abkürzungen - Förderverein Chipunga

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ABKÜRZUNGEN
3TC
ABC
AIDS
ALAT
AMP / APV
ARV
ASAT
ATZ
AZT / ZDV
CD4+
Cmin
CPI
CYT
d4T
ddI
DAIDS
DNA
EFV
ELISA
ENF
FC
FDA
FPV
FTC
HAART
HIV
HRQOL
IC50
IC90
IDV / IND
IFA
ITT-LOCF
LPV
MOS-HIV
NFV
NNRTI
NRTI
NVP
OBR
OI
PI
PRAM
QALY
RESIST
RNA
RTV (r)
SL
SQV
STI
TDF / TFV
TDM
TPV
UNAIDS
VL
WB
WHO
Lamivudin
Abacavir
Acquired Immunodeficiency Syndrome
Alaninaminotransferase
Amprenavir
antiretroviral
Aspartataminotransferase
Atazanavir
Zidovudin
Cluster of Differentiation 4 positive Lymphozyten
minimale Konzentration
Comparator Protease Inhibitor (Vergleichs-Proteasehemmer)
Cytochrom
Stavudin
Didanosin
Division of AIDS
Desoxyribonukleinsäure
Efavirenz
Enzyme-linked-immunosorbant-Assay
Enfuvirtide
fold change
Food and Drug Administration
Fos-Amprenavir
Emtricitabin
hoch aktive antiretrovirale Therapie
Human Immunodeficiency Virus
Health-Related Quality of Life (gesundheitsbezogene Lebensqualität)
50%ige Hemmkonzentration
90%ige Hemmkonzentration
Indinavir
Immun-Fluoreszenz-Assay
Intention-to-treat - Last Observation Carried Forward
Lopinavir
Medical Outcomes Study HIV Health Survey
Nelfinavir
Nicht-nukleosidaler Reverse Transkriptase Inhibitor
Nukleosidaler Reverse Transkriptase Inhibitor
Nevirapin
optimierte Hintergrundtherapie
opportunistische Infektionen
Proteasehemmer
Protease Inhibitor Resistance Associated Mutations
Quality-Adjusted Life Year (Qualitätskorrigiertes Lebensjahr)
Randomized Evaluation of Strategic Intervention in multi-drug reSistant
patients with Tipranavir
Ribonukleinsäure
Ritonavir (Ritonavir-Boosterung)
Spezialitäten-Liste
Saquinavir
Structured Treatment Interruptions (strukturierte Therapiepausen)
Tenofovir
Therapeutic Drug Monitoring
Tipranavir
Joint United Nations Program on HIV/AIDS
Viruslast
Western Blot
Weltgesundheitsorganisation
Förderverein Chipunga – Hintergrundinformation zu HIV/AIDS
1
EINLEITUNG
Die chronische Infektion mit dem Human Immunodeficiency Virus (HIV)
und das Acquired Immunodeficiency Syndrome (AIDS) haben sich zu einem grossen Gesundheitsproblem der Weltbevölkerung entwickelt. Im
Jahr 2004 waren Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
und des Joint United Nations Program on HIV/AIDS (UNAIDS) zufolge 3,1
Millionen Todesfälle im Zusammenhang mit AIDS und 4,9 Millionen Neuinfektionen zu verzeichnen und 39,4 Millionen Menschen litten zu diesem
Zeitpunkt an HIV/AIDS.1 In den Industrienationen konnte der Einsatz der
hoch aktiven antiretroviralen Therapie (HAART) die Mortalität und Morbidität im Zusammenhang mit HIV/AIDS in den letzten zehn Jahren deutlich
verringern.2, 3
Trotz des Erfolgs der HAART kommt es bei den meisten Patienten zu einem Versagen des initialen Therapieschemas4, 5, 6 und immer mehr
Patienten weisen Infektionen mit resistenten HIV-Stämmen auf.7 Durch die
Resistenzentwicklung gegenüber antiretroviralen (ARV) Medikamenten
verlieren viele Medikamente ihre Wirksamkeit und sind nicht mehr in der
Lage, die Virusreplikation einzudämmen. Um Patienten mit resistenten Virusstämmen aussichtsreiche neue Behandlungsalternativen bieten zu
können, werden neue Substanzen mit einem gegenüber den verfügbaren
antiretroviralen Medikamenten verbesserten Resistenzprofil benötigt.
Insbesondere bei mehrfach vorbehandelten Patienten mit hohem Resistenzniveau können derartige Substanzen neue Behandlungsmöglichkeiten
eröffnen und dadurch die klinische Progredienz der Erkrankung bremsen.
2
DIE HIV/AIDS-ERKRANKUNG
Das Human Immunodeficiency Virus / Acquired Immunodeficiency Syndrome (HIV/AIDS) stellt ein grosses Gesundheitsproblem für die Weltbevölkerung dar. Die Erkrankung wird durch eine chronische Infektion mit
dem Human Immunodeficiency Virus (HIV) Typ 1 oder Typ 2 hervorgerufen. Bei den meisten der weltweiten HIV/AIDS-Infektionen liegt das HIV-1Virus vor. HIV-2 wird weniger leicht übertragen und ist im Wesentlichen
auf Teile von Afrika begrenzt.8 HIV-1 weist mehrere genetische Unterformen sowie rekombinante Formen auf, die für die Resistenzentwicklung
der Viren und die Auswahl der Therapieschemata von grosser Bedeutung
sind (siehe 2.6).9
In den Industrienationen hat sich die HIV-Infektion durch die Möglichkeit
einer medikamentösen Therapie zu einer chronischen Erkrankung gewandelt. Die Betreuung von Patienten, die eine Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten erhalten, wird jedoch immer komplexer und muss individuell auf den Einzelnen abgestimmt werden. Häufig ist ein multidiziplinärer Ansatz erforderlich. Probleme mit der therapeutischen Compliance und
mit Medikamentenresistenzen der Viren waren Anlass, neue Substanzen
zu entwickeln. Wir wissen heute mehr über den Prozess der Virusreplika-
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Förderverein Chipunga – Hintergrundinformation zu HIV/AIDS
tion und derzeit werden neue Zielstrukturen für die Therapie erforscht.
Durch verbesserte Therapiestrategien eröffnen sich neue Möglichkeiten im
Kampf gegen die HIV-Infektion.
2.1
Der HIV-Lebenszyklus
Das Verständnis des komplexen Lebenszyklus des HIV-Virus ermöglichte
eine Weiterentwicklung der antiretroviralen Therapie und die Identifikation
der Mechanismen, über die Medikamentenresistenzen entstehen. Wie in
Abbildung 1 dargestellt, vermehrt sich das Virus über eine Infektion von
CD4-Zellen. CD4-Zellen sind T-Zell-Lymphozyten, die den Körper bei der
Bekämpfung von Infektionen unterstützen.
Abbildung 1. Der Lebenszyklus des Human Immunodeficiency Virus
CD4+ Zelle
Fusio
HIV-Partikel
vRNA
Knospung
Reverse
Zusammenbau
CD4-Rezeptor
dsDN
Co-Rezeptor
zelluläre DNA
Integrase
vRNA
Protease
Transkription
mRNA
Translation
Zellker
Der Lebenszyklus des Human Immunodeficiency Virus beinhalt den Prozess der Replikation in den CD4-Zellen und lässt sich in drei Stadien einteilen:
• Eindringen des Virus in die Zelle. Das Virus lagert sich zunächst
über einen als Fusion bezeichneten Prozess (der durch Oberflächenrezeptoren der Wirtszelle vermittelt wird) an die Zelle an und dringt
anschliessend in diese ein.
• Gentransfer. Das genetische Material (vRNA) wird in der Wirtszelle
freigesetzt und dort einer reversen Transkription unterzogen (mit Hilfe
der virale Reverse Transkriptase), so dass virale DNA entsteht. Nach
der Transkription dringt die Virus-DNA in den Zellkern ein und wird in
die DNA der Wirtszelle integriert oder eingebaut, wo sie über Jahre
verbleiben kann. Dieser Vorgang wird durch ein als Integrase bezeichnetes Enzym des Virus unterstützt.
• Zusammenbau und Freisetzung des Virus. Wenn eine infizierte
Wirtszelle aktiviert wird, wird die Virus-DNA in RNA-Partikel transkribiert. Diese Partikel werden in der Nähe des äusseren Teils der Wirtszelle zusammen mit anderen Proteinen zu neuen Viren zusammengebaut, ein Prozess, der durch das Enzym HIV-Protease erleichtert wird.
Die Bildung neuer HIV-Virionen wird als Knospung bezeichnet.
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Nach der Virusreplikation und der Freisetzung neuer Viruspartikel aus
dem CD4+-Lymphozyten breitet sich die Infektion auf andere Zellen aus,
und zwar erst auf die Lymphknoten und schliesslich über das Blut auf den
ganzen Körper.10 Die Virusreplikation setzt sich fort und es kommt zur
Infektion zahlreicher Organe des Körpers.
Die klinische Progredienz der Erkrankung wird durch die Fähigkeit des
Immunsystems, das Virus einzudämmen, bestimmt. Bleibt eine medikamentöse Therapie aus oder verliert sie ihre Wirksamkeit, wird das Immunsystem schliesslich überflutet und ist nicht mehr in der Lage, andere Arten
von Infektionen zu bekämpfen. Dieser Zustand wird als Acquired Immunodeficiency Syndrome (AIDS) bezeichnet (siehe 2.2.2).
2.2
Diagnose, Stadieneinteilung und klinisches Bild
Die HIV-Infektion schwächt das Immunsystem und hat ein komplexes klinisches Syndrom zur Folge. Die Betroffenen können über einen ganz unterschiedlichen Zeitraum symptomfrei bleiben. Später tritt eine Vielzahl
von Symptomen und Begleiterkrankungen auf, die abhängig von den
Auswirkungen der HIV-Infektion auf die allgemeine Immunfunktion ganz
unterschiedliche Manifestationsformen und Schweregrade annehmen
können. Wichtige Faktoren, die Einfluss auf die klinische Ausprägung der
HIV-Infektion haben, sind die Art des HIV-Virusstammes, der Zugang des
Patienten zu einer Therapie, die Wirksamkeit der Therapie und prophylaktische Massnahmen gegen opportunistische Infektionen.
2.2.1 Diagnose und Verlaufskontrolle
Viele HIV-Infizierte wissen nicht, dass sie die Erkrankung haben. Die HIVInfektion kann über bis zu 10 Jahre relativ symptomfrei verlaufen. Weltweit
werden mehr als 90 % der HIV-Infektionen nicht diagnostiziert. In Europa
und den USA liegt der Anteil der nicht nachgewiesenen HIV-Infektionen
dagegen eher bei 20 % bis 30 %.11
Es gibt keine verlässlichen frühen Zeichen der Erkrankung, so dass für die
Diagnosestellung Risikofaktoren den Verdacht deutlich in diese Richtung
lenken müssen. Die Diagnose HIV/AIDS wird dann durch geeignete Bluttests bestätigt. Eine verspätete Diagnosestellung hat eine weitere Übertragung der Erkrankung und schliesslich höhere Behandlungskosten zur
Folge.12
Es gibt mehrere Tests, die Auskunft darüber liefern, ob eine Infektion mit
dem HIV-Virus vorliegt. Diese Tests besitzen die höchste Aussagekraft
nach erfolgter Serokonversion, wenn also die Antikörper-Konzentrationen
im Blut auf Werte oberhalb der Nachweisgrenze ansteigen. StandardBluttest für die HIV-Infektion ist ein ELISA-Verfahren (Enzyme-linked immunosorbant Assay). Dieser Test wird durch einen Western-Blot-Test
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(WB) bestätigt. Eine Alternative zum ELISA-Verfahren ist das Immun-Fluoreszenz-Assay (IFA).
Nach der Diagnosestellung dienen andere Blutuntersuchungen der Verlaufskontrolle der HIV-Infektion. Die wichtigsten Parameter sind die Viruslast (HIV RNA) und die CD4-Zellzahl, die jeweils Informationen zu einem
wichtigen, den Schweregrad der Erkrankung abbildenden Aspekt liefern.
Die Überwachung der Änderungen von Viruslast und CD4-Zellzahl ist für
die Verlaufskontrolle, Progredienz der Erkrankung, das Ansprechen auf
die Therapie sowie die Beurteilung der Notwendigkeit eines Therapiewechsels wichtig.
• Viruslast. Die Viruslast ist der wichtigste Indikator für die Proliferation
des HIV-Virus. Der Viruslast-Test bestimmt die Menge an HIV-RNA im
Blutplasma. Die Viruslast ist ein wichtiger Prädiktor für die HIV-Übertragung13 und das therapeutische Ansprechen.14, 15 Durch die Überwachung der antiretroviralen Therapie soll die Viruslast auf einem niedrigen Niveau (unter 50 Kopien/ml Plasma oder nicht nachweisbar)
gehalten werden.
• CD4-Zellzahl. Die CD4-Zellzahl, angegeben als Anzahl der Zellen pro
Kubikmillimeter (mm3) Blut, ist der wichtigste Indikator für die Funktion
des Immunsystems im Verlauf der HIV-Infektion. Die CD4-Zellzahl ist
der Schlüssel zu Stadieneinteilung der HIV-Infektion, Prognose und
immunologischem Ansprechen auf die Therapie. Sie ist für die zeitliche optimale Abstimmung der antiretroviralen Therapie und prophylaktischer Massnahmen gegen opportunistische Infektionen wichtig
und spiegeln direkt wider, inwieweit die HIV-Infektion in der Lage war,
die Lymphozytenproduktion zu drosseln.16 Als Indikator des
Immunstatus des Körpers zeigt eine hohe CD4-Zellzahl ein gesünderes Immunsystem an. Der Normalbereich liegt bei 500 bis 1.400/mm3.
2.2.2 Stadieneinteilung und klinischer Verlauf
Im Durchschnitt vergehen unbehandelt zwischen Infektion und Tod des
Patienten 10-12 Jahre. Allerdings kann der individuelle Krankheitsverlauf
deutlich von diesem Muster abweichen. Manche Patienten sind über Jahre
stabil, symptomfrei und zeigen keine Progredienz. Der Verlauf der HIVInfektion wird auf der Grundlage von Symptomen und Labormarkern in
Stadien eingeteilt.17
• Primäre/akute HIV-Infektion. Die primäre HIV-Infektion folgt der initialen Virusübertragung und tritt bei 80 %-90 % aller infizierten Patienten auf.18 Es handelt sich um eine vorübergehende symptomatische
Erkrankung, die mit einer hohen Viruslast einhergeht. Die Inkubationszeit kann zwar bis zu 10 Monaten betragen. In der Regel vergehen
aber zwischen der Exposition und dem Auftreten von Symptomen 2
bis 6 Wochen. Es können ganz unterschiedliche Symptome vorliegen.
Am häufigsten sind Fieber, Halsschmerzen (Pharyngitis), Hautausschlag, Muskelschmerzen (Myalgien) oder Gelenkschmerzen (Arthralgien), Müdigkeit, Gewichtsverlust und Geschwüre im Mund.19 Die
Symptome halten durchschnittlich über 3 Wochen an.20 In diesem Stadium liegt in der Regel eine sehr hohe Viruslast vor, die normalerweise
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Förderverein Chipunga – Hintergrundinformation zu HIV/AIDS
•
•
•
von einem vorübergehenden Abfall der CD4-Zellzahl begleitet ist.21
Die Diagnose der primären HIV-Infektion wird häufig verpasst, da das
klinische Bild dem anderer viraler Syndrome wie einer einfachen Erkältung ähnlich ist.
Symptomfreie Phase. Nach der primären HIV-Infektion sind die Patienten in der Regel asymptomatisch. In dieser Zeit läuft die Virusreplikation kontinuierlich weiter und die Viruslast steigt langsam an. Die
Infektion breitet sich nach und nach auf immer mehr Lymphozyten aus
und die CD4-Zellzahl sinkt langsam ab. Die Dauer der symptomfreien
Phase ist von der Funktion des Immunsystems des Patienten, der Virulenz des HIV-Stammes und anderen Faktoren abhängig. Die Phase
dauert mehrere Jahre manchmal auch bis zu 10 Jahren an.
Persistierende generalisierte Lymphadenopathie. Das nächste
Stadium ist durch eine persistierende Lymphknotenschwellung
(Lymphadenopathie) am ganzen Körper gekennzeichnet. In diesem
Stadium enthalten die Lymphknoten viele freie HIV-Viren und CD4Zellen.
Acquired Immunodeficiency Syndrome (AIDS-Vollbild). Schliesslich wird das Immunsystem des Körpers so schwer geschädigt, dass
es nicht länger in der Lage ist, Infektionen zu bekämpfen. In diesem
Stadium beginnen bei den Patienten symptomatische Infektionen und
andere Probleme aufzutreten.
Eines der Merkmale von AIDS sind ungewöhnliche Infektionen, die
Menschen mit intaktem Immunsystem normalerweise nicht betreffen,
sich bei geschädigtem Immunsystem dagegen ausbreiten können.
Diese Infektionen werden als opportunistische Infektionen (OI) bezeichnet. Viruslast und CD4-Zellzahl haben einen unabhängigen Einfluss auf das Risiko für opportunistische Infektionen:22 Je höher die Viruslast und/oder je niedriger die CD4-Zellzahl, desto höher das Risiko
für opportunistische Infektionen. Einige dieser opportunistischen Infektionen lassen sich durch eine spezielle prophylaktische Behandlung
vermeiden.23
CD4-Zellzahl und Viruslast sind unabhängige Prädiktoren des Verlaufs der
behandelten HIV-Infektion. Das Risiko einer Progredienz hin zu einem
Versagen des Immunsystems und zum AIDS-Vollbild nimmt jedoch mit
fallender CD4-Zellzahl und steigender Viruslast zu.
2.3
Die weltweite HIV/AIDS-Epidemie
Im Jahr 2004 waren der WHO und UNAIDS zufolge 2,8-3,5 Millionen Todesfälle im Zusammenhang mit AIDS und 4,3-6,4 Millionen Neuinfektionen
zu verzeichnen und 35,9-44,3 Millionen Menschen litten zu diesem Zeitpunkt an HIV/AIDS.24 In den Industrienationen waren im Jahr 2004 schätzungsweise mehr als 1,6 Millionen Menschen an HIV/AIDS erkrankt.
Ein gemeinsames Merkmal der AIDS-Epidemie in den Industrienationen
ist die schnelle Verfügbarkeit antiretroviraler Medikamente. Auch wenn die
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Förderverein Chipunga – Hintergrundinformation zu HIV/AIDS
HIV-Epidemie in verschiedenen Ländern deutliche Unterschiede aufweist,
werden zwei Eigenschaften der Epidemie deutlich:
• Die verfügbare antiretrovirale Therapie hatte grossen Einfluss auf die
Epidemie, indem sie die zuvor lebensbedrohliche Erkrankung in eine
chronische Erkrankung überführt hat.
• Die Inzidenz nimmt auch in Bevölkerungsgruppen zu, die in früheren
Stadien der Epidemie nicht von der Erkrankung betroffen waren.
Die antiretrovirale Therapie hat die Lebenserwartung von mit HIV-infizierten Menschen deutlich erhöht und die Prävalenz bei Erwachsenen auf insgesamt etwa 0,4 % ansteigen lassen.
2.3.1 Übertragung der HIV-Infektion
Die grosse Mehrzahl der Menschen mit HIV/AIDS infiziert sich über einen
der drei Haupt-Übertragungswege: sexuell, parenteral (z.B. Nadelstiche
oder intravenöser Drogengebrauch) sowie Mutter-Kind-Übertragung. Der
weltweit wichtigste Übertragungsmodus von HIV/AIDS ist ungeschützter
heterosexueller oder männlicher homosexueller Geschlechtsverkehr. Der
Übertragungsweg, der von Land zu Land und in verschiedenen Populationen unterschiedlich ausfallen kann, hat Einfluss auf die Merkmale einer
HIV-Population und auch auf Prävention und Therapie.
2.3.2 Der Wandel von HIV/AIDS im Laufe der Zeit
Die HIV-Epidemie breitete sich in den frühen 1980er Jahren schnell aus,
und zwar überwiegend unter männlichen Homosexuellen im städtischen
Bereich. Dank der Fortschritte der antiretroviralen Therapie sowie dem
Einsatz intensiverer antiretroviraler Therapieschemata und die wirksame
Behandlung von Komplikationen der HIV-Infektion ist die HIV/AIDS-bedingte Mortalität seit 1996 stark rückläufig.25 Die längere Überlebenszeit
nach Diagnosestellung hat die Prävalenz der Erkrankung ansteigen lassen.26 Einer Studie aus den USA zufolge ging die Mortalität von 29,4 pro
100 Personenjahre im Jahr 1995 auf 8,8 pro 100 Personenjahre im Jahr
1997 zurück.27
Fortschritte bei der Aufklärung von Risikopopulationen trugen dazu bei,
die allgemeine Inzidenzrate über die letzten 10-15 Jahre zu senken. Während die Verbreitung von HIV/AIDS bei den männlichen Homosexuellen
während den letzten 15 Jahre zurückgegangen ist, kam es im gleichen
Zeitraum jedoch zu einer Zunahme von AIDS bei Frauen, Minderheiten,
unterprivilegierten Bevölkerungsgruppen und Jugendlichen.28, 29 Aufgrund
der steigenden Inzidenz der Infektion bei Frauen machen diese jetzt 46 %
der infizierten Population aus.
Während die Mortalität abnimmt und die Lebenserwartung ansteigt, gibt es
ferner Hinweise darauf, dass die HIV-Population älter wird.
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Förderverein Chipunga – Hintergrundinformation zu HIV/AIDS
2.3.3 HIV/AIDS im 21. Jahrhundert
HIV/AIDS hat sich in den letzten 25 Jahren von einer rätselhaften Krankheit zu einer der am besten erforschten Erkrankungen der Geschichte
entwickelt. Trotz der wachsenden Kenntnisse über die zellulären Grundlagen der HIV-Infektion gibt es weiterhin keine Heilung. Nach Einführung der
hoch aktiven antiretroviralen Therapie (HAART, siehe 2.5) konnte die Progredienz von HIV/AIDS gestoppt werden und aus einer kurzfristig tödlich
verlaufenden wurde eine chronische Erkrankung, die langfristige Behandlungsalternativen erfordert. Die aus den therapeutischen Fortschritten resultierende ansteigende Prävalenz der HIV-Infektion hat aus gesundheitspolitischer Sicht bedeutende Konsequenzen. Der Eindruck, dass sich die
Erkrankung jetzt gut behandeln lässt, hatte insbesondere in der Gruppe
der männlichen Homosexuellen ein Wiederaufleben von Risikoverhalten
zur Folge.30, 31 Dieses Verhalten kann zu einer Ausbreitung von HIV führen und hat bedeutende Auswirkungen im Hinblick auf die Entwicklung
von Medikamentenresistenzen (siehe 2.6).
Angesichts der rückläufigen Mortalität und steigenden Prävalenz von
HIV/AIDS wird die Population derer, die mit mehreren antiretroviralen Therapieschemata exponiert werden, mit der Zeit grösser werden. Damit ist zu
erwarten, dass sich Medikamentenresistenzen als Hindernis einer effektiven Therapie weiter ausbreiten. Um der erwarteten Welle der medikamentenresistenten HIV-Stämme „einen Schritt voraus zu sein“, werden
dringendst neue Medikamente benötigt.
2.4
Die Auswirkungen von HIV/AIDS
2.4.1 Weltweiter Einfluss auf Mortalität und Invalidität
HIV/AIDS ist eine komplexe Erkrankung, die einen grossen menschlichen
Tribut fordert. Sie ist eine der weltweit führenden Todes- und Invaliditätsursachen. Die Natur der Virusinfektion und die Erkrankungsprogredienz
machen sie zu einer der grössten medizinischen Herausforderungen der
jüngeren Medizingeschichte.
HIV/AIDS steht weltweit an vierter Stelle der Todesursachenstatistik (Tabelle 1)32 - und der Einfluss auf die Mortalität ist steigend. Im Jahr 1990
war HIV/AIDS für etwa 9 % aller auf Infektionskrankheiten beruhenden Todesfälle bei Erwachsenen verantwortlich und es wird erwartet, dass bis
2020 mehr als ein Drittel dieser Todesfälle auf AIDS zurückzuführen sein
werden.33
Tabelle 1. Weltweit führende Todesursachen
Rang
Erkrankung
Anzahl der Todesfälle
% der Todesfälle
insgesamt
1
Koronare Herzkrankheit
7.208.000
12,6
2
Zerebrovaskuläre Krankheit
5.509.000
9,7
3
Infektionen der unteren Atemwege
3.884.000
6,8
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8
Förderverein Chipunga – Hintergrundinformation zu HIV/AIDS
4
HIV/AIDS
2.777.000
4,9
5
Chronisch obstruktive Lungenerkrankung
2.748.000
4,8
Todesfälle durch AIDS ereignen sich in den produktivsten Lebensjahren.
Zwar haben sich die Todesraten in Nordamerika in den letzten Jahren
verlangsamt, AIDS rangiert jedoch weiterhin unter den wichtigsten 10 Todesursachen bei Menschen zwischen 15 und 64 Jahren.34 AIDS ist in vielen Entwicklungsländern für 12-17 % der Jahre an potentiellem Lebenszeitverlust verantwortlich.35
2.5
Die Behandlung von HIV/AIDS
2.5.1 Die antiretrovirale Therapie
Antiretrovirale Medikamente werden danach eingeteilt, an welcher Stelle
sie die HIV-Replikation hemmen. Es gibt derzeit vier Klassen von antiretroviralen Medikamenten: Fusionshemmer, Nukleosidale Reverse
Transkriptase Inhibitoren (NRTI), Nicht-nukleosidale Reverse Transkriptase Inhibitoren (NNRTI) und Proteasehemmer (PI). Jede dieser Klassen
entfaltet ihre Wirkung an einer bestimmten Stelle des HIV-Lebenszyklus
(siehe 2.1, Abbildung 1).
Eindringen des Virus. Fusionshemmer beeinträchtigen die Anlagerung
des HIV-Virus und das Eindringen des Virus in die Zellen des Menschen.
Derzeit ist ein Fusionshemmer auf dem Markt (Enfuvirtide/T-20, Fuzeon®
von Roche).
Gentransfer. Reverse Transkriptase Inhibitoren blockieren die Wirkung
des Enzyms Reverse Transkriptase und hemmen die Transkription der Virus-RNA in DNA. Auf diese Weise verhindern die Substanzen die HIV-Infektion gesunder T-Zellen des Körpers. Es gibt zwei grosse Gruppen von
Reverse Transkriptase Inhibitoren:
Nukleosidale/Nukleotidale Reverse Transkriptase Inhibitoren (Tabelle 2).
NRTI waren die ersten verfügbaren Medikamente gegen HIV. Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über derzeit verfügbare NRTI.
Tabelle 2. Nukleosidale/Nukleotidale Reverse Transkriptase Inhibitoren (NRTI)
Generischer Name (Abkürzung)
Handelsname
Vertrieb
Zidovudin (AZT, ZDV)
Didanosin (ddI)
Stavudin (d4T)
Retrovir
Videx
®
GlaxoSmithKline
®
Bristol-Myers Squibb
®
Zerit
Bristol-Myers Squibb
®
Lamivudin (3TC)
3TC , Zeffix
Zidovudin + Lamivudin (AZT+3TC)
Combivir
®
®
GlaxoSmithKline
GlaxoSmithKline
®
GlaxoSmithKline
®
GlaxoSmithKline
Abacavir (ABC)
Ziagen
Zidovudin + Lamivudin + Abacavir
(AZT+3TC+ABC)
Trizivir
Emtricitabin (FTC)
Emtriva
TRB Chemedica
®
TRB Chemedica
Tenofovir (Nukleotidanalogon) (TDF, TFV)
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®
Viread
9
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Nicht-nukleosidale Reverse Transkriptase Inhibitoren (Tabelle 3). Auch
NNRTI binden an das Enzym Reverse Transkriptase und stören die DNASynthese, allerdings über einen anderen Mechanismus als NRTI.
Tabelle 3. Nicht-Nukleosidale Reverse Transkriptase Inhibitoren (NNRTI)
Generischer Name (Abkürzung)
Handelsname
Vertrieb
Nevirapin (NVP)
Efavirenz (EFV)
®
Viramune
Stocrin
Boehringer Ingelheim
®
MSD
Zusammenbau und Freisetzung des Virus. Proteasehemmer blockieren
das Enzym Protease, das für den Zusammenbau der Bausteine erforderlich ist, über die im Verlauf der Virusreplikation neue Viruspartikel geschaffen werden. Proteasehemmer spielen bei der HAART eine wichtige
Rolle, und zwar sowohl als Anker im Rahmen einer Firstline-Kombinationstherapie als auch als zentraler Bestandteil der HAART bei Patienten
nach Therapieversagen. Die Wirkstärke der Proteasehemmer wurde durch
die Einführung der Boosterung der Proteasehemmer-Therapie durch
Kombination niedriger Ritonavir-Dosen (100-400 mg) mit einem anderen
Proteasehemmer gesteigert. Die gleichzeitige Gabe von Ritonavir hebt die
Blutkonzentrationen an, so dass eine wirksamere Unterdrückung der Virusreplikation möglich wird.36 Die Boosterung der Proteasehemmer durch
Ritonavir ermöglicht auch eine bequemere Medikamentenapplikation
(niedrigere Tablettenzahl und Einnahmehäufigkeit). Tabelle 4 gibt einen
Überblick über derzeit verfügbare Proteasehemmer.
Tabelle 4. Proteasehemmer (PI)
Generischer Name (Abkürzung)
Saquinavir (SQV)
Ritonavir (RTV)
Handelsname
Invirase
Norvir
®
Abbott
®
Crixivan
Nelfinavir (NFV)
Viracept
Lopinavir/Ritonavir (LPV/RTV)
Fos-Amprenavir (FPV)
Atazanavir (ATZ)
Roche
®
Indinavir (IDV, IND)
Amprenavir (AMP, APV)
MSD
®
Roche
®
Agenerase
®
Kaletra
Telzir
Vertrieb
GlaxoSmithKline
Abbott
®
GlaxoSmithKline
®
Reyataz
Bristol-Myers Squibb
Die derzeit verfügbaren antiretroviralen Medikamente bewirken eine Suppression, aber keine Eradikation von HIV. Dieser Umstand ist auf zwei
wichtige Elemente des HIV-Lebenszyklus zurück zu führen:
• Mutationen, die auf den Prozess der reversen Transkription
zurückzuführen sind und zu Medikamentenresistenzen führen.
• Die antiretroviralen Medikamente richten sich gegen in der Replikation
befindliche HIV, so dass die Viren durch ihre Fähigkeit, in inaktivem
Zustand in der Zelle zu existieren, geschützt sind.
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10
Förderverein Chipunga – Hintergrundinformation zu HIV/AIDS
2.5.2 Behandlungsprinzipien und Behandlungsziele
Da in absehbarer Zukunft nicht mit einem Impfstoff oder einer Heilbarkeit
der Erkrankung zu rechnen ist, sind die Behandlungsziele bei der HIV-Infektion:
• maximale und dauerhafte Suppression der Viruslast
• Wiederherstellung und/oder Erhalt der Funktionsfähigkeit des Immunsystems (CD4-Zellen)
• Verbesserung der Lebensqualität
• Verminderung der HIV-bezogenen Morbidität und Mortalität37
Die Reduktion der Viruslast auf möglichst niedrige Werte minimiert das Risiko für das Auftreten von Resistenzen und erhöht die Wahrscheinlichkeit
einer dauerhaften Virussuppression.38 Durch eine dauerhafte Suppression
der HIV-Replikation lassen sich Medikamentenresistenzen und eine Progredienz der Erkrankung hinauszögern und die meisten Patienten können
weiterhin ein produktives Leben führen.
Die Behandlungsziele müssen auch das Erkrankungsstadium und die
verfügbaren Behandlungsalternativen berücksichtigen. Therapieentscheide müssen auf der Basis der potentiellen Risiken und des potentiellen Nutzens für einen bestimmten Patienten getroffen werden. Dabei
spielen die Eigenschaften des Virus, das Ansprechen auf frühere Therapien und die Wünsche des Patienten eine Rolle.
Die HAART ist eine Kombinationstherapie aus mindestens drei antiretroviralen Substanzen, die die HIV-Replikation in der Regel über zwei oder
mehr unterschiedliche Mechanismen supprimieren. Es wurde nachgewiesen, dass die Kombinationstherapie das Auftreten von Medikamentenresistenzen minimiert und die Immunfunktion erhält.
Es gibt im Wesentlichen drei geeignete Behandlungsstrategien für die initiale HAART, die jeweils ihre Vor- und Nachteile haben: Proteasehemmerhaltige Schemata, NNRTI-haltige Schemata und Triple-NRTI-Schemata.
Für keine einzelne HAART-Kombination wurde eine sichere Überlegenheit
bei allen Patienten nachgewiesen. Bei der Wahl des initialen HAARTSchemas sind viele Faktoren zu berücksichtigen, unter anderem die Bedeutung, die die Firstline-Therapie für die Maximierung der Aussichten auf
einen langfristigen Therapieerfolg hat: Das initiale HAART-Schema
scheint die besten Aussichten auf eine effektive und dauerhafte Virussuppression zu bieten.39
Weitere für die Wahl des initialen Therapieschemas wichtige Faktoren sind
Adhärenz, Verträglichkeit und Risikofaktoren für toxische Wirkungen oder
andere unerwünschte Ereignisse.
Im Allgemeinen sind Medikamenten-Änderungen bei der HAART auf einen
der folgenden Faktoren zurück zu führen:
• Nicht tolerierbare Toxizität, schlechte Bioverfügbarkeit oder Unfähigkeit des Patienten, das Behandlungsschema einzuhalten, oder
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Förderverein Chipunga – Hintergrundinformation zu HIV/AIDS
•
Therapieversagen (virologisches Versagen).
Virologisches Versagen bedeutet, dass die Behandlung nicht in der Lage
war, die Virusreplikation zu supprimieren (Reduktion der Viruslast auf
<400 Kopien/ml) und drückt sich in einer hohen Viruslast aus. Ein virologisches Versagen ist in der Regel entweder auf Resistenzmutationen zurückzuführen und/oder darauf, dass das Medikament oder die Medikamente nicht effektiv an die Zielstelle gelangen konnte(n) (z.B. unregelmässige Medikationseinnahme, falsche Dosierung oder schlechte Resorption).
Eine aktive HIV-Replikation schränkt letztendlich die Fähigkeit des Patienten, Infektionen zu bekämpfen, ein und führt zu einem immunologischen
Versagen und schliesslich zu AIDS. Eine sinkende CD4-Zellzahl ist Ausdruck eines Versagens des Immunsystems. Die schnelle Diagnose und
Beurteilung eines virologischen Versagens kann das Risiko einer zusätzlichen Medikamentenresistenz und einer Progredienz der Erkrankung verringern.
Vor Änderung einer HAART sollte eine sorgfältige Untersuchung hinsichtlich der Adhärenz des Patienten, bestehender Medikamentenresistenzen,
Arzneimittelwechselwirkungen, diätetischer Anforderungen, Bioverfügbarkeit und einer potentiellen Toxizität erfolgen.
Während eine dauerhafte Virussuppression bei der frühen antiretroviralen
Therapie realistisch ist, ist im Rahmen der langfristigen Behandlungsstrategie mit einem Therapieversagen zu rechnen. In einer Übersicht zu wichtigen HIV-Versorgungszentren in den USA und Europa wurde bei mehr als
40 % der HIV-Patienten über das Versagen mindestens eines antiretroviralen Behandlungsschemas berichtet.40 Von den Patienten, bei denen
unter einer HAART eine Virussuppression erzielt wird (Reduktion der Viruslast oder eines Virus-Rebounds), erleben 28 % innerhalb von 12 Monaten nach Beginn der antiretroviralen Therapie ein virologisches Versagen.
Nach 24 Monaten steigt dieser Wert auf 37,5 % an.41
Viele der speziellen Strategien zur Auswahl alternativer Medikamente bei
virologischem Versagen basieren auf Annahmen zu vorhergesagten Resistenzmutationsmustern, Sicherheitsprofilen und der Verträglichkeit. Wird
ein HAART-Schema geändert, sollte als neue Medikamentenkombination
diejenige gewählt werden, die auf der Basis der Vorbehandlung des Patienten und der Ergebnisse der Resistenztestung die höchste Wahrscheinlichkeit bietet, die Viruslast auf Werte unterhalb der Nachweisgrenze zu
senken. Dieses Ziel lässt sich leichter erreichen, wenn möglichst viele aktive antiretrovirale Medikamente kombiniert werden. Änderungen der Therapieschemata sollten auf eine Virussuppression abzielen, um auf diese
Weise ein vermehrtes Auftreten von Resistenzmutationen zu vermeiden,
die zukünftige Behandlungsoptionen bedeutend einschränken würden.
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2.5.3 Alternative HAART-Strategien
Das fortwährende Auftreten von Resistenzen beschleunigte nicht nur die
Entwicklung neuer antiretroviraler Substanzen, sondern hatte auch verstärkte Bemühungen zur Folge, Alternativen und Ergänzungen für die
HAART zu finden.
• Doppelt geboosterte Proteasehemmer-Schemata42, 43
• MegaHAART44
• Experimentelle klinische Studien können Patienten, bei denen die herkömmlichen Behandlungsalternativen versagt haben und deren Behandlungsoptionen begrenzt sind, neue Möglichkeiten bieten.
• Fortsetzen eines als Therapieversagen bewerteten Therapieschemas
(sofern klinisch zu vertreten)
• Therapeutic Drug Monitoring (TDM)45, 46
• Nicht bewiesene Strategien: Hydroxyharnstoff,47, 48 Immuntherapie,
Strukturierte Therapiepausen (STI)49
2.6
Resistenzen
Medikamentenresistenzen haben sich zu einem kritischen Faktor entwickelt, da sie bei vielen HIV-Patienten den Behandlungserfolg begrenzen.
Vorhersagen von im Bereich der HIV-Versorgung tätigen Ärzten zufolge
wird das Problem der multiplen Medikamentenresistenz in den nächsten
drei Jahren immer mehr Patienten betreffen: 75 % der europäischen und
84 % der US-amerikanischen Ärzte sagen voraus, dass es in den nächsten drei Jahren zu einem Anstieg des Anteils der HIV-Patienten kommen
wird, bei denen sowohl Proteasehemmer- als auch NNRTI-haltige HAARTSchemata virologisch versagt haben. Nichtsdestotrotz ist der Einsatz von
Kombinationen antiretroviraler Substanzen im Rahmen der HAART weiterhin von grundlegender Bedeutung, da das Risiko von Medikamentenresistenzen auf diese Weise minimiert werden kann. Bei vielen Patienten mit
HIV und AIDS wird der Behandlungserfolg von alternativen Strategien abhängig sein, die auf die multiplen Medikamentenresistenzen abzielen.
Medikamentenresistenzen nehmen zu, wenn sich das Virus unvermindert
replizieren kann. Mit anderen Worten: Eine Medikamentenresistenz führt
nicht nur zum Therapieversagen, sondern verstärkt sich noch durch dieses Therapieversagen. Damit kann das Auftreten einer HIV-Resistenz einen Teufelskreis in Gang setzen, der, wird er nicht gestoppt, zu einer fortschreitenden virologischen und klinischen Verschlechterung führt.
2.6.1 Resistenzmechanismen
Resistenzen beruhen auf Mutationen, die die Empfindlichkeit des HIV-Virus gegenüber der Wirkung der antiretroviralen Medikamente herabsetzen. Bei der RNA-Replikation kommt es häufig zu Fehlern oder Mutationen.50 Je schneller die Replikation des Retrovirus vonstatten geht, desto
grösser die Zahl der Fehler oder Mutationen, bei denen unterschiedliche
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Aminosäuren im Virusgenom ersetzt werden. Die Neigung zu Spontanmutationen ermöglicht die Proliferation genetisch verwandter Populationen
oder Quasi-Spezies. Entsprechend besteht die HIV-Population bei einem
infizierten Patienten eigentlich aus einer Population verwandter Viren, die
aufgrund genetischer Mutationen geringfügige Unterschiede aufweisen.
Bestimmte Mutationen gehen mit Resistenzen gegenüber bestimmten antiretroviralen Medikamenten einher. Da das Auftreten von Mutationen, die
zu Medikamentenresistenzen führen, von einer aktiven Virusreplikation
abhängig ist, lassen sich Medikamentenresistenzen am besten durch eine
erfolgreiche Virussuppression hinauszögern oder auf ein Minimum reduzieren. Damit ist die durch ein Medikament erzielte Reduktion der Viruslast
eines der wichtigsten Kriterien für die Beurteilung der Wirksamkeit des
Medikaments.
Die meisten Resistenzmutationen treten an der Stelle des Virusgenoms
auf, die für die Regulation desjenigen Enzyms zuständig ist, auf das das
Medikament abzielt (Reverse Transkriptase, Protease). Einige Mutationen
neigen dazu, in Gruppen oder Clustern aufzutreten.
2.6.2 Die Prävalenz von Resistenzen
Da Medikamentenresistenzen grosse Bedeutung für die Volksgesundheit
und starken Einfluss auf die Wirksamkeit einer antiretroviralen Therapie
haben, wurden grosse Bemühungen in die Erforschung von Resistenzmustern gesetzt.
Die Gesamtprävalenz von Resistenzmutationen unter einer HAART ist
sehr hoch. Resistenzen gegenüber antiretroviralen Medikamenten nehmen tendenziell mit der Zeit und unter kumulativer Exposition mit einer
steigenden Zahl antiretroviraler Medikamente zu. Damit könnten immer
mehr Patienten, bei denen Mitte oder Ende der 1990er Jahre eine HAART
begonnen wurde, bald mit dem Problem der multiplen Medikamentenresistenz konfrontiert werden.
Abbildung 3. Prävalenz wichtiger Resistenzmutationen: Primäre HIV-Infektion, unvorbe51
handelt
25%
22,7%
20%
15%
10%
10,2%
9,1%
8,0%
3,8%
5%
0,9%
0%
Irgendeine
antiretrovirale
Therapie
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Irgendein PI
1995-1998
1999-2000
multiple
Medikamentenresistenz
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Einer der alarmierenden im Rahmen der HIV/AIDS-Forschung aufgezeigten Trends ist die Zunahme von Resistenzmutationen bei nicht vorbehandelten Patienten, bei denen eine HIV-Infektion diagnostiziert wurde.52, 53, 54,
55
Die Übertragung medikamentenresistenter Viren ist seit mehr als zehn
Jahren bekannt.
Diese Erkenntnisse hatten ein vermehrtes Interesse an einer Resistenztestung vor Beginn einer HAART bei Patienten mit chronischer HIV-Infektion zur Folge. Diese Tests können einen erheblichen praktischen Nutzen
haben, da sie dem Arzt bei der Bestimmung derjenigen Medikamente
helfen, die nicht in ein Initialschema eingeschlossen werden sollten und
die verbleibenden Behandlungsoptionen hervorheben.
2.6.3 Die Auswirkungen von Resistenzen
Das Ausmass von Resistenzen gegenüber bestimmten antiretroviralen
Medikamenten ist ein aussagekräftiger Prädiktor für das Risiko eines virologischen Versagens einer HIV/AIDS-Therapie. Bei den meisten Patienten,
bei denen es trotz mehrerer aufeinander folgender HAART-Schemata zu
einem virologischen Versagen kommt, liegt eine Akkumulation von Resistenzmutationen gegen sowohl Reverse Transkriptase Inhibitoren als auch
Proteasehemmer vor und diesen Patienten bleiben entsprechend nur begrenzte Optionen für eine effektive Therapie.
Eine multiple Medikamentenresistenz hat ein Therapieversagen zur Folge
und verursacht dadurch sowohl in wirtschaftlicher als auch in klinischer
Hinsicht hohe Kosten. Aufgrund des resultierenden Anstiegs der Viruslast
ist mit einem immunologischen Versagen und vielen der kostspieligen
Komplikationen von HIV/AIDS zu rechnen. Fortschritte in Bezug auf effektive Behandlungsalternativen gegen resistente HIV-Stämme sollten die
Progredienz der Erkrankung stoppen oder umkehren und das Risiko
schwerwiegender opportunistischer Infektionen sowie das Mortalitätsrisiko
senken.
Geschwindigkeit und Ausmass der Resistenzentwicklung gegenüber antiretroviralen Medikamenten werden durch mehrere Faktoren beeinflusst:
• Zum
Zeitpunkt
der
primären
HIV-Infektion
vorliegende
Resistenzmutationen
• Ungeeignete HAART-Schemata
• Dauer der Exposition mit der antiretroviralen Therapie
• Therapieadhärenz
• Resistenzmutationen einer früheren Medikamentenexposition treten
unter einer Behandlung mit ähnlichen Medikamenten auf (Resistenz
oder Kreuzresistenz)
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2.6.4 Resistenztestung
Die Auswirkungen von Resistenzen auf den Erfolg der antiretroviralen
Therapie unterstreichen die Bedeutung von Resistenztestungen im Rahmen der HIV-Therapie. Resistenztestungen sind In-vitro-Verfahren, in denen die Empfindlichkeit des HIV-Virus gegenüber bestimmten antiretroviralen Substanzen bestimmt wird. Die Tests erlauben Voraussagen zur
Wirksamkeit einer HAART.56, 57 Die Resistenztestung diente ursprünglich
wissenschaftlichen Fragestellungen, ist aber in den Industrienationen inzwischen integraler Bestandteil der HIV-Therapie. Resistenztestungen erleichtern die Medikamentenwahl und können den klinischen Verlauf günstig beeinflussen, und zwar insbesondere bei Patienten mit Therapieversagen.58, 59
Bei der Resistenztestung kommen zwei komplementäre Testarten zum
Einsatz: genotypische und phänotypische Resistenztests.
• Genotypische Resistenztestung. Sie ist die am häufigsten angewendete Form der Resistenztestung und weist spezifische Resistenz-bezogene Mutationen im Genom des bei dem betreffenden Patienten
isolierten HIV-Virus nach. Es werden vom Wildtyp abweichende DNASequenzen nachgewiesen und mit Resistenzen gegenüber einem
oder mehreren antiretroviralen Medikamenten in Zusammenhang gebracht.60, 61
• Phänotypische Resistenztestung. Sie misst direkt, inwieweit HIVStämme eines Patienten in der Lage sind, sich unter Exposition mit einem bestimmten antiretroviralen Medikament zu replizieren. Die Empfindlichkeit gegenüber einem Medikament wird als IC50 oder IC90 angegeben, also als die Medikamentenkonzentration, die erforderlich ist,
um das Viruswachstum um 50 % bzw. 90 % zu hemmen. Wie auch für
die genotypische Resistenztestung wurde gezeigt, dass die phänotypische Resistenztestung den virologischen Verlauf verbessert, wenn
sie zur Unterstützung der Therapiewahl herangezogen wird.
Auch wenn die Eignung der Verfahren für den klinischen Einsatz durch
neuere technologische Fortschritte immer mehr zunahm, weisen die Tests
auch Grenzen auf. Da eine Resistenztestung in der Regel eine Viruslast
von mehr als 1.000 HIV-RNA Kopien/ml erfordert, werden möglicherweise
nicht alle Resistenzmutationen entdeckt. Dies gilt insbesondere für Patienten, bei denen frühere Therapieschemata versagt haben. Zudem ist die
HIV-Population eines Patienten eigentlich eine Population aus verwandten
Viren, so dass die Resistenztestung nur solche Resistenzen nachweist,
die in den Viren der überwiegenden Stämme vorliegen. Latente Mutationen in Stämmen, die eine Minderheit bilden (also solchen, die weniger als
20 % der Viruslast ausmachen), werden in der Regel nicht erfasst, können
aber nach erneuter Exposition des Patienten mit der Substanz, die die
Mutation ursprünglich hervorgerufen hat (oder bei Beginn einer Therapie
mit einem ähnlichen Medikament der gleichen antiretroviralen Klasse), erneut auftreten. Aus diesem Grund müssen die Ergebnisse der Resistenztestung vor dem Hintergrund früherer Resistenztestungen und eines bekannten Therapieversagens interpretiert werden.
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Um die Aussicht auf eine dauerhafte Virussuppression zu maximieren und
das Risiko für das Auftreten multipler Medikamentenresistenzen zu minimieren sollten Resistenztests die Medikamentenwahl unterstützen. Resistenztestungen tragen auch zur Identifikation von Kreuzresistenzen bei.
2.6.5 Kreuzresistenzen
Eine Kreuzresistenz liegt vor, wenn eine Mutation, die eine Resistenz gegenüber einem antiretroviralen Medikament hervorruft, auch die Empfindlichkeit gegenüber einem anderen Medikament der gleichen Klasse herabsetzt.
•
•
•
NNRTI-Resistenz. Diese Klasse antiretroviraler Medikamente weist
die grösste Neigung zu Kreuzresistenzen auf und alle derzeit
verfügbaren NNRTI sind von Kreuzresistenzen betroffen.
NRTI-Resistenz. Kreuzresistenzen innerhalb der NRTI-Klasse sind
deutlich ausgeprägter als anfänglich angenommen. Die Resistenzen
treten in der Regel mit der Zeit durch die Akkumulation von Mutationen
auf. Eine Mutation, die die Empfindlichkeit gegenüber einem NRTI beeinträchtigt, hat wahrscheinlich auch einen gewissen Einfluss auf andere NRTI, wenn auch in anderem Ausmass. Eine Akkumulation von
Nukleosid-bezogenen Mutationen geht mit einer verminderten Empfindlichkeit gegenüber der gesamten NRTI-Klasse einher.62
Proteasehemmer-Resistenz. Kreuzresistenzen innerhalb der Klasse
der Proteasehemmer entstehen in der Regel durch eine fortschreitende Akkumulation von Proteasehemmer-Resistenzmutationen. Bei
einem Fünftel bis einem Drittel der Patienten sind nach einem oder
zwei Jahren eines kontinuierlichen aus drei Medikamenten bestehenden HAART-Schemas Hinweise auf Proteasehemmer-resistente HIVStämme zu finden.63 Für eine verminderte Wirksamkeit gegenüber
Proteasehemmern sind typischerweise mehrere Mutationen an unterschiedlichen Stellen erforderlich. Dieses Merkmal wurde als “genetische Barriere” für eine Medikamentenresistenz gegenüber dieser antiviralen Klasse bezeichnet.64 Eine effektive d.h. suppressive Therapie
unterstützt den Erhalt dieser genetischen Barriere und schützt auf
diese Weise die Empfindlichkeit gegenüber Proteasehemmern. Darüber hinaus ist nach Boosterung der Proteasehemmer durch Ritonavir
ein noch höheres Resistenzniveau erforderlich, bevor die antivirale
Aktivität signifikant abnimmt.
Allerdings geht die Akkumulation von mehr als zwei oder drei multiplen
Resistenzmutationen mit einer Kreuzresistenz gegenüber den derzeit
verfügbaren Proteasehemmern einher, was die Aussichten auf eine
erfolgreiche Virussuppression deutlich verschlechtert und die Auswahl
an weiteren Behandlungsoptionen stark einschränkt. Wegen des hohen Kreuzresistenzniveaus, das im Zusammenhang mit multiplen Resistenzmutationen auftreten kann, müssen bei der Wahl eines Proteasehemmers nach vorherigem Therapieversagen mehrere Faktoren berücksichtigt werden. Wichtige Merkmale sind dabei die Wirkstärke und
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•
eine hohe genetische Barriere. Darüber hinaus sind die erreichbaren
Medikamentenspiegel sowie das Vorliegen von Mutationen, die bekanntermassen bestimmte Substanzen beeinträchtigen, zu berücksichtigen.
Fusionshemmer-Resistenz. Es wurde über eine Resistenz gegenüber Enfuvirtide (T-20) berichtet, die mit Mutationen an gp41 Codon
36-43 in Zusammenhang steht.
2.6.6 Vorgehen bei Resistenzen
Das Auftreten von Resistenzen setzt einen Teufelskreis aus Therapieversagen und anschliessender Ausbreitung resistenter Virusstämme in Gang.
Damit sehen sich die Patienten immer weniger realistischen Behandlungsalternativen gegenüber, wenn sich unter der immer umfangreicher
werdenden Vorbehandlung Resistenzen ausbilden.
Es gibt einige allgemeine Grundsätze für die Behandlung von Patienten,
bei denen es aufgrund resistenter Viren zu einem Therapieversagen gekommen ist:
• Bei Patienten mit Versagen eines einzigen Proteasehemmer-haltigen
Therapieschemas ist eine Boosterung des Proteasehemmers oder ein
Wechsel auf eine NNRTI-haltige Therapie in Erwägung zu ziehen.
• Bei Patienten mit Versagen eines NNRTI-haltigen Therpieschemas ist
ein Proteasehemmer-haltiges Schema (mit oder ohne Boosterung
durch Ritonavir) in Erwägung zu ziehen.
• Patienten, die eine Triple-NRTI-Therapie erhalten, könnten theoretisch
zum Zeitpunkt des ersten Therapieversagens eine grössere Zahl offener Behandlungsoptionen haben. Andere Ergebnisse weisen aber
darauf hin, dass diese Schemata mit einem schlechteren klinischen
Verlauf einhergehen, so dass sie derzeit nicht empfohlen werden.
Bei der Wahl der nächst besten Behandlungsalternative für den Patienten
müssen die Art des Therapieschemas oder der Therapieschemata, unter
dem oder denen das Therapieversagen aufgetreten ist, sowie das Muster
der Resistenzmutationen berücksichtigt werden. Es ist von entscheidender
Bedeutung, die richtige Substanz, die in diesem Stadium eine dauerhafte
Virussuppression erzielen kann, auszuwählen.
Abbildung 4 zeigt den üblichen therapeutischen Weg, den viele Patienten,
die eine HAART erhalten, über das Versagen eines oder mehrerer initialer
Therapieschemata nehmen. Eines der grundlegenden Prinzipien bei der
Auswahl eines neuen Therapieschemas nach einem Therapieversagen
ist, dass mindestens zwei Substanzen hinzugefügt werden, die gegenüber
dem oder den Virusstämmen des Patienten wirksam sind. Das unterstreicht die Bedeutung der Resistenztestung für die massgeschneiderte
Zusammensetzung eines Therapieschemas mit maximalen Erfolgsaussichten.
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Abbildung 4. Häufige Abfolge von Therapieschemata nach initialem Therapieversagen
Wirkungsloses Therapieschema
Nächstes Schema
3 NRTI **
PI + 2 NRTI*
ODER
NNRTI + 2 NRTI*
NNRTI + 2 NRTI
PI + RTV + 2 NRTI*
PI + 2 NRTI
(ohne Booster)
PI + RTV + NNRTI + 1 oder 2 NRTI*
PI + RTV + 2 NRTI (mit
Booster)
Neuer PI + RTV + NNRTI + 1 oder 2
NRTI*
*NRTI werden als optimiertes Hintergrundschema ausgewählt.
**In Leitlinien wird von dieser Kombination abgeraten.
Der Wahl des Folgeschemas kommt zu diesem kritischen Zeitpunkt im
Behandlungsverlauf besonders grosse Bedeutung zu. Das Folgeschema
sollte auf der Basis der folgenden Kriterien ausgewählt werden:
• Hohe Wirksamkeit gegen resistente Viren und damit bessere Aussichten auf eine dauerhafte Virussuppression.
• Vermeiden einer Kreuzresistenz, um den Wert der ProteasehemmerMedikamentenklasse zu erhalten.
• Keine grösseren Arzneimittelwechselwirkungen.
• Angemessene Verträglichkeit.
Wenn es bei den Patienten aufgrund einer Akkumulation von Resistenzmutationen zum Versagen mehrerer Therapieschemata gekommen ist,
werden dringend neue antiretrovirale Substanzen benötigt, die vor dem
Hintergrund multipler Medikamentenresistenzen wirksam sind. Diese Substanzen müssen das Auftreten weiterer Resistenzmutationen verhindern
oder hinauszögern und schliesslich eine dauerhafte (langfristige) Virussuppression erzielen.
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