Öl und Nüsse: Die untere Empfehlung beachten
- Genussmittel: max. täglich eine kleine Portion, Dessert mit Süssstoff süssen
- Die Einnahme von Zwischenmahlzeit wird individuell an die Bedürfnisse des Kunden
angepasst.
- Nach Beendigung erfolgter Gewichtsabnahme muss die Energiezufuhr neu überdacht
werden.
K:\5 Hauswirtschaft\5.9 Hauswirtschaft-Leitung\Konzepte\Ernährungskonzept\Ernährungskonzept 28-10-13.docx
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11.9. Herzfreundliche Ernährung
Anwendung
Eine herzfreundliche Ernährung erfolgt nur auf ärztliche Verordnung bei Kunden mit einer
koronaren Herzkrankheit, nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, bei erhöhten
Blutcholesterinwerten. Bei Übergewicht ist eine Gewichtsreduktion anzustreben.
Was gilt es zusätzlich zur Basisernährung zu beachten?
- Getränke: ungesüsste Getränke
- Gemüse und Früchte: wenn möglich ungeschält essen
- Getreideprodukte: Vollkornprodukte bevorzugen
- Milch und Milchprodukte: fettreduzierte bevorzugen Milch und Milchprodukte
- Fleisch: fettarmes Fleisch (max. 5 x pro Woche)
- Fisch: 1-2 x pro Woche
- Öl und Nüsse: Empfehlung beachten
11.10. Ernährung bei Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2
Anwendung
Der Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung mit gestörtem
Glukosegleichgewicht infolge eines Insulinmangels oder einer Insulinresistenz.
Was gilt es zusätzlich zur Basisernährung zu beachten?
- Bei der Menüplanung ist es wichtig, die individuellen Werte dem Energiebedarf
entsprechend zu berücksichtigen. Bei Übergewicht Gewichtsreduktion anstreben.
- Mahlzeitenzusammenstellung: Eiweisslieferant, Gemüse/Salat, Stärkelieferant (Menge
individuell je nach Energiebedarf und Blutzuckerverlauf), hochwertiges Öl
- Kohlenhydrathaltige Lebensmittel bevorzugen, welche viele Nahrungsfasern, z.B.
Vollkornbrot, enthalten.
- Das Essen auf drei Mahlzeiten verteilen und die Kohlenhydratmenge dem Bedarf und der
medikamentösen (orale Antidiabetika, Insulin) anpassen.
- Zwischenmahlzeiten einbauen, sofern dies der Diabetes-Therapie entspricht (muss
individuell angeschaut werden). Der Blutzucker muss im festgelegten Zielbereich liegen.
- Mit Süssstoff süssen oder max. 10 % der Energie in Form von Zucker hinzufügen und
gezuckerte Getränke sind zu vermeiden. Gezuckerte Süssigkeiten bevorzugt in eine
Hauptmahlzeit einbauen und in die Mahlzeit einrechnen, sofern die Insulindosis nicht die
zugeführte Kohlenhydratmenge angepasst werden kann.
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12.
Ernährungssitzungen
Mit den Mitarbeiterinnen der Wohngruppen wird 2 x jährlich eine Sitzung zur Besprechung
Ernährungssituation abgehalten, um eventuelle individuelle Ernährungsanpassungen
vornehmen und bei eventuell auftauchenden Problemen rechtzeitig gemeinsame
Lösungswege erarbeiten zu können.
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OK TOBER'15 / NR. 07
SCH WA R Z E BU RG E R
DA S M AG A Z I N
MIT DEM FAHRRAD NACH LOS ANGELES
ERFOLG AN DEN SPECIAL OLYMPICS WORLD GAMES
KAMPF GEGEN GOLDRUTE & CO.
NEOPHYTEN VERDRÄNGEN EINHEIMISCHE PFLANZEN
TRADITIONSHAUS IM NEUEN KLEID
DER «BÄREN» GLÄNZT NACH DEM UMBAU
1
E DI TOR I A L
I N H A LT
LIEBE LESERINNEN,
LIEBE LESER
4
Die Bilder berühren uns alle sehr. Die unendlichen Leiden, die Flüchtlinge aus
Syrien und anderen kriegsversehrten Ländern erdulden müssen, sind für uns nicht
vorstellbar. Familien, Kleinkinder, Alte und Junge – die Betroffenen brauchen
unsere Solidarität.
Der Kirchgemeinderat hat erfreulicherweise vor einigen Wochen die Initiative ergriffen und beschlossen, die Trägerschaft der Flüchtlingsarbeit in Schwarzenburg
zu übernehmen, unterstützt vom Gemeinderat. Im Fokus sind einerseits verfügbare Gemeindeliegenschaften, viel wichtiger aber sind private Unterkünfte, die für
Familien und Kleingruppen geeignet sind. Deshalb fordert der Kirchgemeinderat
die Bevölkerung auf, geeignete Liegenschaften für Menschen, die bereits seit einiger Zeit in der Schweiz leben und eine erste Integration genossen haben, zu
melden. Erfahrene Leute aus der Kirchgemeinde stellen die Betreuung sicher. Ich
hoffe, dass diese Initiative ein erster Beitrag an die Linderung der vielen Flüchtlingstragödien wird, ein Solidaritätszeichen mit Vorbildcharakter. Am 21. Oktober findet um 20 Uhr im Saal des Kirchgemeindehauses ein öffentlicher Orientierungsabend statt, zu dem alle herzlich eingeladen sind.
4 - 9
10 - 25 GEMEINDE
10 - 13 KAMPF GEGEN GOLDRUTE UND CO.
Naturpark und Gemeinden bekämpfen
Neophyten wie Goldrute oder Sommerflieder konsequent, dies mit Unterstützung von
Asylsuchenden.
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«Stefan Gutknecht, Philippe Urfer und Michael Bucher sind jetzt schon ein bisschen die Stars», sagte Bernaville-Direktor Vinzenz Miescher gegenüber «Der
Bund». Die drei jungen Männer haben vier Medaillen und vier Diplome von den
Special Olympics World Games, den olympischen Spielen für Menschen mit geistiger Behinderung, nach Hause gebracht. Sie wurden in den vergangenen Wochen
bereits gebührend gefeiert. Die drei jungen Sportler sind ein Beispiel dafür, was
sich aus der breiten Förderung der Bewegung im Bernaville ergeben kann. Aus den
Bildern sprechen Freude, Begeisterung, aber auch Ehrgeiz und Siegeswille.
19
Kurzmitteilungen aus dem Gemeinderat
23
Bibliothek
26 - 29KIRCHGEMEINDE
28
SELBSTBESTIMMTES STERBEN
Die Kirchgemeinde organisiert Film und Podium zu einem umstrittenen Thema.
29
Aus dem Kirchgemeinderat
30 - 37 BLICKPUNKTE
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30 - 31 TRADITION MIT STIL
Das Gasthaus «Bären» im Dorfkern gehört zur Geschichte Schwarzenburgs. Jetzt glänzt es im neuen Kleid.
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ERSTER PLATZ FÜR SCHWARZENBURGER WIESE
Markus Mischler überzeugt an der Wiesenmeister-
schaft Gantrisch.
Ruedi Flückiger
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AUSNAHMETALENTE
Zwei Kinder brillieren mit der Geige.
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TELEGRAMM
Vermischte Meldungen aus der Gemeinde
Schwarzenburg
Impressum
Herausgeber Gemeinde Schwarzenburg und Ev.-ref. Kirchgemeinde Schwarzenburg Redaktion Franziska
Ackermann Konzept und Layout Laufwerk Bern Korrektorat und Druck sohnverlag gmbh
Schwarzenburg Erscheinungsweise 6 Ausgaben pro Jahr ISSN 1663-7518 Auflage 3550.
Redaktion «Schwarzeburger» · Bernstrasse 1 · 3150 Schwarzenburg · Tel. 031 734 00 13 · redaktion@
schwarzenburg.ch Abonnemente Der «Schwarzeburger» wird in der Gemeinde Schwarzenburg allen
Haushaltungen zugestellt. Abonnemente Inland: CHF 40.- pro Jahr Abonnemente Ausland: CHF 50.pro Jahr (Preise für Abonnemente inkl. Versandkosten). www.schwarzenburg.ch/magazin
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BEWEGUNG VERBINDET
Die Stiftung Bernaville setzt auf Bewegung im Alltag der Menschen mit einer kognitiven
Behinderung. Dies mit Erfolg: drei Kollegen glänzten im Fahrrad-Zeitfahren an den Special Olympics World Games in Los Angeles.
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Veranstaltungen
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Portrait
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BE W EGU NG V E R BI N DE T
BE W EGU NG V E R BI N DE T
Text Franziska Ackermann, Fotos Stiftung Bernaville
MICHAEL BUCHER QUALIFIZIERTE SICH FÜR DIE
SPECIAL OLYMPICS IN LOS ANGELES UND
KEHRTE MIT DREI OLYMPISCHEN DIPLOMEN
ZURÜCK. EIN BESONDERES ERLEBNIS...
Impressionen von einer sportlichen Reise in die
USA: (v.l.n.r.) Michael Bucher, Stefan Gutknecht
und Philippe Urfer in Los Angeles.
Michael Bucher lebt und arbeitet in der Stiftung Bernaville.
Und er ist stolzer Gewinner dreier Olympischer Diplome, die
er an den Special Olympics World Games vom 25. Juli bis
am 2. August in Los Angeles erhielt. Wie die beiden Bernaville-Kollegen Philippe Urfer und Stefan Gutknecht mass er
sich in der Disziplin Zeitfahren mit dem Fahrrad. Michael
qualifizierte sich für eine stärkere Kategorie als seine Kollegen. Der Sprung aufs Podest gelang ihm nur knapp nicht
– in einem Rennen fehlten im nur sieben Zehntelsekunden
für Bronze.
Als Vorbereitung trainierten die drei einmal wöchentlich
zusammen mit anderen Bernaville-Bewohnern. Ihre Touren
führten sie in den Sommermonaten rund um Schwarzenburg. «Im Winter wird es dann ruhiger zu und her gehen»,
verrät uns Michael. Es ist kein Training auf einem Home-
4
5
S T I F T U NG BE R N AV I L L E
trainer oder ähnlichem vorgesehen. Michael ist zwar stolz
auf sein Stöckli-Fahrrad und seine Leistung, er kann sich
aber genauso gut vorstellen, einmal Fussball zu spielen.
men begrüsst. «Es ist eine Überraschung gewesen», verrät
uns Michael. Und die Gemeinde ehrte die Sieger mit einem
offiziellen Empfang im Dorf. Ein ganz besonderes Erlebnis,
wie Michael schildert: «Wir wurden mit einer Kutsche vom
Bernaville ins Dorf gefahren. Die Musikgesellschaft begleitete den Umzug. Und wir erhielten viele Geschenke.»
Neben den Wettkämpfen blieb nur
Für die Rückkehrer aus Los Angeles ist der Rummel um
ihre Person neu. Besonders beeindruckt war Michael vom
Empfang am Flughafen. Viele Leute waren anwesend,
schwenkten Kuhglocken und hoben Transparente hoch. Ein
würdiger Empfang, so wie siegreiche Sportler eben empfangen werden. Auch im Bernaville wurden die erfolgreichen
Sportler mit einem würdevollen Willkom-
S T I F T U NG BE R N AV I L L E
wenig Zeit, die Fremde zu erkunden. Das Programm war
gedrängt, Tagwacht meist bereits vor sechs Uhr. Und trotzdem, der Spass kam nicht zu kurz. Ob mit anderen Athleten
aus dem Schweizer Team oder bei einem Ausflug ans Meer.
Auf etwas kann Michael besonders stolz sein: Er erhielt eine
Einladung an die 1.-Augustfeier der Schweizer Botschaft in
Amerika. Auch die Begegnung mit Simon Ammann, der
das Schweizer Team an die
Special Olympics begleitete, beeindruckte
ihn. Bei so viel Erlebtem erstaunt es nicht,
dass ein BernavilleBewohner, als Michael
sein Stöckli-Bike für
das Fotoshooting hervor
holt, fragt: «Wosch ume
uf Amerika?».
ÜBER SPEC IAL OLYMPICS
Special Olympics ist die weltweit grösste Sportbewegung für Menschen mit einer geistigen oder mehrfachen Behinderung. Special Olympics wurde im Jahre
1968 gegründet und 1988 vom Internationalen Olympischen Komitee offiziell anerkannt. Ziel und Zweck
von Special Olympics sind Breitensport-Programme, die
eine allgemeine körperliche Fitness und Beweglichkeit
fördern; sie tragen dazu bei, das Selbstbewusstsein, die
Freude an der Bewegung und die sportliche Leistungsfähigkeit zu stärken. Die Stiftung verfolgt die folgenden
Kernziele: Sportliche Förderung für geistig und mehrfach behinderte Menschen; Vorbereitung, Organisation
und Durchführung von Special Olympics Anlässen;
finanzielle und ideelle Unterstützung von schweizerischen Veranstaltern von Special Olympics Programmen;
Teilnahme an lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Anlässen von Special Olympics; Wertschätzung, Akzeptanz und Integration geistig und
mehrfach behinderter Sportler und Sportlerinnen.
In der Schweiz ist Special Olympics Switzerland seit
1995 als Stiftung tätig.
Über 6500 Athleten aus 165 Ländern nahmen an
den diesjährigen Spielen teil. Die Schweiz war
vertreten mit 70 Athleten, die in 13 Sportarten starteten. Der Medaillenspiegel ist beeindruckend:
14-mal
Gold,
19-mal Silber
und
23-mal
Bronze.
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S T I F T U NG BE R N AV I L L E
S T I F T U NG BE R N AV I L L E
Das Angebot an Veranstaltungen für Menschen mit Behinderung in der Schweiz ist vielfältig und freut sich wachsender Beliebtheit. Die Sportler der Stiftung Bernaville nehmen
an Schwimmtagen, Unihockeyturnieren, Lauffesten und an
Sporttagen mit verschiedenen Disziplinen teil. An den Wettbewerben stehen die Freude an der Bewegung und das Dabeisein im Vordergrund. Doch auch die Leistung ist für die
Sportler wichtig. Thomas Himmelreich kommentierte seinen
Medaillengewinn am letztjährigen PluSporttag in Magglingen folgendermassen: «Medallie ufgänkt u im 2015 e nöii
gwinne!» Meistens sind die Teilnehmenden in Stärkeklassen unterteilt, um sich mit Athleten auf ähnlichem Niveau
messen zu können. Dadurch ist der Wettbewerb fair und die
Chancen auf eine gute Platzierung hoch, egal wie stark die
körperliche Beeinträchtigung eines Sportlers ausfällt.
Ob wandern, Fahrrad fahren, tanzen, schwimmen – in
der Stiftung Bernaville spielt Bewegung im Alltag der
Menschen mit einer kognitiven Behinderung eine wichtige Rolle. Spass und Freude an der Bewegung stehen im
Vordergrund, aber auch die Teilnahme an Wettkämpfen und Turnieren ist für die Motivation zentral. Nicht
zuletzt sind es die sportlichen Aktivitäten, die helfen,
Brücken zu schlagen zwischen Menschen mit und ohne
Behinderung.
Im Bernaville-Alltag hat Bewegung ebenfalls viel Platz. Die
Menschen im Arbeitsbereich nutzen während der Arbeitszeit einmal pro Woche das hauseigene Schwimmbad und
die Merzweckhalle, auch ein Spaziergang kann Teil des Arbeitsalltags sein. Seit 2012 bietet Schwarzenburger FitnessTrainerin Caroline Riteco wöchentlich einen Zumba-Kurs
für die Bewohner/innen im Haus an. So tanzen im Schnitt
zwanzig Personen zur Mischung aus lateinamerikanischer
und internationaler Musik mit treibendem Rhythmus, der
dynamische, schnelle und kräftige Bewegungen fordert.
Die Beweglichkeit der Teilnehmenden variiert stark, jede
und jeder nimmt nach seiner persönlichen Möglichkeit am
Programm teil. Dass es den Teilnehmern
gefällt, beweist die Aussage von Mischa
Ruppen: «Ds Zumba isch no lässig, wi
mir tüe tanze, mit de Arme und de Bei».
Das Motto der Stiftung «Bernaville bewegt» drückt das Engagement für Lebensfreude und Gesundheitsbewusstsein
aus. Und natürlich bewegen wir vieles, in erster Linie - aber
nicht nur - Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung.
Wir spielen Fussball, wandern, tanzen und noch vieles mehr.
Aus diesen Aktivitäten sind im Laufe der Zeit eingespielte
Teams entstanden, die sich leidenschaftlich an verschiedenen
Sportveranstaltungen messen. So spielten die Bernaville-Kickers, die Fussballmannschaft mit wechselnder Besetzung,
auch schon an den Sommerspielen von Special Olympics
Switzerland und anderen Fussballturnieren für Menschen
mit Behinderung. Vor zwei Jahren reisten die Kickers sogar
an einen internationalen Wettbewerb in Spanien. Das
Bernaville Bike Team erfüllte sich einen Traum und
schaffte es dieses Jahr bis an die Special Olympics
World Summer Games in Los Angeles.
Am alljährlichen Grümpelturnier spielen Mitarbeitende mit und ohne IV-
8
Rente zusammen um einen Pokal. Dabei ist der Strafraum
sowie das Tore schiessen den Mitarbeitern mit einer Beeinträchtigung vorbehalten. Nach dem gemeinsamen Nachtessen tritt eine Bernaville-Auswahl traditionsgemäss gegen
eine Mannschaft einer anderen Firma an. Diesen Sommer
wagte sich ein Team der Gilgen Logistics AG aus Oberwangen an die schwierige Aufgabe. Schlussendlich ging nach einem fairen und spannenden Spiel das Heimteam als Sieger
vom Platz.
treut die Stiftung auch Wohngruppen für selbstständigeres
Leben im Dorf und auf dem Bernaville-Gelände. Im Laufe
des nächsten Jahres eröffnet die Stiftung eine weitere Aussenwohngruppe im Dorf. Menschen mit geringem Begleitbedarf, die weitestgehend selbstständig leben und wohnen, nutzen das Angebot «begleitetes Wohnen» mit einer bis maximal
vier Stunden Betreuung pro Woche. Die Wohnangebote der
Stiftung Bernaville sind 365 Tage im Jahr geöffnet. Der Umsatz beträgt 11,5 Mio. Franken. Die Stiftung Bernaville finanziert sich über die Erträge aus der
Produktion der Arbeitsbereiche und
durch die öffentliche Hand. Die Kosten für therapeutische und schulische
Angebote sowie für Sport, Ferien und
Ausflüge werden nicht durch die öffentliche Hand abgegolten. Diese wichtigen
Angebote werden ausschliesslich über
Spenden finanziert – so auch die uns
entstehenden Auslagen für die Teilnahme an Sportanlässen. Wer die Stiftung
Bernaville bei ihrem Engagement und der Arbeit mit Menschen mit einer kognitiven Behinderung unterstützen will,
kann Spenden auf das Konto PC 30-34589-8 überweisen.
Der Sport schlägt
eine gesunde Brücke
zwischen Menschen
mit und ohne Behinderung. Der offizielle Empfang der
Gemeinde Schwarzenburg für die erfolgreichen Athleten
der World Summer
Games in Los Angeles hat diese Brückenfunktion einmal
mehr bestätigt. Begleitet von der Musikgesellschaft Harmonie wurden die drei Sportler Michael Bucher, Philippe Urfer
und Stefan Gutknecht durch die Gassen von Schwarzenburg
kutschiert und bei der Ehrung auf dem Dorfplatz mit Apéro
sorgte nicht nur das strahlende Wetter für zufriedene Gemüter. Solche wertvollen Momente sind ein wichtiger Schritt
auf dem Weg zur Inklusion, der Entwicklung in eine vielfältige Gesellschaft, in der alle «inklusive» sind.
GESAMTSANIERUNG DER STIFTUNG BERNAVILLE
Die Stiftung hat diesen Sommer von der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern die Genehmigung erhalten,
den nächsten Schritt im Sanierungsprojekt unternehmen zu
können. Es folgt nun das Ausarbeiten der Projektanforderungen und der Kriterien für den Architekturwettbewerb.
Das Siegerprojekt wird anschliessend in das definitive Instandsetzungs- und Erneuerungsprojekt gegossen, das, nach
Berechnung der tatsächlichen Baukosten, vom Regierungsrat
bewilligt werden muss. Die Stiftung rechnet damit, dass in
ca. drei Jahren die ersten Baumaschinen auffahren könnten.
STIF TUNG BERNAVILLE
In der Stiftung Bernaville wohnen 90 Personen, weitere 40
Personen leben selbständig oder bei Angehörigen, arbeiten
aber in den geschützten Arbeitsplätzen von Bernaville. Wer
im Bernaville wohnt, hat die Möglichkeit, bis ans Lebensende zu bleiben. Neben neun internen Wohngruppen be-
Text Benjamin Diggelmann, Fotos Karl Schönenberger
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